Weinfamm Entgegenkommen tms zr: verständigejr'da, wo es geht, ' und tbaisäch1ich einen moäus ?TUSUCU zu finden, damit die beiden
* Békenntniffe versöhnlicb und friedlich nebeneinander wohnen.
Meine Herren, von "alien Anfübrungen, die die Herren Polen machen, sind die aUerunglücklichsten die Vorlesungen aus dem Besitz- ergreifungspatent und LandtagSrezeß; denn die Herren lesen meist nur soweit, als es ihnen paßt, und wenn nachher die Stelien kommen, die ihren Ansprüchen entgegenstehen, so lassen sie sie weg. (Widerspruch bei den Polen.) Das kann natürlich hier in der Debatte und der Diskussion nicht immer kontroliert werden, heute kann ich es aber be-
Weisen.
Im Jahre 1830 _ die Herren sind ja noch weiter zurückgegangen mit ihren Begründungen _ hat der zweite Landtag Beschwerde darüber geführt, daß die Behörden dem in dem Patent vom 15. Mai 1815 angesprocbenen Allerhöchsten WiÜen nicht überall nachgehen, und hat
gebeten,
daß der König geruben möge, den Einwohnern des Großberzogtbums Posen cin Vaterland, wie es Allerhöchstdieselben diesen Ihren ge- treuen Unterthanen väterlicb zugedacht haben, zu gewähren und die Vollstreckung Allerhöchstihres Willens beider Geschäftßsprachen mächtigen Beamten anzuvertrauen.
Was ist nun darauf erwidert? Der Landtagßabschied vom 14. Februar 1832 weist die dem Patent vom 15. Mai 1815 gegebene Auslegung ganz entschieden zurück:
Den Bewohnern des Großberzogibums Posen sei durch ihre Ein-
verleibung mit Unserer Monarchie ein Vaterland gegeben worden. Das merken Sie fich, meine Herren, das ist die authentische Inter- pretation dieses Patente'S! Es wird der ernste Wille ausgesprochen, die Provinz Posen auch ferner nur als einen Bestandtheil unseres Reiches zu betrachten, und es werden die Stände gemahnt, fich ferner jeder willkürlichen Deutung des Königlichen Wortes gemeffensi zu enthalten. Ja, meine Herren, das scheint mir doch deutlich zu sein. (Abg. Dr. von Jazdzewski: Das bestreite ich nicht.) Das hat aber der Abg. Motiv gestern nicht mit vorgelesen.
Aehnlich verhält es fich mit einem Provinziallandtagsabschied
von 1841. Da heißt es _ und auch das ist uns Von den Herren polnischen Rednern nicht mitgetheilt:
In der untrennbaren Verbindung mit Unserer Monarchie Hat das Nationalgefühl der polnischen Untertbcmen Unserer Provinz Posen die Richtung seiner ferneren Entwickelung, die feste Schranke seiner Manifestation zu erkennen. Die Verschiedenheit der Abstammung, der Gegensatz der Namen Polen und Deutsche, findet seinen Ver- einigungspunkt in dem Namen der einen Monarchie, des Staates, dem sie gemeinsam und für immer angehören, in dem Namen Preußen. Nicht ohne Verschuldung darf diese Thatsache Verkannt und der Unterschied der Nationalität als Grundlage eines politischen Gegensatzes wieder beworgerufen werden.
Nun, meine Herren, das ist es, wogegen wir uns wenden. Wir haben in der Provinz Posen eine exorbitante nationalpolnische Agitation, die darauf binauSgebt, ja die es offen ausspricht, daß der Hintergrund dieser ganzen Agitation die Bestrebung bildet, ein groß- polniscbes Reich zu stiften (Lachen bei den Polen), die polnische Nationalität wieder zu organisieren und dazu auch diejenigen preußischen Provinzen heranzuziehen, die niemals oder wenigstens seit Jahrhunderten nicht mehr zu Polen gehört haben,_ bei denen es sich einfach um polnische Sprachreste handelt. Daß wir solchem Gebabren entgegentreten, ja, meine Herren, darüber werden fick) die Herren Polen nicht wundern dürfen. Ich frage die Herren Polen, was fie thun würden, wenn sie an unserer Stelie wären. Meine Herren, ich bin überzeugt, wir würden es sehr viel schwerer haben als die Polen unter der sanften und milden Regierung Preußens. (Sehr richtig! bei den Nationalliberalen und rechts.)
Nun hat der Herr Abg. Dr. von Jazdzewski von der Gleich- berechtigung auf dem Schulgebiete gesprochen; er hat sich darüber beklagt: wir bildetrn nicht genug katholische Lehrer aus. Ich kann ihm darauf erwidern: die Zahl der polnisch sprechenden katholifchen Seminarzöglinge hat sich auf den Seminarien erheblich vermehrt und wir Werden in dieser Vermehrung fortfahren. Wir selbst haben ein Interesse daran; denn da auf der Unterstufe und auch auf der Mittel- stufe die polnische Sprache zu Hilfe genommen werden muß, bedürfen wir selbst solcher Lehrer, die das Polnische vrrsteben. Dessen sind wir uns sehr wohl bewußt. Darauf kommt es Ihnen aber weniger an; die Herren Polen wollen, daß wir vvn Haus aus polnische, nationalpolnische Lehrer haben, und darauf legen wir gar keinen Werth; uns genügt vollständig, wenn wir Lehrer haben, die des Polnischen mächtig sind. Nun möchte ich aber den Herrn Abg. von Iazdzewski darauf aufmerksam machen, daß, wer in einem Glas- bause wohnt, nicht woblthut, wenn er mit Steinen wirft. Meine Herren, gerade auf dem Gebiete der Sprache fehlt es in der Provinz Posen sehr häufig an der Parität, die wir Deutschen zu beanspruchen hätten. (Sehr richtig! recbks.) Es liegen mir sehr betrübende ernste Be- schwerden vor, darüber, daß die Kinder von deutschen Katholiken in der Provinz Posen troß der äußersten Bemühungen ihrer Eltern es nicht erreichen können, deutschen Kommunion- und Beichtunterricht zu erhalten. (Hört! hört! rechts.) Meine Herren, ich habe hier einen Fall, in welchem ein polnischer Probst, der dem Herrn Abg. 1)r. Von Jazdzewski ganz genau bekannt ist, sich durchaus geweigert hat, dem berechtigten Verlangen der deutschen Katholiken in dieser Be- ziebung an seinem Wohnorte und in seinem Bezirke nachzukommen. Nun, meine Herren, gewähren Sie uns doch die Parität, die Sie von uns verlangen; es ist ein billiges Verlangen, wenn wir damit an Sie herantreien. Also in dieser Beziehung haben Sie uns ganz gewiß nichts vorzuweisen.
Meine Herren, was den polnischen Schreib- und Leseunterricbt anbetrifft, so muß ich nochmals beworbeben _ ich habe es schon bei der ersten Einführung dieser Konzession, wie sie hier unrichtig genormt ist, hervorgehoben _: der polnische Schreib- und Lesennterricht ist gar keine Konzession. Der polnische Schreib- und Lesrunterricht, den ich konzediert hab?, ist eine Maßregel, die nothwendig war, um den polnischen Privatuntrrricht zn beseitigrn, der in vielen deutschen Schulen von unseren Lehrern ertbeilt wurde“. Wir mußten die Lehrer aus der Hand des polnischen Nationalagitations-Comités, von dem sie Geld und zum theil viel Geld bekamen, los machen; und wir mußten zu dem Zweck in beschränktem Umfange Linen polnischen Unter- richt einführen, Wenn anders wir nicht einen GewiffenSzwang gegen die katholischen Polen üben wollten; denn wir mußten die Kinder be- fähigen, daß sie den polnischen Religionsirntcrricht mit Erfolg wahr-
erledigen konnten. Das ist der Kern der Sache; das ist gar keine Konzession. Ich behaupte, daß wir mit die'ser Maßregel nicht einen Schritt zurück, sondern einen Schritt Vorwärts gethan haben. Das ist auch die Meinung der Behörden. “
Nun, meine Herren, die Frage, weshalb ich diese Maßregel nicht auf Ostpreußen und Oberschlesien außgedebnt habe, ist leicht zu be- antworten. Das habe ich deshalb nicht gethan, weil die Kinder dort, dank unserem vortrefflichen Unterrichtssystem, so gut deutsch sprechen können, daß sie auch die religiösen Begriffe erfassen. Das ist mir von berufener, von amtlicher katholischer Seite ausdrücklich bezeugt, und so lange ich diese Uebcrzeugung habe, wäre es wirklich ein Wahnsinn, wenn ich das seit 30 Jahren mit den besten Erfolgen gehandhabte System jest ändern woÜte, _ in einem Momente, wo von Galizien aus uns eine ganz unberechtigte polnische Agitation nach Oberschlesien bineingstragen wird, eine Agitation, die die Herren in Oberschlesirn auch noch fühlen werden. Sie werden vielleicht der Regierung noch einmal danken, daß sie Stange und Fuß bei Mal gehalten hat und sich nicht hat schrecken laffxn durch jene agitatorischen Bestrebungen, die uns dort entgegentreten.
Hinzufügen will ich noch, daß ck mit diesem polnischen Schreib- und Leieunterricht auch deshalb nicht gefährlich ist, Weil die kleinen Leute in Posen auf den Unterricht außrrordrntlich wenig Gewicht legsn. Im ngierungsbrzirk Bromberg betbeiligen fich nur ck bis F- der polnischen Kinder an dem Unterricht. In 16 Schulen fehlt es überhaupt an Anmeldungen seitens der Eltern. Das ist doch ein deutliches Zeichen, daß die Eltern gar kein Interesse an dem Unter- richt haben; und so liegt es auch. Wo nicht der polnische Geistliche
drängt, ihre Kinder zu dem polnischen Unterricht anzumelden, da pfiegen die Eltern selbst kkin Interesse an dem Unterricht zu nehmen.
Nun, meine Herren, noch ein Wort über unsere Behandlung der Männer-Orden und der weiblichen Orden in der Provinz Posen. Herr Dr. Von Iazdzewski hat gemeint, ich hätte gar keine Gründe an- geführt, gar keinen Nachweis dafür geliefert, daß wir irgend eine politische Agitation oder einen politischen Einfluß yon den polnischen Männer-Orden zu erwarten hätten. Ja, meine Herren, der Nachweis braucht auch nicht geführt zu werdrn; er liegt auf der Hand. Wenn ein polnischer Ordensmann in Posen unter der polnischen Bevölkerung tbätig ist, so ist diese eine Thatsache schon hinreichend, um den pol- nischen Einfluß zu stärken und den deutschen Einfluß zurückzudrängen. Es bedarf deshalb weiterer Gründe nicht.
Das ist nicht richtig, daß wir kein Verständnis; für die Kranke pflegenden Orden hätten. Und der Appell an unser Gefühl für die Leistungen dieser Schwestern, die auf dem Gebiete der Barmhcrzigkeit fich ausseichnen, war sehr überflüsfig. Aber die Erfahrung haben wir gemacht, daß auf dem Gebiete der Kleinkinderpflege die weib- lichen Orden allerdings direkt vielfach dem Polcnthum vor- gearbeitet und dem Deutschtbum Entgegkngearbeitet haben. Wir können Fäae nachweisen auf Grund amtlicher Ermittelungen, wo die Schwestern in chinkinderscbulen, in denen auch eine erhebliche Anzahl deutsckver Kinder war, niemals deutsch, sondern stets polnisch gesprochen haben. Nein, Herr Abg. ])r. v. Iaédzewski, das ist auch ein Fall, wo wir Parität Verlangen können, wo wir verlangen können, daß auch den deutschen Kindern ihr Recht gewährt wird, _ das wird ihnen aber nicht gewährt, und deshalb bcseitigen wir diese fanatisch-polnischen Schwestern aus den Schulen. (Lebhaftcr Widerspruch bei den Polen. Zustimmung rechts.) Ia, meine Herrrn, das ist fanatischer Polonismus; den können wir nicht dulden und Werdkn wir nicht dulden! (Obo! bei den Polen. Beifall rechts.) Meine Herren, wir haben ja die Er- fahrung gemacht. Aus deutschen Muitcrbäusern sind Schwestern nationalpolniscben Ursprungs nach Posen berufen. Wie ist denn die Sache gegangen? Die Schwcstern von dkutscher Abstammung wurden nach einiger Zeit eine nach der anderen entfernt, und es wurde die ganze Niederlaffung mehr und mehr mit nationalpolnischrn Schwestern besetzt. Schon diese eine Thatsache weist doch darauf hin, daß wir alien Grund haben, dort auf der Hut zu sein.
Nun hat Herr Dr. von Jaédzewski mich gefragt: Was sol1en denn die polnischen Schwestern thun? Nun, sie sollen ihre Kranken pflegen, aber sie sollen bei der Pflege der Kranken die deutschen Kranken, bei der Kinderpflege die drutschen Kinder mit ihren Polonisierungs- bestrebungen verschonen. Das ist meine Meinung, und zu diesem Ver. langen sind wir berechtigt. Ja, meine Herren, wenn die polnischen Damen immer so loyal gewesen wären, wie fie uns hier dargestellt Werden, dann ließe man sich das noch gefallen: aber es hat sich im vorigen Jahre herauSgesteUt, daß wir in der Provinz Posen 14 Nieder- lassungen der Mägde Mariä aus Koremba gehabt haben, die niemals obrigkeillich angemeldet sind, die Jahre lang ihre Thätigkeit aus- geübt haben, ohne daß der Obrigkeit davon Anzeige gemacht wäre. Das ist nicht [oval, und man kann sich nicht darüber, wundern, wenn uns das nicht gefäat.
Damit, meineHrrren, mag es genug sein! Ich bin der Meinung, daß wir den Polcn in allen rechtlichen Beziehungen volle Gerechtigkeit und volles Entgegenkommen schuldig sind. Aber ich bin umgekehrt auch der Meinung, daß auf dem politischen Gebiet, soweit es sich um irgend eine Förderung der national-polniscben Tendenzen handelt, wir unsere ganze Kraft zusammennebmcn müffen, um das Deutschtbum zu schützcn und dem aggresfiVen Polonismus entgegenzutreten. Das ist unsere Pflicht und Schuldigkeit; die werde ich erfüllen, so lange ich überhaupt noch in der Lage bin, hier zu stehen, und so lange ich noch Kraft und Macht dazu habe! (Lebhafter Beifall rechts und bei" den Nationalliberalen. Zischen bei den Polen.)
Abg. Freiherr von Zedlitz und Neukirch (frkons.): Der Sprachensrlaß des Ministch ist vielieicht eine Befferung des früheren Zustandes, aber der Fehler liegt darin, daß die olnische Bevölkerung diescn Erlaß als eine Konzession, als ein Na geben des Ministers aufgefaßt hat, als ein Zeichen der Schwäche des Staats. Hält der Staat !eine Grundsätze eine Reihe von Jahren fest, dann werden auch die polnischen Agitationen ur-d Aipiralioncn bald Verschwindén. Ich will nicht untersuchrn, ob nicht die Tage der polnischen Revolu- tion das Recht verwirkt haben, sich auf alte Patente zu berufen; (1er (Eines ist nicht verbürgt worden, in keinem Pergament nämlick), daß die Polen das Recht haben sollen, ihre deutichen Mitbürgcr zu polonisirren. .Hcrr Motjy hat für die Polen eme Mrtteléperson verlangt, wrlcbe eingeschobrn werden soll, um den schlecht unter- richteten Köni über die Polen zu informieren. Ist darunter ein polnischer Lan Imann-Minister verstanden, oder soll die Stellung dem Primas von Polen eiugeräamt werden? Mit dicser Forderung soll außer-
1ich zum Außdruck gebracht werden die Sonderste ung dcr Polen im Deutschen Reich. So lange sie daran festhalten, eme
solche Sonderstellung zu erringen, müssen Wir die Po-
nebmen und daß“ sie die Aufgaben, die sie bier bekommen, zu Hause
dahinter sitzt und mit allen Mitteln seines Einflusses die Eltern dahin *
„nicht einseitig i t.
.
litik festhalten , welche 1886 ein e cblagen ist. Herrn Virchow stimme in zwei Punkten L, nämlich daß bald ein Komvtabilitätheseß erscheinen möge, um unser Konxrolrecht zu sichern, Ich stimme au darin überein, daß die Rechtsverhaltnisie der Privat. dozenten unhalt r md. Es ist unhaltbar, daß ein Privat- dozent in einem Lehr örper geduldet werden muß, welcher narh dem Verhalten der Sozialdemokraten gegenüber der Jubelfeier dieses Jahres sich trotzdem zur Sozialdemokratie bekannt hat und fick) an sozialdemokratischen Agitationen betheilit hat, ohne daß er entfernt werden könnte aus dem akademischen Le rkörper. Nicht einverstanden bin ich mit dem Wunsrhe Virchow's, daß die Museumsbauten u. s. w. schleunth in An riff genommen werden" sollen. An die Befriedigung dieser edürfni 8 Werden wir erst spater denken können. Aber wie die Dinge liegen, können wir nicht. so hohe Summen in den Etat einstelien, ohne vorher andere Dinge zu befriedi en: ich erinnere an die Justizbauten, die Verbesserung der Bahn öfe u. s. f. Die Anklage der Jmparität wird ja nachher wobl Herr Bachem erheben. Ich kann nur aussprrchen, daß die Grundlagen, von denen seine Aufsteüung aussieht, im Einzelnen .und im Ganzen durchaus unrichtig und verfehkt sind. Erbat fich sebr unvergleichbare Zahlen herangezogen und die Zahlrn weggrlaffen, welche herangezogen werden müssen. Zum Beispiel für die Hinterbliebenen drr katholischen Geistlichen würde der Staat eben so sorgen wie für die evangelischen Geistlichen, wenn ihm nur die Gelegenheit dazu gegeben würde. Dir Styl ebübren- Entschädigung ist ein Arquivalent dafür, daß der katholischen ircbe die S errgeldrr zurückgewährt worden sind. Wenn die katholische Kirche sick? benachtbeiligt glaubt, weil in den levtrn Jahren mehr für die evangelische Kirche gethan ist, so liegt das daran, daßirüher zu wenig bewiiiigt worden ist für die ewangelische Kirche. Jm Arriang dieses Jahr- hunderts sind allerdings mehr katholische als evangelische Kirchengüter eingezogen worden, aus dem einfachen Grund, Weil die ryangeliscben meist schon kurz nach der Reformation eingezogen sind. Es istkein Fal] angeführt worden, in welchem in irriend einer Schule unter dem Falk'fchen Schulerlaß der Religiqnsuntrrricht nicht dem katholischen Dogma entsprechend gegeben worden 1st, oder in welchem die katho- lischen Oberen eine Beschwerde erhoben baben. Daraus fol t, daß der Religionsuntrrricht überal]. den Lehren der katholischen Kit € ent- sprrchend ertbcilt worden ist und ertbeilt wird. Es handelt sich also lediglich um dir Aufwrrfung einer Yrinzipienfrage, und da ergiebt sich an der Hand der verfassungsmä igen Vorschriften, da alle Be. hauptungcn wegen drr Verfaffun swidri keit unbegründet nd; denn der Staat maßt sicb ni t das Nr L an, einerseits den Rcliqionöunter- richt zu ertbeilen. Herr orsch verlanaj, daß die Kirche das Recht haben soil, einem Lehrer dcn Religicnßuntcrricht zu untersagen, und zwar ohnejeg- lichen rechtlichen Schuß, der dem Lehrer sonst zur Seite steht. Da- durch würden das Ansehen und die SteUung der Lehrer erschüttert werden ; sie würden nicht mrbr Organe des Staats, sondern nur recht- lose Dienst dcr kirchlichen Oberen sein. Das geht wkiter als der Zrdlitz'sche Entwurf, der dem Lehrer noch emen gewissen Rechtsschutz ließ. Nach dieser Richtung können wir die bewahrten reu ischen Grundsätze nicht vrrlaiien. Herr Bartels hat bei der er ten esung des Lehrerbesoldungögescßes die Regierung ermahnt, schleunigst das Schulgeseß Vorzulegen. Er sprach yon der Barriöre,'über welche_ (*in
ferd, wrnn es nur ordenllicb ange1pornt würde, leicht binwrgkame.
kiten ist mir Line so wcnig zutreffende Auffassung drr polnischen und schul olitischen Lage vorgekommkn als diese. Wir wünschen nicht, da das Regiment Wilbelm's ll. in die Zerten Friedrich Wilbelm's 11. und Friedrich Wilbelm's17. ranaiert würde. Deshalb haben wir Widerspruch erhoben gegen das Schulgeseß von 1892. Der Versuch, gegen ein solches Grieß anzukampiexi, würde steis erneuert worden sein, wenn ein Gesexz vorgelegt, ware, das die Schule gefährdet hätte. Nicht der Frieden wäre dre Folge gewesen, sondern der stete Kampf. Es wäre auf Jahre hinaus der Zusgmmenschlch aller staatserbaltenden Parteien gegen die Sozialdemqkratte unmögli geworden. Diese Momente hat man damals überiebcn, als man Daß die Vor- Die staais- er altenden Parteien foÜten sich nicht gegenseitiß zerfleiscben „im Kam f [Öhm die Schalk, sondern sich zusammenschteßen um Kaiser und ei .
Abg. Dr. Bachem (Zentr): Wenn der Minister von der Staats- bobeit gesprochen hat, so hat er eigentlich wohl die Staatsomnipotcnz gemeint; hätte er diesen Anßdruck gebraucht so baite er Recht gebadt. Wenn der Minister auch mit den katholischen Krrcbenoberen tZtch_t in einzelnen Fällen im Streit liegt, so besiebi doch ein grundsaßltcber Widerspruch zwischen ihm und den katöoltscbkn_Oberen. Wenn der Staat die Beaui 1chtigung des ReligionSunterrrchts beansprucht„ so beansprucht er an eine Einmischung in den Inhalt des Untrrrrrbts, und diese Einmischung würde erfolgen, wenn hier txicht eine katholische
artci ständig auf der Wacht wäre. Deshalb muffxn wir gegen das rinzip ankämpfen welches unter einem Kulturkamys-Mrnister _wiedcr Z Deshalb müssen wir auch
den Fehler machte, das Grieß überhaupt einzubringxn.* [aße zurückgezogen ist, war ein Akt der StaatSwetsbett.
zu unerträglichen uständen führen karin. ' an unserem Streben nach cinem VolkUcbulgeseß eftbalten. Ick bm vollständig der Ansicht des Herrn Bartels. Wenn dre rren Kynservativen einen Versuch machen wollen, wir schließen uns an und wunschen' nur, daß der KultuS-Minifter bald vorgehen möge. st das die Freiheit der Wiffeuschaft des Herrn von Zedlitz. daß _erst die Bcrwwdung der Wisen- schaft zur sozia demokratischen Agitation strafbar seit) soli? Sollen diejenigen, welche die Unterlage, den AtherIxnus, fur die Sozial- demokratie lebten, unbebeliigt bleiben? Cm Komptabtiitatßgesex wäre sehr zrveckmäßig; (iber damit würde noch nicht aufgeraumt mit allen Mißständen des Kultus-Etats, der eine ungebxucre Menge_ von Disyofitionsfonds enthält, wie kein anderer Etat. Diese onds zahlen nach Millionen. ohne daß eine Unterlage etatsrecbtli er Gwizd- Qäße dafür vorhanden wäre. Rechtliche Verpflichtungen, freiwillige etstungen des Staats u. s. w„ Zuwendungrn an chulen, an Lehrer, Geistliche, Alterszulagen und Unterstützungen und éonstige verschiedenarti e Dinge sind durcheinander geworfen, soda eine parlamentarisZe Kontrole über die Vérwxndun absolut unmö lich ist. Die Budgetkommisfion bat bezü ltcb enes Punktes enen Anfang gemacht, um die Grundsäße fe zustellen. Sie könnte auf dem Gebiet des Kultus-Etats noch sehr viel verbessern. Ich komme nun zu der Tabelle, Welche ich den Herren babe „zugeben [affen- Die Tabelle ist als feblerba und einseitig bthchner worden; Herr Friedberg, der das kßtere bebaupiet t, ubermmnzt dadurch die P icht, eine ähnliche Arbeit zu machen, d_te
Trotz aller Fehler wird “vgs Schlußergebmß kaum beeinflußt werden. Will rr von 380118 behaupten, dq 1870-90 die Katholiken besser behandelt worden sind al? die Evangekchben? Da ist doch alles geschehen, um der katb011schen Kirche bbrucb zu than. 1811 wurden dte e_vangeliscben Kirchen- üter, soweit sie noch bestanden, Geschont Wahrend mati mit den ?atboli (ben tabuja rasa machte. Jedenfails bekommt die evangx' lische irche erheblich mehr als die katholische Kirche, trotzdem_dte leisten: einen rechtlichen und moralischen Ansxruck) bat, die evangelische aber nicht. In den leßten Jahren smd in Jahren im Ordinartum 887000 „zu für evangelische und 108000 „ck für katholische chcxe mebr bewilligt worden, im Extraordinarium 1240000 «& fur die evangelische Kirche und nichts für die katholische Kirche; ,also im (Ganzen 20mal so viel für die evangelische Kirche als für die fatbo- liscbe Kirche. Der Etat stellt sich auf den Standpunkt des BedürfnisieS-
(Schluß in drrJZweitechilageJ,"
*;
„214€ 53.“ '
' * ." ., Zivéiltfe, Veilcigé _ ' zum Deutschen Rerchs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger-
Berlin, Sonnabend, den 29. Februar
(Schluß aus der Erstcn Beilage.)
Sollte wirklich das Bedürfnis; qui der edangelisckhxn Sritr [1111 so vill xFer sein als aof, der kalbolrsckyrn Seite? Ick) schiebe keinem die & uld zu; die Dinge sind so geworden, ohne das; jemand besonders darüber i_racbgedacbt bgt. In der katholischen Brvölkerung besteht das Gefubl, daß wir auf „dem Boden der gemischten Fonds noch schlechter forrkommen, als, [ck81 den für bestimmte Dinge vorgesehenen onds. Wir haben, " einige Anträge gestrilt, 12111 in dieser 5 eziebrznxrdre Dtxparttat zu beseitigen, z. B. bezüglich der Gehälter der Geistlichen. (Zuruf-des Abg. von Eynern: Keine Frau und
keine Kinder!) Demgegenüber verweise ich auf die alten Eltern und ,
alten YerWandte'n ' drr Gristlichen. Ich bestreite, daß hier über- haupt, em Unterschied zu. wachen ist. Wenn der Staat anerkennt, daß dre Tbatrgxeit der Geistlichen guck) für ihn brstimmt ist, wrnn cr
uscbüsse gewahrt, so müssen dieselben bemeffsn wrrden nach den &eiitnnqen, welche auf der evangelischen und der katholischen Seite die- selben sind. Wknn man den Bedürfnißstandpunkt in drn Vordergrund stellt, „warum schafft man für die 200 000 Katholiken Brriins nicht ein katholiscbrs Gym_na_fium? (Zuruf: Es sind genug da!) Die Katholiken wolien kem paritatijrbes „(Gymnasium. Die Protestanten wollen es auch nicht; zum, ich wrl] dre Nationallrberalen außnehmen. In Schöne- brr ber Berlin besteht für_ 350 kathyiische Kinder noch keine Schule, wäZrend Fnr Protestanten fur 30, 40 Kinder sch0n eine brsondere Schulc gebaut_ wrrd._ Dgs katholische Volk hat nicht die', nötbigen Instanzen, um srm Bedurfntß g'eltend'zu machen. Sämmtliche Ober-Regicrungs. Rätbe ber den BezirkSregrerungen sind Protestanten. Gedankt der Minist?k- dirsen Zustand zu, konservrerrn? Odrr will er für di€ Katholiken etwas „thun? Die Behauptung des Ministrrs, das; die geistliche Schulaufsicht „sebr wett verbreitet sei, mit Aanabme der agmischtsprecvendcn Brzrrke, bat mich Verblüfft, weil die katholische Yreffe das Gxgentbe'rl bewiesen batte. ,AUerdiiigs, die katholische 5 reif? ist ja'eme schlechtx; ihre Schlechtigkcit besteht darin, daß sie die Nationalliberalrn bekämpft hat und noch immrr nicht anerkannt hat, daß Herr von Eynern drr größte Parlamrntarier Europas ist. In Y_randrnburg, in Pommrrn sind Protcstantische Gristliche Krris-Sckoulmsprktorrri. Von der Lokal-Schulinsprktion find die katho- [ixchrn Pfarrer in Mit größerem Maße ansgksrixloffrn, wie die «Vange- li chen. Wir brttcn den Minister, uns ebrnio zu b?bandeln wie die Protestanten. Den evangelischrri Beschwerdrn wird immer schleunigst abgsbolfen, aber das derkatbolrscbxn Kirche aufgedrängter Vrrmögrns- Verwaltung-“Zgriry bestrht immer noch trotz allrrKla-grn. Nach wie Vor sind die reitgroWn Gryossrnschaften der rvangclisckyrn Kirche vollständig frei yon ieder BcauifichtiZTn ; geben Sie den katholischen Ordens- xikndffrnschaften dassrlbe' € t auf Freiheit. (Zuruf des Abg.]1r. Friedbrrg: Stellen Sie die Orden untkr das Ve'reinsgiicß!) Damit würden inrme Frrunde wohl gern eindrrstanden sein, wenn Si? mit der Regierung zruammrn einen solchen Vorschlag machen onten. WEnn man den Kampf nicht mrhr will, dann muß auch das Altkatfw- !ikengesrx, dlésks Kat11pfgLsCß,_ aus der Welt grschc1fft werden; drnn dars kalbxn drs Geseßes' ist, eine Beleidigung für die katholische Kirche. Fur die „anderen kirchlichen Srkten hat man krin Grieß gs- niacbt, nur_für dre Altkatholiken. Ferner rrrlangen wir ein Küch- kwfsgefeß fUr die Katholiken in der Rikinprovinz, aber selbst in dieser harmlosen Frage will man den Katiwlifcn nicht geben, was die Protestanten haben., Ich weiß, ich werde rermiheilt werden wegrn Störung des Hffrntl'tchen Frtcde-ns, wrgen Störunxx dss Schlendrimis im Kultus-Mnuitertum und wcaen Störung der 5 achtrube dcs Hérrn :.wn Eynrrn.
Minister der geistlichen :c. Angelcgcnhcitcn Ur. Bosse:
MeineHerrrn! Herr Abg. 1)1*. Bachrm hat uns ein io rrickpes Menu iiicr aufgetragc'n (sebr richtig!), daß wir AUE wobl Mühe babrn wrrdrn, damit einigermaßen im Rahmen drr uns zugkmeffrnen Zeit beute fertig zu werden. Ich werde aber dcn Vrrsucl) machen; ich werde mich auch in der Beantwortung einzelnrr Punkte schr knrz ?“affen.
Dazu gehört 5. B., das; er scine Réic brscbloß im Zusammen- hange mit der Harmlosigkcit, die' er sich frlbst indizircto, _ Sie bUbTU ja selbst gehört, wic harmlos die ganze Rede grwr'scn ist, _ daß rr dem Kultus-Ministerium den Vorwurf des Schlkndrians machte. Diesen Vorwurf wrisr ich auf das Entschikdrnfte zurück. (Zuruf im Zentrum: Hilft nichts!) Wenn Herr Abg. ])1'. Yacixem gesprochen bat von Geseßrn, die eine Bciridigung und cine Bssckpimpfung für die kat'iwliscbe Kirche enthie'lten, dann hat der Kultus-Minister wobl aÜrn Grund, fich derartige Vorwürfr, wie eine'n Schlkndrian im Kultus- Ministcrinm, zu drrbittcn. lind das thus ich [)iermit. (Lrbbaficr Bei- fall links und bei den FreikonserVatiVLn. _ Unruh? im chtrum. _ Zuruf im Zentrum: Fanatisches Ordensgrskß!)
Dann will ich Hrrrn Abg. Dr. Bachem sagcn, daß wir uns über das Altkatbolikcngesrß ja bei Kap. 1160 untcrbaitcn können. Ich wjii aber schon heute bemerken, daß für die' Rrgierung in dem zu- fälligen Umstande, daß der Bischof [)1'. Rcinkrns Verstorben ist, kein Grund liegt, um ihre Stellung den Altkatboiiken gegenübrr irgendwie zu ändern. (Bravo! links und bei den Freikonserdativrn. Zurufe im Zentrum: Leider !)
Was das Kirchbofsgcscy anlangt, so habe ich pridatim bereits Herrn 1)1'. Bachem Auskunft gegeben über die Gründe, die die Vorlegung des Geseßes verhindern, und 63 wäre nicht nöthiz gcwrsen, die Sache hier nochmals zur Sprache zu bringen. Ich habe unmittelbar nach dem Schluss der vorigen Landtagssession eincn Entwnrf zu einem drrartigcn Kirchhofsgesey für die Rheinlande und für den Bezirk Wiesbaden gemacht; ich habe den Entwurf demnächst an den Minister dcs Innern als mitzusiändig geben lassen, im Ministerium des Innern ist ein Ministerwecbsel eingelréten, dadurch sind Ver- zögerungen ganz von selbst auch in dem Votenwcchsel über diesen Entwurf entstanden, und jeßt ist die Sache so weit, das; der Entwurf zunächst an die betbriligten Ober-Präfidenten herausgegangen ist, um deren Uribeil darüber zu hören. Ich hoffe, daß dies den Intentionen des Herrn Abg. Dr. Bachem ganz Entsprechend ist; denn es kann ihm nur genehm sein, wenn die örtlichen Behörden darüber oebört find, ebe wir hier mit einer fertigen Vorlage Vor Sie treten.
Dann hat Herr Abg. Dr. Bachem gefragt, warum wir kein katholisches Gymnasium in Berlin hätten. (Fr hat sich dabei darauf berufen, daß doch 200 000Katboliken in Berlin seien. Ja, meine Herren, 200000Katboliken sind in Berlin; aber der Prozentsaß der katholischen Schüler höherer chranstaltm ist nicht enliernt der gleiche und der entsprechende wie das Verhältniß der Katholiken zu der Bevölkerungs- zahl der Evangelischen. Das würde uns überdies garnicht hindern; “hkk, weiße Herren, erstens will ich Ihnen sagen, daß Ihnen mit einem katholischen Gymnasium garnicht gedient
wäre. Wo sol1 es denn bin? Wollen Sie denn die katho- lisch2n Schüler zwei Stunden lang nach einem katholischen Gymnasium [aufm laffkn? Da w-Zrdrn sich die: katholischen Eltrrn bedanken! Und deshalb können wir Es schon nicht machen. Es ist aber noch ein anderer Grund. Die Königliche StaatSregierung hat seit vielen Jahren das Prinzip féstgehalten, daß sie bei Gründung höherer Lehranstalten aus Staatsmitteln nicht konfessionelle Lehranstalten ge- gründrt bat; demi sie muß Rücksicht darauf nehmen, daß zu den Mitteln, aus denen diese Schulen Erhalten werden, die Mitglieder aüer Konfessionen britragen, und deshalb haben wir das gethan. Wir haben den konfessionellen Bedürfnissen an diesen Anstalten Vollkommen Rechnung getragen; aber einen konfessionellen Charakter haben wir diesen Anstalten nicht gegrben. (Beifall links und bei den, Frei- konserVatiVen.)
Nun, meine Herren, hat Herr Abg. Dr. Bachem gesagt, das OrdenSgrsr-Z _ deffrn Handhabung ihn so sebr beschwert, zu Unrecht, wie ich glaube _ sei von der Nrgierung gemacht worden. Nein, meine Herrexn, so likgr die Sache nicht. Das Ordensgeseß ist zustande gekommen wie jedes Gesetz in Preußen durch Zustimmung aller drei Faktors". (Lachen im Zrntrum.) Meine Herren, das Ordensgeseß, wie es jrtzt besteht, ist ein Tbeik des Kompromisses, der geschlossen ist über die Beilegung drs Kniturkampfes. Und da wir keinen Grund haben, an dissem Kompromiß zu rütteln, so hat auch die Regierung keinen Anlaß, die Initiatide zur Beseitigung oder zu Liner Aenderung des Ordrnégcsrßss zu crgreifen. Wrnn die katholische Kirche sich be- drückt fühlt, so möge? die katHoliscbe Kirche die Initiative ergreifen, so mögen uns birr Vorschläge gemacht Werden; dann wird man mit sich darüber raden [affair Wir Habr'n gar keinen Anlaß, das Ordensgesetz zu ändrrn. Wir haben nur Anlaß, das OrdenSgeieJ gerecht und dem Grieß? gemäß anzuwenden. Und das thun wir im Vollen Maße.
Nun hat Herr Abg. ])]: Bachem Weiter gefragt, ob denn aUe Ober-Regierungs-Rätbe bri uns protestantisch smd. Ich kann ihm waereitsgkmäß darauf antworten: ich weiß es nicht! Denn, meine Herren, wir fragen überkaupt nicht danach bei der Besetzung unserer Bramtenstriirn, ob cs Protcftanten oder Katholiken smd (Oh! ob! im Zentrum); wir fragrn nur danach, ob rs tüchtige Leute smd, die ihrem Vaterland gegenübsr das Hrrz auf dem rechten Flkck haben. (Bravo! bei den Nationallibkralrn.) Und, meine Herren, wenn ck bei einem tüchtigen Beamten hier unter dem linken Knopfloch richtig ist, dann kann er Obrr-chierungs-Ratb werden, mag er katholisch skin oder evangelisci). (Widerspruch im Zentrum.)
Nun, meine Herren, wil] ick) im übrigen den Herrn Abg.1)r. Bachem bcrnbigrn: wir Habrn vor einiger Zeit einen katholischen Ober-RegirrungG-Raib, den Dirigenten der Schulabtheilung in Münster, angestrijt; also alle Obrr-Regierungß-Rätße find nichtprotestantisch!
keine Hrrren, wenn ich neulich wirklich gesagt habe _ ich weiß („'s nicht mrkzr _, daß die Schulinspektion im Hanytamte beschränkt sri auf die grmischt-spracblicbrn Brzirkr, so ist“ mir da ein Omiffum passat; drnn sie ist auch eingeführt in den Industriebezirken, und wir Haben fie vorgrfunden, ich wknigstrns habe sie vorgrfunden nacb dcm Kulturkampf in Wrstfale'n. Nun bin ich drr Meinung, das; im Ganzen Und Großen die Entwickelung, wenn anch srhr langsam, dahin grben wird, die Hauptamtiichen Kreissckoul- irispcktionrn ükrrbaupt einzrifübrcn. (Schr richtig! bri den National- libcralr-n.) Meine Hcrrrn! dir Uebsriastung dcr Geistlichrn, dir Zu- nahmc der gristlichen Wirksamkeit und der Ansprüche cm dieselbe auf sozialcm Grbirt, das aich führt dahin, das geistiichr Amt, und nament- lici) das geistlich: Amt böbrrcr Ordnung, so zu belasten, daß es ali- :näHlich anßrrordkntlich schwrr wrrden wird, die Kreisscbulinspektioncn damit so zu Vrrcinigrn, daß bcidkn Seiten, der staatlichen und der kirchlichen, Voile Gsrrchtigkcit wird geleistet wcrden. Aber, meine Herred, wir wollen das nicht plöizlici) machen, könnrn das auch nicht wegen der Mitres, sondern das ist rine langsamr, fich ganz von selbst vollziclwndr Entwickelung, drr wir darin anch Werdrn folgen müssen.
Nun komtnr ich zu drn Bsmerkungen, die der Herr Abg. O1". BQÖLLU grmackyt bar in Bezug auf den Rr'ligionsuntrrricht und den sogenannten Fali'schrn Erlaß rwm Jahre 1876. Er bat mich mit großer Emphase gefragt, ob denn das dir Staatsbobeit Verlange, daß die Grundsäße dieses Erlasses angewendet werden, und hat ge- sagt: Nrin, das Vrrlangr die Staiitshoheit nicht; das sci cinc ocrkehrte, einc iibcrtriebenc, eine falsche Omnipctcnz.
Nun, meine Herren, ich will hier überhaupt auf diese Frage nicht noch einmal eingrben, ich habe mich darüber zweimal auSgesprocben. Ich will nur noch darauf HianisLii, daß der Herr Abg. Dr. Bachem mir einen einzigen Fail aniübren möge, in welchem die preußische Schulwerwaltung in irgend einer Instanz ringkgriffen hätte in den
dogmatischen LBl)i"iliHQ[t drs katholischen Religionsunterricbts Nie,
Hat sie das gctban, sie wird Es auch nicht thun, sie kann es auch nicht thun. Ich spreche mir garnicht die Zuständigkeit zu, im Gegenthcil, ici) lehne es ab. Die Sache ist die, daß wir uns darüber mit den geistlichen Oberen der katholischen Kirche verständigen, wenn Fälle auf diesem Gebiet vorkommen, die übrigens außerordent- lich selten sind und noch nie zu rrnstlickpem Streit Anlaß gegeben haben.
Nun hat der Herr Abg. Dr. Bachem gesagt, iel) befände mich mit der Gesammtbeit drr katholischen Bischöfe in Widerspruch. Gewiß, in- soweit als ich genötbigt gewesen bin, den Ansprüchen, die Grundsäße dieses Februar-Crlaffes yon 1876 zu ändern, nicht zu entsprechen. Ich habe dem nicht wiUfabrcn können, weil meine Ueberzrugung die ist, daß in der Form vielleicht mancbrs geändert werden könnte, daß aber matcriel], wrnn man die Staatshobeit aufrecht erhalten will, eine prinzipielle Lösung drr Frage zur Zeit nicht möglich ist.
Das ist der Standpunkt, den ich hier wiederholt vor dem hohen Hause Vertreten habe, und den habe ich offen und ehrlich auch den Herren Bischöfen dargelegt. Meine Herren, es ist auch heute noch meine Meinung, daß es Dinge giebt, über die eine prinzipielle Ver- ständigung zur Zeit völlig aussichtslos ist. Das ist unter anderem der Einfluß des katholischen Klerus auf den Religionsunterricbt und durch den Religionsunterrichi auf die gesammte Schule. Ja, meine
1896.“
Herren, darum handelt es sich, und da vers1chereich Sie, daß der preußische Staat, wenn er an der Staatsbobeit festhält, unmöglich einwiiligcn kann, die preußische Schule vermittels des Religions- unterrichts an den katholischen Klerus auSzuliefern. (Bewegung im Zentrum. Bravo! bei den Nationalliberalen). Davon bin" ich aus- gegangen, und darum habe ich mir den Vorschlag erlaubt: wir wollen uns, wie es auch geschieht, über einen Thajsächlicben 1110Ü118 ?jyouäi verständigen. Mir fällt garnicht ein, eine Lebrgefvalt zu beanspruchen _ die steht mir nicht zu, steht auch dem Staate nicht zu _, oder eine Dissiplin auszuüben übrr den dogmatischen Inhalt, überhaupt den Inhalt des katholischen Religionßunterrichts; das hat die katholische Kirche allein zu entscheiden. Aber wenn wir das mit ebrlichem Sinne von beiden Seiten wollen, werden wir auch einen Wrg finden, um uns zu verständigen, wie wir ihn bisher gefunden haben, und wenn wir das thun, und wenn dadurch ein längerer 1110äl1§ 71701101 herbei- geführt wird, der friedsam und Versöhnlich ist, so werden wir damit dem konfessionellen Frieden dienen; wir werden ihm damit mehr dienen als mit all den Rekriminationen, die wir heute aus dem Munde des Herrn Abg. Bachem gehört haben. (Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Denn dann, meine Herren, wenn wir diese Dinge prinzipiell bier ge- setzlich zum Austrag bringen wollen _ das will ich nur noch ganz kurz andeuten _, werden auch unversöhnliche, prinzipielle und zwar konfessionelle Gegrnsäse aufeinander plaßen.
Meine Herren, der Herr Abg. Dr. Bachem bat mich gefragt, ob ich denn nicht den Muth hätte, ein Schulgeseß zu machen. Ich wüßte nicht, vor wem ich mich fürchtrn sollte. Ich fürchte mich nicht, ein Schulgesetz zu machen. Nein, meineHerren, ich will aber den Kampf, den konfessionellen Streit, den ich deutlich vor Augen sehe, in diesem Augenblicke nicht heraufbeschwören. (Sehr richtig! bei den National- liberalen.) Wenn wir das thun, meine Herren, so werden wir unserem Vaterlande nicht nüßen, sondern wir kommen in Gefahr, es zu schädigen. (Widerspruch im Zentrum.) Und wenn ein konfessioneller Kampf entsteht, dann werden _ davon bin ich durchdrungen _ ganz gewiß auch die Herren von der konservativen Seite doch schließlich zu dem evangelischc-n Kultus-Minifter stehen und stehen müssen. (Bravo !)
Nun, meine Herren, hat der Herr Abg. Dr, Bachem sein Augenmerk gerichtet auf die Dispositionsfonds im Kultus-Etat. Er hat so ziemlich die ganzen Kapiteldes Unterrichts-Etats vorgelesen und bei- nahe alle als Dispositionsfonds bezeichnet. Darin bat er nun ganz Unrecht. Er hat Alies durcheinander geworfen, er hat z. B. die Fonds mitgerechnet, die zu Zahlungen verpflichten, die rein auf dem GeseZ beruhen. Ja, das find keine Dispositionsfonds, z. B. der Pensionsfonds für Volksschullehrer, die Wittrven- und Waisenfonds. Da haben wir das Grieß, nach dem Gesetz wird dieser Fonds ver- waltet und aUSgetbeilt. Also so muß man nicht rechnen; das ist nicht richtig; das entspricht auch gar nicht der Entwickelung unseres ganzen Etats.
Ebensowenig, Herr Dr. Bachem, ist es richtig, wenn Sie gewisser- maßru dem Hause einen Vorwurf daraus machen, daß es dem Unter- richts-Minister diese Unterstüßungsfonds so zur Disposition steUe. Ja, meinc Hrrrcn, ici) frase Sie: wie in aller Welt wollen Sie das machen, Wenn überhaupt Unterstüßungen nöthig sind, diese Unter- stützungßfonds nicht als Dispositionsfonds auszuwerfen? Was soll ich denn machen“.) Ich kann ja heute nicht wissen, welche Unter- stüßungsn an arme Lehrer, an arme katholischr Lehrerinnen, an arwe evangeliscbr Lehrerinnen, an Wittwen und Waisen Von Lehrern ich im nächsten Jahre zu leisten babe, Welche dringenden Fälle an mich berantrrten. Da muß ein ;DiSPOfitionsfonds sein, und da blribt gar nichis Anderes übrig, als daß ich nacb bestem Wiffrn und Gewiffen nacb Anhörung der Provinzialbebörden diese Fonds zur Vertheilung bringe. Das g€schiebt; darüber ist noch nie Beschwerde geführt, und wenn Sie mal einen einzelnen Fall hören, woetwa vom Kultus-Minisierium in unzulässiger oder in leicht- fertiger Weise Unterstützungen gewährt sein sollten, dann bitte ich Sie, den Fall hier oder bei mir zur Sprache zu bringen; dann wia ich Ihnen fest Versprechen, daß Abhilfe geschaffen werden soll.
Nun, meine Herren, werde ich zu den Tabellen kommen. Als ich die Tabellen vor einigen Tagen _ ich glaube, es war vor 4 Tagen_ mit ansah, habe ich mir gesagt: das wird ja wohl die yiöas (10 r65j§ranao bei der Paritätsdebatte sein. Sehr refistent _das muß ich nun doch Herrn Bachem sagen _ findkie Tabellen nicht; sie haben außer- ordentliche Fehler, nicht bloß das Dußend Fehler, was Herr Abg. Bachem prengegeben bat, sie sind in den Grundlagen falsch, und sie führen zu ganz falschen Resultaten. (Hört, Hört!) Ich werde darüber mich noch näher auslassen. Ich bin auch fest überzeugt _ das möchte ich kurz vorweg bemerken _, daß es nicht woblgetban ist, daß Sie nun, nachdem Sie vor zwéi Jahren angefangen haben, diese Paritätsbescbwerden hier in einer Weise vorzubringen, die ich mir erlaubt babe, als zu mechanisch zu bezeichnen, daß Sie nun dazu übergehen, noch eine kalku- latorische Parität zu verlangen und eine kalkulatorische Jmparität nachzuweisen. Denn, meine Herren, ich frage mich bei solchen Dingen, aä qiwm finsm, wozu soll das führen? Glaubt der Herr Abg. Bachem wirklich, daß diese Tabellen, selbst wenn sie richtig wären, das Verhältniß des Staats zur katholischen Kirche in seinem Sinne zu korrigieren vermöchten? Dazu liegt weder ein recht- licher, noch sonst irgend ein Anlaß vor. Nein, meine Herren, mit einer solchen kalkulatorischen Apothekerrechnung (Heiterkeit) ist in der That auf staatßrechtlicbem Gebiete und auf dem Gebiete des Staatslebens gar_nichts außzurichten. So etwck kann man in einem privatrechtlichen Zivilprozesse vorbringen, da gehört es hin, da ist es unter Umständen sebr nötbig. aber in dem Staatsleben ift diese Rechnung mit diesen Zahlen ohne jeden Werth; am wenigsten ist fie angebracht unter den schwierigen und zum tbeil recht gespannten" konfessionellen Verhältnissen, unter denen wir nun in Preußen einmal leben müssen. Ick babe gesagt: die Rechnung beruht auf nicht richtigen Vorausfrßungen, die Ansäße, die Vergleichungspunkte, selbst die Zabley' sind nicht frei von Jrrtbümern, und wenn man die Rechnung kalkulatoriscb richtig stellt, so schlägt sie in der That gerade in U; Gegentbeil um. Meine Herren, ich werde das nachweisen; ick W;,