1895 / 257 p. 13 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 26 Oct 1895 18:00:01 GMT) scan diff

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' die Schlachthäuscr derjenigen Städte, denen die Einfu

80. 105 Waldemarsiraße 173, K*. 107 (5 ohrenstraße 63/64 3317. 108 (Waldstraße 11), 0. 109 (Krautsstraße 36), 117. 110 (Yorksiraße 443), '. (J. 111 (Reichsbank), _ _ sowie bei den Posizweiqstellen in Nixdorf 2 _(Prmz Handzery- straße 33) und m Weißensee bei Berlin 2 (Langhans- straße 93) wird der Dienst an Sonnta en und geseh- lichen Feiertagen fortan gänzlich ge chlofsen, bei den Postzweigsi-zllen in Charlottenbuxg 3 (Ver- linerstraße 146) und Charlottenburg 4 (Wilmersdorfer: sm_ifczk? 57) kdagegen auf die Zeit von 5 bis 6 Uhr Nachmittags be rän Q Berlin (?., den 25. Oktober 1895. Der Kaiserliche Ober-Postdirektor, Geheime Ober-Postrath Griesbach.

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Bekanntmachung.

Bei dem Kaiserlichen Postamt Nr. "7 (Dorotheen- straße) tritt am 1. November eine offentliche Fern- sprechstelle in Wirksamkeii. _ _

Für die Benußung dicier Stelle kommen die allgemein gülti kn Bedingungen in Anwendung.

Berlin (I., den 26. Oktober 1895.

Der Kaiserliche Ober-Yoftdirektor, Geheime Oher-Poitrath Griesbach.

Bekanntmachung, Maßregeln gcgen Viehseuchen betreffend.

Nachdem inhaltlich der amtlichen AuSweise über den Stand der Viehseuchcn in Oesterreich-Ungarn die Maul- und Klauenseuche in Galizien erloschen ist, wrxd

1) die Bskanntmachung vom 4. Apxil 1895 (Gese -_und Verordnungsblatt S. 142), welche die Einfuhr von Md- vieh aus Galizien verbictet, außci: Kyaft geseßt, _ _ _

2) bestimmt, daß von nun an Rmdmek) aus GaltZien m

r von öterrei is em Schlachtvieb im TisPenswege gestattet ist, unter dsm seiérierchZeit an die bethciligtcn Städte besonders bekannt gegebenen Bedingungen wieder eingefuhrt werdxn darf. _

Tie voranstehend in Ziff€r1 Und 2 getronene Verfugung tritt sofort in Wirksamkeit.

München, den 24. Oktober 1895.

Koniglichks Staats-Miniiicrium_des Innern. Frkiherr von Feilißwh.

Königreich Preußen.

Seine Majestät der König haben Allergnädigft geruht: den praktischen Aerzten, Sanität§:Räthen ])r. Hübener und 131“. Steinbrück in Berlin den Charakter als Geheimer SanitätZ-Ratk), und den praktischen Aerztsn ])1'. Eberty, [)r. Beely und ])r. Herzberg in Berlin den Charaktsr als Sanitäts-Rath zu verleihen.

Ministerium der geistlichen, Unerrichts: und Medizinal-Angelegenheiten.

Der bisherige Privat-Tozcnt Dr. Alfred Partheil zu Marburg ist zum außérordcmlichen Prdfcffor m der philo- jophischen Fakultät der dortigen Univerntäi ernannt worden.

An der Präparanden-Annalt zu Zülz in der Hauptlehrer und Organist Witton zU Warmbrunn ales Vorsteher und Erster Lehrer angestellt worden.

Angekommsn: _ Seine Excellenz der Staats-Minister und Minister für Landwirthschaft, Domänen und FOUTLN Freiherr von Ham- merstein, aus Schlesien.

Yichtamtliehez.

Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 28. Oktober.

Seine Majestät der Kaiser und König begaben Sick) am_ Sonnabend Nachmittag nach dem “'estmahl im Reichsger1cht§gcbäude zu Leipzig mit Seiner ajestät dem Köni, von Sachsen zu Wagen unter dem Jubel der in den StraZen angesammelten Bevolkcrung zum Bayerischen Bahn- hof und vxrabschicdetcn Sick) dort von dem KöniZQAlbert auf das herzlichste. _ Um 31/4 Uhr traten Seine ajestät der Kaiécr sodann Mittels Sonder ugs die Rückreise 11ach dem Neuen Pa ais an, wo Allcrhochstdic elbcn nach 7 Uhr eintrafen.

Gcstexn Vormittag wohnten Beide Kaiserliche und König- liche Majestäten dem Gottesdienst in der Friedenskirckze zu Yotsdam bei. Am Abend begaben Sich Seine Majestät der daiser nach Liebenberg und trafen um 81/2 Uhr wohlbehalten ort ein.

Der Kolonialratl) trat heute Vormittag 10 Uhr im Auswärtigen Amt zu seiner Herbsttagung zusammen. Von den Mitgliedern Hatten ihr Ausbleiben entschuldigt Staats- Minister a.D. von Hofmann und Oberst von Palézieux,sowic der neu in den Kolonialratl) berufene Direktor des Norddeutschen Lloyds Wiegand. Neu eingetreten ist ferner Geheimer Kom- merzien-Rath Michels aus Köln. Von seiten des Reichs- Schayamts war Geheimer Ober-Regierungs:Rath von Glase: napp, von seiten des Reichs-Marineamts Major Kolewe zu- qegen. Ter Vorsißcnde, Tirektor der Kolonial-Abtheiiung,

“Wirklicher (Hehcimer Legations : Rath ])r. Kayser er-

öffnste dic Sißung, indem er zunächst mit ehrendcn Worten des verstorbenen Mitgliedes des Kolonialraths, Geheimen Kommerzien-Raths Langen gedachte, Der Kolonial-

rath ehrte das Andenken des Verstorbenen durch Erheben v_on den S1 en. Sodann gab der Vorßßende e_me gllgememe Ueberfi t über die Entwicklung der. Sckiußgebiete im leßten Jahre, welche im Ganzen als eine zufriedenstellende zu be- zeichnen sei. Es wurde sodann zur Berathung der Etuis- C'ntwürfe eschritten. Nachdem der Vorfißende einige allgemeine läuterungen zu din Entwürfen gegebey hatte, wurde in die. Generaldiskussion ein etreten, wobki untxr anderem die Frage der Unterdrückung es Sklavenhandels M Sansibar von Herrn Ehren-Tomherrn ])r. Hespers zur Sprache gebracht wurde. Allseitig wurde anerkannt,

daß die deutschen Behörden mit besonderer Gewiffenhaftig-

keit und mit besonderem Erfolge bestrebt seien, die Vorsceriften der Brüsseler Generalakte zur Durchführung zu bringen. Hierauf wurde die Spezialberathung dcr Etats vorgenommen und zunächst über den EtaW-Entwurf für Ost-Afrika ver- handelt. _ _

Der General der Kavallerie von Krosigk, H1 15 „FURL des Leib-Earde-Husaren:Rxgiments _und Inspekteur der 1. Kavallerie-Jnspektion, ist hierher zuruckgekchrt.

Bayern.

In der vorgestrigen Sitzung der Kammer de_r ngc- ordneten wurde die Veratbung der Anträge_ auf Einfuhrung des allgemeinen direkten Wahlrechts fortgejeßt. Der Abg. Trierer beantragte namens der Majorität des Z_ent_r1_1ms Uebergang zur Tagesordnung, da, abgesehen von dcritrßmgen Frage der Zulässigkeit der Verfaffungsänderung wahrend der Regentschaft, bei der jeßigsw Zusammxnsyßung_ der Kammer die erforderliche Zweidrittel : M010Uiat_ xeble. Der Minister des Innern Freiherr von Ferlißsch erklärte: da kein Vorschlag auf Abärxderun? _des_Wahlg_cießes die chidrittel-Mehrheit erhalten wurde, en die Regicrupg nicht in der Laqe, einen darauf bezüglicbcn Exitwurr ein: zubringen. Die 6 ierung halte an dem bishxrigen Stand- punkt fest, daß eine Vcrfafsungéänderurxg nur bxi ZW?) dringsndm Gründen während der Regennchaft zulä1fig 181. Die Weiterberathung wurde auf heute vertagt.

Sachseu.

Seine Majestät der Kaiser hai, wie das „Leipziger Tageblatt“ meldet, dem Ober=Bürgermei7ter ])1'. Georgi seine? Freude über den überaus freundlichen Empfan? der Aller- höchftibm in Leipzig zu thcil geworden sci, aus*geßprochcxi und denselben beauftragt, Allcrhöchstscinen Dank zur Kenntnis der Bevölkerung zu bringen. _

Oldenburg.

(U) Seine Königliche Hoheit der Großherzog ist am Sonnabend aus Güldenstein nach OldenburI zurückgekehrt. Am 28. d. M. wird der ““amilienratb des ( rdßherzoglichen Hauses, welcher alle zwei ahrc berufen wird, in Oldenburg zusammentreten. An demselben wird auch Seine Hohsit dcr Herzog Alexander von Oldenburg tbeilnehmen.

Reuß j. L.

Der Landtag ist geste-rn eröffnet wordsn. Außer dem Etat werden noch einige kleinere Vorlagen zur Berathung gelangen.

Oesterreich-Ungarn.

Die „Wiener Zeitung“ vcröffentlicht di? Ernennunq dss früheren Justiz-Ministers Grafen Schoenborn zum Ersten Präsidenten und die des früheren Finanz-Ministers Böhm: Bawerk zum Senais:Präsidentcn des Verwaltungs: Gerichtshofes. __

Das ungarische Unterhaus hat nch am Sonnabend bis zum 5. November vertagt.

Frankreich.

Tic Dcputirtcnkam mer ssßte vorgestemi die staite übcr dcn Aussiand in Carmaux fort. Der Ministcr dss Innern Leygues nahm seins AUsfiihrungen vom Tage zuvor wieder auf, schilderte? den Verlauf des Strikss und wies nach, daß die Behörden einzig bemüht gswesen seien, eine Verständigung herbkizuführen; gcwiffe Vor- fichtswaßregeln hätten natürlich getroffen wsrden müssen, namentlich nach dem Aitcmtat auf Ncffeguicr. Dis äußerste Linke unterbrach fortwährend den Minister, welcher fick) schließlich scharf gegen die Einmischung der sozialistischen Dcputirten in den Strike aussprach. Der sozialistische Deputirtc Millerand behauptete, die Schlkld an dsm Strike in Carmaux trage Reffeguicr, tadelte da?: Verhalten des Prä- fekien sowie der anders:: Bcamtkn und verlangte, daß man den Strikenden zu Hilfe komme. Ter Justiz: Minister Trarieux erklärte, das; pr für das Ver- halten der Behörden eintrete. Die Teputirtenkammcr sei kein Gerichtshof. Der Minister wies sodann mehrere Behaup- tungen des Deputirten Jaurés zurück. Die sozialistischen Deputirtcn pxotestierten heftig dagegen. Jaurés onts sich auf den Minister stürzen, wurde aber von seinen Freunden zurückqehalten. Der Minister verlangie schließlich, daß die Kammer _durch ihr Votum ihr Vertxauen in die GeseY und die Gerechtigkeit bezeuge. Nachdem hierauf die iskusswn geschlossen worden war, zog der Präsid-ent Brisson seine Zusage, das SchiedSrichteramt in der Carmaux-Nngelegenveit zu übernehmen, zurück. Der Teputirte Goblet hielt die_Noihwet]digkeit eines Schiedsspruches auf- recht. Der Mimster-Präjident Ribot erklärte, die Kammer würde einen gefährlichen Weg betreten, wcnn fie fick) für Ein Schiedögericht ausspräche. Die Regierung wünsche eine schnel1e Beilegung des Streitfallcs in Carmaux, fie habe nichts ver: nachläsfigt, was einen AUSgleick) herbciführcnkönne. Schließlich forderte der Minister-Präfidcnt ein Vertrauensvotum und tadelte die Angriffe des Deputirten Jaurés gegen die Beamten in Carmaux. Die Kammer beschloß mit 277 gegen 214 Stimmen, zuerst über die vyn dem Dcputirten Drake eingebrachte Tachordnung abzustimmen, womit fich der Minister-Präfidsnt Ribot ein: verstanden erklärte. Diese Tageßordnung bcsa t, daß die StaatSJewalt einzig und allein die Aufgabe habe, Jie Ordnung und Freiheit der Arbeit U sichern, und biUigt die Erklärungen der Regierung. Darau? wurde nacheinander über die ein- zelnen Punkte der Tagesoxdnung abgestimmt und dann dicsslbe im Ganzen mit 280 ge_ en 183 Stimmen angenommen. Der Teputirte Guyot-Deséaigne beantragte, die Regierung zu

beauftragen, einen nxuen Schreddgenchtßyeisuch zu machgn_ Der Antrag wurde mit 270 gxgen 234 Summen abgelehnt,

Die Budgetkomm1ssion _ schlug vorgestern eine Stempelsteuer von 50 Cts. fur _100_ Fr. ausländischer StaatsPapierc und bei sonstigen auslandischeti Werthen eine solche von 2 Fr. für 1001? vor. Der _Mimster-Präfident Rib ot erklärte fich mit die em Vorschlag einverstanden.

Bei der gestern in Montluxon vor enommenen EMW- wahl eines Deputirten an _Stelle des versJoxbenen Sozialisten Thivrier wurde der Republikaner V_acher mit 8104 Stimmen gewählt. Der Sozialist Letang erhielt 7840 Stimmen.

Der Vertrag mit Madagaskar, _der am Sonnabend in Paris eingetroffen ist, hat nach der „Koln, Ztg.“. folgenden Wortlaut: * ,

1) Die Regierung Ihrer Majestät der Köyigin von Madagaßkar erkennt die französische Schußberrschaft an und nimmt sie Mit all ihren Folgen an. 2) Die Regierung der Französischen Republik wird bei der Königin von Madagaskar durch ein_en General-Refidenten vertreten sein. 3) Die Regierung der Französijcben Republik wird Madagaskar in all seinen auswärtigen Bézicbungen vertreten. Der General-Residcnt ist mit der Führung der Beziehungen zu den Vertretexn der fremden ').-Uchte beauftragt. Die Angelegenheiten, welche die M Madagaskar ansäsfigkn Ausländer bctreffen, weiden durch seine Vermittlung be- handelt. Die diplomatischen und Konsularyé'rtrkter Frankreichs im Ausland find mit dem Schutz dkl." madagaxfiicben Untertbanen und Inteiessen beauftragt. 4) Die Reßierung der Franzöfischen Republik bebäl! sich vor, auf Madaqaézkar die zur Ausübung ihrer Schuyhen. schaft nothwendigcn Streitkräfte zu unterhalten. _ Sie_ übernimmt die Vkrpflicbtung. der Königin won Madagaskar ibrsn sortwabrenden Schulz gegen jede kaahx zu gewähren, die sie: bedrobkn odkr die Ruhe in ibrkn Staaten gefährdkn könnte. 5) Der Genxral-Refid9nt wird die innere Verwaltung der Insel kontrolieren. " Die Königin von Madagaskar Verpflicbtetsicb, diejkniaen Resormsn durchzuführen, welche dic: französische Régierung zur AuZübung ihrer Schußberrsckxaft_ „sowie auch zur Förderung der wirtbschaftlichen Entwicklung der In1€l :md dkr Kultur für nothwxvdig erachtkn wird. 6) Die Gesammtausgabcn dkr öffentlichen Verwaltungen Madagaskars und der Schulden- diknst werdkn durch die Einnahmen der Insel gedeckt werden. Die Regikrung Jbrer„Maj€stät der Königin von Madagakkar verpflichtet sicb, ohne die Ermächtigung der Französischen Régierung ksine Anlcihe aufiunclymen. Die franiöMche Regimung übernimmt feixie Verantwort- lichkcit wegen der __Verpflicbtungen, Sch1tld€n und Konzcjfionen, welche die ngierung dEr Königin Von Madagaskar Vor der Unterzxichnung dieses Vertrags eingegangen sein 0581: bcwilligt haben_ mag; Die Regierung dchranzöfisckyk'n Republik wird dkr ngikrung dchönigm yonMadagaskar ihre Mitwirkung leibkn, um die Umwandlung der Anleihe Vom 4. Dczember 1888 zu Erleickotern. "7. und [ester Artikel. In möglichst kurzkr Zsit soll zu Liner Abgrenzung der Gebiete von Dicgo Suarcz geschliffen Werde-n. Die Gremlinie wird, soweit es die Bodengéstal- tung «kstattet, dcm 120 45“ südlichkr Breite folgen.

Der Vertrag sol] den Kammern cht nach der Rückkchr ch Generals T11ch6Snc vorgelegt werdcn. ,-

Rußland.

Tie Kaiserin - Wittwc,_ der Großfürst Michael und di? Großfürstin Olga iind am Sonnabend in S!. Petersburg eingetroffen und haben in (Hatschina Aufenthalt genommen. _

Der bisherige Minister des Innern Durnowo ist, wie „W. T. B.“ aus St. Petersburg erfährt, unter Enthebung von seinem Amt zum Präsidenten des Ministcr: comités ernannt worden. Der Gehilfe des Ministers des Innern (Horemykin ist zum VLL'WLsU' des Ministcxiums des Innern ernannt.

Nach dem „Wesinik Finanssow“ wcist der Abschluß des Reichsbudgets für1894folgende Zahlen auf: ordentlich? Einnahmen 1 153000000 Rbl. (mehr gegen Voranschlag 148000000Rbl.), AUSgabcn 991000000Rbl (mshr gcgen Voraus chlag 9000000 Ndl.) ; im Ördinarium ergab daSBudgetvon 1894 einen Ueberschuß von 162 0000002151. (mehr gegen Vor- anschlag 188000000 Ndl.). Tie außerordentlichen Ein: nahmen ergaben 78 000 000R5[._gcgen im Voranschlag vor- aesehkne 19000000 Rbl. Ter Ueber1chuß der außerord9mlichcn Ausgaben iiber die Einnahmen im Betrage von 85000000 R51. ist voUständig gedeckt durch den Usberschuß dcs ordentlicher: Budgets. “Das Endrcsultat ergiebt einen Ueb_c rschuß von 77 000000 Rbl. mid unter Uzäl)lung freier Rene aus Kredixm abgeschlossener Budgets im 0115211 92 207 852 R51.

Spanien. Zur Verstärkung der Truppenmacht auf Cuba sOULU, wic ,W. T. B.“ meldet, insgksammt noch üvsr 85000 MM:: entiandt werden.

Belgien.

Der Ministerratk) ist, wie „W. T. B.“ berichtet, am Sonnabend zu eink'r dringlich anberaumten Sißung zusammxn- Ytretén, um die von mehreren aunärtigen Mächten erhobsncn

cschwerden wegen des Verbots, mrt Dynamit beladknc Fahrzeuge an dcn Ufern der Schelde landen zu lassen, JU_ prüfen. Es wurde bkschloffen, eincn U10Üܧ 711131161 für zwei Monate zu suchen, um während dieser ZLÜ mit der Stadt Antwerpen über die Grundlage für ein Einvernehmen zu verhandeln. -

Türkei.

Bei der Audienz, welche der enSqlische Botschafter Sir Pk) Currie am Donnerstag bei dem ultan hatte und die eme Stunde währte, gab, dcm „W. T. B.“ zufolge, der Siiltcin dem Botschafter die Versicherung, daß er fest entschlossen sst, die Reformen durchzufüxren und würdige, kompetente Beamte fiir die Kontrolkommision u ernennen. Aehnlich? ZUM)?- rungen gab der Großvezier iamil Pascha. _

Die Antwort der drei Botschafter auf die [9816 Note der Pforte _betrcffs der Rsformen enihgl_t„ WW „W. T. B.“ meldet, außer der formellen EmpfangJ-dcttaiigung auch einige Einwendungen gegen die türkische Aumaffung der getroffenen Vereinbarungen. _ _

Infolge der Stimmung der armenischen Bevolkerung m Zeitun und Umgegend, welchc ernstlich den Ausbruch vo]! Unruhen besorgen lasse, lcnkten die Vcrtrcter der Mächtc_ die Aufmerksamkeit der Pforte auf diese Gefahr und crtheilten ihr freundliche Rathschläqe, welche die Pforte mit der Y_Lr- sicizerultlig bxantwortete, die nothwendigen Maßnahmen tchkn zu wo cn. _

Tas „Reuter'jche Bureau“ meldet aus Konfiantinopcl vom 26. d. M., die Pforte habe eine Depesche des (Henkxal- Gouverneurs von Bitiis erhalten, derzufolge bewchs"ejc Armenier am 25. d. M. einen Angri'" auf die Mosch“tr von Bitlis gemacht hätten, wo alle Mo amedanex zur VLN richtung des Freitaggebets versamrnklt gewesen fcie_n. xxl? Mohamedaner, durch den Angriff überrascht, hatteti "ck mit Steincn und Stöcken vcrtheidigt. Die BLHVWM

hält?". sofort zur Wikdekherstellung der Ordnung in alle“:- Quartiere der SWN Abtheilungen dé"! Polizei, Gendarmcc ,

und Militär gesandt. Ein-hxil der Armenier habe fich darauf in den Khans verbarrikadiert und fortge_fahren, fich der Waffen zu bedienen. Es habe auf beiden Seiten Todte und Verwundete gegeben. _ _

Dasselbe Bureau meldet ferner, nach Berichten aus turkischer Quelle sei bei den Unruhen in Erzingjan der Imam getödtet morden, worauf die Mohamedaner dic Armenier angriffen und 50 getödtet hätten; auf _türkischer Seite seien 10 Todte gezählt morden; schließlich sei die Ordnung wiederhergeftelli worden. Im Distrikt von Musch seien gleichfaas Unruhen auSgebrocben; Einzelheiten fehlten. _ _

In Cetin1e lst die Nachricht aus Skutari eingetroffen, daß daselbst ein blutiger Konflikt zwischen_M_ohame_daneru und Katholiken stattgefunden habe. Am beiden Seiten habe es Todte und Verwundete gegeben.

Rumänien.

In einer sehr zahlreich besuchten _politiichxn Versammlung in Jassy entwickelte gestern der Minister-Prafident Sturdza das Programm der Regierung. Dcm_„W. T. B.“ zu: folge, bezeichnete der Minister-Präfident als die zu crstrebenden iele: strenge Beobachtung der Geseße in allen Zweigen der c*taatsm-„rwaltung, vollste Wahlfreiheit, Wiederbelebung der bäuerlichen Bevölkerungsklaffe und Hebung ihrer ökonomischen Lage, Abschasung der Kopfstcuer und dcr ausschließlich auf dem Bauerntandc lastxnden Spezialsteuer fiir ÖM Klerus, Wiederhersteüun des budgetären (Gleichgewichts ohne neue Steuern durch inschränkung dcr AuSgaben und Ersparungen in der Vkrwaltung, Ordnung der Disziplin in dsr Armee, sowie Reformen in der kirchlichen GessZ-gebnng und dem öffentlichen Unterricht. In Betreff dex auswärtigen Politik Rumäniens führte der Minister-Vräyith im wesdntlichen Folgendes aus: Die moderne äußere Politik Rumäniens sei auf dem Schlachtfelde von Plewna eingeweiht und durch die Erhebung Rumäniens zum Range einc-s Königreichs befestigt worden. Durchfeincci cnc Kraft und cixicne Leistung habe RU- mänien sichfeine UnabYängigkeit und seine: gcachtctc Stellung in dem europäischen Konzert errungkn, und Es Habe auch das Bewußtsein seiner Vkrantwortlichkeit, was sein? zivilisatorische Sendung im Oriknt betreffe; es werde auf diesem dUrck) ieme nationale EntwicklUng vorgeschriebenen Wege _perharren. „In der nationalen Frage“, fuhr der Minister-Prändcnt foxt, „ist unsere Haltung eine klare und bestimmte'. EH ist_em- leuchtend, “daß wir uns allen agitawrischsn Eingreifens in die inneren Angelegenheiten der uns bcnachbarten Staaten, insbesondere in diejenigen der österreichisch:unga- rischen Monarchie, enthaltsn müffcn. Man hat _uns des Jrrc- dentismus bsschuldigt, namkntlick) auch, daß wir umere Stammes- gcnoffen in Ungarn zum Widerstande gegen Geseß und Ordnung reizten. Eine dsrartige Haltung war _memals die unsri 2; wir liaben niemals dicse Nichinng einae1chlagen, die eine Lehrvere (Gefahr für uns in sich schlicßcn müßte, fgllsmdas gleiche Verfahren gcaen Uns angewendet würde. Die o1t_cr- rsichisch-ungarische Monarchie ganz bcsondch bildet eine Nothwendigkeif ersten Ranges sowohl für das Gleich- ?_ewicht Europas, wie für die Sicherheit des rumänischen önigrcichs. In diesem Pnnkw hat es hier me eine Meinung?:- vsrschiedknheit gegeben, und kann es keine geben. Der JrredentiSmus in Rumänien, fall-I er bestände, wäre eine Absurdität, und die Rumänen werden das Unmögliche und Absurde bei der Wahrncbmnng ihrsr Angelegenheiten stets zu meiden wissen. Kein urthcilsfähiqer Mensch von gesundem Sinn in Rumänisn dekt an Jrredcniichus odcr Tako- Rumanismus. Man behauptet auch, daß wir uns in die inneren Angelegenlkiten Ungarns einmischen wolltcn. Nichts Hat unseren Absi ten jkmal-Z fernsr gelegen. Wir sind alle von dem Wunsch crfüüi, daß die Kämpfc und Konflikte zwischen Rumänien und Ungarn emden und durch briidcrlicbe Eintracht abgelöst wxrden; denn das beiderseitige Interesse fordert es, daß Rumänien und Ungarn freundschaftliche Bc- ziebungkn unterhalten. Gerade cht stehen wir einem ipontancn, wichtigen Akte des Kaiser?» Franz Jostpk) chem: iiber, der auch für uns hikr in Rumänien von guter Vorbedeutung für die Zukunft ist. Wir freuen uns dic[cr Kundgebung hohcr Milde, sowic jcdks Aktes, der umerc Beziehungen zu Oesterrcich:Ungarn auf solide Grundlagcn stkllt, dieselben befestigt und andererseits die Harmonie kräftigt; denn unssre Anstrengungen müssen auf Erhaltung freundschaftlichster Beziehungen zwischen beiden Ländcrn gerichtci skin. *Diese chanksnrichtuw kennzeichnet dcn Weg, den wir verfolgen werden.“ Die * usfiihrungen des Minister:Präsidentcn fanden stürmischen_ Beifall.

Ein Rundschrciben dcs Mmister:Prä1identen Sturdza an die ertretcr Rumäniens im Auslande verständiZii dieselben, daß auf dem Gebiete der äußeren Politik umäniens infol, e des Regierungswcchscls durchaus keine Aenderung beabrchtigt werde.

Dänemark.

Wie „W. T. B.“ aus Kopenhagen berichtet, wurde in einerVersammlungdchelegirtcnderParteidechchten, nachdem ein Kompromiß zwischen der bisherigen Verwaltung und der Partei ruppe des Kammerherrn Jacob Scaveniiis erzielt worden war, eschloffcn, eine gcmeinjame Orga_n1sati0n der ganzen Partei 1: bilden, und zwar unter einem V?x- waltungsratk) von ZGzMitglicdern, in welchen jede Partei- §chattierung 15 Mitgliedsr wählen soU._ Ferner wurde be; 1chl0ssen, das VerwaltungSraihsmitglied Zitten zu beauftxacxen, em Parteiprogramm ausznarveitcn, welches der nachsten Delegirtenversammlung vorgelegt werden sol].

Asien.

_ Wie die japanischen Zeitungen meldcn,_1vären der bis»- ÜMJL japanische Gesandte für Korca Minka und andere: Japaner bei ihrer Ankunft in Ujina verhaftet worden.

. Nach der Eroberung von Takao auf Formosa haben dW japanischen Truppen auch Tainanfu eingenommen.

Afrika.

Nack) einer in Rom eingetroffenen Privatdepescbe atis Adna vom 26. d. M. fcßten die italienischcrx Tryppxn _ die kafolgung Ras Mangascha's fort, welcher 1155 Mit wcmgen LMM" nach Schoa geflüchtet hab?. DJS Ger_ucht vom Tddc ch Konigs Menelik dCstätige sick) mchi, melmskw scheine dkffkn Vormarsch bis Boroumieda sicher zn sein. Es Wanke, die Häuptlinge der Ambara und Laska sowxx_and_ere 1cien abtrünnif geworden und hätten dem Rufe_Mene11k_s__ nicbt Misprochen, Einer von ihnen habe vcrsmcht, die Uxttcrxtixßung der Mahdisten zu erhalten, die Verhandlungen hatten jedoch bisher zu keinem Resultate gefiihrt.

Aus Tananarivo wird gemeldet, sämmtliche Truppen der Yaswgierunq seien entwaffnet und _enilaffen_ worden. Der eral Duche§ne habe eine neue Miliz gebildet, die unter dem direkten Oberbefehl der Franzosen stehe.

Kunst und Wissenschaft. "

Die juristische akultät der Uniwersität Leipzig _bat an- läßlich der Feier der e«'.blußsieinlikgung im Reichsgerichtßgebaudß zu Ebrendoktoren promoviert: die Senats-Präfidenten beim Reichs- aericht von Wolff, Peterssen, Dänbardt und von Bymbard, __den Ober-Reichéanwalt Tefsendorff, die Reich§gerichts-Ratbe Nanow- Meischeid€r, MMS, Löwenstein, von Bülow und Rxbbenz. _dte Rechtßanrvalte Buffenius, Arndts und Romberg. Dre feierliche Ueberreichuna der Diplome erfolgte durch den Dekan der Fakultat, Geheimen Rath Or. Wach. _ _

- In der Kolonie Dietrichsfeld, etwa 8]er nordoxtltcb von Aurich, wurde vor einiger eit beim Abgraben eines Sandbugels in einer Tiefe von angeblich 7 us; ein Tovf aus gebrcznntem Thon mit einer großrn Anzahl Silbermünxen _und einrgew anderen Silbertbeilen aufgedeckt. Die Münzen find, wweit sie blekr ent: ziffert werden konnten, deutschen Ursprungs, sogenannte Denare, Halbdenare, Brakteatyn und Nachmünxen, theils aus dem Ende des 10., tbkils aus dem Anfang des 11. Jahrhunderts. Der Fund wrrd also in den Anfang oder die Mitte du's 11. JaHrhunderts zu setzen sein. Er Erscheint naä) den bisherigen Feststdllungen, _ahgeskben von dem numismatifchen Wert!), für die Geschichte Ostfrisslands don nicht geringer Bedeutung.

Gesundheitswesen, Thierkraukheiien nnd Absperrungs- Maßregeln.

Algerien. Zufolge Verfügung dss General-GouverneMquis in Algier _50m 18. d. M. unterliegen Hsrkünfte aus Damiette_ m_ den (x_lgerrscben Häfen einer Desinfektion und Jsolieruna. Auch ist für Herkunfte qus dem Übrigen Egypten sowie aus Kleinasien und Marokko eine Uebkrwachung angeordnet.

Wisn, 26. Oktobkr. (W. T. V.) Der Minister,;Präfident m_nd Minister des Innern Graf Badeni richt€te an die Staiibaltéreien zu Wien, Prag und Brünn sowie an die Landeßregierung€n_m Txopvan und Czkrnowiy eincn (Erlaß, Welcher anordnet. daß niit Rucksicht auf die Ausbreitung der Chokera in Galizien der Uxberwacbung des Gesundheitözustandes der Bevölkerung eine erhöhte Ausmerkiamkszt gewidtmt und die entsprechenden Vorkehrungsn gxtroffen sowxe die Gemeinden zur strengen Handhabung der Vorschriften der Fremdsn- polizei eindringlich aufgcfordert werdcn.

Handel und GeWerbe.

Vor der Amsterdamer_ Firma A. v. d. Burg wird seitens der dortigen Polizeibehordc gewarnt.

Tägliche Wagengestellung für Kohlen und Koks

an der Ruhr und in Obersch[2sien. _

An der Ruhr sind am 26. d. M. gesiellt 10 562,_ m_cbi recht- ieitig geilem 2838 Wagen; am 24. Oktober find, wie berichtigend _g_e- meldet wird (vgl. Nr. 256 O. Bl.), gestellt 10 386, nicht rechtzertig gestsklt 2158 Wagen. _

In Oberschlesien smd am 25. d. M. gestellj 4368, nicht Uchi- seitig gestellt 1198 Wagen.

- Die heutige außsrordentlicbe Gsneralversammlung dcs .Hoerder Bergwerks- und Hüttenwereins“ nahm die An- Trägs an auf Begehung Von 5020 000 % VorzugSaktikn und Auf- nahme: einer vier rozentigen Anleibs irn Betrage “„on 10 Millionen „Fark zur Rückza lung der“ alten fünfprozentiqen Anleihe. Die Aktio- näre Erhalten auf 4 alte eine neue VorzugSaktie zum Kurse von 105.

Verdingungen im Anstande.

Oestkrreicb-Ungarn.

4. Novembsr, 4 Uhr. K. und K. See-Arsknals-Kommarido in Pola: Lieferung für das Jahr 1896, und zwar: Loos [ Bretter und Staffelbölzer aucl Tannen- und Lärchenbolz, Loos ?] Lsinöl, Loos U11 RindSunschliit, Loos Ulll Graue Waschseife, Unscblittkerzen und Stearinkerzen, Loos 1T Besen nnd Robrdecksn, Loos F1 Bürsten und Pinsslwaaren, Loos Fl] Holzkohle, Loos )(17 Rosettenkupfer, Barrcn, Draht. Bleche und Nägel aus Kupfsr. Loos Tsa Verschiedene Röhrsn aus Kupfer, Loos )(175 Verschiedene Röhren aus MUUHMLTAÜ, Loos )(171 Barr-Zn urid Beschlagblecbe ans Mun metall, Loosxsjll Messing in Barren. Stangen und Blechen, Effingdrabt, 8005 )()(111 Kardusen- säcksl-Seidenzeug, Loos )(Lks Likferum; von dünnen Tausorten, sowie sonstigen Erzeugnissen aus Hanf, Loos )()(171 Spagate aus ungetheertem Hanf, Loos FTTUU Kotzen (Decken). Näheres bei dir bezeichnete11 Behörde, sowie bei der Kanzlei-Direktion der Marine- Sektion des K. und K. Reichs-Kriegs-Ministeriums in Wien und dem K. und K. Seebezirks-Kommando in Triest.

Niederlande.

4. Nobember. Lic-ferung des Zimmcr-, Eisem, Glas- und Farbenmatérials für 23 Arbeiterwokynungen zu Helmond. Be- dingungsbeft gegen Bezahlung von 0,50 Fc. erhältlich bei dem Buchbandler J. de Nevdt daselbst.

' Verkehrs-Anftalten.

Die am Schluß des zweiten Quartals dieses Jahres bcgonnenen Arbeiten zur Anlegung eines Zufluchtsbafcns bei dem an der Elbe belegenen Flecken Blkckede (Reg.-Bcz. Lüneburg) find so gs- fördert worden, daß man den Hafen im nächsten Winter in Gebrauch nehmen zu können hofft. Auch die Arbeiten zur HLrsieüung einer Kleinbahn im Kreise Bleckede Von Dahlenburg über Bleckede nach Echem smd in voÜem Gange.

Theater und Musik.

Königliches Schauspielhaus.

AmSonnabend gingen zwei dramatische Neuheiten: „Nie m and Weiß e_ß“, dreiBilder Von Theodor Wolff, und „Frauenlob', ein Lizstxpiel in drei Aufzügen von Rudolph Lothar, zum ersten Malgn Scene. Das erste Stück „Niemand Weiß eZ“ biete't drei scenijcbe Bilder yon poetisckoem Reiz dar: Das zierliche japanische Mädchen Tajo heiratbet der) Fürsten ihres Landss, obgleich sie den Malk: Yori liebt. Der Grund dre er n'eigungslosen Hkiratb bleibt für den ZusckxaULr Gebeimniß, aber man begreift, daß das Wiedkrsehen der Liebenden die alte Flamme wieder heftig anfacht, und daß Yori den Fürsten tödtet, der die zärtlich Flüsternden überrascht. Tajo, die schuldige Fürstin, stürzt sich _stumm in ein Schwert, nachdem Yori, der (TUM Fragen gegenüber tiefes Schweigen bewahrt, von den Dienern des Hauses zum qualyyllen Tode geführt Wurde. Die eigentliche Handlung ist knapp gehalten, denn die drei Abtheilunqen des Bühnenwerks zeigen in einer Füße poetischer, (1er für das Schicksal der Liebendkn ncbknsächlicher Kleinmalerei in kargen Zügen den Abschied der Liebenden, das Wiedersehen und das tragische Ende obne wirkliche psychologische Begründung der Vorgänge, - was um so stärker auffäklt, als das Liebed- paar im Dialog nur Wenig nationale, also japanische Eigenart zeigt. Der Hauptreiz des Stückz liegt in der zarten dichterischen, aber rein lyrischen Stimmung, _die in den sceniscben Bildern ihren Ausdruck findet und der die? Kunst des Dekoxationsmalers und der Regie der- ständnißWll zu Hilfe gekommen iit- Der japanixcbe Frühlingstag formte kaum klarer und duftYer dargestellt wsrden, als in dLrScsneric des ersten Bildes. Leichte Schneefarchen bedecken noch den kahlen

Gipfel des nahm Berges, der von einem lichiblauen; bellen Frühlings- bimmel fich abhebt, während im Thal aUe Bguxne in Blütbe stehen. Der Maler Yori malt in der w_onnigen, iri7chen Natur, ein Märchknerzäbler liest eine zierliche Geschichte, Tajo tritt leise unter den blühenden Kirschbaum, und Musik und Mädch€nlachen erklingen in der Ferne. Wenn dann die drei _Gesvielinnen Tajo's, durch die Damen von Hochenburger, POVVL _und Lindnkrdax estellt, mit Blütben in den Händen und unter Saitenklang MM 11er die Bühne schreitkn, so ist Line (cbt voetische Stimmung erwc'ckt, und man ent- bsbrt in solchen Augeublicken kaum die fehlende_ drawatiscbe Bewegung. Fräulein Von Mayburg spielte die _zarte Tajx) mrx §Zinmutb; Herr Minkowski) gab den Maler sympathisch und PSU? Klein den Fürstén würdig. _ _ _

Tas Lustipiel .Frauenlob' erfüllte ietxien Zweck, eine xrohfinnigs, luftige Stimmung zu erzeugen. Der Heldin dcs Stückc's, Mathilde, die sich für eine junge Frau ausgiebt, um denehesckpeuenjungen Hexren eine Lektion zu kab21[€!l, find viele treffende urid erbeiternde Be- merkungen in den Mund gklegt, dix: lebhaften Wierbakl bei den Zu- hörern und Zuschaucrn fanden. Die handcindsn Personen entwickkln alle einen géwiffen Humor, _scbon durcb de_n Gegensas, __dcr zwisch6n ibrem eigentlichen Lebensbc'rus uud ihrer dörfliäyen L€k€n§wetis in einer ab- gelsgenen Alpknsommerfxische bestsht. Eine berihmte Sgngcrin findet disc ibr höchstes Glück in derocksunst, die fit: mit Eifer bétreibi; ein „tragischer Lisbbaber' schrcit€t mit Verwildexrtem Bartwuckos als Tiroler Bursche von den Bergen, ein Kapellmeister widmet _si_ch dem Jagerlatein und dér Abhärtungskur und ein gesürchtet€r,.xriti1cher Frausnbaffkr wird Von einem naivsn jumwn Madchen, der SchchLst€k dss tragischen Lieb- babers, übcrwundcn. Die Ebklchéuen werden 10 gründlich bskebrt, daß drei Brautpaare fick) am Schluß beglückt dix: Hande r2ichen. - Fräulein Popp? spielte die Rolle dEr Mgtbilde mit Anmut!) und (Heist; Fräulein Hausner führte den Kritiker und gutmütbigen Weibkrfsind sebr €u€rgisch zu cinex gcmnderen Lehensanschauung und Frau won Hockpcnduiger (3011 ihrer Lust gm Kochen fast begeistsrten Außdruck. Die .Herren Klkin, Keßler und Y,“)Lxßcr charakti-risixrtsn die ebkscheuen Liebba er mit guteyLaunc, und »er I)iolenar s11chtch aus dem Kraftmenschen und dem Kapellmeister eine glückliche Mischung bkrzustLÜen. Heri) Volimér (1er hatti? dsn größrén Erfolg in der Rolle des trasiyckpen Lieblyabers, der eitel wie Narziß, selbst- gefäUig und zärtliäxsn Blicks sein xchönes Antlitz und seine noch schönere Garderobe mustsrt,_ als ein neue'r Stern am Himmk! der kleinsn Künstlerkolonie aunaucbt und skin Psrz schnellst schlagen macht. - Lkbkyafter Bsifall risf nach jedem Akt den Verfasser vor

dsn Vorhang. _ Deutsches Theatsr.

Fulda woklte Einmal dic moosrne Geskllschaft, wie er fi? kennt, mit aukcrn Worten die Piutokratik, in Lill?! Sitaation zeigkn, in welch€r das Y_nseben OSS Geldi's', dss Titiéls, di-r Reklame nicht:? gilt und M M€n1ch nur iiach !einem individusklen Wi'rthe bemcffkn wird. Zu dieskm Zw€ck €r|ann Lr eine Geschichicch wie fie etwa Julks Berne, de_r gkninE Romantiker der Technik und dsr Erfindungcn in den .Kindkrn dcs Kapitän Grant“ odsr dEr ,Geheimni“vacn, Insel“ behandslt - 11111? mit dem Unxerschiedx, daß Fulda an gei treichkn Einfäilen und phantxfieyollkr AuÖgeitqlfung déi“ Ereigniss? weit hinter sLjan Vorgängerzurückstkbt. Abe'r 1chon Julks Vsrne's Werke find nur in ihrer ursprünglichen Romanform rkizdoll; dramatifiert haben sii- den _Wkg aus dic Ausstattungsbübnen gesunden und wirkten dort im Weientlichen dnrck) den _ Glanz, dkl." ihnen vkrlieben wsrdsn konnte, und darch die technischen Wunder der maschineUi'n Bübnxn- einrichtung?» DLnft _man sich diE Nachahmung Liner solchen Drama- tifierung auch noch dikkcr äußeren Reizmiltel bxraubf, so kann man sich dLn Eindruck von „Robinsons Eiland", Komödie in 4 Akten von Ludwig Fulda, die am Sonnabend zunierstenMale aufgcfüvrt wurdc, Vergkgenwärtigkn. Der Einzig? Unter1chied ist der, daß Jules Verne seine Charaktere nur zu dem Zivicke_ zkichn€te, um zu unterhalten, Ludwig Fulda bingkgen, um ein 1oziales Problkm zu lösen; und was das Cbarafterifisruxgsvermögen an sich bstrifft, so giebt dsr ältsre Franzoss, deffsn 1charfe Beobachtungsgabe bekannt ist, dem ncudkutschen Dichier Fulda in kiincm Punkte nach. Um skin Zel zu erreichen, läßt Fulda einkn Kommerzien-Ratb mit ssincm ganzkn [iibsdienerisckpen (Gefolge, in wslch€m sich sogar ein moralisch und finanziell eruniergekommcner Fürstensproß befindet, gklegentlick) einer (Hk'xcllschaitIreiyc um die Welt auf einer Einsam€n nnbewobnten Jnsel_ mitten im Özkan straziden, wo jeder unter gleichem Bedingungen din Kgmpf um's Dassin aufnehmen muß. Hier zeigt sich natürlich, daß praktijckyer Vkrstand und förperlicheKräftc mchr wertk) sind als (ine Tajche voll Gold, Abnenftolz" und eine? Verweicblicbtc? Kon- stitution. Die erstewn Eigenschaftsn ÖLULT, wie in den Erzeugniffen vormärzlicher Literatur, nur ein armer Bürgerssobn, Arnold PaLm, den der Kommerzien-Ratb daheim aus seinén Diénsten gc'jagt dane und der sich als Heizsr axiBord dsr uniergegangensn „Utopia“ befand, dic letztsren der KonnnNzien-Ralk) und Fürst Harten- stein, die sich gegenssitig im albkrnen Benehmen überbieisn. Die übrigen Personén, die in Europa die Autorität dicrar beiden rückhaltlos anerkannt batten,_ _ wäblm bier einstimmig Arnold Palm zum Führer, ]odaß nun Lin kléincr Miniaturstaat mit umgekebrm Weltordnung enfstebt. Der dritte Akt der Komödie, wAcher uns diese Ziiständk und di€ Personen in ihren selbstgsfcrtigten Bastklsidßrn vorführt, bildet den Höhepunkt dss Stücks; man muß dem Dichter [;_iÜig Einräumen, daß echter Humor und feine Satire bi€r cinigermaßen für die im übrigen vmherr- schende Nüchtsrnhsit entschädigen; nur dsr Schluß , wo als (10115 (3:4 1111181111111 ein dkutsche'r Matinc-Offizicr ersch€int, um. nach flüchtigér Begrüßung die GLre'ttete'n zu einem solénnen Frühstück ein uladcn, fällt in die Banalität zurück. Tsr vierte Akt oder die Rückkehr in die Heimaxk) und in die alten Vsrhältniffe gicbt dcm Ganzkn cinen possenbaffen Schluß. Arnold Palm wird durch Vkr- mittelung des plöylich Vernüuftig gewordsnen Fürsten zum Gonderneur d€r neuentdeckten Insel ernaxmt und Herlobt fich mit der Nichts des Kommerzien-Raths, die ihm für seine Heldenthatsn bis ans Ende der Welt zu folgen gewilli ist.

Die Darstxllec nahmen fich dcs Werks midaüer Wärme an und erzielten in dem dritten Akt Linen VOÜLU' Erfolg. Genannt skicn Hcrr Hermann Müller als Kommerzien-Ratk), Agnes Sorma als dessen Nichte, Rudolf Rittner als Arnold Palm und Reicher als Fürst Hartenstein.

Neues Theatkr.

Vikl Gutes ist den beidkn Novitäten, w81chc gkstern Linkm zahl- reichen Sonntagspublikum zur Bcurtbeilun Vorgsfübrt wurdsn, leider nicht nachzurübmen. Das einleitende Wurf „10 000 Fux": boch“, Plauderei in einem Aufiuge don Frixz Wangenhcim, hätte mit einigen kräftigen Str8ichungen und bei zureicbsndcr DarstkÜung reckt wohl gefalicn könncn. Die Idee, ein jungks Paar gelcgkntlick) Link!: We'rgpartie in Liner [)ochgelsgenen Alpenbütte zusammenzufübrc'n und dort eine Véclobungsscene, ähnlich wie fic Pohl im Einakte'r „Die Schulreitcrin' ersonnen bat, zu schildern, ist an sich nicht übel. Aber eine Plauderei mus; kurz sein, und die Darstkller müssen wirklich p[audkrn können, sonst bleibt die Wirkung aus. Die Kunst zu plaudern war den beidkn Vertretern der Hauptrollen, Yorrn Weiß und Fräulein Förster, leider garnicht eigen, sodaß die Sccns den Charakter eines angweiligen Gesprächs annahm und die Zuhörer crleichtert auf- atbmeten, als sie zu Ende war. Die ngic hatte dem Stücke äußerlich alle Wabrscbeinlichkeit Verlieben, auch die Rolien der bkiden Berg- führer waren durch die Herren Kran:? und Adékék angemcsscn beseßt.

Das zweite Stück des Abend.“, ein dreiaftiger Schwank von Alexandre Bisson, „Der tapfere Cardunois“ ([Lbéroiqns (181111111015), wurde zwar fiott gespielt, litt aber ebenfalls an 011511- großer Länge. Das (Hrnndmotiv, daß ein Ehemann sich den Schi-in des Heldentbums giebt, um scine'rLZrau zu gefaÜen, reicht für drei Akte nicht bin. Die immerwährenden _ iedcrbolungen gleich,;earteter Scknen obnejegljche Spannung wirken auf die Dguer ermüdend. Den tapferen Cardunois spislté Herr Pansa mix vielem Humor, leidekr aber nicht überall verständlich. Auch dic Herren Gkorg und Pagay find lobend hervor- zubkben. Untcr den Damen z€ichnct6n fich Jda Becker und Frida Wagen aus. Fräulsin Rügbcimer spielte ein weinerliches Dienst- mädchen glaubhaft und natürlich.