1895 / 29 p. 6 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 01 Feb 1895 18:00:01 GMT) scan diff

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liche zu erhalten.

industrie tief geschädigt würde, so wäre das nicht bloß ein Nachtbeil für die Landwirtbfcbaft, sondern für die weitesten Kreise, auch für die Arbeiter, die in den bezeichneten Industrien tbätig sind. Es ist also durchaus verkehrt, wenn man behauptet, es handele sich bloß um die sogenannten Zuckerbarone, denen man viel Geld zuwenden, wolle (Heiterkeit); nein, es ist eine Frage von weitgreifendfter sozialer und wirtbschaftlicher Bedeutung, die Zuckerindustrie als eine landwirtbschaft- (Bravo! reehts.)

Meine Herren, dann liebt es der Herr Abg. Richter, an- scheinend sebr scherzhafte Bemerkungen zu machen, hinter denen aber oft sebr ernste fich verbergen, und so hat er denn erneut die Frage vom Zickzackkurs angeregt, und zwar bat er sie angewendet auf den Minister von szcius, den Minister von Heyden und mich. Ja, meine Herren, nun will ich 'mal klarsteUen, was an der Sache wahr ist. Mit dem Herrn Minister von Lucius habe ich mich auf agrarem Gebiet fast immer auf demselben Standpunkt befunden, und bei der haupt- entscbeidenden Frage, welche zu dem Abgang des Ministers Lucius führte, babe ich mit ihm vollständig übereingeftimmt; auch er war ein Gegner des österreichischen Handelsvertrags und woÜte Zu diesem Zustande- kommen nicht mitwixxen. 211111) in wesentlichen agraren F'ragetx stand ich mit dem Minister von Heyden ebenso wie mit dem Minister von Lucius auf demselben Boden, und vielleicht ist der einzige Unterschied unserer Anschauungen der gewesen, daß der Minister von Heyden _ und wie weit er halb mit Willen und halb gegen seinen WiÜen hineingezogen ist, das weiß ich nicht _ (Heiterkeit) jedenfalls die Handelspolitik mitgemacht hat. Meine .Herren, wie man daraus darlegen kann, daß ein Zickzack fich abgespielt habe, vom Minister von Lucius zum Minister von Heyden und Vom Minister von Heyden zu mir, ist mir vollständig unverständlich, da vielleicht nur in einer Frage der Minister von Heyden und ich sehr wesentlich

1 verschiedener Meinung find, und zwar in der Frage der Handelsvertrags-

politik, sodaß ich nur nach dieser einen Richtung einen verschiedenen

Kurs entdecken kann. Meine Herren, eine ganz kurze Bemerkung will ich noch machen.

. Ich habe allerdings gesagt, daß ich bedaure. daß über verschiedene

Fragen augenblicklich in der landwirtbschaftlichen Bevölkerung noch eine sehr erregte Stimmung fortdaure, daß die Agitation auch jest noch fortgesetzt werde, wo doch zweifellos die StaatSregierung gewiUt sei, soweit fie das irgend könne, zur Beseitigung der landwirtbscbaft- lichen Krifis beizutragen. Ich habe aber nicht gesagt, daß ich durch- weg diejenige Agitation mißbillige, die unter dem früheren Kurse, so will ich mich einmal ausdrücken, stattgefunden hat. Denn an sich nehme ich, solange wir das allgemeine direkte Wahlrecht haben und solange wir eine Vertretung wie hier haben, für jeden Stand, für jeden Menschen und für jeden Beruf das Recht in Anspruch, wenn er glaubt, daß seine Interessen benacbtheitigt werden, durch eine gewisse Agitation dieser Benachtbeiligung der Interesen dadurch entgegen- zuwirken, daß er im Parlament, sei es im Reichstag, sei es hier, sich solche Vertreter schafft, die seiner Ansicht nach geeignet sind, seine Interkffen besser wahrzunehmen, wie das bisher geschehen ist. Aber, was ich nicht für richtig ba1te, das ist das _ und das erwidere ich namentlich auch dem Abgeordneten Arendt _, daß man auch in dieser Agitation in weite Kreise Fragen bineinträgt, yon denen man weiß und sich sagen muß, daß in den Weitesxen Kreisen ein Verständniß für die Beur- theilung solcher Fragen fehkt. Ich behaupte beispielsweise, die Währungs- frage ist eine Frage, die fich für eine Agitation in landwirthschaftlichen Kreisen, namentlich in Weiteren Kreisen, um deßwillen nicht eignet, Weil sie so außerordentlich schwie'rig und so subtil ist, daß es keine Be- deutung bat, ob der kleine landwirthscbaftliche Verein in Posemuckel oder sonstwo sagt: ich bin für oder gegen die Währungsfrage. Darauf gebe ich garnichts. Man handelt nicht richtig, wenn man im Wege der Agitation über Fragen Zustimmungserklärungen erwirkt, für welche den zustimmende'n Kreisen das Verständniß fehlt.

Also ich babe»-nur den Wunsck) außgesprochen, daß augenblicklich 'mal die Agitation ruhen möge. Jeb behaupte aber, daß, wenn die Staatßregierung Gutes erreichen sou _ dann muß sie nicht allein auf ihren eigenen Füßen stehen, fie muß auch vom Vertrauen der land- wirtbscbaftlicben Bewölkerung getragen werden.

Meine Herren, damit habe ich im wesentlichen den Abg. Richter abgethan. (Heiterkeit) Wir werden ja vielleicht noch öfter Gelegenheit haben, uns mitsinander zu unterhalten.

Ich wende mich jkxzt zu dem Abg. Sattler und kann nur bemerken, daß ich im großen Ganzen mit dessen Ausführungen einderstanden bin. Sie decken fich mit meinen Anschauungen. Ich danke dem Herrn für das Vertrauen, das er mir entgegengebracht hat. Auch mit den Aus- führungen des Herrn Abg. von Tiedemann bin ich im wesentlichen einverstandcn. Allerdings habe ich gegen eine Bemerkung mich zu wenden. Der Herr Abgeordnete bat gcsagt, er würde es für richtiger gehalten haben, wenn sämmtliche landwirtbscbaftliche Arbeiter von der Alters- und Invalidenversorgung ausgeschlossen wären. Meine Herren, das würde 'ich für einen großen politischen Fehler halten. Meine Er- fahrungen, die ich im Wesentlichen aus dem Westen habe, haben mir gezeigt, daß man in landwirtbscbaftlichen Kreisen auf die Vortheile, die die Alters- und JnValidenVerficherung den ländlichen Arbeitern gewährt, den aÜergrößten Wert!) legt. Dagegen erkenne ich an, daß vielleicht zu erwägen ist, ob es richtig ist, daß nur für kurze Zeit ein- wandernden russischen Arbeitern die Marken geklebt werden müssen, und ich hoffe, daß dieser Mißstand beseitigt werden kann. (Sehr richtig! rechts.)

Meine Herren, mit dem Abg. von Mendel kann ich mich darin vollständig einverstande'n erklären, Wenn er gesagt hat: der Grund- gedanke des im Entwurf vorliegenden Waffergeseßes bedürfe einer gründlichen11mgesta11ung. Uebrigens glaube ich, das auch schon in der Generaldiskusfion ausgesprochen zu haben.

Meine Herren, nun möchte ich mir noch gestatten, auf ein paar kurze Dinge einzugeben, die rücksichtlicb des Schußes gegen die Vieh- seucben in Frage kommen. Allseitig, meine Herren, haben Sie an- erkannt, daß auf diesem Gebiete sow-obl zur Bekämpfung der Seuchen im Jnlande, wie zur Bekämpfung der Gefahr der Einschleppung der Seuche aus dem Auslande die zuläsfiq weitgehendsien _Maßregeln ergriffen werden müssen. Ich babe schon darauf hingewiesen _ ich glaube es wenigstens in der Generaldiskusfion gethan zu haben _, daß in Ausfickyt genommen ist eine Quarantäneeinrichtung an den Grenzen gegen den Import auswärtigen Viebs. Ich habe ferner darauf hingewiesen, daß im Einverständnis; mit dem Herrn Minister für die geistlichen Angelegenheiten das von aUSwärts eingeführte geschlachtete Vici) einer gründlichen Untersuchung unterzogen werden .soU. Ich glaube ferner herdorgkhoben zu haben, daß der Schmuggel

bei Einführung von Vieb mit den ftrengften Maßregeln zu unter-

Scbmuggel im allgemeinen einen bedeutenden Umfang angenommen habe, nicht zu.

_Meine Herren, rückfichtlich der Unterdrückung der Viebseucben im Jnlande ist in Aussicht genommen-eine Verschärfung der Vorschriften der Bundeörathsinstruktion zur Ausführung des ReiÖS-Viebseucben- geseßes auf Grund der durch die Novelle vom 1. Mai 1894 der Veterinärpolizei gewährten erweiterten Befugnisse. Ein bezüglicher Antrag “wird an den Bundesrat!) gestellt werden. Den jeyt dem Reichstage vorliegenden EntWUrf einer Novelle zur Gewerbeordnung, welcher unter andern die Beschränkung des Haufirbandels mit Viel) bezweckt, glaube ich schon in der Generaldiskusfion erwähnt zu haben.

Dann ist eine erhebliche Vermehrung der beamteten Tbierärzte in Aussicht genommen, ebenso eine Ergänzung und Vervollständigung der fachlichen Bildung der beamteten Thierärzte durcb Einrichtung „von Unterrichtskurscn an den Thierärztlicben Hochschulen. Auch zur 7wiffenschaftlichen 'Ersorsohung der Viehseucben werden größere Mittel bereit gestellt. Da weise ich darauf hin, daß ein Preis ausgeseßt war, umden Anßzxckungsstoff,_„dxr Mcxul- ,und Klauenseuche zu erforschen. Déé Preis* hat bisher nicht zuerkannt werden können und ist von neuem wieder auSgeseßt worden.

Dann ist darauf hingewiesen, chß das vorgelegte Geseß wegen der Schweineseuche soÜe abgelébnt wexden. Ja, meine Herren, ich möchte doch darauf hinweisen, daß das Geseß ein fakultatives ist; die Provinzialoerbände können darnach diese Verstcberung einführen oder nicht, und ich möchte doch glauben, daß die Verbältniffe in den verschiedenen ProvinziaLVerbänden so verschiedenartig find, das; man daraus, daß an einem Punkte einer Provinz ein solches Gesetz nicht nothwendig ist, 'nicht folgern darf, daß es anderwärts nicht*zweck- mäßig ist. -

Meine Herren, auf die Ausführungen des Herrn Abg. Gamp kann ich wenig erwidern; dsnn fie sind mir nicht zugängüch gewssen. Er sprach fortwährend unter ziemlicher Unruhe des Hauses nach jener Seite bin (rechts), und deshalb ist mir vieÜeicbt Wesent- liches entgangen. ch äußere mich deshalb dazu nicht; nur eine Be- merkung Habe ich gehört; er sagte, er wiffe nicht, was er unter Selbst- hilfe und unter Staatshilfe verstehen solle. Ja, meine Herren, ich glaube, das weiß hier im Hause jeder, was man darunter versteht. (Heiterkeit.)

Was man unter Selbsthilfe versteht, kann man nur feststellen im Gegensaß zur Staatshilfe; jedenfalls kann es nicht so viel bedeuten, daß der Wohlhabende den nicht Woblbaöcnden gewissermaßen aus dem Sumpfe herauSreißen soll, sondern es sollen durch Vereinigung einex gewissen Kategorie Von Grundbefißern Maßnahmen ergriffen werden, die der Einzelne nicht allein und auch nicht ohne Staatshilfe ausführen kann.

Mit den Ausführungen des Herrn Abg. Herold kann ich mich im wesentlichen einverstanden erklären, nur möchte ich auf eine Be- merkung zurückkommen. Er sagte, wenn ich richtig verstanden habe, die Militärverwaltung sei zu bureaukratisch. Das ist unzutreffend. Der jetzige Herr Kriegs-Minister ist jedenfalls auer Bureaukratie abhold, er steht mitten im praktischen Leben und ist gewillt, auch bei seinen untergeordneten Beamten dahin zu wirken, daß bureaukratische AÜüren nicht beworjreten.

Meine Herren, auf die Ausführungen ÖGZ Herm von Rispen- hausen will ich nicht weiter eingeben; ich möchte ihn bitten, daß er in seinem stenograpbiscben Berichtdas, was er heute gesagt hat, mit dem, Was ich in der Generaldiskussion gesagt habe, nochmals vergleiche _ er wird dann finden, daß er mir Dinge in den Mund gelegt hat, die ich nicht gesagt habe, oder daß er verschiedene Dinge falsch ver- standen hat.

Dann habe ich dem Herrn Abg. Arsndt etrvas zu erwidern. Er hat gesagt, er wisse nicht recht, was ich“ unter den „ärgsten Bi- metallisten' verstände. Es giebt Bimetallisten, meine Herren, die Deutschland, ohne daß England und Amerika mitgeben, aUein für mächtig genug Halten, yon beute bis morgen den Bimetallißmus ein- zuführen und mit der Goldwäbrung aufzuräumen; diese Verstehe ich unter dem Begriff ,ärgste Bimetallisten“.

Dann bin ich dem Herrn von Heydebrand ganz besonders dankbar für das Vertrauen, das er mir entgegengebracht hat, und werde mich bemühen, es zu verdienen. (Bravo!)

Damit habe ich, wie ich glaube, im wesentlichen aües widerlsgt, und ich bin nur noch genöthigt, auf eine Bemerkung zurückzukommen, weil der Herr Finanz-Minister nicht hier ist, eine Bemerkung, die Herr von Riepenhausen über die Einschäßung sowohl zur Einkommensteuer als wie zur Vermögenssteuer gemacht hat. Ich Weiß nicht, ob Herr von Riepenbausen gegenwärtig gewesen ist, als der Herr Finanz-Minister einen ähnlichen Angriff hier aus dem Hause widerlegt hat. Es wurde klar von ihm ausgesprochen, daß, falls in den untergeordneten Instanzen zu fiskaliscb verfahren werde, namentlich gegen die Instruktion, gegen den Sinn und den Geist des Gesetzes, er dies nicht allein mißbilligen, sondern auch abstellen würde, und der Herr Finanz-Minister hat ganz bestimmt ausgesprochen, daß das seinen Intentionen nicht entsprechen würde. Uebrigens, glaube ich, liegt die Sache noch im dunklen Schoß. Wir wollen erst abwarten, wie die Einschäßung zur Ergänzungssteuer sich tbatsäcblich stellen wird. Bestimmte Resultate liegen meines Wissens noch nirgend Vor. Erst wenn dies der Fall sein wird, wird sich beurtheilen lassen, ob die Beschwerden, die hier von dem Abg. von Riepenbausen vorgetragen find, und die anscheinend als berechtigt von anderen getbeilt werden, wirklich begründet find, und ob gegen den Willen des Herrn Finanz-Ministers die Ausführung der betreffenden Geseße und Instruktionen zu fiskalisch gehandhabt worden ist. Jeden- falls bin ich aber verpflichtet, den Herrn Finanz-Minister gegen den erhobenen Vorwurf aufs aUerentschiedenste in Schuß zu nebme'n. (Bravo! rechts.)

Abg. Ring (kons.): Ich bestreite die Vehauptun von freifinni er Seite, _baß die Broxpreise immer den GetreidepreJseu entsprecbxn; denn wahrend im Kretfe Teltgw die Umwandlung einer Tonne Roggen m 20 Zxr. Brot 15 „M betragt, kostet derselbe Prozeß in Dortmund 52 ..ck-, in Dresden 73 und „in Berlin gar 90,60 «ck Es ist also nicht der Landwirtb, der mrt seinen Getreidepreisen das Brot ver- tbeuert, sondern dix-Borse und der Zwischenhandel. Was die Viel)- verseucbyng und dre dagxgen zu ergreifenden Maßregsln betrifft, so mache :ck, den Herrn Minister auf die Einrichtungen des Rummels- bur er Vtebmarktß aufmerksam, von welchem aus namentlich die

weineZe'pcbe ins Land getragen wird, und rade an der S weine- zücbtung angt doch zum gro en Theil das Wo [ des armen armes. Bevor wir also dem Ge eyentwurf über die Verbinderun der Schweineseuchen unsere Zustimmung geben, müssen wir eine ffere Handhabung unserer eigenen Veterinärpolizci verlangen.

drücken“ versuchl' wird. Uebrigens trifft die Behauptung, daß dieser, ;Domänenp

Ab . alkenba en ul.) beklagt |ck über die' nziebun def g TM?! zur Émnd ener, die evt, anerdings Yvan LTUR, von den Gemeinden oft in Érößerer- be erhoben werde als ,.

Ab?)- Broeme! (fr. er.) erklart fich gFen eine sozialpolitische Gexetzge uns, die einzelne Klassen der Bevöl erun auf Kosten der Ge ammtbett bevorzug8 Die Landwirtbschaft' ba “e gun ge Kon- junkturen für fich außgenußt und rufe jetzt bet schlechter onjunktur die Hilfe des Staats an. Dadurch werde die sittliche und wirth- schaftlicbe Berechtigung des, Eigentbums an Grund und Boden über den Haufen geworfen. Bet den nicht aus der Welt zu schaffenden Schwankungen im Weltverkehr müsse man fich hüten, Ma - regeln zu ergreifen, die auf eine augenblickliche wirtbschaftli Lage zugesckpnitten serer], wie der Anita Kaniß.

Abg. Arendt sei zu erwtdern, daß die wirtbs ftlicbe Lage eines Landes nickot von der Valuta abbänge. Dieselbe Meinung babe.,auch der Staatssekretär Graf yon .Posadowßky in der Silberkomuxtsßon entwickelt. Ebenso habe derselbe vor der Agitaton für die SU - währung in nicht unterrichteten Kreisen gewarnt: eine Warnung, die Herr Arendt nicbt befolge. Uebetbaupt babe Herr Arendt von der Silberkommisfion gar nicht gesprochen, wohl aus gutem Grund, denn ihr Resultat sci keineSwegs ßünsti für die Bimetallisten gewesen. Von dem Geldmangel, der sonst ei d r Beweisführung der Bi'metalliften eine "so große Rolle_ spiele, babe Herr Arendt heute gar nicht MY: gesprochen. Der Einwand ,fverde also wohl nicht mehr für sticha1 g éracbtet. Herr Arendt scheme überhaupt eine sÖWankende Valuta für ein Glück zu halten. _ Die gegenwärti Zeit mit ihrem Verlangen nach Staatshilfe habe eine verzweifelte ebnlicbkeit mit der Zeit vor der ersten französischen Revolution, und wenn die Umsturzbestrebun xn irgend welchen Erfolg haben sollten, so könnten die Agrarier »Sie!) Lagtetn, daß fie durch ihre Lehren und Tbaten viel dazu beigetragen a en.

Abg. Arendt (fr. kons.) erwidert, daß er die Währungsfrage nur soweit erörtert habe, als sie mit der Landwirtbscbaft zusammenhänge; ays diesem Grunde habe er die vom Vorredner angeführten Fragen nicht berührt. Gerade eine feste Valuta halte er für die Grundlage e_mer gesmzden Volkswirtbfckyaft. Aus den Worten des Ministers ubczr'die „qrgsten Bimetallisten“ habe er, Redner, ersehen, daß der M'tmftermtbn nicht _dazu zähle, denn er sei, wie alle wahren Btmetallnten, für ein internationales Vorgehen in der Währungsfrage.

' Die Diskussion wird hierauf ges [offen und unx 41/4 Uhr die wettere Berathxmg des Etats der andwirthschaftlrchen Ver- waltung auf Freitag 11 U r vertagt; außerdem steht, der (Hefeßxntwurf' uber die Ecki tung einer Generak-Kommtsfton fur die Promnz Ostpreußen auf der Tageöordnung.

Land: und Forstwirthsthaft.

Uebersicht derStudiexenden an den landwirtbscYaftlicbenAkademien wahrend des Winter-Seme ters 1894/95.

Z 5 : FZ 5 = , , ZFH; „ZZ “.=; 8 Bezeichnung der Akademre ZZZ ZZZ. Y Z ZZV "ZG 3- Z Landwirthschaftliche Hochschule zu Berlin . . . . . ., . . 372 136 81 589“) Landwirtbscbaxtliche Akademw zu Poppeksdor , . . . . 286 53 1 340 zusammen 658 189 82 929“)

*), Au erde_m na men an den Voxlesungen und Uebungen der

Landwirths aftlt en ochschule zu Berlin tbeil: 65 Studierende der

Univ xtat und 18 tudierende der Tbie'rärztlichen Ho schule inkl.

der ilitär-Roßarztscbulß zu Berlin, zusammen 183 tudierend'e.

Die Frequetzz Von Berlin beträgt mithin überhaupt (589 + 183

(TFT? Stxdterende, und Von den beiden Instituten (772 + 340) = 111 u teren e.

**) Von den 929 Studierenden find: aus der Provinz Ostpreußen Y Studierende,

8 ecßszen. . . . Branden urg (Berlin) 139

ommern . . . .

9 en . . . . . . 54

S lesien . . . . . 80 „,

Saésen . . . . . 68 ,

Sch eSwig - Holstein . 11 „,

mtfoZer . . . . . ZZ

e a en. . . . .

Resjsen-Naffau . . . 80

beinland . . 117 , Hohenzollern . _

' aus reußen zusammen . 812 Studierende, aus den übrtgen deutcben Staaten zusammen 74 ,

aus Deut chkand zusanzxnen . 886 Studierende, aus dem Uslande zummmen 43 .

zusammen wie oben . 929 Sfudierende.

Ernteergebniß 1894 in Irland.-

Einer über die Apbaufläcberx und den Ernteertrag in Irland im Jghre 1894 veröffentlichten englischen Parlamentödrucksackpe entnehmen wrr folgende Angaben:

Arxbau 1ache Ernteer'gebniß m A ern in ths. von 112 „_3 1894 1893 1894 1893 Weizen . . . _49 338 54 998 820 490 892 259 Hafer ..... 1 254 837 1 248 338 19 290 996 19 395 794 Gerste . . . . 164 595 168 776 2 812 679 2 769 977 Roggen . . . . 11926 13 461 151 790 178100 in T o n 11 en Kartoffeln . . . 717 090 723 735 1 878 164 3 064 265

Ernteergebniß in Kanada 1894. In der Provinz Ontario wurdcn geerntet:

nggen „. . . 1386 606 Bushel oder 15,4 per Acker Winterwetzen . 16512106 . 21,2 , Sommenveizen 3 367 854 14,6 Gerste . . . „10980 404 22,6 , „. chxfer . . . „69867716 ., 30 , ais . . . .16275 352 , , 60,9 , Buchweizen . . 2534 335 , 17,4 , Erbsen. . . „14022 888 , 17,9 , . Kartoffeln . . 17 163130 102 6

Hiern haben Roggen und Win'terweizeJ einc, se: "Z atx, da e en Hafer undaYartoffeln einc Ernte unter dem Durchschr§ttgergebené g In der Provmz Manttoha stent fich das Ernteergebniß anf : oggen . . . 59 924 Busbel, Sqmmenveizen 17172883 , oder 17,0 per Acker Hafer . . . „11907854 : 28,8 . ,

Gerste . . . . 2981716 Erbsen. . . . 18 434 , 153 ,

Kartoffeln . 2 035 336

M“; „,"

“Ziveite Be'il'age

_ zum Deuischen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

ULT 29.

Statistik und Volkswirthfthaft.

Die landwiribsébaftliche Bodenbenußung im Königreich Bayern im Jabra 1893.

(Stat. Korr.) Bei _der auf Grund des Bundeöratbsbeschlu es vom 7. Juli 1892 im Jabra 1893 in Bayern vorgenommenen_ r- mittelung der landwirtbscbaftlicben Bodenbenußung wurde 'das frubere System der Individxxalexhebung verlassen. indem man die zur Aus-

-fü1]ung der Erhebunßsformk'larL erforderlikocn Untkrlagen im Wege

einer überschlägigcn gctncindeweisxn Schä ung der _A11ba1_:flächex1 durch besondere, aus crts- und sachkundigen Per onen gebildete Konnytsfionen geWann. Von der auf diexe Weise ermittelten Gesammtflacbe des Königreichs Bayern Von 7 586 465 113. entfallxn auf Obekbapexn 1672502, auf Niederbayern.. 1 075.661, aufdie Pfalz 592 796, aus die Oberpfalz 966174, auf Ober-, Mitte[- und Unterfranken 699 877 bezw. 757 385 und 840137, auf Schwaben 981933 1111.

Nach den hauptsäch_lichsten Arten der Benußyng treffkrn vvn jener Gesammtfläckye aus Ackcr- nnz Gartenländerexen 3057 776 119. oder 40,3 v. H, auf Wiesen 1284 461 118- oder 16,9 v. H., auf Weiden und Hufungen 269 285 118. oder 3,6 v. H., auf Wemberge 23 792 113. oder 0,3 v. H., auf Forsten und Holzungen 2508 088 118. oder 33,1 v. H., auf Haus- und Hofränme 46171 118. oder 0,6 v. H., auf Oed- und Unland 151 264 118- oder 2,0 v. H., auf Wegeland und Gewässer 245628 118.- oder 3,2 “v. H. ,der Gesammtfläc-be. ,

Rechnet man zur landwirtbschastljch benutzten Flache 'die Acker- und Gartenländercin, Wiesen, Weiden, Hutungen und Wsmnberge, so erhält man eine gksammte landwirthschaftlicb benu te Flache von 4635314 1.13- gegen 4587 730 1111 im Jahre 1883 un 4575 686 113. im Jahre 1878. Es ergiebt fich darnach für 1893 eme Zunahme um 47 583 118. gegen 1883 oder 1,0 v. H. und gkgen das Jahr 1878 eine solche von 59 628 1111 oder 1,3 V-_H- Nack) szug"der Wein- berge beziffkrt fich die landwirthfchaftitch benußte Flache fur 1893 auf 4 611522 gegen 4563 883 1111 tm Jahre 1883. '

Von dsr 1893 als Acker- und Gartenland xrmiüeltzxn Gejaznmt- fläche von 3 057 775 118. waren bestellt mit Gstrxtde und Hülsensruckyxey 1 848 036 113 oder 60,4 v. H., mit Hacerüxbten _und (Hemm? 435 099 118 oder 14,2 1). H., mit Handengewach1en 45 191 118. odex 1,5 v. H., mit Futterpflanzen 321522 118, oder 10,5 11. H. Die Ackerweide betrug 39 261 1181 oder 1,3 v. H., d1€ Brache 295 482 115. oder 9,7 v. H., die Haus- und Obstgärten 78184 118- oder, 2,4 v. H.

Von den Gstrside- und Hülsenfrüchten"wurde 1893 Winterroggen am meisten angebaut; er bestockte eine Flache von 492 081 118. dder 26,6 11. H. (11161 (Hétreide- und Hülsenfrüchte.- Es folgte demnachst Hafer mit 450 537 118. odcr 24,4 v. H, ferner'Sommergcrste mit 347 887 1111 oder 18,8 v. . und Winterweizen 11111 275 667 113- oder 14,9 v. H. Bei den Hacksrückoten überragte der Anbau denk Kartoffeln mit 316 360 1111 oder 72,7 1). H. des esammten Hackfruchteanbauxß Erheblich 5116 1151719611 Einschlägigsn Fru takten. Unter den Handxls- gkwäcbfen nahm der Hopfen mit 26 226 1111 oder 58,0 1). H die großte Fläche ein; hieran schloß fick) der Anbau Von Flachs niit 11809 1113. oder 26,1 1). H Unjer _den Futtc'rpflanzen find der Klee 11111 262191 115. oder 81,6 1). H. weixaus an erstsc Stc'Üe; es folgte so- dann 8115171116 mit 35 711 1131.

Zur Arbeiterbewegung. _ '

21118 Nürnberg wird-dem „VorwäYTS' berichtet, daß die doritgen (sozialdcmokratisch€11) Arbeiter über 118 „mechantsch Schub- waaan-Fabrik Von Strunz u. Eisfrtkdt den Boykott ver- bängt haben.

21118 Brandenburg wird demsxlben Blatt gGmcldet, daß dßr Ausstand bsi der Firma Heinrich 11. Bertram„ nachdem die Forderungkn der Arbkiter bewilligt worden, beendet se_r; ebknsq sexxn die sämmtlichen Forderungkn der Arbeiter (zehnstündtge ,Arbeitszetx 511ki11imallobn Von 21 «14 u. 1". w.) Von den übrigen Fabrikanten 11111 8111le ganz gxringfügißen Abweichung bswikligt worden. ,

Aus London meldct „W. T. V.“: Dar VorsÖLag 31.11“ Brldung Lines“VersöhnungSa1nts, um dieStr€i1igkcitex1dcrschottischen Kobleuindustrie zu schlickytcn, ist gescheitert.

Kunst und Wissenschaft.

211: Bci E. Schulte ivurdén am 27. Januar zwsi Sonder- au-Zstellungcn eröffnet; die eine führt uns Werke der schottischen Malerschule, inIbeMdere jener Gruppc dsr 25058 07 Glaögow, die auf der [6151611 ünch8ncr Ausstkllung wiedkrum im Vordcrgrund dss JntersZ'sks standkn, vor, während 91118 Verkini una Bexliner Maler, dEr .Kün tler-West-Klub“ uns, wie). a11jä rlich, eme,Auswabl des von seinen Mitgliedern im [kßten Jahre Gexchgffenen darlxietst. Erft unlängst war eine kleinereSamm [ung schottischer Bilder inGuritU's Kunst- saxon ausgesteüt, die einen etwas eintönigsn Eindruck machte. (88 War beson- ders das FMlen der groß911Bildnißmale'r der Schule, mas d'tejenEindruck beworrief. Diesmal finden wir John Lavcry nut „eincr „vor- trefflichen großen Porträtgrupye zweier Damen vertreten; mcht mmder charakteristisch ist das „englische Mädchen“ Von Edward Arthur Walton, das uns auf das Vorbild des Schotten James

Wbistlcr binwyist. Auch Cameron's Isabella“, Pater- son's „lessndks Mädcbsn" und Alexander _RocthI „kleine Sabinerin“ unterbreäyen wobltbati die RUHE reich im Dämmerlicbr schlummernder Landscha?12n, unter denen

neben Stedenson's typischen Mondschxinbilderxx und Gauld7s phantastischen Frübsingsveduten ganz bétonders mex zarte Pastelle von James Guthrie Hervorgehoben zu Werdendetenen. Da auch dsr küßn seine “arben spachts1nde James Whitelaw Hamiltoy und der zart s 111118161106 GroSvenor Thomas nicbt fei)_lkn, ist das Bild schottischer Kunst, das hier entrollt wird, Von vieljeitigcm Reiz. Nur Gkorge Henry und „William __Kennedy vermissen wir mit Bedauern in diesem KTSUL, dessen Programm James aterson so klar formuliert hat, daß wir uns ykranlaßt [en, seine Worts statt jedLr nvsxitc'rcn Kritik bier anzusübrcn: „Kunst ist nicht Nachahmung, sonderrx Ausle ung. Sicherlich muß man m:“.len, was man sieht; ob das Ergebmß aber . unst 1s1, hängt ganz davon ab, was man sieht. Das ebrfurchtßvollste Stu- dtgm der Natur dtzrch ein ganzes Menschknkebsn wird noch kginen Kunstlxr machen. Kunst ist nicht Natur, sondern mehr als Natur, cm Bild kein Fetzen Natur, sondern Natur widcrgespiegelt, koloriert, außgelegt von einer menschlichen Seele und einem eindringenden, nicht nur VassWLn Gefühl für die Natur. Das sogenannte dekorativc Element ist eine wesentliche Eigenschaft "edes wirkli en Kunstwerks. Formen, Töne und Farben müssen wo ltbu€nd au_ das gebildete menschliche Auge wirken, _und nur, soweit die Natur dcm Künstler derartige Elemente in die Hand giebt, kann er ihr folgen. Daher kommt es, das; fast in allen großen Dknkxnalen der Landschaftömalerei ein bedeutendes Abwäcben von den wirklrchsn Naturtbatsackkßen zu beobachten ist _ ein absichtliches und nothwendiges Abweichen, ein zufälliges und fehlermäßigeö.“ Das Betonen des dekoratiden Elements gegenüber der schlichten Wieder- gabe des in der _ Natyr Geschauten bildet in der That den GrundzUJ im kunstlertschezx Wesen der Schotten und je nach der individuellen Begabung ihren Reiz oder ihre Schwäche.

Der Künstler-West-Klub ha? kein so auMeprägtes Glaubens- bekenntniß' er stellt vielmehr eme zunächst gesellige Vereinigung jüygerer * erliner Maler dar, der_en jeder seinen eigenen We geht. Die Zahl der ausstellenden Mitglieder ist diesmal auf 29 gde?

Da die dargebotenen Leistungen demnach recht ungleichartig sin *

liegen. , so be-

Vcrlin, Freitag, den 1. Februar

schränken wir uns darauf, einige bemerkenswertbe Arbeiten beraus- zulxeben. Eiye merkwürdige Wandlung bat Ludwig Dettmann duxcbgemzcht; seine Schilderung res barmlos'en stsns „in der Sommer- friycl)?" läßt kaum vermutben, daß “Déttmann früher zu den extrc'tmm Freilichtmalern und Farbensymbolistcn„gehörte: so nüchtern und trocken nt sem Vortrag geworden. Ob der Maler seine Malweise nur dem Stoff anpassen wollte, ob er von äußeren Einflüssen bestimmt ist, läßt fich nieht entscheiden. Scine neueste Scbövfung steht aber zweifellos [):]11?!" früheren Leist-ungen 51.111111. (5511111111581 Hat sich Paul Höniger, der talentooUe Schülsr Skarbina's, entwickslt; seine Jaxbengebung„ ist äftig gcworden, scharfe Beobachtung und nckßre T8chn1k ver' igen fich zu glücklichxxr Wirkung. Auch Max Schlichting * geht von der einseitigen Nachahmung des PariserImpresfioniSmus zu immer “*sekbftändigerer "Auffassun'g übßr. wie seme Studie und das „Genre“ benannte Interieur beweisen. Mit außerordentlichem Geschmack hat Max Utb zwei kleinere Land- schaften“ gemalt, deren Benennung anf Blumenstücke schließen [affen könnts: ein .Asternbeet' in dämmrige: Beleuchtung und ,Georginen“ in der Abendsonne. Auch bei diesem Maler ist eine erfreuliche Ent- wickelung von derbem Naturalismus zu zart€r Stimmungsmalkrei wahrnehmbar. Um schließlich noch eins der Klubmitglieder anzuführen, das den Besuxbern der dieSmaligen Ausstellung einesreudige Ueber- rafchung berkttat bat, sei A. Normann, der NordlandSmaler, e- nannt, dsr in seinem abendlichen Straßenbilde „„Unter den Linde_n ei Regey' den Sprung von den steilen Küsten Norwegens_ aus das Berliner Pflaster mit diesem Glück gewagt hat. Hermann

endr ich dagegen bleibt im Banne seine]: Märchenwä1dergckangen; Elbst wenn er, wie in der koloriftisck) sebr anziehende'n „Herbstland- schaf._t', auf die Staffage von Elfen und Nixen v-zrzichtet, glaubt man aus dem Lande der dickftämmigcn Baumriesen das kalüster 5011 ge- beimnißvoüen Naturwesen zu vernehmen: alles ist Von liebenswürdiger Märchenposfie durchtränkf und mit Märchenblickc-n geschaut. Derbere Struktur zeigt uns Victor Fceudemann in 161116111 farbensatten „Novembermorgen“ am“ Waldbach, auch O. Frenzcél zkigt fich jeder sentimentalen Schönfärbsrei in seinen Tbiecstückc'n abbold, wghrend W. Feldmann gleich den Schotten die Dämmst- stimmung der _ Mondnacht festzuhalten sucht. Vori Porträts setkn nur di? Hkrrenbildniffe yon Hanns Fechner und Georg Meyn erwähnt, denen sich eine Wohlgctroffene Büste des MalLrS Hendrick) don F. Hsinemann anschließt. Damit wäre eine Auslese aus dem reichen Inhalt der diesjährixxen Klub-AuHstelTung geboten, die Von der Rührigkeit unsErer jüngkrkn Künstlerkreisc schönks Zeugnis; ablegt. Steßt dock) noch in diesém Jahre 0111? AussieUung dsr Elf in ZÜUHfi-“Ök- die ebenfalls viele Proben des Bkrliner K'sinstlerfleiszes ver ei 1,

Literatur.

Rechts- und Staatswissensibaft.

Zur Reform des Erbrechts. Von Or. Franz Bern- böft, Professor in Rostock. Bexlin, J. Guttenkag, 1894. 89. 139 S. _ Der Verfasst entwickelx eine Rpibe Von Vorschlägkn ur Abänderung dcr im ersten Entwurf eines Bürgßrlichkn Gejeß- ucbs erfolgten Regekuna des Erbrcckyks. Er prüft die Bestimmungen des ersten Entwurfs daraufhin, ob die darin aufgenommensn Grundsätze des Römischen Rechts über Universal - Succesfions- Testamente, Jntestaterbrecht, Pflichttbeilsrecht, Erbschafts- erwerb und Inventarrecht noch 56qu ihre Berechtigung haben, oder ob nicht in größerem Umfang€ d€n Heutigén Bedürfnissen durcb Preisgabe des alten Rechts und Berückfickytigungder in neuersr Zeit auftauchenden sozialpolitiscben Ideen cntgegenzukomMn sei. Die Kritik des Verfassers beginnt mit der Steünn des Erben, Welche von dem Entwurf unter dem Gesichtspmxkr der U11i58r?a1s11ccesfion geregelt ist. Das Prinzip der Uniwersalsuccesston wird zunächst als etwas Vom heutigen Standpunkt, nach Einführung des Jjwentarrscbts und des Amts der Testamentsvollstrecksr, Entbxbrliches dargelegt. Zugleich wird es für schädlich erachtkt, Wkil dis ihm zu Grunde liegsnde scharfe Scheidung zwischen dem Erben und _dem Vermächtnißnebmer dem RschtsbLWUßtsein des d€1xtsch8n Volks rrsmd sei und häufig zu einer dym WiULn des Testators fernliegcndcn Auffassxmg der leßtwiUigen Verfügungén führe; ferncr weil es 31! einer _ für viels Verhältnisse ungseignsten _ Theilung des Nachlasses nacb Brucbtbeiken nöthigc. Vom heutigen Standpunkt biete es keine Schwierigkeiten, rvexm der Tcstator seinen Nachlaß untcr ssine Angsböxigen zu reellén Theilen theile. Der Nachlaß könne auch ohne einen Erben dureh den vom Testator od€r Vom Gerickyt ernannken Ve'rwalter reguliert werden. _ Dsr zweite Vom Verfassxc erörterte Punkt betrifft den Unterhalt dsr Frau urxd di'r unverWrgten Kinder. Dknjénigen, welche gcgen den Erblasser einen Anspruch auf stand??)- gemäßsn Unterhalt, sowic Erziehung und Aussteiwr 17.111811, seiner Ebsfrau und seinem unversorgtcn Kindern, soll dieser Anspruch auch dem Ngchlas3 g€geniib€r 81511011le blsiben, 111191- dings nur insoweit, als das etqene „Vermögen dcrskle nicht hinxeicht, aber mit der Maßgabe, daß sich dis Pflichttbc'iiéxrechte nur aus das beziehen, was nach Befriedigung dcr Unterhaltsaxqprüäye noch übrig ist. Hinficbtlich dcs Jntsstateérbrechts ist der Verfaffsr mit der Parentklcn- ordnung des (Entwurfs eindcrstandsn. Nur will er in 11an Parenfelen die Erbfolge nach Stämmen eintreten lasen, während dsr Entwurf in dior dritn'n und den folgenden Paredtelen die_Gradc§näk)e maß- gebend sein läßt. Der Verfasser will ferner das Jnteftatsrbrecht auf die drei ersten Parentelen bsschränk€n und an Stella dsr ssrncren Patentelkn, bei denen ein das Erbrechx rechtfertigkndcs Familienhund mit dem Erblasser nicht anzunkhmen ist, dkr kacinde, in welcher dsr Erb- laffer seinen letzten Wohnst khabt, das Erbrecht verleihen. Im Zusammenhang mit der inßcbränfuna _des Jntestaterbrechjs dEr Verwandten stehen die Vorschlägé dcs Versaffers über die Erhöhung der Erbsckpaftssteuer. _ Von besondsrer Wichtigkeit ist endlich die' vom Vkrfasser entwickelte Lösung der Frage, wie die Interessen des Erben und der Nachlaßgläubiger be1ser als durch das geltende x_md'vom Entwurf aufgenommsne Inventarrecht zu wahren find. Den Glaubxgern soll der Erbe mit seinem eigenen Vkrmö en nur barten, wenn er 16le die Nachlaßrcgulierung übernimmt. agegcn haftet der Nachkax; allein, wcnn dic gerichkliche Na chlaßrcgulierung erfolgt. Le tere soll auch eintreten, wenn der Erbe nicht binnen 30 Tagen die ' cx- waltung übernimmt. Das Amt des Testamentsvollstreckers, soll Mit der gerichtlichen Nachlaßverwaltung vereinigt werden, mdem „dcr Testamentsvoüstrecker gerichtlich zum Nachlaßvfsckser bestellt 'wird. Bedenken dürfte reilicb die große Zahl der alödanndom (Gericht zu besorgenden Na laßrexöulierurxgen erwecken. _ Dxe "anregxnd *ge- schriebene Abhandlung ietet eme werthvolle Ueberfi 1 1111er die wich- ti sten Probleme des Erbrechts, untcr steter Bkrück chtrgung der ge- s ichtlicben Entwickelung.

D i ck t u n g e n. .

Die neue (5.) Liefexgngs-Ausgabe von GrtllparzerZZ Lämmtlicben Werken (Skuttgart, J. G. Cotta Nachfolger) rst is zum 6. Bande vorgeschritten. Die: jeit dezr levten Bxsérecbun'g erchienenen Lieferungen 7 bis 12 enthalten 512 Trauerspte e „Dre

Ul nfrau“ und .Sappho' (4.28.1115), dic Trilo ie .Das oldene Vließ“ .Der Gastfreund', ,Die Argonautenf, .* edea'Z (5. ayd), „König ttokar's Glück und Ende" und „Em treuer Dcench setnes Herrn“ (6. Band). Diese Bübnenwsrke nd m der

neuen Aussabe nach der Reihenfol ihrer ers en Aufführung geordnet und Heinrich Laube's wertbvo (: Nachworte zu den einzelnen

"basis '*wié““"irj'* früheren Jahren,

- 1895.

Dramen, (,die in der 4. Auflage fehlen. ihnen dieSmal wiedér bei- geqebcn. Auch die' von dem Dichter derfaßten Entwürfe zu den Vor- reden be». Widmunßen sind dLn Dcamc'n angehängt. Die Von August Sauer, eini'm tüchtigen Grillparzer-Kenner und -Forscher, be- sorgte und mit erläuternden Einleitungen versehene AuSgab-z so!); in 20 Bänden vollständig sein und ersch€int_ in 40 Lieferungen zum Preise von je "40 „1. Neben der authentischen Korrkktbeit des Texte's Verdient JUL!) die-gutk Ausstattung in Dxuck u1t1d Papixxr Hervorhebung.

' Spor . *

Das „Album des deutschen Rennsports 1895", beraus- gexizeben vom Vckrlag der .Sport-Welt' und des .Show“, der beiden be annten sportlichen Fachblätter, ist soeben erschien€n. Das Werk

und Reichhalti keit des In- sodaß 68 des ebhafken Bei- falls aller Freunde des Sports gewiß sein wird.--Der einleitende Artikel würdiat die Verdienste Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Ludwig don Baye'rn, deffkn Porträt ('r bringt, um den RennWort, yabrsnd aus den übrigen Aufsäykn bésonders dic-jenigen über die Bahnen Karlsl)orst_und Baden-Baden das Intéresse fssseln. Die za51r8ich8n, auf das sauber1te angcführten Illustrationen find über den anregsnd und gediégen geschriebenen Tyxt in geschicktestkr Wxise erthejlt und wirken mit diesem vkreinigt stets anziSHSnd auf den Lejer und Betrachfer des

Werks. Zei'Fscbriften.

Die bekannte «HalbmonaWsÖrift „Aus fremden ZUUgen' ZStuxtgart, Deutsche? Vkrlags-Anstalt), die es sich zur Aufgabe gese t at, (1115 den ausländischen, crzäblkndcn Literaturkn nur das Be te und Neueste xu bringkn, ist soeben in ihren fünften Jahrgang eingetreten. Der ne'uc Jahrgang [Winnt mit den drei großen Romanen: „Madame CHrysanWSme" von Pierre 8911, ein cbsnso untérhaltench wie liebens- würdiges Lebe'nsbild aus Japan, das bei dsn augenblicklichen Vor- gängen in-Ostafien bssondars interessiersn wird; „Wassili T“orkin' von _P. Bobokain, das bktdorragsndste Werk 1798" gkthv-ollen russischsn Erzählers. und .Teß“ Von Thomas Hardy, sin Meisterwerk der modernmt Waiistisäyen Erzählungskunst Englands. An diese werden fich später die 11eu€sten Romane von Alpbor-sc Daudct .Die kleine Kirche" und Emile Zola's „Rom“ anschließön. Außer den Anfängen der Erstgsnannten drei großen Romane? findcxn sick) in dem vorliegsnden crstsn Höfté die? kikénerc Erzählung „Ein Früblixkgstraum“ yon Gestur Pé11sson, eine origineüe Skizze aus Island, und im FeuiÜewn der Aufsatz „Sklbstmord aus Liebe“ don (Cesare Lombrow, sowie ein biograplyiscbyr Artikel übkr P. D. Boborykin. Für den billigen Preis von 50 45 für das Hyft wsrden in déeskr Zkritsckyrift dé? bestsn aus- ländischn Romane und Modell?" dem 5651115811 Volke in 911185 [[ckck- seßun kn geboten. Das ersts iHeft dcs neUen Jahrgang:“; ist in jeder BuckpiJandlung zur Ansicht zu aben. , _

_ In der Neujahrs-Nummsr dks „Moder nen Kunst“ (Verlag 5011 Rich. Bong, Berlin; Preis pro Hsft 60 2:1) fixxdet _“die Fest- stimmung beim JabreIchhsLl in mannigfachcr Wkifk künstlerixchkn und dichterischen AUSdruck. Hans Vobrdt schildert auf Grund eigéner Er- fahrungen in Wort und Bild die Begsbung der JabrsSw-ane in unsérer Marine, und Genkral von Dincklage unter seinem Schrift- steULrnaan Hans Nagel VOUBWWL das Neujahrsdiner dxr GMerale bei Drkssel in Bkrlin. Auch der sonstizL Jnßalt 583 Heft:"; bietet eine FÜUL dss Schönen und Untkrhaltendén. Untér anderem kommt in einer neasn Novekle .Marzipan' Von Wilbslm Meysr (dem Ver- faffc'r dcr ,Cberkxild') jcn'cr Humor zu Worte, der lachend und wcincnd zuglsich ein Stückchcn AlLtagschen schildert, das dennoch soviel dcs unbeachtet Interessanten bietet. Bis in die kleinsten Notizen der Bkilagsn Hinein erstreckt (111) das Bcftrebxn 1781: Redaktion der „Modernen Kunst“, aÜe Lebansersckxeinungcn zu verfolgen und in Tkxt und Jilustrationen widerzaspisgeln. -

_ .Himmsl und Erde“, illustrierts naturwiffsnschastlicbe Monatsschrift, herausgegeben von dk? Gcselisckyast Urania. Vsrlag Von H. Pastel in Berlin. Heft 117. _ Seitdem man weiß, daß die Beschaffenßeit der Erdrindc anf das VerbaLtLU dec Ma netnadel 8111811 gewissen Einfluß ausübt, hat man vielfach die Ennis ung und VerändxrungM der Srdmagnstischen Kräfte" mit enddgknsn Zor- gängen' in Verbindung gebracht. 1)1'. P. J. MüUcr (DrL-Hdeén) Vér-

zeigt dieselbe _„glänzende "Ausstattung

fowf diksss Ziél in dem_ Artikkl ,Crdmagnclisnzus und Luft- elektrizitäT“. Jn 01116111 fiir Histortfkr und Pbtlologen inter-

essanten Aufsatz behandelt F. K._Gi:1zcl die ,Mystischen Sonnen- finstczrniffe“ und ihre BethUng für “die Chronologie dks Altertbums. ])r. J. Prscbt spricht 1":er Bli e und „Blißphotographixn' und kennzeichnet die Richtung, in me chor die Forschung gk enwartig auf dissem Gkbiet thäti: ist. Einen besonderxn Werth 51 das vor- likgende Heft durch ie Beigabe Linkr in Hsliogravüre angeführten Tafel, wslchE ein anschaulichs Bild Von den neuesten Ergebnissen dsr HinnnelSphot-ygrapbie gewährt. Sie zei t Aufnabuzcn vdn Prof. Yickering (Hardard - Sternwarte? und Von rdf. Wol? (Herde'lberg). ine Reibe astronomischcr Mitt)cilungen schließt fich daran.

_ Das „Journal für Landwixtbschaft“, berauSgegcben im Auftrage der Königlichen Landwirtb!chafts-Geseüschaft zu Han- noder unter Betheiligung dsr [_andwirtbschaft[ichen_Institut? deutscher Hochschuien, redigiert von Professor O1.G. Liebi cher, Direktor des landwirtbschaftlichen Instituts der Univcrfität Göttingen (Verlag von Paul §Farey-Bcrlin), hat in eft 117 folgsnden analtZ Zur Frage de:: ie,;enhaltung in Dsuts land, von Dr. Hermann «QUIV- Leipzig (Fortseßuna); Mittheilungen FLUI dcr landwirtbscbaftli en Vsrsucböitation in Bonn“ Bafferiologi]ch-chemische Forschungen über die Ursachsn der Sticksto verluste in saulenden, organischen Stoffen, insbesondere im Stallmist und in der Jauchs, 5011 R. Burri, E.Her- fkldt und A. Stutzsr; Ein Bcitrag _übér Laterit nnd Rotbkrde, von Profsffor F. Wobltmann-Poppkksdors. ._

_ DLL „Gesundheit“, Zeitschrift für öffentliche und rivate Hygi-xnk, begründet yon rose or1)r. 111S(1. Carl Reclam, eraus- gegeben von 1)1'. 11196. §2.511": ner, Pbyfikus a.D., hat in der Nr.1 des zwanzigsten Jahrgangs (1895) folgenden Inhalt: Medizinische Statistik. _ Die Hygicue und deren Bedeutung als Schuß vor Erkran- kungen. _ Die ansteckenden Kinderkrankheitcn. _ Gegen die Serum- thcrc-pie. _ Gegen die Vivissktion. _ Nervosität. _ Sch1achtböfe. _ Untsrricbt und Gesundheit. _ „Mineralquellen, Bäder und Kur- orte. _ Zur Besvrccbung eingegangene literarische Neuheiten. _ Besprkchungen neuer Schriften. _ Feuilleton. _ Gemännützigss. _ Aus Zuschriften. _ Kleine Mittheilungen.

Handel und Gewerbe.

Tägliche Wagengestellung für Kohlen und Koks an der Ruhr und in Oberschlesien. An der Ruhr sind am 31. 11. M. gestellt 9932, nicht rechtzeitig gestellt keine Wa cn. _ Jn Obers lesien find am 30. 1). M. gestellt 3864, nicht recht- zeitig gcsteilt keine Wagen.

Ausweis über den Verkehr auf dem Berliner Schlacht- viebmarkt vom 30. Januar 1895. Au rieb und Marktprei : nach Schlachtgewiäpt mit Auönabme der weine, welche 11 Lebendgewitbt gehandelt werden. Rin der. uftrieb 388 Stück. (Durchschnittsprsis 'für 100 kg.) 1. Qualität _ .“, 11. Qualität _ «M, 111. Qualität 88-96 „14, 17. Qualität 80-86 .“ _ S ck w e in e. Auftrieb 8403 Stück. (Durchsckmittöpreis für 100 113.) Mecklenburger 100-102 .“, Landschweine: &. gute 96-98 „ji,

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