wird um so mehr der Fall sein, je gewissenhafter und ernster er seine Pflichten erfüllt. Es heißt jedoch, geradezu einen pflichttreuen Beamten schuylos den Gefühlen der Rachsucht und der Bosheit preis- geben, wenn es gestattet wäre, daß jemand das Odium einer Untersuchung auf einen Beamten wälzt, ohne daß er dabei selbst irgend etwas riskiert, daß er vom Hinterhalt aus zusehen kann, wie nun gegen diesen Beamten eingeschritten wird.
Wenn ich auf derartige anonyme Denunziationen einginge, so würde ich eine meiner wichtigsten Pflichten verlesen, nämlich pflicht- treue Beamte alle Zeit zu scbüven. (Bravo!) Will der Herr Abg. Bebel, daß bezüglich der Fällax, die er eben genannt hat, irgend eTWas von seiten des AUSwärtigert Amts geschehe, so mag er die Güte haben, mir die beiden Vertrauxnßmänner zu nennen ; ich werde mir dann die beiden Personen genauer ansehen und danach das Weitere verfügen. Solange der Herr Abg. Bebel das nicht thut, mag er noch so viel Don Thatsachen sprechen _ ich erkläre, daß alle diese Behauptungen seiner Vertrauensmänner von Aiifang an bis zu Ende erfunden sind, und was das Urtbeil über die Persönlichkeiten betrifft, so ist das meinerseits génau dasselsöe, was Vorhin mein Herr Kollege von der Kolonialverwalrung aüSgesprochen hat. (Lebhaftes Bravo rechts, aus der Mitte und bei den Nationalliberalen.)
Abg. Dr._Lieber (Zentr): Unser? Kolonien würden einen gyten Schritt vorwarts_thun, wenn das militärische Element mehr in den HinterFund gedrangt und ihre Abhängigkeit Vom Aquärtig-ép Amt mehr etont würde. Wir wünschen, daß auch unter den Zivil- bewerbern Umschau gehalten werde und die geeignetsn Kräfte an Jleei nete Stellen géxxzt wérdexn. Wir verschließen uns nicht der
nxixcbt, daß die Kolonialpoiitik nötbig ist, wir möchten aber
r ihre kulturelle Seite, die Beförderung von Sitte und Religion betont sehen. 'Dr.-r Abg., Schall erwöhnie des Be- richts eines Herrn 131: thgraff, in denz Anschuldigungen ge en evangelische urid _nock), mehr egen katholische Misfionare-erbo en waren. Ob wtrkltch dre katholißchen Missionare einmal den Europäern
egenüber fünf haben gerade sem lassen, will :ck nichi entséeiden, Falte aber dies zu glguben schon deshalb “für bedknklich, Wei man weiß, daß alle katholischen Missionare Orden angehören, die sich nur um ibreKulturarbeit kümmern. Ich würde bedauern, soüte ein Scharmützel über die ewangrlifche Und die katholische Mission vor- bereitet werden. Jede der drtden Misfidnen möge das Jbrige dazu thun, ,um das Licht des Cörtstentbums in dem dunklen Welttheil zu verbreiten. , ,
Abg. Bebxl (Soz.): Ich w,eiß_nicht, was den Staatssekretär zu der AnnalZme fuhrt, 'ich hätte M16) in meinen Anschuldigungen schon öfters getguscht. Seit zwei Jahren haben sich alle meine Anschuldi- gungen bis" auf einen Punkt ,als richtig erwiesen. Uebrigens bietet mxin Gewahrsmann fiir gew1ffe Dinge, so hinsichtlich der Baulich- keiten, Zeugen an. Richtig ist, daß das Auswärtige Amt seine Beamten nicht schuklos der Willkür preisgeben darf ; wenn aber ein Abgkordnxter bier Zeugen vorbringt, so übernimmt er eine gewisse Verantwortung dafür, die dem Staatssekretär genügen muß.
Abg. Dr. von Bennigsen (nl.): Ich meine, die Haltung des Staatssekretärs Freiherrn von Véarschaa gegenüber ÖM Anschuldi- ungen war korrekt. Anonyme Zuschrifien berückßrbtigt man nicht, ondern wirft fie tn .dxn Papikrkorb. Der Abg. Bebel hält fich als Abgeordneier für Verpflichtet, yo schwerwiegende Anschuldigungrn gegen unserx Beamten vorzubringen. Aber dann hätte er fiedurck) Zeugen beweiyen müssen; der Mann. der an den Abg. Bebel geschrieben hat, hat gar nicht Gelegenheit gehabt, die besprochenen Thatsachen seibst zu feben, er verlaßt fich also auf dritte, vierte Quellen. Das; nun der Abg. Bebel diese Dinge so darstellt, _als handle es fiel) um Thatsachen, charakterisiert die Kolonialpolitik dieses Herrn. Er gesteht zu, nichts zu wissen, fällt aber ein allgemeinrs Urtheil._ Wir müßten dem Direktor der Kolonialabtbeilung dankbar sein, daß rr fich des Herrn von Schele so energisch angenomm'en hat. Dexn Charakter des Herrn von Schele sind die gegen ihn erhobenen Beschuldi ungen gar ni tzuzn- trauen. Man muß auch gegenüber den Aeußerwgen drs Abg. ichter
Verwahruzgz einlegen. Er meint, _er habe den Eindruck gewonnen, als zeige die Stimmung der Kolonialsreunde eine gewisse Gedrücktheit. Das könnte eine schiefe Auffassung irn Larzde hervorrufen. Ich habe im leisten Iabr kein Zurückschretten der_Kolonialbewegung wahrgendmmen; im Geng'ntbcil, es hat sich 'die Ueberzeugung Bahn gebxqchen, daß wir in der rzcn Zeit ziemlich viel erreicht habkn. Porjugr€1en,Jta1iener, Franzosen, Engländer werden auf unsere Verwaltung ixnmer mehr aufmerksam, die Engländer immer 'eifersücbti er. Es ist_ kein Gedanke, daß die Kolonialfreunde irre werden an un?erer Ko!oma[politik,und wir find dem Reichskanzler sebr danbgr, daß er mit so großer Ent- schredenbeit für die Kolonialpolitik eingetreten ist. Mit der Anlage von Kapital geht es naturgemaß nicht schurli, da weder für Plantagen, noch für Cisenbahnanlagen eine rasche? Verzinsun zu ermöglichen ist. erinnere , aber daran, da auch das Interesse der Kapitalistenkretse für die Kolonien nicht ab-,„sonde_rn zugenommen hat. Vor kurzem erst find große Kapitalkrafte bier in Berlin zusammengeireten, um (Geld für em
roßes Eixenbabnunternebmen von der Küste bis zu den Seen zu- ammenzu ringen. Aufgabe unserer Kolonialverwaltung wird es sein,
xoße Gesellschafterx so zu behandeln, daß fie in Hoffnung auf großen
Lväteren Gewinn die augenblickliche Unrentabilität ihres Kapitals in den Kguf nehmen. Daneben wuß aUerdingS' dafür gesorgt werden, daß die Geselischaften nicht etne größere Mach? gewinnen als die Kolonialverwaltuxtg selbst. Es dürfte möglich sem, di-Zs auf die' eine oder die andere Art zu „verhindern und doch den Gekellschaften die jetzt noch nöthigen großen Konzessionen zu “machen.
* Ab . Richter (fr. Vo!ksp.): Bei dm anderen Ländern kandelt es fick) n der Kolonialpolitik Yun andere Gebiete und andere Zeiten. Da war mehr zu erzielen. Wir haben nur zu kolonificren, was uns die anderen übrig gelassen haben, natürlich also da;; Schlechteste. Daß die Nachbarstaaten jeder neu" gxgründeten Kolonie gegen- über mißgünstig find, it selbstverstandl:ch. Der Abg. 1)r. von Benkigsen sprach von ufwendun en fiir" eine große Eisenbahn- anlaae. Was find denn das für ufwendungen? Jm anzen ist ein Enga ement von 300000 «76 eingegangen worden. Von hat das Nei 100000544 beigesteuert, dre Deutsch-ostafrikaniscbe Gesell“ schaft aus den Mitteln des Reichs ebenfalls 100000 «ck und die übrigen 100000,“ die Deutsche Bank natürlich in der Hoffnung auf * dine spätere Finanzierung einer- ostafrikanischen Reichöanleihe mit ReicbsYarantie.
A 9. Graf von Arnim (Rp.): Ich möchte, den Abg. Bebel fragen, warum er seine Anschuldigungen nicht vor Vierzehn Ta en in der Budgetkommisfion vorgebracht hat. Wir hätten dann die s weren Ansäk'uldemgen gegen Herrn von Schele, der überall als tüchtiger ;und zwa rter Beamrer bekannt ist, diesem mittbeilen können, und er ware fieber in der Lage gewesen, sie zurückzuweisen. Der Abg. Behel har es vorgezFen, mit diesen Anklagen erst jeßt, am zweiten,-Tag§ 'der lenarberatbunß- hervorzukommen, wo es unmöglub ist- „ße authentisch, zu widerlegen. Der Abg. Ni tkk- hat “seinen nach, , te vor vErneinenden Stand- PUJ! Vertreten. Wenn er die arte von Peters angesehen hätte, so wurde er gefun_den [195M- Paß Kulturanlagen nicht nur für Plantagen, syndern aych fur Ackerbau und,Viebzu t m unseren Kolonien möglich sind. WU" Agrarier s-oÜten UW'ÜKF deSHalb Gegner der Kolonien sein; dafür Fd wir aber zu patriotis , und haben wir zu große Ziele _ im Auge. enn aher der Ahg.R1chter meint, daß der Kreis der Freunde der Kolonialpolitik immer enger werde“, so möchte ich ibn nur daran erinnern, daß Ö-kl-bst seizi Pgrteigenosse Herr Siemens, der ' Direktor der Deutsclxen Ban „. jeßt fu: die Kolonialpolitik, eingenommen ist. Wir sehch in unserer Verwaltung einen großen Erfolg. Warnen möchte tcb davor, Leute, welche „von Lebensgefahr bedroht, unter Fiebern den schwarzen Erdthetl durchziehen und in jeder Weise
me
_Bescbuldigun en anzugreifen. Das ist keine deutsche Art. Ich bin uberzeugt, dc; Herr von Schele, wenn er hier gewesen wäre, diese Ankla en mit weni en Worten hatte zu Schanden machen können.
bg, Bebel Soz.): In der Kommission babe ich meine Mit- theilungen nicht machen können, weil ich aus ihr außgetreten war, als
fie mir zu ingen. Bevo mächtigter zum Bundesrats), Direktor der Kolonial- Der Abg. Bebel
Abtheildng im Auéwärtigen Amt 1)_r. Kayser: Febrt das erst? Gerechtigkeitéprinzip um, „indem er verlangt, der von ihm Beschuldigte solle den Beweis von seiner Unschuld liefern. Die Ausführungen des »“ Abg. Richter über die Deutsch-ostafrikanische Gesellschaft sind unrichtia; aus der Anleihe hat- die Gesellschaft Zé Millionen Mark für öffentliche Zwecke ausgewandt. Daß übrigens das „Kapixal in Deutsch-Ostafrika nicht ganz unbetbeiligt ist, bewetxen die verschiedenen Gesellschaften, die sich mit der Kultivierung Deut ch-Ostafrikas befassen und über ein Gesammtkapital von 6 Mil- ltynyn Mark verfügen. Wenn die AHF. Richter und Bebel im nachsten August einmal die Reise übers othe Meer gemacht Haben werden, dann werde ich fie fragen, ob sie das für eine Paradereife halten. Auf die persönlichen Angriffe des Abg. Richter gebe ich nicht em. Ich bin kein Minister, sondern nur ausführender Beamter, und die Auslassungen des Abg. Richter bedeuten eine Ueberschäßung meiner Person. _
Abg. Richter (fr. Volksp.): Aus der Anleihe von 1891 bat die Ostafrikanische Gesellschaft noch Zé Miklionen Mark im PortefeuilTe, welcbe lTie benußt, um Dividenden zu vertheilen. Da für jene Anleihe dle Zo einnahmen von Deutscb-Ostafrika verpfändet md, so Werden indirekt die Dividenden der „Ostafrikanischeü (Hefe schaft aus den Taschen der Steuerzahler bestritten. Ick) habe die erfönlichen Ve- merkun en gegen den Direktor Dr. Kayser nur gema t, weil er mir ngptitk er emen Ton angeschlagen hat, als vertrete er eine selbständige
o t 1 .
Die einzelnen Titel des Etats für das ostafrikanische Schuß ßbiet werdxn darauf nur!) den Vorschlägen der Budget- kommißsron bewiUtgt. _ '
Die weitere Berathung mird vertagt.
Schluß der Sißung 51/2 Uhr.
Preußischer Landtag.
Haus der Abgeordneten. "46. Sißung vom Dienstag, 19. März.
Auf der Tagesordnung steht die Tortseßung der ersten Berathung des (Heseßentmurfs, betreffen die Erweiterung und Vervollständigung des StaatSeisenbahnneßes und die Betheiligung “des SLaats an dem Bau von Kleinbahnen.
Ueber den Beginn der Sißung ist gestern berichtei worden.
Nach dem Abg. Hobrecht (nl,) nimmt das Wort der
Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen:
Meine Herren! Einer alten Gepflogenheit entsprechend, beab- fichtige ich nicht, auf alle die vielen Wünsche und Wohl theilweise aucb Beschwerden, die gestern und heute der Staatsregierung vor- getragen sind, zu antworten. Zur Zeit stehe ich allen diesen Wünschen mit gleichem Wohlwollen gegenüberL' (Heitcrkeit.) Das schwierige, Verantwortungsvolie und undankbare Geschäft, "an die Aus- wahl derjenigen Bahnen beranzutreten, welche das Programm für die nächste Vorlage zu bilden haben , dieses Geschäft erblüht erst, nachdem die heutige Vorlage yon dem Landtage der Monarchie festgestellt sein wird ; dann wird es „Zeit sein, auf Grund der Ermittlunaen technischer und wirihschaftlicher Art, die die Staats- regierung bereits angestellt hat oder noch ansteüen wird, und auf “Grund der Erörterungen, durch welche in diesem hohen Hause und voraussichtlich auch im Herrenhauses der Staatsregierung Belehrung und Anregung zu theil werdkn wird, in Erwägung über das zukünftige Programm zu treten. *
einige Worte vo'n dieser Stelle aus zu unterbreiien, so veranlassen mich dazu die grundsäßlic'hen Anregungen und Fragen, die: an mich gestern und heute gefreut worden sind. “ „ Meint: Herren, es ist zunächst von „verschiedeni'n Seiten darübrr geklagt wvrdxn, daß“ troy der Erklärungen, die seitens des Herrn Finanz-Ministers und von mir bereits im vorigen Jahre dahin abgegebrn worden sind, daß die Staatsregierung gern bereit sei, an die Frage heranzu- treten, ob das System der Beiträge der sogenannten Interessenth an den Nebenbahnen nicht geändert werdrn könne, in diesem Jahre doch wieder auf dem alten Wege die Beitragspflicht geregelt werden soll., Meine Herren, das liegt nicht etwa daran, daß die StaatSregiermng yon der Anschauung abgegangen ist, die sie im vorigen Jahre verträen hat, von der Anschauung nämlich, daß dieses gegenwärtige System, die Ueberweisung des Grund und Bodens jn nabura oder in Geld,- nacb mancHen Richtungen bin für beide betbeiligten Parteien Miß- stände im Gefolge habe; sondern es liegt daran, daß für einen Theil derienigen Bahnen, die in die heutige Geiehvorlage aufgenommen worden smd, Abmachungen zwischen der StaatSregierung und den be- treffenden Verbänden bereits aus einer friiheren Zeit vorlagen. Es war seitens der Siaatöregierung bei den Erklärungen, die wir irn“ vorigen Jahre abgegeben haben, alierdings aucb voraUSgeseßt, daß als nothWendiges Korrelat eine Veränderung der Expropriations- geseßgebung vorgängig erfolgt sein müsse. Meine Herren, die Staats- regierung ist bereit, von dieser Vdrausseyung dann abzugeben, wenn fich bei den bereits begonnenen Erwägungen zwischen den betheiligten Ressorts berauöstelien sollte _ und ich hoffe es _, daß auf anderem Wege ein Mittel "gefunden werden könnte, welches das Risiko, das die Staatsregierung durch die eigene Beschaffung des (V“.und und Bodens unzweifelhaft übernimmt _ welchks Risiko für den Staat nach der Meinung sebr vieler Sachberständiger erheblich größer * ist, aus dem einfachen Griinde, weil der Fiskus ein größeres Portemvnnaié hat als die betreffenden Kom- munalverbände, als das Rifiko, welches die leßteren zu übernehmen haben _ ob es, wie gesagt, möglich sein würde, dieses Rifiko auf anderem Wege einigermaßen abzuscbwächen.
Meine Herren, Es ist dann auch fernerhin beklagt worden, daß in der Begründung des Geseßentwurfs, soweit derselbe sich auf Unter- stüßung der Kleinbabnen bezieht, ausdrücklich wieder gesagt ist: Vor- ausseyung für _eine StaatSunterstüßung soll im allgemeinen sein, daß die Betbeiligten fich bereit erklären, den Grund und Boden unentgeltlich herzugeben. Der Staat ift,erst in zWeiter Linie bethei- ligt, in erster Linie find es in de_n meisten Fällen wiederum die Kommunalverbände; und ich bin fest „ über- zeugt, daß die leßteren mit verschwindenden AuSnahmen ihrerseits aus naheliegenden Gründen ebenfalls an dieser Vorausseßung festhalten werden. Für die Staatsregierung ist die unentgeltliche Her- -
bk? Pflicht THM?- bikk in solcher WEU? auf Grund“ unbewiesener
Wenn ich mir gestufte, die „Reihenfolge der Wünsche durch „
„ augenblicklich
für das Bedürfniß. Wo nicht mal so viel Jntereffe fürdie betreffenden Bahnen vorhanden ist, daß die betbeiligten Grundbesißer oder sonst Interessenten sich entschließen, den Grund und Boden unent. geltlich berzugeben, kann man mit Fug und Recht wohl das wirth- “«*schaftliche Bedürfniß nach einer derartigen Kleinbahn bestreiten. Meine .Herren, der Herr Abg. Hobrecht hat auSgefübrt, daß es sich unter der Vorausseßung des Festhaltens an der Forderung der Hergabe des Grund und Bodens bezw. der Kosten dafür empfehlen möchte, in den einzelnen Fällen das" Antbcil- verhältnis; zwischen den verschiedenen Interessenten durch Gases,; fest- zuseßen. Meine Herren! Der Gedanke tritt heute _zum ersten Mal in die Erscheinung, und ich möchte nicht jeyt schon ein definitives Urtbeil über denselben abgeben, halte vielmehr auch diesen Gedanken für erwägenswerth, kann aber nicht verhehlen, daß die StaaTSregierung voraus- sichtlich doch mit einigem Zagen an diesen Gedanken herangehen wird, der nur zu sehr geeignet ist, die Verantwortung, welche schon jexzt für fie groß ist, noch erheblich zu erschweren. Wenn diesseits das Antheils-
züglich des Grunderwerbs oder der Kosten für denselben. oder der baaren Beiträge u s. w. festgeseßt werden sollte, so könnte das nur geschehen, wo die betreffenden Interessenten sich unter sicb nicht einigen können und das Bedürfnis; zur Herstellung der Bahn dringend ist. Wo fie einig sind, ist das Dazwischentreten der regierung überflüsfig. Nun sind mir nur wenige Fäkle bekannt, wo es nicht gelungen ift, ein angemessenes Verhältniß zwischen den verschiedenen beitragspflichtigen Verbänden herzustellen. Wenn auch die EinigungSverhandlungen zunächst ohne Ergebnis; derliefrn, so ist mit gütiger Hilfe der Staatöregierung und einigem sanften Druck _ „,es wird sonst nicht gebaut“ u. dgl. _ es dock) meist gelungen, ein zweckentsprechendes Einverständniß herzustellen. Ich meine auch, daß im allgemeinen die' Staatßregierung gerade hier nur im Notbfall drzwiscbentreten follte. Hier müßten die Organe der Selbstvrrwaltung eingreifen mid
je nach ihrem JntereffenVLrhältniß festsetzen. (Es geschieht das auch vielfach schon. Namentlich im Westen sind mir eine Reihe von Fällen bekannt, wo die Kreise eine Formel gefundrn haben für die Festseßung des Interesses: Wer innerhalb so und so viel Kilometer wohnt, hat so und so viel Prozent, wer in der 2. Zone wohnt, so und so viel Prozent u. s. w, beizutragen; der Kreis übernimmt dann den Rest, in vielen FäÜen etwa 20 bis 25 0/o. Ich möchte glauben, daß sich namentlich für die Finanzierung der Kleinbabnen, auf die es ja in Zukunft im wesentlichen ankommen wird, auch gewisse Erfahrungögrundsäye ergeben Werden und ebenso für die technische Herstellung, den Betrieb und die Verwaltung der Klrinbahnen. Und da möge mir gestattet sein, in Klammern zu be- merken, daß die Staatézregierung sich für verpflichtet erachtet hat, alle einschlägigen Erfahrungen auf diesen Gebieten zu sammeln und weiten Kreisen zugänglich zu machen. .
Wie den Herren bekannt ist, erscheint in meinem Ministerium monatlich eine Kleinbahn-Zeitschrift, in der interessantes Material veröffrntlicht wird. In meinrm Auftrage ist zrveitens ein umfassen- deres Werk ausgearbeitet, das in diesen Tagen erscheinen wird, und in dem diejenigen txchnischen, wirthschaftlichen und administratinrn. u. s. w. Erfahrungen niedergelegt sind, welche bisher sowohl bei uns als in anderen Ländern gewonnen werden konnten. Ich habe mir nur gestatten woÜen, im Interesse der Kleinbabnen hier an dieser Steue diesé Bemerkung zu machen. Ich bin wobk frei von dem Verdacht, daß ich damir Etwa einc Buchhändlerreklame oder eine Reklame für die Herren Verfasser im Ministerium babe aussprechen wollen. (Heiterkeit.) Ich halte es aber wirklich für eine Pfticht der Staatsregierung, daß sie in einem Wirthschafjszweig, der so jung ist, und in dem, nach meiner Ueber- zeugung, noch so viel Lehrgeld gezahlt werden wird und auch schon gezahlt ist, wenigstens von Regierungswegen alle Erfahrungen zu- gänglich macht. *
Meine Herren, es smd dann vielfach Klagen und Beschwerden auch in diesem Jahre wieder laut geworden über die Art und Weise, wie die Grunderwerbsfrage seitens der lokalen Baubehörden gehand- habt wird. AU? diejxnigen Fälie, welche zu meiner Kenntnis; gelangt find, find auch sorgfältig geprüft, und ich habe mich bemüht, die Ent- scheidung möglichst entgegenkommend zu fällen. Aber auf der anderen Seite möchte ich dock") darauf aufmerksam machrn, daß die Verivaltungsbehörde vkrpflichtetist, diejenigen chhte, die ihr durch Geseß oder durch Vertrag. zuerkannt smd, auch in Andruck) zu nehmen. Und mm geben sowohl die Spezialgeseße für den Bau der Nebenbahnen als auch die auf Grund dieser Geseße gethätigten Verträge mik den kommunalen Ver- bänden dem FiSkus auf diesem Gebiet ausgedehnte Rechte. Es ist das auch für ihn nothwendig. Es ist beklagt worden, daß der Fiskusin Beanspruchung des Geländes mehrfach über dasjenige, was er zu verwenden in der Lage ist, binauögegangen ist; daß er Ländereien erworben hat, die er einstweilen zu dem Zweck nicht verwendet hat, für den sie in dem Plan vorgeseHen waren, und daßsolche Ländereien dann _ ich kann begreifen, zum Aergerniß der betreffenden Kreise, die das Gelände haben geben müssen _ mit Kartoffeln bestellt werden. Ja, meine Herren, gewiß, das sieht nicht schön aus, aber die Staats-Eisenbahnverwaltung kann doch wohl nicht anders verfahren. Sie muß, wenn das Gelände auch nicht sofort in den ersten Baujahren iu Anspruck) genommen wird, "um beispielsweise den geplanten Lokomotivscbuppen binzustellen, doch das Grundstück fordern und es einstweilen bestmöglich ver- wertben, im gegebenen Falle also auch dem Bahnwärter als
'Kartoffelland geben. Aber deSwegen ist doch mit der Thatsache, daß in
dem einen Jahrs dort Kartoffeln stehen, nicht erwiesen, daß das Ge- lände nicht für die betreffenden Zwecke, für welche es in Anspruch ge- nommen wurde, auch verwendet werden soll. Ich bin nun nach wie vor sehr gern geneigt, in dieser Beziehung möglichst entgegenkommend und möglichst milde zu verfahren.
Wenn ferner darauf hingewiesen wird, daß vielfach die Hergabe von Grund und Boden zur Entnahme von Kies in Anspruch ge- nomme'n worden ist,“ so liegt das auch innerhalb des Geseßes und innerhalb der bktreffenden Verträge. Es ist dies noch neuerdings„au6- drücklich durch ein Erkknntniß des Reichsgerichts auSgesprochen worden- Meine Herren, es ist, drittens eine Ungerechtigkeit darin erblickt worden, daß in einzelnen Fällen außer der freien Hergabe von Grund und Boden auch noch ein baarer Zuschuß verlangt worden ist. Meine Herren, eine Ungerechtigkeit könnte meines Erachtens an sich hierin noch nicht gefunden werden, ebensowenig wie eine Un-
gabe des Grund und Bodens der beste und bewäskräftigste Barometer
gerechtigkeit darin gefunden werden kann, wenn bei anderen Bahnen
verhältniß zwischen 3 oder 4 Gemeinden oder mehreren Kreisen be-
Staats- “
das richtige Verhältniß zwischen den einzelnen Beitragspflickügen.
Üdie betreffende Landesregierung“ einen sehr namhaften Beitrag _ das
noch ein Stück baares Geld zugegeben worden ist. Es kommt das ja auch in der heutigen Vorlage vor. Eine Ungerechtigkeit würde das nur sein, wenn obne Grund der baare Zuschuß gefordert bezw. die Beihilfe gegeben ,worden wäre. Nun hat aber der Landtag in den bisherigen Fällen stets noch seine Zustimmung “dazu ertheilt, und ich hoffe, es wird das auch bei der gegenwäriigen Vorlage der Fall sein.
Ein Vorwurf bat mich eigentbümlich berührt, und das ist der, daß die Staatßregierung bei der Auswahl derjenigen Linien, welche in die Sekundärbabnvorlage aufgenommen werden, fich von eisenbahn- fiskalischen Rücksichten leiten lasse, das; nur solche Linien gewählt würden, die dem Eisenbabnfiskus keinen Schaden brächten durch Ab- kürzungen u. s. w. Nun smd in der heutigen Vorlage Von den zehn vorgefcblagenen Linien sechs solche, die die erbeblichsten Abkürzungen beworrufen und zum tbeil auch eine nicht ganz unerhebliche Ver- kürzung der Einnahmen des Staats, rein rechnungsmäßig betrachtet _ schließlick) kommen wir durch die Vermeh- rung des Verkehrs doch wieder _ zu unserem Gelde _ herbeiführen. Ick erinnere z.B. an Bremervörde_Buchbolz. Bremer- vördc_Buchbolz kürzt die Entfernung zwischen dem großen Import- und Eporthafen Geestemünde-Vremerhaden und Berlin um ein ganz gewaltiges Stück ab. Dasselbe thut Bri10n_Geseke, wie ein Blick auf die Karte lehrt. Dasselbe bewirkt Trompet_Kleve, dasselbe Bolkenhain_Merzdorf. Kurz und gut, von den zehn Bahnlinien sind sechs, welche eine sehr erhebliche Abkürzung der jeßt bestehenden Strecken berkeiführcn. Es scheint mir dieser Vorwurf also ungerrcht- fertigt zu sein. '
Endlich find Bedenken daraus hergeleitet worden, daß die Vor- geschlagenen Linien nicht sämmtlicb innerhalb des preußischen Staats“ liegen. Ja, es liegt eine Linie sogar voliständig außerhalb des preu- ßischen Staats, das ist die Linie von Oberrottenbach nach Kaßhüttc. Eine andere, für die drr Herr Abg. Sander seit Jahren viel und eifrig gestritten hat, die von Elze nacb Gandersheim, liegt wenigstens theilweise auf braunschweigischem Gebiet. Meine Herren, wenn der preußische Staat außerhalb seines politischen Gebiets die Eisenbabmxn übernimmt undbetreibt,s o übernimmter damit auch gewisseVerpflichtungen. Es sind das nicht bloß moralische Verpfiichtungen, sondern er hat iich in den Staatsverträgen auch zu pofitiven Dingen verpfiicbtet. Es würde am!) politisch zu beklagen sein, wenn der preußische Staat das Vertrauen derjenigen Bundesstaaten, die ihm den Eisenbahn- betrieb ihrer “Lande überlaffen haben , nicht rechtfertigte. (Sehr richtig!)
Meine Herren, in dem vorliegenden Falie würde ich überhaupt über diesen Vorwurf sehr leicht wegkommen. Oberrottetibach_Kaßhütte ist eine Bahn, die jedenfaüs unter den obwaltenden Umständen in absehbarer Zeit eine annehmbare Rente bringen wird. Außerdem hat
sieht ja in der Vorlage _ dazu gegeben. Dasselbe gilt auch für die Strecke durch das Braunschweigische.
Ick meine, Meine Herren, Sie hätten eigentlich alle Ursache, eber fich auf den Standpunkt zu stellen, nun darüber zu wachen, daß die Stadts-Eisenbahnverwaltung ihre Verpflichtungen gegenüber diesen anderen Bundesstqaten aucb loyal erfüllt, als fie davon abzuhalten, wirklich nothwendige Bahnen, deren Bedürfniß festgestelit worden ist nicht nur durch theoretische Ermittlungen, sondern auch durch nam- basteste Beiträge der betreffenden Landesregierungen und. der Inter- cssenten, aUSzubauen. (Sehr richtig!)“
Mit Recht ist aus dem hohen Hause die Frage aufgeworfen worden: wie denkt sich" denn die StaatSregirrung die von ihr aus dem Fünfmillionenfonds zu leistende: Unterstützung der Klein- "babnrn? Hat fie bereits dafür "bestimmte Grundsäße aufgesteüt? Meine" Herren, abschließende (Grundsätze “find nicht aufgestellt; die Staatsregierung denkt fich, daß fie in drr Regel diese Beihilfen durch eine fincmzielle Betheiligung an dem Unternehmen leisten werde _ also in der Regel nicht 21 fouc1§ poräa, sondern durch eine direkte IIZetbeiligung an dem Unternehmen, die es ermöglicht, daß demnächst cinch an den Renten des Unternehmens auch der Staat Theilnimmt. Meine Herren, das soll aber nicht ausschließen, “und ich bitte, sich damit einverstanden zu erklären, daß nicht diese Art der Betheiligung als die einzig anzuwendende aufgefüllt wird; das soli nicht ausschließen, daß unter gegebenen Umständen auch ir F'0Uä5 perän eine Summe gegeben werden kann, daß unier Umständen auch mal in anderer Weiss eine Beihilfe geleistet wird, daß beispielßweise die Staats-Eisenbahnderwaltung ein größeres Bauwerk übernimmt oder auf irgend eine andere Weise “_ (Abg. Rickert: Eine alte Brück!) _ eine alte Brücke giebt _ (Abg. Rickert: Schenkt!) _ aucb schenkt. Gewiß, das verpflichtet mich ja noch nicht, irgendwo bei Ihnen in der Gegend eine zu schenken (Heiterkeit), aber ich kann mir denken, daß das eine ganz vernünftige Ari und Weise einer Unterstüßung sein könnte.
*Die Stadtgregierung ist der Meinung, daß es nicht zweckmäßig sein'
möchte, theoretisch zu Beginn der Sache bereits feste Grundsätze hier aufzustellen, sondern daß es fich empfiehlt, die Erfahrung in dieser Beziehung auch zur Lebrmeisterin anzunehmen, daß sie aber in der Regel die finanzielle“ Betheiligung ins Auge fassen wird.
Meine Herren, Es kann dann ferner die Frage aufgeworfen werden:“ unter Welchrn Vorausseßungen wird die Staatöreaierung eine Uniw.
stÜBUUL gewähren? Es ist zunächst ' *in den Motiven gesagt worden: unter der Voraussetzung, daß die Interessenten ihrem Interesse cinen thatsächliehen AuSdruck geben.
Die zweite Vorausseyung würde in der Regel die sein, daß die zunächst stehenden Verbände: die Gemeinde, der Kreis, die Provinz ihrerseits Unterstüßung gewähren. In. der Regel, sage ich, wird diese Vorausseßung zutreffen müssen, ehe der Staat hinzutritt. Ich kann mir aber auch Fälle konstruieren, in drnen der Staat doch eine Unter- stützung auch unter anderen Voraussetzungen giebt.
, Meine Herren, wir werden ja über die Verwendung des Fünf- mtllionenfonds in der eingebendsten Weise dem Landtag Mittheilung machen, und es wird dann nach den Erfahrungen, die die Regierung und das Land macht, die Frage, ob festere Regeln angenommen werden “sollen, demnächst zur Erörterung kommen. Zu Beginn der SAISON? ich uns nicht festzulegen, sondern das Vertrauen zu haben, Yk? wir mit der möglichsten Gewissenbaftigkeit an die Sache heran-
en.
Ick) kann mich deswegen auch nicht dafür erwärmen, was der Hékk Abg. Hobrecht angeregt hat, daß man von vornherein den Fünf- millionenfonds auf die Provinzen zerschlagen "solle. Ich würde 'das beklagen., Warum? Erstens mal würde dadurch wiederum, ich möchte sagen, em Partikulariömus neuester Form innerhalb dar einzelnen
schon vierfach breit, und ich glaube nicht, daß es zweckmäßig ist, wm Auf diesem Wege Vorschub zu leisten. Ziveitens aber ist diese Ver- theilung außerordentlich schwierig. Nach welchen Maßstäben soll sie erfolgen? Nach dem Maßstab der Bedürftigkeit? Meine Herren, jede Provinz wird sagen: ill) kann die 5000000 allein 8?" brauchen, und fie hat auch von ihrem Standpunkt aus recht. Wie sollen wir die Vertheilung nun vornehmen? Nach dem Maßstäbe der Bevölkerung oder irgend einem anderen mechanischen Maßstabe? Es wäre das nach meiner Ansicht vollkommen ungerecht. Es ist auch gar- nichl nötbig, jéßt schon an die Vertheilung heranzugehen ; denn es handelt fich ja nicht darum, in der nächsten Zukunft die ganzen 5000000 zu vertheilen. Nach meiner Ueberzeugung wird die Vertheilung überhaupt langsam vor sich gehen; wohl aber werden wir uns, wenn Staats- heihilfen bereits in gewissem Maße zugesagt sind, jederzeit darüber _vöÜig klar sein müssen, daß wir nicht einseitige und ungerechtfertigte Bevorzugungen einzelner Landestbeile eintreten [affen diirfen.
Von einer Seite ist noch angeregt worden, daß die Entscheidung
über die UnterstüyungSanträge “ nicht bloß einer aus den betbeiligten Ressorts gebildeten Kommisfion übertragen würde, sondern daß auch aus dem Lande selbst dazu Kommiffarien herangezogen werden möchten. Meine Herren, die StaatSregierung könnte das ja theoretisch eigentlich freudig begrüßen, dknn rs würde die schwere Verantwortung, die sie übernehmen muß bezüglich der Entscheidung über Unterstützungs- anträge, wenigstens theilweise vermindert; aber zweckmäßig würde das nicht sein. Gerade die ErfaHrUngen, die bezüglich der Sekundärbabnvorlage im Laufe langer Jahre gemacht worden sind, lassen Ls, glaube ich, ratbsam erscheinen, die Entscheidung über diese Frage einer gemischten Kommission aus den verschiedenen Ressorts zu übertragen. Dem Lande, der Vertretung des Landes bleibt ja die Kritik Von Jahr zu Jahr. Kommen wir auf einen falschen Weg, Werden Sie uns zurückwrisen von diesem Wege und werden uns eines Besseren belehren. (Heiterkeii.) “ DeSwegen möchte ich, meine Herren, meine Erörterungen dahin zusammenfassen, daß ich Sie bitte, in dieser Frage der Staatsregierung mit Vertrauen entgkgcnzukommen und ihr nicht ohne Noth die Hände zu binden. Die Staatßregierung wird nach bestem Ermessen undaacb sorgfältigster Prüfung aner dabei in Betracht kommenden Verhältnisse? die Entscheidung treffen. (Brado!)
Abg. Szmula (Zentr.) fragt an, ob die Verstaailicburig noch anderer Bahnem wie der Werra- und Saalbahn beabsichtigt sei.
Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen:
Nur aus dem Grunde kann ich mich entschließen, auf die leyte Anfrage des Herrn Abg. Szmula eine Antrvort zu geben, Weil, wenn ich keine gäbe, jedenfalls die Börse daraus falsche Schlüffe ziehen würde. (Heiterkeit) Ich kann die Antwort hier geben, .ReichS-Anzéiger' publiziert worden ist, daß die preußische Staats- regierung der Werrababn und der Saalbabn ein Angebot gemacht bat, darüber hinaus ist kein Angebot gemacht worden. (Große Heiterkeit.)
Abg. Hilgendorff (kons.) bittet um Fortseßung der Linie Nake[_Koniß nach Bütow, , ' _
Abg. Kr awinkel (nl,) Weist auf die Notißwsndtgkext drs Baurs von Nebenbahnen in den Ixidustriebezirken bin., Wo „keine Rentabi- lität in Aussicht stehe, müsie der Staat mit seinen Mitteln eintreten. Man müsse dabei immer berücksichtigen, daß diese Linien, dezi Hauyt- bahnen wesentliche Verkrbr-smengen zuführtezr, und ,so indirekt eine Rente scbüfen. Möchte sich daber-der4_M:ntster mcht zu „sehr von finanziellen Rückfi ten leitdn [affen sondern mehr als „bisher dexr wirtbskhaftlichen erhältniffen Recßxmng tragen und die Masche]! des Nijzrs der Nebenbahnen enger ziehrn. Redner beffzrwortet schließ, lich besonders den Ausbau des Sekundärbahnnrßes tm industriellen Theil Westfalens. _
Abg. von Berg “kons.) macht darauf auimer'ksafm,“ daß der von ibm vertrktene Kreis J enhagen in Hannover der Einzige M1 preulFrjchen Staat sei, der noch keine Bahn habe, und bittet dringend, do auch ihn im folgenden Jahre zu berücksichtigen. _ '
Abg. Schreiber-Nordhausen (fr. kons.) befurwortet warm eine Fortsetzun .der Linie Erfurt-_Si)ndersbausen yach_Frazi„ken,hausrn und die Aufna me einer Babn-Ellrich-Thale m"dte nachstxabrtge Vorlage, da die bisherige Verbindung des Harzes uber Thale durchaus un- genügend sei. , '
Ab . Weiß (Jenin) wünscht eme Bahniyerbmdung von Greven- bwjäZUü er Gelsenkirckoen nacb München-Gladbackp. ' , "
bg. don Puttkamer-Plautb (kons.) dankt dem thstxr fur die in der Vorla e enthaltene Linie Jablonowo_Rtesenbu"rg_ wit Ab- zwei ung nach Z arienwerder, die einem dringenden BedurY'mß ent- spre e und einem lang Lhegten Wunsch der Bevöikerung erfulle. "
Abg. Schelm (1113 spricht dem Minister sxmerx Dank aus fur die Aufnahme der Linie Bremervörde_Buchbolz m die Vorla e. "
Abg. Kache (was.) befürwortet die Anlegung „einer Se undar- bahn im L_"blau-Brieger Kreise im Interesse der dortigen Kohlen- und Kalkindust-xte. * ' . ,
Abg. oom Rath (nl. betont die NotbwenFYkeit einer Bahn- verbindung zwischen Oberbe en mit Frankfurt a. ., namentlich im Intxre ? der Landwirthscba . _ '
A g. von Zoltowski (Pole) befurwortet die Fortsetzung der Linie Kosten-Gräß nacb Lissa und Krotrzséhn), , ,
Abg. Nölle (nl,) hebt die Drin lt_ch_ke1t einer beffere'n Verbin- dung der Stadt Iserlohn mit dem wetxglischen Koblenreoier hervor.
Aba. Lobmann-Brilon (Zentr.) ittet um Ausschließung des oberen Sauerlandes durch einen Bahnbau, der namentl cb der dortigen Landwirthschaft zu gute kommen würde; '
Abg. Knörcke (fr. Volksp.) erklart fiY Legen eme Aenderrzng des abrplans der Wannseebabn, die eme * er angsamung der „Zuge zur d olge haben und die westlichen Vororte Berlins benachtbeiligen wur e. '
Um 33/4 Uhr wird die Wetterberathung vertagt.
Höhe der Schneedecke iu Zentimetern am Montag, dLn 18. März 1895, um 7 Uhr Morgens.
Mitgetdeilt ' dom Königlich preußischen Meteorologiscben Zinstttut.
- (Die Stationen sind nach Flußgebieten geordnet.)
Oestlichc Küstenflüsse. , MLMÜ (Dange) 26, Tilsit (Memel) 29, Insterburg (Prkgel)13- Heilsberg (PTLJEl) "20, Königsberg i. Pr. (Pregel) 9.
' - Weichjel. C ' k (B b - Bl d b , Narew) _, zerwon en ' o r, NareFZFo 1, IKZ: axxrabéréaoFBobr, Narew) 27, Klausen (Pisa) 5. Neidenburg (Wkrai13, Osterode (Drewenz) 5, Altstadt (Drewanz) 14 horn "*, Koni (Brahe) ,10, Bromberg (Brahe) 0, Veren
(Ferse) 7, Marien urg (Nogai) _. . Kleine Flüssezwischen Weichselund Oder.. . Lauenburg i. P. (Leba) ?, Köslin (Mühlenbach) 15, Schtdelbein
Habelschwerd (
* Oder- / Leob ü" inna 11, Ratibor (“ck Beuthen (Klodni )0, Op ein 3, sch (FURY Reise) 7, Brand Glatzer inßffe) ?, Kerners (Glaßer Neisse) 5 , Gla (Ela er Nei e) 2, Friedland (Glaser Reise) 35, Weigelsdorf ( [aver eise) 0, Rosen erg (Stober) “"'- Breslau ?, Liegniß (Katzbach) 0, Fraustadt (Landgraben) „0, Grünberg 7, Krummhübel (Bober) 28, Wang (Vober) 80, (&ck- berg (Bober) ?, Schreiberbau (Bober) 30, Warmbrunn (Bober) 5, Bunzlau (Vober 0, GörliJ(Laufißer Neisse) _, Frankfurt _,Ostrowo (W“arthe) 0, ofen (Wartbe) _, Tremeffen (Wgrtbe) 1, Samter (Marthe) ?, Yvrotsch (Marthe) ?, Neustettm (Wgrtbe') 7, Deutscb-Krone artbe) 11, Landsberg (Marthe) _, xkztettm _, Pammin (Ibm!) 6, Prenzlau (Uecker) 0, Demmin (Peene; 9.
Kleine Flüsse zwischen Oder und Elke. Putbus 11, Rostock (Warnow) - , Kirchdorf aproel 15, Segr- ber (Trave) 0, Lübeck (Train?) 0, EutinchSchwent1ne) 0, Schleswer (STM) “"- Flensbur 2, Gramm (Fladsau) 4, Westerland au Sylt _, Wyk auf Fö r _, Husum 0, Meldorf 0.
Elbe. Tor an 0, Dessau (Mulde) 0, Saale)g , Stadtilm (Saale 15, Dingelstädt (Saale) 21, rfurt (Saale) 2, Sonders aufen éSaale) 10, Nordhausen Saale) _, Halle (Saale) _, Klotermansßld (Saale) 16, 5 ernburg (Saale) _, Quedlinbur (Saale) 0, Magdeburg _, Neustreliy (Havel) 11, Kottbus ( adsl) ?, Dab'me (Havel) ?, Berlin (Hayes) _, Blankenburg bei Berlin (Hawe!) _, Spandäu (Havel) _, Heinersdorf, Kr. Teltow (Havel) _, Potsdam (Zayel) 8, Brandenburg (Havel) _, Kyritz (Hadol) __, Gardelegen (' land) 0, Jeeße (Aland) 0, Waren (Clde) 6," Marnitz (Elbe) ?, Schwerin (Elde) 0, Uelzen (Ilmenau) _, Luneburg (Ilmenau) 0, - Neumünster (Stör) _, Bremervörde (Oste) 4.
Weser. ; ,
Meinin en Werra) 23, Liebenstein (Werra) 29, „ ulda (Fulda) ?.8 E(chwarzenborn (Fulda) 21, Casei (uldJ ?, Uslar (Werre) 0, Herford (Werre) _, Scharfenstem ( [[er) 71, Ilsenburg (Aller) 20, Braunschweig (Aller) _, Celle (Aller) _, Göttingen (Aller) _, Herzberg (Aüer) 7, Klausthal (Aller) ?, Seesen (Aller) 8, HannoVer (Alier) 0, Bremen _, Oldenburg (Hunte) _, Elsfleth _.
Kleine Flüsse zwischen Weser und Ems, Jeder _. Ems.
Güterslob(Dalk€) _, Münster i.'W. _, Lingen _, OEUabrück (Haase) _, Löningen (Haase) _, Aurich _, Emden _.
Rhein. . Darmtadt _, Coburg (Main) _, Frankeybeim (Main) 76, Frankfurt s(Main) _, Wiesbaden _, Geisenheim _, Birkenfeld (Nabe) _, Schweinsberg (Lahn) 0, Rauschenberg Lqun) _, Max)- bur (Lahn) _, Weilburg (Lahn) _, Schnetfel-Fors haus (Mosel).., Bit urg (Mosel) ?, von der Heydt-Grub-z (Mosel) _, Trier
Rudolstadt (Saale) ?, Jena
die im _ (Mosel) _, Nsuwied _, Siegen (Sieg) _, Hachenburg (Sieg!; _,
Arnsberg (Ruhr) 7, Brilon (Nuhr 25, Lüdenscheid (Ruhr) 17. Alt-Asienberg Rubr) 60, Ma beim (Ruhr) _, Kleve _, Eeriek (Yffel) _, acben (Maas) ?.
Der Höhe von 1 0111 Schneedecke entsprachen: am 17. März 1895 in Czerwonken 2.7 mm Schmeiz- 5, . Marggrabowa ., wasser.
. Neidenburg
„ Altstadt
. Schivelbein
. Leobscbüß
. Wang
. Ostrowo
. Samter
„ Rudolstadt
. Nordhausen
. Potsdam Brandenburg
: Liebenstein ., Fulda ' „ chwarzenborn (Weser)
Köxn _, Krefeld _,
W»
15. 17. 15. 18. 15.
X(Weichsel) (Rega)
“BBV ÖWOWRD
(Oder)
[**-«2!
( (Elbe)
QQ UWS: :..:!!“U||'c-«s,'.-.j„„ t-*_kow*qx-*.;.,qq-
Uslar Celle Klausthal' v.d.Heydt-Grube Neuwied 17. ., „ Brilon Die Säßneedecke bai. durcbwe weiter “abgenommen, sodß das norddeutsche Tieflazid mit Ausschlu _der gesammten Ostseeküste, sowie von West- und Oiipre'ußen schneefrei rs . .
Auf den Gebirgen liegt der Schnee noch 9-1 rv hock). *
: utxch-kqj.....*_,.
(Rhein)
©
Statistik und Volkstvirthschaft.
Deurschlands Nobeisenproduktion.
Nack) den statistischen Ermittelungen'des Vereins deutscher Eisen- und Stahiinduftrieller belief fich die , Robeisenproduktton des Deutschen Reichs (einschließlich LuxemhurgS)1m M-Znat Fe bruar 1895 auf 434704 d; darunter Puddelrobrtsen und Sptegeletsxn 131 330 l;, Beisemerrobeisen 26 141 b, Tbomaßrobeisen 206 999 b, Gre ereiroheisen 70234 r. Die Produktion im Februar 1894 hetrug 40 374 b, im Januar 1895 489 575 t. Vom 1. Januar bis 28. „Februar, 1895 wurden produziert 924 279 6 gegen 829 792 t; im glei en Zettraum des Vorjahres.
Zur Arbeiterbewegung.
n Stettin atten die Steinseßer im vorigen, *Frubling einenJAusstand in? Werk gese t der das ganze Jahr [)MFUÜ) “Zn" dauerte und beim Beginn des inters vertagt wyrde._ Wix» er „Vorwärtö“ nun mittheilt, soll dsr Ausstand auch in diesem «Jahr?- ort e e t werden. , .
f g sixr in Verl in haben nach dexnselben Blatt. die Arbeiter der Deut ch-Amerikanischcn Schuhfabrik von Ros'entbax und Groß dik- Arbeit niedergelegt. _ ri F rtedenau „ber „Berlnr hgben die Zimmerer auf einem Neu an wegen Lohnstreits die Arbeit eingefüllt.
Aus Paris wird der „Köln., Ztg.“ berichtet: Die Omnibus- bediensteten beschlossen in einer Versammlung, der mehrere sozialistische Gemeinderätbe und Abgeordnete beiwobnten, den Gemeinde- rath zu ersuchen, ihre Forderungen bei der OmnibuSgeseUschaft zu ver- treten. Falls die,Forderun en auch dann abgesehn? werden, wollen sämmtliche Kutscher und S affner sofort in den Ausstand treten. Die Kutscher behaupten, daß die Uebereinkunft, die nach dem _großen Ajus- stand des Jahres 1891 abgeschlossen wurde, Von der Direktion ntcht außgefübrt werde. .
Aus Brüs sel meldet „W. T. B.“: Mehrere Blätter ,sprechexn die Ansicht aus, daß am 1. April im Breken von Charleroi ein allgemeiner Ausstand dcr Glasarbetter qusbrechei) werde. Die Regierung soll sich mit den Lokalkebörden tn Verbmdun gesetzt haben, um für diesen Fall die nötbigcn Vorkehrungen zu tre en.
___...-
PkoVinan bLL'VOkgerufen werden. Er macht sich leider Gottes ja
(Rega) 14.
,. * * :_,- -- “.,-'.“;- ,-« "_„*-»-.,*-1;-, * „. „ Kr, , _ „ „ „&, „ , .* 5 . „ ,_ “.“ „__