1896 / 41 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Sat, 15 Feb 1896 18:00:01 GMT) scan diff

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. abre von der vom Siaate veranlagten Grund- und Gewerbesteuer 48% und 98§0/a Gemeindeeinkommensteuer (gegen 96 0/0 im laufenden Etatsjabre) erhoben werden.

Ueber den in Nr. 37 d. Bl. telegrapbisch gemeldeten Meteor- fall in Madrid, wird der „Frankfurter Ztg.“ von dort unter dem 10. Februar geschrieben: Heute Vormittag, genau um Uhr, bei prachtvollem sonnigen Wetter, entstand Hixr am Himmelögewölbe ein bläulicher Glanz von solcher Stärke, daß selbst das Sonnenlicht davon übersirablt und viele Menschen auf der Straße geblendet wurden. Anderthalb Minuten darauf wurde ein donnerndes Krachen, als würden tausend schwere Kanonen zu Y)?[xichrr 3th, abgefeuert, _ver- nommen, sodann folgte eine ganze etbe von tmmer schwacher Werdenden Explosionen. die Erde erbebte in ihren Grundfesten, viele Gebäude bekamen Riffe, Möbel; wurden umgesturzt, Mtüionxn pon Fensterscheiben zersprangen klirrend. Cmefurchtbare Panik bemachttgte sicb der Einwohneiscbaft Madrids. Im, ersten Augenblick hörte man allenthalben Jammern und Angstgeschret „'1'6rr6m0r0! r0r1-91n0r0!“ (Erdbeben) klang es hikk, „cljnnwjta! _äjnnmjba!“ klang es dort; viele wieder glaubten, die Revolution set ausgebrochen und irgend ein roßes Gebäude sei vermittels ciner ungebeueren Menge don Svrsng- “off in die Luft gesprkngt worden. Menschenhand batte j-cdocb mit der Erschütterung nichts zu schaffen; es war einfach etnxriefiger Meteorstein über der Stadt geplayt. _ Dre Madrider Stern- warte bat die Erscheinung ziemlich genau beobachtkt. Genanntes

' Institut verzeirhnkt, daß um die oben ange ebene Stunde am sonst

wolkenlosen Himmel von Südwesten „her ein anger“, schmaler Rauch- streifen herangezogen kam und sich in ostnordöstltcber Richtung be- wegte. Der Raurhstreifen, der ungefahr die Form einer gestrkckten Ellipse besaß, war an den Rändern !) endend weiß. zeigte Zedoch in seinem Mittelpunkt cine dunklere, rötbliche Fär- ung. Als die Wolke beinahe a_m Zenit!) stand, er- folgte die Explosion derselben, und ein Steinreaen fiel über Madrid und Umgegend. Nimmt man als Grundlage die Zeit (1? Minute), dic zwischen dcm Aufstrablen und der Detonsiion ver- lief, so kann man berechnen, daß die Explosion in einer Höhe von etwa 30 km stattfand. Die Hauptmaffe unse'rks Meteorits wurde in Staub und Gas verwand€1t_und Von den obersten Luftströmun rn ostwärts getrieben. Erst Vier Stunden nach Eintreten dss P ä- nomcns sah man am ostnordöstiirhrn Horizont di? Wolke ent- schwinden. Was den Umfang des in Frage strbenden Himmelskörpers anbelangt, so ist es, eher genauere Daten eintreffen, sehr schwierig, sich darüber ein Urtbeii zu bilden. Vorläufig ist die Beobachtung zu vermerkrn, daß infolge der Auflösung des Meteorits in Gas ein Druck auf die umgébenden Luftschichten ausglübt wurde, der die Quecksilbersäule des Baromrters um 1 mm' und_ skchs Zehntel mit einem Ruck in die Höhe trieb. Hierauf sank die Saule um 7 Zehntel unter ihr früheres Niveau, soda dic Schwankun M im Ganzen me und ZZebntcl umfaßtcn. _ Der nach drr Explo 1on dcs Meteorits er- folztc Steinregen sch€int in der Gemarkung der nahen Ortschaft Vichlvaro, sodann in Vallccas und um den hiesigen Hippodrom am dichtesten gefallen zu sein. Die Herren Cos und Aguilar, Ange- steÜte dsr Stcrmvarte, laskn (nn Ixilometcr 6 der Straßc, die nach Castellon führt, ein kl-éines Brurbnück dcs Meteorits auf, das an-

roßen Orange bat und etwa 500 Z wiegt. Es ist eine Schwarze, harte, schlackige Mage. Der esißer des Gartens bat

errn Cünovas del Castino en Himmexsstetn verehrt. Ein Herr

amens Soravilla spazierte, ein Zeitungsblatt lesend, guf der Castellana. Da schwirrte vom Himmel, dicht _vor tbm eme feurige Kugel herab, durchlöcberte, Vrandspuren zurncklaffend, das Blatt, rollte etwa 40111 über den Boden dahin und blieb dann ruhig lie en. Herr Soravilla nahm den Stein, nacb Erkalten desselben,'an st , und frag ihn sammt dem durchbohrten Blatt in die_ Redakttyn des ,Imvarcial“. Der Stein wiegt ca. 150 & gleicht einem _Stnck Schwefeleisen und ist von sehr unre elmaßtger Form. Nachtralecb dürften noch weitere Bruchtheilc des eteorits auftauchen._Dte uf- zäbsung der U n gl ü cks f ä [ l e , die sich infolge der Ersßbemung tn Madrid ereignet haben, würde ganze Spaltkn füllen. Die"Wtrkung, die das un- geheure Aufleuchten, das Gejöse und die Erschutterung 'auf die Be- völkerung im allgemeinen ausübte, war eine unbeschretbltche. „Viele, die auf Plätzen und Straßen sich b„efanden, flüchteten, sich in die sten Läden und HaUSLingan e. Die Leute dagegen, die sich inner- bal der ?äuskr und zum rhei noch im Bett befanden, glaubten an ein Erdbe en und stürzten in wilder Flucht auf die'Straße. Es entwickelte sich dabei manch absonderliches Straßenbild. In der CaUe Goya wurde ein kleiner Knabe, den seine Mutter zur Sckpule führte, voiiständiq geblendet. In der Calle Mayor sprang eine Dame aus einem Tramwagen und brach ein Bein. In der Ronda de Valencia stürzte ein vom Schreck wahnsinnig gc- wordener Greis Vorn zweiten. Stockwerk auf die Straße, fiel aber in das Gezweig eines Baums und erlitt keinen Schaden. In der Calle Carreras sprang ebenfalls ein junger Mann vom ersten Stock zum Fenster hinaus, fiel auf eine Straßenlaterne, die in tausend Stücke brach, kam aber wunderbarer Weise ohne VcrleMng davvn. In Kirchen, Schulen und anderen _Lokalen , wo * enschenansamm- lungen waren, entstand eine nnsaglicbe Verwirrung: Lehrer und Schulkinder, Professoren und Studenten, Priester und Gläubige suchten in aÜer Eile das Freie zu gewinnen. Dabei gab e's un- zählicbe Quetschungen, Verrrnknnaen, Rippenbrüäoe und dcraleichrn. Aus dcn Spitälern rannten die Insaffen wie toll auf die Strafzrn, und troL aller Vorstellungen der Wartet wollten sie die Gebäude nicht me r betreten. In dem Weibergefängniß kam es zu einem wirklichen Aufruhr. Waren die Thore dort nicht eiligst verrammelt worden, so wären die Gefangenen, Vor Angst außer sich geratbcn, alle- sammt entstoben. Wenigstens 5000 Person-en wurden in Vkadrid in- folge des Phänomens mehr oder wenigrr schwer vrrlc- t. Besonders tragisch gestalteten, fich die Dinge in dir Ta ackfabrif, wo bis 6000 Arbeiterinnen beschäftigt sind. Als die Exvlosion erfolgte, bemächtigte sicb dxr Frauen ein wahnsinniger Schreck; alle stürzten nach den AuSgangen. Das Gedränge auf der Treppe im zweiten Stockwerk war so groß, daß das Geländer brach und die Arbeiterinnen in Knäueln auf dkn Fußboden des ersten Stocks hinab- stürztcn. Bein- und Armbrüche und andere Verlrßungkn waren die Folge davon. Todesfälle soUrn, soweit bislang bekannt, nicht vor- gekommen sein. _ Nicht allkin in Madrid, sondern auf der ganzen iberi1chen Halbinsel sch€inen beute Meteoriten gefallen zu sein. Aus Valencia, Logroüo, Toledo, Burgos und anderen Städten treffen Telegramme rin, wonach ähnliche Erscheinungen, wie

graphie mit unsichtbaren Strahlen“;- und am Donnersia w Br. Benedict Friedlaender noch einmal seinen Vortrag üglzerirLbZiU Vulkane“ halten. ' oe

Im Zirkus Renz gebt morgen Nachmittag und am M Abend das Paradexstiick „Erinnerungen an 1870/71“ wieder in See Morgen Abend nimmt das .Künstlerfest' den zweiten Theil des aus;

erlesenen Programms ein. P otsd (: m , 15. Februar.

In der gestrigen Stadtveroxd,

neten-Sißung gelangte das nachfolgende Allerhöchste Dank schreiben zur Verlesung: - . '

.Zu Meinem Geburtstage haben Mich der Magistrat und dj Stadtverordneten durcb treue SegenSwünsrhe und das Gelöbnißexk freut, daß die Bürgerschaft Meiner Residenzstadt Potsdam jederzeit bestrebt sein wird, an ihrem Theil mitzuarbeiten an den auf eine ge- deihlicbe Weiterentwickelung unseres tbeuren Vaterlandes gerichtxztßn Werken des Friedens in unerschütterlichr Treue gegen Gott und den König. Ick spreche dem Magistrat und dkn Stadtverordneten hierfür Meinen wärmsten Dank aus und benuße gern die (Helenenbejt, die Stadt Potsdam Meines unvrrändcrten landesväterlichen Wohlwollens

zu versichern.

Berlin, den 3. Februar 1896.

Bremen,

telegraphiert: Am 14. strandeten d e u t s ch e n

Wilhelm 11."

14. Februar. Die Rettungsstation Prerow ebruar von der auf dem Darserorter Riff ge. aliot .Heinrick)“ Kapitän H. Kühl und

vier Personen durch das Rkttungsboot „Graf Behr-chendank'

gerettet.

Queenstow n (Irland), 14. Februar.

Das Kanonenboot

,Iason“ ist heute Abknd nahe bei der Einfahrt in die Docks auf. gefahren; das Schiff fist fest.

B rüssel, 14. Februar.

Nack) einer Depesche Wm Congoist

am 6. d. M. eine Schalupvc des Dampfers .Esvörance“

gegenüber Von Borna gesunken.

Drei Agenten des Congostaats

kamen dabei ums chen.

Christiania, 14. Februar. Der schwe'disch-norwe ische Gesandte

in St. Petersbura von Reuterskiöld bat telegraphis Von sachkundiger Seife sci ibm mitgetheilt worden, die

meldet:

bierber ge.

ausgedehnten Handelézvrrbindungen„kes Großkauftnanns Kourbnarew machten es wahrscheinlich, da[; die Nachricht über Nansen durch

A enten Kouchnarcw's geschehen

racher Die russische

kunft 1111er Nansen zu

Weiterbcfördert wordkn sei, Was Eben konnte', als durch eigene Boten Nansen'g, Regierung ski angelegkntlich bemüht, Aus. erlangrn, und habe dem Gouverneur von

Jakutsk dabingsbknde Anweisungc'n ertbeilf. _ Auch birsige Autoritäten auf geographisrbcm Gkbie't halten die Devesche aus Irkutsk über Nanssn für nicht unwahrsckycinlich, dci Kolivinsk Voraussichtlich seine ctste Station in Sibirien sein dürfte, nn'nn Nansen wirklich auf dem

Heimwege ist.

' CorkOucens-t

immel bsrunterzis te.

Zfickpts zahlreicher »ersonen im Augrnblick der Detonation vom

der Stirn? leicht verwundet.

Don Psdro Esteban, der Avotbrker von *aÜrcas, wurd? von einem berabsansenden erbsengroßen Steine an In den Garten eines beim Hippodrom [irgenden Landguis fiel ein Bruchstück, das den Umfang einer mittel-

die heute hier Vorgekommencn, bcobackytct worden sind.

In der Urania wird morgrn, am Freitag und Sonnabend der dekorative Ausstattungsvorxrag „Das Anilin der Erde“ gkgeben, am Montag, Dienstag und Mittwoch spricht Hkrr Spies übsr „Photo-

(Fortscßung des Nichtamtlichen in der Ersten und Zweiten

Beilage.)

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Wetterberi t vom 15. Februar, 8 Uhr Morgens.

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eeressp. perarur ! 40 R

Wind. Wetter.

Siationen.

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bedeckt brde'ckt wolkenlos wolkig

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wolkig bedeckt Nebel bedeckt wolkig1) bal!) bed. *bedcckt 2) briter ball) brd. chcnéi) bedeckt bedeckt

wivn , . . 775 Cbsrbourg . 773 [der . . . . 771 cHylt ..... (74 mburg . . 772 winrmünde 773 Neufabrwaffer 770 Mkmcl . . . 768

OlSOCk-“QOSUÄ

NNO Mikis . . . . 773 NNO ünster. . . 768 SW KarlSrube . . 771 NO Wiesbadrn . 771 NW München . 770 NO Schnee"“) Chemnitz . . 771 NW Schnee Berlin. . . . 772 O „.xm'lkigk') Wien . . . . 771 x')? ],Schnce Breslau . . . 771 ZNNW 1|wolkcnlos Ile d'Aix. . 771 MO 5Ibkdeckt Triest . . . . 767 |ONO 3|bcdeckt

1) Gestern und Nachts Regen und Schnee. ' Nachts SÖULS. 3) Nachts Schnee. 4) Nachts “chme. 5) Nachts Schnee.

Uebersicht der Witterung.

Cin Hochdrucknebiet, über Irland und der Grgrnd des Skanerrak 775 mm? übersteigend, überdeckt“ nanz Wcst-Europa, wäbrknd die Depression im Osten

cb Verstacht bai. (Line finche kareMon von etwa

68 mm likgt ükcr drm nordwrstlicixcn Deutschland, in ihrem Bereich trübe Witterung mit REIM und SÖnek'fälicn bc'dingend. Nur an der westdeutschen Kaste isi da's Wktter Vorwiegend beiter. Die Tcm- pleratur ist in Deutschland Weitsr berabgegangen und [1th jevt unter dem Mittelwertbe, in Bre'slnu um 5, m Memel um 8x Grad; allenthalben, außrr an der westdeutschen Grenze, herrscht in Drutscb- [nnd Frostwetter; auch im Innrrn Frankreichs liegen die Morgentemperaturen etwas unter dem Gefrier-

punkt. Deutsche Seewarte.

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Theater.

Kämglrrne §chausptele. Sonntag: Opern- haus. 41. Vorstellung. Mara. Oper in 1 Akt Von Ferdinand Hummel. Tx t von! Axel Delmar. In Scene gcseßt vom 2.- er-Regtffcur Teßlaff. Dirigent: Kapellmeister ]")r. Muck. _ Bajazzi. Oper in 2 Akten und einem Prolo'. Musik und Dichtung von R. Leoncavaüo, deuts von Ludwig Kartmann. In Scene eseßt vom Ober-Regiffeur

eylaff. Dirigent: Kape meister Sucher._ Phan-

tasien im Bremer Rathskeller. Pbaniaitisckdes Tanzbild, frei nach Wishelm Hauff, Von Emil Graeb. Mufik von Adolf Steinmann. Dirigent: Musikdirektor Steinmann. Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaus. 47. Vorstellung. Die kranke Zeit. Lustspiel in 4 Aufzügen von Richard Skowwnnkk. In Scene geseßt vom Ober-Regiffeur Max Grube. Anfang 7T Uhr.

Sonntag, Nachmittags Uhr: In KrolT's Theater: Der T_rompetcr von Säkkingen. Oper in 4 Akten nrbit einem Vorsyirl von Victor (E. Nrlesr. Tkxt mit autorisikrtrr tbrilwx'iskr Bannßung drr Idee und einiger Original-Liedkr aus I. Victor Von Sckpkffel's Dichtung von Rudolf Bunge». Balikt yon Charles Guillc'min. Dirigent: Musikdirsktor Wegc'ni-r. _ Abcnds 75? Uhr; Uriel Acosta. Tramrsvici in 5 Aufzügen Von Karl Guykow.

Montan: Opernbaus. 42. Vorstellunn. Die Meistersinger von Nürnberg. Große Oper in 3 Aktkn Von Richard Wagner. Anfang 61 Uhr.

_Schanspielbaus. 48, Vorstellung. Die Quiyows.

Vaterländiickns Drama in 4 Aufzügen Von Ernst ZZUUHWUDMWCH' Regie: Herr Plasckyke. Anfang | r.

Opernhaus. Diknstag: Der Barbier von Sevilla. Phantasien im BremerRathokellcr. Mittwoch: Unfalloria rustieava. Bajazzi. Donnerstag: Mignon. Freitag: Fidelio. Sonn- abcnd: Dcr Evangelimanu. Phantasien im Bremer Rathskeller. Sonnta : Jvanboe. (K'roü's Tbratcr.) Nachmittags ZZ U :: Zar und Zimmermann.

Schaujpirlbaus. Dicnstag: König Richard 11. Mittwoch: Ein Sommernachtotraum. Donners- tag: Dic kranke Zeit. Freitag: Wallensteiu's Lager. DiePiccolomini. Sonnabend:Wal]en= ftein's Tod. Sonntag: Die kranke Zcit. (Kroll's Theatc-r). Abends 7? Uhr: Vasantascna.

Deutsches Theater. Sonntag, Nachmittag?!

2-7; Wr: Die Jüdin von Toledo. _ Abends U Uhr: Liebelei. _ Vorher: Der zerbrochene

ug.

:Uiontan: Die Weber.

DtcnStag: Liebelei. _ Vorbkr: brochcnc Krug.

Der zer-

Nerlmer Theater. Sonntag, Nachmittags 21; Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld. _ Abends ?ck Ubr: König Heinrich.

Montag: Des Meeres und der Liebe Wellen.

Dienstag: König Heinrich.

Lening- Theater. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: u Volkstbümlicben Preisen: Helmuth. _ Abends 7 Uhr: Comteffe Guckerl.

Montag: Comtesse Guckerl.

Dienstag: ZWLitis Gastspiel yon Hedwig Nie- mann. Madame Sans-Göne.

Ukfidenz-Thealer, Direktion: Sigmund Laufenburg. Sonntaa: Hotel zum Freihafen. (h'liötel an 1.1er [*Ich-mee.) Schwank in 3 Aktsn Von Georges Feydeau, überseyt und bearbeitet von Benno Jacobson. Anfang 71 Ubr. h ?)?ontag und folgende Tage: Hotel" zum Frei- a en.

Fktedrtrh - W11helmßüdttschey Theater. (Chausseestraße 25_26.

Sonntag: Mit großartiger Ausstattung an Kostümen, Dekorationrn und Reouisiten: Der Hungerleider. Ausstattunns-Knmödie mit Gesang nnd.BaUet in 10 Bildern von Iulius Keller und Loms Herrmann, mit tbrilwriser Benußung einer Idee des Mark Twain. Musik von Louis Roth. In Scene gescßt von Iulius Frikscbe. Dirigent: Hlkk Kavklltneiftcr Winne“). Anfang ?ck Uhr.

Montag: Dcr Hungerlcider.

Mur; Theater. Schiffbauerdamm 41/5.

Sonntag: Gastspiel des Herrn Franz TcWele Vom K. u. K. priv. Carl-Tbkatcr in Wien. Der Herr Direktor ( Uovxienr ]e oirootour). Lustspiel in 8 Akten von Alexandre Biffon und Fabrice Carré. Deutsch don Ferdinand Groß. In „Scéne neseyt Von Sinmnnd Lautknbura. _ Vorher: Ein Zündhölzchcn zwischen zivei Feuern. Schwank in 1Aufzng nach drm Fran- zölfistékn des H. Honoré von Georg Hilti. Anfang

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Sonntaa, Nachmittags 2:1 Uhr: Zu Halben Prrisen? Kabale und Liebe.

Montag (21. Avonnéments-Vorstrlinnn): Der Herr Direktor. _ Vorher: Ein Zündhölzckxen zwischen chi Feuern.

Dicnsmq: Der Herr Direktor. _ „Worber: Ein Zündhölzchen zwifchen zivci Feuern.

Theater Unter den Winden. Direktion: Inlins Fritzsche. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Bei halben Prcisen: Der Bettclstudcut. Oncrctte in 3 Akten Von J. Zell und R. (Gcnée. Mufik von Carl P?i"öckek. _ Abends 7F Ubr: Gastspiel der Fran Petterson-Norrie. Dic fchöne elena. Komische Ovcrrtte in 3 Akten von Meiimc nnd Halévv, deutsrb von I. Hopp. Musik Von Iacqurs Offcnbacb. Dirinrnt: HS?!" Kavcllmeister Feder- mann. _ Hié'rauf: Musikalische Scherze. Grosns Ballabilc', arrangiert vom Balletmeistcr

I. Rkisinner. Montag: Gastspiel der Frau Pctterson- Die schöne Helena. _ Hierauf:

Norrie. Musikalische Scherze.

Dienstag. dkn 18. Februar: Le'ßter Ball in dieser Saison. Großer Fastnachts-Maskenball.

Adolph ETUWTULÜWT. Sonntag: Char- leh's Tante. Schwank in 3 Akten von Thomas Brandon. Répertoircstück des Globe-Tbraters in London. In SARL gcscßt Von Adolph Ernst. _ Vorher: Die Bajazzi. Parodistiscbe Posse mit Gesang und Tanz in 1 Akt Von Ed. Jacobson und YetiF) Jacobson. Musik von F. Roth. Anfang

r. Montag: Disselbe Vorstellung.

Bentral-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 30.

Sonnta : Emil Thomas (1. G. Eine tolle Nacht, tone AuöfiattungSVoüe mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Wild. Mannstädt und Julius Freund. Musik von Julius Einödsbofer. In Scene geseézt vom Direktor Richard Schals. Die Tanz-Arrangem-nts vom Balletmeister Gund- lacb. Anfana 7k Uhr.

Montag: Eine tolle Nacht.

Konzerte.

Konzert-Qaus. Karl Mcydcr-Kouzert. Sonntag Anfang 6 Uhr. Montag Anfang 7 Uhr, Symphonic-Konzcrt.

Dienstag, dcn 18. Februar: Fast-uarbts - Sub- sFriptions-Ball. Karten 51 3 „44: im Bureau des Haines.

Bmg-Anadcmtr. Montag, Anfang 8 Uhr: Licder-Abcnd vnn Glifab. Gcrasch (Alt).

Philharmonie. Sonntag, Mittags 12 Uhr: Oeffentliche Hauptprobc zum !*111.Philharm. Konzert.

Moura, Anfang Uhr: !'111. Philharmo- nisches onzcrt. Dir.: Arthur Nikisch. Sol.: Erika Wedekind, R'. Hof-Opernsäng., Fred. Lamond, Klaviervirt.

Baal Werhaem. Linkstraße 42. Sonntag, Anfang 7x Uhr: !*11. Amalie Joachim, Schöne Magellone. Vrrbind. Teri: zzrl. Io|, Joachim.

Montan, Anfang 8 Uhr: Humoristisch-drama- tischer Fritz Rcutc_r=Abend von Aus. Junker- mann, Königlicbk'r Oos-Srhanspicler.

Zirkus Renz. Karlstraße. Sonntag: Zwet Vorstellungen: Nachmitfnns 4 Uhr: Große Vorstellung mit humoristischen Entrées nud Intermezzi. Auf viciseitiges Vsrlangen : 1870/71,- (Érmäßinle Preisc und 1 Kind untcr 10 Iabrln fk“- Abends “ck Uhr: Außerordentliche Vorsteumsso Großartiger Erfolg! Ein Künstlcrfcft, Auf das Glänzendste inscrnicrt vdm Direktor Fr. Renz- Außrrdcin in bkidéll Vorstellungen: Auftreten von nnr Künstler-Svezialitäten allerersixn Ranges., VN“ fübrkn und Re'iten der bestdresnerten Frclbélks“- Spring- und Schuldfrrdc. _

Montag: Aufführung des großen militärijcben Ausstattungsstücks 1870/71.

Skit 5 Monaten bcfindct sich in (Einstudierung und scrnischcr Vorbereitung: Lustige Blätterk/

Familien -Nachrichteu.

Veriobt: Frl. Else Scaiia mit Hrn. Lieut. von Qnednow (Stettin), _ Frl. Olga von Puttkamer mit Hrn. Lieut. Von Koenigsegg (Bednarkenx.

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Lieut. Adolsle)" Petersdorff (Stargardxi. Pomm.)._ Hrn. Amts“ richter Lattmann (Freiburg (1. E.). ;- Eine Tochter: Hrn. Major Weisbrodt (Straßbng

:. E.).

Gestorben: Fr. Grbeitne Finanz-Ratb Margarethe SWV, Jeb. Wünsche (Charlottenburg). „_ F Gymnasial-Oberlebrcr a. D. (S*eorg Friedrtch NL bk (Breslau). _ Verw. Fr. Cora Von Stégkot- geb. yon Paczinski (Kreuzburg O.-S.).

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Verantwortlichcr Redakteur: Siemenrotb in Berlin. Verlag der Expedition (Scholz) in Berlin-

Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und erlagk' Anstalt Berlin ZW., Wilhelmstraße Nr. 32-

Sieben Beilagen (einschließlich Börsen-Beilage).

'Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen StaatsxAnzeigcr.

Berlin, Sonnabend, den 15. Februar

1896.

NH 41. // Deutscher Reichstag.

40. Sißung vom 14, Februar, 1 Uhr. Die zweite Bcrathung des Rcichshansha11s-Etats,

und zwar des Etats des Auswärtigen Amts, wird fort-

geseßYZei dem Titel „Gefandtsckwftcn“, und zwar bei der Gesandtschafr in Athen,spr1cht _, "

Abg. Schmtdt - Warburg (Z€_t1tr.) kenne Fxrudr daruhrr , aus, daß bereits in der Budgetkommijsi'on dir, Anspruchs “drr grtethschc-n Gläubigér zur Sprache gekommen seien, und fahrt fort. Dear Staats- skkrktär hat sem energisches Eintrrten zugrsagt. ULM“- _den gx. schädigten §M'erstnnxn be'fmd'en sich solche, wclcbe'das F))kitletd vgn- ständig verdienen. _Dte tdenftsckpe Note Fra'nkreirbs,“ Qngiands'nnd Oesterrricbs hat keine Wirkung gkbnbt: dtejgriechis'chcn Gianoigrr werden behandelt, wn? man sonst die Glaub_tger min bebandslt. ijcch2n1and liefert Manches aus, nder Geld girbt cs'nicht ber. „Cs Mrdkn jryt neue Verhandlungen geiubrt, aber man Wird wohl weiter „;,;hts hören als faule ?lusreden.

Staatssekretär des Auswärtigen _Amts, Staats-Minisjer Freiherr Marschall von BlcbcrstLan

Auf die Brmerkung des Hrrrn Vorredners bin ich srbr gern bcreif, unink in der Budgetkommisfion gegrbcnen Erklärungen Hirr zu wieder- bolcn, um densklben eine etwas größere Wirkung nach außen hin zu verschaffkn- , ,

Die Grundfäße, von drnrn das Ausirärtigs Amt m derartigen Fragsn außgebt, find von mir Wiédkkbolt [)ZSr dargklrgt wordc-n. Wir überlassen zunächst dem Gläubigern dir Initiativr, in Verhandlungkn mit den bctrrffsnden ngierungen rinzntretkn, und leihen ihnen, wie jedem, der |ein Recht im Ausland? sucht, thatkräfiigc Unierstüßung. Dngackydruck, mit drm dies zu grscbcbrn hat, wird um so größer sein müssen, je stärker die Rechtswerlcyung war und je intrnsidcr der materielien Schade ist, der dadurch deutsckykn StantSangehörigrn zugefügt wordkn ist, und ich nehme keinen Anstand, zu rrklären, daß von diesem Geficbtspunkt aus aUerdings die deutschrn Gläubiger Griechenlands einkn wobl brgründetxn Anspruch haben auf kräftigks Einschreiten sritcns drr dsutscben Regierung zu ihren Gunsten. (Brand!) Seitdem in Griechsnland ein dcfinitivrs Ministerium ans Rudcr gekommen ist, hat sich auch sine gcwiffe Brffrrung in so weit dollzogen, als das neue Ministrrium im Prinzip das Von dem Gläubigern verlannic' Systrm (ingrnommrn Hat, daß nämlich die Einkünfte aus dcn vrxpfändeirn StaatSsinnahtnrn zwisckprn der Rigierung und dcn Gläubigern geibcilt wxrden folirn nach cinrm näher zu brstimmendcn Prozrntualsaß, und daß die Quote, die auf k|cGiäubig€r fällt, zu vcrwendcn sri, um ihrsn réduzikrten Zins- gsnuß aÜtnäblicl) aufzubessern. Zur Zrit schweben über die Einzel- heiten Vrrhandjungen in Paris, wo die englischen und deutschen Gläubiger als Delegirte mit den franzöfischen Vereinigt sind. Es entzieht sich meiner Kenntnis:, Welcbrn Punkt diese Vrrhandlungen in Diesem Augenblick erreicht habcn. Ich gebe mich drr bestimmtsn Er- wartung hin, daß die grirchische chikrung erksnncn wird, wie Es in ihrem eigenen Infereffe liegt, mit den Gläubigcrn zu Einem biÜigen Abkommen zu gelangen; und ich (3656 die Zusage, daß unsererseits nicht§*vcrsäumt wcrdrn wird, daß diescr; Ziel «reicht werde. |Vravo!)

Bei dem Posten für die Botschaft in St.Petersburg

rk b Abg. Spa bn (chtr.)au§,daf;119ch einér Meldung drr „Deutschen Tageszeitung" nach Abschluß drs Handelövxrtrags' Rußland seine Eijenbabntarife herabgeseßt hake: infolge deffcn srrrn nach Art. 19 des ndelsvrrtrags aucb dic dsnt|chen Etskndnbnen gsnötlngt, dre Tarie bkrabzusrnen, sodas; das russische? (Hktretd€_ nach Mgndeburg, Köln 11, s. w. billincr gefabrkn werde nls das dsntjcbe Getreide.

Staatssekretär des Außwärtigcn „Amts, Staats=Minister esrnhcrr Marschall von Btcbcrstctn: Dkk Herr Vorrrdnrr bat die (Hüte gehabt, mich Vor k?!“ Sitzung

davon zu Verständigen, daß er die Absicht habe, den Artike'l dsr „Dent- , |chen Tageszritung“ Vom ]5. Drzember voriZLn Inbrcs _ richtigrr

gesagt, ist es ein Eingesandt in die „Tageszeitung“ _ birr zur Sprache“ zu bringen. Ich habe deshalb mir diesen Artikrl angesehen und will skbr gern die Anfrage des Herrn Vorrrdners bcantwortsn.

Ich muß an diesem ganzen Artikel bewundern die große Ge- schicklicbkeit, mit der man es derstanden hat, anf ein9tn Verhältniß- MÜßig kleinen Raum eine so große Anzahl yoükommen unrichtiger Behauptungrn unterzubringen. (Heiterkrit)

Es wird zunächst die Behauptung aufgestkÜt, daf; seit drr Ei"führung des russischen Handelsvkrtrages die russische Régicrung die sogenannten Durchgangstarife nach unseren Ostsechäfcn herabgesetzt bat ""gefäbr auf den Werth der Verbrannten Kohlen. Die Wahr- beit ist, daß eine solche Herabsetzung überhaupt nicht stattgefunden W und daß die Durchgangstarife beute genau dieselbsn sind, wie vor Inkrafttreten des russischen Handelsvertrags. (Hört! hört!) Es kvird weiter darin gesagt, daß solche Durchgangstarife auf Grund der russischen Sätze auä) an anderen Stsllkn ein- geführt worden seien, insbesondere über Skiernowice, und daß es dadurch möglich sei, große Quantitäten Von russischem Gkkreide Zu einem sehr billigen Frachtsaß nach Magdeburg, nach Thüringen; selbst bis nach Köln zu führen. Die Wahrheit ist, das; “[The Durchgangstarife nur nach Königsberg, Danzig und Memel be- |Leben, sonst nirgends, und meines Wissens kann daher russisches Getreide auf dem Wege der Bahn nach Köln n|cht Wohl gelangen; denn das russische Getreide zahlt bei uns den normalen Frachtsaß und nicht weniger. Es ist deshalb auch nicht richtig, wenn in diesem Artikel dargelkgt wird, daß, wenn ein?"! Bäcker oder Müller in Magdeburg oder Köln angeboten werde deutsches Getreide, welches 10 Meian von der russischen Grenze diesseits gewachsen sei, und gleichzeitig russisches Getreide,

. was 8kkvachsen sei 10 Meilen jenseits von der Grenze, kraft dieser

DurchganßUakife das russische Getreide billiger zu stehen komme.

ist nicht richtig, auch nicht auf den Strecken, wo die Durch- gangswkkfe nach den Ostseebäfen bestehen; denn diese rusfischrn Durch- Jaxgstanfe nach unseren Ostseebäfen sind Staffeltarife mit rasch ab- ca end“ Scala, und erst in einer Entfernung don etwa 180 ](w

jenseits der Grenze an werden die russischen Tarife billiger als die unsrtgen. Das russische Getreide also, was innerhalb dieser Grenzzonen w"achst und nach Drutschland transportiert wird, 'Dat zunächst den bobrren russischen Tarifsaß zu bezahlen und außerdem noch den deutschen Tarifsaß. Es ist also nicht wahr, daß unter diesen Verbältniffen das russische Getreide biÜiger gefabrsn werde als das dsutscbe,

Da der Artikel ein? writere Behauptung nicht Enthält, bin ich auch mit mriner Widrrlegung zu Ende. (Bravo!)

' Auf eine Anfrage 1794215)? Weiß (fr. VolkSp.) bezüglich etner Hopfenexportpramre m ußland erklärt der „Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staats-Minister Frotherr Marschall von Bieberstein: Mir ist vnn dc'n angeblichen Ausfubrprämien, welcbe Rußland fur Hdpfrn brznhlf, nur soviel bekannt, daß Vor Einiger Zrit Sin- mal, ich glaube in St. Pétersburg, Cine Vkrsammlung stattgefunden hai Von russischen Hovfenbamérn und da von einer Scite das Be- gehrsn gestellt wurde, man solle an die russische Regierung mit „dem Verlangen Hrrantrsten, solche Auöfnhrprämirn zu gewähren, daß aber die Vsrsammlung dns abgelehnt hast?, nachdem dargelkgt wurde, daß ein solches Verlangen volikommcn aussichtsxos fei.

Abg. von Iazdzewski (Pole) bittet um eine Erleichterung des prr'ußiscb-„russiscben Grenznerkrhrs.

Direktor tm Auswartigen Amt, Wirklicher Gebeinwr Rath H el lw i 9: Meine Zerren! Ick babe anf dicse Anfrage zu Erwidern, daß das Aus- ivartige . mt dsr Angrll-genhsit seine voUe Aufmexrksamkcif widmet, und daß noch ganz vor kurzem der Botschafter in St. Pétékstkg angewiesen worden ist, anf die Sache bei der rnsfischsn Regiérung zurückzukommen. Wik babcn die Hoffnung, daß, Wenn auch nicht aUe Wünsche erfüllt Wkkdkn, dock) génnffe Erlsichterungen mir drr russischen Ncgierung wkrdrn nrrrinbcirt ivrrdcn.

Ber dcr Forderung fiir die Botschaft in Wien bc- hauptet der

Vlbg. Bebel, chß- die Grbälier ron 168000 „56 für dissen Postrn skbk hoch ksirn; dafür könnte man Verlangkn, daß drr Botsrlyaficr anf setnkm Plaße sri, ncnnrntlich, wenn in drm Staats wxchtrg€ Craignißl vvxkämen. WEnn, fährt Redner fort, ich Lnir vrrgegrnrvnrtige, was_ im Vorigen Jahrs am Wiener Hofe in cxnrr ereigniszrrtckycn Zeit gexcheben, so weiß ich nicht, ob dir Vkrtrstung rtnc genugende war. Im yorigkn Jahre wurde Stambulow Ermordet, Was nroßc Folgßn Habrn konnte, zumal der Metropolit Element in St. Pétersburg weil'te. In rinrm solch€n A11g€11blick lyättr dsr deutsche Bdtsckyaster m Wien anwesend skin und seine Pfiichikn erfüllrn muffcnx, da haben wir gehört, und auch diE bürgerlichen Blätter bab€n s1chflcbbaft dariiber aufgrbalten, daß in „kisser Zeit der Bot- schaft"€r sxtnen Posten verlassen bnt. Schwere Krankheit würde das yerstandltci) machen. Der Herr hat während dcr Zeit Snaziersahrirn in der Nordsee gemacht. Das steht im Widerspruch mit den Pf1ichtcn, welcbektbm aufrrlegt sind. Ich möcht€ Sie bitten, die Forderung fur Wien aszbnrn, da sie mir übrrflüssig erscheini.

_Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staats: Minister Freiherr Marschall von Bieberstcin:

Meine Hcrren! Darübér, wann und wie lange ein Botschafter auf ssinem Posten zu sein hat und wann Lr anderwärts dienstlich zu Verwenden ist, Hat ausschließlich Seine Majestät der Kaiser und der HcrrReichskanzler zu befinden. (Sehr rirbtig! rkchts.)

Es kann dem Herrn Vorrcdncr nicht unbekannt scin, das;, so Oft sin Botschafter von seinem Posten abwesend ist, für eine ordnungs- gemäßs Vrrtretung grsorgt wird. Ich muß daher die Kritik des Herrn Vorrrdners als Eine VoÜkommen unberkcbtigle mir aÜer Ent- scbie'dcnbrit zurücchisrn. (Bravo! rechts.)

Ads. Richter (fr. Volksp.): Ich kann die Kritik nicht (1123 un- hrrrähttgt bezeichnen. Ich Miß nicht, warum die Person des Kaisers in dre Debatte gezogcn wird. Der Staatssekretär und drr Reichs- knnzler sind parlamentarisch Verantwortlich, und daher ist jede Kritik eines Abncordnetkn bercchtigt. Wenn ein Botschafter so lange abwesrndist und wrnn irgrnd cin andere'r Beamter ibn Vertreten kann, so kannzcicbnrt das dir Stclinng drs Botschafters als eine lediglich rkprn'enxativr. Wenn wir auch den Posten nicht ganz abseßen können, |O sind wörhe Vorkonitnninr doch geeignet, die Freigebigkeit drs Reichs- !ags für di? Dotation solcher Posten zu vrrmindern.

' Staatssekretär dcs Auswärtigen Amts, Staats-Ministcr Freiherr Marschall von Btcbcrstcin:

Ich Habe die Person Srincr Majestät deSZKaisers nicht deshalb hier erwähnt, um dsn Herrn Reichskanzler odc'r mich zu entlasten. Drr .Hcrr Reichskanzlrr und ich übernsbmsn stets die voÜe Verant- wortung für unsere Handlungen. Ich habe darauf bingewirsrn und wiederhole das, es handelt sich hier lediglich um eine Frage des internen Dienstes, und bezüglich dieser [)Cstkbt dem Reichstag gegenüber keine VerantWortlicbkeit. "

Abg. Freiherr don Stumm (Rp.): Der Abg.Ri_cht'er scheinrbe- strebt zu sein, die Herabsetzung der Lkiti'l' dcr auswarttgen Politik, die er gestern angefangen hat, heute fortzusrßen. Nicht der Staats- sekretär bat die Person des Kaisers bincingezogxn, sondern Herr Bebel, indem er die Fahrten in der Nordsee „erwahnte. Der Bot- schafter war damals in der Umgebung des Katjcrs mel nothwendiger als in Wien, denn er konnte seine früher Lingezogenkn Informationen dem Kaiser vortragen. _ _

Abg. Bebel (Soz.): Eine Kritisierung der auswartigen Politik, wenn fie uns njcht ganz und gar verboten sein soll, ist unser Recht und unsere Pflicht, darin werden wir uns weder durch Zenn von Stumm, noch durch jemand Anders beeinflussen lassen. n welcher Art dirnstlicben Auftrags war denn der Botkcbafter auf der Syaztcr- fahrt in der Nordsee? Ick babe die Sqche so aufgefaßt, w18_ sie auch in bürgerlichen Preßorganen aufgefaßt rst. Schon damals hatten die Herren die Verpflichtung gehabt, h_er falschen, Auffassung enIegen- zutreten. Das englische Parlament laßt fich niemals das Re 1 der schärfsten Kritik nehmen. In England u_nd Frankreich „werden durch die parlamentarische Kritik Minister gcsturzt, bei uns nn Reiche der Gottesfurcbt und frommen Sitte kennt man so etwas nicht,

Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staats-Ministcr Freiherr Marschall von Bieberstetn: *

Darüber, in welcher Weise die Beamten des auswärtigen Dienstes dienstlich zu Verwenden sind, steht die Entscheidung ausschließlich Seiner Majestät und den Vorgesetzten dieser Beamten zu. Ich lehne es deshalb formell ab, in die Sache selbst einzugeben und

dem Herrn Abgeordneten Bebel in dieser Beziehung Rede zu sieben.

Daran wird der Titel bewiUigt. _ Bei defn Auögaben für das General:Konsulat in

Amsterdam weist

Abg. Iebsen (nl.) darauf hin, daß die deutschen Rbedereien sich in ziemlieh schlechter Lage befändrn; die Dividenden seien erheblich gefaÜen. Nur durch Energie und die größtmöghche Sparsamkeit können, führt Rednsr aus, die Schiffe laufen. Die Konkurrenz mit den Engländern haben wir aushalten können, troßdem wir die syzialpolitischen AuGgaben Haben, die andere Länder nicht.!)aben. Aber dre Konfulatßgcdühren der andkren Länder md niedrxger,_ als die nnsrtgen. Eines drr Schiffe meiner rigenen bederei bat m einern Mdnat aklein 300 „ik: Konsulatégrbübrcén bezahlen müssen für dre Einfache Anmsldung, Abgabe und Abhebung der Papiere. Redner empfiehlt eine Ermäßigung der Konsulathrbübren.

„Direktor imfAuswärtige-n Ami, Wirklicher Geheimer Rath R €1cha r d t: Meme Hsrren! Die Frage, die der Herr Vorredner erörtert hanf, blldkt den Gegenstand mancher Anträge, die seit Jahren an das Aus- wartige Amt herangetreten sind. Wir haben zunächst eine umfaffende Enqnöte in der Frage eingeleitet: eine EnquSte, crstiich um die Grscßgehung aller übrigen seefahrenden Länder kennen zu lernrn, und zweitens, um gutachtliche Aenßerungen unserer an Seepläßen resi- drérsnden Berufskonsuln über die Frage einzuholen. Nack)- drm das Matrrial eingegangen, find die_ Vorbereitungen für mne Revision des Konsular- Gebührentariss ein elritet. Es ist eine umfangreiche und sehr mühevolle .lrbeit, und der "Zeitpunkt, bis wann die Révision ihrer Vollendung wird entgegen sieben können, läßt fick) im Augenblick nicht bestimmen. Die Ver- xicbernng können wir aber je? t schon abnrben, daß die Revision ange- tellt wird gerade untrr den * esichtspunkten, die der Herr Vorredner - bxrvorgehobrn hat; er wird also in der Lage sein, den thdereikreisen die "Hoffnung auf eine baldige Revision der Vorschriften über Schiffs- gehnhr zu Eröffnen, eine Revision im abmindernden Sinne. _ Nur wurde ich ihn bitten, die Hoffnung nicht insoweit zu erwecken, als fie das Nide'au betreffen, das in manchen Rhedereikreisen als erstrebenswertb angesehen wird. Die Herren mögen fich des (Grundja e_s erinnrrn .lebrn und lrben lassen“, und das Lebknlaffkn Werdrn te den 700 kaufmännischen Konsuln gönnen, die unter andersm namentlich dazu bestimmt sind, die Interessen der Rheder im Auslande wahrzunehmen,

_Bei dem Konsulat zu Madrid fragt Abg. Richter, ob sich in Bezug auf die handelßpolitischrn Bcziehungcn mit

'Spnnicn irgend Etwas geändert habe.

. Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staats-Ministcr Freiherr Marschall von Bieberstein: Die betreffendrn Verhältniffe babrn sicb bis jetzt nicht geändert.

Beim Konsulat von Rio de Ianetro verlangt

Ab.]. [)r. Von Marquardsen (ni.) cine Vérmehrung der

Bcrufs-Konsuln in Brasilien; drr Konsul in Rio sci der einzige in dem grqßrn Reiche; die WaHl-Konsuln seien zum tbril nicht einmal Angeberigr drs Deutychen Rrichs. Was wäre g€scheben, wenn in Pretoria nicht ein _Berufs-Konsul, sondern ein Wabl-Konsul vor- handen arwesen ware, der mit seinen Intsrcffen mitten in den dortigrn Verhältniften gestanden hätte! Redner bittet, in den nächsten Etat eine Forderung für ein Berufs-Konsulat in Bahia einzuseßen. , „Direkwr irn Außwärtigrn Amt, Wirklicher Gebkimer Rath thchardf: Meine Herren, als Vor einigen Jahren der damalige kauf- niannisrhe Konsul tn Bahia stark. war die deutsche Regierung genöthigt, die Vcrwaltung drs Konrjulats einkm Nichtdeutscbrn zu übkrtragkn, weil ez? ntcht gelang, in dcr ehr zahlreichen und sehr ansehnlichen, nament- lich durch hervorragende dkutsche Handelsfirmen ausgczeirbneten Kolonie eine Persönlichkeit zu finden, die bcrcit war, das Ehrenamt zu über- nehmen. Anregungen wie diejenige, zu deren Dolmetjcb fich der Herr Vorrednsr emacht, sind an das Außwärtine Amt neuerdings Wiederholtund (ich in den lrxztcn Tagsn in der Form einer Maffenpetttwn der Dcutsrhen aus Bahia brrangetreten. Das Auswärtige Amt bat fich bisher in der Sache zuwartend Verhalten, nicht aus Mangel an Interrffe für die dortigcn Deutschen, sondern Weil wir ungeachtet der dankens- wrrtbcn Brreitwilligkeit, die wir stets in diesem Hohen Hause gefunden, wenn ck sich darum bandelta, Berufs -Konsulatc zu schaffen, doch xnit Rückficbt auf die Finanzlage des Reichs ein gewiffes Maßbaiten sür angezeint rracbtkt hatten, und deshalb unssr Augenmerk zunachst aus dirjentgen Pläßr richteten , wo das Bedürfniß besonders dringend war. Eine besondere Dringlichkeit schien uns biner in Bahia nicht bervvrgetreten zu sein. Die Lückr, Von der der Herr Vorredner sprach, und die Gründe, dir für Ausfüklung der Lücke nut Recht grltend gemacht Wurden, treffen auf sehr viele wichtige Plaße irn Auslande zu. DM Vergleich mit Pretoria wolite der Herr Vorrcdner 1chließlich sklbst nicht mehr geltrn lassen. Aber es Warcn noch andere Gründe, die die Sache in unseren Augen als nicht so dringend erscheinen ließen. Der bisherige Ver- walt_er des Konsulats hat seines Amtes, obgleich er Nicht- dcutychr ist, mit Voller Treue gewaltet; Reklamationen, Be- schwerden über srine Thätigkeit sind niemals an uns bekan- Jetrcten; der Handel zwischen Bahia und Deutschland steht in der öchstsn Blütbe', und was die Hauvlsache ist: im Augenblick haben wir die Hoffnung noch nicht aufgeg€ben, im Wege einer neuen Kom- bination einc geeignrte kaufmännische Kraft für den Konsulatsv_ostm in Bahia zu gewinnen. Soüte fick) diese Hoffnung mcht crfu'lLen, so wird das Auswärtige Amt gewiß gern den, Weg beschreiten, auf welchen die Anträge des Herrn Vorredners gerichtet sind.

Die AuSgabcn für Votschnften, (Hesandtschaften und Konsnlate wcrden bewilligt einschließlich der Mchrfordcrungrn für emen Vize-Konsul in Kapstadt, em Gcncral=Konsulat in St. Petersburg, zwci Konsulate in Fiume" und Marokko und em Vize=Konsulat in Jaffa. , ,

Es folgt die Bcrathung des Etats der Mllttak- verwaltung. _ “-

Beim Titel „Gehalt des Kriegs-Mtnrstcrs bittet

Abg. Dr. Bürklin (nl,) um eine bessere Ordnung dertRang- und Gehaltsverbältniffe, sowie der Versorgung ,der Hinterbliebenen der Militär-Kapeümeister; sie wünschen, daß man ihnen eme'Stellung, entsprechend den Zablmeistern, zwischen den , Unxerqffizteren und Offizieren anweise'. Die Pension brtrüge nacb dreißigjabriger Dienstzeit böchstens 700 „16, und die Hintkrbltebenen bekamen gar nichts.

KriegsWiinifter Bronsart von Schellcndorff:

Meine Herren! Die Militärvcrwaltung erkennt an, daß es wünschenswertb ist, die Dienstverhältniffe der Militär-Musikmeister zu modifizieren, und zwar im Sinne einer Verbesserung ihrer Stellung. Es haben auch im Laufe des Jahres eingehende Verhandlungen darüber stattgefunden; es find aber gegenwärtig noch verschiedene Erwägungen anzustellen, bevor ein Abschluß nach dieser Richtung erfolgen kann. Im wesentlichen steht augenblicklich ein Bedenken dem entgegen, welches in der finanzieller: Lage liegt. Diese gestattet es jetzt nicht, an Gehalts- erhöhungen bkranzutrcten, besonders an die Gebaltßerböbung nur einer Kategorie, wie die der Musikmeister. In späterer Zeit aber, bosse ich, daß die Verhältnisse etwa in dem Sinne sicb werden arrangieren lassen, wie es von dem Herrn Vorredner in Anregung gebracht ||-

Abg. Wei (fr. Volksp.): Der Kriegs-Minifter ab im vorigen Iabre die Erklßirung ab, daß die von den Seminarken abgebenden

Lehrer das Recht des einjährig-freiwilligen Dienstes erhalten sollen.