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“bewaßtsein des Volks wird auf das schverste erschüttert, wenn es der- arti e Außnabmebeftimmungen zu Gunsten bevorzugter Klasen be- mekßt. J glaube, daß in den gebildeten Ständen keine Vorliebe mehr beftet für ein sogenanntes GotteSgericbt, daß man es als Beireiunq von einem Alvdruck begrüßen würde, wenn das Duell be- seitgt würde. Der Reichsta? sollte sich an die höchste Stelle wenden und eine Aenderung dieser D nge verlangen. , _ '
Abg. Schall (dkons.): Ich darf nicht nur in meinem eigcxnen Namen, sondern auch im Namen der überwiegxnden Mehrzahl meiner Fraktionsgenoffen aussprechen, daß wir vobstandig auf dem Stairv- unkt des Herrn Jnterpellanten stehen. Mir'alH evangelischem Gerst- ichen ist es leicht gemacht, mich zu dem christlichen Standpunkt des
errn Bachem zu bekennen. Ich habe das schon bei fruheren Ge- genbeiten klar und unzweideuti ausgesprogben. Daß das Duell gegenüber den Geboten des Cbritentbums nicht bestehen kann, ist unzweifelhaft. Das Duell ist nicht nur im alttestame'ntlicben Gebote untersagt, sondern Christus verdammt schon denZorneSgedanken. _Jch möchte jenen sehen, der sich über'die Höhe dieses sittlichen Standpunktes noch erheben kann. Freilich, Stex (zu den Sozial- demokraten) halten das Christentbum “für emen überWUndenen Standpunkt. Wir verstehen das Gebot des Cbrtstentbuurs dahin: Liebet eure einde, segnet,_ die euch fluchen. tt den Geseßen des Cbritentbums vertragt sich das Dusll nicht. Es ist aber auch klar: unter den Gütern, welche jedem Mann am höchsten sieben, ist die Elite das Höchste Gut, welches, höbersteben muß als irdische Güter. Nichtswürdig ist nicht bloß die Nation„ sondern achh der Mann, der nicht sein AÜLs seyt an seine Ehre„ der mchtguck) dafur sein Leben opfert. Aber wenn seine eigene oder die Ehre seiner Frau und Kinder auf das tiefste verletzt wird„ ohm: daß die Geseße ihm die Möglichkeit dsr Wiederberstellung seiner Ehre JTÖLY, so entsteht ein Konflikt zwischen dem Cbrisientbum uiid dem naturlichen Bewußt- sein. In diesem Konflikt bat er zu wahxen. Ich stehe, auf dem Standpunkt, daß ich hier als Christ zu wablxn habe. „Leider stehen nicht aÜe auf diesem Standpunkt, leider qtebt es ein Standes- vorurtbeil, welches die Ehre über Alle? steUt. Das bedaure ich, das muß überwunden werden. Es darf Cm Mann nicht in solche Kon- flikte ohne seine Schuld bineinkommen. 'Dazu giebt LH iwer Airs- wege: Stärkung drs christlichen Bewußtseins und 'der christlichen Etn- richtungen; die evangelische Kirche muß rbxe Stimme ßrbsben gegen die Duelle, und sis muß kirchliche Zucbtmntel gegen die Dueüanten ergreifkn. Aber auch durch gesetzliche Maßregeln muß das Dusll aus eschloffen werden. Da stehe ich auf dem Standpurikt des Hsrrn Ba em. Die Ehrengerichte solltén den Beleidigtkn Sühne scbqffen, und sie sollten die leichtsinniaen Véleidigungen,'das Ducl], verbieten. Dazu gehört aber eine Verschärfung der Beleidtgungßparagrapr des Stra'Feseßbucbs. _ , , bg.Bebel (Soz.): Der Vorredner hat fich Fur die; Zuxasung des DueÜs in gkwissen Fäl1en ausgesprochen; so ist seine *srubere Auslaffun auch Von dem Abg. Lieber Verstanden wordsn. WH ebe- maliger ilitär-Geistlicher hat der Vorredner noch nicht „rnit den Standesvorurtbeijen gebrochen und perurtbetlt das Duell nicbt obne weiteres vom Standpunkt der christlichen Moral aus. Er batkbeuxe vom natürlichen chüblsstandpunkt gesprochen. Ich daxbtx, fur die Christen ist der christliche Standpunkt auch der riaturltche. Wir stehen auf dem Standpunkt des Naturrechts, und diesxs Naturrecht verbietet das Duell. Heute bricht fich eine groß? Entrustung Babu, die bei einer früheren Erörterung nicht zu bemerkcn war. Wenn die Herren Von den sogenannten höheren Klasen fich_gegensetttg niederknallen, so haben wir wenig dagegen einzuwenden. Sic bssorgcn
dann das Vcrnichiungßgescbäft seLbst. Satisfaktionsfäbigs [Yersonsn iebt es überhaupt nur 50/0" der Bevölkerung. Die a &ntrüstun über diese Vorfalls
die BetJei
fegen den
gsmcine ist We'niger aus Mitleid gegen als vielmehr daher, daß, ent- VOn obén ber gepredigten religiösen Grund- äen, diejenigen, welche mit gutem Beispiele voran- ge en soÜten, welche auf den großen Haufen mit souveraner Verachtung berabseben, gegrn die Religion, Sitte und, Ordnung verstoßen. Es wird unbiÜig empfunden, daß_für diese Klasse ein Privilegium besteht für Dinge, welche bk! anderen Gssslj- schaftsklaffen mit Zuchthaus bestraft werden; denn was ist das Duell anders als Rauferei odcr Todtscblag. Dis unter:"n Klassen haben dabei die Entschuldi ung ihrrr mangelnden Bildung für *sich. Die Duelle entstehen meiksIt aus Strritigksiten nichr über wichttg€ Fragkn des öffentlichen Lebens, sondern über die mcbtigsten Dings, iibcr Dinge, die bei Arbeitern als Rohbeit betrachtct werden. denrr weist auf verschi€dene Duelle der [sytem Jahre bin: Seidenstickkr in Königsber , Lindkmann in Bautzen, enker-chtelbodt. 'Jn dkn meistsn Fällen enTFcheidc-t das sog. Gottesgeri t, wkläzes barbarischen Ursprungs ist, zu Gunstxn des Schuldigen. Früher hat das gesammte Bür Cr- tbum das Duell Verworfen, aber im Laufe wenigsr'Jabrzcbntc igind wir dahin gekommen, das; in bürgerlickykn Krktsen das Durll ebenso sportmäßig betrieben wird wie beim Adel. Wie können die alten Herren hier im Hause gegen das Durll auf- treten, wenn fie vielleicht selbst einigx Söhne haben, die als RLsLkVL- Lieutenants dem Duellzwang unterworsén find! Das Duell bat nicbt, wie Herr von Bénnigsen in der bereits Von Herrn Rickkrt zitiertcxn Rede behauptkt bat, abgenommen, sondern zugenommen, und zwar erade in den sogenannten gebildeten Klassen, in denkn das Vorurtbcil Festebt, entgegen dem Gessy. Ein solchss Vorurtbeil muß bkkämpft werden. Uns gegenüber würde mawein solchss Vorurtbeil nicht ]eltrn lassen; uns gegenüber hätte man [angst das Straigesrybuch bers ärft. Das Bedauern der Erklärung über die Zunahme der DUSUL steht in Widerspruch damit, daß jeder DULÜant fieber darauf rechncn kann, begnadigt zu werden. Das ist gcradezu line Provokation zum Duell. Wie kann man da auf Besssérung hoffrn. Daß die Ri ter milde über Ducüe urtbeilen. it selbstberständlich, da die Ri ter selbst vielfach Réservc-Lieutenants sind. Die Polizei hat nicht vollauf ihre Pflicht gethan. Das „Kleine Jqurnal“ sagte das Dusll voraus. Die Sozialdemokraten wurdrn wahrend dk'k Dauer des Sozialistengeseßes auf Schritt und Tritt beobachtet, auf Reiscn wußte man, wann fie eintreffen würden. Warum dic Axtfmerksamkkit nicht in diesem alle? Wenn Herr Bachem seinen Antrag ein- bringt, das; uellanten nicht mehr Mitgliedkr des Parlaments sein dürfen, dann bitte ich drn Antrag dahin zu er- weitern, daß diejenigen, Welche das Dusll biüigen, auch nicht zum Reichstage gehören dürfen; denn gxrade die Herren,_welchc in den Aemtern sißen, sind die Anbängcr dc's Duells. Alle Klagkn übkr drn Duellunfug haben hier keinen Rksonanzboden gefunden; es mußten erst solche Ausschreitungen kommen, ebe man den Dingen Aufmerk- samkeit schenkte. Graf Noon hat hier das Duell cntxchuldigt und vertbeidigt; härte ein Katholik so gesprochen wie er, so hätte ein Kulturkampfer diese Ausführungen als Jesuitenmoral grtadelt. Wenn man sich weiter io über Moral und Gesch; binrvegssßt, dann haben wir davon den Vortheil.
Darauf mird um 59/4 Uhr die weitere Berathung bis Dienstag 1 Uhr vsrtagt., Arif Antrag dcs Abg. Rickert wird der Antrag der Freisinnigen wegen des Duells auf die
Tagesordnung gestellt.
ligten entstanden,
Preußischer Landtag. „Haus der Abgeordneten. 55. Sißung vom 20. April 1896.
Auf der Tagcßordnun, steht die erste Berathun. der Kreditvorlage wegen des an es v on Scku ndärbaYn en und der Errichtung von landwirthschaftlichen Getreidelagerhäusern. Minister der öffentlichen Arbeiten T h i e ie 11: Meine Herren ! Gestatten Sie mir, daß ich die diesjährige Vor- lage, betreffend die Erweiterung und Ergänzung der Staatseisenbabnen,
Errichtung von Kornbäusern, wie in den Vorjahren mit einigen ein- leiienden Worten begleite.
Meine Herren, der vorliegende Gesetzentwurf kann ebenso wenig, wie seine Vorgänger, den Anspruch erheben, die noch vorhandenen Lücken im Staatskxisenbabnneß vollständig auSzufüllen, es wird dazu noch mancher Kilometer gebaut und wohl noch manche Million außgegeben oder vielmehr, richtiger au5gedrückt, produktiv angelegt werden müssen. Aber der gegenwärtige Augenblick ist doch insofern ein anderer als in den Vorjahren, als man wobl an- nehmen darf, daß in abjebbarer Zeit die Maschen des Neves der StaatSeisenbabn so dicht gezogen sein werden, daß ein staatsseitiger Aus- bau Von Bahnen nur noch in erbebsicb beschränkterem Umfang stattfinden wird, und abgesehen von militärischen Erwägungen wvbl hauptsächlich nur noch zu dem Zweck, zu schrver belastete Linien zu entlasten und neuerdings in Entwickelung bkgriffene Produktionsgebiete an das Staatöeisenbabnneß anzuschließen, daß aber andererseits der Ausbau der Lokal- und Kleinbabnen den kommunalen Verbänden oder den Priyaiunjerncbmungen oder, wie das neurrdings ja mit Erfolg ge- schehen ist, dem Zusammenwirken beider Faktoren übrrlaffen werden kann,
Meine Herren, wenn auch, wie gesagt, der Zeitpunkt noch nicht unmittelbar bevorsteht, wo man sagen kann, das Sraatseisenbahnrieß ist nun im Wesentlichen in seinen Hauptlinien und auch in seinen bedeutenderen Nebenlinien angebaut, so ist doch nicht zu wer- kennen, daß wir uns z. Z. in einer géwiffen Uebergangsperiode befinden, in drm Uebergang vom reinen Staatsbabnsystem in ein gemischtes System, zwar nicht in dem Sinn dieses Wortes, der vor etwa 20 Jahren gang und gäbe war, wo Staatsbahnen und kben- bürtige Privatbahnc-n nebeneinandér und im Gemenge miteinander die großen Vsrkebrslinien bedienten, sondern in dem Sinn, daß neben dem großen, drm allgemeinen Verebr disnenden Staatsbahnen ein aus- gedehntks, reich Verästeltcs NSZ von Lokal- und Nebenbahnen drn Segen billiger und rascher stördkrung yon Menschsn und Güter 11er das ganze Land verbreitet. Meine Hsrren, auch dann wird ja, wie ich Vorhin mir schon erlaubte anzuführen, ein vöUiger Abschluß des Staatseisenbabnausbaues nicht eintretkn; einen solchen oder auch nur einen Vorübergehenden Stil!- stand des staatsseitigsn Eisenbahnbaurs nehme ich überhaupt nur dann an, we'nn _ Was ich allsrdings nicht erwarte _ jemals das Staats- eisc'ribahnfystem soUte bcrlaffen WerSn, beziehungswäse wenn, was Gott Verhüten möge, eine schwcrc, politiscbs odkr wirtbschaftlicbe Krifis fich läbmrnd auf das Land [WM sdÜte'. Dsr Beginn odsr dock) wenigstens di? raschere Entwickeluns dicskr Ukbergangsperiode ist auf den Erlaß des Kleinbabngsseßes zurückzuführeii. Mit dcm Erlaß drs Kirin- bahngeseßes find wir in Eine ganz andrré Aera eingetreten, der Rechnung gciragcn werden muß. Wie scgmisrcicky da's (Heseß vom Juni 1892 géwirkt bat, daVOn wrrdrn dic Hrrren sick) überzeugt haben aus dkn Vorlagcxn, die drm Landtage dcr Msnarchis zugcgangln sind. Es sind in dcén kurzen Jahren von Mitko 1892 bis zum 1. Oktober 1895, Von d€n€n das ersie Jahr, welches sich hauptsächlich mit der Fundarnkntikrung dcs Ausbaues der Kleinbahncn bsscbäftigkn mußic, 88 Kikinbabnsn konzessioniert und daywn weit 1":er dis Hälfii? brrsits isriig gsstsllt; dcxr klsinere Theil gebt seiner Fertigsic-Üung baldigst cntgsgmi. Es lisgén abkr zur Zcit noch wxitkre 185 Gcnxbmigungkanträgc bor, dkrkn Erl€digung déMUäÖst zu crboffcn ist. Cbaraktrristisck) dabei ist, daß untkr diessn 185 Kleinbahn-Anfrägcn fich nur 18 auf 1:0" Nnöbau vwn S1r€1ßcn= babnkn in Städtkn, nur zwci anf industricÜc Aiilagrn bcziebcn, dä- gezzén der Rkst Von 165 Ariträxzrn fick) mij dcr Eiitwickclung dcs länd- lichcn Eisenbabnncycs bcfafzt.
MEine HEUER, es «651 daraus bkrvor, wir das Gcscß zrcradc für das Land Wrüwilbaft gkwirkt bat, Und wclche boffungsvwllc'n Aus- fichtcn auf die anunst fich cröffncn mit drr Wcitcrcntwickclung dcs Kleinbahn, mik dcr wacbscndin Erfahrurrg und Erkenntnis; drr unte'r den gcgsbrncn Vcrkrbrsvcrbälwiffsn zwkckmäßigsicn Formen für den Bau und Bitrieb, mit dcr zunrbixikndcn Anpassung und Vcr- ständigmig zwischsn Staatsbabnsn und K*lsinbabnkn.
Der durch das chitibabngcsriz Jr,".cbmxrn Lage und dcr Aufgabc, die aus der gcgcnwärtigcn Ucbcrgangrbcriwdk e*rwäcbst, ('UtsPkickIt cs auch nach unschr Ansicht durÖQULI», das; dic Staatsrcgikrung in dcr Kvnzcsfionicrung Von Priwatbabnln in dcr [WTM Zoit [ibcralcr we'r- fabren ist als in dcn frübsrcn J&brcn. (78 sind 6111? ganz? Rcik)€ Von Priyatbabnen in den lkßtkn Jabrcn krnzcsfionikrt worden.
Es entspricht aber cbknso durchaus der gcgebc'nsn Lagr, wcnn in dcr Einleitung zur Bogründung TCI gkgcnwärtigkn Gcscßls als Griind- lagc für die Aufstellung drssklbcn wic" dsr zukünftigen bczzüglichsn Vor- lagen ein Satz aufgestellt wvrden ist, dcn ich mir Um skincr Vedsu- tung wiilen gkstattckn möchte, mit (Erlaubnis; drs Hörrn Präfidkntrn wörtlich anzufübrrn:
Wenn die' Von dcm chinbabngkseß erbofftsn Vortbsile in vollem Umfang Eintreten sollc'n. wird es nothwendig sein, den weiteren Ausbau des staatlichen Nkbcnbabnncßcs möglichst mit der Hkrstéllung Von zwcckmäßiasn Kleinbabnkn Hand in Hand gehen zu lassen, da einerseits chinbabncn obne gcsignkte'n Ansch1uß an die Haupt- oder Nebcnbahnsn ibrmi chck nicht ErfüÜen, andcrérseits in viclen FäULn die in Frage kommcndm néucn Nrbcnbahnsn die für ihre Herstellung und ihren Befrisb crforderlichen Aufwendungen nicbt rechtfertigén würdcp, wcnn nicht eine gl€ichzritigk Auf- schliéßung der angrenzendkn chictc durcb Klrinbahnen gesichert ist. Bei dsr berborragenden Bedeutung. die 61118 rasch? und kräftige Entwicklung des chinbabnwssens für die Verschiedenstrn gewerb- lichen Jntcrxffcn, insbesondere abcr für die gksammtc Landwirtb- schaft bat, wird der Staat seine Fürsorge diesem! Theil des Vér- kebrswesens auch dadurch zuzuwenden baden, daß er zunächst für die Herstellung derjenigen Cisknbabnlinicn sorgt _ sei es, das; er selbst als Bauunternehmer auftritt, sei es, daß er das Zustande- kommen von Priwatciscnbabnsn zuläßt und nötbigenfalls durch eine angemrffkne Bktbeiligung sichkrt, _ von denen zugleich eine wirksame Förderung des Klkinbahnbauss zu srwarten ist.
Meine .Herren, der vorliegende Geseßkntwurf dürfte ferner den BMW liefern, daß die Staatßrcgierung in diesem Jahre bemüht gewesen ist, nach Kräften den Ausbau des Staatsbabnneßes in dem angedeuteten Sinne zu fördern. Es liegt mir eine Nachweisung vor, die das recht drutlich zum Ausdruck bringt.
In den Jahren 1880 bis 1896 einschließlich des borlikgenden Geseß- entWUrfs sind vom Landtag zum Ausbau von 8555 km Eisenbahnen 890 Millionen Mark bewilligt worden; davon find bereits eröffnet
Zeitraums giebt es nur 2 Jahre, in denen die Vorlage eine größere Zahl von Kilometern umfaßt; das ist das Jahr 1884 mit 759 kor und das Jahr 1890 mit 903. Dagegen sind in 3 Jahren größere Geldbeträge bewilligtworden: 1884 70 Millionen, 1888 79Mi11ionen und 1890 117 Miüionen; das vierte Jahr ist das gegenwärtige mit 665 km für 57 Millionen Mark.
Ick) möchte aus dieser Nachweisung noch mittheilen, und damit komme ich auf den zweiten Punkt der Vorlage, daß in früheren Jahren die Staatsbetheiligung beim Bau von Privatbahnen häufig recht er- hebliche Dimensionen angenommen hat. Es sind Jahre vorhanden, in denen 3 Miklionen und über 3 Millionen zu diesem Zwecke be. wilLigt worden sind. Dann kommt seit 1888 eine lange Pause, die nur 1894 noch einmal mit 43000 „ji unterbrochen wird, um dann in dem vorliegenden Entwurf wieder einen Betrag von 818 000 .“ vorzuschlagen und zu begründen.
An Privatbahnen find konzessioniert in demselben Zeitranm 1868 km, von denen noch im Bau sind 261 km.
Es gebt aus dieser Nachweisung hervor einmal, daß der Ausbau des Staatseisenbabnneßes in den leisten 17 Jahren doch ein sehr er- heblicher ist, daß ferner daneben der Bau Von Privatbahnen zwar sehr zurückgegangkn ist, aber niemals Vollständig aufgehört bat.
Meine Herren, 600 bis 700 km neuer Bahnen sind im aÜgr- meinen die Grenze dessen, was mit dem für die Staatswerwaltung Verfügbar zu machsndcn Personal in einem Jahre für die Aufnahme in die dem Landtag zu machende Vorlage an Projekten reif gemacht werden kann. Sie sind aber auch unter Anspannung aller Kräftc: dic äußerstk Grenze dessen, waki möglicherweisc in einem Jahre an Babnmr angefübrt wsrden kann. Ueber diese Grenze hinauszugeben, ist mis Verjckyiedenen Gründen nicht rätblich.
Daß in diésem Jahre zum ersten Male in Erfüllung dsr Wünschc, die der StaatSregierung seitens di€ses boben Hauses und des Herren. bausc's wie auch aus dem Landi: vorgetragcn worden sind, drn Jntersffsntkn der neumi Strecke die Wahl gelassén ist, ob fie dx'n Grund und Boden in Uabara stellsn, oder ob sie ein taxmäßigcs Pauschquantum entrichtcn woÜen, ist in der Begründung näher aus. geführt. Ich brauche dabei: wobl kaum darauf bier näher 6111- zugeben; auf eine Abweichung möchte ich bingsgen noch ganz besonders bindeutsn, die Sie gsgen die früheren Vorlagen findrn. In dkn frübcren Vorlagen ist nämlich die AuErüstung drr neucn Strscken mit BefriedSmitfeln auf 20 000 95 pro Kilometer Voran- schlagt, während Sie in der beutigkn Vorlage diese Außrüstung 11111" mit 10 000 «16 Veranschlagt finden. Es ist das geschehen in der Ab- sicht, dis neue Strécke zunächst nur mit denjsnigen VetriebSmittcln auszurüsten, die der Verkkbr innerhalb dieser Strecke) selbst Erfordert, dabingcgen dic Vcrnwkyrung dsr Betriebsmittel auf den älteren Strsckrn, die durch den Zuwachs drs Vcrkebrs bcrbeigrfübrt wird, auch auf den Bctrieb zu übernehme'n. Moine Herren, ich glaube kaum, daß sich gegen dissen Grundsay, namentlich vom Standpunkt dcr Solidität, irgend etwas Erinnern läßt.
Den dritten (Hegénstand drr Vorlage bildet die darin uachgcsuckzrc Bkwiüigung Von 8 Millionen zur Förderung dcs Kleinbabnwc'scns. Meine Herren, Sie wissen, daß ich f. I- Bedenken batte, ob dic Bildung sims Fonds zur Unterstüßung dcr Kleinbabnkn dsr Entwick- lung dcs Kleinbabnwsscns nach jeder Richtung hin ersprießlick) sein möchte, Ob nicht aus dcm zn rrwartknden Wettbewe'rb um einen Brockcn aus diksemTopf sicb unliebsamr Erscheinungcn ergeben würdén. MliUC Hcrre'n, nach den Erfahrungen, die wir in den bcrgangenen Jabrcn gcmacbt haben, und namentlich in Rücksicht auf die Kaakelsn, die an die Bkwilligung von Untrrstüßbnglm aus dirscm Fonds gckniibil wordcn sind, kann ich bCllU' crklärcn, daß ich mcinc Bcdknkcn babs faklcn laffrn können. Durchschlagend ist abcr für mich _ nnd auch für dis Staatsrcgicrung im allgcmcinrn _ die Erwägung gewiscn, das; drr Ausbau vrn Klrinbabnen in manchsn wirtbschaftlick) sckxivackxcn und nothlsidsndcn Laiidésihrilen überhaupt obne: Untsrstüßung dcs Staats nicht auÖfübrbar ist. (Sehr richtig.)
Die StaatSrcgicrung bat daber aucb kkinen Anstand genommrn, in diése Vorlage wikderum einen, und zwar crhöbtkn Betrag aufzw- nsbmkn, um aus dcmsslbcn das Kleinbabnwescn durch direkt€ Unicr- stülzung zu fördrrn. Was in dcr Zwiscbsnzcit gcschchen ist, ist in dcr Vorlage! ausführlich mitgetbcilt. Die 5 MiÜionen, die im vorigcn Jabra bewilligt Wordcn find, find zum tbcil bercéits ausgegsbcn, zum andrrcxr Theil in srcbére Aussicht gxsteüt worden, sodaß, irmm auf dem einmal brirctenen chs fortgeschrittkn wcrdcn soll, Link Nrubcwilligung allerdings dringend notbtbut.
Was dcn vicrien Punkt anlangt, die (Errichtung vanornbä'rseri, so habe ich msinrrscits dcr Bkgründung, wic fie in drr Vorlage? gc- gsbmi ist, nichts hinzuzuscßcn. Es könnte den Anschxin gcwinnkn, als ob dicser Punkt aus dcm Rahmen des im großem (Hanzrn doch als Eiscnbabnborlage zu bezeichnenden GMO- entwurfs cinigermaßsn berausfiele, als ob diese Kreditfordcrtmg eigcntlici) nur bier unter Dach und Fach hätte gcscyT wcrden sonn , und zwar aus nabelikgenden Zweckmäßigkkits- gründen. Msine Herren, diese Zweckmäßigkeitßgründe laffc'n sicb allerdings nicht verformen, andkrerseits muß aber doch zugegcbcn wsrden, daß ('in sebr bedeutsamer innerer Zusammenhang des Banks und des Vetriebc's bon Kornbäuskrn mit der Eisenbahnverwalkuna bkstebt. Nur Hand in Hand mit und unter tbätiger Mitwirkung seitkns dcr Eiscnbabnvyrwaltung wird in dcr ngel die Genossenschüfk- die die Kornbäuser bctreibt, den von ihr erstrebten Zweck erfüllen-
Meine Hrrrßn, an den nötbigen Vorstudien, wie tkchnisch [md wirtbschaftlicb am zwkckmäßigsten den bestehknden Bedürfnissen würd? entsprochen wsrdcn können, haben wir es nicht fsblen lassen. WFT eins möchte ich nur noch hinweisen. Schematisieren und Schabloni- sieren können wir auf dissem Gebiet nicht. Wir werden uns in jcrkm einzelnen Fail den Bsdingungen der Produktion, des Absaßcs, Us Verkehrs aufs Gsuaucftc anpassen und mit den betreffenden JUN" effenten eraibcn müssrn, und erst dann, wenn man beiderseits zu einer klaren Erkennung der Lage der Dinge gekommen ist, wird man etwas Zweckmäßiges hinseßcn und einrichten könncn.
Meine Herren, ich möchte meine kurzen einleitenden Bemer- kungen mit dam Wunsche schließen, daß das hohe Haus der gcakn' wärtigen Vorlage, wenn sic auch in etwas veränderter Form vor das Haus tritt, dock) dasselbe Wohlwolle'n wie in früheren Jahren I"“ wenden und eingedenk sein möge, daß, wenn auch noch lange nicht“ e berechtigten Wünsche haben erfüllt werden können und wenn auch “" dieser oder jener Seite Zweifel bestehen, ob überall im einzelnen das Richtige getroffen worden ist, doch die Vorlage im Ganzen als
die Unterstützung von Privateisenbabnen und Kleinbabnen und die
5924 km und noch im Bau 2631. Innerhalb dieses 16 jährigen
erheblicher Fortschritt, als ein immerhin recht bedeutsames Mit"!
zur Hebung unserer wirtbscbaftlicben Verhältnisse betrachtet werden
„xf, (Bravo!)E !) . von ynern' nl. : Die Vorla e i '
insofFexwr? es dem EisenbabZi-IZkinister gelunge? is?, Jiu? «ÜÉFW Minister etwas herauszuholen; aber alle Bedürfnisse, selbst die drängenden, _im „Lande find damit noch nicht erfüUt, dcr Westen be- sonders ist in dieser _Vorlage _egen den Osten benacbtbeiliat. Wenn ich auch dem Osten _dieStaats ursdrge gönne, so ist der Wisteu doch ebenso derselben bedurftrg. Es wird vielfach geklagt, daß die Klein- bahnen nicbt genügend von Staatsweacn gefördert worden sind; man stellt an fie oft_ ganzunerfchwingliche Anforderungkn, infolge deren 16 nicht rentabel sem können. Der Staat hat selbst ein Jntrreffk, das Kleinbabnwesen zu fördern, da diese Bahnen die Zufuhr nach den Staatsbahne'n besorgen. Die im vorigen Jabre hierfür be- willigten 5 Miklwnen find noch nicht einmal ganz verbraucht, das zeugt nicht für die Schnelligkeit der Arbeiten im Eisenbabn-Ministe- rium. Erfreulich ist mir, daß nunmehr die Interessenth anstatt der Hergabe des Grund und Bodens cine bestimmte Paufchalsumme leisten können. Zum Beispiel ist es im Remscheider Beziik vor- ekommen, daß die veranschlagtsn Grunderwerbskosten bedeutend über- chrixten wurden. Die Forderung, daß die Kreise die Grunchrwerbs- kosten hergeben rnüffsn, istküberhaupt unberechtigt, sie hat vielfach die wirtbschaftluben Verhaltnisse der Kreise gefährdet; die großen Städte babxn dagegen niemals einen Pfennig für Eisenbahnbauten der eben mussen, die Staatsbahnen Haben sie aufgesucht. Die klczinen Städte und Kreise babc'n so bluten müffen, daß fie auf lange an den (Erseiibabnenscbulden leiden. Diese Politik hat hauptsächlich die Konzentraxton der Bevölkerung in die großen Städte Verursacht. So werden jeßt wisder an die Kreise Wipperfürth und (Gummers- bach unexscbwinglicbc Forderungen für die Linie Wipp€rfürtk)_ Marienheide gestellt. Die Kommission muß für jede 6111le116 dür beantragten, Linisn die Leistungsfähigkeit drr Geme'indsn prüfe'n. Dazu smd für diese Babanuten noch alte Aktivbesjände der Privatbahnen vorhandsn, fodaß nur 80 0/0 der Kosten durch neue Anleihe zu decken smd. Bit einer Vorlage wc'gcn des EisénbahngarantisgesWc-Z werden wir wem'r daruber sprechen.
Minister der öffentlichcn Arbeiten Thielen:
Meine Herrcn! Der Herr Abg. von Eimern hat mir die Be- antwortung seiner Ausführungen leicht gemacht: er hat nämlick) nach mriner Ueberzeugung die Dinge erheblich Übertrieben.
Bkkanntlick) bssicbt seit dsr Verstaatlichung das System b€im Bau Von Nsbcnbabnkn, di? fog€nannten Juteresscnten, d. b. die- jenigen, wslchs an der Errichtung und drm Bstriéb disser Babmxn herdorragcndks und das näcbstliegende Inisrcffe haben, einigkrmaßen mit 321 den Kosten beranzuzicbc'n. Das ist geschehen dadurch, daß sie zu baaren Zuschüssen Veranlaßt worden sind, daß sie in andsrsn Fällen dc'n Grund und Bodkn frei Haben bcrgebsn, oder daß sie beidcs haben leisten müssen.
Wenn der Herr Nbg. Von EVUSM grsagt hat, daß das ausschließ- lich nur dem platte'n Lande zur Last gefaÜLn wäre, so ist das nicht richtig; auch die Städte, klsinc und großer, haben mit erheblichen Vei- trägen direkt und indirékt sick) bctbsiligt. Eins babs ich aber mit Freude begrüßt, daß der Herr Abg. bon Eyncxn zu der Uebrrzkugung gkkommrn ist, die großen Städtc bräckoten für die Eifenbabnberwal- tung, die si? so außkrordkntlich begünstigten, ke'inkx irgend dén zu- fließenden Vortheilen enripreckpcnden Opfer. Ich werde miri) dieses Ausspruchs erinnern, wknn die Anforderungcn, die wir an die: Städte richts", bei der Umwandlung von Niveauübergängen, Umbau Von Bahnböfsn und dkrgleichén nicht das erwünschte Entgsgenkommcn bsi denselbén findrn. (Bravo! links.) Ich hoffe, daß der Herr Abg. VM Eynern mich in diessr Beziehung in Zukunft wirksam durch s€ine We'rkdsamkßit untcrstüycn wird. (Hritérkeit)
Meine He'rren, ici) glaubs, cx; ist an Und für fich ganz richtig und billig, daß die unmittklbar irrterssfisrtcn Kreisé für solch Nkbkn- bahnen mit bcrangezogen wkrden. Es ist das gmviffermaßcn aucb Lin Baromrter für die Siaatöregicrung wie für den Laiidtag der Monarchis, ob das Verkcbrsbkdürfniß in dem gkgsbcnrn Fall als ein wirklich dringcndrs angsscben wcrden kann.
Mit diesem Systcm sind s(xit 1880 di€ vonmir Vorbin crwäbnten beinahe 9000 km Ncbknbabnen erbaut. Vkeine Herrsn, die Privatbahnen geben in der Beziehung noch sehr vicl wxiter: sie [affe'n sich häufig nicht nnr den Grund nnd Boden seitens dsr Intereffenten geben, sondern darübcr hinaus noch scbr erhebliche Zuschüsse lcistcn. Wenn Sie die Bahnen, die in neuester ZLit von Privatunternsbmcrn gkbaut sind, in ibrcr Finanzierung fich etwas näber ansehen, werden Sie? dafür die svrecbcndstcn Bcwsise finden. Von den Klsinbabnen will ich garnicht sprccbcn. Da müffen dic Kommunalberdände und diesen grgenübcr wieder die zunächst bktbc'iligtsn Einwohner dieser Komrnunalbsrbände oft bis an die Grenze dcr Lkistungsfäbigkeit fich anstrengsn, um übsr- bauvt die Bahn nur zu stande zu bringen.
Ick) glaube daher, daß es nicht zwcckmäßig skin würde, jrßt, nach- dem ]7 Jahre lang das System zum Wohle des Landcs bkstanden bat, Von dcmsclben Abstand zu nehmen. Es würde das mcinksErachtens (1er auch ('in Unrecht gkgen al1e dicjenigen Krsisc, Gemeinden und Städte sein, welche in dor Vergangenbkit auf Grund dieses alten Systems erbeblicbc Beiträge geleistet haben.
Meine Herren, wenn der Herr Abg. von Eynern dabei als ein besonders schreiendes Beispiel die Forderung Von 210 000 „jk bezeichnet hat für die in der Vorlage enthaltene Babu _ nicht Von Gummsrs- bach, sondern von Marienheide nach Wipperfürth _, so kann ich das als beweiskräftig mcinerssits nicht anerkeknnen; Ls mag den Be- tbeiligtcn nicht ganz leicht sein, diese Summe aufzubringen, dafür sind aber auch die Vortheile, welche diese Bahn ihnen bringt, sebr erheblich. Es ist richtig, daß der Bau dieser Bahn hinsichtlich des Grund- erwerbks Verhältnißmäßig tbeuer ist; und zwar hauptsächlich aus dem Grunde, weil die Bahn durch Gärten und sonstige wertbvolle Grund- stücke dkr Stadt Wipperfürth geführt werden muß und die Wipper- fürtber genau solche Leute find wie die anderen, die die Gelegenheit uWbrnebmcn und für diese Ländereien hohe Preise haben woÜen. Käme drr Staat als solcher obne Rückdeckung dahin, so würde er jedenfalls noch weit mehr zu zahlen haben als der Kreis, und schon aus diesem überall zutreffenden Grunde ist es aus allgemein ökonomischen Rück- ßchten dringend geboten, an dkm bisherigen System festzuhalten. Eine ÜWiffe Beugung dieses Systems liegt schon darin, daß wir jest den Interessenten die Alternative gestellt haben, entWeder den Grund und 5I'Zoden jn nat-kar zu stellen oder fich Von dem Risiko durch Zahlung Lines taxmäßigen Pauschquantums abzufinden,
Meine Herren, wie liegen denn die Dinge? Wenn eine Babu gebaut werden soll, sei es von Privaten, sei es vom Staat, so wird dunäcbst dasGelände, welches die Bahn durchschneidet, abgeschäßt. Die Tclxatorcn, die damit beschäftigt sind, meistentbeils sacbverständige und ei"sikßtige Leute, sagen: hier hat der Ar _ ich wil! irgend eine Zahl nennen -- im gewöhnlichen Handel und Wandel einen Wert!) von
etwa 10 „ja, in Rücksicht auf die ganze zwansweise Abtreiiing schlagen wir diesem Preise noch drei Mark zu; kommt es dann aber nach einiger Zeit zur Expropriation, so werden nichr 10-44 bezahlt, sondern _ dafür giebt Ls unzählige Beispiele _ 15 ja 20 „M Denn, meine Herren, schon allein das Moment, das; die Babu durch dick) Gelände gebaut werden soll, hat über Nacht, und ohne daß jemand etwas davon merkte, den Werth des betreffenden Grundstücks noch außerordentlich erböbt. Da kann nur die Geméiüde und der Kreis, die nahestehenden Organe, gewissermaßen einen Ha!! gebieten; der Staat ist dazu nicht in der Lage. Es ist daher auch aus diesem Grunde dringend wünschenswertb, bei der bisherigen Gepflogenheii zu Verbleiben.
Meine Herren, dsr Herr Abg. von Eynern _ ich Habe es selbst nicht gehört, es ist mir mitgetheilt worden _ hat gesagt, der Herr Finanz-Ministkr hätte wabrscheinlich aus mir berauSgepreßt, daß nach wie vor drr Grund und Boden Von den betreffendenInteressrütén hergegeben werdkn fol]. (Widerspruch des Abg. bon Eynérn.) Ach so, ich hätte die ganze Vorlage aus dem Herrn Finanz-Minisier Heraqureffen müffsn! Meine Herren, in der Beziehung, davon muß ich Zeugnis; ablegen, smd der Herr Finanz-Minisicr und ich in jedem Stadium der Vorbereitung dieser Vorlage voUständig einberstanden gewesen: jede einzelne Linie ist gemrinsam erörtert wordén, und wir Haben das wirth- schaftliche Bedürfniß mit einander besprochsn und haben uns darüber geeinigt, WL[chL Linis in das Geskxz aufzunébmrn sei. Von einem „Herauspressen“ ist überhaupt nicht die Redr; ich würde mich dazu auch garnicht verstanden baben.
Meine Herren, nun möchte ich noch daraufzurückkommsn, daß der Herr Von Eynern es zu Anfang seiner Ausführungen bitter beklagt bat, daß den Kleinbabnen seitens dEr StaatsbahnWrwaltung so große Schwierigkeiten und Kosten bereitst würden. Er hat dafür geltend gemacht zunächst die hobsn Kosten, wclch? die Kleinbabnen für den Anschluß an die Staatsbahn zu zahlen hättc-n. Meine Herren, der Anschluß an den Bahnhof Verursacht in den mristrn Fälien r€cht erhebliche und _ wi? das überbaapt nicht zu Vermeiden ist _ auch sehr kostspiclige Arbeits". Die Eiswbabnbsrwalfung bat fich nicht für ermächtigt €rachtef, für einén Dritt?" umsonst Tr 101163 [)SrÜU Außgaben zu machsn, wohl aber bat diE Staaislissnbabn- erWaltUng _ und die Dirkktibnén find in diessr Béziehung Von mir ganz speziell angewiesen worden _ LS für ibre Pflichk und sich fiir berechtigt cracht€t, diese Kostkn auf ein möglichst gkringcs Maß hsrab- zudrücken, also beispileWeise für Gsländé, welche die Bahn s€lbst nicbt bknutst oder durch Drittc 969-311 Entgelt banLM !äßi, cine géringfügige Rekosnitionngcbübr zu Wehnen, den Anschlus; mit dem Material auszufübrcn, kurzum in aÜsr und jsde'r Bczisbung drn kleinsn Li'UtZU, die' fick) cm dkn großkn Staatsbahnlßbf anschlirße'n, das stén zu erleichtern. Ich muß anch gkstkben, daß mir werbälkniß- mäßig Wenig Klug?" in dsr Bezirhung zngkganßsn find, und daß die Linke sich dabei bkrubigcn soätcn, wenn die Dirkktibxi dicse bobkn Kostén macht, und nicht wenigstrns dchersnch mache'n soUtrn, an dem Minister zu geben und von dem eine billigerk Fordérung zu erziclen. Das ist in der gegenwärtigen ZCit einfach unglaublich.
Als zwsiten Grund, dcn der H€rr Abg. von Eynérn für die an- geblich schlechte Brbandlung dsr Kle'inbabnen durch dis Staatsbabnrn angeführt hat, ist 'von ihm l)8rb0rg€boben worden, daß die Staats- babn€n fick) noch immer nicht hätten Entschlicßrn köxmcn, dcn chin- bahnsn aUgrméin aus ibrsn Tarifs" die WM Expeditionsgrbübr freizugcbc'n. skitén des Hauses sowohl wis vom Ministrriisck) brbandrlf wbrdkn. Cine? Vérpflichtung, die Expcditibnchbübr mit irgcnd cinkm Nachbar zu tbeilxrn, exisiikrt Übcrbaupt nicht. Nach dc'r Rsichsbsrfaffuug ist die' Eisknbahn mtr vérpflicbtet, direkten Verkehr zu kiablikrcn; wir fis dix Tarifs für diesen diirften Vsrkebr [30kath will, ist ihr anhsim- gcgkbsn, und wenn das im Vkrkkbl' mit dcn Cissnbabnkn rcch1€ns ist, so ist es nsch vicl nichr im Vcrkébr richtmis mit Einem Vrrkcbrémittrl, wslches überhaupt gar keine Eisenbahn ist; diechiiibabn ist 11er recht- lich ksine Ciscnbabit, cbcnso wenig wic cin Damvfsckyiff odrr rin Fubr- mann. Und mit dsmsrlbe'n Rechte", wie die chinbabm'n dic balbr Expkditionésgebübr Von der Staatsbahn bkarispruäycn könncn, könnts es ebenso gut der Rollfubrnmtm. (Fs kann also nur arif dlm Wrgc der freiwiaigen freien VKrLinbarung in der Wczicbnng Abhisit" Zksckpcbcn. Méine Herrcn, ich habe mich auch dnrcbmw nicht grundsätzlich ircizxcrlieb vrrhaltkn in der Beziehung,. Kle'irrbabnc-i Lnfgrgknzukommcn. Abkr wrnn die Kleinbabncn etwa die doppclixn Tarife krbrben wic dis Staatsbahnen, odkr die Gütkr nur auf ganz kurzc Streckkn befördcrn oder außergewöhnliche Ncbcngebübren crbc-bcn, dann noch sc'itxns dkr Staatsbahnen ihnen ein Geschrnk hinzuzulcgen, damit derUntcrm-hmer größerc'n Gewinn Erzislt, dazu habe ich mich alirrdings nicht für vrr- pflichtet und auch nicht für ermächtigt gebaltkn. Es sind abcrin Liner JÜUZSU Rkibe von Fäklcn, namentlich also da, wo es fich 11:1! direkte'n TranIport von Robmatcrial bandsltk, diké'kté Tarifs auf Grund dar Vkrtbeilung dsr ExpcditionSgebübren zwisch€u bsiden Thrilrn be'r- gericbtet worden, und in diesem System wird auch fortgxfabren; abkr ein allgemeines Abschneiden der sog. halben Expéditionsgi-bübr von dcn Staatsbahntarifen kann ich nicht in Aussicht strllcn.
Abg. Von Dallwi (kimi) befürwortet dix: Fortführung drr schon bestkbendcn Linie oltkrsdorf_Primkenau_Koyknau_R6isfig übkr Reissig hinaus nach Goldberg, und férnkr den Bau der Linie Röbkn a. O_Polkwiß- Primkenau über Kchau.
Abg. Herrmann ( entr.) führt aus, daß dcr von Hrrrn von Eynern bkmängelte' rö ere Prozentsaß dsr StaatSzuwcndnngkn für die Eisknbabnen im Ossxien nicht eins BLVbrzugunn, sondern nur eine AuSglcichung früherer Verna läsfigung sei. Zu denjenigen kleinen Städten, welche durch die na den roßsn Städten führenden Linien wirtbschaftlich und gkwcrblicb ges ädigt würdcn, gebörk auch die Stadt Rössel. Sic 1ei Von drei Skiten bon Eisenbahnen umgcben, die nächste derselben sei aber 10 km von ihr entfernt, 280116 der Staat dieser mit 425 0/0 Kommunalsteuer belasteten Stadt einiger- maßen zu ilfe kommen, so müßte kr sie durch dcn Bau der Bahn Korschen- össel-Sensburg mit dem Eiscnbabnncy verbindcn. Das lie € auch im Interesse einer rößeren Frequenz dss dortigen Gym. na ums, der Töchterschule und aubsiumnicnansxalt. Arrcl; die Kreise Sensburg und Johannisburg würden dadurch dtreqkt mit Königsberg verbunden. Der Militärfiskus sei insofern interesjiert, als durch die direkte Linie Königöberg-Budziani die Hauptstadt mit der Militär- linie Allenstein- Lyck verbunden würde. _
Abg. Beinbauer Zul.) wünscht, den Bau einer Linie von Wilhelmshöhe über Naum urg nacb Frtßlar und von Großaümerode nach Wißenhausen. ,
Abg. Conrad-Glay ?Zentr.) empfiehlt, eine Bahn zur öster- reichischen Landeßgrenze in einer Helmuth; die Linienführung, welche er wünscht, ist jedoch auf der Tribüne nicht'zu verstehen.
Abg. von Kröcber (kons.) empfiehlt eme Bahn von Kulm nacb UniSlaw als Verlängerung der Stichbabn yon den Weichselstädten
, Abg. Sieg (nl. unterftü t“ diesen Wuns , emp lt erm: den Barz der Linie MelnPKukmsee und bemätihelt diefie abtxkofs- vxrbalrmffe in Kulmsee. Redner bedauert schließli , daß die urs rün - liche erzienfubrung der Bahn Bürow-Berent über Sallenschxi mE Gostomre abgeändert werden soll in die Linienführung über Lippusch.
Abg.„§au§mann (nl,) beklagt,_ daß der Minister den Klein- bahnen nt t genü end entge enkommr. Infolge der hohen Anforde- rungen an _die Kle nbabnen önnten die Privatleute sich nicht darauf exnlaffezi, tbr'Kavital m Kleinbabnen zu stecken. Allgemeine Grund- saße uber die Uebernahme der ExpeditionSgebübren ließen si ja schwerer aufsteüen, es [affe sich aber eststellen, welche Kosten dieK ein- bqbnen durch, die Uebernahme urid ertbeilun der Güter haben. Er bitte den Minister, nach Möglichkeit Grundéäße dafür aufzustellen. Erst wenn es dem, Privatkapital ermöglicht werde, sich an Klein- babnbauten zu betbetltgen, werde das Kleinbabnwesen die gewünschte Entwwklung nehmen.
"Abg. Schaffner (nl,) wünscht eine Erleichterun der Werke rs- verhaltniße FfTür „den Bergbau in Nassau und eine rmäßigun bder Tanrife fur 5 obersenstem; er empfiehlt den Bau der Linien ZLeil- munster_Usingen; von der'Westerwaldbahn abzweigend, Siersbabn_ Mendt_Westerburg_Marienberg_Herborn_Weidenhausen zur Deus- Gießener Bahn.
Ab . . ' ' "
der Lini? ZFYYZUZFYXLY(YTYZ empfiehlt eme Wetterfubrung
„ Abg. Or. Lotichius (nl,) verlan f den Bau der Linie Soldan bet D163_Kaxxn'e11€ribogen nach dem Ébein und Weiterführung der Vorhandenén inte uber Schlangenbad nach Lg'ngenschwalbach, sowie Verlängkrung dsr Hunsrückbabn Simmern _ (YYY nach Westen.
Aba. ]")1'. Von Lieres und Wi k . . . “ ' Interesse des niederschlésischen Koblenrelvixrxl, Fessxn FUZroFYkYYF d:: FFxlrsZLelxinschen gegenüber zurückgegangen sei, den Bau einer Weistriy-
„ Abg. Dünkelberg (nl,) befürwortet cinen weiterén Ausbau der Siegbahn.
Finanz-Minister ])r. Miquel:
Meine Herrsn! Gsftatten Sie mir nur noch wenige Worte namentlich mit Rücksicht auf die Aeußerungen des Herrn Abg. Von Eynern über die SteÜung der Finanzverwaltung zu dieser Vorlage. _ Herr bon Eynkrn bat allerdings mit der ihm eigensn Entschieden- hkit behauptet (Heiterkeir rscbts), daß die Sekundärbahnen im Großen und Ganzxn bisher eine briÜante Rente geliefert hätten, und er hat in diLsék Beziehung mit großer Sicherheit die Zahl 7% genannt. Ich war sebr erstaunt, eine solche Zahl zu hören, und ich wäre erfreuter gewesen über diese Aeußerung, wenn ich drm Hsrrn Abg. won Eimern, den ich leider nicht auf seinem Platz? sehe, ein Urtbeil über diese Frage zutrauen könnte. (Hsitsrkeit rschts.) Denn es wäre mir nichts erwünschter gewesen, als wsnn diss? Ansicht richtig wärs. Maine Herrsn, wir haben uns sehr brmübt, ii; briden Ministerikn klar darübsr zu werdkn, welche Rentrn die biÖbe'r gebcmten Sekundärbabnen gelicfert haben. Aber ich glaube, bcidc Ministerikn werden zugkben müssen, daß dieses Problem voll- ständig zu lössn auf die unüberwindlichsten Schwierigkeitkn stößt. Uns ist Es wenigstens gelungen, zu einkm so sicheren Urtbéil zn kommen. Aber darüber sind wir fich€r, daß diese Zahl Von 7% Neinertrag absolut falsch ist, (Heiterkeit rechts.) Wir sind im Finanz - Ministerium an diese Vorlage durchaus nicht widerwillig gegangen, obwvbl wir der Meinung sind, daß eine Reihe von Bahnen, die hier proponiert sind, jedenfalls nur eine sehr geringe Nkntc abliéfsrn werden. DLk Herr Ministkr der öffentlichen Arbeiten hat schon gkzeigt, daß di? be'idkn Ministerien in dikser Beziehung voll- ständig in Uebc'rkinstimmung Von Anfang an gewesen sind. Ich
(Es ist wicdcrbblsntlich dirsss Tbmna bier schw" von .
nach Kulm.
pkrsbnlicb war aÜsrdings der Meinung, daß die gegenwärtige gesammte
* Finanz: Und Zritlagedabin führt, eine ausgikbige Vorlage in Be-
ziehung (mf dichrsteÜUng von Sekundärbabnen zu machen, namentlich für solchr Gegenden, die unter dem Druck der gegenwärtigen Zeit- bcrbälinissr bcsondkrs lsidsn. Nichts kann aber unrichtiger sein, als ivknn dcr Hsrr Abg. bon Eynern behauptét, man habe in dieser Be- zicbung zum Nachtbsil des Wasiens und zu Gunftc'n des Ostens mit Einem falschsn Maß gcmxssen. Nein, meine Herrkn, wo wir Zustände im Westcn fanden, welcbe gewiffcn Distrikten im Osten gleicbsteben, habé'ii wir für sie genau so gut gesorgt wir für den Osten. Wenn ich dsnkx an dir Bahn, die durch die Lüneburger Haide geht, an dis (Fifeübabn, an dis Bahn im Hunsrück, so find es da ganz ähnliche Gründc gswrscn, dir uns" bewogen bach, diese Bahnen, Von deren Ncntabilitäf wir nicht bisl hielten, aufzunrbmen wie andere Bahnen im Osten. Dkk Staat bat da vorzugsweise einzutreten, wenn er üblrbaupt Opfkr bringrn will, wo das dringkndstc Bedürfnis; ist, und andére Rücksichtsn bat dsr Staat überhaupt nicht zu nehmen. (Prado! rechts.)
Meine Herren, nun aber zwcitens sind wir allerdings in der Staatörcgikrung der Mcinung gewesen, daß bei der besonders schwie- rigen Lags der Landwirtbscbaft die doch niemand bestreiten kann, selbst wsnn er industricll noch so skbr bcfangkn ist _ (sebr gut! und Heiterkcit rechts), daß ls da allerdings und bei dsr Unmöglichkeit, plöylick) großartige Maßnahmen zu ergreifen, welche den Schwierig- kcitsn dcr Landwirtbscbafr mit vollem Erfolge auf einmal gegen- übertrcicn können, der Staat doch wenigstens dies eine bedeutsame Mittel in der Hand hat, den Verkehr für diese landwirtbsckyaftlichen Bczirke zu krlcicbtcrn. Denn ich habe schon früher außgesprochen: wenn in dsr bcutigcn Zeit ck fast unmöglich ist, die eisentlicben Pro- duktionskbsten dcr Landwirtbscbaft zu Vermindern, so ist eine Vermin- dcrung dcr Kostkn in Vrzug auf den Absaß und den Verkehr aner- dings in vielen Lanch-tbsilcn noch möglich. (Sehr richtig! rechts.) Und wenn Sie sebcn, wie? die Linien auSgewäblt sind, so werden Sie zugeben, daß diese Gesichtspunkte Vor allem dabei maßgebend ge- wesen smd.
Nun hat der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten schon darauf bingedeutct, daß wir jest gewiffermaßen in einem gemischten System uns bewegten, daß die Tertiärbabnen anfangen, eine große Rolle zu spiele'n, und daß diese Stellung der Tertiärbabncn aller Wahrschein- lichkeit nach noch eine wachsende Bedeutung gewinnen wird, je wenige“: Linien übrig bleibc'n, für welche sich das eigentliche Sekundär- babnsvstem eignet. Dies führt naturgemäß dabin, daß man sucht, den Ausbau der _ Tertiärbabnen in ein gewisses bestimmtes Verhältniß zu den Sekundärbabnen zu bringen, wie da! auch in den Motiven auSgefübrt ist, daß gewiffermaßen die Sekundär- babnen in solchen Gegenden, die von vornherein einen auSgiebigen Verkehr und eine bestimmte Rente nicht in Aussicht stellen, als Stammlinien zu betrachten sind, an welche sich die Tertiärbabnen anschließen. Wenn Sie die Karte ansehen, so werden Sie finden, daß eine Entwickelung der Tertiärbabnen in vielen Bezirken ohne das Vorhandensein einer solchen Stammlinie, wenn U so sagen darf, welche die Tertiärbabnen in “kurzer Kilometeqakl