1896 / 120 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger, Wed, 20 May 1896 18:00:01 GMT) scan diff

den' wenigen Missionaren -- Leute, die theils aus der Kavkolouie, tbeils aus En land gekommen waren. GegenwärtiLnbaben wir, von derTrupve un von den Beamten abgesehen, schon unserem Schuß- gébiet mehr als 200 Deuts e, und unter diesen beßnden fich Ansiedler, die aus der Schußtruppe elbft hervorßegan en nd. Es ist YZF kein [Iclblechtes Zeichen da ür, da „bei je er, blösung. die von“ "d- west- frika nach Deuts land ommt, immer eine. große Zahl der Truppen im Lande zurück selbt. Das nd also Leute, die das Land kW die issen, was ihnen bevor e t, und die die HoffnunEg und MKK)!“ “:“" uversi t haben, daß e in dem Lande eine xistenz fin „e.,n können. möchte auch hervorheben, da? ungeachtet der Un oberen Zustände dauernd Anfiedler nach SüdwesZ-A rika auswandern, und daß endlich auch nach einen; allerneuesten Bericht, den der säcb. sche Lieutenant ])r. Hartmann erstattet hat, die Exploration des S uh- gebiets auf Metalle noch lange nicht als beendet anxeseben werden kann, daß aber in jüngster Zeit erst wieder ganz edeutende und wertbvolie Guanofelder gefunden worden sind. II glaube, daß alle diese Berichte doch immerhin als ein Beweis betra tet werden können, daß unser Schutzgebiet, wenn auch in langsamer, so doch in günstiger Entwicklung be rtffen ift, und wir werden„diese Meinung für um so begründeter alten, wenn wir die Zustande bei uns vergleichen woliten mit den uständen in den bena Meine Herren, i möchte noch auf einen Punkt bier vorwe ein- eben, von dem i überzeugt bin, daß auch er wahrscheinlich in d 8 De- atte eworfen werden wird oder eworfen werden könnte, näm- lich au? den Einwurf, daß wir durcß die roßen Mittel, Welche wir hier für unser Schu gebiet verlangen, ni t sowol deutschen, als wie englischen Jnteresen entgegenkommen. Meine erren, auch diese Bemerkung würde eine vollstandig unrichtige sein. ck habe ja schon zu wiederholten Malen Gele enheit gehabt, vor die em hoben Hause meine eigene persönliche Ste ung zu diesrn englis en Gesellsckpaftcn zu k?nnzeiehnen. Aber ich te hier nur noch eins bewndrrs beworbeben. Als diese englischen esellschaften konzessioniert worden find, war in der That den deutschen Gesellschaften, die in Südwest- Afrika Jnterrffrn zu vertrrt-In Hattrn, ihr Kapital völlig aus egangen; das Schußgebirt war von dcn vcrschiczcnsten Seiten so in ißkrcdit gebracht, das; es unmöglich War, bier in Deutschland noch grwße Ka- pitalien für dasselbe und für dc-ffen Entwicklung zu finden. Damals sind die englischen Geselischaften konzessioniert worden, und seit diesc'r Zeit hat sich der Zuspruch des dkutschen Kapitals“ um ein ganz Erhebliches vermehrt, und man kann ziffermäßi nachweisen, daß das deutsche Kapital, welchs zur Zeit in Südwe t-Afrtka investiert ist, sehr erheblich größer ist als zu der Zeit, brvor die englischen Ge- selischaftkn dort komßssioniert waren. Im übrigen möchte ich auf eins noch aufmexkxam machen. Diese englis en Gesellschaften haben, wenn Sie wollen, zur Zeit noch gar eine materiellen Interessen an Südwest-Afrika, sie haben nur eine ganz be- trächtliche Summe Geldes ausgegeben, urn E peditionrn und Explo- rationen des Landes zu Veranstalten. Dirie xpeditionen sind noch nicht zu Ende, die englischen GeseÜschafien stehen erst Vor der Arbeit. Also, wenn wir heute von Ihnen wiederum eine erhebliche Unter- stüßung für SüdWest-Afrika verlangen, so geschieht es nicht um fremder, sondern um der eigenen deutschen Interessen willen. Nun babe ich Weder den Beruf noch die Zuständigkeit, allgemeine politische Ges1chtspunkte hier :*rörf-“rn zu wo en, und ich will es auch nicht thun; aber ich Llanbe, es würde eine gewisse Lücke in meinen Aus- führungen zurück leiben, wenn ich nicbt wenigstens die Andeutung machen onte, daß die Aufrechterhaltung der deutschen Yerrschaff in Südwest-Afrika nicht allein ein koloniales, sondsrn cm ein all- gemein deutsches politisches Interesse darstelit. (Sehr richtigI Die verbündeten Regierungen find der'Ansicht und hoffen dafür an die ufiimmung, wenigstens der überMegenden Mehrheit dieses hohen an es zu erlangen, daß wir unter keinen Umstanden und zu keinen eitcn unsere deutsche Herrschaft in Südwest-Afrika aufgeben können und aufgeben werden. (Bravo!)

Wg. Richter: Die Berliner Banquiers fan en an kühl zu werden in Neu- Guinea, fie wollen die Sache an das Reich über- tragrn. Welche Hoffnungrn hat man_ nicht auf Wissmamr's Er- nennung gesetzt, und nun kehrt er auf langeren Urlaubzurück, und man bezweifelt, ob er je wieder nach Ost-Afrika gehen wird. Für Südwest- As'rika verlangt man eine Verdoppelung des Reithzusäyussks. Wie leicht wird es, solche AuEgaben für Südwest-Afrtka zu bk-xntragen! Jn PrrrÉZc-n ist dagegen ein LebrerbesoldungSgesr gescheitrrt, weil der Finanz- inister sich nicht dazuderstand, LZ iÜionen Mark Her- zugeben. Steigende Angaben m Südwest - Afrika, aber keine wirtbscbaftlicben Erfolge. Früher begnugte man sich- die Landes- hoheit zu markieren durch emen Gouvxrneur und einen Sekretär; das kostete 30000 «ck Dann erbixlt er eme Leibgarde Von 50 Mann. Dann begannen die Händel mit thboot, und sofort wuchs der Rricbs- zuschuß in die Millionen binein. Vkit Ende des Etatsjabres werden 10 Miliionen hineingesteckt sein. Der S_tolz, daß da 200 Deutsche find, ist also nicht so besonders gerechtfertigt. Ohne die Schu truppe würden es nur 20 bis 30 Deutsche. sern, welche eine selb tändige wirtbschaftliche Stellung hätten. Das tft keine Unterlage für eine Schuß- berrschaft, die rößer iii als Deutscbxand seihst. Wenn das Land einen Werth Hätte, hatten die En [ander mcht bis zu unserer Jaggenbiffung gewartet, sondern das and. selbst m Befiß genommen.

ie englische Gesellschaft ist über Expeditionen und Explorationen noch nicht binaußaekommen. Trotzdem wrrtbscbaftlicbe Interessen nicht in bedeutendem Maße vorhanden find, _wächst di:- Gefahr der Ver- wickelung mit den Hirten und Nomadenstammxn, die sich ihre Bezirke nicht vorschreiben iaffen wollen. Diese Aufstandischen, wie man fie nennt, vertbeidigen ihr natürliches Recht. „Wenn sie besiegt Werden, ziehen sie sich wo anders bin, und dann fangt die Geschichte wieder von vorne an. Gefährlich wird der Aufstand, weil die Eingeborenen mit Hinterladern versorgt sind. Man sollte diese ganze geträumte Herrlichkeit aufgeben. Eine nationale „Ehre ist dort nicht ver- pfändet: es ist ein einfacheöwirthsckpaftli es Unternehmen, welches man aufgiebt, wenn es fich als wirthschaft ich nicht rentabel erweist. Wir können es denchSteuerzablern gegenüber unter Vernachlässigung anderer näher liegender Kulturaufgaben nicht verantworten, diese Gelder zu bewilli en. Die Hereros, Hottentottkn und die anderen Bundesbrüder sin keine Schußtruppe wert!).

Ab. Graf von Arnim (Rp.): Der Ton der Reden des Abg. Kichter ist "a bekannt, ich kann deshalb darüber zur TaxesordnuF über 6 en. Die Gefchichte wird urtbeilen über diese Haltung. enn err Richter und seine Freunde Hand in Hand mit uns ge angen wären, dann wären solche Verwickelungen nicht entstanden. enn die ProphezeiuYen drs Vorredncrs richtig wären, müßten wir uns ja verbluten in üdwest-Afrika. Aber wir sind sehr viel weiter, als man annimmt, wknn auch Südwest-Afrika kein Paradies ist. Nach Herrn Richter müßten wir, wie ?annibal Fischer die deutsche Flotte, Sudwest-Afrika unter den Hammer ringen und ver- auktionieren! Würde sich dagegen das deutsche Nationalgefübl nicht auf- bäumen? Ich danke der Regieruxrg dafür,_ daß fiesich entschlossen hat, diese Vorlage zu machen. Die Kampfe mtt Witbooi haben sich Jahre lang hingezogen. Das System des Fabius Sunabubor ist endlich auf- egeben und man hat eingesehen; daßs nelle Siege biliige Siege sind. ZLeil Witbooi seine Wanderzüge ni t mebr ausübt, haben die

reros eine größere Freiheit der Bewegurxg erhalten, und es muß mit LTM! einmal abgerechnet werden; es 111an sogenannte Lokationen

errichtet werden, wie für die Indianer in merika. Ich be rüße die Absendung der Schu jruppe, weil wir die Crfa_brung g(ma t haben, da ein grö erer Tßeil der Mannschaften druben bleibt und sich an redelt. an sollte für die Schußtruype ,nur Bauernsöbne oder Handwerker anwerben, keine Städter, weil dtese_ fich drüben nicht so wobl fühlen. Die englischen Gesellschaften mu tkn einer strrngen Kontrole unterzo en werden. Der Direktor einer ieser Gesellschaften ist zugleich Dire or der Chartered Company. Durck) diese Aktion werden wir herveisen, daß wir die Ab cbt haben, Südwet-Afrtka zu behalten egenüber der großen Amal) der Gegner, wel _es Aschon für Ueber e_hun halten, dF wir es überbaxtpt waßen, m Trike: Kolonien zu aben. In ongkong sind zwei Deut che rzerurt eilt worden: es hieß zuerst, zu Zwangöarbeit, jevt soi] bloß eme Geld-

„Kapitän

bartc'n englischen Kolonien. '

"är e au esprocben ein. Es wäre mir erfreulich zu hören, ob das 1:1 im e der nade geschehen ist. „_ Stk sekretär des Auswärtigen „Amts, Staats-Minister Freiherr arschall von Bieberftern: *

Mir liegt über die von dem Herrn Vorredner berührte An- gelegenheit wegen der Bestrafung zweier Deutschen in Hongkong nur ein kurzer tekegrapbischer Bericht unseres dortigen Konsuls vor. Danach hat die Sache sich in der Weise zugetragen, daß der und der Arzt des Posidampfers „Hobenzollern“ an einer inmitten des Hafens gelegenen befestigten Insel gelandet sind, deren Vetretung durch ein besonderes Strafgeseß verboten ist. Der Kapitän und der Arzt wurden verhaftkt und in einem gerichtlichen Verfahren, vermuthlich weil man annahm, daß sie der Spionage Ver- dächtig wären, bestraft, der eine mit drei Monaten, der andere, der einen pbotograpbischen Apparat bei sich trug, mit vier Monaten Zuchthaus. Es ist sofort unser Konsul eingetreten und bat die Wiederaufnahme des Verfahrens bewirkt, und es wurde wieder in einem gerichtlichen Ver- fahren das frühere Urtbeil abgeändert und gegen beide Angeklagte auf eine Geldstrafe von 100 Dollars erkannt. Etwas Weiteres weiß ich im Augenblick über die Sache nicht; ich muß erst den schriftlichen Bericht des Konsuls abwarten, um mir ein Vollkommen sicheres Urtheil über den ganzen Verlauf der Angelegenheit zu bilden.

Abg. Dr. Fasse (nl,): Bei der Sachlage ist es geboten, die Vorlage mögii t schnell zu erledigen. Ich gehe dabei vqn der Ansicht aus, daß die * erichte des Majors ron Leutwän hinrerchendes Ver- trauen Verdienen, daß eine Zwangslage Vorlikgt, schnell die Bewilli ung außzusprechen, Weil wir es für selbstverständlicb haitén, daß deses Schußgebirt festgehalten werden mu . Wir hoffen, daß es bald ge- lingen wird, durch wirtbschaftliche ufwendun en, durch Entwickelung dcr VerkehrSverhäitnisse die errsckpast so zu efestigrn, daß die Auf- wendungen nicht mehr so groß zu sein branchen.

Abg. Dr. Förster-Neu tettin (Reform-P.): Für eine aligrmeine Kolonialdebatte eignet sich die Frage nicht. Wenn die Hottentotten keinen Schuß Pucher Werth sind, dann wollen wir befferc Leutr an deren Stelle seßen, nämlick) unsere Landsleute, dc: sich das Land sehr gut zur Ansiedlung eignet. Es handelt sich schließlich heute nicht um die Frage, ob wir kolonisieren wollen odcr nicbt, sondem darum, ob wir unsere Landsleute dort retten wollen odrr nicht. Unsere Ehre erfordert es, unsere Steliung aufrkcbx zu erhalten. Der Auf- stand soll durch englische Einflüsse veranlaßt sein; daVon ist bisher nichts erwähnt worden.

Abg. Prinz von Arenberg (Zentr.): Wir erkennen die geschäft- liche Zwangslage an und acceptieren die Vorlage, die wir mit Freuden bcgrüÉen, weil die Regierung dadurch von dem System abgewichen is!, xpeditionen zu unternehmen, ohne vorher die materielle Ge- nehmigung des Reichstags nacbzusuchen. _ '

Abg. Graf zu Limburg-Stirum (d. kom.) crkla'rt ebenfalls namens seiner politischen Freunde die Zustimmung zur Vorlage» die ihnen sympathisch sei, weil diese Kolonie dicjenige sri, wohin die Deutschen auswandern könntén. Daß dabri K'dnfliftc mit den Ein- geborenen vorkämen, sei selbstverständlick). Wenn man die Kolonie erhalten wolle, dann müsse man auch ganze Arbeit machen und namentlich Eisenbahnen bauen.

Abs. Richter: Der Vergleich mit der Auktion drr deutschen Flotte rst nicht zutreffend.! Das war eine Schwächung drr deutschen Wehrkraft, während Ls sich Hier darum handelt, Mittel zu besseren Zweckcn zu Verwsndrn. In SüdestAfrika können Deutsche sich ansiedeln; aber es fehlt an Wasser und Holz, und dadurch ist die ganze (Entwickelung unterbunden. Graf Arnim meinte, ich hätte das deutsche Kapital abgsscbreckt. Da bin ich mir erst bewußt gk.- wordrn, was ich für cin mächtiger Mann bin. WEnn dort etwas zu holen wäre, dann würden "Wink? Nrden nicbt abgeschreckt habsn. Hinter den Kolonialfrrundsn sind so viele Millionäre, daß diese allein das Kapital für die Kolonien aufbringen können. Bilden Sie doch Gesellschaften zum Bau Von Eisrrwahnen 0an Reich§garantick und arben Sie nicht immer das Reich an!

Abg. Graf v o n A r n i m : (Ts giebt dorj etwaßzu Holen ; weshalb hätten denn sonst die Engländer sich so beeilt, dkn Guano wegzubolsn? Wie lange sind die Boeken in Transvaai gewesen, ehe (Gold grfunden wurde! So kann es in Südwest-Afcika auch gehen. Aber Zeit und

Geld wird es kosten.

Damit schließt die erste Bcrathung. Die einzelnen Titel des Nachtrags-Etats werden in der zweiten Berathung ohne Debatte gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Frei- finnigen genehmigt.

Abg. Dr. von Bennigsen (nl,) beantragt, sofort nach Schluß der heuti en Siyung eine Sisung zur Erledigung der dritten Be- rathung ßattfinden zu lassen.

Präsident FreYiZerr von Buol ist damit einverstanden und seht, da ein iderspruch nicht stattfindrt, diese Sißung auf Nachmitta s 4 Uhr fest.

Auf der agesordnung steht weiter die dritte Berathung des Geseßentwurfs, betreffend den Abgabentarif für den Kai er Wilhelm-Kanal.

bg. Jebsen (nl,) empfiehlt dringend eine Reform drs Tarifs, und zwar müsse derselbe so einfach wie möglich gestaltet werden. Besonders empfiehlt Redner, den Zuschlag für die Wintermonate zu streicbkn.

Staatssekretär des Innern, Staats-Minister [)x'. von Voetticherx

Ich bin mit dem Vorredner ganz einverstanden, wrnn er den Saß aufgestelit hat: je einfaeher der Tarif, desto besser. Von diesern Gesichtspunkt haben wir uns auch leiten laffcn bei Aufstellung des provisorischrn Tarifs und wenn bisher unter der Hsrrschaft dieses Tarifs die Frequenz nicht so sich entwickelt hat, wie wir das wünschen müffen schon im Interesse der Deckung unserer Verwaltungskosten, so bin ich weit daddn entfernt, die Schuld davon nicht aucb mit auf die Normierung der Tarifsäße zu schieben. Ich glaube allerdings auch, daß wir den Tarif werden korrigieren müssen, und die Konferenz, die wir gegenwärtig zusammcr-berufen haben, und die aus Sachverständigen zusammengeseßt ist, wird uns hoffent- lich die Gefichtspunkte angeben, nach denen man mit Ausficht auf eine Vermehrung der Frequsnz den Tarif zu reformieren hat. Aber eines bitte ich dabri zu bedenken: so ganz irrationell, wie es nach den Aus- führungcn drs Herrn Vorredners den Anschein gewinnen könnte, ist doch dieser Tarif und insbesondere aueh der Winterzuschlag nicht ge- wesen. Wenn wir den Tarif abgestuft hätten nach Maßgabe der Entfernung, wenn wir also dem Verkehr aus denjenigen Häfen, von denen aus die Durchfahrt durch den Kanal einen größeren Vortheil bietet, auch höhere Tarifsäse auferlegt hätten, so würden wir eben gegen den von dem Herrn Vorredner an der Spiye seiner Ausführung gestellten Saß: je einfacher, desto besser, verstoßen, wir würden uns wenigstens nicht ganz im Einklang mit diesem Saß befunden haben. Gerade dieser Saß ist es gewesen, der uns damals zu der Ansicht geführt hat, es sei besser, einen einheit- lichen Tarif zu machen. chn wir aber den Winterzuschlag daneben festgeseßt haben, so entbehrt auch diese Festseßung nicht einer guten Begründung. Es ist klar, daß die Kanalverwaltung im Winter höhere Verwaltungskosten aufzuwenden hat, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Unsere Eisbrecher müssen thätig sein,

wir brauchen vermehrte Beleuchtung und“ ein größeres Personal, alles * '

dies rechtfertigt _schon an fich den Winterzuschlag. Außerdem wird aber der Zuschuß auch dadurch gerechtfertigt, daß im Winter für die Schiffe der Weg um Skagen sehr viel gefährlicher wird, und daß der Vortheil, "dem die Schiffe bei der Wahl des Kanals haben, sehr viel größer ift, als im Sommer. .

Allein, ich will nicht leugnen, daß ich kein Freund von der Auf, rechterbaltung des Winterzuscblags bin, ich würde für seine NUfhebung mich erklären können, wenn man auf einem anderen Wege dazu ge- langen kann, die Frequenz zu heben und außreicbende Deckung für unsere Verwaltungskosten zu beschaffen. Das ist das Ziel, was ck als guter Hausvater anzustreben habe, und ich hoffe, daß es zu er- reichen sein wird.

Ich mache dabei noch auf eines aufmerksam. Die Erfahrung, die man beim Suezkanal gemacht bat, spricht eigentlich nicht dafür, daß man jagt zu einer Herabseßung des Tarifsaßes übergeben sollte; denn beim Suezkanal smd die Einnahmen in den ersten Jahren _ mir sind die

Zahlen nicht gerade zur Hand -- außerordentlich gering gewesen,

und da ist man zu einer Erhöhung der Gebühren übergegangen, und erst von dem Moment an, in welchem die Erhöhung der Gebühren eingetreten ist, hat der Suezkanal weitaus böbere Einnahmen erzielt als früher. Ich will dieses Rezept nicht als ein absolut wirksames bezeichnen (Heiterkeit) und irh werde mich jrdenfalis bemühen, dahin zu streben, daß das Ziel, was wir erreichen müssen: flotte Fahrt durch den Kanal und gute Einnahme, möglichst bald erreicht wird, (Bravo! rrcbts.)

Abg. Dr. Hahn (6. k. F,) Empfiehlt eine besondere Berücksichtigung der deutschen Küstenschiffabrt, die in Bezug auf den Tarif der aus. ländischen vollständig gleich esieilt sei. Redner beruft sick) auf sing Resolution, welche der Rei Sta in diessr Beziehung bei dem Binnrn. schiffabrtsg€seß angenommen daß». _ „. _

Abg. R1ckert(frs.Vgg-) meint, daß diese Resolution wohl nur aus Versehen angenommen sei“ man habe garnicht gehört, daß der Präsident fie zur Beratbung geteilt babe.

Staatssekretär des Innern, Siaats-Minister ])r. von Boetticher:

ka Hrrrn Abg.1)r.Habn Habe ich auf seine Anfrage Fol, gendes zu erwidern: Wir haben nach Erlaß unseres Küstenscbiffahrts. Gesryrs bis zum Jahre 1886 die holländische Flagge von unserer Küstenschiffabrt ausgksckyloffen. Das Hatie' gewisse voiitiscbe Nach- tbeile grgen sich, und im Jahre 1386 fanden wir, daß es gerathener sri, auch die niederländische Flaggr der dmrtsckpen in diesrr Beziehung glsicbzustcilsn. (Hört, hört! r€chts.) Wollten wir jetzt dazu über- grben, die niederländisckpe Flagge wiederum schlcchi€r zu straen als dir deutschr, so würde das meines Erachtens ein frindseiiger Akt ssia, der doch mindestens durcb irgrnd Link:! Vorgang grrschtfrrtigi sein müßte, bki dem uns die Niedrriänder unbkqwem grwordrn sind.

Nun liegt ja die Sache so, und das ist ausdrücklich beiErÖffnung drs Kaiskr Wilhelm -Kanais von AÜcrböchsier Stelle proklamiert worden, daß wir neidios aiicn Völkern unft'ren Kanal öffnen woiierr, und darum ist eiue differenzielle Behandlung der Verschi2denen Flaggen hinsichtlich der Kanalgebühren nicht gut möglich, (Sehr gut! links.) Ich glaube auch, daß, wenn die Ge- wäbrsleute des Herrn Dr. Hahn sich die Sache näher ansehen, fie kaum Grund Haben, sich zu beschweren, namentlich wem: sie berücksichtigen, daß grradk die' Fsstscsung des Tarifs, wonach die Schiffe mit einem geringeren Tonnengebalt als 50 t; eine tarifarischc Begünstigung crbßlten, den deutschen Schiffrn in crsté'r Linie, und ich möchte sagen eigentlich aussckplirßlich, zu gute kommt. Orc Dänen allerdings partizipic'ren auch daran, aber wcnigrr, und am allerwenigsten die Niederländer, und das lieg? darm: daß die nirderländiscben Küstenfabrzeuge in drr Msbrbeit einen TOURIN- Jsizalt badm, der größer ist als die Grenze, welche im Tarif aufgr- nommou isi. Ich möchte daher glauben, daß eine zwingende Ver- anlaffrmg nicht vorliegt, bier allgemein und noch dazu gegenübkr einem rinzelucxx Lande eine differenzirlie Behandlung eintreten zulassen. Man kann ja vielleicht auf dem Wege dazu kommen, den der Abg. Rick?» angeregt bat, daß man nach Maßgabe der Entfernung, nach Maßgabe drs Vortheils die niederländischen Schiffe anders steüt

als die deutschen, vorauögeseßt, daß sie ihre Schiffahrt betreiben von ,

einem Hafen aus, der größeren Vortheil von dem Kanal hat als

andere Schiffe.

Der Gesichtspunkt, der. drr hat, kommt naturgemäß bei augenblicklich schweben, zur Geltung. Er ist auch früher. wie ich vorhin bemerkte, nicht anerwogen geblieben. Ob esdazu kommen wird, eine solche Abstufung nach Maßgabe des Vortheils für die einzelnen Schiffe in den Tarif cinzufübren, kann ich in diesem Augenblick noch nicht üderschrn. Aber die verscbirdenrn Anregungen, die biék im Hause grgebrn sind. werden einmal in der Kommission, sodann aber im Bundesrat!) bei der dcßnitiden Feststellung des Tarifs berücksichtigt werden. (Bravo!)

Abg. [)1'. Hahn: Den Holiändern wurde 1886 ein Geschenk ge- macht, während die dsnisckyen Küstcnschiffer in Holland keinr Br-

ä ti ung finden. ' , M MM. Jcbsen bleibt dabei, daß der Winterzuschlaq beseitigt

werden müffe. Der Hinweis auf den Suezkanal sei nicht zutreffrnd. da der Umweg um das Kap der guten Hoffnung länger sei als der um Kap Skagen. ' _ " . .

Die Vorlage wrrd darauf m endgulttger Abstimmung genehmigt. _

Sodann wird die Wahl des Abg. von D iembowHk-Botxüt (Rp. beanstandet und die Wahl des Abg. rufen von Bis- mar (b. k. F.) für ülti erklärt, . , .

Zum Mitgliede er eichS:Schuldenkomm1ssmn wrrd Abg. Schall (d. kons.) durch Zuruf Fwählt. . '

Schluß 31/3 Uhr. Nächste ißung_pra?1s 4 Uhr, (Dritte Beratbung des Nachtragsttats für Sudwet-Afrika.)

Herr Abg. Rickert aufgesteüt den Verhandlungen, die jetzt

94. Sißung, & Uhr.

In dritter Berathung crledigtdas aus ohne jede De_batte

den NachtragJ2sEltbat f;;ir Haß üdwbeftaxrikantschs S u ebiet; e e 2 wir en ig ene mig.

ch SßciYuß 4 Uhr 10 Minuten. Nächße Sißung Dienstag, den 2. Juni, 2 Uhr Na mittags. (Nachtrags- Etat und Anleihegeseß; Verträge zwichen dem Reick) und Japan und zweite Lesung des Depotgeseßes.) ,

,. „---

. Preußischer Landtag. _ Herrenhaus; - 15. Sißung vom 19. "Mai 1896.

Aus der“ “TageSordnung steht zunächst der Kommissions- bericht uber die Novelle zum Geseß, b-treffend die Errichtung einer entralanstalt Kur örderun dcs genossen- schaft ichen Persona kred ts (Erhößung des Grund-

kapitals von 5 auf 20 Millionen Mark). Berichterstatter Herr von Graß beantragt die underänderte An-

nahme der Vorlage. . Freiherr von Durant: Die Gründung der ?entralgenoffen- rfriedigt. Die

schaftskaffe hat ein lebhaftes Bedürfniß im Lande Anregungen dazu sind schon vor Jahren seitens der (Genossenschaften gegeben worden. Der Umfang der Geschäfte der Kasse hat sofort gezeigt, da?F ein Kapital voxr :“) Miliionen nicbt außreicht, und meine politts en reunde nd rmt dex Crböhnng des Grundkapitals auf 20 Mi ionen einvertanden. Dre Entwicklung des Personalkredits neben dem Realkredt ist eins_ der Oaupterforderniff? für die Land- wirtbschast. Der Personalkredrt muß auch solchen Personen zugänglich gemacht werden, denen er bisher Verschlossen war. Wer nichts weiter hat als seine Arbeitskraft und seinen guten Willen, muß auch des Kredits tbeilbaftig werden, z. B. dir Handwerker. Wenn das Kapital der Kaffe erhöht wird, kann fie erst ein wirkliches sozialreformatoriscbes Werk werden. Die Kaffe hat sich bei der Konvertierung der Pfandbrie'fe fördérlich erwiesen. Die weiteren Ausführungen des erners bleiben wrgen der Unruhe im Haus? auf dsr Tribüne unverständlich.

Ein Regierungskommifsar führt aus, daß drr Wunsch nicht erfüllt werden könne, daß die Zentral-Genoffenschaftskaffe direkt mit drn einzelnen Genossenschaften in Geschäftsverbindung trete, dknn nach drm Gesetz dürfe sie nur mit Geno enscbaftsverbänden in Verkrbr treten. Die Handwerker müßten erst enoffenschaft§derbände gründen.

Die Vorla :: wird angenommen. _

ES folgt er Bericht der Eisenbahnkgmmisston uber die Krrditvorlzrge (Sekundärbahnbauten, x'orderung der Klein- WWW; Errichtung von lnndwirthschaft ichen Getreidelager: häu ern). _

Berichtrrsiatter Herr v on B reitenbancb beantragt die Annahme der Vorlagr Mid foigrnder Resoiutionen:

&) dir Re ierung zu LksUÖSU, Anordnung dahin zu treffen, daß in Zukunt zur Ermittelung der Grundjvrrtbe und Wirth- schafi§erschwern§Isch w€lche den an Stsllc' dsr Grunderwerbskosten zn leistendrn auschsumchn zu Grundr zu legen find, Sach- verständige gutachtlicb zu hören sind, weiche Von den zahlungspflichtlgen 3?örp€rschaften brstht werden;

b) die Regierung möge Versuche Urid (Ermiiic'lungen über die unserer landwirtbschaftlickpen Produktionseigeuart und übrr die Unjeren heimischen Verkehrsbrdingungen am besten entsprechender: Formen und Einrichtrrngen _der Kdrnbäusrr anordncn.“ .

In der, Generaldiskussxon mird zunächst über dre Eisenbahn- angelegenhetten verhandelt.

Graf von Klinckowstroem be'mängelt die Berechnung der Grunderwerbskoste'n, die Von den Interessenten aufzubringen seien, und die Festseyung des Pauscbquantums an Stekle der zu e*ntrichtenden Grunderwerbskosten.

Minister der „öffentlichen Arbeiten Thielen:

Ich möchte zunächst bsmerkrn, daß dies Verhandlungen mit dem Krrise wrgen der Linie Goldap-Angerburg brreits abgeschlossen sind, WW daß infolgedeffln die Staats-Eisenbabnvrrwctitung in die Lage grskyt ist, die erforderlichen Vorarbeiten zu machs". Ick möckote abcr nochmals darauf aufmerksam machen, daß der Staat nach dem Gesetz nicht eher Geld ausgeben kann, bis die Vorbedingungen crfüilt find, und dazu gebört die Klarsteliung der Grundrrwerbsfrage. Erst dann kann mit dc'n Vorarbeiten, die br- kanntlich viel Geld kosten, brgonnen werden, Weil wir Vorher keinen Fords haben, auf den wir diese Kosten anweisen können.

Was dir zwritk, FM,)? anlar-„xi, sd lirgi diese allerdings schwie- rizér. Ick bin ja srbr *,;"rn L*:rrit, i;;ii drm. brireffrnden Kreisen nochma1s in Unterhandluug zu Zretrn; irh glaubs aber kaum, daß sich ein anderer Weg wird finden lassen, drr uns aus dem Dilrmma berausiührt, als der, daß auf Grund der abgeschloffenen Verträge die Kreise den Grunderwerb selbst in die Hand nehmen. Denn durch das Gesetz smd wir gebnndkn, das Pauschquantum in der Höhe, in der es ermittelt woran ist, auch einzufordern. Ich bin gern bereit, mit dem Herrn Finanz-Minister die Frage nochmals zu erörtern; beute sehe ich jedoch keinen Ausweg aus dem Dilemma, als den, daß die Kreise den Grunderwerb selbst in die Hand nehmen.

Eine andere Frage ist die, und die ist ja bereits auch in der Kommission dirfes hobkn Hausks crörtsrt worden, ob es nicht in Zukunft zweckmäßig sein möchte, die Ermittrlung des Pauschquantums nach Anhörung von Sachwerständigen der Kreisc bcziehungßWeise der bstreffendcn Gemeinden auszuführen, und zwar in der Weise, daß auf Grund dieser Gutachten klarzustellen ist, welche Durschnittswertbe die betrkffc-knden Bodenarten in den Fluren baden, die von der Eisen- bahntrace brrührt werdrn. Wenn derartige Vorermittelungen mit den Lokaibchörden und lokalrn Sachwerständigen rrfolgrn - sie sind üdrigens schon jest, wenn auch vielieicht nicht in solchem Umfange, thatsächlich erfolgt _, dann wird es in Zukunft wahrscheinlich möglich sein, näher an die wirklichen Kosten mit der Taxe des Pausch- quantums heranzukommen. Ich bitte aber dabei zu berücksichtigen, daß außer dem Wert!), der ja vrrbältnißmäßig leicht festzusteüen ist, dem eigentlichen gemeinen Bodenwertb, zwei Faktoren in dem Pausch- auantum zu berücksichtigen smd, deren Tarierung außsrordentlick) schwer ist: erstlicb die Wirthschaftsctschwerung. Wenn die Bahn noch nicht s?.seßlich gcnkbmigt ist, so findrn sich der WirtbschaftSerschwrrungen kabältnißmäßig seßrwenige; ist aber die Bahn berkits in ein Vol]- !tandig fe'stes Stadium ge'treten, ist fie bereits in Fleisch und Blut Libergegangen, so finden sich nachträglich der Wirthschaftscrschwer1mgen eine große Menge und zwar der verschiedensten Art. Die Staats-Eisen- b«bnverwaltung steht dem auch ziemlich wehrlos gcgrnüber; fir kann "Uk hoffen, daß die Landes-Polizeibehörde bei dem polizriliÖcn Termin das Ueberflüfsigexabscbneidet. Immerhin steckt abkr in diesem Faktor eine ziemlich unübersehbare Summe Geldes. Der zweite Faktor ist nach meiner Erfahrung von noch größerer Tragweite; das ist derjenige Faktor, der sich dadurch herausstellt, daß die zwangsweise Enteignung böbkke Werthe bezahlt und auch gerechtfertigter Weise bczdblen muß als den gemeinen Werth; wieviel aber, das ist von Vornberein "Wk zu übersehen. Wir haben Fälle, wo wir das Doppelte, Fälle, Wo wir das 20- und 30-fache haben zahlen _müssen; also da treten San] außerordentliche Differenzen auf zwischen dem früheren gemeiUen W'kktb und dem Taxwertb im Zeitpunkt der Expropriation. Diese

lden Faktoren erschweren es außerordentlich, bei der vorgängigen schäßupg eines Pauschquantums anstatt der Hergabe des (Grund und &de m nabura das Richtige zu treffen. (Es .jst Pflicht und wird M„AUfoa5e der Staats-Eisenbahnverwaltung sein, alle diejenigen titel heranzuziehen, die cs ibr ermöglichen, bier tbunlichst

richtig zu “scbäßen. Wir sieben in diesem Jahre zum erstenMal vor dieser Frage, wir sind, vielleicht etwas vorsichtiger gewesen, als wir, wenn wir erst einige Erfahrungen gesammelt, vielleicht in Zukunft glauben sein zu müssen, und ich hoffe, daß dann die Frage mehr im Sinne der Ausführungen des Herrn Grafen Kliuckowftroem geordnet werden kann, als das heute der Fall ist.

Freiherr von Durant e it be ere ' ' den oberschiefischen JndustrieMFk bnacb fdser H??ZLYZFÖWUUYMT namentlich eine Linie l'eß-Köni sbofen-Breslau.

Graf vo,n Fran enberg pricht sich für eine besondere örde- rung des Klembahnwesens aus. Die Re ierung stelle viel zu enge Vorbedingungen an den Bau von Kleßnbabnen. Wenn man statt mancher Sekundärbabn eine Kleinbahn gebaut hätte, hätte man ein viel ?eringxres Kapital gebraucht. Redner bespricht besonders die Verbältn e einer Kleinbahn in Katscber in seiner schlesischen Hei- math, blei t aber auf der Tribüne unverständlich. Er beklagt ferner, daß'sich neuerdings der Wagenmangel wiederum in sehr unan enehmer Werse für die Industriebezirke bemerkbar emacht habe. Dur die in- folkze dessen hervorgetretenen VerkebrSHtockungen gingen der ober- sch efischen Industrie immer mehr ihre Absaßgebiete Verloren. Eine so große Verwaltung wie die preußische Staatsbahnverwaltung müsse auch auf einen großen Andrang gerüstet sein.

Minister drr öffentlichen Arbeiten Thielen:

Meine Herren! Die Ausführungen des Herrn Grafen von Frankenberg waren getragen vom warmen Interesse für die Klein- bahnen. Er ist sich vol] bewußt, daß die Kleinenbahnen einen Segen für das Land bilden in wachsendem Maße, und er hat dabei meines Erachtens durchaus gerechtfertigt das Jntereffe der StaatSregierung dafür angerufen, daß dem Kleinbahnwesen staatlicherseits die thun- lichste Fördrrung zu tbeil wird. Meine Herren, in dieser Beziehung steht er mit der Staatsregierung Vollständig auf demselben Boden. Auch die Staatsregierung ist sich bewußt, daß in der Förderung des Klein- bahnwesens die Förderung unserer wirthscbaftlichen Verhältnisse nicht zum geringen Theil beruht, und hat dieser ihrer Ueberzeugung bisher in aller und in jsder Hinsicht auch Rechnung getragen. Meine Herren, das Kleinbahnwssen hat seit Erlaß des Geseßes vom Juni 1892 in ganz überraschender Weise innerhalb des Staats einen Auf- schwung genommen. Ailerdings sind einzelne Provinzen zurück- geblieben und bedauerlicherweise gerade einzrlne Provinzen, innerhalb deren eine Beffrrung der VerkehrSverhälfniffe an erster Stelle nötbig wäre. Ich brauche nur darauf hinzuweisrn, das; beispielsweise in Westpreußen die Provinz erst Vor verhältnißmäßig kurzer Zeit sich der Kleinbahnfrage angenommen hat. Infolgedessen ist es auch für den Staat unmöglich gewesen, für die Entwickrlung des Klein- babnwesens in Westpreußen mii Unterstüßungrn einzutreten, während die Nachbarprovinz, die Provinz Pommern, sofort nach Erlaß des Geseßes die Sache in die Hand grnommen und dem Staate Ge- legenheit grgrbrn hat, sich an der Förderung des Kleinbabnwesens, welches in erfreulicher Weise durcbgrführt wordsn ist, zu betbeiligen.

Mrine Herren, zur Zeit find eine so große Anzahl von Klein- babnprojeiten in der Ausführung begriffen, in der Konzessionsinftanz und in der ersten Finanzierung, daß mit Sicherheit erwartet werden kann, innerhalb dsr nächsten Jahre wird überall eifrig gebaut und allmählich ein dichtmaschigrs Ney yon Kleinbabnen übrr das Land

hingezogen werden.

Meine Herren, der Herr Graf Frankenberg bat die Ausdehnung der Kleinbahnen wesentlich nach dem Maßstabe bemessen, nach welchem die StaatSunterstüLungen aus dem ursprünglich bewiiiigten Fonds von 5 Millionen gegrben wvrden find. Es ist darüber dem Landtage der Monarchie eine Mittheilung gemacht wordrn, auf die sich der Herr Graf von Frankenberg bezogen hat. Meine Herren, seitdem diese Nachweisung aufgesteÜt worden ist, ist der Fünfmillionenfonds in fortschreitendem Maße: in Anspruch ge:- nommrn worden, und ich kann dem Herrn Grafkn von Frankenberg dic beruhigende Erklärung abgeben, daß vrn den ersten fünf Millionen nicht mehr die! vorhanden ist (Heiterkeit), sondern wir sehr rasch in die acht Millionen, die jrtzt Jbrkr Bewilligung unterbreitet find, werden hinübergreifen müssen.

Aber, meine Herren, man darf auch nicht allein für die Aus- dehnung des Kleinbabnwesens den Maßstab danach anlegen, wie viel staatlicherseits an Unterstüßung gewährt wordsn ist. Es sind das der- bältnißmäßig nicht so sehr die! Projekte. Ein großer Theil von den Kleinbahnen ist überhaupt ohne jegliche Staatéunterstüsung gebaut wwrdLn, es ist für fie auch niemals Staatsunterstüyung erbeten worden, weil die Unternehmer Von yornbersin überzeugt waren, fie könnten die Bahn aus eigenen Mittein finanzieren resp. unter Hinzutretsn der zunächst interessierten Korporationen, und die Bahn werde in kurzer Zeit eine Rente bringen. Das ist namentlich da geschehrn, wo die Dichtigkeit der Bevölkerung, die Lage der In- dustrie eine günstigx war, also hauptsächlich im Westen der Monarchie, in Sachsen, Hannovrr und in den übrigen beser situierien Landestheilen. Dort ist Staatsunterstüßung nur vereinzelt verlangt wordrn, zum tbeil wäre sie auch meines Erachtens nicht gerechtfertigt gewesen, ebenso wenig wie es meines Erachtens gerechtfertigt gewesen wäre, wrnn der Stadt Katscber eine Unter- stützung zu der kurzen Verbindungsbahn gewährt wäre. Die Stadt Katscber ist der einzige Interessent an dieser Baba, und es ist bei Erlaß des Kleinbahngesk'ßes schon von der Voraussesung auSgegangen, daß die zunächst interessierten kommunalcn Korporationen wenigstens so viel Jntrressr bezeugen müssen, daß sis ihrerseits den Grunderwerb übernehmen. Das hat nun die Stadt Katscher nicht gethan, sondern sie hat von dem Grunderwerb nur einen Theil übernommen. Alles Ucbrige ist aus sonstigen Mitteln gcflossrn. Unter diesen Umständen glaubte die StaatSregie- rung, es nicht wobl Verantworten zu können, ihrerseits rinzuspringen. Uebrigens ist die Bahn seit dem 23. April dieses Jahres cröffnet und befindet sich im Betrieb.

DSk Herr Graf Frankenberg hat dann ferner Klage geführt darüber, da:"; auch in anderer als in der direkten finanziellen Unterstüßung die StaatSrcgikrung das Kleinbabnwesen nicht genügend in allen Fäuen fördert, und hat dafür angerufen die vielfachen Beschwerden, die ihm zu Ohren gekommen seien, einmal über zu hohe Forderungen für Gelände bei dem An- schluß der Kleinbabnen an die Staatsbahn, und ferner über die Wei- gerung, die Abfertigungßgebübren mit den Kleinbabnen zu tbeilen, und über manche andere Dinge. Vielleicht dürfte es zweckmäßig sein, wenn ich mit Genehmigung des Herrn Präsidenten aus der Bestimmung, die über diesen Gegenstand meinerseits an die Direktionen erlassen worden ist, das Betreffende mittbeile. Es ist das eine Ausführungs- instruktion zu dem Kleinbahngeseß, worin es heißt;

.Die Herfteuung von Einrichtungen zur Ueberladung von

Gütern aus Wagen einer schmalspurigm Kleinbahn auf die Eifel!- babn ift tbunlicbft zu fördern, soweit nicht die' Rücksicht auf die Sicherheit und Regelmäßigkeit des Eisenbahnbetriebs „entgegensteht.“

Es ist also auf den Anschlußbabnen überall thunlichst dahin ge- strebt worden, die Kleinbabnen so bineinzufübren in den Anschluß- bahnbof der Staatöeisenbahn, daß eine derartige Ueberladung mit möglichst geringen Kosten und möglichst rasch fich voUziebt.

Zweitens sind die Direktionen angewiesen worden, durchgehende Frachtbriefe auf den Kleinbabnftationen ohne weiteres anzunehmen, die Nachnahme an Provision freizulassen, sie überhaupt zu behandeln wie eine andere normale Eisenbahn. Ferner ist ihnen aufgegeben worden:

„Die Benußung von Eisenbahngrundftücken für Zwecke der Klein- babnen ist bei ertragslosen Grundstücken unentgeltlich, nur gegen eine kleine Anerkennungßgebübr - bei nußbringenden Flächen gegen die ortsübliche Pacht zu gestatten.“ *

Das scheinen mir doch liberale Grundsäße zu sein, nach denen auch überall verfahren worden ist. Indessen gehen die Ansprüche der Kleinbahnunternebmer in dieser Richtung hier und da eWas zu weit, und ihnen entgegenzutreten ist nach meiner Auffassung Pflicht der Eisenbahnverwaltung.

Ferner: „Für die Mitbenutzung von Eisenbabnanlagen durch Kleinbabnen und für die Dienstleistungen der Eisenbahnen zu Gunsten der Kleinbahnen sind in den ersten fünf Jahren nach der Betriebs- eröffnung der Kleinbabnen nur die entstehenden Mehrkosten zu vergüten.“

Wenn also die Fahrkarten für die Kleinbabnen durch unsere Beamten auSgegeben werden, ohne daß wir einen neuen Mann anzu- stellen brauchen, so werden für die Kleinbabnen Kosten nicht gerechnet, und so geht es mit drm Güterverkehr, mit drm Stationsverkebr u. s. w. Man bat bier eine Frist von zunächst fünf Jahren festgesetzt, um die Entwickelung der Dinge abrvarten zu können. Ich glaubs», daß auch nach dieser Richtung hin seitens der Staats- Eisenbabnverwaltung jbunlichstes Entgegenkommen gewahrt worden ist. Auch in den übrigen kleineren Dingen, Beförderung von Korre- spondenzen und was da Niles ist, Abgabe von Material gegen Selbst- kostenprris u. s. w., sind die Direktionen angewiesen, in der kulantesien Weise das Interesse der Kleinbabnen zu fördern.

Auf das zweite Kapitel, welches Herr Graf von Frankenberg hier einer Erörterung unterzogen hat, Es war das Kapitel des Wagen- mangels, glaube ick), heute nicht näher eingehen zu sollen. Herr Graf von Frankenberg hat bereits außgeführt, daß seitens der Staatß-Eisen- bahnverwaltung in eingebendster Weise in einer besonderen Denkschrift die Ursachen des Wagenmangels im vorigen HUbst und anfangs Winter, ferner die Mittel dargelegt worden sind, welche dagegen ergriffen worden, und endlich drittens mitgetheilt worden ist, daß seitens der Staatsregierung eine ganz außergewöhnliche Vermehrung der Betriebsmittel im vorigen Jahre durch den Etat, und zwar durch das Extraordinarium sowohl wie das Ordinarium, herbeigeführt worden ist. Es sind im Ganzen etwa 12 000 Güterwagen durch den Etat neu zur Beschaffung vorgesehrn und auch bereits in Bestellung gegeben worden.

Ich möchte nur noch eins bemerken: wir sind mit der Beschaffung der BetriebSmittel stets voraus gewesen dem Zuwachs des Güter- vcrkebrs, und War nicht unbeträchtlicb. Die preußiscße Staats- Eisenbaanerwaltung steht in Bezug auf AuSrüstung mit Betriebs- mitteln an erster Stelle. Ick glaube nicht, daß eine Babu des Jnlandes oder des Auslandes im Verhältniß zu der von ihr zu befördernden Gütermenge so reichlich außgerüstet ist, wie die preußischen StaatSrisenbahnen. Das schließt aber nicht aus, daß _ und das hat Herr Graf von Frankenberg ja eingehend ausgeführt, - daß in Fällkn ganz außergewöhnlichen VerkehrSandrangs, insbesondere' dann, wenn er plötzlich auftritt, wie im vorigsn Jahre, vorübergehend Wagenmangel eintreten kann. Dieser Wagenmangel bat fich nicht nur bei uns geltend gemacht, sondern auf drm ganzen Kontinent. Wir sind diejenigkn gewesen, die eigentlich noch mit am besten gestanden und aus deren sebr reichlichrm Ledrr die anderen Leute noch Riemen geschnitten haben, was uns natürlich nicht sehr angenehm war, aber auch nicht verhindert werden konnte. Ich hoffe, daß derartige Zustände, wie sie im vorigen Jahre fich entwickelt haben, und dir natürlich schwerr Schädi- gungen in wirtbschaftiichrr Beziehung mit sick) "dringen müssen, in absrbbarer Zeit sich nicht wiederholen werden. Es lag dies wesentlich daran, daß die großen Transportstraßen der Flüsse überhaupt voll- ständig versagten; wir konnten weder auf dcm Rhein noch auf der Elbe und der Oder fahren, sodaß die koloffalen Transportmengen, wclche fich in normalen Zeiten auf diesen Flüssen bewegen, sich nun plößlicb auf die Schiene warfen, dem waren wir nicht gewachsen. Wir Haben Wochen gehabt, wo in Oberschlesien der Verkehr um 100 9/0 größer war, als der Verkehr in der betreffenden Woche des Vorjahres; da ist überhaupt kein Kraut mehr gewachsen, da muß man sehen, wie man durcbkommt, und wir sind verhältnißmäßig noch zismlich rasch durcbgekommen. (Bravo !)

Herr von Rochow bittet um eine bestimmte Erklärung, ob der Staat endlich die seit 12 Jahren gewünschte Linie Treuenbrießen-

Jüterbog-Brandenburg bauen wolle, damit fie eventuell von privaten Unternehmern gebaut werden könne.

Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen:

Meine Herren! Es ist richtig, daß diese Bahnverbindung von Treucnbrießen - oder ursprünglich von Jüterbog, Jüterbog ist ja nun fertig und in Betrieb -- von Treurnbrießcn über Brandenburg und in einer weiteren Fortsetzung auch nach Neustadt a. Dosse an der Hamburger Bahn geplant und dringend von den betreffenden Kreisen und Gemeinden gefordert war. Es ist auch richtig, was Herr von Rochow ausgeführt hat, daß über die Verbindung von Treuen- bxießcn nach Brandenburg verschiedene Meinungen zur Zeit nokb bestehen. Die Linie von Treuenbrietzen über Niemegk und Belzig und Brandenburg ist nicht die direkte, sondern bildet einen nicht unerheblichen Umweg zwischen Treuenbrieven und Brandenburg. Die direkte Linie geht über Brück und Lehnin. Meine Herren, die Wichtigkeit dieser Linie liegt weniger in dem zu erwartenden Lokal- verkebr, den die berührten Gemeinden der Bahn zuführen werden, als in dem Umstande, daß diese Linie einen Theil einer neuen duräo- gebenden Strecke bilden würde. Die Rente dieser Linie würde auch nicht aus dem Lokalverkebr zu ziehen sein, aus dem durchgehenden Verkehr. Sie würde von Unternehmern nur gebaut werden können und auch nur gebaut werde;, xm dex Staat den Verkehr, den er jest auf den großen anderen Novum hat, zu entziehen, nicht aber, um von dem Lokalverkebr eine Rente zy gewinnen. Ferner ist die Route eine wichtige, weil “sie in Zuluft

sonden“; '- *