1896 / 22 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 24 Jan 1896 18:00:01 GMT) scan diff

'“ ; “kan gewaltigen WW da Verkeörs den Bedürfnissen ck MM und des Publikums gerecht werden wollten; ich

Boke, mit allen Neubauten in böcbkens 3 Iabren fertig

“' ja sein. Allerdings werden nachher die Enveiterungsbauten *in den größeren Städten an die Reihe kommen; wie der jesige Etat zeigt, baben wir schon in Dresden und Leivzig einen Anfang gemaét. Wir haben dor! erst vor fünfzehn Jabren Neu- bauten aufgeführt; sie reichen jeßt schon nicht mehr aus. Die Zahl dieser Weiterungsbauten wird nicht besonders groß sein, aber wohl die Kostspieiigkeit, Weil der Ankauf des tbeuren Grund und Bodens in der Mitte der Städte, wo sich die Posigebäude befinden müßen, bedeutende Aufwendungen erfordert.

.Meine Herren, ich habe mir rrlaubt, Ihnen hier eine Mappe mit den Hauptpostgebäuden, die in fremden Ländern gebaut worden sind, vorzulegen. Sie werden aus diesen Bläitern entnehmen, daß wir keineswegs uns durch überflüssigen Luxus auszeichnen. (Es find das Gebäude in Liverpool, in Melbourne und in anderen Städten verschiebener Weltrheile. Ich will nur bemerke'n, daß das neue Post- gebäude in Livrrpool 5 Miliionen Mark Baukosten verursacht hat. Liverpool ist allerdings ein großes VerkehrSzentrum, obwohl nicht größer (116 Hamburg; aber es kommt in Betracht, daß die englische Post- verwaltung keine eigentliche Packetpoft iii unserem Sinne hat, nament- lich keine „so ausgedehnte, auch keine Geldpost, und daß fie sich mit der Expedition der Zeitungen nicbt befaßt. Sie ist im wesentlichen eine Briefpost, während grrade der Fahrpostdienst, der Packetdirnst diese großen Räume, die wir in der Parterrelage in Anspruch nehmen müssen, nötbig macht; dadurch wird schon der Ankauf der Grur-dsiiicke wesentlich vertbeuert. Es wird da aber ein so großer Werth auf die Post als Verkehrsanstalt gelegt, das; z. B. bei der Einweihung des

* Postgebäudes in Liverpool Seine Königliche Hoheit der Prinz von Wales selbst anwesend war; ebenso war vor drei Jahren, als das neue Postgebäude in Boston eingsweibt Wurde, sogar der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika dabei gegenwärtig.

Wenn nun _ ich glaube die Vermuthung herausgebört zu haben, nicht aus den Worten, sondern aus der Stimmung des verehrten Herrn Abgeordneten; ich wil] mich aber gern bescheiden _ dort auf jener Seite des Hauses, was ich sehr brdaure, die Meinung besteht, daß zu luxuriös gebaut werde, so möchte ich mir erlaub n, den geehrten Herren eine Verfiigung vorzulesen, die der Staatssekretär des Reichs- Postamts, also der die Ehre bat, hier vor Ihnen zu stehen, am 21. September 1893 erlassen hat. Sie lautet:

In [ester Zeit haben mehrfach wieder Anträge der Kaiserlichen Ober-Postdirektioncn beireffs Errichtung von Mietböpostgebäuden beanstandet werden müssen, weil die geplanten Auwandungcn im Verhältniß zu dem Geschäftsumfang der Postämter und der Verkehrs- bedeutung der Orte zu weit gingen. In einem Falle war ein zu tbeurer Bauplaß gewählt, in einigen anderen Fällen hinsichtlich der Aus- gestaltung der Gebäude iiber das Bedürfnis; erheblich hinaus- gegangen worden. Ich nkbme hieraus Veranlassung, unter Bizug- nahme auf die Wegen tbunlicbster Einschränkung der Bstriebs- aUSJaben ergangenen Erlasse (vom 9. und 16. Juni 1890),

_ und nun kommt eine ganze Anzahl von Erlaffen, die auf die Spar- samkeit drücken _ den Kaiserlichen Ober-Posidirrktionen angemessene Wirtblichkeit bei den Außgaben für Mietbspostgebäude erneut anzuempfehlen. Ins- besondere mache ich auf Folgendes aufmerksam:

Die Errichtung von Mietbspostgebäuden darf nach wie vor nur für solche Orte in Aussicht genommen werden, wo eine zweckmäßige Unterbringung des Postamts in vorbandrnen Räumen zu biliigexcm Preise nicht zu erlangen ist. Für kleinere Postämter wird danach, soweit nicht, wie z.B. in Kurorten, besondkre Verhältniss obwaiten, die Errichtung von MiethSpostgebäuden auf Ausnahmefälle beschränkt bleiben könnkn.

Hinsichtlich des Bauplans ist selbstverständiici) Werth darauf zu legen, daß die Ranmabmeffungen, dem Bedürfnisse des zu- nehmenden Posi- und Telegraphenberkebrs entsprechend, von vori-bkrein auskömmlich genommen werden, daß der Bau in zwrckmäßiger Ein- richtung, aus gutem Material und mit sorgfältiger Arbeit aussie- führt wird, und daf; das Gebäude auch ein entsprechendes Aeußere “erhält. Ein von diesem Gesichtspunkte aus unnötbiger Aufivand ist dagegen unbedingt zu vermeidkn. Namentlich wiederhole ich, daß kleinere Mietbspostgebäude an Orten von ge- ringer Bedeutung keine besondere archite'ktoniscbe Behandlung zu erfahren haben, vielmehr in einer einfachen, der ortsüblichen Bau- weise angepaßten Form herzustellen sind.

Meine Herren, diese Verfügung babe ich gerade erlassen infolge einer Anregung, die vor zwei Jahren hier von der rechten Seite des Hauses gegeben wurde. Ich möchte wobl glauben, daß das für jeßt genügen wird, und ich bitte also, die Prfition zu genehmigen.

Abg. Schmidt-Warburg (Zentr.) spricht seine Befriedigung über die Ausführungen des Abg. von Leipziger aus. Er sei immer der Anschauung gewesen, das; der Staatssekretär drs R=-ichs-Postamts u splendid baue; aber er babe mit seinem Antiage im Reichstag ein Glück gehabt und würde auch jetzt keint-n Erfolg b?brn, wcnn ber Antraggesi Ut werden würde, den Posten für den ersten Neubau, das Dienst-

xebäude in Apolda an die Kommission zurückzuverweisen. Dis Ver-

ügun , des Staqtssxkretärs Von 1893 babe ibm besser gefallen, als ein mwei* aui Liwerpool. Die Bauten der reicheren E;!ßländér

!olite der Staatsftkretär sich nicht zum Muster nehmen. Erfreulich

ei es, daß erhebliche Abstriche wenigstens bei den Dienstwohnungen

gemacht worden seien.

Ab? 1)r. Lingens (Zenit) warnt davor, die Bauten aiizusebr zu en

bescbtän . Denn w-nn der Verkehr sich stki ere, wie solle das Be- dürfniß befriedigt werden, wenn der Bau zu beizckiränkt ist? Es müsse eine gewisse Mittellinie gefunden werden.

Abg. Singer (Soz.): Es ist doch ein seltsames Zeichen der eit, daß seitens der Konservativen und des Zentrums so großer ertb auf die Sparsamkeit bei den Postbauten gelegt wird. Aber

bei den viele Millionen umfassenden Etats der Militär- und Marine- verwaltung merkt man von dieier Sparsamkeit garnichts. Daß bci Yostbauten zu_großer quus h((rrscht, ist in mancher Hinsicht unrichti . n Troßeq Stadien ist am gewisser Luxus nieht zu vermeiden, weil d e Gebaude m den Mittelpunkt des Verkehrs gefreut werden. Wenn Kerr von Sjepbän nicht bloß gut- Diknsträume herstellen, sondern auch ur das Wohl seiner Beamten be“ er sor en würde, so könnte er sich unserer voÜsten Zustimmung ver 1chrrt alten. Durch die Bauten ; afft die Postverwatung Arbeit, denn fie hält nach Möglichkeit daran ct, daß_a11e Arbeiten in der betreffenden Stadt selbst hergestellt werden, für welche das Gebaude bkstimmt ist. Diejeni en, die die Regierung auffordern„ für Militär und Marine mrhr usgabm zu machen,"also für chauvminifche wecke, können sich doch nicht aufregen, wenn fur die Postbauten, al o für kulturelle Aufgaben, Geld be- wiUiF wir . bg. Graf Limburg-Stirum [d. kons.): Der Vorredner deutete an, daß das Haus aus politischen Motiven gerade bei den Post-

bauien auf Sparsamkeit „sede; während yir bei Militär- und Motive- fragen Qlte Milliénen WAW, wollten wir bkr ern. Die GMFtsmmkte der Sparsamkeit werden wie bei „den Po uten in genau demselben Maße bei der Armee und, Marme_ ebandbabt. Was wir tadeln, ist der übertriebene Luxus rn der an Eren Aus- stattun . Bei alier Bewunderung für m_ gro en Kulturleisiungen der ot halten wir die Postverwaltung nicbt f r berechtigt, durch ihr orgeben den Sinn für verschwenderisch: imd schöne Bauten ins Land binauSzutragcn. Die Post muß, allerdings fur den Verkehr sorgen; aber einen größeren Luxus, xtne größere Schönheit in den Bauten, als die Finanzen gestatten, billigen wir nicht. Es isi die allgemeine Meinung, daß die Postbautxn em schlechtes Beisxrel für alie anderen Ressorts waren. Wahrend man 71-1) fruher mit einfachen Bauten begnügte für Regierungsgebaixde 2c., kam durch die verschwenderifcbm und luxyriöse'n Poitbauten der Sim: darauf, daß überhaupt die Banden verichwendemcbdus e- stattet werden müßten. Dem müssen wir auf das entschieden te entgegentreten. Ich habe mit Freude gesehen, daß der Einfluß _der Finanzmach im Reich in diesem Jahre dafür gksorgt zu „5.1qu schemt, daß der Luxus in den Piänen nicht in dem Maße auftritt wie s-onst. Das Parlamsnt ist nicht im stande, in diesem Julie Spatiatnkeix zu üben, denn die Interessenten aus den verschiedenen Lgndestheiien Engagiéren sich und ihre Parteikn gegenseiitg, fiir die einzelnen Bauten zu stimmen, und schließlich stimmt aiirs'dafuw Darumnbabe ich das Wort ergriffen, um die Finanzmacht tm Rexel) zu starken

und ihr zu sagen, daß fie im Reichstag Zustimmung hat für ihre“

Bestrebungen.

Die ferneren Raten für bereits früher bxwilligte Bauten werden ohne Debatte bcwilli t,„cbcnsr_) die meisten Neubauten. Nur bei dem Pos1_ ebäude in Freiburg 1. B. erklart cz'uf eme An: rsgung des Abg. urbe (Zentr) dcr Staatssrkresar Dr. von Stephan:

Ich rrksnne an, was dsr geehrte Hsrr Vorredner gksagt Hat, das; zn Freiburg das Bedürfnis; nach Erweiterung drr Räume anfängt fich fühlbar zu machen. Wir babrn das schon bei Erbaiiung drs jeßigen Posigebäudes, das vielieicbt auch erst 20 Jahre steht, voraus- gesehen. Das angekaufte Grundstück war eben nicht größyr, wir mußten uns nach ibm kinricipt-en. Durch Verseßung des dan'ialigen Professors 1)1'. Kußmaul nach Straßburg wurde nun dksse'n Villa frei, die an das Haus anstößt. Da haben wir das Haus kaufen könnkn, sodaß die Erwerbung von Grund und Vodin keine Schwierig- keit mehr macht. Der geäußerte Wunsch, dem die Prswerwaltung sympathisch zur Seite steht, wird erfüiit werden, sobald die nötbige'n Fonds vom RSiÖÖWJL bewiiiigt sein werden.

Es folgt die Berathung der Einnahmen An cseßt smd an Porto- und Tclegraphengebiibrcn 272000000 «1%

Berichterstatter Abg. Dr. Bürklin (ni.) weist darauf hin, daß in der Kommission der Antrag auf Erhöhung dieser Einnahmr abgslebnt sei; man habe fich an die Durchschnittsziffer gehalten.

Abg. F if ck beck (fr. Volfsy.) behauptet auf Grund der Akten des deutschen Handrlstags drm Staatssrkrejär von 'SXLVHNJ „gegenüber, das: dersxibe niemals einen Beschluß gegen die Ermaßtgung der Tilegrapbengebübren gefaßt habe. Er habe es nur 1892 abÉelehnt, eine 5Yetition in dieser Frage abzusenden, weil kurz vorbrr der taats- sekrctar Dr. von Stephan fich energisch gegkn die Herabsetzung der Gebühren ausgesprvchrn, die Prtitwn also in dem _Augenbiick keinen großen Werth gehabt bätie. Daß wir, in Deutychland am weitesten mit dem Telegraphenwesen seién, sei nicht richtig. In den nordischen Ländern sei man viel weiter. Redirkr verweist zum Schluß auf zwei von ihm auf den Tisch des H:)itsrs ntedcrgeiegte Kartrn.

Die Einnahmen werden bcwrlligt. '

Beim Etat dcr Reichsdruckerei werden unter den einmaligen Ausgaben 60000 „17: gefordert zur Beschaffung von Maschinen und sonstigen Betriebsmrtteln.

Abg.1)r. Hasse (nl,) führt Klage darüber, daß die Reichsdruckerei die Cinschränkun . die ihr aufrrlegt sei, sich hauptsächlich nur mit Aufträgen des * eichs und drs Staats zwbegnügen und höchstens solche Aufträge anzunehmen, wélche bon Prwatdruckcreicn nicht aus- geführt werden können, nicht innehalte.

Unter=Staat§sekrctär ])1'. Fis cher:

Ich habe dem geehrten Hirrn Vorredner zu erwidern, daß die Bsstimmungen drs Gcseßcs vom Jahre 1877, auf welcbe cr sick) be- zogen hat, ihre Erfüllung gefundkn haben im Jabra 1879, nämlich bei dem Erwerb der damaligen Königlich preußischen Staatsdruckrrci durch das Reich. Damals ist in Ausführung der von drm Herrn Ab- geordneten angeführten Bcstimmrmg in dem Etat, der zuerst für die Reichsdruckerei aafgestellt wurde, eine Richtschnur festgesetzt worden, nacb wc'lcber die Reich§druckerci sich bis jeßt zu richten hat. Es liegt also nicht so, wie der Hcrr Abgkordnete es angenommen hat, daß die Bestimmung vom Jahre 1877 übsrbaupt noch nicbt aUSgefübrt wäre. Sie ist ausgeführt, und die Norm, die damals festgestrllt wurdr, ist diejenige, welche für das Verhalten der Reicbsdruckrrei und für die Aufficht führende Behörde als maßgebend gilt.

Ich gestalte mir dabei zu bemerken, daß seit Bestehen der Reichs- druckirei nur ein mal, vor etwa 12 Jahren, bier im Reichstag seitrns der Jnteressxnten eine Beschwerde dabin erhoben worden ist, es würdrn von der Reichsdrucketei Arbeiten übernommen, die von der Privat- indusirie verrichtet werden könnten. Wir haben damals die Sache hier genau und eingehend erörtert und haben aufs neu:? vor- geschrieben, das; diese Richtschnur genau innegebalten werden [oi]. Seitdem smd mir, dc'r ich besonders ganz speziell mit der Beauifichtigung der Reichsdruckerei zu thun habe, Weder aus méinem GeschäftSvr-rkebr, noch aus der Prrffe, die ich aufmerksam verfolgs, irgend welche Klagen zu Ohren gekommen, daß die Reichs- druckerei in die Kreise der Privatindustrie übergriffe. Wohl aber ist von einer großen Zahl von Fachkreisen, auch Von Vertretern der poiygrapbifchen Gewerbe, vielfach Anerkennung über die Tbäligkeit der Rrichsdruckerei dafür gezoklt worden, daß fie anregend, bcfruchiend und durch die Aufstellung von guten Mustern fördernd auf die Privatindustrie eingewirkt hat. Ich würde in der- Lage sein, eine ganze Reihe derartiger Leistungen hier anzuführen, wenn ich nicht darauf Bezug nehmen könnte, da[; gerade dieser Theil der Thätigkeit der Reichsdruckerei wiederholt die volle Anerkennung auch des Reichstags gefunden hat.

Ab . Freiherr von Heereman (Zenta) spricht für die Leistungen der Rri sdruckerri seine volle Anerkennung aus. Es sei natürlich, daß ein solches Institut auch manche privaten Interessen zeitweilig ber- leyr; aber ein so geleitetes größeres Institut komme durch seine großartigen Leistungen doch der Gesammtbeit zu gute. Indeß es sei naturgemäß, daß ein solches Unternehmen sich nicht bloß mit den großin K'uiistwc-rken und kostspieligen Sachen befassen könne, sondern am!) etwas für den täglichen Verbrauch arbeiten müffe.

Der Etat der ReichSdruckereiwird genehmigt; ebenso ohne Debatte der Etat dcs ReichstYs. eichskanzlers und der

Es folgt der Etat des Reichskanzlei.

Abg. von Strombeck: Der Reiciysta? hat das Recht, Geseße vorzuschlagen innerhalb der Komperenz des Re (hs. Eine Verpflichtung des Reichskanzlirs, dem Rei stage Mittheilung zu machen von den Beschlüssen des Bundeßratbs, esteht aber nicht. Das hat 1872 mehrere

A nete veranlaßt, einen Antrag einzubringen. wonach der Bundes- *

rat Mittheilun en machen soll von seinen Beschlüssen auf Eut- sch1ießungen des ichstags. Der Antrag wurde damals angenommen.. Dem Reichstage wird eine Uebersicht der Beschlüsse des Vundeßmju vorgelegt, aber die unerledigt gebliebenen Positionen werden, nicht auf- enommen und Verschwinden für dre spätere eit vonstandrg. Meine Hreunbe und Mitglieder anderer Fraktionen jr nschen, daß dtefrs Ver.- abren aufgehoben wird und daß die zur Zeit der_ Ueberfc-udunß der“ Uebersicht nicht erledigten Sachen auf du: nach1ten Jahre nba. tragen werden.

Staatssekretär des Innern, Staats-Minister ])]: von- Boetticher:

Der Herr Vorredner bat die Entwicklungsgeichicbje der Be- bandluns der Resolutionen des Reichstags ganz zutreffend datgcßeüt. Im Jahre 1872 ist der Reichstag mit dem Wunsche hrrvorgettkjca, daß ihm die Entschließungen drs Bundesratbs auf die Resolutionen' des Reichstags in tabellarischrr Form und schriftlich mitgetheilt werden. möchten, und es ist darauf ein Beschlnß drs Bundröratbs ergangen, der dahin 1autet, daß diesem Wunsch des Reichstags“ entsprochen Werden möchte. Ueber die Frage, ob Resolutiorxcn, die bis zur Zusammenstellung der Entschlikßungen des Bundeskatbs noch nicht erirdigt sind, drmnächst in die Uebcrfichten für das folgende Jahr wieder aufgenommen werden folien, enthält dirs'cr Riicbstagsbescbluß nichts. Es ist aber Vom Jahre 1873 bis zum Jahre? 1884 so ver- fahren worden, das; möglichst dir Resolutionen immer wieder von neuem aufgc'nommrn sind, bis fie in der einen oder anderkn Form ihre definitide Erledigung erhalten Haben, oder bis der Bundesrat!) bkschloffsn hatte, den Resolutionrn keine Folge zu geben. Diese Praxis hat erkennén lassen, daß Resolutionsn sich jahrelang, um nicht zu sagen: jahrzkbnrelang, immsr wiedcxr in diesen. Ueberficht€n vorgefunden haben, weil es noch nicht möglich War, bis- zur Aufstellung der Urbersicbten eincn dcfinitiven Beichluß zu der Resolution zu faffrn. Dies gab im Jahre 1884 dazu Vrranlaffung, die Praxis zu ändern. Man ging dazu über, nur die Rasoiutionkn der [eZtVErflossknen ReiÖstagssession in diese Usbcrficht amizunebmrn und in der Kolonne: Entschiirßungen drs Bundesratbs resp. Bemerkungen anzugeben, was aus diesen Resolutionen geworden war.

Seit dcm Jahre 1884 bis zum heutigen Tage ist diese? neue Praxis vom Reichstage nicht beanstandet worden, und wir glaubten,. darin eine gewisse Sanktion und ein Einvrrständniß des inchstags dahin erblicken zu können, daß ihm dieses neue Vrrfabrkn genüge. Wir Haben um so lieber an dieser Praxis festgrbalten, weil wir aus den älteren Uebrrfichten entnahmen, daß sie zikmlicl) dickleibig waren und schwerlich von allen Mitgliedern des Reichstags durchstudiert wurden.

chn nun von Seite des Herrn Abg. bon Strombeck drr Wunsch ausgesprochrn wird, zur früheren Praxis zurückzuksbren, und wenn wir aus dem Schweigen der hohen Versammlung (;(-genüber den Aus- führungen des Hsrrn Abg. von Strombéck Entnehmen möchtén, daß“ dieser Wunsch auch sonst im Hause getbeilt wird, so bin ich gern bereit, im allgemeinen zu der früheren Praxis zurückzukehren. Daß sich das empfehlen wird rücksichtlich aiier Resolutionen, märkte ich bezweifeln; aber ich glaube allerdings, daß solche Resolutionen, für die ein weittragendes Interesse bestébt, auch wertb sind, daß ihr Schicksal demnächst dem Reichstage mitgetheilt wird. Ich bin gern bereit, zu veranlassen, daß in dieser Weise verfahren wird, sodaß der“ Reichstag demnächst Kenntnis; davon erhält, wis wichtigr Resolutionen, an denen sein Herz hängt, ihren Abschluß gefunden haben. '

Abg. Dr. Barti) (fr.Vg.): J_ch möchte den Riichskanzler fragen, ob er bereit ist, sioh über die Wahrungsfrage, in Bezug auf Weiche“ er mehrfach angegangen wurde, Auskunft zu sikbLU; der Rsxchstag bar im lZJFikbruar vorigen Jahres ein? auf diese Frage bezüaltche Resolution

escbloffcn. Die Herren Vimetalltsten hattkn damals im preußischen Herrinbause und Abgeordnxtrnbause Anträge eingebracht, in welchen die preußische Regierung auiqcsordert wurdr, den Reickyskanzl-“r zu erstreben, ungesäumt und nachdrücklich die Schrttte zu thun, welcbe gciignet sind, zu einer internationalen Regelung der Wahrungsfra *? mit dem Endziel eines intrrnationalen Bimetallismus zu führen. sm Reichso tage crkiärte damals der Reichskanzler, das; man, obne unserer Wäbrung zu präjudizieren, anerkennen müsse, das; die Entwertbung des Silbers nacbtiwilia sei, deshalb müsse eine solche intern:.rtionale Verrinbarung in Erwägung gezogsn, werden können. Diese Eikiämng, war ziemlich platonisch, sie: ging von dem Gedanken aus, daß der Weribuntcrschird zwiscbc'n den Währungsmetaüsn die wtrtbscbaftlichen Verhältniss ,beeiniinsse. Von einem zunehmenden Wcrtbunterscbied ist abrr seit dem Beschluß keine Rede mehr, Es hat sich drr Preis des Silbers so stabiliert, wie bei keiner anderen Waare. Von einer nicht gerin en Zahl deutscher Regierungen wiffen wir, daß sie Lil!) der Jdce der Währungékonfxrenz ablkhnend gegenübergestcut haben- Ick habe ein zu hohes Wirtbmas; für die volkswirtbicbaftliche'n Kennt- nisse der übrigen verbündeten Regierungeix, als da ick) annehmen könnte, sie würden fich für eine Konferenz enticheidsn. m abgekaufenen Jahr find aiie Prophezeiungen der Bimstaliisten nicbt erfiilit worden. Noch niemals ist eine so kolossaie Masse (Gold gefördeit worden wie im Vorigen Jahre, und das laufende Jahr wird darüber wbb! noch hinausgebcn. Das muß uns noch mehr bestimmen, an der Gold- wäbrung festzuhalten. Die Bank von Cnglayd, die drutsche Reichs- bank bat cine Ucberfülie von (Gold. Oesterreich bat die Goldwäbruns durchfübren können, und Rußland ist drauf und dran, ebenfalls zur Goldwäbrung überzugehen. WEnn andere Regierungen erklären, daß die Einberufung einer internationalen Wabrungskonferenz keinen Zweck habe, so hat die deutsche Re ierung «J recht keine Ver- anlassung, damit Vorzugeben. Der rediider ersinigteu Staaiex ist im steten Sinken, Weil man das Mißtrauen hat, daß irgend einer der Vereinigten Staaten einmal au den Gedanken kommen werde, seine Anleibkn in Silberdollars zurückzuzahlen. Die besen Kennst der wirtbscbaftlichcn Verhältnisse der nordamerikanischen Staaten find der Meinung, daß von der Panik infolge der Botichaft des Präsidenten . Cleveland niemals harte die Rede sein könnkn, wenn die Wäbrungßverhältmffe in Ordnung gewesen wären. Um der Rückzahlun in Silber zu entgehen, wurden die amerikanischen Werthe aus_ uropc; nacb Amxrika zurück- eworfen. Deshalb muß man sich buten,1ntr der Wahrung j

mend welcbe Experimente zu machen. Das; die erren nacb Par

gefahren find und mit Vertretern anderer änder über die. politische Frage verhandelt baben,_ nehme i ihnen nicht übel; im (Hegentbei, ich freue mich, daß die Fetten oviel eiernt haben. daß sie jeyt selbst etwas tbun, was ie vor zehn abren der Fort- chrittspartei als Hochverrat!) vorgeworfen baden. Ich erinnere dabei an die berühmte Broschüre über den Cobdenklub. Die Herren- geben nicht bloß nach Paris und fasser) Beschlüsse, sondern sie halten. die Beichlüsse geheim, die sie mit Auslandern und sogar mit Franzose» «meinsam gefaßt habkn; fie babcn au noch freundschaftlilbsie Besuche gemacht beim französischen räidenten und ,bei sein;!» Minister, troßdem das Kabinet ourgeois hier bei uns dtcht bei den Sozialdemokraten siyen würde. Das wichtigste war das Zugeständmlß des Präsidenten, daß er demnächst das Protokoll der Konferenz ,esen würde. Paul Leroy Beaulieu, der die Verhältnisse in Frankreich und England genau kennt, sagt den Amerikanern: wxnzk sie etwa glaubten, daß in Europa ernsrbafie Mänan den bimetalitsti- chen Abenteuern sich anschließen würden, so befanden sie sich im

' heut? erst recht kein Anlaß dazu vor.

- “rtbum. Der eine oder andere Minister gebe manchmal weise!-

fte Erklärungen ab, aber nur, um es mit keiner Gruppe der bier xu verderben. cb nehme an, daß er dabei nicht an unsere Regie- rung gedacht bat, die ja klare und unzweidevtige Erklärungen ab- gegeben bat, wie neulich der Landwirtbfcbafts-Minister über den An- trag Kayiß. Man meinte, daß die Amerikaner nur darauf warteten, eine Wahrungskonferenz einiufübren. Aber, daß die praktischen Amerikaner emen positiven_ Erfolg davon erwarten, möchte ich be- zweifeln. Von eincm Wabrungsbündniß wollen die Herren nichts wiffc-n, sie wollen sicb nicbt fesseln an ein Bündnis; mit plutokratiscben und autokrattscben Mächten, wie es in einer in Amrrika zahlreich ver- breiteten Broschüre hieß. Wenn schon vor einem Jahre keine Ver- anlassung vorlag, der mternational-kn Währung näberzutreten, so liegt , Ich glaube, dem Hcrm Rsich-Z- kanzler eure Gefqliigkeit zu erweisen, wenn ich ihm Griegenheit gebe, [ich von diesem Kadaver mit Deutlichkeit zu befreien. Reichskanzler Fürst zu Hohen!ohe-Schillingsfürst: Ich kann zu meinem Bedauern brute dcm Wunsch des Herrn Abg. Dr. Barti) nicht nachkommen, ich bin noch nicht in der Lage, die Auskunft zu geben, die er wünscht. Ich werde aber in der nächsten Zeit Gelcgenbrit haben, eine Erklärung abzugebcn über die Strllung, welche die ve'rbündeten Régirrungen gegrnüber der Rssoiution des Reichstags einnehmen. , Abs. bon Kardorff (Rp.): Der Abg. Barti) scheint es sehr eilig zu baden, fich mit dsr Währungsdebatte zu beschäftigen. Ich Weiß. nicht, ob er Sieger in diesen Debatten bieibrn wird. So spöttisch imd böbniscb wie brut? Herr Barth gegen die Bimetaliistrn, sprachen auch die Freibändlrr1879, und doch hattkn wir dknmächst das Schußzoilfystcm. Herr Barti) meint, es wäre jetzt weniger als jemals die Zeit, Währungskonfxrenzen zu berufen, die bisher immer gejchxitert scikn. Ibm ist wahrscbrinlici) nicht bekannt, daß diesslbe Erkiarung, die dsr Minister Balfour veröffentlichte, von anderer Srtte abgcakbcn und zu Protokol] grgeben wurde, das; nämlich eine Konferenz nicbt bkrufen werdkn könnr, ebe nicht gcwissexStaaten sich über ein bestimmtes Programm gkeiniat hätten. Die Knapphcit dcs Goldes_baben wir allerdings vielfach beklagt. Wenn Rußland in die Goldwabrung eintritt und Ostafirn seine Schulden in Gold bezahlen wird, dann wird die sehr starke heutige Goldausbeute nicht mehr enügxn. In der Englischen Bank war drr Golddorrati) 5er als bei der Reichsbank. Die Riicbsbank hatte vor wsnigen Jahren mehr Gold als jkxit augenblicklich. Osster- reich soli auch zur Goldwäbrung übergcgangen sein; ob das qünsti ist für (“111611 Staat mit Goldagio. weiß ich nicht. In Italien it ja „auch ein Goidagio, Der jsxziqe Ministsr-Präsidsnt Bourgrois gxhört zu den kenntnißreichsten * imetallisirn Frankreichs, er kennt dre „Frage nicht bloß oberflächlich, sondern hat sie gründlichst studiert. HLX!" Barti) ta irrt ibn doc!) wohietwas unrichtig: er würde die Stklie des Herrn Darth einnehmen; er steht den Sozialisten sehr nahe, möchte gern von ibnkn unterstützt sein, wenn er auch dor den Kbnscquenzrn dar us zurückschrkckt. Herr Leroy Beaulieu steht aus einem freibänd krischan Golrwährungsitandpunkt, der von der Mehrheitsfraktéon nicht grtbeilt wird; er hat nichts ?esagt. Herr Méline ist der Führer, der die Majorirät oxnmandiir't, er ist ein Schutzzöiiuer und überzeugter Vimetaliist. Dre Vereinigten Staatsn soilen sich dkn größten Schaden gethan haben,. weilRsie die Goldwäbrung nicht beibehalten hätten; dadurch Ware 1th .zirrditwürdigkcit grfunkrn. Herr Bartl) bat Studien über die Kreditwürdigkeit amerikanischer Bankprioriiäten gemacht. Ob ' diese Papiere io werti) waren, untér das kleine Publikum verbreitet zu Werden, überlasse ich dem Urtbeil Anderer. Es ware gleich. ob sie auf Gold oder Silber gestrlit werden; die Inhaber wären zufrieden, wenn [sie nur etwas baares Geld bekämsn. Die Amerikaner haben krin Institut wie unsere Riichsbank; fie haben Banken in den einzelnen Staaten, das ist für die Regierung eine außerordentlich unbequeme Sache. Im übrigen sollte Herr Barti) es unterlassen, es so darzu- stelien, als ob in Amerika Neigung für die Goldwäbruna Vorbandrn wäre. Es giebt einige Goidieute unter den Banquiers, sonst aber nicht. Die Frage ist nur: wollen wir Gold und Silber mit sreiér Prägung allein prägen, ohne uns um die anderen Staaten zu kümmern, oder woilen wir erst in Unterbandlun cn treten. Die verständigkn Leute find alle internationale Wimrtalliten. Die reinen Silberleute find nabe daran, im Parlament die Mehrheit zu bekommen, und wenn nicht bei manchen Fragen eine Zweidrittelmchrbeit notbwrndig wäre,

1. Untersuchun s-Sacben.

2. Aufgebote, ustellun en u. der i.

3. Unfall- und Invaliditärs- rc. „ersicherung. 4. Verkäufe, Verpachtun en, Verdmgungen :e. 5. Verloofung rc. von crtbpapieren.

würden sie mit ihren Ans mm durcbdtin Zu den reinen Bi- rnetallißen gehört auch der?;erfaM der vonka! Barth angeführten Groschure. die für Jedermann sehr lesenswert!) ist. Die Panik in Amerika infolae der_ venezolanischen Streitfrage ist nicht wegen des Fehlensder Goidwabrung ausgebrochen. Das glaubt dock) Herr Barth elber nicht. Als das _Hairs Baring fieidurcb Zurückziebung der russischen Gutbabezr, da war dre_Englische Bank einor großen Krisis sehr nahe. Wenn nicht Herren, die jetzt im bimetallistischkn Laaer stehen, sich der Sache an enommen battexi, würde die Krisis viel größer gewvrden sein. Wenn , err Barti) upier Verfahren, unsere Reise nach Paris mrt dem Cobbenklub vergleicht, sy ist das falsch. Der Cobdknklub batte bszablte Agenten,„welche damit beauftragt waren, dem englischen Export neue Wege zy offnen. Daß Deutsche Mitglieder des Cobden- klubs wqare'n, ist nicht recbt zu verstehen. Ich babe es niemals fassen konnen, daß z. B. Professor Nasse dem Cobdenkiub beitreten konnte, da er doch wisen konnte, daß der Klub, den Zweck batté, unsezre deuische Industrie, zu schädigkn. Der Cobdenklub verfolgte bzstiinmie Interessen. Die Silbkrleute haben niemals etwas bezahlt fur Age'riten. Balfour sagte, daß er es für das größte Ungiück halte, 11181111" dir engitsch§ Natron so lässig wie bisher der Währungsfrage gegrnubrrstebkn wurde. Man darf also yon ihm auch eine Fördrrung der Wahrungsfrage erwarten. Wir haben die Beschlüsse in Paris gcbrim gebdaitkn, Werl das englisch-z Parlament erst im Fkbruar zutsamrnentrtth WEnn" dasrxibe zusammyngstrkten sein wird, werdcn wrr die Beschluss? veroffentlichcn, und sie werden Herrn Barti) wohl gxfailen. „Dt? Goldwahrung_ hat zwei Systxme herbeigeführt: es mexbt Silbprstaaten „und Staaten mit untrrwertbigen Vzluten. Diese Zusignre kdnnkn nicht beste'hen bleibsu. Bisher ist es nur die Landwirtbschaft grwesen, wrlckye daruntsr zu leiden hatte. DLL unterwertbtgrn Valuten würdkn bescitigt werden können, wenn an Steile des'Papiers nicht bloß Gold, sondern auch Silber verwrndet wprden könnte. Wenn die japanische und chinesische In- dustrie in Konkurrrnz t'reten werden, dann wird die Industrie die Folgen (nich merken_; 1ch wii] nicht an den Kriegsfall 611111131", in we1ch€m, die (Hoidwabrung Gefahr bringrn wird. Rußland und Frankreich babxn ktwa ddpvelt so viel (Edelmetalle als der Dreibund. Jm Krergwwtxd sich zetgrn, daß man das Silber nicbt entbehren kann. Es 1st_uberbaupt ewe Frage, die sich mit elemcntarer Gewalt durchbrechen wird. In England, welches vielmehr Veranlassung hätte, an der Goldwabrung festzuhalten, bat die Bewegung einrn solchen Umfang qngsnommen, dgß sieben Mitglieder des Kabinkts Bimetallisten fi11d. Wir glguben, daß der deutschen Landwirtbschaft nicht anders wird aufgeboisen werden können, namentlich da andere Wege versparrt Wid- Wtr “102108111 die Antwort des Reichskanzlers mit Ruhe erwarten. Sie maxi sem, wie sie wvile; wir werden unser? Brstrcbungkn nicht sinkeri lassxn, und wrnn die Regierung erklärt: wir können uns nicht aiif die Wahrungsfrage einlassen, so werdén wir bedauern, daß sie auch dissen Rittungsimker für die Landwirtbschaft vsn sich weist, aber wir werdkn diese „Frage noch mehr in den Vordergrund schieben, nachdem der Antrag Kaniß zurückgewiesen ift.

Prasidcnt r'kiberr von Buol: Ich muß dringend ersuchen, daß aus jener erte drr Tribüne (nach links Weisend) mehr Ruhe beobachtet wird. Es rst beute wiederholt vorgekommen, daß Zurufe und sqlbst Aeußerxmgen des Mißfailens Von dort laut geworden sind. («„wird boffen111ch_ der HinWeis auf den § 63 der Geschäfi§ordnung (Raurnung der Tribünen) genügen, um derartigen Vorkommnissen für dre Zukunft vorzubeugen.

Nbg, Graf Limburg-Stirum (d. kons.): Herr Barti) bat uber die Brokcbüre über den Cobdenklub sebr wegwerfend gesprochen. Die „Brosäyürs wies nach, daß der Cobdcnkiub nichts weiter wollte, als die engiis_chrn Interessen in ein wissenschaftliches Gewand hülien. Da die lZzerren, welche in Deutschland fich drm Klub an- gks [offen atten, über diese Enthüliung nicht er reut waren, ist begreiflich, denn es freut niemanden, den iacbweis zu erhalten, daß er auf einen Leim gekrochen ist. Die Broschüre von Lothar Bucher war ein wertbvolles Werk, und wenn die Freunde des Herrn Bartl) ebe'nso wertbvolie Dinge schreiben würden, so würden sie damit Effekt machen. Ick) wende mich nun anderen Dingen zu. Ich freue mich, daß unsere Be- ziehungen zu Rußland freundlichere geworden sind; wir haben sehr wenig verschiedene Interessen, aber sehr viele gemeinsame mit Ruß- land. Eine große Freude haben wir empfunden über die wirksame Wahrnehmung unserer Interessen in der TranEvaal-Angelegenbeit. Das Telegramm, das in dieser Beziehung ergangen ist, hat überall Zustimmung gefunden. Wenn man aber mkint, daß wir mit England

in Krieg gerathen könnten, so find das doch etwas kindliche Erwägungen.

Oeffentlicher Anzeiger.

Daß wir uns auf eian ..ck ckckck

ja einfach undenkbar. Darum ift aber nieht das Deutsche- Reich eine Inbereffen auch iu - K _ England hat ebenso In:?ßreffen in europäischeu-Ländern, wo ck das Wohlwollen und dre Hilfe anderer Staaten angewiesen ist, es ist für England von großer Bedeutung. ob es dort- anf «.die-“:“ Freundschaft oder Gegnerschaft des mächtigen Deutschku Reith! rechnen - .mn. Wir können uns nur freuen, daß die Deutsche Regierung so energisch für die Wabruna der deutschen Interessen eingetreten ist.

Abg. Dr. Barth: Ich bedauere, daß der Vorredner seine Freude über unsere besseren Beziehungen zu Ru land nicht schon damals zum_ Ausdruck gebracht hat als es st um den Abschluß des russischen Handelßvertrags bandeite. Eine deutsche Politik, welcbe _darauf abzielsn würde, England, welches uns seit Jahren befreundet rst, vor den Krpf zu stoßen, würde den wahren Jntereffen Deutsch- lands nicht entsprechen, und ich bin überzeugt, daß in der Person , des Reichskanzlers eine gewi 2 Garantie dafür liegt, daß em gutes Verhältniß aufre t erhalten wird. Das Pamphlet bon Lothar Bucher über den Cobdenklub babe ich enau studiert urxd mich gewundert, woher er den Muth und den nge- schmack gefunden hat, die Broschüre zu schreiben. Von bezahlten Agenten des Cobdenklubs ist keine Rede; die Akten desselben ltegrn offen vdr Alle:]: Augsn, einen gebeimkn Fonds giebt es nicht; es ist das eine der tbbcichtesien Behauptungen, die jexnals auf- _este11t sind. Ueber die bimetailistischcn Freunde des Herrn don

ardorff in Amerika möchte ich doch etwas bemerken. Der cäsident Clxvriaiid wird große Augen machen darüber, daß er Bimetailit sei; ich habe m1ch mrt ibm eiygebend unterhalten und gefunden. daß er meinen Anschauungen naber steht, als denen des Herrn von Kardorff. Wenn man voti bezahlten Agenten des Cobbenklubs spricht, dann formte ryan viel wehr Von bezablten Agenten der amerikanischen Silbermtnenbefitzer 111 Deutschland sprechen. (Abg. von Kardorff bittet uzns Wort.) _Jch wxll nur darauf hinwsisen, daß wir in Deutschland, bis auf wenige verschwindende Ausnahmen, alle diejenigen, welche euze berdorraxzende Rolie syielen in der Industrie, der reinen Gold- wahrung anbangen. Ich „brauche nur auf die jüngsten Berichte der Handelskammsfrn zu vrrwrtsen. Diese Kenner der Verhältniss können es „sich gar nicht ernstlich vorstSUZU, daß die Rs.;iirung auf solche Plane eingeht. Würde man das annehmen, so würde ein solcher Sturm der Entrustung entstehen, wie er niemals vorher statt- gefunden hat.

Abg. vori Kardorff: Es ist beute zum zweiten Mal, daß im Deutschen Reichstag der Verdacht ausgesprochen wird, daß wir Bi- metallisten vdn Amerika bezahlt würden. Ich habe schon einmal gexagt, daß ich die Bücher des birnetaliistischen Vereins offen legen wurde, um nachzuweisen, daß aÜes von uns verwendete Geld aus Deutschland komrrit. 'Wenn Herr Barth nicbt nachweist, daß irgend jßmand yon amerikanischem Geld bezahlt ist, dann muß ich ihn als emen mfamen Lügner bezeichnen.

' ng.1)r. Barth: Eine solcheGrobbeit und Unverschämtheit kann tch mn: bon Herrn von Kardorff nicht efailen lassen.

Präsident Freiherr von Buol: ch) muß den Redner zur Ord- nung rufen. Ich bitte um Entschuldigung; gegen den Vorwurf, daß H„err Bartl) irgend jemand aus dem Reichstag als bezahlt bezeichnet hatte, muß ich ihn in Schuß nehmen; Herr Bartl) hat das nicht Lesagt. Es wird mir mitgetheilt, daß Herr von Kardorff Herrn Barth aiierdings bedingt vorgeworfen habe: „es würde eine infame Lüge sein.“ Auch. in dieser Form ist es ein Vorwurf gegenüber dem Abg. Barth, den ich nicht ungerügt lassen darf.

Abg,1)r. Bartl): Ich mach? den Herrn Präsidenten darauf aufmerksam, daß Herr von Kardorff direkt gesa t bat. ich sei ein infamer Lügner. Einen solchen beleidigenden Zwis anruf, sei er auch nur konditionell, kann und werde ich mir von niemand gefallen lassen. Solange Herr von Kardoiff nicht vom Präsidenten zur Ordnung Lernfen wird, bin ich verpflichtet, mir direkt Genugtbuung zu ver-

a en. Präsident Freiherr von Buol: Ich wiederhole, daß nach meiner Kenntnis; es nur in bedingter Weise gefcbe en ist, und das babe ich gkrügf. Wenn der Vorwurf, Herr Bart sei ein infamer Lügner, gefaiien wäre, Li) verdiente das selbsterständlich die höchste Rüge, und ich würde den bg. von Kardorff zur Ordnung gerufen haben. !. KZ,)? Etat des Reichskanzlers und der Reichskanzlei wird “cmi tg. Schluß 51/2 Uhr. Nächste Sißung Freitag 1 Uhr. (Fort- sesung der Etatsberathung: Reichsamt des Innern.)

. Kommandit-Ge ells ften auf Aktien u. Aktien-G ell . Erwerbs- und Öirt [Y?fts-G enscbaften. es fck. . Niederlaffun rc. von echtSanwa en. . Bank-Aus e.

10. Verschiedene * ekannttnachungen.

1) Untersuchungs-Sachen.

[64022] Steckbrief.

Gegen drn Posamrntiec und Wzber Carl Helm- reich aus Klostrr-Zinna, geborext _ dassibst am 10. Mai1847, zuleßt in Staßfurt auibaitlich, welcher sich verborgen Hält, ist die Untersuchgngshast wegen Diebstahl und Sachbeschädigung berhangt. Es mird ersucht, denselben zu verhaften, an das nächste Amis- ericht abzuliefern und sofortige Nachricht zu den Liesigen Akten 1). 1/96 zu geben.

Staßfurt, den 13. Januar 1896.

Königliches Amtsgericht.

[64028] Steckbriefs-Eruencrung.

Der hinter den Barbier Adolf Otto Schüttler, am 6. August 1860 in Kablstädt gcborrn, wegxn Körperverletzung unter dem 9. November 1886 m den Akten 134 1). 1397. 85. erlassene Steckbrief wird hierdurch erneusrt.

Berlin, den 18. Januar 1896. '

Königliches Amtsgericht 1. Abtheilung 135.

[64023] Bekanntmachung.

Der unter dem 19. September 1889 erlaßene und am 12. Dezember 1894 erneuerte Steckbrief gegen den Former Lorrnz Heßler wird zurückgenommen.

Lüdenscheid, den 21. Januar 1896.

Königliches Amtögericbt.

nicht mit Köni unterzog-én zu ha

28. Mär

[64021]

[64027] Das hinter

[64024]

Der bintec dem Handlungöreisenden Hugo Andro- schek aus Posen unter Nr. 20 536 des öffentlichen Anzeigers pro 1895 erlassene Steckbrief vom 25. Juni 1895 ist erledigt. _ (ck. 28/95. _

Kreuzburg O.-S.. den 21. Januar 1896.

Königliches Amtßgericbt.

[64026]

[64025] " Der hinter dem Bergarbeiter August Igna Schmilowski aus Kreuzburg O.-S. unter Nr. 43 88 des öffentlichen AUJÜJMS pro 1894 erlassene Steck- brief vom 24. Okio er 1894 ist erledigt. _ 0. 62/94. Kreuzburg O.-S., den 21. Januar 1896. Königliches Amtßgericht. 1) tanz [64161] Oeffentliche Ladung. 3 Karl Der Kommis Max Kaufmann aus Hamburg, 31 abre alt dessen Aufenthalt unbekannt ist, und wel em zur Last gelegt wird, im November 1895

6) Wi

zu Nkustadt O.-Schl. fich dem Verkauf bon Loo en einer außerdreußischen Lotterie, wklche in

?

(Hesrßrs v. 29. Juli 1885 _ wird auf des Königlichen Amtsgkrichts bierselbst auf den 1896, Vormittags 9 Uhr, vor das Königliche Schöffengericht bier _ Zimmer 4 _ 14) zur Hauptverhandlung geladen. schuldigtem Ausbleiben wird zur Hauptverhandlung 16) geschritten werden. Neustadt O.-S., den 15. Januar 1896.

Basold, Gerichtsscbreiber des Königlichen Amtsgerichts.

Bekanntmachung. der Das unterm 2. Dezymber 1895 hinter den - Maurermeister Friedrich Wilbiim Carl Rüger aus Beeliv, in den Akten 141 42_95, erlassene offene Strafvollstreckungsersuckpen ist erledigt. Potsdam, den 20. Januar 1896. Königliche StaatSanwaitschaft.

1) dem Schmied Augufi Michler- 2) dem Droguist AUJUst Urban aus Striegau, jeßt unbi- 5. April 1894 erlassene offene StraWollstreckungs- In ersuchen ist erledigt. _ 12. 154/93. Striegan, den 20. Januar 1896. Königliches Amthericht.

Das hinter dem Militärpflicbti en Karl Ernst Hermann Kiumke, unbekannten Ani1 ]. November 1895 erlassene offene Strafvollstreckungs- ersuchen ist erledigt. _ 1). 88/95. Striegau. den 20. Januar 1896. Königliches Amtsgericht.

[64149] K. Staatsanwaltschast Heilbronn. Vekauutmackxuug. In der Strafsacbe gegen Heinrich Conrad, von Dürrmenz, 2 ustav Wilhelm Dörr, von Weinsberg, einricb Dürrwächter. von Diefenbach,

4) Christ an Jakob Glöckler. von Diefenbach, 5) Mak Otto Glocker. von Mainbardt,

beim Friedrich Gloß- von Wurmberg,

reu en licher Genehmigung zngxla en ist, en _ Vergeben gigen §§ 1, 2 preuß.

Anordnung 11) Andreas

Auch bei unent- 15)

wegen Verletzung der Strafkammer des K.

mit Beschla belegt worden. Den 22. Januar 1896.

7) Karl Wilhelm Gühriug, von Illingen, 8) (Gustav Friedrich Hasenfuß, von Enzberg, 9) Johann Christian Hirsch. von Dürrmenz, 10) Karl Christian Jmle, von Gündelbacb, riedricy Lehrer, von Oetisbeim, 12) Christof „akob Lewin. bon Gündelbach, 13) Karl Gustav Leucht. von Gündelbaib, riedrich Märkle, bon Knittlingen, ottlieb Friedrich Müuzinger. von Lienzingen, August Naber. von Derdingen, * 17) Georg Wilhelm Steinle, von Schepbach, 18) Ludwig Friedrich Steimle, von Oelbronn, 19) Christian Johannes Walter, von Gündelbacb, 20) Johannes Meßmer, von Schüßin en. Wehrpflicht, ist duriL Beschluß Landgerichts 14. Januar 1896 das im Deutsckocn Reiche befindliche Vermögen derselben gemäß §§ 326, 480 Str. P. O.

Staatsanwalt H a r t m a n n.

wird der aiif den 16. März 1896 zur Versteigerung der beklagtrs en Grundstücke anberaumte Termin, nachdem, die chschlqgnabme klägerischerseits zurück- grzogen ist, damit wieder aufgehoben. Seesen, am 21. Januar 1896. Herzogliches Amthericht. v. Rosenstern.

Aufgebot.

Die na genannten Antragstelier haben wegen der bei“ eines eden Namen verzeichneten Werthpapiere das Aufgebot beantragt:

1) Herr Gutßbefi er Robert Hermann Funke in Burkhardtswalde, a s Vormund der ledigen Clara Ida König m Berthelsdor u.Een., wegen des K. S. 40/9 Staatsschuldenkaffens eins der vereinigten An- leihen von den Jahren 1852/68 Serie 11 Nr. 119884 üb? 1,00€? “tles? blf H E il

er o crge i e err m Bruno i in Los wi we en des K. S, 31 0/o, vomalF-ÖY/T Staats chu den affensrhems derselben Anleihen Serie 11

[64138]

hier vom

Nr. 161441 über 100 Thaler

annten Aufenthalts unterm [64128

zu Blankenburg, Beklagten, wegen fläche des ehemaligen eingetragen Bd. 7111 S.

age verfügt, auch die Eintragung

Blan enburg angeseßt, in we

Sommer.

[64129]

“"'2) Aufgebote, Zustellungen und dergl.

achen der Firma Carl Kux gon. zu Halber- stadt, Klägerin, wider den Juwelier Ludwig Sven ler Forderung, w rd, nachdem auf Antrag des Klägers die Beschla nahme der dem Beklagten geböri en 0,733 von der obnbauses ck10. ass. 403 100 Tl)! 1354 zum Zwecke der

enthalts, unterm Zwangsverfteigerung durch Bescblu

im Grundbuche am heutigen Tage erfo gt ist, Termin zur Zwangsversieigerung auf den 11. März 1896, Mor eus 10 Uhr, vor Herz lichem Amtsgerichte lixem die Hy otbek- gläubiger die Hypothekenbriefe zu überreichen aben. Blankenburg. den 18. Januar 1896. Herzoglicbes Amtßgericht.

In Sachen der Firma Werner & Detérmann in annover, Klägerin, wider den Tapezierer Louis ertram in Seesen, Beklagten, wegen Forderung,

3) Herr Schneidermeister Michael Grob in Leipzi wegen des K. S. 33 0/0 vormals 40/0. Staats? schuldenkaJLiscbeins der ' nleibe vom Jahre 1869 1413. d&. W" 1b4585b§cker WbalerZ ck Ri ld

er em er s ßer “rie ri en o Zieger in Zscbei a bei Meißen 75we en des K.bS. 34 '/o, vorwalsU/o, der [. derselben nleibe [.it-d. 13. Nr. 9013 uber 100 Tha er, .

5) „der Weber err Robert Müller in Reichen- bach 1. V. wegen es K. S. 3x 0/0, vormals 4 0/4], rund- dergl. derselben Anleihe L-irt. 13. Nr. 19310 über

a er,

6) Herr Gutsbesißer Karl Osmld Jble in Neukersdorf wegen des K. S. Landrentenbriefs bier. 1). Nr. 7737 über 150 .at,

7) Frau Ella, verebel.Oberlebrer Dr.Mbduvald, eb. Kellner, in Linden we en der Aktie der Siichfischeu

ank zu Dresden Nr. 1 418 über 200 Thal

8) Frau Doris verw. aftor Meyer Kegxxrf des:? 0/io KrI-ÉtliZeeikbedesE-FNU

re 1 verein m n en : 7111 UJZ" Y'äViri WBZ? MWM del i

r u e n a n u n 5 wegen der Stamm-Aktien der Dr'uduerWein ZF? schaft zu Dresden Nr. 8798 und 8799 über je .“,

10) der Korbwaarenfabrikant Herr Norbert ftein in Münchenkrä a. d. ar wegen des von ' am 13. Oktober 89 ausg “(lten, vonHuao '

vom bénti en elses Beschlu es