1895 / 84 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 05 Apr 1895 18:00:01 GMT) scan diff

Empfang und deffen Entgegenkommen aussprach. Das beste Programm für ihn sei, das zu pflegen, wasseiu verehrterund bewahrter Vorgänger, der Reichskanzler, zum Wohle des Landes geschaffen habe; er wolle erst mit der Eigenart des Landes vertraut werden, darnach müsse die Verwaltung des Landes eingerichtet werden. Der Statthalter sprach dann seinen Dank und seine Anerkennung für die Annahme dcr Gebäudesteuer: reform aus und bezeichnete die Aufgaben, an denen der Landes: ausschuß mitwirken miiffe, um gcordncte_Zuftände aufrecht 1: erhalten, da auch hier Elcmmte seien,“ die nichts zur Ruhe * ommen ließen. Erstrcbt wcrden musse die Herstellung „eines Wafferwcgs auf dem Niederrhein, ferner- sci die Bewässerung der durch die Rhein_regulicrung vcrödetcn Gegenden "nothwendig. „Seien Sie uberzrxugt“, schloß der Statthalter, „daß mich nur der eine Gedapke beseelt: Wie ich dem mir gewordenen Auftrage zum Heile des Landes am besten nachkomme.“ Nachdem der Statthalter seine Rede mit einem Hoch auf den Landesausschuß und das schöne Elsaß- Lothrinqen beendigt hatte, brachte der Präsident des Landes: ausschuffes Dr. von Schlumberger ein Hoch auf den Stath- halter aus.

Oesterreich-ngaru.

Der Kaiser empfing gestern, wie „M.TB.“ berichtet, eine Abordnung aus Istrien und“ betonte ihr ge enüber, die Regierung werde die Denkschrift über die Wirths aftltche 'Notblage in Istrien eingehend prüfen_ und zur Hebung derselben ihr Möglichstes ihm]. Dre Abordnung er- schien hierauf bei dem Minister: Präsidenten Fürsten Windischgräß und sprach die Bitte ' um Unterstüßung der Regierung für verschiedene wirihsckiaftltche Untersuchungep aus, um die Wirkungen der Wrinzollklausel des Mit Italien abgeschlossenen Handechvertrqgs au_fzuk)eben. Der Minister:Präfidcnt sagte eine sorgfältige Prufung der ange- deuteten Pläne zu.

Der Abgeordnete Baron Dipauli ist aus dem Subcomiié ur Vorberathun dor Wahlreform aUSgeschiedcn.

cgenüber den an diese Tlmtfacbrn anknüpfenden Meldungen

der Blätter, wonach „die Wahlrrformaktion angeblich gefährdet sei, stellt, dem ,.W T. B.“ zufolgc, eine authentische Mit- theilung fest, daß die Sißungen des Subcomités in der 1eßten Zrit zur Fixierung verschiedener richtiger Grundsätze geführt hätten und daß die Arbeiten sofort nach Wicderzusammentritt dcs Reichswths forigcseßt werden würden.

Das österreichische: Abgeordnetenhaus hat gestern den (Hess entwurf, betreffend die Qliisdshnung der SonntaZs: ruhe au? das Hauficrgcwrrbc, angenommen. Der A g. ])r. Lucger stellte eincn Dringlichkeitsantrag, worin er den HandelS-Minister aufforderte, cine EewcrbegeseYnovelle noch in diesrm Sssstonsadschnitt einzubringen, Dcr „Han cls-Ministcr Graf Wurmbrand erkLärtc,d“*-.c Gcwerbrgcseßnochc!eifcrtig, dieselbe sei bisher nicht vor ele t worden, weil der Gcwcrbc: aUsschufz mit Arbeiten Überhauft ei; erhoffe, die Durchführung der Noche wcrdc im nächsten Jahre möglich sein. Hierauf wurde der Tringlichkciisantrag Luegcr'5_angcnonin1en._ Der Abgeordnete Stcinwcnder und Genoxsen brachtciz wdann eine Interpellation iiber die an die geplante Eixcnbahn- Vcrstaatlichuna gcknüpsten BörseixipckUlationen _ein u_nd rich- te'ten die Anfrage an dsn Minixrrr, ob er sich nicht ver- anlaßt fühle, brhufs Vormaidumq einer noch weiteren AUSVLUÉUNJ drs Publikums . Erklärungen abzugeben, durch welche dcr Kurstreiberei [kde Bcrcchtigung entzogen werde. Der Minister Graf Wurmbrand führte aus, er habe im Budgetausschuffe vor Börxensprkulattonen und vor allzu hoher Bemerthung der Papicrc) gewarnt. Wer unter- schäxte Papiere kaufe, gewinne, wsr Übcrschi'ißte Papiere kqufe, müne verlieren. chn das Publikum noch 1xnmer seinem Uebermuthe folge, so sei dir Nrgicrung dafur rncht ver- antwortlich zu machen. Das Haris vsriagtc sich hrrra-uf bis zum 23. d. M.

Großbritannien und Irland.

Im Oberhause vsrLas gestern der Parlamrnts:S§krrtär im indischen Amt Lord Rear) einc Depcsckx dex“; Yzze-Konigs :) on Indien, worin es heißt: TEL" Malakand:Paß Ut am 3. dM. genommen worden. Der Was; wnrde hartnäckig von3000Mann verthcidigt, hauptsächlich MuUahs und Shiks und deren Gefolge. Die auf dem Morah: und dem Shakot-Paß angesammrlten Mannschaften batten keine Zeit, sich zu vcrcrmgen. 'Die Hohrn wurden schließlich mit dem Bajonrtt genommen. Die Artillerie und die Maxiin:Kanonen bsthriligtcn sieh mit ?roßeni Erfolg, Der Feind verlor wenigstens 500 annn, wahr chemlick) mehr. Unsere Vkrluste sind noa) nicbt vonxändig bekannt; ed Wird aber gemeldci, daf; fie fick) in dcr zwriten Brigade allein auf 50 Mann belaufen. Die erste Brigadqrückt _m der Richtung auf den Swat:F1uß vor; die zweite Brigade folgt, sobald der Paß für Kamch gangdar sein wird. - .

Jm Unierhause crklärtc dcr Präsident des Landwrrth- scfxafts: und Ackerbauamtö Gardner: zu Anfgng des vorigen Monats sei zur Kcnntniß drr dLUlschkn Régtcrung gebracht worden, dasz kein Grimd irgknd welcher Art zu. der Annahme vorhanden sei, daß in dem Versinigtcn Rönigr€1che die Mbul- und Klaucuscuchc hrrrsche. Dis: gsgcn Ende des vorigßn Jahres durck den Ausbruch von „Seuchen _nothwendig gewordenen Einschränkungen [_eien seit drm 15. Janyar aufgehoben worden._ Er hone,_ das dies- die deut1che Regierung veranlaßen wcrdx , ]cxdrs Etnfubrdcrbot fur Vieh aus dem Vereinigten KonigreichMnack) Dxutjchland auf: znbcbcn. Im weiteren Verlauf dcr Siyung fuhrte der Par- laments-Sekretär des Auswärtigen Amts Sir E. Grey aus, seines Wissens Habe er zusrst die 9 Kcndung von dcm „Wasser- wege ch Nils in seiner Gcsammthkii" gsbrauchiund zxvar m Beantwortung einer aus der Mitte dcst-iusc-Z anchn_er1cht€ten Anfrage. Als er diese Wendung auch_spater 11L0ka1lchf"abe, habe er den Nilfluß im allgemrincn gsmemt. „Naturlich dnrfe dieser Au§druck nicht als eme spczicile Drfinitiondcs Territdrmms aufgefaßt werden; dafür müsse mcm- auf die oft angcsiihrtcn Usbereinfommcn Bszua 1105771911. Tre Rrgterunxi habe von ermsjlichn, durch Heuschrecken angerichteten Schaden_1n dcn Distrikten in der Nähe der Mackxados und in der'Nabe von Kikuyie ii.". der britischen Spbärc sowie in Bondex, Usagara und Lindi in der dvutschcn Spyärc gehörkx cs sci aber zu hcffen, daß drr Regen den dadurch en1standcncn Mangel bcicitigen mcrx-e. Zu der Annahme, daß der Sklaven- handel zugsnmnmsn habe, sci ksin (Grund vorhanden. Au's dcn in Brüssel veröffentlichten Bsrichtrn gebe hervor, daß die

SoLdaten des Congostaats die arabischen Händler überwältigt .

undikpre Ortschaften zerstört hätten., Weitere Mittel ur Ins, formation ständen. der Regierung mcht zu Gebote. ippoo- Tipp befinde sich jest in Sansibar; eH sei nicht anzunehmen, daß er fich in irgend einem unter englischer Kontrole stehenden Gebiet auf Sklavenhandel einlassen werde. .

, Frankreich.

Der Senat hab gestern die Etats für Kultus, Handel und Unterricht angenommen, nachdem cr sämmt- li e von der Depgttrtenkammer genehmigten Erhöhungen ge- strichen hatte; diese Etats müssen daher wieder'an die Depu- tirtenkammer zurückgehen. _

Italieü.

Dem Fanfulla“ zufol 3 wird sich der erzog von Genya arb 1. Mai in LagSpezia an Bord Fer „Savoia“ emschtffen und ,das. Kommando über das Geschwader über- nelxmen, das sich Yi der ersten Woche des Mai zunächst zum Fejyéte mehrerer Hafen nach England und alsdann nach Kiel

egce . Spanien.

Der Minister:Präsident Can ovas theilte, wie „W. T. B.“ mrldet, gestern, im KabinetSrath ein Telegramm aus Havana xmt, welches bestätigt, daß die spanischen Truppen bei bedlfm Zusammentreffen die Aufständischen bisher geschlagen

a en.

'Der Marschall Martinez Campos hat fick) gestern in Cadix unter lebhaften Ovationen der Bevölkerung nach Cuba eingeschifft.

Die Madrider „Correspondencia“ veröffentlicht eine Note, welche besagt, die Haltung der Vereinigten Staaten in der cubanischen Angelegenheit sei, wie in allen anderen Fragen, von aufrichtiger loyaler Freundschaft durch: drangen.

Schweiz.

Der Nationalrat!) hat mit 75 gegen 54 Stimmen 52- schlossen, auf die “Vorlage des BundeSratbs, betreffond die ErrichtungeinerBundesbank,einzugehe11.Dic54Stimmen der Minderheit ficlen auf einen Antrag Rama auf ein- fache Rückverweifung des Entwurfs. Die artikelweise Berathung der Vorlage wurde auf die Juni-Ses s ion ver- schoben.

Niederlande.

Die Zweite Kammer hat gestern einstimmig die Deklaration mit Portugal angenommen, durch welche die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern pro- visorisch geregel t werden. Ebenso wurde mit 69 gegen 5 Stimmen der Geseßentwurf genehmigt, wonach vom 1.Juni ab der Ausfuhrzoll für ostindischen Zucker provisorisch auf ein Jahr aufgehoben wird.

Belgien.

Die Abstimmung über das Kommunal-Wahlgeseß im Ganzen, nachdem sämmtliche Artikel in der von der Regierung vorgescblagmen Fassung von der Repräsentantenkammer angenommen worden sind, wird, wie „W. T. B.“ meldet, heute erfolgen. Von allen Amendements ist nur ein einziges, das von der Regierung genehmigt worden war und worin vorgeschlagen wird, daß in den großen Industrie entren einige weitere Gemeinderäthe von den Industrie; und rbeitSräthcn ernannt werden sollen, angenommen worden.

Rumänien.

Der Minister des Auswärtigen Labodary ist gestern von Bukarest nach Paris abgereist. Der_Mimster der Domx'men Carp leitet interimisttsch das Ministerium des Auskuärngen,

Serbien.

Der Kas 1“ ationsho-f hat infolge mehrfacher Beschwerden entschieden,.daß die Personalsteucr in den Wahlzensus nicht eingerechnet werden kann.

Bulgarien.

In Sofia begann gesternovor dem AppeUhofe ein Prozeß gcgen den ehemaligen Polizer-Präfckten Lukanow._ Vier Vertheidiger sind bestellt, darunter Grckow. Die An- klage ist erfolgt auf die Aussage des im Jahre 1894 wegen Komplotts gegen das Lebcn dcs Prinzen Ferdinand von Sachsen:Coburg vcrurtheilten und später begnadtgten Luka Iwanow, der den Lnkanom beschuldigt, ihn während der Untersuchung mißhandelt zu haben.

Schweden und Norwegen.

Jm Storihing brachte gestern, wie „W. T. B.“ aus Christiania berichtet, der ehemalige Minister Ystrup be- züglich dcs außerordentlichen Heerrsbudgets_eine Inter: peUatidn ein, worin er betonte, es sei die Haup119che, m der Wehrkraft Ordnung zu halten, da man _bxi de_r ]eßigen Lage der auSwärtigen Angelegenheiten nicht wxßen konne, wann ein Krieg ausbrechen wrrde. Im weiteren Verlauf wies der Jnterpcllant auf die starke Entwickelung der Wehrkraft Schwedens während der leßtcn zehn Jahre [)'m und frcxgte, wann daS außerordezii: liche Budget werde vorgelegt werden. DerKriegE-Minixter erwiderte, die Vorlegung desselben werde eme Woche nach Ostrrn erfolgen.

Amerika.

Dem Znsurgentenführcr Maceo soll es, wie „W. TUB.“ aus Madrid berichtet, geglückt sein, mit zahlreichen, von zwei an- geblichen Gcneralen Crombet und Valdes befehlr ien Freibeuiern auf Cuba zu landcn. Wie es heißt, hätten (be den Kapitän

des Schiffs ums chen gebracht, um den Ort ihrer Aus-

schiffung geycim zu halten. Der Genergl Sa_lcedo soll den Aufständischen bci Manzanillo eme Niederlage beige-

bracht haben. Asien.

Aus Simla erfährt das „Reuter'sche Bureau“, Umra Khan sammle Streitkräfte, um dem Vorrücken der Eiigländer Widerstand entgegenzuscßcn. Zwei britische Offiziere bs: fänden sich als Gefangene in der emalt Umra Khaxi's: man nehme an, daß es zwei Lieutenants seien, die seitzwciWochen vermißt würden. -- Von ebendaher meldet dasselbe Bureau von heute, der Oberst Kelly habe, von Gilgit aus vor: gehend, einen entschiedcnen Versuch gemacht, CHitral vondicscr Seite auc":- zu- erreichen, er sei jedoch durch heftigen Schnee: sturm zur Umkehr gezwungen worden.

Die „Times“ meldet aus Simonoscki vom 81. März: Die militärische Thätigkeit dauere ungeschwächt fort. Am 30. o. M. seien fünf TranSportscHiffe mit _Jnfanterie und Kavallerie eilig vor der Verkündung des Waffenstillstands ab:

gegan en. Zn deri Vertrugßbedin'gungen sei der Wan QMinas u en_n_en, Peking um jeden Preis vor einem ngriff zu ewzihren." Der ustand Li-Hung-Tscbang's bleibe zweifelhaft, bis die age“ der Kugel bestimmt sein werde. Das „Reutcr'sche Bureau“ berichtet aus „Hiroßhima v'on beute,_ dcr (Heuers! Nodzu habe telegraphisch gemeldet, einc Abtheilung ]apaxuscher Truppen, die unter Führung der Parlamentärflagge- die chinesischen Truppen von dem Güttritt des, Waffenstillstands habe unterrichten sollen, sei von- den Chinesen beschaffen imd zum „Rückzua gezwungen worden. General Nodzn bezweifele, ob die Chinesen in dcr Mandschurei etwas von dem Waffenstillstand müßten, da die Truppen ihr Verhalten gegen früher nicht geändert hätten. . Aus Hong kong vom 4. April meldet die „Times“, die Chinesen flohen von Süd-Formosa nach dem Festlande und nach Hongkong. Die Japaner rücktep auf Tokau in Nord: ormofa vor; dort solle sich eine chinesische Armee von 80 Mann befinden, vdn den'en 50000 gut bewaffnet, die übrigen neu Aus- xxxhobxne seien; Em Gefecht sei bevorstehend, man glaube aber, daß ur die Ausxander keine Gefahr bestehe. In Swatow und Kanton wurden kräftr e VertheidigUtiJSmaßnahmen getroffen. Ueber den Kantonfluß xZeien Sperrbäume gelegt und im Hafen von Swatow Torpedos versenkt worden; auch werde mit“ Truppenaushcbungen vorgegangen.

Afrikas

Der „Agenzia Stefani“ wird aus Massoval) berichtet,

der General Baratieri sei auf dem Rückmarsche von Adi-

grat durch Adna gekdmmen, wo er die Huldigung der Geist:

lichkeit und“ der Beoolkerung entqegengenommen habe. Von

dort wcrdc fick) der General sog*leich weiter begeben, um die' Truppen ihre Kantonnemcnts bezicéje'n zu laffcn.

Parlamentarische Nachrichten.

. Bei der Rrichstags-Erfaßmahl im 7. elsaßxlothrin- gischen Wahlkre1se (Erstein:Molsheim) erhielten, mie „W. T. B.“ meldet, nach vorläufi er Feststellung der Unter: Staats ekretär Zorn von Bulackg) 11751, Boehle (Soz.) 5400 Stimmen. Zersplittert waren 540, ungültig 681 Stimmen.

- Die IT. Kommission des Herrenhauses zur Vorberatbung des A n tr a g 9 des Grajen vo n Mir ba cb, betreffend die Währungs- frage, bai sicb konsittmert und zum Vorfißenden den Freiherrn von Manteu sfel, zu dessen Stellvertreter drn Grafen v o 14 Franken- berg, zum Sckpriftführer dcn Obcr-Bürgermrister Fuß, und zu dessen Strllvertreter den Grafen v o n S eid [ iZ gewählt.

- Im Hause der Abgeordneten ist von den Abg Letdcha, Gra von Stracbwiß, Szmula und Gotbein na - stehender Antrag eingebracht worden;:

.Das, Haus der Abgeordneten wolle beschließen: Die Königliebe Staatsregierung zu ersuchen, die befiebendcn Ei enbabnftachtsäße für Montan- und landwirtbschgstlich Produkte aus Schlefien

&. nach den Oftseebäten (O_rtsverkebr) und nach den übrigen Stationen des Ostseeküitengebiets unter Einbeziehung der Stationen Bromberg, Thorn, Frankfurt a. O.,

1). nach den Ostseebäfen_ zur Ausfuhr nach außerdeutsckzen Ländern

zu ermäßigen und derart festzuscßkn, daß. die Babnfracbten ab Schlesien, die Wafferfracbten ab rheinische Häxen und (xb England nach den Hafenvläßen der Ostsee nicht in eincr dkn [cblefischen Absaß nahezu auSscbließenden Weise über- sieiaen und iür Montanprodukte zum mindrsten denjenigen Babu- frachte'n gleichgestellt Werden, weiche der rheinisch-westfälischen

Montanindustrie nach den Nordseebafen und spezielL Hamburg zur

Verfügung strhen.“

Entscheidungen des Reichsgerichts.

_Zur Begriffsbesiimmung des unklagbaren Börsen- Disserenzgesckpäfts find neuerdings dom Reichßgericht in Uebxr- einstimmung mit der bisherigen Rechtsprechung, mehrere Urtheile gefäUt wordrn, yon denen nachstehende bcrdor hoben werden:

1) Ein Auftrag zu Börsenspekulationsgthäften mit der Verein- barung der Differenzaußgscickpung Verliert, nach einem Urtbeil des Reichßgericbts, ]. Zivilsenats, vom 20. Oktober 189. dadurch nicht den Charakter des unklagbaren Differenzspiels, daß der Beauftragte nicht als Selbstkontrabent eintritt, sondern als Kom- missionär die Geschäfte durch einen Dritten effektiv zur Aus- führung bringt oder selbst mit dem Dritten Differenzaus- alcicbunq Vereinbart und diesem die Differenzsckould,“ ohn? sich des Einirandes drs Spiels zu bedienen, zahlt. .. . ._bat die Kl_a erm (H. mit dem dritten Kontrahenten wabre' Kaufg_es_cha te _ab-

esckylossen, und ihre Verpflichtungen M's diesen Gxnbaften erfullt, So kann fie hierauf eine Forderung gegcu ihren Kommtxtenten'Z. nicbt aründrn, weil nach ihrer Vereinbarung wit Z. nur ein Spiel statt- finden sollte, aus welchem eine klagbare Forderung gegen den chtxren nicht entstehen konnte. Dieser war nicht gébalten, wahreKaufge'sckyafte. zu denen er einen Auffirag nicbt ertbeilt hatte, für seine Rechnung gelten zu lassen und olgewyise aiich nicht verbunden, der Klagerm die in Ausführung solcher Gescbczste gemachten Aufwrndungen zu er- seßen und ihr dafür Provision zu zahlen. Hat ddgegen .die Klägrrin mii dem Dritten im Sinne einer auf bloßes Spiel- erich- teten Vereinbarung mit Z. kontrahiert, so steklxn dix sich erge endZn Differénzen eine Spielsamld dar. Wenn die Klagertn dtesx fur Rechnung des Z. kontrahierte Spielschuld bezahltbat, so stehen ihrem Erstattungsanspruck) dic §§ 578, 581 1 11 A. L. R. entgegey, denn 633 kann nach dem Zweck dieser ErsaßeSvorsckyriften keinen Unterschied begrunden, ob dem Spieler selbst Geld zum Spiri oder zur Bezabxung des Svirlverlustes in die Hand gegeben wird, oder ob mit Wissrn und Willen des Spieler:? zum Zwecke eines für deffen Rechnung betriebenen Spiels Grid aufgewendet oder für Rechnung drs Spielers der entstan- dene Spielverlust bezahlt wird. Daß das Spiel, wie das Berufungs- gericht beworbkbt, an fich nicbt unerlaubt und der Auftraq zum Ab- schluß eines Svielvertrags deshalb nicht ungültig ist, steht der Unkxag- barkeit dcr aus solchem Auftrage entstandezien Schuld,_ als _emxr Spielscbuld, nicht entgegen. Auch Provision kann die Klaqkrtn dann nicht beanspruchen, denn-es VZistebx sick) von selbst, [?_aß der Anspruch aufProvifion nur durch dteTbatigkett 799.5 Kommission'ars im wahren Handclßverkcbr, nicht aber durch seine Mttrvirkung ber zwar in die äußrre Form von HandengeschaFten gexletdeten, rechtlich aber nicht anerkannten Spielgeschäften begrundet wird.“ (213/94)

2) Der Tbatbestand eines unklagbqrrn Differenzwiels ist, nach einem Urtbeil des Reichsgerichts, 117. Zwrlsenats, vom 5. November 1894, schon dann Vorhanden, wenn einem der beiden .Kon- trabenten dom Gegenkontrabenten das Recht, Differenzausgletchung zu fordern, eingeräumt ist, während der Gcgenkontrabrnt, auf Ver- langen des ersteren, zur effektiven Erfüllung verpflicbxet sem soll. ,Die Deutung, die der Aeußerung des Agents]! des Klagcrs axakben ist: Beklagter brauche nicbt Effektiv zu liefern, er dürfe Differenzaus- gleichung Verlangen, kann nur dahin aufgefaßt Werden, daß auf der Seite des Beklagten keine Verpflichtunxzi zur effektiven _ Erfüllung bestehen, vielmrbr nur , das . echt, Differenzausqleichung zu fordern, obwalten soUte. Em so grsch19ffenes (Geschäft stelit fich aber als ein nicht klagbgres Dtfferxnzgeschast dar. Denn der Tbatbsstand eines solchen Geschafxs isi n_icht nur dqnn gegeben, wenn bei dem Geschäftßabschluß der uberetnftimmeude Wille

_ seinem

beider Kyntrabenten' dahin gegangen ist, keine effekiivc Erfüllung, sondem DtfferenzauSgleichungeintreten zu lassen, sondern auch dann, wenn diescr'WiUe nur auf der einen Seite, allerdings für den anderen Theil erkennbar, vorhanden war, wobei es gleichgültig ist, ob die Verpflicbtizng zur effektiven Erfüllung für beide Theile oder nur für einen Theil ausZcschltZffén sein sollte.“ (134/94)

3) Eine Anzergrfur die Spielnatur von Zei geschäftcn über, Borsenpapiere , lieat, nach einem Urthc'i, dcs eichSgerichts, ]. Zivilsenats, vom 17. November 1894, vor, Wenn sub jemand, der vermögen slos ist, auf solche Geschäfte einxäßt, oder wenn die Höhe der ein egaugenen Engag_-siitents in erheblichem MiHVerbältniß zu ermögen steht, jofern anzunehmen iii, daß seine Ysrmögcns- lage dem apderen Kontrahenten bei Eingebung der Geschäfte bekannt war; „für die Frage, ob ein derartiges Mißverbältniß anzunehmen sei, ist nicht der _Vetcag, der auf den (Hkscbäftcn boraiiSfichtlicb ruhenden Differenz, sondrrn dit: Höbc der eingegan-

xnen Verpflichtungen selbst enncbeidcnd. .Die Möglich- ett, “schon Vor dem Stichtag em Gegengeicbäft abzuschiießkn, ist allerdings für den Börsenspekulantcn sicts bdcr roch rcg-Zlmäßig vor- handen. Hierdurch wird aber die Spielnatur drs Grundgescbäfis, vorausgeseßt, daß dieselbe sich aus den. sonstigrn Umständen des Falls ergiebt, 1_1icht beseitigt; denn der Ab1chluß des Gcgengescbäfts ist in solchen Fallen iiichts Anderes als eine v:“rfrübte Differknzausgleicbung. Was Jodann die im Berufungßurtbeil betonte Möglichkeit don Lom- bardterungen anlangt, so ist an ein wirkliches Hereinnedmrn der gekauften Effekten und ein Lombardieren derselben bei der hier voraus- geseßten Sachlagx schwchrlich zu denken. Die Verpfändung von Wertb- papteren mag ein, geeignetes Mittel sein, swb Geld zu verschaffen, wenn es fich unreinen Vorübergehende" Geldbedarf [):mdeli. Wenn dggcgcn jetziand, drr ganz odkr fast ganz vermögenslos ist, Zeitgeschaslc 95schlicßt, sx) handelt es fick) bei ungünstigem Ergebniß der Spekukatton eben_ iiicht um einen bloß Vorüberacbenden Geld- bedarf. Erfahrungsmaßtg findet dann an in solchen Fäüen die Lösuna des Engagements am Stickytags nicbt vermittels der Aufnahme von Lombarddarleben statt, s011d€r11 die schwebenden Engagements werdexi, sofern UZ Partkirn ibrk Getclyäftsbcziebungen über d.-n Stieb- tag bt_naus fortskßcn, durck) Abschluß von Prolongationsgrfcbäfixn auf den nachsten Monat übertragrn.“ (250/94)

Entscheidungen des Ober-Verivaltungsgeriéhts.

Nach § 19 des Einkommensteurrgesetzrs vom 24. Juni 1891 ist es bei der Veranlagung gestaiiet, besonders, die Lristimgsfäbigkeit der SieiterdfliÖZigen wesentlich berinträcbtigendr wirtbsckpaftlicbe Verhiiltnisse in drr Art zu brrücificbtigen, daß bki rinem steuer- pflichtigen Emkommsn von nicht mehr als 9500 «kk eine Er m äßig ung der _im § 17 vorgeschriebenen Stkurrsäbe um höchstcns 3 Stufen Ywabrt wird. In Brzug auf disse 5 estimmung hat das Ober-

crwaltungßgericbi, ?. Sknat, 1. Kammer, duxch Entscheidung vom 21. Sepjember 1894 ausgesprochen, das; ein erst nach der Struyrkrklärung, abrr vor_ dem Beginn drs Steuerjabrrs einqatreic'nks, die Leistungsfabi keit des S_teuerpflicbtigen wescmlicb bseiniräcbtigkndes xvirtbschaftltcßes Ereigntß bei der Veranlagung zu berücksichli gen ist. 7- Ein Zensit legte, nachdmi er seins Steuererklärung eingereicht batie, wonach er ein Einkommen von 4070 „16 zu ver- sxkuerzi babe, gegen seine daraufhin geschehene Veranlagung Berufung km, indem er in seiner BcrufungSscbri-W acitrnd macbtr, daf: vor Bcginn'des Steuerjabrks in sriner Wirtbscbaft ein Brand sich rr- cignet habe und daß mit Rückficht auf dissen Unßlücksfall Kemäß § 19 des,Einkommensteucrgeseßes skin Stkucrsatz ermäßigt wkrdcn möge. Die Berufitngskommijsion lehnte aber das Gesuch des Ze'n- fiten ab, ohne zu der don idm bsbauptciéiq Tbaisachc Steüuna zu nehmen. Auf die Besckswerds dcs Steuervfliäztigén gab das Ober- Vcrwaltungßgericbt die Sache an die Berufungsk-mmiffion zur ander- WSiten Eiiifcbeidung, insbesondery zi-r Feststrüung des Brandes und dcr etwa dadurch bkriiiträchiigtcn Lristungbfäbigkéit des Zénfitlll, zurügk, indem es bkgiündcnd audfübrty: „Dcr Umstand, raf; Tus Jagltcbe Ereigniß nicht innerhalb drs intraums liegt, welcber für die

erechnung des Durchschnitl§cinkomm€ns aus de'm Grundbesiß maß- gebend ist _ Art. 5 Nr 2 drr Auxfüdrunasanwkisung Vom 5. August 1891 -, schließt die Anwcndung dcs § 19 a. a. O. nicht aus, da nicht das steuerpflickktig? (Finkmmiixn, sondern nur der fkstzusteüende Stcuersaß durcb § 19 becinflußt wird. (17. 14. 2112/93.)

- Die Thätigkeit der vereidigten Börsenmakler ist, nach ciner Entscheidung drs Ober-Verwaltungédericbts, 1-"1. Sénats, 1. Kammer vom 25. Oktober 1894, ein steuerpflichtiaes Ge- werbe. „Nach der bidbtrisxcn Steurrgcsryßcbung ist dic Tbäiigkeit eines b€i der Kaufmannscht angcstkütcn nnd drrridigtrn Maklkrs stets als steuerpflickytißes Gswerbc bedanreii worden, Wcil trotz ge?- wiffcr amtlicher Funktioncn der gewerbliche Cbarakier bei wriicm überwiegt, und zwar hat man darin die Ausübung eines strbendrn Gcwc'rbes erblickt. Eine Aenderung dcs siencrlichen Begriffs drs stkbknden Gewerbrs ist in keiner Wriss durcb das GkMrbestcurrgesktZ vom 24. Juni 1891 brabsicbiigt worden. Die Maklkr odrr Sensalc beireibcn daher am:!) nach diksrm Gesetz ein steuerpflichtigeö (chrrbe. Dcr Ertrag der Thätigkeit drs Steuerrfiichtißen als Börsensrnsal ist dr,“?balb mit Recht zur Besteuerung herangezogen worden." (rx (;. 33/94.) _

Statistik und Volkswirthsrhaft.

Elektrische Stadtbeleuchtung in Deutschland.

Die „Elektrotechniscbe Zeitschrift" veröffentlicht in ihrer Nummer vom 4. April Line Statistik der zur Zeit im Deutschen Reich iyi Betriebe befindlichen bezw. im Bau begriffenen Elektrizitätswerke, die m mehrfacher Hinsicht interessant ist. Die „Staistik enthält nur solche Werke, wklche zur Stromvertbeilung die öffentlichen Straßen benußen und dem Zwecke der Energikliefkrung für Licht- und Klein- motorenbetrieb dienen; ausgeschlossen find Blrckttationrn und Einze'b anlagen, welche zur Lsitungsfübrung nicht die öffsntltcben Wége m Ausdruck) nehmen, sowie dicjrniaen Elektrizitätswsrke, welche aus- schließlich für den Brtricb von Straßeubabncn erricbtck find. Nach dieser Zusammenstrllung, d-r bollst'ändigstcn, die bisher veröffentlicht Wurde, sind gegenwärtig 148 Clékttisck)? Zentralstationen im Deutschen Reich in regelmäßigem Betriebe, welche sich auf 135 verschiedene Ort- schaften verjbeilen. Jm Bau begriffen sind weitere 34 Werke. Erne Uzbeificbt dsr Werke nach System dsr Energikvcrtbeilung, Betriebs- kküft, Größr, Lampenzabl und Datum drr Betricby'eröffnung „regt zu mancherlei interessanten Bktracbtunaen an. Die bsi wmtkm größte Zahl der Marke, näm1ich120 Stück oder 81%, ysrxvcndet “Gleichstrom , theils mit, theils ohne Accumulatorrn, wabrrnd ]5 Werke mit Wechselstrom und 8 mit dem (“rst ir) neucrc'x Zett aufgekommenen Drkbstrom arbeiten. Die Masckdinknletstung sm_nmt- licber erke beträgt 33 896 Kilowatt oder etwa 40000 Pferde- starkrn, die totale Leistungsfähigkcit €insch1icßlich der Accumula- toren beläuft fich auf 38 485 Kilowatt (= 52300 P.-S.)." Von den 120 Gleickostromwerken sind 80 mit Accumulatdren ausgerusict, wah- rend die übrigen 40 9an solcbc betriebkn werden_. Die Mascbtndn- kraft der Gleichsiromwerke macht 78 0/0 der erammtieiituiig alle'r Werke aus. Die Vorherrschende Betriebskrait ist der TomM.“ Aus- schließlich mit Dampf betrirben wcrdrn 80 Wkkké mit 27 290 Ktldtvatt “(= 37100 P-S.) Leistungsfäbiakeit oder der Zahl dsr erke n§1ck 54 0/0 und dc'r Leistuxig nach 81%. Dem gegruübcr ist der Bexi'ikb von Werken ausschließlich mit Wasserkraft imbedeuiend; “derjelbe kommt bei 44 Werken mit zusammen nur 3938 Ktxowajt (5350 P.-St.) Leistungsfähigkcit zur Anwwndung, „Wahrend Gas als Betriebskraft nur verschwindend wrnig bknußt wird; Der Grund dafür, daß die Zahl der ausschlirßlicb mit Waffkk_betkkebk_"€" WSK? "" Vergleich zu deren Gksammtleistung ("ine verbaltmßmaßtg bobs ist, dürfte darin zu suchen sein, daß sehr viele kleine Orte, welche

in ihrer Näbe eine bisher vielleicht unbenußt gebliebene Wasserkraft befisen, diefe nunmehr zum Betrieb einer elektrik Zentralx (zus- nußen und sich auf diese Weise ein splendides und doch sehr billiges Licht verschaffen. Durch Ausnußuna vorhandener. Wa erkrafte wird offenbar noch vielen kleinen Ortschaften, dre sont wohl kaum in der Lage wären. von der Petroleumbeleucbtung' ab- und zu einer bessern Beleuchtung überzugehen, die Möglichkeit geboten sein, elektrische Beleuchtung einzuführen, sodaß die Zahl elektrisch beléucbteter Städie in naher Zukunft eme erhebliche Steigerung erfahren dürfte. Es ist böckysi beacbkenSwertb, daß. nahezu zwéi Drijtel aller Werke eine Kapazität von unter 100 Kilowatt, entsprechend etwa 1500 sLchZkbnkkkzislé'U (H1übiampen, baden. Da jedoch überhaubt nur 44 Werke durcb Waffkrkraft betrieben werden und untc'r diespn nrcb eine prößere Anzibl mrttlcrcr 5LV_erke sick) be- findrn. so Ergiebt sich, daß viele kleine Städte.- und Dörfer, trotzdem fie nicht über eine billige Wasserkraft vkifüqien, sondern die viel tb9urere Damvfkraft bknutzdn mußten, dennoch sicb nicbt gescheut babcn, eiektriscbe Primicbxung einzuführen. Mittelgroße Werke zwi1chrn 100 und 500 Kilowatt Gesammtlxistung sind 43 und sebr große Werk? Von über 500 Kilowatt 20 vorbandrn. Unter den lrxzteren stcbkn natürlich die Vkrline'r Elekirizitätdwcrke mit ipsgesarnint 8853 Kilowatt (12 01:10 P.-S.) Maschinrnicistung obenan. Dicgrößte elc'ktriscbe Zentrale Deuticblands ist die Zentra1e ,Mauerstraße“ der Berliner Elkktrizitäts- wkrfe mit 3198 Kilowatt; es folgen das städtisch ElkklkiFikäkIWksk Hamburg mit 2448 Kilowatt. Berlin Svandaueritraße und Bkrlin Schiffbauordamm mit je 2028, Berlin Markgrafenstraße mit 1599, Frankfurt a. M. mit 1566, Jyarwerke bei München mit 1360, Köln (1. Rd. mit 1280 und Weimar mit 1098 Kilowatt. Die drei Stationrn der Berlinsr Elektrizitätswerke in der Markgrafenstraße, Mauerstraße und Spandauerftraße Werden noch in diesem Jahre eine bedeutende Erweitrrung erfabrrn,und zwar erstere um 847, die zweite um 983 und die'; [913th um 1035 Ki1owatt. Zwei weiéere Zentralen Von 1000 Kilonmtt und darüber find gkgknwärtig im Bau begriffen, nämlich Stuttgart mit 1000 und Dresden mit 2088 Kilowatt. _ Die Gesammtzabl der an dir bkstebc'nden Elektrizitätswerke anae- schloffenen Normal [üblampen (5. 16 Kerzen) beträgt 493 081, die der 10 Ampére-Bogen ampen 12 357 und die Leistung der angeschlossenen Motoren 5635 Pfrrdestärken. Rechnet man Von der gesammten Ma- schinenlcistung der Werke 20 0/0 auf die Reserde, so ergiebt sicb, daß die zur Zeit angeschlossenen Motoren nur etwa 15 0/0 der Gesa'mmt- leistung beanspruchen, sodaß hier de'n Elektrizitäiswerken noch ein weites Feld zur besseren Ausiiuxzung ibrer Masckzinenkraft und damit zur Verbilkigung des Bstricbs und Herbeiführung einer höheren chtabilität vffan stkbt. _

Die elektrische Stadibsicuchtung bat sick) m Wenigen Jahren zu der Höhe entwickelt, auf der sie heute bersits siebt. Wäbrend es bis zum Anfang dcs Jahres 1889 nur 14 ElektrizitätSMcke in Deutscb- iand gab, smd im Jahre 1889: ]0, 1890: 9, 1891: 13, 1892: 23, 1893: 29, 1894: 39 weitere Werke in Vetricb gesetzt worden, sodaß die Gesammtxabl drr eiektrischen Zentralstatidnen einschließlich drr 11 Werkk, bri denen das Datunx dcr Brtriebseröffnung nicht angegeben ist, wir oben schon bemerkt, aus 148 gestiegen ist.

Die Vranntweinbrrnnerei in ElsaH-Lothringen im Betriebsjahr 1893/94.

Die Vranniweinbrennerei in Elsaß-Loibringen batte im Betriebs- jabrr 1893/94 einen bedeutenderrnUmfang als im Vorjahre. Während im Jabra 1892/93: 22 029 Brennereien im Betrieb waren, belicfsich die Zahl dieser Bromierrie'n im Jahre 1893/94 auf 24 992. Die Gesammtdroduftion an rsinem Alkohol stieg von 12 877 111 im Vor- jahr auf 23 611 111 im Jahre 1893/94.

Diese Zunahme ksr Produktion ist hauptsächlich auf die günstige Obst- und Weinkrnte des Jabrcs 1893 zuriickzufübrrn. Da der Sommer äußsrst trocken irak, gelangten Obst und Wrin gut zur Reife“, drr Zuckergcbalt war infolge dkffen ein ssbr reichlicher und die Airsbcutc cini? zirmlicb 5059. Zur Steigerung der Produktion bat auch der Umstand wcicntiicl) beigetragen, daß die durch Art. ][ Ziff.4 und 5 der BrdnniMinftcurrnodelle vom 8. Juni 1891 geschaffene Er- leichterung auch denjknigcn Matc'rialbksißern zu tbsil geworden ist, Miche, 05118 im Vrfiß Sinkr eigenen Brenndorrichtung zu sein, ihr Material in drr Brknnrrci cinss anderen zu Branntwein verarbeiteten ode'r Verarbeitkn ließkn. _

Die Branntweinausfuhr aus EÜaß-Lotbringen bat eine geringe Strigkrung crfabrc'n, muß jedch) noch immer als unbedeutend be- zeichnet werden. Die Ausfuhr beschränkte fich hauptsächlich auf gpringe MLUJSU feinrre'r Trinkbrunniweinr, meist aus selbstgéwonnenkm Material.

Das Hauptabsaßgebiei des ailsgefübrtrn Branntweins ifi Frank- reich, ein klsiner Tbril wurde nach legien, Luxemburg und nach Amerika Versandt. ?

Die Hauptforten _bon Triiikbranntwein, Welche in Elsaß-Lotbringen konsumiert wrrden, 1ind Kirschwasser, Zwetskbenwaffer, Weintreber- branmwx'in, Wrimbrfrnbramitwcin, Obst_treberbranniwein, Korn- und Kmtoffelbranniwsin. Der PKW des Kirschwasscrs betrug 1,60 bis 3,20 „16, des Zwetschrnwaffers 140-250 „js, des Weintreberbrannt- weins 1,10-1,60 «44. des Weinbcsrnbranniweins 1,70-2,50 «16, ch Obsitreberbranntwrins 1-1,60 .46, drs Korn- und Kartoffelbrannt- wcins 0,52-1,20 «M. für das Liter _bei Abgabe aus der Brennerei.

Der zum Konsum géla-xi-mde Kartoffel- und Getreidebranntivcin bat durchschnittlich eine Stärk? bou 45-50 0/0, die übrigen Sorten babcn eine solch von 45-52 0/0. .

Preßbcfrnfabrikation in Verbindung mit Brennereibeirieb wird nur don eincr Griverbsanstalt betrieben.

Zur Arbriterbewegung.

In Leipzig brscbäftigtc sich eine Versammlung der Stein- meßgebilfen am Mittwoch wieder mit dem neuen Lohntarif der Innung. Dir Innung bat fiel) in einem Schreiben bereit erklärt, ihren Tarif in einigen Punktx'n zu Gunsten der Gehilfen abzuändern. Da durch dicse Zugkständniffe die Lobnsä e des Innungstarifs fast auf die Höhe derjsnigen des früheren Gebil entarifs kommen, beschloß, wie die .Lpz. Ztg.“ beliebter, die Versammlung, die Vorschläge der Innung anzunebmrn und den Gehilfentarif fallsn zu lassen.

In Offenburg in Baden ist einer Mittheilung des .VorwärtS“ zufolge in dcr Schumacher'schen Bürstenfabrik ein Ausstand der Arbeiter wegen Lohnstrrits ausY-Frockyen.

Aus Brüssel meldet , „T. B.“: In mehreren Koblen- gruben von Seraing und Flemalle smd kleinere Ausstände aus- gcbroobkn. Die ArbeitSeinsteUung hat ind? en keine weitere Aus- dkhnung angenommen. In den übriarn Ko lengruben des Beckens fäbrt dic Mannschaft vollzählig ein. Es herrscht Ruhe.

Aus Charleroi wird der „Köln. Ztg.“ unter dem 3. d. M. geschricbkn: Der Ausstand der GlaSacbeiter ist bis jetzt noch fcin aUgemeim-r. „Von den 21 Oefen des „hiesigen Beckens waren grstern 10 in Betrieb. Ruhestörungen find bisher nicht vorgekommen.

Verkehrs-Anftalten.

«Hamburg, 4. April. (W. T. B.) kanische Packetfal)rt-Aktiengesellscbaft. Der Postdamvfer .Normannia“ bat [)x-[xte Mittaa Scilly basiert. Der Post- datmyfffcr „Phönicia“ ist heute Nachmiitag in Cuxbaven ein- ge ro rn.

Hamburq-Ameri

Theater und Musik.

Königliches Schauspielhaus.

Arc! Delmar, der Verfasser des ersten, am gestrigen Abend gebotenen Stücks: „See, Drama in 2 Aufzügen", hat bereits durch seinen früher zur Arifführung gelangten Einakter „,Die Abrenßbooper“ bewiesen, daß er ein starker Tbeatraliker ist. Er war einst selbst Schauspielrr, und die innige Vertrautheit mit den technischen Er- fordcrniffcn eines wirksamen Bühnenstücks wird ihn davor bewahren,

Dramen bloß für die Lektüre zu schreibkn. Dazu komxut unleugbar ein kräftiges dichterisches Talent, das nicht an psychologtsÖeri _Details ba t und sich bemüht, durch tausend einzelne Züge em Milieu ber- zu teilen, sondern eine Freude an einfachen Figuren und einfachen großen Leidenschaften bat. ' ' ,

Sein neues Stück zeigt die “guien Etgenschaften dieser klaren Begabung, aber auch die Mängel, dtesetne Sulu, theatralisch effektvoll zu wirken, im Gefolge hat. Im (Grunde genommen ist das Lanze Stück nur die konsequente und erwartete Lösung einer langen Vor- geschichte. Vor Beginn des Stückes smd beretis aUe Fäden im Gange, und der Verlauf des Zweiakters derum? „inhaltlich keine Ueber- raschungen mehr zu bieten. In der Vorge cbtchte bat Trubel Renim nicht auf ihren Geliebtrn warten“ wollen, der als _Matrose jahrelang dertchollen gewesen ist, sondern einen anderen gebeiratbet. Als aber Peter BrUbobm doch beimkam und seine Geliebte als das Weib eines anderen wiedkrfand, beiratbete er ein anderes Madchen Namens Rieke. Jabrzrhnte gingen ins Land. Bei einer ungeheuren Flutb verlor Trudel Renim ihren Mann und ihr Häuschen, und ihre Erwachsene Tochter Stine, die fich dem Matroskn'Frqnz Molchin versprochen batte, wurde blind. Nach jener furchtbaren Katastrophe ging Molchin in die Welt und Verspracky heimzukebren. Acht Jahre lang blieb er aus und - bier se t die Handlung des Stücks cm.

Der Xamilie5 enim geht es bitterelend, und nur Peter BeUbobm und skin Wsib _ eine prächtig gezeichnete Figur, die Frau Schramm vorzüglich wiedergab - nahmen sicb ihrer an. Aber auch der Schulze des Dorfes, der Bösewicht des Stücks, will ihnen helfen, um Stine zu Veranlaffrn, sein Weib zu Werden. Da kvmmt ein? Flaschenpost aus der Südsee an, die den Untergang Franze'ns meldc't. Nun iebt die Blinde nach und_ wird Pätdw's, des Schulzen, Wrib. rei Tage nach ihrer Hochzeit kehrt der Todtgeglaubte zurück, und es kommt - durch einen sehr unge1chickt9n Brief- Diebsiabl -- an dkn Tag, daß der Schulze bei seiner Schwester in Batavia fich jene Flaschenpost bestrlitbat! Diexe etwas dilettantiscbe Motivierung veranlaßt das Fischerdors, an dcffen Swise fich der ebr- liche Peter BeUbobm stellt, srlbst Gericht zu üben, und bei einer gemeinsamen Dünenarbeit werden Pätow und Bellbobm auf Nimmer- wiederseben in die See hinaus getrikben. Die Bahn ist jest für Franz und Stine frei. _

Es is_t schade, daß dem rein dramatiickokn Können nicht das intime psychologiiche Können des Verfaffers Entspricht, So sehr er fich bemüht, scbarfe Charaktere xu gkbsn, über die Anfänge ist er nicht binauSgekommen. Die friesischen Schiffer schwarzen nicht so viel und find weniger sentimental. _ Die DarsieUunZTwar meist anzuerkennen. Naturgemäß lag der Schwerpunkt auf drn OÜM der Männer, Von denen die des Franz (Herr Maikowékv) vom Dichter am stiefmütter- lichsten behandelt worden ist.

Mit einem mächtigen räumlich und zeitlichen Sprung derseyte uns das chite Stück: „DUMMLI Zeug wird bier getrieben Lustspiel in 3 Aufzügen nach dem Spaixisxhen des Noiaß“, in das qalante und graziöse Leben Madrids im "Anfang 13:8 17. Jahrhunderts. Nachdem sicb Cervantks, Calderon, Moreto, Lope de nga bsi uns auf dsr Bühne eingebürgert Haben, bat daI" Schauspielhaus mit. dem Zkiigenoffen Morcto7s, mit FranciSco de Rojas-Zdrriaa Linen Versuch gemacht und sein lustiges Stück (1211543 501305 31185 S1 ]08Z0) unter drm Titel .Dummrs Zkug wird hier ge1riebcn“ in flotten, grreimten Versen vorgkiübrt. Diese spanischen Scherzo und Liebe'sspie'le ähneln fick) wie ein Ei drm andern. Ein Vatkr, der sein: !chöne Tochter an einen reichen Dummkopf verbciratben wi[_1, meik srinc Weisheit in dem Verse gipfklt: „Mit s€chstauycnd Golddukaten ante Kann man schon ein ganzes Schaf sein“, eine intriguante Tochter mit ihrem schnippiscben Kammerkäßäyen, die jenen Dummkopf hinters Licht fübrrn, um seinen schönen, aber armen Veiter zu fangcn, ein ewig Versr raffrlndér, bimmxinder Anbeter, dumme und geschickte Dirner, eine angrjabrte Jungfrau, die mit Virtuofität in Ohnmacht fäüt, und sÖUSsFÜÖ der von Herrn Vollmer außgezeichnet dargestellte reich€ Dummkopf, der zum Schluß sauersüß brreut, daß andere „den Spaß und Er die Spesen“ grbabt hat, das find die «Helden auch dieses Stücks, die Jahrhunderte lang die spanische Bühne bevölkert babcn. Dsn Inhalt kann man fich denken. Erwar bei Rojas zu weit ausgesponnen und ermüdet? das Publikum Ein wenig, das_ Vorher den Verfasser von ,Sre“ cinige Male lebhaft herausgerusen hatte. '

Berliner Theater.

Mit dem Schauspiel .Der Hexenkcssel" führte fich gestern Abend ein junger Dickster, Georg Engel, auf der Bühne des Berliner Thrakers vortheilbaft cin. Obwvbl dsr dramatische Aufbau nicht_gerade geschickt ist undxber unsicher genannt wrrden darf, übte die Handlung dock) starke Wirkungen auf das Gemüth der Zuskbauer aus. Im ersten Akt foÜtr drm Anschein nach ein Konflikt angestrebt we'rden zwischen einem starrköpfigen alten Bauernbofbesiser Karl MöÜer und dem echt vaterländisck) nnd pflicbttrru gesinnten preußischen Offizixr Kurt don Salis, der am Tage der Schlacht don Saalfeld in dIn don Frinden beseßien und sichcren Tod bringenden ,Hexenkcffel“ marschieren soll. Drr zweite Aufzug läßt aber diese Gegensätze faÜen und richtet die ganze Auf: merksamkeit und Tbeilnabme aur dasz Aufkeimen und Eiblübcn eines zarten Liebesbundes zwischen drm Offizier und der lieblichen Pßege- tochter Marie des alten MöÜrr, bei dem Kurt von Salixz im Quartier liegt. Der [Syte Akt führt in kurzen wirkungsvoUen Scrnen den Schluß der bis dahin verworren bin- und Herschwankenden «Handlung herbei. Der Offizier wird als ein Sterbender aus dem Hexrnkeffek in das Haus seiner Geliebten zurückgebracht und der Segen des Land- Pfarrers, der um Mariens Gunst Vergeblich grfleht batte, verbindet die Liebenden rechtmäßig auch Vor den Augen der Menschen. -- Die übx'rströmende Liebessebnsucht und alührnde Lrbrnslust, die deu jungen Osfizier im Angesicht drs sicheren Todss zu gesteigerten Empfindungen und zu heftigen Entschlüssen unaufhaltsam hinreißt, hat der Dichter ergreifend zu schildern derstanden. Vorhrr aber wirktschon die echt deutsche Treue und patriotische Hingebung erbebend, mit welcher drr Jüngling bei offenen Augen, zwar bewegten Herzxns, aber sicheren Schrittcs in den unabwendbarrn Tod geht. Die P1vchologische Entwickelung und die Zeichnung der Empfindungen des Helden ist gut ge'lungcn, obgleich die Führung des Dialogs dem Diclytkr erkenn- bare Schwierigkeiten bereitete. Trotz aller Unsicherheit in dem allmählichen Fortschreiten der Handlung habsn seine Bübncnqcstalfen wirkliche Tbeilnabme erweckt, was immerhin rin günstiges Zeichen für die dramatische Bkgabung des Verfassers ist. , '

Die HauptroUe, die des Offiziers Kurt don Sallß, sv_ielte Herr Sommerstorff vornehm und mit _natürlicbcr . Warmr der Empfindung. Fräulein Eisinger (Marie) bleibt mtr tbrkr _qu- steUungskunst noch zu sehr an der Oberflächc; sic nvmj troydcni lieblich und manchmal rührend. Der Gestalt des alten Möljrr briltcb Porr Nol let die nötbige Schlichtheit und Kraft. JU ds_r klcmcn RVUS des biederen Majorsburschen aus Pommern wirfic Porr Waldow durch seinen ungekünstelten Humor erfreulich.

Konzerte.

Der gestrige dritte Lieder- und BaUaden-Abcnd dcs *Pc'rn Eugen Gura (in der Philharmonie) bracdic 111111341525 NRW und begann mit vier anmuthigen Gesangen_auß „Konni Elfks Liedern“ von Henning von Koß. Hierauf solgtcn die mtt großer Spannung erwarteten neuen Lieder von '.)Tickoard'Strciuß, deren interessanter musikalischer Inhalt sich zugleich durcb Originalitat der Erfindung auszeichnet. Das led',Ach, weh mir ungluck- baficm Mann“ wurde auf Wunsch Wiederholt. Dann folgxcn sieben Gesänge aus Schumann's Liedcrkrcis (P., 39 ix_nd funf Balladen von C. Lörve, deren csste durcb tbrrn 1e11sqmcn Titkl „Tod und Tödin“ auffiel. Dcr Lirxprung diescr „Fom- position ist ebenso seltsam und wurde durch die Behauptung Lowc's angeregt: jeder, noch so fremdartige Tx'xt könn? m Maxik gescßt Werden, worauf der anwesende Dicht6r A. von T!chabuschmgg sofort die Verse improvisierte, in denon cin? .Tödm' als)" F_rau des Todes fungiert, welche dirStrrbck-cmdcn ansrrttgt und die Graber