1895 / 134 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 07 Jun 1895 18:00:01 GMT) scan diff

Yichtamtsiches.

Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 7. Juni.

Seine Majestät der Kaiser und König begaben Sick) heute Morgen um 71/2 Uhr mittels Sopderzrx es 11ach Jüterbog, um einem Gefechtsschießen der Schießschue beizu- wobnen, gedachten Nachmittags uber Halertsee nach _der Wild- parkstation zurückzukehren 11111) _au_f der Nuckfahrt dlc Glocken für die Kaiser-Wilhelm-(Hedachtnißktrche zu bestchtigen.

Ür das Etats'ahr 1894/95 sind im_ _ Deutschen_ Reich von FEin nahmen](e1nschließlich der kredrtterten Betrage) an Zöllen und gemeinschaftlichen Verbrauchssteuern sowie von anderen Einnahmen zur Auschreibunz gelangt._

Zölle 387 653 787 «(O. Feger: denselben eitraum des Vor ahrs + 23 223 434 „W), Taba steuer 117551 _.,46 (+ 33 46 ckck), uckersteuer 85114479 „47; (+ 7234 740 «M), Salzsterter K) 354 163 «(+ 1 048 374 «M), Maischbotttch- und Branntmem- materialsteuer 22 092 390 «(ck (+ 2558 379 „(Q) , Verbrauchs- abqobe von Branntwein und Zuschlag zu derselben 118031455 «46 (+ 220 597 „MZ, Brausteuer 26 366 313 „jk; (+ 281752 „FH), Uebergangsa gabe von Bter 3620 049 „15 (+ 53 385 «11; S umme 699 992 824 „46 (+ 28800172 „M). Stempelsteuer ?Ür: &. Werthpapiere9037 981 776 (+4871_773„Fß), "0. Kauf: und sonstige Anschaffungsgeschafxe 16 406 919 „% + 8242 129 „(Q), 0. Loose zu: Prtvatlotterten 2342 000 „ck “(+ 863 138 9x), Staatslotterien 11 973 059946 ( _+ 4 116 4464/46), Spielkartenstempel 1 399 929 «46 (_+ 22 830 046), Wechsel: stompelsteucr 8147 837 016 __(+ 27 083 016), PMT und Telegraphen-Verwaltung 269 778 002 „71 (+ 13 311_ 203 „FH), Reichs-EifenbabWVerwaltung 62 708 043 «(6 (+ 400 460 070). Die zur Reichskaffe gelangte Ist : Etnnahme abzuglrcb der Llusfuhrvergütungen und Verwaltungszkoften betr_agt _bei den nachbezeichneten Einnahmen fur das E101610hr 1894/90: Zolle 362 680 984 «(+ 26 053 692 940), T_a_backsteuer 11 329 970 «46 (+ 411545 0171), Zuckersteuer 80 372180 „17; („+ _9 307 073 „FH), Salzsteuer 44462 749 «16 (+ 790 704 „W), Ma11chb0tt1ch__: und Branntweinmaterialsteuer 18024890 «40 (+ 1 182 397 36), Verbrauch00bgabe von Branntwein _ und Zuschlag zu der- selben 99 600500 «16 (+ 527 706 016), Brauxteuer und Ueber: qangsabgabe von Bier 25 470 158 „46 (+ 281 340 «17 ); S umme 641941441 (76 (+ 34571571 „(Q). + Spielkartenstempel 1 280057 „46 (+ 21166 „(€).

Die Berufs- und Gewerbezählung, welcbe anf Grund des Reichßgeseßes vom 8. Awril d. J. (1111 Freitag, den 14. d. M., stattfinden wird, soll das Materml liefern zn einer statistischen Darstellung der Vertheilung der Bevolkerung nach Berufsarten und BerufsstcllUngen, der Vertheilung des land: und forstwirthschaftlich benutzten Bodens ncick) Yem Um: fang Und anderen wichtigen Merkmalen_der Bewrrth1chaftung, sowie der gewerblichen und Handelsbetrrebe, m_11E1nsc11luZ der Hausindustrie und des Hausiergemerbes, nach ihrem Personal- bestand, unter Berücksichtigung der Verwendung von Eler_n_0_ntar- kräften und gewisser besonders wichtiger und cl)arakte111t1scher ArbeitSmaschinen. ' _ _ _

Die Einrichtung dieser Erhebung schließt 1111) an die bewährte und allvekannte der VolkSzählungen 011: mtr find die Formulare Umfangreicher Un_d dem Zweck einer_volks: wirthschaftlichcn Statistik angepaßt, U11d_der Termm der Zählung ist ein anderer, weil_cinmal_ die erste Erhebung dieser Art im Jahre 1882 auch 1111 Zum stattfqnd Und dann der für die Volkszählungen bergebrachte Term1n_ des _1. Te- zember fÜr Ermittelungcn, die das gewerbliche, 1116580110810 (11111) das landwirthicbaftliche Erwerbsleben 111 seiner vollen Entfaltung erfassen sollen, nicht Paffcnd 111. _

Von den drei Formularcn*), in welche vom Publinxm Antworten eingetragen werden sollen; der HaUeZhathngslUtc, dcr Landwirthschaftskarke und dem Gewerbebogey, Wird das erstgenannte an sämmtliche Haushaltungen und em_z_eln_ lebende Personen ausgegeben; die Landwirthschaftskartc 111 111 al1en den'enigen Haushaltungen auszufüllen, welche eine Boden- fl1'1'1e, groß oder klein, als Acker, Wiese oder Weide, zun) Handels : Gewächsban, als Nungarten, Weinberg, Forst bcwirtbicßaften ober auch nur KÜHe zu _ Zwecken der Milchwirtbschaft + also cines der Landwirthxchaxxnahe verwandten Betriebs + halten. Der_Gewcrbebogen i1t_ von allen Personen auszufüllen, deren Ge1chäft nicbt 110111511011 allein und ohne Elcmcntarkraft «USJeÜbt xvird und 1111 welche daher 11icht schon (1110 der Haushaltungsliite flir dic Gewerbe: statistik genügende Antworten zu entnehmen 11111), Und zwar sollen nicht mtr die Leiter selbständiger Geschäfte, sondern (11111) von Zweigqeschäftcn mit Gcmcrbebogen versehen werden.

Die Formulare sind, mit Berückjichtigung der im Jahre

1882 gem0chten Erfahrungen, unter Betheiligung landmirtl): schaftlicher und gewerblicher Sachwerständiger ausgearbeitet Und nach Prüfling in der fÜr die Beratbung dcs Gescßes über die Berufs: und Gcwcrbezäylnng vom Reichstag gewählten Kommission vom Bundeézratl) fest- gestellt. Maucherlei Fragen, die bei diesen Vor- bereitungen als wünschenswertl) bezeichnet wrirdcn, sind zurück- gestellt worden, 11111 die Erhebungen und deren Bearbeitung nicht zu sehr anschwellen zu l01'scn. Immerhin wird vom Vubliknm die Durchsicht einer langen Reihe von Fragen ge: fordert, die der Haushaltungsvorstand auf der Haushaltungs: liste und der Betriebsleiter auf der Landwirtbschaftskarte oder dem (Hewerbcbogen, theilweis auch auf beiden, beantworten soll, soweit die Frage auf i_Zn zatrifft. Es ist aber natürlich nicht möglich, eine ausführli e statistische Darstellung jener volks- wirthschaftlichen Verhältnisse, wie sie von der Praxis und Wissenschaft cfordert wird, auf einer nur kleinen 2,0111 0011 Fragen und * ntworten aufobauen, und bei der Wichtigkeit diescr Erbchng, 3310 fast in demselbcn Umfange zuleßt 1101 dreizehn Jahren gemacht worden ist und in einem älznlick) langen Zcitraum nicht zu wiederholen sein wird, durfte in den Formularen eine Befragung, die Über das gewöhnliche Maß hinaußgeht, nicht gesche11t werdeti.

Das Gelingen der Zählung und damit der statistischen Arbeit überhaupt bän tganz von dereinsicbtsvollen und bereit: Willich Mitwirkung Fer Bevölkerung ab, die sie, bei dem ge- meinnützigen Zweck des Unternehmens sagen wird.

*) S. d.!Nrn. 25 und 119 k. „R.- u. ““St.-Ane.“

gewiß nicht ver-

Nach einem Telegramm des Kaiserlichen stellvertretenden Gouverneurs von Puttkamer aus Kamerun bat die Kaxscr- liche Schußtruppe unter der ZÜHTUUÜ _des Rittnieisters von Stetten den seit längerer eit auffassigen Stämmen der Bakokos am unteren Lauf des Sanagaßusses eme empfindliche Niederlage beigebracht. Vier Hauptorte derselben wurden erstürmt, 200 Todte blieben ayf dem elde; zahlreiche Gefangene fielen in die Hänbe der S1eger._ on der Kaiser- lichen Schuytruppe find szOlf Mann getthet _und _47 ver- wundet. Deutsche Unteroffiziere oder Ofßziere smd nicht ver- leYt. Die Schußtruppe gelangte ungeh1ndert_ riach Y_atztide, welches unter Lertung des Lieutenants Dominik milttarisch besth wurde. _

Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß 111 dem Bakoko- lande, welches bisher dem Handel verschlossen 11301 lind dessen Bewohner sich dauernd der schwersten Gewaltthatigkettcn gegen Europäer und Duallas schuldig gemacht haben, mmmebr geordnete Zustände herrschen werden.

Der General der Infanterie von Rauch, Chef der Land: gendarmcrie, ist hierher zurückgekehrt. _ Der hiesige Königlich bayerische Gesandte Graf v__on Lerchenfeld-Köfering ist vom Urlaub na_ch Berlm zuruck: gekehrt und bat die gesandtschaftlichcn Geschafte Meder uber- nommen. _

Der hiefige Königlich württembergische Gesandte Freiherr

von Varnbuler ist vom Urlaub nach Berlin „zurückgekehrt und hat die gesandtschaftlichen Geschäfte Wieder. ubernommen.

Ter hiesige Königlich niederländische Gesandte Joykheer van Tets van Goudriaan bat_s1_ch_cLur Ueberreichung seines Beglaubignngsschreibens am Kbmgli bayerrsche11_Hofe nach München begeben. Während ferner Abwejenheit Ut der Zweite Sekretär der niederländischen Gesaydtschafh Erbgraf von Rechteren-Limpurg-Almelo wit Erledigung der laufenden gesandtschaftlichen Geschäfte beauftragt.

Bayern. _ Seine Königliche Hoheit der Prinz Ludwiß wird, _wre „W. T. B.“ meldet, Seine Kömgl1che Hoheit ext Priyz- Regenten anf der Reise zu den Eroffnungsfeierlichkerten des NordOstsee-Kanals begleiten. _ _

Seine Kbnigliche Hoheit der Prrn Leopold hat die Ehren-Präsidentenstelle des Batzerische11 eteranen:, Krieger- Und Kampfgenossenbundes, dem er bisher als Ehrenmitglred angehörte, angenommen und wird aucb 11111 30. Zum dJ. dre von Seiner Königlichen Hoheit dem_ Prinz:Regenten zur Erinnerung an die 25jäbriqe Wiederkehr des __Tages von Sedan gestiftete Fahne dem Bund im Auftrage Hochstdessclbcn Übergeben.

Württemberg.

Die Kammer der Abgeordneten beendigte in ihrer vorgestrigen Sitzung die Einzelberathun des Eisenbahn-Etats u11d begann gestern die Beratbung des 'ustiFEtats. _

Dem Präsidium der Kammer der A geordneten tft der Eutwurf 011100 (Gesetzes, betreffend die Verlängerung der Befugnis; der Württembergisckien Notenbank in Stuttgart ur AUEgabe von Banknoten, nebst Begründung zur weiteren e- handlung ngegangen.

Baden. Der landftändische Ausschuß zur Prüfung der StaatSrrcbnungen ist am 5. d. M. in Karlsruhe zusammen: getreten,

Sachsen-Coburg-Gotha.

Der Landtag für das Herzbgtbum Gotha hat in seiner Sißung vom 5. d. M. den Gejcßentwurf angeqommexi, nach welchem die Wittmrn: und WaisenWenfionSanstalt fur Beamte auf den Staat Übernommen und das Gnadengehalt für deren Wittmen und Waisen fortan auf fiinf statt 13123561 auf drei Monate gewährt werden soll.

Der qemeinscbaftlicbe Landtag für dieHerzqg: thl'xmcr Coburg und (Gotha beschl0ß gestern, die Petitton des Bandes dcrttscbcr Franenvereine 11111 Anstellung weiblicher Gemerbe-Znspektorcn der Regierung zur Erwägung zu uber- weisen.

Qesterreich-Ungarn.

Ein in Graz dnrch Anschlag bekannt gemachtes Hand: schreiben des Kaisers (111 den Statthalter spricht der Bevölkcrrmq für den _so warmen Empfang und die vielen herzlichen Beweise der Liebe Und Anhänglichfeit, welche dem Kaiser während seines Aufenthalts entgegengebracht worden seien, dcn innigstcn Damk aus. _ Die Delegationen sind gestern in Wien zusammen- etreten. Die österreichische Delegatibn wählte den Fürsten Ferdinand Lobkowiß zum Präsidcrxtcn und den rufen Zaleski zum VizeWriüsidenten. Fürst Lobkowitz hielt daß me Sorge der Wehr- kraft der Tradi- tionen der Delegationen chört habe. Man_ babe bierbci anerkannt, daß die Heeresverwaltung selbst das Bedenkliche allzugroßer Anspannung der Steuerkräfte bor AUFen gehabt hohe und in ihren Mebransprüchen cin weises I) zu halten verstehe. Der Präsident widmete hierauf dem Erz- herzog Albrecht einen tiefempfundencn warmen Nachruf, erwähnte sodann den im Ministerium des Aeußern erfolgten Wechsel, widmete der Amtsthätimkeit des Grafen KÜlnoky. dem jeder Patriot für die Wahrung des "Friedens der Monarchie danken müsse, warme Worte der Z2l11er_kennung, begrüßte ferner vertrauensvoll den neuen Minister des ALUßSkLN, Grafen Golucbowski, und schloß mit einem dreifachen H 0 ck auf den Kaiser, in welches die Versammlung begeisterteinstiinmtc. Der Minister des Acußeren legte hierauf daSgemeinsameBudgetvor.+DieungarischeDelegation wählte Aladar Andrasst) zum Präsidenten und Koloman Szel [ zum Vize:Präsidenten. Der Präsident widmete dem Erz- , k) e r z o g A [ br e ck 1 einen warmenNachruf und gedachte alsdann der Verdienste des zurückgetretenen Ministers des Auswärtigen Grafen Kälnokr), dem es gelungen sei, während vierzehn Jahren der Monarchie die Segnungen des Friedens zu sichern. Jm

cine Ansprache, 11101111 er berporhob, für die Erbalwng und Kräftiguyg _ Monarchie stets zu den patriotiscbrn

weiteren Verlaufe besprach der Präsident die Sthu_ng Ungarns

. Lord - Mar) or die Gesundheit des

zu den Valkanstaaten und drü_chte die Hoffvung aus, daß der ]eßige Minister des Auswärtigen Graf (S_oluchowexki die bisher daselb st befolgte Polittk auch weiterhin erfolgre1ch gel- tend machen werde. _ _ _

Der gemeinsame Voran schlag fur die Gesammt-Mvnarcbw ro 1896 zeigt ein gesammtes Bruttoerfoxderniß von 156 291 463 F1.

ach Abzug der vorhandenen Bedeckung 111 Hohe bvn 2692 175 [. bleibt ein gesammtes Nettoerforderniß von 153 599 288 Fl._ HierVon geben ab die mit 49047140 Fl. prälimmterten Zollgefalls-Ueber- schüsse; es Verbleibt ein Erforderniß von 104552148 F1. Hier- von smd die zu Lasten _ des ungarischen _ Staatsscbaßes zunäcYst abzuziehenden 20/0 nut 2091043 F1. 11! Abrechnung zu ringen , sodaß das durch Quotenbeitrage zu _ deckende Erforderniß 102 461 105 F1. beträgt. ngon entfallen guF die Yetchs- ratbsländer 71 722 774 Fl., auf Ungarn mrt den dazu geborrch Lgndern 30 738 332 Fl. Im Vergleich mtt dem Budget von 1895 tft der Quotenbeitrag der Reichsratbsländer für 1896 um 1 860 401 Hl. großer, jener Ungarns um 797315 Fl. Der Heeresvoranscb ag weist ein ordentliches Erforderniß von 122 215 042 Fl. aus; nach Abz_ug der Vorhandenen Bedeckung in Höbe von 2469 873 Fl. verbleibt_e1n un- gedecktes Erforderniß von 119745169 Fl. Das _außerordent11che_Er- forderniß beträ t 14 389 659 Fl. Ein Vergleich der ordentlichen Heeresetforderni e für 1896 mit der Bewrlligung für 1895 ergiebt für 1896 eine Steigerung des Bruttoersordermsses um 3713 576 l., eine Erböbung des Nettoerforderniffes um 3 699 213 F1. Der_ or- anfcblag für die Kriegßmarine beziffert das ordentliche Erfordermß auf 10 364 060 Fl., das außerordentliche Erfordermß auf 3117200 Fl., inSZesammt fonach auf 13481260 Fl.; d. b. auf 500 000 Fl." mehr als für 1895. + Der Voranschlag für das Jahr 1896 fur die Truppen und die Militäranstalten in BoSnien u_11d der Herzegowina weist ein außerordentliches Heereserfordermß Von 3 559000 Fl. auf; bei einer Bedeckung bon 40 000 F1. stellt fich das Netto-Erforderniß auf 3 519 000 Fl., also (;;-gen 1895 un1_ 63 000 Fl. geringer. Hierbon entfallen, nach 21sz Von 2% zu Lajten des 1111- gariscben Schaßes, auf die Reichsratbslanber 2414 034 Fl., (m_f die ungarischen Länder 1034586 Fl. Aus dem außerordentltchen Heeresbudget ist die 6. Rate im Betrage bon 1800000 Fl, zur

ortseyung der Beschaffung von Repetiergewebren und quabmern

erworznbeben. Da mit dem Pro 1891 eingestellten Geiammtexrsordermß Von 9 772 300 [. nur die Neubewaffnung der Infanterie; der quertrubpe und der Kaba erie beendet ist, so spricht sich das Kriegs-Ministeriuxn für die successive Neubewaffnung der übrigen Truppen aus, sowie für die Nachscbaffung des Kredits 0011 20 027 700 Fl., woduxch fich der gesammte Kredit auf 29 800000 Fl. erbbbt. Hterbon w1rd der bereit?,i erwäbnte Tbeilbetrag von 1800 000 F1. pro 1896 berlangt. Die übrigen Hauptposten des außerordentlichen Heeresbudgets betreffen tbeils weitere Raten oder dre Fortsetzung ber Kredite für bereits früber bewilligte Erfordernisie, _so ?_ur die Verstärkung der Armierung einiger festen Platze und_fur xte Exn- fül)rung raucblosen Pulvers je 1000000 Fl. :c., kbeils einmalige Erfordernisse xur Durchführung organisatoriicher Aenderungen sowre für Militär-Erziebungs- und Bildungsanstalten. + Das Budget der Verwaltung von Bbßnien und der Herzegowina zemt auch für 1896 einen Ueberscbuß. Dem Erforderm bon 14386 296 F1. stehen 14 413 590 Fl. Einnabmen gegenüber. er Uebexscbuß betragt 10110119 27 294 F1. Die Schlußrechnun g en für 1893 weiien bobereEr- trägniffe derZoUgefälle gegenüber dem Vora_nschl_ag um 12 6_73291Fs.aus. In den ordentlichen Auszgaben dagegen 1st_eme Uebertckpreitung um 4600 000 Fl. vorhanden. Nach Abzug dieser Ueberichrettung_ und unter Hinzurechnung der bei den außerordentltcben Außgabe11_e_rzt_e1ten Ersparnisse schließt das Ergebnis; für1893 gegenüber dem_Pra_ltmtnare 11111 9119526 Fl. günstiger ab. Der Gebabrungsansweis fur _1894 weist dem Voranschlage gegenüber eine Erhöhung der Zolleinnarxmen um 10 324 838 F1". nach.

Im Steuerausschuß des: 5stcrre1chi1chen Ab: geordnetenhauseß gelangte gestern der Antrag_ des Abg. Baron Dipauli zur Beratth, wonach 511111) die Stetter- reform eine Verkürzung des Wahlrechts nicht PlaY greifen solle. Der Finanz-Ministcr ])1. von Plener_ erklarte, der Antrag prämdiziere der Walzlreform und sei deHhalb 1111: annehmbar. So lange d1e _Wahlreform _nocl) mcht durchgefiihrt sei, gehe es mcht _ an, eme _Grenze zwischen den alten und neuen nglern anlaßlich der Steuerreform zu ziehen. Der Minister empfahl den Antrag des Referenten, wonach bis zum Zustandekqmmcn der neuen Wahlreform die durch neue Steuergeseße eintretenden Nachlässe, Ermäßigungen oder Be reiungcn -_den Verlust des Wahlrechts für die bisher das Wa_lrecl)t genießenden Staats- bürger nicht zur Folge Haben konnten. Dcr Abg. Baron Dipauli erklärte, seinerx Aiitrcig Ülistkckst 7,11 erhalten; er werde nur gemisen Modtstkationcn zuitimmey. _

Ein Communiqué der deutschen Linken besagt; die Pattex habe in der Erwart1111g,_ daß (m_dem Wahlresorm: Emtwurf des Schomités we1e_ntl1che VerbesjerUngen errerchbqr sein würden, beschlossen, daß dre_ der de1_1tscl)_en Litzkcn angebo- renben Mitglieder des Wablrer_0rmau01chu1ses fnr das Ein: gehen aaf dic Spezialdebatte uber die Wablrcfornw_0rlage stimmten, aber sclwn in der Generaldcbatle den Parteistand- punkt vertreten sollten. -

Großbritannien und Irland.

Ter Großherzog und _die Großl)_erzog1n_ von Hessen sowie der Priuz und die Prinzessin ?_erdmand von 9211 mänien sind gestern in London_eingetro en.

Nasr Ullah Khan und drffen ge1am_mtes Gefolge cr- schienen gestern als Gäste des Lord:Mar)ors_ m der City. _Der Lord-Mayor und die Albermen empfingen de1_1 Prinzen "111 der (Guild Hall, woselbst der Staatzzsexretär fur Indien Fowler und zahlreiche andere hohe Personltchkezten anwesend“ waren. Die City war bcflaggt. Wer dem Frühstuck brachte der

rinzen aus. In Yinem T_oast gab er dem Bedauern Ausdruck, da der Emir vori fghamjtxm, der treue Verbündete E11glands,_nicht anwesend sei; er begruße jedoch warm dessen Sohn und hoffe, daß die Freundschaft zrmschen England und Afghanistan immerwälnend dguern werde. In seiner Erwiderung dankteNasr Ullal) Khan fur den aUSgezerchneten Empfang. Er habe selbst den Glander], daß dadurch, daß der Emir ihn zum Besuch nach England ge1a_ndt habe, dre Fre1111d- schaft zwischen England Und Afgbamstan werde bcfesttgt werden. Die freundschaftlichen Worte des Lord-Mayors ent- Zprächen den warmen Empfindungen des afghanischen Volkes

iir England. Frankreich. Der Präsident der Republik Faure ist heute Nacht wieder in Paris eingetroffen. __ _ _ Das österreichisch=ung ar1sche Geschwader ist gestern von Brest nach Kiel abgegangen.

Rußland.

Der Katholikos von Armenien ist gestern Nack)? mittag “111 St. Petersburg eingetroffen. Wie die „N_ow_osti hören, ist der Zweck seiner Reise, dem Kaiser den ublichen (Glückwunsch zur Thronbesteigung zu überbringen.

Spanien.

Die Königin hat, wie „W. T. B.“ meldet, gesterxi den Geseßentwurf unterzctchnet, durch welchen die Ermächtigung

der Kammer zu einer Kreditaufnahme durch Aus abe von

ypothekenbriefen auf Cuba yerlangt wir . Der ZriegS-Miuister wird sobald als mo (ich 10 Bataillone nach Cuba abschicken _und bereitet ie Absendung von 10 weiteren Bataillo“nen vor. Der Marschall Mar- tinez Campos ist nach Havanna zurückgekehrt.

Die oppositionellen Abgeordneten werden den.

Gesetzentwurf, betreffend die Kreditbewilligung für den Krieg auf (Taba, nicht bekämpfen. + 3111 Senat verlangte der Republikaner Gonzalex die Mittheilung der Akten des Prozesses gegen den Kapitän Clavqo. Der Kriegs:Minister verlvracb die Vorlegung derselben, sobald al1e geseßlichen Formalitäten erledigt sein würden.

Schweiz.

Der Nationalratb hat nahezu einstimmig beschlossen,

die Vorlage des BundeSraths, betreffend die Revision der Militärartikel der Bundesverfassung, in Behandlung zu nehmen.

Belgien. In der Repräsentantenkammer begann gestern die Berathung Über die Artikel des Zollgeseßentwurfs. Der Antrag Coremans (Antwerpen), der dahin zielt, den ersten Artikel (Abschaffung der Steuer auf Leuchtfeuer und Feuer: tbürme) von dem zweiten Theil des (HeseßentwurfUEingangS- zölle) zu trennen, wurde _mit 87 gegen 50 Stimmen ab: gelehnt. Artikel 1(Abschaf1ung der Steuer auf Leuchtfeuer und Leuchtthürmc) wurde einstimmig angenommen. Das Gesetz tritt am 1. Januar 1896 in Kraft. Bei dem Artikel 2 (Eingangszoll) erklärte Minister de Vurlet, die Regierung werde nicht zugeben, daß irgend ein Theil von dem Geseß- entwurfe zurückgezogen werde. Wenn derselbe nicht genehmigt würde, würde die Reaierung Maßnahmen zu treffen haben, welche der Lage entsprächen. Der Domherr Waffelaers ist zum Bischof von Brügge ernannt worden.

Türkei.

Die Londoner „Daily News“ erfährt aus Konstanti- nopel, die Antwort der Pforte auf den Reform- vorschlag der Mächte, betreffend Armenien, verwerfe die Reformen inSgesammt und bezeichne Aenderungenfürirgend einen besonderen Theil der Untertlxanen des Sultans allein als unnötbig. Die einzelnen erforderlichen Modifikationen seien solche, die auf die ganze Bevölkerung anwendbar wären. Die Pforte bestreite den Mächten das Recht der Einmischung in die innere Verwaltung des türkischen Reichs.

Nach einer Meldnng des „Reuter'schen Bureaus“ aus Beirut besuchte der briti1che Admiral Seymour mit seinem Stabe dcn Vali. Zu seinem Geleit hatte der Vali eine Ehrenmache gestellt. Der Vali erwiderte sofort den BesUck) an Bord des Flaggenschiffs und hatte dort eine Herzliche Unter: redung mit dem Admiral. Der Gouverneur von Beirut gab Abends ein Gastmahl zu Ehren des Admirals und seiner Offiziere.

Grieckxenland.

Der Finanz-Minister hat seine Demission ge eben; der Minister:Präfident Übernimmt provisorisch das Portegfeuille der Finanzen.

Der gricchifche Geschäftsträger in St. Petersburg ist ermächtigt worden, den HandclSvertrag mit Rußland zu unterzeichnen, durch welchen auf 10 Jahre die freie Ein- iubr von Rosinen nach Rußland zugestanden wird.

Schweden und Norwegen. DerLinkenverein des Storthing hat, wie „W. T. B.“ aus Christiania berichtet, in seiner gestrigen Abendstßung mit 34 gegen 23 “Stimmen beschloffen, fÜr die am 30. Mai verabredete Ta esvrdmmg zu stimmen. Es wird als wahr- scheinlich.angesZ)en, daß auch die Mehrzahl von denjenigen,

die Jestern gegen diesen Beschluß waren, schließlich + eine

mbare Begründung vor dem Plenum des Storthing TageSOrdnUng

anne _ jeitcns der Linken vorausgesest + für die stimmen werde.

Amerika.

In der gestern in LouiSville, Kentucky, abgehaltenen Versammlung nahmen die Republikaner eine Resolution gegen die freie Silberprägung und fiir gleichzeitige NUSPrägung von Gold: und Silbermünzen cm. Die Demokraten, welche in SprinJKfield, Illinois, eine Ver- sammlung abhielten, nahmen eine esolution zu Gunsten der freien Silberprägung mit der Relation von 16 zu1 an.

Aus Washington berichtet „W. T. B.“: in den Ver: einigten Staaten hielten sick) spanische _Beamte auf, welche Verschiedene vermuthete Expeditionsbestrebungen zur Untersiüßung der cubaniscben Aufständischen beobachten sollten, mit dem Endzmeck, die Einmischang der Regierung der Ver- einigten Staaten zu erlangen.

Ju New-York eingetroffene Depeschen aus Guayaquil bestätigen die Nachrichten von dortigen Unruhen. Die Stadt sei im Vestß der ecuadorischcn Aufständischen. Die Radikalen hätten die Provinzen Manabi und Esweraldas in ihrer Gewalt.

Asien.

Das „Reuter'sche Bureau“ meldet aus Hon kong, in Jaipefu auf Formosa, wo der Aufstand ausge kochen sei, Yrrsche noch vollständi e Verwirrung. Der Stadttheil der _n eborenen stehe in lammen. Ein Pulvermagazin sei in die uft geflogen, wobei 90 Chinesen etodtet worden seien. + Der britische Kreuzer „Rainbow“ it von Hongkong nach Tamsui in See gegangen.

Afrika. Das „Reutechhe Bureau“ meldet aus Bloemfontein BOranje-Freistaat): Der „VolkSraad“ habe nach heißer ebatte eine Resolution angenommen des Inhalts, daß der Staat die Annexion von Tongoland seitens Groß- britanniens bedauere und offe, daß die britische Ne- gierung diese Handlung für ungü tig erklären werde.

Parlamentarische Nachrichten.

Der langjährige Bureau:Direktor des Herrenhauzes, GLTZUML RegieryngsMatb ])1. Ludwig Meßel ist_ ge ern na schweren Leiden im 81. Lebensjahre gestorben.

Entscheidungen des Reiéhsgerichts.

Nach § 711 Th. 11 Tit. 1_ des Preuß. Allg. Landrechts berechtigt angel an Unterhalt die Fray nur dann zur Scheidung, wenn der Mann durch unordent_liche Wirtbschaft_ sich selbst m_:ßer stand versth bat, fie zu ernabren_. In Bezug aus diese Be- fttmmung hat das Reichßgericht, 17. Zivilsenats, durch Urtbeil Vom 18. Februar: 1895 ausgesprochen. _ _1) Mangel an Unterhalt liegt vor, wenn der Ehemann aus den tbm zur Verfügung stehenden Mitteln ben notbdürftigen Unter- balt_der Ehefrau ni t gkwabren kann, wvbet (Helder, welche für die Erziehung der inder ausgesetzt find und Verwendet werden muffen, außer Ansatz bleiben. _ _ 2) Als ,unordentliche Wirthscha“st“_ ist der Verbrauch *des bon der (Ehefrau eingebrachten Vexrxiögens seitens des Ehemanns durch BörsenfvekulationSgeschaste, ohne eigene Mittel zu besitzen, namentlich darm zu erachten, wenn der erschwerende Umstand, daß fremdes, ]einer Verwahrung anbertrautes Vermögen (beispiels- weise das seiner Stiefkinder) von ihm angegriffen worden, hinzu- getreten ist.

_3) _Die Bestimmung des § 721 11 1 Allg.L.R., wonach einer aus- druckltchen Verzeihung gleich geachtet_ wird, wenn der beleidigte Ehegatte, nach erhaltener überzeugender Kenntniß, die Ehe ein Jahr hindurch fortgeseßt hat, findet auf den Scbetrungsgrund des § 711 dafelbst_ke1ne Anwendung. ,

_ „Due Revision hat geltend gemacht, daß bei Bereckpnung der Mittel, welche der Klägerin zu Gebote gestanden haben, die (Er- Nebungßgelder der beiden Töchter der Klägerin aus“ erster Ehe außer

njatZ geblieben find. Allein schon das Berufungßgericbt bat um?- gefuhrt, dax; d1eseGelder nur dazu bestimmt waren, für die Erziehung der betden Tbchter Verwendet zu werden, und daher auch nur hierzu der_wenbet werden duxiten, und daß durch die Wieberberbeiratbung ber Klagernx kem_e6w_egs ein Vertra swerbältniß bergestellt ist, vermbge dessen die Klagerm oder der Be [aste berechtigt gewesen wäre, jene Gelder zu anderen wacken als den bestimmten auch nur theilweise zu Verweyden. Diese _Ausfübrung ist dur aus zutreffend. und der Revtfionsczngriff rst daber verfehlt. + Das Berufungs- gertcht_ bat _serrzer festgestellt, daß der Beklagte durcb un- ord_entl_1che Wirtbichaft fich selbst außer stand gesetzt bat, die Klagerin zu ernabren. Auch der hiergegen erbbbenc Angriff kann ke1nen_Erfvlg hoben. Deyn _ber Beklagte (anaber cineI .Banf-, Getreide- und PrkakFengejchästs“) bat während seiner im Jahre 1886 ein egangenen Elte bts zum Marz 1892 durch Börsenspekulations- ges afte Geldverlgste bon etwa 123 500010 gehabt. Zar Deckung dieser Verluste 111 das eingebrachte Vermögen der Klägerin, bis auf ihre Wittwenpenfion bon jabrlicb 262 «Fé- 50 „_! und vielleicht aucb bie _Emnabme aus einem Grundstücke im Jahresbetrage bon höchstens 300 „64, _ berbrmxcbt. Der Beklagte selbst bat eigenes Ver- Znogen nicht bckessen und_ durch 1eine geschäftliche Thätigkeit irgeyd pennensrvcrtbe Geldtmttel nicht erworben. Er bat endlich zur Bertchtignng eines VerlUstes bbn_dem Vermögen seiner Stieftöchter 46 000 «46 _ unterschlagen. Bei dieser Sachlage ist es ohne Erheblich- ke1t_, (Zb ein Theil _der Verluste durch eigentliche Differenz- Ficbaste _berbeigexübrt_ ist, oder ob der Beklagte nnr andere

pekulatronsgekchäste betrieben hat. Schon der fortzesetzte Betrteb solcher anderen Ge_[chafte obne eigene Mittel Und mit dem Erxolge, daß dadurch das saft 100 000 „46 betra ende Vermögen der K_lagerm Verbraucht wurde, und der Beklagte fi berleiten ließ, das seiner Verwahrung_ anvertraute Vermögen seiner Stiefkinber anzu- greifen, charakterisiert sich als eine unbesonnene Und 1111- ZJegelte Ge chartsfübrung, und damit_ als eine unordentliibe

trtb1chaft. _ _Dtese_ aber ist die Uriacbe gewesen, das; der Beklagte _scbließlxch nicht mehr zur Ernährung der Klägerin im stande war. Mit bollem Reebt bat deshalb das Berufungsgericht ange- noxnmen, daß die Erfordernisse des 711 11 1 A. “„U-R. Vorliegen. + Die Vorschrift des § 721 11 1 A. «R. findet auf den Scheidungs- grund des F" 711 daselbst überhaupt keine Anrvendung. Denn der Grund beruht in dem durch ein bestimmtes Verhalten des Mannes bervorgerzuexien _Mangel, welchen die Frau zur Zeit der Klageerhebun lerdrt, (1111) in emem_Zustande, deffen Natur es nothwendig mit sicZ brmgt, daß er auch 1nnerbalb_des im §72l gedachten Jahres bestebt. Ob er vor diesem Jahre ebenfalls schon bestanden hat, ist deshalb gleichgültig.“ (277/94.)

+ Der ehemalige „Käfer und nunmehrige Kaufmann St. zu Frankfurt a. M. batte mit der Handlung A. u. B. zu Berlin durch deren Agenten C. xnebrere Börsen-Spekulationßgeschäste abgeschloffen, darunter ein Sbtritusterminges äft, aus welchem fick) ein Guthaben der Firma A._u. B. erga. Auf die Klage der Firma ISM St. auf Zahlung b1eses Betrags erhob St. den Einwand des

_1fferenzgeschafts, indem _er unter anderem geltend machte, daß die stillschweigende Vereinbarung, nur einen Spieloertrag eingeben zu Wollen, sich aus den Umständen ergebe, insbesondere aus ber Thatsache, daß der Axxent C. um dieselbe Zeit eine große Zabl einfach0r_Handwerker zu ahnlichen Geschäften durch dieZuficberung be- onen batte, es handle sicb dabei nicht um wirkliche Lieferung und Ab- na me, Fondern 11111 um die Differenz. Der Einwand des Bella ten wurde in beiden Instanzen verworfen, und die Rebifion desse ben Wurde vom Rei_ch_sgericht, 1. Zivilsenat, durch Urtbeil vom 30. Januar 1895 zurückgewiejen, indem es begründend außfübrte: , . . . Die Er- wagung dcs Berufungegericbts greift bier Platz, daß die Von dem Agenten C. und seinem Gehilfen mit einer Reibe von Personen, bei denen ste_weder den Willen, noch die Fäbißkeit zum Abschluß effektiver Spekulatwrzsxxeschäfte annehmen konnten, ab eschlbffenen reinen D_1fferenzge)_chafte noch _nicht_ zu dem Schluß bere ÜLZM- raf; auch das mit dem seiner Yersbnlicbkea nach anders zu beurtbe lenden Beklagten abaesckploffcne chcbaxt ein solches Spielgesckoäst gewesen sei.“ (352/94)

Kunst und Wissenschaft.

Außgrabnngen am Kolosseum in Rom.

Nachdem ieit fa't Prei Jabren keine größere Außgrabun in Rom vorgenommen war, ist in jüngster Zeit auf Veranlaffung desJFéinisters Baccelli und _unter Mitwirkung der römischen Stadtverwaltung wiederum eine 1olche in großem Stil und mit bedeutenden Mitteln in Angriff genommen. _An der Ostseite des Koloffeums nach dem Celqmlm zu lagerten brsber noch so bedeutende Schuttmaffen, daß die moderne Straße (1710 (101 (30105500) fast in ébbe des ersten Stock- Werks des Amvbitbeaters vorbeisübrte. Man it nun im Begriff, die ngoderne Straße zu Verlegen und _nach der Eunilinseite zu einen ge- raumigen Play zu Waffen, sodaß dieser Theil der Koloffeums-Facxade, der am besten bon allen erhalten, fich bald in weit großartigerer Weise präsentieren wird als bisher.

Die Arbeiten, seit Anfang dieses Monats mit großer Energie betrieben, haben unter anderm einen Fund zu Tage gefördert, welcher für_ die Einrichtung des RieLengebäudes und das römische Schauspiel- wejen im allgemeinen von «znteresse_ist.

Man glaubte btsber, daß die außere Grenze des AmbbitbeaterS bezeichnet werde durch _die der unteren Arfadenreibe vorgelegte Stufe aus Trabertin (Kalkstem) und da gleich davor die öffentliche Straße das Gebäude umgeben habe. an 71th jest, daß dies falsch i Das Kolosseum war zunackostumgeben von einem mit großen Travertin- platten gepflasterten Gürtel in einer Breite von 15 111; erst an deffen äußerer Seite lief eine mit den üblichen schwarzen Basaltblöcken ge- pfiastertc Straße. Auf der Grenze beider Zonen steben große quadratische Pfosten Yi!) 1) aus Kalkstein noch an ihrem ursprünglichen Maße. LS 1111) ettva 1,75 111 bock), 0,60 breit und oben abgerundet: ein quabratijches Loch auf dem Scheitel diente zum Cinlaffen einer Stange, dre eine Tafel getragen haben mag. Bis zu diesen 011101 hat fich also der Bezirk des Amphitheaters auSgedebnt: zu der ca. 23000 Zw betragenden Grundfiäche des Gebäudes selbst

ist also noch eine 9118 von ungefähr 9000 qm binzuzurechnen, wenn man die Gesammt ache des Riesenbaus scbäyen will. Aber die Pfosten hatten auch einen praktrschen Zweck. Jbre Rück-

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von Holzstangen gedient haben. Nun stehen die Cippen so, daß sie immer abwechselnd einem der Arkadenpfeiler dé_s Untergeschoffes und der Mitte einer Arkade entsprechen; und zwar tteben die fünf bisher gefundenen Exemplare gegenüber den Eingängxn, welche mit den antiken Nummern TÜUU und )()(17 bezeichnet sind. Es konnten also von den Cippen bis zum Gebäude bin Schranken oder Stackste aus Holz angebracht werden, sodaß auf jede Eingangsarkade zwei schmale Gänge zuliefen für die ,.,9110110“ bildende und des Einlaffes harrende Men e. » Der Zuscßauerraum des Koloffeums zerfiel, abgesehen Von den Kaiserlichen Logen und dem „11011111111“ für die" vornehmsten Besucher, in drei Ränge (111001110110) mit Sitzplätzen, wozu dann die Stehplätze auf dem Dache der Säulenbaüe über dem dritten Range kamen. Die läZe waren genau vertbeilt, und jeder Zuschauer erhielt ein Billet (15053010), auf welchem Rang und Abtheilung genau ver- merkt war. Es mag_ keine kleine Aufgabe für die Plaéanweiser (611115qu010105) geweien sein, die schaulustige Menge, die (hon vor Morgengrauen (denn die Spiele begannen zu frühester Tagesstunde) fich vor dem geschlossenen Schaugebäude drängte, richtig zu dirigieren: und das Kolosseum faßte, wexm aach nicht 87 000 Personen (wie in allen Büchern zu lesen steht;, 10 dock) Über 40 W0; also mußten durch jede EingangSarkade in kurzer Zeit über ein balbes Tausend Zu- schauer einströmen. ' ' "

_ Schon aus der ergiebt sich, daß _ jede der _76 Cingangéarkaben_ res "Koloffeums ren 3351111111 _zu zWZl Verschiedenen Ausgängen Vermittelt bat.

1e Eingange mit geraden Nummern scheinen_(1neist) in den ersten und zweiten Rang (1110011100010 111111111111 01 §0011111111111), die “,mit ungeraden zum dritten Rang (1000010110111 1011111111) und zum .Olvmp' auf dem Dach der oberen Säulenhalle geführt zu haben. (Die Vornebmsten Zusckpauer auf dem „11011111111“ betraten ibre Plätze wobl von den Kaiierlicben Haupteingänaen an der kleinen Axe des Gebäudes.) Wir seben nunmehr, das; die Sonderung der Zuschauer schon außerhalb des Gebäudes begann. Jede der 152 beschriebenen Abtbeilnngen konnte bei einem Flächenraum von (Legen 60 0111 etwa die Hälfte der zum Eintritt berechtigten Personen 11111111: auf den Villeten (105501110) wir?: vermerkt gewesen sein, daß beispieléweise diejenigen, welche ihren Platz im Sektor 53 des obersten Ranges einzunehmen batten, den Eingayg 53 rechte Seite zu wäblen batten, während der Eingang 53 links für die Benuser der entspreckpsnden Sektoren des unteren Ranges diente. Weitere Sonderung nach den Plätzen fand dann innerbalb des Gebäudes selbst statt. _

Ueber andere Funde in der Nähe, wo Reste eines stoßen öffent- lichen Gebäudes tmr Portiken, Stuckdekoration und Malerei zu Tage kommen, wird nach weiterem Fortgang rer AuÖgrabungen berichtet werden können.

Anordnung der Trepperi

Gestern Vortxrittag ist in Frankfurt a. M. (1:11 Rechneiweiber das Denkmal tür Artbur Schopenbauer feierlich enthüllt worden. Außer den L_lngebörigen des DenkmalSaussÖUffes und einigen Damen Waren, wie dl€ „Frkftr. ng." berichtet, zahlreiche Mitglieder des Maaistrats und der StadtberordnetexpVerfammlung znr SteÜe. Von Vertretern der Frankfurtsr SÖriftstellerrr-th befand sich Wilbelm Jordan unter den Anwesenden. Ein Mnfikkorbs eröffnete die Feier durch den Vortrag des Beetboren*schen .DieHimmel rübmen des Ewigexx Ebre“. Auch im weiteren Verlauf spielte die Mufik Veetboven'yckyk Tondichtungen, die, der Philosoph am meisten schäyte; als die Hülle fiel, Theile bes L5-1111r-Konzerts und zum Schluß die Egnzont-Ouvertüre. Die Weiberere bielt Landgerichts -Ratb O1. Gwmner, der Freund und Biograbb Schopenbaueris. Sodann über- nahm 1111 Namen der Stadt Ober Bürgermeister Adickes das Denkmal, xvelcbes folgerxbermaßen beschrieben wird: Auf einem dorischen Säulen- wckel erbebt 1161) die Bronzebüqte 1100 Pbilosorben, modelliert von F. Scbierbolz, gegossen von Lenz-Nürnberg. Der äußere Anblick ist ge- DÜW bock) m_angelt jegliches Attribut, das “rie spezielle Art der Schovenbaner71chen Pbilojobbie verdeutlichen könnte. .

Land: und Forstwirthschast.

Kblm, 6. Juni. _ Heat? Mittag wurde die Ausstellung der Detttsch_en Landwrrtb1cha116gese1lschaft feierlich eröffnet. Der (5151111111111 wohnten der_Ober-Präfidrnt der Rbeinbrobinz Nase und die Spitzen der biefigen Behörden bei. Der Vorfiyende des Aus- stellungScomité-s, _Graf Rechberg, bedauerte die Abtreienbeit des Prä- fidenten der Deutschen Landwirtbschaftsgesellschaft, des Fürsten zu Wied, dessen Wirken nicht wenig zur Entwicklung der GeseÜschaft bei- getragen babe und sch10ß_111it einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser und K_bnig. Däraai begrüßte der Minister für Landwirtb- rchast, Domanen und Forsten (Freiherr von ammerstein-Loxten die Veryammelten; Die DeUti_e Landwirtbs aftßgesi-Usäoaft, so bemerkte _der „115111. Ztg.“ znwlge der Minister, babe sich auf dem altesten Kultxtrboden auf deutscher (8150, an dem Strome versammelt, ber Deatlchlandz Strom, nicht DeUtscblands Grenze sein solle, 1111 der Stätte _der Colonia Agrippina, ww vielleicht die ersten Anfänge der deu11chen LandwirtbsÖait 511 111111811 seien, 110 der Weinstock das edelste und schönste Gewäch zeitige, wo die weitentwickelfe Landwirtbsckyaft der noch Weiter entwickelten Zn- dUstrie Die Hand reiche. Die Deutsche Landwirtbsckyaftsgeseilschaft babe fiel) spontan, aus eigener Kraft entwickelt, fie babe sich große Verdienste erworben und werde fick) noch andere erwerben, Der Minister drückte sodann in verbindlichster Weise_ric HoffnUng aus, daf; rer bewährte Gründer der (Ge- [eslnbart ihr noch lange Z-Zit zum Woble der Allgemeinheit Leine Unterstützung zu gewähren bermöge. Die preußische StaatSregierung sowobl_ wie die deatschß Neichéregierung würden die Bemübungen der Deutxchen Landwirtbschafts§1€sellschaft unterstüßcn, wie es unter den bcntigen 1chwierigem Verbältninen angezeigt sei; jedoch es sei auch angezeigt, nicht nur die Hilfe des ("211110 und der Be- börden anzurufen, sondern ein Jeder müsse das Seine tbun. Die Verficherang aber könne Redner im Namen der Preußischen und der NeichT-regierung geben, daß, soweit die eigenen Kräfte der Landwirtb1chaft nicht ausreichen, die Hilfe des Staats und bes Reichs ibr nicht versagt werden würde. So erkenne die Regierung wobl, was fie zur Förderung der Viehzucht auf allen Stufen, der Verwendung von verbesserten Futtermitteln, auch Von Kunstdün er und auf einigen anderen Gebieten zu _tbun bermbge. Der MiniZer schloß mit einem Hoch auf die Deutkcbe Lanbwirtbsckoastsgesellschast. Ober-Bürgermeister Becker-Köln begrüßte sodann die Erschienenen namens der Stadt Köln. Die AuOsteUung ist reich beschickt.

_ Saatenstanb in Schweden. Die anhaltend trockene Witterung bat den Saaten manchen S__chadi_'1_1__zugefügt, sodaß der Stand derselben z. Zt. zu wünschen u 119 aß.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiteu nnd Absperruugs- Maßregeln.

_ _ C b o l e r a. _G_roßbritann1en und Irland. London, 7. Juni. Jm .V_r1tirbMedicalJburnal' tbeilt ])r. Klein mit, daß die patho- logische 1_1nd bakteriologiscbe Untersuchung bei dem Todesfall] in Sboredttch (bergl_. Nr. 132 d. B.) keinerlei Anhaltspunkte für das Vorbandensern asiatischer Cholera ergeben babe, Ostindien. Kalkutta. JnderWochebom14.bis 20.April starben 90 Personen an Cholera. G e l b f i e b e r. Jn_Ha_v;1na wurden dem „1413511. 01“ 501111. 1011.“ zufolge Vom 19. _April bis 9. M61 3 Todesfälle (beietwa 10 Neuerkrankun en)ar1- ezeigt, in Santiago (Cuba) während der zweiten Häfte des_ pril _11, in Santos vom 14. bis 20. März 87, in Rio de Janeiro in den beiden Wochen born 31. März bis 13. April 39 bezw. 32. ck 0 en.

Griechenland. In tben sind zufolge einer Mittheilung

seiten zeigen Gruppen von quadratischen Löchern, die zum Einlaffen

Vom 27. Mai die Pockcn ausgebrochen.