1896 / 48 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 24 Feb 1896 18:00:01 GMT) scan diff

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i den Einnahmen aus, dem Personen: und GepYikverkehr -- 273 700000 „44 -.-, 18300000 „44 mehr als im Vorjahre, referiert zunäckst d_er Berichteftaüer der Budgetkommiision Abg. Dr. Satt er uber die Kommisfions-

verhandlungen. Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen: Meine Herren! Ich bitte mir, wie in den Vorjahren“, gestatten

11 ivolken, den ausfübrlicben einleitenden Bernerkungea des Herrn iKeferenten aucb meinerseits noch Einiges binsufugen zu dürfen, welches

Für die Beratbung des Etats vkeaekht von I"“"sie ieirr Wixdz Ick

möchte dabei anknüpfen an diejenigen Mittheilungen, die 115 Ihnen im vorigen Jahre gemacht habe.

Als im vorigen Jahre der (Fiat für 1895/96 zur zweiten Lesung bier vorlag, war ein Vierteljahr des Etatsxabres 1894/95 noch vor uns; es konnten mit.!)in' die ErgebniRe des Jahres 1894/95 Ihnen noch nicht als vollstandtg'abgerecbne; mi!- getbeilt werden; das letzte Vierteljahr mußte geschaßt“w-;cden_ Es war damals ein Ueberschuß im Etat veranschlagt von 341300000 1,16 Von mir wurde damals der wirkliche Ueberscbuß 'am 12 Miaionen höher gesÖäHt. Die endgültige Abrechnurig hat einen Mebrüberscbuß von 14 Millionen gebracht. Meine Schgßvng hielt ßch vorsichtiger- weise um 2 Miüionen niedriger. In Wzrkljxhkejt war der Ueberschuß aber noch um weitere 22 400000 «11 günstiger aus Gründen, welche ich bei meiner Scbä'zung damals auch angeführt habe, Diese Abseßung vo1122400900ché wurde nothwendig zur Durchführung der neuen “Etatsx und Reämungövorschriften, mit denen das hohe Haus sich einverstanden erklärt batte. Da nach diesen Vorschriften Frachten für Betriebsdienstgüter nicht mehr berechnet und Aktmaterialien nichtmehr bewutbct werden sollen, so mußten die Frachten der am Schluffe des Jahres vorhandenen neuen Materialien und die Werthe der am Schlusse des Jahres vorhandenen alten Materialien - insgesammt 22400000 .“ - von den Gesammteinnabmen des Jahres 1894/95 wieder abgesetzt werden. Ich bitte, diese Daten auch bei den folgenden Bemerkungen, die sich auf das Jahr 1895/96 bezw. auf unseren Vor- liegenden Etat beziehen, im Sinne zu behalten.

Gegen den Etat trat also durch diese Abseßung yon 22 400000 „151 anstatt der Mebreinnabme eigentlich eine Minus- einnabme von 6300000 „49 ein. Wenn trovdem der Ueberschuß sich in Wirklichkeit um 14 Millionen gegen den Anschlag erhöht hat, so beruht das darin, daß es möglich war, die Außgaben um 20400000 zu ermäßigen. Es kam, wie schon der Herr Referent be- merkte, dabei ein Betriebskocffizieyt heraus, je nachdem man die 22 400000 „% bineinrecbnet oder nicht, Von 59,68 oder 58,32 0/0. Gegen die rechnungsmäßigen Zahlen von 1893/94 gestaltet sich indeffen die Sachlage so, daß die rechnungömäßigen Einnahmen um 16 Millionen höher waren, die AuSgaben aber iroxz dieser erbcblichen Mehreinnahme um 8 639000 «111 niedriger.

Meine Herren, wenn ich mich nun zu dem laufenden Jabre1895/96 wende, fo babe ich zunächst vorauszuscbicken, daß die Vergleichung des laufenden Jahres mit dem abgeschlossenen Jahre 1894/95 dadurch außrrordentlich erschwert wird, daß wir mit dem 1. April 1895 in eine neue Organisation, in völlig Veränderte Rechnungs- und Finanzvorichriften und in ein ganz neues Etatsschema eingetreten find. Es babsn des- wegen, um richtige Vergleiche herbeizuführen, die Zahlen dss Rech- nungsjabres 1894/95, nach dem neuen Etatsschema umgerrchnet Werden müssen, um mit dem Jahre 1895/96 vergleichsfäbig zu sein. Es sieben in diesem Jabre allerdings nicht mehr wir im Vorigen Jahre noch drei Monate bezüglich der Einnahmen und Aquaben offen, sondern nur noch zwei. Troßdem aber bitte ich, die Schäxzung, die ich meinerseits anen mittbeiken wiÜ, doch mit einiger Vorsicht auf- zunehmen. Miteinigcr Vorfichtrinmalnack) derRicbtung bin, daßwirja nicht wissen können, was die beiden lkßten Monate noch an Einnahmen bringen; sodann, Mil in diessm Iabre infolge der Uebergangsperiodr aus der alten Organisation in die neue die dkßnitiven Abrechnungen der Ver- kehrseinnabmen naturgemäß etwas weiter zurückgeblieben find, als das in den früheren normalen Jahren der Fall war, und drittrns, weil wir auch nicbt in der Lage sind, die Außgaben schon jexzt so br1'1i1nmt zu übersehen, um ganz frite, zuverläsfigr Zablrn zu haben. Nichts destoweniger babe ich die persönlich? Ucberzcugung, das; der definitivr Rechnungsabschluß noch günstiger sein wird, als er heute von mir mit Vorsicht geschäßt werden kann.

Dies vorausgeschickt, möcbtc ich mir 111111 gestatten, anen die wichtigsten Zahlen zu nennen. Veranschlagt ist das laufende Jahr in den Einnahmen auf 980 961 000136; wir schätzen die Vrrkkbrsrinnabmen auf 1005 Miüionen, also [11115 24 MiUionen. Es ist das rin gc- wiffer Abschnitt in der Staats-Eisenbabnvcrwaljung. 311111 ersten Mal überschreiten wir in- den Einnahmen die Miliiardr. Das ist ein großes Wort und bedeutet für die preußischen Finanzen auch eine wichtige Thatsache. Feiern woüen wir zwar diese Thatsache nicht und wir wolien auch nicht weiter damit prunkcn, denn wir Wissen bei der Staats-Cisenbabnderwaltung ganz genau, das; wir im Großen und Ganzen auf die Einnahmen doch nur einen geringrn Einfluß aus- üben können, daß das von FaktorSn abhängt, dcren wir nicht Herr sind. Aber, meine Herren, erfreulich ist es doch, aber nicht bloß für uns Leute der Staats-EisenbahnverWaliung, sondern auch für das ganze Land, erfreulich hauptsächlich aus dem Grunde, weil dieSteige- rung der Verkehrseinnabmen bei der Staats-Eisenbahnverwaltung ein ziemlich zuverlässiger Barometcr dafür ist, daß unsere wirtbschaftlichen Verhältnisse wenigstens in Handel und Industrie gesund sind und in gedeihliclper Entwickelung brgriff-n sind. (Sehr Wahr!) Hoffen wir, daß wir das in"11al)er Zukunft auch von drr Landwirtbscbast sagen können, dann werden jedknfalls die Einnahmen und die Ueberfchüffe der Staats-Eisenbahnverwaitung fich noch günstiger gestalten, als das heute der Fall ifi.

Troß der sehr erheblichen Mehreinnahmen rechnen wir nur auf eine Million Mehrausgaben. Es ergiebt sizh danach ein Mrbr- überschuß Von 23 Miklionen Mark. Wie grsagf, ich kann mich ja täuschen, abcr ici) babe die Empfindung, das; es wohl noch einige Millionen mehr werden. -

Der Herr Finanz-Minisier hat bei der ersten Lesung dcn Mehr- überschuß auf 16 bis 17 MiÜionen angenommen, zu gleichrr Zeit auch damals scho11 bemrrki, daß voraussichtlich der Abschluß noch günstiger Warden wird. Die Differenz IWischen den damaligen Angaben des Finanz- Ministers und mcincn heutigen Angaben liegt eben darin, daß inzwischen die drfinitive Brrkcbnung der Einnahmen fich günstiger gestaltet hat, und das; seitdem zwei Monate ins Land gegangen find, die beide sick) sehr günstig entwickelt haben. Namentlich hat der

Giiierverkebr in den leßien beiden Monaten ganz erheblich "Ybbeké Erträge, abgeworfen. !) Ziff icbti

Sind die von mir angege enen ern r g, bucbmäßiger Mebrüberscbuß gegen 1894/95 ** on -Z1';08rZ§FtLch UT: wenn man die im Eingang meiner No:“ exwäbnten 22 400060 ““ absest, um!) von 29 500000 „11.

D“ BFFiebskkeszemt 11111118911/96 gestaltet sich auf 56,49, ist also: wenn “*“! "*.*-*I das Jahr 1891/92 bier zum Vergleich anziebe und nix:), MTN“ sUkükLgehe, von 659/11 auf 56,49, also um 8,5 % berunjer- ÉLKMLM- IMU den Koöffizienten des Jahres 1894/95 voraussichtlich um 2,3 0/0.

Meine Herren, diese Zahlen sind meines Erachtens noch erfreu- lichrz als die Steigerung der Einnahmen, sie bringen den Beweis “dafür, das; innerhalb der Verwaltung mit Vorsicht und Sparsamknt gewirtbschaftet worden ist, und ich meine, in der Beziehung dürfte ich wohl im Namen der Staatßeisenbabn-Verwaltung obne Ueberbebung aus- sprechen, daß wir auf dieses Resultat einigermaßen stolz sind. Dies Resultat hat aber nur erreicht werden können dadurch, daß sämmtlichemrruntcr- stellte Beamten 1111er Dienstzweige in treuester Pfliébterfüllung mrtei11€r Berufsfreudigkeit und persönlichen Opferfreudigkeitsondergleichn nicht nur ihre Schuldigkeit gethan, sondern rveit darüber hinaus bestrebt gervesen sind, an ihrem Theil und an ihrer Stelle die hohen Aufgaben mit zu erfülLen, die der Staatseisenbabn-Verwaltung in unserem Lande gesielxt worden find. (Bravo!) .

Meine Herren, ich hoffe, daß die Zeit auch nicht mehr fern sern wird, wo die allgemeine Finanzlage es gestatten wird, diesen Dank tbatsäcblicher auSzudrücken dadurch, daß diejenigen Beamtenkategorien, die in ihren Gehältern noch zurückgeblieben sind, eine angemessene Aufbesserung erfahren. (Bravo!) _

Ich darf dann noch hinzufügen, daß die tbüringenfchn Eiien- bahnen, die wir im vorigen Jahre verstaatlicht haben, auch ihrerseits im laufenden Etatsjabr gute Ergebnisse erwarten lassen. Es läßt fick) jest schon mit Sicherbkit übersehen, daß die Verstaatlichung der tbüringenscben Bahnen nicht nur ein Segen für die betreffenden Lande und für die bei den betreffenden Bahnen beschäftigten Beamten gewesen ist, sondern daß aucb der preußische Staat durch den Betrieb dieser Bahnen in feinen Verhältnissen keineswegs eine Vrrfchlechterung erfahren hat.

Ich möchte dabei zugleich mir die Bemerkung gestatten, daß die Ueberfübrung der Privatbahnen in das Staatsbabnsystem sich überall glatt Vollzogen bat, daß wir überall bereitwilligrs Entgegenkommen und offenes Verständnis; gefunden haben. Insbesondere kann ich mit besonderem Dank anerke'nncn, daf; dies bei den brtbeiligten Bundes- regierungcn sowohl wie bei den ihnen unterstellten Behörden der Fall gewesen ist.

Meine Herren, ici) wende mich nun zu dem Ihnen Vorliegenden Etat Ven 1896/97. Die Einnahmen find Veranschlagt zu 1020 Millionen Mark. Das ist gegen den Etat 11011 1895/96 ein Plus Von 40 Miüionen, grgen die Wirklichkeit, gcgen 1894/95 ein Plus von 75 Milliourn Mark und wiederum nach Abzug der 22,4 11011 52 MiUionen Mark. Die AuSgabcn sind veranschlagt auf 580 453000 „411; das ergiebt grgcn den Etat Von 1895/96 ein Plus von 14 MiUioncn, gegen die Wirklichkeit, gegen 1894/95 ein Plus von 20 Millionen - demnach ('in Ueberschuß don 440138000 «19, also gegen dcn Etat 1895/96 ein Plus Von 26 Millioncn, gegen die Wirklichkeit, gegkn 1894/95 ein Plus von 55 Millionen, beziehungs- weise ein Plus 5011 32 Millionen Mark. Der Briciekaoinfizient beziffert sich dann auf 56,88 bei der Veranschlagung, also ist der Betriebskoöffizient um einen Bruchtbeil böbrr geworden als dcr Etat, beziehungsweise in drr Wirklichkeit für1895/96. Es ist das naiüriich, denn bri der Veranschlagung des (Etats 1896/97 sind wir, wir ick) 1111111111- sagrn zu dürfen und wie auch dicBndgktkommisfion anerkannt hat, sowobl bei den Einnahmen wic bsi drn Auögabcn mit der nötbigcn Vorsicht vrrfabrsn.

Msinr Herrsn, ich möchte mir 111111 gestattkn, diescr Urbersrcht (111111 in diesem Jahre einige ailgemeine Bemerkungen a11311fü_1€n. Wir haben seit rinigen Jahren ein System beobachtet, das in feinen Ergcbniffén sich als außerordentlich Vortheilbafi LUViLs. Diss System besteht darin, daß im Brreiche der technischen Außgabetitsl 8 11115 9 zu Anfang drs Jabrrs cin gcwiffrr Theil der Ausxzaben einstwcilcn zUrückgebaltcn wird, dcs?" Freigabe: im Laufe des Jabrrs d,11111 cr- folgt, wenn neucrdings geyrüit worden ist, daß der brtrrffendc Zweck ndck) jest 9113 6111 durch die Umstände gebotener und als rin dringiicher anzuerkrnncn ist. quoigr dicsss Systems ist die Staatsrisrnbabn- Verwaltung einmal dor unliebsamen Uebrrrascbungcn durch Etats. übersebrritnngen, die fie nicht hat borlxcrsklßcn körmen, die am Ende des Jahres erst eintrafen, chabrt. Sie hat aber zweiiyns * und darauf irge ich den Hauptnaäydruck - in allen ihren Organrn die Urbsc- zcugung und das BCWUfztscin gestärkt, daß das Geld nicht QUÖzugsben ist, weil rs im Etat steht, so::dern daß das Grid nur ausgegeben wsrden darf, 1r11111 zu der grgrbrnxn 3211 auch wirklich 8111"Bedürfniß dafür roch bxstebt. Es hat sich infolgedessen - ich muß das rübmend anerkennen - in allen Organen ein erböbtks Britrcbcn gezeigt, fich irder Z::it ükrr drr. Stand der Außgabcn und auch darübyr im Klaren zu halts", Ob die brtrrffendc im Etat Vorgesrbcne 5311151111512 11111!) nach dsm Stande drr zritigsn Verhältniss noch als notbwrndi-g und dringend (MZUsk'bSU ist. Die Erfahrungen, die hiermit gemacht worden find, werdrn mich drraniaffen - unter roller Zustimmung drs Hsrrn Finanz-Miniiirrs, wie ich bcmsrken muß _, auch in Zukunft diesrs System tbu11lichst bcizubrbaltrn.

Meine Herren, CI [1191 sehr nabe, daß bei diesen günstigrn Er- gebniffcn drr Staatseisenbahn-Ver1raltung und namentlick) 5131 den sebr Erheblicbrn Ersparungrn an Auégabcn grfragt wird, ob 111111 bei diesen Criparniffen auch das Nötbige geschehen ist, um die Anlagrn und die Betrieb?;mittel der Babu i11 demjenigrn Zustand zu erhalten und sie 311 ergänzcn, wie das Verkehrsbedürfniß und die Rückficbt auf die Brtriebsficherbeit und die BetriebSregelmäßigkeit dies erfordert. Meine Herren, ich bin verpflichtrt, auf diese allerdings mit noch nicht gesteüte, aber doch wahrscheinlich bsi einem großen Theil der Mit- glieder dieses boden Hauses latcnt vorhandene Frage schon jryt eine Antwort zu rrtheiirn. Ich kann diese Frage mit gutem Gewissen bejahen; - ja, es ist das Nötbige geschcben, und Cs find die Mittel des laufenden Etats nicbt geschont Worden, um Au6gaben zu machen, die als nothwendig für Verkehr“ und Betrieb fick) ergeben Haben. Ia noch mehr. Es ist aus drn Mitteln dcs lauicndrn Etats für Untcrhaltung und Erneuerung der Bahnanlagen und Beériebs- mittel erheblich mehr in den 11131111 Jabren geschehen, als auch „nach strengen Rcckmungs- und Wirthscbaftsgrundsäßen zu [Listen gewesen wäre. Ich gesiaiie mir, Ihnen einige Zahlen dafür anzufübren.

In den [Men 10 Etatsjahren sind aus den Mitteln des

Ördinariumß des Etats beschafft 560 Lbkomotiven, 1469 Personen. wagen und 16 638 Güterwagen überden Ersas des Ab gan» hinaus , also über diejenige _Ziffer hinaus, die 1199311111- zur Ergän- zung des vorhandenen Bestandes bingereicht hätte.. Es ist das eine reine Melioration, die allerdings ein vorsichtiger Wirtb'fchaftsfübm, namentlich in guten Jahren ja gewiß nicht versäumen wird.

Bei der Erneuerung des Oberbaues sind in den leßten zehn Jahren aus dem Ordinarium 13 328 km durchgehend Geleise erneuert worden. Wir sind jeßt so weit gekommen, daß 92,50 0/1 aller unsere:- durcbgebenden Geleise Stablschienen haben. Aus dem Extraordina- rium und aus den Vaumitteln sind natürlicherweise noch ganz andere Summen aufgewendet worden, die sehr erheblich find. Ick wia, um hier nicht zu weitläufig zu werden, verzichten, diese Summen anzu.

eben.

(; Meine Herren, ich darf dabei noch hervorheben, daßes der Staats". Eisenbahnverwaltung möglich gewesen ist, alie diese Ergänzungen und Erneuerungen des Betriebkmaterials des Oberbaues aus deutschen Produktionssiätten zu beziehen (Bravo!), -- daß wir diese Materialien bezogen haben, sowohl die Betriebsmaterialien wie die Schienen und die eisernen Schwellen zu Preisen, wie wir sie a11ch nicbt billiger vom Auslande hätten beziehen können.

Meine Herren, leider liegt noch heute dieses Verhältniß bezüglich der Holzschwellen ebenFo ungünstig wie früher. Troy aller unserer Bemühungen - und deren haben wir es nicht fehlen [affen -- ifi es uns nicht möglich geWcscn, auch nur einen erheblichen Theil unseres Bedarfs an Holzschwellen aus dem Jnlandr zu bezicdm. Es liegt das in den Verhältnissen, die, wie es scheint, sehr schwer zu überwinden sind. Eine der Hauptfragm dabei ist - und darauf muß ich jedes Jahr hier aufmerksam machen - ob es endlich gelingen wird, das Buchenholz zu Cisenbabnscbwellm mit Erfolg zu verwenden. Es finden augenblicklich größere Versuche flott, und es scheint fast so, als ob wir in dieser Frage etwas writer kommen sollten. ,

Der Herr Referent hat bereits ausgeführt, daß nach den Mi:- tbeilungen, die in der Budgetkommission seitens der Vertreier der Staatsregierung gemacht wvrden sind, man wohl sagen darf, die Neuorganisation [ck31 -- soweit sich das bis jeßt iibersehen läßt, wir haben ja noch nicht einmal ein Volles Jahr, innerhalb dessen wir in der neuen Organisation gkwirtbscbaitet babrn *

dcn E11vartunge11 cnjsprochen, die bei der Einführung der Organiiaiion Von mir ausgesprochen worden sind, Die Uebergangszeit ist für uns 9119 eine außerordentlich schwere genwxsrn. Sie hat uns (1119, 51111:- Ministcr bis zum geringsten Bureaudiätar, mit außrrordeniiicbrx Arbeit belastet und auch mit mancher Sorge erfüllt. Wir können sagra: Gott sei Dank", über diese Prriode find wir nun hinweg. Dar Uebergang wurde in mancher Beziehung dadurch erschwcrt, daß wir in »er- schirden1n Theilen dcs Landrs sebr gcstrigertannsprüäxcn des Verkehrs babkn gerecht wrrdrn müssen. Ich crinncre nur an die Festlichkiteu und den Zuzug ganz Deutschlands nach Frirdrichsrub, ich erinnsxr 1111 die Eröffnung des Kaiser Wilbrlm -Ka11als, an die Friern auf dcn Schlachtfeldern in Elsaß-Lotbringen, an die großen Manöver, die im Vorigen Jahre stattgebabt haben, fck rrinnere e11dlich an die plöylicbe Vcrkcbrsiteigrrung im Güterverkrér Wers das lrßtere brtrifft, so kann uns ja eingewendrt werden: 1111111 Gelsgknbcit Habt ihr euch doch nicht so bewährt, wie im 53111179311- wartst wurde, es ist Wagenmangelringctrrtrn. Abrr ici; meim; i- Großen und Ganzrn hat der gesammte Organismus der Staats- Eisenbabnvrrwaltung den Anforderungen bdkl genügt, und 89 11111115 nach ksinsr Seite bin fühlbar gemacht, welch? außrrordenilichkn 91111- änderungen innerhalb der Staats-Eiscnbabnvcrwaltung seit 1111 1. April 1895 borgegangen find.

Meine Herrcn, 11191111 ich 111111 anf dir äußeren Folgen 11111 95:15:11 Wortcn zurückkommen darf, so ist schon bei drr Be'ratbung dex 11111111 Organisation 11011 mir angeführt worden, daß eine wrscntlirbx “'A,- mindcrung drr Bcdicnstetcn durch dir Ncuorganisation berbcigxi-stbri werden würde. Wir b€schäftigcn augenblicklich 3150 BédirNst-xir wrniger als zu der Zeit, wo wir die ersten Vorarbeiten für 111 116118 Organisation in die Hand nahmen, das ist seit drm “Jadrr 1892. Wir [Wscbäftigcn 8150 Bcamic wrnigcr, trochm, Daß seit dcr Zrit das StaatécisUibabnnrß 11111 2100 1ch111 zugenommm; ba!- u11d trbßdrm, das; der Vrrkcbr, wie dic vorbin genannten “3111111111111- stätigcn, ganz rrbcblicb grsieigert Worden ist. Dieses MinU-ß ar Beanwenkräftcn ist rrrssntiich gespart worden im eigentlichen Barcar- dirnst; im Vcrkcbrö- und Bciriebödicnst nur zum ganz geringch'ékril. DLL" eigsntTick) bureankratisäßc Theil der Verwaltung bat disse Kräfte bergrbrn miiffcn und bat sir aucb, wie dcr Erfolg zeigt, 111151911- können. ,

Der Minderaufwand für diese 3150 Beamten beläuft 1131 5111 etwa 7 Millionen Mark, davon kommen sckwn cht 4 Millioxxx 511 VOÜCU (4391111119; der Rest ist anzurechnen auf die Diswfitionsgsöäim und tritt rrsi aümäblicb in die Erscheinung.

Die Bildung der Direktidnchzirkrwar cine dsr ? ch1vikrigstanniZäM die dri drr nruen Organisation zu lösrn Waren. Wir hatten RÜZHÖY zu 1195111611 auf Vcrkcbrkigebiete, wir hatten Rücksicht zu 1125111111 2111 Vötrieb§g€bicte -«- beide: decken sich nicht immer -, wir hatte:; 111915117 Rücksicht zu 1185111911 auf prodinzielle berechtigte Ansprükbk Und (1113; manch? andere Verhältnisse. Aber auch bin darf iwb sagcn, daß, soweit sich bis jest übersehen Läßt- im aÜgcmeincn die Lösung eine glückliche gewescr iß- 1111d daß das aricb in der Provinz, soweit ich Gelegenheit habe, 591556 ein Urtbeil zu hören, anerkannt wird. Insbesondere wird 512 _ck Provinz es dankbar 5119111111111, daf; 11131 die Berührung 11117 W Eiscnbabnbebördrn eim“. 11191 leichicrc 11115 11191 bequemere gewordrnlß- als das für sebr virle Landestbeile bisher der Fall grwesen ifi. WW der Köniszsbrrgcr biZ-brr in Bromberg bei der Eiscnbabndirektirö s, Rath und Hilfe bricn mußie, so war das für viele Leut: 9919!“ UU111511Uch- Er war gknötbigt, “11111111 er einen Wunsch oder einc Bk“ schwerde hatte, einen Brief zu schreiben, und dabei kam ost niebi iii: viel brraus. Jeßt ist die Berührung mit den Eisenbahnen, und zwar in allen Organen, eine sehr virl leichtere, und die betreffenden V““ kehrsintrressentcn kommen sehr Vikl rascher zu einer Entscheidunzz- ZU 11, bin 111111; 1111 überzeugt, das; die (1111111981111; 115t auch mehr den thatsächlichen Verhältnissen Rechnung trägk- das früher beim besten Willen alikr beibeiligien Behörden M F sein konnte. Jubesondere bat fich als sehr wohlthätig erwiesen, dir Zuständigkeit der Staatseisenbabn-Verwaltungsorgane und Verantwortlichkeit dieser Organe sicb deckt, daß also die (HrZi11zkl'J73W,e n1ch1 erst Genehmigung einzuholen haben in kleinen Dingen, die ""

Sache verzögern und manchmal auch die Entscheidung unli'ebsam "ge- ftalten. Alles das geht jeßtmtschieden glatter; namentlich möchte ich darauf aufmerksam machen, daß die'Erledigung der kleinen Reklama- tionen, die im Personen- und Güterverkehr täglich vorkommen, fich er- heblich rascher vollzieht, daß der mündliche Verkehr zwischen den Ver- kehrsintereffenten und den Verkehrsinspektionen sich schon in erfreu- licher Weise ausgebildet hat. *

Ein abschließendes Urtbeil ist ja natürlich viel zu früh. Wir bilden uns auch garnicht ein, daß wir etwas absolut Gutes und Richtiges gemacht haben. Es wird noch manches der Besserung be- dürfen und wir sind auch im Anfange mit Vervußtsein manchmal noch zu vorsichtig und zu schonend an* die Aendkrung mancher bureau- ktatischen Einrichtungen herangetreten. Die Erfahrung hat uns schon gelehrt, daß wir noch weiter mit der Schere vorgehen und noch manches Andere abschneiden können, was mit der stets entgegen- kommenden Hilfe des Herrn Finanz-Ministers und der Königlichen Ober-Necbnungskammer auch schon in einer Reihe von Fällen ge- schehen ift- _

Meine Herren, innerhalb der Uebergangspcriode haben wir aller- dings einen, wenn auch nur kleinen Theil der zur Disposition gestellten Beamten wieder heranziehen müssen, um die ganz ungewöhnliche Arbeitslast, die uns rrwuchs bei der großkn Inanspruchnahme der noch vorhandenen Kräfte, bewältigen zu können. Wenn Sie z. B. bedenken, daß die Aufhebung der Betriebsämter die Folge gehabt hat, daß die Abrechnungen über das abgeschlossene Jahr, welche die Betriebs- ämter zu führen gehabt bättcn, nun in die Hände 'der Direktionen gelegt werden mußten, dié mit den Verhältnissen nur unvollkommen bekannt waren, so werden Sie ermessen können, Welche Berge von Arbeit da Vorübergehend zu bewältigen waren. Meine Herren, diese "zur Dis- position gestrllten Beamten sind alle bereits wieder in ihren wobl- verdientc-n Ruhestand eingetreten. Wir wirthschaften schon seit ge- raumer Zeit mit unserem normalen Stand don Beamten.

Meine Herren, die Eisenbahnverwaltung muibet ihren Beamten vielleicht etwas mehr 311, als das regelmäßig im Durchschnitt der Fall ist. Das liegt nun einmal in den Verhältnissen. Wir müssen auch vielleicht etwas mehr individualisiercn bei drr Außwabl der Beamten für die einzelnen Stellen. Wir müssen uns mit größcrer Sorgfalt überleaen, ob der Mann gerade für den Posten geeignet ist oder nicht. Meine Herren, ich srbe darin aber im Großen und Ganzen keinen Nachtheil, sondern eher einen Vorzug. Ein bequemes Dasein haben unsere Beamten allerdings nicbt. Nach meinen Erfahrungen wird bei den Behördrn am pünktlichften und am gründlichsten gearbeitet, die mit vollem Dampf arbeiten. Bequeme Beamte pflegen ihrPcnium wrder gründlich noch schleunig zu erledigen; das ist ein altxr Criabrungßsaß, der sich auch bei der Eisenbahnbrrwaltung durchaus bewahrheitet.

Es ist in der Préffe ja vielfach darüber geklagt worden, daß wir unsere? Beamten zu sehr anstrengen. Ick habe mich persönlich beiver- schiedkne'n Dirkktionen von de111 Stand der Arbeiten unterrichtet und habe auch meine Hrrr1'11'“;"iitarbeiter krsucbt, das gleiche bki einer ganzsn Reibe von anderrn Dirrktionen zu thun. Wir babkn uns so fortlaufend persönlich dariiber informiert, ob die vorlirgende Arbeit mit den vorhandenen Kräften bewältigt werden 70111119, und sind in dieser Beziehung doch zu der Beruhigung gekommen, das; das möglich ist, obne den einzelnsn Bramien zu sebr mit Arbeiten zu überlasten.

Meine Hcrren, ich komme 111111 schließlich dazu, noch einige Worte über die innere Organisation zu sprechrn und wie die- selbe sich ausxxrstaliet bat. MliUC Herren, es ist wirdrr- bolentlicb berdorgkboben und zum Weil anch [191116 rrwäk)11t wvrdcn, daß unser (Fiat augenscheinlich cin ganz anderkr geworden ist. Meinc Hrrrrn, ich glaubs, unser Etat ist viel durchfichii11€r und klarer gewordrn! Es hat mir cine besondere Gcnugibuung bcreitej, daß dieser Etat auch vom bayerischen Ministerium eingeführt ist. Es bereitet mir das einc gewisse Gcnugihuung, weil ich mir gesagt habe: die sachderständigcn Fachgenbffen haben es sich gewiß sehr gründlich und vr-rfichtig überlrgt, cbc iir das preußisckye Etatsscbr'ma bei fich einführtrn; und wenn sir daß gethan, so müffkn sie im Großen und (5531-3811 krinrn Nachtbcil, sondern rinkn Vortheil darin erblickt haben. 521er ich freue mich aucb deswegen, weil das für uns nach mancher Richtung hin, 1111mrr1tlich in statistischer Brzirbung ein rutscbiedsner Vortbrii ist und noch 11tc'br sein würde, Wenn auch die übrigen Vundrsstaaien, dic Staatsbzbrien haben, sick) dissrm Scbcma an- schlirßcn würden. Es würde dadurch 1111111ches crbrblich vrreinfacbt und auch dem Reich§-Cisenbabnamt die Arbeit nach vielen Rick)- tungc'n bin erleichtert. Auck) die östrrrcicbiscbe Vrrwaltung hat ja be- kanntlich jetzt ein Ciscnbabn-Mi11isteriun1 cingssetzt. In dén Satzungen, die Vrröffentlicbt wordcn find für die innkre Einrichtung des öster- reichischen Eisenbabn-Ministrriums und die dissem Ministerium unterstekltrn Bclxörden [1559 ich manche Verwandtschaft mit unserkr Neuorganisation cnidcckt und mich darüber grfrcut.

Unzweife'lbast Vortheilbaft [)at fich die neue Finanz- 1111d Rech- nungsordnung erwiesen. Sie Hat sich borjbeilbaft erwirsen einmal dank dir sebr erheblichen Vcrci11fachu11gen, welche der Verwaltung da- durch in den Schoß grfallen find, zweitens aber -- und das ist min- destens ebenso hoch 311 rrranschlag€n -, weil nunmehr fast für jedcs Organ der VrrWaltrmg, welches überhaupt Grid auSzuFebrn in der Lage ist, es möglich wird, jederzeit den Stand der ihm zur Verwaltung andertrauten Fonds klar zu übrrieben. Und das ist insbesondere für die technischen Titel 1111s1*rcs Etats 111111 1111schätzbarem Wrrtl). Es ist auch möglich gcrvordkn, für die a11öiübrrnden Organe die Schreib- arbeit erheblich zu vermindern und dirfclbcn dadurch in höherem Grade zu befähigen, durch persönliches Eingreifen, dnrch persönlichs Aufsicht die ibnkn gestelitcn Aufgaben zu erledigen. Meine Herren,

]

ich darf da[)rr wohl die Hoffnung aussprccben, daß auch in Zukunft *

die jetzige Organisation der Staat»Eiiknbabnvrrwaltung sicb bewähren wird. (Brady!)

Abg. Schmicding (nl,) erkennt cs dankbar an, daß ncbcn dem *

allgemeinen Etat noch ein Nettoboranschlag Vorgelegt sei. Die Ge- fammibrdürfniffe des Staats belaufen sich auf 480 Millionen Mark, nur F davon wird durch Steuern grdcckt, J dur Renten aus unserem Vermögen; 240 Millionen dccken a ein de Eisenbahnen. Das könne man als ei11,glänzcndks Ergebyiß ansehen, aber die Medaille: babe auch eine chrscitr. Drr Minister babe die 50119- wirtbscbaftlicbe Bedeutung der Eisenbahn garntcbt erwahnt; Sache der Volkßvrrtrejung sei es daher, die volkswtrtbschaftlich? Bedeutung nicht Versumpfcn zu laffen. Die _Vrrsvrechungen des Ministers Maybach bei der Verstaatliäounx, die Cisenbahnrn grwisscrmaßen zu öffentlichen Straßen zu machen, ieien, nicht erfullt, dre schwcre Hand des Finanz-Minisicrs habe sich daraui gelegt, “eder Groschen werde berauögepreßt für die aUgemcinen Staatsbcdürfni e. DerStaaterw-éise ßcb ebenso dividcndenbungrig wie die Aktionäre der Privatbahnen. Der

Bau von Güterbabnböfen, die Veamtenaufbeeßerungen :c. müßten viel schneller gefördert werden. Wenn wir di !: Vernarbläsfigung der Kulturaufgaben berücksichtigen, haben wir troß der glänzenden Er- gebnisse mit latenten Deßzits zu kämpfen. Es ist eine Versündigung an den Finanzen der Einzelstaaten, wenn der- Neichstag immer neue Aussaben bewiüigt, ohne selbst für Deckung zu for en. 1889/90 babe Preußen vom Reich noch ,über die Matri elbeiträge inaus 80 Millionen erhalten, 1893/94 habe es dageYn an das Reich 20 MilTiqnen abführen müffen. Bei solchen chwankun en von 100 Millionen kann Preußen seinen Etat nicht mehr ba ancieren. Ich bedauere deshalb das Scheitern der Finanzreform des Ministers Mtquel. Wir müssen unsere Betriebs-Etats daher mit besonderer Vorsicht prüfen. Man wil! in Preußen eine stärkere Schuldentilgun vornehmen und das, Eisenbahngarantiegesey abändern. Zunachs? müßt]? einmal das Neu!; an die Sebuldmtilgung denken. Der Finanz,- Mrmster sagte, die Kraft des Staats beruht auf gesunden Finanzen. Ich bin ganz damit etnverstanden, aber wir kommen nicht eher zu gesunden Finanzen, ebe nicht die Verquickung unserer Finanzen mit denen des Reichs aufhört. _

Abg. Gotbeiu (frs. Vgg) dankt dem Minister für die Re- organisation der Verwaltung, meint aber, daÉ noch zahlreiche Wünsche des Publikums unerfüllt geblieben seien. r schließe sich den Aus- führungen des Vorredners über die volkSwirtbsÖaftlicbe Bedeutung der Eisrnbabnen Vollkommen an; die Tarifpolitik [affe viel zu wünschen übrig, infolgedessen sci namentlich die Versrndung von Gütern auf [ange Entfernungen zurückgegangen, die Versendung auf kurze Ent- fernungen, bat zugenommen; es liege aber im Interesse der EisLXP bahnen, die Güter möglichst lange zu fahren. Im allgemeinen wirth- scbaftlicben Interrffe müssen die Tarife ermäßigt werden. Die einzelnen Wünsche in dieser Beziehung können wiederum in einer Kommission geprüft wßrden. Auch in Bezug auf die Personentarife sind wir hinter anderen Landern zurückgeblieben.

Abg. Groth (ni.) bemängelt es, daß man auf der Hamburs- Altonaer Verbindungsbabn bei der Durchreise eine besondere Gebüyr do1130 „3 für seine Koffer bezahlen müsse.

Ab. Freiherr Von Bodenbausen (Wms) wünscht, daß der Abends nellzug in Herzberg halten soll.

Ministcr der öffentlichen Arbeiten Thielen:

Meine Herren! Den Fall selbst kann ich hier n1cht weitrr er- örtern, da mir nicht bekannt ist, daß der Abendschncilzug in .orrzverg nicht mehr halten soll. Die Direktion wird jedenfalls diese Frage, wie alle anderen Fragen in dem BezirkSeisenbahnrath beratben Haben, und da Wird sich herausgestelit haben, daß die Verbindungen, die dieser Schneklzug herzustellen bat, eine beschleunigtere Beförderung nothwendig machen. Die Schnellzüge sind für den durchgehenden Verkehr, die Personen- züge für den lokalen Verkehr. Das ist der aligemeine Grundsatz wie er Von den Dirrktibnen bei Aufstelluna dcr Fahrpläne gehandhabt Werden muß. Wir smd nun _ das ist garnichr zu leugnen _ mit unseren Schnellzügen allmählich in eme gewtnc Dccadrnce mwfern gekommen, als wir im Laufe der Zeit kleinere Orte in den Schnell- zuafabrplan aus einer gewissen Konnivrnz aufgenommen haben. Nun will ich das zwar nicht für Herzberg gesaJt haben; aber an und für sick) gcbört dock) Herzberg jedenfalls nicht zu den Großstädtrn («Heiter- keit), die Anspruch darauf haben, im Schnellzugderkebr berücksichtigt zu werdrn. -- Ich bin gern bereit, auf die Anregung des Herrn 521119. 5011 Bodenbausen die Sache nochmals in nähere Erwägung zu ziehen.

Abg. Eckeis (ni.) führt aus, daß die Perronsperre im allge- meinrn zu billigen 181, das; aber in drn Cngpaffen am Perron- ausgang das Publikum keinsn Schuß JLILU Wind und Wetter babe. Bei Rundreisebillets ist die Perronsverre aber sehr unbequem. Die Personentarife 1111": e11nicht nur Verbilligt, sondrrn auch Vereinfacht Werden; der bunts eckige Zustand der Personentarife muß endlich auf- hören. Für den stärker?" Personendrrfcbr durch die Gewrrbe-Aus- stellung sind 1100000 «46 mehr als Einnahme eingestellt. Zum Besrrcbe der Ausstellung muß kme ganz erhebliche Verbilligung der Perioueniarife Eintreten.

Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen:

Dcr Hrrr Nbg, Eckels hat zunächst über die Babustei-zsprrrs Klagrn vorgebracht, dir aber insofern für mich eigentlich kaum zu Ver- 1111111111 find, Weil rr sich auf das Allgemeine beschränkt und nicht grsagt bai, für rvrlche speziellen Babnböfr er Wünsche bier Vorzubringrn bätic. Daß die Babuftéigsperre für das Publikum in drr Uebergangszeit gewisse Unbkqucmlickykeitén gehabt hatte, wird mrinerscits durchaus nicht geleugnet; wir alles Neue in dkn Verkebrseinrichiungen zunächst auf einen großkn Widrrstand bei dem Publikum namentlich dann stößt, wenn lirbgewordene Ge- wobnbcitkn dayon bkrübrt werden, so trifft diss bei drr Bahnsteig- spc'rrr i11 bridndcrcm Maß“: 311. Wir Haben dir BahnsteigsperrL nicht erfunden; wir smd 111111 (111811 zivilisierten Nationen ungefäbr die 181518, dic iir cingksübrt Hat, aber die Vorzüge, die mit diesem System ver- bunden find, sind so außrrordentlicb groß und überwiegen die Nachtbrile so sehr, daß es als cine Notbwendigkeit erschien, zu demsrlben Systeme überzugehen. Und 111111 gcbe ich Vollständig preis, daß auf manchen Bahnhöfen die Sache virlleicbt Von Anfang (111 nicht (111113 zWSckmäßig eingrricbtkt ist;" wir battcn zunächst auch wenig Geld dafür und mußten 111111 nach der Dcrke strcckcn. Indessen sind dic Direktionen wiederholt und noch neurrdings Von mir angcwiesen worden, für all.? dicse Besckpwrrdrß tbunlichst Abbilfk zu schaffen und dafür 311 sorgen, daß dic Unbequrmlicbkcitsn auf ein Minimum rrduziert wsrden. Es kann immerhin noch Vorkommen, daß Reisende dadurch, daß Vor ibnc'n rin Mann steht mit seiner Familic, Von der jeder ein Rundreisebillet Hat, etwas länger aufgehalten werden, ehe sie bsrauskommt, als das früher der Fall gcwesen ist. Das sind kleine Unbraucmlichkeiten, die das Publikum mit in Kauf nehmen muß grgeuüber den großen Vortheilcn, die anderwärts erzielt wrrden. Ich will auf die Verbäitnisse nicht weiter cinaeben; der Herr Rcfcrcnt bat sie bereits ausführlich gcschildert.

Zweitens hat der Herr Abg. Eckels 111113918111, wie es mit der Personentarifrcform steht. Ja, meine Hsrrrn, dic Pmsonrntarifreirrm befindet sich z.Z.ndch in dcr Schwckr, und zwar inde'rselbcn Schwebe, i11 drr sie fich vor einem Jabrebefunden bat. (Hört! hört!) Inzwischen habe ich die Erfahrung 111111191311 müssen, daß im Lands ein so drin- grndes Bedürfnis; nach einer Reform der Pcrsoncntarifc nicbt besicbi, wie man vieüeicht nacb 111911111811 Ha11delskamrnerbcrichic11 und nach manchen Asußerungen dcr Preffe glauben sollts. (Widerspraä; links. Beifall rechts.)

Ich glaube auch, mich mit der Mcbrbkit des Hauses in Ueberein- stimmung zu befinden, wenn ich annehme, daß 16 zur Zeit dringcndcre Aufgabcn giebt für die Staatéeisenbabn-Verwaltung (sobr wahr! rechts), als die Personentarifc zu reformieren. Zunächst ist es viel wichtiger, wirtbschaf111ch von viel größerer Bcdcutung, 11121111 wir an die Ermäßigung der Gütertarife Hand anlegen (lebhafte Zu- stimmung), und ich boffr, daß es möglich sein wird, in nicht zu ferner Zeit, namentlich dann in nicht ferner Zrit, wrnn die von dcm Herrn Finanz-Ministcr beabfichiigtcn Maßregeln bezüglich der Bildung von Arisglciäysfouds :c. zur Thatsache werden, ein Risiko

zu übernehmen, welches ja immerbin“ mit jeder Tarifermäßigmi * _ bunden ist. _ . ;: * '

Meine Herren, 111) kann noch kurz hinzufügen. daß ich persönlköÄ noch immer auf dem Standpunkt siehe, den ich hier vor Jahren schon, ausgeführt habe, daß eine erhebliche allgemeine Ermäßigung der Personentarife zur Zeit weder im Verkehrsintereffe dringend geboten, noch wirtbscbaftlicb zweckmäßig erscheint (sebr richtig! rechts), daß fck indeffen durchaus anerkenne, daß die jeßige Buntscbeckigkeit des Personentarifs mit der Zeit beseitigt werden muß.

Allein, meine Herren, es ist eine außerordentlich schwierige Auf- gabe, eine solche formale Reform eines Personentarifs einzufübrén, obne gleichzeitig Ermäßigungen eintreten zu lassen. Ich balte das für kaum durchführbar. Gebt man an die Reform, so wird man von vornherein zu der Ueberzeugung gelangen: obne Tarifermäßigungen - also ohne vorübergehende Ausfälle _“ ist die Sache nicht zu machen. Die erste Frage, die hierbei gleich in den Vordergrund tritt, ist die: ist es richtig, daß die Beförderung der Personen in vier Klassen geschieht? Ich bin der Ansieht, daß es nicht richtig ist, daß es sich vielmehr emyfiehlt, die vier Klassen in drei Klassen zusammen- zuzieben, oder viellricbt sogar, wie die Engländer, in zwei Klaiien. Will man das aber, so steht man sofort vor einer tief eivschneidenden Tarifermäßigung; drnn die Fahrpreise für die Billete 4. Klasse werden wir nicht erhöhen können und dürfen, also wir werden dann die Fabr. preise der 4- Klasse wenigstens theilweise auf die 3. übernehmen müssen 11. s. w. - kurzum, jede Tarifreform bringt zu gleicher Zeit nothwendiger Weise vorübergehende und je nachdem sebr erhebliche Risikos mit fich.

Ferner hat der Herr Abg. Dr. Eckels gesagt: Ja, diese Rund- reisekarten sind eigentlich vom Uebel und sollten abgeschafft Werden. Ich bin auch kein sehr großer Freund derselben; aber andcrerseits muß ich doch zugestehen: die Erfahrung hat bewiesen, daß diese Rundreisekarten beim Publikum außerordentlich beliebt sind. (Sehr richtig!) Von Jahr zu Jahr hat der Verkehr auf Rundreisekarten ganz erheblich zuge- ' nommen. Mit diesen Rundreifekarten kann man durch die ganze Welt reisen, soweit die Schienen laufen, und es wird davon ein außerordentlich starker Gebrauch gemacht.

Endlich hat der Hrrr Abg. Dr. Eckels für die Berliner Gewckrbe- ausstellung eine Lanze gebrochen. Auf die Berliner Gewerbe- aUsstellung haben wir uns, wie Sie sich vielleicht aus den Verband- [ungrn des Vorjahres noch erinnern werden, dadurch eingerichtet, daß wir unssre-bczüglichen Bahnhöfe erweitert, sogar noch einen neuen Bahnhof eingerichtet, Anschlußstrecken gebaut und unseren Personen- Wagenpark erheblich Vergrößert Haben. Wir können also der Ent- wickelung der Dinge mit ziemlicher Ruhe entgegenseben.

Wir find auch der Ueberzeugung gewesen, daß wir für die Berliner ererbx-Ausstellung in Bezug auf Ermäßigung der Preise und Ver- mebrung der Fabrgrlsgenheiten bereites Entgegenkommen beweisen müßten. Die Sache ist schon zwischen den Betheiligten in Behandlung genommrn worden, und die ailgcmeinen Grundsäße sind festgesteüf; Das was in dieser Beziehung geboten werden soll, ist aber natürlicher- weise virl-kn Berlinern noch lange nicht genug; sie wollen noch viel weitergehende Ermäßigungen, Ermäßigungen, die viel weiter geben, als die Franzosen z. B. seiner Zeit für die Pariser Ausstellung gewährt haben. Das scheint mir weder erfordérlicb noch gerechtfertigt zu sein. (Sehr richtig! r€chts.)

Im übrigen so!! durch Sonderzüge und durch Verlängerung der Retourfabrkartcn u. s. w. tHunlichst den Bedürfniffen und den gerechtfrrtigten Wünschrn der AusstelXung Rechnung getragen Werden. (Bravo! rechts.)

Abg. » 1) n Rauiier (k011s.) beklagt einige Mißstände auf kleinen Bahnböfkn in Ostpreußen. _

Abg. Graf Baisewiß (kon!) macht darauf aufmerksam, daß die Automaten auf den Bahnhöfen auch Sonntags benußt Werden und den Grschäitsleuten, welche die Sonntagßrube einhalten müssen, Kon- kurrenz machen, und bittrt drn Minister um Remedur.

Abg. Knebel (gl.) waünscht die Herstellung einer Schnellzugs- Verlindung zwischrn Saarbrackc'n und Köln.

Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen:

Meine Herren! Diese Prüfung findet zur Zeit statt, und zwar mil der Absicht, drn Wünschen ziemlich zu entkprechen für das größere1 nicht für das kleincrr Projekt, welchcs uns bier nicht bekannt ge- wvrdcn ist. Ich grbe zu, daß die Schncllzug§berbindung Saarbrücken nach Kvllburg im Anschlus; an den Personenzug nach Köln nicht diejenigen Aufzabcn Erfüllt, welche sich an drn beabsichtigten Schnellzug anknüpfen. Ich muß indessen eine Ergänzung der Auxfübrung des Hmn Abg. Knebel cinireten laffrn. Die kürzeste Verbindung nach Straßburg bleibt nacb wie Vor über Bingrn-Münster ck51 Stein. Dagegen wird die Ver- bindung 5011 Köln nach Saarbrücken über die Eifelbabn etwa 1 oder 11 Skunden an der Fahrzeit kürzen. Es ist zugegeben, daß die Ver- kehrsbeziebungen bon Saarbrücken nach Köln und Trier und umgekehrt doch immerhin einigermaßen 11011 Bedeutung find. Ich bin daher grundsäßlicb nicht dagegcn, den Versuch zu machen, den wir bereits früher gemacht haben, und zwar obne Erfolg, also den Versuch zu erneuern. H0ffentlich gelingt er.

Abg.§leß( ntr.) erkennt an, daß die Cismbaanaltung auf die * edürfni e der Jtnqnzperwaltun Rücksicht nehmen müsse; es sei aber eine alte wirtbjcbastlrche Wahr eit, da die Verbilligung einer Sache dercn Verbrauch vcrmebre, und des alb dürfe sieh die Eisenbahnveiwaltung durcb finanzieüe Rücksi ten nicht von Tarif- reformen abhaltcxn laffen. Redner verlangt n_i t nur die Reform der Personeniarise, ibndern auch der Gütertarife und wünscht , daß zu den Kostgn von Neuanlagen und Verändrrung bestehender An- lagen die Jnterencuten nicht zu scharf herangezogen werdcn. Schließ äußert Redner noch den Wunch, daß die Babuboföverbältniffe in “Flachen cinrr gänzli 6:1 Umäridcrung unjcrzogen werden m teu. Abg. Burck N .):_ Aus großen Stationen in do Grgrndcn bat die Babmtcigspme Unbequemlichkeiten im Gef man muß 1181 *roßem A11drang§lang§ sieben, ehe man durchkomm ' aber das Publi im kann fich daiüx unt drr Uebemugung trösten, durch diese Einrichtung _811111n_großcn Tbe'tl der Beamten Gesund und Leben 6111111111 wrrd, dté'stübkk_dUkch die Kontrole während" der Fahrt gciäbrdrt waren. Die Erklarung des Ministers, daß der * erdrm dcr Pcrwncntarifr die Rcform der Gütkrtatife Vorangeben müffc, wird weit? KMW 'des Verkehrslebens außerordentliÖ beo. friedigrn. Dir 50111 VYnzster von Maybach geplante Refor- wurde zwar von gcwtffen Serien be rüxt, hatte aber viele WWU Keiner wird verlangen, da die Heronmtarife der 1. Klo : eb, mäßiat werdcn. Die Auf!)? ung der 4.Klaffe war von dem Minister wohl nur aus Nachgiebigkeit gegen die süddeutschen in Aussicht genommen weil diese keine 4. Klaffe baden. Das die emze'lnen Wagenkla en 11 vermindern, ist voll India richtig. Etigla,nd giebt es nur zwei Klassen und die le te | sehr W eingcrtckotet. IF bättc ge?e11 eine usammenzie unß der Kia * einzuwenden. inc Vert nfarbung unseres komplizierten systems würde ich aueh wünschen, wenn nicbt wegen der Wu