1896 / 114 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Tue, 12 May 1896 18:00:01 GMT) scan diff

ZMWRA ii“ bei und produziert worden ist. __ _ “'zua'eßében, ich ürde den Weg, den die verbündeten Kegletungen vorgeschlagen haben, für den bedeutend besseren balken: eine höhere Prämie, aber ein niedrigeres Kontingent. Nachdem aber die Kommission die Prämie von 4 .“ auf 2,50 ckck erniedrigt bat,. liegt allerdings die Frage des Kontingents wesentlich anders. Denn es wird sich bei der Zuckerindustrie ganz derselbe Vorgang wiederholen wie bei der Branntwäubrennerei. MM berechnet fich nach dem Preise: ist es vortheilbaft, unter Zu- hilfenahme der Ausfubrprämie ein Superkontingent herzustellen oder nicht? - und verrechnet sich die gewährten Ausfuhrprämien auf die gesammte Produktion seiner Fabrikationsstätte. Ganz ebenso wird es sich vollziehen bei der Zuckerinduftrie, und ist es deshalb vom Standpunkte der Kommission meines Erachtens allerdings folge- richtig,daß, wenn die Prämie ermäßigt wird, das Kontingent erhöht wird, um für ein größeres Quantum der Produktion den Vortheil der Prämie zu erhalten, und es event. zu ermöglichen, daß auch noch ein Superkontingent unter gewinnbringenden Vorausseßungen ber- ge'stellt werden kann.

Meine Herren, es ist schließlich auch heute gesagt worden, besser noch als dieses Gesetz wäre es, das bestehende Geseß jn jnüujbum zu verlängern. Ick) bin nicht befugt,*'in dieser Beziehung namens der verbündeten Regierungen zu sprechen; aber das kann ich den Herren versichern, daß im Schoße der verbündeten Regierungen an maß- gebendfien Stellen die allerscbwersten Bedenken bestehen, das be- stehende Gesetz einfach zu verlängern. Das bestehende Geseß ging von der Vorausseßung aus, die Prämien allmählich ganz fallen zu lassen. Das war ein Standpunkt, wenn man überhaupt Gegner der Prämie ist, der in sich logisch und abgeschlossen ist. Aber eine Prämie fortbestehen zu lassen, ganz unbeschränkt, wie weit dadurch die Finanzen des Reichs berührt werden, und ob sie dazu beiträgt, eine krankhafte Ueberproduktion herbeizuführen, - eine solche Prämie im Interesse der Industrie fortbesteben zu lassen, kann ein Danaergeschenk für dieselbe sein". Hätten wir bereits die Kontingentierung gehabt vor der Krifis von 1894/95, dann wäre die Krifis erheblich geringer gewesen; denn daß Deutschland durch seine Ueberproduktion zur Krisis wesentlick) beigetragen hat, ich glaube, das ist eine Thatsache, die von allen Seiten anerkannt ist. Wer also das Gesetz will, wer event. die gänzliche Abschaffung der Prämien will, muß eine erhöhte Konkurrenzprämie haben kalen. Wer erhöhte Prämien will, muß sich aber aucb mit der Kontingen- tierung einverstanden erklären, und wer die Kontingentierung will und die vorgeschlagenen Prämien wesentlich ermäßigen wil], wird sich auch mit dem Gedanken befreunden, daß als Kompensation eine gewisse Erhöhung des Gesammtkontingents eintritt. Ich kann nur sagen: ich würde auch jest noch für das beste halten ein Kontingent von 14 Millionen Doppel-Zentnern und eine Prämie von 4 ckck Es scheint aber, daß die Mehrheit des hohen Hauses anderer Ansicht ist.

Abg. Graf von Bern torff- Uelzen: Die Entrüstung des Herrn Richter kann ich nicht Versie en. Wo es ck) um Zahlen handelt, hat immer ein Handel oder ein Kompromiß tattgefunden. In BezuLgauf

rinzipien würde ich mich niemals in einen Handel einlassen. om

tandpunkte des Kampfzolies aus würde eine rämie von 4 «16 bexser sein; allein es kommt mehr darauf an, daß eine ruhige Produkt on wieder eintritt. Dazu eignet sich eine mäßige Prämie besser.

Ab .1)r.Paasche(nl.): Wenn durch ein niedriges Kontingent die großen abriken des Ostens, für welche der Abg. Richter so lebhaft eintritt, zur Einschränkung ihres Betriebes gezwungen würden, so wäre das ein einschneidender Eingriff. Durch ein hohes Kontingent können die Rübenbauer nicht geschädigt werden. Aber ohne eme ewisse Beschränkung ist die Prämie gefährlich für die Kaffe des 5 sichs. Die Kontingentierung ist auch ein Schuß für die alten Heimstätten der Zuckerrübenkultur gegen die sprungWeise Vermehrung des Rüben- baues namentlich im Osten. WoUen wir einen Schuß der be- stehenden Industrie dann müssen wir einen Riegel vorschieben ge en die allzu s nelle Vermehrung _der Produktion. In der er ten Lesrmg hat man mehr von den Konsumenten und nicht von dem Kontinßent gesprochen; jeßt spricht man gegen das hohe Kon- tingent, we ches doch gerade den Interessen der Konsumenten ent- gegenkommt.

Abg. von Staudy bestreitet, das; Deutschland allein an der Ueberproduktion des Jahres 1894 schuld gewesen sei; diese Ueber- produktion sei überall hervorgetreten. Redner spricht sich dann für die Materialsteuer aus, die sich bewährt habe, als sie galt, die also auch je t noch durchführbar sein würde. Wenn einige unhaltbare über- lebte inricbtungen dadurch beseitigt würden, so müsse das ertragen werden. Fänden fi diese überlebten Einrichtungen im Osten, so würde man ficherli darauf keine Rücksicht nehmen. Die Kon- tingentierung sei gefährlich, denn sie rufe den Krieg Aller gegen Alle hervor.

Staatssekretär des Reichs:Schaßamts ])r. (Graf von Posadowsky-Wehner:

Ich will dem Herrn Abg. don Staudy zunächst entgegnen, daß es mir selbstverständlicky fern gelegen hat, ihm eine flüchtige Be- handlung der so wichtigen Materie dorzuwerfcn. Im Gegentheil, alle Herren, welche Mitglieder der Kommission waren, werden wissen, mit Welcher Gründlichkeit sich der Hsrr Abg. von Staudy an den Debatten beibeiligt hat. Aber wenn man unsere ganze Zuckersteuer- gesetzgedung vollkommen verändern, wenn man an Siedle des Prinzips der Verbrauchssteuer die Materialsteuer seßen will, wenn man zu einem Prinzip zurückkehren wil], welches von der großen Mehrheit des hohen Hauses seiner Zeit verlassen worden ist, so werden Sie mir zugestehen, daß die damals bei der ersten Lesung über die Materialsieuer gepflogenen Verhandlungen im Ganzen nur flüchtige waren und nur solche sein konnten. Ich habe den Ausdruck ,flüchtig“ nicht gebraucht in Bezug auf die Ausführungen eines Redners des Hauses, sondern in Bezug auf die Einwendungen, die vom Regierungstisch aus bei Lage der Sache nur gemacht werden konnten. Wenn es sich um den Nachweis handelte, daß die Material- steuer vollkommen unmöglich sei unter den gegenwärtigen Verhältnissen, dann müßte diese Frage Gegenstand einer ganz besonderen Tageßordnung sein. Ick glaube, in diesem hohen Hause würde keine Mehrheit für die Materialsteuer sich finden, und deshalb brauche ich darauf auch 1th nicht näher einzugehen.

ch habe mich auch keineswegs gegen die konservative Partei ge- wendet, sondern angeknüpft an eine Aeußerung des Herrn Abg. von Puttkamer-Plauth, welcher sagte: im Osten ist das Gesev weniger sympathisch. Ich babe den Versuch gemacht, Herrn von Puttkamer- Plautl) besonders den Nachweis zu führen, daß die verbündeten Regie- rungen nicht anders handeln konnten, wenn sie verlangten, daß man mit Erhöhung der Prämien auch die Kontingentierung mit in den Kauf nebme. Herr von Staudy hat gesagt, er habe einen anderen Gegenvorschlag gemacht: er habe beantragt und werde den Antrag wiederholen, einfaek das kestehende Gesev mit oder pbne Frist zu ver-

längern. Da! ist doch nicht eine Reform! Von dem hohen Hause wurde eine Reform der Zuckersteuer verlangt, und kb babe nur gesagt, das sind keine Reformvorschläge- WM" man schließlich nur darauf abkommt, zu erklären, das bestehende Gesev isi einfach zu verlängern, so ist das keine Reform der „ZUckstskeuer. '

Wenn“ hier immer darauf hingewiesen wird, daß in AWM?" Theilen des Ostens dieses Geseß wenig sympathisch sei, so kann ich darauf hinweisen, daß dem hohen Hause bereits eine Petition aus der Provinz Posen vorliegt, unter der die Namen angesehener Land- wirtbe sich finden, und zwar solcher, die in großem Umfange Rüben bauen. Dieselben bitten dringend, entgegen dem Beschluß der Land- wirthschaftskammer, das Geseß anzunehmen, auch ich habe heute - offenbar ist die Eingabe irrthümlicb an mich statt an das hohe Haus gelangt - eine gleiche Adresse bekommen, die mit einer großen Reibe Unterschriften von Landwirthen der Provinz Posen bedeckt *ist, unter Anderen des Vorstehers der großen Fabrik in Gnesen, eines Mannes, an dessen landwirthschaftlicher Kapazität auch Herr von Staudy wohl nicht zweifeln wird. Auch in dieser Petition wird das dringende Er- suchen ausgesprochen, dieses Geseß im Interesse der Zuckerindustrie der Provinz Posen anzunehmen.

Herr von Staudy hat ferner gesagt, ich hätte mich berufen auf den bekannten Antrag Paascbe, der die Grundlagen des gegenwär- tigen Gefeßes entbielte. Wenn aber die verbündeten Regierungen ein neues Geseß machten, so könnten sie es doch nicht nur auf einen Antrag aus dem hohen Haufe fundieren. Ich muß sagen, ich stehe Anträgen aus dem hoben Hause eigentlich mit mehr Respekt gegen- über (sehr gut! aus der Mitte), und wenn uns der Vorwurf ge- macht wird, wir hätten keine Rundfrage gehalten, so entgegne ich, wir haben die angezeickpnetsten und hervorragendsten Sachverständigen aus ganz Deutschland gehört (Zuruf rechts), nicht nur Fabrikanten, sondern auch Groß-Rübenbauer - wir haben Tage lang mit ihnen konferiert; wir haben ferner das Landes-Oekonomie-Kollegium und den Landwirtbschaftdrath gehört, die beide sich für das Gesetz auSgesprochen haben und die jedenfalls die berufensten Vertreter der Landwirthsckpaft sind, das Landes-Oekonomie-Kollegium für Preußen und der Land- wirthscbaftsratl) für Deutschland, die wir überhaupt hören konnten. Allerdings die Chefs der einzelnen preußischen Provinzen sind meines Wissens nicht gehört, weil selbstverständlich über die Wirkung eines solchen indirekten Steuergeseyed nur Sachverständige zu hören sind und es nicht gesagt ist, daß der oberste politische Beamte einer Provinz immer ein Sachverständiger für die Rübenindustrie ist. Er kann es [Äk-„er,.xsITZh“Y_ÉÖÜÖLZYMUM. nach, ist es aber nicht immer. 31“: *“ ' ' " * "

Abg. von Puttkamer-Plautk): Wenn der Staat einer Industrie mit seinen Mitteln helfen soll, dann ist eine Beschränkung nicht zu vermeiden; obne Kontingentierung würde das Prämiensystem zur Ueberproduktion führen. Redner tritt für den Antrag der Kom- mission ein.

Abg. Richter bemerkt dem Grafen Bernstorff, da es sich bei der Betriebssteuer um einen Grundsay Handle und ni t um eine Ziffer, und Weist darauf hin , daß der Anbau von Rüben in diesem

ahre beinahe den Umfang des Anbaues von 1894 erreicht habe. Es handele fich nur um den Schuß landschaftlicher Interessen. Der Abg. Paasche babe ausdrücklich als den Zweck der Vorlage hin- gesteüt: die alten Rübenkulturstätten zu schü en. Das sei nicht Volks- wirtbschaftlich, sondern führe zum mitteln terlicben Standpunkt der Realberechtigungen; volkswirtbschaftlich sei: freie Bahn für die Kon- kurrenz. Die bayerische Regierung stimme gegendas Gesetz, die süd. drutschen Landtage seien gegen das Geseßäund die Bevölkerung auch, und troßdem steüe der Abg. Pichler nträge, Welche die Brücke schlagen, um eine Mehrhrit für das Gesey zu Kaden.

Damit schließt die Debatte.

Zn namentlicher Abstimmung wird das Kontingent von 17 Millionen Doppel-chtnern mit 133 gegen 107 Stimmsn angenommen.

Darauf wird um 51/2 Uhr die writers Berathung auf Dienstag 2 Uhr vertagt.

Preußischer Landtag. Haus der Abgeordneten.

68. Sißung vom 11. Mai 1896, 11 Uhr.

Auf der TageSUrdnuna steht die zweite Berathung des Geseßentwurfs, _betreffend das Anerbenrecht bei Renten- und AnsiedelungSgütern. '

Ueber dsn Vrgmn der Debatte ist gestern berichtet worden.

Abg. Freiherr von Heereman ( entr.) hält dir Aquebnung des Ges? 68 auf die anze Landwirthschat für absolut unmöglich, steht aber, sont dem GFKL? freundlich gegenüber, soweit es sich nicht auf polnische Ansiedler bezieht. 'Das zur Schädigung einer Nationalität erlassene Ansiedelunßsgeseß set ungerecht, und er könne die Befestigung disselben, welche die 6 Vorlage mit sich bringe, nicht billigen. Dagegen stimme er jedem Mittel zu, welches den mittleren Grundbefiß erhalten könnr, und das, bezweckr auch diese Vorlage. Aber kein vernünftiger Mensch könne die Ausdehnung dieses EFW“; auf den ganzen Grund- besi wollcn, das sei eben ganz unmögli . Der mittlere Grundbesitz e auch in derselben Familie erhalten werden; in Westfalen dürften keine römisch-rechtlichen Verhältnisse herrschen. Ohne ein Vorrecht für den Anerben lasse sich der Grundbesi nicht durch rnehrere Generationen erhalten. Der Staat müsse da ür sorgen, daß die kleinen Rentengüter nicht sofort wieder leistungSunfäbig werden, und deshalb stimme er der Vorlage zu.

Unter Ablehnung des Antrags der Polen wird der § 1 angenommen.

Ngcl) 2 erfol t die Eintragung der AnerbenguiSei en- scbaft im rundbu auf Ersuchen der zuständi en Behorde

General-Komniiffton bezw. 'Anftedelungs-Kommis7ion). Diese at nach Anhorung des Eigenthumers die Eintragung von mtswe en nachzusuchen.

Die bgg. von Sczaniecki (Pole? u. Gen. beantragen, statt „nach Anhörung" zu seßen; ,nur auf Ver angen.“

Nach kurzer, Begrundung des'Antrags durch den Abg. von Zoltowski und nachdem sich Abg. Vröse (kons.) da: gegen erklärt hat, Wird § 2 unverändert angenommen.

Die §§ 37-23 werden ohne Debatte angenommen.

24 bestimmt: Eine na Maßgabe der ? 22 und 23 begrundeie Rentendankrente Wird auch nach rer völligen oder theilweisen Tilgung im Grundbuch nur gelöscht, wenn das (Gut die AnerbengutSei enschaft verloren hat. Die Löschung erfoth auch ErZu en der eneralkommission.

bg. or e Zentr. beantraßt dafür fol ende Fassung: Eine nacthaßgabe der §§ 2 und 23 egründete entenbankrente wird soweit sie getilgtist, auf Antrag des Ei entbümers im Grundbu gelöscht. »- Der Antragsteller be ründet se nen Antra , indem er si gegen die Bevormundun des igenthümers, wie e die Vorlage enthalte, wendet" es e jeder selbst wissen, was er u “thun habe. bSFwefitidi; „Yen eßbanixrednte eitilgttbisiei, mZsse tdbl:k Sk?“ e im Grund- :: re er en, am er gen mer ypo ar edit aufne men könne. Ein jeder Landwirtk) komme einmal in die Lage, Geld aufneZmen

- Ue dies empfehle es Iich e

zu müffen, die Vorlagé ersÖöwere es ibm aber, billigen kredit I . er

n.

Gebeimer Ober -Rezierun s -Ratb Hermes führt aus erster Linie die Vorlage die Sekaffung eines selbständigen KURZE befißes in der nd einer Ywilk bezwecke' elhß wenn einmal Anerbe durch d e gedachte es ränkung ge? digt werde, mii e die Be cbränkung im allgemeinen niere e auxecbt erhalten beiden

schon im nteref'e des Zustandekommens

und mit Rücksicht auf Stellung, die das Herrenhaus ein enommen

habe, den Antrag Gorke abzulehnen. Eine völlige Strei ung des

ck;:inzips aus dem Antrag würde das Zustandekommen sehr er- weren.

Abg. Herold (Zenit) hält es für die in Betracht komm Güter für zweckmäßig, daß die Löschung nicht zugelassen werde, FLY die Rentenbankrente jxderzeit wiederbxrgestellt werden könne. dringenden Außnabmefallen könne ja die Generck'lkommisfion die Auf. nahme von Hypothekarkredit an der freien Stelle gestatten.

Abg. Kraus e (nl,): Das Bedenken, daß das Herrenhaus nicht zustimmen würde, kann uns nicht veranlassen unsere Ansicht in dieser wichtigen Frage zu ändern. Diese Beschränkung des jedem StaatsbürFr zustehenden Rechts, über eine frei gewordene Stel]: nach Belie en zu verfügen, geht uns zu weit, das ist eine Ueber. spannung des Prinzips. Der Mann wird unter die Vormundschaft der Generalkommisfion gestellt; nicht er selbst, sondern die General- kommission hat darüber zu befinden, ob er den Personal- oder den Realkredit brnu en soll. Wir stimmen dem Antrag Gorke zu.

“Abg. Brö e (kons.) erklärt, daß seine Partei der Kommissions- faffung zustimme. Diese Bestimmung werde erzieherisch auf die Rentengutsbesißer wirken, sie müßten das Gut möglichst schuldenfrei ihren Kindern uberlaffen. ' ' .

Ueber den Antrag _Gorke Wird, da die Abstimmung auch bei der Gegenprobr zweifelhaft „bleibt, durch Auszählung akx gestimmt; dabei stinimen 81 fur i_knd 81 gegen den Antrag, MHHUUZ ist also nicht beschlußfahig, da 217 Mitglieder dazu ge oren.

Präsident von Koller beraumt um 13/4 Uhr die nächfte

Sißung auf 1/23 Uhr an.

69. Sißung vom 11. Mai 1896, 21/2 Uhr.

Die zweite, Bcrathung dcs Gesehentwurfs über das An- erbenrecht wrrd fortgese t. '

Auf Vorschlag des räsidenten von Köller wird die Abstimmung iiber §_24 vorläufig auSqeseßt, weil ,die Doppel- mandatare durch eme zu gleicher Zeit im,.Neichstag statt- findende namentliche Abstimmun verhindert smd und infolge- dessen Wiederum nicht die des lußfähigc Anzahl Mitglieder im Hausennwesrnd isi.

Die'übrigen Theile des Geseßes werden ohne erhebliche Debatte m deroKommisfionsfaffung' an enommen.

Darauf tmrd über die Resolutron er Abgg. von Arnim u. Gen. und den Abänderungsanirag Herold:Wil[ebrand verhandelt.

Dic Abgg. ])1'. Arendt (fr. konsÉr u. (Hen. beantragen, diese Anträ e der Regierung. mit dem suchen zu überweisen, in der nächZen Sejston, in einer Denkschrift die Stellung der Regierung zu den in dießn Anträgen behandelten Fragen dar: zulegen und zur Kenntni des Hauses zu bringen.

Abg. Dr. von Heydebrand und der Lasa (ions): Wir wollen mit unserer Resolution kein obligatorischrs neues Erbrecht einführen, sondern nur ein subsidiär geltendes für den Fall, daß der Erblasser nichts Anderes bestimmt bat. Ein solches Rechtsinstitut können wir nur da einführen, wo Sitte und Gewohnheit eine gexignete Basis dafür abgeben. Und mrt dieser agrarischen Gesetzgebung kann erst dann vorgegangen Werden, wenn die landwirtbscbaftlicbc Lage wieder

auernd eine so gesunde geworden ist, daß man ein Experiment wagen

kann. Mit diesrr Emfcbrankung unserer Resolution faUen viele Be- denken dagegen. Die Ausführungen drs Abg.Klose schoffen weit über das Ziel binans. In der Bestimmung drs Anrrben muß drm Erb- laffer eine genuss? e“Freihrit gewährt wrrdkn, damit er drn geeignetstrn auswählen kann. Wesentlich für uns ist dir Erhaltung des Grund- brfißrs in einer Familie und die Grfchldffcnlyeit des Grundbrsi es; wir wollen damrt kein Sondrrrecht für Wenigr, sondern ein echt für den ganzen Grundbrfiy. In Landesthrilkn, wo infolge des Klimas sich auch ganz kleine Güter halten können, wird allerdings das Anerben- recht nicht paffei1d„scin;_ eine gewiffe Größe drs Gutrs ist erforderlich, um die- Leistungsfahigkeit des Gutes mit dem Anerbenrecht zu erhalten und den Besi er an die Schone zu binden. Mit dem Anerbenrecht auf dieser Ba s kann man wohl die Beschränkungen der persönlichen Freiheit billigen, welrbe damit verbundrn sind. Die Festsetzung einrc Verschuldungsgrenze ist so schwierig, daf; wir keine brstimmten Vor- schläge dafür im einzelnen machen können, da dazu erst genaue thatsächliche Festste'Uungen zu machen sind. Aber wir müssen der koloffalen Verschuldung des Grundbrfives Einhalt thun, sie nimmt immer mehr zu, je mehr der Kaufwertk) steigt. Wenn wir da nicht eingreifcn, werden' wir noch mit einer großrn Kalamität zu rechnen haben und vtelieicht dcn Nußen drs Anerbrnreckpts wieder illu oriscb machen, Die Fidcikommiffe halten wir nicht allein für einen Segen für die Familie, jondern auch für den Staat, aber wir bedürfen einer gründlichen Revision unserer Fideikommißgeseßgebung, die nicht mehr zeitgemäß ist. Die Latifundicnbildung wollen wir auch nicht be- günstigen, den Antrag Herold xn] 3 kkxnnen wir eventuell auch accrptieren, wrnn wir auch prinzipiell aus unserer Fassung beharren, aber den Antrag Arendt können wir nicht acceptieren. Nehmen Sie unseren Antrag an, die Erhaltung des Grundbrsißes wird dem Staat zum Segen gereicben.

Abg. Herold (Zentr.) stimmt der Resolution im Prinzip zu. Das Anerbenrecht müsse auf Grund der Gesetzgebung eingeführt werden können; wo es sich bisher durch Sitte und Gewohnheit ein- gebürgert habe, sei es gegen die bestehenden Gesetze geschehen. Das 1[)ei ein ungesunder Zustand. Da, wo das Anerbenrecht schon bestehe,

cdeute die eseyliche Einführung desselbrn keine Beschränkung, sondern eine ermebrung der Freiheit. Mit der Festsetzung der Verschuldungsgrenx könne er nicht einverstanden sein, denn es sei äußerst schwierig, dafür die richtige Form zu finden. In dem unkt (: der Resolution könne er die besondere Bevorzugung der Fidel ommiß- bildun nicht billigen, stimme aber dem Prinzip zu und empfehle die von im beantragte Fassung. Die AUSJestaltung der Agrargeseß- Fungbdürfe nicht übereilt werden, aber auch nicht zu langsam dor

e en.

bg. Knebel (nl,): Meine Freunde stimmen einmütbig gegen die Resolution, welche den Eindruck hervorruft, da das Gesetz, zu dem sie eingebracht ist, bahnbrechend werden soll. ir können nur für dieses Gesey selbst stimmen, aber nicht für eine Erweiterung, Die Resolution soll eine künftige Ausdehnung dieser Geseygebung an- dahnen , deren Ziele wir noch nicht kennen. Wir bedauern sogar die Einbringung der Resolution, weil sie uns die *Zustimmung zu der Vorlage wesentlich erschwert. Wir werden an gegen die Anträge Herold und Arendt stimmen.

Abg. von Tzschoppe (fr.kons): Auch wir hätten gewünscht, daß die Resolution nicht in Verbindung mit diesem Gesetz, sondern als seibständiger Antra eingebracht wäre, und zwar in einem früheren Stadium der SesZon, wo wir eine Kommisfionsberatbung vor“ nehmen konnten. em Ziel der Re'jolution, namentlich der Erhal- tung des Vesi es in der amilie, timmen wir mit Tanzen! Herzen zu. Das Anek ente that ck in Hannover sehr gut ewä rt, aber es darf nur da einge ührt werden, wo es provinziell den Ans auungen des Volkes entspricht., Die Verschuldungsstatistik bat erschreckende Ergebni e gezeigt. Die bypotbekarische Verschuldung bat &äbrlkcb um 2 i ionen zugenommen; auf diesem Wege kommen w r in zwölf Jahren zu einem Zustand, wo der nominelle Besiver nur noch ein

' aUSnabmslos zu

, der wirkliche B : aber MYPZMM dase en MaMZeln er im er an Wolution ist uns SÜMLFS sebr sympathiscß," die allgemeinere Fassung ;ck Anita s ,?etold 1 nt uns aber anJemeffener. Jedoch wollen 5 ?? mt unserem Anfrage die ReYerung veranlassen, uns das li Material zur Beurtheilung ieser Fragen vor ulegen. Gegen 41/3 Uhr vertagt das „Haus die weitere Éerathung au Dienstag 2 Uhr. Außerdem stehen der Nachtrags - Etat un die 2?nterpellation von Tzschoppe we en der Alterözulagen für die olksschullehrer auf der TageSor nung.

_-

Parlameutarische Nachrichtem

Dem Hause der Abgeordneten ist der nachste ende Entwurf eines Geseßes, betreffend die _Feststellung eines Na trags zum Staatshaushalts-Etat fur dasJabr vom 1.April1896/97,

egangen : zug §

1.

Der diesem _Geseß als Anlage beigefü te Nachtrag zum Staats- aushalts-Etat fur das Jahr vom 1. Apri 1896/97 wird in AUEgabe Ab- und Ugancx) auf 200000 «zz fesFestxllt und tritt dem Staats- ausbalts- tat fur das Jahr vo? 21. pril 1896/97 hinzu.

Der Finanz-Minister ist mit der Ausführung dieses Geseßes be- auftragt-

Dazu wird bemerkt: Bei der StaaWregieruna bestand die Absicht, dem Landtage der Monarchie noch in dieser Ses on eine umfassende Vor1age über den Um- und Neubau des Königii en CbaritÉ-Kranken- hauses in Berlin und die Verlegun des Königlichen Botanischen Gartens daselbst nach der Domäne Da lem dei Stegliß zu machen. Die Ausführung dieser Ab icht ist aber auf unerwartete Schwierig- keiten gestoßen und hat da er einstweilen vertagt werden müssen.

Um so nothwendiger erscheint es, in dem Charité - Krankenhause einem bedrohlichen Mißstand abzuhelfen, drr sicb unabhänkxig von der Feststellung jenes Gesammtplanes beheben laßt. Es bandet sich dabei um die Unterbringung der pathologiscb-anatomischen Sammlung.

Für diese groß:? und einzi artige Sammlung fehlt es an Auf- stellungSräumen. nfolge de en ist ie in dem für die Zwecke des pathologischen Instituts bestimmten ebäude, wie es gerade gehen wollte, untergebracht. Die Sammlungsgeqenstände haben dort nur zum geringsten Theil ordnungsmäßig auf estellt werden können; die meisten sind noch in Kisten derpxckt, agern in dunklsn KeUer- und Bodenräumen, stehen in drei- bis vierfachen Reihen aufgescbicbtet und werden kurzum so aufbewahrt, daß ihre Brnußung für Unter- ri :Szwecke ebenso wie ihre wiffenscbaftliche Ordnung, Bestimmung un Verwerthung nahezu ausFeschlossen ist. Zugleich ist dadurch das Instituts rbäude) in solchem in A1) pm genommen, daß die nächsten ufgaben deSselben wesentlich beemträ tigt werden.

Ueberdies aber und vor aÜem kommt in Betracht, daß das In- stitutßgebäude Weder nacbseiner Tragfähigkeit, noch nachseiner sonstigen Beschaffenheit zur Aufnahme einer so großen und we'gen der vielen Spirituspräparate feuergefährlichen Sammiung geeignet ist. Schon vor einigrn Jahren hat das Institutdgebäude, weil rs dem Einsturz drohte, durch starke bölzere Pfosten im Innern gestützt werden müssen, und eine neuerdings vorgenommene technische Untersuchung hat ergeben, daß die Belastun des Instituts die äußerste zulässige Grenze erreicht hat und weitere icherheitémaßnahmen unerläßlich sind. Zu leich bat LJ) dabei herausgestellt, daß dasselbe wegrn seiner engen ölzernrn

rndeltreppen und Holzbalkendecken sowie mit Rücksicht darauf, daß kick) darin auch ein chemisch-patbologisches Laboratorium befindet, einc eständige und große Feuersgefabr bildet.

Zur Beseitigung dieser Mißstände ist die schlrunige HersteÜung eines besonderen Sammlungßgebäudes geboten. Es wird beabsichtigt, dasselbe am Alexander-Ufer in der Nähe des pathologischen Instituts zwischen der Neuen Charité) und dem Kinderbospital zu rrrichten. Das Gebäude soll 5 Magazingeschoffe haben und feurrficher auSgebaut werden. Es wird außgiebige Räume für die Sammlung auch noch bei ansehnlicher Vermehrung derselben bieten und außerdrm den großen

örsaal enthalten, der für die Benußung der Sammlung unentbehr- ich ist. Nach den im Ministerium der öffentlichen Arbeiten aus- earbkiteten ausführlichen Entwürfen und Kosienansckyjägen merdrn Krb die Baukosten auf 492 000 „.*-a belaufen. Für das erste Baujahr nd 200000 ck: erfordrrlicl).

Dic Deckungsmittrl können drm Fonds Kapitel 121 Tit. 32 rni-

nommen Werden.

Statistik und Volkswirthsthaft.

Einiges über die Arbxits- und Wohnstätten im österrkichiichen Gewerbe.

(Nach den Berichten der K. K. GeWerbe-Iiispskwrcn für 1895.)

Neben dem gewerblichen Lehrlingswesen (vrrgl. Nr. 111 des „Reichs- und Staats-Anzeigers') ist in den Berickpten der österreichischen GeWerbe-Inspektoren für das Jahr 1895 auch den Arbeits - und Wohnstätten im Gewerbe eine besondrrc Aufmerksamkeit u- gewendet worden, und es erscheint wohl am Play, e_inige Wa r- nebmungen und Uribeile aus dem in den Bericbtrn re'icblich gebotenen Material, welche auch in Deutschland interessieren dürften, namentlich auch aus dem von der staatlichen Beaufsichtigung „noch Weniger berührten Gebiet des Kleingewerbrs, bier mitzutheilen.

Vorausgescbickt sei eine allgemeine Bemerkung des Bericht- erstatters für Wien, welche dahin lautet: .Die im Berichtscxabre vorgenommenen Insdizierungen haben die Wahrnehmung best tigt, daß die Beschaffenheit und Einrichtung der Betriebe? in sicherheit- licher Brziebung viel besser als in geWerbe-bygientstber Hinsicht den Anforderungen cntsprechn und daß dieser Unterschied namentlich im Kleingewerbe besonders YIM hervortritt. Die Erklärung hierfür liegt wohl "darin, da die bei Maschinen, Apparaten und sonstigen Bciriebßeinrickptungrn bestehenden Unfalls- Lefahren in der Regel leicht erkennbar und mit geringen Kostrn zu ebeben sind, während die hygienischen Mängel sich nicht in so auf- fallender Weise bemerkbar marden und die Bescitigun derselben Zumeist größere Auslagen bedingt.“ Es stimmt damit, ü erein, was er Berichterstatter für Linz schreibt: „So_erfreulich es ist, berichten zii können, daß fich die Wohnungsverbaltnisse der Arbeiter bei den meisten größeren Unternehmungen alijährlich blffer gestalten, so bedauerlich ist es, bezüglich der Arbeits- und Wohnräume irn Klein ewerbe nicht ebenso ünstige Wahrnehmungen zur Mitthei- lung erngen zu können. Es e t wohl in der Natur der Verhalt- nisse, daß die leider häufig vor ommenden Mißstände nur schwer zu beseitigen sind, wenn dies mit einem relativ größeren Geldovfer ver- bunden ist. Man muß sich oft nur darauf beschränken, das durchzu- übrcn, was wenig oder nichts kostet, nämlich Ordnun , Nein- kcbkeit, Verde erung der Luft u. dergl. Glücklicherweise ?ehlt es auch in diesen eisen nicht an lobenswertben Außnabmen.“

So geneigt die österreichischen Gewerbe - Inspektoren fast sein s einen, eine derartige billige Nachsicht bei der Durchführung gewer e-bvgienischer Verbesserungen im Klein- ZWerbe gelten zu lassen, so beweisen die Berichte, wenn nian auf ie Einzel eiten ein ebt, doch hinreichend, daß im _österreiibiscben Kleingewer e in betr chtlicher Ausvebnung bisher Zustande bestanden haben, deren Absteliun obne Nachsicht gefordert werden mußte und wl) [ in sehr vielen äUen an ohne den Aufwand nennenswertber Ko enzu erreichen war. Ein Bild iervon möge nachstehende ilderun , wt cher der Berichterstatter für Graz einer Stadt mit mmerbn

iablunÄsfä tiger und ansxruchöooller Kundscbaxt, unter anderen von t-

einer nza dorti er B ckereibetriebe gie wobei zu bemerken ist, daß er mit lesen Schilderungden keineswegs allein steht. Er fand in einer Bäckerei z. B., daß er vertikale Abortscblaucb durch

der . t " _ , f “HYLO anaFuFiY:

den Backofen bindur geleitet war. Die Abortkammer war nur dur eine knapp ne en der Einschußstelle in der Backkücbe an e- bra te ?Fallthür zu betreten, deren untere Seite von UngezieJer voll be evt war. n einem anderen Betriebe stand das etwa 1 m unter dem Ho iveau liegende .Burstbenzimmer“ in direkter Verbindung mit dem Abort und war von zwei Seiten yon einem ungedeckten Kanal eingefaßt, in welchemddie anche aus bew. naben P erdestall sicb ergo . _Die Lüftung die es . immerd' erfolgte vor- ne mli durch den bort. In einem drxtten etrieb sind die beiden

ackku en durch- einen engen ?ofraum von einander getrennt, in welchen ein sehr primitiver Abor eingebaut ist; knapp vor diesem ist eine hölzerne ,Rutscbe“, au der die im oberen Stockwerk geformte Teigmasse binabgleitet an wenn nicht geschickt aufgefan en, in _den Schmuß kollert; die Adortfäffer wurden durch die Bro ammer ins _Freie gerYlt. In einem vierten Betrieb lagerte das frische Geback auf Otelxagen im Hofraum; darüber dehnte “ck ein offener Gang, an dessen eisernem Geländer das Abklopien der Kleider und Teppiche bewirkt wurde. In einem fünften Be- triebe „befand sich zwitschern zwei als Schlafräume dirjxenden Verschlagenrm Lokal, we ches, durch eine Bretterwand in zwei Weile ßesthieden, einestbrils als Lagerraum für Salz und Fettstoffe, anderer- eits als Abort diente, u. s. w. Daß Arbeiter und Lehrlinge, ja auch Waarenausträgerinnen in beträchtlicher Anzahl in den Backküchen ihre SchlafsteÜe .baben, diese sogar beibehalten, wenn sie erkrankén, wird außerdem vielfach und nicht nur in Graz wahrgenommen. Man wird, der Auxßchtsdebörde gewiß Recht geben, wenn sie in „solchen und ahnlichen Fa en keine Nachficht übte, selbst wenn die Abänderung unt einigen Kosten verbunden schien. Nach den Berichten ist der Erfolg, wo in'solchen Fällen eingegriffen wurde, fast immer ein dyrchaixs defriedigender gewe en. Auch in anderen Gewerbszweigen ist die Einrichtung de_r _Sch afstellen für die Gesellen und Lehr- linge in den stadt: chen Kleinbetrieben eine derartige, daß das Schlafen der Gese en und Lehrlinge in ländlichen HandWrrks- bexrieben, deren Inhaber nebenher ctwas LandWirtbsCbaft treiben, wahrend der guten IahreSzeit auf dem luftigen Hruboden, während des Winters tm Warmen Stulle „dem gegenüber nicht einmal als schlecht bezei net werden"kann.“ Die Unlust der Meister, den zur Behebung so cher Uebelstande getroffenen Anordnungen zu entsprechen, findet, wie der Berichterstatter für Pilsen u. a. herdorbebt, oft in den „heftigsten Entgegnungen“ Ausdruck. „Viele glauben, daß solche An- ordnungen drn unberechiigten, durch die soziale Strömung_bedingten Anforderungen der ArbEtter entspringen, und vermeinen, zur Vornahme geeigneter Anordnungen um so weniger verhalten werden zu können, ais die jeßigkn Schlafsteilen im Verbaltniß zu den zur Zeit ihrer eigenen Lehrzeit als Schlafraum dienenden Staüungen und Heuböden als nennenswertbr Verbesserung zu betrachten sind."

Was die Wohnungsvterbältnisse der großindustriellen Arbeiter anbelangt, so wird in dcm Vorlagebericht drs Zentral- Gewxrbe-Jnspektors die Forderung, dem Unternehmer für den Fall, dgß offentliche Interessen dafür sprechen, eine „Verpflichtung, für die Unterkunft sein er Arbeiterschaft Sorge zu tragen“, aufzuerlegen, rnit cht auf die gemachten Erfahrungen nis eine ,nur aÜzubegründeie“ ezeichnet. Diess Frage habe heute “c“:ine um so größere Bedeutung, als sehr viele Jndu trieuniernehmungsn ihre Be- rtie sstätxen in, kleine Ortschaften verlegen und in diesen nur zu häufig der sanitatsdolizeiliche Dienst vicl zu Wünschen übrig lasse. In einem klrinen Gebirgsstädichrn, in welchem seit Jahrkn kein einziges neues Haus gebaut worden War,1eiinfolge der Errichtung mehrerrrGroßbetriebe,die 500 zugewanderte Arbeiter beschäftigen, ein solcher WobnungSmangel ein- getrrien, daß selbst Wohnungen, wrlckße kaum für einige Personen au§reicht8n, mit 65 Arbeitern belegx wurden. Der Aufforderung des Y_urgermeisteramts, dieser Kalamitat durch Errichtun von Arbeiter- hausern zu steuern, leistetrn die Unternehmer, keine olge, weil eine geseyliche Verpflichtung dazu für fie nicbt bestebr. Die Behörde mußte nun aus gesundheitspolizeilicben Gründen zu einer zwangs- WLisen Delo ierung der in überfüllten Wohnungen untergebrachten Arbeiter schre ten und leßtere zum Verlassen des Arbeitdorts zwin en.

Demgegenüber wird erfreulicher Weise in vielen Berichten Zest- gestelit, das: der Errichtung guter Arbeitcrwodnungen von den Inhabern der Großbetriebe in zunehmendem Maße eine sehr ancrkrnnenswertbc Fürsorgr zugewendet wird. Auch von anderer Seite wird in dieser Richtung thatfräftia vorgegangen. So hat unter anderem die „aUgemcine Swarkaffe und Pfandleihanstalt in Linz" neucrdings mit§utem Erfolg eine Kolonie don Arbeiter- häusern rrrichtek. 5 ei den vielfach Von Großbetrikben eingsrichtete'n Arbeiterschlafsälcn ist dis für die Beurtheilung der nur zu oft übcrtriebenrn Forderungen aus agitatoriscbrn Kreisen lehrreiche Wahrnehmung gemacht worden, das; sie vielfach von den ledigen Arbeitern, für dic sic hauptsächlich brstimmt sind, nicht in dcm Maße brnußt wrrdcn, als es erwünscht wäre und als der Größe der Räumlichkeiten entsprechen würde. Dcr Grund dafür ist lediglich darin zu suchen, das; schon das grringe Maß don Zucht und Ordnung, welches in solcbcn Massenquartiercn unrrläßlick) ist, den Burschen zu viel ist, und sie drdhald dir schlechteste Unterkunft vor- ziehen. Der eine Berichterstatter sagt: „Dic lerigcn Arbciker ver- zichton auf die qutrn Gratisschlasstcllen aus Gründrn, die beffrr unerörtert dlkiben.“ , _

Zum Schluß sei noch cine chrrkung drs Brrichtcrstaiißrs fur Tropvau über die Verwendung won Kleinmotorcn'im Pand- Werk, welche von den österreichiscycn Géwrrbrbörden in besonders anerkennenswrrtder Weise gsfördcrt wird, als brachtrnéivcrtb mitgetheilt: .Die in manchen mit Motoren ausgesxattcten Kleinbetrtcbrn gemachten Wahrnehmungen können in Uebereinstimmung mit denen mehrerer Amtskollkgen in andrrsn Bezirken dahin zusammengefaßi wcrdrn, daß durch die Einführung des motorischen Vetriebrs in kleiiigswerblicben Anlagen der Zustand der Arbeitsstätten, yorn Standpunkt des Arbeiter- schut3es beurtheilt, nicht selten eine tbatsarbliche Verschleckxterung er- fährt welcbe M) in einer geradezu gefahrlichcn Raumausnutzung, schleÉter Luft, mangelhafter Rrinlichke'it'u. dgl; bemsrkbar macht. Motoren und motorisch betrirbenc Arbrttötnascbinen bedürfrn eben einer fachkundigen Aufstellung und sorgsamen 5136699, an denen es im Kleingewerbe nur allzu häufig mangelt.“, " _

Es liegt auf der Hand daß das htrr bcrnorie Moment fur die weitere Außgestaltung des Ärberterschuyes im Kleingewerbr von ganz erheblicher Bedeutung werden kann. erenfallß lassen, die Berichte der österreichischen Gewerbr-Auf ichtsbeamien daruber keinen waifel, daß auch das Kleingewerbe hin chtlichder Arbeits- und Wohnstatten einer unausgesesten scharfen Aufsicht nicbt entratbxn kann, wenn auch die Gewerbe-Inspekwren allein dicker Aufgabe nicht zu genugen ver- mögen. Die Gewerbe- und Gesund ettspolizei in den Ortsgemeinden wird dabei, wie es nach dem Bericht scheint, auch in „Oesterrei' in erster Linie mit weit mehr Ernst als bisher Hilfe leisten um en, rvenn durchgreifende Erfolge erzielt werden sollen.

Kunst und Wissenschaft. *

Internationale Kunst-Ausstellung Berlin 1896. 1. Historische Abtheilung. (1696-1896.)

11, X(. - Die Königliche Akademie der Künste hat ur würdigen YM Yres ljzweihiindertjährikzen Bestrkens er diesjährigen unst-9 usste ung eine distdri che Abthei ung ein e ügt, die Werke von Lehrern und Mit liedern der„Kunst-

Ho chule aus den beiden leßten Jahrhun erten_ enthalt und damit ein Bild von der Entwickelung der Berliner Malerei und Skulptur in diesem Zeitraum geben soll.

Die Waffent aten des Großen Kurfürstrn hatten den Grundstein zum u au eines reu ischen Koni thums gelegt. Dem nach außen ge chüsten Le en en Schmu _des redens Lu leihen, war eine der ersten, aber auch schwersten ufgaben

es ersten preußischen Köni s. Ohne Ueberlie erung, okene einheimische fckköpferische Kra galt es, aus dem chutthau n, den der dreiß gjährtge Krieg auch den Siegern als einziges -

Erbe hintxrlaffen, Neues, GlanzvoUes au , seiner, Kronung zun) Konig von Preu n fa „_ 1696 den Plgn, auch der bildenden - Vfl gestätte in seinem Staat zu e chien. * dien1:e StaatSmann und Premier-Minister Eber a Danckelmann stand ihm bei der Ausführunx, dieser ] cht _ mit Eifer zur Seite. Der holländische Maier Au u tin Terweften, de en Lehrer Wiclin als Hofmaler des roßen Kurfurstxn nach erlin berufen war, hatte bereits im Anfang der achtziger ahre tm Haag nach dem damals mustergülti en Vorbild der ariser Akademie eine ochschule ein erichtet. Jahre 1690 wurde er von Friedrich . nach Ver in berufen; er wußte dem Kurfüsten, nne Houbraken fa t, die Errichtung einer Kunstakademie ,200 Imajcdljk“ vor u rellen, daßi mder Bqu und die Auflicht übertragen wur en. Sein ruder Elias, der sich in Rom auf ielt, besorgte dort AYüffe von Antiken und erwarb das sch'ne Kunstkabinet des ldhauexs Pietro Beliori für Berlin. „InzwisckJen wurdensechs Sälefur dieAradem1e bestimmt, uihren verschie enen Zwecken eingeri tet und in jedem ein Auféeher oder Le rer angestellt. Im e en Saale wurde die Jugend in den nfangSgründen der Kunst unterrichtet; im zweiten wurde nach GipSabgüffen gezeichnet; der dritte diente als Versammlun Splak der Direktoren; der vierte für den Unterricht in der erspe tive, Meßkunde, Bau- krinde _und Befestigungslehre; der fünfte war für den Unter- richt in der Anatomie, sowie im Falten der Gewänder be- stimmt;,der sechste oder die Lohe S ule war ein großer ovaler Saal, in wel em die erwä nien tatuen (Bellori's Antiken) in der Runde landen und so auf esteUt waren, daß jede auf ihrem Piedesta e gedreht oder oKne Mühe verrückt werden konnte. Als im Jahre 1697 alles vollendet war, ersuchte Terwesten den ürsten und den Hofstaat, den Bau zu be- tchiigen, der ihren Beifall fand.“ Dies waren die be- cheidenen Anfänge der Berliner Akademie nach der Schilderung Houbraken's, die durch Urkunden dahin erweitert wrrd, daß im Jahre 1695 der Berner Miniaturmaler Iosepé Werner zum Direktor der neu zu gründenden Anstat berufen wurde und 1696 der Unterricht im Obergeschoß des von Nehring erbauten Marstalls in der Dorot eenstraße be- gann. Die Stiftun Surkunde wurde erst im Ja re 1699 voll- FIM Aus den erten, durch Streitigkeiten der künstlerischen ivalen wildbewegtcn Zeiten der Akademie sind in der Ausstellung einige Werke Joseph Werner's, Mi aei Probener's und Andreas Schlüter's vertreten. ußer Schlüter's nicht einmal ganz authentischer Büste riedrich's ]. [affen uns dieß Werke kaum bedausrn, daß ie nur in kleiner Zahl an uns gekommen sind. Die damalige Malerei gefwl Lich in mattem EklekticiSmus und gelehrter Allegorie; die Be eutung Werner's lie i mehr auf dem Gebiet der Klein- kunst, als der großen Macrei. In ein besseres Licht wird die künstlerische Thätigkcit der Berliner Akademrker schon gerückt durch die reichhaltige, für die Ausstellung zusammengebrachie Sammlung von Werken Antoine PcHne's, des Hofmalers riedrich's des Großen, unter denen namentlich das jugend- ichc Bildnis; des großen Königs, das Familienportrat des Künstlers, die Barbarina und das Porträt des errn von Erlach hervorgehoben zu werden verdienen, Xreilich it auch Pedne, ein geborner Pariser, in seiner Äqlerer nur ein Nachahmer der größeren Kunst seiner _sran- zösischen Zeit enoffen, aber der liebenSwürdige Geschmack, die Gra ie des ococo leiht seinen Werkxn eine auch heute noch feffe nde Sprache. Von dem 1751 m die Berliner Akade'mw eingetretenen Blaise Nicolas Lesucur haben KK leider für die Aussteüun?) keine Werke aufbrinHen las en. uch der e

folgende Direktor r Akademie Bern ard ? o_de ist nur mit einem der Siadt Berlin gehörigsn * drträt Friedrich's des Großen rrpräscntiert. In eine weitere und bedeutende Epoche des Berliner Kunstlebens führen uns die Werke der Kupfer: stecherGeorgFriedrichSchmidtundDanielChodow_iecki. Schmidt, der zu den genialsten Virtuosen des (Hrabnichels im achtzehnten Jahrhundert zu zählen ist, war allerdings als Maler nicht thätig; einc Röthelstudie von ihm (3631) de- weist eine Fuße zeichZnerische Ve abung. CZodqwiec i, der als Leiter der erliner kademie 1 1 starb, t sich als Zeichner und Maler vortrrfflick) auf der Ausstellung studieren. Ins- bssondere werden auch seine zahlreichen Email: und Miniaiur- malereien sowie die meisterhaften Skizzen zum Tagebuch seiner Danziger Reife lebhaftes Interesse der Berliner Kunstfreunde erregen. Chodowiecki legte dem bewußten Realisrnus in- mitten einer sentimentalen und _von der Verlogenheit fran- ösiscber Schäferpocsic hypnotifierten Umgebung eine Bresche. Seine Schilderungen des deutschen Klembürgerlebens beanspruchen daher nicht nur als Urkunden zur Sittengeschichte in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, sondern auch als echte Kunstwerke gerechte Bewunderung. Von Anton Graff, dem deutschen van Dyck dcs achtzehnten Jahrhunderts, der nur als Ehrenmitglied der Berliner Akademie an- gehörte, find zahlreichr, mit liebevoller Durchführung treffende Charakterschildcrung verbindende Bildnisse, darunter wei Gotthold Ephraim chsm 's,_ und ein sehr Lebendiges des Stcchch Chodowrcc i m der Aussteliung. Sehr dankeanertl) ist auch die Ueberlaffixng einer Rei e von Kartons und Zeichnungen aus dem Besiß dcs Groß erzog- lichen Museums zu Weimar, die den ersten großen Verkünder des antiken Kanons J a co b Asm us Carstens zum Schopfer haben. Die Werke J. Cunnin ham's (3400), des Bildhauers .I. Goittkried Schadow ( üsie Gilly's 3612) und des Rcktors der Aadcmie Friedrich Georg Wettsch (3684 bis 87) leiten hinüber in die Regierungs eit Friedrich Wilhelm's U., aus drr besonders der Bildhauer ichmann (3700: Wasser- schöpferin“) und der 1811 in die Akademie eingetretene Schöpfer des Friedrich-Denkmals Christian Rauch hervorragen. Rauchs Büsten Friedrich Wilhelm's 17, Goethe's, Zelter's und Immanuel Kant's geben allerdin s von seiner Be- deutung nur ein einseitiges B ld. Jahre 1811 wurde auch Karl Friedrich S inkel _an die Akademie berufen, dessen Wirken für das Kunstleben Berlins eine so entscheidende Wendun zum Klas : ibmus bedeutete. Seine Zeichnun en und Bilder, owie seine eatrrdekorationen und ein Bronze runnen, die aus dern Beuth-Schmkel-Mujeum und dem Kultus-Ministerium für die Ausstellung dargeliehen wurden, Zeugen von der ideaien Einseiti keit des roßen Archi- tekten, d e er auf so verschiedenen'Ge ieten bet ätigte. Der Bildhauer C ristian Friedrich T1eck(8662) und der Maler

Wach (867 bis 79) sind unter den Berliner Künstlern im

Gefolge Schinkels und Nauch's noch zu nennen, während

Peter von Cornelius, der,1890 in die Berliner Akademie

eintrat, wiederum eine E cheinun von selbständiger M

es ichtlicher Bedeutung it die reilicb zwei kleinere

? und 3398) nur unzulänglich vergegenwärtigen. Seine-