1895 / 59 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 08 Mar 1895 18:00:01 GMT) scan diff

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* Chef und derRegiuients-Kommandeur dasRecbi, Leute zu beurlaubeu.

Bei diesen Beutlaubungen wird auth wesentlich so verfahren: wie Herr von Vollmar es zu wünschen scheint. Ich will nur dre ZabTen für Preußen nennen. Dort sind im vorigen Jahre im ganzen 12 054 Mann zur Ernte beurlaubt worden. Diese 12 054 Mann vertbeilen sich auf 3331 Landwirtbe; davon find wieder 2654 Landwirtbe, welche nur 2 bis 4 Soldaten bekommen haben; ich glaube, daß diese Landwiribe keine Großgrundbesiyixr find, und auch nicht Personen, die einen großen Betrieb auf tbren Höfen haben. Es sind kleine bäuerliibe Besitzer, von denen auch nach den mir vorliegenden Angaben ein sehr großer Theil An- gehörige, Söhne, Verwandte zur Aushilfe bei der Ernte erhalten hat, und das ist es ja auch, was Herr yon Vollmar wünschte.

Nun beläuft fick) die Gesammturlaubézeit dieser Leute im Durch- schnitt - es ist bei den Armee-Korps verschieden, es variiert etwa zwischen 12 und 5 Tagen - auf 7,1 Tag, die der Einzelne von den 12 054 Mann Urlaub gehabt hat. Auf die gesammte Armee in ihrer Totalstärke ist dies eine Entziehung der Mannschaft um ein fünftel Tag vom Dienst. Also" auch das Bédenken, „daß durch diese Beurlaubungen die Ausbildung der Armee wesentlich leiden könnte, scheint mir hinfällig.

Was die Lobnverhältniffe anbetrifft, so muß ich vorweg bemerken, daß die Mehrzahl der Arbeitgeber es vorzieht, ländliche Arbeiter zu nehmen und nicht Soldaten (sebr richtig! rechts), und zwar aus folgenden Gründen. Der ländliche Arbeiter ist gewöhnt an das Mähen, Binden 2c. und Was sonst für Arbeiten bei der Ernte auf dem Lande Vorkommen, er bringt auch sein Geschirr mit, er pflegt gewöhnlich in einem benachbarten Orte zu nächtigen und seine Ver- pflegung selbst zu übkrnebmen; dafür bekommt er einen Lohn von zwei bis drei Mark, unter Umständen auch mehr. Die Soldaten kosten im Durchschnitt der Mehrzahl nacb namentlich dem Großgrundbefißer mehr als gewöhnliche Landarbeitsr. Denn Erstens müssen fie die Reise der Soldatsn hin und zurück bezahlen, auch müffen fie die Leute be- köstigen, für fie für Geschirr und nächtliche UnterkU-nft sorgen. Dazu kommt noch, daß, wrnn wäbrrnd der Ernte rlößlicb Regenwetter ein- tritt (sebr richtig! rechts), die Besitzer oft gar nicht wissen, was fie mit den Ernteurlaubkrn anfangen sollen. Sie müssen sie beköftigen und haben bsim besten WiUen keine Beschäftigung für die Leute. Ein umfichtiger Landwirtk) weiß natürlich auch dann Rath, läßt Wege ausbessern ii. 1". w.; er hat adrr damit jedknfalls eine ziemlich tbeure Arbeit.

Was nun den weiteren Wunsch des Herrn Abgeordnstrn betrifft, daß eine Bestimmung erlaffsn würde, daß die Leuie immer nur zu ihren Angehörigen beurlaubt Werden sollen, so ist das, glaube ich, möglich in Württemberg, vielleicht in Sachsen, vielleicht auch in Baysrn, aber doch auch nicht durchweg. Wenn z. B. Truppen von Bayern in METZ oder von Sachsen in Straßburg stehen, so können diese doch ihre Leute nicht nach Hause zur Ernte schicken. Gewiß leisten sie den Landwiribcn einen Dienst, wenn in den Reichskanden die Ernte rasch eingebracht werden muß, namentlich wenn Roggen, Gerste, Weizen fast gleichzeitig reif wird. Das ist aber denn doch geradezu ein Notbfall. Wenn beim besten Willen nicht so viel Ernie- arbeitrr Von der ländlichen Bevölkerung aufzubringen sind, sebeich nicht ein, warum nicht einmal die Sachsen und Bayern dsn Bauern in Elsaß-Lotbringen bei der Arbeit Helfen soilen.

Jn Preußen ist dir Sache noch schwirriger. Die Regimenter liegsn nicbt alis in ihren Ergänzungsbezirkrn, namentlich die Garde nicht. Die Truppen in Berlin würden gar nie in dir Lage kommen, ihren Angehörigen zu helfen. Nun helfen sie den Leuten in der Umgegend von Berlin und der Mark Brandenburg. Ick) finde das so natürlich und nüßlich, indem dadurch Lin ger€chter AuSgleick) statt- findet; ich hoffe, die Zahlen, die ich vorher angab - 2654 Land- wirtbe bekommen "2 bis 4 Mann - sollten Sie Überzeugen, daß es

hier sich wirklich um eine gute Sachr Handelt.

Nun "hat der Herr Abgeordnete auch davon gesprochen, daß bei den Erntrbeurlaubungen eine Lohndrückerei eintreten könnt?. Ich glaube, rr dar Es nicht gerade so Hingestellt, als wenn diese Absicht vorläge, als WSW“! wir erst Leute beurlaubten, um die ländlichen Crntearbeiier zu schädigen und dann Hinterdrein Leute zur Dienst- leistung einzuzieben, Reservisten u. s. w., die Jeradr darauf angewiesen find, sich als Landarbeiter idr Brot zu Verdienen.

Meine Herren, disse Vermuthung ist absolut unzutreffend; daran denken wir nicht im allerentferntrsten, sondern wir sind nur bereit, jedem Stand, der vorübergehend in Roth kommt, zu helfen - ich kann nur sagen, daß es bei diesen Ernteurlauben äbnlieb ist wie bei großen Schneeverwebungen, wo an:!) plötzlich Ein Zug auf dem Gleise fest- sitzt und nicht weiter kann. Dann möchte ich einmal wiffen, was Sie sagen würden, wenn Sie (zu den Sozialdemvkraten grwandt) alle- sammt auf dem Zuge iäßen (Heiterkeit), und ich sollte ein Halbes Bataillon Soldaten kommrn und Sir herausschaufeln lassen, und ich telegrapbicrte dem Eisenbabn-Betriebsamt zurück: Alle sitzen laffen, bis Thauwetier“ eintritt! (Sehr gut! und große Heiterkeit.)

Abg. Freiherr von Manteuffel (d.kons.): Es werden sehr oft Schießubungen seitens der Militärderwaltung im Freien an- geordnet, Wodurch die Landwirthe Verhindxrt sind, auf dem Felde arbeiten zu laffen. Da halte ich es “für selbstvcrstandlich von dem betreffenden Kommandeur, die Truppen an einem Rubeta e zu beurlauben, ewiffer- maßen als Außgleich für den Ardeitsvr'rlut, den die Bewo ner der Gegend Ybabt haben. Der Lohn für die Arbeit kommt doch schließ- lich den ngebörigen des entlaffenen Soldaten__zu Gute. Freiwillig wird kein Landwirt!) zu militärischen Arbeitskrasten greifen, da diese tbeurer find als die anderen. Aber chn wir einmal__ nicht in der Lage smd, die Arbeiter festzuhalten, wenn fie uns verla11en,_ dann find isrtoiä gezwungen, Soldaten zu nehmen, auch wenn diese 1ich theater

e en.

Ab . von Vollmar (Soz.): Aus „den Aeußerun en des Vor- redners ch€int doch hervorzugeben, daß die Landwirtbe oldaten an- nebmrn, weil fie biüiger Zlnd. Wenn jxyt auch die Industrie käme und sagte: Wir sind ich echt gestellt, wir können keine hohen Löhne zahlen, stellt uns Soldaten zur Verfügung! -„ wohin würden wir dann kommen? Den Kriegß-Mimstrr möchte ich noch fragen: Wenn die Soldaten nicht zu ihren Verwandten kommen, wer hat die Löhne festzuseßen, und welche Höhe haben sie?

Ich habe aus-

Abg. Freiherr von Manteuffel (d.kz)ns.):

drückli be auptet, daß die Soldaten nicht billiger, sondem theater sind er unsere Arbeiter. Leider nimmt aber dre Bevölkerung auf dem Lande immer mehr ab; bei gro er Dürre ist es uns unmöglich, die Arbeiten it unseren Leuten zu ewältigen, da müssen wir eben um letzten ittel greifen, zu den Soldaten, die unter allen Um- ?iänden uns zu tbeuer sind. Wenn der Abg. pon Vollmar die Land- wirtbx mit der Indwfirie veerzreikaY fore: er, daß er für land- Ptrtb liche Verbältniffe kein andniß at.

ollmä ti m Bundeörath, Mini???? Br Zs??? vdr“); Schellendorf ,- Meine Herren! Der Herr Abg. von Vollmar fragte, wie bock sich die Lohnsäße beliefen, welche die beurlaubten Soldaten erhielten, und wer sie festsetze. Das regelt sich im allgemeinen nach den lokalen Verbältniffen in den verschiedenen Provinzen. Der Vorgeseßte bestimmt die Löhne nicht, sondern meist schreiben die Besitzer, fie bäten um so und so viel Arbeiter, sie würden ihnen Beköfiigung, Wohnung, Reisegeld u.s. w. vergüten und Löbn so und so viel. Die Zusammen- stellung, die ich habe, giebt den durchschnitilichen Lohn exklusive Reise, Unterkunft und Geschirrlieferung auf 2,29 „ja an.* Ich glaube, daß das kein erheblich niedriger Saß isi, und daß die Leute, die auf dem Lande freiwillig fich als Erntearbeiier verdingen, nicht erheblich mehr be- kommen, obwohl sie ihr Geschirr, Wohnung u. dergl. noch selbst beschaffen müffen.

Abg. von Vollmar (Soz.): Ich bebqupte nicht, daß es in der Abficht der Militärverwaltung liegt, dur_cb dze Verw-rndung von_Sol= daien zu Erntearbeiten die Lohne der landltcheri Arbeiter zu druckxn; der Effekt der Verwendung von Soldaten wird ,aber immer eine Herabminderung der Löhne für die ländlichen Arbeiter sem, da auf diese Weise die Soldaten als Konkurrenterxder letzteren austreten.

Abg. Holy (Rp.): Wenn der Abg. von Vollnzar die Verhält- niffe, um die es sich handelt, kennte, so würde er die le te Bebaup; tung nicht aufgestellt haben. Von eixier Konkrrrregz der oldaten ber den Erntearbeiten kann keine Rede 1et_n. ,Die fur die Ernte _notb- wendigen Arbeiter Werden von, den landlichen„Grundbefißern in der Regel schon lange Vorher, zumeist schon, im Frubiaer fest gedimqeri, aus dem einfachen Grunde, weil ' es water, ' zur Zeri der Ernte, krine disponiblen Arberier _mebx giedi. Nur für den Fall, daß die engagierten Arbeitskrafxe nicht aus- reichen, wenden fich die Gutsbefißer an' die Militarbebörden, um Soldaten zur Aushilfe zu bekommen. Y_er der erwenduiig von Sol- daien zu Erntearbeiten handelt es fich aljo um die Beseiiigung e_tnes tbatsäcblichen Nothstandes, nicht um eine Konkurrenz mit den land- lichen Arbeitern. _ ' '

Abg. Herbert (Soz.): Der Mangrl an landlichen Arbertern ist jedenfalls nicht so groß, daß die Zadl_der zu Erntearbeiien ver- wenst-Zn _Soldaten sich nicht ermäßigen ließe.

Die von der Budgetkommisxion beantragten kleinen Ab- striche beim Kapitel „Jngenieur- und Pionierkorps“ nird beim quitex „(Geldverpflegung der Truppen“ werden ohne Diskussion bejchloffen.

_ um Zuschuß für die zur Ableistung ihrer Dienstpflicht einge reUtcn Volksschullehrer liegt der Antrag der Budgetkommission vor:

Die Verbündeten Regieruxigen zu ersucbsn, rs möge Bestimmung getroffen werden, daß der erfolgreiche Besuch eine's berer- 1cminars die Berechtiéung zum Dienst als Ernjahrig- Freiwilliger in sich sch ießt.

Der Abg. Weiß (fr. VolkSp.) beantragt, als zweite Ziffer hinzuzufügen :

_Daß durch die in Aussicht stehende (Einführung dss Ein'äbrigen- dienstes der Volksschullehrer und Kandidaten des Vylks chulamts denselben dir Berechtigung zur Ableistung drs Militardienstes ais Cinjährig-Freiwislige nicht entzogen wird.

Rxfereni_Abg. von Podbielski (d.kons.): In der_ Budget- kommijfion ist die Frage des Militärdienstes der Volksicbullebrer einer eingehenden Pruning unterworfen worden. Die Mehrheit der Kommission war der Ansicht, daß dsr erfolgreiche Be1uch eines Lehrer- 1eminars die Berechtigung zum einiäbrig-srerwiiiigen Dienst in sich schließen solle. Die Militärderrvaltung erklärte sich damit einver- stander), daß die Berechtigung zum einjährig-freiwiüigen Dienst den Volksichullebrern zugrjtanden werde, fis lshntc Cs (1er ab, eine Unter- stüßung der Volksschullehrer bei Ableistung dieses Dienstes in Aus- sicht zu nehmen. _

Abg. Wxiß (sr. Volksp.) empfiehlt den Von ihm erweiterten Antrag der Kornmüfion unter Hinweis auf die früheren entge en- kommemden Erklärungen der MilitärderWitung und auf die T at- sacbe, daßf dyn Volksschullehrern bereits 1818 troß dsr damals gerin- geren wi en1chastlichen4Vorbildung durch Kabinetßordre dir: Berechtigung

, .

zum Linjäbrig-freiwiaigen Dienst zugestanden worden sei.

Staatssekretär des Innern, Staats:Minifter ])1'. von Boetticher:

Meine Herren! Ich wünsche Ihnen nur über die formelle Lage der Frage, auf welche die Resolution des Herrn Abg. Weiß und der Vorschlag der Budgeikommisfion fich bezieht, einige Auskunft zu geben. Gerade das Wohlwollt'n, das der Herr Kriegs-Minister drr im vorigen Jahrs gegebenem Anregung grgsnüber bethätigt hat, bat ihn auch dazu bestimmt, im preußischen Staafs-Ministerium die Frage zur Erörterung zu stelldn, ob den Scminaristen, Welche das Seminar mit Erfolg durchgemacht haben, auch ohne weiteres die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst ertheilt Werden könne. Die Sache wird gegenwäriig irn Schoße des preußischen Staats- Minisieriums verhandelt, und ich nehme an, daß nach dem Gewickpt der Stimmen, die sich für eins posriide Beantwortung der Frage ausgrsprochen haben, AuSfichr dafür Vorhanden ist, daß die Wünsche, denen der 'Herr Vorredner einen so beredten Ausdruck gegeben hat, zur Erfüllung gelangen. Meine Herren, an sich, glaube ich, find die Resolutionen, wie sie Ihnen vorgeschlagen worden, formell doch nicht ganz unbedenklich, in- sofern fie darauf hinaus wollen, den Reichstag dahin zu bestimmen, daß er selber darüber entschriden soll, ob die wiffenschaftliche Aus- bildung, w€lche die Angehörigen der Schullshrsrseminarien empfangen, gleichwertbig ist mit derjwiffenschaftlichenAusbildung, von derenErlangung die Berechtigung zum einjährig-frciwilligen Militärdienst abhängig gemacht worden ist. Ick) halte das, wie gesagt, nicht für ganz unbe- denklich, denn nach 90 der Wehrordnung hat der Reichskanzler darüber Bestimmung zu treffen, welchr Lehranstalten mit der Be- fugniß außgestattet werden soUen, gültigc Zeugnisse über die wiffen- s chaftliche Befähigung zum einjährig-freiwiUigenMilitärdienst außzusteilen, und der Reichskanzler macht von dieser ihm beigelegten Befugnis; immer nur Gebrauch, nachdem er die Reichs-Schulkommission, welche das wissen- schaftlicheOrgan der ReichEVerwaltung aufdiesem Gebiete ist, gehört bat. Ich möchte es nicht für ganz unbedenklich ansehen, wenn der Reichstag, ohne daß eine Prüfung durch dies Organ vorangegangen und ein Gutachten von der zuständigen Behörde erstattet ist, seine Meinung dahin festlegen wollte, daß die srminaristiscbe Ausbildung gleich-

'wertbig ist mit der Ausbildung, wie fie für den einjährig-freiwilligen

Militärdienst vorgeschrieben ist. Ich glaube, daß man den Herren, die auf diesem Wege eine Erweiterung des sogenannten Freiwilligen- rechts anstreben, vielleicht mit einigen Modifikationen gerecht werden wird, aber ich halte es, wie gesagt, nicht gerade für opportun', daß der Reichstag schon jeßt einen solchen Beschluß faßt.

Was die zweite, von dem Herrn Abg.Weiß vorgeschlagene Reso- lution anlangt, fo halte ich, dieselbe für durchaus entbehrlich; denn das, was diese Resolution besagt, ist meines Erachtens durchaus selbstverständlich. Wenn man dazu übergeht, die Dienstzeit der Volks-

*Staatssekretärs betrifft,

ihnen, welche im Befiß der Berechtigung freiwilligen Militärdimft sich befinden, durch eine

verlängern, so ist ck gam zweifellos, daß denjenigen „linter - zum einjährig- *

solche Bestimmung diese Berechtigung nicht verlieren können. Wer einmal im Besitz zur Ableistung seiner Dienstpflicht im Wege des einjährig-freiwilligen Dienstes sich befindet, ddm kann sie durch eine solche Maßregel nicbt entzogen werden, und wenn man dazu übergeben wird, den Seminar-Abiturienten aUgemein die Berechtigung zum Ein: jäbrig-freiwilligen Dienst zu"ertbeilen, so wird dadurch, daß eine Be-

stimmung, wie sie die Allerhöchste Ordre vom 27. Januar d. J. in Aussicht genommen hat, ergeht, dieses Recht in keiner Weise berübri,

Abg. Ross icke (nl,): Den Lehrern liegt an der Hebung ihrer

sozialen Stellung, und ihr Wunsch, die B freiwilligen Militärdienst zu erlangen, ift

um so in Bayern bereits erfüllt ist.

erecbtigung zum einjäbci . berechtigter, als Lr Der Staat sollte den Lehrern soweit

wie möglich entgegenkommen, da sie ihren Beruf do an ' nicht materieller VOribeile n:"egen wählen. Gerade diejcehnigen,z &!vi Werth darauf legen, zu verbuten, daß der sozialdemoxratis e Gedanke

in die standAröichtDbegründete Ursache zur Mißstimmung hat.

9. r. antrags wird der BundeSratb einen Antrieb entnehmen, die F

Jugend gepflanzt werde, müßten dafür sorgen, daß der Lehrer.

Lieber (Zentr.): Aus der Annahme des Kommissions- rage zu

einem befriedigendenUustrag zu bringen, während die Ablehnung des Aritrags nicbt nur im Lande, sondern auch beim BundeSratb den Eindruck erwecken könnte, als vertraue der Reichstag nicht hinreichend

seiner Sache.

Was für Bayern möglich ist, ist auch für das übrige

Reich mßglich.'_ Die Resdluiion enthält nur einen Wunsch Und. hindert die verbundeten Regierungen nicht an einer sachlichen _Pküfung

der Frage.

Abg. Bassermann (ni.): Die Lehrer haben Recht, wenn sie,

behaupten, es fehle ihnen nicht an der wiffensckoaftlirhen Qualifikation

zum einjährig-freiwilligen Dienst.

Die Volksschullehrer woÜLn aus

ihrer jeßi en Sonderstellung in Bezug auf den Militärdienst heraus,

und man ann diesen Wunsch nur als berechtigt anerkennen.

Abg. von Kardorff (Rp.): Ich habe bereits in dcr Budget.

kommission für den vorliegenden Antrag grsiimmf.

babe Von

jeher auf dem Standpunkt esianden - und ich frrue mich, die Sache

mit angeregt zu haben -,

das Verhältniß, in welchemdie Lehrer

jeßt ihre Dienstleistung thun, in der That für die Armee wie für die

Lehrer unerträglich ist; da

die Lehrer zumeist vcrbiiterten Herzrns

daraus zurückkommen, in er ier Linie, Weil fie zu Differenzen mit "dem Unterrichtsversonal gelangen, die Zick) gar nicht Vermeiden lassen, wenn

die Unteroffiziere die Aufgabe auSzubilden.

die Lehrer mit einem üblen

, , aben, die Leute in sechs, Wo en Es ist eine trauriJEe Folge dieses Verbältniffes, Faß indruck aus dem Soldatenstand

scheiden, während man im nationalen Interesse wünschen muß, daß

ste stolz wären, dem deutschen Heere angehört zu haben, und

es der Jugend als eine Musteranstalt und als eine Institution dar.

das;

.*

m

steilen, der anzugrbören die größte Ebrz? für jeden Siaatsbürger ist. Ich babe daher mit Freuden &esehen, wre schließlich doch die große

Majorität des Reichstags fi und ich glaubr, daß der Außwsg, der jrßt nommen ist, m der That der richtige ist,

auf diese Bestrebungen vereinigt Hai, in Aussicht gs- daß den Semi-

narien die Berechtigung gegeben wird, durch ihr Ab an «s'euni den Lehrern die Bererbtigung zum einjährig-freiwi[li;geng k,Dixen zu crtheilrn. Dgs rst eme so grrechte Anforderung, daß man der- srlben kauzn widrrsprechen kann. Für diejenigen Lehrer, welche es mchtdermogen, dre Koster. zur Ableistung der einjährig-freiwilligen Dienstzeit aus eigenen Mitteln zu bestreiten, muß don seiten der Unterrichtswerwaltun der einzrlnen Staaten Sorge getroffen werden.

Es muß ihnen dur

irgend eine Untersiüyung dia Möglichkeit der-

sch§rffr werden, das eine Jahr abz'udienen. Ich würde das für eine gluckliche Lösung der ganzen Frage halten, die sowohl im Jntrrcffe drs Lehrerstandes wie tm Interesse der Armee liegt, und ich boffe, wrr werden nicht lange darauf warten müssen, bis dieses Joka! sick)

Verwirklicht.

Abg. Dr. Pachxiicke (fr. Vg. : Die Resolution Weiß existirri

nicht mehr; sie ist inzwischen zurü gezogcn.

Es handelt sich also nur

noch um den Kommissionsantrag und ich hoffe, daß der Reichstag sick

einmüthig auf den Standpunkt derselben steÜen wird.

Die Gegen-

gründe, rvelche der Staatssekretär Dr. von Boetiicher vorgebracht dax i_varen mck-x dizrchschlagend. _Was die Unterstüyungsfrage andelangi, 10 werden 1a1€ßt schon Einjahrig-Freiwillige auf den Etat üisr- ziominen; maxi braucht, um zu einer Lösung der Frage zu kommrn, in dieser Beziehung nur eine noch etrVas mildere Praxis Play gr€i§€n

zu lassen.

Staatssekretär des Innern, Staats-Minister [)1'. von

Boetticher:

Wenn der Herr Vorredner es als nicht rechi verständlich bezeicbnkx bat, weshalb ich Bedenken gegen die Annahme der Resolution aaO- gesprochen habe, so erinnere ich ihn daran, daß ich geäußert Habe, es sei mir formell nicht unbedenklich, ob der Reichstag wobltbue, sine

solche Resolution zu habe ich, glaube ich,

beschließen. Und den ziemlich deutlich :aUSgesprochen.

Grund dafür Wrnn dcr

Reichstag jeyt beschließt: die verbündeten Regierungen zu ersuckxkn, es möge eine Bestimmung dahin“ erlassen werden, daß der erfolsreicbe Besuch eines Lehrer-Seminars die Berechtigung zum Dienst als Einjährig-Freiwilliger in fich schließt- so ist damit meines (Frachter- außgesprocben, daß der Reichstag der Meinung ist, daß der erfolgreiche Besuch eines Lebrer-Seminars eine gleichwerthige Bildung mit dcr-

jenigen Bildung, welche für die Berechtigung zum freiwilligen Dienst vorgeschrieben ist, in fich schließe.

ihrem Gutachten gehört hat.

einjährikx

Cs m in der Webrordnung sehr vorsichtig und Weise die Entscheidunß darüber, welche Anstalten eine gleichartige Bildung zu geben vermögex» in die Hand des Reichskanzlers gelegt und der Reichskanzler erläßl- wie ich bemerkt habe, eine Bestimmung auf diesem Gebiete nismalé- ohne daß er die für diese Frage zuständigeReichs-Schulkommisfion M;

Ein solches Gutachten liegt für jkii

nicht vor. Ich für meine Person bin geneigt anzunehmen, daß mä? dazu kommen wird, kein Bedenken zu haben, diese Ausbildung au"

den Lebrerseminarien für gleichwerthig zu erachten. aber jetzt ohne die Unterlage des achtens ebenso Bedenken tragen, amtlich

Ich würde wissenschaftlichen GE]

außzusprechen, ck

diese Bildung auf den Seminarien gleichwerthig ist mit der BMW

wié sie sonst für die Berechtigung zum einjährig- freiwiliigen Dis

verlangt wird. Ich glaube, der Herr Vorredner wird jeßt das I' denken, welches ich geäußert babe, verstehen und er wird mir R?“ geben, daß es vorsichtiger wäre, wenn der Reichstag sicb einchbi1 dieser Materie auf einen Wunsch beschränkte. Nachdem aßer derHJ" Abg. Dr. Lieber die Resolution dahin erläutert hat, daß sie eigenkÜÖ nichts weiter sei als der Ausdruck eines Wunsches, so habe ich 9?“

nichts dagegen, wenn der Reichstag die Resolution annimmt, FF] t el .

wie die meisten Resolutionen, nicht gerade sehr webe thut, (Hei Abg. Dr. Lieber (Henn,):

einer Resolution die verbündeten jenem Sinne vorzugehen ersucht. Früher erfol te eine solche Me äußerungd des Reichstags in einer einras s ärferen Form; wurden i

sucht. aber in dem vorliegenden Fall i

Eine Resolution ist allerdm 5 nur ein Wunsch des Rei

es ein sehr dringender

Was die [este Bemerkung k?“

o ist es (: richtig, daß der Reich5tag egierungen nur in diesein NJ ,

MUM

fr

e verbündeten Regierunsen von uns aufgefordert, 1!ka

Wuns

W Berner (Refv) tritt für die von der Komm'

"deesoletswn em, weil das soziale Ansehen der Lehrer se- wer m e.“ WM 23:be Soz.): Wir werden gegen die Resolution stimmen, weilexnicbtdieLe rer aus einer Sonderstellung herausbringen wollen, m fie in eine verre Sondersixllun bineinzubrin en. Der einjährig- fteiwill' e Dienst tft em Pkw'leg ür bestimmte lafZen der Bevölke- amg, d e die Mittel mr Erlangung_ dekseiben ba en. Die hl dieser Yvixeoier'm .d»! vergrößertx- Und war „nicht gewjllt. enn ck den injqbrig-Fretwtlligen moglich seni soll, tm„Laufe eines Jahres allen dienstlichen AUforderungen zu gequgm, so isi es auch für alle übrigen Mitglieder der Geseüschaft moÉrcb. Abg. vou Leipziger (dkons.): _ ir werden der Resolution zu- men, weil nnr rrzun'scbten, dax dre Lehrer entsprechend ihrem Bildungsgrade und ihrem Beru e, der fie zu Erziehern unserer Jugend macht, behandelt werden. Wir find deshalb auch geneigt, das Verlangen des_ Abg. von Kardyrff zu unterstü en. Abg. Dr. Myller-Sagan (sr. Volksp.); ie Resolution will die Lehrer nicht 111 eme Sonderstellung bringen, sondern ihnen ge- währen, was ihnen von R_echtswegen schon lange zukommt. Die Ent- scheidung über deri Wun1ch _des Abg. von Kardorff gehört in die Einzellandtaxze. Die Resolution verstiißt keineSwegs Fe en den Grund- saß der Gleichberechttgung aller. Die Gleichheit eßebt doch nicht darin- daß man für alle" dre gleiche Srbablone nimmt. Der Militär- dienst ist eine S als fur den'Kriegsdrenst. _Wer in diese Schule mit einem größeren von Wiffen und Vyrkenntniffen eintritt, kann sie wie jede andere Schule schneller absolvieren.

Die von der Kommission beantragte Resolution wird darauf an genommen.

Beim Kapitel „Naturalverpflegung“ bringt

Ab . reiberr von Buol (Zentr) die Getreideeinkäufe seitens der MTlitarVLrwaliung' zur Sprache und drückt den Wunsch aus, daß das Getreide direkt von den Produzxntcn bezogen werde. Es sei zu diesem Zweck, rathsam, daß die kletnßn Beszßer, wie es der Landwirtbschafts-Mimster im Abgeordnetenhamx Empfohien babs, fich u Genoffensckyasten zuscznzmentbun: damri ihre _Lieserungen die Gleichmäßigkeit der Qualitat und die StetrFeit ausweiscn, die die Militärverwaltung verlangt. Wenn diese cdachi? noch nicht dsn ge- wünschten Umfang angenommen_ babe, so liege? das vielleicht daran, daß die Beamten noch nicht mit der nöibigen Erfahrung auégerüstct

ien. ,_ . st Beyollmächtigter zum BundeSraib, prcußircher General-Maxor Freiherr von Gemmingen: Trotz des besten Wiilens War es auch in der neuesten Zeit noch nicht möglich, alle Beschwerden in Bezug auf den direktén Naturalienankauf Von den Produzenten aus der Weit zuscbaffen. Es handelt sich allerdings um etncn_neu'en Zwerg m der Verivaltuna, es geschieht aber alles, was lich isi, um dir notbwrndigen Arbeiten glatt erledigen zu können, n kleinen Quan- titäten von den einzrlnen Produzenten zu kaufen, dings unmöglich. :Dsr Vorrednir Hat ja schon- den WS angegebeii. der zum Ziele füdrt. Die Militarverwaltung bat an schon mit Genossenschaften in der Form gearbeitet, daß em VertrauenSuiann die Vermittlung zwischen der Militärverwaitung und den einzelnen roduzenten übernahm. Freilich ist es nicht immer leicht zu unter- nbeiden, ob man es mit einem Händier odcr Elnkm Vertrauenömann zii thun bat. Der Verbrauch für die Armee ist auch nur rm geringer, wir brauchen an Brotfrücbicn 1? 0/0, an Hafer 50/0 des Verbrauchs in Deutschland. _ _ _ _ _ Abg. Schals (dkons.)„ außert semc Befriedigurig uber die Ver- bäiiniffe und die Leistungsfähigfeit der staatlichen Koriseryenfqbriken und fragt an, ob es sich bestätige, daß eine neue Fabrik in' KHnigÉ; berg eingerichtet Werden solle und ob die Zeitungsangabe richtig sei, daß die Konserven sich in den staatlichen'Fabriken tbeursr steUen_ als in den privaten. Arbeiterentlaffungen seien bsi der 5Yrt des» Betriebes der Konservenfabriken nicht zu umgehen, ' aber es ware wvhl _zu er- wägen, ob ni t durcb Lohnabzügr die Mitteldeschafft werden ko_nn€n, um bei Entla ungen den Arbeiterinnen Grattfiiaiioiien zu gcwabrrn.

Bedollmächtigtcr zum Bundesratb, preußischer General-Maxor Freiherr von Gemmingen: Die Absicht, eine neue K_onservenfgbrik einzurichten besteht nicht. Die Konservrn stxilen fich m stgatltäZerx Tiabrikrn billiger, als in pridaien; eine Portion für 11 «5 giebt iuris Zeller gute Suppe. Bei Abzug der Verwaltungskosten gewnmen wrr gegcnüber dem Bezu aus Privatfgbriken 800 000 «F6

Die weitere LJerathung mird darauf vertagt.

Präsident von Leveßow: Ich muß auf einkn Vorgang in der gestrigen Sitzung zurückkommen. Wenn früher yerletzende Axußerungen fielen gegen YersonengemeinschasteiU gegen politische Parteien, gegen Fraktionen, ntisemitcn, Konservative, Sozialdemokraten, gcgen Be- rufsstände, Junker, Pfaffen, Arbeitgeber u. s. w., so, wiirde stil]- schweigend immer Vorausgkssßi, daß damit die Allgemeinheit «etui sei, nicht aber einzelne Personen innerhalb oder außerhalb des Ll_chs- tags, Ich habe immer bedauert, daß ich nicht in den Stand gcießi war, dieser Gewohnheit zu be 9 nen; denn ich tziöchte nicht, daß die1e Gewobnbeit weiter um ZH) greife. Gejtkrri hat der „Abg. Ablwardt von dieser Gewv nbeit nichr nur einen übermaßtgefn Gebrauch gemaÖt, er hat fich auch auf eine Werse au§grdrückt, die' mit der Würde dieses Hauses nicbt verträglich ist. Jch ertxmere nur an den einen Ausdruck .Raudtbier', den er ausiiahmslos aus aÜe das deutsche Bürgerrecht genießendcn Juden angrwarzdt hat. Um nun dem Vorzubeugen, daß derartige Gewobxihriten weiter um fich greifen, rufe ich den Abg. Ablwardt nachtraglich zur .Ordnung. Es gr- schiebt dies auf Grund eigener Crwä ungen, nicht etwa auf Grund

einer gestern in Bezug daraus gema ten, von mir znrückgewiesrnrn Bemerkung.

Schluß 53/4 Uhr.

Preußischer Landtag. Haus der Abgeordneten. 37. Sißung vom Donnerstag, 7. März.

Auf der Tageöordnung steht die zweite Lesung des Etats der Zandels: und Gemerbeverwaltung und des Etats der auverwaltun .

Ueber den Beginn gder Sißung ist gestern berichtet worden. Bei der weiteren Berathung nimmt nach dem Abg. Dr. Beumer (nl,) das Wort

Minister für Handel Verlepsch:

Der Herr Vorredner hat eine Reihe von Punkten bezeichnet, be- züglickp deren er meint, daß die Mittel und die Thätigkeit des Staats ihnen lebhafter zugewendet Werden müßten als bisher. Ich kann ihm belüßlich'einiger seiner Ausführungen zustimmen.

Zweifelhaft bin ich allerdings noch bezüglich des von ihm zuerst ansxkegien Punktes: bezüglich der Reform der Baugewerkschulen. Scams der betbeiligten Kreise sind bisher bezügliche Anträge nicht an Wk bnangetreten. Es ist mir bekannt, daß der Direktor Bromberg in Köln sich damit beschäftigt hat; die Frage wird einer weiteren Prüfung unterliegen, wobei ich allerdings bemerke, daß es mir zweifel- haft Tschéint, ob die betheiligten Kreise der Lehrer und Bauhand- kaker mit diesem Gedanken ganz einverstanden sein werden. Aber, w“ gesagt, das wird weiter erwogen werden.

Was die Revision der Fachschulen anlangt, so ist nicht zutreffend, daß diese Fachschulen von Leuten revidiert würden, die von der Sache “ich verstehen. Die Revision überhaupt ist allerdings, wie ich zu-

und Gewerbe Freiherr von

,

ist aUcr-.

Mitteln und theilweise auchausMauael an WMW?! noch Ukcht dazu übergeben können, eine fiändige, zu diesem Zweck au- ßestellte BMU mklaffe zu gewinnen, die nur mit der Revision der chW_bckwsimdm Farb angehörenden Schulen betraut werden. Wo wir bisher eme Revision für nothwendig gehalten haben, haben wir zu dem crllxrdings ziemlich nabe liegenden und doch auch nicht ganz ubleii Mittel gegriffen, die Direktoren der bestehenden Fachschulen zur Revtswn. anderer zu verwmden. Ich gebe aber zu: die Fraß? der R_evtfi'on des Fachschulwesens ist eine von denen, bezüglich deren Mr fur die Zukunft hoffen müffen, sie werde sich beffer gestalten als gegenwärtig. ' 7 * F***“

Was den leßten Punkt betrifft, dis Frage der Errichtung und Linienduyung von Fachschulen für Mädchcn und Frauen, so muß ich guck) bier zu'geben, daß auf diesem Gebiet in unserem Vaierlande bis jetzi zu wenig geleistet worden ist. Aber wo eine solche Fachschule errtcbtet w'urde und sich irgendwie bswäbrt hat, haben wir ihr, auch rrenn es em pridatk-Z Unternehmen war, aus dem DispositionsfondI rme Unterstüsung zu tbeil werden laffrn. So werden wir auch fort- scrbren: Nur_möchte ich bemerken, daß die große Zahl dieser Schulen, die, 11916 der Herr Vorredner selbst bemerkte, mehr in das Gebiet der ddrltegendrn Armcnpflege gehören, doch nicht als solche anzusehen find, dl? v'om HandelS-Minisierium zu unterstüßen sind. Es giebt gegrn- wartig in den Armenbänsern bkkanntlich eine ganze Anzahl von Schulkn, wenn man so will, wo Frauen und Mädchen unterrichtkr werdczri, und zwar zu dem ausgrsprochcncn chckr, damit sie in die Lage kommen, ihren Lebensunterhalt womöglich, ohne die Armenpfsege in_Ansvrch) zu nebmrn, zu verdienen. Disse Schulen liegen, wie gcxagt, mrbr auf dem Gebiete der Armcnpflege als auf d€m Gebist? des Handels und. Gewerbes. Wo es fich aber um Justitu'rioncn handelt, die drn Fachschulen für männliche Arbritrr äHnlich find odkr auch nur den Fortbildungsschlen, habsn diese Schulen meines Er- achtens einen Anspruch auf die lintcrstüsung seitens drs Staats, und cs wird iiir die'se inncrhald drr Grrnzen, die durch den Etat gr- zogen find, auch zu tbeil.

Abg. Conrad-Flaww (kons.)_dittcr Um Vrrbefferung der Strl- lung der Lkhrer an dxn Baugewerkychnlcn _und um Erleichterung drr von drr; meeznden fur die Schulen zu leistenden Zuschüsse. Speziril grht er aus die Verbaiimffe dcr Baugrwrrkschnlr in Deutscb-Krone km und weist dargui hm,. daÉ kei dmr an sich schon verhältnißmäßig bdhen Hom_munal!icuern m ruUcb-me', das nur 6000 Einwohner zablc, die imgirrbrn' hoben Beitragökosisn fiir die Vaugcwsrkscbulc von ,der Grmemde nichr zu erchwingrn Zricn. Er bitikt um möglichst baldtßen Erlaß des ZU1chUJÜ _

leg. «ckmtdt-War urg (Jenin) !ckyiießt iicbdanusfübrungrn dés Vorrednrrs mtt speztelirr Bczugnahmc auf die Baugewerkscipulc in „Höxter an.

Zum Titel „Zuschüsse fürwgemerblickx Fortbil- ZungIschulen und zur Revixion diescr Schrilcn“

ittet . Abg. Schaffner ("l.) _um Erbödun dcs Staatßzusckyuffés für die gewerbltcben FortbtlduriJZciyulc'n in NaÉau. !

Wirklicher Gebrimer “ber-ngirxungs-Rath Lüdrrs crrridrri, daß die Re rerun wqbl_anerkenne, daß der Gewerbcdercin für Naffau sicb die grö ten erdtemte uni das dortige gewerbliche Fortbildungs- schulwesen erworben babe. Dic Regisrung lristc dir Zuschüffe auch in möglichster Höhe. Wievicl aus dem neu zur Vrrfügung stehenden, 50 300 «M betragenden Fonds für Naffau werde verwrndkt werden können, sri noch nicht genau zu überschrn. _

Aba. "Goibein (fr., Vg.) bittet um größsre Verückficbtigung der kaufmannischen Fortbildungsscbulen, dir von höchster Wichtigkrir namentlich_für die jungén Kaurlrurc sricn, die' nur die_E[€mcnrar- schulkn b€7ucht Hätten. Lerdyr „wsrdc der Wértl) diexer Schulrn nicht immer von den Prinzipalen anrrkannt, die die Libr- linge zum tbeil lieber _ausbeutrtcn, als in die Schule schickten. __Die Fortbildungskcbule _in _Brerlau zrige , troßdem sie Zuschüne von Verschiedenrn kaufmannitchrn Verrinen Erhalte, das; ohne größere Siaatéunterstüyungcn diric kaufmännischrn Fortz btldungdschulen _nicht brsteben könnrrn._ Zugleich _machc kr daraur aufmerkjam, da[; passende Lehrbücher für dic kaufmännischcn Fort- bilduiigssckpulcn z. B. über Handelsgkograpbie nicht_ existierten. Es sei Vieilcicbt angebracht, wrnn dic Vernialtirng hieraus ihre Aufmerksam-

keit richte.

Minister für Handel Berlcpsck):

Meine Herrrn! Dic kaufmännischen Fortbildungsfchulcn erschrincd drsbalb nicht besonders im Etat, wcil siazu drn gewerblichen Fort- bildungsschulrn gehören. Also prinzidicll steht nichts im Wege, deri kaufmännischen Fortbildungssckyulcn aur? dLn Fonds, die im Etat dor- gesehen find, auch Unterstützungen zu gcwährcn. Und es Werdrn Edat- säcblici) auch einer ganzen Reihe don kaufmännischen Fortbildungr- schulen solch€ Unterstüßungen gcgebcn. Daß die Beträge, die dafür zur Verwendung kommen, aUerdings nicht sehr hoch smd, das [iM, wie der Herr Vorrcdner weiß, an der Beschränkheit der Verfügbaren Mittel. Beffer- würdc es stehen, wenn die Gcmeindcn sich rtwaH- lebhafter dieser Frage *annc'hmen wollten, namentlich bezüglich der?; mangelnden Brsuchs der Vorhandene'n Fortbildungsscbukcn durch die jungen Kaufleute. Das können fie crreichcn, Mun fie ein OrtIsiatut machen und den Besuch der Schals bis zum 17. odsr 18. LebcnIiabr auch für die Lehrlinge des Kaufmannsstandrs obligatorisch machst!,

Was die Frage eines Lehrbuchs für die kaufmännischen Fort- bildungsschulen anlangt, so ist ein solches zur Zeit noch nicht zur Ver- fügung; ich bin abcr gern bereit, den angcrcgtkn Grdanken weitrr zu verfolgen.

Beim Titel „Gewerbe-, Fachschulen“ beschwert fick)

Abg. won Eynern (nl,) darüber, daß troß des Hinweiscs in der Tbronrcde auf die Erhöhung der Zuschüsse fur dir Fortbildungs- schulen diesc Erhöhung eine außerordentlich geringe fei.

Minister für Handel und Gewerbe Freiherr von Berlepsch:

Meine Herren! Ich möchte nur darauf hinweisen, daß in der Tbronrede nicht nur von dem Fortbildungsscbultvesen, sondern auch von dem Fachschulwescn die Rede ist, und die Beträge, dir im ganzen in diesen Etat für Fach- und Fortbildungsschulen mehr ein- gestellt sind, nicht unerheblich sind, fie bedeuten jedenfalls einen nicht unerheblichen Fortschritt gegen die früheren Jahre, und deshalb scheint es mir ganz angemessen, daß in der Tbronrede darauf hin- gewiesen worden ist.

Abg. Krawinkel (nl. dankt für die Förderung. die die Fach- schule zu Köln durch den taat erfahren ba . Die Schule sei von hoher Wichti keit für die ganze Provinz, ein Joßer Theil der Schüler

ehöre der ckÖrovinz an. Deshalb seien an noch ?ck ere Zuschüsse Für diese S ule gerechtfertigt, Der inweis auf de uWendunxTen für das Fortbildungswesen in der T ronrede sei bei den verhältn ß- mäßig geringen Leistungen des Staats überflüssig gewesen.

und (chcrbe Freiherr VOU'

und andere

Zeichen-

Berlepsch: . *

Meine Herren! Der Herr Vorredner hat einen Passus der Tbronrede als überflüssig bezeichnet. Ich bin der Ansicht, daß es nicht zulässig ifi, die Rede, mit der Seine Majestät die beiden Häuser des Landtags eröffnet, als überflüssig zu bezeichnen. Ich muß diesen Ausdruck zurückweisen.

Ab , Fleß (Zentr.): Gegenüber den aatlichen Zuschüssen für die Weées als in eld ist die L_Iedeschulfet in Mülheim bedeutend Fchlecbier gefiellt. „Es Ware sehr wumchenSwertb, wenn die Regierung tbr Wohlwollen nicht nur der einer), sondern auch der anderen zu- wenden wollte. Nachdem htxr wiédxr die Handwerkerftage gestreift erde'n isi, will auch ich meinem tiefen Schnxxrz und meiner Be- trubmß darüber Aquruck ebert, daß der Minister einen Theil der Hgndwerker als indolj-nt zzetchnet hat. Dies Wort wird ein Echo bk! den Handwerkern finden, aber kein freudiges. Der Minister gab gar das alte liberale- Rezept zur Hebung ds_s Handwerks, dem gegen- udsr „das Zutraqen verloren gegangen nt. "Tie Theiliiabmlofig- keit und „Apathie manchér Handrperker tit _ zu entyrbuldigen, da sie einsehen, daß fie auch bei _drm, größtkn letße nicbt voriVaxts kommen und der Gewerbeneibert, dem apitaliZmus zum Opfer feigen. Sollte ein Zuiatximenschluß der Handrvkrker zum Zweck der Skidsthilse etwas nüßen, yo iiiüßten fie doch wenigstens 11953; etwas, haben. Daß große Schädén bei den HandWSrkern bestehen, mu11én_ wrr anrrkennen. Wir baden mit unseren Schülern an der Mülhstmer Webeschule gute Erfolge, aber alles Wissen kann dem Yandwrrker mcbixZ nüßrn, wenn er kein,Geld hat, es zuderwerthen. Ich “glaubs, es Ut an dir Zeit, Ein Mittel zu suchen und 511 finden, durch das dem Handwerk dax; verloren gegangene Vßrxrausn wird?!- grgcik'n wkrden kann. " "

Ministrr für Handel Bcrlepsch:

Der Herr Vorredner bat den Versuch gemacht, meine Worte, die

ici) gestern grsprockpen habe, so auszulegen, als Hätte ich e*inem Tdeil drr Handwerker den Vorwurf drr Jndolrnz im allgemsinrn gemacht. Ich muß nochmals konstatieren, daß das absolut unrichtig iii. D-Zr Herr Vorrrdner harte davvn gesprockycn, daß, wrnn der Staar dem Handwerk seinen Kre'dit anbistsn würds, die Handwerkrr nicht in d-ér Lagc wärrn, dadon Erkrauch zu machen, weil sir kcinr Organisation Haken. Darauf babciici) ibm crwidcrf, daß es Eine Jnddirnz ist, in dirsrr Wriic von mangelnder Organisation zu sprrchen, wril da:“; Ecnoffsnschafisgchß drm Handwrrk jrdrrzrir den ausreicbeudrr'. Weg gabe, fick) Krcditkrganisatirnen zu Waffen. SY Etwas Anderks babe ich nicht gesagt, und ich muß €*.“? auf daS brsiimmtestc zurückwciien, wrnn mrine Worte andcrH ausgele'gx wrrden, wie sic gssprocben rind gsmrini gcwrsen find. Wenn die Ve'rtrster ch Handwsrks in dcr Wrisc zur Regierung srrcchen, wie dsr Hsrr Vorrrdncr cs gcstrrn gethan hat, dann wird 82“- der Regierung QÜLk- dings unmöglich, mit den Hcrrkn über die? das Hanerk berührenden F?.“xgen Persönlich zu unirrbandcln, und das würdr ick) umsomrbr [*r- dausrn, als im gegenwärtigrn Aagénblick die' Régirrung den Fords- rimgcn dcs korporisrtrn Handwrrks näher gskommen ist, als rs jrmals séix dcm Jabrc 1869 der Fall war.

Nun, mciiic HMM, Habe ich noch wenige Wdric bczüglick) drr vcrschiedenen Behandlung der WEbLsÖUlEU in Mülheim und Krefeld za sagen. Meines Erachtens lirgi CI in der Natur dcr Sachs, daf; dir Wrbcschulcn nicht an alien Orlen Voliständig gieick) sein können. Jhrc Einrichtung wird fich zu richicn Haben nach der Jndustris dss Orts, für den RC errichtet sind, und so kommt es denn auch, das;, dir Webrsciwle in Mülheim an fich nicht die Bedeu- inng haben kann, wie die: Webrsckyule in Krefeld, ivo sich ja, wir bckannt, die Textilindustrie des Rheinlandes in ganz andrrrm Maße konzrnirirrt, wie das in Yiülheim der Fal] ist. Dir Miil- beimcr Wrbcsckpule in dsn Grenzen, wie fie Vernünftig find, wird das Wohlwolirn der Rrgierung grnisßrn und Weiter erfabrrn; LI wird aber nicht die Fordcrnng aufgrstellt werdcn können, daß in Mülheim cine solche Schulc ciabiirrt ist wie in Krefeld. Woliicn wir überall solche großen chranstalfcn wir dir Krcfcldcr ctablisrcn, so würden wir zu Lincm überflüssigen Apparat grlangcn, der das Bedürfnis; drr Industrie? übrrschreiten würds.

Abg. Ehlers (sr. Bg.): Wrnn das Handwerk auf dem Gebiet drs grwrrblicben Unterrichtswesens nicbt “Selbsthilfe cintreirn läßt, so wird ihm ails Staatddilw nichts nüysn. Das ist nicht bloß einealte liberals erenH-art; jondern der So *: „Hilf Dir selbst, so wird Dir Gott brlicn“, ist eine alt€_Wai)r eit, die immer bssteben bleiben wird. Der klagende und psifimistiscbr Ton des Abg. Pirß ist wenig gcrignei, das Vkrtraue'n des HandwerkE wiedrr zu bLlLbLn.

Beim Kapitel der Königlichen Porzellanmanu- faktur nimmt das Wort

Abg. Sandxr (nl,); drr rübmend brrvork3cbt, daß an dcr Sviße drs Instituts Mannrr standen, die der Aufgabe, dasselbe mustergültig ?" machxn, vollauf grwachsen seien. Die nach Chicago gesandte Zu- yammcnstellung don Erzrugxiiffsn der Manufaktur habe wesentlich zum Triumph Deutichlands „aus der Weltausstellung bcigKragcn. Die: Lsiitungen „seien ,wirwbl in trcbniychrr wie drkorativrr Y rzirbung Vor- züglicbe undwis dic Franzoskn auf SÖHNE, so könne Deutschland auf die Berliner Porzrllanmanuqutur stolz sein. erner bittet zum Schluß, die gexorde'rtrn Mrbrauswendungen für die Manufaktur zu dewiliigrn, damit_ die1elb€ auch auf der Berliner Ausstellung 1896 würdig vertreten 1€in können

Damit ist dcr Etat der Handels: nnd Gewerbe- verwaltung erledigt.

"BLM! Eta_t der Bauverwaltung nimmt zum Titel: Vruckcn:, Fahr: und Hafengclder, Strom: und Kanalgebühren das Wort

Berichterstatter der Budgetkommisfion Abg. Von Tiedemann- Bomst (fr. kons.)§ Dre Erhebung dEr Strom- und Kanalgebühren ist Vom Ressort der tridirekteii Steuern jetzt auf das der Bauwerwaltung üdergegaxigen. Jxrsolgc'dieses „Uebergangs ist es noch nicht gelungen, die Erwagungen uber die schimerige Frage der Schiffahrtsabgaben zur Erledigung zu bringen.

_Abg. Gor_bein (ft. Vgg.):, Auf, die yon dem Berichterstatter erwahnten Crwagungen wartet die Schiffahrt nun schon LZ Jahre, und es bestsht die Befürchtung daß eine Entscheidung noch sehr lange auf fich warten [affen wird. Der Abg. Gamp bat die Beförderun des Getreidrimports auf dxn kanalifierten Flußläufen zum S den der, heimischen Landwirtbschaft gefürchtet. Demgegenüber der- weise ich auf Transxortergebmffe auf der kanalifierten Oder, die bezeugen, daß die meisten Transporte der Land- wirtbschaft zu gute kommende Produkte betrasc'n. Der W) . Gaim) hat ferner die An1cht ausgesprochen, daß die zu Berg abrenden Schiffe größeren ortbeil von der Kanalisierung hätten, als die zu Thal fahrenden; _eine Ansicht, die alle Techniker in Erstaunen gesetzt hat. Im Lande ist man Vielfach der Meinung, daß die Auffassung des Abg. Geheimen Ober-RegierungE-„Ratbß Gump auch die des Ministeriums sei. Ich habe dagegen immer betont, daß man die Aeußerungen des Abg. Gump stren sondem müffe von denen des Ge- heimen Ober-Regrerungs-Raibs amp.

Abg. yon Pappexibeim (kons.): Hier ist in erster Linie die FraFeaufzuwcrch. ob die Kanalbauten, die in den leßten 10 Jahren 82 illionen gekostet haben, den entsprechenden wirtbschaftlichen

und (Gewerbe Freiherr von