1895 / 105 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Thu, 02 May 1895 18:00:01 GMT) scan diff

Ma ' at 50 000, der iskus 100000, die Synode 600000, die Ge- meitY-ßnr 830000 .“, eine Majestßt der Kaiser, Allerbpcbftwelxber auch einen der Pläße schenkte und dre Mittel zum Kauf emes zwerten bergab, 890000 „jk, endlich Privatleute 1250000 „;ck Es habe sich gezeigt, daß eine allen modernen Ansprüchen genügende Ktrche sich mit 300000 .“ Kosten erbauen [affez allrrdings steYe sich der Bau kletnerer Kirchen verhältnißmäßig billiger. Die früher vielfach geaußerte Besurch- tung, es würden auf emma! zu viel Ktrckpen erba'ut werden nnd sie xvurden leer bleiben, babe fich nicht bestätigt; sowohl dre neuen wre czucb dre alten Kircbrn seien stets gefüklt. Der RelJner kam sodann erngebend aus den Bau der Kaiser Wilbelm-(Hekackotntßktrckoe zu [prechen Der Nobhau der Kirche wird dem Vorjäbrigen Anrchlag gemaß 2200000 „kk mcbt Überschreiten; für die reicher als geleant zur Ausfuhrung kommenYL innere Einrichtung sind, statt der rruberen_,500000, 930 000 „44 'in Aussicht genommen; für dars Pfarrhaus Uny 75 000„ sur sonstt e NebrnauSgaben 70000 ck erforderlich.“ Ianeyammt wtrd der Ktr - bau 3275000 ck kosten, von welcher Summe noch 300000 „46- febken.

Dir unter dem Protektorat Ihrer Véajestät der-Karkerm nnd Königin siedende Stiftung .Töcbterbort', welche fur verwarfte Töchter von Reichs-Po1t-_un_d Te'lrgrgphenbeanttensbe- stimmt ist, hat soeben den kachastshertcht fur1894 [Zeroffentlzchk Danach hat das Kapitalwermögen der tm Jahre 1890 aus frerthlgen BeiLrägen von 57 852 Angehörigen der Retcbs-Pmt- trnd Trlcgrqyben- Verwaltung mit einem Grundstock yon 109 089 .“. Errichtetr'n Stufung qegen 1893 Link Steigkrung um fajt 60 000 .“. erfahren; es betrug End? 1894: 348 418.46, worunter 107 849 e/jé “Antherl drrllnterbramtcn. Die besonderen Zuwendungen aus Konzert-Emnabrnrn 11.1778ng habrn 1894 die Höhe von 71085“: erreicht, die weitxren€mn1a1nxcnS5§nden 5466 «M (cinschlirßlich 3000 „jr; von Privatprrpynrn); an fortlaufenden Beiträgen smd 87 919 „E aufgekommen, rn1tlnn an Spcndrn ms- gesammt 100 493 «16 Die Zinseinnahmen der Haaptkaffrl 69_n_10 068 „M tretrn hinzu. Dir fortlaufrndcn Spendkn rubrc'n Von 43657 Personrn bsr (1893: 40 425), und ztvar Haben 18216 Bxamxe „55 141 «sé ge- zahlt, 25 441 Untrrbeamte 32 778 «16, m durch|chmtt11chrn Monats- brträgen Von 251 „Z bezw. 10Z__ 41. Von den uberhaupt Vor- handenen Bramtrn (obne PosthilsnrÜLn-Inbabcr) machte die Zahl der regelmäßig Spendendcn 37,2 0/0 aus, Von den Unter- beamten 380%. An Unterstützungen find 1894 aus T0cht€rhort- mittrln 1186 in Gesammtböbe Von 48 251 «_gezablt worden, dar- unter 1019 mit 34 738 „W guf Grund selbstandigsr Belvrlltgungen drr Stiftungs-Bezirksaussäyüne. Einbrgriérn nnrén 7151) 69 sort- laufende Unterstützungen mit 9080 „Fi: Aus Verwatste Tochter Unter 18Iabrrn kamen 96 Einmalige Unterstützunßc'n mxt zuxamxnrn 4293-16, und bierVon 830 .46. zur Unterbringung yon 19 frankltchrn Kindern in Sommrtpflegr. Für 1895 ist eine vermehrte Zuwrlfnng yon Schußbrfoblenen an bestehknde Frrienkolonirn (auf dem Land;, tn Sysl- bädern Odék an der SSL) für Rechnung dcs Töchterbortéz m An§11cht gcnommrn. Von den im Jahre 1894 gczahltrn Unxxrstnxpungrn rknt- fxelrn auf Beamtenwaiscn, Und_ zwar untrr „baquachlr er Beruck- ficbtigung der Töchter geringer besoldeter BS_amten, 4-0 m1t24265e/1é, auf Untrrbcamxenwaixrn - über dns Tür Unterbeaxnten- tn deu Saßungrn Gewährlcsistrje Erbrblicb „l)maus - 716 _mtt 23,986 «Zé Dic Grsammtböbr drr seit Anbrgmn dcr Untrrstußungstoattgkrtt (März 1891) bis (EUR 1894 aus Töcht€r50rtm1ttrln erfolgten Be- wiklignngen beträgt 111652 „44

Infolge des fruchtigkrit§rcichen Winters Haben szcb m drr1em Frühjahr zwei der auffallendstrn Pflanzzn des'BrrUner Bo'ta- nischen Gartens in Präckytigsxer WSUS r'ntnncke'lt nnd stebrn ert in Vollster Blüthe, sodaß ste 11ch ausgezerchnct m tbrer Ergenart beobachten laffrn. Es find *Dirét die Helden Schuppenwurzarten, [„ZWWSZ 5011811151118 und Labbrarzxr _01311665d1118. von denen die rrstcre aucb bsi uns hier und da nn Freien v_orkommt, währrnw die andrre eine Pfl.“.nze des Mtttrlmrergebretß darstellt und M) nnr an Wenigen Orten Von ihrem Vrrbreitungsgebter nach Norden entfernt. Im Botanischen (Hartrn findrn nnr die helden Artenngn mrbrrrcn Strüen, besonders sch5n aber bride in “drm Wetdengebujch und den Wiesenflärhrn davor, in _drr Mähr dsr GbamiÜolaube. Dre? ,ÉckUnPkmvurz“ grbört zu drn „pslaszÖLn quamten, welcbe iHre Nährstoffr nicht selbst bilden 0Drr_ sr? dem Boden entnebrnen, sondern die fich auf anderen Pflanzen f€1t1€x3en ur15dens€lben Nahr- säftc entzirkyrn. Die bri nns Vorkommende A_rt (LÜBÜL'JSQ qum- mnrjn), die fich z. B. im Bredower Forst steUenwetse' findet, streckt einen svargrläbnlichen, wriß . beschupptrn, wet'ßknben, abcr rötHTicb Übrrlaufenen und mrt zahlretchen mckendrn Blüthrn beseßten Biütbenstand Über . den 2305611 und zergt nirgends grüne Blättrr oder auch nur ernen grunlxcben Anflrtg'an ihren Stengelgebildrn. Die andere Art tritt noch mel mer'kwurdtger auf und ist auch in manchen Punkten bcff€r__bekannt. Dicht neben einem kleinrn Wrg in der" Nähe der Cbarmnolgube bemerken wrr plöß1ich eine kreisförmige, Etwa einen Metrr rm Durchmxffer be- tragendc, schwach bügrlartigr Vorwölbung drs Bodrns, vvllstanmg br-

deckt mit den fast fingerlan xn, purpzarrytben Livxumblütben „5er Yabbtasa 01auc163rjua. ese „prachtrgen ,.Blutheu, scheinen auf einem ziemlich langen Stiel direkt ,der Erde zu entsprmgen.

Wir bemerken jedoch bei näherem Zusehen, .daß 'diese Stiele- von"

korallenartigen, gerade die Erdoberfläche erreichenden, schneejvetßen Wurzelstöcken abgeben und daß wie be_i babhrusa quzmarra an der ganzen Pflanze keine Spur von Grünfarbung_ nachzuwcxtsen rst. Der .unterirdtscbe Wurzelstock MY ein wunderlxcbes Gebilde von dicht verknäuelten, zapfenarti en vroffen. das um dte,Wurze1n von Bäumen oder Sträu ern herumliegt und oft ber 'aUSrercbender Nahrung eine koloffale Größe und Schwere erreicht. „Dre Nahrungs- stoffe werden den befaklenen Wurzeln durcb xtgenarttge Squgorgane entnommen. Die Blüthen, welche an den Blntbensprosjen _m großer Zahl gebildet Werden, erheben fich mzr xebr wemg ubZr den 5 oden, wirken aber durch ihre Schönbett und auffallende Farbung, ihr herdenartkges Auftreten und) iHren schwachen, aber angenehmen Geruch stark anziehend anf Inxckten, dnrch Welche dnnn 'rbre Be- fruchtung voÜzogen wird, Auch „dre Kapseln „find btologtsrh boch- intereffant. Damit nämlich dre Samen moglichst wett W der Mutterpflanze entfernt werden und dre daraus bervorgebenden Stöcke derselben keine Konkurrenz zu bereiten Vermogen, find dre Kapseln mit einer SchleuderVorrichtung vrrsrbxn, welcbe m ähnlicher Weise, abrr viel intenfiver wrrkt als dre bekannte _der Balsamine. Kommt man einem Stock „der 1.3.1211'353 018156057053, wck1che reife Früchte enthält, Vorficbtig naher und trttt dann ploßltch stark auf den Boden, so wird man stet? kzemerken, daß ,eintgrSamen fortgeschleudrrt werden. Und zwar geycbreht dtes metst mn solcher GcWalt, daß die Samen oft mehrere Meter entfernt von dem Mutter- stocke wieder niederfallen und der Beobachter letcht einmal dtrsxlben in seinem Geficht fühlen kann. Es ist klar, daß auf drese Wetxe dre Samen unter andere Nährpflanzen grlan en, deren Wurzeln fir dann nach Erfolgtem Auskeimen befallen und ?0 das Areal derart rmmer mehr auSzubreiten Vrrmögen. ' ,

Beide Schuppenwurzarten können rnfo1ge tbrer_vqra11ttschxn Lebensweise nur sehr schwer kultiviert werden, und es rst tmmer el_n ZufaÜ, wenn rs grlingt, fie in einem Garten fest anznfiedeln. „Dre beiden Pflanzen 9255an deshalb au_ch zu drn boZamyckyrn Schatzexn unserrs Gartens, wrlche eben fast nur ibm zx: ergrn Und und nicht, wre die meisten anderen Pflanzen, dnrch den Handel brzqgen, oder nur einiger Vorfickot aus der Freiherr entnommen und m tbn versetzt Mrden können.

Auf dem Schillerplaxz ist man mit der Herstellung“ zuzerer Springbrunnen beschäftigt. Sie werden auf den Rasenstuckennzu beiden Seiten der Schillerstatue angelegt und erhakten „dre Große und Form der Fontaine auf dem Gartrnplatz Vor der Heiligkreuzkrrche.

Der Wasserfall im Viktoria-Park wird in dirjem Jahre Wegen der noch nicbt berndrtrn Aufstrüun dezZ _ncuen großen Motors nicht früher als gegrn Ende des Monats * ar rn „Gang 961th Werden können. Der neu ange-U'gtr Syirlplaß an der Ltchtrrfrlderstraße soÜ in der nächsten Woche seiner Benimmung übergebrn werdrn.

Der Verein für deutsches Knnstgetverbe wird morgen, Abends 7? Ubr, einer Eimadung der Drrrktwn der AÜgrmemenWElrk- trizitäts-Gesellscbaft folgsnd, die elektr'nche Zentralstatwn am Schiff- bauerdamm 22 besichtigen. Die „MitgliZder ver[ammeln “fich Vor _drr Zentralstation. Nach der Brfichttgung nndet eme gesellrge Vereint- gung im Leipziger Garten statt.

Von .Kießlinxxs Berkiner Vrrkebr', dem Kursbuch sämmtlicher Berliner Verkehrsknittel, 'tst_ dre S_ommer-Ausgabe zum Preise von 30 Y erschienen. Die uberfickptlrch nach den thnrn grordneten Eisenbahnfabrpläne find rn der neuen Aquabe derarttg er- weitert, daß sic für Touren in drr Mark qundenbnrg und den gn- grenzenden Gebieten vollkommen ausretchen; dle Prerdrbqhnfahrplane weisrn auf zwölf Linien ganz bedeufende Kurs: und Tgrisanderungen nacb, ebenso die der Omnibusse, D_ampfstraßen- und elc-„ktrt'xckyen'Babnxn; auch die Fahrpläne drr Damp1erlrnien find vollstandxg mztgeth'etlt. Ein Stundenplan der Sehenswürdrgkerten rst dem Buchlern wreder beigefügt morden.

München, 2. Mai. Wie das „Amtshlatt des. Ministerrums drs Innern“ bekannt macht, hat SeinekKöniglrcbe Hobert drr Prinz- Regent dem hiefigen „BiLmQrck-Verctn' dre Geßnebmxgungl erthetlt, brhufs Errichtung eines Denkmals fur den_Fnr'sten B1Smarck eine Sammlung frriwilli er Beiträge durcb Aurrus tn der Press und Errichtungvvn Sammelétellen auf die Dauer von zrver Jahren rm Umfange des Königreichs vorzunehmen.

Eisenach, 1. Mai. Die Stadt Eisenach rüstet fich, um am 4.17.5112. in würdiger Weise die Enthüll'ung drs Lurker-Denkmals zu begehen. Profeffor DonnSdorf letter selbst dre Aufstellung des

Denkinals, die Straßen der Stadt _legen reichen Festsrkptuck an, und eftausscbüfse bereiten das „est in seinen einzelnenTbeilen _yor. Ihre önigkicben Hoheiten de'r' oßbérzvg und die Großherzogin“ treffen zum Fest hier ein. Am Freita Yaebmittag fmdet unter Pro- feffor Tbureau's Leitung eine uffubrung von Bach'Z kl-m011- Messe in der Georgenkirche statt, Abends ist Begrußungsfeter im Tivolisaale unter Mitwirkung der gesammten Gesangverezne der Stadt. Zahlreiche Ansprachen find bereits angenxeldet: fur das Comité (rer Vorfixende, Archidiakonus Kteser), fur dre _Stadt (Ober- Bür ermeister er), für die Staatßreaterung (beermer St_aats- Rat von Boxberg), für die Synode (Präsident Appelius), der Brscbof von Siebenbürgen, Gras Winßingerode (Evangeltscher Bund), Yer- trerer der Lutherstädte Erfurltund Wittenberg (Senior 131". Barrmnkel und Bär ermeister 1)r. Sch1rmer), für die evangelische“ Kuchen- gemeinde Jena Superintendent Braasch. Der Festtag selbst beginnt mit einem Festgotteßdienst.

Hamburg, 1. Mai. Der .Hamb. Corr.“ veröffentlicht _die Antwort des Staatssekretärs Dr. von Stephan, guf das Gluck- WUnschschreiben des hiestgen Senats zu dessen Inhalaum. In dem- selben sagt der Staatssekretär: Er werde durch dt_e ebrenpoklx Kund- gebung und die goldene Hamburgische Ebrendenkmunze, dte rhm 00a Hamburg verlieben sei, mit Stolz erfüllt. Wenn dre getro_ffenen Etn- richtun En dem WeltVerebr Hamburgs zu Land und See forderlrch ge- wesen eien, so sei dies nicht zum mindesten hem Enthenkomme-n der Privaten, der tbatkräftigen und verständmßvollen uffaffung der Bürgerschaft und der Vertreter des Handels- undiGewerbrstands zu verdanken. Seit 1864, wo er aus Anlaß des'danzsclven Krreges _zum ersten Mal nach Hamburg gekommen, habe er rn vre1fachen GesckpaftS- beziehunsen zu dem Senat gestanden. Dt? .111'cht' selten vyr- handenen Schwierigkeiten hätten durch die Berettmllrgkett und Wers- heit des Senats stets xine aUcn Intrrchngereckyt werdende Josung

efunden. Der Staatssekretär grden der verscthenen oxfent- ichen Gelegenheiten, die ihn _ nach Hamburg gefuhrt hatten, und meint, es sei Von ihm strts mithnugtbuung empfunden worden,“ wenn er der großen Meermetropole, deren Gedeihen Von so _bober Bedeutung für das Vaterland sei, babe entgegenkommen konnen. .So sei es auch fürderHin.“ - An die Verwaltung der Hamburg- Amerika-Linie hat, nach dem Beruht des „W. T'. B.“, der Staatssekrrtär folgendes Telegramm gerichtet: '.Mtt memem besten Dank für das liebrnswürdige Gedenken, das m1ch h_och erfreut bat, verbinde ich die berzlichstrn Wünsche, daß das rvrchttge Unternehmen zum Nutzen und Rubm drs Vaterlandes werter gedeihen möge. von Stephan."

Laibach, 1. Mai. Gestern Abend 6 Uhr 57 Minuten ersol te cin mäßig starker, zwei Sekunden dauerndrr Erdkßoß, dem Na ts zwei schwächere Stöße folgten. Infolge der Erdstoße der [ckth Tage erwritern |ck die Rrffe und Sprüngs in den Mauern der Hauxer.

Lorvestoft, ]. Mai, Bei der bentigen Fortsexzung der Ver- bandlung des Leichrnschaugerichts'm Sachen des Zusammen- stoßes der . Elbe" mit her . Cratbte“ (vergl. Nr. 104 1). Bl.) rekapitulierte der Lrichenbe1chaurr die gemachtxn Zengenaußsagrn, Dre Iury gab dem „W. T. B.“ zufolg-e nacb emdretvrertelstundtgrr Be- rathun ihr Verdikt dahin ab, daß nach tbrer Mrrnung dem teuermann der ,Crathie“ und drm Mannnuf drm YUZguck eine große Nachlässigkeit deshalb vorzuwersen set, weil src zncht ordentlich Wache. gehalten hätten. In Anbetracht des _Frblens sjkder Zeugrnaussage Von seiten der auf der „Elbe“ "bkfindltch gerrcencn Personen war die Jury der Anficht, daß kern genugender'Bekyers Vor- handen sei, daß wegen der KoUiswn dre .Crathte' allem em _Tades treffe. In der Frage der Hilfeleistung nach dern Zusamtnénstoß yprack) die Jury die ,Crathie' von jedem Vorwurf fret.

Paris, 1. Mai. Der im Suezkanal mZt Truvprn sür Madagaskar auf Grund geratbene Dampfer .Cbatean-Yguenr' (nicht .Tibrt“) (Vergl. Nr. 104 17. Bl. unter Port Sard) rst, wre „W. T. V.“ meldet, alsbald wieder flott geworden,

Nach Schluß der Redaktion eingegangene Depeschen. Wiesbaden, 2. Mai. (W. T. B.) Seine Mazcxxtat der Kaiser hat befohlen, daß _der Intendant, des htrngen oftheaters, Kammerherr von Huli en Ihn ber drn Lerchen;- Yierlicbkeiten für Gustav Frentag vertrete und emen Kranz an dessen Sarge niederlage.

(Fortsetzung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

,

e 'cht Vom 2. Mai Morgens.

Wetter 8

(_;

S* __ „* _-

etwa unter

Stationen. Wind. Wetter.

in 9 Celfius

In Deutschland ist das Writer warm, im Westen meist trübe, im Osten Vorrvtegend berxer; nur 1:1 den nordrvestlichen Gebietstbeilen liegt dre Temperatur dem Mittelwrrthe.

Mitteldeutschland ist vielfach Nrgen weiss fandrn daselbst auch Gewäter takt.

Anfang 7x Uhr.

In Nord- und Sonnabend: ZUM

efaUen, stellen-

Deutsckoe Seewartc,

KeMng-Theatrr. Freitag : Der Herr Senator.

ersten Male: ' Bonivard. Schwank in 3 Akten von Alex. Btffon und A. Mars, deutsch Von E; Neumann.

Sonntag: Madame Bontvard.

Dorothea. Operette in 1 Akt von Jaques Offen- rab. Anfang 7x Übr. . Sonnabend: Rund um Wreu. - Dorothea.

Madame _ “_ Zentral-Thcater. Alte Jakobstraße Nr. 30. Direktion: Richard Schulß. - Freitag wegen

Vorbereitun escbloffen. , _ (“:"-onnabengk):g Zum ersten Male: Unter artrstrscber

Bar. auf 0Gr. u d Merrrssp red. in MiUim. 50 C. = 40 R.

* Temperatur

.;, Q

2 wolkenlos 2 halb bed. 6kbedeckt 415€deckt

Belmullet . . F Aberdeen _. . : Christiamund ? Kopenhagen . ; Stockholm . : ??wolkcnlos aranda . * 2wolkenlos oskau . . . 770 7 1beiter

Toeruc-Zns- toWn . . . 779 Cherbourg . 778 [der. . . . 774 vlt . . . . 766 mburg . . 769 winemünke 769 NeufahrWaffer 771 Memel . . . 772

ZFUW . . . . 776 ünster. . . 772 Karlsruhe . . 771 Wiesbaden . 771 ' ball) bed. München . . 771 'W „. halb bed. Chemnitz . . 770 fm! beiter Berlin. . . . 769 ISO 2zwolk1g1) Wien . . . . 769 NRW 4zbalb bed. Breslau. . . 769 ; ktiu:wolkenlos

Ile d'Aix . . 773 NO 4 wolkenlos Nizza . . . . 770 ZW jbeiter Triest . . . . 768 : stilltbalb bed.

1) Gestern Nachmittag Gewitter.

Uebersicht d“cr Witterung.

Am höchsten, über 775 wm, ist der Luftdruck über England und Umgebung; ein anderes Maxrmum von geringerer Höhe liegt über Ostschwekxen und dem nordtvestlirhen Ru land, ertscbe'n, betden, aber der jütischen lbinse . lagert ern Mmunurn, Welches an der deut chen Nordsee stark auffrtschend west-

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wolkig wolkenlos wolkenlos bedeckt bedeckt beiter wolkenws wolkenlos wolkig bedeckt bedeckt

***-32710.- S-WPSO'WS

QO

Theater-Anzeigen.

Kömglrche Ickausptrlr. Frertag: Oprrn- baus. 111. Vorstellung. Martha.“ Romantisch- komische Oper in 4Akten von Frtedrtcß 'von Flotow. Text (tbeilwriss nach drm Plane, des Samt Gc'orges) Von Wilhelm Friedrich. Dtrtgent: Mufikdtrektor Steinmann. Anfang 711 U r. Schauspielhaus. 117. Vorstel'lung. Der Revisor. Lustspiel in 5 Aufzü en Von Nrcolay Gogol, deutsch von Elsa von Scha elsky. In Scene gesetzt vom Ober-Re iffeur Max Grube. Anfang 7x Uhr. Sonna end: Opernhaus. 112. Vorsteklung. Zum ersten Male: Der Evangelimqun. Mufikaltscbes Schauspiel in 2 Aufzü en. Drchtung und Musk von Wilhelm Kienzel. n Scene gesetzt vom Ober- Negiffeur Tetzlaff. Anfang 74 Uhr.

Schauspielhaus. 118. Vorstellung. Zum 50. M_ale: Wie die Alten sun en. Lustspiel in 4 Aufzugen von Karl Niemann. nfang 73 Uhr.

Deutsches Theater. Freitag (32. Abonnements- Yorétéllung): Das Lampengefiudel. Anfang r. ?Sonnabend: Neu einstudiert: Prinz Friedrich von Homburg von H. von Kleist. Sonntag, “2T Uhr: Die Weber. - 74: Uhr: Prinz Friedrich von Homburg.

Eerlinrr Theater. Freitag (33.M)onnements-

Vorstelluna): Die Lästerschulc. Anfang 7x Uhr. Sonnabend: Heimath. Sonntag, 24 Uhr: Der Herr Senator. -

Friedrrrh - Wilhelmlwdttsrhes Theater. Chausseestraße 25/26.

reitag: Der Oberstei er. Operette in 3 kten von L. Held und U) . Weft. Mufik von Carl Zeller. Regie: Herr Unger. Dirigent: Herr Kapellmeister Ferron. Ermäßigte Preise der Plaße. Anfang U Uhr.

Sonnabend: Der Obersteiger.

Neues Theater. Schiffbauerdamm 44/5. reita : Die Nervösen. (1468 ZSUZ USMSUI.) Schautg in 3 Akten von Victorien Sgrdou, deutsch von Alexander Rosen. -- Vorher: Dre Maffage- kur. D.anmtisck-Z? 1FMH in 1Akt von Robert Mis . n ang r.

SYnnabend: Zum ersten Male: _Die Wildente. Schauspiel in 4 Akten von Henrtk Ibsen, deutsch von Ernst Brausewetter.

Sonntag: Die Wildente.

Sonntag Nachmittag: Zu Demi-Monde.

Resrdenz-Theater. Blumenstraße Nr. 9. Direktion: Sigmund Laufenburg. Freitag: Fer- uaud's Ghekoutrakt. (1.711 5 la parks.) Schwank .in 3 Akten von Georges Feydeau, in deut cher Be- arbeitung von Benno Jacobson. Anfan & Uhr.,

Sonnabend und folgende“ Tage: ernands Ehekoutrakt.

halben Preisen:

TheaterUnterdenMnden. Bebrenxltxrk' 55T. Direktion: Iulius Fri sche. - Freitag: it v - tändig neuer Ausstaßtjung: Rund um Wien. Yntomimiscbes Ballet in 9 Bildern von tanz

ul und A. M.Millner. Mufik von Jo ef ever.

liche und nordwestliche Winde mit Regen- fällen und finkendrr Temperatur hervorruft

74 Uhr: Die Läfteksthule.

s Der cboreograpbiscbe Theil Von IYef Ha reiter.

Dirigent: Herr Kapellmeister Baldrei orber:

Lritung des Herrn AdolfBrakl Vom Königl. Gartner- play-Theatsr in München: Figaro bei qu; (Rokoko.) Operette in 3 Akten „(nacb Beaumarchars Memoiren) von Bobrmann-Rtegen. Mufik von Alfred Müller-Norden.

AdolphErnß-Theater. Frettag: Madame Sn ette. VaudeviUe-Poffe in 3 Akten von Ordonneau. Mu k von Edmond Audran. In Scene geseßt von Adolpb Ernst. Anfang 74 Uhr.

Sonnabend: Dieselbe Vorsteüuna.

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Zum Besten der Hilfsbedürftigen in_ Laibach. Ber halben Preisen. Einmalige521nf1ührung: Charleh's Tante.

Familien-Nachrichten.

Verlobt: rl. Helene Benner mit Hrn. Prem.- LierÉnarÉYB. Moritz von Carnap (Frankfurt a. ,- er m . ,

Verehelicht: Hr. Lirutengnt Max Krell nut Frl. Otty Müller (Saarburg 1. L.). .

Geboren: EineToÖter: Hrn. Prem;-Lreutenant yon Zefcbau (Berlin). - Hrn. lebelm von Bandemer (Weitenbagen).

Gestorben: Hr. Gutsverwalter und Hauptmann a. D. Curt Voetbelt (Haltauf b. Wangern). - Hr. Bürgermeister Dr. G. Kulenkamp (Lubeck).

Verantwortlicher Redakteur: Siemenroth in Ber lin.

Verlag der Expedition (Scholz) in Berlin-

ck d No ddeutscben Bu druckerei und Verlags- DWAnstTclt Berkrlin ZW., Wi elmstraße Nr. 32.

Sieben Beilagen (kinsädließlkcb Börsen-Veilage).

zurn Deutschen Reickxs-Anz

«UZIÜZ.

Deutscher Reichstag.

81. Sißung vom Mittwoch, 1. Mai.

Ueber den Beginn der Sißung ist gestern berichtet worden.

Zur ersten Berath'ung steht der von den Abgg. Auer und Genossen (Soz.) eingebrachte Geseßentmurf über das Versammlungsz Vereins- und Koalitionsrecht. Der Entnzurf hebt alle Einschränkungen der Versammlungs-, Veretns- und Koalitionsfreiheit auf und stellt deren Hinderung Fre? Strafe. Zur Begründung des Antrags erhält das or

Antrag unterbreitet, um ein freies_ und vor aÜem ein gleiches Vereins- unh Versammlungsrécht für Deutxcbland zu schaffen. Wir haben zur JM m Deutschland 26 verschiedene Vereinsrechte, sodaß in dem einen

taat_ verboten rst, ,was m dem anderen erlaubt ist. Dazu kommt noch dre verscknedenartrgx Ausführung der vrrscbiedenen VereinSgesese! Durch Art. 4 der RerchsVerfaffung ist die Regelun des Vereins- und Versawmlungsrechxs dem Réich vorbehalten. Zahlreiche Bei- syrele benoxtsen, daß dre Vereins- und Versammlungsfreibeit, sowie dre Koalxtwnsfreibett für die Arbeiter nur auf dem Papier steht. Naznentltch aus „Sachsen und, Bayern [affen sich dafür Bei1piele anfahren. Das, sachfische Verrtnsgeseß muß die Handhabe bieten, die Sozraldeznokratte sonderterhtltck; zu behandeln. Der Minister des Innern in Sachsen hat seme Beamten _angewiesen, das Vereinsgeseß den quraldemokraten gegenüber schärfer zu handhaben. Auch die Gewerkkchaften werden m “Sachsen sonderrecbtlich behandelt. Man Hat sogar emen harmlosen Sangertag in Mittrveida verboten, weil rr von Sozialdemokraten veranstaltet werden sollte. In Bayern Wandelt man auf den' gletcben Wegen. Dort ist nach einem Erkenntnis; des Obersten'Gertckotshofes jede gewerkschaftliche Versammlung als sozial- demokrattsche zu betrachten. Der Abg. Dr. Pichler hat im bayerischen Landtag em Referat über die Handhabung des Vereins- und Ver- samm_lungßr_echts erstattet, Welchrs unsere Beschwerden gerechtfertigt erschemen laßt. Ich hoffe, daß das ganze Zrntrum auf den Boden dieses Referats tnxt. __Wer Gerechtjgkeit walten lassen will, muß unserrn Antra e zustimmen. In Preußen steht es nicht anders als in Sach1en und ayern. Es wäre an drr Zeit, Endlich eseßlich anzuer- kennen, was in anderen Staatcn längst belebt, was ein nqturlteXZes Recht jedes Staatsbürgers ist. Das König- retch Wurttemberg hat einen einzigen Verriné araqrapben, nach diesem können alle Versammlungen obne polizeilicxe Anzei e und Aufsicht abgebqlten wxryen, es genügt eine ordnun Emäßige AÜerdm s ex'tsttert da noch ein Artikel der undestagsakte yon 1853, wonach rberterversammlungen yerboten find; aber dieser Artikel ilt nur auf dern Paprer, er hat kerne praktische Gül1igkeit mehr. nd hat denn dre Soztaldemokratie in Württemberg mehr überhand ge- nomrnen? Kemeswegs. Dagegen wo, wie z. B. Sachsen, |an ere Bestimmungen bestehen, bat die Sozialdemokratie eine größere Macht gewonnen.

fischer Bevollmächtigter zum VundeSrath, Gesandter Vr. Gra von Hohenthal und Bergen:

Meine Herren! Das Königlich sächsische Grieß, das Vereins- und Versammlungögesey Vom 22. November 1857, ist, wie schon der Titel ergiebt, ein Landeßgesey. Ich würde also an und für fich, troZ- dem der Herr Vorredner eine gründliche Erörterung der Handhabung dieses Geseyes in Ausficht gestellt hat, keine Vrranlaffung haben, heute mit ihm in eine Diskussion hierüber einzutreten. Die Hand- habung dieses Gesetzes gehört vor das Forum des sächfischen Landtags, und nicht vor dieses Forum. Wenn ich mir gleichwohl das Wort er- beten habe, so geschieht es in der Hauptsache deswegen, weil ich es für erforderlich erachte, einen Angriff, den der Herr Vorredner gegen den Königlich sächfischen Herrn Minister des Innern gerichtet hat, auSdrücklicb zurückzuweisen.

Der Herr Vorredner hat gesagt, der Königlich sächsische Herr Minister des Innern hätte fich dahin außgesprochen, daß das Vereins- geseß der sozialdemokratischen Partei gegenüber anders zu handhaben wäre wie anderen Parteien gegenüber. (Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Diese Behauptung, die ich vor einigen Wochen schon im „Vorwärts“ gelesen babe, die auch im sächsischen Landtag wieder- holt auSgesprochen wvrden ist, stimmt mit den Thatsachen nicht überein. Ich werde mir erlauben, Ihnen den Passus aus der Rede des Herrn Ministers von _Metzsch vorzulesen, und das Haus mag dann selbst entscheiden, ob Ihre Ansicht richtig ist oder nicht. (Zuruf bei den Sozialdemokraten.) _ Der Herr Minister von Nostiß-Wallwiß, den der Herr Abg. Bebel mir gegenüber zitiert, ist schon seit Jahren nicht mehr Minister des Innern.

Der Herr Minister von Meßsch hat in der Sian der Zweiten Kammer Vom 16. März 1892 auf eine Rede des Herrn Abg. Geyer geantwortet und im Verlauf dieser Rede Folgendes gesagt:

Ich möchte bloß heute der Interpretation gegenübertreten, der Anficht des Herrn Abgeordneten, wonach gegenüber der sozial- demokratischen Partei das Vereinsgeseß in anderer Weise gehandhabt werde, als gegenüber den Vertretern der Ordnungsparteien. Meine Herren, es ist dies thatsächlich nicht der Fall

(Widerspruch bei den Sozialdemokraten) und die Regierung hat, wie Ihnen ja auch bekannt ist, Ver- anlassung genommen, in einer allgemeinen Verordnung auSzusprechen, daß die allgemeinen präzeptiven Bestimmungen, wie fie im Vereins- geseß enthalten sind, gegenüber allen Parteien gleichmäßig zu handhaben seien ohne Rücksicht auf politische Färbung der Partei. - Meine Herren, ich möchte hier einschalten: die Verordnung, von der ich eben sprach, ist auf die übliche Weise auf den Redaktionstisch deE“„VorwärtS“ geflattert und in einergNummer vom Februar 1892 abgedruckt worden. Sie stammt vom 11. Februar 1891. Eine ganz ähnliche Verordnung ist unter dem 6. August 1891 ergangen.

Nun fährt der Herr Minister von Meßscb fort:

Dieser Grundsaß ist ausgesprochen, und auf diesem Stand- punkte steht auch die Regierung und fie hält auch darauf, daß seitens der Polizeibehörden die Handhabung der präzeptiven B&- ftimmungen dss VereinSgeseßes nach voaständig gleichem Maße erfolgt. Neben den präzeptiven Bestimmungen des Vereinßgeseßes giebt es aber auch noch andere geseleiche Bestimmungen, die ich mehr als diSPofitive bezeichnen möchte. Das find diejenigen, die über das AufskchtNecbt der Polizeibehörden, sowie über das Ge?- nebmigungörecht zu Vereinßversammlungen u. s. w. gegeben find. In dieser Richtung muß selbstverständlich, wie dies bei jedem

ekanntmachung.

Abg. G r is [en 5 e r 9 er (Soz.) : Wir haben dem Reichstag unseren.

Erste Beilage

Berlin, Donnerstag, den 2. Mai

Polizeigefeße der Fall ist, dem Ermessen, dem diskretionären Er- meffen der Polizeibehörden ein gewisser Lauf, eine gewiffe Latitude grstattrr srén. Das geht nicht anders. Und wrnn von dieth StandpunkW aus die Polizsibehörden die sozialdemokratischen Vereine und Versammlungen mit etwas schärferem Maße messen, (Ab! bei den Sozialdemokraten) so entspricht das aÜerdings, meine Herren, das erkläre ich ganz offen, auch den Intsntionen der Regierung. Véeine Herren, die sozialdemokratische Partei hat überhaupt erst dazu Veranlaffung ' gegeben, daß das Vereinsgesey jetzt schärfer grbandbabt wird; fir hat Veranlaffung dazu dadurch gegeben, daß fie in bisher ruhige Verhältniss, in ruhige Vereine, auch Arbeiterdersamm- lungen iHre gefährlichen Agitationen bineingetragen bat.

Mekne Herren, nun frage ich Sie, heißt das, was ich IHnen eben Verlesen habe, und der Herr Minister von Meysel) hat diese Aeußerung in einer späteren Sißung und zwar in derjenigen vom 27. Februar 1894 nochmals wiederhoü und erläutert - heißt das, daß die Regierung sich dahin äußert, fie wokle dieses Geseß, fie wollr die dispofitiVen Bestimmungen dieses Gesetzes einer Partei gegenüber anders auslegen als einer anderen Partei? (Zuruf von den Sozial- demokraten.) DaVon kann gar keine Rede sein. (Wiederholte Zarufe bei den Sozialdemokraten. -- Glocke des Präfidenten.) Die Königlich sächfische Regierung Wendet die Dispofitivbestimmungen des Vereins- geseßes aÜen Parteien gegenüber gleichmäßig an, mögen die Parteien konservativ, nationalliberal, freifinnig oder sozialdemokratisck) sein. (Zuruf von den Sozialdemokraten.) .Das versteht fich Von selbst, meine Herren, und daß sozialdemokratische Versammlungen, in denen der Umsturz gepredigt wird (Lachen bei den Sozialdemokrafen), anders behandelt werden als harmlose unpolitische Vereinigungen oder politische Versammlungen yon Parteien, die auf dem Boden unserer jeßigen GeseÜschaftsordnung stehen, das werden Sie selbst gar nicht anders erWarten. (Lachen bei den Sozialdemokraten.)

Nun hat der Herr Vorredner - ich werde auf einige Punkte, die :der Herr Vorredner vorgebracht bat, eingehen; Von aÜem kann ich selbskverständlich nicht sprechen, einestheils aus dem prinzipieüen Gesichtspunkte, den ich Vorhin schon hervorgehoben habe, und andern- theils, tveil es selbstverständlich für ini'ch unmöglich ist, aUe diejenigen Fälle zu kennen, in denen Hie sozialdemokratische Partei in Sachsen fich gegen das Vereinsgesetz Vergangen hat (Zuruf von den Sozial- demokraten) - Der Herr Vorredner hat unter anderem gesagt: die Gewerkschaften würden nach Anweisung der Unternehmer Von der Polizei schlecbr behandelt. Er hat hierfür nicht einen einzigen Be- weis vorgebracht. Ich möchte das Hier nur konstatieren.

Außerdem hat er noch verschiedene andere Punkte vorgebracht. Unter anderem bat er davon gesprochen , daß die Parteiorganisation als Verein erklärt worden wäre. Das ist allerdings Von einigen Behörden geschehen, und zrvar mit VolTer Zustimmung der Regie- rung, die mit diesem Vorgehen voüständig einwersianden war.

Was den Sängertag in Mittweida anlangt, der verboten Worden ist, so ist das geschehen auf Grund von § 5 bezw. 24 des sächfischen VereinSgeseßes, und zwar, weil aus dem Programm dieses angeblich harmlosen Sängertags herVorging, daß aus Anlaß desselben politische Versammlungen anderer Organisationen abgehalten werden soaten, deren Tendenzen mit den Tendenzen der sozialdemokratischen Partei übereinstimmten, und deren Abhaltung gerade damals mit Gefahr für die öffentliche Ruhe und Sicherheit Verbunden war. (Lachen bei den Sozialdemokraten.)

Nun, meine Herren, es versteht fich ja von selbst, daß nicht alle Fälle, die der Herr Abg. Griüenberger aufgeführt hat, zur Kenntniß des Ministeriums kommen. Sehr oft beruhigen fich die- jenigen Personen, die von einem Versammlungsverbot betroffen worden find, und geben nicht beschwerend an die oberen Be- hörden. (Zuruf.) _ Es wird mir eben zugerufen: „Das nüßt nichts.“ Ich könnte Ihnen eine ganze Menge Fälle anführen, in denen Remedur geschaffen worden ist. Ick) wil] zugeben, daß ab und zu eine Polizeibehörde etwas über den Strang geschlagen hat, es ist das aber ganz natürlich (Lachen bei den Sozialdemokraten), wenn die Agitation in einer Weise getrieben wird, die jeder Beschreibung spottet.

Meine Herren, was das Verbot des Verbandes der sächfiscben Berg- und Hüttenarbeiter anlangt, so ist das nicht eine Maßrrgel, die von der Verwaltung beschlossen worden ist, sondern der Verband ist, soviel mir bekannt ist, Vom Gericht aufgelöst wvrden, was in der höheren Instanz bestätigt wvrden ist“. Es ist dieser Beschluß darauf zurückzuführen gewcksen, daß der Berg- und Hüttenarbeiterverband, entgegen seinen Statuten, Politik getrieben bat. Dasselbe gilt von dem Verband der Textilarbeiter, den der Herr Vorredner auch erwähnt hat. Dieser Verband ist auf Grund von §24 des sächsischen Vereins- geseßes aufgelöst worden, und zwar meines Wissens auch deSwegen, weil er steh mit Angelegenheiten beschäftigt hat, die statutenwidrig waren.

Im übrigen möchte ich noch zum Schluß Folgendes sagen: Die Königlich sächsische Regierung würde meinen, die PfLiÖten, die fie gegenüber den friedliebenden Einwohnern des Landes hat, auf “das gröblirbste zu versessen, wenn fie von den Waffen, die ihr die Ge- seßgebung in die Hand gegeben hat, nicht einen möglichst auSgiebigen Gebrauch machen wollte. Sie ist der Meinung, daß die Handhabung des Vereinßgeseyes, so wie fie bei uns geschieht, ihre Pflicht und Schuldig- keit ist, und möchte ich ähnlich, wie dies einmal in der sächfischen Zweiten Kammer geschehen ist, das Vereinögeseß als ein Juwel unserer Gesetzgebung bezeichnen (Lachen bei den Sozialdemokraten), ja als ein Juwel in unserer Geseygebung gerade in unserer heutigen Zeit. Meine Regierung wird an dem Gesev und seiner Handhabung fest- halten, solange fie die große Mehrheit des Landtags, wie es gegen- wärtig der Fall ist, hinter fich hat.

Meine Herren, Sie ersparen mir wohl, auf den Geseheanrf ein- zugeben, den die Herren Abgg. Auer und Genoffen bier eingebracht haben. Dieser Gesehentwurf ist weiter nichts als die gesetzliche Sanktionierung der Anarchie. (Lachen bei den Sozialdemokraten.)

eiger- und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

1Z95.

Wenn einmal der schöne Zukunftsstaat ins Leben treten sollte, deffen Vorfeier Sie heute begehen. glauben Sie, daß Sie mit solchen Gesrßen auskommrn können? Davvn kann nun und nimmermebr die Rede sein. Sie werden keine Vereine gestatten, in denen die Wiederberstellung der Monarchir, in denen das Cbristenthum ge- predigt wird. Daywn bin ich wenigstens ganz fest überzeugt. (Bravo! rechts.)

Bayerischer „Bevollmächtigter Herrmann:

Meine Hrrren! Auch ich bin durch -die Rede des Herrn Abg. Grillenberger veranlaßt, meine Regierung und ihre Behörden in Schuß zu nehmen und fie gegen die schweren Angriffe zu Verrvahren, welche Von friner Seite in Bezug auf die Handhabung des Verrins- - gesetzes erhoben worden find. Herr Grillenberger hat gesagt, daß das Vrreinsszeseß in mehreren deutschen Staatsn, besonders auch in Bayern in widerrechtlicher und ungesericher Weiss gehandhabr werde, daß Bayern insbesondere durch die Ausschließung von Frauen und Minder- jährigen aus den Versammlungen sicb berüchtigt gemacht habe. Ich glaube, daß der Herr Abg. Grillenberger zu diesem Vorwurf um so weniger bsrechtigt gewesen ist, als er hat zugeben müssen, daß das Verfahren des bayerischen Ministeriums durch ein Erkrnntniß des Obersten bayerischen LandeSgericbts gebilligt worden ist.

Die hohen Herren haben aus der Rede des Herrn Abg. Grillen- berger entnommen, daß drr Streit in Bayern fich Hauptsächlich um die Beziehung drehe, in welcbrr drr Art. 15 des bayerischen Ver- einSgeseZes mit dem § 152 der GeWerbeordnung steht, das heißt: wie das Koalitionßrecht der Arbeiter zu wahren fei gegenüber der [andes- rechtlichen Bestimmung, wonach Frauen und Minderjährige politischen Vereinen nicht als Mitglieder angehören und ihren Vrrsammlunsen nicht beiwohnen können. In dieser Hinsicht hat Hrrr Abg. GriUen- berger Voüständig Unrecht, wenn Er der baysrischen Regierung vor- wirft, daß von dersslben gewerkschaftliche Versammlungen mit scheel€r€n Augen angesehen werden als Politische. Das ist in drr That nicht richtig. Die bayerische Regierung fördert und unterstüßt alle Bestrebungen, welche dahin zielen, die materielle Lage der Arbeiter zu Verbessern. Beweise dafür, daß sie derartigen Be- strebungen kein Hinderniß in den Weg legt, find darin zu finden, das; eine große Anzahl yon gewerkschaftlicben Fachvereinen in Bayern existiert. Obwohl dieselben, wie zugegeben werden muß, wohl zumeist unter sozialdemokratifcher Kontrole stehen, legt die bayerische Regierung derartigen Vereinigungen nicht das geringste Hinderniß in den Weg, auch nicht in Bezug auf di. Tbeilnahme von Frauen und Minder- jährigen an den Versammlungen derselben. (Zuruf bei den Sozial- demokraten.) Solche Vereine bestehen und find speziell auch für Frauen gegründet. Der Herr Abg. Dr. Pichler, auf dessen Referat fich der Herr Abg. Grillenbergec bezogen hat, führt in demselbrn aus- drücklich aus, daß Von den Gewerkschaften Deutschlands auch in Bayern Zweigwerbände bestehen, z. B. eine ZablsteÜe des Deutschen Schneider- und SchneiderinnenVLrbandes in München. Nun geht meine Regierung ganz zweifellos richtig von der Anfickyt aus, daß durch den § 152 der Gewerbeordnung doch nur diejenigen Be- strebungen geschüßt find, auf welche fich dieser Paragraph ausdrücklich bezieht, nämlich Bestrebungen zur Erzielung besserer Löhne und Arbeitsverhältniffe. Sie ist aber der Meinung, daß solche Ver. einigungen und Versammlungen, welche andere, insbesondere poli- tische Zwecke Verfolgen, den Schutz dieses § 152 nicht genießen. Die Regierung befindet sich hierin in VOÜer Uebereinstimmung mit ihrem Obersten Landeögericht. Ick) zitiere hierfür aus dem von Herrn Abg. Grillenberger erwähnten obergerichtlichen Erkenntniß Vom 29. De. zember 1894 folgende Stelle: Es ist zwar durch § 152 der Reichs. Gewerbeordnung

die Koalitionsfreiheit der Arbeitgeber wie der Arbeiter innerhalb der gezogenen Grenze gesrßlich anerkannt, in Beziehung jedoch auf sonstige Verabredungen oder Vereinigungen, welche andere Zwecke ausschließlich oder nebenbei verfolgen, bleibt es bei den reichs: oder landesrechtlicben Bestimmungen über das Vereins- und Versatnmlungswesen. --

Es ist ein vrrfeblter Gedanke, - geführt _,

daß alles, was politisch oder wirtbschaftlich irgendwie in inneren Zusammenhang gebracht werden kann mit der sozialen Lage der lohnarbeitenden Klasen, alles, Was in Gesetzgebung, Verfassung und Verwaltung darauf abzielt, die materieU wirtbschaftlichen Ver- hältnisse des Arbeiterstandes, desen Lohnherbältniffe aufzubeffern, also beispielsweise die gesammte neuere sozialpolitische Gesetzgebung Deutschlands und was sich an sonstigen Forderungen, z. B. eines erweiterten Arbeiterscbutzes, daran anknüpft, Von § 152 Gewerbe- ordnung betroffen werde.

Sobald vielmehr irgend welche gewerbliche Koalitionen zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen das Gebiet des gewerblichen Lebens mit seinen konkreten Interessen Verlassen, sobald fie in das staatliche Gebiet binübergreifen, die Organe und die Thätigkeit des Staats für fich in Anspruch nehmen, hören fie auf gewerbliche Koalitionen zu sein und wandeln fich in politische Vereine um, die als solche den Beschränkungen des Vereins- und VersammlungSrecbts unterliegen.

Die Regierung hat also vollkommen Recht, wenn fie durchaus nicht in allen aewerkschaftlicben Versammlungen die Tbeilnabme von Frauen und Minderjährigen duldet, insbesondere dann nicht, Wenn nach dem Programm, sowie nach den Persönlichkeiten, Welche derartige Versammlungen berufen, leiten und in demselben Referate erstatten, voraußzuseben ist, daß in diesen Versammlungen politische Gegenstände erörtert werden. Ob eine Versammlung auf rein gewerkschaftlicbem Gebiet fich be1vegt, oder ob ihre Thätigkeit auf das politische Gebiet hinüberspielt, das ist im einzelnen Falle natürlich eine Frage des tbatsäcblichen Ermessens; irgend welche generelle Anordnungen, wie die Behörden hierbei Verfahren sollen, sind von seiten der bayerischen Re- gierung nicht erlassen. Die einschlägigen Magistrate, welcbe derartige Ver-

zum BundeSrath von

wird hier weiter aus-

sammlungen verboten, beziehungsweise aufgelöst haben, haben fieber nacb