1896 / 42 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 17 Feb 1896 18:00:01 GMT) scan diff

dem Konzert atis der durch seine Iugendscbriften bekannte Schrift- steller und Di ter Herr Dr.Julius_Lobmeyer mit .Erinnrrun en an 1870/71" ü ernommen. Auch seinem Vortrag wurde lebba ter Beifall zu tbeil.

An demselben Abend gab im Saal der Sing-„Akademie die junge Violin - VirtuoÉn Marie Bumi? aus Frankfurt a. M. ihr erstes Konzert. Jbr ei enton ist zwar ein großer, doch besißt sie einwanerkennenswertbe te nische Fertigkeit, spielt sauber und trägt mit Emp ndung vor. Dies machte sich in der H-äur-Sonate don

*- Der Leiter der zoologischen Station in Neapel, Geheime ,Negierungs-Ratb Professor Dr. Dobra beabsichtigt in Ralum -eu-Pommer_n) eine ZweigniederlazYung zu begründen. 'ofe or Dahl von der Universität zu el wird wie das „D. ol-Bl.“ mittbeilt, 1?" diesem Zwrck mit dem nächsten Post- dampfer sich nachRalum egeben um cb zunächst einen umfassenden Ueberblick über die Fauna „der Gazelien albinsel zu verschaffen. Die nötbigen einZTborenen Fischer sind bereits in Neapel vor ebildet wordxn; die äumlichkeiten stellt der Plantagenbesi er arkinßon zur Verfugung. Das Unternehmen wird durch eine eib [fe aus dem Fonds zur Förderung der Erschließung Afrikas und anderer Länder-

Im Konzert aufe wird am Mittwo , den 19. Professor Dr. Cabr ck b M

[Rick,d1'ä "“Herr ' Gewandhaud-Kapeiie in Leipztiä- ieineexteuean 11,5an eonjéiergent der _ E r st e V e t l a g e

AW C"" zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

“beweg Berlin, Montag, den 17. Februar 1896.»

bedeutenden Nufs ais Mozart-Spieler erfreut, das Klavier-Konzexti ]Z-äur bon, Mozart vortragen. Auch gelangt an diesem Abrnd 'n neues Violm-Konzert von Major zum ersten Mal zur AUfkÜbruß?

Mannigfaltiges, M 42-

Verliner Gewerbe-Ausstellunq 1896. /““““

Brahms ür Klavier und Violine und in kleineren Pidcen von Spohr,

Die

gebiete unterstüßt.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs-

Maßregeln.

Laut Bekanntmachung der Königlich schivedischen Medizinal- verwaltung vom 3. Januar 1896 darf die Einfuhr seewärts Ton es

Wiederkäuern nnd Schweinen, sowie yon Thieren Pferdrgescvlecbts bis auf weiteres nur nach dxn Stadtrn lsin borg, Malmo, ernö and, Stockholm, Kongelf (rin Ertbrnburg), SundSVal], Landskrona, Söderbamm und Luleü, Umcä stattfinden.

Theater und Musik.

Lessing - Thraker.

Frau Hedwig Niemann trat am Sonnabend in dcr Titrirbile des Sardou'schcn Lustspiels „Madame Sans-Göne' auf. Ihre Auffassung der Rolle lief, wie zu erwarten w.“:r, mehr auf eine kraftvolle, naturwabre und [cbrndigr Menschengestaltung hinaus, als auf „“as Beurübrn, dic ichöne Form und das Gefäüige drr Sardru'scben Figur, wozu Kostüme und scrnische Umgebung verlocken, in den „Vordergrund zuKrürken. Dir Sardou'sche Madame Sans- Gé*ne ist so stark aus rein äußerliche, i_beatraliscbe Wirkungen rgründrt, daß niir sine Darstellerin ersten Ranges darauf verzichten ann, fich der gelaufigeu äußeren Mittel auch tbatfächlich zu bedienrn. Dte_große.sckauspirleriiche Kraft der Frau HedwiÉ Nirmann, ihre sonnige Heiterkeit,„1brfröhliches Lachen, ibis tiefe mpfindnng drr- moche sich fast in aklrn Scenrn sirgreick) zn bewäbrrn; aber auch ihrer klaren ,und reinen Erfassung der künstlerischen Aufgabe blieb cin Rest von d1chtcrischen „Yrmmungen drs rinbritlicben Charakterbiides unüberwindbar. Herr Suske gestaltete den Napoleon durch seine sondrrbar kurzen Bewegungen, die kleinen Laufschritt? im Zimmer .ind ähnliche Aru erli keiten in der That zu ciner Lustspielfigur. In den übrigen Ro en alten keine bemerkendwertbrn Neubesryungrn stattgefunden. Der Beifal] galt verdientermaßen zumrisi der Gastin, die nach alien Akten wiederboit berborgerufen wnrde.

Vieuxtemps, MendelZobn und Anderen angenehm bemerkbar.

iamstin Martha ornig, welcbe fich jünY'Jt in einem eigenen onzert mit Erfolg ören ließ, unterstüßte die iolinspielerin in der obengenannten Sonate sowie durch den wvblklingenden Vortrag einiger bekannten Klavierstücke von Mendelssohn, Chopin und Liszt. _ Am_Sonnabend ließ fick) Frauiein Marianne Millde, eine junge Sangerin aus Stockholm, im Saal Bechstein zum ersten Mal bierselbst hören. Ihre wenn auch nur kleine Stimme ist recht wohlklingend; eine größere Sicherheit, im Tonansay muß die Künstlerin noch durch fortgeseßte Studien zu erreichen sich bemühen. Jntrreffant war es, unter den gewählten Lisdern auch einige hier noch nicht bekannte skandinavische „(Hrsange zu hören. „[ ärömmsn“ und ,Iahrlang möcht' ich so dich halten“ von E. Sjögren, sowie „Uir “Grhss Oronnjng“ von Bacher Gröndai und ein schwedisches Volkslied „k)ézbr 81/11181161116“ wurden mit besonders lebhaftem Beifai] aufgenommen. Der Violinist Herr Alfred Meyer, Mitglied der „Neuen erliner Symphonie- kaprUe', spielt? mit weichem und voilc'm Ton, techntscber Sicherheit und gutrm Ausdruck einige PiScrn von Spohr, Rehfeld und Syendsrn und erntete gllicb dcr Sängrrin reichen Brifall.

Zu derselbenZeit traten in derSing -Akademie der Bariwnist Alexander Heinemann und der Violonrelliit Joseph Horwitz auf. Bride habrn ihre Srudien am Stern*:chen Konxcrvaiorium ge- macht und zrirbnen fich durcb gediegenes Könnrn aus. Drr Sänger bewährte dieses in drr Arie .Es ist genug“ aus Mendelssobn's „Eliag' sowie in Lirdern von Schubrrt und cinem Lirde eigener Komposition. Drr Violoncellist bekundete srine trchnische Fertigkeit und warme Empfindung in Kompositionen von Beethoven, Goltermann, Bach und Popper. Beethoven führte brfriedigcnd aus.

ausschuß der

festgeseßt und

findenden „S

Herr (G. Freudenberg seinen Klavierpart rccht In

Jm KHniglicbenOprrnbause werden morgen Rossini's Oper .Der Barbier von Sevilla" mit Herrn Bulf; in der Titelrolle und das Vaiiet „Phantasien im Bremer Ratbskeller' gcgrben. Am Donnersta „_ dem Tage der Beisrßung von §I'imbroise Thomas, wird drs franzö ichen Meisters Over „Mignon' aufgeführt. Das Wrrk geht an diesem Abend zum 103. Mal in Vériin in Scene.

. Jin Königlichen Schauspielhause ist die' Aufführung von Frtrdrtch Hebbrl's „Juditb“ auf nächste Woehe vrrschoben worden. -

Leipzig 1897.

Handrlsbeziebungen zu den Artikel aller Ari; 2) Darstellung sonstiger Erzeugnisse aus Pflanzen- und Thierreicb, der mineralitcben Schäße aus den Kolonien Sammlungenzoologisckxer, ethnograpbiicbxr, botanischer, mineralogischeé Art; 3) Darstellung drs chrns der Eingrborenen, ibrer Wohnungen Festungen, bausli en (Einrichiungen, ihrer Arbeit und VergnügUngemc“ theilWeise durch ' geborenen mit ihren Europäer in den Kolonien, ihrer Häuslicben Einrichtungen“ 5) Dar- steliung der AuSrüstungrn, Formation derKaraWanrn 2c. für orschungs. reifen ins Innere Afrikas; Reisewerke, kariograpbiscixe und photographische Darsteliungen, Wissen. schaftltche Instrumente 11. a,; 7) Abtheilung für Tropenbygiene„ Das Burrnu brfmdrt sich Kronenstraße 3,

alle geschäftlichen Anfragen zu richten

dustrie-Ausstellung“ weblche die LZestitmmunÖ s ib s P f s' 5) & nr men zu ver rei en. ice en in) von dem ro c1or „ii. “ion. In der zu Anfang gespieltc'n Ü-ÜÜk-LIOUÜW drn ne ger grscbmackvvli rntworfen nnd werdrn durch das typogradbsische

Zimt Von Gies eck r und D vri 6 nt in Leipzig und Brrlinvertricben, Ein Exemplar der Marke liegt uns vor. Goidgrund thront bobeitszl eirxi' Livsia; ihr linke'r Arm stüßt fich auf einen Schild mit dem Stadtwappen, drr rrchte bäit Lorbrerkcanz und Palme. Di.? unteren Ecken zrigrn Attribute der Industrie und dech-wrrch; nacb außcn zu umschließt rin blauer Rand die In- schrift: Sachsisch-Tbüringische Jndustrir- nnd Gewerbl-Ausstrliung-

Konzerte.

ImSaaic drrKöniglicben Kriegs-AkademiesandamFreitag zu einem wobltbätigen Zweck ein .Musikalisch-deklam at orischer A b en d ' statt, wrirhen die wohlbekannte Konzrrtsängerin Frau An na Das Duett „Urra Jsr'a (i'umc)r6“ Welches die Damen E mmh La mpe und die

G 0 id 5 a ck veranstaltrt hatte. von Campana,

Konzertgeberin vortrefflich vortragen, machte den Anfang. _ Frau Jda Klee, deren Konzert- Vortrage in der Aula des Falf-Realßymnasiums jüngst so großen Verfall fanden, brachte Hierauf ihre klangvolle Stimme und sinnige Schattierungsweise' in zwei Liedern von W. von Woikowski- Biedau und Franz sowie in Rubinstein's .SanJJdcr Vöglein" wirksam

'. arby (Sopran) und _ (Violine) Schiwarz (Bariton) durch wobl qelungerßeiderträge, die von e a rg wurden. Die Kladirrbeglritung befand sich in den geschickten Händen Die deklamatorische Betheiligung an

Altistin und Gesanglehrerin

zur Geltung. Außerdem erfreuten Frau von

die Herren Soma ck-Steiner

erschienenen Publikum

dem zahlreich

der Frau Marie Reschke.

Matkowsky. - Im März wird als 2. und 3. Abend des Cyclus D' „König Hrinricb der Vierte"

te

fein- führung. Die Brsrßung lautet:

Königin: Fräulein * (MW;

und Karl

aufgenommen

Außer dem Schwank ,Die Hölienbrücke“ wird daselbst aucb Grorg Engels Schauspiel „Hadasa' zur Aufführung gelangrn. Die Haupt- rolien befinden sich in den Händen des Fräulein Lindner und des Herrn

_ in dsr Ueberlxeßunn von Schlegel-Tirck, brarbettet von Wilhelm Oechelbäuser, *gege

Yiorgrn gelangt Sbakekpeare's „König Richard drr Zwrire', über- setzt von Schlegel, brarbritet von Wilhelm Orcheibäuier, zur Auf- König Richard: Herr Markowsky; _ _ Herwg bon Lancastrr: Hrrr Violenar; Hrrzog von York: Herr Klein; Bolingbroke: Herr Ludwig. Hedwig Niemann wird auf besonderen Wunsch Ernst don Wilden- bruch's in der einaktiac'n Schauspiel-Novität „Jungfer Immergrün“, welche am nachsten Sonnabend im Lessing-Theater zur ersten Aufführung grlangt, die weiblirbe Hauptrolle svieien. Sans-Gézne“ wird dir Künstlerin nur noch zweimal anfirrten, und zwar am morgigen Dienstag sowie am Freitag.

mit vokiständig neuer Ausstattung von Sbakespeare's Königsdramen

Brstrilung der eu werden.

In „Madame

Der unter d

Vorfiß des Afrikaforschers Grafen von Schweiniß tbätige Ulrich?!

Sonderausstellung deutscher

KOlonien

(Gruppe )()(llT drs Gesammtuniernebmens) bat jeßt sein Programm

folgende Eintheilung getroffrn: 1) Darsteliung der

Kolonien, Produkte, Maschinen, Wie dem

ufbau von Dörfern und Vorführung

vo .' ; Familien; 4) Darsteliung n Em

des Lebens der 6) Porträts hervorragender Forscher,

2 Treppen, wohin ind. auch

Der Erfolg, den Hier und anderwärts die Idre der Ausgabe von „Ausstellun gs-Marken' grbabt [)at, hat auch den geschäfts. führrndrn Ausschuß der im nächs1rn Jahre zu Leipzig statt-

ächsisck7-Tbüringischen Gewerbe- und In- bcwogrn , Marken herstellen zu lassen babkn. die Kunde von dem Unter:

Auf mosaikartig gebaltenem

Der untere freie Raum ist dem Aufdruck von Firmen.

namen vorbehalten.

Die brkannie Blumenbandlung Von J. C. S_cbmidt in Erfurt, Hoflisferant Ssiner Majestät des Kaisers und Königs, der- sendrt zum herannahenden Frühjahr ihre neschmackvoil ausgestatteten, umfangreichen Samen- und Pflanzrnkatalogr undier und Baumschnirn-Verzeichniß. Beide sind reich illustriert und so übersichtlich grordnrt, daß den Kunden die Auswahl und

ofen-

aewünschtcn gärtneriicbrn Erzeugniffe so leichtwie

möglich grmacht ist.

Friedrberg (_Neum.). welche im birsigcn Krrife brstehen, werden, dem Beschluffe des Kreis- tages vom 10. Dkzemchr d. J. grmäß, niit drm 1. April d. geben, da ihr Writrrbriirlnn. nachdem die Stationen in den Nachbar- kreiscn schon seit längerrr Zeit aufgrbobcn sind, zwrcklos erscheint.

Die vier Vrrpflegungssiationen,

I. ein-

(Fortseßung des Nichtamtlirhen in der Ersten und Zweiten

Beilage.)

W

om17. Februar,

v 8 U Morgens.

Wetterbericht br

Stationen, Wind. Wetter.

Meereßsp.

red. in Millim in " Celsius

Bar. auf 0 Gr. Temperatur 59 C. = 4“) R.

_ n.'d.

SO SW WSW WNW

4bedeckt 1_bedeckr Zbcdrckt 2;Dunfi WNW L'bedeckt _,NNW 4iwolkenio§ ;WNW Z-wolfig

Belmuliet. . Aberdeen . . Cbristiansund Kopenhagen. Stockholm .

?Yréd? .

. e ers urg Moskau . . .

DUDPUQMÜ

ZSSW . Schurr 1)

bedeckt halb bed. wolkig bedeckt Nebel bedeckt Dunst beiter

CorlQueens- town . . . Cherbourg . Leider . . . . Fits . .“ . . m urg . . Swinemünde Neufahrwaffer Memel . . .

atis . . . .

"nster. . . Karlßrube. . Wiesbaden . München Cbemniß . . Berlin. . . . Wien . . . . Breslau . . . 775

wolkenlos wolkenlos wolkenlos wolkenl.9) wolkenl.3) beiter bedeckt Nebel Nebel

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Ile d'Aix . . 771 ONO 5 wolkenlos Nizza . . . . 771 ONO 5 wolkenlos Triest . . . . 777 O 1wolkenlos

1) Gestern und Nachts Schnee. 9) Reif, Dunst. 3 Nebel.

Uebersicht der Witterung.

Eine breite Zone hoben Luftdrucks erstreckt fich von den Britischen Inseln ostsüdosiwärts über Zentral-Europa hinaus nach der Balkanhalbinsel, wogegen Nordost-Europa ,)yon einrr umfan reicZen Drpres on überdeckt wird,“ deren Kern am ZVK en Meer iegt. In Deutschiand ist das Wetter im Norden" bei schwachen Westwinden mild und trübe, rm Suden „bei schwacher östlicher Luftströmung kalt und trube; „Niederschläge werden nicht ge- meldet. Cbemmß und Bamberg melden 8x, MÜUYYF Wb'eéfradstf unterJNuÉüddax/Zelgend [)ist das ame u enge 1 to rei. n ru cm err t ßrenge Kälte, Charkow minus 24 Grad. sch

Deutsche Seewarte.

*I- Theater.

Königlirhe Zrhauspiele. Dienstag: Opern- haus. 43. Vo teilung. . Der Barbier von Sevilla. Komiche Oper in 2 Aufzügen von

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O

Gioachimo Rossini. Dichtung nacb Braumarchais, von Cesar Sterbini, übersetzt von Ignaz Kolimann. Dirigent: Kapellmeister Sucher. _ Phan- tasien im Bremer Rat steller. Pbantastiches Tanzbild, frei nach Wi elm Hauff, von (mil Graeb. Musik von Adolf Strimnann. Dirigent: Musikdirektor Steinmann. Anfang 74 Uhr. Sckoauspielbaus. 49. Vorsiclinng. König Richard der Zweite. Trauerspiel inbAufzügen von Wiliiam Shakespeare, übersth von August Wilhelm von Schlegel. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Wilbelm_Oechelbäuser. In Scene grseßt vom Ober-Regtsieur Max Grube. Dekorative Einrichtung vom Ober-Jnspektor Brandt. Anfang 75 Uhr. Mittwvab: Opernhaus. 44. Vorsieüung. (cka- ralloria "[alle-ma. (Bauern - Ehre.) Oper in 1 Aufzug von Pietro MaScaani. Text nach dem gleichnanri?en Volksstück von G. Verga. - Bajazzi. Oper n 2 Akten und einem Prolo . Musik und Dichtung von R.Leoncaval1o, deuts von Ludwig artmann. Anfang 74 Uhr. Schauspiel aus. 50. Vorsteliung. Ein Sommer- nachtstraum von William Shakespeare, überseßt von. August Wilhelm Von Schlegel. Musik von Jem Mendelssobn-Bartboldy. Tanz von Emil racb. Anfang 7x Uhr.

Deutsches Theater. Dienstag: Liebelci. - Vorder: Der zerbrockjene Krug. Anfang 7? Uhr.

_Mtttinocb: Yiru ernstudiert: Köni Heinrich der Vierte von Shakespeare. Anfang Uhr.

Donnerstag: Liebelei. - Vorher: Der zer- brochene Krug.

Orrliner Theater. Dienstag: König Hein- rich., Anfang Uhr.

Mittwoch: Der Pfarrer von Kirchseid.

Donnerstag: König Heinrich.

Wessing Theater. Dienstag: Zweites Gast- spiel von Hedwig Niemann. Madame Saus- Göne. Anfang “ck Uhr.

Mittwoch: Comtesse Guckerl.

Donnerstag: Der Thron seiner Väter.

Residenz - Theater. Direktion: Sigmund Laufenburg. Dienstag: Hotel zum Freihafen. (['llätel an 1.1er [“John-:e.) Schwank in 3 Akten von (Georges Feydeau, übersetzt und bearbeitet von Benno Jacobson. Anfang Ubr. h ?iitjwocb und folgende Tage: Hotel zum Frei-

a en.

Ftiedruh - Wilhelmßüdttsrhes Theater. Chausseestraße 25-26. Dienstag: Mit großartiger Ausstattung an Kostümen, Dekorationen und Requisiten: Der Hungerleider. Ausstattungs-Komödre mit Gesang

und BaUet in 10 Bildern von Julius Keller und

Louis Herrmann, mit theilweiser Benuyung einer

Idee des Mark Twain. Musik von Louis Roth.

In Scene gesekt von Julius Frißscbe. Dirigrnt:

Herr Kaprllmeis er Winné. Anfang 7T Uhr. Mittwoch: Der Hungerleider.

UML?! Therrtrr. Schiffbauerdamm 4a./5. Dienstag: Gastspiel des Herrn Franz Triucle vom K. u. K. priv. Carl-Tbeater in Wien. Der Herr Direktor (Uousiour lo ojroowur). Lustspiel in 3 Akten von Alexandre Bisson und Fabrice Carré. Deutsch von Ferdinand Groß. u Scene aesrßt Von Sigmund Laufenburg. - Vorher: Ein Zündhölzrhcn zwischen tvei Feuern. Schwank in 1 Auszug nach dem Fran- ,szsiMen des H. Honoré don Georg Hilti. Anfang r

Mittwoch, Donnerstag und Freitag: Der Herr Direktor. - Vorher: Gin Zündhölzchen zwischen zivei Feuern.

Sonntag Nachmittag: Zu balbrn Preisrn: Der Militärftaat.

Theater Unter den Linden. Direktion: Iulius Fri sche. Dienstag: Letzter Bail in dieser Saison. roßer Fastnachts-Maskenball. Bier Musikkorps (200 Musiker): Das Tbeater-Orchcitcr, die russische Hauskapelle des Hotel Monopol, die vollständige Kapelle der; Kaiser Franz-Garde-Grena- dier-Regimenis Nr. 1, Musik-Dirigent: Herr John, das vollständige Korps des 1. Garde-Dranoner- Regiments Königin von England, Musik-Dirigrnt: Zen Voigt. Zum ersten Male: Wal er-Reigen.

roßes Bauabile, arrangiert vom alletmeister I. Reisinger.

Mittwoch: Gastspiel der Frau Petterson- Nortje. Die schöne Helena. - Hierauf: Musikalische Scherze.

Adolph Ernn-Theater. Dienstag: Char- leh's Tante. Schwank in 3 Akten von Thomas Brandon. Rrpertoirestück des Globe-Tbeaters in London. In Scene gesetzt von Adolph Ernst; -- Vorher: Die Bajazzi. Parodistiscbe Poffr mit Gesang und Tanz in 1 Akt von Ed. Jacobson und Benno Jacobson. Musik von F. Roth. Anfang

74 Uhr. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung.

Bentral-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 36.

Diensta : Emil Thomas a. E. Eine tolle Nacht. roZ; Ausstattungsvoßb mit Gesang und Tanz in 5 ildern von Wi . Mannstädt und Julius Freund. Musik von Julius Einödsbofer. Zn Scene gesetzt vom Direktor Richard Sebulv.

ie Tanz-Arrangements vom Balletmeifier Gund- lach. Anfang 7x Ubr.

Mittwvch: Eine tolle Nacht.

Konzerte.

Konzert-jijaus. Dienstag, den 18. Februar: Fastuackjts-Snbskriptions-Ball. Karten Tr 3.4- im Bureau des Hausrs.

Mittwoch, den 19. Februar: Großes Extra- Symphonie-Konzert. untcr gütiger Mitwirkung der Herren Professor Major. Lauboerk (Violink), Lingen (Grsang, Alt), Professor 111". Reinecke.

Zing-Akademic. Dirnstag, Anfang 8 Uhr: 111. Klavicr-Abend VM Ferruccio B. Bufori.

Baal Eechsiejn. Linkstraße 42. Dirnrtai Anfang U Uhr: 111. letzte Abonnementö-Soirée des Böhmischen Streich-Quartetts.

Zirkus Renz. Karlstraße. Dienstag, Abends 71; Uhr: Außerordentliche Vorstellung. Groß- artiger Erfolg! Ein Künstlersest. Auf das (Glänzendsre insceniert vom Direktor Fr. Rens- Außerdem: Auftreten von nur Künstler-Sprzialitaten alierersien Ranges. Vorführung der berühmten Original-Dreffuren des Direktors Fr. Renz- Auftreten sämmtlicbcr Clowns und des _beltebten Oriainal-August Mr. Lavater Lee. Alles Nabere aus Plakaten ersichtlich.

Mitiivo : Ein Künstlerfcst.

Seit 5 ionaten befindet sich in Einstudierung und scenischer Vorbereitung: Lustige Blätter!

___-.....-

Familiot-Natbrichten.

Verlobt: Frl. Margarethe Wittmack mit Öl"- ])r'. [)1111. ?ricdrich Krüger (Berlin).

Geboren: Ein Sohn: rn. Reierungs-BaU: meister Goldfchn1idt(Berlin . -- E neT„ochter- Hrn. Pfarrer CrnstHcffter (Rohrbeck b.Juterbog)- - Hrn. Lieut. Ernst Von Eickstedx (Stargard k- Pomm.). - Hrn.Regiewngs-As1effor Ur- von Öberniv (Liegnitz).

Gestorben: Hr. Rittmrister a. D. Hans Gebhard Dräseko von Kröcher (Charlottenburg). - k- Bürgermeister Ludwi Hr. Oekonomie-Dire tor a. Oswald Skier? (Breßlau). _ Hr. Rektor a. D. Wilhelm Kitte- (Breslau). - Fr. Postsekretär Jobanna Altman" geb. PoSner (Breslau).

„__-

Verantwortlicher Redakteur: Si emenroib in Berlin. Verlag der Expedition (Scholz) in Berlin- Druck der Norddeutscbrn Buchdruckerei und Verlaak' Anstalt Berlin ZW., Wilhelmstraße Nr. 32-

Acht Beilagen

(einschließliib Börsen-Beilage). (2861)

“"“ "' .

MWF (Schönlauke)- '“

Deutsther Reichstag. 41. Sißung vom 15. Februar 1896, 1 Uhr.

Ueber den Anfang der Sitzung wurde in der Nummer d. B1.

vom Sonnabend ber1chtet. '

TageSordnung: Fortseßung der Bergthung des Reichr- haushalts-États, und zwar _ch MrlrtarEtats beim Titel: „Gehalt des KrieZs-Ministerd“.

Abg. Bebel (Soz.): rr Kriegs-thster bar gestrrn in längerer Ausfiihrung mich zu widerlegen gesucht,“ gelungen ist es ihm nicbt- Er sagte in Bezug gui dle Soldatenmrßhandlungen: H?“ Bebel hat wvbl selbst den Eindruck gewonnen„ daß dieses R'epertmre nicht mehr die nötbigr Zugkraftbar. Fur tmch ist es gieickZniJltig, wie stark das Haus htrr beseßt ist im Saal und auf den Tribunen. Wir haben zu sprechen, “wenn der Gegenstand auf'der Tagesordnung steht, und bsi den Miliionen draußen finden mrine Ausführungen mehr Anklang wie hier im Hause. 'Der Kriegs-Mnnstcr bat mich für sejchtgläubig ebalten. Das bin ich kemrdwrgs. Es Handelt sich bei den Mi ständen, deren Abstrilung Wir berlangen, garnicht um ozialdemokraiiscbe Forderungen; alles, was wir wvilrn, kann auf dem Yodrn der jetzigen GeseUschaftSordnung geschehen," und wrnn Sie die der. morschte Ordnung noch aufrecbtrrbalten wolirn, muffen Sie die Klagen ab- stellen, die wir vorbringrn. Was ist mir denn Falsches nachge- wiesen? ck) babe Brirfe beriefen Von einem jungen Mann, der «b wegen Mi handlungen das Leben nehnien wollte. Der junge

ann bat fi aber nachher das Leben' nicht enomrnen. Dafür bin ich doch nicht verantwortlich. Die Haupt?ache ist, daß. der unge Mann überhaupt zu diesem Entschluß kommen konntr. _chbrtgens hat der Kriegs-Minister bei diesem Fall zugestanden, daß die Kameradrn einen Mann, den man besonders prininen will„ überfallen und mis;- handein. Das kann doch Von der Behörde nicbt gebilligt werden, aber der Kriegs-Minister scheint an ganz in derUOrdnung zu finden. Durch solche Thatsachen schlagen Sie ja fo'rtwabrend dsr Religion, drrMoral, der sittlichen Ordnnng ins Grficbt; In einem andern Fall soll der Rücken nicht vereiteri gewescn ]ein. Ich babrngrgen militärärztlicbe Zen niffe ein großrs Mißtrauen; wenn dir Militararzte alles das, was fir Lescbeinigen müssen, beim jüngsten Gericht Vertreten sollen, dann wird es ihnen schlecht geben. Der Mann soll bestraft iein, Weil er die Mißbandlunnen zuerst abgeleugnet batte; Warum hat er denn gelogen? Weil er fürchtete, bei Aussage: der Wahrheit noch schlimmcr behandelt zu wrrden. Man kann solchen Aussagrn, wie ich an einzelnrn äilen beweisen kann, nicht immer trauen, sribst wrnn fie brridigt Fnd. (Präsident Freiherr vonBuol: Ich nehme an, daßdrr Redner nicht im aÜgemeincn von militärischen Eidrn svricbt, wndern nur von einzelnen Fäile'n.) Ich bitte drn Herrn Präsidenten, boni strno- graphischen Bericht Krnniniß zu nehmen, dersrlbe wird crgebrn, daß ich nicht das gesagt habe, was rinzelne Herren gehört zu haben der- meinen. Im Fall Von Strombeck ist alirrdings der Mann, der die Behauptung aufgestelit batte, wegen Vrrleumdung angeklagk, abcr er ist doch nicht Verurtbeilt worden. Im Hamburger „Faii sprgcb der Krirgs-Minister Von einem Denkzettel. Darrn lag _eine grwrße Gs- nugtbuung. Das Kriegsgericbt bat andrrs geurtbrtlf; „es b9t den Major von Scbulze-Klosterfeldc zu zwei Monaten, Gefangmß' ber- urtbrilt. In Bczu aufdie Duelie hat der Kriegs-Ministrr geschwregen. Es ist seltsam, da alle bürgerlichen Parteien, troßdem fir dock) dns Duell nicbt vertbeidigen, schweigen, wo fie sprccbrn sollten. Dad isi ein Zustand, der auf die Untergrabung der „Moral bmwtrkt, namentlich wenn von der höchsten Ste_[ie rm solch gemein- aefährlicher Unfug geduldet wird. Letd€r__ bat Lqssalle „dre Dummheit gemacht, sich in ein Duell cinzula11e_i_i. Kern Sozial- demokrat wird das entschuldigen. Wrnn Lamaile brate noch iebie, würde er wahrscheinlich anders denken. Die Ordens- nrleibungen folien wegen der militärischen _Strllung erfolgt und der;- balb der militärische Rang dem bürgerlichen Beruf vbrangrsieklt sein. Es war jedenfaiis ein Rodum, daß dies briden dirsjabrtgen Ordenßberleihungen zum erstrn Mal geschah. BiCÜLlÖT'lst 9? nur eine Nachahmung der Sucht, den Rcservc-Lirutcnant „aucb nn burgrr- Lichen Leben beworzukebren. Eigentlich gebtsund die Sache nichts an,denn wir Sozialdemokraten kommen nicht in die LWL, nns wcgen OrdenSverleihungen Kopfschmerzrn zu machen; das ware Sache'der bürgerlichen Parteirn gewesen, aber ich, mußtx, daß es von dieser Skirenicht gerügt werden würde. Dre Prcße ist znanchmal noch Wilk, in den Landrdbertretungcn abcr spricht ma_n„ntcht von solcbrn Sachen. Die Broschüren, die mir der Kriegd-Minister anbot, besiße ich längst; ich könnte dem Krirgs-I„)_Z_inister vicÜeickZt manche aus meinem Vorrath anbieten. Die Verfamer der Broschurcn haben doch manche Erfahrungen gemacht, die man sehr gut verwer1brn kann. Da ein Tauf- und Trauzwang grübdwrrd, findrxt 'der KriLJS-Mmister ganz begreiflich. Er schreibt dkn Verzicht ayf die kirchlichen Akte einer schlechten Erziehung und_berd§rb- !lkben Einwirkung zu. Es handelt sicb darum, ob die Militarbcbjorde Ubixkhauvt eine Befugniß zu eineni solchen Zwang'batx. Der Kriegs- Minister scheint garnicht zu winen, das; wir etn„3w1istand§grseß haben. Die Statistik weist nacb, daß die Kriminalitat'bet den Dissi- denten am geringsten ist, daß fie also sittlich am bochstrn, minde- stens denen, die sich Christen nennen, gleichsieben. Luther brtracbiete die Ehe als ein rein weltliches Ding, in welcher? die Kirche 'nicht klngreifen soll. Mit den wissenschaftlichen Vortragen m ,denJunglings- vrremen ist es nicht weit ber; es wird mit der Wissenschajt _srbr Ykel Unfug etrieben. In drn IünglingZVereinen wird sehr Viel ubrr öffentliche *ngelegenbeiten gesprochen und Politik geirieben. In Uster Linie wird natürlich die Sozialdemokratie_ bckampft.' Die ommandierung von Soldaten in eine Gerberei entschuldigt der Krit?Js-Minister mit einem Notbsiand; einen solchen Notbstand

des Unternehmers benutzen die Arbeiter, um ihre Forderungen durch-. ' Weben. Das ist auch jetzt beim Ausstand der Konfektionsarbeiter

der FAU; sie wissen, daß die Unternebmer Bestellungen bcxben. Wenn das Angebot von Arbeitskräften groß ist„ dann „drucken die Unternehmer die Löhne. Dabei darf. ein Eingriff der Bebördrn nicht vorkommrn; am allerwenigsten seitens der rmee. Der Kollege Schall hat meine Rede sebr ernsthaft genommen; denn er hat zur Widerlegung die langste R??? JLHalten, die er bisher je gehalten hat. Daiß_t,ch streng objektiv zu spkechen versucht habe, wird mir allgemein be tattgt werden; Herr “Ü hat sich in seinem Urtbeil über meine Rede Uebertreibungen

3" Schulden kommsn lassen. ck bin allerdings nicht Soldat ewesen, aber ich bin Soldatenkind, in der Kasematte ,geboren und abe Lists ein lebhaftes Interesse für militärische Dmg? „gehabt. abe nicht gesagt, daß Herr Schall das Duell vertbetdtgt bat,

er hät es aber gere tfertigt im Jahre 1894 am 5. März und zwar so, daß der Abg. Lie er dagegen Protest erhob. Wenn er ,und seine mtskollegen das Dueli verurtbeilen, dann ist ihr Einfluß m „er Armee ein außerordentlich schwacher. Die Sozialdemokraten sind Eder Armee ebenso gute Soldaten - das hat der Reichskanzler raf Caprivi anerkannt - wie sie gute Arbeiter sind. 'Herr Schall

kack) von der religiösen Gesinnung des Heeres, von seiner sittlichen

aitung- Ick onte darauf nichteingeben, weil ich ohnehin schon böses Blut Zenug erregt habe. Ich weise nur auf einen Vortrag drs Pastors Wa ner [)th ?km Kongreß der Sittlichkeitsvereine über die sitteren er- L d111_sse auf dem Lande bin; danach ist der Ausdruck „Uns uld vom daW e ein durchaus umtreffender. Es wird in diesem Vortrag Heer als eine Schule der Unzucht bezeichnet; die Soldaten wurden

durcb dns Beispiel der Vorgese ten verleitet. Wenn es so schlimm m der Armee aussieht, dann ann man sich nicht wundern, daß die

Folgen sich im bürgerlichen Leben zeigen. Pastor don Bodelschwingh erging, daß

schildert die traurigen Feste der Kricgerdereme, wo es so [) Lk slch sag'te: Einmal und nicht wieder habe er sich daran betbeiligt. Sehen Sie die Programme der Herrenabende der Kriegerdereine! Wenn das am. dürren Holze, den älteren Leuten, passiert, wie wird es dann erst beim grünen Holze aussehen? Wenn ich einmal Zeit bgbe, Link, Broschürr zu fcbreibrn, dann werde ich nicbt drn von Herrn Schall mrr an eratbenen Titel wählen, sondern den folgenden: Kapi- talismus und kilitarisinus, die Zwiiiingskinder einer untergehenden (Heseiisckyaft. Und das Material dazu werden mir Herr Schall und seine Genossen geben.

Kriegs-Minister Bronsart von Schellendorff:

Meine Hrrren! WEnn ick) sechs oder sieben Mal dem Herrn Abg. Bebel nachgewiesen habe, daß er sich geirrt hat, daß er Un- recht bat, dann behauptet er acht oder zrbn Mal, er habe Recht. Auf mich macht das absolut keinen Eindruck. Ick) glaube, es macht auch keinen Eindruck auf die nichtsozialdemokratischen Mitglieder des hohen Hausrs, die gewobni find, fich ihr Urtbeil selbst zu bildrn und nicbtauf unbegiaubigie Angaben des Herrn Brbel bin. (Sehr richtig! rechts.) Im übrigen muß ich sagen, es brsteht im ganzen Lande auch nicht drr allergeringste Zweifel darübsr, daß Von der Ailerhöchsten SteÜe herab bis in die untrrsie Instanz unserer Vorgeseßten die Mißbandlungen aufs schärfte verurtbeilt werden und daß fie, dank der sorgsamrn und scharfen Einwirkung der Kommandobebörden, don Jahr zu Jahr mehr abnehmen. Welchen ZWLck hat es, daß der Hrrr Abg. Bebel hier einige Fälle alljährlich vorträgt, sie breit tritt und sie so darzustellen sucht, als wären sie der schlagende Bemeis dafür, daß in der Armee ganz verrottete Zustände herrschen? Der Zweck ist: zu agitieren nach bekannten Rezepten gegen die Armee. (Sehr richtig! rechts.) Väter und Mütter drr Wehrpflichtigen sollen mit Haß und Vrracbtung gegen das Heer erfüllt. den Wehrpflichtigen selbst soli noch, bevor sie in den Dienst irrten, der Dienst vrrleidet wrrdrn. (Sehr richtig!) Das ist der ganze Zweck der Sache. Ich will hier nicht näher auf Details eingeben, die der Hrrr Abgrordnetr borgebracht hat; mir kam seine lange Rede wie ein langsamer Rückzug Vor, bsi dem er nur mit den Heckgeschütsen feuerte. Im übrigen muß ich bemerken, der Herr Abgeordnete be- findet sich zuweilen in großem Jrribum, Wenn er, obne den Zusammen- hang zu kennen, Argumente Vorbringt Und denkt, die babrn ganz erschütternd gewirkt. Ich habe gestern nämlich vrrgeffen, verbor- zubeben, daß auch die Von ihm ganz [)altlos aufgestellte Behaup- tung, Mißbandlangen Und schlechie Behandlung bon Soldaten bei dem Regiment in Aachen hätten zahlreiche Drsrrtionen daselbst zur Folge gehabt -mit diesen Deicrtionen berbäir es fich wieder, wie mit dem Musketier in Lübeck. (Heiterkeit rechts.) Die Leute, die dort deseriiert find, gehören der Klasse der unsicheren Heercspflichtigen an, die man, meiner Ansicht nach, allerdings nicht in einer Grenzgarnison hätte einstelien sollen; diese unsicheren Herrrspflicbiigen find in der Regel Landstreicher, sogenannt? Stromrr, die Einen sehr scharf ausgebildkten Wandertrieb befiyrn und im Nichtstbmi die angenehmste Brscbäftigung suchen. (Zuruf links.) - Disse unficherrn Hrerespflicbtigen, auch unsichere Kantonisten genannt, werdrn naiürlick) in der Nähe drr Grenzgarnison es sehr Verlockend finden, einmal binäbrrzugebcn,“; um inkognito längere Zeit dem Natur- gcnuß und der Bettelei zu lebrn. (Heiterkeit.) Seitdem in dem Orte die unsicheren Heerespfiicbtigen nicht mehr eingestrilt Werden, haben wir dort auch keine Fabuenflüchtigen mehr in besonders großer

ahl. Z Der Herr Abgeordnete Hat weiter Von den militärärztlicben Zeugnissen abfällig gesprochrn, anknüpfend an einen Fail, in dem ibm nacbgcwiesen ist, daß er eine unrichtige Behauptung aufgesteilt batte. Nun, ich muß sagen, die militärärzilicben Zeugnisse halte ich für glaubwürdiger und praktisch weit bedeutrnder als alie Reden, die der Herr Abg. Bebel gehalten hat und noch halten wird, und seins sämmtliäzen Koilrgen mit inbegriffen. (Heiterkeit rechts, Zuruf links.) _ Was er ferner noch übrr dcn Werth des Eides bier ge- sprochen bat, so hat schon der Herr Präfident die nötbige Korrektur eintretrn lassen, deshalb versage ich cs mir, weiter darauf einzugehen.

Von Ferdinand Laffaiie bat er auch gesprocbrn. Der Herr Abg. Brbel sagt, es wäre eine große Dummheit Von ihm gewesen, daß er fick) geschlagen hätte. Meine Hrrrcn, wer Dummheiten don Ihren Führern begeht, müssen Sie selbst am besten beurtbeilen, darüber maße ich mir ein“"„Urtheil hier auch garnicht an. (Heiterkeit) Jeden- falls babe ich stets die Auffassung gehabt, daß Ferdinand Lassalle der Meinung war, er sei es feiner Manneswürde und ManneSehre schuldig, mit seiner Person einzutreten. (Sehr richtig!) Der ganze Unterschied ist bei Ihnen der, daß Sie anderer Meinung find und das für eine Dummheit halten! Ich glaube, das hohe Haus wird es gern sehen, wenn ich weiter darauf Verzichte, die 16 bis 17 Nummern, die der Herr Abgeordnete nochmals vorgebracht bat, heute von neuem zu widerlegen (sehr richtig!), sonst würde! die Sache endlos werden und wir könnten bis übermorgen uns bloß mit der einen Rede des Herrn Abg. Bebel beschäftigen. Es sind nocb mehr Kollegen von ihm Vorhanden, die noch reden wolien, denen darf man die Zeit nicht weg-

nehmen. (Bravo! Heiterkeit.)

Ab. Stadthagen (Soz.): Ich bin dych zweifelhaft, ob der KIiegs-Minister für den Ernstfal! die Stellung aus- füllen kann, für die er 36 000 „M erhalt, wenn er ernsthafte Dinge in so scherzhafter Form behandelt. Redner geht dann „auf drn ail des Hauptmanns von Sirombeck ein, in wel exm jetzt der Zutsbesißer Dommaßsch wegen „Verleumdung verklag! er; dem Beklagten sei es gelungen, nachdem brsber nur Zeugen benannt Waren, welche im militärischen Dienstberbaltniffe sieben, andere Zeugen zu finden, welche nicht mehr im Dienste seien; Der Abgeordnete könne nur für das eintreten, was ihm mrtgethetlt ist;5 ?err Bebel babe in diesem Fall seinen Gewährsmann genannt. „Ke ner weist auf einen Fall hin, wo ein „Ulan in Saarbur , wie seine Angehörigen glaubten, infolge einer Mi handlung ums Le en gekommen sei. Der Rittmeister babe bestritten, eine Mißhandlun statt- efunden hätte. Aus den Privatbriefen des Verstorbenen ge 2 aber Ferdok, daß er mißbandelt worden sei, daß er verhindert worden [ei, in das Lazaretl) zu geben, und als er es doch gethan, wiederum miß-

handelt worden sei. Redner verliest die Briefe, wobei er mehrfach durch Gelächter unterbrochen wird. "Er bemerkt: Wenn es Ihnen lächerlich ist, daß ein Vater sich daruber beschwert, daß sein Sohn beim Militär um ekommen ist, so bitte ich, sagen Sie das bei den Wahlen. Der Fall zeigt, Wi? die VorgeseÉen Mi handlungen nicbt Verbindern önnen und schließlich an die xßhand'un en nicht lauben wollen. Die Militärverwaltung scheint keine Mitte zur Ver- Jinderung zu haben, deshalb steUt man es etwas chnerzbaft dar. Der Nrdner führt einen anderen Fall eines zum ruppel ewordenen Klempners Kümmert an, der beim 2. Westfälischen nfanterie- Regiment Nr. 15 gedient habe und nach zWei ngren als absolut unheilbar entlassen worden sei. Er wurde, fahrt „Redner fort, dem Landarmenhause zu Geseke überwiesen, da ihn seine Heimatbs- emeinde nicht übernehmen Wollte. Erst auf Betreiben des Landes- ßauptmanns von Westfalen wurde eine kriegsgericbtliche Untersuchung angestellt und der mi handelnde Sergeant verurtbeilt aber es wurde die Mißhandlung ni t als die Ursache des Siecbtbums festgestellt. Dem Manne sind 15 „M monatlich im Gnadenwege bewilligt; aber er wil] nicbt Gnade, er wiki sein Recht haben. Die Liste der Mißbandlungen ließe fich ins Ungeheuere steigern. Die Be- hauptungen meines Freundes Bebel smd ja zum ubergroßen Theile bewiesen. Ich batte erwartet, daß der Yiinister anerkennen würde, daß das System nicht beibehalten werden könne, Wenn er aber annahm, daß wir Haß und Verachtung gegen die Armee haben, ,so irrt er sich. Haß und Verachtung gegen die Armee müssen dte- jenigen baben, welche solche Zustände dulden. Für jeden Denkenden ist offensichtlich, daß der Zwr ist: Abstellung der Män el und auf den Kriegs-Minister und die anderen Parteien einzuwir en, daß die Mißstände abgestellt werden. Redner beantragt schließlich, dem Kriegs-Minister das Gehalt zu streichen.

Preußischrr General-Lieutenant von Spiß: Es ist der Militär- verwaltung nicht möglich, auf die einzelnen Fäile, die der Herr Vorredner angeführt bat, einzugeben, weil die Akten nicht zur Stelle sind. Auch über den [Men, der wohl der Hauptbeweis des Herrn Vorredners gewesen ist, haben wir die Akten nicht hier. Zu den Anführungen möchte ich doch einiges bewerfen. Ein Soldat, der in- folge drr Mißbandlungen eines Vorgexeßten, invalide wird,i1tver- sorgungsberechtigt. Er bat eine Dienstbeschädigung erlitten. Das ist begründet durch die militärischen Einrichtungen; der Mann ist Webrlos dem Vorgeseßten gegenüber. Es ist also allgemein anerkannt, daß das eine Dienstbeschädigung ist. Wenn es dem Herrn Vorredner nun lediglich darum zu thun gewesen ware, dem qunezu seinem Rechte zu Verbelfen, so wäre es meiner Ansicht nach richtig gewesen, wenn er die Klagen des Mannes oder des Vaters an die Petitions- kommission des Reichstags geleitet hatte. Wie die Erfahrung zeigt, stellen sich dort diese Sachen ganz anders heraus, als fie hier ohne Gegenbrweis ins Land binauSgeworfen Werden._ Die Sache steht mir als einem Sackykenner von solchen Verhaltnissen ziemlich klar vor Augen. Die VersorgungSansprücbe des Mannes smd untersucht worden, gewissenhaft, wie ich überzeugt bin, und Wenn die Angelegenheit noch an die etitionskommtssion gelangen solite, wird es fich dort bestätigen. ch bm überzeugt, es ist auf das genausste recherchiert worden, ob der 'Mann in der That invaltde geworden ist, d. 1). ob er in den leidenden „Zustand geratben ist durch die Mißbandiungen des Vor ese ten. Hatte sich dies beraus- gestelit, so würde er seine geseßli e ension bekommen'haben. Es wird sich dies aber nicht herausgestellt haben durch die arztlichen Atteste, durch die Vernehmung 'der Zeugen, das Alles wird _ in den Akten sein, daran zweifle ich nicht. Der Mann hat anch nicht nuf dem Gnadenwege, wie der Herr Vorredner meinte, eme Beihilfe Erhalten. Wenn der Herr Vorredner das PensionSgeseH ansehen will, nämlich den § 110, so wird er ßnden, wie rs im (Hefe vor eseben ist, daß, wenn eine Dienstbeschädigung sich nicbt nachwei en t, ,der Yiann aber aus irgknd cinem Grunde„ der mit dem Dienst nicht zusammenhängt, krank oder erwerbsunfabtg geworden ist und entlassen wird und in bedürfti er Lage ist, daß es dann gestattet ist -- fakuxtativ, ist es dort angedrü t -, ibm eine'Yension auf Zeit zu geWabren. Das ist “hier der Fail gewesen, und 1 bin überzeugt, wenn die Akten durchgesehen werden, wird es sich ganz anders herausstellen, als es der Herr Vorredner bier vorgetragen hat.

Abg. Graf Roon (d. kons.): Der. heroische Entschluß des Herrn Stadtba en, das Gehalt des ;Mmister's nicht zu beWilligen, wird auf das aus und drn Kriegs-Mmtfter keinen Eindruck machen. Wir find das ja ewobnt, die Herrenlangweilen uns mit ihren Reden beim Etat, und sciJließlich lehnen sie den ganzen Etat ab. Die Herren haben ja allerdings das Recht, über den Etat zu reden, aber eigent- lichuisi das ungrhörig, da fie ja von dem ganzen Etat nichts wissen wo en.

Vize-Präsident Schmidi-Elberfeld: err Abgeordneter, ich mus; Sie erjuchen, nicht in das Amt des ' rasidenten einzugreifen. Welche Reden bier ungeböri sind und Welche nicbt, unterliegt ganz ausschließlich meiner Beurthei ung. ,

Abg. Graf Noon (fortfahrenZZ: Ick) füge mich dem bemerke aber, daß die gestrigen usiübrungen des Abg. einen abgebenden Oberst aucb ungebörig waren., , ,

Vize-Präsident Schmidt-Eiberfeld: Es,:st em Unterschied, ob ein solcher Ausdruck gebraucht wird gegen emen Abwesenden oder gegen ein Mitglied dieses Hauses.

Abg. Graf Noon: J muß das anerkennen; schön ist es aber aucb nicht, wenn man gegen einen abwesenden Obersten der Armee solche Aeußerungen fallen t. Die MißbandlunJSreden des Abg. Bebel sind auch als Mißband ungSreden dieses Han es zit betrachten. Ich kann mich nicht ganz zu dem Humor des Kriegs-Mtnisters auf- schwingen; ich muß es dop elt bewundern, daß ,ein so viel be- lasteter Kerr wie der Kriegka- inister noch, die Möglichkeit und Fri che hat, an solche Dinge mit solchem Gletcbmutb zu antworten. ch denke daran, daß solche Agitation dem Vaterlande und der Armee schädlich ist. Herr Bebel hat davon gesprochen, daß die Soldaten sektionSWeise in den Verein junger Manner gxfubrt werden, wo Politik getrieben wird. Wir wolien keine Politik 'in der Armen.; ich würde der [este sein, der das billigt. Aber womit, beweist er denn. da im christlichen Verein junger Manner Politik getrieben wird? A - monatlich [giebt der Verein emen Anzeiger mit seinem rogramm heraus. Der Verein bietet den jungen Lruten obne Yami ienanbang ein christlicbies Heim, in Welchem Vereinszimmer, egelbabnen 2c. vorhanden nd. Jedermann hat Zutritt, Anhänger "eder Partei und jeder Konfession, auch die Juden „haben,?utritt. ie Herren tbun ein utes Werk, die dazu Beitrage lie ern; von alien guten Cbriizten sind Beiträge willkommen, auf die der Heiden und Juden verzichten wir. (Redner verliest das ProFramm des Vereins

ebruar, in welchem. von keiner Foliti die Rede sei.) ie oldaten find noch niemals bingefü rt worden; höchstens können sie einmal in gro en Trupps zusammen bin egangen sein. NamentliÖ geben die zahlrei en Burschen der hierher ommandierten Of ziere in diesen Verein. Herr Stöcker hat mit ihm nichts zu tbungße abt; er, hat nur einWHe Vorträge dort gehalten über kirchliche inge und Missionen. er Vorsitzende des Vereins ist ein Oberfö ter a. D. von Rotbkirch stellvertretender Vorfißender ist unser Ko YSTEM?! orgfalt

räsidenten, ebel gegen

Bernstorff. Herr Bebel glaubt, da die zweijährige 'Dien Selbxtmorde vermindert babe; ich s reibe es der größeren der Vorgesetzten zu. Uebri ens find doch mit der zweiiäYjsK

Dienstzeit au schlechte Ersa rungen gemacht worden. Die verständigen lFind der Meinung, daß wir zu der Organisation *