.
?ietrocknete Blumen haben. Dazu kam, daß das Tempo der Dar- ellung nicbt _ fiott genug war und die Kraft der Darsteller durchaus nicht ihren Nollen _entsvracb. Der Haupt und fiir die geringe Wärme und Tbeilnabme, die das Sberidan'pche tück erweckte, liegt aber in der Technik „desselben. Man vergesse nicht, daß Sheridan ein hervorragender Politiker war, deffen Reden zu den Mustern oraioriscber Krinft gehören, das; er unter Pitt zur politischen Oppo- sition gehörte und der_ Regierung viel zu schaffen machte. Zu dieser politischen Opyositton gesellte sich bald die ethische und gase - 1chaftltche, und aus diesem Milieu brraus ist seine .Lästerschule“ ent- stariden. Er war kaum rin Dichter, nur seine Entrüstung und sein Aergereübsrdie Heuchelei haben ihm den Text zu seiner berühmten Komödie „diktiert. Und wenn auch ein Mann wie Lord Byron ihn als Dichter schä tx, dir heutige Kritik steht in ihm nur de_n Xstretcheti Kultur i1t0riker, der mit erbarmunaswser Scharfe auf die üblarbeit der Lästerschu1en innerhalb der englischen _(Heseklfcbaft binwirs. „Wider die chcbelei!“ kann als Motto dieses wines bekanntesten Stücks gelten. Uni die'scn Kampfruf in die Wirk- lichkeit zu übersetzen, ruppiert er icin.“ (5000011071: links die Ehr- licben, rechts die Heu ler, die Mitgiieder der Lästerschule, in der Mitte die bin und her schwankende Gestaii drr Lady Teazlr, die sich schließlich reuedoU'der Parteider Guten zuwendrt. Um dir Guten und die Schlechten zum Sprechen zu bewegen, d. h. die chcbslei aufzudecken, kommt ein r€icher Onkel aus Indien, Sir O1ivcr Surface, der in dem übelbeleumdcten, leicbtfinnigrn Néffen (Warles Surface eincn braven Kerl, in dem tugendhaften Joseph Surface einen Schurken entdeckt. Irrwechse1ung_folgt auf Vrrweclpselung. Mas- kerade auf Maskerade, und dazwiichen wird in einigen glänzenden “Auftritten „die,fchmachvolle Thätigkeit der Lästerscbule iind ihrer vor- nehmen Mixglieder enibüüt. Wenn auch bin und wieder ein treffendes Wiyw'ort Halit, wenn auch eins glückliche Bosheit die anze gesell- schaftlicbe rucbelei aufdeckt, so ist doch andererseixs die endenz des Stücks allzusehr und aufdringlich zu spüren: ('in-.- Tendenz, die sich zum Schluß sogar zu einer richtigrn „Moral' trivialifiert. Ein gauiger und grausamer Witz durchzieht das Stück, und nur in Liner Scenewedct Sheridan nicht Moral, sondern formt Menschen. Das geschieht in einer Scene, in wrlcber der leichtfinnige, ewig geld- bedürftige CHarerSyrfacL die Bilder seiner Ahnen verauktioniert. In den marktfckprrterisckoen Anprcisungen, mit denen er jeder; Einzelne begleitet, in dem frischen Tempo seines Naturells liegt eine so echte Komik, daß man dicse Sccne als die 0rigine11ste des ganzen Wecks' bezeichnen muß. __
Leider wurde das Stück durch die Ausführung nicht unterstützt, leider war auch die neue Uebrrseßung des Hrrrn Hans Merry nicbt fließend genug. Mit einer korrekten Uebrrséyung ist noch nicht genug gethan. Die_ deutsche Konversation hat andere rhythmisch? Geseße als die rnglqche, und so bättr Hrrr Merry aus vielen [ang- athmigsn Sa dxrbindungen, die auf der Bühne undsutscb wirkten, einzelne gute 0130 machen müssen. An der Aufführung war kaum etwas zu [oben: nicht ein_ einzigsr Darsteüer schien fich ehrliche Mühe zu geben; man mrrkte, daß die Dircktion müde ist und die Ferien nahen.
Jm Neuen Theater findet am Sonntag Nockymittag eine Aufführung_00n Alexandre Dumad' Sittendild „Drmi-Monde" zu halben Preijen statt.
YZaunigfaltiges.
Auf der Tagesordnung der gestrigen Stadtverordneten- Versammlung stand 11. a. die schon erwähnte Vorlage des Magistrats, betreffend die Y_ewillixiung 00" 300000 .“: zur Voll- endung des Tburmes der Kaiser Wildeim-GedäÖtnißkirche und eines weitercn Beitrags 00n_ 50000 „46. zur Voükndung der Kaisé'r Friedrich-Gedächtnix;kirche Der Stadtvrrordnetr Svinola beantragte, die Vorlage Einem A11§schrif3 zu iiberwsisrn; dieser Antrag wurde jedoch mit großer Mniorität dkxworfen und hieraus die!?)kiagtistratÉ-Vorlagr selbst mit allrn grgen zwei Stimmrn ab- gr (: n .
Der Verein Vrrlincr Prrsss 5.11 für das Grab Gustav FrrytagTr einrn drachrvollen Widmunngranz nach Wiesbaden- gesandt. In der nächsten Woche wird der Verein für den Verstorbenrn Dichter eine große Todtenfeisr Veranstalicn, drrrn Einzelheiten noch bekannt gegeben werden sollen.
Für die Versammlung des Vrreins zur Bcförderung de? G'cwerbfleißes am Montag, den 6. Mai, Abends 7 Uhr im Kaiserlichen Postgebäude, ArtiÜericstraße 413 l., ist folgende Tach- 0rdnung fesigrseßt: 1) BericHt über die Beratbungen, betreffend den Entwurf zu einem Geseß über den unlauteren Wettbewerb, Brricht-
erftatter: Herr Recthanwalt Ur. Edwin Katz. 2) Herr Ingenieur P. oppe und Herr Astronom F. S. Arrhenbold: Ueber große astronomische ernrobre, besonders über das für die Berliner GWerbe-Ausstellung
projektierte 30zöllige Aequatorialinstrument. 3) Herr HandelS-Attacbé
beim Kaiserlich deutschen Konsulat in Chica 0 Carl Hailer: Ueber amerikanische Handels- und Industrieverbältni e, besonders in Bezug auf den Waarenaustauscb Dsutscblands mit den Vereinigten Staaten.
In der Urania wird morgen Abend 72 Uhr Herr Dr, P, S_cbwahn zum ersten Mal seine Erlebnisse in der Vom Erdbeben bermgesuchten Stadt Laibach in einem längeren Projektionsvortrag schildern. Eine große Anzahl von Originalaufnahmen der verwüsteten Stadt, von Professor Dr. Lubarscb unter den schwierigsten Verhält-
- „Krossen,3.§11_1ai. Das Dorf Pommerzig, das größte im erise Kroffen, ist gritkri'. durch eine F euersb ru nst zum größten Tbeil zerstört worden. Jnfoi x des starken Nordwestwindes brannten in zwei Stunden 65 213051196 audc und über 150 Scheunen und Ställe nieder: aucb vtelVieb ist verbrannt. Einige Personen erlitten Brand- wunden. Das Pfarr- und das Schulbaus wurden mit Mühe er- halten. Drn meisten Leuten ist alles verbrannt, da sie bei Ausbruch des euers auf dem Felde warm. Das Feuer soll, dem .Kroffener Wo enblat_t“ zufolge, durch das Spielen von Kindern mit Zünd- bölzern entstanden sein.
Dreßdeu. Bekanntlich tritt im September d. J. in Dresden unter dem Protektorat Seiner Majestät des Königs Albert von Sachsen *die J550018610Q [„iibérxiire“ Sd Hriszizjqus 1111-61"- 118121011816 zu ihrem 17.K0ngreß zusammen. Das Festprogramm für den vom 21, bis zum 28. September dauernden Kongreß dürfte sich nach den vorläufigrn Beschlüssen des Dresdner ZentralaussÖUffes, wie folgt, gestalten: Am Sonnabend, dem 21. September, feierliche Eröffnungsfißun im Saale des Erwerbebauses, der zu diesem Anlaß vom Fe taussxiouß entsprechend drkoriert werden soll. Der Eröffnung geht im Kurländer Palais ein RendezVous der Tbeix- nehmer voraus. Am Abend: Galavorsteliung im Königlichen Hos- tbcater in der Altstadt. Am Sonntag, den 22. September, findet ein Ausflug nach Meißen statt, und zwar zu Schiff und mit der Bahn. Zn Meißen selbs-t: Konzert im Dom, Besicbti ung der Albrechtsburg, am Abend Beleuchtunß der Burg und Rückfa rt nach Dresden. Am Montag, 23. Sevtem er, versammelt fick) die Affoziation im Saale des Kurländer Palais zur Beratbung. Auch Dienstag. 24. Srp- iember, ist der Arbeitgewidmet. Am Nachmittag findet ein großes Bankett im Gewerbedaussaale statt. Der Mittwoch, 25. Sep- tsmberx ist Arbeitstag. AmßDonneréta-z wird ein Ausflug nach der Basis: unternommcn. Aus der Rückfahrt zu Schiff werden dir W[bufer dog Raibrn bis Dresden beleuchtet werdsn. Freitag, den 27. Srpirmber, ist Arbeitstag. Für Sonnabend, den 28. Septcmbri', ist e_in Ausflug nach Lcipzig geplant. Dort findet der Sgbluß drs Kongremr? statt. _Die Mitglieder der Assoziation find Gasse der Leixzigcr Buchbcindlsr. In der Buchbändlerbörse findet Yrobßes Diner statt. Das Königliche Finanz-Ministerium hat für die
a rtexx der Yesttbeiwrdmer drri Sonderzüge, die Sächfiscb-Böbmiscbe
ampiicbiffa rts-Gechstbast zwei Dampfer, die Direktionen beider Orrsdner Straßrnbaknen für die auswärtigen Gäste Freifahrt- 1cherne, die Kaiser1iche Ober - Postdirektion Erleickoterungen im F0rnschreih-_ und Frrnsprecb- wie im PosWerkebr zugesa t. Dre Königliche General - Direktion der Hoftheater bethätigt i r Jrifereffe durch_Vrranst01tung einer Gala00rstellung, die General- Direktton der Königlichen Sammlungen gewährt den aquärtigen Gassen freie_n Eintritt bezw. Führungen in drn Sammlungen. Daß die Stadt für den K0ngr€ß dic Summe Von 6000 „46 bewilligt bat, s_0w:e „daß zahlreiche Hrrren durch Zeichnung eines Garantiefonds dic finanzieÜen Grundlaacn des Unternehmens gesichert baben, bietet die Griväbr dafür, daß Drrsdkn dir Ehre desibm bevorstehenden Besuchs hervorragender Vertreter der Lireratur, Kunst und Wissenschaft aus aÜrn Kulturstaatcn Europas zu würdigen weiß.
Friedrichroda i; T1). Noch in keinem der Vorjahre find zur jetzigen Zeit hier 1ch0n so viele ständi 8 Gäste anwesend gewesrn, wie in diesem Jahre. Auch der verflo 18116 Winter brachte uns eine größers Anzahl Von Gästen, weilFriedrichroda vor schädlichen Winden geschüßt ist. Besonders als- und Brustleidende empfinden die'): den Segen der klirnatiscben Icrhältnisse wobitbuend. Um den Sommergästrn ihren Aufenthalt bier 10 angenehm wie möglich zu ge- xtalten, wird 11. a. die Oberbücbigsstraße, eine 2 12111 lange, durch 1chönen Hochwald führende Promenade, gebaut. Die ekektrische Be- lrucbtunq gebt ihrer Vollendung Entgegen. Die Xernsprecbleixung drr- bindr: Friedrichroda mit 011?" größerén Städten Thüringens, ]0wie mit
i ivom-Z. Mai
T* ck ?'1
Wetter
niffen an Ort und Steile pbotograpbiert, wird ,den Vortrag iUustrieren-
Leixzik urid demnächst auch mit Berlin. Das Kanalisationswerk wird no 11 dtesezu Frühjahr vollständig beendigt. Ferner besißt der Ort zweivorzügliche Wasserleitungen, (: iebig gespeist durcb bochgelegene GebtriZSqueÜen. Die Luft, wel e 1": er die meilenweit außgedebnten Nadixl olzwaldungen_ streicht, ift iaubfrei, ozonreicb und info! e ibres relativ hohen Feuchtrgkettßgebalts _ist das Klima mild und gleithäßig. Wohlgepfirgte Promenadonege in einer Gesammtlänge von etwa 70 km ,mit 340'Rubebankeu führen zu schönen Aussichtsvunkten. Das Lustsxhioß Reinhardsbrunn ist nur 1 km entfernt, und der Insels- berg, Tburtngens schönster „Berg, ist zu Wagen und zu (Fuß in wrnigen Stunden _zu erreichen, ebenso die Lutherstadt isena
mrt der romantischen Wartburg. 27 Zü e der Friedrich- rodaer Eisenbahn vermitteln den Verkehr. Von Berlin, Magdeburg, Leipzig, Halle und Cassel werden Saisonbillets mit 45 tägiger Gültig- keit aus egeben. Die Frequenz betrug im Jahre 1894 9562 ersonen
»Bauiust der vergangenen Jahre und das neuerbaute Kurhaus, die ge-
ragmrgen Hotrls und zahlreichen Villen beugen, auch während der Hohe der Saisqn, jxdem Mangel an Wohnungen sowie Uebertheue- rungen Vor. Drewaßige Kurtaxe berechtigt zum Besuch der Spiel-, Musik: und Lesezimmer, sowie der täglichen Konzerte am Kurhause, Illuminationen, Réunions und Kinderfeste. Für die Unterhaltung der Kurgäste ist, außerdem noc?xz durch ein vvrzüglicbes Badetbegtrr, unter der Direktion des Herrn ccker aus Erfurt, gesorgt.
_ Lei_vzig , 2. Mai._ Wie der „L_eipziger Börsenballe" mitgetheilt wird, Ut die Leipziger Wollkammerei nicbt total nieder- gebrannt“ (ver 1. Nr. 104 d. Bl.), _sondern nur der Lagerschuppen der- selben, m we chem. sich Wolivorrathe im Betrage von 4000001753 500000 «411 befaiiden.
„Laibach, 2. Mai. Der gestrig? Tag, und die heutige Nacht verliefen ruhig. Um 10 Uhr V0rmrttags wurde ein kurzer vertikaler imd um 12 Uhr 25 Minuten Mittags ein zi€m1ich starker Erdstoß m der Dauer von 3 Sekunden verspürt. Jn Mannsburg (Krain) wurde ein Tagelöhner schwer verlejzt. Die Sicherung§arbeiten schreiten rasch fort. Das Writer ist schön. -
, Florrnz, 2. Mai. Heute begann vor drm hiesigen Schwur- gericht der Prozeß gegen Lucchrsi und Genossen wegen Ermordung des. Journalisten Bandi. Luccbesi bekennt sich, wie „W. T. B.“ bxrichtet, als Anarchisten aus Roth und gesteht, Bondi auf Anstiften emes andern Anarchisten Namens Romiti ermordrt zu haben.
Koirstantinopel, 2. Mai. Bei einer gestern im armeni- schen Viertel ausgebrochenen Feuersbrunst sind laut Meldung des „W. T. B." 150 aus olz gebaute Häuser niedergebrannt. Ein Verlust an Menschenleben it nicht zu beklagen. 500Yers0nrn wurden obdachlos. Der Schaden wird auf 25000 Pfd. gescbaßt.
Nach Schluß der Redaktion eingegangene Depeschen.
Budapest, 3, Mai. (W. T B.) Die hiesigen Blätter fahren fort, die „Erkläruwen des Minister-Präfidrnten Barons Banffr) iiber die eise dcs päpstlichen Nuntius Agliardi in Ungarn zu besprechen, und heben die außer: ordentliche Bedeutung dieser Erklärun hervor, „welcbe insbefozidcre dadurch, daß der MiniZer-Präsident sein Einverständnis; mit dem Grafen Krilnokt) betonte, er- kennen läßt, daß die klerikalr Agitation, wie fie ,in Ungarxr in leßter Zeit zu Tage getreten ist, und in deren langer Kette die Reise des Nuntius in Ungarn nur einen Ring bildet, auch in den maßgebendsten Hofkreisen mißbilligt wird. Aügemein wird zugegeben, daß die Erklärung des Minister:Prästdenten nicht ohne Folgen auch auf das innere Parteilebcn Ungarns bleiben könne. Vielfach wird auch angenommen, die Opposition des Ober: hauses werde in diesem Vorgange einen Fingerzeig dafür er- blicken, daß die Pcrennierung des kirchenpolitischen Konflikts den Klerikalsn nur weitere Vcrlegenhciten bereiten könne. Im Lichte dieser Erwäqun en erscheinen die Aussichten der nächsten kirchenpolitischen VerZandlungr-n, welche für den 10. d. M. anberaumt sind, günstiger.
(Fortseßung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)
ausschlie lich der Passanten und auswärtigen Villenbesißer. ie rege _
S D*
r koraens.
Stationen.
Bar. auf 0 Gr. u d Merressp red. in Millim.
Wind. Wetter.
in " Celsius
Temperatur 50 C. = 40; .
Belmuliet. . “Aberdeen . .
Cbristiansund ? Kopenhagen . ? Srockbolm .
paranda . oskau . . .
775 * halb bed.
778 beiter
779 wolkenlos
773 bedecki
773 ' wolkenlos
77 3 wolkig
7 69 wolkenlos
***“
p-* *]“ÄQQQ*][Q'-*
Coerueens- town . . . Cherbourg . Elder. . . . vlt mburg . . winemünde Neufabrwaffer Memel . . .
778 “" beiter
778 .. wolkenlos
770 768 ' 771 . “ 773 771
771 O wolkenlos
Faris . . . . cünster. . . Karlßrube . . Wiesbaden . München . . Chemniß . . Berlin. . . . Wien . . . . Breslau. . .
776 "W wolkenios
770 Regen 774 heiter
773 * balb bed. 773 ' halb bed.
774 beiter 773 „ beitet 9) 770 '- Regen 772 [ Regen
Ile d'Aix . . Nizza . . . . Triest . . . .
772 wolkig 766 1 WVlkiÜ 767 ; ' bedeckt
1) Gestern Regen. 2) Gestern Regen.
Uebersicht der Witterung.
Ganz Europa steht unter drm Einflusses Zochdruckgebiets, desen Kern über den Britischen ?t. Eine flache Depression über dem
deutschen * ordseegebiet verursacht im nordwestlichen Dxutschland mäßige südliche Winde mit Regenfali, wahrend im übrigen Zentral-Europa nördliche bis östliche Winde vorherrschend smd. ist das Wetter kühl, im Norden trübe, im Süden bxiter; nur in dem nordöstlichen Gebietstbeile liegt die Temperatur über dem Mittelwertbe, sonst allent-
nseln 11?
x.-
|.. WWUQ"*IWVS*1iS-IWO©QONWLQ ' .
In Deutschland
eines
halben unter d?mselbrn, im westdeutschrn Binnkn- 1 nds bis zu 7 Grad. Fast allenthalbrn ist Virgen efallen. Friedrichshafen batte Nachmittags Gewitter. Fortdauer der kühlen Witterung wahrscheinlich. Deutsche Seewarte.
_ Theater-Anzeigen.
Königliche §chauspielr. S0nnabend: Opern- baus. 112. Vorsicliun_g. Zum kkstkn Malk: Der Evangelimauu. Mußkalistbc? Schauspiel in_2 Auf- zügen. Dichtung imd Murk von Wilhelm Kiemel. Nack) rinrr von L. F.?)ieißner ?rzäirlirn wahren Be- aebenhcit. Jn Scene 901th vom Ober-Negiffeur Teßlaff. Drk0rative Einrichtung; rom Obrr-Irifrektor Brandi. Dirigent: Kapellmeiitsr 1)r. Muck. An- fang 7.1 Ubr.
Schauspielhaus. 118. Vorstrliung. Zum 50. Male: Wie die Alten sungen. Lustspiel in 4 Aufxügen von „Karl Niemann. In Sccne geseßt Vom Ober- Regiiiriir Max Grube. Anfang 7.1 Uhr.
Sonntag: Oprrnbaus. 113." VorsteUung. Der Evangxlimauu. Musikalisches Schauspiel in 2 Aufzugen, nach Einer von Dr. Leopold lor. Merßnererzablfen wahren Begebenheit, Von Wil elm Kienzel. Anfang 711 Uhr.-
Schauspirlhaus._ 119. Vorsteliung. Wallensteins La er. Schauspiel in_ 1 Aufzug Von Friedrich Von S iller. - Die Piccolomini. Schaaf iel in ?ck LllllZfÜgen von Friedrich von Schiller. nfang
r.
Deutsrhrs Theater. Sonnabend: Neu cin- deöext: Prinz Friedrich von Homburg. Anfang r
Sonittag. 2T Uhr: Die Weber.. - 71 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg. Montag: Tas Lumpengefindel.
Berliner Theater. Sonnabend: Heimath. Anfang 7? Uhr.
Sonntag, 26 Uhr: Der Herr Senator. - 75? Uhr: Die Lästersthule.
Montag: Die Lästersrhule:
. LLMUY'TULÜLLT. Sonnabend: Zum ersten Male: Madame Bonivard. Schwank in 3 Akim von Alex. Bison und A.Mar§, deutsch don E.Ma- mann. Wiang 7,1 Uhr.
Sonntag: Madame Bouivard.
Montag: Der Herr Senator.
Frredrrrh - WrMelmßadtrsches Theater. Cbauffeestraße 25/26.
Sonnabend: Der Oberftei er. Operette in 3 Akten von L. Held und M. eit. Musik von Carl Zeller. Regie: Herr _Unger. Dirigent: Herr Kapelimeister Ferron. Ermaßigte Preise der Pläße. Anigng 7x Ubr. '
Sonntag: Der Oberßeiger.
Neues Theater. Schiffbauerdamm 41/5. Sonnabend: Jm Forsthanfe. Schausviel in 4 Akten von Richard Skowronnek. Anfang 7.11.1110 Sonntag: Der seliF Tonpinel. Schwank in ?DiAsktM von Alexandre iffon, deutsch von G. von 0 er.
Residenz - Theater. Blumenstraße Nr. 9. Direktion: Sigmund Laufenburg. Sonnabend: Fer- uandis Ehekontrakt. (kü 1x. 13 padvs.) Schwank in 3 Akten von Geor es Fevdeau, in deutscher Be- arbeitung von Benno acobson. Anfang 7k Uhr.
Sonntag * und folgende Tage: Fernanb's Ghekontrakt.
TheaterIilnterdchnden. Behrenstr. 55/57. Direktion: Julius Frißsche. - Sonnabend: Mit 0011- tändig neuer Ausstattung: Rund um Wien.
antomimi ches Ballet in 9 Bildern von ranz
aul und .M.Wi11ner. Musik von Josef ever. Der *cboreograpbiscbe Theil von Josef Ha reiter. Dirigent: Herr Kapeümeister Baldreich. -- orber: Dorot ea. Operette in 1 Akt von Jaques Offen- bach_. fang 74 Uhr.
Sonntag: Rund um Wien. - Dorothea.
chtral-Tyeater. Arte Jakobstraße Nr. 30. Direktion: Richard Schul? -- Sonnabend: Zum ersten Male: Unter artisti eber Leitung des Herrn Adolf Vrakl vom Königl. Gärtnerplaß-Tbeater in München; Figaro bei Hof. (Rokoko.) Operette
in 3 Akten (nacb Beaumarchaiß' Memoiren) von Bohrmann-Riegep. Musik von Alfred Müuer- Norden. Anfang 7Z Uhr.
Adolph (&us-Theater. Sonnabend: Madame Suzette. VaudeviÜe-Poffe in 3 Akten von Ordonneau. Musik von Edmond Audran. In Scene gesetzt von Adolph Ernst. Anfang 7? Ubr. '
Sonntag: Dieselbe Vorstellung.
Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Zum Besten der Hilfsbedürstigeu in Laibach. Bei halben Preisen. Einmalige Aufführung: Charleh's Tante.
.“
Familien-Nachrichten.
Verlobt: Frl. Margarete Haupt mit rr). Gym- nafial-Oberlebrer Dr. Ernst_ Fiebiger (' rtéß . - Fr1.Else Brckb mit Hrn. Rittergutsbefißer§ udolf Welter (Frankfurt a. O.).
Geboren: Ein Sohn: Hrn. Hauptmann Noel- dechen (Pr. Stargardt). - Hrn. Pastor W. Budy (Arensdorf, Kr. Lebus). - Hrn. Hauptmann Hans Schach vonWittengu (Berlin). - Hrn. Hauptmann von Buffx (Brandenburg WSH“) -
rn. chirrungs-Affenor Frhrn. von almutb Homburg v. d. .). -- Eine Tochter: Hrn. Hauptmann Wil elm von Stosch (Angermünde).
Gestorben: Hr. Gymnasial-Direktor Dr. Carl Kunze (Lissa i. P.) - Hr. Amtsratb und Ritter- gutsbefißer Gustav Sch01ß (Korscbli ). _ Frau Major Elise Dorothea Minor, eb. umpt(Burk- stetten, Ober-Bayern). _ Hr. anitäts-Natb _1)r. Wilhelm Schulkße (Swinemünde). - Frl. Char- lotte von Plüs ow (deiilz). - Verw. Frau Regierungs-Ratb Marte von Baffewiß, eb. von Ramsau (Dobberttn i. M.). -- Hr. andrath a.D. August von der Osten (Wißmiß)- " Verw. Yan Landratb Jeanette von Mensenkampff, geb. 5 aroneffe Krüdener (Berlin).
Verantwortlicher Redakteur: Siemeirroth in Berlin.
Verlag der Expedition (Scholz) in Berlin.
Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags- Ansialt Berlin ZW., Wilhelmstraße Nr. 32.
Sieben Beilagen (einschließlich Börsen-Beilaae).
Erste Beilage
_ - zum Dciitscixen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.
.UX106.
Berlin, Freitag, den 3. Mai
1895.
m
Deutscher Reickxstag. 82. Sitzung vom Donnerstag, 2. Mai.
Ueber den Beginn der Sißung ist gestern berichtet worden.
Erster Gegenstand der TageSordnung ist die dritte Ve- rathufng des Geseßes, betreffend die Abänderung des Zoll- tari 9. *
Nachdem der sächsische Bevollmächtigte zum VundeSrath, Geheime ?inanz-Rath ])]: von Kvarner sich gegen die in weiter Leung efallene Bebauptun , es seien seine in der
ommisfion hm ichtlich des Honigzo s gemachten Angaben un: richtig gewesen, verwahrt hat, erhält das Wort der
Abg. Wurm (Soz.). Redner hält dem Vorredner gegenüberseine Zweifel an der Richtigkeit jener statistischen Angaben aufreÖt.
Sächsischer Bevollmächtigter zum Bundeskath, Geheimer Finanz- Ratb ])1'. von Koerner verwahrt sich hiergegen nochmals.
Darauf wird die Position genehmigt.
Den in zweiter Berathung auf 200 5-6 estgeseyten Zoll F?r alkohol- und ätherhaltige flüssige arfiimerien,
unix und Kopfwäffer beantragt Abg. We rner (New.) auf 300 „46 zu erhöhen.
Der Antragstel-ler bemerkt, er begreife nicht, wie gerade die Sozialdemokraten fich am heftigsten gegen diesen Antrag wenden könnten; fie würden doch nicht behaupten, daß der arme Mann ge- schädigt iverde, wenn die ausländischen Parfümerien tbeurer würden.
Abg. Möller (n1.): Die Mehrzahl der Fabrikant?" selbst hat fick) egen die Erhöhung des Zolls auf ausländische "Parfümerien ausgeizprochen; warum soll man ihnen Wohltbaten aufdrangen, gsgen die fie fixb selbst sträuben? Man würde siatr ihre Jntrreffen zu wabrrn, 1ie schädigen.
Abg. Dr. Schaedler (Zentr) befürwortet den Antrag.
Abg. Richter (fr. V01k§p.): Dic Fabrikanten wehren sich gegen den Z011, weil fie fürchten, das Virrzrkxnfache zu 0€r1ieren, wenn das Ausland dirfrm Beispiels iolgrn und gleichfalis den Z011 auf Par- fümerirn erhöhen s011tk. Die ganze Mebrcinnahme, dic diescr erhöhte Zoll grwäbrrn merdr, isi auf nur 130 000 „40 brrrchnei, die Regierung hat aber selbst zugegeben, daß dir Einfuhr“ durch die (_Erixöbung des Zolls Srdcutxnd ringrschränft werden dürfte; infolge drmm kann man wohl sageix, das; der crbökxte Zoll dem Staat gar ksinen 211015211, den Jnterrffrnten aber Scbadkn brmgrn würds.
Dcr Antrag des Abg. Werner wird angenommen.
Ohne Debatte stimmi das Haus fcrncr einem Antra c des Abg. Grafen von Kaniß (dkons.) zu, nach welchem das: cscß am 1. Juli 1895 in Kraft tritt.
Auf eine Anfrage des Abg.1)1*.Hammachcr rrklc'irt der
Staatssekretär des Reichs: Schaßamts ])r. Graf von P 01a 0 owsky:
Meine Hrrren! *)“kacbdcm diese Tarifnodelle die Genehmigung drs b0hcn Hauses grfundc-n hat, werden dir Aenderungen, dir aus dieser Tarifnodelle fich ergeben, in das amtliche Waarcnverzeichnifz mit möglichster Beschleunigung Verarbritet werden. Ich brmrrke aber, daß, wenn es auch nicht geselzlichr Vorschrift ist, es doch in der Billigkeit liegt, auch beim amtlichen Waarcnvrrzeichniß, welchrs dic Positionen des Zdlltarifs drklarirrt, dic Büsiimmung des § 12 des Zollwereinsgesctzes Anwendung findkn zu lassen , wonach alle Z011- tarifveränderungcn in der chcl 8 Wochen Vor ihrer Gültigkeit öffrntlick) bekannt gemacht werden sollrn. Jedcnfalls wird mit dcr größten Beschleunigung auf Fertigstellung drs amtlichcn Waarrn- verzeichnisses hingeardritet werdrn; abcr am 1. Juli kann nur untrr der Voraussetzung die Inkraftsetzung erfolgen, daß diese achtw0chcnt- 1iche Frist eingehalten wird. Wäre dir? Einhaltung dicses Termins nicht möglich, so hoffe ich, wird 01? sich doch nur um eine 14 tägige Differenz Handeln.
Im allgemeinen erkrime ich die 13017? Brdeutung des ami1ichcn Waarenverzeichniffrs für die Handeltrribrndr Brvölkerung cm, und ich gedenke zu veranlaffen, daß in Zukunft alIiäixiiich die Abänderungrn im Wege des Nachtrags oder im We'gr 0011 T'rkiuren ziir writestrn Kenntniß des bethciligtcn Publikums 00130500.
Es folgt sodann die nochmalige Brrathrmg des in zweiter Lesung gefaßten Beschlusses:
An den Reichskanzler das Ersucbcn zii i'ickxien, die Einführung Lines wirksamen Schuszolis auf Quebraciwholz und dir daraus hergesteliten Extrakte und Präparate, sowie auf anderc über- seeische Gerbstoffe, soweit sie zur Grrberei 0011 erer Ver- wendung finden, mit Ausnahme derjenigrn, welche für die Färberei und für die chemische Industrie erheblich in Betracht kommen, bald- tbunlichst berbkiführen zu wollen.
Ab . von Kardorff (Rp.) richtet an dieRegierung_dic Anfrage, 05 die cWorts „ubemiscbe Jndu trie“ edcntuell so aufgefaßt Werden könnten, als 01) damit auch die erbereien betroffen würden. Es seien ibm brreits mcbrere Zuschriften zugegangen, die große Bsdenken gegen eine derartige Auffassung geltend machten.
Staatssekretär des Reichs-Schaßamts ])r. (Hraf von P o s (: do ws k 1) :
Meine Herren! Welches Schicksal diese Resolution Haben wird, kann ich heute nicht erklären, da der BundeSrath zur Sache noch nicht Stellung genommen hat. Ich muß aber offen gestehen: der Gedanke, daß eine Gerberei eine chemische Industrie ist, ist mir bisher noch nicht gekommen. Unter chemischen Industrien versteht man dock) Industrien, die Komponenten schaffen, welche nothwendig sind zur HersteUung don Ganzfabrikaten. Die Gerberei stellt aber sélbst Ganzfa'brikate her, wenn auch unter Benußung yon Chemikalirn. Ich kann also ohne weiteres erklären: die verbündeten chicrungen werden eventuell die Gerberei unter den Begriff „chemische Industrie“ nicht fubsumieren.
Abg. Möller (ni.) schließt fich dieser Auffassung an.
Darauf wird die Resolution angenommen, ebenso in der Gesammtabstimmung die Zolltarifnovelle.
Das Haus geht demnächst iiber zur ersten Verathunq des Geseßentwurfs, betreffend die Abanderung des Zoll: vereinigungsvertrags vom 8. Juli 1867. Der Entwurf bestimmt, daß den Kommunen die Erhebung einer Verbrauch 2- ab abe von Wein (Most), Schaum: und Kunstwem - aus- 1än_ischem wie inländischcm-bis ?ur Höhe von 105 roz. des Werths oder von 5 016 für das Hef oliter gestattet wer en kann.
Staatssekretär im Reichs: Schaßamt ])r. Graf von Vosadowski):
Msi"? Hrrrrn! Tiefer G:]“rßrntwurf enisprickyt nicht nur den Wünschen, die in einzelnen Landtagen, insbesondere im preußischen Abgeordnetenhause, geäußert sind, sondern auch einer Refoluiwn, die seitens eines Mitglieds dieses hoben Hauses eingebracht ist. Die Reichs-Finanz08rwa1tung-stel)t zu dem Geissentwurf eigentlich in einem sehr losen Zusammenhange. Sie hat lediglich das Interesse, daß die Kommunalbesteuerung nicht eine Höhe erreicht, durch welche das bisherige Soll des Weinzolls, d. b. des 30115 auf eingrführte fremde Weine, beeinträchtigt wird. Thatsächlich hat bereits seit dem Jahre 1890 ein nicht unwesentlicher Rückgang im Ertrage des Weinzolls stattgefunden. Die Zolleinnabme Für Weine aUer Art betrug im Jahre 1890 18,7 Millionen Mark, im JäHre 1893 nur noch 16,3 Miliionen. Immerhin liegt aber der Schwerpnnkt des Geseßentwurfs lediglich auf dem Gebiete der Kommunalbesteuerung.
Das Motiv, aus welchem die verbündeten Regierungrn den Entwurf eingebracht haben, war das Gefühl, welches ja in diesem hohen Hause schon wiederbo1t Ausdruck gefunden hat, daß, wenn man das Birr der Kommunalbesteuerung unterworfen Hai, man den Wein, drr in dem überwiegenden Theile Deutschlands doch den Charakter cinrs Luxusgetränks trägt, 0011 dieser Besteuerung nicht frki lassrn könne.
Mrinr Herrkn. man wird den Kommunen, die für eine Ernwite- rung der kommunalen *Bc'siruerung des Weins agitiert habcn, darin nichr Unrecht gebrn könnrn, daß diese Besteusrung eine nicht Unerheb- lichc Einnahmequelle für den belasteten Kommrrnalöausdalt eröffnen kann. Bekanntlich besteht ja fast ausnahmslos in den französischen Städten rin Oktroi auf Getränke. Aus dem Bulletin dcs franzöfischen landwirtbsckyaftlirhrn Ministers 0011 1892 «13.1 brrvor, daß 5. B. in Paris in dem grxannrcn Jahrs 4498 752 111, in Lyon 669 335 111 Wein dem städtischrn Okrroi unterlagrn, imd irldst in Miitelstädtcn wie R0ubair, einrr Stadt mit 104000 Scrion, wurdrn noch 16 600 111 Wein WU drr Kommunr brsteuert. Es ist ja freilich unzweife1bast, daß Frankreich in einem ganz anderrn Sinus 6111 Wein- land ist 010 Deutschland; aber immerhin bietcn di-Isc Zahlen cinen An- balt für die Anitabnw, das; auch in Deuiichland dir K'0inniunalbcstcuerrmg drs Weins nicht iiiirrhrblickyr Brirägr den Kmnmnnrn zuiüßren kann.
Nimmt man in “Frankreich die Städte, die über 100000 Srrlcn zählen, 1'0 *
variirrx pro Kopf drr Brvölfrrung d€r Konsum an Wein in dirsen Städicn zwischen 0,15111 bis 2,34111. Wenn in Frankrricb dcr Wxingrnuß virlleichr allgemeinsr ist als in Drutsch1and, 10 steht uns dock) der Vorzug ziir Sritc, daß wir jedßnfaüs mriir Verzehren, während der Franzdsr in srinrm Titanium wrskntlicb knapper ist.
Wir w011€n also gegenüHer drn Bestimmungcn des Zollvereins- Vertrages 00:1 1867 der kommunalrn Besiruerung drs Wriii-Z freiürc Bahn geben: erstrns in räumiichcr Brziehung und zweitens in Brzug auf die zu crhrbcnde Stcurrqiwte. Zn räumlichrr Beziehung .orinnrrc ich daran, daß bir cht nur der Wrin bestcurrt wrrde'n darf in “den eigentlichen Wrinländrrn , zu dcnrii eigrntbiimlickyerwcise dic NbEinvrovinz nicht gcrechnct iii. Es soll absr auch dir zrilässigc Ouoie nicbt unwesentlich rrböht werdcn. Nack) drm Grieß von 1867 kann die Sraatsstrurr Linen .Höchstbctrag 0011 10,91, wcnn nach dem Wcrth bestcurrt wird, 0der DM 6 „16, wcnn cim: Einizrifssteucr eriwbrn wird, betragen. Die K0mmunalsicusr soil nicht Mehr als 20 0/0 der Staatssteuer betragen und darf 191511 in Wrinländern 130117116an 2,18 odcr, weiin rin Einhritsiay erkoden wird, 1,21 16 auImacbcn.
Drr Grdaiikc, dir kommriimle Briicurrimg dss Wsius für Drritscky- land zu criveircrii, Harte? bersits Aasdruck gefunden in dem Wrin- steurrgrscß srlizrn Angrdrnkriis, das Jhnrn in der Wrigrn Tagung ddrgklrgt war. Es“ war dort angen0mmrn, daß drr dcr Reichs- bestcuerung nirixi nntrrlirgrndc Wein mit iiöchstciix- 15% des Wsrtiys, gleich 7,50 .16: pro Hrkt0lit9r, für die Kommunr'n bcsteuert werden dürfe, sriern untcr Hinzurrchmmg der Staatssicuer nicbt 111017r (112; 18% des Wcrids 0d0r 101 .16. pro Hrktolitcr ?rkxdbrn würdrn. Frist schlagrn wir Jhnrn dor, drn Kommunxn das Recht rianräumrn, für die Zwrcks drr Kommunalbesteuerung 10 0/9 dw Wrrtbs odcr in 1110311110 5 „16 Pro Hrktolitcr zu erhebcn.
Auch gegen dies Weinsteuergeseß, dcm wic gssagt dir werbini- deten Rrgierungen ziemlich unparteiisch gegrnüberstehen, sind Von einzelnen Jiite'rcffentcnfrrisén dicselden Einwände erbobrn wrrdcn, wie seiner Zeit gegen das Reichs-Wrinstruergesetz.
Vor allen Dingen ist auf die Lästigkeit der Kdnirole biiigewirsen worden. Ich habe nun bei der Lektüre drr Rede eines Abgeordneten, gehalten grlkgeniiich der Branntweinsteuergcsetznovelle, leidrr erst, nachdem das Reichs-Weinsteurrgeseß hier im Hause begradrn war, die Arußrrung gefundrn: Die Zirkulationssteuer für Wein fungiert in Eisaß-Lrtixringrn gaiizausgrzeichnet. (O1)0! links.)-Das ist nicht meinr Auffaffrmg. sondern die cines Abgeordneten, die ich in einrm stenvgravbiscbrn Brrickyt gelesen babe.
Ich glaube 111 der That, daß, wenn auch, wie ich zugrstcißrn wil], nicht lcichtwiegrnde Bedenken gegen das Rrichs-Weinftrurrgeseß geltend gemachi wurdcn, drci) dicse: Bedenken die gleiche Schwerkraft gegen- über cinem Kommunal-Weinsteuergesey nicht haben. Zunächst soll ja drn Kommunrn nichxs ertbeilt werden als Eine F akultä i, und dir Kommunrn wcrden selbst zu erwägen babrn, ob es ihren wirtbfchaftlichrn Interesssn rntspricbt, eine solche Steuer einzuführen, vor allen Dingen, 05 der Ertrag, den fie sich aus der kommunalen Bcstcucmng drs Wriiis versprechen dürfen, im Verhältnis; zu dcr Last der Kontrolc Und namentlich zu demjenigen Betrage, den 'die Er- hebungskosten in Anspruöd nehmen werden, stehen wird.
Meine Herren, der Satz, den wir Ihnen vorgeschlagen haben .in maxjmo, ist, wie ich gleich bemerken will, diskutabrl. Holland und Frankreich besteuern ja bekannslich, wenn man nach dem Kopf der Bevölkerung gebt, ihren Wein ganz erheblich höher noch, als hier vorgeschlagen ist. Klagen werden Sie: in den Petitionen gefunden haben namentlich yon badischen Jniereffrnten, die auszuführen suchen,
daß, wenn ein Maximalsatz von 5 .,46 erhoben würde, in Baden die biÜigen Weins, die bis zu 23 .45 Pro Hrkioliter beruntergeben sollen, etwa mit 50 0/0 ch Wcrckw briaitct sein würden. Wie gesagt, die verbündetcn Regierungen halten eben die Frage des Maximalsatzes für diskutabel. .
Weiter ist eingewendkt worden, daß in dem Geseß krine Be- stimmung dafür sich fände, wie der Wkrtb im einzelnen zu berechnen sei. Ich bemerke, daß man auch in diescr Beziehung dem Vorgang des Zollvrreinögefeßes Von 1867 gefolgt ist. Auch- dort ist bestimmt, das; die Kommunalbesteuerung einen bestimmtrn Prozenisaß, „höchstens 20 0/0 der Staatssteuer, betragen darf, und daß die Staatssiruer nur erhoben werden kann entrveder nach dem Maximaleinheitssaß, oder auck) nach dem Werth. Auch dort ist nicht fsstgestclit, wie im einzelnen der Werth zu berechnen ist. Wir sind mit diesem Gesrxz dem. gleichen Wege gefolgt, indem wir von der Ansicht ausgingrn. rr; 10116 Hier nur eine gewisse Freiheit von beschränkenden Bestimmungen geschaffen werden; wir w01len nicht in das Selbstbestimmrmgsrecht der Kommunen und drr Auffichtsbebörden eingreifen, die dir Kom- munalbescblüffe zu bestätigen habrn werden. Wir also im einzrlnrn der Wrrik) zu bereckynrn ist, wird Sache der Bksthlüffe der K0mmunm selbst und ihrer Aufsichtsbehörden sein. Hätten wir in das (5501913 spezielle Brsiimmungkn über dirsrn Punkt Einführen woiirn, so hätten wir eine Art Kommunalweinsteurr machen müffen, was wir
„für unserrs Amtes nicht hiclten.
Ich kann zum Schluß nur die eine Bémerkung wiederbolrn: Es 1011 den Kommunen nur Ein Recht gewährt wrrdsn, ein Recht, das eine große Anzahl don Kommunen, namentlich auch am Rhein -- ich brmerke, daß der V0rstand des Rheinischen Städtebundrs fich auch dafür erklärt hat -, für ein srbr wrrth- ddÜes 31: 11011611 geiicigt ist.
Iii) bittc Sie zum Schluß, meine Herrrn, dirsss Gesetz Etwas glimpflickycr zi! bsbandcln wir 1. Z. das Rrichs-Weinstrurrgrikß!
Abg. 131“. Schrxrdlcr (381110): WLUU die Vorlage? auf 81110 sckiarf-I Britruarung drs Kitnstwr'ins Hinaus ginxze, um drr Wsinvcr- fälschung ein Ende 3101110113011, 10 wiirde sic aus mrbr Erf01g rrckmrrr dürfrn. Um das Grieß auszuführen, würden die Grmeindrn neue Beamte ansiciirn miisfcn, drnrn die K0ntr0l-3 obliegt. Ick) fürchte, da?“; die Kostrn dafür in dirl-Zii Fälien größer sein würden als drr. Gewinn aus dsr nrurn Strurr. Nur dis großen Gemeindrn, welcbe so wie 10 riiw Oktroi-Kontrole [)abrn, werden Vortheil davon haben. (Ein weitsres Bedrnken gegen die Vorlage liegt für mich in dem Um- stande, daß “di“: Kommunrn darch das ihnen rwädrte Reriyt drr Wein" bestracrung zu unnöthigen Außgabcn drranla t werden könnrn. WSU" nur die „feine Flasche“ des 'Woblbabenden brstruert würde, 10 würde man dagegen wenig rinwrnden können. Aber wie steht es mir dchrankrn-Weine? Wir 1011 es mit dem sogenannirn »Hnustrunk (xc- dalten werden? In le ter Instanz wird auch die kommunale Wein- struer sters v_0n den einbaitern getragen werden. Dirsrr Umstand und dir THat1ache, daß der Weinbau auf kleineren Parzellen durch- schnittlich nur noch mit 2% rentiert, muß meine Bedenken gegen die Vorlage vcrsiärken. Dic Steuertäxze müssen entschieden niedriger ge- griffen worden, als es in der V0r1age grschiebt. Ich brantrage, die Vorlaxie an eine Kommisfioxi 00n_ 21 Mitgliedern zu Verweisrn.
Abg. Sch midt-Elbrrsrld (fr. Volksw.): Die Erfahrungen, die wir mit dem neurn preußischen Kommunalsteuergeseß gemacht haben, s01lten 0115 061000 cntsthieocn abhalten, das Rrcht der Kommunrn zur Einführiiiig indirekter Steuern zu erweitern. Reichs Einnabmrn würdrn 10051 nur dann zu erzielxn séin, wenn dir biliigen Weine besteuert wiirden. Dkk Weinienuß ist, im Süden und Westen wenigftrns. cin aUgrmeiner, als gruszzenuß ist er im Ganzen nur ein srbr bcschränkl€r. In früheren Handelsverträgen mit Spanien war auch dir innere Brfieucrung_00n aus dem Auslande eingeführten Wriiien untersagt. Dirses Hindernis; fälit ja jexzi fort; Es ist aber doch fraßiici), 013 dic Erbcbrmg diescr geplaritrn fommimalen Wein- strurr nicbt fiir den Abjchlus i_päterer HandelÉderträge Hinderiich icin könnrc. “Tir Steuererbrbung jelbst wäre auch mit großrn Schwierig- kriti'n imd Briästigungcn verbanden. Wir wiirden es für das Basie 17011011, dir Vrrlage ahzulebnrn; da aber dic großrn Fraktionen des Hanses sicb «Uf eine Kommissionsberathung greinigt 1135011, wdilrn wir einer solch€n_ nicht rnigegen sein.
Abg. ])r. Hammacher (ni.): Dic Skadi Wiesbaran erhebt Line Wrirsieucr 0011 8,5 „xk- Pro Hektoliter. Tic Ve'rwaltun ist bisher bei Erhebung dieser Striker noch auf keinerlei Schwierig eiten gest0ßen, man hat fick) an sie schon vollkommen gewöhnt. Und diese Strurr Yingi dcr Stadt drn Betrag_ Von 120 000 „M jährlich rin. Straßburg erbrbt 10 „16 pro Hektoliter, und ich habs bisbrr nicht gehört, dai; dort Schwierigkeiten cntstandcn seien. Dabei wird dort eine Steuer 0011 Götränken im allgemeinen, alsd auch Von Bier erh0den. Die Weinsteuer repräsentiert aber für Straßburg jährlich eine Einnahme von 650000 „111 Die Stadt OLnadrück, in der auch eine Biersteuer erbobcn wird, Erzielt durch die', Wcinsteurr eine Jahrrseinnabme von 35000 «16. Mit Recht wirs dcr Abg. Schmidt aus den Unterschied der Bedeutung der Steurr in den Weinkreisen und anderswo bin. Während d0rt der Wein ein aUgenrrincr Verbrauchsartikel ist, ist er anderöwv wahr oder weniger ein Luxusartikel. Abrr erade dort, wo der Wrin kein Luxus- artikel ist, wird dir Weianuer ja schon erhoben. Wenn dic Gegner aus den Wringcgenden also wirklich mit ihrem Bedenkrn Recht babrn, warum seßen sie nicht in erster Linie alle Hebel in Bewegung, um zunächst bei fich zu Hause die Aufhebung diescr Steurr zu bc- wirken? Aber dort macht sie, wie grsagt, keinerlei Schwierig- keit. Es ist eben eine Ucbertreibung, wenn behauptet wird, die Struer werde auf den Weinbau schädlich einwirkrn. Es verhält sich hiermit nicht anders als mit dem Bier. Wo wird das Bier am meisten besteuert? - In Bayern. Und wo ist es am besten und billigsten? __ In Bayern. Es spielen rben dabei ganz andere Faktoren mit. Daß durch die Einführung der Steurr der Konsum abnehmen würde, muß ich bezweifeln. Ebrnso kann ich nicht cinseben, welcher Zusammenbarrg zwischen der Wcinstrurr und den etwa abzus [icßendcn Handelsvertragrn bestehen soll. Im Rheinlande wüns en die Kommunrn die Steuer schr. In einer Druk- scbrift 1":er die Städte des Rheinlandes wird dargelegt, daß diese sich auf die Dauer nicht mehr baltrn können, da bereits in vielen Gcgcnden 250 bis 400 0/9 dirrktr Kommunal- steuern erhoben werden. Selbst auf dem flachrn Lande wird man der indirekten Steuern nicht cntratbcn köiinxon. Ich muß sagen, da; bsi dem jetzigen Steuerzastandrdis Gcmcinwrirn in Wrstfaicn, dcr R ein- provinz, einem Theil Sackpicns, in der That dem Zustand entgegen-
eben, daß ie obne Staatshilfe nicht mehr werden auskommen können.
arum 10 te die Reichsgcsrygcbuyg dcr (Entwickelung drr indirekten kommunalen Besteuerun krinr *Yiiiderniffc in dcn ch legen. Der Abg. Schmidt stel te die Sache so dar, als würden nun in Zukunft alle Gemeinden grzwungen sein, eine solche Steuer einzu- führen. Das ist ja aber gerade der Vorzug der Vorlage, daß sie den Gemeinden offen läßt, die Struck einzuführen oder nicbt. Dir Weiw
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