1895 / 162 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 10 Jul 1895 18:00:01 GMT) scan diff

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Der Kaiserliche Gesandte am Königlich niederländischen Hofe, Geheime Legations-Rath Graf zu Ranßau ist _auf seinen Antrag von diesem Posten abberufen und in den einst- weiligen Ruhestand verseßt worden. Dersslbe hat Ihrer Majestät der Königin-Regentin am 6. d. M. sein Abberurungs: schreiben überreicht. Als Geschäftsträger im aag funxiert bis auf weiteres dcr Legations-Naib von Nei enau.

Der Kaiserliche Minister:Resident in Luxemburg, Legations- Ratb Prinz von Thurn und Taxis hat einen ibm Aller: höchst bewiÜigicn längeren Urlaub angetreten. Während der Abwesenheit dessklben fungiert der nach Luxsmburg entsandte

weite Sekretär bei der Kaiserlichen Vot1chaft in _Paris, „egaiionsEekretär von Below-Schlatau als Gc1chäfts- träger.

Der am bissigen Alierböcbsten Hofe beglaubigte Königlich italienisch? Botschafter Graf Lanza bat Berlin mit lequb verlassen. Während skincr Abwesenheit fiingixrt der Bot1cha1ts- Rail) Graf Calvi de Bergold als Gs1chä1tsträger.

In der Ersten bis Viertsn Bcilaqe Zur hiufiger) Nummer des „R.: U. Zt.:A.“ wird (gemäß dsr An ündigung in Nr. 159 d. Bl.) der Esseßentwurf, betreffend das Anerben_: recht bsi Renten- und Aiisicdelungsgiiiern, neb1t Begründung, oeröfßntiicht.

Nack) tkiegrapbischer Meldung an das Ober-Kommandd der Marin? ist S. M. S, „Hagen“, Kommandant Kor: veiien-Kavitän Rosendahl, am 8. d. M._in Gibraltar an: gckommsn iind bcabficbiigt, beine die Nein? sOktzUJLZLU.

Kici, 9, Jiili. Tic „Kiel. Ztg.“ berichtigt ibre gxstrige Mittheilung dabin, daß bsidc Divisionin desMandver: Geschwaders bLiitc Mittag znsaxmnxw dsn Kielcr Hafcn verlaffcn babsn, um zixnäcbst gsm_cin_1chastiich iiach dcr Nordsss zu geben Und dasslbst ZU mandbrier_8_n. Bis zum 14. dM. halten iich die Geschwader in den Gcwanérn von Yelgoiund aiif, um sodann wcfirvärts zu gohen. Vor OLM Kanal trximcn 1ich beide Divisionen, und während dis zweite Tivi_1idn naY Wilbeimsbaben gébi, bcgiebt sicb die Erst? Tivinon dur dsn Kanal in di? spanischsn Gcwä11er.

Sachsen.

Tér wüi'tti'mbergiscbe KriegS-Minister Fixihsrr Schott von Schdiicnstein ist mii zwei Stabsdmziccen gestern Abend in Trcsdon eingetroffeii Und von 08311 sächsischen Krich-Ministcr von de_r Pia_11i§ 1m__„He“-iel BLULVUL“, mdseibst dic Tfiiziers abgsnisgen imd, ÖLJTUJT worden.

Württemberg.

Auf dsr Tagssordnung ÖL]? gssirigcn Sißung der Kammer OLT Abgsdrdneten smnd das Gesetz, bstreifend dic Lliisübunq der evangsiischn Kirchenregimcnts- recbrs. Tazu 159 ein Antrag dsr Abgg. Sachs und Ge: noiisii bor, DiTiLS (981615 solange von dsr Tagcsiirdmwg ab- ZUTSHM, bis Lin 1chrifiiick1kr Bsricbt der iiantsrLckitlichsn Kom: mission VOkliLgL. Tsmgcgcmibsr bsantragte dcr Abg. Z (hn a idt, din mündiicbsn Vortrag dss Bcrichxsrstattsrs zii börsn, sbs ÜbEL" JLU Antrag Sachs cnticbii'den wiirde. Ter Abg. Gr 5 b er macbiedcn Voricblag, ncbsii dem stérat auch Citi? ailgemcire Aussdrach im Hause zuzulaffsn, dann aber nicbt nur die Bsschlußfassimg. idndsrn aucb dsn Abicbiuß dir Beratbung bis zur Herbstskssion zu vcrscbiobcn, Usbcr die's? VCricdiedenen Vorschläge Entsxxann 1ich eiiie aUsgedcbnts Geschäftsordnungsdebatte. Schlic'ßlick) wurds dsr Amxag “Zach in iiamsnt1ich€rAbstimmung mit 46 gegsn 31 Stimmen bei zwsi Ztimmsnthaliungsn an- genommm Ter Abg. Haußmann Srktattkté daran Bericht Über dis Bsichiéiäe dsr Kommission. 32achdem sodaim noch dsr Minisiér für Kirchcn: iind ZchUlwci€n T)]: von Zarweii gsivrbcbin barts, wurde dis weiters Bscatbung (mf hCUtL beriagi.

Baden.

ZKM? .Kaii-sriicbe' imd Kdnigliche be-eir der Kronprinz und Zsine KbniZiiub: Hobsit der Prinz Eitei:Frisdrich iind gsitcrri im i:r€r_1.*:8n Incognito in Konstanz sings; rroFm und ZCDFNkSU * .), wié „W. T. B.“ dérichtkt, mehrere Tags daseibit aiifziiba..;ri.

Oldenburg.

111) TT GCÖUL'LLLÜJ ZéMLk Kbmglichn Hoheit dss Großbérzdgs, wslchkr VOTZSÜLM. ikin 68. Lébensjabr voll: endsrs, iii iki Ziadi Und Land iesilicb bsgangen wordsn.

3er Kéiii-Ziicb-m „Hobbitsn dsr Erbgroßbsrzbg und 018 ErbZrbßbsrzdgin babsn mix Zbrcr Hdbsii dsr Hérzdgiii Zdbbi? Charibiie auf ihrer Tamvf-Yachi „Lsniabn“ eine R65“? ?i-acb ZfaxdinadiM angetreten,

Qefterreich-ngaru.

Jm Zixérréicbiicben Abgsordnsienbause wnrde gsiiérk'. i:". dsr VoriniiiagsWiiiig dsr BUDJCTLTiiLl „Hoch- ich22l€7ck xriédixi. BSL dsr Vkraidung dss Titkls „Mittel- ichi32€7:“ €“i7i-ÖLi-xßiich dss Budgxkvoitkns „Ciiii" vsrirat der Abxcdrdxxx ZUIWRTMML Haais de:“, Ziandvunkt der MMQNTÖT des AUZTHUFZH. Tkr ALI. .Haliwick) brachte iddMi'. dsr: “5227255“;th dsr d?mich Linksn zum AuSdruck, m: ... €*: 52157128, dxß “dix: Errichung unaauiftischer :“ZkbuLx-n €:", 3ch5chW Gemeindsn der krixc Schritt zur Slavi- nkruxx; i:“Z: Ridnsr 225615? ?Mikr die Haltung der Teutsch- deisrrzxir-sx 24:13 35712, Tikieibe-N würdxn xu ibäi eiriieb-en, da; 71? die 922€ Zaki)? iH'didté-n. Esiki füribn einsnatidnale VHB:, ZSIM-TZT'. Pditsr'. ..Ciiii“ xu stimmeii. Tie Abag. Vdizbdie: “.::-»I „(i MUS ckckck!an des.", Vosxsn ,.CiUi“ ebenfalls. Ter Ab:. VQSNZNT kkkiäkU', di“- Sidbsnen kbnnren von ihrer Yrd-erung_ nicbt abgsb-LN, “imd ivracb dsn Wunsch aus, daß

der AkaMUT'Z iiber „Cilii“ *ich alle (Zruvpen der Rechten Wigen möchten und daß diéie Gruvbierung ziir Regel werds. Um_ 5:29 zu Möglickyexi, müiie die Regierung eine ZLmMZtWr-ierung 1chciü?:i, wie iie in früheren Jabrkn be; wa?.dxn babe. Hierauf wuxde die Verhandlung abgebrochen. J:", „dex WE::WnHUn-Z bssanx. die Vsr andiunq 11er die ,“:xilmc-Zkydrdmwig, weicbex (: Abendiißuvgen sie's: WEF)? Zewidms: WKW 588271. Der Leiter des Justiz-

Ministeriums Ritter von Krall empfahl die Annahme der Negierungsvorlage. Mehrere Redner, _darunter guck) der Junge eche Dyk traten für die Voriage em, welche einem Be; dürfniß und dem Fortschritt der Wissenschaft ent1preche.

Großbritannien und Irland.

Gladstone hat auf eine Anfrage der Liberalen durch eine Veröffentlichung geantwortet, worin er sagt, daß man, vor allem anderen die Rechte des Unterbausks, als des eigentlichen Organe“; der Nation, vertheidigen und Englands Ehre dadurch befestigen müsst, daß man den Wünschen Jxlands Folge gebe.

Das italienische Ges wader ist gestern Vormittag in P o r WM 0 nt!) eingetroffen ls dasselbe Spitbead passierte, gab es Salutschüffe ab. Das (Hischwader liegt mit dem britischen in drei Reiben auf der Rhede. Die Yacht „Savoiq“ trennie sich von dem Geschwader und fuhr in den Hafen ein, wo sie den Horzdg von Genua an Bord des alten Nelsonschen Flaggschiffs „Viciory“ brachte, Dort wurde der Herzog von allen Marinebebörden empfangen. Abends fand zu Ebren der italienischen Marinc-Offiziere ein großes Festmgbi statt. DerEr1te Lord der Admiralität (Hosch cn führte den Vorjiß. Unter den Ge- ladensn befanden sich der Herzog von York im? der Herzog von Genua. Gdfchen brachte cinen Trinkwruch auf die Königin Victoria, den König und die Königin von Italien aus und begrüßt? die italienischcn Seeleutx. Ter erzog von (Genua erwiderte, indem er die italieni chen Offiziere aufforderte, auf die englische Marine zu toasten.

Frankreich.

Die TepuiirtenkcimMLr berietb ,qcstern die Vdrlage Übsr die vier direkten Steuern. Der Berichterstatter CochékU beantragte die Vertagung dsr Beratbung des (Hegxénvorschlagcs Cavaignacs aiif Einführung einer Einkommen: stc'uer. Cavaignac bekämpfte diesen Antrag. Nachdkm der Minister-Präfident Nibot nachgewiesen hatte, das; die Zeit ziir Beratbung dss Gkgcnvorsckilages mangels, wurdc [Lßtkrsr mit 298 gegen 236 Stimmen vsrtagt. *Die Vorlage Über die direkten Steuern warde mit 440 gegcn 59 Stimmen an: genommen.

Italien.

Die Tspuiirienkammsr scßte gestcrn dic Beratbung dcr finanzieilsn Maßnabmon fort. 'Der Finanz-Minifter Boselli sprach fich fiir die von ihm boantragten Maßnahmen aus 11710 wies durcb detaiUikrtL Zusammenstellung nach, daß die Einnahmen nicht im Abnehmen begriffen seien und daß 10150111 di? Ergebnisse dsr Einnabirién als auch der im VorjahrL eingeführten UCULU Steuern don Voranschlägcn voiikommcn entsprächen. 'Der Ministar erklärt?, die? Ncgierung dcnks nicht an die Einführung von Monopolen. Er bob ferner bsrvor, daß die Zoll: und Eisenbabncinnabmcn im Steigen begriffen seien. Nachdem sodann ami) dsr SchaZ-Mixiiitcr Sonnind dis von dsr Regierung vorgeschlagenen Zchaß- und Finanzmaßnahmcn befürwortsi hatte, wurde dis Gdncraldcbatie geschldffen.

Spanien. Der_König und die Infantin Maria Tbcresia, wslche [121th erkrankt warsn,_1ind wieder genesen und machten, wis „WTB.“ erléhth, ge112rn cine Spazierfabrt.

Türkei.

Die „Politische Kdrrcsdomdcmz“ msldet aus Konstan- tindysl, dis Botschafte'r Großbritannieiis, Frank- rcichs und Rußlands biiitcn in dringender Form ibr Er: suchsn an dis Pforte mn AUffiärung Über einige? nicht gsniigknd DCUTlichL ZTLÜLU dsr letzten türkischen Antworinote bezüglich der Reformen in Armenien erneuert.

Tas britische Mitteimestcschwadcrankerigsgen: wäriig im Hafsn Marmaris, gegenüber der 311161 Rhodos.

Griech enland.

Infolge Links _Zmiichenfaüs in der Deputirtsnkammer hat dir Tbsrn Vasmliad is zwci Freunde als Zeugen zu di'm Kring-Minister Obersten Smoleniß gesandt, welcher gldichfails seins ZLUJSN bestimmte.

Serbien.

Tem Einixeffsn ÖGS bisherigen serbischen Gesandten in Paris G_ara1chanin behufs Uebernahme des Präsidiums dsr Ekuwchtina wird, dem „.W T. B.“ zufolge, birmen zwei bis dr€i_ Taéen sntgkgsngeseben. Dem Vernehmen nach werden mir einen Embfang sciiens dsr Fortschrittspartei grdxze Ovationen vorbereitst. HcUte wird fick) die Skupschtina ddllitändig _konstituwrM Und durch Linen Königlichen 11st er: Mnei wcrden. Ti? Nagiérung wird hierauf sofort das Fiiianzarrangsment Über die Konversion der fünf: prozentigen Anleihe _dorlegsn.

Bulgarien.

Tie „Agence BÜiCÜTLiÜUL“ meldet, dsr Kammer-Präsident Ybeodorow babe aas Zt. Peiersburg an den Minister-Prä: 1identen Stoiiow telkgraphiert, daß die ganze Deputation der National-Versammlun und der bulgarischen Kiribe am Sonnabend in fSierlicher Audienz durch den Mimner des Auszwäriigen Fürften Lobanow:Noftowsky enipfangen worden sei. Der Metropolit Clement, der Fubxer der Abordnung, babs dem Fürsten Lobanow in warm- exnpxundener_R-:de den Dank für den Empfang und die auf- richtigsn Wunsche des bulgarischen Volks dafür auSgedrückt, daß die guten Beziehungen zwischen Bulgarien und feinen Vxxxeiexn 10 bald als möglich wiederhergestelli werden möchten. JUM- Lobarxow habe der Deputation versichett, daß, troßdem die diplomati1ch8n Bezisbungen zwischen den beiden Regierungen unterbrochßn seien, doch das Wohlwollen und die Sympathie Yxißiands iürVulgarien immyrbesianden babe. Daran" habesich der YUkit mitmebreren Mitgliedem der Deputation unterzalten; die er uber die gegenwärtige Lage Bulgariens und über verschiedene Tagesfragexn um Auskunft gebeten habe. Der Kranz fur das Grab Kai1er Alexandkr's 111. werde heute durch die Ab- ordming in feierlicher Weise niedergelegt werden. Aus diesern Ayiane habe der bulgarische Sunod in Uebkreinstimmung rnit dex Regierung angeordnet, daß heute in gamz Bulgarien Yeguiems für Alexander 11]. abgehalten würden. In ;:dna 1and das Requiem heute früh um 9 Uhr in der Kathe; draie statt.

Annika.

Tie Gemahlin des Präsidenten der Vereinigten Staaten _von Nord-Amerika Cleveland ist am Sonnabend Morgen in Buzzard-Bar) von einer Tochter entbunden worden.

Eine _111_ Madrid eingetroffene amtliche Depesche aus (Tuba bestatigt den Tod des Jnsurgentenfuhrers Amador

Guerra und fügt hinzu, daß dessen Brüder Herrero und Tamayo verwundet worden seien. Nach einem anderen Telegramm hätte ein Haufen Aufständischer von 800 Mann unter der Führung Rabi's eine von Sanchez befehligtx: panische Kdlonne von 360 Mann angegriffen. Es habe si em erbitterter Kampf entspannen, der bis 8 Uhr Abends gedauert habe. Die Spanier hätten mcbrere Todte und Verwundete gehabx. Es werde angenommen, daß der Feind zahlreiche Verluste er-

litten habe. Afrika.

Nac!) Privatdepeschen, die aus Adna in Rom einge: troffen ünd, soll der König Menelik den Ingenieur Capucci, den einzigen in Schon vxrbliebsnen Italiener, ins Gefängniß geworfen haben, da cr ihn im Verdacht habe, mit General Baratieri im Briefwechsel zu_ stehen. In Adna werde in; deffsn angenommen, daß es 1icb um eine vorbedachte Ver: haftung handele; denn frühsxe Nachxichtcn qus Hakkar hätten mitgetheii, daß die franzö1isch:rus1i1“che Miffwn Menelif zur Ausweisung Capucci's aufgefordert habe. Vermuthiick) sei Menelik bis ge en Ambasalame vorgerückt, dock) halte man es für unwahr chein1ich, daß er während der Regenzeit einen Feldzug beginnen werde.

Das „Neuter'1che Bureau“ meldet aus Pretoria, daß gestérn Abend daselbst ein großes Festmahl aus Anlaß der Eröffnung der Delagoa-Bay-Eisenbahn stattgefunden habe. 400 Geladene battcn daran theilgenommen, unter diesen dic Vertretex Deutschlands, Englands, Frankreichs, Portugals, Belgiens und dsr Niederlanden Sir H. Robinson, der Gouverneur von Kapland, habe einen Toast auf Trans- vaal ausgebracht, desen vorwiegende Jntercffen identisch seien mit denen Englands, und in einem ferneren Toast er: klärt, er habe nie versucht oder gewünscht, daß die Entschei- dung, welche die UnabhängigkeitTransoaals garantiere, wider: rufen würde. Der Präsiden] von Transwaal Krüger er: klärte in seiner Antwort, daß sein Mißtrauen gegenüber den Plänen Englands sich als unbegründet erwiesen habe.

Parlamentarische Nachrichten.

Der Sckilußbsricht" über die gestrige Sißung des Herrsnhauses befindet 11ch in der Vierten Beilage.

_ Zu der bsutigen (22), der lsßten Sißung des erren- hauses, welcher der Minister der öffentlichsn rbeiten Tbieien beiwohntc, erhielt vor Eintritt in die Tachordnung das Wort

Freibxrr bon Durant: Als Bsricbtkrstatter über eine Petition, die gisiern ziir Vsrbandlung kam, ist mir aus ciner Verkettung bon Umständcn das Schiitßwcrt entzogen wdrdén. Der Herr » rasident bat dic Gütc gebabt, mir gcstern noch in Lincm Schreiben ssin Bsdauern darübör auszusrrccben, dgß ks auf einem Versehen und einer mißbecfiändlickoen Anffasung des § 53 Unsxrkr Gsscbäftsordnung beruht babe. Ich danke dem Herrn Präfidsntsn dafür. Jui) muß babsi (1er konstatieren, daß mir dadurcb Gslcgsnbxii gciidmmen war, Angriffe, die von cinsm Mitglied dieses Hauses, namsntiicb (1er Vom Regierungstisch aus gegen mein Reikrat gsricbtct wordsn warkn, zurückzuweisen, indem namsnt- lich die Aasfübrungen dcs Herrn Régicrungs=Kom__miffars zum theil das Maß dejZnigen übsrscbritten, was meiner Auffanang nach einemRegie- rungs-Kdmmiffar gcgsn Sin Mitglibd dieses boben Hauses erlaubt sein darf, und wslckyes msinsr Empfindung nach schon bon dém Hsrrn Präsidsntsn bätie zurückgkwieskn WSTÖLU müssen. Ich glaube, daß es Aufgabe dss Hericnbausss ist, Schäden aufzudkcken und "18 zu ver- bsffsrn. Dax“- dürfsn wir nicht ailkin dsm Abgeordneten aufe über- [asssw Aw:? disscm Grundc babé ici) dis unangcncbme und nicht leichte Aufgabe Übernommen, vier Jabrs lang als B€richterstatter über die Petition dss 1)» Stsrnbsrg zu fungisren.

Präfidknt Fürst zu Stol__berg: Ick konstatiere, daß ick) gestern Von der irrtbümliÖen Auffamimg ausizing, daß nach Schluß der Rednkrliite dem Rcfsrsntendas Wort nicht mehr thbéiÜ werden könné, während es ihm tbat1ächlich ertbsiit wirdkn muß. Ich bc- daueré nochmals disses YiißNrständniß. Daß ich dem HSNU Regierbngs-Kdmmiffar Über das Maß des Erlaubten hinauszugsben gestattet bätte, kann ich auch nach_t_räglich nicbt _anérkennen.

Dic Geseßentwürfe, betrsiii-nd den weiteren Erwerb von Eisenbahnen fiir dkii Zxaat iind den,].Tebergang der zum friiheren, Beriin=©driißer Ei1enbabnunter: nehmen gehörigsn Strecke Zittau_Nistrisch in das Eigentbum dessäch1i1chen Staats, wurden auf Antrag der Ei1snbabnkommis1wn (Berichterstatter Bürgermeister Hammer-Braiidenburg a. H.) obne Debatte genehmigt, ebenso derjdamit zusammenhängende Nachtrags-Etat.

Damit war die Tagesordnung erledigt.

Präsidsnt Fürst zu Stolberg-Wernigßrode gab sodann eine Uebersicht über die Gesckyäfts dss Hauses in der abgelaufenen Sesfion. Danach hat das Herrenbaus 22 Plenarsißungen ab- gebaltsn. Außer dem Staatbbaubbalis = Etat wurden dem Hause 39 Gsseßentwürfc _borgelsgt, bon Welchen 34 durch dix Zustimmung dis „Hauses ibre Erledigung fanden. Ein Gewyyntwuri, beirsffend diE Errichtung Einer General- Kdmmisfibn in Königsberg, wurde abgelehnt, vier („558er- eniwürfe bliebkn unkrlediat. Außerdem Wurden 5 Initiativanträge durcb Annabms erledigi. Von 225 eingegangenen Petitionen wurden (1114: bis_ auf 7 tbéils durch die angéndmmenen Gessßentwürfs, theils durcb be!cndere_Bssch[üffe e_rledigt.

' Der Prc'indent schloß um 12_ Uhr die Sißung mit einem dreifachen Hoch auf Seine Majenät den Kaiser und König, in welches das Haus eimtimmte.

_ Um 2 Uhr Nachmittags versammelten sich die Mit- glieder beider Häuser des Landtags im Sißun ssaale des Hays??- der Abgeordneten zu einer gemein amen Schlußmßuyg. Anwesend waren der Vize-Präsident des Staats:Mini1teriums Dr. von Boetticher, der 2Finanz: Minister Or. Miquel, der Minister der Öffentlichen rbeiten Thielen und der Ministkr der geistlichen, Unterrichts: und Medizinal-Angelegenheiten V. ])r. B osse.

Der Präsident des Herrenhauses Fürst zu Stolberg übernahm den Vorsiß, eroffnete- die Sißung und ertbeilte das Wort dem

Vize:Präfidcnten des Staats-Ministeriums, Staats-Ministkk ])r. vonBoetiicher: Ich habe dem „Hause eine Allerhöchste Ydßtséaft mitzutheilen (die Anwesenden erheben sich von den (":*-1 en :

Wir Wish elm , bon Gottes Gnaden König von Preußen- baben auf Grund des Artikels 77 dsr Verfaffungs-Urkunde vom 31. Januar 1850 den Vize-Präsidenten Unseres Staats-Ministeriums, Staats-Minister Dr. von Boetticher beauftragt, die gegenwärtige Sitzung der beiden Häuser des Landtags Unserer Monarchie am 10. Juli r. I. in Unserem Namen zu schließen.

Gegeben Kiel, 4. Juli 1895, an Bord Unserer Yacht ,Hobenonern'-

gez. W i l [) elm. Gegengez. vom Staats-Ministerium.

Grund der mir ertheilten Allerhöchsten Ermächtiguyg erlief ich die Sißungen des Landtags fur en. _ _ gesYFässident Fürst u Stolberg: Seine Maxcstat der Kaiser, unser Mlergnä igster König und «Herr, lebe hoch! , Die Versammung stimmt? dreima_l in den Ruf em. Damit war um 21/4 Uhr die Sißung ge1chloffen.

Entscheidnngen des Reichsgerichts.

Bei einem so . Kowbinationsdaienx, bei welxbem die_Cr- findung darin besteZt, dax; mehrere einex selbstandtgen Wirkung fabrße Elemente in ihrer Zu1ammenie§ung ein'neues' technischss Exgebmß [ieférn- ist, nach einem Urtbetl de_s RercbsgexickZts, 1. Strassenats, vom 17. Januar 1895, _nur ds_LsLs g8|_chu15t, wahrend die Elemente, für welcbe bewriders em Paient1chuß nicbt xrtbkilt ,ist, für fich dieisn Schuß mchi gxnteßen. Das ewerbImngr-ge Feri- haltkn der _ nicht gc1chützten _E eme'rite 1ur„fich_ ist nur dann strafbar, we_nn, dex ,Vkrkaufer' thß, daß die Kaufkr derselben diese nicht lediglich in _cker Prtbatmtereffe, sondern zum gewerbsmäßigen (:Hebrauch zuiammemcßen und _benußern wollm ,. Dsm S. ist vom 3. August 1890 ab das TSUUÖL Reickysbatent auf cinin selbsttbätigsn aniil- und pneumatischen Flasckxerivexxcblus; für sikriliüerte Flüifigkeiten eribeilt wordxn. In dem Ge1chasi der Fjrxm K. u. (Co. zu K. sind seit 1890 Fla1chen und Gummt1cheiben, iris solch? bei dem patentiertén Apparat zur Anwendung kommen, wélcifc absr nicht von dkm Lizinzberechtigten bezogen warén, feilgebalten und verkauft worden, und zwar an Psrfonen, welch? diese Gegenstände für dsn fragliaben Apparat Verwenden woliten. Die Inbaber der ge- dacbisn Firma wurden wegen Patentverl-exxung anaeklagt._ Die Straf- kammekr sprach fie frei, weil die Flaschsn und die Gummi1ch€ibendurch das Patsnt nicbt geschüizt seien, und desbaib dsr Verkau1d€r1elben 61116 Patentberleizung nicbt enthalte. Die Revision des Staatsanwalts wurde vom Reickysgsricht Verworfen, indem es begründknd ausführté: ,Vsi cinem sog. Kombinationspatknt können 7718 Elemente neu sein und an sich schon eine Erfindung darsteller), und kann dann auch fiir fie dsr Patentschutz Verlangt wsrden. _Dte Einzelelemsnte und ihre Wirkungsn können aber auch bekannt 1251, wäbrenddie Zasammen- seßiing derselben in bestimmter Art und zu Einem bestimmten Zwecke und die Wirkung dir so kombinierten ETEMenie 11211 und Erfundsn ist. Wird in [esterem Fal]? nur das durch die Vsreinigmig dcr (Finz?!- elcmsnre krziélte ProdUkt als Erfindung iii "Umbruch gcndmmen und das Patent" nur für das Produkt e_rtbeili, 10 i_st aucb nur dieses ge:- 1chüßt, wabrknd die Elimente _1ür fich dixicn Schuß nicbt gc- nießcn . . . Nach § 4 des Ge1et§€s vom 7. April 1891 bat das Patent dic Wirkung, da!“; der Patsntinbabsr ausscbiisßlixb befugt ist, gcwsrbsmäßig dcn Gegknstand dcr Eifindung bsrzmteilen, in Vkskébr zu bxingxn, féilzubalten Oder zu _gobrauchkn._ Die nicht gcwsrbSmaßige Nußung der Cr1indnng 1iebi ?absr jedkruiann zu. Es kann also jezdxr den Apparat bsbufs Vsrwen- kimg _1Ür_ seinen psrsönlichsn Gcbraiich und in dEr S1:bar_e Wines Haus basis _ÜCrstEUkn und _gébxauchen. Niir darf kié Heritellung' nicbt in den Kreis 811181“ g€1chästlich€n Tbätigkeit iaiikn, dsr (Gebrauch nicht in 61118111 kacrbe statrfindkn. Das" Gericht iat nun nur 1est'gestellt, daß die Käufkr der Gummiscbeiben dieselbe'n iir den Abparat gebrauchen woilten, nicht aber, daß fie 72811 Avparat !*.-kbit in einkm Gewerbe Verwendén wolltkn, bezw. dai"; die Hsisteüung Mt" der Gsbraucb des Apparats zu einem Gewsrbs derselben in irgend belcbsr Beziebung fta__nd. Vérwandtkn fiL abdr den Apparat lkdigiich m ibrkm Pridatintereme, in den Grenzsn ibres HausHalts, so verli'ßten sie das Pa“tent auch in (ijektidcr szikbung nicbt, und ist daber cine Handluxig, wxicbe die HirsteUung und den GSbraucb dss Apparats » diimii Zwecke ermöglichte, nicht strafbar. Sie wurde es auch nicht dadurch, daß der Angeklagte _die Cinzclelsmente dis batxntisxten Versckoluffes gswerbsmäßig 1eilbielt, da diess nicht Gegenstand dss Patents sind,__ er alsb auch nicht dén Gkgknstand_ der Erfindung gewerbsmaßig fsilbislt. _ Mit Vor- stebkndkm 1tkbt die Entscbeidung des 1. Ziviisenats Vom 5. Mai 1888 (Enisäp. Bd. 22 “'S. 165 fig.) im Einklang. Denn aucb nacb Wer Entscheidung, welche noch durch ein sbätcrxs Urtbkil disselben _Seriats in d€r1elben SÜÖC dom 15970138111er 1890 crläuiert worden M, ist_ das Feilbaiten einzelner nicht selbst patsntisrter Tbeile eines Kombinationspatsnts nur dann sür einc PatsniberletZUUg Lracbiet wvrden, weiin der Verkäufer weiß, daß dis bSrfauftsn T,?ile zur ge- wsrbsmqßigcn Fersteliung, bezw. zum gkwerbsmäßigen Gébraucb _der Kombination 1) ne (Erlaubnis; 7:62? Patentinhabcrs Verwendet werden [dllen und bierzu Verwendet worden sind, wenn also dbjsktiv eins gigen die Vorschriften dcs Patcntgwkßes verstoßende Handlung VOL'ZEUOMMM FLZrX/UNUZW dies mit dem Willen dss Vsrkäufers gksÖSHSU ist. . . .'

__ In der Zeit Von dür Eröffnung bis zur SÖließunL des

RLicbsiags rubt, nach einem Urtbeii des Reichsgsrichts, 11. Straf- senais, vom 15. Februar 1895, die Verjährung dsr einem Reichs- Tags-Abgeordneten zur Last gslegtkn Stra1tbat, auch wenn eine (Ge- nebrmZung zur Sirasverwlgun von der Staatsanwaltfcbaft nicbt naxbgexucht worden ist. „Mit €_cht _wird Es für glsichgültig erachtet, ÖW ein?; Gensbmi ung zur Strasdsrwlgung Von der Staatsanwalt- 1chZ1t nicbt nachge ucht ist. Der § 69 des Strafgesctzbuchs in der „aiiung des Gessßes voin 26. März 1893 enthält die aligemeine Ve- itinmung,_da13' die Verjqbrizng während DLT Zeit ruht, in welcher auf Grund ge1eßltcher Vor1chrift die Stxafverwlgung nicht begonnen wsrdexi _kann, und diese Vorausssßung ist vorhanden, wenn die That- sache 1e1tstebt, daß dex Reichstag, gleichviel (UZI welchen Gründen, die nach Arx. 31 der Rei Obersaffung zur StraWersolgung nothwendige Génebmnzung nicbt ert eilt bat.“ (4613/94)

Entscheidungen des Ober-Verivaltungsgerichts.

Dsr Betrieb einer Postbalterei isi, nacb einer Entscheidung des Oer-Verwaltungsgerichts, 171. Senats, 1. Kammer, Vom 8. No: Ymber1894, einsteuervflichtiger Gewerbebetrieb. „Vordem «Inkrafitreten des Gewerbesteuergeseßes Vom 24. Juni 1891 sind die „Ostbasket schon seit 1812 als der Gewerbcsteuerpflicbt nicht unter-

tegende Perso'neii behandelt worden. Diese_Befreiung bat zulexzt in §_7Z der ministexielien AquübrungSanweiZung zum Gewerbesteuer- Ikikß vom 20. Mai 1876 dahin Ausdruck ge unden, daß die Postbalter von der Gewerbesteuer der Fracht- und Lobnfubrleuta in der Klasse K. aus eizommen _wordeii sind. Diese Vorfcbriftnebst allen Vorbergegan enen ekkkUUJLn ist mit dem Gewerbesteuergefexz, zu deffen Ausfü rung FZ Lksängen war, durch § 82 des Gewerbesteuergeseßes vom 24. Juni 91 ang-Zboben worden. Leßteres unterwirft na § 1 dkr Gewerbe- deél",dkk in Preyßen beiriebenen stehenden Gewer ? und nimmt aus- kUckltch davon in § 4 Nr. 7 die Ausübung eines am _tlichen w erurs aus., Postbalter können deshalb nur gewerbesteuersrei sein, wem! der Betrieb der Postbalterei nicht als Gewerbebetrieb angesehen "Iden kann, oder wenn darin die Ausübung Lines amt- zu 9" Berufs _ ge_funden„ werden wuZ. Lkßieres trifft ni t v - [1 Die Kriterien xines öffentli en Amts smd ni t aZtsüYnden' ' Als öffentliche Beamte, die einen amtlichen Beruf io'lben, wie es § 4 Nr. 7 a. a. O. verlangt, md nur Militär- und Zak kämZe, nur unmitteibare und mittelbare taatsbeamte anzusehen. wi" seboren m'angels einer besonderen Vor christ die Postbalter nicht. tun stehen nur in einembertragsmäßigen erbältniß zur Postverkval- AeiJß und we'rden auch iettxns der Rocchs-Postvenvaltunq nach amtlicher - enerung ntcbt zu denjenigen ersonen gereZnet, welche einen amt- Beruf außuben. Smd iernach die ostbalter nicht Beamte

dec ?ostvenvaltung, so kann der Betrieb der Postbalterei nur steuex- frei leiden, wenn er nicht als Gewerbebetrieb anzusehen ist. Die Poftbalterei ist aber Gewerbebetrieb, da alle Merkmale eines solchen zutreffen. . . .' (171. (H. 213/94.)

- Der Betrieb eines in „L_inem Kehrbezirk angestellten Schornsteinfegermeifters ist, nach einer Ent1cheidung des Ober- Verwaltungsgerichts, 7]. Senats, ]. Kammer, vom 6. Dezember 1894, ein fteuerpflicbtiger Gswerbebetrikb. .Der Be- schwerdxfübrer ist ein zur Ausübung 1eines Gewsrbebetriebs in einem nach Maßgabe der Reichs-Gewerbeoxdnung 39) gebildeten Kebr- bezirk zugelassener Schomsteinfegermeifter. Durch diese Ylaffung wird er aber ebenso wenig Beamter. wie durch die polizeiliche sgelung de': Reinigung der SÖomsieine und der bierfür zu erbebknden Gebühren und die Voxbxbaitk binsichtlich seiner Bi'stküfUNx'Z WMC)“- Nichtbefoliung der polizéilichcn Vorschriften. Durch Terartigc beöördiicbe, im öksnt- lichen Interesse mit Rücksicht auf die Feuerficberbkit getroffene Maß- nahmen wird er nicht aus einem Gewerbetreibéndsn Beamter, sondern er bleibt nach wie vor Gawerbetreibender; er ist nur bezü lich der Ausübung seines (kaerbebetriebs, wie die meisten andkren Éewerbe- treibenden, der Beobachtung bebördlickoer Vor1chrift6n unterivorfen.“ (171. G. 322/94.)

Statistik und Volkswirthsckzast.

Kleinbabnen in Preußen.

Die (Hesammtzadl dsr in Preußsn am 31. März 1895 Vor- bandenen odex bis dabin gknebmigtcn Kleinbabnen (selbständige UniCr- nebmungen 1ikl1t fich auf 131 (bisher, d. l). bis zum 30. Skbtember 1894, 117). Auf die Provinzen entfailen, nach der Zahl dsr Babiien geordnet, Rheinprovinz 31 (bisher 27), Brandenburg 15 (14), Sachsen _ixnd Heffen-Naffau je 13 (13, 12), Pommern und Schleswig-Hblstein xe 10 (8, 10), ofen, “_Sckplefien, Hannober und Wsstfalen je 7 (6, 6, 7, 4), Berlin Gescbc'xstsbsziik des Polizei-Präfidenten) 5 (4), West- preußen 4 (4) und Ostpreußen 2 (2).

Zur ArbeiterbeWegung.

Iii Halle a_. S. batte eine Maurerbersammlung am Sonnabend beschio11en, am leisten Montag früh auf ailén Bauten den Ausstand zu beginnen, wo die gestelits Forderung bon 40 «& Stundkn- lobn vdn den Meistexrn und Unternehmern abgelehnt wordsn ist. Wi: , die .Mgdb._ _Ztg.“ berichtet, wurds in der That bon biellxtcbt der Halfte der im Ganzen wobl 800 in Haile arbeitenden Maurergcsellen die Arbeit niedergelegt. Auch die Maurerarbeitsieute schlossen 1761), einem Vkrsammlungsbescblu71€ gemßß' dem Ausstand an, sofern ibnen nicbt 30 «3 Stundsnldlxn bewilitgt wiirden. _Zum tbcii sind die Feikrnden, sowsit fie unver- beiratbxt Und, bkrkiis zur Aufsuchung bon Arbeit nach anderem Orten abgersist. Die Rub? wurde nirgends cstört. (Vgl. Nr. 157 dBi.)

Aus Augsburg wird der „Köln. tg.“ untsr dem 9. d. M. ge- meldst: 'In dEr grdßen Spinnsrei und Buntwkberei in Pfersee batten dic kaer und Spinner wegkn Lobnstrkitigkeiien die Arbkit niedergelegt. Der Ausstand wurde durch Béwiiiigung der Fordernngen der Arbeitkr bkigélegt.

_ In Odrau_ in Oestsrrsich ist, einer Mittheilung dss „Vorwäris' zuwl €, der Ausstand der Arbeiidr der Gummiwaaren-Fabrik bon chneck u. Kobnberger zu Ungunstkn der Ausftändigsn Verlaufsn. (Veeri. Nr. 155 d. Bl.)

us Cbicago meldet das „R. B.“: Die Pullman Schlaf- Wagsn-Ge1ell1cbaft, in deren Werkstätten im Vorigen Jahre der großs Eissnbabnaussiand seinsn Ursprung hatte, hat die Löhne ibrer Arbeiter um 10 v. H. srböbt. Viertausend Arbeiter gewinnen dabei.

Kunst und Wiffenschaft.

Am Syntiabcnd vsrstarb der orde'ntlicbé Professor für Englisch?-

Pbiiolvgie an dsr biefigeii Unibkrfiiäi 1)r. Julius Zubißa. Der- 1€lb€ war am 4. Januar 1844 in Kerpen bei Glogau geboren, [)L'JOZ 1862 die Unidkrfitat Brcslau und Erwarb im Jahre 1865 an der ÖtCfigM Hochschule den Doktorgrad. Nach bestandensm Staats- anmsn trat ZUWHÜ zunächst in dern Schuldisnst und wurde Lebrer an ds_m Gbmnasium in Oppsln, an dem Er zuvdr Schüler g§w€1€n war, und später in Breslau. Dort babiliiierie er sich 1869 als Privatdozént für die gsrmaniscben Spracbsn des Nordwis, wurde 1872 zum außerordentlicbsn Profoor ernannt und ging 1875 als Ordigarius nach Wien. Scbbn 1876 wurde Lr zum ordéntlicbe'n Prowmbr dcr engli1chen Sprache iind Philologie Und zum Direktor der Lngliscbsn Abibsilung des Seminars für neuere Sdrackoen (m_ dsr 1]nib€r1"1_i.i_t Berlin Crnannt. In dikser Stellung _th der Veritoxbene in 15111? zwanzigjähriger str- und Forsckyertbatigkwt yerdienstlrch und anregend gewirkt.

_ _ Aus Gießen Vom 7. d. M. _wird das Ableben des um die Ersdrscbung der Natur dcr Sonnexixlecksn verdienten Astronomcn, Prowffors Später gemeldet; Gustav Frisdricky Wilbkim Spörér wurde, dcr .Nat.-ng._“ zuwige, im Jahre 1822 zu Berlin 919 der Sohn eines Kaufmanns geborkn. Die erstkn Sonnkn- 1lecksn-Beoba tungen stellte er unter wenig günstigen äußcrkn Ver- hältnissen in nklam an, wo er am Gymnasium seit einer Reibe von Jahren in der Mathemaxik unterickytete. Jm Jabr€1869 nahm er an der deutschen astronomi1ch€n Fabri, nach Ostindien “tbeil. In dkm Staatshaushalt für 1874 wiirde _dis erste Summe 1ür den Bau des Observawriums, das skinsxiéimiiattc _auf dem Telegraybenberge bei

otsdam erhielt, auskaox1€U._ Ziir_Einrichtung der Anstalt und zur päteren Leitung der .irbsiten in dlkiék wurde mit H. C. Vogel, da- mals Direktor der Sternwarte zu Boibkamp in "olftein, Spörer, zuletzt Prorektor in Anklam, berusen. Am strobbvfikalischen Laboratorium fand Spörer ems dauernde Arbeitsstätte. Er schied aus derselben erst dor kuxzer Frist aus, als die Be- schwerden des Alters ibm wider Wilien Muße aufdrängten. Die Veröffentlichungen Spörer's: Ertlciusende Beobachtungen der Sonnen- flecken, Berechnungen dieser, Studien uber 'die Periodizität und Ab- leitungen der Elemente der Sonnenrotatioxi aus Sonnenflecken- Veobachtungen finden sich in den .Astronomi1cben Nachrichten“, den

rogrammen des Anklamer Gymnasiums, den Veröffentlichungen des stropbyfikaliscben ObserVwaiums ,und der Astxonomischen Gesellschaft sowie in den Berichten der Königlichen Akademie.

_ Ueber die neuen Erztbüren am Dom zu Bremen berichtet die .Weser-Ztg.': „De_r Guß der neuen Domtbüren in der ErzYeßerei von Joseph Louts in Köln am „Rhein hat 12 Jahre in nspruch genommen. Jedes'der zwanzig elder, sowie ge- wisse Theile der Einfaffungsn bilden ein'Guß tück für sich und sind auf dem eichenen Belag _dex Nücxseite zusammen eschraubt. Zier befindet sich auch das machttge, stilvollx Riegelsch oß. Der

erscheint durchaus woblgelungen, wenigstens konnten wir nir ends Nietstücke oder nachjräglich' gebesserte Stellen entdecken. AUF) die AusprägunZk der in Hochrelref' gebaltenen, behufs stärkeren Heraustretens der öpfe aus_ der Btldftache meist etwas schräg gestellten Figuren ist bis in die Details tadellos. Schwierigkeiten, wie sie beispielsweise das, Scepter Pharaos oder (dicht darunter) die beiden Köpfe mit den Trichterhüten und das Schwert des Ritters am Sinai dem GUF entgegenstellten, find bolikommen überwunden, Yolitur und Zissisrung aufs saubkrste ausgefuhrt. Die pra tvolle

rzmischung verratb schon jest, „an welchen Stellen sich zunä st die grüne Patina ansetzen wird. Die Gipsinodeue Für den bildnerischen Schmuck hat Herr Professor Fu s eltefert ein auf dem Gebiet chrisilicher Plastik hervorragender ünßlxr. Jeder Tbürflügel enthält zwei große und eben kleine Reliesbilder. Unter sich sind die- selben durch einen ties mit acht ver (biedenen Linienornamenten ab- etbeilt, deren Knotenpunkte durch auf e eyte Knöpfe markiert werden. Fries, Knöpfe und das entzückende P anzenornament des Rundstabs,

der das Ganze umziebt, find ä jour gegossen. Besonderes Interesse verdienen die Löwenköpfe, von den_en der am rechten Tbutflugel be- festi te ein Original aus dem zwölften Jahrhundert ist und _damals bereits die Pforten unseres Doms geziert hat. Das glxichsaus er- baltene Pendant dazu wird an der noch herzustellenden zweiten Portal- tbür Play finden, für dies_e [ckin hat Hsrr Proseffor _uchs ein neues hergestellt. Natürlich ist es jenem alten nachge ildet, scheint aber in der Mähne, den Linien und Punktierunge'n des Ge- ichts weiter ausgeführt, als gehöre e:?„eineynur ein paar Jahrzehnte späteren Periode an. Jene Zett erblickis m_ dem durch Krafx und Herrschaft ausgezeichneten Löwen Lin Sinnbild der Gottheit 1elbst, und das streitende wilde Getbier, wwnzit der Bildner die waen- köpfe umgeben bat, soll wobl auf die Damdnen deu_ten, die mrt den bimmliscbsn Mächten im Kampf lisgen. _Die Relie1s enthalten aus- sch1ie"[ich Darstkklungen aus dem Alten TSLTQMCUTJ das N€u_e wird_für die ilder der zweiten Tbür benuxzt weiden. Pie Reibxnwige lauft, links oben beinnend, qusr über betds Fiugkl. Wir ieben m der ersten Reihe die Erschaffung des Mémchen, den Sündxnfaü, die Vertreibung aus dém-Paradiesk; und den Brudermord; Es folgen Melcbisedek's Odier und die Ge1chtchten bon Abraham, J1aac, Jakob, Josebb, Mosks, das Paffabmabl, der Zug durchs Rothe Mser und die Gsskizgebung auf Sinai. Den Beicbluß machen. in der letzten Reik)? dsr Mannaregen in der WMS, DaVld 'Mit dsgi Hath Goliatb's, Salomo und Jonas. Die 1chönsi€n Bilder, besindkn Ua!) in dkn bkiden obsrsten Reibsn; in dkxi anderen wirken-die [isberladung mit landscbaftlicben und architektdnbchxn Dstails, die Häufung der Xigurkn, ein aucb don Gbibsrti bsi deri Baptisteriixmstbüxén bigan ener Fehler, nicbi immkr günstig. Aus denYEmzug in ,die rche befinden sicb Eins Anzabl Porträtfiguren, die man hier in B'remen leicht identifizisrxn wird. In der Ecké rscbts der Mann init _der Wagnerkappe ist dsr Bildbauer, dahinter der Alte mii dsr Lederta1che der Gießsr. TCL" Stil dEr rdmarifchn EPOCHE ist überaklistreng durchgeführt. An d€n langen Wdilkngswändern, den vsrsclYedsnen Kopfbedsckungbn, dxn Rüitimgen ds_r K'rikger könnte man S_tudien über die Trachten dss _zwdlsten Jabrbunderts anstelisn. Bäume, Blumen, Gras, 1eib1't dis Mcereswogen auf dem Jonasbilde find stilifiért. Was sick) dagsgsn i_n dissen _Blld- werkxn nicbt manifcftikrkn konnts, i1_t die Naibktai, dis ern1ache, fromms Auffassung jéner Zeit, wis 118 z. B. aus den Schöbfuiigen des beiliskn Bcrnbard in Yilde-beim bci aii“ ibrcr U11b€bolrknbeix zu uns spricht. Eine fréiere Behandlung dks romanisckyén Stils, abn- 1ich derjsnigkn auf den Mo1aikbildcrn der Westfront, "ware daher vielleicht Vorzuziében gewsscn. ernerbin ab?.r baben 11ch manche Befürchtungen, die fich an den „starren Arcbaismus dsr “vor dxm Portal aufgesteliten Figurin und ihrer merkwürdigen Sockel knüpsen ließen, nicht erfüilt. Dis fleißige und zierlich? Arbeit des Ganzen wird vieanbr Einen schönen Schn1uck-d€s_ Domss bildkn zum (Ge- däcbtniß der Scbsnkgebsrin, Frau M. Hackseld, déren Name 1":er dsr Tbür zu sksen ist.“

Land- und Forstwirthfchaft.

. “Saatenstand in Ungdrn. _

Wie der „WWU. Ztg.“ aus Budapxst tsisgrapbi1ch 112111?!st wird, 1t_€[lt fick) nach den bei d€1n ungari1chcn Ackérbau-Ministkriiim eingelausenkn Berichten dEr Saatenstand Vom 1. JM, wie folgt: Das stctig wcchielnde Wktter, Rögcn, Gußrcgén und Wolfenbrückpe Haben auf das Wintsr- und SOTUUlCi'gLsl'LidS schädlich gewirkt. Der in der ersten Hälfte des Monats Juni _svdiadiscl) au1g€tretene Rost und Brand bat die Saaten größkrer Flächen angegriffsn, und ist der Schaden bewndsrs an den gelagertkn Getréideartén bed(utend. Die Hiße in 73611 ersisn Tagen des I.)?onats Juli hat gleichfalls bedsuténden Schaden Verursacht. Am meisten litt unter derselbsn der Winterwsizen. Die gssunden und nicht gela exten Getreidearten entwickéln fich, abgesehen von stslieniveisem ROZ auf Blatt und Stengel, meistens sehr Fut. Die allgemeinen CcntL-Aus- sichten haben gegen den [Man Bericht nur eine geringe Aenderung aufzuweisen. Vorausgsfeßt, daß Brand urid Rost, weitere Hitze und In1ekt€n keinen bedsutsnden Schaden vérur1achcn, wird das Getréide einen mittleren Ertrag liLfLrn. Rost und Brand haben sich be- deutender in 20 Komitaten verbreitet, es giébt aber kaum eine Gegend, wo die1€lb€n, Mnn auch in geringersm Maße, nicht auf- getrsten _wären. Jnsektsn richtstcn in 16 Komitatsn Schadkn an, stellenwei1e beträgt _der Schaden _20 bis 30 0/0. An Wkizen richtete die iße dom Ansanß Juli 1ieli€nwci1e Schäden an. Obwohl die 57 erbreitung des Nviics und Brandes aiif Kostsn der Qualität in zwei Dritttbeiisn dss Landes gk1chiebt, i1t trdsdem noch auf sebr gute nglität Aussicht. Dis Ertragsausückyien find in dLn Einzelnen Gegknden ber1chieden und betragsn 7 bis 9, anderswo aber iiur 4 bis 5 Meter- zentn__er per Katastraijdck). Jm aiigemeinen Durch1chnitt kann der zu Stbdnende Ertrag aus 7 Mctkr-Ztr. PCT Katastral'och geschäizt werden. Die mit Roggen und Halbmiicbt bebauie [äche i1t bedeutend klsincr als im Vorjahre. anlgk; dcs 1ebr schlechten Wetters ging viel Anbau vcridren, und 10 kann die bebaute [äche 1,62 bis 1,73 Miliionén Katastraljock) betta en. Dkk rtrag dürfte im Wsöid noch __am gieicbmäßigsten ein, indem dort ein mittlerér Ertrag _erbdnt wird, wäbrend in den anderen Landes- tbeilen der Erkrag 1xbr- verschieden sein Wird. Qualitativ läßt Roggén wenig zu wün1chen übrig, dcr zu erwartende Ertrag kann im Durchschnitt mit 5 bis 6 Metsr-Ztr. per Katastraljock) gescbäßt werden. Wintergerste wurde zum größten Theil schon geschnitten. Das Resultat ist mix geringen Ausnabuisn ein „zufriedenstellsndes, ob- zwar die Qualität infolge bedeutenden Brandes in einzelnen Komitaten bemängelt wird. TTOZÖLM kann derErtrag, auch qualitativ, als zufrieden- 1tellend bezeichnét Werden. Soxnmergcrste hat sich gut behalmt, doch verursachen Rost und tbcilweise aucb Brand Schaden. Geschnitten wird dieselbe noch nicht. Das mit Sommergerste bebaute Areal wird kau_m mehr als 1,83 Miklionen Katqstraljocb betragen. Der zu er- bofsende Ertrag dürfte im Durchschnitte böchstens 6 Metcr-Ztr. per Kaxastraljoch betragen. Hafer bat fich ziemlich gebessert, obgleich der1elbe infolge von Elementarschaden ebenfaÜs litt. Die Ertrags- ausficbten sind klein odLr Mittel. Das bebaute Areal dürfte? 1,72 Millionen Katastraljock; betragen und der zu erwartende Ertrag sich auf '5 bis 6Meter-Ztr. per Katasiraljoch beiaufen. Wenn die Hiße nicht schadet, dürfte die Qualität die Quantität ersetzen.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

Dcr Gesundhxitsftand in Berlin war auch in der Woche vom 23. bis 29. Juni em günsti er und die Sterblichkeit eine niedrige (bon je „1000 Einwohnern ?tarben, aufs Jahr berechnet, 18,1). Etwas haufiger als in der Vorwvcbe kamen akute Entzündungen der Athmun Sorgane zum Vorschein und führten auch etwas häufiger zum ode. Erkrankungen an Grippe'WUrden wenig be- kannt, doch kamen 2 Todesfälle infolge von Grippe zum Bericht. Dagegen wurden akute Darmkrankheiten in größerer Zahl beobachtet und führten in 148 FäÜen, meist kleine Kinder unter 2 Jahren, ziim Tode. Die Betheili ung des Säuglingsalters an der Sterblichkeit blieb die glei große wie in der Von woche) Von xe 10000 Lebenden starbßn, aufs Jahr berechnet, 67 Sauglinge. _ Von den Infektionskrankbciten blieben Erkrankun en „an Unterleibstyphus selten; Erkrankungen an Masern und Dip tberte wurden etwas wixni er, an Scharlach etwas häufiger als in der Vorwoche zur Anzeige ge mehr, und zwar kamen Erkran- kungen an Masern aus dem Wedding, an Scharlach aus der Schöne- berger Vorstadt und dem Wedding, an“ Diphtherie aus der Tembel- bofer Vorstadt, der jenseiti en Luisenstadt und der Rosenthaler Bor- stadt am zahlreicbsten zur eldunÉ. Erkrankungen an Kindbettfieber Wurden 4 bekannt; rosenartige ntzündungen des ZellgeWebes der Haut gelan ten häufiger zur ärztlichen Behandlung; auch wurde eine weitere Er rankung an Pocken gemeldet. Erkrankungen an Keuch- buten, die in 5 ällxn zum Tode übrten, wurden seltener beoba tet. R eumatiscbe Be chwerden _aller rt zeigten im Vergleich zur or- woche keine wesentliche Veranderung in ihrem Vorkommen.