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„ _ Schiller-Tbeafer.
Gebiller's Geburtstag wurde in dem Theater, welches seinen Namen trägt und Welches den moralischen Einfluß auf die breite Ma e des Volks zu ewinnen erstrebt, den dieser idealste deutsche Yol sdicbter der Schau übne zuerkannt wissen wollte, mit einer Auf- fuhrung des „Demetrius“ be angen. Von diesem leßten und retfstxn Werk Schiüer's, welches 15n noch in seinen leßten Stunden beschaftigte, liegt leider nur ein Bruchs1ück von MM anderthalb Akten und. als berkdtes Zeugniß für die Sorgfalt und das Studium, w§lches der Dichter an seine Aufgaben wandte, der Entwurf sowie eine
1111: zusammengetragenen Materials für die Fortse ung des, Trauer- piels vor. Bei der Großartigkeit des fertig geste ten,Thetls ist es ein'Wunder, daß der all emein gehegte Wunsch. emerseits das Sch1ller'sche Bruchstück der * übne zug nglich zu machen, andi'rcrsetts dasselbe würdig und tbunlicbst im Sinne des Dichters zu voÜenden, immer und immer wieder nach Erfüllung rang. Schon Goetbe trug ßch Ernstlich mit diesem Plane, brachte ihn aber nicht zur Ausführung. Den frühesten, freilich dsrunglückten Versuch machte „Franz Fryiherr 0011 Maltiß (Karlsruhe 1817), den 11086011 Gustav Kühne, de 811 9115811 im Jahre 1859 zum 100. Gkburtstage Schille1's er chien; der erste indessén, dkm es glückte, ein für die Aufführung geeignetes Werk aus dsm Vorhandenen aufzubauen, war Heinrick) Laube, desskn rein rbyatralischwirksameErgänzuna bekanntlich vor einigen Jahren bei Eröffnung des Verlinkt Theaters in der glänzkndcn JnscenierungLudwia Barnay's bier wiedererstand. :Oas SchiÜer-Theater Vermittelte uns Estern die Bekanntschaft mit einer Bearbeitung n0ch jüngeren
atums, mit derjenigen des im Ja5re1889 als Direktor des Gymnasiums zu Wolfenbüttel verstorbenen, auch als Lykikkr bekannten Otto Sie 0819. Dieser ist, 0011 der an fick) unansecbtbaren Vorausscyung auSgebend, daß Schiller selbst in wkiteren Stadien seiner Arbeit dkn msprünglicben Entmaxf umgemodelt haben würde, in seipsm Ergänzungs- werk ziemlich sklbsiändig vorgkgangen. Während er das Schilker'sÖe Bruch- stück, gleich Laube, n1itpietäwoller Rücksicht fast un961ä11dert ließ, bat er, um den Helden Demstrms 0an Widkrpart in den Mittelpunkt der Handlung zu steUen, im Gkgcnsaß zu Lande, dis Scenen des Zaren Boris gan; ausgeschalte't. Beidkn Bearbeitsrn ist aber wikder die Umformun des Charakters der Axinia in dem Sinne JEMLinsam, da dissc den Demetrius liebt, wäbrknd fie nach Schiklkr's 211111115711 dem R0man0w _ der fich weder bei Laube noch bei Sisvers 001find81 _ zugetban sein und dm Usuxvator 5051-11 soll. Gegkn Laubés breitcre fü11fak1i118__ Anlaß? dés Traue'r- spicls 501 SiCVCrs' Arbeit den „Vorzug der Kürze; die 230111711168 dränge»; si-X) in vier Akte zusammen. Aach die Diktion Ll'bkbt s1ch zuwcilcn MM 018 nüchternere Sprache Laube's, 05111? 51665 den Sch1Ucr'schen Schwung zu erreichen; 011 Reichthum 5551181110111711111181 Scsnkn steht 0er dik 11811818 Ergänzung gkgen die ältere 8111schied€n zurück, d01111 aus dEr Haupt- und StaatLTaktwn ist bei Sievers mehr ein intsrnks Familiendrama geworden, das des großkn bist0rischcn ZUJSS 771110110811. Die Jnscenierung, in d€r das ka dargcboten wurde, machte dem Regisseur Pategg aUe Ehre. Schon die große Rcichstagssc8n€ erweckte durch ihre Lkbendigkeit starken Bkifall, der nicht zum Wknißstln dkr packe11dc11 Leistung des Herrn Froböse als Savieba 0011. Herr Bach war 111 der Titklroüe 1101] Ldlén Anstands_1111d hinre-ißcnden T_empera- mentx. Vortrefflick) waren auch die Mmfa dss Fräulein D6t1chv und de-r Odowalski 0118 He'rkn Winterstein. In dcr E01s0000r0lle des Bitjakowsky sch11f Herr Pauly eine Gestalt 17011 lcbcndigér Charaktérißik. Die übrigkn Pyrsonen find in der zu Grunde gelegten Béarbéitung mit Worten nur karg bcdacht worden; 710 Wurden im Ganzkzn würdig dargestsÜt. Die Ausstattung lisß nickyks z11_1111"111sch8n, 110111811t- licb fand ein 0011 Herrn Fischer 110111111161, 5811 Krsml darstlender Prospkkt ungetbeilte Anerkennung.
Theater d69 Wüstens,
Schiller's Gebartstag gab 98118111 Abönd willk01111118118 Ver- anlassuna zur Aufführung des Trauerwikls „Maria Stuart “, WLUÖZS 5icr zum Ersten Male in Scene ging. Die Tite'lrolle spichc Fräulc'in Barkanv, döc nach jahrelanger AbWLs8n5eit 0011 2101151 fast underändkrt mit 06011 151.11 scha11sviclkrisch7n V0r111-„1111 111173 Schwächen 11118061 (1111 dsr 25115118 011051811. Ihr(- Kunst stützt sich zumeist (101 rsin äußkrlch)? Mille], aber dicsx- find glänzsnd _1111d 0111010710001]. ZHW. 510111111131" (8111561110119 in reich81498w0115111111 01171511 sch011 111111110 für fick) nicht di:" “1531151111; a11fdé1'MLbrzal1l di'r Zuschauc'r: dazu 101111111 8111 11*051kl€11g€11d€s, stets in schw1111900klcr Bewegung 586110110585 Organ
und eine klare, deklamatorisckoe Sprache die freilich nicht die Ti en der Dichtung erlcböpft, sich aber den weÉselnden Empfindun en gesch ckt anpaßt; ihre St mme versteht zu stürmen und Zu zittern, UUF Wenn ihre Seelenicbterbebt. Fräulein Stéphanie Salta, we che die RolLe der Königin Elisabeth zu spielen batte, verfügt nicht über das zur Bewälti ung dieser Aufgabe erforderliche künstlerische Vermögen. Der Darste erin mangelt troß ibrer stattlichen Erscheinung die Majestät des Wesens und der selbstbewußte, die Umgebung beherrschende Klang der Stimme. Dieser Elisabeth gegenüber, die aus der Enge klein- licher Bosheit und neidischer Mißgunst heraus ihre ver- nichtenden Pfeile zu senden schien, blieb natürlich in der großen Gartenscene Fräulein Barkanv in jeder Beziehung Siegerin. Die beste Leistung des Abends bot Herr Bonn als Mortimer; er wußte dyn religiösen FanatiSmus und die Lkidenschaft der Sinne in schwärmerischer Exaltation glücklich zu varyinen. Herr Dracb als Leicester sprach seine Roue in réachläsfiger, eitler Selbstbespiegelung obne Ernst und inncre Ergriffenheit. Die Herren Kober als Bur- leigb und irle als Amias Paulet konnten genügen. Herr Haid spielte die olle des Melvil Verständig und unaufdringlich.
Jm Königlichen Ovckrnbause Werden morgkn Leoncadaüo's ,Bajazzi' unter Kapeümeister Sucher's Leitung mit den Herren SyWa, Bulß und Fräulein Egli in den Hauptroüen gegeben. Hierauf folgt das Vaüet .Die: Puppenfee“, in welchem die Damsn dell'Era und Urbanska auftrkten.
Jm Königlicben Schauspielhaus: gebt 1110175811 Otto v0n der Pfordten's Schauspiel ,1812' 111 Scene.
Im Theater des Westens 11851 morg1n Abend das Schau- spiel „Treue“ 0011 Alexander 0011 Roberts in Scene. Das Stück wird auf vielfaches Verlangen auch am Sonnabend und am nächsten Sonntag Abend wiederholt werden. Am Freitag findkt eine Wieder- bolung 0011 „Maria Sjuart“ statt.
Die krste Auffübrmag der neu (18111111108th .Dramatiscben (Gesellschaft“ imeeater des Westens findet am S0nntag,de11 29. November, Mittags 12 Uhr, statt. Gegeben wird die drkiaktigk Komödie „Die F0511e»nwei58* 0011 dem jungen Müncksener Poeten Josef Ruedcérer. Da die Jnscenicrung des im oberbayerischen Gebirge spiklenden Werks Wegen dEr Eigenart der Dkkoration 11110 der großsn Personenzahl, die fast das gesammte Ensemble dss Tbéaters dss Westens in Anspruch nimmt, schwierig u11d zeirraubend ist, so konnte der Z8itpunkt dsr Aufführung 1111151 früher festakscßt Mrden. _ Anme'ldungen zum Béitritt zur .DramatischenGessUscbaft' nimmt nach Maßgabe der 11015 Verfügbaren Piäße Herr Theodor Entsch, Jägerstraße 20, entgegen. *
Von den .Mittbeilungsn für die Mozart-kaeinde: in Berlin“ (im Vertrieb der Königlichen Hofbucbbandlung 0011 E. S. Mittler u. Sohn bierselbst) ist soeben das dritte Heft erchi€11211, wclcbks s!ch glkick) den beiden wdrangeganaknen katén durch Reiclybaltiqkeit des Inhalts anßzcicbnst. Der Erste Aufsaß: ,UebEr Mozart's K*!avierdariationkn“ 0011 Dr. Haase 111 N0rdbaus8n bringt diese graziössn Schövf111111€n Mozarj's mit feinkr Empfindung und in sehr warmen Worten in Erinnerung. Jn 71110111 umfangréic'bén Aufsaß 0011 BCM Herausgeber Rudolph ©8119? wird die jüngstg Aufführung dss „Don Giovanni" in Münchs" bc- sVrocbkn. Dic mufikaliscbe und dramatisch Einrichtung 0813 einzig-xn Wékkés wird lsbhaft 011811011111, 11501 Ebenso bkstimmt IMM dic fort- währendsn Erneuerungen deß Tsxtss 1701811116811 und di? alt?, seit 1801 populär gswordene 310621113511)“: U051'1s8131111g 011011 11011ercn Vcrsucbkn 5171 100118111 Vorangestsllt. Ein kleinerer Artikél über Mozart's Schwester Nannerl 511001 11111: den erläuterndkn Text zu einem schönen Bildnis; dexselbcn, das nach dem Salz- burger Original in sorgfältig ausgefübrtEm Holzschnitt wicdkr- 11041958nist. Eine z10€it€ 1111810501110 bildliche Béigabc ist die in Lichtdruck angefüHrte R8010d11k11011 811184? (111811 Kupferstichs, auf dcm dia 5115658 Anekd0te zur DarstEUunN 1111011111, die fich im Berliner Nati0n0l-T51'atkr 1789 bsi 2111107555111 M0zart's creignct-Z. _ Diess „Mittheilungcén“ Wkkdkn den Z).)kitglikdé'rn der Bc1'li110r Mdzart- (Gc'nu'indkz gratis zugcstklif, smd jcd0ch auch für Nich1111itglicd€r dnrch 0118 Buch501151111111811 (Preis dss 1731-1111 ] „45 50 „Q! 111 581105611. Wie dix? am Schluß de'I 4181180 (1511001110118 E1'gä11z111111911s16 11achwkisi, smd ssit Ende Januar dcr Berlinkr szart-kacinkk 122 110118 Mit- giécdkr 5014161111811, s0daß diksc'lds jkyr 1111 GÜUZM 117158311 500 Mit- glieder zä51t.
Mannigfaltiges.
Die für heute Mittag angesetzt gewesene Vereidigun der Rekruten der in _Berlin, Charlottenburg, Spandau und roß. Lichterfelde garnisonterkndxn Gardetruppen wurde auf Allerhöchsten Befehl Seiner Majestat des Kaisers und Königs abbestellt,
Hersfeld, 9. November. Das zu Ehren des badischen Oberst. Lieutenants, nachmaligen Generals Lingg hier errichtete Denkmal wurde gestern in Gegenwart der Spißen der Behörden, von Korpo- raxionen und emer großen Menschenmenge 111 feierlicher Weise ent- hullt. Das Denkmal, dessen Fertigstellung einem vor drei Jahren gybildeten Ausschus1 gelungen ist _ hauptsächlich dank der yon 1111 J11- und Auslande wohnenden Hersfeldern gewordenen Untsrstußung _, ist 571: AUSdruck einer längst fäÜigen Ehren. schuld. Am 20. Februar 1807 solXte dcr Damals ein badi1ches Jäger- Bataillon kommandierende Oberst-Lieutenant Lingg auf Befehl der fxanzösäscben Gewalthaber die Stadt HkkÖfkld plündern und an auen vtcr Ecken, anzünden, wsil die Hersfeldkr gegen die französischen Truppen emen Aufruhr angezettelt und einen Soldaten ermordet batten. Lingq vermochte j€d0ch durch skin edles Beispiel die Soldaten 0011 der Plünderung abzuhalten. Die Stadt mußte zWar an 011011 vier Ecken angezündst werden, doch waren es aÜein. st€5811de Häuser, und da Zingg mit seinen Soldaten alsbald abzog, so konnten die Vürgc-r die Stadt dor dsr Brandzerstörung bewahren. _ Das Denkmal 3056 auf granitusm Scckx'l die 0011 F. Göring. Berkin 1110d8llierte und 0011 Giadepbeck in Bronze gegosskne Statue des Helden, der. in badische JägCr-Offizisrs-Uniform gekleidet, die Rechte wie zur Ruhe mabnend 715851 und in der Linken den Pallascb hält, während der rechte Fuß eine Brandfackel z81'tritt.
Leipzig, 10. November. In dem Prozeß gegen Auer und Genossen wsgen Verqehkns widér das Vereinsgeskß fand heute vor dem ReichSgericht die Verhandlung über dis Revifion statt, welche 0011 15 dsr Verurtbeiltkn Angeklagtkn eingelkat Worden war. Levtere wurden 0011 dsn Rechtsanwalten Wolfgang Heine und Herzfeld aus Berlin vertretcn. Dkk Obc-r-Nsicbsanwalt bkantragte die Ver- wk'rfung dsr Révifion, da 010 Feststéllung der „Verbindung zwischen den W051081€i11€11 und der Partkileitung, sowie die Fsststellung des Véronßtseins 0011 diesxr Verbindung nicht rkchtsirrtk3ümlich sei. Das Rsicbsgcricht 505 indkffen das 11115811 dsr Strafkammer des Land- Mrickpts 1 in Berlin auf 11110 07110189 die Sache zur nochmaligen Yerdandlung an dik V0rinsta11z zmück, weil die nach § 8 des Vereins-
eskßks 81f01d1r1ickc Feststeljung des Tbatbe'standSMermals, daß die Sarteileitung 8111 Vekéin sci, 10710561 p0litisch6 Erörtkrungcn in Ver- fammlungkn bszwe'ckk, zu Vormiffkn sei.
2318111811, 10. 9101161115011. DLL" .Brsmer Couricr' meldet 0118 Wil 501111 9500011: 910chd8111 0111 25. Oktob-xr 5018118 zwei Gerettete von dEr Mannschaft des .Jltis' 5161? eingktroffen waren, ist heute 5101 dic M01d111111 kingc'laufcn, daß auch die übrig? gkrettete Man 11schaft d00 ,Jltis“ am 27. d. M. in Wilhelmsbaden an- kommen wsrdc. Für den fLicrlichen Empfang dkrselben werden be- s011dc1'c Vorkcluungkn gctwffsn.
St. 0311011118, 1021008111500 Durch einen Grubeneinsturz 111 TaXandieYrc WUrden, 811181 Meldung dss „W. T. B.“ zufolge, 4 Berglcutc 11010dtct.
St. Pktcrsburg, 11. 211008111500. Auf der CisenbabnliniL St. P 01818 [) urx1_-W_arsc5a11f11nd,1tc1ch Links Meldung des ,..WT B.“, zwisckpcn den Statidnkn 5811811150 und S0kolka sin Zusammenstoß dss 0011 S1. Pktcröburg k0111111€11dc11 Schnellzugcs mit einem 001- schrift§widrig auf das Gleis des 71081011 Juleitetkn Güterzu 118 statt. Skcd's P131s011en wurd?" getödtet 11110 13 verletzt, dar- untcr 7 110111 Zugpcrsonal.
S1. (Hallam, 10. Novémbcr. Das Kat1t0x1sx1kricht entschied 501111'111dk111P1050ß WSJLU des NacblasWs 0011 J050n11 Orti) (Erzbkrz0g J0501111 0011 Oosterrsich)d051n, das; 010 Bank 111 ST. 690000 110 “001 151 5111112181110 Milli0r1 zurückzuzablkn 5057.
(Fortseßung dcs Nichtamtlichen 'm dsr Ersten Beilage.)
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Dichtung 0011 R. Leoncavallo, deutsch von Ludwig Ju Scene gesetzt 00111 Obcr-Regiffcur Teslaff. Dirigent: Kapeümcister Suchkr. _ Die „. __ Pantomimifches Ballet-Diverfiffkmcnt
S0nnab€nd: Zum crsten Maß: Schauspisl 111 3 Vlkt-Zn 0011 Paul Hervicu.
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1) Nachts Regen.
Uebersicht der Witterung.
Unter der Wechselwirkung eines 770 111111 über- steigenden H0chdruckg€bi€tes über Frankreich und Links am Rigaisch€n Busen liegenden Miyimums, unter 750 mm weben im südlichem Ostseegkbtst mäßtge bis stürmische Westwinde, wäbr-xnd im Binnenlandes schwache südliche bis westliche Luftströmung Vorberxscbt. In Deutschland ist das Wktter trübe, an der Küste, wo fast überal] Regen efallen ist, mild, im Süden kalt. Fortdauer wabrs einlickp.
Deutsche Seewarte.
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Theater.
Königliüje §chanspjele. Donnerstag: Opern- haus. 223. Vorstellung. Bajazxi. (l'aanool.)
0011 Haßreiter und (Haul. Musik 0011 J0sk115_ Bayer. In Scene gesevt vom B0110tmsister Emil Gracb. Diriaent: HLN“ Ben115010. Anfang 78 1151".
Schauspielhaus. 252. Vorstkslung. 1812. Schawpisl in 5 Aufzügen 0011 Otto 0011 081 Pf0rdts11. Ju Scene gesetzt 00111 O50r-chisfeur Max (Grube. Anfang 73 Uhr.
FrLitag: Opernhaus. 224. Vorstellung. Dic Hugenotten. Große Opsr in 5Akt€n 0011 Giac01110 Meyerbker. Tth nach dem Fra111öfischen dss (811110116 Scribe, überseßt 0011 Ignaz Castelli. Tanz 0011 Emil ©1085. Anfang 7 Uhr.
Schanspie15a119 253. Vorsteüung. K_chraus.
[audcrci in 1Aufzug, n0ch dem Dän17ch811 des (ulius Lkbmann, dyarbeitet 0011 Hermann Brau- müUk-r. _ Eine. Historischkr Schwank 111 3 Auf- zügen 0011 Max Drcyer. Anfang 75 Uhr.
Deutschks Theatkr. Donnerstag: Freiwild. Anfang 75 Uhr.
Freitag: &lokituri. (Teja. Fritzchen, Das Gwig-Mäunlichc.)
S01111058nd: Ulorlturj. (Teja, Fritzchen, Das Eivig-Männliche.)
Berliner Theater. Donnerstag : Renaissance. Anfang 75 Uhr.
Freitag (10. Abonnements - Vorstellung): Dic offixiellc Frau.
Sonnabend: Renaissance.
Mssmg - Theater. Donnerstag: Die goldue Eva. (Georg Engels als Gast.) Anfang 71 Uhr.
Freitag: Zum ersten Male: MaSken. Drama in 1 Aufzuge von Roberto Bracc0. Deutsch 0011 Otto Eisenschüß. _ Hierauf: Neu einstudiert: Untreu. (Jenny Groß.)
Sonnabend: Die goldue Eva. (Georg Engels als Gast.)
Resdenz-Theater. Direktion : Sigmund Lauten- burg. Donnerstag: Vorletzte Aufführun . Der Stell- vertreter ( l-e Üomplaxaut). Lust?piel in 3 Akten 0011 2531111001 Bu511ach unk) Georges Dudal. Deu1sch von Max Schönau. _ Hierauf: Treptow's Ab- schied. Berliner Scheribild mit Gesang in 1 Akt ??nuéottlieb Müller (Dr. L. Le1pziger). Anfang
r. Freitag: Zum leßten Male: Der Stellvertreter.
Oper in 2 Akten und einem Prolog. Musik und
_ Hierauf: Treptow's Abschied.
Ucurs Theater. Sch1ffbauer5amm 44/5. Dirxktim1:Si-,11nund 5301118115051. Donnsrstag: Bqck- sprüuge. Schwank in 32111111 0011 Pa111H111ch- 580481 und C. Krauß. _ 3801581: Die sittliche Forderung. KOMÖdiL 111 1 Akt 00110tt0 Erick) - artlcbcn. Anfang 7:1 1151.
Freitag: Bocksprünge. _ 2101581: Die satt- lirbe Forderung.
_ V015er: Dic
Sonnabend: Bocksprünge. sittlichc Forderung. _
Sonntag, Nachmittags 3U5r: Zu 511111111 PreiU'n: Dcr Hüttenbcsiycr. Schanspicl in 4 Akten 11011 George's O5n81.
Theatrr drs Wenens. 111111115154 12. (Bahn- 50f Zoologischer Garten.) Donnerstag: Treue. Schauspiel in 4 Akten 0011 2117171115011 0011 Modems. Anfang 75 Uhr.
Freitag: Maria Stuart.
Sonnabsnd: Treue.
In Vorbereitung: Schiedsmann Hempel.
Theater Unter denQnden. Bebren1tr55/57. Direktion: Julius Friysckze. Donnerskag: Dcr Ober- fteiger. Owenxtte 111 3 Akten 0011 M. West und L. Held. Musik 0011 Carl Zeücr. R8 ie: Herr Yanno. Dirigent: Herr Kapellmeistkr orolanyi. * nfang 74 Uhr.
Yeitag: Die ledermaus.
0111111513110: um ersten Male: Unter, den Linden. BaUetpbantasie in 3 Akten 00n Benno Jacobson. Mufik von Paul Lincke. Durchaus neue glänzende Ausstattung.
Thalm-Theater (Vorm. Adolph Ernst-Tbcater). Dresdcncrstraße 72/73. Direktion: W. Hasemann. Donnerstag: Gebildcte Menschen. Wiener Volks- stück in 3 Akten 0011 Viktor Léon. Anfang 71 U51:
Freitag: Gebildete Menschen.
Sonntag, den 15. November, Nachmittags 3 Uhr: Bei halben Preisen: Prima Ballerina.
Zentral Theater. 2111: Jakobstraße 30. Direktion: Richard Schuss. Donnerstag: Emil Thomas a. E. Eine wilde Sache. Große burleske Ausstattun spoffe mit (Gesang und Tanz in 6 Bildern 0011 Julius Freund und W. Mann- 7de15 Musik von Julius Einödsbofer. Anfang
r. Freitag: Give wilde Sache.
Rossini, .Zampa' 11011 HUND. Prolog aus .Der Bajazzo“ 0011 Le0ncavallo. linzxarische Rhapsodie Nr. 1 0011 Liszt. Walzer „9101111 0119 dkm Südcn“ 0011 Strauß. Potpourri „211101110“ 0011 Linkc. .Zigeunsrweissn' für Vi0lin€ 0011 Sammle (Hkrr Carnicr). „Dcr Liebestraum' für (Cornet-ä-Piston 0011 Hoch (Herr Werner).
Philharmonie. Donnerstast, Anfang 8115r: Konzert der Berliner Liedertafel (Chortneister A. Zander). Mttwirkung: Königltckye .H0f0pcrn- fängcrin Fräulc'in J. Hiedlcr.
Baal NLchÜLÜK Tmmcrstag, Anfang 8 U51: Liedcr-Abend 0011 ],)r. Ludw. Wülluer. W. 7 ' “ “ "ÜF.“ " W.;“.
Famrlten-Nachrtckjten.
Vkrlobt: Frl. Alice 0011Wartc115019 mit dem Katnmcrbkrrn Leonhard 0011 Kalckreutb (Groß- Lichtsrfsldc- Obsrgörzig). _ Frl. Else von Trotha mit Hrn. Haxxpjmann Hans 0011 Wintkrfeld (Magdcburg). _ Frl. Elisabeth Mantius mit Hrn. Gexichts-Affk or 1)1'. _]"111". Walter Joel (Bersedors) _ Frl. Mama Kkrn mit Hthro- fessor Dr. Josef JadaSsohn (Breslau).
Geboren: Ein Sohn: Hrn Hauptmann von der Cbc'vallerie (Berlin). _ Hrn. Proftssor Or. Preibisch (Oblau). _ Cine Tochter: Hrn. Hauptmann und Flügel-Adjutanten B. rbrn. 0011 (Gay! (Dkffau). _ Hrn. Gymnafialebrer 1)r. Dicjrich (Grkiz i. V.). _ Hrn. Landgerichts- 1YJirleék“t)0r und Kammerherrn 0. d. Decken (Neu-
re its .
Gestorben: Hr. Korvs-Gkneralarzt a. D. Dr. Friedrich Schrader (Goslar 0. H.). _ Verw.Fr. (Geheime Ober-Hofkammer- Rath Agnes von Lentzcke, geb. 0011 Schulß (Grigs b. Bozen). „_ Fr. Prsm.-Li€1tt. Annemarie Grafin von R0tbk1rch und Trach (Läden). _ Hr. Rechnuggs-Rath Julius Knothe (Breslau). _ Hr. Kammeret- Kaffen-Buchbalter Erich Hoerning (Magdeburg)-
Verantwortlicher Redakteur: Siemenroth in Berlin.
Verlag der Expedition (Scholz) in Berlin. Druck der Norddeutschsn Bu druckerei nnd VerlagS- Anstalt Berlin ZW., Wi elmstraße Nr. 32. Fünf Beilagen
(einschließlich Börsen-Beilage). ,
zum Deutschen Reichs-Anzeiger und K
M 269. -
der in den deutschen Münzstätten bis Ende
Erste Vei'lage
Berlin, Mittwoch, den 11. November
Deutsches Reich. Uebersicht
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1)JmM0natOktober GoldMÜnzen
Silbermünzen
öniglich Preußischen Staats-Anzeiger.
18913.
Oktober 1896 vorgenommenen AUSprägungen von Neich8münzen.
Nickelmünzen Kupfermünzen
Doppel- kronen
HUM Kronen
1896 find geprägt worden in:
Kronen
Hiervon auf Privat- rechnung
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Fünf- Zwei- Ein- ün i - markstücke markstücke markstücke prmiLzstZcke
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310011 i - pfennigsthcke
Zwanzi - pfennigstiizcke
Zßhn- Fünf- Zwei- Ein- pfenmgstücke pfennigstücke pfennigstücke pfennigstücke
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«M «46 Berlin . . . 7 482 780 3 310 490 München . . _
Muldner Hütte : - 386 220 Stuttgart . . . _ 1 000 000 Hamburg . . . _- _,
10 793 270
386 220 _ _ 1 000 000] _ _.
50 000 100 000!
61 205 40 27 984 37 236 77 51514 80 _ 15 744 38 27 100 _ _ 6 940 _
40 443 _
Summe 1 . 7 482 780 4 696 7101
12 179 490 2)Vorherwarengeprägt*) 2 491 411 820 549 672 070!27 969 925 1745484220 92 126 190 118 973 108 188 981 673 71 681024 50] 35 717 922
50 000 100 000 _ _"
5 005 860 80 32 156 322 90] 16 345 970
139 820 20 68 428 59 921
6 213 207 44 7 047186
3) Gesammt-Ausprä ung 2 498 894 600 554 368 780 27 969 925 1757663710 92 176 190 119 073 108 188 981673 71 681 024 50! 35 717 922
4) Hiervon find wie er eingezogen .
5) Bleiben
1 598 540 3 497 530 12135 . 2 497 296 060 550 871 250 27 957 790“
3 076 125100 .44
61610 114108 14 017 205 346 _ 13 005 353
5 005 860 80 32 296 143 10' 16 414 398
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6 213 207 44 7 1'"07'"107"
80 80 2 079 20 650 701 69 04 61
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92 114 580 118 959 000 188 967 656 "71175 6 78" 50 22772 569
4 _ 5 005 780 - 32 2_94 063 90] 16 413 747 45
6 213138 40 7 107 045
494 229 484,30 .“
*) Vergl. den „Reicbs-Anzeiger' vom 12. Oktober 1896, Nr. 243.
Berlin, den 10. November 1896.
Hauptbuchhalterei des Reichs-Schaßamts. B i e st 8 r.
53 713 591,35 .;- 13 320 184,30 „1-
Deutsckzer Reichstag.
120. Sißung vom 10. November 1896, 2 Uhr.
Ueber den Anfang der Sißung wurde in der gestrigen Nummer des Blattes berichtet.
Auf der Tachordnun steht die zweite Berathung des Gescßentwurfs, betre fend Aender11n_ en und Er- gänzungen dcs (Jerichtsvcrfassungs- eseßes und der Strafprozeßordnung.
Von den sozialdemokratischen Abgg. Stadthagen und Genossen [ichn Anträge vor, welche die Unabhängigkeit der Richter gestärkt wissen wollen. Dornach sollen die Richter nur aus denselben Griinden ihres Amts enthoben wcrden könnLn, wie die Mitglieder 019 ReichSJerichts. Ferner sollen ?um Richteramt n1cht 0111011111 werden können diejenigen, welche ängcr als drei Jahre cm VerwaltUUgSamt oder das Amt eines Staatsanwalts bekleidet haben; Richter dürfen Orden und Titulaturcn nicht annehmcn. Die Enthcbung der Richter soll nur durch Zweidrittcl-MchrHcit des Plenums dcs betreffen: den Disziplinargcrichts crfolgcu können. Keine Verwaltun s- ?xhördc soll in die Entscheidungen der Gerichte cingrciLen 01111011.
Bkricbtsrstaiter Abg. 2611111101111 (fr. VolkIP.) Wkist darauf 5111, daß die Kommission disse? Anträge 0598115111 babe, 113811 sie durch Anna5me dersslben 11icht das ganze Ges8* gefährdkn 1001118. Die Wicdersinfübrung dsr Bsrufung in Strafkachen und die Einführung der Entschädigung unscbaidig Vcrurtheilter ssi so Wert500ll, daß man fich 10051 einc gswiffs Beschränkung aufcrlcgcn könne.
Abg. Stadlbagen (Soz.) begründet scinén Antrax mit dkm Hinwcist aus“ DisZiplinicrunge'n 0011 Rich101n in früZere-r ?eit, namcntlicl) 111 5131011580, wofür Er dcrsckyicdené Einzelfälle anzufü ren sucht, 1111df01d87t, daf; n1811igstcns die: Gründe mitgktbeilt würden, weswkgen die Richter i11Deutfchla11d 11icht u11ab5ängiger ;18stkllt 10815811 dürften, als es cht dcr Fal] ski.
Zastiz:Ministcr Schönstcdt:
Meine Hsrrcn, dcr Antrag, den dsr Hcrr Abg. Stadthagen ebln vxrtreten 501, war 0011 15111 ja schon in dsr Kommission gestellt 10015811. Aus den chc'rkungsn dcs K0mmiss10nsbcrichts haben Sie erscbcn, 1081ches Schicksal der Antrag dort 985051 hat, und nach disskm Schicksal wäre? die' Annahme 10051 nicht unberechtigt gswcsen, daß der Antrag 5ic-r im Plenum nicht Werde wixde'rholt Werden, da er d0ch irgend welchc Aussicht auf Erf0lg nicbt 5.11. Ich würde deshalb auch 0171111151 darauf verzichten könnc'n, hier auf diesen Antrag zu crwidsrn, 11181111 nicht einige Einlebeitcn in den Ausführungen dcs Herrn Abg. Stadtlmgkn mich nötbigtsn, auf einige Minuten Ihre G8d1tld in An- spruch zu 1185111011.
Dsr Herr Abg. Stadthagen ist dc10011 ausgcgangcn, daß di? Richtcr fich nicht mcbr dcs allgsmeincn Vertrauens erfreuten in ihre Unabhängingit und Unparteilichkkit. Er findet für diese Auffassung sogar eine Bestätigung in der T5r011- rcde, in der gcsagt worden sei, daß dies Gesetz auch den chck habe, die Gcrecbtigkeit zu 11505011. Nun, meine Herren, da!"; dieser Paffus der T5r0nrede eine solche Spiße 5058, wie sie der 11)er Abg. Stadtbagcn darin findet, das ist, glaube ich, n0ch keinem Von den übrigen Hkrren hier in den Sinn gekommxxn. Ebenso wenig kann ich zugeben,wsnn der Herr Abg. Stadthagen 5181: angedeutet hät, daß hier 0011 dem Cbéf der preußischen JustizVerWQltung der Ausspruch get5an ski, die Richter hätten nicht ms5r das Ver- trauen in 1511: Unabhängigkeit und Unparteilichkeit, dessen fie bedürften. Die Bemerkung, welche ich in dieser Beziehung kaacbt 5058, bat einten ganz anderen Sinn. Ich habe gesprochen von d8m äußeren Anseben d(rRicbter 111 Anknüpfung an Ausführungen, WSU): dcr Herr Abg. Lknzmann in Bezug auf die geseüschaftliche und soziale Stellung der Richter gethan batte. Und diese Ausführungen babe ich theilWeise zu bestätigen dermocht. Hier irgendwie zu sagen, daß unsere Richter das Vertrauen in ihre Unab5ängigkeit und Un- Parteilichkeit, dessen sie bedürfen zur Ausübung ihres Amts, nicht mehr gkkikßen, das ist mir niemals in den Sinn gekommen.
Der Herr Abg. Stadthagen hat es als selbstderständlich und kaum anfechtbar erklärt, wenn er vcrlangt, daß für alle Richter im DKUtscben Reich dieselben diSziplinaren Bestimmungen gelten müßten ")!? für die Mitglieder des Reichßgerichts. Nun, meine Herren, ich K!ane, aus der Entstehungsgesckoichte des Gerichtswerfaffungs- Keseßes wird fich ergeben, daß für diese privile'gierte SteUUng der Mitglieder des Reichsgkrichts doch n0ch andere Geßkbtspunkt-e maßgebend („ewesen sind als die heute 0011 dem Herrn Vorredner hervorgehobenen. Das; für die Mitglieder des höchsten
Gerichtshofes, für die eine Verseßung in eine andere Behörde nach unserkr Organisation nicht mehr in Frage kommen kann und bei deren Auswahl die größte Sorgfalt, die größte Vorsicht waltet und Walken muß in Bezug auf ihre Persönlichkeit, nicht nothwendig die- selben disziplinaren Bestimmungen geboten find, die für das Gros, die vielen Tausende 0011 Beamten, die fick) in anderen richterlichen Stellungen befindén, erforderlich scheinen, das wird, glaube ich, einer Ausführung nicht bedürfen. Unsere Richter haben nach dem preußischen DiSziplinargkseZ Voüständig diejenige Unab5ängigkeit, die das Gerichts- verfassungsgeseß ihnen derbürgt: fie sind keiner anderen Aut0rität als der des Geseßes untörworfsn, und nach allen Disziplinargeseßen, die der Herr Abg. Stadt5age11 aufgehoben 505811 will, steht es fest, daß fie wider ihren Willen nur kraft richterlicher Entscheidung und nur aus den Gründen und unter den Formen, welche die Gesetze bestimmen, ihrer Stellung enthoben, in andere SteUen oder 111 den Ruhestand versetzt werden können. Sie sieben überall unter den ordentlichen Gerichten, und, an der Bemer- kung, die der Herr Abg. Stadtbagen 5eute nicht zum ersten Male gemacht 501, daß eigenjlick) die StaatSanwaltschaft die Richter überwache und einen Einfluß auSzuüben habe in Bezug auf ihre diöziplinariscbe Behandlung, ist doch weiter nichts Wahrcs, als daß im Dissiplinarverfahren, wie überall in unserem ganzen Anklageder- fabrxn, die StaaTSanwaltscbaft die Anklage zu vertreten hat und unter Umständen auch den ersten Angriff bat, obgleich der Fall außerordent- lich selten v0rk0mmen wird, daß ein Staatsanwalt gegen einen Richter vorgsht, wenn nicht die Anregung dazu 0011 dem 2301981013th des Richters (101385811 wurde. Aber an der Entscheidung hat der StaatSanwalt niemals mitzuwirken.
Meine Herren, die Notwendigkeit einer Abändkrnng der be- stehenden DiEziplinargeseßgebung 501 nun der Herr Vorrkdner aus einer Reibe 0011 idm beute kurz angeführter Fäüe zu entwickeln ge- sucht. Alle diese Fälle tvarcn, soweit fie nicht der Weiteren Oeffent- lichkeit angehören, mir unbekannt. Es müssen 10051 auch die Herren ngikrungWertrkter in der K01111niss10n angenommen 505811, daß die Fälle nicht wieder im Plenum zur Sprache kommen würden; mir ist wenigstkns Vortrag über einen dieser Fälle nicht gehalten worden. Ich bin deshalb auch nicht in der Lage, auf die Einze'lheiten Einzu- ge5c11. Das Eine aber glaube ich doch den eigenen Ausführung-Zn des Herrn Abg. Stadthagen entnebmen zu können, daß die Sachen so nicht überaU lisgen können, wie er sie uns 001g8trag€11 5at.
Er bat zunächft erwähnt den Fall Kirchmann. Nach seiner Dar- stellung wäre der diSziplinicrt wordc'n, weil er eine Schrift geschrieben bat unter dem Titel: „Der K0m1nunismu6 in der Natur.“ An diesem Titel ist er selbstverständlich nicht gescheitert. Manche der Herren werden fich dLs Falxes erinnern. Man hat in der Schrift _ 05 mit Recht oder Unrécbt, will 115 dahingestellt sein lassen _ die Vertretung unsittlicher Grundsäße zu €r511cke11 gkglaubt und ist auf dieser Grund- lage zu dem Ergebnis; gekommen, das; der Verfasser dieser Schrift in seinem Richtcramte nicht weitc'r bleiben könne. Also s0 einfach hat die Sache nicht gelegen, wie fie von dem Herrn Abg. Stadt5age11 dar- gesteUt worden ist.
Der FaU, den Herr Stadthagen 1081161 erzählt hat aus dem Jahre 1878 0011 einem Kreißgerichts-Direktor, der deshalb versüßt worden sei, Mil cr fich die Ungezogenbcit eines jungen Offiziers nicht gefaUen lassen wollte, kann unmöglichsoliegen, und ich bin überzeugt, daß, wenn das Urtbeil Vorßelegt würde, fich ganz andere Gründe zu dem Disziplinarverfabren ergeben würden.
Bei einer Reihe 0011 Fällen, die der Herr Abgeordnete erwähnt 5111, genügen ihm scheinbar die ausgesprochenen DiSziplinarstrafen nicht. Das gilt insbesondere von dem Richter in Holstein, der fich eines unlauteren Wablmanöders schuldig gemacht habkn soll. Ja, meine Herren, wenn dem Antrage des Herrn Abgeordneten stattgegeben würde, dann würde ein solcher Richter gar nicht diSziplinarifch ver- folgt Werden können, dann säße er noch heute in seinem Amt; denn eine strafrechtlich verfolgbare Handlung lag in den ihm vorgeworfenen Manipulationen nicht. Es war nicht etwa eine unter den That- bestand des Strafgesexzbucbs fallende Urkundenfälfchung, und, soweit ich den Fall kenne, kam auch irgend ein anderer Paragraph des Strafgesetzbuckps dabei nicht in Frage.
Nun wünscht der Herr Abg. Stadthagen, daß lediglich auf Grund strafrechtlicher Verurtbeilung, wie das für Mitglieder des Reichsgerich1s vvrgeschrieben ist, ein diSziplinariscbes Vorgehen gegen
Richter gestattet sein sol]. Es würde also dahin kommen, daß etwa ein Richter, der, wie ich einmal supponieren will, fich dem Trunke im höchsten Grade ergiebt, ein Richter, der einen höchst unsittlicben LebensWandel führt, ein Richter, der durch sein ganzes Auftreten und Verhalten alles Vertrausn in seinem Kreise verloren hat, absolut un- anfechtbar sitzen bleiben müßte in seinem Amt. Meine Herren, ob damit das Vertrauen in die Unabhängigkeit und Zuverläsfigkeit des Richterstandes ge5oben werden würde, das werden Sie, glaube ich, nicht zu bejaben unternehmen. “
Meine Herren, Wenn der Herr Abg. Stadthagen, wie es den An- schein hat, als den ausscbließlichen Sitz aller richterlichen Tugenden das Rückgrat anzuseben scheint, so erkläre ich: ich würde es auch nicbt lieben, einen Richter 05111: Rückgrat zu sehen. Aber es kommen doch noch viele andere Tugenden bsi einem Richter in Frage, die nicht im Rückgrat 15an Sitz 505811.
Der Herr Abg. Stadthagen ist auf dem 135811 angedeuteten Wege dahin gekommen, daß es absolut unzulässig sei, jemand, der drei Jahre als Staatsanwalt fungiert hat, zum Richter zu machen, weil er nicht das nötbige Vertrauen befixze. Wenn wir ein derartiges Geseß immer gehabt 51111811, würde auch der 0011 dem Herrn Abgeordneten erwähnte Herr 00n Kirchmann nicht haben Richter werden können, und daß es dem an Rückgrat gefehlt habe, da er lange Zeit nach den eigenen Anführungen des H8rr11V0rredners StaaTSanwalt gewesen ist, das wird Wohl der Herr 21551. Stadthagen nicht behaupten wollen.
Ich darf weiter erinnern an den Fal] des Ober-StaatSanwalts Schwarck, dkr im Richterstande eine höchst verdienstliche Stellung einsenommen bat, nachdem sr, aklerdings gegen seinen Willen, aus der Staatßanwaltschaft in ein Richteramt versetzt war. Ich muß über- haupt für die Richter, die aus der StaatsanwÜtschaft hervorgegangenen Richter, auf Grund meiner vielfachen, langjährigen Erfahrungen nach meiner fssten Ueberzeugung in Anspruch nehmen, daß sie mit derselben Gewiffenhaftigkéit, derselben Zuderläsfigkeif und derselben Unabhängig- ksit ihres 21th walten, wie die Richter, die nicht Staatßanwalte waren. Und wenn hier wieder einmal erwähnt Wurde_ ich glaube, in der Presse war das schon irgendwo der Fall _, daß der Kriminalsenat beim biefigenKammergericht, dsr in vielen Beziehungen die höchste Instanz in Strafsachen in Preußen ist, nicht das Vertrauen besitze in Bezug auf Unparteilichkeit, weik darin 3 Richter sitzen _ ich weiß nicht, ob das genau richtig ist _, die früher StaatSanwalte waren, so wilT ich be- merken, daß die Zusammenseßung dicses Strafsenats auf dem Be- schluß des Präsidiums des Kammergerichts beruht, dem, soviel ich weiß, außer dem Vorsitzenden des Kriminalsenats kein einziger aus der Staatßanwaltscbaft hervorgegangener Richter angehört; also die SteUe, wclche zunächst berufen ist, das Vertrauen in die Gewissen- 5aftigkeit, Zuderläfsigkéit und Unabhängigkeit des Kammergerichts aufrecht zu erhalten, hat ein solches Mißtrauen, wie es Herr Stadt- hagen hier zum Ausdruck gebracht hat, gegenüber den Mitgliedern des Strafsenats niemals gehabt und, wie ich hinzusctze, mit Recht. Dieser Senat ist voUständig des Ver- trauens würdig, welches die Herren aus dem Kollegium in seine Mitglieder festen, als sie ihn so beseßten.
Herr Stadthagen erwäbnte dann noch, wie 115 hier nachholen wil], bezüglich des Richter:? in Holstein, gegen den auf Strafverseßung erkannt war, daß derselbe in seine Vaterstadt versetzt sei, wohin er seine Versetzung schon lange gewünscht hätte. Mir War der Fall an- bekannt, ich habe mich aber erkundigt, und kann bestätigen, daß das richtig ist: er ist 0011 einem großen Ort an einen ganz kleinen verseßt worden, der der Ort seiner Geburt war. Ob er den Wunsck) hatte, dahin zu kommen, weiß ich nicht; aber das weiß ich, daß, nachdem er dorthin gekommen war, er wiederholt den Wunsch gehabt hat, wieder wegzukommen, und dieser Wunsch ibm noch nicht erfüllt worden ist. Ich kann hinzufügen, daß es im Iustiz-Ministerium völlig unbekannt war, daß er aus jenem kleinen Ort stammte; irgend eine parteilicbe Behandlung der Sache liegt also in keiner Weise vor.
Daß die gegen den Grafen B. vom Disüplinargericbt erkannte Strafversetzung dem Herrn Abg. Stadthagen nicht als genügende Strafe für das brutale Verhalten, das diesem Richter zum Vorwarf gemacht ist, erscheint, tritt auch in Widerspruch mit der Tendenz seines Antrags: wegen dieses Verhaltens würde der Graf B. nach dem Antrag Stadthagen unanfechtbar sein und 11015 gegenwärtig in seiner Stelle sißen.
Meine Herren, ich glaube kaum, daß ich noch mehr Ihnen 111