1896 / 135 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 08 Jun 1896 18:00:01 GMT) scan diff

RMH "1892 S. 479), § 1 Abs. 2 mit. 3 Zeile 3 die Worte 1

' „Fremder KÄFobuZtier an?“: zu streichen und daselbst dem § 1 s 1 im a n u u u en: a 33er Katakoma e zfteh, im Sinne dieser Ausführungs- bestimmungen die Kakaobutter gleich.“

Der Präsident des Reichs-Eisenbalßnamis ])1'. Schu 13 und der Wirkliche Geheime Ober-Baurat Streckert sind von einer Dienstreise zurückgekehrt.

Der Wirkliche Geheime Ober-Regienxngs-Nath im Reichs- Eisenbahnamt Kraefft hat eine Dienstreise angetreten.

Der Eisenbahndirektions-Präsident Kranolh hat sick) zur Sißung der ständigen Tarifkomm1sston nach Mainz begeben.

Dcr Bevollmäckitigie zum BundeSrath, Königlich würitem- ber ische Kriegs-Minifter, (General der Infantxrte Freiherr SZoit von Schottenftein ist von hier abgereist.

Bayern.

Die Kammer der Abgeordnetxn hat in ihrer vor- qcstrigen Sißung mit 98 gegen 8 Stimmen den Militär- tat für 1896/97 unve_rändert angenommen. Der Geseßentwurf über die definitive Verwendun der_ Ex- sparniffe aus den VcrpflegungSgeldern, welche Lxür die 111 Frankreich nach dem Feldzug gestellten, Occupationstruppen bezahlt worden waren, wurde an den, Fmanzausschuß zuriick: verwiesen. Der Entwurf wollte, die Summe, die etwa 600000 „FH beträgt, als Stammkapital für den Unterstüßungs- verein der Hinterbliebenen bayerischer _Offiziere verwendet ehen, während die Abgeordneten d_er Regierung anheimgestellt oben, bis zur nächsten'Sesston cmc neue Vyrlage fertig zu stelle in welcher die Hinterbliebenen sämmtlicher Veteranen

n beriicksichtigt werden folien.

Baden.

hre Königlichen Hoheiten der Großhcr og und die Gro herzo gin siedelten heute früh von KarlSrch nach Schloß Baden über, wo im Laufe des heutigen Tages auch Seine Köni liche oheit der Großherzog von Oldenburg auf der ZZÜckrei e von Italien eintreffen wird.

Reuß ö. L.

Seine Durchlaucht der ürst ist_ am Sopnabcnd zum Kurgcbrauch von Greiz nach ad Tepliß abgereist.

Oesterreith-Ungarn.

Der Kaiser und König empfin gestern in Budapest eine Deputation der Obkrgefpgne des andes. Der Minister- Präsident Baron Banffy hxelt als Führer der Deputation cine Ansprache an Seine Ma1estät, w'orin er, dem „WT. B.“ zufolge, betonte, Ungarn preise d1c_ Vorsehung, daß es dieses Fest unter der Herrschaft Cities mrt dem Lande kühlenden, stets um die Beglückung semcs Volks bemühten, iiberaus gerechten und von seinen Uxtterthanen 11113 ' zur Schwärmerei geliebten Königs begehen konn_e. Der Minister: Präfidcnt verdolmetschte darauf die uld'z uxig der Ober: espane und s los; mit der Bitte zum lima tigen, daß dem Zöni zum Be ten des thcueren Vaterlandes, zur Freude. und zum lück seiner Unterthanen noch ein langes Leben beschieden sein möge.

Der. Kaiser und König ermidertc:

.Die Obergespane waren stets wichtige Faktoren dcs öffentlichen chkns als Führer ihrer Komitate, sinft auch auf dxm Schlachtfelde, insbesondere aber zu FriedenSzeiten, indem sie als em Schußwall der Verfassung in den Komitaten die das Wohl des Vaterlandes im Auge bebaltende Ri tung bezeichneten und durch das Ansehen ibrer Stellung oft die über! äumenden Wogkn beruhigten. Bei den im Lqufe der Zeiten veränderten Verhältnissen _koqzentriert sich 1th der Beruf der Munizipien hauptsachltch auf die Be- sorgung ihrer inneren Angelegenheiten. und ursorge für das materieUe und geistige Wohl der Vevöikerung Ohne nterschied der Partei und Nationalität ist xine Haqubedmgung, damit die Lebenskraft des Staats und der Natron auch in ZUkUnst gesichert bleibr. Widmen Sie siY mit Hingebung und vollem Eifer dieser edlen Aufgabe, wel e i Ihnen, bauend auf, Ihre stets bewiesene Treue, aufs wärm te ans Herz lege, nicht nur tm Intcreffe der Bevölkerung und des Landes, sondern auch zu meiner ei enen Befriedi un , da auch ich nur in der Zufriedenheit und dem lücke meiner ÖölYer mein höchstes Glück finde.“

Hierauf führte der Hofmarschall Graf Ludwi Appanyi dieHu ldigungs:Deputatio_n derHaupt- und_ estdenz- stadt Budapest in den Audienzsaal, dexen Fuhrer Ober- Bürgermeifter Rath gleichfal1s eme Huldtgun sansprachx an den Kaiser und Konig richtete, auf wel e Allerhochst- derselbe erwiderte:

„Mit Freude begrüße ich die Deputation meiner Haupt- uni) Reüdenzftadt BudFest; mit freudigen: Dank nehme ich deren Huld:- gung ent egen. n der Begeisterung, welche sich aus Anlaß des 1 i en, segltemn uud erhebenden regdenfeftes im anzen Laxide kund- gie , kann die Hauptfiadt chb mit dem Bewu tfein tbetlnebmxn, daß ihre bedeutende Enthckelung und „ihr Aufblühen im ganzen Lande nicht nur mit Sympathie bekleitet, sondern auch bei jeder Gelegenheit mit Opferwillig eit unterstützt wird. Ein Rückblick auf die verflossenen Jahrhunderte ei t uns das alte ehrwürdige Ofen mit seiner glänzenden Vergangen- k) t und mit den Erinnerungen an die hierauf gefoikten traurt en Zeitperioden; am linken Donauufer aber die erst spa er zum Le en emacbte, aber desto rascher emporblübende jün ere SÖwrsZnsiadx, bis in den leßten Jahrzehnten beide vereinigt wur en und mit vereinten Kräften jene Stufe der Blütbe MMM haben, auf welcher wir sie

t mit Freude seben. Gebe der mächtige, daß dieser Auf-

ung auch in dem weiten Jahrtausend auf ficherer.Grnndlage Tori (breite und die berecötigte Erwartmt des ganzen Landes, welches n er geliebten Haix tstadt ein Mu _erbild vyn Treue, wahrem

triotiömus, bürgerlici en Tugenden, religiöser Stttl keit und Fort- cbkitt sehen will, hier einm entf den Widerba finde. DieS wird an da oft: Loba meiner für B äst ftets gebe ten warmen SKM ie sein und meine Ho nung ckck, in di em "einem eb Heim bei jederGelegm nur angenehme Tage ver- leben zu nen.“

Aus Anlaß derfeierli en Reichstags'ißung und derHuldigun der Mitgl eder des Rei sta s vor dem Kaiser an König war heute die Stadt auf das Östlichfte

Eine gute Verwaltung

eschmückt. Zu- be'idén Seixendét “'Straßeri, die der 3119 mit

Len Moninsigüikn;“mel e “aus der kathtaskirche nach dem arlamenißgebäu e gebracht wurden berührte, waxen ahlrei e Tribünen errichtet ; das Militär, zahlreiche Vereine, Korporationen und die Schulkinder „bildeten Spalier. In prunkvollem Zuge wurden" die Insignien Vqr- mittags 10 Uhr nach deux Parlamenthebaude, welches zUJleick) durch die heutige feierliche Sißung eingeweiht wurde, uber- geführt. Vor dem neuen Parlamentögebäupe hatten auf einer Tribüne das aus Wien emgexroffene diplomatische Korps, zahlreiche hervorragende_ auslatxdiche Gäste, die gemeinsamen und die osterreichts en Minister, die Mitglieder des österreichischen Parlaments und der österreichischen Delegaiion Aufstellung geznommen. Vor dem Parlamenthebäude wurdxrn dle Krosiinstgnixn aus dem Wagen gehoben und in den Saal getragen; die qunhüter nahmen, neben der Krpne Aukftellung, während die Präsidenten und Schriftführer sich an ihre Pläßc begaben. Nach- dem die Erzherzo e und Erzherzoginnen, welche zur Theilnahme an der eier erschienen "waren, den Saal betreten hatten, wurde die Stßung eröffnet. Nach, einer Rede de_s Vize- Präfidenten des Magnatcnhauses Graken Tt b_o r Kar? [ yt verlas der Schritführer Molinari das anktiomerte Millenniums- geseß, wel es mitgroßer Begeisterun g aufgenommen wuxde. Damit hatte die Sißung ihr Ende erreicht; die Mitglieder des Herrschcrhauses verließen, lebhaft bcgrü t, den Saal unix bc- aben sich sofort nach der Hofburg. a dem die Mitqlieder Jes Reichstags eine kurze RUZeanfe geha ten, .ordnete sich der Festzug wieder, um fich na Ofen zur Huldigung vor dem Kaiser und König zu begeben.

In dem Könißölichcn Palaste haltexi fiel) der Kaiser Und König sowie die aisertn “and Koytgin, die Mitgltxdxr des Herrscherhauscs mit ihrem Gcsfolgc im Salon der Konigm versammelt. Nachdem Meldunq er iattet worden zvar, dgß alles bereit sei, be oben die axestäien, die „Mitglieder des Herrscherhauyes und die Gefolgqßch m feierlxchcm_ Zuge in den großen Saal, wo das diplomatische Korps, die Minister, die Mitglieder des Reichstags und diq hohetz Wurdexiträger bereits versammelt waren. Nachdem die Maxesiaien sich auf dem Thron niedergclqssen hatten, trat , der Prästdent dcs Unterhauscs von Sz1lagy1 vor, um die Ansprache an den König zu halten.

Redner .brachtc zunächst die dankbare Huldigun des Reichstags dar für rie Sanktion des heute in Kraft getretenen eseßes, bat den König, diese dankbare Huldigung der Nation, welcbe Krone; und Ver- fassung niemals von cinander zu trennen vermochte) gnadig anzu- nehmen, und gab untkr Hinweis auf die Anwesenheit des Herrschex- Paares und der Vertreter der fremden Regierungen sowie unter Hinweis auf die von den verbündeten und be- freundeten Staaten zu der Jabrtausendfxier dargxbrachten Glückwünsche dem Empfinden Auödruck, Haß König und Natron stark Hiknd, Wenn sie im Fühlkn und Strxben mit einander yerscbmolzen sind.

edner erinnerte sodann an die auf der Gemeinsamkeit des Herrschere hauses beruhende Verbindung mit Oesterreich; diesezuerbalten seiAuf- gabe des Königs und derNation. Die Gestaltungen der Gegenwaxtzeigten, daß dieVerbindung mit Oesterreich heuteebenso nothwendig sei, wie jemals; diese Verbindung sei für beide Staatkn eine Queue ,der Kraft 11111) der Sicherheit, sie ski eine Bürgschaft für eine erfolgreiche Verlhetdjgqu und für die Geltendmachung großer, dauernder Jntere en, welchx die Segnungen des Friedens sichere und das wahreGewi 1“ _m den mier- naiionzlen Beziehungen verleihe. Deshalb liege es im Interesse beider Staaten, daß die Monaerie nicht nur fest U13?) "stark sei, sondern, daß sie dicse Ucberzeugung aucb alie'rwarts cr- weckc, „Mit Selbstbervußtsein, aber ohne _Sanguimsmys un'd Seibsiüberhebung,“ schloß Redner, „überschreitkn mx dre Grenzscheide, die unser Fest zwijchen Vergangenheit und Zukunft zieht. Wir werden auch fürderhin inmitten, des Wcttbewexves dxr gebildeten Nationen fortschreitcn. Indem tmr unsere Huldiguiig i_n tiefster Ehrfurcht darbringen, Wendkn wir uns an Eure Maxestat mit der Bitte: Möge Eure Majcstätdcr Führer unstrer Bestrebun “„U sein! anrünstig sieben wir zur Vorsehung, daf; kik Eure Mais tat „ZW lange:, lange Jahre «Uf dem Throne crbatc. Es lebe der

önig!“

Nachdcm dic mächti_ braufendcn Eijcnrufq vcrklungen waren, erwiderte dcr Ka17cr und König auf die Ansprache mit folgender Rede: _

„Geehrte Herren! Magnaten und Abgeordnete! Liebe Getreuc! Mit Freuden begrüße ich die hier versammelten Magnaten imd Ab- geordnefen meines geliebtkn Köni reichs Ungarn und_ mdsm :ck Ihre Huldigung mit Dank entgegenne mc", vretse ich die göttlichc Vor- sehung, welcbe ks mir verßönnte, mit meiner geliebten ungarischen Nation die Geden fcicr aus Aula des m_ufend- jährigen Bestandes des ungarischen Stgates beg? en. zu, konnen. Selten und erhaben ist in der That dieses eine [0 historisch denk- würdige Zeitperiode abschließknde Fest, urid tndenx das ganze Land yon dem Gcfühlc der großen Bkdeutung diese-c Feier durchdrungen ist, wollen wir vor allem mit Pietät unserer Vorfahren nedknken, d'cren Weisheit mit Gottes Hilfe den bisherigen Bestand, dicses Staatcs erobert hat und wollen zugleich aus der («schichte dic liche »? re schöpfen, daß dieses Land niir dann stark und bl bend war, Wenn dessen Söhne treu ibrém Könige und, die Religion bochbaltend, unter einander in btudexlickper Eintracht lebten, dasselbe jedoeh Gefahrkn bedrohten,“ wofern mncxe Zwietracht dessen Lebenskraft lahmte. Aber auch dahin weis? uns die

escbichte, daß das Land dankbar jener Nachbarn ,und'Nattynen gc- denken möge, die demselben mit Vereitwtlligkeit hilfreich betstanxcn, namentlich als es um die Befreiung von der mehr als hundertjäh- rigen Fremdherrschaft kämpfte, und daI es auch jkxier Nachbarn gc- denke, mit denen es das wechselnde eschick sowte die Weisßeit unserer Vorfahrkn verbunden hat und mit denxn vereint ene Monarchie gegründet wurde, deren Bestand an dicsem Ort si in Europa als Notbwendigkcit darstellt welche ich von memen 5 or- fabren ererbt und die meinen NaÉkommen m_tverlest zu erhalten meine heilige Pflicht und mein Wille ist wie dies auch das eigene Interk e der beiden Staaten erfordert. Es ist deshalb mein innigster Wuns , daß das Gefühl für diesen Verband nicht nur nicht erschuttert werde, sondern daß es stets unverle t fortbestehe; das; diese Empfindung, sowie die Sympathie der * ngebörigen beider Staaten der Monarchie eine 2 enseitige sei und gegxnseitig zugleich das Be- wußtsein, daß aus d esßr Zusammengcböri keit nicht nur Rechte, son- dern au? ichten für beide Theile erwaßpsen wte dies ßowobl die pra mats eSanktion als auch die infolge derselben gescba ene ge cn- wärßige staatsrechtliche Grundlage weise anordnet- auf Welcher Grund age die anze Monarchie und namentlich mein geliebtes Kßnigreich Ungam in o erfreulicher Weise fich entwickelte unp ayfblubte, ohne daß dadurch die UUVerbrüchlich festzuhaltende „Einheit des ungarischen Staats und der ungarischen politischen Nation und die Entwickelung der ver'tbiedenen Nationalitäten bei Wahrung der staatli erz Einheit und tung der GMF exowie das durch die Ge chichte und die G eve gebeiligte erb ltniß gefährdet wurde, welches Ungarn mit seinen Nebenländern unter Aufrecbtbaltung der eigenen autonomen R te derselben verbindet. Tausend Jahre sind auch im Leben- der taaten eine lange Zeit. Während dieser Epoche hatte das Land neben glänzenden Zeitperioden auch viele Widerwärti ten zu tr en, ja es brachen über dasselbe Katastrophen herein wel e den Besian .der Nation wiederholt ,mit dem Unter ang bedrosten. Die glühende Vaterlands- und rei tsltebe der unXari chen Nation, ihre Tapferkeit und ihre im M ges ick bewiesene e us-

neuen

dauer besiegten siets mit Hilfe kcr„göji1ichen Vorsehung die Gefahren und gaben auf diese, Weise einen glanzenden Beweis ihrer Lebenskraft und ihrer Fähigkeit, den Bestand des Staats zu erhalten. In diesem feier chen Moment muß ich mit Anerkennung dieser hervor- ragenden Eigenschaften der ungarischxn Nation gedenken, und es ist mein inniger Wunsch, dgß _tm unabsebbaren Laufe der kommenden Iabtbunde-te die Nation in Uebereinstimmung mit ihrem König stets von wahrer Vaterlandsliebe geleitet werde und . auch in- mitten der Segnungen des Friedens durch besonnene, den Umständen und bestehenden Verhältnissen Rechnung tragende Ueberlegun die ruhige Entwickelung und das Aufblühen des staatlichen Lebens sichM m e. Bei der Sorge für die Geschickx des Vaterlandes fällt eine- maßgebende Rolle auch dem Reichstag zu, und es ist des alb mein lebhafter Wunsch, daß ein jedes Mitglied „dcr beiden Häuser des Reickxstags, durchdrungen von seinem Beruf sowie von dem Bewußtsein, daß mit seiner Steiinng nicht nur besondere Rechte, sondern auch Pflichten gegenüber dsm Lande verbunden sind, welches von der Geseßgebung Fürsorge und Förderun seines materiellen und geistigen Wohls erwartet, durch Fleiß und nüßicbe Arbeit dieser Erwartung zu entsprechen bemüht sein; möge, wobei Sie auf meine, mit diesen Bemühungen vollständig, übereinstimmende Untersiiißuzxg und „Gnade jederzeit rechnen können.. Und Wenn Sie diese edle Aufgabe mit gegenseitigem Vertrauen und mit" vereinigten Kräften erfüllen, wird sich dxr in dem vietätVOUen Gkseßk, welches Sie in Ihrer beuti cn fctcrlickykn Sitzung verkündexkn, enthaltene Ausspruch bew: rbeiien. Es seie'n dies dis festen Grundlagen jenc'r skgknsrcichcn Harmonie, deren Krait zugleich ein Unterpfand des ficberen Fortfckpreitcns in den künftigen Jabr- hunderteu bildet. Walte Gott, daß es so sei jest und immerdar!"

Diese Rede des Kaisers und Königs wurde mit stürmischen, begeisterten Eljenrufen aufgenommen.

Die österreichische Ouotcndeputation hält in ihrer Antwort an die ungarische Quotendcputation an dem Antrag des ersten österreichischen Nuntiums fest und erklärt: die öster- reichische Deputation sei nicht in der Lage, den von der ungarilxchcn Deputation cstellten _Anträgen zuzustimmsn, blkibo vielme r der Ansicht, da die unstreitig gebesserten finanziellen Verhältniss Un arns eine Erhöhung der ungarischen Quote ais- gerechtfertigt erkeheinen ließen.

Das österreichische Abgeordnetenhaus bat am Sonnabend in 2zzwciter und dritter Lesung das Geseß über die strafrechtlichen estimmungen, betreffend den Betrieb von Aus- wanderungßgcschäftcn, und die Beschlußanträge über die gesty- lichc chelung dcs Auswanderungswesens angenommen- und die Regierung aufgefordert, mit denjenigen auswärtigen. Staaten, in denen sick) zahlreiche österreichische Auswanderer befänden, dahin lautende Verträge abzuschlicßcn, daß der öster- reichischen Regierung iibcr Geburten, Trauungen und Todes: fälle österreichischer Unterthemen aiiihcntische Mittheilungcn gemacht würden.

Großbritannien und Irland.

Dic Admiralität hat'bei privatxn Schiffsbaufirmcn 20 neue Torpedobootzcrstdrcr m Benellung gegeben.

Frankreich.

In der vorgesirigcn Sitzung der Dcputirtcnkammcr richtptc der Deputirtc River untcr lcbhaéter Bewegung des Hauses eine Anfrage, an die Regierung 1"; er eme Nedx des vor kurzem zum Erzbischof von Toulouse crnanntezt Bischofs- Mathieu, welche dieser bei Geicgenheit der ersten Kom: munion des Herzogs von Montpenster, des Sohnes dcs Grafen von Paris, gehalten und in mklchcr er die Familie Orléans verherrlicht habe. Rivct verlan te, das; das Dekret, durch melches Mathieu zum (**)“rzbischoiJ ernannt worden, widsrrufen werde. Der Unterrichts:Minister Rambaud rcchtfcrti_ te die Ernennung Mathieuß, welcher sich immer bemüht abe, die Gemüthcr zu beruhigen, und erklärte, die Rede des Bischofs Mathieu inAngcrs sei keinesfalls eine politische Kundgebung gewesen. River beschuldigte in scincr Replik die Regierung, klerikale Tendenzen. zu haben, und wünschte, seine Anfrage in eine Interpeliaiton umzuwandeln. Der Minister:Präsident Mézlinc war hiermit emoerZandcn und erklärte, Mathieu sei ein sehr libxralzsr rälat, welcher immer die republikanischer) Institutionen, „gc- achtet habe. Mathieu Habke sich keine pqlttrsthc Kundgebung erlaubt; Überdies wurde dj_e Regierung n1ch1_ gc: statten, daß die republikanischen Institutionen angzgrirfcn würden. Bourgeois mißbiUigte dic Ernennung'deS' 1sch_0f6 Mathieu und forderte das Kabinct auf, eine klexrkale Pol_1t1k nicht vorherrschen zu lassen. Dex Minister:Präsrde1_1tMéltnx erinnerte daran, d1ß Bourgeois [eincr Zeit dem Prinzen Hxnrt von Orléans einc OrdenMuszeichnung verliehen hgbe, _und fugtc hinzu, die Regierung werde fiirAchtunq derrepublrkamschcn Ver- fassung sorgen. Die Debatte wurdc“sodann geschloffen. Gegen- über mehreren eingebrachten Tageßordnungen verlangte dcr Minister-Präfident Mélinc die einfache Tagesordnung, welckzc mit 306 gegen 252 Stimmen „angenommen wurde. Die Kammer bewxlligte zum Schluß einen _Kredit von_3000 Frcs. ur Unterstüßung der Opfer der ]üng1ten Explosion m den Bergwerken von Rochebelle. „_ , “_ ,

Dcr Deputirtc Graux 11t an SteUc des anterzPrast: denten Méline zum Vorfißcndcn der Kommission fur die Zölle ernannt worden. . ' '

Ein am Sonnabend veröfZentlichtes Dekret vcrbtctkt dieEinfuhr und den Verkau von Flinten undPulvcr in Madagaskar, _ ' .

Jules Simon ist heute Vormittag 11 Uhr 40 Minuten nach kur er Krankheit „estorben.

Im abreil1814bxn orient ebo;e11,qikvurdelchrlVersstsrbeneZFZH Le rer der oo e an er ati er . orma ue. o ann xr- leYrer an deYbLycseeL in Caexn und Versailles und 1839 „Professor der Z)!)ilosopbie an der Sorbonne. 1848 wurde er in die, kon-

ituierende Versammlung gcwäblt, wo er sich dem linker!

Zentrum anschloß. Nach dem 2. Dezember 1851 verlor er die Pkw.

Jabre wurde er im achten Wahlde it! in atis in den eseygebendcn Körper gewählt, wo er sich bei den erhandtungen über Ar eits-,Unter- richts- und staatswirtl) chaftliche An elexnhnten hervortbat. Na dcm Sturze des Kaiferrei 5 wurde Ja es imon Mitglied der Rea erung der nationaten Vertbeidigun und Minister des öffentlichen

feffur, weil er den Huldigungöeid verweiLzerte. Noch in demselben

Unterrichts. Dasselbe Amt be eidete er unter Tblerö'Präsidentschaft- '

nachdem er am 4. Februar 1871 in die Nationalversammlung c'wäblt worden war, trat aber am 24. Mai 1871 zurück. Am 18. ebruar 1875 wurde er von der Nationalvasammlung zum lebezislänglichcn Senator und leichzeitig von der Akademie" ziim Mitglied Lewäblt. Am 12. Dezcm er 1876 übernahm er das Prasidtum des Miniteriums und zugleich das Ministerium des Innern, trat aber am 16. Mai 1877 zurück. Seit 1879 bekam fte er die radikalen Unierricbtßgesexe Jules er: 's, ebenso die angeme ne Amnestie, wobei er die konservativ- republi anixchen Gruppen des Senats hinter sich hatte. 1890 vertrgt er rankreicb au! der Internationalen Arbeiterscbuv - Konferenz in Ber in. Von | neu zahlreichen Werfen find zu erwähnen: „8013- Usnirg (111 4 Zspßsmbro“, „[„6 goaysrusmsnb (16 Y!". “xviezrs , „,L-s 141776 (111 pstit oirozxsu“, „Da femme (1a xx 315016 :e.

Rußland.

Aus Anlaß des Geburtstags der Kaiserin wurde, wie „W. T. B.“ aus Moskau berichtet, am Sonnabend Vor- mittag AUerhöchstderselben ein Morgenständ en pargebracbt. Später wurde in der Palaiskirche in Anweenbett der Ma- jestäten und der Fürstiichkeiten ein Fest ottesdtenst abschalten; die hohen Würdenträger und die Gefu ge wohnten einem in der Erlöserkirche abgehaltenen feierlichen Gottesdienste bei. Abends 7 Uhr fand im Kreml ein Galadiner zu Ehren der fremden Bots after und Gesandten statt.

Gestern ittag hielt der Kais er eine Farade über 87 Bataillone In anterte, 40 Schwadroncn Kava crie, ZSotnien Kosaken, 96 atterien Fuß-Artillerie und 24 Batterien rei- tender Artillerie, iUSqesammt etwa 50000 Mann, ab. Die Truppen maren ixus dem Chodynskyfelde aufgestellt. Die zur Seite des Kaiserpaoillons vor dem PetrowEky-Palais errichteten Tribünen waren dicht besetzt; auch die von den Trup en freigelassenen Stellen des Chodynskyfcldes waren vom ublikum, zumeist dem einfachen Volk angehörig, cin- genommen. ie Parade wurde von dem (Großfürsten Wladimir kommandiert. Nachdem die geladenen Persönlichkeiten einge- troffen wgren, stie der Kaiser am Petrowsky-Palais zu Pferde; dtc Großßürsten und dic fremden Fürstlich- kciten fothLen zu Pferde, währénd die Kaiserin, die Kaiserin- ittwe und die Prinzessinnen in Galawagen Play na men. Als der Kaiser si? dem Chodynskyfelde näherte, rack) das Publikum in rauscndc Hurrahrufe aus. Der Kaiser ritt die Front ab und . be: Yüßtc die Truppen; die Kapellen intonicrtcn die 5 ationalhymne, die und Truppen beantworteten den Gruß des Kaisers mit donnerndcn Hurrabrufen. Nach dem Abrciten dcr ;ront fand der Varademarsck) und später im Pctrowsky: Pala s ein Frühstück statt. Nachmitxags 2 Uhr wurden zum Abschied die rmzc'n der fremden Ho e, nach 4 Uhr die Not- schafter und esandtcn cmpfangcn. bends 7111)r fand im Kreml ein Festmahl für die Vertreter dcr Moskauer und St. Petersburger Behörden statt.

Gestern Abend 10 Uhr 11 Minuten sind der Kaiser Und die Kaiserin in Begleitung des Großfürsten Ser- „ius und dcr (Großfürstin Elisabeth nach dem «chlosse Ilinskoc abgereist, wo AlicrhöWstdicfelbcn einige Tage zu verweilen gedenken. Um 10 Uhr Hatten bereits die Kaiserin - Wittwc, dic Großfürsten Michael Alexandrowitsch , Ale is Alexandro- witsch, Alexander MichailowitsäZ nnd die Groß- fiirstmncn Olga _Alexandrowna und Xenia Alexan- drowna die Reiie nach St. Petersburg angetreten, wo die Ankunft heute fruh erfolgte.

Der Prinz Heinrich von Preußen is'x heute Nach- mittag von Moskau abgereist.

Am Sonnabend Nachmittag feierte der Moskauer Verein deutscher ReichSangchöriger in dem Park dcs Friedrich Wilhelm: und Viktoria-Stifts scin Stiftungsfest, welches durch das Erscheinen der in Moskau anwcscnden deuischen Fürst- 1ichkeiten ausgezeichnet wurkxe. Der Prinz Heinrich von Breu ß en brachte emen Trinkppruch auf den Ka iscr Nikola us aus, der Vorstßcnde des Vereins CamesaSca trank auf das Wohl des Deutschen Kaisers und dann auf die deutschen Fürsten; der Prinz Ludwig von Bayern toastcte auf das Gedeihen des Vereins.

Italien.

Im Senat erwiderte vorgestern, wic ,W. T. B.“ be: richtet, auf eine Anfra e Camporealc's bezuglich der Debatte im englischen Untcrlzlaus iiber das italienische (Grünbuch der Minister des Auswärtigcn Herzog von Sermoncta: Camporeale habe in richtiger Weise drei wesentliche Punkte besonders Hervorgehoben. Er (der Minister,) sei er- frcnt, sich mit ihm im Einverständnis; zu miscn Über das große Wohlwollen, welches die britische Regierung für Italien gezeigt habe. Dieses Wohlwollen sei als das Ergebnis; der vorexwähntcn Debqttc konstatiert. Ferner freue er sich, daß diescKundgebung bet Gelegenheit der Debatte über das italienische Grünbuch crgangcri sei; denn aus allen veröffentlichten Dokumenixn ergebe sich das korrekte und lyyalc Verhalten der brittychen Regierung in allen ihren Bc- “1ehungen zu den vcrscbiedcncn Mächten und das ganz bc- Fondc'xc chrägc des Wohlwollcns Italien ge cnüber. Der Minister fu te hinzu, daß, wenn die britis 2 Regierung Wunschcn Ztaliens Widerstand cntgegensoßen zu müssen „eglaubt habe, sie ihrer Ablehnung eine so höfliche Form zu geben und dieselbe mit so edlen Gründen zu unter: iizxch gewußt habe, dak; niemand die Vercchtiung haben konne, sick) verleßizu füh en oder in irgend einer 5[rt gekränkt zu sein. Bezüglich des zweiten von Camporcalc hervor- qchobencn Punktes, der von dem italienischen Botschafter in London gemachten Angaben im cnauer Mittheilungen, erklärte dcr Minister, daß er „ck zur Zeit nicht dazu verstehen könne, darauf zu antworten, da er glaube, es sei die Pflicht der Regie- rung, hierauf nur auf Grund absolut zuverläffiger anormationcn u antworten. Was den dritten Punkt anbetpeffe, nämlich den 5_usdruck einer gewissen Animosität, welche die britische Rc- „qicrung czcigt ?abe, so glaube er, daß ein solcher mcbt zu Ta e gc retcn ei. Der Minister fuhr sodann fori: das Ka'inci müsse dem Lande die gane Wahrheit über die afrikanische Angels enheit in einem oment s!agcn, in dcm das Paxlament fo Lehr schwerwicgendc Bcfchlü e fassen müsse. Man musse entschie cn allen Zweidcutigkeitcn aus dem Wege gekien; uxnsomcßr, als das Kabinet durch arglistiger Weise un: yollstandtg geha tene Publikationen angegrif en werde, denen gc en: ubey es dre volle Wahrheit zur Kenntnis; ringen müsse. as Kabmct selbst sei in einer !chwiemgen La e angesiclxts des Ernstes_der zu fassenden Be chlüsse. Ein andern se jedoch nicht moglich. :crauf wurde eine Jntxrpellation über die geheimen Gesell chaften, welche, olZne sich so zu nennen auf das Freinzaurerthum hinzielten, e ngebracht. In der Inter- pellation wurde speziell die Frage gestellt, was die Regierung u thxm bcabsichti e, um das Freimaurcrthum _ unter as_ gemeine Re t zurückzufüZren. Dcr Mmißer- Praßdxnt di Rudini erwiderte: ie Frage sei eine ehr s ]vtextge, weder in der Verfassung, noch 'in den_ Gesczen

1ervon die Rede. Er glaube, daß die geheimen e-

s,

sens aften nichts Gutes leisteten; wenigstens leisteten diejenigen,

welche au ehort Hätten, geheime zu sem, ]eßt me r Gutes als e

wenn es öffen ich wäre" bleibe es ge _eim, o werde es eine Erfahr für die Lauteréeit der öffentlichen cxwaltung. Er laube n cht, daß etzt der Moment gekommen sei, entsprechende , aßxegeln vorzu in en, Er werde dies jedoch thun) sobald skch eme Gelegen et ieten werde, nicht um das Freimaurer-

ehedem. s maurerthum wurde Keinem Live entsprechen,

thum als solches, sondern um aUe geheimen Gesellschaften zu treffen.

In der „Dxputirtcnkammer beantwortete am Sonn- abend der Munster des Aeußern Her og von Sermoneta verschiedene Anfra en, welche sich auf d e Debatte im englischen Unterhause uber ie Vexöffenilichun? der italienischen Grün- biicher bezogen. Der Minister bebiet sich vor, die Kammer eingehend und genau uber den Umfang der im Unterhause gemachten Erklärungen zu informieren, und fuhr sodann fort: es sei Herkommen,'abcr mchtPfli t,daf3 Dokumente wel e eine Erklä- rung oder, em Engagement remder Kabinette ßeträ en, vor ihrer eröffentltchimg „der_t betreffenden Regierungen mit etheilt wyrdxn. Die ztaltemsche Regierung ?edenke m_Zukunt sicb peinlich an diese Gcryohnhett zu haten. Im1un sten Fall ]edoch habe es die Regierung für ihre Psticht angesegkkn, aus absoluter, zwmgendcr Nothwendigkeit davon abzuge en, um aUen Verdacht und'alle Zweifel zu beseitigen und das Parla- ment, vor den wichtigen Entscheidungen, die zu treffen es stch anschtcke, aufzuklären, Die . freundschaftlichen Auseinander- sxßizngen ,ztmschcn Großbritazmien und Italien hätten ubthens wieder den Beweis (FW die herzlichen Beziehungen zw1s en beiden Staaten crbra t. Die Fragesteller Fortis un_d 'Canegallo erkxärten, fie seien durch die Antwort des Ministers nicht befriedigt. Caoallotti bemerkte hierauf, Fortis benutze die Verhandlung im englischen Unterhause zu einem Angriff auf die_ italienische Regierung, ebenso wie La: bouchézrc sich der Veröffentlichung des italienischen Grünbuchs bedient „hab?, um die englische Regierung anzugreifen. Alle betde_ abcr ' hätten Unrecht. Unter allgemeinér Auf- mxrksamkcti erinnerte hierauf der Ministcr-Präfidcnt dt Nadim daran, daß erst kürzlich diese Angelegenheit be- sprochen worden sei. Die Regierung habe sehr eingehende Erklärungen abgc eben; man brauche deshalb heute nicht auf diese Fraqc zurii zukommen. Wenn diplomatische (kaflogen: holten bksiänden, die beachtet werden müßten, so gebe es auch an__dere Gepflogenheiicn, die in gleicher Weise beachtet werden mußten, nämlich diejenige, nicht über eine fremde Regierung von dcr, Red_m'rtribüne herab zu sprechen. Was ge- schehen sci, set in voller Absicht geschehen. C'r wieder- hoic, was schon der Minister des Aeußern zu ver- schiedenen Maicn gxxfagt Habe, daß nämlich die Re- gißrung an_ die Veri) eniiichung dcs Grünbuchs mit dcr großtkn Vorsicht herangetrctcn sei, und erkläre, cr stehe in dem Gefühl für die Würde des Vaterlandes hinter: nienxandem zurück und_ habe das gleiche Gefühl dafür wie ]edex andere, an dcr S_ptßc der Rogierung eines großen Landes zu stehen, das von ]cdcrmann geachtet werden müsse.

. Bei der gestern in Rom vorgenommenen Stichwahl zw1schcn Dcfclicc und OdeScalchi wurdc ersterer zum Ab: geordneten des vierten Wahlkreises von Rom gewählt.

Türkei.

DerGroßfürst-Thronfolgcr von Rußland ist, dem „W. T. B.“ zufolge, an Bord der Yacht „Starnißa“ vor: gestern von Konstantinopel nach Ssewaftopol in See gegangen.

_ Aus Konstantinopel wird qcmeldct, dic Pforte Habe auf die lcßien Vorstellun en der Botschaficr bezüglich Zeitung durch ihre diplomatichen Vertreter im Ausland ein Rund- schreiben an die Mächte gcrichtet, worin die Bewohner Zeituns neuer Umtriebe und (Hetvaltthätigkeiten gegen die Truppen angck1agt und die Mächte ersucht werden, auf die Ernennung christlicher Kaimakams, welche zu einem späteren Zeitpunkte fiir alle diejenigen Distrikte", in denen es geboten erscheine, er- folgen werde, Zest nicht zu bringen, da sonst erneute Unruhen zu befürchten cixn.

Der fraiizöstsche Botßchaftcr (Tambon hat, Wik „W, T“. B.“ erfährt, in einer Au icnz, wclche derselbe am Sonnabend beim Sultan hatte, seine bereits früher gemachten Nath- Lchläac bezüglich Kretas wiederholt, wonach es im Interesse

cr Pforte liege, nach Unterdrückung des Aufstandes dcn Vcr- trag von Halcppa wieder anzuerkennen.

Nach einer Depesche der in Athen erscheinenden „Ephc'mcris“ mis Canea vom 5. d. M. hätten die' Truppen, welche nach Kisamo gesandt seien, mehrere OrtschcÉtcn niedergebrannt. In Poleiixarchi hätten Soldaten zwci hristen ermordet, unter denen sick) ein Priester befunden habe. Eine andere Abtlcilung habe Vukolics in Brgnd gesteckt. Der Markt in Canea s)ci noch mimer geschlossen. Es seien neue Truppenscndungen cin etrolffcn. Die Soldaten bedrohten die Christen; die Banghat=Mitzcn hatten nach dem_Wach des russischen Kon als mit Steinen Jeworfcn, als sich icscr von Halcppa na Canca begeben

abs., _- In Selino sei zwis en Soldaten und Christen ein Strctt entstanden, in de scn Verlauf 3 Christen und 6 Türken getödtet und 9 andere verwundet worden seien. Die Flüchtlinge , die von _ Rethymon iii Syra emgetroffsn seikn, berichteten, daß die Christen, die sich m die Stadt geflüchtet hätten, von allen Hilmeitteln ent- bloßt seien. In der Provinz Rethymon seien die Orischaftcn (Hicllo, Prins und Axipopulo niedergebrannt worden und weitere Ermordunxzen vorge ommcn.

Eine ürzlich in Macedonien eingedrungene 40 Mann starke Bande “Bulgaren ist, wie „W. T. B.“ berichtet, in Ueskueb festgenommen und gefangen gcscßt worden.

Griechenland.

Dcr Minister-Präsident Delyannis hat an Stelle des erkrankten Justiz-Minisiers Varvoglis interimtftisch die Leitung des Justi -Mtnistertums übernommen.

Die egicrung ha_t einen Kredit von 20000 Drachmen zu Gunsten der fluchtigen Kr'etenscr gefordert.

Montenegro. Der Fürst von Montenegro hat seine Abreise von Moskau nach Konstantinopel, Belgrad und Sofia wegen Er- krankung des Prinzen Mirko verschoben.

Amerika.

Berichten aus Havanna zufolge beginnen die militärischen Operatxonen durch den Eintritt der Regenzeit sehr schwierig zu wer en.

Nach einem in Madrid verbreiteten Gerücht hätte das S iff „Three Friends“ eine Flibuftier-Expedition auf Cu a gelandet.

Afien.

Der Schah Musaffer-ed-din hat, wie der „Times“ be- richtet wird, gestern seinen Ein7ug in Teheran ehalten. Heute findet der Empfang des dip omatischen Korps att.

Afrika. _ Nach einer dem britisaYOen Kriegs-Ministerium aus Kairo zugegangenen amilichen epefche überraschte der Sirdar

Kitchener Pascha die Derwische csiern frü bei irket und schlug dieselben troß heftigen Widerßtandes unZ hart:?!ckiger V„ertheidigun ihrer Stellungen auf Hügeln und in Dörfern voll- standig. Die avallerteschnittdenDerwifchendenRückzu ab. Die Englander crobertxn tas Laßer der Derwische mit allen Kgameelen, Pferden, Maulthteren un Vorräthen. Die Derwische ver- loren gegen 1000 Todte, darunter i ren Führer, den Emir ,ammuda. Dcr egyptische Verlust eträgt 20 Table und

Verwundete. Hunderte von Vermischen wurden gefangen

genommen. - . _ Der „Times“ wird aus Suakin berichtet, der Khalika Abdullah habe an die Derwische, wclche zuleßt Kassa a belagerten, den Befehl ertheilt, zurückzukleen und die Be- lagcrung ?u erneuern. - Das „Reutcr's e Bureau“ meldet aus Sunk 11, es werde berichtet, der NegusMenelik habe dem Khaiifa mitgetheilt, daß er bereit sci, ihn mit Waffen und Schießvorräthen gegen dieKreunhe Italiens zu unterstüßen. Aus Massowab bert ist die „Agen ia Stefani“, der Prozeß ge en den General Baratieri ha e am Freitag be- onnen._ ach Verlesung der Ankla eschrift seien von der ertheidtgung Lechs NichtigkeitSeinwän e gegen die Straf- vexfolgung cryo en worden, welche jedoch abgewiesen worden seien. Auf Verlangen der Anklagcbehörde habe das Gericht den General Baldiffera als Entlastun s- e„u en gUSgeschlossen. Sodann seien der Bericht er 306? Lexi Kommandostcllc über die Schlacht vom 1. März und dte Militärischen Personalakten des (Generals Varatieri ver- lesen worden. Danach habe General Baraticri begonnen, sein Verhalten genau außeixianderzuseßen, doch sei die Verhand- lung wegen des erschopfien Zu gndes Baratieri's vertagt worden. Vorgestern seren Wkl Sitzungen abgehalten worden, in welchen das Ver ör des Generals Baratieri beendet wyrden sei. Auf Antrag des Vertreters der Anklagebehordc und_dcs Vertheidigers seien verschiedene Doku- mente aus dem_ Gruybuche über Abcsynicn verlesen worden. In dcr Nachmittagssißung sci das rgcbniß der durch den Obersten Corticelli vorgenommenen militär-tcchnischkn Unter- suchng verlesen und der Zeuge Oberst Valenzano vernommen wor en.

' 'Die „Times“ berichtet aus Vuluwayo vom 6. d. M., eine britische Streitmacht, welche Maximgcschüse mit fich geführt, habe em wenige Meilen von Büluwayo entferntes Impi der Matabeles angxgrrffen und den Feind vollständig in die Flucht Feschlagcn. Die _Matabeles hätten 150 Mann verloren, auf

Mischer Seite seien 3 Mann getödtct worden.

Parlamentarische Nachrichten.

Dechricht über die vorgesirigc Si un des Rei 5- tagc befindet sich in der Ersten Beilage. 8 g ck

' _ In der hc_utigen (99) Sitzung des Re ichstags, welcher die Stacxtssekretare, Staats-Ministcr Dr. von Boetticher und Freiherr von Marschall beiwohntcn, stand zunächst auf der Tagesordnung die zxvcite Bcrathung der Ver- trägc zwrschen dem Raich Und In an, und zwa_r ,1) dcs Handelß- und ' Schiffahrts- ertrages neb)t_emem Protokoll, cinem Tarif und zwci Noten, 2) des Konyular-Vertrach nebst einem Protokoll.

Abg.Graf von Kaniß (d.kons.) erklärte, das; scineFreunde für den Vertrag stimmen wüiden, nicht weil derselbe alien Wünschen der deutschen JndYstrte Rechnung txaqe, sondern damit Deutschland nicht hinter dsen ubrigen vertxngschlteßenden Staatsnzurückbleibe. Dieser Vertrag sci, em neuer Beweis dafür, daß die Industrien der fremden Staaten anfangen, fich vom Auslande unabhängig zu machen. Im Vertra e werde auf den englischjapanischcn Vertrag hingewiesen. ieserfpre e nur von d_cm Erwerb beweglichen und unbeweglichen Vermö ens in Japan. wahrend in dem vorliegenden Vertrage davvn nicht d e Rede sei. Das bedürfe? einkr Aufklärung.

Bci'Schlus; des Blattes nahm der Staats ekrctär des Auswäxngen Axnts, Siaats-Minisicr Freiherr arsFall von Btcbcrstctn das Wort, dcffen Rede morgen im ort- laut nachgekragcn wcrden wird.

- ----- Nack) amtlichcr Fcsisteüunq erhielten bei der am 2. d. M. im 3. Potsdamer Wahlkreise LRuppin:Templin) vorgenommcnxn Rcich6tags-Stichwah von 18457 ab- gegebxncn Stimmen Lessing (fr. Volksp.) 9764 und von Arnim (fon).) 8648. Ersterer ist mithin gewählt.

- Auf der Tages:)rdnuns? für die morgige Si ung des Hauses der Abgeordneien eben" 1) Erste Berat ung des Geseßentwurfs betroffend 'die Au hebung der éyvotbekenämter im Geltungsbergi c des Rheinischen echts. 2) Erste Beratbung des Vertrags zwts en Preu cn, Oldenburg und Bremen über den weiteren Ausbau der Fahrbahn n der Außenweser. - 3 Erste und weite Beratbuxig des Gesekentwurfs, betre end die Erri tun eines mts- Yrichts m der Stad Znin. - 4) rsie und zwe te TLZ

ese entwurss, betrxffend die Abänderung von Amtögericbtsbezrken. - 5 Erste und zweite Beratbung des Geseventwurfs, betreffend die Aufhebung des Amtögericbts zu Peaworm. - 6) Beratbung des Be- richts der )(17111. Kommission uber den Antrag des Abg. von Brock- bausen wegen Vorle un eines Gesetzentwurfs, betreffend die Be- steuerung dcr Waaren WIN 11. s. w. _

eratbun? dcs

Kunst und Wissenschaft.

Von der am 25. und 26. Mai in Berlin abgekaltenen Haupt- versammlun der Comenius -Gesellscha t sind “o ende Gelxbrte, die |Z auf dem Arbeitsgebiet der Gesellschaft wissen cha ich beibatiÉt haben zu Diplom-Mit liedern ernannt worden.-

crd. d. Bui on, Abtheilungs-Dire tor ür das Unterrichtöwe en iin nterrichts-Ministerium zu Paris, UXrofe or ])r. Fornelli in eapel, rofeffor G. Hamdotff in Malchin; ecklen_burg), Profeffor Or. rald järne in Upsala Ober-Vibliotbe ar1)r. Heinrich Mäaner in :Un, Pro““e or Vr. éinwche in Lille, Direkior Dr. N. Seebausen und Pr ":e or1)r. V eto: in Marbur a. L. -- Von derselben Versammlun wurden zu ftellvertretenden Mita iedem des Gesammtvorftandes Wädi? die en Stadt-Schulinspchtor Vr. lTip FMUÉYUUM Geheimer Nek mm s-Ratb und Landes-Syndi arl batbt (Berlin Bi lioihe ar Vr. Nörrenberg (Kies) und Lehrer R. Aron (Berlin).

-- Die zweite Abtheilung deo oMiellen Katal- Baveri chen Landeß, Industrie- ewerbe- “u' ' aus el ung zu Nürnberlk, mtbaitend das _ ver unst alle der Aus : una vereinigten Oe.

emälde, quareae, Pa e e, srapbi eben Kunst rbeiten und architektonicben Entwü „e in“ i * nach den Urbebemamen geordnet, isi soe'ben YdÉvFrlegt vom Bayerischen Gewerbe-Mu eum

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