1895 / 79 p. 6 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 30 Mar 1895 18:00:01 GMT) scan diff

Daß Hamburg skb gleichfalls mit einem feinen Interessen ent- spretbenden erheblichen Betrage würde zu betbeiligen haben, ist beider- seits nicbt fraglich gewesen. Bei der Auffieaung des ersten Projekts sind bereits Schwierigkeiten bezüglich der Vertheilung der Kosten hervorgetreten, die aber nicht so erheblich waren, wie sie jest im weiteren Verlauf der Verhandlungen sicb berauSgefteUt haben.

Das erste Projekt war bei der Beratbung in derRevifionsinsianz in manchen Punkten bemängelt worden, insofern als es Anlagen vorsab, die zur Zeit noch nicht als dringend notbwendig anerkannt werden konnten. Es wurde daher das Projekt beschränkt auf daSjenige, was jkßt und in absehbarer Zeit als durchaus nothwendig sicb ergab. Infolge deffen erhielt das Projekt eine, wenn auch verhältnißmäßig geringe Einschränkung, rs bandklte sich im ganzen nur um einen Ab- strich von ungefähr 3 Millionen Mark.

Dagegen war über die Beibeiligung der beiden interessierten Staaten eine Einigung bis jeßt nicht zu erzielen. Die diesseitigen Vorschläge sind in der Mitte vorigen Iabres dem Senat der Stadt Hamburg Vorgelegt wvrden, und fie find jest vor ungefähr vier Wochen mit den Einwendungen der Stadt Hamburg wieder in das Ministerium gelangt. Es wird nun versucht werden, im Wege weiterer kommiffarifrber Verhandlungen über die Diffcrenzpunkte binwegzukommen, die zur Zeit noch bestehen. Das ist aber unzweifelhaft, daß der jeyige unerfreuliche Zustand vor- aussichtlich in drn nächsten Jahren nicht wird beseitigt werden können; denn selbst wenn auch, wie ich hoffe, in diesem Jahre eine Einigung bezüglich der Kriten erzielt werden wird, so wird doch der ganze Umbau noch eine Reibe von Jahren in Anspruch nehmen, da diesrr Umbau sich unter den denkbar ungünstigsten Verbäliniffen zu vollzieben bat. '

Daß die jcßigen Zustände auf di? Dauer unhaltbar sind, darüber stimme ich mit dem Herrn Grafen bon Waldersee Vollständig übrrein. Die Gründe, welche der Herr (Graf hierfür berborgeboben bat, find auch die maßgebenden dafür, daß das Projrkt überhaupt aufgestelit worden ist. Es ist das die leästigung des Landverkebrs dadurch, daß drr Cisenbabnverkrbr vom Klostertbor nach dem Berliner Bahnhofs, wenn auch nicht auf weite Entfernung, und nach drm Venloorr Bahnhof auf eine ziemlick) erbebliche Distanz städtische Straßen benutzt. Daß daraus Gefahren für den Land- wie für den Ciscnbabnberkrbr fich ergrbrn, ist durchaus richtig. Diese Unzuträglicbkeitrn batten auch bis bor berbältnißmäßig kurzer Zeit daiwn abgehalten, drn Personenverkehr bon drm Vsnior'er Babnbof direkt nach dem Klostertbbrbabnbof zu übrrfübren. Die Reisenden, welche auf dem Venlorer Bahnhof, also von Hannovrr, Köln 11. s. w. ankommen, mußten zu Fuß oder zu Wagsn nacb drm Berliner- Oder Klostertborbabnbof sicb begebrn. Das ist im Interesse des Verkehrs aufgegeben worden. Die Personenzüge werden jeßt direkt durcbgefübrt bis nach Altona. Es ist auch zu hoffen, “daß tros der großen Ungunst der Verbäliniffe an diesem direkten Zusammenhang der Züge vom Süden nach dem Norden auch während des Umbaues nicbt gerüttelt zu werden braucht. Ich boffe, dai“; es möglich sein wird, im nächsten Jahre in dirsem boben Hause eine befriedigendere Antwort zu geben als beute.

Herr Von Klißing beschwert fich namens der Anwobner der Ostbahn über die Briördcrung auf den Perionenzügsn diesrr Baba und bittet um Line brffere und schneilrre Personrnsugverbindung mit Berlin.

Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen:

Meine Herren! Auf der Ostbabn berkebren V-Züge, Schnellzüge und grwöbnlicbr Perirnrnzüge. Dir D-Züge find genau so rin- grricbtrt, wie auf drn andrrrn Babnrn, die Schn€11züge desglricben und Ebenso die Prrsonenzrige. Auf jedrr Route giebt es neuer und alte Wagen, und ich kann Herrn von Klißing zu seinem Troste mittbsilen, daß noch vor wenigen Tagrn aufÖ lebbafteste birr Von Berlin aus Klage geführt wurdr, daß man den Refidrnzlem zumutbe, in Wagen zu fabren, die schon nicht mehr gut grnuI wärrn, in den allerrntlrgcnstrn Theilen drs Landes grfabren zu wrrdrn. (Hört, hört! Srbr gut !) Jedr Strrcke muß ibr altes Ma- terial verbrauckysn, bis zu dem Punkte, wo es aus wirtbickßaftlicbsn Rücksichtrn übrrbaupt zum altrn Eisen grworfrn wird. Aber das würds aUerdings durchaus zu rügrn und absolut nicht zu eniickxuldigrn sein, wenn diese altrn Wagén nicht gsbbrig gerrinigt und in gutem Betrirbszusiande gehalten würdrn. Wenn solch ein alirr Wagen klappert _ das Tbut man ja im Altrr (Lrbbafte Heitrrk8i1)_ so ist das brrbältnißmäßig zu rrtragen. Die Wrrkstättrn und die Betriebsbeamtén smd auf das strengste angrwiesén, die Wagen reinlich zu baiten. Es geirbiebt das nichr nur aus Rücksichten auf die Annebm1ichkeit des TranSports , sondern zu glrichcr Zeit aus srbr nabr [irgrnden bvgienifchrn Rücksicbten: die unreinlick) grbaltrnen Eisenbabnwagen smd ein Herd zur Ver- brritung von Sruckyrn. Jab wérdr aus drn Ausführungrn drs Herrn Von Kliying Vöranwffung nebmen, die ordnungsmäßige Unterhaltung und Reinigung der Wagen rinzuickxärfrn. Aber es ist Unmöglirb, die altrn Wagrn ebcr aus» dém Dirnst zu zirben, als bis fie übkrbaupt so hinfällig sind, daß man dem Publikum nicht mrbr wob1' zmnutben kann, in dknielben zu iabrsn. Tie Wagcn wrrdrn obnedirs schrn ver- bältnißmäßig irüber eranrrt, als das urirrünglich brispirlsweise in dem Crneusrunxiorids drr Privatbabnrn vorgesrbrn war. Bei den Privariabnrn mußtsn die Wagen bisl länger Dirnst thun, als es bei drr Staats:Eiienbabnverwaltmrg üblich ist.

Virinr Hrrrcn, mit der Belruckytung [18,31 68 mm ebenso. In den Luxuszügrn, bsi denrn wir ja, wir die Herrrn neu1ich erfahren babrn, 2.44 für die Plaßkarte nsbmen, können wir Etwas mrbrLurus ent- wickrln alsda, wo das 11ichT geschirbt. Jndrii'én istso zicmlirbjeizt übrraildie Gasbxleucbtung mit großen Kosten durchgeführt; nur anf einzeinsn Streckrn, dir zu wait bon den GaLanst'altcn entfernt liegen, ist das noch nicht der Fall.

Was drn 16151811 Pumkt brtriffi, ib babe ich für die Klagen des Herrn bon Klising ein mitiüblrndss Herz. ? kann wirklich sebr lästig sein, wrnn man namentlich mit skiner Familie rrist und bat viel Gepäck und kann sich wede'r dir nbtbigen Fahrscheine noch die Gepäckabfertigung bon dem Punkt, Von dem man abreisi, bis zu dem Punkt, wo man die: Bahn zu vxrlafirn grdenkt, lösen. Allein, meine Herren, dirrkts Fabrsckyeine und dirrkte Geväckabiertigung können wir unmöglich in irdem einzelnen Ort einrickptrn. Wenn der Herr bon Klißing die Güte bätte, sich davon zu überzeugen, welcbe Häuser geradezu notbwendig sind, um die Grpäckschrine und die Fabrscbeine auf den großen Stationrn unterzubringen, die noch nicht mal nach aUen andrren Stationen direkte Verbindung babrn, würde er davon überzeugt sein, das; das ganz unmöglich ist, von jeder Station nack; ich: Station direkte Fahrscheine und direkte

Gepäckabferti gen- fertigvorrätbko ru ballen. Wu ißdix Einrichtunxj getroffen, daß die Stationen ermächtigt sind, “einen direkten Fahrschein mit der Feder herzustellen und bezw. _das Gepäck abzufertigen; und die Reisenden,- * die *auf derartigen

kleinen Stationen den Zug zu benahm gedenken, müßen dann aller-

dings sich die kleine Unbequemlicbkeit auferlegeir, daß sie ein paar Minuten früher von Hause gehen oder fahren; dann ist die ganze Sache zu machen. Es giebt dabei natürlichemeise geschickte und etwas Wenißer geschickte Abfertigungsbeamte, indessen sieben bis zehn Minuten wäre ziemlich reichlich. Daß nach dem Vorschlag des Herrn von Klitzing die Abfertigung dem Zügfübrer übertragen würde, ist geradezu unmöglich; denn der Zugführer kann unmöglich die Preise der Fahrscheine im Kopf haben, wir können ihm auch nicht das Material geben, wir würden ibn sonst mit Arbeit überlasten, die ihn seinen eigentlichen Zwecken, die viel' wichtiger sind, vontändig entziehen. Es kann der Zugführer auch nur für Züge innerhalb einer gewissen Zone ein Billet ausfertigen, und dann kostet es eine Mark Zuschlag, und zwar nur in einer gewiffen Zone, wo ein Paffagirr genötbigt ist, sich auf der betreffenden größeren Station aufzuhalten. Es sind überall da, wo ein dringendes Be- dürfniß, wenn auch ein nur verbältnißmäßig geringes, konstatiert werden konnte, für einen regelmäßigen Verkehr zwischen der einen und einer bestimmten anderen Station schon direkte Abfertigungen eingerichtet worden und wird in diesem Sinne auch fortgefabren werden; aber von jeder Station nach jeder Station, das geht nicht.

Hierauf geht das „Haus zur Berathung des Etats der Justizverwaltung über.

Grbeimer Justiz-Ratb Vr. Dernburg: Vor Einführung der neuen Prozeßordnung des Jahres 1879 waren die Zivilprozess? billiger und kürzer. Es ware gut, wenn wir in dem Zustand vor 1879 zurückkebrien. Das führt mich zu dem Entwurf des neuen Bürger- lichen Geseßbuchs. Wenn die Deutschen eine gute einheitliche Geis - Ebling erhielten, i_o wärediks eine Klammer für das Yeniscbe NÜZ

er neue Entwurf ist eincs der kostbarsten SÖrlststUckL; er kostet schon über eine Miliion. Die Franzosen haben einen großen Vorzug in Bezug auf ibr bürgerliches Recht, da sie darin unaebruer konserbativ find. Das bält den französischen Staat zu- sammen. Hier bat man neue Grundsätze aufgestellt auf der Grund- lage Windfcheid's und einigrr gesunder Vernunft. Nac!) § 1241 kann man eine eingegangene Ehe (bien, wenn man fich später überzeugt, daß man Vorbrr in einsm Jrrtbum in Bezug auf persönliche Eigen- schaften und Vrrbältniffe bciangen gewesen sei. Das nenne ich eine Ebe- auf Probe. Wenn der Entwurf Geseß wird, werden die Richter außerordentliche Schwierigkriten haben. Das neue Recht be- ruht auf anderen Prinzipien als das alte. Die Prozesse werden sich vermebrén und sich in dir Länge ziehen. Die Belastung der Richter wird strigsn, der Justiz-Etat anwachsen. Es ist nicht möglich, bei dem jeßigen wirtbschairlicben Notbsiand die wirtbfcbaftlichr Kraft unseres Voiks durch neue Gesrße noch mebr in Anspruch zu nehmen. Die (Einheit drs dealschen Volks wird durcb das Grieß nicbt gestärkt; die neue Regelung der ebelickyen Gütrrgemeinschaft, die Schwächung der väterlichen Gewalt werden auf den srßbaften Theil der Bevöl- kerung einen schlechten Einkruck macbrn. Auch Gierke nennt den Ent- wurf mebr römisch als deutsch. Ich boffc, daß er nicht zum Grieß wird, wir virlmebr ein anderes einheitliches, wahrhaft deutichrs Gesetz- buch erhalten.

Justiz-Minister S ch 5 n it e d t:

Mrinr Herren! Ich kann nur mein lebhaftes Bedaurrn aus- sprrchen, daß Herr Geheimer Ratb Dernburg es heute zum zweiten Mal unternommen bat, bier das künftige Bürgkrlicbe Geseßbuch für Deutschland zu diskreditieren, daß er es untsrnommen. bai, ohne jeden zwingenden Anlaß, obne eine irgendwie eingebendesacblicbe Begründung und bor einrm Hause, das im Augenblick absolut nicht im stande ist, irgendwie ein Urtheil sich zu Verschaffen, ob und inwieweit die Vor- würfe, die Herr Drrnburg vorzubringen für gut befunden bat, be- gründet smd odrr nicht. Ich bekenne, daß etwas mehr wie Mutb dazu grbört, derartigs, “nicht auch sachlich sofort zu begründrnde Vor- würfe zu erheben. Worauf Hrrr Geheimer Rath Drrnburg hinaus will, ist mir nicht klar. Ist es sein Wunsch und seine Absicht, daß die? Recht§b€rschied€nbeit im Deutschen Reich, dir srii Jabrbunderirn beklagt wordrn ist, so lange fortdauere, bis die wirtbscbaftlicben Vcrbäitniffr in einer unser Micr Wünschen entsprechrndrn Weise sicb gebeffsri haben? WiU er die Vorarbeiten zu dem sriner Voilendung nabrn Grießbucb brseitigen? WiÜ er das BürgerlichrGrseruch,'so, wie es Vor uns gestalt-kt liegt, einfach unter den Tisch werfen und eine neue Kommission einbrrufen, um ein neues Grfeizbucb auszuarbeiten, das wahrscheinlich wieder ebenso wenig drn allseitigen Wünickyrn Lnisbrech€n würds, wie das 1th vorli-cgr'nde? Ich sage, meine Herren, ein Anlaß zu diesem Angriff auf das Bürger- lich? Gesssbuck) bat nicht vrrgrlegen. Drr Etat, der bier zur Beratbung sieht, hat absolui krinrn Anlaß gsboien, fich darüber auszusprecbrn, wie drr prrußisckye Justiz-Etai fich gestalten wird, wenn einmal das Bürgerlich? Grießbucb in Kraft grtrcicn sein wird; auch keinen Anlaß geboten, fich den Kopf drr künftigrn Richter zu zerbrrchcn, wie fir werden fertig "werden mit dem Bürgkrlicben Gesetzbuch, deffen Sckywierigkeiirn von sachbcriiändigrn Männern nicht in der Wsiie brurlbsilt werdén, wir das seitens drs Herrn Profssiors grsrbebsn ist. Sind denn die wsnigrn brrausgeriffenen Beispiele, yon denen zwei Herr Erbrimer Nati) Drrnburg schon zum zweiten Mal vvrgrbracht bat: (Sine Ebi: zar Probs und die Schwächung der väter- liche-n eralt _ man kann ja über diese Punktr Orr- scbiedrner Méinung icin _ irgendwie geeignet, auch nur Einen bon ancn in die Lage zu brrsrtzen, zu sagen: das Bürgerliche Grießbuas) taugt nichts? Das wärr eine Lsicbifrrtigkeit, die nirmandem in diesem hoben Hause zuzu- trauen ist. Jab frag? noch einmal: was wünscht denn der Herr Pro- feffrr? worauf soll 25 hinaus? Soilen wir weiter eine abroartrnde Sieilung rinnebmen, oder was sonst? Er hat uns schließlich eine Aeußrrung des Profrffors Gierke, eines unserer brrvorragendsien Germanisten, aus deffcn Vorrede zu seinem Deutschen Privatrecht vorge- tragen. Wir aÜL wiffen, meine Herren, daß geßensäyliche Anschauungen zwisiben Romanistrn und Germanisten besteben, abrr das sind vielfach Schlagworte, Schlagworte obne analt, wenn behauptet wird, daß das Bürgerliche Gesetzbuch keinen deutschrcchtlichen Charakter babe, daß es lediglich römisches Nrcht reproduzirre. Alle, die sich damit näher bcscbäftist haben, werden solcher Auffassung entgegentreten; dsr Vorwurf entbrbrt der Begründung. Für den Vorwurf ferner, daß daS Bürgerliche Geseßbucb unverständlich sei und den Bedürfnissen des praktischen und wirklichen Lebens nicht enjspreche, dafür ist Herr Profeffor Drrnburg ebenso jede Begründung schuldig geblieben. Ich glaube, daß das Bürgerliche Geseßbucb, dem eine große Zahl der tüchtigsten und bervorragendfien Männer Deutschlands ihre ganze Kraft, ihr bestes Wissen und Können gewidmet baben und zwar nicht bloß Juristen, sondern auch Männer aus der Praxis des Lebens, von

beneuwirdieFrxudékabeu,einatunüruukkußkU-' wurf verdient, den bier _ ilk möchte fsk sagen ins Blaue hinein Herr Professor Dernburg erhoben hat. Ich muß anfdas “UMP dagegen - protestieren, daß solche Auffassungen, _ ck hier so ohne Begründung bineingewnfen find, _ fich und drsbalb “glaube „ich „von vornbereiu' aan: Utscbieden dagegen eintreten zu mussen. Wir sind bier nicht in der Laax, in eine Diskussion über das Bürgerliche“ Geseybuch ein- zutreten, aber das Eine glaube ich doch beute sagen zu können: Wenn man es vielleicht bedauern kann, daß das Griesbach Ohne“ die Mit- wirkung des Herrn Professors Dernburg zu stande gebracht wird- so glaube ich doch zuversichtlich, daß es zur Ehre des Deutsehen NZ„“ auch gegenieinen Willen wird fertig gestellt) werden, "und ich glaube daß es ein rubmvoller Tag für Deutschland sein wird, an dem Sein; Majestät der Kaiser durcb Seine Unterschrift dieses Geseß voazieben und damit dem Deutschen Reich in der Re(theinbeit einen Kitt geben wird, der in hervorragender Weise dazu beitragen wird, das Reich zusammenzuhalten. -

Wenn ich nun noch auf_einige Punkte in der Einleitung drs Vortrags des Herrn Vorredners eingebe, die allerdings eine selbständige Bedeutung wohl nicht haben in Anspruch nebmen wollen, sondern nur den Uebergang zu den Angriffen auf das künftige deutsche Zivilgeseß. buch bilden sollten, so glaube ich, daß auch dasjenige, was er in Bezug auf den gegenwärtigen rechtlichen Zustand und auf die Ver- schlechterung desselben durch die neue Prozeßgeseßgebung gegen. über dem früheren gesagt hat, nur ' mit wesentlichen Ein: schränkungen als richtig zugegeben werden kann. Es ist ja richtig, daß viele, die in den Gewohnheiten des alten preußischen Rechts groß geworden find, das Alte dem Neuen vorziehen. Aber, meineH-xrren, halten Sie es denn für möglich und halten es nament. lich diejenigen Herren, die bei der Entstehung der neuen Prozeßgeseße mitgewirkt haben, für möglich, daß damals das alte preußische Prozrß- recht zum allgemeinen deutschen hätte erboben werden können? So- weit ich die Verbältniffe übersebe , wird jeder anerkennen müssen, daß damals in weiten Kreisen des Deutschen Reichs dagegen eine vielieicbt aui Vorurtbeil beruhende Ab. migung herrschte, sodaß kaum einige Aussicht war, daß das prrußische Rscht zur Grundlage für das allgemeine deutsche Prozeßrecbt genommen werden könne. Wenn der Herr Professor be- bauptet, daß jetzt die Prozess jahrelang dauerten, die früher in kurzer Zeit ibre Erledigung gefunden hätten, so fehlt ihm auch dafür die statistische Grundlage. Diese bestätigt das Gegentbeil. Das; manche Prozess jahrelang dauern, was auch früher der Fall war, liegt viel- fach an der größeren Schwierigkeit der Sache oder an dem Wiürn der Parteien, die ihre Sache nicht grfördert baben wollen. Aus der Statistik Von 1893, aus der ich die Zablen vorlesen will, werden Sie ersehen, daß auch dieses Urtbeil des Herrn Professors Dernburg nicht mit derjenigen Vorsicht ausgesprochen ist, die die Vorausseßung einrs solchen Urtbeils bilden sollte. Es liegen mir die Zahlen für1893 von den LandgrriÖtrn Vor.“ Daraus ergiebt sich, das; 1893 von den durch kontradiktorifches Urtbeil erledigten Prozessen, welche also bei den Landgerichten streitig geworden waren, in erster Instanz beendetworden sind: in weniger als dreiMonaten _ was unter dem alten Verfabrrn kaum möglich gewesen wäre _ 8100, in drei bis sechs Monaten __9331, in sechs Monaten bis Einem Jahr 9944; länger als ein szr dauerten, und zwar ein bis zwri Jabre, 4386 und über zwei Jahre 1153, (1110 die weit überwiegrnde Mehrzahl der Prozesse ist ita Laufe der ersten seckos Monate entschieden, Weit über dir Häiiie sämmtlicber streitig gewordenen Sacben.

Ganz ähnlich steUt sich die Sache in der Berufungsinstanz bsi den Landgerichtrn, trois der vielfach ungünstigen Verbältniffe, mit denen die Gerickyte zu kämpfen haben: dem Mangel an ausrricbenden Richterkräften, der Ueberlasiung u. s. w. Da sind gleichwohl bei “den Berufungskammern erledigt in weniger als drei Monaten 8171 Pro- zesse, in drei bis sechs Monate:; 8229, in sechs bis zwölf Monaten 5442, in mehr als rinem Jahre bis zwei Jabren 1315, und mehr als zwei Jahrs haben in der Berufungsinstanz über- bauvt nur 223 Sachen in Azispruch genommen. Nach dieirn Zablrn mögrn Sie bkurtbeile-n, wie weii auch dieser Amgriff in seiner Allgemeinheit als berechiigt anzuerkennén ist odrr nicht.

Hrrr VO" Helldorfi: Als Mitglird der Kommission ,für “das Bürgerliche Gxirßbuck) möchte ich b€rborbeben, daß nach den Aus- fßbrungen drs Erbringen Justiz-Ratbs De'rnb „i_rg dieser gegen ein einbrit- liebes dxutychrs Gewxzbucb überhaupt zu (em Meint. Ich glaubé, das; das Gesrtzbuci) ieinsn Zwrrk eriüiii, auch wenn der Laie nicbt jrdrrr Paragravbrn bkrstebt. Das ist beim Allgemrinrn Landrecht auch nicht der Fali. Ich babe als Laie? den Eindruck, daß das Gesetzbuch auf der einen Seits der Entwicklung freien Raum läßt, auf der anderen Sritc aber auf echt konservatibcr Grundlage stsbe. Jeb babr aucb drn Eindruck, daß dem deutiÖ-“n Rechtsbewußtsrin in diesem Gesrßbuch voll Rechnung getragen irkrkén ist. Das Gefrybucb ist ein Denkmal drutickxen Fleißes und deutick-Jxr Gründlicbkrit, ein guter Weßstein in der Einbcit des drutschrn Vaterlandes.

Graf Von der Schulenburg: Ick) bedauere die berbe Kritik des Justiz-Ministers, Jcb (üble mich mit Linkin großen Tbeil des Hauses dcm Grbeimen Justiz-Natb Drrnburg zum Dank für icin_e Streiflichter vrrrflicbtrt, dir Sr auf das Bürgrrlicbe Gesetzbuch w.:rf- Ich bin drr Ueberzeugung, dax“; es dem deutschen erobnbritérréok, wie es unter Führung Stabl's bier Zustimmung fand, nicht sntsvrixbi. Ich glaube, eine Umarbeitung des AUaemeinen Landreckpts wärs [“M'r am Play gewesen. Jeb danke Hrrrn 131". Dernburg. _

Grbeimrr Justiz-Ratb Or. Dernburg: Meine Legitimationlikgt in meiner 50jäbrigen Beschäftigung mit Rechtsfragen und rnrmkr Berufung als Mitglied des Herrenbauses durch König Wilhelm]- Der Justiz-Minister ist erst kurze Zrit im Amt, sonst hätte er mich wobl nicbt gewiffrrmaßen nach meiner Legitimation gefragt.

Justiz-Minister S ch 5 11 st 8 d 1:

Meine Herren! Ich bin jeder Belehrung gern zugängliÖ- KUZU von seiten des Herrn Geheimen Raths Dernburg, und Wenn ich IUZ den erwiderndeu Wortrn drs Herrn Geheimen Raths Dernburg enk- nebmen muß, daß ich vielleicht in meiner Entgegnung etwas lek- bafter geworden bin, als es “den Gewohnheiten dieses HVÖM Hauses entspricht, so bitte ich um Entschuldigung, bitte aber auch eine Entschuldigung in dem Umstande zu erkennen, daß es dem Mann, der an der Spiße der preußischen Justizberwaltung steht, nicht lkickit wird. seine voile Ruhe zu bewahren, wenn der Versuch gemacht Wird- ein großrs nationales Gesetzgebungswerk im leßten Augenblick, "“ck jahrelangen, müb-vsiien Arbkitrn zu Falle zu bringen. (Zuruf: Jm leyten Augenblick?)

Herr Graf von der Schulcnburg bat mich vorher wobl “ik“ ganz richtig verstanden, wenn er meinte, daß ich die Berechtigung des Herrn Geheimen Raths Dernburg habe irgendwie in Zweifel ziebm

WUB»,

"festsetzen, *

wok?"- hgn'bobai Hayse Aufstblüffe über das Bürgerliche Geseßbmb 1" “kg. Ich habe nur in Abrede gestellt, daß er ',solcbe Aufschlüsse gegeben habe;“ lch babe gesagt. daß er-„ein nrtbeir gefällt babe. obne

Haus in die Lage zu sehen, die Sache uachzuprüfen. Aufschlüsse über Wértb, Wesen und Bedeutung des Bürgerlichen Gesetzbuchs hat uns nur Herr von Helldotff gegeben. Ich bin deshalb auch nicht in der Lage, gegenüber deneinzelnen Bemerkungen des Herrn Geheimen Raths Dernburg in irgend eine sachliche Entgegnung einzutreten. Was die testen Bemerkungen des Herrn Geheimen Raths Bernburg angeht, gegen diejenigen meiner Worte, die zu meinem Bedauern einen tieferen Eindruck auf ihn gemacht zu haben scheinen, als es inmeiner Absich gelegen hat, so glaube ich auch hierbei mißverstanden zu sein. Ich babe keineswegs gesagt, daß ich meine, Herr Geheimer Rath Dernburg habe es bedauert, daß das Geseßbuch ohne „ihn zu stande gekommen sei. Ich babe ge- sagt, man könne es vielleicht bedauern, daß das Gesetzbuch ohne ihn zu stande gekommen sei, d. 5. alle diejenigen, die der Meinung sein mögen, daß durch seine Mitwirkung das Gesetzbuch ein besseres ge- worden wäre. Weiter babe ich nichts gesagt (na! na!) und bin daher nicht in derLage, gegeniiber Herrn Geheimen Rath Dernburg da irgend etwas zurücknehmen zu müssen.

Abg. F eiberr von Dürant kommt auf einen im vorigen Jabre erwähnten Fall zurück, in dem ein Gsisteskranker in Gemeinschaft mit Verbrechern“ aus dem UntersuchungSgefängniß nach der Charité ge- schafft wurde.

Geheimer Ober-Justiz-Raib Vierbaus erklärt, es sei Vorsorge getroffen, daß ein solches VorkommnÉ nicht mehr eintreten könne.

Das Haus geht zur erathung des Etats des Ministeriums des Innern über.

Herr von Diest fragt, ob ein Gesetz hinsichtlich der Ver- pflegungsstationen zu erwarten fei.

Minister des Innern von Köller:

Ich bitte, nur ein paar Worte als Antwort geben zu dürfen. (Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß jrne Vereine, welche die Schaffung von Naturalverpflegungsst'ationen u. s. w. befördert haben, sich den außerordentlicben Dank und die Anerkennung des ganzen Landés erworben haben und dieselben auch im boben Maße verdienen. Es sind von in Summa 531 Kreisen der Monarchie im Jahre 1892/93 363, im Jahre 1894 355 Kreise, und zur Zeit haben wir noch 342Kreise, welcbeVerpflegungsstationen eingericbtrt haben; Verpflegungs- siationen find gewesen in demselben Zeitraum 857, 844 und 745, so daß aUerdings [rider konstatiert werden muß, daß die Zahl der Verpflegungsstationen um etwas beruntergegangen ist. Die K-Istrn der Verpflegungsstationen haben in demselben Zriiraum betragen 1 308 000, 1111 000; für das laufende Ctaisjobr haben sie noch nicht festgestrllt werden können. Nun , meine Herren, in Anerkrnnung drr Nüslickykeit und Bedrut- samkeit dieser gaazrn Frage ist die Staatsregierung nicbt mäßig, sondern damit beschäftigt gewesen, einen Gesrßrntwurf auszuarbeiten. Der Gesetzentwurf liegt fertig zur Zeit dem Siaats-Ministerium Vor, in welchem er zur Brratbung kommen soil. (Bravo!) Wenn die Sache etwas länger binausgezogen wordrn ist und der Ent- wurf nicht gleich zu Anfang der Srsfion dem Landtage Vorgelegt werden konnte _ ich weiß auch nicht, ob es möglich sein wird, ibn noch in dieser Session vvrzulkgen, obgleiä) die Vor- arbeiten bereits fertig sind _, so find die Gründe dafür einfach die, daß man bei den momentanrn bedenkiicbrn Finanzverbältnisien im ganzen Lande nichl gleich mit einer Vorlage brrvortreten wollte, welcbe den Kreisen eine dauernde Last von circa 2 MiUionen Mark auf-

erlegt. Denn so wichtig und bedrutsam in einzelnen Kreisen die Frage aucb'ist, so haben wir docbaucb Provinzen, in denen diese Frage nicht von jener Bedeutung ist. Andrrerseits abrr generell allen Kreisen der Monarchie eine daaernde Last auferlegen, war ein Schritt, zu dem fich die Staatsrrgierung bisher nicht entschließen konnte. Aber, wie gesagt, _ und ich glaube, damit wird Herr VM Diest zufrieden sein _ der Gesetzentwurf ist frrtig, [isgt dem Staats- Ministerium zur Bcratbung - bor, und ich kann nur mit Herrn bon Diest wünschen, daß das Staats-Ministerium fich bald darüber ent- scheiden wird, was es thun will.

Damit ist der Etat des Ministeriums des Innern

erledigt. . Die weitere Beratbung wrrd um 61/4 Uhr vertagt.

Statistik und Vosköwirthsthaft.

Zur Arbeiterbewegung.

In Schmölln brträgi, wie _der ,Magdb. Ztg.“ aus Alixnburg geichrirben wird, nach Einer von *dem Stadtrgtb brwirktewaablung die Zahl der ausständigen Knopiarbeiter „gegrxiwartig rtoch 800 Männer und Frauen. Vrrbandlungen zur Verlegung des Arts- standes, die am Mittwoch auf Veranlaffung und in Anwrxcnheii des

Fabrikinspektors Böbnisch grpflcgen wurdrp, führtrn nicht zu drm"

gewünschten Erfolg. , _ , ,

In Altwasser baben, wie im .VorwartS“ miigeibeiit wird, 300 Yorzellanarbeiicr drr Firma Tielicb ibre Kündigung em- gerei t. _

Aus Solotburn wird der gcmeldetr _Ubrmacber-Ausitand im Jura (vgl. Nr. 78 d. Bl. ) durcb iblgrndrs Trlegramm der .Magdrb. Ztg.“ bestätigt: In Grenchen, drm Mittelpunkt drr Ubrenenindustrie ist ein groFer Ubruxachcr-Ausstand ausgebrocbkn. Zwer- tausend Mann Haben die lrbrrt ntedrrgelrgt. "

Aus Brüssel mrldct „W. T. B.“:_D€r Bruffeber Bufnd der Arbeiterpartei beschloß, rinrn AusrUs_an dir Arbeiterbevolkeruyg zu erlaffrn, in dsr diese aufgefordrrt wird, (ich bereit zu balken, um in den allgemeinen AusstandKemzutreten. '

Aus Lürtich wird dsr „Köln. Ztg." _unter dem 28; Marz'ge- meldet: Der Ausstand der Grubenarbeitrr ist beendet; rs fehlten ms- sesammt kaum noch 200 Arbeiter bri der heutigen TYesiabrt. _

Aus Paris wird dem .D- B. H." gemeldet: er Yusitqnd in den Zündholzfabrikewiétdügemem. MaueransÖlage tbetlezi niit, daß sämmtliche Zündbolzra riken im ganzen Lande die Arbeit UngestLUt haben.

Nach Miitbeilung “des Statistijchen 21st der Stadt Berlin

bei den bi gen Standeöamtern in der Woche vom

17. März bis ink . 23. März er. zur Anmeldung gekommen:

926 Lebendgeborene , 296 Eheschließungen, 38 Todtgeborene, 730 Sterbefälle.

Kunst und Wissenschaft.

Die B1ätter des Albums, Welche?; der „Verein Deutscher In enieure' dem Fürsten Bismarck, zu. seinem 80. Geburtstag dar rin t, werden vom 2. bis 6. April_ im Kuxistsalon Von E- ultE, Unter den Linden 1, ausgesteUt (cm. Es smd 37 Blätter: ein Titel- und ein Widmungsbiatt des Hauptvereins uiid 35 Blätter seiner Bezirksvereine: leistete bxyonders dadurch ergxnarttg, dClß X1? bedeutende Jngenirurarbeiten sowie die Industriezweige der betre enden Bezirke zur Darstellung bringen.

.Mittwotb

-- Im Verein für Deutsches Kuyst ewerbe hielt,“: Abend Herr Professor Wiese, Dtr_ or der Jönigltchtn Zeichen“ Akademie zu Hanau. einen Vortrag „uber die Konigliche

eicheu-Akademie zn ariau in ihrer Wirksamkeit als Fach- schule für die Edelmetal industrie". Redner gab zrrerfi eme'n kurzen historischen Abriß der Entwicklung der Anstgli, sch11derte_, wie dürftig ihre Leistungen in früheren Zeiten ewefen sete'n, und wre be- sonders die Verquickung der ZeichenzA ademie 'Mit der Kunst- aewerbe- und Baubondwerkerschule ihre Entwrcklurig gebemwt babe. Erst nach der Loslösung der letzteren sei die Akademie, zumal unter der Gunst des Fürsten Bismarck„ als Handels- Minister, zu dem geworden, was sie jetzt sei: eine Edelwetallx industrieschule im besten Sinne des Wortes. Die ganze Lrbrweisejsei darauf zugricbnijtcn, die Schüler der einzelnen Fächer sowohl z1*1ch- tierisch ais Praktisch zu brauchbarrn Arbeitern zu macbrn. Um diere Ziele zu errciäxcn, besise die Akademie, dank der reichen zur Ver- fügun stehenden Geldmittel, eine Vorbildersammlung voti 34000 Einzeizblättern und eine stattliche Bibliothek ; und „daß sie diese tele erreiche, das beweise das ungetbeilte Lob, welches ihr in franzö 1 chen facbmännischkn Berichirn gezrÜt werde, wovon Redner einige toben mittbeilte. Unter der Unßunst drr Zeit, von der unsere geiammte Industrie betroffen werde, habe auch die Akademie schwer zu leiden, so daß iowobl die Schülerzahl als auch die Zahl der Betriebe in

nau bedrutend abgenommen hätten. Alles strebe nach_d8r Haupt- tadi des Reichs, und so schloß Redner mit dem Wunicb, daß die eit nicbt mebr fern sein möge, wo in Berlin eine Fachschule für delmetaliindufirie gegründet werde. Zur (Erläuterunß21 irines Vor- trags batte Redner Von den Schülrrarbeitrn seiner kademie eine reiche Auswahl ausgestellt, während die bissigen Firmen: Hugo

Schaprr, J. H. Werner, Louis Schluttig, Mrven u. o. kostbare Stücke der Juwelierkunst beigesxruert batten. Herr Zisrleur Otto Rohloff batte einrn Kunstscbrein geliefert, Herr A. Stübbe eine K'oUektion von_ Vereinsabzeichen. _ In der Konkurrenz drs Vereins für drutiches Kunstgewerbe um Entwürfe zu €in€m zusammrngebörigen Schmuck baben erbalten: drn ]. Preis (80 516) Zeichner Ludwig “Seipel, dem 2. Prris (60 «ML Modeüeur Eugen Lapirng, den 3. Preis (40-14) Juwelier Rudolp Büttner. In der Konkurrenz um Entwürie oder ModsUe für ein Vereinsabzeicbcn drs Brrliner Rrgaita-Vkrrins haben rrbaltén: den 1. Preis (100 516) Viidbaner Hrinrich Baum, den 2. Preis (60 «FH) Maler Georg Tipps!, dcn 3. Preis (40 „;(-) Kunstmaler August Glaser Mäncben). Mit lobendrr Erwähnung wurdrn brdacht: Maler *arl Mickelait, I)ialer Wilk). Battermatin, Mal€r_ Bruno Drabig, Maler Julius Voß, Zricbner Ludwig Süttrrlin (für zwei Entwürfe , Maler F?rdinand Brruckya.

_ n der dicsjabrigen Mün_c_b€ner Jabrxsausstellung wird für die z€ichnrndcn und vervislialiigrnden Künste wie im Vor- jabre wieder cine größere'Abibeilun-g alH Schwarz-Weiß-Aussteüung eingerickotet werden. _ Die Beibeiligung der belgischen Kunst an der Ausstrlluna wird ron einem durck) die belgiicbé RLIiLkUiig ernannten Künstler-Comité, brstcbcnd aus dem Maler Albrecht DL Vriendt, Direktor der Akademig i_n _Antwerprn und Ebrknmitglied drr Münchrner Küustikrgcndiismcbast, und _drm Bildbauer DCS Enfans in Vrüffel organisiert, drnen a1s Sekreiar Herr E. D. MSULiff? born belgiscbrn Ministerium drs Innern Und des bffrntlich€n Unterrichts beigegrben iii. _ _ _

_ Die Sbakrlpeare-Gesellscbast bali ibre diksjäbrige Generalbersammlung wieder in Weimar, und zwar am 23._ Abri1 ab. Profrffor Cuno Fischer wird über „Baro und Sbakeiprare'

sprechen. Laud- und Forstwirthschaft. *

Ernte Ungarns im Jabrc 1894.

Das ungariycbe Landesstatiiiitcbe Burrau hat kürzlich die grnauen Ziffern der Vorjäbrigen Ernie Ungarns vkröffentlicht. *) Hiernach Wurdrn geerntrt:

Weizrn ....... 39 622 620 Mrterzeninrr. Rog rn ....... 13 961 656 , Ger te 13112 708 10 876 134 17 803 683 Kartoffeln 28 380 645

Verglichen mit dem „Fabre 1893, weist das borjäbrige Ergrbniß in Weizen einrn Außsall von rund 4 Miüionrn und in Mais einen solchen von 173 Millionen Meterzenrnern aur.

*) Vgl. Nr. 75 d. ,N.- 11. St.-Anz.“.

Handel und GeWerbe.

Zwangs-Versieigerungen.

Beim Königlichen Amtsgericht 1 Berlin figuren am 29. März dir naghbezricbneten Gryndsiückr zur Veriteigcrung: Rüdersdoricrstraße 27, ds_m A. Kbpprn und Frau gehörig; Nußungswertb 5480 „Fk.; Meinbirtrnder_blieb drr Braurreibrsißer F. W. Gabrirl iu Berkm mix drm (Hkbot von 108001 «46; _ Beussclstraße 59, drm qusmann E. „Rangnieirr gebörig; Nuyungéwertb 10110 «; V?Liitbirtrnde blirbrn dic K*aafleute G. Dortschi und H. Braun zu Berlin mit dem Gebot von 141000-M _ Glrdirscbstraße 33, _dem Bildbaurr Oskar Großmann gebbrig; Fläche 6,95 3; Mriiibiexrnder blirb drr Rentirr C. Hemmer- ling zu Schöneberg mit drm (Hebot Dori 171500 „ckck _ Groß. gbrschenstraße 29, dem MalcrmeisterK. Tobina gehörig; Fläche 10,33 3; mit drm fsiigrscßtrn geringstrn Gebot von 1100 „Fs blieb der Kaufmann Leybold Engsl zu Berlin Msistbietrnder.

_ Der von “dem brkanntrn Börseqstatistiker W. L. Hertslet Herausgegebene „Kudon - Warner für Deutschland und Ocstsrrrick)“, drr im VrrlaK-L dsr Hsude und Srenrr'schrn Buck)- bandlung (F. Weidling) in Érrlin chcbrint, liegt in drr zwölften Auflage Wr. Ter K“i:rcn-quner_entbalt, wir es im_Vorwort brißt, ein möglichst bollstkindigés Vrrzrichmß aUrr in Brrlin und xbnst in DCMA;- 1and, irwie in Oesterrrick) vvrkowmrndrn Kurrns, wriche 1) rniwrdcr wertblrs oder argrnblicklicb notblcidrnd, 2) ani ungeseßiickyem Wege in Umlauf gekommen imd, 3) nicht mit d€m_ rrlirn darauf grdrucktrm Brita zur_Auszab[ung kommsn; 4) auf Tbalér lautsn, aber nur im Vcr,ältn_115 von 2 Tblr. gleich_3_F1. Silbrr : 6 Kron. (östsrreiäyisch) eingelöst werdrn; 5) von Fal!ckern_ nachgeahmt find; odrr bei denen 6) (rnit irgrxid etwas für jeden Kaifierrr Wichtiges zu bemerkrn ist. Dir ncur Auslagéiix natürlich für die Zeit, welche seit drr dorbrrgebrnden Ausgabe verßonrn ist, inbaitiich ergänzt und er- weitert wordkn. Der Nami? drs Vrrsaffrrs, dcr (eit einrr langen Reibe bon Jahren auch „Saliiig'sBörsenjabrbuck* bearbeitrt, bürgt für die sorg- fältige Zufammrnstrüung auch der Mittbrilungcn und tbaisäcblichen Angabrn drs „Kupon = Warncr'. In der neurn Auflage ist u. a. namentlich auch das nkue italienische Gesetz über die Einkommensteuer born 22. Juli 1894 in jrinkm Einfluß auf den Werth italienischer Kupons in Betracht ,ikzoZen worden. „Der Kuron-Warncr bildet so- ma!) ein wertbvoiles Nach1chlagebuch 'nicht nur für die Bankgeschäfte, sondern auch für alle Kaufleute, m dere'n geschäftlicbem Verkehr Kupons an Zahlungsstatt vbrkommen.

Magdeburg, 29. Marz. (W. T. B.) Zuckerberickot. Kornzucker exkl., bon 92 0/0 _, neue 10,05_10,15. Kornzucker exkl., 88% Nendement 9,40_9,50, neue 9,55- 9,65. Nachprodukte exkl. 75 0/9 Rendern. 6,80-7,30. Stetig. Brotraffinade ] 21,75. Brot- raffinade 11 21,50. Gem. Raffinade mit Faß 21,50-22,00 Gem. Melis ] mit Faß 21. _Rubig. Robzucker [. Produkt Transito f. a. B. mburg pr. Marz 9,30 (Hd., 9,35 Br., pr. April 9,35 bez., 9,37Z r., vr. Mai 9,45 Gd, 9,50 Br., pr. Juli 9,65 (Hd., 9,70 Br. Ruhig. _ _Wocbenumiaß im Robzuckergeschäft 1370003tr.

LeipziZ, 29. Marz. (W. T B Kammzug-Termtn- handel. (: Plata. April 2,97z «16, pr. Mai 3,00 .“, pr. Juni

Grundmuster 13. pt. 3,02? „x(, pr. Juli 3,05 „za, pr. Auguf13,07é „ji. pr. September 3,0711 .“, pr. Oktober 3,10 „ii, pr. November 3,10 .“, pr. Dezember 3,10 «M, pr. Januar 3,12k &“, pr. Februar 3,15 55, Umsatz 90000 kg.

Bremen, 29. Män- (W. A,B.) leu “Böésexwixieulby' Lloko !?!/eo Br 9 m- e. t . , . _ '. Upland middl. Öko 312 „_1. __ Schmalz. SY: fest. Wilcox 371 4. Armour shield 36.1 4, Cudabv, 38. „_z, 1)an 301 „1. » Speck. Sehr fest. Short clear mrddlma loko 31T. _ Tabäck. Umsaß: 501 Seronen Carmen, 15 Faß Kentucky, 24 Faß Scrubs. - ' ' Bremen, 29. Märs. (W. T. B. Der auf heute Nachmttxag in den Konventsaal ein erufene Kau mannskynvent nahm em- fiimmig eine Znfftcxocxileßuxisg axf bist sich gegen jede Aenderung der oldwä run eu an an vn . . G Halinbiérg, 29. März. W. T. 23.) Kaffee. (Nachmittaas- bericht.) Good averaae Santos pr, Mm 772, vr. September ,77F, pr. Dezember 75. Schleypend. _ Zuckermarki. (Schlußbenäjt.) Rüben-Robzucker [. oduk! Basis 88 % Rendenzent neue Usance frei an Bord Ham ura pr. März 9321, vr. Mar 9,45, pr. Augu 9,7%, vr. Oktober 9,80._ Ruhiger. . Hamburg, 29. Marz. (W. T. B.) Das Landgericht sprach beute den Direktor der Hansabani nebst Genossen des Verarbens gegen das Genoffenschaitsgesexz schuldig urid berurtbetlte den Direkt or Kram er zu 400 „44 Geldstrafe, die Mitglieder drs Vorstandes und des Auifichtsratbs Normann. Langfcbwager, Schcrrnwrber und Kivpboi ;u je 300, Schiljing, Dierks und Skward zu xe 150 „“ Geldstrafe. Der Gerichtsbof betrachtete es als erwteserz. daß die Bilanzen der Hansabank in den Jahren 1891 und 1892 Wisentlicb fa11ch aufgestellt worden md. _ . __ Prsag, 28. März. (W. T_. B.) Der Maichrneniabrikant Umratb, welcher den Bau von Lokomotibrn in Oesterreich erniübrte,

' t b . ist ges or an (W. T. B) Wanuktion. Preise

London, 29. März. unberändert, fest. '

An der Küste 7 Wetzsnladungen angeboten.

960/0 Fabazucker loko11§ stetig, Rüben-Robzuckrr loko 9Z thätig. _ Cbile-Kupfer 39,15, pr. 3 Monat 3931.

Livervool, 29. März. (W. T._ B.) Baumwolleri- W och en bericht. Wochenumsciß gegenwartige Woche 61000 Longe Wocbr 111 000), do. von amerikamiäyen 56000 (92 000), b_o_. Mr_Obeku- [ation 5000 (17000), do. für Export 1000 (3000), do. mr wn'kÜÖM Konsum 50000 (72 000), do. unmittelb. ex. Schiff 74000 (79 000), wirklicher Export 5000 (6000), Import der Wockye 83 000 (60 000), dadrn amerikanische 73000 (50 000), Vorratb 1816000 (1812000), davon amsrikanischk 1685000 (1974000)-.1 wimmend nacb Großbritannien 97000 (112000), dawrn amrrikami ? 95000 (110 000).

Manchester, 29. März. (W.T.B.) 12r Water Taylor 4Z, 30r Water Taylor 61, Mr Water Leigh “QF, 30r Water Clayton 6, 32r Mock Brooke 5T, 40r Mavoll 6?, 40r Mrdio Wilkinson 7, 32r Warvcovs Less 515, 36r Warbcovs Rowland 6F, 36r Warpcovs Wellington 6F, 40r Double Weston 715 60r Doubie courante Qim- liiät 93.s 32“ 116 yards 16ckch16 grab Printers aus 32r/46r 135. et.

LJFlasgow, 29. März. (W. T. B.) _Die Vorrätbe von Nobeisen in den Stores bclaufen sicb KW 284 535 Tous gegrn 315 829 Tons im vorigen Jabre. _ Die Zahl drr im Bsirieb befind- 1ich€n Hochöfen betragt 74 grgen 67 im Vorigen Jahre.

St. Prtersburg, 29. März. _(W. T. B.) Wir berscbirdrne Blätter melden, ist endgültig brfcblvnrn wbrden, den Wirkungskrris der Reichs-Bauernbank aus die baltiicben Gouvrrnrments aus- zudkbnen unter Errichtung bon Filialen in Nrbal und Riga.

St. Petersburg, 29. '„iärz. (W. T. B.) Prbdnktrn- markt. Weizsn loko 8,00. Noggrn lolo 5,50. Haier [oko 3,20. Leinsadt loko 10,75. Hani [oko 44,00. Talg [0150 51,00, vr. Auguit _.

Amsterdam, 29. März. (W. T. B.) JaDa-Kaiiee good ordinary 534. _ Bancazinn ZZZ.

New-York, 29. März. (W. T. V.) _Die Börse eröffnrte in fester Haltung, wurde im weiteren Verlauf lebhaft und aUgemrin isst und ich10f3 ikst. Der Umsaß der Aktien bétrug 214 000 Siück.

Weizen eröffnrtr fest und iiieg wäbrend drs ganzen Börirn- vrrlauis mit wenigen Rrakiionen i11701g_e_Drckungen drr Vaissrers und Käufr für dsn Export. Schluß rrcbt [Lit. _ Viais allgemeixi fest wäbrend des ganzrn Böryrnberlauss infolge Dsckungen drr Vaiifirrs.

Schluß brbauptet.

Waarenbericbt. Baumwblie, New-York 65/15, do. Nsw- Orleans 511/15. Petroleum New-York 7,10, do. Pbiladelpbia 7,05, drs. robrs 7,00, do. Pipe line (ert. 12- April 113 nom., Schmalz West. stqeam 7,25, do. Robe & Brothers 7,55, Mais behauptet, do. 13. Marz _, do. P.Mai 513 do. p. Juli 51Z. Wrizen fest, rotber WinterMix-Zn 6234, do. Weizen 1). März 60Z, do. p. Mai 61, db. pruli 6_1Y, do. p. Dez. 643, Getreidefracbt nach Livrrpool 21, Kaffee fair Rio Nr. 7 16x, do. Rio Nr. 7 p. April14,90, do. do. 5. Juni 14,75, Mehl, Spring clears 2,40, Zucker 211/15, Kupfer 9,35.

* Baumwollen-Wochenbericbt. ZuiUbren in allen Unions- bäirx: 116000 Baüen, Außsubr nach Großbritannien 61000 VaUen, Auswbr nacb demKontincnt65000Ba116n, Vorrath 89700.“ BaÜen. , _ Cbicagb, 29. März. (W. T. B.,) Weizen durchweg isst 111791132 ringxinitigrn Wrtxers und auf Vrrichte von Ernieschäden, sowie aui Kaare für den Ervqrt und Dccknngen ker Baissiérs. Schluß fest. _ Mais aUg-Zixirin iKit wäbrénd des ganzen Börsrnberlanfs, Mt- 1Préchrnd drr Feitigkrit drs Weizrns. Scbluß bebaubtrt.

Weizen pr. März 542, pr. Mai 552. Mais vr. März 454- Sperk (hort clear nomin. Pork pr. März 12,32.

Verkehrs-Anftalten.

_Vro_mberg, 29.März. (W.T.B.) DieStri-cke Garnsec_ Lesign ist wieder fahrbar. _

Koblenz, 29. März. (W. T. B.) Wégen Oockiwassers wird der Trajektbetrieb Vingerbrück_Rüdesbcim nur zwischen Bmgkn und Rüdesheim Und Bonn_Oberkass81 Und nur für die Tagrszüge 164 und 173 ausgeführt.

Bremen, 30. März. (W. T. B.) Norddeatschrr Lloyd. Der Srbitelidambfer „Kaiser Wilhelm 11.“ ist ani 26. März Abends in wa-York angrkommkn. Dcr Schn€11dampser ,Labn“ iii am 26. Marz Abends bon New-York nach der Wésrr abßsgangrn. Dxr Nrirbs-Postdampser „Prinz Hsinrich“ ist am 26. Marz Narb- mittags in :Uden angrkommen." Der Schnelldampfer ,Saalr“ ist Ln 28. Marz Nachmittag:“; auf der Weser angekommen. Drr Schnelldampfer ,Werra' ist am 28. März Vormittags V1)" Genua nach New - York abgrgangen. Der Pbstdampsrr .Neckar“ hat am 28. März Mor 6115 die Reise bon Gilbraltar nach wa-Ykork ibrtgeseßt. Der iBostdampicr , Salier' ist am 28. Marz achmrtia s auf der Weser angrkommen. Der, Schneid dämpskr „Habel“ at am 27. März Nachmittags die Reiie von S o u t b a mp t o n nach New-York forigcssrzt. Drr Reichs-Poiidampfer .Gera'sbat am_ 27. März Abends die Reise von Neapel nczch Port Said'fortgeießt. Der Postdampfer .KFln' bai am 28. Marz Morgens dle Reife_ von Antwerpen nacb Vigo iortgrseßt. Der Postdampfer „H. *V- Meier“ ist am 25. März von Buenos Aires nach der Weser abgeaangen. _

London, 29. März. (W. T. B.) Der Castle-Dampser .Norbam-Castle“ bat Donnerstag auf der Außreise Madeira passiert. Der Castle-Dampser „Grantully Castle“ ist heuie auf der Ausreise in Kapstadt angekommen. Der Castle-Dampfer .Drummond Castle“ ist heute auf der Heimreise in London

angekommen.

St. etersb urg , 29. März. (W. T. B.) Gegenwärtig werden oruntersuchungen ausgeführt für eine E i s en b ab n v e r - brndrrng Nord-Kaukasiens mit Transkaukasien über StanLiYa Nevmommyßkaja, Suchum, Senaki.

altt schv o rt, 30. März. (W. T. B.) Die Schiffab rt Auslandisckye Dampfer sind im hiesigen Hafen

. . ) (Böxsen W Baumwolle.

ist wieder er 6 ffn et. eingetroffen.