1894 / 284 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 03 Dec 1894 18:00:01 GMT) scan diff

Wm .SodannfaßtederLandtag Beschlu über die Prämiierung xiuer Anzahl männlicher und weiblicher ienftboten für lang- _ Thü e innerhalb der preußischen Oberlaustß geleistete treue

tente. Demnä st fand die Verleihung einer Anzahl von Stipendien nach en Vorschlägen des Ausschu es auf Grund eingehenderPrüfung der Gesuche statt. Außer em sprach der Landtag dre Fortbewilligung einer Reihe von Beihilfen IZM Unterhaltung von wohlthätrgen und gemeinnüßigen n- stalten und Einrichtungen aus dem sfür derartige

wecke bestimmten Zinsen-Aniheile des Re crvefonds der

berlaustver Propinztal-Sparkaffe aus. Damit waren die Geschäfte des dieS1ährigen Kommunal-Landtags erledigt. Der Vorfißende schloß, nachdem er noch dem Landesbeftallten, sowie den Ausschuß-Direktoren und Sekretären im Namen des Land- tags für ihre die Geschäfte fördernde Msthewaliun gedankt hatte, den Landtag in üblicher Weise m1t einem och auf Seine Majestät den Kaiser und König, in das die Versammlung begeistert einstimmte.

Sachsen.

Gestern Mittag fand in Dresden die Nagelung, Weihe und Uebergade der an die neuorganisrerten vierten Bataillone verliehenen,11 Fahnen durch Seine Majestät den König im Resrdenzschloß statt. 'Der Feier wohnten die Prinzen des Königlichen Jauses bei. Bei der Uebergabe hielt Seine Ma1estät eine * ysyraxhe an die Re- iments-Kommandeure, worauf Seine Komgltche Hoheit der rin (Georg ein Hoch_ auf den Konig ausbrachte. Ihre ajestät die Königin sowie die Prinzessinnen sa en vom Balkon des Schlosses dem militärischen Akte zu. A ends 7 Uhr fand dann im Rrstdenzschloß ein Galatafel statt, woran der König, die Komgm, die Prinzen und die PFnzessinnen, der Kriegs-Minister und die Gencralitäi theil: na men.

Baden.

Seine Königliche Hoheit der Großherzo 9 hat am 30. v. M. in Baden-Baden den ofterreichisch:unga1ifchen außerordentlickxen Gesandten von Okolicsänyi empfangen und aus dessen „Händen das Schreiben Seiner Majestät des Kaisers von Oesterreich und Königs von Ungarn entgegengenommen, das denselben von dem bisher am Großherzoglichen Hofe bekleideten Posten abberuft. Die Audien fand im Vetsein des Ministers des Großheroniéhen ÜUJLs und der aus- wärtigen Angelegenheiten von * rauer tatt. Hierauf wurde der Gesandte von Ihrer Königlichen Hoheit der Groß- herzogin empfangen und Abends zur Großherzoglichen Hof- tafel gezogen.

Sachseu-Weimar-Éiseuach.

Dic „Weim. Ztg.“ veröffentlicht nachstehenden Erlaß Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der

roßher ogin:

Jn Un?erem tiefen Schmerz 11er das borzritige Ableben Unseres heißgeliebten Sohnes, des Erbgroßhkrzogs Carl August, har Uns wie allen Mitgliedern Unseres Hauses die innige Theilnabmr Unserer Landkskinder von ganzem Herzen wohlgetban.

Die rührenden Kundgebungen des Mitgefühls, die Uns bei diesrm schweren Schicksalsschlage Von allen Seiten zu xheil geworden find, haben Uns bewiesen, wie tief das ganze Land mit 1einem angestammten Fürstenbause den emeinsamen Verlust rmpündet und beklagt, und wie aufrichtig von er Bevölkerung dir Liebe erwidert wird, die der tb§uexebEtntschlafene bis zum [eßten Athemzuge für seine Heimat!)

e e a .

g 9Sein Andenken U15 6 ?Ich in Unserem Lande stet? erbabten und diesem durch das hohe 3 eipiel, welches er durch seine Pflichttreue nnd Opferfreudigkeit stets gkgeben, zum Segen gereichen.

Weimar, den 30. November 1894.

Carl Alsxander. Sophie.

Dasselbe Blatt veröffentlicht ferner folgenden Danxes- Yak; Ihrer Königlichen Hoheit drr Erbgroßherzogrn: * ittwe:

In der riefen Trauer um den Heimgang Meines theuern _Gemabls, des Erbgroßberzogs Carl Augulßt, smd Mir mrs allen Schichten) der Bevölkerung des Großherzogs ums fo zahlrrrche Beweise mmgster Theilnahme zugegangen, das; Ich bcwrgten Hrrzens dafürdMeincn wärmsten Dank aussprechk. Pauline.

Anhalt. Irc Königliche „Hoheit die Prinzessin Fricdri Karlhvon Preußen ist am, 1. d. M. von Dessau naY Berlin zurückgekehrt.

Elsaß-Lothringeu.

Der Kaiserliche Statthalter Fürst 'zu Hohenlohe: Langenburg ist am Sonnabend Nach_m1ttag m Straßburg eingetroffen. Auf Wunsch war jeder großere Em [atx rrnter: blieben. Am Bahnhof waren die Mitglieder des _ rm teriums und des Statthaltereibureaus, der Bezrrks-Prasxdcnt und einige höhere Beamte anwesend. Nqck) kurzem Aufenthalt begab sich der Statthalter in das Palms.

Deutsche Kolonien.

Nachdem durch Verordnungen des KaiH-Zrl'icheU Gouverneurs von Kamerun sowohl für die Ange orrgen , des, DuaUa- stammes als auch für die Eingeborenxn U11 VictortaBeétrke Eingeborenen- Schiedsgerichte eingeführt worden md, ist durch Verordnung des Gouverneurs vom 26. September d. Z. die gleiche Einrichtung auch für „den Mangambastamzn (Abo) getroffen worden. Die Mangambaleute,„ m deren Gebiete mehr als 2000 erwachseye Manner leben sollen, hatten wiederholt 11110 dringend um die Einseßung eines solchen Schiedsgerichts gebeten. Diesem Wunsch hat der Gouverneurxntsprochen, nachdem an Ort und Stelle eingezogene Erkundtgun en ergaben, daß egen die thatsächliche Durchführbarkeit Be enkerz nicht vdr- Hanen waren. Der Gouverneur bemerkt daher, daß 'im

angambalande, welches von der Baseler MJsWU mrsst'omert wird, sich eine genügende Anzahl von Leuten efmdci, dre des Schreibens kundig smd.

Ueber die Ermordung der deutscher: Naturforscher am Kilimandjaro (Deutsch-Ostafrtka) bcrtcht§é deux „D. .Mi-Blatt“ zufolge, Lieutenant Eberhard aus osch1 unter dem 4. Oktober d. J. Folgendes: '

Dem KaiseZiÖen Gouderddemerzxs msFderlY)“ gekÉxcsZTstDYZ-ZÜZI

nt und Dr. ret mer er wr en a l en 11. _ ' Fuer 25. September d.sI in der Rombolandscbaft Kerua (Hauptlmg

Leikturu mit teben Trä ern überfallen und ermordet wurden. '

Dix? Aus age ZFS ?121 bnälclhsZer Z??? d§s ])r. Leni gebltebenen “a tau enzeugen, oys da a ,i 9 en e: . V upGengcmnte: Herren brachen am 24. eptember Nachmrttags voix Marangu auf, marschierten nördlich drr Landschaften Mamba, Msat jun, Muika, Mengue, Keni, Tschimbt, Mkuu nacb Kerua, woselbst sie außerhalb der Landschaft Lager aufschlugen. Am Morgen des

An fbrucbs und nach demselben begleitete eine große Zahl von Rombo- * [mien innerhalb ber Bananen ihre Karawane. Sämmtli e Warombo waren mit Sperren bewaffnet und Teigten eine feindl , e Haltung. Troßdem marschierten die Herren we ter. Dr. Lent hatte innerhalb Kerua den Weg nach Useri verloren und fragte deshalb ein RomboiVeib nach demselben. Die rau lief unter aroßem Gefcbrei davon. ' Inzwischen sammelten 1ch immer mehr Rombo- leute. Ern wetter rückwärts grbender Träger wurde von den Warombo durch Linen Speerstick) verle t. 1)r. Lent, der die Verrvun- dung ,und, die immer drohender wer ende Haltung der Romboleute sal), rief diesen zu, daß er keinen Krieg Wolle, sondern nur, um das Land ayfzunebmen, durcbziebe und nach Useri woÜe. Er wolle ibnetx zym Zeichen seiner friedlichen Abfichten eug u. s. w. geben, und warf einem der Leute gleichzeitig sem Tas entuch bin. _Die Lcute ver- langten, daß Lent sein Gewehr niederlege und ibnenirxdie Hand gebe. Wahrsnd Lent ihrem Wunsch willfahrte, wurde er durch einen Speerstich m'dte rrchte Seite gefödtet. Dr.Kretschmer, etwas rückwärts von Lenk, kniete nieder, schoß einen der Warombo nieder und Wurde dann ebenfalls ermordet. Von den fliebrnden Trägern wurden sieben nieder estoßen. Augenzeuge Abdallah nabm inzwischen Lent's Gewehr auf, s noch einmal auf die Warombo und lief dann ebenfalls davon. Bezüglich der Bestrafung der Lrute erlaube ich mir, auf beifolgenden Bericht (s. u.) zu verweisen. Die beiden Leichen wurden von den Rombos Verbrannt, und konnte ich nur noch deren Gebeine finden, dir nach Marmxgu gebraeht und Hier beigesetzt wurden.

Emcn Thril der Lastén schickte Kinabo nacb Marangu zurück, ein TösesktlnrYrde wahrend des Gefechts; gefunden, Verschiedenes ist noch an an g.

' Die von den beiden Herren mitgeführten wiffenschaftlichen Auf- zeichnungen konnten bis jetzt noch nicht aufgefundrn werden.

Ueber die Bestrafung der Warombos hat Lieurenant Eberhard unter dem 4. Oktober d. J. aus Moscht das Folgende gemeldet:

Am 26. September traf bier von der Station Niarangu dir- Nachrtcht ein, daß 1)» Lent und ])1'. Kretschmer mit siebrn Trägern am 25. Septembsr in der Rombolandschaft Krrua überfallen und ermordet worden seien.

Am 27. September Nachmittags brach ick), nachdem Vorher die westlich Mosebi gelegenen_Landschaften aufgefordert worden, Hilfs- truppen zu stelLen, mit „Herrn Dr. Widenmann und 38 Askaris nacb Marangu auf, woselbft die Nachricht Von der Ermordung der beiden Herren bestätigt Wurdr.

Am 29. September markciyiertc ich nach Kinabc's Borna (Land- schaft Mkuu), woselbst die Hilfstruppen fich auf «haltenen Bchbl hin zu Versammeln hatten.

Hier trafen am gleichen Tage ein: die Häuptlinge Meli, Marsala, Mbarukn, Sohn Fumba's von Kilema, Koimbere von Mamba, Lingaki von Msai juu, Ciga bon Msaitshini, Madschele von Tscbimbi, Jleto Von Keui, Mavrre bon Kondeni, Bararia Von, Muika, Leikiboncr Von Kerua (westlickye Seite), Schundi und Alida Seals von Sintra. ,

Die Gesammtzabl der Krieger moch1€ zwischen 2000 bis 2500 Mann, mit Grivrhren und Spkeren brwaffnct, brtrgqen.

Am 30 Septrmber früh 6 Uhr brack) ich von Kinabo auf, marschierte durch die Landsébafr Uschiri, dann südlich Kerua [Lciki- bona) zwischen Kerua (Leikturu) und Mrau hindurch und griff von der Ostseite an. '

Um 8 Uhr Morgens bcgann der Angriff vo_n seitrn sämmtlrchcr Wadschagga. Ick) batte von bornbersin dic Abiicht, die Askari? gls zu gering an Zahl und der KampfeSart der Warombo unkundtg (Krtrg in unterirdischenGängen und Höhlen), nicht in das Gefecht zu führen, fie vielmehr als persönliche Rescrbr zu benutzen. Um 11 Mr War die Borna Leitkuru's genommen. " .

Als Strafe für die Ermordung der beiden Europacr wurdeq drei grfangene Romboleutr geHängt, ein großer Theil der Hütten medzxr- gebrannt, Bananensäyamben niedergeschlagen und das auffindbare Viel) mitgenommen. _ '

Die Verluste bctrugen nach Angabe Mareale's auf fmndltckyer Seits etwa 104 Todte und viele Verwundete. Auf deutscher Seite 4 Mann wdt und 1.0 Verwundet. Von den Askaris wurde mrmand vérlsßt. Für die Station wurden 20 Stück Rindvieh und 53 Stück Kleinvieh erbeutet. _ _ '

Der Häuptling Lrikturrt ist nach nyri geflüchtet, welch€ Landscbgft drn Befkhl erhirlt, ibn soxort aUSzuliesrrn. L_Oer Lcikturu" gehörtgc Theil der Landschaft Rombo-Kerua Wurde zwi1chen den Hauptlingen Leikibona und Ngamene getbeilt. Am 1. Oktober Nachmittaxxs traf ich wirder bci Kinabo, am 2. Oktobrr in Marangu, am 4. Oktober in Mosckyi cin. Ich erlaube mir n0_ch binzuzufügen, daß di? bestraftr Landschaft dieselbr ist, in welchcr :rincr Zeit Sergeant Schubert niedergestochen wurde.

Oesterreich-Ungarn.

Dic Kaiserin ist vorgestern Abend don Wiennach Mira: mare abgereist, von wo Allerhöchstdieselbc sick) gestern,fr1il) nach Algier einzuschiffen gedachte. Der Kaiser geleitete Ihre Majest? zum Bahnhof und verabschiedete ftch dort auf das her [ich te.

3 Der Großfürst Sergius hat sich vorgestern von Wien nach San Remo begebcxi.

Das österreichische Herrenhaus hat vorgestern end: gültig das Ratengesetz Über die Vereinfachung der Beratbung dcr Zivilprozeßordnung angenommen.

Die berrits in der vorgestrigen Nummer d. Bl. im Aus: zuge mitgetheilte JnLcrpcllation des Abg. Pazmandt) tm ungarischen Unterhause lautete:

1) Hat der Minister des Innern Kenntnis; Von dcr am 28. No- bembsr in Hermannstadt abgehaltenen Versammlung rumänischer Wähler, beziebun swrisr ben den dort gefaßtrn Beschlü en? 2) Hat der Minister drs „nncrn Kenntnis; davon, das; laut drm unkt6 dicser Beschlüsse die Abhaltung eines Kongresses sämmtlicher Nationalitäten des Landes beabsichtigr wird? 3) Hat der Minister des Innern Kenntnis; davvn, daß zur Vertrctung der sogenannten rumänischen Jntcressrn in Hermannstadt ein gebrimrs Comité- gcwäblt Wurde, Welches im besonderen die Aufgabe hat, die Vrrbindung zwischen den ungarischen Rumänen und dem Auslande aufrscbt zu erhalten und zu Pßegen? 4) Was ist allen diesen Thatsachen gegenüber die Anficht des Ministers des Jnnrrn, und was grdenkt er zu thun, damit endlich die Ruhe und der Frirdrn der ungarischen Staatsbürgcr vor den Umtrieben der Nationalitärrn geschützt werden?

Der Minister des Innern Hie ronymi erwiderte», daß er noch keinen Bericht über die Versammlung vom 28. November erhalten habe; sollten die zur Ueberwachungder Versammlung entsendeten amtlichen Or ane ihre Pfkicht nicht gethan habrn, so werde er aufs strengße vorgehen. Die Re ierung habe auch bisher alle präventiven und reprrsswen Vaßregeln zur Eindämmung der Bewegung ergriffen, fte werde auch die Ein- derufun_ eines Nationalitäten-Kon reffes nicht gestatten. Eine meritori7che Beantwortung der nterpeUatton müsse cr slch nock) vorbehalten.

Bei der Bcratbung des Budgets des Ackerbau-Ministerium-Z entwickelte der Ackerbau-Minister Graf Festctics_ die Grund: züge für die Leitung drs Ressorts. Die landwrrthsqbaftliche Kalamität sei hauptsächlich auf das Sinken der Getrerdepreise zurückzuführeu; von einer förmlichen, dre Landwirthschaft dr- drohenden Krise könne jedoch nicht die Redefein. Die Kalamität

ei in ganz Europa eine allgemeine. Eine Beseitigung der- elben sei am besten erreichbar durch Hebung der Produktion,

Verbesserung des Bodens, Verbilligung des Düngers An; schaffung von_ Veredlunössamen, Förderung der landwirtßschaft- lichen Maschzneninvusteie- und Verbilligung des Kredits durch Gründung emcs starken entralinstituts. Von der Löfsung der Kreditfrage hänge wesenu ch die_Lösung der Arbeitcr rage ab, die vornehmlich eine Brotfrage 1ei. Drr Minister stellte ein Viehverficherungsgeseß in Aussicht, fcmer die Förderung der Regeneration des Weinbaues durch Vermehrung der Muster- kulturen und Verbilligung des Anschaffrtngßpreises von Wein- reben, die Hebung der, Pferde: und Hornviehzucht und die Fort- seßrmg der Flußregultcrungsarbeiten.

Frankreich.

Die, Dcputirtenkammer begann vorgestern die Generaldebattc überdas Budget für das Jahr 1895. Der Deputirte Voudenoot (Rechte) bekämpfte die Einkommen- steuer und verlangte Ersparnisse. Der Deputirte Cochin (Rechte) sprach gegen eine Erhöhung der Erbschaftssteuer.

Das Schwurgericht in' Toulouse vcrhandeltc_ in der vorien Woche mehrere Tage Über die bei den legislativen Wa len im Jahre 1893 hier vorgekommenen Wahl- fälschungen. Aus den Aussagen zahlreicher Zeugen ergab sich, daß die Wahlfälschungen einflußreicheren Leuten als dem gegenwärtigen Angeklagten zur Last fielen, die in dcr Mairie und besonders in der Präfektur beschäftigt seien.

Die Pariser Polizei nahm am Sonnabend wiederum Haussuchungen bei Trocart, Hefter und Portalis vor.

cr „Jntransigeant“ zieht in einem am Sonnabend cr- schlemmen Artikel den Direktor im Ministerium des Jxmern Sainsézne in die Erpressungs : Angelegenheit hinein. Lrßtercr hat infolge drffcn gegen den „Intranstgegnt“ eme Verleumdungsklage angcstrengt. eute wird die Untrr: suchung in der ErpreffungSangelegenhett, die gestern geruht hatte, wieder aufgenommen werden. Wie vcrlautet, smd mehrere Vorführungsbefehle unterzeichnet, jedoch deren Ausführung aufgeschoben worden. Die Polizei hat Anweisung erhaYten, fick) für drn Augenblick mit der Ueberwachung der verdächtigen Personen zu begnügen, damit ihre etwaige Flucht ins Aus- land verhindert werden könne.

Rußland.

Der König und dicKönigin von Griechenland snd) nach einer Meldung des „W. T. B.“ gestern Nachmittag von St. Petersburg abgereist; sie werden bis zur Grenze von ihrem Ehrendienst geleitet. Auf dem Bahnhof waren zur Ver- abschiedung der Kaiser und die Kaiserin, mehrere Großfürsten, der _ König von Dänemark, der Prinz und die Prinzessin von Wales, dcr Horzog von York sowie mehrere Minister “und die Generalität anwesend. Am Abend erfolgte die Abreise des Königs und des Prinzen Waldemar von Dänemark, des Prinzsn von Wales und des Herzogs von York. Auf dem Bahnhof waren bei der Abreise der Kaiser, die Kaiserin, sämmtliche Großfürsten und Großfürstinncn sowie die Mitglieder der großbritannischcn Botschaft und drr dänischen (Hrsandtschaft zugegen.

Italien.

Dcr „Agenzia Stefani“ zufolge wurde am Sonnabend der neue serbische Gesandte S to 1 c vom Minister des Auswärtigen Baron Blanc empfangen, wobei der Gesandte den Wunsch seiner Regierung zum Ausdruck brachte, mit Italien aufrichtig freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten: diesen Wunsch bezeuge seine Ankunft in Rom; der- srlbe werde eine weitere Bestätigung erhalten durch die herzliche Aufnahme, welche der italienische Vertreter in Belgrad finden werde. Der Gesandte ersuchte schließlich den MiUistcr, dem König Humbcrt sein Beglaubigungsschrcibcn überrrichsn zu dürfen.

Nach ciner weiteren Meldung der „Agenzia Stefani“ aur;- Belgrad hätte der König Alexander von Serbien die Absicht kundgegcben, den König von Italien im nächsten Frühjahr in Rom zu besuchen. '

Die spanische Regierung hat die italienische ersucht, dcn handelsizolitischcn 11106118 rjrsnäj zu ver- längern. Die italienische Regierung hat sich die Antwort vorbehalten.

Der Minister des Auswärtigen Baron Blanc und der japanische Gesandte haben den Vertrag über die Handels- schiffahrt “mischen Italien und Japan unterzeichnet.

Die Bßätter billigen im allgemeinen den Inhalt der Dekrete über die Organisation der Armee; „Opinionc“ und „Diritto“ mißbilligcn, daß die Reformen durch Dekrrte eingeführt worden seien, und geben ihrem Bedauern über die sick)- immer mehr cinbürgerndc» Schmälerung der parlamentarifchcn Rechte Ausdruck.

Spanien.

Der Ministerrat!) beriet!) gestern den Grfcßentwurf über die Revision des Zolltarifs. Das Kabmet rechnet dem „W. T. B.“ zufolge auf die Annahme des Entwurfs4da dir diesen bekämpfenden Dcputirten aus der Kammermuwrrtät sich der Abstimmung enthalten würden.

Türkei.

Die „Agence de Constantinople“ be cichtzet die Nqchricht als unrichtig, daß die türkische egterunZ m1t_dem bulgarischen Exarchat wegen Ernennung zweier ulgar1schcr Bischöfe vcrhandelc.

Dänemark.

Der König wird sich dem „W. T. B.“ zufolge nach“ seiner Rückkehr aus St. Petersburg zur Verse 1131 der Prin essm Louise uSchleswig-Holstem-Sonderburg: lu Iburg a Mittwoch nac?) Jßehoe begeben.

Amerika.

Wie „W. T. B.“ aus Washington berichtet, erkxärt der Staatssekretär Gresham den Inhalt cinrr am Fretta in New:Y0rk verkYentlichten Depesche aus Washington, zvona der amer1kanische esandte in Pekin „von sech beunruhrgxnden dortigen Zuständen berichtet hätte, ur'dur aus ynbegrunder- Er Habe em Telegramm dieser oder ahnlicher Art mcht erhalten. - on gutunterrichteter Seite werde nzitgrtherlt, dak; Japqn auf die durch VermittelunZ des amerikanischen Ge andten'm, Peking gemachten Frie ensvorschlä'ge Chinas eme &ünstige Antwort ertheilt Habe; allem China werde den

eweis liefern müssen, daß es den WiUen und die Macht ,

habe, seine Anerbietungcn zu erfüllen. ' _

Einem in Buenos Aires verbreiteten (Herucht zufcxlgr würden, wie „W. T. B.“ meldet, Mitre und Pellegrtnr. in das Kabinet eintreten.

Asien.

Das „Reuter'scbe, Bureau“ meldet aus Yokohama, im Hauptquartier von H1roschima ei Folgendes durch Anschlag bekannt gemacht xvorden: Am “_ 8. o. M. tele raphiertc der Gouverneur von Kinga, der chines1scheZol1kommi ar Detring wünsche eine nterredung mit dem Premier: Minister Grafen Ito und überbrmge ein Schreiben Li : Hung- Ts anZ's. Der Sekretär des Grafen Ito habe sick) darauf na ohr be ebe_n und Detring benachrichtigt, daß der Premier: imster die gewünschte Unterredung ver: weigere, wenn Detring nicht gehörig accreditiert sci. Außer- dem sei das von Detring überbrachte Schreiben mit der Be- merkung zurückgesandt worden, die Verhandlungen könnten nur durch einen berufenen Gesandten geführt werden. Detring habe darauf in einem Privatschreiben an den Premier-Minister in Abrede gestellt, daß er von Li-Hung-Tschang gesandt worden sei.

Eine in Washington eingetroffene Depesche aus Tokio meldet, daß der japanische Minister des Auswärtigen dic GegenforderungenJap uns dem amerikanischen Gesandten Dun mitgetheilt habe, der sie dem amerikanischen (Gesandten in China Dcnbt) übermitteln werde. Ueber die Verhand- lungen werde das größte Geheimnis; bewahrt, dock) nehme man an, daß die japanischen Vorschläge von denen Chinas Hauptsächlich in dem Betrags der verlangten Entschädigung, owie in der Forderung einer Reibe drückcndcr Garantien ab- wichen, unter denen sich die Vescßung von Port Arthur bis zur Erfüllung des Friedensvertragcs befinde.

Afrika.

In Paris cinxetroffenr Meldungen aus Tanger bc: sagen, daß die S wicrigkciten zmischrn Marokko und Italien beigelegt seien. Der Sultan habe eine Kommission ernannt, die fick) nach Livorno begeben solle, um das für Rechnung des Sultans in Italien gebaute Panzerschiff zu übernehmen. Die Zollbehörde in Tangrr sci angewiesen worden, die Kostwn fÜr das Panzerschiff und dir von Italien geforderte EntschädigungIsnmmc miszixzahlcn.

Entscheidungen des Reichsgerichts.

Nach 5" 11 W Baufluckytengrseyes Vom 2. Juli 1875 tritt mit drm_ Tage der Offenlegung des Bebauungsplans dir Be- fchrankung des Grundri entbümers, daß Neubauten, Um- und Ausbauten über die Flu tlinie hinaus vrrsagt werdrn können, rud- gültig rin. Dies€_Besti1nmung findet, nach einem Urtbeil drs Rrichs- gericbts, ?. Ziviljenats, vom 22. Septrmber 1894, auch Anwendung aufdie Fortscßung konsentirrtrr undangefan enrr Bauten - selbst wenn drr Rohbau bereits voUcndet und nur no der innere Aus- bau Vorzunehmcn ist - dergestalt, daß kraft diescr Vorschrift die ertbeilte Bauerlaubniß zurückgezogrn und dadurch die Vollendung drs Baues verhindert werden kann. „Es war davon außzugehkn, daß _der Bauunternehmer durch die Ertheilung dsr pc-lizeili cn Bauerlaubniß ein unwiderrufliches und unentziebbares Recht au die Ausführung des Baues nach Maßgabe der ertheiltcn Erlaubnis; nicht erwirbt. Es kann aber rechthrundfäßlich keinen Unterschied begründen, ob bei Ein- tritt drs Hindernisses mit dem Bau schon begonnen ivar oder nicht. In diesem wie in jenem Fall wird die der ursprünglichrn Versagung leichstehende Zurücknahme der Bankrlaubniß durch die grseleiche JFiqenthumsbeschränkung des § 11 des Grseßes Vom 2. Juli 1875 gedeckt. Ist aber dem Brrufun Erichter grundsäßlich darin beizutreten, daß die Eigenthumsbes ränkun des § 11 565 Gesetzes auch gegenüber einem mit po izeilicher Er- laubniZ schon in Angriff genommenen Bau wirksam wird, so kann es rrcbtli auch keinen Unterschied machen, in welchem Stadium der während sriner Ausführung yon einer Flucbtlinienfestsetzung betroffene Bau sich befindrt, und es muß dem Brrufungsrichter frrner auch darin beigestimmt werden, daß auch der innere Ausbau eines schon unter Dach ebrachten Gebäudes unter dir Vorschrift des ' 11 a. a. O. fäUt, ofern dadurch die Ausführung des inzwischen fe fgeseßten Be- bauungsplans Verzögert odcr erschwert werden würde.“ (101/94.)

- Nach F“ 97 der Zivilprozeßordnung können RechtSanwalÉe durch das Prozeß cricht auch yon Amtswegen zur Tragung drrjenigrn Kosten Verurtheit Werden, Welch? sie durch grobrs Verschulden vsranlaßt haben. In Brzug aus diese Berstimmung hat das Reichs-

ericht, 1. ivilsenat, durch Beschluß vom 13. Oktober 1894 außge- Yrochsn, da die durch prrsönliches grobrs Verschledenrines G en era [ - Substituten des Recht§anwalts veranlaßten Kosten dem ver- tretenen Rechtsanwalt aufzuerlegen sind. „.Bei Entscheidung der rage ist daywn auSzugeben. da , da Z' 29 der RechtSanwaltsordnung den' nwaltver fiichtet, in Fällen ängerer AbWeseybe'it für seine Stell- vertretung zu orgen und den Vertreter dem Gertcht, bri rvclcbem er zugelassen ist, und dem Amtsgericht zu benennen der Vertreter eines Nech1sanwalts in Abwesenheitsfäücn sowohl dem Gericht geéenüber wie im Verkehr mit dem rcchtsuchend€n Publikum ausschlicß'ich als die Person des Nechtsanwalts repräsentierend in Beira t kommt. Ist dtes'aber der Fall, so erscheint es gerechtfertigt, Ver eben der oben bezeichn616n Art, wenn sie persönlich auch nur dem Vertreter zur Last xalTen, tm Vrrhältniß zur Partei und drm Gericht grgenüber als Versrhrn des Anwalts zu behandeln“. (63/94.)

Entscheidungen des Ober-Veertungsgerichts.

Das Geiverbrfteuergesexz vom 24. Juni 1891 stellt vier errrbc- steuerklaffen auf, welche nach der Höhe des Jabraßertrages oder nach dem Werthc_des Ansa e- und Betriebskapitals bestimmt sind. Frrnxx smd Steurréäyc für 1Lede Klasse (höchste - untiele - geringste, Sätze) bestimmt und dane an ist im § 15 Nr. 2 frftgeseyt, daß „mti Außnabme derjenige Betriebe, welche bei ge- rmgerem als dem für die' betreffende Klasse maßgebenden Ertrage wegen der Höhe des Anlage- und Bstriebkapitals der Klasse zu- gebören“, die Steuer des einzrlncn Gewerbebetriebes den Saß von 1 0/9 des jährlichen Ertrgaes unter Berücksichtigung der für die betreffende Steuerklcxsse ulassigen Steuersätze nicht über- steigen darf. In Bezug auf diese cstrmmung hat das Ober-Ver- waltungSgericht, 171. Senat, durch Entscheidung vom 27. September 1894 ausgesprochen, daß auch bei Betrieben, Welche we en der Höhe des Anlage- und Betriebskapitals einer [affe zu-

ehören, ,die Steuxr nicht den Satz von 1% des Jahresertra es 1 berstrtgen darf, wenn der Ertrag nicht unter dem HundertsacLJLn des germgfienSteuersaßes der betr. Klasse fich hält; ist aber der Jahresertrag em gerin ercr„)o ist jedenfalls nach dem geringsten Steuersatz der Klg e dic Steuer zu leisten. Beispielsweise die Klaffe 111 umfaßt die Betriebe mit einem jährlichen Ertrage von 4000-20000 „M oder „mit einem Anlage- und Betriebskapital im Werthe von 30000_ biH 150000 “46 und die zuläsfigen geringsten und Höchsten Steuersaße rn Klasse 111 betragen 32 bis 192 «44 Ist nun der Jabreßertrag eines Betriebs mit 50000 „44 Anlage- und Betriebskapital „3200 546 oder mehr, so ist die Steuer mit 1 0/0 oder dem, nachstniedrtgen Steuersatz zu entrichten; ist der Jabreßertrag wem er als 3200 „;ck, so sind 32 «M (der niedrigste Steuersaß der Kla e 111) zu entrichten. - 'In dem zu Grunde liegenden Faüe war ein Gewerbebetrieb mit einem JabreSertrag von 600 „44 lediglich wegen des 3000 «Fi über eigenden AnlYe- und Betriebskavitals in der Klaffe 117 mit 12 „M !) feuert. Die 5 erufung des Zenfiten gegen

diese Besteuerunq bei der BezirkSreaicrung hatte keinen ErfylL, aber auf seine Beschwerde beim Qber-VerwaltunaSgeri t ermäßtg e dieses die Steuer auf 4 «455. (den nachftmedrigeren Steuer a von 1 9/9 .des Ertrages), indem es bcgründend ausführte: „Nach der ortfaffung des § 15 Z. 2 des Gewerbesteuergeseßes liegt es nahe, *die Eingangs- worte „mit AuMabme derjenigen Betriebe“ u. s. w, auf den garrzen Inhalt des ersten Satzes im § 15 Nr. 2 a. a. O. zu beziehen, diesen Sax also dahin zu Verstehen, daß das hier ausgesprochene Verbot der Befeuerung über 1% des Ertraaes hinaus auf diejenigen Be- triebe, welcbe der betreffenden Klasse nur WFM des Anlage:- und Betricbskapitals angehören, überbauvt keine nwendung finden soll. Dagegsn zwint die Wortfasmng keineswegs zu einer solchen Auslegung. Vielme r kann die Geseßesbestimmung sprachlich aucb dahin verstandén werdeii, das; das Ver ot der Besteuerung über 1 !)/o hinaus für die betreffende Klaste wegen der Ertragsböhe angehörenden Betriebe ein absolutss. uneingeschrän7t€s sein, dagegen für die der Klassik nur wegen des Anlage- und Betriebskapitals zugewiesenen Be- triebe zwar im allgemeinen elten, aber eine durch. die Bemessung eines gesetzlichen niedrigsten teucrsaßes bedingte Einschränkung er- leiden soll. Bei der aus 'der Wortfaffung fich ergebenden Unklarheit kann die Auskegung nur gar!) dem Sinne und der Absicht des Gesetzes geschehen und hiernach ist die"allgemeine Geltung des im § 15 Nr._ 2 a. a. O. aus esprochenen Verbots mit der zuvor gcdachten Ein- schränkung ni t zu bezweifebi . . .“ (171. (*:. 71.)

Kunst und Wissenschaft.

* Der bekannte Militär-ancnieur und Alterthumsforscher, Mitglied dcr Limcs-Kommisficn, Oberst Karl August von Cohausen, ist, wie dem „W. T. B.“ heute aus Wirsbaden gemeldet_ wird, im 73. LebenSjabrr gkstorben. Herr von Cobausrn unternahm in den Jahrrn 1850 und 1851 Ausgrabungrn bon alten Ver1chanzungen und Gräben auf drm unÖrück und Wurde im Jahre 1871 zum“ Konservator der ltertbümer in Wiesbaden Crnannt. Jm Auftragr des Kaisers Napokeon 111. stellte cr für dessen .Lrben Cäsakß“ im Jahre 1862 arckyäologischr Untersuchungen im Maas- und Rbrinland an. Seit 1875 gebörtr er den) Vermaltun skatb des Nömifch-_Germanischen Museums in Mainz, reit 1885 an dem des Germanijchen quseums in Nürnberg an. Au er zahlreichen anderen Arbeite'n vrröffentlichtr Ebhausen: „Cäsars beinbrückrn' (Leipzig 1867), .Der Römische Grenzwall in Deutschland, militärische und trchnischc Beschreibung“ (Wiesbad-Zn 1884) und „Dic? Alterthümer im Rheinland“ (Wiesbaden 1890).

Land- und Forfüvirthschaft. Saatrnstand in Spanien.

Zn dcn mciftrn Yovinzen Spaniens hat die Brstrllung der Feldcr untrr günstigrn___ itterungsverhältniffen stattgefunden, und die jungen Saaten weisen 169011 an manchrn Orten einen recht Erfreulichen Stand auf. Ueber Mangel an Fruchtigkrit wird nur in Einzelnen Distriktrn geklagt.

Erntcrrgebnissc in SchWLdLn.

Ueber drn Ausfall dsr dirsjährigcn Ernte in Scthén gebt uns folgende Zusammrnstrllang zu: Errrag über ('H-) oder unter (-) dem Durchschnitt "111 drr erten 10 Jahrs. 1 473 600 - 11 9/0 100600 F 79/9 6 596 500 13 0/0 Sommrr- 98 200 0 % (Hrrste ..... 5 201 400 6 9/0 afcr _ 24 638800 1.5 0/0 rngc'forn . . . 3399300 Erbscn ..... 537 100 Bohncn . . . . 79200 Wicker! ..... 282 800 Kartoffeln 15 888 600

Wrier, Wintrr- Symmcr- Roggcn, Wintrr-

_. 18 0/0

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

Preußen.

ch.-Bez. Oppeln. Der Régierungs-Präsident bat untrrm 22. Noyember 1894 die Verordnungen vom 25. Juli, 28. September und 24. Oktober d. J., betreffrnd diexMeldepflicht der aus den als Cboleraberde erklärten galizischen Bezirken zugereisten Personen, sowie das Vrrbot der Einfuhr yon Leibwäscbe u. s. w. (vergl. ,N.-A.“ Nr. 185, 237 und 259 vom 8. August, 8. Oktober und 2. Roycmber 1894) auf die von dem Kaiserlich Königlich österreichischen Ministerium des Innern als Cboleraberde erklärten galizischen Bezirke Bobrka, Brzc- zany und Brody ausgedehnt, dagegen für die als cholerafrei erklärten Bezirks Chrzanow und Wirliczka und die Stadt Krakau aufgehoben.

Portugal.

Durch Veriügyng des KönigliZ portugiefischen Mixxistrriums des Innern smd die Häfrn Von St, etersburg. Narba, Kronstadt und des"Finntschen Meerbusens seit dem 10. v. M. für rein von Cholera erklart worden. (Vergl.__,Reichs-Anz.“ Nr. 162 Vom 12. Juli und Nr. 189 vom 13. August d. J.)

Handel und Gewerbe.

Bei den Abrechnungsstellen der Reichsbank wurden im Monat November 1). I. 1616005600 „46 abgerechnet gegen 1 651897400 „46 im Oktober d. J., 1506688200 „44 tm November 1893, 1326 973600 „44 im Novrmber 1892 und 1418 035 300 516. im November 1891.

_ Nack) einer Verordnung der Lokalregicrung von Malta ixt die Einfuhr von Kartoffeln aus Großbritannien und Irland dorthin vyrboten; zur Zufuhr von Kartoffeln aus allen anderen Ländern bedarf es eines vom britischen Konsul des Orts, aus welchem die Kartoffeln stammen, aus,“,ustcllenden Ursprungszeugniffcs.

Tägliche Wagengestellung ür Kohlen und Koks an der Ruhr und in berschlesien. An der Ruhr sind am 1. d. M. gestellt 11623, nicht recht- zeitig gestellt 253 Wagen. ' In Oberschlesien sind am 30. U. M. gestellt 4556, nicht recht- zeitig gestellt keine Wagen.

_, Zwangs-Versteigerungen. Beim Königlichen Amts erlebt 1 Berlin stand am 1. Drzember das Grundxtück, Wa sertborstraße 38 belegen, dcr

Wittive Clgra Dolfu ebörig, zur Versteigerung; Nuvungswertb 9840 „44; fur das Meist ? ot von 158100 ck wurde die Luisen- städtische Genossens afts-Bank, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftp icht, Wassertborftraße 22, Ersteherin. - Vertagt wurde das Verfahren der Zwangsvrrstcigerung Wegen des l(;HrundstühchYChausfeanße 52, dem Fräulein Agnes Sommer- urg ge rt .

Beim Königlichen Amthericbt 11 Berlin stand das im Grundbuch von Schönerlknde Band 9 Blatt Nr. 283 auf den Namen des Mühlenbesißers Gustav Marzahn eingetragene, u Schönerlinde belegene Grundstück zur Versteigerung. FläHe 40,90 &; Nußungswerth 139 «;(; Mindestgebot 150 “jk" für das Meistgebot von 7200 „36 wurde der Mühlenmeister Ébristian Friedrich Wabs e zu Schönerlinde Ersteher. - der Zwangsversteigerung des im Grundbuch von Schön eberg

Das Verfahren '

Bapd ZZ KBZlsM Nr.512b7Z Huf LTM NammScdbrösnMM etnrt ezu ne nge agenen zu e Fraße17, belegenen rundftügcks wird auégebobenéeblk Termine am 17./23. Dezember d. J. fallen fort. ,

Berlin, 1. Dezember. Woixenbericht für Stärke, Stärkefabrikate und Hülsenfru te von Max Sabersxy. la. Kartoffelmebl 174-171 «si, la. artoffelstärke 17 -17k .“, l1a. Kartoffelstärkemehl 13-16 „ii, feuchte Karro 'elst rke Fratbt- parität Berlin 9,50 „16, Frankfurter Syrup - Fab en zahlen Werkmeisters Bericht fr. Fabrik 9,10 „46, gelber Syrup 19-19F .“, K .-Svrup 201-21 «. Kap.-Export 211-22 „x. Kartoffelzucka ZZ 19Z-20 „kk, do. Kap. 2011-21 .“, Rum-Kuleur 33-34 „ac,

ier-Kuleur 32-34 «, Dextrin, gelb und wekß do. sekunda 21-22 .“, Weizenstärke (le' t.) WWstärfe YUM“) 33-35 .“, HaUesche 34-36 „44, is tärke (Strahlen) 49-50 „ji, . ( 47-48 :,“, MaiSstärke 32-34 „14, Schabeftärke 30-31 „ji, Viktoria-Erbsen 16-20 „M, Kocherbsen 133-18 .“, grüne Erbsen 14-19 „44, Furtererbsen 12z-13 „ji, inländische Bobnen 22-24 „FQ, weiße Flacbbobnen 24-26 .,“, ungaris Bohnen 19-213» galizisrhe und rusfische Bohnen 17-19 .“, große neue Linsen 30-42 «jk, mittel Linsen 20-30 „44, Keine Linsen 14-20 „M, Mohn, blauer 30-40 „44, do. weißer 40-46 .44, Hirse, weiße 18-20 .“, gelber Senf 20-26 .“, Hanfkörner 19 bis 20 „14, Buchweizen 133-15 „44, Wicken 133-14é ckck, Pferdebobnen 12-123 „16, Leinsaat 20-21 «14, Mais loko 111-13Z „ji, Kümmel 54-60 „;ck, Leinkuchen 12-13 „M, Rapskuchen 11z-12k .“, Roggenkleie 63-7 «46, Weizenkleie7-71Y „44, pa. helle getr. Biertreber 28-300/9 10-10-1- 514, pa. Getreideseblemvc 31-330/0 11 bis 123 «Fk, pa. Maisschlempe 40-42 0/9 122-137) „M, pa. Malzéeime 8-94 «jk (Mes per100 ]TZ ab Bahn Berlin bei Partien von' mindestens 10000 kx.)

- Vom oberschlecsiscben Eisen- und Zinkmarkt berichtet die „Scbxes. tg.“: Die gligemeine Lage des oberschlesischen Eisen- geschäfts ist in olge der mtt Fixer Woche spärlicher eingehenden Auf- träge keine erfreuliche. Das obeisengeschäft zeigt das Gepräge der Vorwvaben, der Absa im Revier wird bei dem schwachen Be- schäftigungSgrade der Wa zwerke und Eisengießereien immer gerin er, und nach auswärts ist er kaum noch erwähnenSWertb. - Hie Lage der Walzwerke ist unverändert. Daß einzelne Werke noch leidlich beschäftigt find, [iegt daran, daß fie für beborzugte Qualitäten und Walzsabrikate noch einigen Absaß nach dem Auslande haben; im allgemeinen ist jedoch das Walzeisengescbäft schr matt und die Meisten Werke find Wegen Man els an Aufträgen unzulänYikch beschäftigt und gezWUngen, mit einigen alzenstrecken zu feiern. it der Erganzung drr leeren Läger werden die Händler wohl erst nach Beendigung der Inventur anfangen; Vorläufig beziehen fie nur diejenigen Quantitäten “an Walzeisen, deren fie zum augenblicklichen Bedarf benötbigen. Stab-, Rund- und Flacheisen wird gegenwärtig am meisten begehrt, * während _aus Fein- und Fagoneifen sowie für die groben Sorten wsnig Aufträge eingeben, sodaß ein Theil dirser Sortimente auf das Lager gebracht iverdrn muß. Grobbleche blieben weiter vernach- lässigt, während für Feinbleche immer noch ziemliche Nachfrage, besonders aus dem Agslande, vorhanden ist. Die S tahlwerke rubxn fast gänzlich. Kleinere Stahlfabxikate werden eher noch in Auftrag ZELLÖLU, jrdock) unzulänglich für einen re elmäßigen und lohnenden * etrieb. Maschinenfabriken und Keéselschmieden find nach wie vor nur mäßig beschäftigt, während Draht- und Nägel- werke ungeschwächt weiter arbeitrn, jedoch größtentbeils auf Vorrath. - Jm Betrirb der Eisengießcreien ist in _[eßter Woche eine Aenderung nicht my_rgekommen. - Das Nohzinkgexchaft nahm in ver- äoffenex Woche ans_Grund besserer Berichte eine festere Faltung an; boniHandlern ist Für Walzzink 1 «14 pro 100 RZ me r gefordert wrrdm].

Verdingungen im Außlaude.

Belgien.

19. Dezember, 11 Uhr. Börse in Brüssel: Lieferart von ge- iZöbnltcben Röhren ,und gezogenen Eisenröbren für Damp effel der Staats-Packetboote mOstende in einer Abtheilung (Speziallastenbeft Nr. 27), Sicherheitsletstung: 3000 Fr.

Nachstens. Börse in Brüsscl: Lieferung von 2Drebscheiben von 16,50 m Durchmesser für Lokomotiven in 2 Abtheilungen. Sicher- hrttslcistung: 750 Fr. für jrde Abtheilung.

Nächstens. Ebenda: Lieferung don metaUcnen Signalmasten mit Hebelarmen und Zubehörstücken in 2 Abtheilungen. Sicherheits- leistung: 2000 bezw. 950 Fr.

Näch1tens. Ebenda: Lieferung bon Distanzfignalen, Haltesckpeiben, Ran ierapparatrn, DrahtleitungSroUen, Kabeln aus galvanisiertem Sta [draht und Drahtwerbindungsröbrsn in 3 Abtheilungen. Sicher- hritsleistung 800 bezw. 720 und 120 Fr.

Verkehrs-Anftalten.

Vom 1. Januar 1895 ab werdcn im Verkehr zwischen Deutsch- land und 'drn Pwstanstalten des Drutxch - Ostafrikanischen Schußgrbtets nchn dcm bestehenden Austausch von ostpacketen bis 51V aucb schwerrrc Packetsendungen obne Wert angabe bis zum Gewickyt von 10 „YZ zugelassen. Die Beförderung dieser Sen- durigen erfolgt ausschließlich auf dem Wege über“ Hamburg mittels der Ratchs- ostdampfcr der Deutschen Ostafrika-Linie. Das Porto ist stets vom Ab endcr für die ganze Beförderungsstrecke zum voraus zu entri ten. Dasselbe seyt sich zusammen aus dem innern deutschen, nach der nt- ferxiung und dém Gewichtßzu berechnenden Porto für die Be örderung zwrschxn dem deutschen Ausgabe: bezw.Besttmmun Sort und mburg, sowie aus einem festen Portosaß von 4 „44 40 „& kZür die Be ördcrung zwischen Hamburg und den Poéwrtrn in Deutkch-Ostafrika.

Der Postdampfer ,Obdam' der Niederländisch-Ameri- kanischen Dampfschiffabrts-Gescllschaft ist am 30. No- dember tn New-York angekommen.

Brrmrn, 2. Dezember. (W.T. B.) Norddeutscher Lloyd. Der Retcbs-Postdampser .Hohenzollern' bat_ am 30. November Abends Vlissingen passiert. Der Postdampser_ „H. H. Meier“ hat am 30. November Abends Las almas passiert. Der Post- . dampfer „Stuttgart“ ist am 30. * Odember Abends in Balti- more angekornmen. Der ,RcichS-Postdampfer .Gera“ ist am 1.De- zember Vormtttags in Aden anÉkommen.

London, 1. Dezember. ( . T. B.) Der Castle- Dampfer „Tantallon Castle“ hat Freitag an der imreise Plymouth pasfiert. Der Castle-Daxnpfer ,Harle Ca tler“ bat Freitag auf der Außreife die Kanarischen Inseln pasrert. .

Ostende, 1. Dezsmbr'r. (W. T. .) Der Postdampfxr „Marie Antoinette“ ist in dem hicfigen afen eingrtroffen. Dre 36 an Bord brfindlichrn Passagiere sind wob ebalten.

Konstantinopel, 1. Dezember. LW. T. B.) Von dem Neubau der Anatolifchen Eisenbahngx ell cba'ft Esktcbebir- Konia sind die Arbeiten der ersten Tbeilftrecke is Alayund-Kutabia, . ca. d77 km, der Rrgicrungskommisfion zur Abnahme unterbretut * wor en.

Theater und Musik.

Königliches Schauspielhaus. _ .

Dre crste Aufführung von Richard Skowronnek's neuem Lustspiel Halali“ fand am Sonnabend eine sehr freundliche Auf- nahme. r Verfaffcr gehört nicht zu den Kampf weckenden und Schule machenden Dichtern, die in selbstbewußter Kraftfülle und in Jugendmuth naZ neuen Zielen streben. Er bewegt Lieb auf den *

alten bekannten faden des gemütb- und humorvollen Lu tspiels, auf denen die Moser, Schöntban und „Ladelburg dem Erfolge nachgeganam find. Hier ßndet auch Richard Skowwnnek mit bemerkenswertbeq; Talent anheimelnde und wirkungsVolle Lustspielmotive; einfache, axle