Deutsches Reiz,.“
Preußen. Berlin, 23. Mai.
Seine Majestät der Kaiser und König haben heute
1) 8 Uhr Prokelwiß verlassen und gedenken, nach ein-
ndi cm*Aufenthalt in Marienbur , um 6 Uhr Abends auf
r tation Wildpark bezw. im euen Palais wieder ein- zutreffen.
Deutsche Zeitungen haben in den le ten Ta en Auszüge aus dem Schriftwechsel gebracht, der m e'rbt'v. J. aus Anlaß des Falles Stern zrmschen dem atferltchen Bot-
schafter in Washington und dem dortigen Auswärti en Amt.
att e nden hat und jeßt in Her amerikanischen Pre e jhejl- Leis? Fröffentlicht wird. Da stch aus dieser unvqllständtgen Wiedergabe der Gang der Verhandlungen MY mtt vollstan- diger Deutlichkeit erkennen läßt, bringen tmr te betreffenden Schriftstücke hier unverkürzt zum Abdruck.
Ueber e ung. ' ])czpart-msnr 01' ZWOS. Nr.s4x. Wasbipgton, den 26. SepTember 1895.
llenz,
Ich habe dere, Ihre freundliche Vermittelun zu Gunsten eines angesehenen amerikanischen Bürgers m Anspru zu nehmen, ge en den auf Grund einer Verhandlung vor einem 'bayérischen G9- ri te ein Urtbeil efäüt worden ist,. das so streng tft und so wemg im Verhältniß zu em Vergsben „7121.21, welcbxs den Geger'xstand der 'Anklage bildete, daß das Gereckptégkcithsfübl jedes Unpartensäxen, der den Sachverhalt kennt, Verletzt wcrden muß,
Es handelt fich um den Fall Louis Stxrp, gegen d€n die Be- hörden in Kissingen in Bayern wegen Beletdtgung eines Königlichen Beamten und Widerstands quen die Staaxsgewalt vyrgegan en sind. Der Thatbestand dieser Angelegenbett rst durcb dre Veri te des Boischafters der Vereinigten Staaten in 'Berlin, der, sich, wie es scheint, mit dem bayerischen Vertreter m der prcußtschen Haupistadt ins Benehmen geseßt bat, exschöpfend klar , gelegt worden. Aber ich 'nde in einem an dteses Amt gerrchteten Schreiben des rn ims-n H. Stern, eines hervorragenden Anwalts in New-York, er fich- obne mit Herrn Louis Stern pengndt zu sein.. zu'rällig zu dkr Zéit, während der die1Sache spxeélte, m Kissingen befand und persönlicher Zeuge “TCL" Von thm beschrtebenen Erstgmffe war, eine so usammknhängende und anschauliche'Darstellungßdc-r be- treffenden Éorgänge, daß ich Ihnen eme Abschrtst' zur Kenntnis; übersende.*) Dkk Inhalt dieses Schreibens fttmmt vollständig mit den kasschcn des, Herrn , Nunyqn, die, wie bereits bemerkt, größtentheils auf amtltchen bayerxschen Mat- tbeilun cn beruhe*1:, ÜbkL'é'Ön, und ich vernaag weder dix sachlrcbe Richtig Lit der Angabkn des Herrn Simoxx _Stern zu bezweifeln, noch kann ich umhin, seine Votslcbtige und gemaßxgte Darstellung des Falls anzuerkennen. _ _
Das Verfahren gegen Hexrn Stern scheint mxxr Von Anfang an wiUkürlich und unverdient _stxeng gewesen, zu sexy und zwar yon der Fordkrung einer überma :gen Sicherheit at) [;ck zu dem Fchltßß- lichen Urthcil, das außer an Geldbuße auf ermedri ende Gefangm - strafe erkennt. Ich will indssscn Zbre Aufmerksamke t_ nur auf_ diesks letztere Momxnt lenken und nur hierfür Ihre Verwitxelung 111 An- swucb nehmen. Herr Stern muß der den] Ganzen dte'Krone auf- sé Enden Eckomacb einer Gefängnißstrafe, dle das Urtbxtl vorsteht, nint außgescvt Werden. Die,: Strafe sollte ihm ytelmsbr er- laffen werden, zunächst, weil die einfache Gerechtigkett gegen, ihn es verlangt, denn eine solche Strafe läßt fich unxcr keinem möglichen Gesichtspunkte durch sein Vergehen rc-ckgtfe'rttgkn. Aber dieser Straferlaß fokltc auch in dem höheren und größxrsn Jntcreffe der freundschaftlicben Beziehungen „zwischen diesem und dem von Ihnkn so wüxdig vertretenen Lande eintreten. Daß disse Bezixbungen, was auch immer mit Herm Stern gcxscheben mag, 'nicx-t xrn1tlich ge- stört werden, ist durchaus Wahrscheinltch und aufrxchttg zu wünschen. Denpoch find Entfremdungen zw1schen großen Nat:9nen nicht selten aus ebenso kleinen Ursachen 'entstanden, und 1ch glaube nicht zu viel zu sagen wenn 1 behaupte, Daß, falls die in Herrn Stern's Éingabe ge tend emachten Gründe und die ernste Vorsteüung dieser Negterung . nicht außreicben sollten, um ihm die naYgefuchte gerécbte Begnadt ung zy erwirken, die Bevölkerung dieses andes einen äußerst ungün tigen Eindruck von der Gerechtigkeit, die amerikanische Bürger in deutschen Staaten finden, und von der Haltung, die die Kaiserliche Regierung in dieser Beziehung einnimmt, erhalten wird.
Aus diesen Gründen bitje ich Sie, Sich auf dem am geeignetsten scheinknden Wege bei der Königlich „bayerischen Regierun zu dem Zwecke verwenden zu wollen, damit emem amerikanischen ürger von ungemein anerkanntem Werth, der der Großkaufmannschaft von New- York angehört, die ungerechte persönliche Entehrun erspart bleibt, zu der ihn das ungewöhnliche Erkenntniß des bayeri chcn Gerichts ganz ungerechtferti ter Weise verurtbeilt bat. ,
Da die eit drängt, bitte ich Sie, Sich bei Weitergabe des vor- liegenkäen Antrags, soweit dieses möglich, des Telegraphen bedienen zu wo en.
Nehmen Sie, Herr Botschafter, die erneute Verficberung meiner auSgezeichnetsten Hochachtung entgegen.
Richard Olney.
Herrn Baron M. Von Tbielmann U.
Berlin, den 30. September 1895. Deutscher Botsckoafter Washington.
Telegramm. _ ' _
Antworten Sie schriftlich umgehend, daß Ste dre Krittk des in der Stern'schen Sache ergangenen Urtheils als durchaus_unbeoechtigt zurückwäsen müßten und es überhaupt ablehnen, über dre Ausübung der Rechtspflege in einem Bundesstaat und die Ausübung des BegnadigungSre ts durch einen Bundesfürsten aus „Anlaß, einer diplomatischen eklamation zu verhandeln. Wenn dorttge Regterung der Regierung Seiner Majestät in dieser Angelegenheit, die einen amerikanischen Bürger betrrffc', irgendwel e Mittheilun en zu machen habe, so bleibe ihr überlassen, dies dar ihren bi gen Vertreter
zu thun. Marschall.
Lenox, Muff„ den 1. Oktober 1895. Wert Staatssekretärs Eurer Exec enz beebre ich mich den Empfan der Not? vom 26. September d. I. Nr. 42, betxeffenh die ngelegenbett des amerikanischen Bürgers Louis Stern tn Ktsfingen, ergebenst zu be-
en.
11 Veantwortun der in der Note enthaltenen Ausführungen beeileJ ich mich zu sageY, daß ich die von Eurer Excellenx geübte Krixik des von dem (Gerichtshof zu Kissingen gegen Stern gefallten Urthetls als völlig unberechti t zurückweise. ' ,
Ueberhaupt mu ich es ablehnen, die mnerbalb emes deuxs en Bundesstaats geübte Rechtspflege und das den deutschen Bunhesfurs en zustehende Begnadigungsrecht in dieser Gestalt erörtert und un Wege einer diplomatischen Reklamation behandelt zu sehen. ,
Sofern die Re kerung der Vereini ten Staaten in dieser, exnen ihrer Bürger berü renden Angelegen eit der Regierung Seiner Majestät des Deutschen Kaisers irgend „eine Eröffnung zu machen
*) Anmerkung: Nicht mit abgedruckt.
«._x
es is:: überla en bleibén eine “orch- hmcb'dm Box-
wüchbt, 'mu . . der 1 Staa en in Boelkn'vor tingert 1: lassen. *- * s «Zetmbmigen iekyHerr Staatssekretär, vie VerficKerung meine;
außgezeicbnetften Hochachtuns- * * T h i e l m a n n
An Seine E ééllenz den Staatssekretät; der Vereinigten Staatyn Herrn Fkichard Olney, Washington, 1). (ck.
Ooparbmonl: 01' 8138136, Washington, den 7, Oktober 1895.
Uebersetzung.
ExceUenz! cb babe die Ehre, den Empfan? Ihrer Note vom 1. d. M., bett end den Fall Louts Stern in Kl fin en, mit dem Bemexken zu beftätigen, daß ich von deren Inhalt mt Bedauern Kenntnrß ge- nommen habe.
Wenn Sie meine Kritik_ des gegen Stern ergangenen Uxtbeils als vollkommen ungerechtferttgt zurückweisen, so verkennen Ste das Wesen der Sachlage. Cine unrtchtige Anwendung der Gesetze (mjgoarriags 01'3'11317106) dürfte in jedenx Staat vorkommen. Wenn ein Ausländcr hierunter zuleidkn hat, so 1st die Regiekung des Staats, dem er angehört, sowohl berechttgt als verpfltchtet, alle geeigneten Anstrengungen zu machen, um ihm zu helfen. Diese bringen'notb- wendig den Tadel des gerichtlichen Verfahrens _in der. Sache mrt fich, sonoeit als das geschehene Unrecht darauf zuruckzyfubren tft. Der St'and- punkt, daß ein in einem Staat eraangenes gerichtltcbes Urthkil, wezmglecch es widerfinnig (abgurä) und unbillig ist, nicht von der Re terung des Staats, desssn Bürger oder Untsrtban betroffen worden st, in der Absicht, die nothwendige Abhilfe herbeizuführen, nachjVerdienst kriti- siert und ekennzeichnet werde'n dürfe, kann vernünfttger Weise von keinem ziviltfiertkn Staat angenommen rys'rden. .
Es ist angedeutet worden, daß _gevnsse 'Schxttte gertkmn woxden find, die einer ungebübrlicbkn Cintmsclemg m' dte Recht§pflege eines deutschen Bundesstaats Zlücbfeben. ber dtese-r Andeutung fehlt jede Unterla e. Auf Wel „em anderem Wege sol] ein fremder Sou- verän eine escbwerde sines Bürgers ode'r Unteribanen anbrtn en lassen, als durch die Ste'lle, die von dsm bc'tkkffknkkn SLaxt se *st zur Wahrnehmung dieses äußeren Vkrkehrs mit andexen Nationen eingerichtet worden ist? Die Ver-affung des Dxutschen Reichs Ver- lan t ebenso wie die Bundesverfassung der Vereimgt-xn Staaten einen einz gen Träger der internationalen Vertretung für zahlreiche'Staatep, die in den meisten, wenn nicht in a_Üen An elegeylthezt rem interner Bedeutung Vollständig uzmbbaxgig 3131de Gletchwobl kommt es nicht selten Vor, daß eme Sache, die für gewöhnljck) yon ausschließlich lokalem Charakter „und Jnxereffe rst, wichtigs internationale Gkfichtsvunkte in sich xxagt. Jn emxm sslckk-en Fall wird es fick) empfehlen, die Zentralrc'gterung, der dte Wahr- nehmung der auswärtixzen Beziehungen obliegt, anzurufen, damit 'fie die Einzelrcgierung an den internationalen Cbaraktxr dss Faüs bm- wcist, um sie im Hinblick auf die Möglichkeit i'nternationaxer Vex- wickslungsn zu veranlassen, bei ibrkm Vorgchen bteranf, sowktt es du: Umstände gsstaükn, Rückficht zu nebmxn.
Ob die chtralregicrung mehr thxm kann oöcr sollte, bxaucht nicht éköktékt zu Werken; dagegen darf unkedcnklich bk_k)auvt€t Werder), daß ste füglicb nicht weniger thun kayn. Jedcnsalls Haben dte Vereinigten Staaten immer nach diesem Grundsaß gehaydelt, indém 18 von der ricbti xn Auffassung auSgingén, daß ein Abw-Ztchen hiervon eder anderen bet eiligtsn Nation einen Grund zu berechttgter Klage
ieten würde. , _. "
Es e1übrigt noch, auf die? mit ganz unnötbtger Scharfe (cnranJZ) zum Auédr11ck geb_rachte Untexstellung einzugcken, daß es fich um eine diplomatische Reklamation Handelt, die als solche durch den Botschafter der Vereinigten Staaten in Berlin béi der Kaiserlich deutschen Regierung hätte angkbracbt Werden müssen. Diese Auféaffyng kann einer näbekcn Prüfung nicht _Stand halten, so lange nicht, was dxxkchus u::wabksxbeinlich ist, die Befugnisse der Vkrtretung jener Regierung in_diesxr Hauptstadt nguen x_md ur.- bekannten Beschränkungén unterworfen MKM. Andsxnsaus ist djexe Regierung nach dem bislzcrégen Gsbrauch voüständig befugt tmd be- rechtigt, eine divlomatisckye RcklamaTion bxi der dkutschen ngiexung nach ihrer Wahl _entwkder durch Sie, als den dkutscben Botschafter, oder in Bcrlin durch ihren Botschafter für Deutsch- land anzubringen. Der krstere „Weg ist sogar dsr" weniger förmliche und höflichkre. OTW aus eine so klarc Sachs naher eirxzu- geben, werden Sie mir doch, um einer anscheinend beste'bende'n trr- thümlichen Auffassung cntgcgenzutrstcn, die Be'merkung Lxlau'ven, daß Ihre Vermittelun wedlr aus dem Grunde in Anspruch geznommen Worden ist, weil ie für xerpflichtet gebaltcn wurden, 11816 zu ge- wäbrkn, noch zu dem Zwecke, um ir endwxlche diploxxtattscbe Rekla- mationen anzubringen. Herr Stern Leute, fich in ksmer Weise azxf den Rechtsstandpunkt, sondern hat um Mrld_e, und ixh ersuchte Sje, nach irgend einer Richtung odkr in ir end etnkr Werse gütigst Jbre Vermittelung zu gewähren, in der ie es für gngemeßen halten würden, Ihren verdienten großen Einfluß, dessen Ste in elner Sackpe wie der vorliegenden fieber sein dürften, zur Geltung zu bringen., Das Ersuchen geschah in de:? Hoffnung, daß Sie es, da Ibn?" die An- schauung, die hier zu Lande über den Cbaraktxr des Prozeffes_und Urtheils sowie über deren indirekte internationale Vedeutyn? h_kstkbt, in authentischer Weise mitgetheilt wvrden wax, freundltcht fur an- gezeigt halten würden, Etwas zur Unterstußung dex Anstxsn- gungen zu thun die in Deutschland für di? Begkadt ung etnkö „amerikanischen Bürgers gsmacht werden. Wenn J yen auch nicht geradezu die Verpflichtung zu einem solchen S rtxt obla , so war doch die Annahme nicbt unbegründet, daß er sow? lmnetba v Ihrer Befugnisse lag, als daß anen die Gelegxnhett, :bn zu thun, willkommen sein würde. Hättkn Sie diesen Schrttt Zetban, so wurde Ihr Vorgchkn ohne Rücksicht auf den Erfoxg in ho em Maße anex- kannt, und die freund cbaftlichen Beziébyng-sn, deren Erhaltung dle erste und höchste Aufga e des diplomaiiychen Verkehrs ist, wurden dadurch merklich gefördert worden sein. ,
Rtchard Olney.
Seiner Excellenz dem Baron M. von Tbielmann xc. xc. xc.
Berlin, den 13. Oktober „2895. Deutscher Botschafter Washington.
Tele ramm.
Den Empfang der zwsiterx ote bitte ich Eure ExceUenz,_ dem Staatssekretär schriftlich zu bsqtätißen und dabei zu bemerken, daß Sie sich lediglich auf Ihr erstks Schreiben beziehen und die Kcziscrlicbe Regierung nach einem allgemeinxbestebenden Gébrauch Anfrage oder Beschwerden ausländischer ngierungen grundsatzlich nur durcb deren Vertreter in Bexlin entgegennehme. Zernerhin wollen Eure Excellenz auch jocxlichen Versuch einer amtli en Eklamation über die Ausübung des einpm deutschc'n Souverän zu lebenden Be nadigungßrecbts, sowie über das gerichtliche Verfahren 3 16:11:16 zurü weisen. „
Vor eini en Tagen hat mir Mr Nunyon erstmals über den Fall Stern gefvro en und ist vor estern nochmals darauf zurückgekommen. Er wünschte unter ausdrü licher Bezugnahme auf yie Instruktion seiner Regierung meine ernste Aufmerksamkeit auf diesen Fall, zu lenken. Was das gerichtliche Urjbeil betreffe, so sehe er dasselbe als eine feststehende Thatsache an, die nicht mehr zu ändern s:"i, und wokle deshalb auch keine Kritik daran üben. Dagegen könne er fich nicht enthalten zu erwähnen, daß Herr Stern ungewöhnlich bart behandelt worden zu sein schein2, einmal durch Ablehnung der dem Baron Thüngen am folgenden Tage gemachten Entschuldi ung verbunden mit dem Angebot, den Arman 5000 „“ zu zahlen, odann durch die Forderung einer ungeheuer Hohen Bürgschaft und endlich durch die neben der Geldstrafe erkannte Gefängnißstrafe. In den Vereinigten Staaten seiStern ein sehr angesehener und auch einflußreickyer Mann. Die ihm in Deutschland widerfahrene schlk te Behandlung habe nicht verfehlt, einen peinlichen Eindruck zu ma en, wovon die Preffe eugniß ablege; im Jntereffe der freundschaxtlichen Beziehungen beider
änder sei es deshalb dringend angezeigt, da die Gefängnißstrafe Stern
erlassen werde.
, klagten entsprechend normiert; die gerichklicbe
Ich erwidert! dem Bo Mster, daß ich jeden „. einem xdeutscben Squverän 'zu chende Begnadigungsxubt DTK stand Liner RMamaüon _zu machen, sowie jede tik _von einem deutschen Gen, t erlasseyen _Strafurtbeils prinzipjea zurückweisen müsse; »tbatsä liche Mtttbetlungen aber, die mir der Botsäoafjer tm Interesse eines verurtbeilten amerikanis en Staatsangehörigen zu machen babe„ sei ich selbstverständ ich gerne bereit zur Kenntni und Entsche3dux1 der veöfaffungWäßig zuftändi en Behörden zu ringen; irrtbumlt e Vorsie un en, lecbe die ö entliche Meinung e_ines befreundetsn Landes eeinfiuffen könnten, würde ich gerne richtt stellen.
Was die Höhe der Bürgs ft anlange, so wexde diese von dem Gerichte nach freiem Ermessen, den Vermösterhaltniff-m des Ange-
rfolgung strafbarer Hand. lun en könne aber bei uns durch Geschenke, auch an Arme, nicht be. ein ußt Werdé'n; die Gefänßnißstrafe t'ndlicb sei durch das Strafgeseß vorgesehen. In Deutschlan ci vor Gericht Jedermann gleich; die Rechtsprechung liege in den Händen unabhängiger Gericbte; Amerikaner würden genau wie Dkutsche behandelt. Wenn Herr Stern auf dieselbe Achtung i:; Dcutschland Anspruch mache, deren „97 sich in Amerika erfrkut, 11) möge er auch, 10 lange er in Déutscbland ist, sich so benehmen, wie man es von einem e- bildeten und anständigkn Mann erWarte. Herr Stern babe "dees nicht gethan. VezFlicb des Schußes, den Beamte im Dienst gegcn Drohungen und * eleidigun en zu bkanspruchen haben, schten€n in den Vereinigten Staaten mi Bere Ansckoauungen als bier vorzuberrscksen; wo aber deutsche Geseße und ihre Anjvendung in Frage ständen, seien lediglieh deutsche Anschauungen maßgebend und besjémmmd. Zur int WerDe mit eiserner Strenge in New-York das Gesetz über die Sonntagsrube angewendet, und ssksn schon verfchicdkne Deutsckpe mit :anErbältnißmäßtg hoben Geld- und sllbst Gefängnißstrafen b?- straft woxden, wei] sxe Sonntags Seltsrswaffer oder Bier verkauften. In Deut1chland yei d'x-c So::ntagsrube Zu dieser Strenge unbskannt; gleichwohl däch1en wir nZchT daran, zn interVenieré-n, und deshalb sr- wartkken wir auch eine analoge Haltung scitens der Regierung der Vereinigten Staatsn. Ick) müsse es daher ablehnen, die mir gs- macht6n kritifierenden Bemerkungcn dx: Königlich bayerischen Re- giermxg zu übermitteln odcr denselben sonstwiß eme Folge zu geben.
HLW Runyon suchte mich socbkn nochma1s auf„ um _mir uxitzu- theils", daß .“?er Stern, einer telkgraphiscbkn Mrttheilung Wine: Regierung zufo ge, einen Strakqufschub yon 60 Tagkn wünsche.
Jol) erwiderte, daß ?ck xs. Psrrn St-Zrn anheimstcücn müss", den Weg einzu'cbla en, der für alle Vexurtheilfe maßgkbend sCi, namlich de_n Strakaufs ub unter Nxxxxabe “ver Gä'mde durch eine Eingabe an. *Die" zuständige baykrische 53111562? 33: Schitten.
Mars cball.
Kaiserlick) deutx'cbe Botschaft. Waskiygßn. HU 14. Oktobcr 1895. H.“.rr ZtaaT-zskkrékäx!
(Fux? Excellenz vekbre 61; m'xch, dem Empfang dsr Note Vom 7. Ok161xr d. Js. Nr. 54, OstUffcnd “Oje Y:»xslsgenbcit des amkrika- niscth Bürgers Louis Stern. krgebkn'st zu bestäjigen.
JZ] Beantwortung dsr Darin. Mtbaltknén Aasfükwungku Oscbre ich mich Eurer Excellcnz zu Tags", daß die Kai-serlicbe Régierung Beschwerden odkr Aniräge fremdländifcber Regicrungen grund- fäleicl) und im Einklang rnZT sixxkr aUJemeim-n [»e- stelß-enden Uebung nur dmch dsxen divlmnatifckys, bei ihr “oe- 911116135112 Vertreter x'njgcgöxmimmt. Im übrigen kann ich mich :mr auf dcn J:;balt der NM. bczicben, wslck)? “:O die Ehre hatte unter dem 1. Okwber in Erwiderung auf Ihre Note Vom 26. Scpdmbsr Nr. 42 in dikser Angelegenheit an Ears Exckllkuz zu richten.
Gxnchmiaen Sie, Herr Staatssekretär, Die Verficherung MLM? außgszeichnctsikn Hochachtung.
Freiherr von Thielmann. An Ssin? &ckan den Staatssökretär der Verkinigten Staatkn Herrn Richard OlUL'V, Wacßingwn, [). (',.
Die im Reichs=EisendahUamt anfgsßcllte Ueberjichk de: BetrisbS-Ergcbnissc deutscherEijenbahyen1111-21)?on April 1896 ergiebt für 61 Bahnen, die schon tm Aprtl 1895 im Betriebe Wrcn, Folgendes:
(5)csc1.mmtlänge: 39 624,88 km.
___ __ „_ )"“ _.. __„«.._.._„.
im gcgetz auf ; gegen Ganzea xdasVorjadr 1 [Mx das Vorxabr
für alle Bahnen im April1896
aus dem Ver- ' „ ! !
sonenverkehrc 32 282 571J+ 246174 8311- 13!» 1,54 aus dem Güter: k _ ] _
verkebre . . 1712.57 157'+5 566 970 1 804;+ 102;-k- 5,99
für die Bahnen mit dem Rechnuxtgs'ah're _ 1. April-Z1. März in dcr Zeit vom 1. prtl 1896 bis Ende April1896
E;.nnahme
aus dem Per-Z sonenverkehre ; aus dem Güter:i . . , _ verkehrc . . .605391331-64900 297 1843j+ 1121-6644
für die Vai) 11814 mit dem RexhnungsjaZre 1.3anuar-Z1. Dezember in der Zett vom 1. anu-ac bis Ende April1896 aus dem Per-I ; k .! sonenvcrkehre 17 869 46Z§+1 237 924 2 740,+ 126 +“ 4,82 aus dem (Hüter- j _ verkehre . . .429068921-4-4683932 6476|+ 547 + 9,25 Eröffnet wurden am 1. April die_ Strecken Vobwjnkex- Elbcrfeld-Varresbeck 3,58 km (Königlrche Eiscnbahn-Djreknpn in Elberfeld und Zetel-Neuenburg 4,37 km (Großherzogltch oldenburgis e Staatseisenbahnen), am 16. Aprtl dte Bent- heimer Kreis-Eisenbahn 29,00 1611.
2662069261,- 318140 824?“ 81-091;
Der Wirkliche Geheime Ratlx und Präsident des ReichsbaUß Direktoriums Dr. K och ist von seiner Dienstreise zurüchgekebkk
Der General-Licutenant Becker, Inspekteur der 1. Pionier: Inspektion, ift hierher zurückgekehrt.
Der Bcvollmächtigte zum Bgndesrath, Königlich bayexiscbs Ministerial-Rath von Geiger ist nach Münchkn abgereist-
Laut tele raphischer Meldungen an das Ober-Kommando
der Marine it die Kreuzcrdivision, Chef Kontrz-Adxnlkal
loffngYn, besteY? außs SWF. [S. S. „JKatser aH agg 1 '"- „ rn e e m“, „ rene“
„Arcona“, am , Mai von Kagasaki aus nach PM
das 1:2;
* „zusammengestellt im Kaiserlichen Staxistischen Amt,
ÖWUW" aus Korea ".Ud S- ,M- S. „Cormoran“, „Kom- mandant Koroetten-Kapxtän B r „, .k man n , an demselben. Tage
7 pon Nagasaki aus nac?) Yokohama Zn Sée gegangen.
* 311 der Ersten Beilage zur heuli cn Nummer des „Reichs- und Staats-AnzetgerS“ werden achrichten über den Saatenstand um die Mitte des Monats Mai 1896, ver-
offentlicht.
Württemberg, Die Sesfion des Landtage;- ist gestern geschlossen worden.
Anhalt.
Dis .„Geseß-Sammlung für das Ferzogthum Anhalt“ veröffenjltcht folgenden Erlaß Seiner ohkit des Herzogs:
Wir, Friedrich, Von Gottes Gnaden Hktzog von Anhalt 2c., haben besäZloffen, zum Gedä tniß Unserer fünfundzwanzigjährigen RegierunaSseier die zu dieskm ehufe besonders Zeprägxe, an einem pßrfickorothen gewäffertcn Bande mit grün und sikbekner Umränderung zu tragknde E r i n n e rn n as - M ed a 1 [ le zn stiften, deren Verleihung Wir nns uach Unserkm Ermsffen vorbx'balt-Jn.
Der gestrige Tag wurde Tn Dcffau mit dem Geläut sämmtlicher Glock-x-n der Kirchen der Rcsidenzftadx feierlich ein- geleitet. Um 11 Uhr favd in der Schloßkirche ein Fkstgottes: dienst ste_xtt, welchem Ihre Hoheiten der Herzog und die Herzogtn sowie alle in Dessau anwesenden Fi'trstkichkeiten beimohntcn.
Oesterreich:llngarn.
Der Kaiser empfing gestern im Laufs des Vormittags den Besuch des Herzogs Nikolaus von Württkmberg Und später das Präsidium beider Häuser dks Reichs- Tatbs in Audienz.
Gestern Nachmittag 41162“ Zaxxd das Leichenbcgängniß des Erzherzogs Carl Ludwig stalt. Schon in dkn ersten Nachmittagsftunden strömte eixxe nac!) Tausenden zähleMde Volks- menge nach den Straßen und Pläßcn, welche der Zug passierte; dLe meéstcn Geschäfte marrn geschlosssn. Dcr Sarg wnrde von dem Paradkbett in dcr Hofbursfoarrkirckx herab- gehobcn, und nach nochmaligcr_ Einsegnung durch den Hof: und Burgpfarrcr zu Dem Lcichenwagyn in den Schweizerhof herabgctragcn, worauf sich der Zug Unter dem Geläut dcr (Glocken über 11611 JosefÉ-pmß ZW Kapuzinerkirckx in Bewegung seßtc. Voran gingen die Hof: 9istlichkett mxd der Stadtmagistrat. Dann folgten zwei echs pännigc Hofrvage'n mit den beiden Kämmerern und dem Obsrst-Hofmcistcr des Vcrblichenen, Der mit s?chs Schimmeln bcspannte Leichenwagen wurde _von Edelknabcn mit Wacbsfackcln, Arcieren und un ariseycn Leibgardcn, Trabanten, Leib- „cxardc-n, Leibgardcrettern und Leiblakaie'n begleitet. Der ganze Zug wurde von einer Abtheilung Kavallerie cröffnct; cine Kompagnie Infanterie und exne Eskadron machten den Schluß. Das Innere der Kapwzinxx-Kirche war schwarz ausgeschlagen, d;.e Kniebänke und Kirchenstühlc warem schwarz übe'r ogen, ÖL!" Fußbode'n schwarz belegt. Auf die Meldung, do. dsr Leichenzug herannahp, verfügxen fick) die bereits im Kloster angekommenen Allerhöcksten und Höchsten Herrschaften “m die Kirche auf die bestimmten Pla'ße. Die Hofstaaten hattcn sich dasélbst schon 7.30:er cingefundcn. .;Als der Lcicbcmvage'n on dcr .meytpfkaz 0?!" Kapuzinerkirche an: 6.101ng war, w'ardc Dxr SUM hcx'aßgxxwven, von dem Ponti- éikanten an der Spiße der Geix'xlickxeit xjxxpfangcn, unter deren Vortritt in die Kirche getragen und anf die vor dym Haupt: altar aufgestellte, rin I um brennenden Lichtern umgebene Trauerbahre niedergc affen. Der Oberst-Hofmeistxr dcs Verblichcncn und die bx [Menden Kämmerer folgtcn bis dahin und bcgabcn fix?) dann zu der für sie; vor: erichtetcn Knicbank. Nun erfolgte die feierliche Ein: Segnung, worauf von den Sängern der HoftMufikkapclle das [„ibczru gesungen wurde. Der Sarg wurdc sodann aufgehoben und unter Trauergebeten und Fackelbcglcitung in die Gruft Uinabgctragcn. Dcr Pontjfikarzt ging mit dsr assistierenden Geistlichkeit yoran. Dcr Kaijcr, sowie die Erzl1erzo-e, der Stcllvcrjrctcr des Ersten Oberst-Hofmeisters. mildem Stabe, er ObsrstÖofmsistcr ch Vercmigtsn und die beiden Kämmerer fol, ten dcm Sarge. In der Gruft befanden fich auch 'die fremden Furst- Uckxkeiten, das diplomatisckw Korps, die Minister und viele Deputationen. Dic Leibgarden und Edelknaben blieben in der Kirche urück. I" der Gruft ging die nochmalige Einsegnung vor ficJ. Nack) Beendiaung der GLbOÉL übergab dcr Stell: vertreter des Ersten Oberst-Hofmcisteks dc-m (Gnardian dkr Kapuziner die Leiche, empfahl dieselbe scinsr ObZJUT und be-
“bändigte ihm den Schlüssel zum Satc'ézc', woxauf Alle in "kehr
018 KirYe zurückxehrtcn. Nach der Rü des Kaisers in dje Kir e verließ der Hof dieselbe, worauf sich dann auch die übrigen Anwesenden entfernten. _
In Wien haben, der „Budapestcr Korr.,kspondxnz“ zufolge,
.chY Konferenzen wogen Abschlusses cinss Tarisokrjragcs -xn1t Japan unter Theilnahmc von Vertretern 061“ öft-crreichi:
sähen und der Uxxgar€schen RégikkUTM begonnen.
Das österreichische Herrexémus nahm qcsx-srn dic Waylon zu den Delcgationkn vor und vxriagte fich sodann bis nach Pfingsten. Jm Abgeordncienhause tbeiktc dcr Präsi- dent reiherr von Chlumeßky mit, der Kaiser habe die Beilei skundgebung des Hauses auf das huldooUstc cntgcgen- genommen und anerkennend hervorgsbobcn, daß dicAbgcoronetcn a,!!ck) dieswal, wie bei jcdcr Gelegenheit, ihren Vatrio- ttSmus und ihre Loyalität bekundet []ättétl. D(r Bräsidcnt fßgte hinzu, dieser neuerliche? Verlust sei für do!“. Küiscr 11110 kr anz Oesterreich überaus schmcr1ich, .da der Vcrcxw'xgtc 1ch Lehr große Vcrdieusic um das (: gymcine W861 cxwor'ocn babs und ('in txachabmenswcrtbcs Musch cines trcusxx Unter: lhanen und guten Oesterreicbcrs gcwcsen sci. Die durch dM Tod des Erzherzogs Carl Ludwig entstanvmrc Lücke wexde schwer empfunden werden, am schwersten mm dcm KMsc-r. Sodann nahm das Haus den Antrag
_der Minorität dss Finanzausschchs an, dLe Gxund'steu“ um
21/2 Millionen herabzuscßen. Li dsr hicrauf foh enden Wahl. der Delegationsmitkjlicder wurde für €! ieder- o erret, in mei Wahlgän en eine Majorität erzielt, indem de antx emit cn Abgg. Ge mann, Richter und Döß “e 17 und die liberalen bgg. Ludwigsvorf und Maulhnerje 16 timmen, Sneß 15 und Exner 2 Stimmen erhielten. Es wurde nunmehr die
usloosung vorgenommen, wobei die antisemitischen Abgeord- "kken aUSgeloost wurden. Nach der Delegirtenwahl beantwortete
der Justiz-Miniftxr Graf GleiSpach die an das Mimsterium gertehtete Interpellation des - A' . acak be- ngsltch des Krets erixhtsitx Trautenau dahin, das; ie _ chtung te Zs Kreisgeri ts 111 stchere Augst t" genommen sei und die Rexnerung ni tennangeln, werde, ittheilungen über eine Ge ammtorgan sation Bohmens wegen Errichtung noch mel)- rerer anderer Gerichtshöfe und Bezirks erichte dem Landtage Zur guta_chtlichen Aeußexurx zu ma en, welcher Vorgan
elbftverstandltch auch bezugltZ) aller anderen Königreiche un Ländeywerde beobachtet werden. Das Haus vertagte sick) darauf bis Mtttwoch.
Der 'Ohmann der vereini ten de_utschen Linken Graf Küen- burg ga!) m der gestrigen arteistßung seiném [kbhaften Be- dauern uber den Austritt des verdienstvollen Mitgliedes ])_1'. Sueß Ausdruck unix erklärte, die Partei giaube es nzcht 'rechtfert_igen zu konnen, wichtige Geseße, welche fgr dre vaolkerung mannigfache Vortheile Hatten„ ruhig der Zukunft zu Überlassen. Die Partei habe msbysondcre_ an dcr Steuerreform mitgearbsitet, nicht etwa, um die bevorstehenden WaLlen zu beeinflussen, sondern txt der Ueberzxugung, daß die Re orm der bisherigen, gerade dte; ge'werhtrctbcnde Bevölkerung bedrückenden Steuer- ?keseße sonpe dteEtnfÜhrung einer Einkommensteuer von weiten „retsen fett lqngkm gefordert wordensei. Es müsse einem Isden ubexlaffen blctben, slch ein UT„khSU darüber zu bilden, ob den fort- schrtttltchen Ideen dadur genußt mexxde, daß Mitglieder der Partei kuxz vor dem Abschlu dcr S_esftonsperiode der Partei den Rugken kxhrten und „zur „ erbrockekung Anlaß gäben. Es sei Y_fltcht jedes “Partetgenos en, mit vollen Kräften dahin zu tt_nrken, da?; dxe gesammte Partei geschlossen, wenn auch mit emcm den Vcrhältnisscn entsprechend geänderten rogramm, den Wahlxampf aufnehme. ' Die Ausführungen des orfiyenden wurden emhellrg_unter thfaüsbezeuqungsn gebilligt.
_ In der gestrtgeqStHung des jener Gemeinderaths thetltTder Vürg-xrmetster Strobach den Dank des Kaisers fur 01? Trauerkundgebung anläßlich des Ablebens des Erz- herzogs Carl Ludwig mit. _Zum Ersten Vize-Vürgermeister wxnde. sodann ])r.Lue_ er mrt 95 gegen 41 Stimmen gewählt. Dre thexalcn stimmtén ?ür Vogler; mit dem „leichen Stimmen: verhgltmß wurdeNeumayer zum Zweiten ize-Vürgcrmeiftcr
etyahxt. Beide wurden durch dcn VLUWWT der Regierung von
rtebets vxreidigt. Or. Luxger legt? in seiner Nntriltsrede das HaUytgejptchx auf die ,Fmanzfragc und betonte die Noth: wendtgkctt cmcr Reoiswn de_s lückenhaften Gemeindkgcscßes, wclchcs der Regierumg" dte gänzliche Aufhebung der GememdcautonOMic ermogliche; ferner wies €:: auf die Nythendigk-Iit Einer Reform dcr Wahlordnung in der RxcMUng hin, daß dicsklbe alle Bcvölkcrungskreife umfaffs, und sagte cine oYcktive und parteilose Leitung der Verhand- lungen Und der ehandlung der Beamten zu. Neumayer betont? den deutschen Charakter Wioxxs sowie dessen Eégenschast als ReichHhauptstadt, die Freiheit “(er Schule “und des Lehr: staxxdeH dte Bewahrung der heutsck):nationalen Erziehun dér chrqtltchcn Jugend vor jktd1schem Einfluß, die wrrthßchaft- lrchen Aufgaben und die Abhilfe der traurigen Lage des gewerb- lichen Standes.
Großbritannien und Irland.
Die am Donnerstag, begonnene Sißung dss Unter- hauseß währte bis gestern Nachm'xttag 11/2 Uhr. Das Haus 11a1,*m_ sämmtliche Paragraphcn der Bill über die landwirtb- schaftkchen Bodenabgabén an und vertagte stck) sodann bis zum 1. Juni.
Gesammt-
Frankreich.
Die Polizei ist mit dchonfiScierung von Plakaten beauftragt worden, welche eine Verherrlichung des Herzogs von Orléans enthalten 11:11) von d?" Royalisten in Tours
clegentlich dsr für Sonntag beabsichtigten Reise des Prä- Sidenten Faure öffentlich angeschlagen werdcn soUtcn.
Rußland.
Der Kaiser und die Kaiserin trafen, wie „W. T, B,“ aus Moskau erfährt, gestern Mitsu gegen 1 Uhr im Kreml ein und empfingen eine Anzahl aukézerordentlicher Botschafter und (Hexandten.
Gctcyn Nachmittag trafen der Erzherzog Eux an von Oesterretck) nnd der Großherzog von Sa sen in MoQkau ein. Höchstdicselben wurT-cn am Bahnhof, wo eine Ehrenmachc Aufstellung genommen hatte, von den Groß: fürstcn cmpfan en.
Bei dem inisier dcs Aeuß-crn Fürsten Lobanow- Rostowski fand gestern Abend ein großer Nout statt.
Heute waren seit dem frühen Morgen die Pläße in Moßkau, auf denen die feierliche Verkündi ung des Tages der Krönung stattfindet, von einer gro en Volks.“- mengc gcfüllt. In dem Kreml, auf dem Plaße zwischen dem Arsetml und der Kaserne hatten sich um 9 Uhr unter dkm Befehl sims kommandicrenden Generals zwci (General: Adjutanten im General-Lieutenaniswng, zwei Krönungs- Ober-Zeremonienmeistcr, “wei erolde, vier Zeremonienmeister, zwei SenaM-Sckrctärc, a e zu ferde, und xe zwei börittene Schwadronen mit ihren Paukenschlägern und dem vollen Trompeterkorps ocrsammcxt. Gegen 91/2 Uhr verließen diese in Prozchfion den Kreml durch das Spaßki-Thor und begaben sich nach dem Rothen Pla e zum Denkmal des ürsten 5 Wharski und Minin's, wo fi )die Herolde auf dem abqe tecktkn * laß aufstkllten. Auf Befehl des kommandie enden Generals hoben die Hérolde ihre Stäbe empor, woran ie Anwesenden ihre Häupter entblößten und die Trompeter Appell blieskn. Darauf trat feierlickée Stille ein. Ein Scnatssekretär ver- kündete durch Verte ung der herkömmliche'n Kundmachung, daß am 26. Mai die Krönung des Kaisers und der Kaiserin stanfinden Holle. Die Volkswenge nahm die Verkündigung mit Hurra rufen auf; diese verstummtcn, als das Trom- petexkorps die Hymne „Gott schüßc den Zaren“ intoniertc, welch? die Anwesenden cntblößtcn auptes anhörten. Als die Mufik verkiungcn, wiederholfen tek) die Hurrahrufe; dic Volksmenge drängte nach dem Standorte der Pro ession, um einen Abdruck der Kundmachung zu erlangen, wel ?, von den erolden zu Tausenden unter die Volksmengc eworfen, weit m fichtvar durch die Luft flatterten. Die ProzZsion bot mit 611 goldgesticktcn Uniformen und den blinkenden Küraffen der Eskorte ein glänzendes Bild.
Italien.
Der deutsche Boischafter von Bülow übergab estern, wie ,W. T. B.“ berichtet dem Ministcr-Präfidentcn archcse di Äudini und dem arine-Minister Brin die Bildnisse Seiner Maéestä't des Kaisers, welche Allerhöchftderselbe bei seinem Be uch 111 Venedig den Ministern versprochen hatte.
zur Folge -
Die Deputirtenkammer verhandelte estern über bas ' Budget des Kriegs_-Ministeriums. WZrlegs-Minister, General Ricotti erklartx; die Modifikationen, die man in der Armee-Organlsation e1n1mhren wolle, seien in dem von ihm dem Senate _unterbrcttxétxn Entwurfe enthalten. Der Stand dxr Kompggmen ei zu_ schwach, und da das Kriegsbudget mcht erhoht wer en konye, bleibe nur die Herabse ung der Zahl der Kompagmen übrig, was ohne Verm nd'e- rung der Armee : Korps geschehen könne, indem man die. Bataillonx. von 4 auf 3 Kompagnien herabmindere. Der Mxntsxer erklarte ferner, daß er die Wiedereröffnung von ünf Mtljtarschulen vorschlagxn werde. Der Chef des Generalstabs [Tabs denxtsfiomert; da es [nh um einen hochgestellten und lang- gedxenten OFfizier handele, werde_ von i m eine Angabe von Gxupden fyr diesen Schritt n1cht ver angt werden. Der Mmrster mes Rdann auf die Angriffe egen den Chef des Generalstabs in frika hin und erklärte, dagß Uneinigkeitcn nur unter emem schwachen „Kommando vorkämen; unter dem General Baldiffera wurden sie sich nicht wiederholen. O_exn_ „General Bald1ffera seien keinerlei Natbscbläge mtlttartscher Natur erthetlt worden, es sei ihm überlassen, an Ort„und St_xlle nach eigenem Ermessen u handeln. Der Manster erklarte ferner, in Afrika sei ein Mangel an Krwgswaterial konftatiext worden. Es habe nur an Maul- thicren gefehlx, dies hänge jedoch mit den bestehenden Verordnungen zusammen, Fyr welche Aenderungen beantragt werden würden. Dte Befe|ngungez1 von Adigrat seien nicht zerstört zvorden, "well fte fick) überhaupt nicht eine Stunde tm Geschußfezxer halten könnten. Der Minister legte a1sdann dctqilltert dar, daß der Kredit für Afrika für alle Bedürf- ntffe aUSretche, und meYntc, es werde fich sogar ein kleiner [xcberschuß ergeben, deer m nüßlicbcr Weis“: vyrwendet werden konne. Die Solda'ten kehrtcn zurück, der Feldzug sei bLLsWLÜ. Der General Baldtffera 1112de die Truppen bestimmen, die in dxe Hexmaxl) zurückzubefördern seien. Die Gsneraldebatte wurde sodann gejchloffcn und die Spezialdcbatte begonnén,
Türkei.
Dsr Sultan beschied, dsm „W. T. B.“ zufolge, estern den grikchischen Pgtriarchen zur Audienz, um derFsklben zu vkraplaffet), beruhtgend auf die christliche Bevölkerung in Kreta cmzuxmxken. Die Wahl des neuen Bali für Kreta be- an'e Schwxerrgkxiien; gsgcnwärxig gelte Abdullah Pascha,
,alt vqn Skutart, als für diesen Posten ausersehen. Derselbe ser beretts von Skutari nach Konstantinopel ab ereist.
Aus Athen wird gemeldet, daß durch e n Jrade des Sultans dcr Ferman, betreffend den Aufschub der Arbeiten de_s kretenfischen Landtags, aufgehoben und bestimmt worden set, daß der Landtag im Laufe der nächstwa Woche zusammexk: berufc'n werde.
Rumänien.
D*ex15..Jahrestag der Krönung des Königs und der K_Mtgtn und dér'30. Jahrestag der Regierung des Kontgs tstngestern m Bukarest als nationales Fest mit besonderen) Gepran e gefeiert worden. Nach einem feierlichen Tedeum m „d§r_ etropolitan:Kirche dcfilierten die Truppen vor der) Majeytaxcn. Ein zahlreiches Publikum wohnte auf den Trtbunxn, dxe auf den Boulevarvs errichtet waren, der Parade 1191. Das diplomatische Korps war vollzählig ver- treten._ DW Stadt prangte im Flaggenschmuck. Abends fand Retraite, Fackelzug und Jaumination statt.
Serbien.
- DißEinberufung des Verfassun Zausschusses ncht, M*? „W. T. B,“ aus Belgrad erfä rt, unmittelbar bevor; der Konig hat die auéwärts wo nenden Mitglieder dks Ausschussxs nach Belgrad berufcn. Sämmtliche Blätter ohneUnterschtcd der Parteirichtung b:“grüßen den Entschluß des Königs, das Verfaffungswerk in Angriff zu nehmen, mit dankbarer Anerkennung.
Dänemark.
Der Departements-Chcf im Ministkrium dcs Jnnsrn von Sehest-zdt ist zum Landwirthschafts-Minister :k- nannt worden. Die Einrichtung dicses Ministeriums ist in dem gestern abgehalteücn Ministerrat!) beschlossen worden. Das Ministerium für öffsntlichc Arbeiten wurde aafgehobsn und mit dsm Ministerium des Innern verbunden.
Amerika.
_ Der Staatssekretär Olnet) hat, dem „W. T. B.“ zu- folge, den Gesandten der Vereinigten Staaten in Madrid Taylor beauftragt, gegen das Taback-Ausfuhrverbot des (Hchrals Weyler, soweit dasselbe die amerikanischen Eigen- !humsr betreffe, Einspruch zu erheben. Sollte das Verbot aufrecht erhalten werden, so würden die Kongreßmitglieder für
lori_da cim-n Beschlußantrag vorbereiten, durch welchen der 5 rästdent crmächtigt werdv, die Einfuhr cubanischer Zigarren zu untersagen. _ _
Der Senat beschloß gestern mit 34 gegen 2 Stimmen, eine von Butlxr vor eschlaYenc Bill in Erwägung zu ziehen, durch welche 1ede uSga e von zinstragenden Obli- gationen ohne Ermächtigung des Kongresses ver: boten wird. Es folgte eine längere Debatte, in deren Verlauf her- vorragende Mitglieoer beider Parteien die Ansicht ausdrücken, daß es_ eine Schande sein würde, wenn der Kongreß sich vertagte, ohne dte nöthigen Maßregeln zur Unlerstü ung des Schaßes getroffen zu Haben. Die meisten Redner prachen sich gegen den Vorschlag Butler's aus; die Républikaner, besonders Sherman, beantragten, das vom Repräécntantenhause an-
enoxnmene Zollgcseß in Erwägung zu ziehen, um für die kdurfniffe des Schaßes zu sor en. Geor e (Demokrat) brachte den Antrag cm, zur De ung des De zits genügend lzohe Abgaben auf Bier, Wolle, Holz, Thee und Kaffee zu legen und die Abgaben für Taback, Bildhauerarbeiten und (Gemälde zu erhöhen. Nach einer in Paris eingetroffenen Meldung aus avanna hätten die Aufständischen cinen Eisenbahnzug mit «Hilfe Dnnamits zum Entgleisen gebracht.
Afien.
Aus Teber an wird der „Times“ bericlYet, daß nach Berichten aus Tabris 'm Karadagh und rdebil Un- ruhen ausgebrochen seien; die Empörcr hätten meffxrere Dörfer enommen zur Wicderberstellung der Ordnung eien die nöt i en MaÉre eln getroffen. Wegen des Mangels an Brot berchhe in Ta ris große Unzufriedenheit.;JéY '