,
['In-bm Flammkobl . *Die Bemübun en des Syndikus, die
Ausfuhr da Rubkkob en zu ver ößern, 1: en bei der englischen-
Ko lenindu lebhaften Widers and. D e en lischen Koblenpreise badkrn gegenRtig den niedrigfien je gekannten tand erwirbt, und wenn es trotzdem gelungen F|. an der deutschen Nordküste fortwährend an Boden zu gewinnen, so ist daß lediglich dem_einmütbigen Vorgehen, wie es nur durch das Koblensyndikat zu ermöglichen war, zuzuschreiben. - Von der Leipziger Monatßscbrift fiir „Textil- Ind ustrie, die von Theodor Martin's Textilvula in Letpz tg beraus- gegeben wird, liegt das vierte Heft des zehnten abrßangs-vor. In dem neuen Heft wird nach einem kurzen Eingangsartikel der Bericht des Webscbul-Direktors C. Lembcke in Krefxld „Ueber die Texttl-In- dustrie und deren Maschinkn in den eretmgtexi Staaten“ zu Ende geführt. Inhaltlich besonders reich ist die Ruhrtk, We'lche das Gebiet der Spinnerei behandelt. Den Fachmann durfl_e eine Ahbandlung des Ingenieurs Otto Johannsen, Fachscbgk-Drrektors tn _Reut- lingen, „Ueber die Bestimmung der Dmtenfionen des Selsaktor- köyers“ injeresIeren; vrn aligrmeinrrem Jntcrkfie dage rn “find dre weiteten Mitt eilun en über „bauliche mzr- mascrinelle (m_richtungen moderner Baumwo spinnereien“, .die rmgeb-nde Beschmbung der ,Neueinricbtungen der Baumwollspmnerc-t am Stadtbach in Augsburg 11. a. m. Lebrreiche AufsäZrI finden sich ferxier in dem Abtheilungen des Heftes, in welchen die eberei, Wirkeret, Färbrr-i unfd verMmdte Gebiete'bebandelt werden; Das Beiblatt ._Der Mnsrkrzx'tchner" ent- hält wieder ein Blatt der für die „Monatsschrist“ grwrkm Stoffmuster.
Verkehrs-Austalten.
Der Postdampfe'r . Zaandam ' der Niedcriß-idi'ch : Amerrka- nischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft ist am 6. Max in Ncw-York angekommen. _ _ _
Triest, 6. Mai. (W. T. B.) Der Llovdrampicr .(xtiorr' ist, Von Konstantinopel kommend, gestern Nachmittag bier angekommen.
London, 6. Mai. _W. T. B.) Der . . .Dunottar Castle“ ist am Sonnabend aus der Auörxise von Southampton abgegangen. Der Cqstie - Dampfer . Ltßm 0 re Castlr“ ist gestern an der Auskeisk_ m K'gpstadt angekommrn. Der Castle-Dampfer .Metbven Castle“ ist am Sonnabend auf der Aukreise in Durban (Natal) angekowmrn. Dcr Union- Dampfer ,Srartan“ ist am Svnnabcnd auf der Auskeise von
Southampton abgegangen.
Theater und Musik.
Lessing-Tbeater. „_ „
Am Sonnabend gelangte Alexandre BUsonr “Schwank „Madame Bonivard', der vor mehreren xeabrkn i_m WaUnrr- Theater zahlre'icbeWic-derholungkn erlebt?, zur ersten Aufführung und erzislte den gleichen Lacherfolg wir dort auf der Bühne drs Léifing- Theaters. Unter den DarsteUern trat Fräulein Marie Meyrr, welche die Titrlrollr dab, am meistcn in den Vordrrgrund; bei einem Vergleich mit der Frau Schramm, wclche die Rolle im Wallner: Theater zu so “durcbxcblagender Wirkung brachte, mußte Fräulein Meyer's Leistunß besondrrZ i'mponierxn; fie betonte dakj Drastisch- komische dsr (»Markt nicht 10 nacixbaktm wie ihre Vorgängerin und befleißigte fich überail einer gewisjen künstlerischen Zurückhaltung, die der gesammten Auxfübrung zu gut? k_am. Im übrigen kann man von einem flotten und irischen Zusauirkeniviel berichten, bei dem die Herren Franz Guibert; (Bourgenssi), Oé-kar Sauer («Henri Duval), Franz Schönfeld (Chamvi-aux) und dir Damen Tilly Waldegg (Diane Duval) und Marie Eisinger (Gabrielle) alle an ihrem Flaps Tüchtiges leisteten, ]odaß fi_ch die dem Schwank innewohnende
Ustigkeit ungeschmälert aui die Zuicbaucr übertrug.
Jm Köxiiglichen Oyernbause filldkt morgen die dritte Aufführung von Wilhelm Kienzl's _musikaliscbrm Schausvirl .Der Evangelimann“ (Herren Sylva, Busy, Damru Pierson, GOCHO) Unter Kapellmrister ])r. Muck's Léitung statt.
Im Köxiiglicben Schdufpirlbausxc wixd morgen Nicylav Gogoi's Lusixpiel „Der Rrviyor' (Hsrryn Voümcr, Klein) gegsbrn. Am Donn'crstag geht nach mehrjähriger Pausc Goethe's „Torquato Tasso“, mrtHerrn Matiowrky in der Titelrolle, neueinstudiert in Scene.
. Jm Neuen Theater gelangt, wie berxits gemeldet, morgen Pmero's Schauspiel .Die zweite Frau“ (Miez 5300116 Urg. 'kbauquxzray) zur ersten Aufführung.
In dem am_ Freitag in der Philharmonie stattfindenden Korizcrt dcs Sangkrbu'nds des Berliner Lebrervereins (Letter: Pryfeffor F. Schandl) zum Besten derLehrer-Wittwen- nend, Wattenfasse übernimmt Fräulein Amelia Heinsberg die vrantfirjcbe, Mitwirkun mit Liszt's 2111. Rhapsodie und Moris Myszkywskr's Piöce . ococo“. - ür das Konzert der Altistin Fraulery'Lina Rßcker (Saa_l Be stein, am Donnerstag) [).11 der Komglicbe Kammervirtuoye Herr Felix * ykr seine Mit- wirkung zugesagt. Der Künstler wird an diese Abend Ernst's
Castsg-lOamvfek. 755 Hafen.
„Uu atis Weisen“, eine. endedon Bohm und now porpstuo" “vou CNWÖTU Gebör bring'enLég- r die zehn Pbi'l barmoyisiben Konzerte der kommenden ison werden Anmeldungen sur Abonnements-Erneuerun . sowie Abonnements-Neuanmeldungen „schoii jest in detHofmusikalien ndlung vön Ed. Bote u. G.Bock, sowie bet der Konzertdirektion Hermann Wolß, Am Karlßbad 19, entgegen-
genommen. Jagd.
Zusarnmenstell_ung des im Bezirk des Königlich preußixcben Hof-Iagdamts in der Jagd - Saison 1894/95 erlegten Wildes und Raubzeugs.
.4. Auf Hofjagden wurden erlegt; am 9. November 1894 in der asanerie Entenfang in 3_Standtreiben 2 Rebe, 448 Fasanen, 15 asen, 7 Rebbübner, 1Ver|chiedenes; am 23. rmd 24. November in der Kolbitz-Leylinger Heide in 3 Lappjagen mtt_ Abstellung aus Damwild, 1 Suche mit der Findermeute auf Sauen 144 Schaufler, 365 Spießer und Wild, 320 grobe Sauen; am 12. und 13. Dezember im Saupark bei Springe in 1 abgestellten Jageq auf Dam- und Schwarz- wild, 2 Suchen mit der Findermeute auf Sau_en 9_ Schaufler, 21 Spi-"fxer und Wild kDamwild), 142 grqbe, 195 geringe Sauen; am 21. Dezxmber in Königs-Wusterbausen in 2 ah eftcllten Jagen auf Danxwild und Sauen 77 Schaufler, 190 Spi er und Wild, 133 grobe; 45 geringe Sauen; an) 28. T_ezxmber auf der Imel Pots_- dam in 4 Standtrerben, Skrcixe 664 Y.;!enz am 1]. Jcrnuar 1895 in Britz, Buckow. Gr.-Zietden in 2 Standtretben 953 Haien.
13. Auf Hof-Jagdamts-Jagden wurden erlegt: am 5.Ja- nuar 1895 in Lankwiß und Mariendorf in 3 Kesseln, 1_Standtretben 662 Hasen; am 7. Januar in Kiekebujcb und Ryßis in „4 Keffxln, 1 Standtreiben 336 Hafe'n, und im Fürstenwald bet Ob_lau m 1Kenel, 2 Streifen 2 Rebe, 27 Fasanen, 457 Hasen_, 5 Yer1chiedenes;_am 14. und 15. Januar im Feldjagdgebege bei Camel in 8 Keneln
(), Aufder Pörscbe, Suche, kleinen Treibjagden u. s.w. wurden erlkgt sowie_ durcb meg erbeutet: im Hochwildgehege Schorf- heide, Grunewald, Königs-Wusterhausen, Göhrde, Springe, Kircbrode und Kolbiy-Leßlinger Heide 145 Hirsche, 355 Spießer und Wild (Rotbwild), 196 Schaufler, 712 Spikßer und Wild (Damwild), 33 grobe. 102 geringe Saus", 113 Rehe, 1Fasan, 964 Hasen, 107 Rebhübner, 213 Gänsr, Enten, Schnepfen u. s. w., 225 Reiher, Kormorane u. s. w., 137 Füchse, 27 Marder, 22 JltiZe, 98 Raub- vögel, 265 Verschiedenes; tm Wildpark, Fasanerie und eldjagdgebrge Jnscl Potsdam 8 Hirsche, 5 Svießer und Wild (Rotbwild), 1 Schauflexr, 64 Rebe, 410 Fajanen, 334 Hasen, 207 Rebbühner, 59 Gäme, Enten, Schnepfen u. s. w., 2Reiher, Cormorane oder der:;k, 9Füchse, 8 .Mardkr, 26 Jltisse, 36 Wirsel, 37 Raubvögel, 763 Verschiedenes; im Stadtforft Skandau 11 Spießer_und Wild (Damwild), 20 Rebe, 82 Hasen 105 Rcbiéübncr. 22 Gänse, _Entrn, Schnepf8n u. s. w., 6 Fuchse, 1 Mardcr, 1 Iltis, 5 Wierel, 1 Raubvogel, 41 Ver- schiedenes; im FeldjaZr-qebeg? isi Berlin 3 Rebe, 1 Fasan, 188 Hasen, 1339 Rebbübnrr, 2 (Hänfe, Enten, Schnevien oder dergl., 5 Füchse, 6 Marder, 10 Jlliffe, 60 Wiesel, 19 Raubvögel, 189 Verschiedenes; im FürstenWald und Feldjasdgrbege bei Ohlau 32 Rebe, 145 Fasanxn, 719 Hasen, 356 Rebbübncr, 9 Marder, 34 Iltiffe, 37 Wiekrl, 254 Raubvögel, 755 Vrrscbiedrnes; im Feldjagdgebege bki Cassel 7 RLHL, 32 Hasen, 153 Rebbübner, 6 Gänse, Enten, Schnepfen u. s. w., 1 Reiber, Cormoran oder dergl., 16 Füchse, 1 Marder, 24 Jltiffe, 24 Wiesel, 33 Raubvögel, 288 Verschiedenes.
. _Die gejammte Ja dbeute betrug 153dHirsche, 360 Spießer und Wild (Rothwild), 427 Schaufler. 1299 Spießer und Wild (Dam- wrld), 628 grobe, 342 geringe Sauen, 243 Rebe, 1032 Faianen, 6161 Hafen, 2274 Rrbbübner, 302 Gänse,_Cnten, Scbnopfen u. f.w., 228 Reiher, Kormorane u. s. w., 173 Fürbie. 52 Mardrr, 117 Jltiffe, 162 Wiexel, 442 Raubvögel, 2307 Verschiedenes.
Piannigfaltiges.
_ Nack) AUerböchster Bestimmung Ihrer Majestät drr Kaiserin und Kiizügin findet dir dieräbrige GMeralversamtnlung des Vaterlän- d11ch€n Frauenvereins am Donnerrxag, den 9. Mai 1895, Vorxnittags 11 Uhr, in der Sing-Akademxe _ statt, wozu wir alle MitZ-lieder des Hauptvereins sowie unserer Zweig- und i(fsvereine hierdurch freundlichst Einladen. ur Legitimation beim Eingang dient die Quitturxg über den ge- zahlten Vereinsbeitrag. _ Der Vorstand des Vaterlandifchen Frauenwereins. Charlotte Gräfin von Jßcnplixz.
Dir Gedenkieier für Gustav Freytag, welche der Vrrrin „Berliner P:e|se'_ am 19; d. M.,_Mittags 12 bis 1 Uhr, rm Festsaale des Raibbauxes veranstaltet, wird durch Linen Prolog Von
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Exo ,v Wildenbrucb- ' “ _ werden. Die MW
: , |Pr§:j:ffor Dr. Erich idt. .Vorträge eiue! Exfr-
YU Ve Fesierecbenr “M'? W Y ri 9337179337 sb maki“... „ * au 1 e e a
HoübxaterJHFeuk verstorbetrien Dichter «lich kannt war. -
Der Verein zur Beförderung des Gewerbfleiße's bat
in seiner gestrigen Sitzung zwei neue industrielle PreiSau-s. schreibungen zu erlassen beschlossen. . Für jede der beiden Auf. gaben is! ein Preis von 3000 .“ und eure silberne Denkmünze aus- efeßt. Die eme PreiSausschretbung, betnfft die Frage der Unter.
ßcheidung der F eite. Die, bisherigen Untersucbun Smetboden sind theils zu schwierig. theils in ihren Ergebniffen un, er, _tbnls auch noch nicht genügend geprüft. Zweck der Ausschretbung rst &? „nun, ein einfaches und zuverlässiges Untersuchungsverfabren zur Unter- scheidung du Fette zu ewinnen; ein Verfahren, das vor allem. auch von Laien anwendbar ein mus. -- Die. zweite „PreiSaussckxretbung betrifft das Verhalten mehrerer gleichzeitig vorharzd'ener Metalle bei elektrolytrscber Lösung und F_all_ung unter den in der Großindustrie gegebenen Verbziltmffen. - Die von dem Verein früber erlassene Pretöaufgabe über Eisenanstrich bat 5Berverbungen gefunden. Vier der Arbeiten waren ungenügend; die fünfte brachte zwar keine volle LösuYZ der Auf abe, enthält jedoch soviel vortreffliäxes Material, daß der ereia bescbgloß, dem bisher noch.nicht bekannt gegebenen Verfahren zwar nicht den voUen Preis, Wohl aber die Medaille und außerdem 2000 .,“ zu bewilligen, falls derselbe dem Verein die Arbeit zur Ver-
öffentlichung überläßt.
Im wiffenscbaftlicben Theater der'Urania bielf am Sonnabend Abend err Or. P. Schwalm eit'en interefianten Vortrag über das Laiba er Erdbebkn. Dor Vortragende war im Auftrage. des Instituts im Verein mit errn Profeffor 1)r. Lubarscb nacb Laibach gereist und erläuterte eine auf eigenen Anschauungen berubexiden Mittheilungen durch eine große Reihe von dem [Freren angefertrgter photographischer Aufnahmen. Dirie bestanden n Ansicbtrw der Stadt und der zahlreichen beschädigten öffentlichen Bauwerke, Kirchen und Wohnhäuser, der primitiv eingerichteten Baracken und SÖUPpen, in denen die qeängstigtcn Bewohner Zuflucht geiucbt Haben,
der zum Kampieren im Frei?" eingerichteten Pläße, der Zeltlager der _
Offiziers- und Beamtenfamilien :c. Momentcrufnabmen veranschau- lichten ferner in drastischer Weise die Scenen bet der Vertheilung yon LebenSmittcln an die hungernden Obdachlosen. Besonders lenkte der Redner die Aufmerksamkeit noch auf die cige_ntbümlichen Verdrebungen der oberen Theile der Kirckpbossdenkmäler, steinernen Tbyrpfeiler un_d Kirchtkrürme, welche in ihrer Uebereinstimmung deutlich auf die Richtung der Erdstöße binwc-isen. Auch die. oermuthlrcbe Ursache des Erdbebens erörtert? Redgcr im Anjcbluß an Beobachtungen bsi früheren Katasiroyben ahnlicher Art in' dern dortigen (Gebiet und unter kritischer Abweisung der Falb'schen Tbeorre. Der Vortrag war durch die Erzählungen yon Bewohnern. welche die Schreckensnacht miterlebt, 1owie durcb dre Schildern_ng der vielen tragikomischen Situationen, welche das Erdbeben für dre Be- wohner im Gefolge batte, interessant gestaltet. Mit einem Appell an die Mildthätigkeit für die armrn Opfer der Katastrophe schloß der Redner. . _
Morgen Abend findet in der Urania bereits wi-éder_cme Prrwrßrc statt, und zwar wird Herr R. Taöbert, der fich langere Zen 1,11 Süd-Afrika aufaehalien hat, nach seinen eigrnen Erlebniffen die „Afrikanische Schaßka mmer, die GoldfelderTranßvaalö' schildcrn. Eine große Zahl an Ort und Stelle gemachter Aufnabmcn wird den Vortrag illustrieren.
Die socben erschienene Sommer-Ausgabe des .Bérliner Verkehrs -Lexikon-S' (beraußgegeben von Max SÖildberger; Preis 40 „Z) enthält in gedrängter Kürze und übersichtlicher An- ordnung alles, was das öffentliche Brrlin und seinen Verkrbr betrifft. Bci jrder Straße ist vermerkt, wo sie zu finden ist und welcbe VZrkebrslinien zu ihr führen. Ferner giebt das Buch die Beine»- und Bureauzeiten aller öffkntlichen Institute und Behörden an und ertheilt auch über den Berliner Eisenbahnverkxbr„willkommene Aus- kunft. Der neu beigefügte Plan von Berlin iit eme czngenekxnie Fu- gabe. Die gebundene Außgabe (Preis 70 „z) ist mit ernrr ortgmr en Titekzeichnung von Professor Döpler d. J. geschmückt.
Kattowixz, 6. Mai. In dem österreichiscbrn Dorfe Brz'ezinka, wo in der Vergangenen Woche bereits 65 Best ungen eingeascbert wurdrn (Vergl. Nrn. 103 u. 104 d. Bl.), siiid aut Meldung des „W. T. B.“ heute früb wiederum mehrere (Gebäude niedergebrannt.
(Fortseßung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)
Wetterbericht vom 7, Mai 20 8 Uhr Morgens.
temperaturen gestern im Binnenlande fast überall Grad. Fortdauer der bestehenden Wittrrungs- verhal-tniffe wahrscheinlich.
hard. Anfang 71 Ubr.
D e" t W e S e e w a r t “' Freitag : Madame Bonivard,
Stationen. Wind. Wetter.
in " Celsius
Bar. auf 0 Gr. u d Meeressp Temperatur 50 C. = 4" R.
red. in Millim.
]
Belmullet . . :O wolkenlos Aberdexn . . 1SO ' wolkenlos - Christiansund kNO Dunst
Kopenhagen . ' wolkenlos Stockholm . ' wolkenlos Haparanda . halb bed. . St. Peterng. wolkenlos Moskau . . . 776 NNO 1Zwolkig
Coerueens- tonm . . . 769 Cherbourg . 767 ldcr. . . . 774 vlt . . . . 776 Hamburg . . 775 winemünde 776 NeufahWaffer 777 Memel . . . 778
764
771
767 .
768 NO 767 O 771 O
baus.
***-*»- (Q“!OO'
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beiter wolkenlos wolkenlos beiter
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er bald bed. G.?Fb' wolkenlos & Ubr. wolkenlos wolkenlos wolkenlos _ wolkenlos ,wolkenlos 774 :OSO wolkenlos 770 Z siiu wolkig ; 713 ZONO 2wolkenlos Fit d'Aix . . 763 MM 3 bedeckt izza . . . . J 761 .O 1bedeckt Triest . . . . » 765 ONO 4wolkenlos .
Uebersicht der Witterung.
Die Lizftdruckvertbeilung bat slch seit gestern wenig verqndert, 11110 daher dauert über Zentral- Europa die ziemlich lebhafte, vorwiegend östliche Luftströmung fort. Auch das Wetter zeigt über Drutscbland wenig Aenderung, allenthalben herrscht wolkenlose, trockxne Witterung, die Mor entempera- turen sind fgst uberall niedri er als vor e„LLS-tunden, indessen erreichten oder übers ritten die Nachmittags-
WWwwMßw-wßw-Wßw» w
Viale :
Theater-Anzeigen.
Üdmgluhe Ithausprele. Mittw:)ch: Opern- _116. Vorstellunkr. Der Evangelimaun. Musikalisches Schausvie in von Dr“. onpoid Florian Mxißnrr erzählten wahren Begebenheit. von Wilhelm Ktenzl. frist vom Ober-Regiffeur Teylaff. DekoratiVe Em- r1chtung _vom Ober-Jnspektor Brandt. K cllmrzfier Dr. Muck. Anfang 7? Ubr. _ .au'xpielhaus. 122. Vorstellung. Der Revisor. Lustsvtel m 5 Aufzügen von Nicolay Gogol, deutsch von Elswvon Schabelsky. Jn Scene gesetzt vom Ober-Rrgiffcur Max Grube. Anfang 7x Uhr. Donyerßlag : Opernhaus. 117.VorsteUung.Carmeu. b“ t _ Oper m 4 Akten von Georges Bizet. Text von U er Zenn; Metlbac und Ludovic Halévy, nach einer ovelle des Prosper Mérimée. (José: Herr Naval, vom Stadt-Tbeater in kfurt am Main, als leiste Gastrolle.) Anfang
Schauspielhaus. . siudiert: Torquato Tasso. chauizpiel in 5 Auf- zugen von Wolfgang von Goethe. Jn Scene geseßt vom Ober-Regtffeur Max Grube. Anfang 7? Uhr.
Deutsrhes Theater. Mittwoch:Dasanpeu- gefiudcl. Anfan 7é Uhr. ZVKWIW Dar? Webers Vorst [] ) P ret ag „ . * onncmenr - : ung : riuz Friedrich von Homburg. Jranzösisckpen des Meilbac und Halézvv von Jaques __ * en a '. Regie: Herr Epstein. Dirigent: Herr _ Kapellmeister Ferran. Anfang “ Übe. Berliner Theater. _ Die Ehre. Hermann Sudermann.
Donnerstag: Die Freitag (34. Abonnements-Vorftelluug) : Die Ehre.
Carl Zeller. Regie: Herr Fredy.
2 Aufzügen, nach einer In Scene ge- Anfang 74 Uhr.
Dirigent:
4 Akten von A. Pincro.
Urs. Tanqusruy.) Freitag: Demi-Moude.
Tanz von Emil von Alexandre Dumas.
Residenz - Theater.
123. V0 tellun Neu ein-
Donnerstag und folgende
Ebermann.
Direktion : Iulius Leben. Komische
Mittwoch: Zum' ersten Schauspiel in 4 Akten von Anfang 7x Ubr. Läßerskhnle.
Donnerstag: Pariser Leben.
Male: Unter artistis
Wening-Theater. Mittwvch: Madame Boui-
Donnerstag: Der Herr Senator.
Friedrich - Wilhelmuüdtisrhe; Theater. M.... .. 8222522132" .) .. .. i O 2 . € 3 Akten von L. Held und MSJÜÉ. Musik von
Kapellmeister Dahms. Ermäßigte Preise der Pläße. Donnrrstag: Der Oberßeiger.
KLULF Theater. Schiffbauerdamm 4a./5. Mittwoch: Zum ersten Male: Die
(“1216 8860116 Urs. Mm 11er .) euts von Carl Lindau. Donnerstag: Die zweite Frau.
Sittenbild in 5 Akten
Blumenstraße Nr. 9. Direktion: Sigmund Lautenburg. Mittwo : Fer- nand's Ebekontrakt. (1.711 * 13 parts.) ian Akten vori Georges chddau, in deutscher Be- ar LÜUUJ von Benno JÜLVbson-TaAgTTMJF7k Uhr.,“ Rudolf von Scbrliba (Zkffkl) _
Theaterkntcrden Emden. Bebrenstr. 55/57. _ rißsche- - Mittwoch: Pariser m perette in 5 Bildern nach dem
Zentral-Thenter. Alte Jakobstraße Nr. 30. Direklion: Richard Schul . - Mittwmb: Zum 5. Leitung des Herrn Adolf Vrakl vom Königl. Gärtnerplas-Tbeater in
Münchcn: Figaro bei Hof. Moccocco.) Operktte in 3 Akten (nacb BraumarcbaiS' Memoiren) von Bobrmann-Riegep. Musik von Alfred Müller- Norden. Anfana 7T: Uhr.
Donnerstag: Figaro bei Hof.-
AdolphEmn-Thrater. Leßte Woche. Mitt- woch: Madam- Suzette. Vaudeville-Poffe in 3 Akten von Ordonneau. Musik von- Edmond Audran. In Scene geseßt von Adolph Ernst. Anfang 7ck Uhr.
Donnerstag: Madame Snzette._ * _
Sonntag Nachmittags 3 Uhr: Bei halben Kanen- preisen: Charleh's Tante.
Familien-Nachrichten.
Verlobt: Frl. Sophie Brück mit Hrn. Militär- Jntendaniur-Affcffgr Dr. Wilhelm Schulß (OLna- brück). - rl. Pélene Goecke mit Hrn. Sec,- Likutknani & org Heistcrmann von Zieblberg (Montwy- Jnowrazlaw). _ rl. Ella von Sprengrr mit rn. Lieutenant riedrich Franz Grafen von Sch ieffen (Malitsrh).
Geboren: Ein Sohn: Hrn. Prem.-Lieutenantde Cuvry (Colmar i. E.) - Hrn. Rittmeister d. L. Ioachim von Alvensleben Falkenberg i. M.). - EineTochter:Hrn.Le a ons-Sekretäerristopb Grafen Vivtbum von cksiädt (DreSdrn). LaHrrti.
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mann Max von Hopffgaiten-Heidler Weimar),
Dirigent : Herr
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Verantwortlicher Redakteur: Siemenroth B er lin. Verlag der Expedition (Scholz) in „Berlin.
Druck der Norddeutschen Bu druckerei und Verlags- Anstalt Berlin ZW., Wi belmstraße Nr. 32. Acht Beilagen (einschließlich Börfm-Beilage). sowie die Inhaltsangabe zu, Nr. 6 des öffM' [Um Wei ers (Kommanditgesellsckfm ns Aktien Elli ][ die WM vom xo, MÉUÜÜF“ .fr-Zus.
1 1 :
zum Ökutskhen Reichs-A
„2127 109.
Deutscher Reichstag. 75. Zisung vom Montag, 6. Mai.
Bei der zweiten Berathung des von den YbLeg. Auer und Genossen (Soz.) eingebrachten Gese entwyrfß, treffend das Recht der Versammlun und eretniguna und das Recht der Koakition, er ält zu § 1, der allen Reichs- angehörigen ohne Unterschied des Geschlechts das unbeschränkte Versammlungörecht zuspricbt, nach dem Abg. von Elm das Wort
Bayerischer Bevollmächtigter zum BundeSrath von .Herr- mann: *
Meine Herren! Ich gedenke die Diskussion nicht lange aufzu- halten, ich bitte mir aber zu gestatten, eine Aeußerung des Herrn Vorredners richtig zu steklen, die sich auf eine Bemerkung in meiner leßten Rede bezogen hat. Ich hatte damals gegenüber einem Zuruf dss Herrn Abg. Grillenberger mich auf das Referat des Herrn Landtags-Abgeordneten Dr. Pichler zum Nachweis dafür bezogen, daß gewerkschaftlicbe Vereinigungen mit Frauen auch in Bayern existieren und von der Regierung nicht behindert werden. Ich habe damals nur eine ganz kurze Stelle aus dem Pichler'fchen Referat vorgelesen, und sie hat in der That zu Mißverständiiiffen führen kOnnen. Ich habe daher in meinem Stenogramm, wie der Herr Vorredner ganz richtig bemerkt hat, dies unterdrückt. Ich bin nun veranlaßt durch das, was er gesagt hat, die beireffende Steüe aus dem Referat des HerrnAbg.1)r.Pichle-r vollständiger vorzuführen, und das hohe Haus wird daraus entnehmen, daß ich mich mit Recht auf das Pichler'scbe Referat berufen habe zum Nachweis dafür, daß nicht nur gewerkschaftlicbe Vereinigungrn mit weiblichrn Mitgliedern in Bayern eriitisren, sondern daß sie auck) von den bayxzriscben Behörden in keiner Weise gehindert werden. Das Referat lautet: *
Daß die Gewerkschaften übrigens thatsächliä) von den Staats- bebörden in Deutschland wie in Bayern als politische nicht ange- sehen und behandelt werden, ist daraus zu entnehmen, daß dieselben den Artikeln 15 und 17 des Vereinsgesrßes nicbt unterworfen Wekdén. Nach Art. 17 ist politischen Vereinen nicht gestattet, mit anderen in Verbindung zu treten. Bei ren Gewerkschaften beiiéöen aber nicht bloß einzelne-lokale Verbände, sondern dieselben find nack) den Verschiedenrn Berufen zentralisiert, und die ganze Organisation hat eine gemeinsame leitende Stelle in der .General-Kommifsion der Gewerkschaften Deutschlandß' in Hamburg. Nach der im .Korrespondenzblait der General- Kommisfion der Gewerkschaften Deutschkandß' Nr. 21 vom 9. Oktober 1893 veröffentlichten Statistik für das Jahr 1892 ge- hörten zu dieser zentralisierten Organisation gerade auch die Hier in Frage stehenden Gewerkschaften der Metaliarbeiter mit 334 Zweigvereinen, Schneider mit 185 Zweigvereinen und Textilarbeiter mit 56 Zweigvereinen. Denselben gehören nach derselben Statistik 152 resp. 131 und 620 weibliche Mitglieder an. Unterverbände dieser Gewerkschaften bestehen auch in Bayern; z. B. in dem „Wegweiser durch die Münchener Gewerkschaften“ Vom Februar 1891 ist eine Zahlstelle des „Deutschen Schneider- und Schneiderinnen-Verbandß“ in München aufgeführt.
Sonacb find die vorgenannten Gewerkschaften nicht bloß der Natur der Sache nach als nichtpolitische Vereine zu behandeln, sondem sie werden auch tbatsächlich von den bayerischen Staatsbed'örden selbst als nichtpolitische Vereine betrachtet; sie genießen den Schutz des § 152 der Reichs-Gewerbxordnung.
Ick glaube Ihnen damit nachgewiesen zu Haben, daß ich leßtbin
uicht unrichtig aus diesem Referat zitiert babe.
Abg. Lenzmann fr. Volksp.) _: „Die Bebaupiung des Abg.,Von ;Elm, die freisinnige olképartei 1er cine Gegnerin der Koalttroys- isteibeit, ist nicht richtig. Die sre'rsitmigr Volprgrtei hat durch 'rbr Verhalten bei dem großen Bergarbeiterstrike bewteien, daß sie nicht bloß auf dem Papier Für das freie Vereins- und ersammlungsrecbt und die Koalitionsfrei eit eintritt. Was den vorliegenden Antrag beiti t, so wird meine Partei abwarten, wie sich das Haus zu dem §'1 tellt, um eventuel] eine Amendierun der anderen Paragraphen zu versuchen. Wenn das Vereins: und ersammlungörecbt geregelt wird, so muß dabei auch die Uebenveisungsfrage geregelt, werden. Ick bin für die Ausdehnung der Vereins- und Koalixionsfrcibeit auf dix Frauen, halte aher die Betheili ung der Minderjabrigen an poli- mcheu Versammlungen für unzulas g.
Abg. von Czarlinski (Pol_e): Den Wortkn, welche der Abg. Freiherr von Hodenberg in der ersten Beratbung des Antrags über die Behandlung des bestehenden Vereins- und Versammlun Srechts svracb, müffen wir uns anschließen. Mit Recht wird auch eklagt, BFH die Aufsicht nicht immer von Leuten ausgeübt wird, die dafür ders notbige Verständnis; haben. Uns scheint es insbesondere, als ob die Polen bintangeseszt würden. Die Tendenz des eingebrachten Geseh- entwurfs wird von uns durchaus gebiUi t, wir wollen aber em Geseß nicht nur für Arbeiter, Fondern für alle Be- volkerungsklaffen. Die Form, 'in welcher der Antrag die Tendenz verwirklicht, scheint un_s auch nicht glücklich. Wir machen emen Unterschied zwischen politi1chen und nicbtpolitiscben Versamm- luggen. Wir wünschen die rauen nicht aus ihrer erhabenen und gx- mujbvollen Sphäre in die olitik bineingeriffen zu sehen. Auch die le_rnende Jugend soll noch nicht in den Kampf. treten. Deshalb komxten „wir nur der Aufforderung an_die Regierung zustimmen, endlich em einheitliches Vereins- und Vertammlungöreckxt zu schaffen.
Abg.1)r. achnicke (fr. Bg.): Am schlimmsten steht es rnit dem Vereins“ t in Mecklenburg aus, viel besser freilich in Preußen ("„ich ntzbt. Ein uies VereinSracbt müßte von dem Wunsch dtkt ert sem, dt_e öffentlicßen Angele enbeiten in an emeffener orm obne Unterdruckung des freien &ieinungßaustausZe-s zur erbandlung kommen zu lassen. Wenn der sozialdemokratiscbe GeseÜentwurf für ugs gnnehmbar_werden sollte, würden eine Reihe von mendements Uotbtg sem. Em BedizrfnY zur Erweiterung des Frauenrechts nach der Politischen Seite bur s eint uns zur Zeit nicht vorzuliegen. Vor allem aber halten wir emen Zeitpunkt, in welchem über ein Umsturz- gesch beschlossen werden soll, nicht für geeignet, Aussicht auf ein KUW neues Vereinögesev zu eröffnen. Wir werden deshalb gegen den sozial- dkmoxattscben Geseventwmrf stimmen.
b . Stol le (Soz.): Wir haben in Sachsen nicht mehr das 2??ka Énlammluygen a!) ubalten; denn wenn freilich nach dem Gesetz uses Recht allen in glei em Maß zusteht, fo entspricht das nicht
'Erste Beilage
nzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeigcr.
Berlin, DienStag, den 7. Mai
den Intentionen der Regierung, und der sächsische Minister des Innern bat angeordnet, daß gegen die Sozialdemokraten scharfer yorgegangen werde ais gegkn andere Parteien. S_eibst die Wäblcwverixmmlunzen wurdsn aufgrlöii. So wurde eine Wablervrrsammlung zur Beratbung der _Umsturzvorlage aufgelöst, weil ste sich ,als jozialdemo- kratilche kennzeichne'. Wer „darf uns das Recht ab- sprechen, über die Angelegenheiten _des Staats zu reden? Em konservativer Verein, ein _ srein alko, der_zur Ordnurngvartei gehört, hat einen Aufruf er sen der die Aufhebung versanungs- maßiger Rechte verlangt. Dieser Äuftué ist durch Staatsbeamte und Kommunaxbeamte verbreitet worden, 1) ne daß dagegen eingeschritten worden ware. Wir verlan en vor allem Gletrbberechtigung mit den anderen Parteien. Die säcßstscbe Bevölkerun _ wäre, gepeirxigt durch die _Handbabung des Vereinsgeseßes, schon angst zum Aufruhr ge- sckxntten; wenn die sozialdemokratiscben Führer nicbt verstandrg genug waren, sie davon abzuhalten.
Bevollmächtigter zum BundeSrath, Köni lich sächfifcher Gesandter O1". Graf von Hohenthal und argen:
Meine Herren! Gegen den Schluß seiner Ausführungen hat der Herr Vorredner gesagt, daß ein Aufruf, dessen Inhalt er zum tbeil uns mitzutbeilen die Güte hatte und von dem er gemeint hat, daß er von den Ordnungsparteien außgegangen sei, durch Beamte kolportiert worden sei. Der Herr Vorredner bat dieselbe Behauptung in der Landtagßfiyung vom 27. Februar 1894 aufgestellt. Es ist ibm damals dom Regie- rungstisck) aus erwidsrt worden, daß, wenn ein derartiges Kolportieren durcb Beamte geschieht, dies den Intentionen der Regikrung nicht entspricht. Zugleich ist er aufgefordert worden, den Beweis beizu- bringen für das, was er gesagt hat. Der Herr Abg. StoÜe hat diese Behauptung jetzt ebenso wiederholt. Daß er sie bewiesen hätte, kann ich für meinen Theil nicht anerkennen.
Im übrigen 1vreche ich mein Bedauern darüber aus, daß der Herr Vorredner am 1. Mai, an dem wir zunächst in die Beratbung über den vorliegenden Eanrf eingetreten find, wahrscheinlich durch größere Vergnügungen vom Erscheinen bier abgehalten gewesen ist (Heiterkeit); er würde, wenn er den Verhandlungen beigewohnt hätte, gewußt haben, daß ich die von ihm als besonders gravierend bezeichnete Rede des Hsrrn Ministers von M6tsch 111 «9550 Vorgelesen habe, und er würde wissen, daß ich es“ abgelehnt habe, mich bier ausführlich auf die Handhabung des sächsischen VereinßgeseZes einzulassen, weiL diese Angelegenheit nach meiner Auffassung Vor den sächsischen Landtag gehört. (Sehr richtig!) Ich beziehe mich auf diese Erklärung und lehne es “hiermit nochmals ab, auf Einzelseiten bezüglich der Hand- habung des Vereinßgrseßes einzugehen. Sollte der Herr Vorredner der Meinung sein, daß Justizverweigerung vorliegt, so steUe ich ihm anheim, den Weg, den die Verfassung, Art, 77, vorschreibt, einzu- schlagen. Sie sagt:
Wenn in einem Bundesstaat der Fal] einer Justizverweiscrung eintritt und auf gesetzlichen Wegen ausreichende Hilfe nicht erlangt werden kann, so liegt dem Bundesratb ob, erwiesene, nacb drr Verfassung und den bestehsnden Geseyen des betreffenden Bundes- staats zu beurtheilende Beschwerden übrr Verwügerte oder gebetnmte Rechtspflege anzunehmen, und darauf die gerichtliche «Hilfe bei der Bundesregierung, die zu der Beschwerde Anlaß gegeben hat, zu bewirken.
Sollte er glauben, daß diese Vorschrift angewendet werdsn kann, so mag er fich an den Bundeßratb wenden, dieser wird dann darüber zu befinden Haben. Ich glaube aber, der Bundeskatb wird zu einem negativen Votum gelangen.
Auf einige Punkte, die der Hsrr Abg. Stolle vvrgebracht, will ich eingehen, ohne eine Verpflichtung dazu für mich anzuerkennen. Er hat uns eine Mitibeilung gemacht, daß in Wurzen verschiedene Verrine zusamuiengetreten wären zum Zweck der Verhandlung über Stadtverordneténwablen, und bat hieran die Bemerkung geknüpft, diesen Vereinen , welche dsn sogenannten Ordnungsparteien angehörten, wären keinerlci «Hindernisse in den Weg gelegt worden. Wenn die Sache sich in der That so verhält, wie der Herr Abg. Stoll? e-Z geschildert Hat, so nehme ich keinen An- stand, zu erklären, daß ich, wenn ich gefragt worden wäre, die Be- börde Veranlaßt hätte, gegen diese Vereine einzuscbreiten. Der § 24 des sächsischen Vereinßgesexzes gehört zu denjsnigen Bestimmungen, die nach meiner Auffassung, und ich weiß, daß diese von meiner Regie- rung getbeilt wird, auf alle Véreinc anzuwenden sind. Diese Vor- schrift gehört zu denen, die ich in meiner Auslaffung vom vorigen MitWocb als dispofitive bezeichnet habe: zu den Bestimmungen, be- züglich deren, wie wir meinen, die Polizeibehörde nicht das Recht hat, AuSnabmen zu gewähren. Wenn also die Vrreins in Wurzen 'in politischen Angelegenheiten sich mit einander in Verbindung gesest hätten, so hätte dagegen eingeschritten werdkn müssen.
Dann hat der Herr Vorredner mir vorgeworfen, ich hätte in meiner Ausführung am 1. Mai, bei der er nicht zugegen gewesen ist, gesagt, die Sozialdemokratie steuere der Anarchie zu. Ich glaube ibn wenigstens so verstanden zu haben. Ich baße das in dieser Rede nicht gesagt. Ich bitte ibn, mir die Stelle nachzuweisen, die er im Auge hat. Ich habe gesagt: diefer Géseßentwurf ist weiter nichts als die geschliche Sanktionierung der Anarchik. Dabei bleibe ich aller- dings stehen. (Heiterkeit und Zuruf links.) Ja, es ist eine Auf- fassung. (Heiterkeit.)
Dann hat der Herr Vorredner mit großer Emphase erklärt, daß es das Verdienst der sozialdemokratischen Führer sei, daß die sächsische Bevölkerung nicht schon längst, gepeinigt durch die Art und Weise, wie bei uns das VereinSgesey gehandhabt wird, zum Aufruhr ge- schritten sei. Nun, dem muß ich mit aller Energie widersprechen. Wenn bei uns irgend jemand verständig ist, so ist es die Bevölkerung, und nicht die sozialdemokratiscbe sog. Führerschaft. (Widerspruch links.) An den sozialdemokratischen Führern liegt ck wahrlich nicbt, daß bei uns alles bis jetzt ruhig und friedlich ab- gegangen ist. Die sozialdemokratiscben Führer, - ich meine natürlich niemand hier im Hause - (Heiterkeit), die haben alles Mögliche ge- than, um die Bevölkerung aufzuheßen und sie auf Wege zu bringen, auf denen ich fie nicht sehen möchte, Es ist der rubige, verständige
1895
Sinn der sächsischen Bevölkerung, der *bis jest Unheil verhindert hat, und ich Hoffe, daß rs auch in Zukunft so biciben wird. (Bravo!)-
Abg. örster (d. New.): Wir stimmsn im wesentlichen egen den ntrag von Elm, bitten jedoch „die Regierung um eine ßaldige Vorlegung eines Reichs-Vereinsge1eßes, da auch wir eine reichsgeseßlicbe ngrlung für durchaus rrforderlich haltm. “
Abg. von Elm (Soz.): Ich bitte dxu Abg.Lenzmann, mir einen Fall aus den leßten 20 Jahren zu nennen, wo die Frrisinnigen für einen Strike eingetreten smd Kein Organ ist ,aucb gegen „die Be- tbätigung der Vereins- und Versammlungsfreibsit gebäisiger auf- getreten, als das Hauptorgan der frkifinnigen Volkspartei. Gegkn- über Verschiedrnen Ausführungen des Heutigen Tages will ich darauf hinweisen, das; wir die Frauen ja nicht zwin en wollen, den politischen Vereinen beizutreten. Dem deutschen emeinweien würds krin Schaden erstehen, wenn, ohne Unterschied des Gcschlecbis, kein Bürgyr gehindert würde, sich zu versammeln wo und wie er wifi.
Abg. Richter (fr. Volksp.): Der Abg. Lenzmann hat gesagt, wenn nicht die Bestimmung über das Auflösungs- und Ueberwackpuügö- recht geändert wird, sei der ganze Antrag der Sozialdemokraten nicbtß. Und daraus macht der Abg. von Elm, daß der Abg. Lenzmann sicb keine Versammlung obne Polizei denken kann. *Die .Freismnigs Zei- tung“ ist für den Dortmunder Skrikx 1889 cmastrerkn (Zuruf: Buchdruckerstrike!) _ nein, für den Biiävdruiisr'sirif-x nicht, denn das ist 65911 drr Unterschicd zwiichsn uns und den Sozialdemokraten, daß Sie Von ungere'chtfkrti-gten Siriisz, die die Arbeiter auf da:“; schwerste schädiakn, zwar abratch, akkr rrmm 118 im Gang; sirid, fie unterstüßen. Wrnn Sie “ bre ganzr Parla- mentari'che Kunit darauf vrrwenden, bei dicsem 9 nlaß einc POiéMik mit der_ frsifinnigen Partei bervorzurufen, so beweis? das, dai; ?? anrn mit _dieiem Anfrage nur um eine Agitation zu thun isi, um 9111? Brgyckoüre herauszugeben übkr das Vereinsrecht und sxinc Bs- schrankungen. Ich beantrage übrigens, über dir Einzelnen Süss DSI § 1 getrennt abzustimmen.
Abg. Zubeil (Soz.): Die Wirtbin eines Lokal:? in 355971 hat die_Erlaudniß zur Abhaltung einer Versammlung in ihrem Lokal aus Einwirkung des dortigen Bürgermeisters zurückgezogrn. Wenn derartige polizeiliche Beeinflussungen in der Nähe von Berlin :ninck) find, wie wird es da Erst in entfernteren Landeétbeilsn gasseben!
Bevollmächtigter Zum BundeSrath, prenßischcr Minisrkr des Innern von Köl cr:
Ick möchxe dsn Herrn Abgeordneten, drr sosbrn gesvrocbcn bai, biitsn, daß, wenn er glaubt, daß ihm Unrecht geschrbcn ist, er sicb an diejenige Vebördc wendet, welche der betreffenden Orts - Polizri- behörde Vorgeséßt ist - ich kann nicht gleich sagen, ob es der Land- ratb odkr dcr Regierungs-Präfident ist _ ; er wird dort ssinen Bescbeid bekommen, und wenn ihm der Bescheid nicbt konVcnicrcn sollte, so würde ich dem Herrn Abgeordneten weiter rothen, daß er fick: an dir höhere Instanz wendet; schließlich wird die Sache wohl zu mrinrr Enr- scheidung kommen. (Zuruf bei den Sozialdemokraten.) - Daß das zwei Jahre dauern kann, besireite ich. (ZuruH) _ Und ob ich dann noch Minister bin, wie? Herr Singer ruft, das wollen wir abwarten. -
Wrnn drr Herr Abgeordnete jenen Vorfall hicr in cinsm Lichte geschildert hat, wie er es that, und daran die Schlußfolgerung knüpfte, daß dort etwas Himmelschreiende§ nacb ieinrr Ansich1 geschehen sei, so Hat der Herr AbgkordnctE den Hergang entwkder nicht richtig dargesteklt, oder ich weiß nicht, worüber er sich Eigentlich beschwert. Der Herr Abgrordnete sagt, cr habe Tine Vrrsammlung in Zoffen angemrldet, habe mit einer Frau abgrmaäyi, daß der Saal ibm zur Disposition gestellt rrerdr, und 55118 nac'hber einen Brief brkommen, worin ibm mitgetheilt sei, das; die Frau nicht geneigt sei, ibm den Saal zum Zweck einer Versammlung zu vermiriben, (Zuruf) - in dieser Mittheilung wird dem Herrn Abgeordneten, wie er sagte, die Abschrift einer Erklärung dsr Sa'albkfißc'rin mitgetheilt, worin dieselbe sagt, daß fir die Genehmigung, den Saal zu vermietben, zurückzöge, und weiter die Erklärung abgiebt, daß sie das freiwillig gethan babs, - das sind die Thatsachen, die bisher vorliegen, alles Andere find Vermuthungen und Sckylußfolgerungen, die bis (Late) dnrch nichts bewiesen sind. Es wirkte sogar komisch, als der Hrrr Ab- geordnete sagte, die Namenszüge der Frau und die Schrift drs Herrn Bürgermeisters hätten eine gewiss Aehnlichkeit mitsinander, nachdem er zuvor gesagt hatte, der Herr Bürgermeister babe ihm in seinem Schreiben eine Abschrift jener Erklärung zugestkllt. Ja, wenn nun der Bürgermeister selbst den Brief geschrieben und auch die Abschrift von jener Erklärung griertigt hat, so finde ich gar nichts AuffäüigeI darin , daß die Schriftzüge in beiden Schrift- stücken eine gewisse Aehnlichkeit miteinander haben. (Heiterkeit) Also, wenn Sie eine derartigr Beschwerde haben _- ich bin im preußischen Ministerum des Innern zu sprechen _, so wenden Sie sich an mich; im Übrigen abkr Verdächtigen Sie nicht und greifen Sie nicht Polizeibehörden im Lande mit derartigen Sachen an, hinter denen nichts dahinter ist.
Abg. Stolle (Soz.): In Sachsen regiert. die gebeimr Ober- bofratbspartei, und die macht, was sie will. Wir treten deshalb mit unserem Anfrage Vor den Reichstag. In Sachsen können wir zu
unserem Recht nicht kommen. Im Landtag ficht uns_ eine geschloffene Phalanx entgegen, die uns nicht zu Worte kommen laßt.
Abg. Be bel (Soz.)_widerspricht der Aeußerung des Abg. Richter, daß die sozialdemokratiscbe Partei den Bu druckerstrike unterstüst babe; re babe si arnicht bineingemiscbt. E ensowenig ist der Vor- wurf egründet, dagß die sozialdemokratische artei „den Antrag zu Agitationßzwecken eingebracht bat: es handele ub doch bekanntlich um einen wichtigen Programmpunkt der Partei. Zur Agitation wird die Beratbung über die Umsturzoorlage genügend Gelegenheit geben.
Abg._Richter (fr. Volksv.) giebt zu, daß in der That die sozial- demokrati1che Partei als solche den Buchdruckerstrike nicht unterstü t habe, aber die Gewerkschaften, welche ma volle Forderungen geste t hätten, seien dur rbre Führer im sozialitischen Geiste verbevt und dadurch der Stri e verschärft worden.
Die beiden ersten Paragraphen des xozia'ldemokratischen Antra 5 werden sodann mit erheblicher Me rhett abgelxhnt, woran? der Rest des Entwurfs durch den Nbg. Singer zurückgezogen wird.
Um 5 Uhr wird hierauf Vertagung beschlonen.