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ändert habe.) Auch in dieser Beziehung handelt es sich um einen Versuch, „festzustellen, was geschehen soll. Persönlich
. bin ich keinen Augenblick zweifelhaft darüber, daß die reinen Silos
für das, was wir hier mit unserem inländischen Getreide wollen, eine absolut brauchbare Einrichtung nicht sind.
Dannkbat Herr von Mendel die Frage gestreift: wo sollen die Einrichtungen errichtet werden? Ick) bin mit ihm darin einverstanden, daß der Versuch nur da gemacht werden soll, wo der Verkehr sich in gewisser Weise bereits zum tbeil konzentriert hat, zum tbeil konzen- trieren wird. .
Dann ist darauf hingewiesen von Herrn von Mendel, daß in Süd- deutschland die Anlagen zum theil verfehlt seien. Vielleichthat mein Herr Kommissar nachher noch Gelegenheit, fich über die Wabrnekpmungen zu äußern, die die Herren beiBesicbtigung der s üddeutschen Einrichtungen und derjenigen am Rhein gemacht haben. Sie befinden sich ebenso wie bei uns im Versuch, und ein abschließendesUrtheil darüber schon jest zu fällen, ob die süddeutschen Einrichtungen und Genossenschaften sich bewährt haben oder nicht, ist absolut unmöglich.
Dann hat Herr von Mendel sicb geäußert über die Bedingungen, unter denen die Kornhäuser nur prosperieren können. Er hat dabei Hervorgehoben, es sei nothwendig, daß ein billiger Lombard gegeben werde, er hat dabei auf die Reichsbank und Zeniralgenossenschaftskaffe verwiesen. Ich darf erwarten, daß vieÜeicht Cxcelienz Miquel über diese Frage demnächst sich äußern wird. Persönlich bin ich der Mei- nung, daß die ZentralgenoffensÖaftskaffe auSreichend ist, im Wege des Lombards den Kredit zu befriedigen, sofern sich die betreffende Korn- hausgenosienschast, Welche den Lombardkredit bei der Zentral- genoffcnfchaftskaffe nachsucht, einem solchrn Verbande eingetragener Erwerbs- und Wirthscbaftßgenoffenschaften angeschlossen bat, welchem die Zentralgenossenschaft nacb Bestimmung des Gesetzes überhaupt nur Kredit gewähren kann; während, wenn diese Vorausseßungen für die erährung von Darlehnen durch die Zentralgenossenschaftskasse nicht vorliegen, also keine genoffenschaftlichen Bildungen mit einem Zentral- verband angeknüpft find, das nicht gehen würde.
Dann ist darauf hingewiesen, daß selbstverständlicb der Staat billige Pachtbedingungen stellen müsse, darüber ist gar kein Zweifel. Ich glaube, wenn Sie mit Aufmerksamkeit die Vorlage sicb angesehen haben, so werden Sie zugeben: wenn der Staat einen Versuch mit dieser Sache machen will, kann es dock) unmöglich in der Abficht der Staats- regierung liegen, nun eine Genossenschaft mit diesen Ein- richtungen, mit den Kosten der Verzinsung und Amortisation so zu belasten, daß sich wahrscheinlich dann überhaupt keine Genossen- schaft finden würde, die auf solche Bedingungen eingeben könnte. Ick) persönlich bin auch der Meinung, daß der Staat gar kein Intereffe hat, bei der Einrichtung solcher Kornspeicher eine bedeutende Verzinsung und eine sehr rasche Amortisation zu fordern, weil, wenn diese Einrichtungen an den Konzentrationspunkten des Verkehrs, namentlich an den Bahnhöfen getroffen werden, sie immer noch ihren vollen Werth für andere Zwecke, für Magazine, für die Bahnver- waltung u. s. w. behalten Werden.
Dann ist ganz allgemein gesagt, eine Vorbedingung für die Aus- führung dieses Versuchs sei die Erledigung einer richtigen Börsen- reform, ein Nichteintreten in die Warrantgeietzgebung _ das babe ich schon berührt _ und die Beseitigung der Zollkredite, Ueber die Börsenreform _ das erwiderte ich Herrn von Erffa _ werden wir wahrscheinlick) in den nächsten 14 Tagen Vollständige Klarheit haben; denn vielleicht schon morgen steht der Geseßentwurf über die Börse auf der TageSordnung des Reichstags und wird, wie ich die Hoffnung habe, zu einem der Land- wirtbschaft nützlichen Ergebnis; führen; denn das Vertrauen habe ich doch, daß alle Beschlüsse, die über die Börsenvorlage gefaßt sind, wesentlich den Zweck im Reichstag verfolgen, jedenfalls Verfolgén müffen, mögen sie im übrigen ausfailen wie sie wolien, die Land- wirtbschaft von den gegenwärtig vorhandenen Mißständrn in der Börsenorganisation zu befreien. Also, wie Herr von Erffa, dem doch diese Sachlage auch brkannt ist, zu dem Wunsch kommen kann, wir hätten noch ein Jahr die Sache hinausschieben folien, ist mir voll- fiändig unverständlich.
Dann hat Herr Herold sich über Verschiedene Punkte aus- gesprochen, die ich, wie ich glaube, schon vollständig in meinen bis- herigen Ausführungen berührt hab?. Hrrr don Tiedemann hat dann dargelegt _ und in der Beziehung unterschreike ich jedes Wort, was er gesagt hat _, daß die Vorlage nicht besonders im Jntereffe des Großgrundbesißes, sdndern gerade des Kleingrundbefißes liegt. (Sehr richtig! rechts.) Diese Ansicht ist absolut unwider- leglich richtig. Gerade aus den Zahlen, die Herr von Erffa Ihnen vorgelegt hat, aus denrn er aber meiner Meinung nach zu einem unrichtigen Schlusse gekommen ist, geht das gerade hervor. Weshalb sind wir denn mit unserem einheimischen Getreidr am großen Weltmarkt oft in einer so schwierigen Lage? Namentlich der kleine und mittlere Grundbesiß! Wir bauen eine große Masse verschiedener Sorten Grtreide. Dcr eine baut Secländer Roggen, der andere Probsteicr, der dritte diesen, der vierte jenen. Die Roggenqualitäten sind (1118 außerordentlich verschieden. Er wird auch in sehr verschiedener Verfassung Eingeheimft, séhr Verschieden behandelt und gereinigt u. s. w. Das macht sich am meisten bei drm kleinen Grundbefiß geltend. Und _ ich habe das, glaube ich, schon bei anderer Gelegenheit hier im Hause hervorgehoben _ während der Herr Kriegs-Minister sebr gewillt ist, direkt von dem Produzenten zu kaufen, wird ihm das unmöglich gemacht, weil gerade in den west- lichen Landestheilen _ das beweisen auch wieder die Zahlen, die Hrrr von Erffa angeführt bat _ die Qualität, dicReinigung, die Trocken- beit u. s. w. eine außerordentlich vcrschiedenr ist, die Sorten ver- schieden sind und es für eine große Verwaltung schwierig ist, den Ge- sammtbedarf von 100 verschiedenen Vkikäufern zu entnehmen, während man es im Osten bei den großen Gütern meistens nur mit einem oder doch nur wenigen Verkäufern zu thun hat. Gerade der genoffen. schaftliche Zusammenschluß der zahlreichen kleinen Produzenten zu Korn- verkaufsgenoffensckpaften wird auch im Wrsicn, wo der Grundbesitz mehr zersplittert ist, dazu führen, daß der günstigeProzentsatz,drrim Osten bei dem direkten Bezug von den Produzrnten seitens der Militär- verwaltung erzielt ist, auch auf den Westen übertragcn wird, wenn auch hier die Proviantämter, statt mit vielen klrincrrn Besitzern, wie jest, in Verhandlung-treten zu müffen, in Zukunft ihren Bedarf aus den Kornbäusern werdkn dicken können, wohin die bäuerlichen Vefißer ihre Vorrätbe eingelagert haben. Deshalb unterschreibe ich jedes Wort, was in der Beziehung gesprochen worden ist. Ich konstatiere aber aus diesen Darlegungen, daß Herr von Erffa einen ganz verkehrten
Schluß aus seinen Zahlen gezogen hat. Im Gegentbeil, ich glaube das Gegentbeil nachgewiesen zu haben.
Meine Herren, ich habe geglaubt, wie ich im Eingang dariegte, schon jeyt das Wort ergreifen zu sollen, um nach verschiedenen Rich- tungen bin die Ziele, die die Regierung verfolgt, klar zu stellen, und ich schließe jeßt mit dcm weiteren Wunsche, daß die Vorlage hoffent- lich auch bei den übrigen Herren Rednern, die sich noch zum Wort melden werden, dieselbe wohlwoliende Beurtheilung finden möge als bei denjenigen, die bisher gesprochen baden.
Abg. Broemel (fr.Vgg.): Alle Redner baden die Vorlage Von den verschiedensten Seiten betrachtet, nur die MotiVe derselben gehen von einem einseitig agrarischen Standpunkt_ aus., Dein Plan der Errichtung von Kornbausern an 'sich.stehe ich nicht feindlich gegen- über, im Ge entbeil sogar freundlich, insofern er zeigt, daß die Land- wirthschaft ck) der Selbsthilfe zu befleißigen beginnt., Die Ent- wicklung des landwirthschaitlichen GenoffenfckyastSwesxns ist einer der Glanzpunkte in der Entwicklung unseres Vaterlandes uberhqupt. Aber dieser Versuch bier stellt sich ganz anders „dar, wenwdte Stadts- mittel in Anspruch genommen Werden und die Sache eme_fiskalische Unterlage erbält. Um die Gedanken der Vorlage durchfubrbar zu machen, müßte die ganze Grundlage des internationalen, Getrride- handels anders Werden, sonst wird die Produktion ihren Einfluß auf die Preisbildung immer ausüben, selbst den wagbglsig ten Speku- lanten ge enüber. Herr von Mendel mcxcht naturli die inter- nationale &pekuiation für die niedrigen Prrise vserantwortltch. " Der internationale Getreidebandel ist aber garnicht eme so bliridWUtbige Spekulation, die von der Produktion ganz uziabbängig war?. _So haben nur die Proditktionsverbältnisse die' jetzigen niedrigen Preise veranlaßt. Eine LiebeSgabe kann man die Vorlage allerdings nicht nennen, de'nn wir sind bisher an so erhebiiche Zuwendrzngew an die Agrarier gewöhnt, daß man diese Vorlage höchstens als ein kleines Trinkgeld bezeichnen kann. Die 3 Miliionen“ wird man aber ba'ld sagen, sind garnichts, die Regierung ist knauserig gewesen, 300 Mil- lionen müssen es sein, wenn die Maßregel wirken soll. Wenn andere Beruszweige etwas von der Regierung fordern, heißt es; _Ja, Handwerker, das ist ganz was Anderes! Ein Redner nur hat gefudlt, daß diese Sache hier auch einmal schief gehen könnte; die Motive lesen sich aber nicht wie die Begründung einer Regierungsvorlage, sondern wie eine Agitationsrede über alle die., Srbönbetten der Saxbe; sie leiden an einer unübertrefflicbcn EinseitiJkeit. Das Ganze [Luft auf eine blinde Spekulation 3113 111211350 )inaus. An der Borse ist man viel dorfichtiger. Die Gefahren dieser Maßregel md'noci) in viei höherem Maße vorhanden, als Herr von Mendel-O'temfels annimmt. Mit welcher Solidität und Umsicht_bat sich nicht der deutsche Getreidchandxl in schwierigen Zeiten de'wabrt urid bat, den Getreidemarkt dor Katastrophen bewahrt!_ Die Kornhausrr ,ztebe'n auch den klrinen Bauer in die Spekulation m einer Weise hinein, d_te seinen Vermögenswerhältnisscn und seinrr Sachkenniniß nach nicht fur ibn geeignet ist. Die „internationale Spekulation“ ist nur'em Schlag- wort. Wilhelm Roscher schrieb Vor Jahren, daß „nur em lebhafter, ;ZpitalreiMr, intelligenter Kornhandel rinrn Preisdruck verbindkrn
nne.
Finanz-Minister ])1'. Miquel:
Meine Herren! Ich werde zuvörderst mich bemühen, die Fragen, welche Herr von Mendel namentlich an mich gerichtet hat in Be- ziehung auf die finanzielle Seite des Antrages der StaatSregierung, kurz zu beantworten. Er fragt an, zuerst, ob die StaatSregierung bereit sei, den Genossenschaften odrr sonstigen Veertern oder Pächtern drr herzustellenden Lagerhäuser eine billige Pacht zu gewähren. Darauf kann ich nur erwidern mit seinen eigenen Worten; drnn er selbst sagte: wir Landwirtbe wollen hier keine kleine LiebeSgaben haben. Das Verstehe ich dahin: der Staat soll hier nichts weg- schenken, sondern die Kosten, die er durch Hersteiiung Von Lagerbäusern übernimmt, zurückdrrgütrt haben in einer an- gemessenen Pacht, ohne irgendwie die Absicht zu babrn, dabei einen eigenen Gewinn zu machen. Wenn der Staat also seine Konsols mit 30/0 unierbringrn kann, so wird er zufrieden sein mit ciner Pacht, die der Verzinsung des Anlagckapitals und der ihm erwachsenen Kosten entspricht. Weiterss wird auch Herr don Mendel nicht verlangt haben. Das wird ja immer noch eine frbr biUige Pacht sein gegen- über der Pacht, die ein Pridatuntcrnehmer, der daraus einen Gewinn ziehen wil], fordert. Aus diesem Grunde, weil wir bisr einen mäßigen Ersoy unserer staailick) aufgewendeten Kosten erwarten, ist Es be- rechtigt, daß wir die Kosten nicht aus dem laufe'nden Etat ent- nehmen, sondern aus Anleihen. Wenn der Staat andkrs verfahren würde, so würde auch Von dornberein nach meiner Ueberzeugung einer möglichen erheblichen Entwicklung diesrs Plans ein Riegel Vorgescboben werdkn. Der Staat würde garnicht in der Lage sein, alien Anforderungen in Beziehung auf die Hsrsteliung von Lagerbäusern salbst der begründeterweise ge- stellten zu genügen, wenn er dabeigenöthigt wäre, Geschenkezu machen. Es muß disses Unternehmen aber ein wirtbschaftlichcs Unternehmen scin, ein wirthschaftiicbes Untrrnebmen durch Korporation dsr [cind- lichen Genossenschaften und des Staats; es kann nur dann eine Aus- sicht auf eine große Entwickelung gewinnen, wenn Ts eben wirth- schaft1ich ist.
Dann hat der 1)er Abgeordnetr grfragi, ob die Zentralgenoffen- schaftskaffe wohl in der Lage wäre, die hier erforderliche Bombardierung ihrerseits zu übernehmen. Er hat bemerkt, zur Reichsbank habe er in dieser Bezirhung nicht übermäßig viel Vertrauen; er würde lieber diese (Geschäfte warden mit dcr Zrntralgcnoffenschaftsbank. Darauf erwiderte ick), da[“; das geringc Vertraurn auf die Aktion drr Reichs- bank bezüglich der Bombardierung don Getreidk, wenn die nötbigen Bedingungen gegeben sind, doch aus der Erfahrung nicht wvbl be- gründet Erscheint. Die Reichsdank ist auch bisher bereit ge- wesen, bei Getreide, Spiritus, Zucker und derartigen Natu- ralien, wenn die erforderlichen Voraussrßungrn drr nöthigenSicherbeit in der Verwaltung namentlich vorhanden find, enigégenzukommen. Aber davon abgesehen, wird die Frage, ob die Zentralgenossenschafts- kasse, deren Aufgabe durchaus auf diesem Gébicte lirgt, in der Lage sein wird, dSn nötlpigen Lombardkredit zu gewähren, abhängen Von zwci Voraussetzungen: einmal Von der größrren oder geringeren (Entwickelung, die die Sache nimmt und demgemäß der größeren oder geringeren Inanspruchnahme der der Ge- nossenschaftskasse zu Gebote stehrndcn Mittel, andererseits von der Höhe dieser Mittel. Das hohe Haus wird Gelegsnbeit haben, noch in diesrr Srsfion in dieser Bezirbung mitzuwirken und die hilf- reiche Hand zu leisten, wenn seitens der Staatsregierung beantragt werden solite, entsprechend den bisherigen Erfahrungen der Entwicke- lung der Genoffenschaftskaffe das Grundkapital derselben erheblich über den bisherigen Betrag zu erhöhen. Je dereitwiiliger in dieser Beziehung das hohe Haus entgegenkommt, um so mehr wird die Ge- nossenschaftskaffe in der Lage sein, den Wünschen, die hier in diesem hohen Haufe geäußert sind, zu entsprechen. -
Herr Abg. von Tiedemann, mit dessen Ausführungen ich im übrigen ebenso wie mein Herr Koaege von der Landwirthschaft im Großen und
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Ganzen durchaus einverstanden bin, hat aber einen Satz auögesprochen, der
sich unmittelbar an die:.berübrte Frage anschließt, mit dem ich nicht ganz einverfianden din. Er sagt: diese Lombardierung ist sehr bedenklich; man muß dem kleinen Landwirthe namentlich nicht zu viel Kredit geben. Das wäre Vollkommen richtig, wenn man von den bestehenden Zuständen absiébi, wenn man heute glaubt, der kleine Landwirt!) brauche keinen Kredit. Wenn das wahr wäre, so würde ich ihmgewiß keinen unnöthigen Kredit aufdrängen. Aber leider steckt doch der Land- wirth schon jetzt zuviel im Kredit, und die Frage wird sich nicht so stellen, ob man ihm neuen Kredit giebt, sondern ob man ihm einen anderen Kredit girdt, ob der Händler ihm Kredit und Vorschüffe oder ob eine Vereinigung von Landwiriben selbst den Kredit giebt und unter billigeren Bedingungen und mit größerer Sicherheit ge. währen kann.
Dieses Kornhaus und dessen Vrrwaltung wird allerdings Vor die Frage kommen: soli ähnlich, wie Herr von Mendel das geschildert hat, operiert werden, daß das Kornhaus und dessen Verwaltung bezw. die Genoffrnscbaft, die die Verwaltung führt, das Getreide, das von den Einzelnen gebracht wird, einkaufen auf Grund einer stattgefundenen Klassifikation? Ju dissem Falie ist ja ein Lombardkredit nicht nöthig, oder doch er tritt in den Hintergrund. Ob das durchführbar ist und wieweit das durchführbarist, ist mirzweifelbaft. Wir haben ja einigeFäÜe, beispiels- weise an der Mosel, wo die Weinbauern so dcrfahrsn, wo grmeinfame Keltereicn die Trauben klassifizirren, kaufen und daraus Wein machen und die bctreffrnden Weinbauern nachher einen Quotenantdeil an dem Verkaufserträgniß des Weins haben. Dort hat sich das meines Wissens bewährt. Aebnliche genoffenschaftlichen Verbindungrn sind uralt. Wenn Sie nach der Schweiz oder nach Tirol gebrn, so finden Sie, daß der Hirte mit den Kühen der ganzen Gemeinde auf die Alp zieht, das; er feststellt, wie viel Milch an den verschiedenen Tagen die einzelne Kuh giebt. Aus dieser Milch macht der Hirte Käse, und der Käse wird Vrrkauft auf gemeinsame Rechnung, und dann kommen die Erträgniffr nach Maßgabe dcr Literzabl der Milch, die die Kuh jedes einzelner: gegeben hat, zur Vertheilung. Das ist eine Ein- richtung, dir besteht Wahrscheinlich seit Hunderten von Jahren.
Wenn wirklich so operiert wird oder operiert werden könnte, würde das grwiß heilsam srin. Aber daß darin eine große Schwierig. ksit liegt, namentiich im Anfang, wo die Verwaltung noch nicht das hierzu nöthigr Vertrauen hat, wo es noch immer zweifelhaft ist, ob die einzelnen Landwiribe sich das gefallen lassen, ist wohl nicht zu bezweifeln. In diesem Fall aber wird es heilsam sein, wenn die Verwaltung in der Lage ist, namentlich unmittelbar nach der Ernte für diejenigen Grundeigenthümer, die kein genügendes cigknrs Bc- triedskapital habrn _ und das ist ja leider fast die Regel, wenigstens in vielen Landesthrilrn _, das Getreide zu lombardierrn, Vorschüffc darauf zu geben und nachhér das Getreide auf Rechnung der einzklnen zu verkaufen. In Süddeutschland hat man, wenn ich nicht irre, hier und da das gemischte System Eingeführt, bride Systeme, und das mag vielleicht das Geratbrns sein. Soviel über die Frag? der Lombardierung!
Nun sagt Herr don Tiedemann mit dollem Recht, daß der Groß- grunddefiß weniger Interesse habe als der kleine. In dieser Vezirbung stimme ich ihm in jeder Weise bei. Hier kann man jedenfalls nicht behaupt-m, daß es fich nur um eine LiebeSgabe an den Großgrundbrsiy handelt. (Sehr richtig! rechts.) Wenn es sich überhaupt um eine Liedesgabe handelt, so handelt es sick) wesentlich um eine Liebesgabr an den Kleinbefitzcr. Dies führt mich dahin, meine Anschauung mit- zuiheilcn, wie ich mir die ganzr Entwickelung der Sache denke.
Mrine Herren, mit großem Recht hat man sicb hier im Hause gehütrt, die Sache zu überschätzen, und 85 ist viellricbt ein gutes Zeicbcn, daß man ohne Illusionen an die Sache berangebt. In der Regel wird aus den Sachen mehr, die man im Anfang klein be- bandrlt (sebr richtig! rechts) und fich aiimählick) entwickeln läßt, als aus denjenigen Sachen, an welcbe man mit gewaltigen Illusionen berangebt, fie gleich im großen Stil angreift, denen man keine ruhige Entwickelung gewährt und bei denen man nicht eine allmählich klarer werdende Erfahrung eintreten läßt, und ich freue mich daher, daß das Haus diese Sache mit einer solchen kaltblütigrn Rude betrachiei.
Meine Hrrrrn, ich stelie mir die erste Entwickelung in folgender Wsisc vor. Wir baden erlebt und ich habe die Klagcn auch hier im Hause gehört, namentlich aber sehr vielfach außer dem Haus?, das; der Kleinbesitzer häufig übsrbaupt nicht in der Lage ist, sein Korn zu Verkaufsn. (Srbr wahr! rechts.) Er hat nur sehr kleine Quanti- tätrn, der Händler muß sie im Kleinen auikaufen, mit großen Schwierigkeiten, in der Verschiedensten Qualität auch; da ist es dem Händler leichtcr und brquemer, don Großgrund- besiiZern zu kaufen, die eine gleichartige Qualität haben und gleich größrrc O'zantitäten verkanfen können, als wenn er in ein Dorf gehen soll zu klcinsn Besißrrn und Von ihnen verschiedenartig gereinigtes, Verschieden bcbandeltrs und in Vrrschicdenen Sorten dargebotener; Ge- treide im kleinen aufkaufen soli. Dicsrm Uedclstande tritt nun in solchen Gegendcn unzweifelhaft ein Genosscnschafiöbaus entgegen. Der Kieinbcsißkr wird wiffen, er hat eine bestimmte Stelle, wo er der- kaufrn kann. In solchkn Gegenden, wo die kleinen Mühlen auf dem Lande noch srbr entwickelt sind, was leider vielfach nicht nichr der Fall ist, ist das Bedürfnis; zweifellos ein geringeres; da ist noch ein fester, sicherer Lokalabsaß vorhanden. Aber hier vermittelt das Lagerhaus den schwierigen Ab- -saß 111 10130. Das ist schon ein großer Vortheil. Der zweite Vor- theil, dcr namrntlich auch dem Kleinbesißer entsteht, ist drr, daß er gleich nach der Eriitc das Ganze nicht Tr dont- ])er zu Verkaufen braucht, das; er nicht unter dem Druck des Händlers steht, der ibm Vorschüffs vielleicht früher und vorzeitig auf das Getreide gegeben [147- Das ibm vielfach maanlnde Betriebskapital kann ersetzt werden durch eine Genossenschaftsverbindung, und das ist überhaupt die Aufgabe der Kredit- genoffcnschaftrn, daß sie dem Kleinbesißer den Mangel an eigenem Kai)ital dadurch crscßcn, daß eine Gesammigarantic an die Stelle der Nicht“ garantie, die der Einzelne leistet, tritt. Insofern stehen wir hier ganz auf genossenschaftlichem Boden. (Es kann ja gar nicht gelenk!"ct wsrden, daß in mancbrn Fällen auch den Großgrundbefißer dieselben Bedürfnisse drücken, daß er auch Vortheile hat ; daß aber im wesknt“ lichen der Kleinbesißer hier in Betracht kommt, das ist wohl klar.
(Schluß in der Driitcn Beilage.)
Dritte Beilage
zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.
KMLUT
(Schluß aus der Zweiten Beilage.)
Meine Herren, dar:».n kxim ja garnickIt gri'äckyi ixxkkkkli, daf; wir diese Kornhäuscr vrrZi-ciche'n konnrn mir din eritsprechcnden Organisationen in Rußland oder Amerika; diese sind alis auf den Großhandrl eingerichtet. Die Exportderwaltungen in anderen Ländern habén ganz andere Aufgaben, Verfolgen andere Zwrcke und haben auch andere Organisationrn. Hirt kann es fich doch nur um dir Regelung und Verbesserung dss Lokalrsi Adsaßrs handeln iintrr gefiederten Be- dingungen für die Grundbefiyer und höchstens um den Vrrkauf in Deutschland selbst. Da bin ich nun auch der Meinung, daß nicht bloß ein Verkauf an die Armeeverwaliung erleichtert werde, sondern daß die KornhauSVerwaltung im Norden oder Osten aller- dings auch in der Lage sein wird, untrr Wahrung des Volien Vortheils der Brtbeiligten beispiklsweise Ge- trcidr von Sachsrn oder Schirsirn ddrr Posen nach dem Siidcn, nach dem Königreich Sachsen, nach Süddeutschland zu drr- "sendcn, feste Kunden in dirsrr Beziehuug zu gewinnen, Garantien den Abnehmern für eine regelmäßige Erfüllung der Verträge bsi einer bestimmten Qualität der Waare zu bieten.
Das glaube ich, kann aus der Sache unbedingt herauskommen, und wenn nur diese Vortheile aus drm Vkrsucb sich ergeben, so würde ich darin allrrdings schon einen sehr erheblichen Vortheil erblicken.
Daß diese Kornhäuser den Weltmarkt nicht beeinflussen könnten, daß also die ganze Fragr, die Herr Broemrl hier eben entwickelt hat, über den Weltbund?! und die segrnsreichen Wirkungrn des Getreide- bandcls im Welwetkebr hier garnicht in Frage kommt, liegt klar auf der Hand. Abrr es liegt ein anderes auch auf der Hand gegrnübcr einigem Eiiiwendungkn, die ich gehört Habe. Man bat gesagt: ebe nichi dsr Wklthandel saniert ist, ebe die' Frage nicht gelöst ist, ob drr Terminhandcl, dcr wesentlich nur ein Diffcrrnzspirl ist, Linen iingiertkn Standard bildet, der niedrigrr ist wir der individuelle Standard für das Grtreide, wie es in Deirtschland wächst, _ eher könnten auch nicht diesc Kornbäuscr nuxxcn. Das sind die Einwen- dungen, die ich Von drr andrrcn Seite grhört habe.
Nun bin ich dcr Mrir-„ung: was man über dirfc Frage auch Hört, wie man über die Wiiknng dcs Termindandrls auch denkt, selbst WLW! man glaubt, daß der Terminbandel in Zeiten, wo dis Tcndrnz naturgemäß nach unten Jcbi, diese Tendenz potenzicrt und verstärkt, und umgekehrt auch in den Zciten, wo die Tendenz naturgemäß 11 151 111111550 grixt, in gleicher Wrise wirkt, _ das hängt mit dirscr Frage diergarnicht zusammrn. Dirji'nizrcn islbst, die in dem Trrminhandcl schwere Mängrl erdlickrn, miissrn zugeben, daß diesen nach1beiiigkn Folgen, wie fie fie ansehen, mit curche'n- gewirkt wird durch Belebung des reelien Lieferungögescbäfts, und daß diese Kornbäuser dazu angetban find, das reillc Lieferungögcsäxäfi zu fördern und zu brffkrn. Das kann doch garnicht bcftritirn werden.
Ja, meine Herrrn, wenn diess Kornhäusrr fiel) zu Lagrrbäusern fiir fremdrs importiertcß Getre'ide ausbildrtsn, dann wäre ja die Frage cinc ganz andere. Hirr haben wir es abcr doc!) nur mit Kornbäusrrn zu Thun, dic dir Produkte iniändischrr Produzenten ZlisWitnkxifäffM und für dcn Handel apticren folien.
Meinr Hkrren, nun hat dsr Hrrr Abg. Brorincl _ und das war lediglich wohl (111 meins Adrcsi-Z gerichtct _ géwariit vor drm Prinzip. Er sagt: was bai der “Staat sich darrim zu drkümmern? Wenn die Landwirihr rie Lagcrhäuscr haben wolie'n, so mögrn fie sic sclbsi baucn, und wenn der Staat einmal anfängt, wo hat das ein Ende? Hrute gicdt er 3 Millionen, nächstrnd wcrdc'ii 300 MiÜionen verlangt wcrden. Mrinr Hirrrir, wir wolirn diesc 300 Miliioncn crst mal abwarten und dann crst woilen wir uns dador fürchtrn. Es wird feine Sache so heiß ngeffen, wic si? gekocht wird. Dies ist ein Prinzip, wclches in dcr Praxis ch Lebens auch Von drnjcnigcn, welch ibm throretisch anhängen, nic befolgt w-Irdcn wird und auch mir wird da- ioigt werdcn können. Wenn z. B., irdcnfaiis mit volicr Zustimmung dcs Herrn Abg. Brdkmrl, die Stadt Stettin für den «Handel 16 Millionen bewiliigcn wii], so kann man aach sagen: was cht die Stadt Stettin das an, Häfen 311 baucn, Lagerhäuser herzustellen, schwere Risiken zu übrrnrdmrn? Möge das doch der Handel thun! (Schr richtig1rechis.) Aber der Ober-Bürgcrmristcr Von Stettin würde mir erwidern: das ist icin einseitiges Intrkcfse dcs Handlls, sondern das ist im Jntkrcffe der ganzen Stadt Stettin. So sage ck auch bier. Ob es griingi, in dicssr Bezirhung der Land- wirtbscbaft zu helfrn, - das ist kein einseitiges Jiitereffe einzelner Grundbesißcr, das ist ein aligemkinrs, öffcntlichc's Interesse. Wir haben diesclbcn Einwendungen gehört, als wir das Rentenprinzip bier einführten und die chiengütcr ciadliertcn mit Staatskredit. Da bikß es auch: überlastet dcn Staat nicht, übrrlaßt die' größeren Güter dem freien Verkrbr. Wir badrn untrr drm Minister Camp- bausen eincr: solchrn Versuch gemacht, wo die Domänen Verkauft werden sollten in Neu-Vorpommern , wo der einzelne Käufer das Kapital haben mußte, um dcn Kauforeis zu zahlen, wenigstens zum großen Theil haar, das Haus zu bauen, Feld, Birk) und Inventar fich anzuschaffen aus eigknen Mitteln, bis zur nächsten Erni? zn [rden aus cigcnrm Vermögen. Und was ist denn aus dirsrn Gütrrbiiiurgcn geworden? Gerade weil der erste Anfang so schMr ist, da muß der Staat in geeigneten Fällen helfen. Und gerade die Kräftigung, die daraus hervorgeht, Wird schließlich den Staat von dieser Aufgabe befre'ien,
Dkksklbe Frage ist bei dem Schußzol] und dem Freihandel. Der SchUdzoll ist ein Schuß für die Industrie und die produktive Arbeit. Dieser leiht der Staat auch seine Hand, und man wird es fast in allen Ländern erleben, daß unter dem Schußzoll die Industrie “Uiblübt, und daß man nachher die Zöäe reduzieren kann. Ich kenne noch eine Schrift aus der Zeit, wo die Zuckerindustrie in Deutschland anfing, wo wir anfingen, den inländischen Zuckerbau zu schüßen- wo “"ck gesagt wurde: das ist gcgen alle Gruudsäße; wenn die Zucker-
.industrie existieren kann, dann mag sie existieren und sich entwickeln;
"“"" nicht, nicht. Man hat sich glücklicherweise in Deutschland daran nicht gekehrt; man hat große Opfer lange Zeit aus der
Berlin, Freitag, den 24. April
aligemeinen Staatskasse für die Zuckerindustrie gebracht, und diese Opfer sind iängsi dem Staat bunderifäitig zurückgrzablf; ganze: Provirzkn sind reich und wohlhabend, und der Zucker ist billig geworden. (Sehr richtig! rechts.) Ick glaub?- Wk solchen Schreckmitieln brauchen wir uns nicht zu ängstigen. Es hat keine Zeit gegeben, wo die entgegengeseyten Anschauungen, wie weit drr Staat überhaupt auf wirtbscixaftlichrm (Gebiet eingreifen darf, zur vollc'n reinen Geltung gekommen sind. Die Praxis und die Thatsachen sind immer stärker geblieben wie die reine Theorie. Was nun aber gerade dieses Gebiet betrifft, so begrrife ich eigentlich gar nicht, wie der Hrrr Abg. Broemrl dabci gar so ängstlich sein kann, denn der Staat iat doch schon eine große Anzahl derartiger Lagerhäuser auch für die Jndwsirie und den Handel hergestellt. Sehr richtig! rechts.) Haben wir dcm: nicht eine große Anzahl Lagerhäuser, die dir Eisrndaßn gebaut Hai? Das sind doch auch öffcniliche Organisationrn; wie man hier also ein so großeéi Bedenken haben kann, das ist mir volikommen unverständlich. Das Bcdrnkrn würdc drgründrt sein, wrnn der Staat selbst die Vér- Zvallttung übrrnähme. Das würde ich auch in keiner Weise für möglich (1 sn.
Das führt mich auf die Frage der Verivaltung. Ia, meine Herren, ich halte ein großes Lagerhaus zu verwalten, welches schon mit größerer Rücksicht auf den allgemeinen und größeren Handels- vsrkrbr beHandelt Werden muß, für sehr schwierig; ein solches Lager- haus kann aber auch tüchtige Verwalter brzahlen, und es muß an der Spixzr einer solchen Verwaltung ein Mann stehen, der mit drm Ge- treidehandei genau vertraut ist; denn es kann sich ja nicht darum baiidrln, den Getreidedandel zu beseitigen oder unmöglich zu machen, davvn ist ja garnicht die Rede. Ich habe in diescr Beziehung persönlich einige Erfahrungen, da wir in Frankfurt ein großes Lagerhaus bauten, welches sich sehr gut entwickelt hat. Kleinere Lagerhäuser allerdings, die mrdr für drn unmittelbaren lokalen Verkrbr bestimmt find und für drn lokalrn Konsum, die müssen Vor aiirm darauf schen, daß fir billig sind in der Verwaltung, das; dir Verwaltungskoften iiicht alle Vor- theile verschlingen, da muß namentlich auch die ehrenamt- liche Tbätigkeit mitwirken. Die (HrnoffenfclßaftHVerwaltung darf nicht zu viel kosten, das wird die Hauvisache sein. Daf! aber diese Thätigkeit, die wir bier entwickeln und fördern Wollen, sich an die ganze Genossenschaftsbcwegung naturgemäß anschließt, das wird gar- nicht drstrittcn werden können. Dir Genossenschaft ist zuerst natur- gcmäß kino Kkrditgriwffenstbast, dann entwickelt sie fick) zur EinkdufsgcnoffNiani für unmittklbarc Bcdürfniffe der Ge- noffrn, Daun rniwickelt sie sich zur Verkaufsgenoffrnschaft Uiid cndiici) auf vielen Gebieten auck) niißlich zur Produktiv- Grnossenschaft deispirlswäse in der Milch- und Buttrrwirthscbaft. Wenn also die Zentral-Gknoffcnscbaftsdankmehr und mehr sick) zum Vermittlcr dirser großen Aufgabe macht, die sick) ja nur sehr al]- mäblich Entwickeln kann, wo man sich durchaus nicht die Illusion machrn muß, daß das gleich von heute auf morgen Wunder wirkt, im Grgrntbsii es wünschenswert!) ist, daß die Entwickelung nici): zu schurli und nicht zu rapide" geht, Wkil sie da- durch Von den solidén und fesicn Grundfäßcn, die unbedingt inurgrbalirn werden müssrn, fich entfrrnen können, so, sage ich, wird sich allmählich ein Jneinandergreisrn diesrr vkrschiedenen Richtungen dss Griioffcnschastswchens in drr Hand der antralderdändr und unter der Mitwirkung drr preußischen antral-Genoffsnschaftskaffr dildrn, welcbrs dann erst alle Vollen Früchte trägt. Ich möchte in diescr Beziehung nicht propbrzeicn, ich Weiß ja auch nichr, inwiefern die genoscnsÖaftlic-He Einsicht und Bowegung stark genug ist, inwiefern das Versiändniß dir Laniwirtde und das gegenseitigl Vertrauen, was zu diesen Operationcn gcixört, Energisch genug ist, um große Ziele zu ereichen. Adrr wollen wir diss Zirl Erreichen, so dürfen wir uns auch nicht scbe'urn dor Maßnahmen, welche in dcr Vorsichtigstkn Weise _ auch in der Beziehung hat, glaube ich, där Hcrr Vorrrdncr den Motivrn dic unbrgründststcn Vorwürfe gemacht, dcnn die Motide drückst! sicb so Vorsichtig aus, wir nur irgend möglich, was man gerade in drr Presse dcn Mdtchn zum VorWUrf gemacht hat _ ich sags, wir dürfen uns nicht scheuen, cncrgisch den Weg zu bctreten, den wir zur Erhaltung von Klein- und Mitteldefis dor aliem für nothwcndig halten. (Brado1rechts.)
Abg. von Bockeldcrg (kons.) windet fich gc en die Aus- führungen des Abg. Brormrl und bekämpft namentli die Ansicht, daß die Preisbildung sich nach den Produkiionsverbältnissrn richte. Diese Vorlage', welche von der chicrung in wohlwoliendcr Absicht gemacht ski, dürsr übrrhaupt uicht vom parteipolitischen Standpunkt aus, sondern nur rein sachlich deurtbeilt werden. Es handle fich hier weniger um eine Prrisstcigcrung, als um eine Regelung des Geirside- r*rrkaufs, wrbei eine Außnuyung günstiger Konjunkturcn für den einzelnen Ernoffenschafter garnicht auSge-fchloffen zu werden brauche. Es werde dann auch möglich sein, Qualitätsgetreide in rößrren Mengen nach dem Auslande zu exportieren. Ein weiterer " ortbril werde es auch sein, daß die kleineren Landwirtbe leichter Geld in die Ländc'bekdmmen würdexi. Diese'Vorlage sei der erste Schritt zur
rgantsatwn des landwirthscbaitlicben Gewrrbes. Ber der Anlage von Getreidespeichern müYen zupächsi dirjenigen'GeZLnden berücksichtigt werden, in denen die roduktwn die Konsumtton uberwiege. Er bitte, die Vorlage im Jutereffe der Landwirtbschaft anzunehmen.
Abg. Sieg (ni.) bestreitet, da die Xrovinz Westpreußen an den Kornbäusern ein hervorragendes ntere e babe. _ Der Oxten besiße schon viele Speicher, die den Silos gleichkommen, [rst leer ichen und leicht zu diesen Zwecken verwendet werdrn könnten. Er wolle aber einem solchen Versuche nicht widersprrchen, unter der Vorausseßung, daß die Kornbäuser nicht etwa zu Spekulationözwecken verwendet würden. Sollten die Versuche einen Zweck haben, so müßtext sie an_ vielen Stellen errichtet und Staffeltarife oder aydere_ ilitge Tarife iur Velr-[endung des angestauten Getreidcs eingefuhrt werden. Von „T nkgeldern' hätte der Abg. Broemel bier doch liebxr nicht sprechen folien. Die Vorlage enthalte einen gesunden Kern insofern, als sie Sammelstellen für den kleinen Be ßer scha e, wo er sein Getreide vortbeilbaft unterbringen könne. ie Selb thilfe solle aber nicht ganz in den Hintergrund gedrängt werden. Seine Freunde onten gern mitarbeiten, um etwas Brauchbares zu stande zu
bringen. . Abg. Möller (nl,) will auch den kleinen Besißern durch diese
1896.
Vorlage zu Hilfe kommen; die Kornbäuser könnten recht segenérei
wirken, wenn sie dcn lokalen und provinziellen Verhältnissen angepa? und sachkundig“ vrrwaliet würden. Auf diese Wrise werde auch d e wucherischr Wirkung der je igen Vorschußwirtbsxbaft paralysiert werden. 3,Milltonen seien a erdings wenig; aber € reichten für das ,Cépernnent aus. Glücke dies, so würden si schon andere Kapitaien finden, ohne daß der Staat mit seinen Mitteln einzu- tre'ten b4ra11che_. _ Dann werde auch der Militärfiskus seinen Bedarf in dresrri Koranuirrn decken "könnrn. Als Industrieller stimme er gern wirklich praktischeri Vorschlagen zum Schux der Landwirtbscbafk Zu.
_ Abg. Gorbem (Fr. Vg.) erklärt, da er es keinem Froduzenten verubele, wenn er die P_r_eiie seiner Produkte beben wo e, voraus- g_€seßt/,§daf3 er dazu nichtnStdanittel in Anspruch nehme. Oeffent- liche Speicher halte er fur rm öffentliches Bedürfniß; er werde auch nichts dagegxn haben, wrnn der Staat sie errichte, dicser müsse sie dann aber nicht bloß drn Landwirthen, sondern auch Müllern und Anderen Verpackyten. Es dürfe nicht einseitig ein einzigrs Gewerbe bedorzuqi wkrden. Auch dagegen lasse sich nichts ein-. Wenden, das; die Er_senbabnverwaltung größere Swricher errichte, (ider erfahrungsinäßig wurdrn ,diese Speicher ganz einseitig verweridrt. Drr BJU don P'rivats'peicbern sei sshr riskant, weil man gar nicbt wrffen kdnnr, ob nicht em yeurr Tarif die ganze Untrrnebmung un- rrntadri _masbrn könne. Die Genossenschaften seien zu Trägern der Kornbauier _die ungeeigncisten Organs. Die jryigen Ldgrrgenoffkn- schafte'rr werwn kaum 3% Dividende ab. Bei starker Mißrrnie, wo wenig inländisckyes Getreide lagert, würden die Kornbäuser leer stehen urid kaum die Verwaltun skosien aufbringen. Man müsse also Mindestens auch ausländis_rs Getreide zur Mischung zulaffrn. Auf die Verwaltuzig der Kornbauser komme AÜW an, und die intelligente- sten Köpfe seren schon disbrr an Liner richtigen Schäßung der Kon- itttikturen, der Erntederbaltmffe u. s. w. ;]c'scheiterr. Möge der Eisrnbabn- Ministcr einige rößere Lagerbäusrr an greignetkn Vrrkrbrsorten er- kichtk11 Wld der Ugemeinheit eröffnen, das werdc brffer sein, als ein Expermicnt mit 11911 Prodqzsnten zu machc'n.
Die Diskussion wrrd geschlossen und die Kreditvorlage an die Budgetkommisfion verwiesen.
Schluß 4 Uhr. Nächste Si ung “reita 11 Ur. (Handciskammer-Vorlagr.) H J g h
Handel und Gewerbe.
,Hamburg, “23. April. (W. T. B.) Weizen loko ikst, holsteiniscbkr Loks neuer 154-455. Roggen loi: fest, iam: _, mrcklcnbnrgrr loko neuxr 128-131, russiscbrr loko' fsfter, ZZ_84. Hafer frsi. GLlstC fest. Rüböl (unverzoiii) still, „lolo 47. Spiritus ruhig, drr April-Mai 16§ Br., pr. Mai-Juni 162 Br., pr. Juni-Juli 16F Br., Vi'r September- Oktober 17T. Kaffee fest. Umsatz 4000 Sack. Petroleum behauptet, Standard white loko 5,60.
Kaffee, (Nachm1ttagsbericht.) Good aderage Santos pr. Mai 672, pr. Srptrmber 63T, pr. Dezember 592, pr. März 59?. Behauptet. _ Zuckermarki. (Schl bericht.) Rüben-Robzuckrr 1. Prodiikt BMI 88 0/o andement neue U ance, frei an Bord mburß pr. April 12,725 vr. Mat 12,75, pr. Juli 12.9711, pr. Augut 13,10, pr. Dczembe'r 11,92 , vr. März 12,15. Strtig.
London, 23. * pril. (W. T. B.) An der Küste 5 Weizkn- iadungen angeboten.
96 0/9 Javaz ucker 14sietig, Rübcn-Rodzucker [(*-ko [:"/rs stetig. _ Chilr-Kupfer 4415/15, vr. 3 Monat 451.
L!VSrpool, 23. Ypril. (W. T. B.) Baumwollr. Umsas 10000 B., dadori' fur Spekulation und Export 500 B. Stetig. Amrrtkanrr 1/32 hoher. Middl. amrrikaniscbe Liefkrungen: Stetig. Aprtl-Mai 419164 Berkäuferpreis Mai-Juni 49/3: Käuferprcis, Juni- Juli 41 Vcrkaufsxprris, Juli-Äuguft 415/74 do„ Auiiust-Srytember 411/54_43/1s do., Srvtcmber-thobcr 43/64'"41,/16 Käuferpreis, Oktober- November 331/32-363/64 Verkaufervreis, November-Dczcmbrr 315/1s_ 361/54 do., Drzember-Jamrxrr 315/16-361,“ do., Januar-Februar 361/61 d. do.
L'TVLT'VVVl, ZZ.,April. (W. T. B.) OszirUe Norierunzcn. American good ordin. 43/15, do. low middlin 45,15, do. middiing 3113/32, do. good middling 4Z, do. middlixng fair 4'7/32, ;P-rrnärn sait" 4§„ do. good fair “LF, CWM fair 4i- do. good air 4T, (Egyptian brown fair '5Z, do. do. good fair 6, do. do. Hood 61 Peru rough good fair 63/16, do. do. good 65/18, do. dc) ne HF, do; moder. rough fair 51, dr. do. good fair 511/14, do. do, good 6, do. imootd fair 49/16, do. do. good fair 411/14, M. G. Broacb aood 319/32, do. fine 41/32, Dholieral) good Zi- do. fully good 3Z, do.'f*-UL“313/1s,_ Oomra good 39/16, do. fuliy good 311/15, do. fine ZF, Scinde good iatr 2,1, do. good 2-1, Bcngai fuliv good 299/32, do. fine 35/32.
bi BLYHWWH' lt23. Apribl. ZW.?) T. B.)f stWolle festé Garne ru , inner (1 en (11111051 or erun en 2 ;in Sto en utks Gas äft für das Inland. 9 f g
“Paris, 23. Avril. ,(W. T. B. (Schluß.) Robzuckkr ruhig, 68% loko'32é 11 322. Wmßer ucker behauptet, Nr. 3, pr. 10) kzxékvr. April ZZZ, pr. Mai 34, pr. August 341, pr. Ja- nuar “ .
Zürich, 23. AP11[._ (W. T. B.) Die außerordentlicba General- vcrsammlun? der Aktwnare der Schweizer Nordostbabn findet am 222. Ya dstatt. 03 Ap [ W T
m er am, „. ri. (* , . B.) JaVa-Ka ee vod ordinary 51i- _ Bancazinn 36. ff g
New-„York, 23.April. (W. T. B.) Die Börse eröffn;u unärfxtgelmFikxt und FrbllSekiblaZch im Friicregr; Verlauf in unregel- m grr (: una. rr u war ru i , cr Um'a in Aktien betruH281000 (öSfftück. i st H J ' V
U eizen er nete n etigcr altung, nahm aber dann in ol e des naffrn Weiters und drr un ünstigm Erntebericbte eine steigfenße Txndxnz an. Auch im weiterxn 5 criaufe zogen die ?)rrise infolge der reichlichen Deckun en noch weiter an. _ Mais ver ikf im Einklang mit dem Weizen n allgemeinrr fester Stimmung.
Wgarxnbericht. Baumwolle - Preis in New - York 81/1- do. do. in Iiew-Orleans 71115, Petroleum Stand. white in New- o 6,80 do. do. in bilade bia 6,75, do. rohes (in Cases) ,70, do. Pipe line Certi. pr. Mai 121k, Schmalz Western steam 5,15, do. Robe &, Brothers 5 37, Mais pr, April 36 , do. pr. Mai 35 , do. pr. Zul: 362, Rotöer Winterweizen 77z. ei en ve. ril 74 , do. pr. ai 71s, do. pr. Jult71z, do. pr. Septen: er 71F, atreide- fracbt nczch Liverpool U, Kaffee fair Rio Nr. 7 13k, do. Rio Nr. 7 vr. Mat 13,00, do. do. pr. Juli 1260, Mehl, Spring-Wbeaj clears 2,65, Zucker ZU/u, Zinn 13,30, Kupfer 10,80.
Chicago, 23. April. (W. T. V.) Weizen feste schon etwa böber ein und nahm, da das Wetter für die Aussaat nicht ünsiig ift, eine stei?ende Haltung an. Unbedeutende Ankünfte im ordwefteu“ und Käu e der Haussiers sowie der Baissiers bewirkten ein weitere] Anziehen der Preixe. _ Mais allgemein fest während des gamen BörsJveirlaufs in WeikeZZrZaffßn WettZr)? ZmWLZZestM. i
e zen pr. r , o. pr. a . a s r. ri! 293. Schmalz pr. ril 4,82, do. yr. Mai 4,82. Six“! Koc»
Getreidemarkt.
clear 4,50. Pork pr. ril 8,52. "_