KLUB," die man heute gegen ibnscbleudert. (Sehr aui! “links und aus der Mitte.) Es bedarf fürwabr nicht des Unfaßbaren Bxgxiffs éengl_ischer,_E-inflüffe, um die Gründe zu ver- stehen, die bäüiäls *denx'Reiä'skanzler "von Caprivi bewogen, in diesem Sinn die Allerhöchste Steue zu beratben. (Sehr wahr! aus der'MUteQ * - Diese mehr theoretische Erörterung allein wird freilich nie- ruanden überzeugen; man wird in der Politik auch dem Erfolg das Wort gönnen und die Frage aufwerfen: bat fich dknn in der Folgezeit ge- zeigt, daß die damalige Politik wirklich zu einer verminderten Sicher- heit, zu einer verminderten FriedenSgarantie für Deutschland geführt hat? Ist denn in den s€chs Jahren jemals eine akute Kriegsgefabr entstanden? Nein! Man sagt, jene Politik habe den Draht mit Rußland zerrissen und die Beziehungen zu Rußland Verschlichtert. Ich widerstkbe der Versuchung, eiue Vergleichung eintreten zu lassen zwischen den Beziehungen zwischkn Rußland und Deutschland vor 1890 und nacb1890. (Sehr gut! links und aus der Mitte,) Diese Vergleichung ist nicht nüßlicb, sie kann auch zu einem posiiwen Ergebniß nicht führen; denn sziehungen zwischen Verschiedenen Ländern lassrn fich nicht Von den aktuellen Fragc'n loslösi-n, welche die jeweilige Gesammtlage beherrschen. Es wird stets ein großes Verdienst des Fürsten BiEMarck bleiben, daß er in den schwierigsten Zeiten es vcrstandsn hat, unsere Beziehungen zu Rußland gut und freundschaftlich zu gestalten, sie nußbar zu machen im Sinne des Friedens und indireki für die Intéreffen unserer Verbündeten. Die Geschichte wird einst dirses Verdicnst noch in ein heÜeres Licht stellen, als rs heute der Fall ist. (Bravo! rechts.) Ich meine aber, es heißt das Verdienst dss Fürsten Bismarckver- kleinern und unt2rschäßen, wcnn man die Behauptung aufsieÜt, daß im Frühjahr 1890 diese Beziehungen kkine andere Grundlage gehabt hättsn als das zerbrechliche Piedkstal von Abmachungen, deren Existenz aÜe drei Jahre in Frage stand. (Sehr richtig1 links und aus der Mitte.) So liegt die Sachs nicbt. Unsere Be- ziehungen zu Rußland beruhen auf rinx'r fe'stersn und daurrbafteren Grundlage: auf der traditionelien Freundschaft der bkrrschenden Familien, auf der Friedensliebe der SVUVLkaiUS und dsr Regie- runge'n, auf der Achtung der Verträge und dem gemsinsamsn Wunsch, ihnen überall Geltung zu verschaffen, auf drm Vorbandrnsrin manchsr gemeinsamen und dem Mangel aller diVergierend-Zn Jntereffsn, und wenn einst unsere Archibs gröffnet werdsn, dann wird es sich zeigsn, daß auch nach 1890 unsere Politik mit Erfolg tbätig gcwesen ist, auf dieser Grundlage unssre Beziehungen zu Rußland zu pükgen, daß seit jener Zsit keine einzige politische Divergenz bestand, und daß wir bei diesem Streben strts volle Gegen- seitigkeit gefunden Haben; denn das ist die unumgänglich? Vorausseßiing aÜer guten Beziehungsn. (Sehr richtig! in dcr Mitte.) Die Behauptung, dir in der Presse aufgkstellt wurdc, wir hätten den Draht zerrissen, wird Hiernach zur qurünrung doch (*in festeres Material bedürfen als den Hinweis auf Abmachungen, von denen man selbst zugiebt, daß sie der Geschichte angehören, und den Hinweis auf englische Einfiüffe, Von denen ich im Zweifel bin, ob sie jemals der Geschichte angehören werden. (Heiterkeit links.) Und dasselbe gilt bezüglich des Vorwurfes, wir hätten damals eine wichtige Schußwebr nach Westen bestitigt. Da erinnrre ich doch
daran, daß im Jahre 1887 der BoulangiSmus auf der höchsten Höhe stand; mit dessen Verschwinden find auch die Erfahren zurück- getreten, die damals drohten, und die Zuversicht, daß Rußland
unprobozierte Friedensstörung fördern werde, ist heute ebenso fest wi?
niemals eine -oder untersiüßen damals.
Man sucht dann die deutsche Politik von 1890 vrrantworilicb zu macbkn für die heutige Gruppierung dir Mächte. Auch disse'r Vorwurf ist nicht begründet. Der deanie, daß ein Vertrag des Inhalts, wie er kürzlich enthüÜt worden ist, im stande ssi, den Keil zu bilden zwischen zwei großen Nationen, die vielfach gemeinsame friedliche J!]tkkiffkn besißen innerhalb Europas und außerhalb Europas, daß ein solcher Vertrag drm einen Staat ein Aequivalknt bieten könnte für (WM das, was er von der gemeinsamen Vertretung jener Interessen er- warten kann, das ist doch eine gkwaltige Ucberichäyung, und der Nachtveis wäre nicht schwer zu liefern, daß in früherer Zeit man von solchen Abmachungkn eini' Vikl kleinste Jdre gehabt bat. In jenem Vorwurf liegt aber ein merkwürdiger Widkk- spruch. Man rühmt die Staatékunst , die cs verstanden hat, neben unseren Vexträgen einen anderen Vertrag mit Cincr dritten Macht zu schließen; aber man rühmt gleichzeitig, daß dadmcb die dritte Macht außcr stande gsseßt worden ssi, neben diescm Vertrag noch einen anderen zu scbließkn, (Srbr gut! links.)
Ja, wenn uns der Dreibund nicbt Verbinderie, einL Abmachung zu treffen mit einer dritten Macht, warum soll denn die dritte Macht dcrbindert sein, mit einer anderen MacbtAnnäberung zii suchen, dort dieRück- versicherung zu suchen (sehr gut! links und in der Mittr), von der wir das Beispiel gegeben haben? Wenn jene dritte Macht zu einer vierten in ein ebenso intimes Verhältniß thkLté'n wäic, wie wir es zum Dreibund waren, wir hätten uns darüber nicht ersiaunen, wir hätten uns nicht bkklagen dürfen. ,Die Beziehungkn zwisch8n Rußland und Frankreich datikren doch nicbt vom Jahre 1890, fie liegen in ihren Anfäiigen zurück bis in die 70 er Jahre; sie haben sich seitdem entwickelt Hand in Hand mit der allmäbiichen Konsolidierung der staatsrrchtlicben Ver- hältnisse Frankreichs, mit der (Erkenntnis; gemeinsamer Jntereffen, und die Entwickelung hat auch vor dem Jahre 1890 kkinin Augenblick stillgestanden; ja, fie hat damals in höherim Maße als jeßt das Augenmerk politischer und auch militärischc'r Kreise auf sich gezogen. (Hört, hört!) DSL“ Gedanke, daß es die Aufgabe der deutschen Politik ssin könne, zwei große Nationen zu trennen, bat niemals bestanden; es würde uns das Opfer kosten, die wir nicht leisten könnten, und würde uns abdrängen aus unseren bewährten Bahnen. Die Vorwürfe und Klagin, die heute in diescr Richtung gegen die deutsche Politik des Jahres 1890 erbobkn wordm, sie haben noch eine ganz andere ernste Seite: sie vindizieren je-nsn Beziehungen eine Bedeutung, die bisher nur unsere Feinde im Aus- lande vergeblich diesen Beziehungen beizulsgcn versuchtyn. (Hört, hört!) Darin liegt die Warnung, wir möbten zu-ückkrbren zu der ruhigen, beobachte'nden Haltung, die der Sachlage und Unserer Würde entspricht. Ich wikl auf politische Kombinationen nicht eingeben, nur einen Gedanken aussprechen, daß gerade die Fragen, die heute im Vordergrunde des politischen Jatereffes stehen, und
deren (“.?ösyiig erauYsichiibWabxe in Arisprmß „„.-nehmen wird, daß sie es böchst' unwahrscheinlich machen, daß eine der Kontinenialmäcbte einen Streitfall schaffen wonte, dessen unmittelbare Folge wäre, daß die Gruppe der kontinentalen Mächte sicb kompensieren und ihre Kräfte lahm legen zur tbätigen Mitwirkung bei der Lösung jener Fragen. Auf der anderen Seite bietet gerade die Entwickelung unserer überseeischen Jntersssen voraussichtlich in der ZukunftGelege'n- beit, mit denselbsn Mächten wiedsrum zusammrnzugihcii, mit denen wir im vorigen Jahre zusammengeguugen find. Damir bin ich mit meinen Aussübrungen zu Ende. Sie werden selbstredrnd der Kritik anheimfaÜen. Jeb War nach brftem Willem bestrebt, nichts zu saßen, was einen Strkit verbittern könne, ddr nimnandem frommt, und aus dem ich trotz alikm Bemührn ausiizr stande bin, einkn praktisch brauchbarrn Kern heraußzusckxälen. (Schr richtig!)
Die Linie der deutschen Politik ist klar borgrzcichnet: trends, unentwrgtes Festhalten an unseren Bündnissen mit Okstexreich-Ungarn und mit Italien (Bradbk), Pflege der frc'undschaftlichen Bczirbungen zu Rußland auf der Grundlage, die ich vorhin angab, Erbaliung guter und freundlicher Beziehungen mit andxren Mächten in Achtung ihrer Rechte und nach Maßgabe der Achtung, die sie unscrn Rechten grwähren (!ebr gut! und Bravo!), Vereiiwiliigkkit aÜer Zeit, unsere Machtftellung in dir Wagschale des Friedens zu legen. (Lkbbafter Beifaü.) Gssiüxzr arif dir-se Politik, zuverßchtlich vrrtrauend auf unsere W:;brkrast und (1118 Zeit entschlossen, nach außrn hin die Einheit zu bekunden, die wir unserem großen Kaiser und seinem ersten Staatsmann Verdunken, ist für d€n Deutschen auch heute kein Anlaß zu irgend Liner Vesorgniß. Wir können getrost uns der Pflkge unserkr realen und idealem Güter widmen und voll ZUVLlficht in die Zukunfi schaUle. (Lebhafter BeifaU.)
AUf den Antrag des Abg. ])r. Lieber (Zintr), der von al1€n Pgrtetrn Mit AUInahme der Konservativen unterstüßt mird, tritt das Haus in die Besprechung der Interpellation ein.
Abg.1)r. Lisber: Ich spreche inline Fieiide über die Beant- wortung dsr Jnterpeüaiion aus und Erkläre, daß ich dem Beijpikl fdlgc'n und aULs Vermeidsn wil], was den ersit vkrsiärkrn und die Unsinigkrif „nacb außkn hervortrkten [affen kömnte. Es soll d€n VLkbÜUÖLtL]! Mächté'n und dsr gssammtkn europäischkn Bkvölkcrung TIM werdkxi, daß das deuticbe Volk gesonnrn isi, Veriragstreu dem riedsn 'zu disrien. Nach der Antwort scheidct ein großer Tlieil der Bskorgnisse, ivcklch€ sich an die Eiörtsrung knüpften, von vornherein axis. Dkk NrickIÖkanzler bat Erklärt, daß er übCr dir unter unbr- diiigter Gehkimbaltung grpfiogenen Vsrhandlungsn keins Aufklärung geberi könne. Die Ausführungen dss Hirin Staatsfkkretärs des Aus- warxtgkn Amts übkr die) Zeit vor 1890 waren iiberall sorg- faltig byprtiwtischr Natur. Wir sind daher aUßer Stand gesi'ßt, aus. diese Dinge Hier im Rc'iäMkagL näbkr kinzilekhkn, wenn wir nicht Von Vornbrr-in die gut? Absicht dsrleugnen wollrn, was an uns likat, dic' wcrbündkten Re ierungen zu untecstüßkn und die Friedensliebe Dxutsch1ands im * usliind €rk811nenzu 1as1en. Inden Erklarungcn des Rcicbckai1zle'rs war von Wichtigkeit die dksiimmte Veisichsrunzi, daß die seit 1890 einge'baltene Poiitik Rußland gegenübsr keinerlei ungünstige Verändkrungkn in den Be- ziehungen zu Rußland zur Folge gehabt babs. Nicht mindcr be- ruhigend, Wenn auch ('Was mebr übsrrascbe'nd, war die runde Jnabredestküung bon Bkbauptungen, die erst jkßt wwder in der Presse [aui geworden find, die Vkrficykrung, Ls seikn krincrlei englische Einfluss? maßgebrnd gewesen. Ich boffe, das; diese runde und nette Versichrrung dss Reichskanzlers nunmehr endlich die stets wiederkehrrnde Behauptung béseitigrn wird, das; englische Lastsn auf deutsche Schultern gebürdrt seien. Für uns als Mitglikdi'r des Reichstags war Von besonderem Wsrtb die Vsrficberung, daß die Wolken dss Mißtrauens, die fich in dkn birbündrten Staatkn (;rzcigt babkn, iiizwiscben verschwundkn sind. GSWDL drr stölkerung dc'r kabÜUstin Staaten mußte die Uebrrzkugung ge'grbi'ii wsrdén, daß das deutsch? „Folk grsonnkn ist, die eigsnc und die verbündetkn ngié- rumien zu Uiitsrstüßin und damit din 5Wéstand des Drki- bundes 11111)ko europäiichi'n Friedens zu s1chkrt1. Denn die Zeitrn sind vorbei, wo Bündnisse ausschließlich auf dcm guten Wil1en drr Ri'gierunxii'n birubtkn. Dkk Hsrr Staats- sekretär [wt erklärt, daß kcin Vertrag abgkschloffen sei, drr den bestehenden Verträgkn widcrsproxben hätte. WEnn wirklich ein Abkommen geschlossen wäre?, wie cs die „Hamburgkr Nachrichtkn* bcbduvikn, 10 wüidk dds nicht den Emrfindungeir entsprochen haben, von denen der Hi'rr Staatssckrrxär spmch. Da bäiie die hohe Dipldixiatie fiel) in Widsrsprnck) gisexzi mit drr Volksmeinung. Die Sache wäre wobl LtWII (*lkldéls beurtbkilt worden von stU Herrn Staatss-krrtär, wenn es sich nicht um Rußland und Frankreich, sondern um Oester- rkicb und Frankriicb, um kin Sondc-bündiiiß zwischen diesen ge- handelt hätte. Unscrer Miinung nach bättrn dérAkÜUl AbkomMSn nicbt abiikschloffen wrrdc'ii 1011611 und können in Zukunft nicht mehr abgeschlossen wc'rdc'n, so lange der Dkklbund bkstkbt. Ich freue mich, daß das alte VéktkÜULn zur reuiscbm Treue fich wieder gefkstigt bai. Das Vertrauen wäre! nicht er*cbüttert Wordrn, wLnn disse Ent- büÜungen statt auf dem Redaktionstiscb der „Hamburger Nachrichten“ auf dem dss „Vo-wäiis“ sich gefunden hätts". Wir stshen fest zu drm Grundfay: Dsutscbland muß dsr Freund der Frrunde unserer Freunde und drr Feind der Feinde UnsEkLl' Frkunde skin.
Abg. Freiherr von Mantcirffel (d.kons.): Nach den Erklärungen dÉS Ik€lchkifanxlkks bättrn wir eine Besprechung der Jnte-Urliation iiicht Wk nothwendig gehalten. Nachdem sie aber bsliebt ist, halts 1ch es fur angrzeigt, mich mit wenigkn Worten daran zu betbeiligi-n. Sowohl der Jiiterpeüant wie der Vorredner haben betont, daß die' J!].tklpkuatll)" nothwendig geworden sei wrgen der Beunruhigung in PLUM, Krcisrn, insondkrbéit bei unskren Verbünditcn, und Hsrr Ur.,Llébiék bat skinkn Dank aus;;pspiocbkn, daß dicse Briinrubigung bef-iiigt ist. Ich glaube im Namrn ailer meinrr Politischen Freunde aiif;iprsch€11,zuxfönnrn, daß bci uns von Beunruhigung tbaisäch1ich niemals die :);kde war, und auch sonstwo babrn wir kein? Beun- rublgmig gemrrft. Die ersten Wolkrn der Brunrubiguna bab:*n sick) sehr bald wiederfzcrstrkut. Der Borrédner hat die Hoffnung aus- ge,1yrochen, daß in Zukunit (3111 solcher RÜckVLlfiTbLkUUKFVEktUJ nickt wieder abg'iscblrssn werden wiirde. Auf diedem Standpunkt stkbe 111) mit meinen Freunden nicht. Ich habe dieU-derzeugung gkwc-nnkn, daß das Ruckvrrfickyerungxderbältniß bestanden hat zu unserem Besten uiid zum Bcstkn des eurrräijcixeii Friedsns; deshalb sehe ich nicht ein, weshalb wan nicht wieder dazu greiien soUte im Intrresse 'des cu'xopäisckien Frirdens, an dem doch Allen ge- lx-chn sem „muß. Meines Wissens habin dock) die ver- bündeten ngieruiiixen von dicsi'm Rückvmficherungßvertrage Kürntniß gibabi. (_Es mußte der Rückoeifickyeriingsvarjrag sogar drm Dreibund das Zeugnis; ausstiükn, daß er wirklich nur eine defensive Bedeutung batie. Die kianziLTdeiL d„s Staatssekretärs des Acußern übkr die Beziehungen der Staaten untereinander war sive ungkmein geistreiche; abrx in der Praxis wird es sich iiismals so gc'stalt n, wie er aus- gefuhrt bar, und die G€schichte wird ihm auch nicht Rscht geben, und 1olche Bündniffe werden in dir (Hcsebicbte immer als von höchstem Wkktbe'erfannt werden. Die Hand, ive'lcbe auf der Klaviatur ruht, muß eine gi-übte,„ im Spirlyn aeschichte Hand sein. Darauf kommt es an. _ Bcziiglickp der Interpillaiion selbst sind wir dankbar für die Aufklarung, daß irgend welcbe Störungen sich nicht ergeben haben,“ daß namentlich rnalijcheEii-flüffe nich! maßgebend gewesen sind. Ich bin auch dankbar davür, daß die Beziehungen zwischen Deutsch- land und Rußland die denkbar besten siiid. Ich lege darauf einen besondern Werib, Ich denke, das (Eindernebmen der beidrn Monarchkn„
welches wir in Breslau erlebt babkn, ist von hoher Bedeutung, und :
“ziehungen zu aklen anderen
“was in Frankreich geschehen ist, hat das nicht beeinträchtigt, Die
bezw. dem Dteibund einer
nd sehr viel wertbvoller als die YF _ maten, weilwir in Rußland mit einer starken Monarchie zu thun baben, während die 1eiienden Männer anderer Staaten von den dortigen Parlamenten abhängig sind, Und dczs ist ein sehr unsicheres Substrat. Unter den bestehenden Ver- baltnissrn kann Deutschland seine Aufgabe erfüllen, ein Wahrer des
Friedens zu sein. Ick) bin dankbar dafür. daß
Beziehungen zwischen Deutch1and und Rußland andererseits Ö ,
Abg.'1)r. Enneccerus (nl,): niemals €le Vertrag stattgefunden bat, der der Vsrtiagstreue wider. syrischen batté. Diese SteÜe der Rede des Rcichsianilers bezog sich zweifellos auf den Neutralitätsvertrag mit Rußland, dessen Dasein dec Reichskanzlkr nicbt anerkennkn konnte, an dessen Dasein wir aber glauben„ den wir für keine Erschüterung, sondern für rinr kakftiaung drs Dreibundss baiien. Vieine Freunde stimmen dieser Anschauung erritiiütbig und Mit großer Freuds zu. Nachdem ein mächtiges, ein. be'itliche's Reich knisternden war, hat dir Schöpfer drs Ryichs seine Sorge unablaisig darauf verwendet, die Macht des Rrichs zu derniebreii und sie im Interesse des Friedens zu verwenden. Der Drkibund und dcr russische NeutralitätSvertrag sind zwei bochwichtige Schritte auf drejsrm W996. Der Dreibund ist kein bloßer Band der Herrscher aljein, Er hat im Vkrständniß und in den Herzen des Boiks Wurzel geschligew Wir srhen außer unserer eiginen Macht die Sch11BW*'k)k des Friedens; der Drkibund ist Ein drfensivsr, er krimi ntchxs Aiidcrss sein, wenn rr nicht aus einer Sicherung in emYGefabrdung des Friedens umschlagen soÜ. Die verbündrtkn ngisriirigeii sprechen fich Sämß und Hilfe lediglich für den Fall 31-1, dar; CML Von ihnen angegriffen wird, daß aber diesem rein dessniiden Bunde ksine aaiireifive Tindenz nacb iraendwelckic-i- Richtung bin innewohnt, Für drn Fal] dcs Angriffs Haben fins? fich boUe Freiheit _ borbebaltrn, und für diksen F-U konnen sie auch Vcrtrage abschließen. Die frkundscbaftiicben Gsfinmmzen gehen über die vertragsmäßixikn Verpflichiungen iveit b'naus; aber auch diese freundschaftlichcn Gesinnungen erleßt der Neutrulitätsvertrag nicht, indem rr fich nur auf den Fan des Angriffs beschränki. An der doliln Vertraiistrsue der deutschen Regieruxg kaiiii kein Zweifsl bestkben, und in der (Er- klaruzig des „Herrn Staaisii'krriärs sLben me'ine Fri'unde eine dolle Bestatigiing ihrer Aaifasiimg. Auf die andeutendkn Bi-trachtungen des Herrn 'Otaaissskrrtärs 1":er dc'n Werth von Rückoeisichx'rungen einzu- geben, kann icbrmi so mehr Verzichten], als die Vom Füiftkn Bistriarck iiiaiigurierte Politik: trrurs Festhalten am Dreibund und Pflege gute'r Bezii'buxigkn zu Rußland, bkibsbalien werden sol]. Meme Freunde hxben dicse Erklärung mit Bifrirdigung aufgknommen.
L_lbg. Freibrrr don (Gülilingen (Rp.): Nach dkr Erklärung des Hrrrn Rsickiskanzlers [)x-t die Rrickyspaitci kein Bédürfmß zur Véiprrchung dcr Jiitcrprüation, um so weniger, als unskre An- schaxxungcn mit den von skitkn di-r Konservativen und National- libEral-xii ausiieiprrxäxkiixn Anfichirn übrrrinstimmeii. Die Riicksvarte'i Wird sich da[)kr an jolch-Fn Bksprrckyungen nur kann bi'the-iligen, wcnn fick) die Noibwsndigkcit beranssiellen sollte, ungercckytfsrfixiie Angriffe znrückzuwc'iskn.
Abg. Riibrsr (fr. Volksw.): Die Entbüürmgkn babsn ('ine Ekrygung' in dsr gesammté'n europäischen WSU berdorgkrufen, daß nian rs nicbt kastakLDC'n bättr, wenn man in Deutschland sich datübkr batte a1151chw€ixxii wollrn. Dcr Drutsckpe Rkichstag würde damit in eine snbcilterm? Sisüuwg gcrückt wordkn ssin. Durch die Jnterprüation hat sich das ZMÜUM das Vkrdienst rrworbcn, daf; fich Eine Diskussion aiißsrbalb dir Eiatsbsratbung Ermöglicht bat. Es kommt nicht bloß darauf 01], daß di? chierunxikn selbst ihre Pkkitmngeii unter Cinandsr aussprechi'n', sondern auch„ daß dik öffsntlicbe Meinuna zum Wort kommt, ww sik durch die Parlamente Vertreten ist. Frsiberr Von Mantruffe'l hat fick) ireilich schr abfäliig übe'r Parlame'niariSinus aus- gesprbchenn, er kat mehr Vsrtrauen zum Absolutismus in Bezug auf die'außcre Politik. Cine chierung, welche sich auf das Volk stößt, ist aber bkffkk als eine absolutistische, wo dsr ganze Rückhalt auf die Nrrvrn cines rinzklnen Mannes grstüizt ist. Die Fkstig- ksit dcs Dreibundss bkrubt auf dem daukrndkn gcmeinsanien Jiitrre'ffkn unserer Völker. Wir haben de'm Fürsten Bis:]iarck in maiicbkr Béziebmig entgkakntrctéii müsicn, aber wir haben drn Abschluß das Dreibundes als eine glückliche That für Dsutscbland bkirachten xnüffkn. Um so peinlichst war der Eindruck dcr Enthüllungen dsr ,.Yntiiburgsr Nachrichten“, der allexdiniis daduxch adxieschivächt wurd-x, daß auch rcrratbén wurds, daf; dc'r Ve'rtrag iiicht wisdcr rrncuert sei. Dir Vkrwcriung, die Vernitheilung solcher Riickosrfickpsrungsverträge ist um so nothwendigcr, damit keine Kon- skqurnirn qczogrn wsrdrn. In Italien gisbt ss Bistrebungen, ivk'lcbe für Jtalirn frc'is Hand verlangrn. Jedkrniann hat Es für sklbsidmsiändlich erachtet, daß wir nach den Handelsbertiägkn mit Oesterrsiä) und Jtalixn auch Link!“! solchcn mit Rußland abschließsn mußien. Nikmand wird es Jtalisn Vrrdenken, wenn 85 mit Frankreich einen HaanZVc-rtrag abfcblisfit. Auch politische Verträge sind nicht ausxxrscbloffen. Ader és xziebt eine Grcnze für solche Sondrrvr'rträge; Verxrägr, wklcbs dik: StkUimg der Dreibundstaatsn unter ('inaiidér zu drrscbiebkn ,irci.1ne't find, müffrn _dkn Dreibmidstaatcn mitgetheilt werdcn. Fürst Bismarck schul"! ]lelkn Frruudin im Rsichstage nicht r€cht astraut zu [)(]blki bezüglich seiner Vkrtbeidigimg; er hat selbst das Wort gendinmrn einem Interviewer gkgknübcr, über deffen Unterhaltung das .Ncue Wiener Tageblatt“ berichtet. Der Av . Graf Bismarck, den wir beute unter uns sehen, kann ja das Falscbze bcrichtig€n. Wrnn Fürst Bisinarck dsr Meinung ist, daß er den qebcimen Vertrag veröffkntiichen kann, so macht er sich selbst den Vorwurf des Vrrtraur'nsbruchs Rußland gegeniiber. Ein sdlch€s BkrirauenSVLrbältniß im Dreibundc' ist ins- befondsre notbwcndig im Vkrbältniß chenübrr Oeste'rreicb- Ungari1._ Niemand hat das Verhältniß bessrr geschildert als Fürst Bismatck sélbkr hier im Hause, indsm er das Verhältniß zu Oesterrrich als besssr schi1dcrir, als es jemals im Höiliqen römiscb-n Reick)? und im DLUtschn Bunde der Fall gewesen sei. Der Herr Staatsirkretär hat mit Recht geschildert, welche prekäre Lage durch Rückdersichsrnnngerträge entstrht. Für Oesterreich-Ungarn ifi die Balkan-Haibiiifil dic- Wkttrrccke. Oesterreich kann in eine Lage kommrn, die eszwingi, formell selbst zum Angriff übérzugcben. Unser? JUTULffLn sind dort mit “(*r-n österrkicbiscben nicht identisch. Aber wir babeii dzs Interesse, dort freie Hand zu bebaltkn, und dii-se freie Hand ist geieffixlt worden durch die dkutsckp-russiscben Assekuranzdcrträge. Was wäre gejcheben, wenn der Vc'rratb crfolat wäre zur Zeit, als der Assekuranzdcrtra noch in Kraft war? Er hätte* wie eine Spreng- bonibe auf den rkibund gewirkt. Es wäre allé's in die Hand des Zinen gegeben gkwesen; der Zar bätie im Kriegsfall den Virtrag ver- öifkntlichen könnrn, wie andkre diplomatische Aktenstücke vrröffsntlicbt sind. und Er bättr dcn Drkibund dadurch gesprengt. Als der Verirag 1884 gcschloffen war, wurden die russischen Anleihen Von der SSL- bandlung bkgsben; das war cin Fehler, abkr ein noch größerer Fehler war das Verbot der Lonibardierung russischer Anleihen. Die M*assen- auswsisung russischer Bgusrn war auch nicht den Frieden fördernd. GeantwiU'tet bat man mit der Verfolgung dcs Deutscbibums in Ruß- land. Den Zollerböbnngen Dkut|chlands folgten die Zoüerböbunqen Rußlands. Die damaligen Bezi-ibungen hatten eine sehr frostige Natur; Handel und Wande'l littkn darunter, und der Boulan- gismus hat gerade infolge dessen sich bkmerkbar gemacht. Damals mußte Fürst Bismarck dem Zaren den Beweis liefern, daß er die Di'izeschen in dcr bulgarischen Angelkgknbeit nicht verfaßt batte. Zu dem Furlsten Visrnarck, als dem sogenannten ehrlichen Makler, hätt? 3 irßland seit dem Kongreß ein so bcsonderes Mißtrauen, daß es den RiickVersickoi-rungsvkitraq abschloß, und durch die Entfernung des Fursten Bismgrck fisl jeder Grund zu einem solchen Vertrag. WEnn die KQllsLkVÜtWLn ibre Genugibuun über die guten Beziehun-,ien zu Rußland ausiiksprockyen habkn, I r Verdienst (zu den Konser- vativen gewendet) ist es nicht, sondern das Verdienst des Grafen Caplwk- der dcn Handelsvertrag abgeschlossen hat, dessen Abschluß dem Fürsten Bismarck nicbt gelunaen ist. Graf Caprivi bat die alten Beziehungen wieder angeknüpft. Wann Fürst Bismarck meint, daß der Faden mit St. Petersburg abgerissen sei, so will mir fast scheinen, daß man zu
freundlich zu Rußland ist. Welcher Grund lag für den Fürsten Bis- marck vor, dieses Staathehcimni zu verrathen? Was die Prexse des Fürsten Bismarck dann verö entlicht bat, reicht nicht aus. i n zu rechtfer1iain. Das hat „er auch wohl selbst eingesehen. Seine Presse äußerte sich dahin, da die Veröffentlichunaen ab- kühlend wirken sollten auf die ereinbarung zwischen Rußland und Frankreich. Die Vsröffentlicbung eines alten Vertrages wirkt aber nicbt abkühlend auf geasnwärtige Liechwerbungen. Die Franzosen ivrffen sehr gut, wwran sie mit den Russen sind, und werden einer Belkbrung darüber aus dkn „Hamburger Nachrichten“ nicht bedürfon; bei ihnen ist auch die Vsröff nilicbung spurlos Vor- übergegqngen. Rußland gegenüber war dsr Bruch des Gebrimniffes eine unfreundliche Art dis Sich-in-Crinnernng-Bringens. Die Ver- dächtigungen 1"!va engliiche Einflüffe u. s. w., wrlche durch keine Thatiacbe beseitigt werden, sind die sch1immsten Vcrkächtigungen. Die leitenden Psrsonrn erscbkiiicn dadurch in 61119111 so ungünstigrn Lichte, wie man fich nur denken kann. Ich fordere drn Abg. Grafi'n BiSMaick auf, sein€n Vatér zu virtHi-idiiien und dkn kaeis für die Verdächtigungen zu Versuchen. Seit sechs Jahren lebt Fürst Wißmarck fem Von der Politik. Wir könnrn nur urtbeile'n nach dem, was wir sehen, nid danach sind diese Avklagen durchaus unberechtigt. Fürst Bismarck spricht von einer Depression, dis nach den BtksiaULk Kaiser- tagénkiiigrtrktkiqsei. Ich bin umgekehrt der Meinung gewesen, das“; der Optimismiis nicht berscbtigtwar, der sich gezeigt Hat, denn ich bin nicht ÖM" Meinung, daß der Kaiser von Naßland ssine Truppkn bloß Unterbält zam Schuß der hciligsten Gütlr Europas. Die überseeischkn Intrxcffeii, die- uns viklleicbt mit Eiigland in Widerspruch setzen, babiii langs, nicht die Bsdkutung wie dir europäiscbrn gkmeinsamen Jntrrrisen. Die V,.röffentlicbungen haben gewirkt wie der Schuß mit einer “26 Zrntimeisr - Kanone in die Dunkelheit. Wenn der Schuß kein Unbeii angerichtet Hat, so ist es das Vsrdienst drs Schüßsn uicht. Fürst L*“iöMarck spricht Von den Angriffsn drr Demokraten und dir orfiziösen Dsmokraten; das sind dieselbcén Organe, welche ihm ijrrlang ireu gedient haben. Die Presse hat sich jahrelang mit dem Fürsten BiSinarck wc'niaer als je bef.-f;t, und die freisinnige Presse kann ihr Kritikbedürfniß der gi'gsiiwärtigen Regierung gegenüber 17011an bifrixdig-cn, sie braucht nicht in die kaJÜUZLUkWÜ zurück- zugreifen, dir 11111) bisioriichixs Jntereffc hat. Wir sind niemals di€ “Feinde des Fürsten BiIiiiarck gewksen, wir sind ssine Gegner gi'wesen. Fürst Bisinaick mag sich betbailigen an den öffknilicben Dingen, ivo er wiil, bci deraiidlei-rträgrn, bei der Doppelwäbrung, kurz bsi drm gar-zi'ii Rojsort des Bundes drr Laridwirthc', aber in aus- wäriigeii Unx'ilé'gknbéiwn maxi er die Zurückhaltung brachti'n, die wir zu vcachten immer als pairiotisch€ Pflicht emvfmidrn haben.
Abg. Graf yon Mirbach (d.kons.): Dér Abg. Richter Uli'iilt, daß nur smc kleine Giuppk hilltér dem Fürsten Bisixiaick steht?. Wir fixed dcm Fiiisten Bismarck dankbar wie früher. Er ist «in Vkéiisch wii: j'dc'r Aildclé; Er bat seine Schwächyn, absr die Licht- seiten seine's Cbarakters sind so groß, daß jkdkk deutichs Mann ibni zum tiefsikn Dank vridflichtet ist. Ich weiß iiicbi, ob Gras Bismarck de 13 Borrsdner antwortkn wird; ich würde xs bsc- stebrn, wriin ('r es niibt jhut. In skincm NÜMLU kann iä) aber erklärsn, daß kr das Interview, Welches im ,kaiiii Wiriier Tag- blatt" vrröffiwilicht ist, für apokrypb hält. Und auf solche Akten basii'rt Heir Richte-r seins Angriffe. Aus dkm Vérbalte'n Deutsch- lands, w-lcbcs 1878 1reu dem rusfiicbsn Reich zur Seite stand, können keins „Vorwürfe gcgrn den Fürsten BiSinaick birqslriiet Wkldkn. Bij drm Handekbsrträgcn filid wir (1118 dinws viel zu frc'und- lick) Rußland grgcnübkr gewe'sen; Ha11dcl€5dcrlrägesollicn nicht von Politkiciyi'n T'nrcnzrn unterstützt wrrdcn. Das war ein Fsblrr dk's Grafen C Drivi, Dic Kundgebungrii der „Hambmgsr Nack)- ricbten“ sind bauplsäHlici) in der frrifinnigen Presse dis- krrdiiirri wmdi'n. Herr Richter spricht Von den natur- gemäßrn guts" Bkzikbunge'n zu Oesterreich. Vor dreißig Jahren waren die Béziedungen nicht so freundlich. Unsere Greiiiverbindung mit Rußland ist eine en.]erc. Jeb nill aber über die Bsziebungcn kein Urtdeil abg bin. Der Abg Richtc'r bat Vergkffen, in welcher schwisrigrn Lage? Fürst Bismarck Rußland grgknüber fich bkfand, als damals dic- dekn der vansladistiiäpen Bemaßung boch gingen. Da gebörtk das ganze Giscbick' des Fürstkn Bismarck dazu, die' gutem Be- zirbungcn aiifrkcbt zu crbaltc'n. Ich bin dankbar dafür, daf; die Herren von dyn Nationalliberalen und Freikonservativsn die ka' dienste drs Fürsten Bismarck anerkmint babkn; die Konskrvativkn sind ihnen dafür dankbar. Dcr Siaajssckietär erklärte; je mehr Verträga, desio mehr bcrscbrwnde drr Einzelne. Jeb glaubs, er hat nicht «an; Rkcht Es gchört eine geschickte Hand dazu, um alles richtig funktionieren zu lassen. Die Viröffkntlickoungsn der ,Hambiirgr Nachrichtrn' kann nur deiji-nige richtig be- urtbeiisn, dcr die Fäden dcr europäischrn Politik ksnnt. 21er das wird nic'mand behaupten können, daß kleinliche Persönliche Motim? den Füisicnxi-liitkt babe)". *).)ian könnte rs begreéifen', daß er den Wunsch grhabt bätii', Linea: Vsrglcich zwifch€n seiner auswariigrn Poiitik und der gkiiknwärtigcn zu zirben. Das batise'r nicht nötbig. Denn die gegenwärtig? Pwlitik bat eine rkcht barie Kritik i'rfabrkn und Fürst Bis- marck bat drm D utschn Rricbe Link!] großen Dienst erwiesen. Wknn ewissi' Wlälfk'r dkn Vsrsnck) machs", den Kundgkbungeii de_r „Ham- ?zurgir Raibiichton“ cine Spi e zu ;wbrn gsgen cine gkwißs Steile, die aiisic'ilwlb Oi'l' Diskussion Echt, so ist_da« nur dazu geeignet, das mona1chisch8 Sir'iiibl zu untergraben. Fürst Bisinarck hat unter Ein- seßunq seine-s ermögins und seines Kopfes das Fundament des Deuticbrn Rcichs, sin starkes prsußisches K*önigtbum rikschaff8w Das Waren unsterbliche Vrrdirnstc, und ich iziuß dagcgen Protkst rrbeben, daß er gegén die Krone: si'ine Angriffe baits richten wvllrn. Wrr so etwas geleistet bai, bleibt bis in sein lkytks Lebensalter Monarchist.
Abg. Liebknecht (Soz.) freut sich, daß der Rsichstag in dieser Sache "*cht gr'cbwicgen, die alierdinds die andcrkn Parteien mebr aufrierriii habe, als seine Frcunde. Redner ergibt sich weiter unter großer U1"a11f111é'kk1(1111k8i1 des Hauscs in längcrin Ausführungen über die auswärtige' Polilik Und di€ auswärtigen B8r[)ältnisse, und behauptet, Fürst Birwarck habe das, was er_g€ii)3n, als Vertreter des Kapitalismus und der bürgerlichen GSsLUWaix giiban.
Abg. von K ardorff (Rp.): Dir heutige Diskussion bat [ich verhältniß-r-äéxiq weniger mit der Znterprüation, als mit der Pkrydn “ms Fülstk'n Bismarck beschäftigt. Gigen ÖM Abg. Liebknicbt will ich iiichts saq-n, man kann ibn nicht ernst nrhmen. Auf die Ecklarungen der Rt'gisriing über die Verträge will ich nicht eingrben, wenngleich «1111231 ganz unbcdenklich smd. Mit dem Abg. Freiberrii von
antenffsi bin ich drr Virinung, daß es_ nicht so" sihr auf die Art und Weise der Politik ankommt, als aus die Manner, welche _die Poliiik vkrjri-tcn. Wknn der Abg. Richter emeint bat, dEr Furst Birniarck wäre zur Gkbeimbaliung umsome : verpflichtet grwsskn, als 1884 bis 1890 unbedingte Geheimhaltung Von seitc'n der ]i'legLK Vertreter der Regierung betont worden wäre, so verwechselt,“ rben beide Period-xn. Fürst Bismarck sprach in scinen Vrröffentlicbungen Von dsr eriode you 1884; ob er zur Vkröffriitlicbung berschtigt war oder nicht, darübrr wil] ich mir kzéin Uitbeil erlauben; er sagt. diese Dinge gehören der Vergangenheit und der Geschichte an, wir haben keinen Grund, sie geheim zu bqltrn; aber die unbedingte Gebeimhaltuiig, von der der Abg. Richter sprach, bezog sich auf disj-xnigrn Berbandlungsn, welche 1887 über die Vorläm-erung des Vrrtragrs geführt worden sind. Wir sind ja von dem Friifinn gkwobnt, daß er an der Politik des Fürstsn Bis-ixaick xine irbr herbe Kritik übt. Die Angriffe des Abg. Richter decken fich ungefähr mit denjenigkn des Abg. Virchow vom Jahre 1864, wo er sagt?, dsr Z))iinistxr-Präfident habe eine solche Masse von wechselnden Standpunkten eingeiiommsn, daß man ihn eigentlich gar nicht fassen könne. Man könne ihn eigentlich nur darin angreifrii, daß er keine eigene Politik habe, daß er ohne“ Kompaß binausitürme. Dem *))?inister-Präsidenten gebe seiner ganzrn Entwicklung nach- jsrcs Verständnis; für das nationale Wesen und die nationale Politik ab. Die Art und Weise, wie der Fürst Bismarck kritisiert wird, erinnert an die Kriiik, die in der ersten Hälfte dieses Javrb'unde'its an dem Großmeister der deutschen Dichtkunst, an Goethe, geübt „wurde. In der Literatur der damaligen Zeit finden Sie einen ebeiiso heftigen Krieg gegen Goethe, wie heute in der fortschritt-
lichen, sozialdemokraiischen und auch ultramontanen ' re e e en den Fürsten Bismarck. Und wie werden die KritikeeroI daßnJls beute "angxsebeni Sie waren zu klein und konnten den Maß- stab fur dix, Größe Goethe's nicht finden. So auch beute. Die Kritiker sind zu" klein, urn den Maßstab für die Größe eines Staatsmannes, wie des FurstenBismarck, zu finden. Der Ab . Richter meint, unsere und die enahschen Interessen wären identisclI. Das kann ich unter keinen Uixistariden zugeben. Aus englischrn Zeitungen werden Sie das Gefuhl herausfinden, daß England sich in einer isolierten Situation befindet, weil keine Macht sich mit ihm verbünden will. Jede andere'Macht bat erfahren, daß England rücksichtslos seine eigrnen egoxstiickyen Interessen Vertritt, und das höchste Interesse für England ware allerdings, die deutsche Armee für seine Interessen ein- mgl n-xarschieren lasen zu können. Und zu diesem Zwrck ist es sein dringendes Jnterese, uns in eine schlechte Situation zu Rußland zu bringen. Das liegt für jedkn auf der Hand, der von der Politik das'A-B-C. perstebt. Wir haben alle Veranlasfiing, mit der englischen Nation, die eine so große Kulturträgerin ist, in Frieden, und Freundschafx auszukommen; aber große Vorsicht bsdqrf )ede Politik England gsgenüber, denn die Engländer haben Es immer vyrirefflich verstanden, die Dienste und Schwerter anderst Natioiién fur sich in Anspriidb zu nehmen. Ich bin dem Abg. Hr. Liebxr dankbar, daß er die Debatte nicht durch pkrsönliche Aus- faÜe auf den Fürsten Wißmarck Verbittert hat, Von denen er sich in YolkSVsrsammlungen nicht frei gehalten hat. Ich Verüble ihm das nicht, in Volkswirsammlungen spricht jeder einmal etwas mehr, als er Verantwortsn kann. Der Abg. Lieber ist wohl nachträglich zu dem Bewgßisein gekommen, das; ohne die konservatibe Pa tei eine posiiive Politik in Drutschland nicht gemacht Wkrden kann, ohne die nationalkn Partéien, Will ich lieber sagen, denn die gehören mit zu den Kon- serbativizn. Es muß ein Weg zur Verständigung zwischen dem Zentrum und diesen Parteien gefunden werden. Und das wäre sehr erschwsrt wordsn, wenn die Herren diese Dsbatte in befiiakm Tone gkfübrt batten. Die großen Politiker dss Zentrums, Windthorst urid'Freilwrr von Franckensirin, battsn von dem staatsmännischen Genie dss ürsten Bismarck eine andere Meinung, als sie jexzt in manchen erfammlungxn von Herren des Zentrums dargelkgt wird. Vom Fürsten Bismarck gebt manchmal eine That oder ein Wort aus, was aÜemeines Erstaunen und Verblüffsn selbst bei srinen größten Anhängern Erregt, die sich im Augenblick nicht zurechtfinden. Aber in der Übergroßrn Mébrzabl aÜer dieser Fäkle bat die Weiterrntwickan klar gezeigt, das; Fürst Bismarck zu jeder Zrit dss Wohl und das kae des Vaterlandks im Sinne hatte. Wenn die HSrren, dis in dsr freisinnigen Prrffe ihr Unwesen treiben, deni Fürstin Bismarck schlechte Motive untcrfcbieben, so babe ich immer das Écfühi: was, mußtkn die Herren für schlechte Erfahrungen in ibrmi nächsten Kreisen von Politikérn gemacht haben! Wir wissen, daß Fürst Bismarck jedérzrit bireit ist, aUes binzugsben für das Wohl des Vaterlandes. Sie? (links) haben ihm immer egoistische Interessen unterg€schob8m In dsr großén Zahl derer, die ihm noch treu an- bängsn -- und es sind Mtüiorien -, herrscht das BeWßiskin: Fürst Bismarck bat nichts gethan, was er nicht für das Wohl und das (dekibi-ii des DkutsclU-n Reichs für nothwendig hielt. Sie (links) haben die Notbrvendigkeit seiner früheren Politik auch niemals einsrben können; vislleicht hatte er da manchmal Recht, und vielleicht bat er auch heut€ R€cht. „In dM Blättern wird gxsagt, die Dsssrtwn aus den Reihen der Bisinarck- fremide wäre- bei dieser Gslegenbkit außerordentlich groß géwksen. Ich habe das nicht finden können; es find mir nur ganz Vereinzelte Fälle bekannt. Die Drsertion, die wir früher erlebt haben, als der neue Kurs kam, hat jé'Zt nicht stattgefunden. Damals lagen der Desertion Motive zu Grunde, die nicht zu den allerschönsten gehörten. Die Beaniworiung der Intirpeüation wird dazu dienen, die aUgemci'ne ULerzeugung in der deutschen Nation wacbzurufen, daß wir bkzüglicl) dsr auswärtigen Poliiik fremde Einflüsse nicht haben woÜen, sondern uns nur Von deutschen Intercffen [kiten [affen wollexi. Die Be;- antwortung hat uns auch überzeugt, dIß unskre auswartige Politik heute in isbr vorsichtigen, ruhigen Händen liegt, die kkil1€ Ueber- eilung bkgebc'n werden, und ich glaubs, daß das Résultat diescr Be- sprechung insofern ein günstises skin wir), als 613 die Partkikn daran mahnen wird, nicht in der Verganiiknheit brrumzuiübren, sondkrn in die Zukunft zu blicken und die positiVen Gefichtspunkie zu suchen, die sie? einigen können.
Abg.1)r.-Paasche (nl,): Dér Abg. Richter meinte, das;“ die Parteién, welche dem Fürsten BiSMarck nahestkbkn, zufrisden waren, wenn der Tag vorüber wäre. Ich spreche nicht als Franctircur, sondern im Namen der ganzen Fraktion und aller unsrrer Freunde draußen im Lande. Nach den Aeußrrungkn der Presse und nach der Wiesbadener Rede (des Abg. Lieber) mußtrn wir beutk scharfe Angriffe quf den Fürstén Bismarck erwarten. Disse (Erwartungen haben fich nicht er- füÜt. Scharf genugwar freilich der Vorwurf drs Abg. Richter, von Herrn Licbknrcht will ich nicht reden, - Fürst BiK-maick hat das drutsche Parlamrnt und das allgemeine Wablrecht„geichaffen. Der Abg. Richt€r meinte“, das; die Rückverficherunnslwrtrage dkiianderen Machten, mit denkn maN Vcrträge geschlossen hat, bekannt.;zegeben' werden müßten. Der Reichskanzler Fürst Bismarck bat dieie Bedingungen gerad? erfüilt; dsnn die Auslaffuna des Fürstßn Hohenlohe ging nicht dahin, das; in dem Vsrtrag mtt Rußiand , die Gebrimbaljung vorqsschrieben ivar, sondern daß über diese diplo- matischen Aktenstücke überhaupt Geb€tmn1ß brwabrt werden müsse. Das; Orsterreicb Kenntnis; batte von dem, Vertrage, zeigt die Haltung des Leibblaties des Grafen Kéilnoky. Bickmarcktsche Politik war immc'r nur Kaisyrliche Politik; der Vertrag wirr gebilligt von Sciner Majestät dem Kaissr und gebiliiat von dkn Fursten des Dreibundrs. Von einem Mißtrauen Rußlands gigenüber _dcm Fürsten Bismarck ist in jedem F0"? keine Rede gewesen. Bezuleich der Motide des Fürsten BiSMarck sind Dinge behauptet worden, uber die ich dassrlbe Urtbeil babe wie Herr bon Kardorff. Wenn sogar gemeine Rachsucht angegeben worden ist, so schand€t sicb derjxmge, dcr dem Fürstsn solche Motive unterschiebt,Zlbst; an den Jursten BiGmarck reichen diese MotiVe nicht heran. Soiäye Verda'hiigungxn fal1€n auf ibrsn Urheber zurück; denn Fürst BiImqrck hat alles in dkn Dienst drr Politik der Krone gestelit. Er bat die Viittbeilungen nur gemacht, weil dadurch der Friede und die Machistellung-Deutscho lands gsficberi wird. Ykeine politischen Freundsfind immxr eingetreten für das Deutsche Reich und den Deutichen Kaiser. Wir „laffßn uns darin yon keiner anderen Partei übertrumpfen. Wenn wir fur den Fürstcn Bismarck eintreten und anerkennen, daß'er das, was „er gethan, zum Wohle Deuifchlands gethan hat, so wissen wrr, daß dirs auch diesmal geschehen ist. Es ist stark Wasser in drn Wkin der französischen Begeisterung gsgoffcn worden ; das macht sich schon jetzt deutlich bemerkbar.
Nachdem ein VcrtagungSantrag des Abg. Rickert (fr. Vgg.) gegen die Stimmcxi der Sozialdemokraten, der frei- sinnigen Vrrmigung, der freismnigen und der deu1schen Volks- partsr achlehnt worden, nimmt das Wort der
Abg. Liebermann von Sonnenberg (Refoxm-P.): Wenn der Abx. Liebknecht Von dem Fürsten Bismarck als von einem kabk€chkr gesprrchen hat, so ist er schon dabin belehrt wdrden, daß jemand, ,der eine derartige Akußerung "machen kann und dafur nur eine freundliche Hsite'rfsit e'incrntet, fich selber sein Urtbetl aesprochin bat. Dankbar bin ich für die Anerkennung, welcbe Fürst ViSMarck beute bier ge- fnndrn bat; weite Krkise,auch dss katholischen Volkes, wiffen sebr wobl, was Fürst Bismarck in wiribschaft1icher Bezikbung geleistet hat und wie er aus frcicn Stücken den Kultmkampf abzubröckeln angefangen hat. Von einer Beunruhigung durch die Viröffentlicbu- gen war weder bei uns, noch bei den vrrbündeten Staaten etwas zu merke'n. Diese kanntkn den SeparatVertrc-g. Auch England war über ihn Uiitékkichtkt, und jeßt, wo er nicht besteht, kann er in Ermland crst klcht nicht beunrulyigen. In Deutschland enxstand BkUntUbigUiig nur infolge der dreisten Beschimpfungen des Jursten Bismarck durch die Presse. In Frankreich dagegen hiben die Ver- öffsnilicbunzie'n nicht beunruhigend, sondern niedersch'lagend ,aewirki; sie haben die Friedenspolitik, die seit dem großen Kaiser Wilhelm seine
Nachfol c't befolgt haben, in bobem Maße gestärkt. _ örfi Vismré' hat in keiner genialen Weise den Frieden Europas ges . Er'foll ' Staatsgebeimnisie verleyt haben. Was sind denn über aupt Staats- ?ebeimniffe? Darüber entscheiden von Fall zu all die Sachver- tändigen, und in diesem al] ist Fürst Biswar der komved'nteste Sachverständige. Der bg. Richter bat den *ürsten *Bismarck als Priyatmann bezeichnet, der keine besondere tellung babe; er hat aber die» Rechte jedes Privatmanns, also auch"“'das*“Rkch1“- fich seiner Haut zu wehren. wenn er angegriffen wird. Man hat ihn angegriffen, weil seine Politik den Draht mit St, Peters- burg abgeschnitten hätte. Daß die Beziehungen fich verschle tert haben, beweist der Abschlu des Handelsverirags, der die äußeren kziebungen verbessern soÜte. u der Zeit haben wir mit Rußland im wirth- schaftlicben Kriege gestanden und politisch die besten Beziehungen ge- habt. Die Anhänger des Fürsten Wißmarck wußten. daß er immer das beste Mittel treffen würde; er hat die günstige Wirkung der Ver- öffentlichung vorausiirseben. Die Sozialdemokraten sind auch nicht aufgeregt worden. Nur einige Z::itungen Waren aufgeregt. Die verbündsten Regierungen haben ieder Beunruhigung vorgebeugt. Der Reichstag hat nicht den Beruf, die Brvölkerung der verbündeten Staaten zu beruhigen; die Verhandlungkn werden in dem vielsprachigen Oesterreich kaum gelesen werden. Das Vertrauen des deutschen Volks ist dem Fürsten Bismarchgefolgt bis in die Einsamkeit des Sachsen- waldes, und die Aufmerkiamkeit, die auch das Ausland feinen Aus- lassungen schenkt, beweist, daß er der unabseybare Kanzler des Deutschen Reichs bleibt; er fühlt fich vor seinem Gewissen bis zu dLisnYicFßten Athemzuge verantwortlich für das Wohl und Wehe ( e s.
'Abg. Ha zißma n n (d. Volksp.) : Durch die Antwori der verbündeten Regierungen ist festgesteüt, daß ein Staatsgehiiimniß entbiiUt ist zur Beichamung Deutschlands, daß diese Enthüllungen Beunruhigung bei unierén Verbündeien hervorgerufen haben. Die Freunde des Fürsten Bismarcx haben keine andere Erklärung zu geben gewußt, als: wir wissen nicht, Wasder große Geist in Friedricbsrub qeont hat, aber wrr sind von semer Unfehl“*arkeit überzeugt. Wsnn Sie dieses Dogma haben, dann haben Sie auch den Muth, sich dazu zu be- keiinen.' Fürst Bismarck Hrcift die deutsche Regierung an. Wenn Sie „die Angriffe für berechtigt Halten, dann sprechen Sie diese Arigriffe bier aii der verantwortlichen Steüe aus. Das haben Sie (rechts) mcht gethan, und (Graf Herbert ViSMarck hat es auch nicht gethan; er hat mit keinem Wort die Vertheidi- gung seinss Vaters übkrnornmen, wie er es sonst zu thun Pflsgi. Fürst Bismarck hat das Recht jedsr Privatperson; cr bat, als er Abgeordnéter des Reichstags war, seine Anschauung vertreten k?nnen. Aber seine amtliche Kenntnis; zu vérwerthen, um der grasnwartiasn Regierung Schwierigkeiten zu machen, das ist etwas, was über dyn Pitriotismus hinausgcbt. Der reale Kern der Ai-iklage, über den'alle Ruhmrserhrbungsn uns nicht wegbringen, ist der, daß Fürst „Bikkmarck dsr Regierung seiner Nachfolger Vorwirft, daß sie 11ch nicht auf Rußland gkstiiizt hätten. WEnn Herr von Kardorff Recht hat, daß die Regisrung in vorsichtigen Händen ruht, dann rhut man unrecht, denjenigen, dsr die Regierung angreift, als einen Unfehlbaren hiansTéÜLn. 1887 bat Fürst Bismarck selbst anerkannt, daß der Kaisßr don Rußland Krieg führt, wenn es das Interesse seiner 100 MiÜioner: Untertbanen erfordert; daran wird er fich durch geschriebene Verträge nicht bindern lassen. Nicht die gesrbriebxnen Worte, sondern die Gssammtbeziebunaen sind die wichtigsten Faktoren. Deshalb schaffen die wirthsCbastlichen Bezikhungen die bsten politisch€n Beziehungen; deshalb ist der Handelsweitrag bkffer als jrder Gebeimvertrag. Man muß in der That sagkn, daß die Politik der gegenwärtigen Regierung, welcbe, statt kalte Wafferstrahlen zu senden, di? Weltaussteuung beschickt, als eine würdigere erscheint als die des Fürsten Wißmarck. Stärkere Jntersffrngemeinschaff besteht zwischen Deutschland und England als mit Rußland; dazu kommt die gemeinsame Abstammung. Wir haben eine weitgehende Kulturgemeinscbafi. Die ganze Art der geistigen Thätigkeit in England und Dsutschland ist eine nahe Verwandte. Wir brauchen nicht gleich Bündniffe mit England zu schließen, aber cine falsche Politik ist es, Verbittsrung und Feindschaft zwischen Déutscbland und England zu erregen. Da möchte ich eine Frage aufwerfen, ob namentlich die Regierungen Auskunft darüber geben können, ob ein Assekuranwertrag zwischen Italien und England bkstébt. Ueber den Hauptinhalt hat der Aba. Ferrari etwas bsrlautcn laffsn. Auf die Frage brauche ich nicht nochmals ein- zu Lhkt'l, ob es fich um eine für Deutschland nachtbeilige Veröffent- licZung handelt. Ich halte es schon für eine höchst gefährliche Wir- kung, daß in Deutschland die Frage auftauobt, ob der Dreibund be- steht oder nicht. RückverfickyerunJSVerträge dürfen abgeschlossen werden, aber fie dürfen nicht geheim bleiben. Was würde man sagen, wenn Italien mit Frankreich einen solchen Vertrag abgeschlossén hätte? Ganz ohne Nußen ist das Vorgehen des Fürsten BiSmarck nicht gewesen; es hat Geleaknbeit ge eben, den Bundesgenossen eine klare unzweideutige Erklärung a zugeben, es hat ferner den Rsichstag Veranlaßt, sich mit diesen auswärtiéxen Fragxn zu be- schäftigen, sodas; sie nicht immer ein ausschließicbes Privileg der Diplomatie bleiben.
Abg. Rickert (fr. Vg .): Ich bedauere, daß mein Vertagungs- antrag abgklehnt ist. Die rucbt der Interpellation ist da: die un- umwundenen Erklärungen des Reichskanzlers und des Staatssekretärs des AUSwärtiqcn Amts. Wir schliexzen uns dem Dank an, welchen die anderen Parteien außgesvrochcn )aben. Aber freilich der Dank aufden Lippen und in der Brust das allertiefste Mißtrauxn; warum sonst bei Herrn von Kardorff die Frage, ob auch fremde Einflüsse? voll- ständig ausgeschlossen seien? Die konservative Partei hat nicht immer die Politik des Fürsten BiSmarck unterstüßt. Vergessen Sie die Tage der ,Kreuzzeitung“ nicht, welche von der Cini ung Italiens nichts wi en wollte! Herr von Kardorff soate' fi in_seinem Gedächtni einmal darüber genauer orientieren. Die Rede Virchow's aus der Konfliktszeit beweist nichts; BiSmarck selbst hat später anerkannt, daß die Opposition damals Recht gehabt babe, den_n fie konnte nicbt wissen, wohin er geben würde. Die Jndemnitat war die beste Rechtfertigung der Opposition. Es handelt sich nicht um England und Rußland, es handelt fich nicbt um den Fürsten Biswarck, den niemand angegriffen hat, sondern nur darum: war Fürst Visitiarck berechtigt zu diesxn Entbüuun en und hat er dem Vaterlande einen Dionsi damit geleistet? Da sie en wir unbedingt zur Regierung; Fürst Bismarck felbst hat solche Ver- öffentlichungen durch besondere Gesißesbestimmunaen verfol t, und jest soüen plößlick) andsre Grundsäße gelten; Woher wi en die Hirten, daß die anderen Regierungen Kenntnis von dem geheimen Vertrage batten? Man fonte doch endlich die Angriffe auf den Grafen Caprivi unterlassen. Er ist zu vornehm, er enthalt sich der Abwehr, weil er nicht die Staatsgebeimniffe enthüllen will. La en Sie ihn doch in Ruhe, er hat niemals den Respekt gegen den ürsten Bis- marck Verl? t. Es wird niemals gelingen, das Verdienst ibrxi abzu- sprechen, da er uns vor einem Zollkricge mit Rußlaiid bebutet und dadurch wieder nähere Beziehungen geschaffen hat. Wir hoffen, daß die Erklärungen der Regierungen jeden Zweifel an der, Vertragstreue beseitigt haben werden, und ich bedauere nur, daß wir diesem Er- gebnis; der Verhandlungen nicht auch durch einen Beschluß Ausdruck geben können.
Darauf schließt die Debatte; mit persönlichen Bemerkungen der Abgg. von Kardorff, N1chtcr und Haußmann.
Persönlich bemerkt noch der
Abg. Graf von Bismarck (b. QUIZ): Jn BMJ auf die ver. sönlicbe Bemerkung des Herrn Abg. ichter ka'nn i nur wieder- holen, was Herr Graf Mirbach für niich zu erklaren die Gute batte. , Herr Haußmann bat, soweit ici; seine Mundart verstehen konnte etwas von Amerika und Dopveiwabrun und Interview Lesagt. Jeb erkläre, daß ich keinerlei Jntsrvtew gkha t_babe. Jeb ba e nur als ich vor 14 Tagen in Schönhausen war, einen'Herrn, da es schlechtes Wetter war, 1116 aus eintreten lassen und ihm gesqgt, ich würde mich nicht in ein nterview einlassen, er möge nur mit dem näibsten
Zuge abreisen, was er denn auch gethan bat. HerrHaußmann meinte, ich