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was für die Marine in der Zeit gebaut worden ist. Da müssen wir uns bescheiden mit 2 Schiffen und 5135 b, also stehen 5000 t- segen 167000 & Lassen Sie uns einmal sehen, wie andere Nationen das treiben. Ich will also einmal den östlichen Nachbar, Rußland, nehmen. In Rußland find gebaut für die Handeldmarine 12 Schiisc mit 137000 b und für die Kriegsmarine“ 4 Schiffe mit 34000 t., und in Frankreich sind gebaur 34 Schiffe mit 48000 b für 'die Handelßmarine und 6 Schiffe mit 28690 t- für die Kriegömcrrme. Hier scheint mir ein ungefähr richtiges Verhältniß vorzultrgcn zivischen Handels- und Kriegsmarine. In Deutschland scheint nur das durch- aus nicht der Fall zu sein. Nun gestatten Sie mir, daß ich anrn noch mittbcilc, daß von den neun Kreuzern, von dknen ich vorhin sprach, vier so gut wie unerläßlich nothwendig find für unsern beimischcn Dienst. Wir können unsere Scblachtflotte nicht ohne Krruzerscbiffe [affen und ie!) wil] sagen, für diese Schlachiflotte werden Verwendet die neuesten Krruzerschiffc, dir wir haben: „Kaiserin Augusta“, „Prinzeß Wilhelm“, .Gefion“ und .Jrenc“. Dannkbleiben für den auswärtigen Dienst noch übrig 5 Schiffe; diese 5Schiffc find ungefähr Schiffe obne irgend wélcben rerüen Werth. Auch das babe ich in dcr Budgetkommisfion des writeren ausgeführt? den Srbiffeii gebt AUes ab, was man heut zu Tage für nothwendig bält fur die Ausstattung eines Kriegssckpiffes. Ich will obne weiteres bier zugestehen, meine Herren, daß es durchaus seetüchtige Schiffe sind, insoiveit sie sehr wobl befähigt find, die See zu halten; aber hinsichtlich ibrer inne'rrn schiffsbaulicben Vollendung stehen fie doch sebr zurück gegenüber den Forderungen der brutigcn Zeit; dicse Schiffe haben keine Schwimmfäbigkeit mehr, wenn fic durch eine KoUifion ein schweres Leck bekommen. Ich verwrisc auf folgende Thatsache: Vor cinigcn "Fabre" _ &? wcrden wobl sieben bis acht Jabre ber sein _ gab cs rinr schnoeie Koilifion in der Nordsee zwischen einrm disier Schiffe „Sophie“ und dem Lloyddampser „Hobenfianfcn“, _ Sie werden sicb drffcn erinnern _ rs bing die Sicherheit das Schiffes und drr Besaßung ab von einer delenbrmkrrwand, die glücklicherweise underleßt war. Wäre drr Stoß wenig writer gcgangcn und diese Koblen- bunkerwand bcrchi wvrde'n, so wärs das Schiff mit Mann und Maus untergegangen: dem würde es jeden Tag wieder auégeseßt srin, wann Cine äixnlichr (Gefahr drobtc. Die Artillerir der Schiffe isi mittelmäßig, übrr di“: will ich TWck) gar nicht dkn Stab brecbi'n. Aber aUes Urbrigi' ist obsolkt, die Schiffe bach krinc Geschwin- digkeit, keine Dampfkrafr, sir find Hauptsächlich auf Skgel eingr- ricbtet, und wohin das führt, babcn Sie ja AUE sebr lebbait im Gedächtniß. Sie wc'rden sich wahrscheinlich erinnrrn, meine Herrrn, daß im Jahre 1892 es sich als notbwrndig brraußstelltk, die Kreuzer- ffotts don Ost-Afien nacb Wcst-Amerika zu dirigisren. Nun bestand dirse Krruzerflotte damals aus drri Schiffen: dcr „Yivzig“, drr „Aiexandrinc' Und der „Sopbic'. VM drnen ist die ., irrandrinc' heute noch im Diénst, dis ,Lripzig“ iit aus drr Liste drr Schiffs gestrich, und die ,Sopbir“ führt ein frertdsnloses Dasein im brimiichn Hafen. Nun wäre es doch richtig gewesen, auf drm gradcn Wrg? dahin zn fabrcn; nur mußte man sick) sagen, dann wird drr Wind als Motor ZU brnußcn, dicse Reiss unier Segel zu machten sein, und darübkr werden ungefähr drsi Monate bingcbcn: innrrbalb dikser drei Monate wird dcr Auf- stand deLanÜZ bcssitigt und erledigt sein. Wrnn sid Glück battsn, konntcn sir birllricbt in Linen neurn binrinkommrn. Jmmrrbin, das war doch drm Admiral zu brdenkl cb, und er sagte: Ich wrrdc den WSJ übst San Francisco rinschagrn. Um dies audzufübrkn und die Dampfkraft der Schiffe ausnüßrn zu können, war &? nötbig, daß dir Sckoiffc .Alcxandrine' und „Sophie“ dir „Lripzig“ ins Schlcvptau nabmen. Mrinr Herren, das war rin trauriger Kriczi-ézug, und ich glaube auch nicht, daß cr dem Ansrben dcs Deutschrn Rricbs Entsprach. Schiffrr, welchc diesem Schleppzug begegnrtsn, werdeii wobl innsrlici) xislackpt und gssagi haben: Die gutrn Dentsckyen, mit solcbrn Sckyiffrn wollen fie bcuir noch Krieg fübrrn! “Téa.“- isi kritik Uebertreibung, und wrnn ich nicht irre, bat drr Öérr ?lixx. Jsbicn auch seiner Zeit dar- auf aufmrrkiam gemacht. Dis Sibiff: gingdn bon San Francisco nacb Valparaiso. Wer die Karte in dir Hand nimmt und diesen Weg vrrfolgi, wird staunen und mit Korifcbüttrln iagcn: So ctwas soÜtr doch nicht mehr möglich sein!
Nun will ich ein zweites Schiff 128111180: c:“; ist die „Alrxandrine“, dir: bor zweiTagen die Heimreise angrirrien bat, nachdem fie sccbs VVÜL Jabre in Dirnst gendessn ist Und als ein vollkommen aus- grdientes, außgcnüßtrs Schiff nach der Heimatb zurückkebrt.
Meine Hrrrcn, man kann fick) übrr dirscn Zustand dcr Schiffs in ksincr Weise wundrrn. Jab wkrde anrn Einmal als Beisvirs dcn Lebrnslauf dirsrs Schiffsé in den sech Jabrrn mit kurzkn Worten darlcgsn: Das Schiff wurds aukgcrüsiet im Jabrc1888, es ging im Jrübjabr fort und bat nim seit drr Zeit folgende Stationrn bc- scßrn müffkn _ d. b. rs bai tbeilncbmen tnüffrn an folgenden Aktionen der KreUzcr: im Jahre 1889 australische Station, Ende 1890 Und Anfang 1891: osiafiatisÖe Station, dann 0011 Mitte 1891 auf drr wriiamerikaniscben Station; dann von Anfang 1892 auf der ostamerikaiiischcn Station, weitér von drr ostamrrikanischn auf die ostafrikanische Station, darm wieder zurück auf die Ostasiatische Station, Von dort nach der ostafrikanischen Station und Mitri: 1893 nach dcr dsiamerikanischcn Station, um schiießlich auf drm Wege über die wrsiamerikaniscbe Küste u. s. w. UOch rinmal auf dcr ostasiatischen Station zu crscheinen.
Ja, meine Herren, wsr da weiß, was da:“- bidruxet „im Dienst drs KreuzergcsckpwaderS', drr wird irrilicb mit dolier Achtung Von dcm Vorzüglicben Schiffe sprechen, abkr er wird fich sagcn: dar; Schiff muß nabezu aufgrbraucbt sein! und die's ist auch der Fall, er ist in drr Tbat aufgebraucht. Ich will hiermit nur grsagk bäbrn: es giebt gar krine Urbsrtreibungen, die hinausgehen können über den Zustand unserer Kreuzerfcbiffe, welchr in der Kreuzrrdiviswn zur Verwrndung gelangen. Die sind in drr That alle ausgefahren, und wenn fie nach der Heimat!; zurückgeholt sind, würde Es höchst unwirtbscbaftlich fein, wrnn man ihnen wirder große eraraturkn zu tbril wcrden ließe? und sie wird?): binausscbickte, nachdem fir brrrits sin Alter bon Über 13 Jabren crrricbt Haben. NUL diese Schiff? find mehr oder wenigrr auf die Sigelkraft angkwiescn, und mit der Segel- kraft kann man bruizutagc nichts mrbr machen. Außer diefen unsern Kreuzern kann man die Kreuzer der übrigrn Nationen an den Fingern berzäble'n, dir noch mit Segelkraft ancstaitei, auf auswärtigen Stationen verwendrt werden,
Ich wii] in dissen Ausführungen nicbt writkr geben. Was ich sonfi zu sagen batte, babe ich der Kommission gesagt. Ich bitte
Sie dringend, meine Herren, daß Sie den Bewilligungen Ihrer Kommission beitreten mögen. Es würde das in der That zum Wohl des Reichs sein.
Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staats-Minister Freiherr von Marschall:
Meine Herren! Bei der Forderung von vier neuen Kreuzern stehen die Bedürfnisse des außwärtigen Dienstes in einem solchen Maße in dem Vordergrund, daß ich daraus meine Legitimation ent- nehme, auch im Plenum, wie ich das in der Kommissioü gethan habe, mit aller Entschiedenheit für die Bewilligung dieser Forderung einzutreten. Mir ist wobl bekannt, daß drqußen im Lande die Sym- pathie für neue Bewiuigungen von Schiffsbauten eine nur mäßige grworden ist im Gegensaß zu früheren Zeiten, und Zuck) das weiß ich, daß der Mißmutb über unsere wirthschaftliche, namentlich unsere land- wirtbschaftliche Lage manchen in eine Stellung in dieser Frage hinein- drängt, die er sonst bei seiner politischen Gesinnung nicbt einnehmen würde. Das find Stimmungen und Verstimmungen, die wir gewiß ernstlich beackßrn, und BMW wir auf den Grund geben müssen, um zu sehen, wo Abhilfe getroffen werden kann. Aber ich glaube, wir dürfen uns durch diese Strömungen nicht leiten lassen; wir müffen suchen, sie in ruhige Bahnen zu bringen, und das beste Mittel hierzu ist eine möglichst sachliche und nüchterne Erörterung hier vor dem Lands. Es ist schon hervorgrboben worden: Von uferlosen Plänen ist nicht die Rede. An keiner Stelle bestehen solche Pläne, ich kann also darüber hier auch nicht diskutisren. Aber das weiß ich, das Grübrln und Deliberiercn über ungeborene Ideen der späteren Zukunft ist von jeher der sicherste Weg gewesen, um den An- schluß zu versäumen, wenn reale Bedürfnissa der Gegenwart befriedigt werden müssen. (Sehr richtig! rechts.) Und hier bandslt cs fich um solche Bedürfnisse. Hier handelt es fich um fest begrenzte Ziele und um die Erfüllung von |aatlichen Aufgaben, die nicht unrerlaffen, nicht Verschoben wrrdkn dürfen, wenn nicht das Gesammtwobl leiden soll. Wer aus der_beuiigen wirtbschaftlichen und finanzieÜen Lage ein Argument ziebt zur Bekämpfung diesar Forderung, dcm halte ich einen Saß Entgegen, der alt ist, dcr virl gebraucht, viellricbt aucb miß- braucht ist, und den Sie einen Grmeinplaiz nennrn können, der aber deshalb nicbt minder wabr bleibt, nämlich den Salz, das; Aus- gaben bcrmeiden und sparen Verschiedene Dinge sind, daß man auch am falschen Ende sparrn kann, und dieses falsche Spawn in skinen wirtbscbaitlicbcn Wirkungen nicht minder nacbtbeilig ist wie das unnöibige Audgebrn bon Grld. Der Handwerker, der sein Wrrkzeug nichi im stands hält, der es nicht ergänzt, wenn 9?- defekt wird, drr es verkosten und vsrkommen läßt, der Vcr- meidrt aucb AuSgabrn, aber nirmand wird ihm darum das Lob Lines wirtbschaftlichen, sparsamen Mannes zusrkennen _ im Gegentbeil ! Ganz ähnlich liegt die Sache hier; denn für Deutschland ist dir Krcuzxrflotie ein ganz unentbebrlicbes Werkzeug zum Schuß wirtbichaft1icher Interessen, und wenn wir dieses Werkzeug brrrosirn lassen, so werdrn wir wirtbscbaftlicb rückwärts geben und politisch deSgleicben. (Sehr richtig! rechts.)
Und wenn man mir entgrgrnbäkt: wir find nicht reich grnug, um so bisl (Geld für nsue Schiffe auszugeben, so sage ich, umgekrbrt: wir sind nicht reich grnug, um auch nur ein en wirtbschaftlichrn Faktor zu vernachlässigen und uns Lines Mittels zur Förderung unserrr ge- werblichen Thätigkeit zu begeben _ und das würden wir thun, wenn wir den Prozeß mit unserer Kre'uzerflottc writer geben ließen, 'der jetzt im Gangs isi.
Dkk Herr Staatssskretär des Réicbs-Marinramts bat Ihnen dar- gelegt, wie? die Schiffe das Loos alles erischen tbeile'n, wie sie alt wrrdrn, wie fie sicb brrbraucben und wie Es Links Tags mit ibnkn zu Ende grbt. Das ist eine Thatsache, mir der wir rr'cbnen müffen, und daraus folgt: wer krine neuen Schiffe baut, der wird eines Tasks überhaupt krinc Schiffe mehr haben (sebr wahr!), und der Tag wird um so früher herankommen, je mehr drr Mangsl an Srbiffkn uns dazu zwingt, von diesen Schiffkn über- spannt? und übértriebenr Leistungen zu verlangen. Auch hier beziehe ich mich auf die Worte meines Hsrrn Vorredners: wir haben unser K'reuzergsscbwader wäbrrnd drrirr Jabrc “2x Mal um die Welt grtrirbcn in ununtorbrocbenkm angestrengtem Dirnst; wir baben Einen Tbril unserer Kreuzer mehr aks zehn Jahre ununterbrochen im Dienst grbalten, da ist es doch wahrhaftig kein Wunder, daß dann das Adtniralscbiff eines Taizé!1 niederbrach und zurück in den beimatblichen Hafen gebracht werden mußte, daß jetzt die „Alrrandrine“ mit aus- grfahrenc'r Maschinr brimkebrt und daß demnächst auch andere Schiffe unserer Kreuzerflotte, so nötbig wir sis braucbén, zurückkommen müffen, um gründlichrn Reparaturen untrrzogen zu wcrden, soweit sie noch möglich find.
Ob das sehr wirtbschaftlich ist, daS kann ich nicht beurtbeilen. In einer Beziehung sind wir die sparsamstc Nation in der Welt: wir gebrauchen und derbrauchen Schiffe bon Einem Typ, den alle anderen Nationen: brrciis außrr Dienst gestellt haben, und, mrine Herren, es isi doch wahrhaftig Ein Zeichen unserer Bescheidenheit, wenn der Herr Chef der Marine diesen Schiffen wenigstens das Lob gespendet bat, daß sie die See noch zu halten Vermögen. Wir könnkn mit diesen altcn Schiffen noch Wirkungen erziele'n, weil, gottlob, unsrr Ansrben, unsere Steilung im Außlande noch groß und unversehrt ist, und wrii wir Vertrauen in die Trefflichkeii unserer Seelrnts haben können, Ein Vertrauen, das sich bisher überall, bci allsn Gelrgenbeiten und gcgsnüber den schwierigsirn Aufgaben in glänzendster Weise gerecht- fkrtigt bat. (chbaftcs Bravo!)
Nun, mrinc Herren, bandslf rs Mp bier um den Schuß *.": b er- sceischer Jntcrrsir 11. Was verstebtman daruntrr? Draußen im Landr find darübersebr drricbisdcnc Anfickytcnim Gange und, wir so oft, bewegt fich die öffentliche Meinung in Extremen. Es giebt Lrate, dcncn alle's bksondcrs rcizboll erscheint, wril cs überseeéiscb ist, und
denen das Auswärtige Amt in dirser Beziehung nie genug thun kann.-
Es gicbt wiedrrum andere, dir allen den übrrsccisckycn Dingen sehr skeptisch gegenüberstehen, und auch die Gruppe Von Leuten fehlt draußen im Lande nicht, welche glaubcn, daß ihre Jntcrrffen nur soweit reichen, wir der Geficbißfreis drs heimischen Kirchtburms, und grrade dieser lexztercn Gruppe könnte man bicr mit Recht zurufen: Ma :'65 aZiiur. Unser überseeischer Handek ist doch nicbt nur ein einseitiges Interesse? unserer drutscbén Séestädtr, drr Rheder, der Kaufleute und Swediteure _ nein! tausend und abertausend Fäden verbinden diesen übrrsrciichen Hands! mit unserer gesammten crwerben-
_ . . den Thätigkeit. Das können wir gerade heute sehen. Wir nagen
über die Ueberproduktion, über die schlechten Preise, wir klagen über-
den schlechten Absaß der Produkte, die wir nach unserer wirtbscbaft- lieben Gestaltung und bei der Zunahme unserer Bevölkerung in größerer Menge erzeugen müssen, als der Inlandsbedarf erbeifcht. Und sehen
. wir uns um in Europa, dann wird sich die Ueberzeugung uns auf-
drängen, daß die Aufnahmefäbigkeit der europäischen Märkte einer weiteren Steigerung voraussichtlich nicht mehr fähig ist, daß sie sich wahrscheinlich in absteigender Linie bewegen wird. In dem Maße treten doch die überseeischen Märkte „für uns, sowohl für die in- dustriellen wie für die landwirtbschaftlicben Produkte in den Vorder- grund, die noch nicht ganz, sondern erst tbrilweise erschloffen sind. Ueber Ueberproduktion zu klagen und gleichzeitig die Mittel zu verweigern zum Schutz überseeischer Interessen und zur Erhaltung und Erschließung neuer Absaßgebirte, das ist der siärkste Widrrsprucb, den ich mir dknken kann. Aus jenen Ländern müssen wir in großer Menge die Produkte beziehen, die wir im Inlande nicht erzeugen können, deren wir aber bedürfen als Rohstoffe für unsere Industrie, zur Ernährung unsrrer Bevölkerung und auch zur Befruchtung unserer Lankwirtbschaft: die Baumwvile, den Kaffee, den Kakao, Tbce, Reis, Chilesalpeter u. s. w. Der Herr Refere'nt hat richtig zitiert, ich babe in der Kommission dargelegt, daß wir aus jenen
und Süd-Amerika für 200 Millionen M*ark.
Nun mag einer bandelépolitiscb denken, wie er will _ ich mein?, darüber kann kein Zweifel bestehen, daß es unser dringendes Interés? ist, diese Produkte nicht zu bezahlen mit unserem Gelde, sondsrn mit unseren landwirtbschaftlichen und industriellen Produkten. (Sehr wahr!) Und wenn unser überseeischer Handel auf dieser Basis den Güteraustausck) voüziebt, fo übt er recht eigen!- lich Link produktive Thätigkeit, und wir müffen ihn schüxzcn, wem: wir überhaupt die nationale Arbeit scbäyen wollen.
AÜerdings bringt der überseeische Handel uns auch solche Produkte», die dsn unseren Konkurrenz machen, die einen PreiSdruck hervorrufen, drn wir tief beklagen, und der allmählich zu einem schweren Mißftande geworden ist, aber ick) bittr, das nicht unsrren übersrriscben Hands!
und unsere Kreuzerflottc entgelten zu laffen; denn wenn wir da envas '
vernachläsfigen _die Einfuhr zu uns berüer wird underändert bleiben, und nur die Ausfuhr in fernere Länder wird Notb leiden. Das wird also dieses Uebel nicbt verbessern, sondern potenzieren.
Die ganze Frage, wie dicser Mißftand zu heben ist, liegt auf
anderen (Gebieten, und ich kann mir wobl denken, daß wir dem einkn _! .“ oder anderen jenrr südlichen Länder, ohne gleich zu extremen Maß- '
rrgeln zu schreiten, ruhig, aber in vollem Ernst sagen, daß, wenn fie sich jährlich gezwungen sehen, aus finanzieürn Gründen die 313118 auf unsere Produktr zn erhöhen, wir eines Tages uns veranlaßt ikben können, aus wirthscbaftlichen Gründen gleiches mit gleichem zn vrr- gelten. (Beifaü bei den Nationalliberalen.) Meine Herren, dis Zeitkn sind worüber, wo unsrre Handeldfioitr, unsere Schiffahrt selbständig in fremden Meeren ihren Geschäftcn nacbgebrn konnte, wo unsere Handelsfiotte sogar vor einem kleinen Sergeiechte nicht zurück- schreckte, Der Konkurrenzkampf draußen ist scharf geworden, und es entscheidet beute nicbt allein der Preis und die Qualität dsr
Waarrn, da kommen gar verschikdene Faktoren in Betracht, aucb “
die WiÜkür des einen oder anderen Machthabers. Ja, wir haben aucb bier und da mit großrn Strömungen zu kämpfen, die in dem Endzielen dahin gerichtet find, dis Europäischen Produkte zu differenzieren und allmäblicb bon großen Wirtbschaft§grbieten zu ver- drängen. (Sehr richtig!) Diese Strömungen find zur Zeit zurück- getreten, fir wcrden vielleicht wicht erscheinen, und dann mag (mä? der Tag kommen, wo man bei uns sich der gcmrinfamrn Jniereffsn
grbßrrer Staatengruppen erinnert und dieser Gemeinsamkcit einen eni- Ü sprechenden Außdruck giebt. Unter alien Umständen abcr müffen wii“ unsere Kreuzerflotte so stark erbalten, daß wir Von Zeit zu Zeit in
ailen den Orten, wo wir erhebliche Interessen befitzrn, unfrrc Flagßr zeigen können. Denn das ist eine Thatsache, die viekleicbt niemand beffer bcurtbrilcn kann als der Leiter des Auswärtigen Amts, dai; bei mancbkn Überseeischn Regierungen und bei manchem übersrsiscber; Machthaber der Wunsch, unsere Produkte gerecht und billig nach Maßgabe? von Völker- und VsrtraJSreÖt zu behandeln, sebr wesentlich gefördert und grstärkt wird, wenn die deutsche? Flotte Von Zeit zu Zeit sich dort an der Küste zeigt (sebr richtig !) als ein Merkmal, daß bintkr de'n deutscben Jnirreffen die Kraft und die Macht des ganzen Deutschen Reichs ftebt. (Bravo! links.)
Eng vrrbunden mit dirsem Schutz unserer kaufmännischen Inter-
essen stsbt der Schutz der Deutschen im Auslande, Wir ;:
haben die Frage neulich ST yr0l9550 behandelt. Ich habe ssb vorsichtig die Grenzlinie grzogen, und dafür Lob auf der einen, abc' auch bitteren Tadel auf der anderen Seite erfahren. Ick babe gesagt dsr Deutsche im Auslandr hat Anspruch auf Schutz nach Maßgab- des Vertragßrrcbts und des Völkerrechts, und er darf unter keinen Umständen ungünstiger behandelt werden als der Einheimische, oder als Angehörige anderer Nationen. , auch das Minimum an Schutz, das wir den Deutschen im Auslande
gewährleisten müssen. (Bravo! links.) Ein Staat, der diese Aufgabe nicbterfüklenfann, der giebt sich nach meinerMeinung selbirzx'
auf. (Sehr richtig! links.)
Mik dem Zeigen der Flagge ist es abcr nicht gethan;'.;«ü unsrre Kreuzrrflotte hat auch größere und schwierigere Aufgaben zu ":
löskn. Worm außergéwöbnliche Ereignisse eintreten, wenn in jenen übcric'xisxhkn Ländern, wo deutsche Interessen vertreten sind, Re- volntionrn, Bürgerkrirge und Kriege unter anderen Nationen auk- brechrn, da genüzsn dic Stationäre, die „Kreuzer vierter Klaffe nicht;
da brdari cs stärkerer Schiffe, und da wird namentlich auch der
Panzerkrruzrr in Aktion treten müffen, nicht als Paradeschiff, sondern wsgen seinrr Leistungsfähigkeit, wcil er am ehesten im stande ist, wenn
23 gilt, gegen Unbill und Unrecht Gewalt anzudrobcn und, wenn CH sein muß, eralt anzuwendcn, weil er da in erster Reihe in drr
Lage ist. draiißcn zn zeigen, daß auch zm“ SZS das deuifcbc Schwer! scharf und schneidig ift. (Brady!)
Wir müssen ja mit Rrvvlutioncn und solchen Ereigniffen sani
besonders in Süd-Amerika und in Zentral-Amerika rechnen. Ic
diesrm Aiiginblick tobt der Aufstand in Peru, in Columbien ist E*-
noch nicht krfticki, und auch im Süden von Brasilien find di:“ Funken drs Aufstandes noch nicht vollkommen _crloscben. l“(HMM in jenen Ländern babcn wir große dcuiscbe Jntereffen zu scbüßen- Tauscndc und Abertauskndc yon Deutfchcn wohnen dor„r, unseri
Das, meine Herren, ist aber .-
, Ausfuhr beträgt zwischen 200 ,und 300 Millionen Mark, und nichts kann den gegenwärtigen Zaskand schlagende: dartbun, als daß in jenen
_ Ländern _ Sie mögen von Norden nach Süden, die Westküste
oder die Ostküste betrachten _ ein deutscher Kreuzer irgendwie zur Disposition fiebt. *
Wir haben, was unsere Kreuzerflotte bei iolchen artßersewöbnlicben Ereignissen zu leisten vermag, in den verflossenen Jahren in Chile und Brasilien gesehen, wie unsere deutsche Flotte während der fünf Monate des chilenjschen Aufstandes unermüdlich tbätig war zum Schuße der deutschen Interessen, mit welchem Erfolge sie das deutsche Eigen- tbum, _die deutsche Schiffahrt geschützt bat, wie wiederholt unser Ge-
. sandte: in der Lage war, dem damaligen Gcwaltbaber Balmaceda (2 Gewalt anzudroben, wenn unrechtmäßige, ge'gen unsere Jntereffen und
unsere Schjffabrt gerichtete Dekrete nicht außer Kraft gescßt würden.
Ich erinnere daran, daß es der deutsche Adiniral war, der damals die Stadt Valparaiso befaßte und eine hervorragende Rolle beim Schuß
. dieser Stadt gespielt hat. Wir haben am Schluffe jenes Aufstandes ine Entschädigungsfordrrung von ca. 800000 «Fü bei dsr chilenischen
_ Regierung angebracht, und es ist kein Zweifel, daß obne unsere * Kreuzetflotte Beschädigungen im Beirage Von vielen Millionen ein- getreten wären. Ganz ähnliche Erfolge hat unsere Kreuzerflotte bei
* dem Aufstands zu verzeichnrn, der im Herbst 1893 in Brasilien aus- überseeischrn Ländern für 8- bis 900 Millionen Mark von solchen Produkten einführen. Wir beziehen allein an Kaffee aus Zentral- '
brach, und da muß ich auf einen Vorgang zurückkommen, der klar dor Augen führt, zu welcbkm Resultat wir kommen mit dem jeßigen Zustand. Die beiden Schiffe sind damals von Mitte Septrmber bis Ende Januar in der Bai von Rio gelegen unter der vollen Glutb dW tropischen Hochsommers, und während dieser fünf Monate ist nicht ein Einziger von der Mannschaft jenerkSchiffe auch nur auf eine halbe Stunde an das Land gekommen. Das, meine Herrkn, ist eine Leistung, dir, glaube ick). des höchsten Lobes und der höchsten An- erkennung würdig ist. (Bravo!) Und als dann im Dezember die Marine sich an mich wandte mit der Mittbéilung, daß der Gesundheits- zufiaud der Mannschaft schlecht sei, daß die Verpflegung zu wünschen übrig kaffe, daß es dringrnd nothwendig ssi, daß die Schiffe, wenn auch nur auf 14 Tage, sich an einen kühleren Ort brgeben, so mußte dies abgelehnt werden, weil „die politische Siiuaiion es nicht erlaubte und ein anderrs Schiff nicht sofort bkizutreibrn war. Es mußte ab- gelehnt wxrden in einem Augknblick, wo in Rio nicht nur das gelbe Fieber, sondern auch die Cholera im höchsten Grade wütbete. Wir waren gezwungkn, ,die Kreuzerkorbette .Marie" Von West-Amerika kommen zu lasen; bis fie anlangte, waren Wochen yerfloffen. Inzwischen war auf der ,Alexandrine“ das gelbx: Fieber aus- gebrochen, und so mußten die beiden Schiffe, obgleich der Aufstand noch fortdauerte, von dort weggescbickt werden. Sie werden mir zugsben, meine Hirten, daß da für die lcitendrn Per- sonen VerantwortliÉkeiten entstehen, die nicht getragen wrrden können, und ich bin überzeugt, daß der Ncichstag, der strts ein Herz für humane Bestrebungen bat, wenn er die Frage hier prüft, doch auch unserer Seeleute gedenkt, und nicht gewillt ist, dieselben größeren Gefahren und Strapazen außzuseßen, als an sich mit ihrem
Dienste: verbunden sind. (Bravo!) Wir waren im Vorigen Jabre ge- zwungen, an einem anderen Theile der Welt einzutreten zum Schuße deutscher Interrffen: in der Delagoa-Bai. Auch
damals machte fick) dsr Mangel an Schiffen in der emrfind- lichsten Weise fühlbar; es war ein einziges Schiff, der ,Seeadlrr', zur Vrrfügung, und der war anderwärfs fast unentbebrlick), denn Lk war der einzige Stationär in Deutsch-Ostafrika, und gerade da- mals war Kilwa von drn Jnsurgenten bedroht. Wir haben Kilwa seinen Vertbeidigern überlassen müsskn und das Schiff nach der Delagoa-Vai geschickt. Dieses deutsche Schiff in der Delagoa-Vai hat ja in drr Welt ein lebhaftes Aufsehen gemaäyt. Dcr Grund ist mir nicht ersichtlich. Wir suchen dori kcinen politisckßxn Einfiuß, wir wollxn kéine Arndrrung des dort bestehenden Zustandes; im Gegen- tbeik, wir woücn territorial, politisch und wirtbsckyaftlicb den er05 (1110 erhalten und glauben, daß dirs unseren Interessen dienlich ist; wir wollen die wirtbscbaftlicbsn Beziehungen, die wir mit der süd- afrikanischen Republik angeknüpft battekn, und die in €rfr€ulichsm Steigen begriffen, uns erhalten. Wir wollen die dirrkte Linie von Prätoria nach der Delagoa-Bai, die zum tbeil mit deutsckpkm Grlde grbaut worden ist, diesem Vcrkrbr crbaltkn. Das sind unsere Interessen; disse? Interrffsn wolirn Und werden wir schüßen. (Bradl) !)
Zum Schluß, meins Herrrn, [affen Sie mich cinrn Blick auf die ostasiatischen Vrrbältnisfe werfrn, dir ja im Vordergrund unserers überseeisckxcn Interrffcs und drs Jntrreffrs bon ganz Europa stehen. Die militärisckscn Ereignisse Und die Lage, die dadurch ;),?- scbaffen ist, ist JHULU AUM brkannt. Wir haben in dem Kriege zwischen Cbina und Japan vonommrnc Ncutralität beobachtet und find gesonnen, diese Haltung fernerhin zu bcobacbtrn. Wir babe'u Jntervrntionrn abgrlrbnt, weil wir ans dcr Zurückhaltung nicbt heraustreten wdüten, die wir dcn dkuticbrn Interessen für dicnlicb er- achten. Aber, MLiUL Herren, wir babcn dvcb so große Jntcrrffen in jenen Ländern, dai; wir mit aafmerksamrn Augen (111922 das brobachtcn müssen, was beutr dort vorgebt und was dir Zukunft nach menschlichem Ermeffen bringrn wird. Wir babrn rege? Handrlzbr- ziehungen mit China, unsrre Ausfuhr beträgt 45 Miüioncn, fie ist, Wenn erst dieses ungrheure Land mit den Hundertrn ron MiUionrn Einwobnern dem Auslande erschlossen wird, einer rnormcn Stri- gerung fähig. Wir haben Eine subvrntioniertk Dampferlinie, mehr wie 2000 deutsche Schiffe laufen jährlich cbinksiscbe Häfen an, wir sind betbeiligt an der Küstenschiffabrt, zahlreiche deutsche Firmen smd dort, und endlich, msine Herrrn, sind in China christliche Missionen, die wir schützrn müssen. Ick Habe schon in der Kommission insbe- sondere die Verk-ältniffe jcm'r großen katholischen Missioncn geschildert, die fick) in der Provinz Schantung befinden. In früheren Zeilen standen aÜe chrisilichen Missionare untkr französischem Schutz. Als im Jahre 1875 auck) dcutscbc Ykisfionarc hinaus- zögen, Wurde dies bei uns schwer Empfunden, und es ist dem Fürsten BiZinarck zu dankrn, daß er nach lang- jährigen Verhandlungen im Jabre1888 dazu gelangtr, mit China eine Vereinbarung in dem Sinne abzuschließen, daß fortan die deutschen Pässe für christliche Misfionarc denselben Werth und die- selbe Wirkung in China Haben sollten wie die französischen; damit WU" allerdings "Uk dic formrlle Seite erledigt. Einc Aenderung trat crst ein, als dsr Patriotisckye Bischof Angsr in Schantung im Jabra 1890 sick) unter detsÖLU Schuß stellte mit seiner ganzrn Mission und sich in dir Matrikel dcs Konsulats zu Tirntsin cin- tragen ließ. Wir babrn es inzwischen an Bemühungen nicht fehlen lassen, diese erfolgreiche Mission zn schüyen. Es ist unmittelbar
nachher der Konsul von Tientsin in jene Gegenden geschickt worden, um die Wünsche und Beschwerden jener Missionare in Empfang zu nehmen. Sie find bei der chinesischen Regierung zur Sprache gebracht und sämmtlich in einer günstigen Weise erledigt worden. (Beifall.) Erst im Vorigen Jahre haben wir wieder Gelegenheit gehabt, für jene Missionen ein- zutreten und sie zu schüßen gegen Urbeltbäter, an Welchen es leider in jener Provinz wie in ganz China nicht fehlt. Nun ist es ja kaum vorherzuseben, ob die chinesische Regierung, wenn die Dinge so weiter geben, im stande sein wird, aus eigenen Kräften jene Miffionare zu schüßen. Die Erfahrung lehrt, daß, wenn in China Unruhen aus- brechen, diefé! sich unter Führung der sogenannten Litrraten dort in erster Reibe immer gegen die Misfionen und Christen wenden. Nach der EntstehungSgescbichte jener Mission in Schantung, sage ich, ist :I: eine Ebrenpflicht für uns, dies? Leute mit aller uns zu Gebotestebenden Macht zu schützen.
Daraus, meine Herren,“:verden Sie entnehmen, daß in jenen ostasiatischen Gewäffrrn uns noch groß? und schwere Aufgaben bewor- fteben, und daß die Zeiten aller Voraussicht nach auf diele Jahre dahin sind, wo wir uns durch zwei kleine Kanonenbootc dort vertreten [affen konnten. Man kann brate mit aller Bestimmtheit sagen, daß wir auf Jabre hinaus nicht in der Lage sein werden, nur ein Einziges Schiff von denen, die dort Vorhanden find, zurückzunehmen.
Sie werden mir, meine: Herren, erlassen, über unsere Kolonirn zu sprechen und über die Notbwrndigkrit , auch die mittels unserer Kreuzer zu schützen. Drr Herr Referent hat in dieser Bezirbung bereits die nötbigen Mittheilungkn gemacht.
Damit babe ick) Ihnen Ein Bild gegebrn don drn Pflichten des
„auswärtigen Dienstes, von drn Anforderangen, die wir bisher an
unsere Kreuzer stellen mußten und die nach menschlicher Berechnung in der nächstrn Zukunft an sie berantreten werden; und es ist geiviß keine unbesckpeidene Bitte, wenn ich sage: die Kreuzerflotte muß fich annähernd in ihrem Bestand parallel bcwkgen mit denjenigen Inter- essen, die zu schüßrn sie bcrufrn ist. Wie berbält fick; die Sache aber nun in Wirklichkrit? Ich will Ihnen nur zwei Zablengruppen geben, die recht klar brweisrn, wic unhaltbar drr gegenwärtige Zustand gcworden ist, Vor 10 Jabren babcn wir zu unserrr Vrrfügung gebabt 27 Schiffe und Linen Panzerkrruzer und haben jsßt zu unserer Verfügung 17 Schiffe und keinen Panzerkrruzer (hört, hört! rechts), und, mrine Herren, in dén zehn Jahren bat Deutschland Kolonien sich erworben und unsere HandrlSmarine fich bon 1200000 auf 1500000 t vérme'brt. Ich weiß nicht, welche's Vertrauen ich in diesem bobkn Hause genieße; aber ich kann Ihnen nach Pflicht und Giswiffe'n sagen, daß die Bewilligung diesrr vier Kreuzer einem unabweislicben Bedürfnis; entspricht, und daß drraUSwärtigc Dirnft nicht mshr in der Lage ist, seins Vrrvflichtungrn zu erfüllrn, wenn dir:“? Brwiliigung nicht erfolgt.
Zum Schluß, mrinc Herren, Eine ganz kurzr Bsmerkung: Ick) glaube meine Darlegungen farblich und nüchtern gehalten zu Haben; vielleicht dcm Einrn oder dem Anderen in diesem Hause in zu hohem Grade; denn die Frage, die wir hier behandeln, hat doch auch eine nationale Seite». Die Art, wie wir draußen in fernen Ländern unsere deutschen Interessen Vsrtreten, ist doch ganz eng Verknüpft mii dem Ansebsn und drr Macbtstcllung Deutschlands im Auslande übrr- haupt, uxd in der Brzirbung haben wir ein reiches Kapital zur Ver- fügung, das wir uns erhalten müssen. Denn, ist LG cinmal bingsgrben, so ist es fcbwer wiederrgewonnkn.
Und noch ein Andersß! Die Flagge auf drm dcutschcn Kreuzer, der in den frkmden Hafen rinläuft, wil] dvch nicht nur die matcriclien Gütsr dsr Dcutschen, die dort [Eben, schüyen _ rr spricht auch zum Hcrzen dcrfelben. Man macht dcn Deutschn häufig den Vorwurf, daß, wenn erst die brimatblichr Küste im Rücken ist, fir die Heimaib rasch vergrffen, daß sie sich leicht drm Ausland asfimilieren und dax"; bald ihr Gesichtskreis aufgrl): in fremdkn Interkffrn. Wenn das richtig ist, dann, mcinc Herren, lieg: ss doch auch an uns, (11165 zu thun, um das beffer zu mnchrn.
Darum bitte ich Sir,. meine Hrrrcn, bcdknkrn Sir: bei Ihrem Votum, daß für Hundrric und für Tausende bon Deutschn, die sehr oft nicht drr frrie Wilir, sondrrn auch dir bittere Noth grzwungen bat, binäberzuziehrn Übrr dad Wcltmrrr, dsr drutfcbc Kreuzer nicht nur ein Zcich€n ist unsrrrr Tbcilnabme', nicht nur Cin Schuß ist für matrrielle Güter, sondrrn auch ein? ernste Mahnung, dkutscb zu blriben an Hrrz imd Sinn und fich in den Kätnpfcn drs Lrbkns dir großrn idralcn Gütcr zu crbwltcn, dic da sind: Licbc zum altrn Vatkrland und Trcur zuKaiirr urid Rrick). (Leb- haftes Bravo auf allrn Seitcn.)
Abg. Graf Von Mirbach (Konf.): Ich erläre namens ciner rrbkblicben Mebrbrit meiner volijischcn Freunde, daß wir gewillt sind, die Ykittri zu bcwiÜigcn, wclche in dirken Titrln gcfbcdkrt Wrrden. Jab bin abcr nicht in dsr Lage, irgend ein Mitglied meiner Partei iür die cntscbride'ndc dritte Lrsun zu binden, und ich rrklärk brtrrffs drr abweichendkn Mitgliedkr, da su“ nicbt prinzipirl] gr en die Be- wiUigung sind, tondxrn fick) aus schwerwiegenden 3x edenkrn 'in Betreff drr wirihschastlichrn Lage und dcr Finanzen des Rricbs für 8.6th drr Abstimmung cnibastrn. Trr Staatssxkretär bat die sachlichen Argumente? für die Bewiüigung so dortrriilich zusammen- gkstsllt, daß sich nichts Hinzufügen laßt. Die Frage drs Küstrnschuxzrs will ich außrr Betracht laffrn, denn ick) dexstebe dabon nichts, und wenn ich darüber sLräcbe, so wäre das ungefahr 10, wie wrnnjemand, der zeitlebens “Soldat gsweWn _ ist,_ an die SpiiZc Lines großén Reichs tritt und Wirtbscbaitspolitii trsibt. Für die Stcllungnabmr drr Mchrbrit méiner „pokitiscbcn Freunde "md folgrndc Gefichtspunkte Entscheidend: di_c Kolonialprlitik, der ü rr- srrische Handel und der Schuß dcr Dcutichkn in übxrsrcischkn Ländern. Der Staatsicfretär bat MY von dcm Prrstige Drutkcblands gesprochen. Wer in der 16 ten Zeir im „liislande grwcsrn ist, wird [cidrr die Er- iabruna gema t baden, daß das Prrstige Drutscblands in den [estrn fünf Jahren sehr erheblich abgenommen hat. Dies wird für uns natürlich ein Grund sein; um so mehr alles zu bewilligen, was zur Aufreckyterlwltung unveres Ansehens erforderlich ist, und wir Haben zu den jrßigc'n leitenden Männern das Ver- trauen. daf; untrr ihrer Hand das Prestige Deutschxands wicder einen Aufschwung nehmen wird. Was_ für die Verstarknng der lotte hauptsächlich entscheidend ins Gewicht fällt, dgs ist das Jntcrs c drs überseeischen Handels. Nun haben wir Agrartrr allrrdings nicht dsn mindesten An aß, dcn Herrcn, wclche den tranSatlantiscbcn Handel in Händen baben, dankbar zu sein; denn “Unterstüßung von'diesrr Seite ist uns noch niemals gekommen; die Herren gcbcn über _unsere Jntcreffen glatt binwrg. Aber die konserdaiibc Partei vrt- Yckpmäht "edc Einseitigkeit, fie will_allx brrccbtigten Jntcreffen im
ande rrbalti'n wiffrn. (Zwiscbrnrusr links.) WL; bat die Frage des Idrntitätsnachwriscs durchgesetzt? Das habcn die _Agrarier gethan. Allcrdings haben wir allen Anlaß, m der grgenwartigcn „Lage forg- fältig zu prüfen, wo es sich um Außgabrw nicht produktrber Natur handelt. Wir haben schon an der Armee eine schwc're Last, und wenn
irgend etwas *die agrarischen Kreise schwer trifft so ist es die Vexmebrung der _Armee und die Durchfübrunq der a meinen Di ft- pflt_ch_t. Aber wir bqbim in einem Augenblick scha en wirkbskbafts- pqlixtschen Kampfes wie ein Mann dem Kaiser die Armeevorlage bc- wrllxgt, freilich _ das geb; ich n _ nicht ohne schwere Bedenken, die_1ich aus der wirtbfchaftltcben age ergaben. Die Handeisvertrags- olitik hat „ohne abiebbaren Grund uns auf etwa 40 Millionen ark_ verizichten _lgffen. Sie bat das wirtbscbaftliche Lösen auféz icbwerte eschadtgw Ich freue mich, daß man in den leitenden Kreifen Prei: ens wenigstens zu der klaren Erkenntniß dessen gckrtximxn ist. Der preußische Landwirtbschaft§-Minister hat erklärt, er sri ein (Gegner der Handelsvertrags-Politik, und ia“) muß annehmen, daß .über diesrn Punkt keine Differenz im preußixcben Staats- Mintstknum bestrbt. Ick) füge auch hinzu, daß mir keine kiffen: tierenden Aruxrruwgen bon irgend einkr Stegs brkannt geworden sind. Ich hoffe _'ich [_age außdrücklicb ich boixe _, daß die Mebrbeit meiner Parteigenonkn die Bewilligung ausiprechen wird, u::d zwar unis: drm gro en nationalen (Hiiichtspunkte.
Abg. Ri ter (it. VolkSp.): Was der Vorrednrr Vorgktr "kn bat, waren nur 0 ,rarische Arabeske'n, Spiyen gegen den frühem Re“ 5- iamlrr ULd cinr ' ?ariatibn drs Wortrs „Ohne Kaniß keins Käbne!" in dem Stirnr: „Wenn wir Käbnr bewiliigen, dann, bitte, auch den Antrag Kanns !". Darüber xnag sich die Regikrung mit ihm aus*cinander; seyrn. _Waö kl? Sachs selbst anlangt, so be? reife ich nicht, wie man 19 thn kann, als stände in Frage, ob Deutschland über- baxipt ?ML Flotte baben solle, und wi-Z der Reich§kanzler die _Frage auiwxrsen konnte', ob denn das deutsche Volk kein Hrrz mcbr sur die Marni? babe., Seit 1888 bat fich das Ordinarium der Marine von 36011854 Millionen, also pro Jabr um 543/0 erböbt, und im Extra- ordmdrium smd in diesen siebrn Jahren voÜe 200 Müionen für die Marine bewilligt worden. Es handelt sich hier lediglich darum, ob wir in dirsrm Jahre zu allrn übrigen Engagkments noch Eins für Schiff€ im Grswinnttbßtragx bon 42É Millionen Mark übernkbmcn ioÜkn. 90,0/0 unierrs ubkrtkriichen Handeis kommen für den SchUH durch Krrrgssxbtffr gar nicht in Bctracbr; es Handelt sicb im wesentlichen urn Mirirl- und Süd-Amerika und Ost-Afim. Daß unsc're Marins bisher ihrer Agfgabe nicht hätte genügsn kbnnrn, ist nicht b?bauptkr wordrn. 'Ecwxß bst es auch der Tüchtigkeit unserer Mannicbaftrn bsdurir Aber Zettdrrbaltmffr außkrordentlichcr Art rechtfertigen aucb außer- ordentlixbe Anfordernngerz. Jn Ost-Afisn lcbcn 780 “Deutsch? und briteben 80_d8utiche “'firrrrrn. Die Brmannung unserrr deutschrn Schiffe be- tragt 1400 KVWL, Und fie sind mit 50 bir; 60 Gksckpüßsn armisrt. Es
dürfts dock) wbbl Cin aiiöreichender Schuß sein, wenn Mf jedsn an's- xirdelte'n Yruticben zwri Marinesoldaten m_nd au_f jedr Firma ein e- ichuxz Lniiallt. Was die Aquebnung unierer Paiidrls rziebnngkn Tu
Cbinwanlangi, so wird dafür nicht die? Entfaltung Unirrrr Secma t entsckyeidcnd ikm, sondern drr Werik) unserss (Exports und dir Ums“: t unserer Kaufleutr. Was wir ddr allem verlangen, ist ein be- stimmter Plein. (Fs sebst uns an j-xde'r klaren Ueberficht über das, was wir zu rrwarten babrn, auch nur für diE nächsten fünf Jahre. DLL? Staatssskretär Vorwahrte fich gegen di? Verbreitung glarmierrnder Pläne in Bezug auf Vermehrung der Flojte. In teinrr der Vudgetkommission borgelegten Schrift, die sriannterschriff trägt, wird von_drn für diesi's Jahr zurückgestkklten Forderungen ?- sprochen. Dir!? rrrkichen die' Höhe von 60 Missionrn, LFU: bürgt dafiir, ' daf; dieie Fordcrung nicht im nächste'n Jahre“ wieder (Zricbemt? Durch das Extraordinarium wird auch das Ordinariizm drr Marins bestimmt, denn kbautr Schiiée soUrn auch in Dirnst gcstsÜt wcrdsn. Sklbt konservativr Abgeordnete haben früher anerkannt, das; man mit Brwiili an neuer Yanzxrkreuzer nicht zu rasch vorgeben dürfe, da die TLCbnikß rapide ortycbritte mache. Die Summen, wslche drn Wrrstcn zur Ver- fügung stehen, find, auch ,wenn die Forderungen der Marincdcrwaltung nicbt ianrsammt bewilligt wsrden, groß genug um Arbeiterrnt- laffungen zu Vermeidrn. Drr Bau der Panzerfabrzeugc ist dkaaW ins Hintertreffen gekommen, wsi! srit 1884 Von der I)iarinsverwaltung Vérsckyiedene andere Forderungkn zum Schuß? unserer Küsten, u. a. über 100 Torpedobootr, gebaut wurden. Ich bin dem Reichskanzlér danbar, dsf; Cr an das Jahr 1848 rrinnert hat. Die degtich Flotte ist alisrdings auI dsr demokratischen Bewegung dieser 3811 „Hervorgcgangrn; warum hat aber der Reichskanzlcr in seiner Historischen Darsteüung nicbt aiich Erwähnt, daß auch dir Anfänge der preußischer) Flottx dnrch die' Ltbi'ralen vor drr Theilnak)mlosigkrit der Kynyrrdativkn geichü§t werden mußten? Noch im Jahre 1881 warf chtk drr Grim. dcs Fürsten BisMarck in e'im'r Vrrsammlung vor, ich je!, zu nachgirbig gegrnüber drn Forderung?" des Herrn von Stosch. Die Bedürfnime der Marine werdcn jsyt nach cinkm andrrrn (Glsichts- Punkt qemeffrn. Man mrint, man müsse imponirren. Man br- handelt die' Yiarmr, als wärrn wir eine SremaÖt ersten Ranxérs; wirsmd „(1er die crstc Landmacht drr Wclt und bedürfen kriner Fie- praienraiion durch dir Marins, wir andrre Länder. Der bestehende Chauvmismys wird Lb?" enäbrt durcb dir offiziösc Prssie. Die „FinanzxMiriister der Einzelixtaatcn kla Ln iibcr die' Finanzlage', die im wctcnxlichen ('in-.' Folge unscrrr §);???brfwrdrm_!iigkkn für HM" und Marine ist. Es wrrden immrr wicdcr nrue Steuern dor- geschlagrii. Wrnn „man von Arbcitkrcnilaffungsn sprickpr, mag man doch zunachst an dir Arbeirrr drnkrn, deren Entlassung infolge der nruxn Tab9cksicu€r bevorsteht. Zn Wrstfairn ging der Nrgirrangs- Prasidxnt to weii, del, Tabackarbcitern zu vcrsdrecbep, im Fall ibrer Eiitlgnung würden keitrns der Regierung in Westfalsn 118148 In- di11tri€ir rmgefübrt wrrdrn. Wir müßten Vor alle'm dafür sorgen, daß dirB-elastung 'der vorbandcnrn [rbrnsfäbige'n Jndustrisn unterbleibt. Wir köunrn dir Verantwortung nicht Überncbmrn, die' Régierun s- iorldxrungen in ibrrm ganzrn Umfang und für dikses Jahr zu r- w: : rn.
.Jlbg.-"Müller-Fulda (Fenix): Jm vorigcn Jahrs haben meine politischeriFre'unde Linen Tbé'i der :).)karine'fordrrungen abgrlébnt wegen der ffnanzieüen Laie des Reichs. Wir babsn Uns abcr drr von seiten dcr derbündeten_ egierungen bktonten Politischrn Notbwendigkeit einer ermebrung unycrer Krruzerflotrr nicht orrschlicßsn kÖUUSU. Ein Theil meiner politischkn Frsunde macht abrr dir Zustimmung Von der An- nabrnr drs Antrags abbäiigig, welchrr eins größere Summr von den Kosten der Neubautrn aus die Anleihe“ übrrnrbmcn wil].
Staatssekrrtär des Neichs-Scbaßamts [)1'. Graf von Posadowski):
Mrinc Herren! Es ist selbstvkrsiändlicb, daf; rs vom Standpunkt drr Firiaözverwaltung aus e*rwünscbt ist, möglichst Viélk Ausgaben auf das Ordinarium zii nrbmen und so dic writc're Ausdrbnung 'der Verschuldung möglichst zu brfcbränkrn. Dic vsrbündkteri Rrgierungen miiffen deshalb an drm Prinzip festhalten, daß anäbrlich 50/9 des Wertbs drr Flotte im Ordinarium zu Schiffsbauten Vrrwkndet werden. Wenn aber in dirsem Jahrs aus dM von dem Hérrn Vorredncr ange- gebcnkn Gründrn bon dirsem Prinzip ausnahmswrise abgrscben werden soli, so werdrn sich dir brrbändrtcn Regierungen mit drm Antrag Müller untrr der ausdrücklichen Vorausseßung einderstanden erklären, daß dadurch das Prinzip iür die Zukunft nicht alterie'rt wird und in den nächstes; Jabrrn außer den üblichen 5 0/0 des Wrrtbs drr Flotte auch die im laufrndrn Etui 1894/95 an j-cnrn 5% für Schiff:;- bautrn crfpartr Summr von 2421700 ;ck noch nachträglich in das Ordinarium zu drm glcickorn chck wiedrr ringcsikÜt wird. (Brady? reÖtI.)
Ab . von Kardorff iNW: Nach dsr Erklärung, die' der Reichs-Hcha§3sekretär soeben ab egcbcn bat, werden ich und meine politischen Freunde kein Beben en haben, dem Anfrage Müller zu- zustimmen, wcil wir glauben, durch Zustimmung zu diesem Antra ? das Schicksal derjenigen Kreuer zu rettkn, dir vom Abg. Richter ,o heftig angefochten worden sind. Die Tonart des Abg.
seit langer Zeit. (hon seit der eit dor dem Ja rs
Richter bezüglich sol er Forderungen kennen wir nun !Jon 1866. Damals war jedes Fortschreiten der tation „(ChauvinismitS'