1895 / 85 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 06 Apr 1895 18:00:01 GMT) scan diff

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Die in freifinnigen und sozialdenxokraiisckzen Blättern gc»- brachten Mittheilungen über die Grunde, aus welchen der kommandierende General des 171. ArmeezKorps, General der Anillerie von Lewinski seinen Abschied erbeten hat _ es wird darin behauptet, er habe sich einer Etiquettc-Fragezum Obfer

ebracht _ beruhen auf Erfindungen und_entbehren ]eder ihatsach- ichen Begründung. Das Rangverhältmß der kommandicxenden Generale zu den in der Provinz sonsi noch beamteten Wurden- trägern des Staats und der Kirche ist durch bestehende Yer: ordnungen endgültig und unantastbar festgestellt; es exfahrt auch dann keine Aenderung, wenn„d1e_ genanziten Wuxden- trägcr höhere AdelsPrädikate oder Furstliche Wurden besißen.

In der französischen Zeitung „Le_ Matin“ vom 9. März 1895 wird behauptet, daß fick) „die deutsche Heexes- verwaltung eines von dem franzosischen Oberst Discus “vor einigen Jahren erfundenen Säbel=Modells unter Nicht-

achtung der Reehte des Genannten bemächtigt und mit diesem“

Säbel die preußische Kavallerie bewaffnet habe.

Diese Nachricht ist völlig unzutreffend. Der betreffende Säbel ist nicht einmal zu Probeversuchen beraygezogen, gcscbweige denn bei der preußischen Kavallerie eingefuhrt worden.

An Stelle des verstorbenen SenatH-Präsidenten des Kammer- crichts, Gchsimen Ober:Zuftiz-Ratl)s ])r. H ensch ke ist der ammergerichisMatk) [)r. Men cke vom . 1. April 1). I. ab

zum Mitgliede des Gerichtshofes zur Enischeidung der Kompetenz,- konflikte ernannt worden.

Wie wir vernehmen, ist drm Wirklichen Geheimen Legations-Rath von Eichborn die Leitung der Personalien: 2c. Abtheilung des Auswärtigcn Amts übertragen worden.

Der (Hencral-Lieutenani Kuhlmann, Inspekteur der 1. Fuß:ArtiÜerie-Jnfpektion, hat Berlin verlasseii.

Mecklenburg-Schwerin.

Aus Cannes wird din „Meckl. Nachr.“ gemeldet; Das Befinden Ihrer Kaiserlichen Hobcit der Großbexzogin hat sick) soweit gcbessert, daß Hochstdiesclbe gestern die erste Aus- fabri bai unternkbmen können. '

Ihre Königiiche Hoheit dic Großherzogin Marie_und Ihre Hoheit die Herzogin Elisabeth sind aus Rudolstadt wieder in Schwerin eingetroffen.

Lübeck.

"Zur Deckung des Fehlbetrags im Staatsbudgct fiir das Rechnungsjahr 1895/96 wird vom Senat die Erhohung der Einkommensteuer um 25 Proz. in Vorschlag gebracht. Gcgenüber dem von der Bürgerschaft und dem Bürgerausfch1iß dcm Senat außgesprocbencn Ersuchen um Einfiihrung cincr [iibeckischcnStaatsloitcrieverbältfichderSenat ablehnerid. Ter Bürgsrausschuß hält indsffkn seinen Antrag voUinhalilick) aufrecht und fordert von dem Senat im wiederholten Fali die Vsranstaliunq eincr Liibcckischcn Staatslottcrie. Da zwi1chen Senat und Bürgerschaft Über diese Frage eine Einigung nicht hat erzisii werdcn können, so ist die Angclegenbeit eini'r aus je sieben Mitgliedern des Srnais und sieben Mitgliedern der Bürgerschaft bestehenden Kommission übcrtragen worden.

Hamburg. Tem Semi ist, wie dEr „Hamb. Korresp.“ “erfährt, folgc'ndes Schreib2n des Fürsten Bismarck zugegan cn: Friedrich* ub, 2. Awril. Dkk bobs SONST bai micb diirch die freund [ÖW Glückwünsckye zu meinem Gkburxéiags bock) gésbtt und erfréut. Ich bitte hockyreniklbén, dafür und für Das woblonEnke Zcichén ker Anerkknnung, welches mir durcb Prägung 811167 Münze zu m€in€m Andknken zu tbeii geworden ist, M1 Mbinriicbsten Auédruck meincr Danibaxkeit entgegen zu nehmen. von BiSMarck.

Elsaß-Lothriugeu.

Ti? geitorn im tclcgmpbisckicn Auszugc mitgcibe'ilte An- iprachc ch Kaiserlichen Statibaltcts Fürsten zn „Hohenlohe: Langenburg bci dcm Tinir zu Eliten ch Landcß-Llus: schuiicß laiiiete nack) dLr „Straßb, Korresp.“ wie folgt:

*chn CH mir [WTS zum ersién Mai vergönnt ist, die Mitgliedsr des JQUDCÖQUIiÖUffcÉ in meinxm «Haus? zu kcgtüßcn, nachkkm Seine: Majsstät Dir Kaiisr mir die Viiwaiiung des Lanch gnädigst über- Traxn bat. ii“ gkstättkn SiS mir VOL QÜLM, JÖUM mcinsn Dank für bie likbknswüriigß Iluinabmé auszusvréchen, die ich bsi ankn, dis ici) in_bsm Rsicbéiznd geibnbkn babs. Ick babs mich rasch kiiék bsimiscb gsküblt und-nwisz mich eng mit Tsm Lande und seinkn Jntsrkffen kcxiiinrkn. Katz nach meinem Eintrkffen uni: namemiick) nach Eröffnung des Landééau-FÖUFLH waid mir rcn TSU Zeitungen "ker Vcrwurf ZE- macht, ich bätte cs unterlaffen, ein Programm über msinex zukünftige VexwaltungÉMise ausiusteükn. Jimi, 11161118 Herrkn, ira? kätis ich ka sa,;Ln 17911211? TaT- Lani: kannic ick) sébr rrknig und Las Land kannte mich nkw rrknigxr. Mein Programm kann nur darin beitcbkn, mich zu meÜben, aui TMZ Grim? Wkifék zu bauen, den nikin versbrtkr iind bswäbriér Vorgangsr, ker jesige Herr Reich§kanzl6r, in so glück- lickU-r Wkik'c zum Wohle TLS Landsé gkiégt kat, un“: die von ibm ge- schar7€n€n geordnetkn Zustände zu pflegen. * :S bexéuiet €in€ Prvgrammrere, wenn man in ganz nxuc-x VSL"- bältnisi'? tritt! Entwedsr erßcbt man sich in allgemeinen nichts- sagendkn Nkrenéarten oder man bkrübrt Fragen, die man nicht gründlich ituricrt hat, und läßt fi zu Zusicherungen Verleitén, die man rieilkicht nicbt einlöskn kann. 16 Seine Majestät der Kaiser kie_(§nad€ batik, mich bierbsr zu bcrufön, war ich mir VOU der ernsten Auxgabc biwußt, die mir istelit ward, und suchte mir klar zu macbkn, in welcher WCisL icß hier wohl vorzugebkn babe. Ich dachte dabCi . an iris Erziehung meixer Kinder, bei der ich nicht nach starren PkinZWién banceiie, vielMcbr 'die Eigsnscbaftcn derselben zu erksnnen kucbks, dic mir r-ri Weg zkigen soliten. den ich einzuschlagen hätte, um für das Wohl T_er Kindkr iu sorgkn und mir ihr Vertrauen zu erwerben. Das glxtcbk _YVermbrkn dürfje bei dkr Verwaltung eines Landes angezeigt skin, m_it rmkkn EUZMTU man noch wknig bkrtraut ist. Diese wil] itubikrt sein, bkvbr man islbßänkig bznkeind vorgebkn kann; fie mus: den Weg wei'kn. Bié Mt babe ich nur freundliches Entgegenkommen gsfunkxn und KMU liékrkné-krürkigen Cbarakter, dabei eine hocherfreu- licks _»„iTKMJZiiLYL. Ich denke, es wild nicht aUzu schw-kr sein, fich gk_JLk-_ié111z“; ZU-7N1?€Ü€11. inksr kristierkn aber auch in unserem Lands wn? ubsrali (Ziemxnie, cit.- TKZ Land nicht zur Ruhe kommen lasch wciikii unk; ier REZiLTUUJ Tie Arbiii sebr ersÖwEth. Sis, mxin-s Hsrren,_aié di? ,Vsrtrster bsH Vrlls von Elsaß-Lotbrinsxen. weirxn ZLWLZ ier Zikßikrung in ibrkr Bemühung bei-

in steundli Entgegenkommen den Landeshaushalt festgestellt habe:), haben Sie auch in den letzten Tagen den Gesehentwurf, betreffend.'d1e Gebäudesteuer, in Beratbung genommen und demselben in zweiter Lesun Ihre Zustimmung ertbeilt, wofür ich sehr dankbax bin, „dcriicb die Ue erzeugung babe, daß damit manche drückende Uyqletgbbeit tn der SteuervetanlaguY beseitigt wird. Ganz besonders zahle, ich auf Ihre Mtbilfe beidem estreben, einen Wa erwe vomNiederrbemnachStraß- burg herzustellen, der geeignet ist, ni t allem Straßburg zu einem be'rvor- ragenden Handelsplay zu machen, sondem auch dem. oberrbeinisä'oxn Gebiet bi ige Zu- und Ausfuhr zu gewähren. Nicht mmber wichtig erscheint mir die Aufgabe, den Zest durch die Rbeinregultetuna ver- .ödeten Ländereien das Leben nba tende und fördernde Naß zuzufübrxn, worüber ich Ihnen eine VorlaY babe zugeben lassen. Eine Reibe bedeutsamer Aufgaben auf dem ebiete der Gesc gebung werden uns in den kommenden Jahren beschäftigen, wobei i aiif Ihre freuxid- liche Mitarbeit rechne. Ich werde immer dankbar eine offene Kritik unserer Vorschläge von seiten des „Landesausschuffes aufnehmen. Seien Sie überzeugt, da mich nur der eine Gedanke beseelt, wie ich dem mir AUerbö st übertragenen Auftrag zum Heile des Landes am besten entsprechen kann. In diesem Bestreben müssen Sie, meine Herren, mit helfend zur Seite stehen. Indxm i Sie bitte, mit mir für das Land zu arbeiten, leere ich mein (H as auf Ihr Wohl, meine Herren des Landeöausscbusses, und auf das Gedeihen unseres geliebten Elsaß-Lotbringen.

Die Rede des Fürsten, stellenweise von Beifall unter: brochen, wurde am Schluß von lebhafter Zustimmung begleitet.

Der Präsident des Landesausschuffes Dr. von Schlum- ber er erwiderte mit nachstehenden Worten:

eine Herren, es sei mir erlaubt, dem Kaiserlichen Statthalter im Namen des Landebausscbuffes für das von Hochdemselben aus- gebracbte Hoch auf Elsaß-Lotbrinaen und auf den LandeSausscbuß recht herzlich zu danken. Meine Herren, Seine Durchlaucht haben soeben Worte ausgespro en, die uns zu Herzen gegangsn find und welche uns beweisen, daß ochdiefelben das Wohl des Landes fördern wollen, _ dassexlbe Ziel verfolgt auch der Landesausschuß in den Fragen, in welchen er mitzusprecben bat, und ich bin sicher, baß sich immer ein emeinsamer Weg finden [affen wird, um zum gemeinsamen *Ziele zu ge augen. Und nun, meine Herren, sei es mir gestattet, ein „Hoch aiiszubxingen auf das Wohl und die Gesundheit des Fürsten und der Fürstin. Sie leben boch _ boch _ hoch!

Mit lauixm Zuruf stimmte die Festversammlung in das auSgebracbte .Yock) ein, _ .

Der Landesausschuß hat in seiner vorgestrigen Sißung den__Entwurf eines Gescßcs, betreffend die in die Geburts- regijti'r einzutragenden Vornamen, nachdem Unter-Staats- sekretär Di“. Hoseus fur die Gesichtsbunkte dargelegt hatie, welche zur Vorlage dieLeS Entwurfs gefühkt hatten, in Lesung angenommen.

erster, zweiter und dritter _ eines (Heseßcs, betreffend

Ebenso gklangie der Entwurf

die Bestellung der Amtskauiionen, nach kurzer Be- gründung durch den Unter:Staatssekretär von Schraut in drei Lesungen zur Annahme. Die Novelle zu den beiden Gcscßen von 1889 und 1891 über Grundeigenihum u. s. m. und über Einrichtung von Grundbüchern wurde der zweiten Kommisiion überwiesen.

sodann bis zum 23. April.

DU? LandeWquchuß vertagte sick)

Oesterreich-Ungarn.

Ter Kais er empfing gestern den Kardinal:Fürsterzbischof von Prag Schönborn in besonderer Audienz. _

Die Berathungen der Zucker:EnquSte-Kommission wurden gestern fortgeseßt. Die meisten Experten bezeichneten bie Ueberprobuktion als Ursache der Krisis und sprachen nch für eine gcnoffenfchafiliche Organisation bes Baucrnstanch, smvie gegen die Kartelic aus. Ein- zelne Experten empfahlen AiiStiahmctarife aiif dcn Staatsbahnen fiir Zucker und Kohle sowie die Einseßung von Schiengerichtcn zur Austragung der Rübenlieferungs: przcffc und das Vsrbot des Termingeschästs in Getreide.

Wie die „Pressk“ meldet, hai Ministerium "eine Vorlage fertig gestellt, dUrck) we'lche dcr HandclE-Minister ermächtigt wird, im Verordnungswege Maß- regeln zum Schußi' des Publikums gcgen dis Quantitäis: uni) Qualitätsverfälscbungen bci dkm Verkauf gc: wiffer inländischer und aubiändisa'icr Wgaren zu er- [ÜffLi!. Dcr Gkscßcntwurf soll dkmnächyt dem Abgc- ordnstenbause vorgelegt werden. _ Eine in dcr leßten Sißimg dLs Nbgeorbnctenbauses eingebrachte Vorlage schlägt für das Jahr 1895 den Bau von 16 Lokalbahnen mit Staats- hilfe VN“, nämlich 7 Bahnen in Böhmen, 5 in Galizien,_3 in Niederösterreich, 1 in Salzburg, ferner den Bau von ?Eisen- bahnen ohne Staatshilfe, davon 5 fiir Böhmen und 2 fiir Galizien. Insgesammt werdcn 23 Lokalbabnen in einer Gesammtlänge von 818,8 1211] und mit einem Anlagekapital von 39,58 Millionén Gulden gefordert; 26,6 Proz. dieser Summe sollen durch den Staat, 53,4 Proz; durch die Einzel- länTer uni) 20 Proz. durch die Jntereiientcn aufgebracht wer 211.

Das ungarische Unterhaus wird sich beute bis_zum 23. April vorlagen. Fiir die Sißung am 25. d. M. jollen die (Gesetzentwürfe Über die Rezeption der Juden und die freie Religionsübung auf die Tageszordnung gcscßt werden.

Großbritannien und Irland.

Tas Unterhaus hat gestern die zweite Lesung der irischen Landbill naci) dreitägigkr Debatte ohne nament- liche Abstimmung angenommen. Die Redner dcr Op- po1ition widcrscßten sich der zweiten Lcsung nicht, erklärten jedoch , die Bill erfordere eine erhebliche Abänderung in der Kommission. Der Finanz-Sekretär dss Kriegsamis Woodall erklärte, die Regierung hoffe kurz nach Ostern eincn Geseßcntwurf vorzulegen, durch welchen dis Regierung in den Stand gescßt wird, die Dienste der Freiwilligen:KorpS fiir den Notbfall anzunehmen. Talkiel begründete eine Re- solution zu Gunsten einer zweiten Abstimmungbei Pyr- lameniswahicn, wenn der Kandidat nicht die abloiute Majorität erhalten hat. Der Präsident der Lokalvcrwaltung Schaw-Lefcvre erklärte, die Regierung habe es dem Hause Überlassen, Über die Frage eins Entscheidung zu, treffen; er Halte den Amrag für zwcckmäszig und werde für ihn stimmen. Der Antrag wurde mii 132 gegen 72 Stimmen angenommen.

Gestkrn wurde im Parlament der Jahresbericht Lbrd Cromer's über die Forischritie Egyptens vertheilt. Nach cinkm Hinwsiß auf die in verschiedenen Zmeigen des öffentlichen Tiknssés durchgefiihrten Reformen stellt Lord Cromcr darin fest, daß die gegenwärtigen Minister und die höheren englischen Beamten der verschiedenen Depar- temsnts aufrichtig «meinsam zur _ Wohlfahrt vqn Egypte'n arbeiteten, und da[; zu hoffen 1ei, es werde kein

ßeben, die eordneten Zustände * aufrecht zu erhalten. Nachdem Sie '

das Handeis- -

wibri es -Erxigniß das gegenwärtig bestehende gute Ein- verne men storen. Wx der Mißbräuche dcs Sklavenhandels sei zur Zeit eine Revi on der Konvention von 1877 zwischen England und Egypten in Erwägung gezogen.

Frankreich.

In“ der gestrigen Sißung des Senats bemänqelte Isaac bei der Bergthung des Kolonial-Etats die Ver- waltwng der Kolonien. ' Der Minister für die Kolonien, Cha„utemps gab gewxffe aus dem Sudan und vom _Senegal gemeldete Mißbräuche_ Zu; man verfolZe dieselben edoch nach Billigkeit, Gerechtig eit und nach en Grund- Zäßen der sklavereifcindlichen und zivilisatorischen' Po: litik, die zu vertreien sich Frankreich zur Ehre rechne. Die afrikanische Politik werde auch fernerhin vor allem eine HandelSpolitik sein, man werde fick) bemühen, den Kolo- nisations-Kolonnen die Wege zu ebnen. Der Kolo- nial-Etat wurde hierauf angenommen. Bei der' Berathung des"Etats des Ministeriums des Aus- wärtigen e'rklarte der Minister des Auswärti en Hanotaux

auf eine Anfrage Lamarzelle's: die Ange egenheit des .

Forichungßreisenden Mi on und die Uganda-Frage, wegen“ deren er,der Minister und eine A1ntSvorgänger,sehr dringende Vor- stellungen an die englische Regieruyg gerichtet hätten, würden. leicht erledigt werden können, wenn sie nicht mit einer Gruppe von. Fragen . von allgemeiner Bedeutung zufammenbingen, die seit langem zwischen den beiden Regierungen erörtert würden. _Gerade diese Gruppe von Fragen Habe in den leisten Tagen im englischen Unterbause zu einer sekzr lebhaften Debatte Anlaß Ygeben. Er wolle erklären, daß er Charakter, den diese“

ebatte durch gewisse Redner erhalten habeTÉowie die Debatte- selbst ihn wirklich Überrascht Hätten. * enn ein neues cnisthcidcnch oder auch nur wichtiges Ereignif; politischen oder diplomatischen Charakters_eingetrctcn wäre, 0 würde er die- plößliche Erregun , die sich im cnglischen Hause kundgegeben babe, verstanden aben, aber er könne verfichern, daß kein Ereignis; solchxn Charakters vorliege. Die seit mehreren Jahren hinsichtlich der afrikanischen Angelegenheiten zwischen England_ und Frankreich eingeleiteten Verhand- lungen befänden sick) noch in der Schwebe; die Diplomatie- seße _il)re Arbeit fort. Er sei mir darüber erstaunt, das; man' anläßlich der am vergangenen Freitag im englischen Unter- hguse ab. cgebenen Erklärungen diescr wichtiFY Thatsache“ nicht Re )nung getragen zu haben scheine. fra, e sich, weshalb man gegen Frankreich gleichsam öffentlich Bes werde uber dessen Absichten gerichtet habe, da man doch über deren- Charakter nicht habe im unklaren sein können. Der Minister unterzog sodann drei Fragen: bezüglich des Niger, bezüglich des Mekong und bezüglich des oberen Nilis oinerVesprechung und erklärte, hinsichtlich des_obcren Mekong befinde sich die englisch-ftanzöstsM Kommisiion in vollständigstcm Einver- ständniß; in dieser Hinsicht sci kkinerlei Schwierigkeit voraus- zusehen. Was den Niger angebe, so sei dies eine Frage nach dem Rechte der Nigchompagnie, die entgegen der inter- nationalen Berliner Akte bcanspruche, den ganzen Handel in ihre Hände zu bringen und jeden Transit in dem von ihr mehr oder weniger tbaisächlich beseßicn (Gebiete zu unterbinden. Die Frage sci zwischkn Frankreich und der britischen Regierung zu erörtern, aber, gcstiißt auf die Akte vom Jahre 1885, bcftreitc die französische Re-

gierung, bis die Frage auf diplomatischem Wige entschieden

sei, die Ansprüche der Niger-Kompagnie. Bezüglich der Frage des oberen Nils Hob der Minister hervor, wie unbekannt das weite Gebiet zwischen dcn Seen und Wady-Haifa noch sei, und erinnerte an das engliscki-deutsche Ab- kommcn von 1890, das englisch: französische Ueberein- kommen, betreffend Sansibar, sowie an das Abkommen zwiickisn dem Congbstaat und England vom Mai 1894 und das Abkommen dcs Congostaaics mit Frankreich vom Yugust1894. Tie von Frankreich eingenommene Haltung, 1agtc dcr Minister, sei folgende: Die Gebiete, um die es sick) bandis, ständen unter der Souveräneiät des Sultans; wcnn sie einen rcchtmäßigen Herrn hätten, so würde es der Kbcbive icin. Tics vorausgeseßt, sagen wir zur cnglischen Regierung: Iiir crklärt, daß England kraft des Abkommens von 1890 cinen Theil dieser (Gebiete zu seiner Einflußspbäre rechnet; laßi mis min wenigstens wissen, auf welche Gebistc fick) Eure Ansprüche bczichen; sagt uns, bis wohin sick) diese Einfliißspbäre erstreckt, die nach Eurer Ansicht am linken Ufer deZ Nil beginnt und sich nach Nordcn hin, man weiß nicht biH wohin, ausdehnt; kurz, Ihr richtet an uns eine unbe- stimmte Forderung, die in Wendungen formuliert ist, die zu vcrscbiede-nen Deutungen Anlaß gebcn. Ihr bringt in einem einzigen Saß dic cgypiiscbc und die englische Einflußsphärc zusammen; sagt uns doch, wo Egyptcn aufhört und wo die Einflußspbärc anfängt, die Ihr fordch. Ihr wünscht, daß wir gegenwärtig, und nach meiner Aniicbt vorzLitig, die ferncre Gestaltung dikser Gebiete regeln. Ihr wollt unsere Zustiiimmng erlangen, ohne daß Ihr uns auch nur ails- cinandcrseßt, wozu wir unsere Zustimmung geben sollen_. Bei solchen Bedingungen könnt Ihr nicht erstaunt sein, daß wir unsere Einwilligung verweigern und uns unsere Freiheit- bewahren. Auf so klare und berechtigte Kragen, fabi: der Minister fort, habe nun die französische * egierung eine be-

stimmw Antwort nicht erbalisn können. Wenn er die englische“

Regierung drängen moblie, zu antworten, so würden die Unter- bandlungen abgebrochen werden und zwar nicht seitens der französischen Regierung. Aber, wenn man sick) übcr eine_n anderen Punkt, Sierra Leone, habe verständigen können, 10 glaube er, daß auch diese Fragen, so verwickelt fie auch seien, sich bsigcgenscitigem guten Willen, ibre Lösun herbeizuführen, lösen [affen wiirden. Zwischen Frankrci und England gebe es keine Frage des Angriffs ober heftigen Drängens, wo es sick) um so verwickelte Probleme handle und wo so verschiedene Wege der Lösung ins Auge gefaßt werden könnten. Kein Mensch könne daran denken, den ersten, auf unzuverlässigen Karten flüchtig skizzierten Abgrenzungen einen so unabänderlichen Charakter zu geben, wie ihn durch den Gang der Geschichte die Grenzen der europäischen Staaten besäßen. Ebenso könne niemand die Initiative unabhängiger Männer, welche zur Erforschung der ncUen Ländcrgebiete auszögen, verhindern wollen. Wenn aber die Zeit gekommen sein werde, die Gestaltung jener fernen Gegenden endgültig „zu bestimmen, dann werde er unter denen sick) befinden, welche unter AchtunL der Rechte des Sultxins und des Khedive und unter Sicherstellung dcffcn, was ]edem Einzelnen von Beiden nach seinen Leistungen zukomMc, der Ansicht fLeien, daß die beiden großen Nationen die geeignete Form "nden würden, um ihren Interessen und ihren gemeinsamen Wünschen für-

' als der Minister

ivilisation und Fo (hriit . u gemi en. Die Rede wurde Zurck) lebhaften Beifa unterbrochen, gber sich auch erneuerte, Hanoiaux die Tribüne verließ. Nachdem hierauf ber Etat des Auswärtigen angenommen war, wurde die Sißung geschlossen.

Die zur Untersuchiitig über die Eisenbahnkonven: tionen xinggseste Kommission der Deputirtenkammer hat ße!) einfttmini gegen die gerichtliche Verfol ung des fruheren Mini erxs Raynal wegen der von ihm abg chloffenen Eisenbahnkonventionen aUSgesprochen.

Rußland.

Anläßlich ihrer Hochzeitsfeier haiien, wie „W. T. B.“ aus St. Petersburg berichtet, der Kaiser und die Kaiserin zahlreiche Bittgesuche um UnterstüÖung erhalten. In- folgedessen waren 50000 Rbl. zur ertheilun bestimmt worden. Nach einem nunmehr im „Regierun s oten“ ver: öffentlichten Reclxens aftsberichi find 41683 bl. an ins- esammt 4916 Bittste er vertheilt worden, unter denen fich Z696 St. Petersbur er befanben. 500 Rbl. find der „Phil: anthropischen G2sel]?cha_fi“ m _St. Petersburg überwiesen und 3081 Rbl. aii die Provmzial-(Houverneure zur Aus- theilung an _547 Bitistelier gesandt worden.

Der fruhere Fmanz-Minister Wyschnegradski ist in der vergangenen Nacht gestorben.

Italien.

Dem „Giornale“ zufolge wird die Vermählung des Herzogs von Aosta mit der Prinzessin „Kelime von Orleans am 13. Mai in Stovehouse staitfin en. Wegen der Tra'uer im Hause Orleans wird die Feierlichkeit einen vollständig privaten Charakter haben.

Spanien.

Die „(Haceia de Madrid“ veröffentli t ein Dekrei, durch welches der friihere Minister der öffentli en Arbeiten Js as a zum Gouverneur dex Bank von Spanien ernannt wird.

In der Deputirtenkammer erklärte gestern, wie „W. T. B.“ meldet, auf die Anfrage, ob der Kommandant des Kreuzers „Conde Venadito“ vor Gericht gestellt und seines Oberbefebls enthoben worden sei, weil er auf die „Miance“ habe schießen lassen, der Minister der Kolonien Castellanos, er könne hierauf keine Antwort ertheilen. Dic Wicdcrherstellung der aufgehobenen unteren Gerichte wurde von der Kammer mit 151 gegen 56 Stimmen abgelehnt.

Zorilla wird dem Vernehmen nach seinen Wohnsiß in Madrid nehmen.

Belgien.

Die Nepräsenianienkammer bat gestern noch ein Amendemeni zu dem Kommunalwahlgeseß angenommcn, worin den früheren Gemeindcwählern vom 25. Jahre an eine Stimme auf Grund der besonderen Fähigkeiten (Kapazität) zugestanden wird. Das Geseß wurde sodann im Ganzen mit 90 gegen 52 Stimmen bei 3 Stimmenenthaliungen an: genommen.

Rumänien.

Das „Amtsblait“ veröffentlicht das Finanzgese'ß und das Budget für 1895/96. Das Parlament hat sich bis zum 22. d. M. vertagt.

Bulgarien.

In dem Prozeß gegen den ehemaligen Polizei-Präsidenten Lukanow und Genossen wurden Lukanow, der frühere Poli ei:Kon1miffar Totem und der frühere olizei-Agent S oizst a row schuldig befunden, Luka Iwanow behu S Erlangung eines Gcständnisses mißhandelt zu haben. Lukanow und Totew wnrden zu 4 Jahren, Soisiarow zu 3 Jahren Festungshast, zum Verlust ch Ranges und zum Ersaß der gemeinsamen Prozeßkosten verurtheilt.

Schweden und Nortvegeu.

Der König wurde, wie „W. T. B.“ berichtet, bei seiner Rückreise von Christiania vorgestern Abend mit großer Be- Jeistcrung empfangen; auf allen Stationen wurde das" EintreZen cs Königlichcn Sonderzugs enthusiastisch be rußi. uf dem illuminierten BahnhofsPlaß in Stockholm Farrten etwa 15 000 Menschen der Ankunft des Königs, der alsdann unter unauSgefeßtcn Hurrahrufen der Menge iiber den ebcnqus festlich erleuchteten Gustav Adolf-Plaß zum Schloß gxleitet Wurde. Als die Menschenmenge vor dem Schloß ben Konig?- san, anstimmte, iraten der König und die Königliche Familie wie erholt auf den Balkon, stets vom Jubel der Bevölkerung

begrüßt.

Amerika.

, Der amerikanische Kreuzer „Marblcheadé, gegenwärtig in Gibraltar, hat, wie „W. T. B.“ aus Washmgtbn mxlbet, Befehl erhalten, nach Beirutk) zu gehen, ebenso smd einige Kriegsschiffe der Vereinigten Staaten nach Aiexandretia imd Adana beordert worden, falls die „Besorgmffe' wegen dbritger Christenverfolgungen sich als begrundet erwxesen. Dix vxr: antwortlichen türkischen Behörden sollen davon verstandigt werden, daß die Vereinigten Staaten ben dort unter Vertrags- garantien lebenden amerikanischen Burgern vollen Schuß an: gedeihen zu lassen gewillt seien. . , _ . .

Dem Ministerium der Kolonien in Madrid ist eine Depesche des Gouverneurs von Cuba vom 4. d. M. zu- egangen, worin die Landung der Iqsurgentenfnhrer

aceo, Valides und Crombet bestätigt wird. Eine Ab- theilung von 700 Aufständischen sei im Zentrum_von Cuba bemerkt worden; man vermuihe, daß die Aufstänbischen die Absicht hätten, die Landung dss Jnsur enteiifuhrexs Gomez zu schüßen, der sick) nach den „leßtew achrichien in Haiti befinde und sich bemühen solle, cm Schiff zu mrethen, Um auf Cuba zu landen.

Asien.

Das ,Reuter'!che Bureau“ meldet. aus Simlq 'von JLsiern, daß, die er te Bri ade dcr Chitral-Expeditiob, wclche zur Beseßun der [L?ck dcs SwatZFlusses vor eruckt sei, emen Zusammen toß mit dem Feinde jenseits des alakand- passes gehabt habe. Einzelheiten Über das Gefecht fehlten.

Parlamentarische Nachrichten.

Dem Hause der Abgeordneten ist der vom Herrenbause €mxbmigte Entwurf eines Gesetzes, betreffend das Pfqndrecht an rivateisenbabnen und „Kleinbabnen und die Zwangs- vvlistreckung in dieselben, zugegangen.

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Nr. 14 des . entralblatts für das Deutsche Reick)“, berauSgegeben im ei Samt des Innern, vom 5. Abril, bat folgenden Inhalt: Kon ulatwesen: Entlassungen bezw. Einziehungen von Konsulaten. _ Marine und Schiffahrt: Erscheinen des neunten Nachtrags des internationalen Signalhuch§z _ Vorschriften über die Vermessung der Schiffe_ für die Fahrt durch den Suezkanal. _ Zoll- und Steuerwesen: Veranderungen in dem Stande oder den Befugnissen der ' Zoll- und Stcxyerstellen; _ Abänderung bon Tarasäßen. _ Polizetwesen: Ausweiiung von Ausländern aus dem Reichßgebiet.

Nr.. 14 der .Veröffentlicbungen des Kaiserlichen Ge- Rndbettöamw', vorzi 3. April, hat folgenden Inhalt: Personal- achr1ch_t. _ Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten. _ Sierbefaüe im Februar. _ Zeitweilige Maßregeln gegen Cholera xc. _ DeSgl. gegen Pest. _ effentlicbi's Gesundheitswesen in Nürn- berg, 1893. _ DeSgl. in mburg. _ Gesundheitsverbältniffe in BudapeFt, 1881/91. _ Ge eßgebung u. s. w. (Deutsches Reich.) Pockeneinschleppung. __(Preußen, Reg.-Bez. Köslin.) Kindbettficber. _ (Bayern.) Meßgeratbe für Apotheken. _ (Württemberg.) Irren- ansialten.“ _ (Mecklenburg-Scbwerin.) Mallei'n. Schweineseucben. thphtbeneserymN _ (Elsaß-Lotbringen.) Arzneizettel. _ (Oester- reich,) _Amerikamscbes' Schweinefleisch. _ (Großbritannien.) Roß. _ (Dane'mark) Thierseucben (Schluß). _ (Vereinigte Staaten von Amxrika.) Schiffewbne Gesundbeitßattest. _ Gang der Thier- seuchen _m Rumaxnen im 4. Vierteljahr. _ DeSgl. in Serbien. _ Des_gl. in Bulgarien. _ Zeitweilige Maßregeln ge en Tbierseucben. (Wurttembera, Cliaß-Lotbringen. _ Vermischtes. ( reußen, Berlin.) Karlsbaber Mmeralbier. _ ( esterreich.) Jmpftoff-Gewinnungs- anstalt in Wien, 1893/94. _ Monatstabelle über die Sterbefälle in deutscher) Orxen wit 15000 und mehr Einwohnern, Februar. _ DeSgl. *." gxoßeren Orten des Auslandes. _ Wochentabelle über die Sterbefalls in deutschen Orxen mit 40000 und mebr Einwohnern. _ Dele. in größeren Stadien des Auslandes. _ Erkrankun en in Krankenhausxrn deutscher Großstädte. _ DeSgl. in deutschen tadt- un_d Laridbezirkexi. _ Wittkrung. _ Grundwasserstand und Boden- warme in Berlin und München, Februar.

Entscheidungen des Reichsgerichts.

.Bei Anwendung dsr Bestimmung des § 704 11 1 des Preuß. Allg. Landrechts („Grobe Verbrechen gegen andere, wegen welcher em Ehegatte harte .und schmablicbe Zuchtbaub- oder Festungsstrafe nach Uriel und'ReckU erlitten hat, bexechtigen den daran unschuldigen Theil, die Scheidung _zu suchen.“) isi, nach einem Urtbeil des Reichs- ?erickyts, 17. Zivilsenats, vom 25. Oktober 1894, nicht zu unter-

cheid en zwischen Eheleuten gemeinen, mittleren und höheren Standes, vielmehr ,ist unabhängig von diesen sozialen StandeSunterschieden ausschließlich der Einfluß der Strafthat und der erlittenen Strafe auf das 111118138 Wesen, der Eb? zu prüfen. _ Die Frau des Arbeitexs W., eme unberbkfferliche Diebin , war wegen Dieb- stahls im wiederholten Rückfall zu einer längeren Freiheitsstrafe verurtbetlt, Welche sie Verbüßie. W. kla te aus Ehescheidung auf (Grund 1168 §704 111 des A.-L. R. ie Klage wurde in der Berufungsinstanz abgewiesen, indem das Gericht aus der Lebens- stellung ber dem Arbeiterstandc angehörenden Parteien berleiiete, es wizrben in diesen Kreisen auch längere Gefängnißftrafen erfahrungs- maßtg als nicht so schwerwiegend angesehen, daß deshalb dem Ei)?- gatten des Bestraften das Zusammenleben mit demselben nicht zu- emutbet werden könnte. Auf die Revision des Klägers hob das

eichsgericht das Berufungßurtbeil auf, indem es begründend aus- führte: ,. ... Das Verufnanericht bat verkannt, daß bei der Anwendung des § 704 11 1 A. L.- . die Prüfung darauf zu richten isi, welchen'Emfiuß die Straftbat und die erlittene Strafe aufdas sittliche, bürgerliche und soziale Verhältniß der Eheleute und damit auf das innere Wesen der Ehe auszuüben geeignet sind. Das innkre Wesen der Ehe ist aber Von dem Stande und der Lebens- stellung der Parteien unabhängig. _ DE]: Geseßgeber bat, wie die Entstehungßgeschichte des F 704 ergiebt, mit dieser Vorschrift beabsichtigt, .das feine Ehrgefüh dessen, der mit einem Verbrecher nicbt zusammenlebsn wvile, zu schonen und ein solches Gefühl in dEr Nation zu Wecken.“ Von diesem Ebrbegriff muß daher bei An- wendung des § 704 außgegangen werden.“ (114/94.)

_ Bei Successivlieferungen einex Waare erstreckt sich, nach einem Urtbeil deLReichgerichts, 71. Zivilienats, vom 7. Fe- bruar 1895, die Rücktrittsbefugniß des Käufers, wenn der Verkäufer auch nur mit einer Rate im Verzuge ist, auf den ganzen Yerirag, soweit er nicht erfüllt ist, somit auf alle noch weiter fällig w erdenden Raten. „Ju konstantcr Rechtsprechung ist Vom Reickys-Ober-Handi'ngcricht in'diesem Sinne erkannt worden, und das Reich§gericht hat sich der Anschauung des Reichs-Ober-Handelsgerichts in einer Reihe von Entscheidungen mit solcher Entschiedenheit ange- schlossen, daß in einer Entscheidung des ]. Zivilskiiats Vom 1. Oktober 1887 die Anwendung dieses Saßes als feste Praxis des Rerchgerichis bezeichnet wird. _ Der erkennende Senat fand keinen Anlaß, Von dieser feststehenden Rechtsprechung abzugeben.“ (342/94.)

Entstheidungen des Ober-VerWaltungsgerichts.

Die in dem Statut einer nsyen Jnnuxig getroffene Savun , daß von der Aufnahme itz die Innung diejsnigen aus- zuschlieHen find, welche den an die Mitglieder der Jnnun in Bezug auf e renbaften LebenSwandel zu, steilenden Anßorderungen nicht genügen, ist, nach einem Uribeil des Ober-Verwaltungs- qericbts, 111. Senats, vom 14. Januar 1895, rechthültig. Jedoch ist der chenbwandel des Aufnahme Nachsuchxnden deshalb nicht ohne Weiteres als nicht ebrenhaft zu erachten, weil er sich eines Haus- friedensbrucbs oder wörtlicher Beleidtggngen von Innungs- mitgliedern schuldig gemacht hat oder zu Streit und Zank gener t ist und sich bisher als Gégner deb Innungsweseys „bekannt gema t bat. Diesen Personen kann deshalb mcht obxie weiteres die Aufnahme in die Innung versagt Werden. _ Der Barbixr P. war, im Jahre 1889 aus der Barbier-Jnnung zu K. frettvilltg außgesckneden, beantragte aber im Jahre 1891 seine Wiederaufnahm? in die Innung. Dies lehnte die Innung ab und die yon P. berm Magistrat angebrachte Beschwsrde wurde abgewiesxkn. Hierauf kiagte „P. gegen die Innung auf Aufnahme. „Der BezirkZZausschuß Wies die Klage ab, auf die Berufung des Klagers aber anderte bas Ober-Verwaltungßgericht die erste Entscheidung dabin ab, daß dt? beklagte Innung verurtbeilt wurde, den Kläger anzunehmen. ,Die Rechthültigkeit', führt das Ober-Verwaltungsgeri t begründend aus, .der in dem Statut der beklagten Innung zu § 46 geiryffxnen Saßuna„wonach von der Auf. nahme in die Innung aucb diexentFn auSzuschließen sind, welche den an die Mitglieder der Innung t." 5 ezug_ au e'brenbafjen Lebenswandel zu stellenden Anforderungen nicht genugen, ist allerdings, da die be- klagte Innung ihre Verfassur] nach Maß gbe der §§ 97 ff. der Reichs-Gewerbeordnung umgeht det hat, in Hinblick auf § 97 Nr. 1 und § 100 Abs. 4 anzuerkennen. Dem Vorderrichter war indeß darin nicht beizustimmen, daß der Lebenswandel des Klägers zur Zeit, als 1":er sein Aufnahmegesuck) zu befinden war, und auch Jegenwärtig nicht als ein ehrenbafter zu erachten wäre. _ In dieser Beziehung ist es völiig unerheblich, daß Klä er als er noch der nnung anaebörtc, mit anderen Genossen die treicbunq des § 18 I r. 3 des Statuts beantragt_l)at, Wonach aus der Innung diejenigen ausgeschlosscn werden durfen, welche durch unebrenbafte Handlungen oder lastet“. haften LebenGwander schlechten Ruf gcrathen sind. Denn hieraus erbeüt Weder, da? Klager die Streichun in der Absicht boantragt hat, auch solchen Per onen die MitgliedschaJt zu erhalten, wcicbc 'ich im- ebrenbafter Handlungen od§r„eines"lasterbaficn L6bensivandrlo' 1schixldjg gemacht haben, noch daß Klager fur seine Person der Ebrcnbaftixikcii

verlustig gegangen ist. War Kläger, wie er behauptet, der Meinmia, das; diese Saßung entbehrlich und auch,bebufs„Vermeidung einer miß- bräuchlichen Anwendung besser zu beseitigen sei, so durfte er dieser seiner Ueberzeu ung dureh die Stellung des Antrags auf Streichung der Saßung uSdruck geben. Ebensowxmg rechtfertigt die im ' Jahre 1888 erfolgte Verurtbeilunq_ des Klagers wxgeq Hausfriedens- bruchs zu 5 % Geldstrafe einen Ruckschluß auf die ihm. abgebende Ebrenbaftigkeit. Auf den Tbatbeéxand bes »Hausfriedetisbrixckos ließe sicb die Annahme, daß der T aier die Ebrenbafiigkxtt nicht mehr [)Efißt, doch nur dann gründen, wenn dies. aus den besonderen Umständen, unte; denen ber Haysfnedens- bruch berübt ist, klar erhellte, was hier, inbeß mcbtfzutrifft. Fluch darauf läßt fich der Mangel an Ebrciibaftigkeit auf Seiten des Klagers nicht gründen, daß er seiner ganzen Aula nacb zu 'Stxeit und_Za_nk geneigt ist. . . . Daß Klä er einzelne 5nyung§m1tglredet wortlich beleidigt bai, läßt sich, sel st rvenn Hierbei zu deffxn Gunsten ent- schuldbare Umstände nicht in Betracht zu nehmen seixi soUten, doch keinenfalls als ein Mangel an Ebrenbaftigkeit beurtbeilen.“ Auf aUes dies, wie auch darauf, daß Klä'er nacb seincm Austritt (zus der Innung und während seiner Mit iedscbaft bei der freien Vereinigung deuiscber Barbiere sich als ein cgner des Jnnunngesens bekannt und schließlich sogar aus Abneigung gegen die beklagte Innung die Bildung einer zweiten Innung für arbiere beantragt bai, werde es für die Beurtheilung des Aufnahme esucbs doch nur dann ankommen, wenn die Aufnahme auch schon sol en Personen versagt Werden könnte, von denen zu besorgen wäre, da sie-ficb dem- nächst als unverträgliche Mit lieder erweisLn und eins gemeinschaftliche Förderun der Zwe e der Innung beeinträchtigen würden. Von einer sol en Auffassung bat fick) anschsinend die Innung wie auch die Aufsichtsbehörde bei der AblebnuF des Auf- n_abmegesuchs des Klägers Vornehmlich leiten lassen, die erecbtigung eines derartigen Standpunktes läßt fick) aber weder aus der (Ge- werbeordnung noch aus dem Statut herleiten.“ (111. 65.)

Kunst und Wissenschaft.

' Jn dcr gestrigen leisten Sikung des 13. Kongresses für innere Medizin in München übrte Skins Königliche obeitdsr Yrinz Ludwig Ferdinand bon Bayern den Vor 15. Der

rinz warde, wie „W. T. B.“ berichtet, zum ständi en Ehrenmitglied des Kongresses ernannt. Geheimer Raik), Profe or bon Ziemßsn erstattete sodann das Schlußreferat. Der Ort des nächstcn Kongreisis ist noch nich bestimmt.

Land- und Forstwirthschaft.

_ Saatenstand in Ungarn. _

Aus Budapest, 4. d. M., wird dEr .Wisn. Ztg.“ gemkldet: Nach- dem Saatenstandsbericht dcs Ackerbau-Ministeriums Vom 1. April haben der lange Winter, die großen Schneefälle und der viele Regen dic landwirtbschaftlicbkn Arbeiten sebr brhindert, und dürfte der An- bau in Frühjahrsgerste, Zafer, NapH, Weizkn und Roggen bkdeutend eringer werden. Die 5nficbten bezü [ich des Hsrbstanbaues find Fehr vibergicrend: daß dsrselbe nicht o 118 Schaden aus dem Schnee Herborkam, ist gewiß. Am meisten litten Roggen, Gerste und Raps, am Wenigsikn Weizen. Der in Roggen vorkommynde Schaden wird auf 5 bis 50 0/0, in _Gersie auf 5 bis 30 0/0, in Raps auf 2 bis 25 0/0 und in Weizen aus 1 bis 15 0/0 geschätzt. In jcncn Gegenden, wo USberschwemmungen Waren, ist der Schaden noch größer. Die nicht crfrorenen oder aubgefaniten Saatkn zeigt?" bei Eintritt des Frühlings eine schöne, frische grüne Farbe. Dibse Saaten können im aÜFemeinen als zufriizdensteilend bézkichnet werden. Ueber Futter- manxze wkrbsn beinahe im ganzen Lands Klagcn laut. Die Wiescxn entrvickeln fick) nur langsam.

Theater und Musik.

Neues Theater.

Frikdrich Mittcrwurzcr brachts für sein dieSmasigks Gast- spiel einige Novitäten mii; die erstcn, in denen: er auftrat, sind ita- likniscben Ursprungs und Don keinebtvkgs hoher literarisch-Zr Bk- deutunq. Das Schauspiel .Die Unebrlichn“ von Gcrolamo Robetta, das in einer Ueberscßung von O. Eisenschiß zur Aus- führung gelangte, erinnert in der Fabel an französische Vorbilder und im Stil an nordische Dichter. Seitdem bie nordischen Di ter die deutsche Bübnc nicht me?): so fleißig mit Dramen Versehen, bat ich das italienische Drama Über aupt mehr bei Uns ein- gebürgért. Die iialienisch€n Stücki' sind wie die nordiscbm zumeist dem Leben der Geganart cninommen, streben ebenso kräftig wie jkne eins natürliche Gestaltung der än eren Verhältnisse und der seslischen (Ent- wicklang an, aber an bis c“tcziie dsr mystischen Empfindung, dsr Rätbscl dcs Seolkniebcns tritt bsi den südlichen Dichtern eine sich kräftig in den äußeren Vorgängen abspiegeludc, ungestüme Lsidi'n- schaftiichkcit, die oft rein theatralisch erscbsint. In dsn „Un- ehrlichen“ wird ein ganz modernes Mensckyensckyicksal in iciiism nüchternen Verlanfe dargesteüt. Carlo Moretti, ein Bankkassicrer, ist Von Natur die Ehrlichkeit selbst; cinsn Kollegen, der bis Kaffe an- gegriffcn bat, berackytet er, aber bedaue'rt ibn nicht, bis er scibst ciner übermächtigen Versuchung erliegt. An diesem Beispiel wird klar gelegt, daß der auf seine Ebriichksii nickot stolz sein darf, 726111 die zwingende Versuchung noch nicht _genabt ift. Moretti? Weib bat zur Bezahlung ibres behaglichen Haushalts die selbstiücbtige Hilis eines Freundes ihres Gatten angknommen, und als dikisr biößiick) ermordkt wird, erfährt Moretti dic: Schande seiner Frau. Dis sr der Außenwelt durcb eine noch glanzboükre Lebensfü rung VSTÖÜÜM will. Der Zufal] fügt es, da?; er zuerst gerads Das Eci? jenes Mannes angreift, dcn cr bi'racbiet bat. Mit MMM“? Gefangennahme schließt das Stück. _ Das Rovsttaßbs ZÖEuiri-xi ist, Wie man sieht, ein Thesknstück; bie Figurßn find ;:imcii': ::: Träger bon Ideen, ohne ein wabrbaft eigsnss innxrss sti-xuix'oxxr; die Vorgänge entwickeln fich nicbt naturgkmäß aus Ciiixkkék. 9:23:32 treffen mehr zufällig zusammen und sind oft mangäbait bezréxkcx, _ Die RVUS des Carlo Moretti nimmt einsn zii brsixxxi “Fixx:: :::7. was nur um deswillen nicht auffiel, Mil fie ron „Herm Ziiixtxréxxrzcr vortrkfflich gespielt wurde; bcsondcrs dis MOMNU16€::*::ich.:“"*.2“:ch-:: ErreguY; bracht6 der Darstellkr giückiicb imd mcn'Öixi; :*;5: 5:7.

. Ausdru

In der kleinen Posse „Ein Musicrgaixx' :*:r: ** Rosen nacb eincr chc Gnagnxtii's. Miche k!? Zirctrx Abends bildete, licß Yiittcrivurzcr 'LH-".Mi H::Jkr dri". ? ' schießen. Er war als immutbigrr, z-criabrxiixr M*;i'kcxzxrrx :,. . . Thatunwiderstcbiich komisch. Mit k.:um ?c'rbairxrtexn, 4.7.7er ÉTT'QTL trifft er die Vorbereititiigcn zum erirm Baii, ck67. :: :::-.: **:-„::..? (:x-m Frau besuchcn wil], um zum SMN? cmi; UQisnd erynz-crx “.',-:I “II;:- wirrungen die JTllHlOng-kit dcr Zams" AUKZWZ z:: ;“?*:'::*:k:. Issy: der Bail ist in i'iiicm Brick, dsr :*iÖZliii: .:;ZyxÄkdxr: ::::I 2579":

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