1896 / 278 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger, Mon, 23 Nov 1896 18:00:01 GMT) scan diff

"Bildbauers Benvenuto Cellini deffen Lebensgescbiebte Goethe :,Ü chte), des S öpfers der in lorenz aufgesteiiten Perseus- Statue, reren Eniste un Sgefchicbte den eigentlichen Kern der Handlun

[det. Cenini soll im uftta e des ?apstes Clemens 711. den Gu keines .Perseuß' volenden. A ein se ne Liebe zu Teresa, der Braut es päp tlicben Vikkbauers Fieramoöca, läßt ibn nicht ruhen, und eine Entführung der Geliebten während des Karnevals, wobei sogar Blut vergossen wird. nimmt seine Zeit so in Anspruch, da er die Frist zur Anfertigung des Standbildes berstreichen t und die Ungnade des apstes auf fich zieht. Binnen emer Stunde oll er nun den Guß des tandbildes vollenden oder_wegen seines Vergebens sterben. Der Gu gelingt schließlich, und wahrend die blanke Perseussiatue aus ihrer orm ans Licht Zezogkn wixd,'darf ibr nunmehr be nadigter Schöpfer eresa als glü licher Brauttgam in seine Arme s ließen. Dramatiscb am wirksamsten und spannendsten isientschieden dieser [Wie, in Ceüini's provisorisch im Kolosseum unter- gebra ter Werkstatt spielen?“? Aki, dkssen Oertlichkett zqum dxzrcb dcn ekorationSmaler Bukacz meisterhaft veranschaulicht wird. Die Enisübrungßgesckpichte, welche in den Wrbergebenben Akten eimas breit und nicht immcr ganz verständlich behandelt wird, ist weKniger dramatisch. Unter den Sängern zeichneten fich vor allen Herr Kraus ais Ceüini, Herr Bulß als Fieramosca und Frau Herzog als T(resa aus. Namentlich Wuchs der erstgenanntejunge Künstlkr, der dkxnngckyst vom Mannheimer Hoftheater als ständiges Mitgl'kd des Königlichen Opernhauses nach Berlin übersiedelt, mit jcdem Akt in seine ungrmein schwierige Aufgabe hinein. Herrn Bulß ge]ang der erste Akt, in dem er durch gecke'nbaftes Gebabren auffalle'n soll, darstelierisch am wenigsten; bingcgen bot ibm kine msisterhaft geformte ,Bramarba9“- Arie im zweitem Gelkgenheit zur PLUM Entfaliung skiner ;";roßen Mitiel. Auch Frau ch 9 konnte in dsr kleinen, aber dankbarsn Partie des Lehrlings (,eÜini's ihrer schönen Stimme Geltung vLiscbaffen. Die andcren Rouen - die übrigens aße ibre nicbt zu unterschäßenden Schwierigkeite'n haben «- tréten nicht sonderlich bewor. Sie Wurden du1ch di? Herren Mödlingcr, Kiosop; Alma, Krasa, Stummer und Lécban angsmeffen wiederYzeben. Mktsterhaft wn die Juscknikrung, namentlich dss zweixsn ' ufzugs, der äußerst lebkndig das Kamcvalstreibc'n auf der_„Piazza Colonna' Veranscbau- siebik. Dcm Orchesikr untcr Kapellmeister Weingartner's Leitung, dem wobl die schwietigste Aufgabe kes Abknds zufikl, gebührt ganz be- svudere Anelkernung, namentlich für die boULndete Wiedergabe dsr OUVLrtüre „[46 (:arnux/A 101118111“ (cbenfalls von Berlioz), wclche als Zwischenspiel das Fastnachtsleben dks zweitcn Aktes stimmungs- voll einlc'itete. Der Bcifall am Schlllß war cin sebr großer und einmütbigcr; der Gast dks Abknds ind D(Ustkl]_€k d r Titelrolie, Hsrr Kraus, wurde mehrmals vor den Vorhang gerust'n.

Lessing-Tbeatxr.

Die crste Ausführung des vikraitigen Schauspi€1s . DeyAbsnd " von PaulLindau erzielte am Sonnabcnd einen zikmltÉ lavten (Erfolg, dsr seincn Höbevunkt nack einkr siatk tbeatraliscbc'n STM? dcs drittkn Aufzugs erreichte. „Der Abend“ sie!]t fich dar als ein modernes Theaterstück mit einkr angehängten Moral. Wer, wie de-r lebenskwbé Maler Erwin Dcuben, das ganze L*:ben für einkn lustigen Tag schalten hat, kann fich nicht wundsrn, wcnn dsr chknsabknd trübe und elend verläuft; leider kommt dem jovialsn Yialer diese Er- kenntnis; und bis Einsicht von dem Ernst d€s Lebcns, das koch mehr als ein Kinderspiel bedeutet, erst durch das Unglück seiner kinzigkn, geliebten Tychter, wélcbe trotz ibxer schwermütbmen undnücbternen Lebensanscbauxmg den Verfübrungsiünstkn sines rcicben jungen Mannes erlic'gt. Zum Schluß büÜe-n sick) der Maler, FWH skines aufschäUMcndkn Racbedmstes, und seine Töchter, ircß ibrcr bcißkn Liebe, in übermenschlicbcn Edklmutb und entsapcn ber Sühne des Vergebens, weil sie darin nur ein Wkkk der Pflichterfüklunq des Veriübrers sehen und nicht ein fkkiés Oyfsr wabrer Liebe, In dsr scenischsn Behandlung dieses Sioffés hat Paul Lindau aufs 118116 benriksen, daß die bedeutendste Seite seines Talents in d.: Bkberrfchung cines [Licht flüifigen Dialogs und des wiyigkn und launigen Plaudsrtons liegt. Der Vkrfasser ist immer anziebend und unterhaltend, so lange er mit lcickotkn Schwing€n di? Obeifläcbc des- kans sixeift; i;! "eie Tiefsn killé'l" starkm Mansche'nskxcls hinab- zntauckcn, isi ibm auch in dissem STückc wsrsagt. Dkk wilde Kampf, der di:? Brust dieses Mo.!erxi zkrreißt, ais er in 1ci119m Künsilkr- bew-sftscin mi) skins? Vaterlich Wick) ti-Zf bölkidigt wird, Wurde? von Lbyairaliscbcr zu dramatischer Wirkung erst durch das in diksem

Moment vortreffliche Spiel Georg Engels' Erhoben. Eine echte theilnebmende Stimmung wollte, troß des schMrmütbigen Gegenstandes der Dichtung, nicbt lay greifen, obgleich das zweimal in vom Abendrotb verklärter D mmerung liegende Atelier einen malexiscben, poetische Empfindung weckenden Hintergrund darbot für das Bild des Faarés, des im ersten Akt hoffnungsfroben Malers und seiner liebe- eligen Tochter, die im leßien Akt tief gebeugt und Fchmerzbewxgt in die sinkende Sonne schauen. Die unsichere und nicht immer naturliche Entwickelung der Handlung und der Charaktere, die nicht in rechter Harmonie zusammenklingsn, lassen eine voUe Befriediatzng und eine rxine Stimmung nicht aufkommen. Die Darstellung stuyte, sich in erster Linie auf das roße Talent bon Georg Engels, der in sem Spiel viele feine, lebenswa re Schattierungen einfügte, aber doch auch einen lebendigen Menschen aus der Gestalt des alten Malers nicbt'zu sebaffen vermochte. Kerr .Schönfeld spielxe eine jungexe, luftige Variation des alten sisters mit großer Frische. Herr Stahl ber- körperte charakteristisch den selbstzufriedenen, rctchen und leichtberzigen Zungen Mann. Fräulein Wirth legte Empfinxung und Schwerxnuth n die Rolie des liebenden und getäussbten Madchens. - Der Dtcht6r konnte unter dem Veifal] der Zuschauer nach jedem Aufzuge auf der Bühne Erscheinen.

Jm Königlichen Opernbause gelangt morgen C. M. yon Webxx's OPEL" ,Obkron“ mit de'n Rezitativm von Franz Wülincr unter Kapelimeisier Dr.Muck's Léitunq zur Aufführung. Dic Beskßung ist nachstehende: Hüon: Herr Sylva; szia: _Fraulein Hiedler; Fattmx: Fräulein Rotbaurer' ScheraSmin: Herr Lteban; Oberon: Fräulein Weiß; Puck: Fräulein D("PPL'; Roschana: Frau Göße; Kaiser Karl: Herr Stammer; Almansor: Herr Fränkel.

Jm Königlichen Schauspielhause wird morgen Lessin 's „Minna von Barnhelm“ (zum 125. Mal) in folgender L?c- skßung gigeben: Tklibeim: Herr Ludwig; Minna: Fxäulein Poppe; Franziska: Fräulein Hausner; Just: Hkrr Kable; Dame in Trauer: Frau von Hochenburge'r; Riccaut: Hcrr Grube. Wirth: Herr Vollmer; Werner: Herr Molknar.

Eine W oblibä tigkeit-Z-Vorstellunq zuchsten derHinter- blikbenkn dér mit dem Kanonenboot „Jltis“ untergegangenen Sékleute finikt am nächsten Mittwoch, den 25. Nobeémber, im Friedrich-Wilbelmstädtischen Theater statt._ Eröffnst wird diesklbe mit eincm eigens zu diesem Zweck von Vicior Laverrknz gedicbtkten Prolog: „Die Helden des Iltis“, der von Fräulein Schmidt gesprochen werden wird. Es folgt die Erstaufführung von „König Ring“, Drama in drei Akten von Victor L-Wcrrenz. Die Regie dks Abends hat der Reqiffeur des Thkaters, Herr L. Otto- MLka, übernommen, der auch persönlich die ergteifknde Dichtuna .Der Rabe'_ von Edgar Allan Poe zur DarsteÜung brin 811 wird. Schrift- lichxx'BikietbksieUungen sind an das Burkau des riédrich-Wilbclm- siädttschcn Theaters, UMR, Chausseestraße 25/26, zu adrcsfieren.

Der vierte Symvbonie - Abend dcr Könißlichen Kapelle unter Kapellmeistkr Felix _Weingartner's Leitung findet am 17. Dezember statt. Zur Aufführung gslangen nur Werke bon Vectbovcn.

Das Programm des am Montag, den 30. Noyember, siatifinixenden 17. Philharmonischen Konzerts unisr Arthur Nikiscb's Leitung und ?olisiiscber Mitwirkung von Frau Sofie Meuter lautet dsfiniiiv, wie folgt: Symphonie in ])-(]111' von Haydn (Nr. 2 dc'r Breitkopf u. Härtel'scbkn AuEgabe, welche in Berlin sYit langer Zeit nicht me'br zur Aufführung gelangtx); .Klabie'r-Konzert in 125-0111“ VKU Bkktboven, gkspielt Von Frau Viknker; „Also sprach Zarathustra“, Tondicbtung für großks Orchkstcr (zum ersten Mal) Von Richard Strauß. DM Schluß bildet Wagnet's- .Tannbäuser“-Ouvertüre.

BLZ dem Orgelbortrag in der Marienkirche, am 11äcksien Mijtwocb, Mittags 12 Uhr, babsn Herr Organist Friedrich Finks aus Spandau dcn Orgelpart und die Damen Fräulein Helsnc Linscne'r i_md Fräulkin (Emilie Jcsckc die Gesänge übkrnommxn. Zur Auf- jübrunn gklangkn (mf ric- detknikikr und die bLVbrstébends Adbk'nts- zeit bezügliche Kompositionen. Der Eintritt ist frk'i.

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Die. RecitatiVL von Franz Wüllnkr. Ballet Von mel Gracb. Ju Scene gesetzt vom ObevRegiffxur Tetzlaff. Dekoratibe Einrichtung Dom Obcr-Jnipéktor Brandt. Dirigent: Kabkümeisier 1)r.Muck. Anfang

Vom 23. November, Morgens

ULetterberi

* __

71 Uhr. Stationen.

vor:: ([alle Lamelle.

Vorverkauf bat begonncn.

*Sckßausvislbaus. 263. Vorstsüung. Minna von M"

Donnerstag: Erster Duse-Abcnd. 11-- JW- ' (Dre Dame mit dsn Camelten.) Schauspiel bon Alsxandrc Dumas. Dcr

Jagd.

Morgeii "Dienstag, findet Köni liche Parforce- "a statt. SteUÉichein: 123/4 Uhr Jagds loß Grunewald, 112 UH? am Saugarten. . ,

Mannigfaltiges.

Das Denkmal zur Erinnerung an die im November 1861 er- trunkenen Mannschafth der „Amazon 8“ im Jnvalidenpark ist an in diesem Jahre wieder mit Guirlanden und Kränzen geschmückt worden, welche von dem hiesigen Verein ehemaliger Matrosen der deutschen Marine und den Hinterbliebenen gewidmet sind.

Die N3ue Berliner Omnibus-Gesellscbaft bat ihre Linie Rosenthaler Tbor-Anbalter Bahnhof über den leßteren hinaus durch die Möckernsiraße bis zur Yorkftraße ver. ZZn/Izert. Der Fahrpreis bsträgt nach wie vor für die ganze Tour

Uebkr die Witterung im Monat Oktober 1896 berichtet das Königliche Meteorologische Institut auf Grund der angesteütkn chdbachtungen Folxxcnkeß: Die Witterungéverhältniffe gestalteten fich während des Oktobers im arößtkn Theil Norddeutschlands günstiger als in den voxangegangenen Monaten. Dies gilt namentlich von der Temperatur, deren Monatsmittel meist über dem Normalwerth lag, im Nordosten bis zu 3 Grad; westlich der Weser kvar es jsdocb zu kübl. im Südwksten sogar bis zu 14- Grad. In der ersten Hälfte des Oktobers wechselten warme, heitere Tage mit kühlen, trüben, während in der zweiten Hälfte die leßtexen vorwogen. Jm Gegensaxz zu anderm Jahren ist dieSmal die Lufttémperatur nur an Wenigen QLten unter den Gefrisrpunkt gesunken; dagegen trat aÜer- dings Neubildung häußg ein. Die Niedkrscbläge waren meistens zu

ering, besonders im Nordosten, wo nur ein Drittel der Normal- ßumme gemessen wurde, während ks das Gkbiet der mittleren und untkren Odkr sowie die Rheinprovinz etwas zu naß batte. Schnee fixl nur in den Gsbirgen, ohne abkr hixrlängere Zeit liegen zu bleiben. --- Dic? Sonnsnscbeindauer bktrug vielfach mehr als im Voraufgegangenen Septembsr; dock) Wurde auch im Oktober nirgends die Hälfte der rnöglich€n Dausr Erreicht; ja, in Hcssen-Naffau ging sie sogar Wildkk unter ein Fünftsl dk'rselbkn herab. Das Hochdruck. ?Lbiéf, welches zu Ende Skptember über Zentral - Europa ag, zog zu Anfang Oktober nach Osten ab, während mehrere De- pressionen im Nordwesten vbrübkrwanderten. Hierdurch wurden leb- hafte, zum thesil stürmische südwestliche Winde veranlaßt, welche die ziemlich milde Temperatur noch ein jvmig erhöhten. Später Vér- [agcrte sich ein neues Hochdruckgcbiet wo.; Spanien nach Rußland, wo- durch am 6. ein Tempsratursturz eintrat, dcm sogleich wieder starke Er- wärmung bki vielfach heiterem Wetter folats.“ Vom 10. ab bis zum 24. wurde die Witterung in Dkkutscblanb durch Déprxssion beeinflußt, Welche Zyniral- Eurbpa südnörbltcb durchquerten, während fich im Osikn, meist auch im Westin Anticvclo'nen befanden. Infolge dessen sank die Tsmperatur bis zum 13. übkrall sehr stark; wäbrend fie sodann im Nordosten unter geringem Schwankungkn auch weiterhin abnahm, bob siS fich in den anberkn Landskilxilen am 15. wieder zu dkr borigén Höhe, um dann ebenfaÜs ftxtig abzunehmen. Vom 24. bis 28. machts sich eine im Nordwest?" Vorübkrziebknde Depression 991161175, der im Südosten bober Luftdruck ge-gknübersiand; daher we-btcn meist Wind? aus dem südlichen Quadrantsu, die eine weitere Abkühlung vsrbjndsrtkn. In 13611 [kßtkn Taxcn dks Yionats erstreckte sich Lins Furche nicdrigkn Lustdrucks südnördlich übkr Deutschland und brachte" für den Osten Erwärmung, jür den Westen (1er nkues Sinken der Tkmpkratur. _

In der altsn „Urania“ (InValide'nstraßc') wird Herr Astronom G. Witt morgsn seinen ersten Experimental-Vortrag .Uebkr den Bau des We'ltsystkms“ halten.

( Fortseßung dcs Nichtamtlichen in der Ersten und Zweiten Beilage.)

Mittwvb und die folgenden Tage: Eine wilde Sache.

Konzerte.

Wind. ! WLAN. 1

in " Célsius

59T. =49R.

TkmpkratUr

Velmuüci . . Absrdecn . . Cbrisiianfnnd Kcvcnbagen . Stockholm . aparanda . t.Pcteksbx;. Moskau. . . Cork,;QueenS- Town . , 777 Cherbourg 777 elder, . . 780 vlt . . . 778 mbura 780 winemünde 779 Neufabrwasser 779 Viemel . , 778

Münster. 780 Karlsruhe . 776 .iesbaden 777 München . . 775 Cbemniß . 779 Berlin - . 779 Wien . . . 775 Breslau . 778

M77?“ "770" Uebersicht

782" _

3 be'dx'ckt 2 b:".de'ckj

Regan . Nebel Nebsl bcdcckt bedeckt bedc'ckt

p-i SUNSHINE

,' wolkig bsiter Nebel W111“

Rebe

beiter Dunst heiter heiter bedkckt be'de'cki wolkig bedeckt _ ' bedeckt NNW bsdcckt NNO 2,bedeckt

(91 (91 (91 HH (9)

U (IKZ;

ONOUZZWHHÄ" der Witterun 9.

Eine Zone hoben Luftdrucks überdkckt Mittel- (Europa, über Norddeutschland Barometerständenahezu 780, über Jm'errußland Von 782 mm aufweise'nd. Flachs Deprksfionen liegen über dem Mittelme'er

und im hohen Norden.

Vei schwacher, vorwiegend

nördlicher bis östlicher Luftströmung und tiahezu nor- malen Wärmeverbältniffen ist _das Wette-r tn Deutsch- land neblia, an ker Küste berker, im Binnenlande t-übe; me bare Niederschläge werden nicht gemeldet.

Meistens ,aben Nacbifröste stattgefunden.

Die WLst-

liche Frostgrenze verläuft von Riga über Danzig nacb

Hermannstadt.

Deutsche Seewarte.

Theater. Königlithe Zchanspiele. Dienstag: Opern-

haus. 234.Vrrste!1ung. in 3 Aufzügen. Musik

Oberon. RomantiscbeOper von Carl Maria von Weber.

Barnhelm, oder: Das Soldateugliick. Lustsvicl in 5 Aufzügen Von Gotthold varaim Lässing. Re ie: Herr Plaschke. Anfang 7T; Ubr.

iitiwo:b: Owsrnbaus. 235. Vorsic'liung. Veu- venuto Cellini. Opsr in 3 Aufzüge-n Von de Waiüv und Barbikr. Deutsche Bearbsitung von Pkt?!" Cornelius. Musik von chtor Bsrlwz. (Venvcnuto Cellini: Herr Ernst Kraus, Vom Hof- und Naiicnal-Tbeatcr in Mannheim, als Gast.)

Anfang 71 Uhr. Schausviclbays. 264. Vorstellung. Was ihr Wollt. Lustsxisl in 5 Aufzügen boa William

Shakésréarc. Anfang 7:3 Ubr.

Dcutsüxrx: Theater. Diensiag: Freiwild- Anfang 7ck Uhr.

Mittwoch: Ulorituri. (Teja. Fritzckzen. Das Ewig-Mäunlichc.)

Donnerstag: Hanuele's Himmelfahrt. Vmbsr: Ohne Liebe.

Nrrlmer Theater. Diknstag: Renaissance. Anfang 7T Uhr.

Mittwoch. Renaiffance.

Donnerstag: Einmaliges Gastspiél von Ludwig Barnay. Zum Besten d€r Bübnen-Genossenschaff: König Lear.

Lcsßng-Theater. Dienstag; Der Abend. ((onm („Engels als Gast.) Anfang 7z Uhr.

Mittwoch: Der Abend, (Georg Engels als Gast.)

Donnerstag: Der Abend, (Georg Engels als (Gast,)

Meßdenz-Thcater. Direktion: Sigmund Lauten- burg. Dienstag: Zum exstsn Male: Verschwunden. (])jgpurn.) Schwank in 3 Akten von Alsxandre Vision und André Shwain. Deutsch Von Franz Hofer. Anfana 7? Uhr.

Mittwoch: Verschwunden. (Ojgparo.)

Neues Theater. Schiffbauerdamm 4 a./ 5. Direktion: Si mund Lautenburg. Dienstag: Bork- Zprüuge. SLwank in 3 Akten von Paul Hirsch- erger und C. Kraaß. -- Vorher: Die fittliche Forderung. Komödie in 1 Axt bon Otto Erich

artlcben. Anfang 711 Uhr.

Mittwoch: Bockspriiuge. _ Vorher: Die fitt- liche Forderung.

Ichillcr-Thcatcr. Dienstag, Absndx; 8 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfcld.

Mittwoch, Abends 8 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfcld.

Theater des Keßens. Kantstraße 12. (Wahn. bbs Zoologischer Garten.) Dic:t€»tag: Schiedsmann Hempc1.__ Volksstück mit Gksang in 4 Aktt'n von Julius Kskler und Louis He-rkmann. Mufik von (Gustav Steffens. Anfang 73 Uhr.

Mittwoch: Schiedsmann Hempel.

Donncrstag: Treue.

Thcatcr Unter dcnlkmden. Bchrcnstr. 55/57. Direktion: Julius Friyschs. Dienstag: Der Ehe- mann vor der Thür. Komische Operette in 1 Akt vozt'Carl Treumann. Musik von Jacques Offlnbacb. Dirigent: Hsrr_Kapcllmsist€r Korolanyi. * Hierauf: Mit "('n-„r Ausytattung an Kosiümsn, Dckbrationen und qumsitcn: Unter den Linden. Balletpbßntafie in 3 Aktkn von Benno Jacobson. Musik von Paul Linke. Dixigent: Herr Kapellmeister Dahms. Dkk chorkograbb11cheThei1 arrangiert und einstudiert bom Valictmsifter (Greco Poggiolefi. In Scene gesc'ßt Von Julius Ftißsche. Anfang U Uhr.

,YÜÜWVÖT Der Ehemann vor der Thür. - Htxrauf: Unter den Linden.

Thalm-Thkater (Vorm. Adolph Ernst-Tbeater). Dreßdenerstraße 72/73. Direktion: W. Husemann. Diensta-z: Daß? Wetterhäuschen. (9798121161 01' 110.) Mu faltscbes Genrebiid bon Adrian Roß. Deutsch von ermann Hirschel. Mufik von Bertram L_uard Selby. «'Darauf: Zwei Schwieger- söhne! Schwank m 4 Akten von M. Boucheron. Deutsch von Max Schoenau. Anfang U Uhr. „Mittwoch und folgende Taue: Das Wetter- hausrhcu. -- Darauf: Zwei Schwiegersöhnc!

beniral Theatrr. Alte Jakobstraße 30. Direktion: Richard Sebulß. Dienstag: Emil Thomas a. E. Eine wilde Snape. Große AUSstattungs- bosse mtt Gesang und Tanz in 6 Bildern von

„„Mannsxadt und Julius Freund. Musik von Julius Einodsbofer. Anfang 73; Uhr.

Iing-Akadcmie. Diknstag, Anfang 8 Uhr: Lieder-Abeud von Anna Stephan.

Konzerthaus. Karl Meyder-Konzert.

Dienstag: Ouverturen „Rienzi', Wagner, .Das Gkbcimniß', Smetana. Pbantafie aus „Don Juan“ von Mozart. Walzer .Der Frauen Liebe und Leben“ Von Bion. Pojpourri „Ein Strauß von Strauß“ von Mohr. L*"anruiJiS m11jmir0 für Violine bon Leonard (Hk!!! Schmidt-Rsinecke). .Blumengruß' für Piston bon Hayn (Herr Werner).

Baal Bechßein. Dienstag, Anfang 71116:- Lieder-Abeud von Otti Hey.

__ Familien - Nachrichten.

V erlobt: Frl. Margarete Ehrlich mit Hrn. Fabrik- bcsißer Hugo Sternberg (Yrkölau). _ Frl. Elise Schneider mit Hrn. Ingenieur und Lieui. d. R- Jobannes Trelknberg (Breslau).

Geboren: (Ein Sohn: Hrn. Konsul PaulScbeller (Dresden). „- Eine Tochter: Hm. Berg-Affessor von' Skai (Antonienbüttk, Schleszi

Gestorben: KadettB_ernbard von lt-Stutterbetm (Köslin). - Fr. Hof-Jägermeister Lidky von Wolffersdmff, geb. Rath (Sondershausen). - Frl. Emma von Tresckow (Blankenfelde). »- Hr. General-Lieut. z. D. Wilhelm Von Henning (Char- lottenburg). - Verw. Fr. Oberst Wilhelmine bon Krieger, geb. Freiin von ansjein (Trier). .'" Pr. Pastor Joh. Friedrich erner (Wüsiebrtese b. Oblau). -- Hr. Gebsimer Admiralitäts-Ratb a. D., außermd. Mitglied des KaiserlichenPatent- amtes Adolph Brix (Berlitz). - Fr. Professor Dr. Karl Hellmuth Dondox (Göxl ß).

Verantwortlicher Redakteur: Sie me 11 r o t h in B e r l i n.

Verlag der Expedition (Scholz) in Berlin.

Druck der Norddeutschen Vu druckerei und Verlags- Anstalt Berlin ZM„ Wi helmstraße Nr. 32,

Acht Beilagen

(einschließlich Börsen-Beilage). (19333)

“Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger, und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

.I./„“: 278.

Deutscher Reithstag. 129. Sißung vom 21. November 1896, 1 Uhr.

Auf der TageSordnung steht die Fortseßung der zweiten Berathung des Geseß entwur-fs, betreffend Abänderung und Ergänzung des Gericht§verfassung§geseßes und der Strafprozcßoxdnung, und zwar bei der am Freitag unterbrochenen Eroriernng Über § 568. der Straf- Zrozeßordnung, betreffend Unterlassung der Beeidigung von Neu en.

bg. Günther Zul.) ist mit dem Vkschluffe der Kommission einberstanden und erklart sich gegen die Anträge, während

Abg. Munckel (fr. Volksp.) bittet, den Richie: in ssinkm freien Ermessen nicht zu skbr zu beschränken; denn gegenüber einem ?in- fiimmigen B€schluffe des Gerichtes werde auch der Vertbeidiger dis Beeidigung nickt beantragen.

Geheimer Ober-Jusiiz-Ratb1)r.L u ( as empfiehlt die Annabmc dss „6563, welcher bastitnmt sei, die Zahl dEr Eibe und damit auch der Msincide zu yßrmindern.

Aba. Haußmann (d. VOMP): Die Frage ist praktisch bon roßsr VLDLUNMJ, denn die jkßt béstebende Cidssvfiicht wird durch- rocben; bie Versidiqung sol] unte'rbleibcn könne'n, und aus dem Voreid soll ein N0chCid ivkrde'n; ferner sol1 der Eid ans dsr Lauptvkrbandlung zum tbeil in das Vorvstfahrcx) vsrlei werden.

(: dis Bkkibigung untérblsibt, sollte sink Straße: für ügen Vor Gericht cingsfübrt wcrden. _

Abg.Fr€i1)€rr von Gültlingkn (Rp.) tritt für dén Beschluß der Kommission Lin, will aber bis (Entschcidung der Frage? ganz in die Hände dks Gkricbts [MM und eine Vkreidigung auf Antrag dss Angsklaxxie'n bkzw. Kinks Vsribkkbigers nicht zulaffkn.

Abg. Beckk) (fr. Volksp.) glaubt, daß man nicht alles in die Häni»? dk'k Rickter allein [LULU dürfs; auf Antrag müsse sine Be- eidigung dcr Z-Iugen erfolgen können, weil der Wcrtb dsr Zc'ugen- aussagsn sich nrcht glsich Von bornberein klar erkknnen lasse.

Abg. Rembold (Zéntr.) bé'szk'ilet, daß durch die Berkcbtigung dks Angeklagtén, dié theidigung zu vkrlangSn, Etwas g("bkfflkt werds; denn wenn das Gerichi einstimmig zur Ueberzsugung gk- kommen sei, daß dic Anssage Lines ZEUJEU unglaubwürdig ski, so werde Es dsr bkeibigien Aussage? auch kcinen Glauben schenken. Redner fordc'ri cbenfalls die' Bestrafung unwabrér Ausfagkn vor (Gericht. _

Gc-beinrxr Ober JustiztRatk) [)!-. Lucas kaiärt, daß übkr disye Frage Erwägungcn jcbwcbcn; wann diksélbkn zum Zii'li? führen würden, sxsibbci den noch nicht Erledigisn umfangreicbcn Llrbkiten nicht zu über- !? cn.

Nachdcm noc!) dic Abgg. M unckc1_ und Schmidt- Warburg (chtr) fick) geäußert 695911, schlicßt die Debatte.

Der Vorschlag der Kommiswa wnd unverändert an: genommsn.

Abg. Freiherr bon Giiltlingcn bcanimgi, 1le „Ö 57 dsr Straf- brozeßordmnm _ wc-nc1ck die' Bskkdig'mq; dcr Pörsoncn, wslcbe 'auf Grund des § 51 (Mgsn Vexivandisäyafi) ius qugnis; Verweigkrn könnkn, Wr“ dcm richterlichen Crmesssn abbäUgi --*- einzufüch1, daß disse Bestimmung aucb Anwcndung finds" solls, auf die Pörsonsn, wklchs nach § 54 das Zi-ugniß vx'rwsige'rn könnts", weil sie sich bezw. ibrkn Verirandten cine strafgöricbtiicbe Vkrfblgnng zuziehen würdsn.

Gebcimsr Regisxungö-Ratb 1)1*. v o n T ischs nborf glaubt, daß Tic Dkrbiiudc'tkn Régicrnngkn der Annahme dikscs Antragc§ eimén grund- jäßlichcn Widsrspkucb nicht Entzießkjtskiaxkn würdkn.

Dsr Antrag wird abxclchnt. _ _ _ _ Nack) § 60 soll dic Bccidigunq 'des Zcugsn tmck) Abschluß )cmcr Vernehmung Orsolgcn; dcr Richter darf eins Mehrzahl von ZcugM gleichzcitig bccidigen,

_ Abg. )?;cibsrr Von 153 iiltiin gan beantragt, dyn § 60 so zu raffkn: „Iskcr Zougk ist *:inzc-ln, ja nach Abschluß seinsr Vérnsb- mung, xu [_WkidixWU.“

_ Abg. “L Crn o (Zlatk) wil] isn Crsie'n Sa . dss § 60 fOigL'ndi'k- mas?" gssaßt wiffkn: „Dic? Bscidiguxtzx 1:68 cu,;kn crfolgt in der ngcl nach dem Abscblusse ssine'r Z'Zcxnsbnnmgz fie kann schon vor der Vc'rm'lUnu-ig krfolgkn, wenn zu befürchte'n ist, daf; dc'r Ze'Uxxe vim; vorbcrigk Bskidignng nicbt jvabrhlitsgkmäß oder zurückbaitcnd auska ln wird.“

_ bg. Frxibcrr VON Gültiingcn zisbi skincn Anita,; zuriick, wahrend

Aba. Lernt) seinen Vorschlag damit byribsidigt, das; obne die ernst? Mahnung des Voreides in manchen FäÜLn wabrbeitswidrigs Aussagkn nicbt we'rbinicrt 119€de kbmntkn.

A ! Gkbcimxr Obkr-Justiz-Ratb O1". Lucas Erklärt sicb gegcn 15911

n ra ,

60 wird unverändßrt anqcnommon.

. Nack) § 65 der Strafprozcßordnung erfolgt die Bccidigunq zu der Regel in der Hauptverhandlung: fte kann aber auch 111 der Voruntersuchung erfolgen. _

Dic Vorlago, welcher sich die Kommissmn angeschlossen hai, bestimmt Folxiendcs:

.Die Veeidiguna Erfolgt bsi der Ersten gkrichtliclpkn Vernehmung dss Zkugkn. Jm Vorberfabrc-n kami die Bkeidigung untkrbleiben, wenn Be'dsnken gegkn deren Zuläffigkéit obwalten, sowie we-nn der Richter die Beeidigung für den ereck dcs Vorberfabrens nicht als erforderlich erachtet.“

E s Abg. Mu n ckel beantragt die Aufrechtkrbaliung des bcsiebkndcn

e 6 es.

aKselbc beantragt Abg. R em b old (antr.), Weicher aber die

Bezugnahme auf § 222 (kommissarische Vernehmurig von Zeugen) gestrichen wisssn will.

Abg. Haußmann: Ich bitte Sie, den Anirag Muncksl anzn- nehmen, es also beim Altem zu lasse'n. Dis Beschwerden, welche man Fegen die VSrcidiqung in der Hauptverhandlung vorgebracht bat, iegen nicht im bisherigen Geseß, sondern in deffen Anwendung. Es wäre ein Rückschritt schlimmster Art, wsnn ein wichtiger Theil des Verfahrens der Hauptbeérbandlung entzogen würde. Erfahrungsmäßig entschließt sich der Ze'uge sehr schrver, in der Hauptverhandlung eine Aus- sage zurückzunehmen oder zu modifizieren, die er in der Vorunter- suchung gemacht bat. Das hat aucb die Regierung in der Begründung zugegeben, und nun kommt sie mit diesem neuen Vorschlag. Diescr Vorschlag verstößt gegen die wichtigen Prinzipien der Oeffentlichkeit und der Mündlichkeit, da die Vereidigung nicht öffentlich ist und das Vereidigungßprotokol] zur Grundlage gemacht wird. Außerdem wider- spricht derselbe dem eben gefaßten Beschluß, durch welchen wir dsn Nacheid eianefübrt baben.

Abg. embold: Wenn der Vorschlag der Regierung an- genommen wird, dann wird die Zahl der Eibe noch vermehrt; denn jeder Zeuge würde im Vorverfahren und wiederum in der aupt- verbandlung beeidigt werden müssen. Die Gelegenheit zu Me neiden würde also nur vermehrt werden.

Abg. Stadthagen (Soz.) erklärt sich für die Aufrechterhaltung des bestehenden Gesetzes, weil die Vorlage einen Rückschritt bedeute zu dem Militär-Strafverfabren, wvbei der Angeklagte der Ver- nehmung und Vereidigung der Zeu en nicht beiwohne. Die be- absichtiaten Aenderungen würden led glich eine ergiebige Queüe neuer Meineide werden., Schon heute schenke die StaatSanwaltschaft

Berlin, Montag, den 23. November

der Vorbereitung der Anklage nur geringe Aufmerksamkkit; dieser Umstand müffe zu erhöhter Vorsicht mahnen. Habe man doch erleben müssen, „das; in jüngster Zeit in Berlin cin acbt- und ein zwölf- jhäFYiger Knabe voc Gericht uniér Anklage des Diebstahls gestandkn a ('n.

Geheimer Ober-Jusiiz-Ratb ])1'. Lucas: Theoretisch ist es ein zuireffender Gedanke, die Verkidiguna in der Hauptverhandlung stattfinden zu laffen, wo (1118 Betbxiligten anwesend smd. Aber Es haben sich große Mißstände Ergebkn, zunächst dsr, daß die Schuldigen sich oft der Untersuchung entzißben. STE seßen sich mit dem Gkscbädigten in Verbindung und finden ihn durch ein Geldgescbknk ab, sodaß Der Staatsanwalt die Anklage nicht mehr erhebe)" kann. Wir haben in Prkußsn früher den Nacheid gcbabf, und es ist 11ickt bekannt zxéworden, daß Sk Eine Quelle von Meineidkn 991-307de wäre. Gswichtig ist allerdings der Einwand, daß bei der Vexnebmung des Zeugen Dkk Angescbuldigic Nicht zugsgen ist. "Der Fal], daß ein acht- und ein zwölfjährigss Kind 13.71: Gsricht batten erscheinen müffsn, ist mir nicbt bkkannt. Es wäre zu wünschen, daß der Abg. Stadtbagkn solche Dinge ber Régierung anzeigen möchts, damit fie sich informieren könnt?. Es braucht ksin Jrrtbum des Staatsa11walts borzulie'gen , ss kann ein Schreibfehler und Eine unrichtige Angabs untergelaufkn se'in. ,

_ DerYntrag Mun ckel auchibebaliung derBestrmmung des bestehenden Gesebes wird gegen die Stimmen der Konservativen angénommen; § 65 der Kommissionsbcschlüssc Wird abgelehnt.

Zum § 68 beantragt Abg. Schmidt-Warburg (Zentr.) folgcndcn Zusaß:

„Die Vernkbmnng cincs Geistlichen erstreckt fich nicht auf dasjenige, was ihm unter der Verpflichtung des Beichtgebeimnisses anvyrtraut ist. Das Gkrichi so!] dem Geisilickysn vor seiner Vcr- nebmung von vorstcbkndcr Bestimmung Kenntnis; geben."

Abg. Schmidt - Warburg weist darauf hin, daß dsr Gkistliche nicht erst in die Versuchnng gxbracbt Werden iürfe, sein Zeugnis; untkr Hin1veis auf das Bsickztgebkimniß zu VLkWEiJEM; aus di€s€r Verweigerung dürfte? [sicht Lin Schluß zu Ungunsten des An- aeklagtc'n gezogen Werden kbnnkn, wsil man annebmkn müssk, das; der Gsistliche in der Beichtx ciwas Ungünstigks erfahren habe; dsrm (*r dürfe aucb Günstigss nicbt aussagkn. Dcsbalb dürfs die Vernehmung des Geistlichkn nur soweit ansgkdcbnt Werden, daß (*r fich auf daS Bsickztgebkimnif; nicbt Lkst zu berufkn brauche. *

Gsbsimer Ober-Reqierungs-Ratb bon Lkntbc: Tic ?,[isicbs- rkgiernng würdigt VOÜannlkn die Gründe, Wclch€ für di? Y,“:ilig- haltung ves Beicbtge'bkimniffés sbrechun, Und sik ist nicht gc-wiklt, ibr knigkßenzutrsisn. Diese! Griinde spr6chen nicht nur für di? katbo- [ische Kirche", sonkkrn auch für andere Konfession?» z, B. dic lutherische. W611" ich iwizdkm Sic biiié, dsr] Antrag abzuiebnkn, so erUbk diys auf der U-*berz€11guna, das; bis Heiligkkit W Beicht- akbeimnissss durch die Strafprozeßordnung [Zbllsiändig acwäbrlsisieét ist. ck“ 52 bestimmt ausdrücklich, daß der Geiiilichk sein Zeugniß we'r- iveigcrn kann für ach, was ibm bki AUIÜbUng dsr SSLÜNJL an- bertraut ist. Dinselbcn Zweck verfolgi J“ 55. Wie untxr dikskn Um- iiändc-n Eine Verlcßungdes Beicbigebeimniffcs denkbar yein soll, wenn der (Gsistlicbe bon dieskr Befugnis; Gebrauch macht, w-Zisz ici)_mir nicht zn erklärsn. Man bat zwar gßsagi, daf; dé'k Geistliche xslbst nicbt anakbkn dürfe, daß sine besiimmtc Pkrson bsi ibm gsbciäxtct babe»; dkm wibcrspricbt (1er die Thatsache, daf; nsbkn dkm zuständigcn (_BsistliMn anch andkrc (Hkisiliche zur Abbörung dsr Veichia er- mäch1igt wsrdsn, und daß Diesc: Psrsonxn bki den zuständigkn (Hsist- [icbkn das Absnbmabl ncbmcn untcr VOl'ZCZJUUJ dcs Beichtzkttclö. Auf diksk Wcijx würde? doch cine andkre Pékson erabrml, daß Lim) bestimmie Person bei einem bkstitnmte'n Geistlickykn gcbcicbtct bat. FP) w'isltl ich dariibcr nicht streiten. Ich glmibc', das; dsr Amtrag übst-

11119 1 .;

Abg.1)!'.Pichler(Zej1tr.) Wkist darauf bin, daß die: F&M so JL- ariet sLin könntkn, daß sklbst drr Himbe'is auf das Béicbige'bcimniß schon 5911 Verdacht krrkgcn könnts, daf; dcr Gkistlicbc eiwas yon der Sack)? wisse: Dadurch WRÖS das Bcicbigkbeimniß gsfäbrdet. Daß dsr Antrag Sck1nidt dcn Jntcrsssen der gswiffknbasicn Gsistiickycn widcrsprcehen soll?, könne er nicht zugkbcn. Die Bcartbsilang dar- über sOÜtL man der kalbbiischcn Kirche: und dcrcn bsrafsnsn Vertrctern übe'rlaffcn.

Abg. Stadthagen: Das; aus dsr Vérwcigcrung des Zsug- nisses cin Schluß zu Ungunsißn dss Angkklagic'n gkzwgcm wcrdkn kann, trifft auch bezüglick) dcr Aerzte und Rschtéanwaltc 511; man sollte fie dabcr dkn Gsistlichkn gleichsikkle'n, Wozu die dritte? kanng Gelkgkn- beit biete'n wird. *

Gkbcimer ObCr-ngicrungsraib von Lcntbe:_ Es ist mir nicht bkkannt gmwrdkn, das; seit dem Gelten dsr Strasprozsßordnung aus dsr Veriveiqerung des Zsugniffes untcr Berufung auf das Beicht- gebe'imniß cin Indizienbcwcis bkrgclcitet wordcn und daß irgknd wclche Mißstände" daraus enistankkn wären.

Abg. 1)r. Bach€m (ZFUW): Ein iakibollsr Richter kann dkm Geistlicbc'u jéde (kaiffMsbsscbräniung Ersparkn, tvsnn er nach dLm fragt, Was der Geistlickyé mittbkile'n kann, aber nicht, was cr von dir S&M weiß; denn die VétWLigcrung dcs Zcugnisses in diesem Faak? bcwc'isi, das; dll Gsisilicke etwas weiß (“1er die' Sache, und dadurch wird der sakramsntale Charakter der Bsicbte géstört. Durch die Annahme des Aniragks Schmidt wird dem Staat ksin Schaden zugefügt, dic Beschwerden der Katholiken werdcn abcr bcseitigt.

g. Haußmann: Durch dis AUleMCbcstimmung für die Geistlichn, Aerzte und Anwaltk ist die Anerksnnung cines sitt- lichen Vertrauensberbälinisses ausgesprocbcn; aber darübsc kann man nicht binaußgeben. Das Bedürfnis; zu einer Abänderung besteht nicht. Dic drei Klaffcn Von Pcrsoncn solle'n nur nicht zum Sprccbi-n gezwungen wcrden, damit ist ihr Gewiffsn gc'scbiist; aus dieser Zeugnis;- berweiaeruna kann kein Jndizium cntnommcn Wkkdkn.

Abg. Himbnr,g (b. kous.) erklärt fick) ebenfalls gsgen den Antrag Schmidt; der Geistliche dürfe sein Zeugnis; Verwémern und könne dadurch nicht in eine Zwangslage kommsn, Dis Annahme dss An- trages würde nicht dahin führen, daß dcr Richter die Frage so formuliere, wie der Abg. Bachem es außgefübrt babe.

Der Anika Schmidt Wird angenommen.

Schluß na 51/2 Uhr. Nächste Sißung: Montag, 1 Uhr. (Forljcßun der zweiten Bcrathunq dcr NoveUe zu den Justiz: gescßen; nterpellationcn der Sozialdemokraten, betreffend die Zollbehandlung feiner Ledermaarcn in Rußland und be:

treffend die Besteuerung der Konsumvcrcine.)

Preußischer Landtag. Haus der Abgeordneten.

2. Sißung vom 21. November 1896.

Das Andenken der seit dem Schluß der leften Session verstorbenen Abgeordneten Hogrefe, von Bus 6 und von Gitszczynski e rt das Haus in der üblichen Weise. Als „Schwer nstag“ zur Berathung von Petitionen und Initiativanträqen wird wie bisher der Mittwoch bestimmt. Auf der Tage-Zordnung steht die Wahl des Präsidiums und der Schriftführer.

1896.

Abg. Stengel (fr. kons.) schlägt vor. die Leitung der Geschäfte wiederum denjenigen sxfabrcm-n und wertben Händen anzuvertrauen, die sic seit Jahren gkfübrt Haben, und zum Präfidenten den Abg. von Köller durch Zuruf wiederzuwäblen.

Dagegen erhebt fick) kein Widerspruch, der Abg. von Köller ist somit gswä lt und erklärt:

Meine Herren! Da ie wilicns sind, mir das erste Amt dieses auses noch 911171101 anzuvertrauen, so füge' ich mich bereitwiüigft brsm Wunsche und nsbme die Wahl an, indem ich anen für

das mir noch imme'r Erhaltene Vertrauen bestens danke. Ich hoffe, Sie werden mich mit demselben Wohlwollen und mit demselben freundlicbén Entgegenkommen untsrstüsen, deffén ich mich nun schon 17 Jahre lang seitsns diefes Haufss erfreue. .

Ebenfalls auf Vorschlag des Abg. Stengel werden dre Nbg . Freiherr von Heereman (Zentr.) und [)x'. Krause- Komgsbcrg (nl,) zum Ersten bc'zw. Zweiten Vi e-Präfidenten wiedkrgewäblt. Dieselben nehmen die Wahl dan end an.

Zu Schriftführcrn werden, gleichfalls auf Vorschlag des Abg. Stengsl, gewählt die Abqg. Bode, von Dctten, Jm Walle, ])r. Irmer, IÜrgexffen,Mcister, Weyerbusch, Worzewski.

Zu Quästoren ernennt der Präsident die 91ng]. ])r. Sattlsr und Busch.

Damit ist das Haus konstituiert, und der Prästöent wird Scsner Maxestät dem König die vorgeschriebene Meldung hiervon machen.

Schluß nach 21/2 Ubr. Nächste Sißung: Dienstag 11 Uhr. (Vorlage wegen Ankaufs der Hessischsn Ludwigsbahn in Ver: bindung mit dem NachtragS-Ekat; Konvcrsionsvorlagc.)

Parlamentarische Nachrichten.

Dem Reichstage ist eineErgänzung zu dem Entwurf des Reichsl)ar_tsk)alt§_-Etats für das Etatsjahr 1897/98 zugegangen, worm zu Bejoldungsverbsffkrungen 10150 000516 gefordert werden, wolche durch Matrikularbeiträge zu decken smd.

Dcr Vorlage ist folgende Denkschrift beigefügt:

Di? Gsbälteraufbsfférung diirch die Nachtrags-Etats für 1890/91, uud 1891/92 hat sich auf_di€ Untkrbkamten, Kamleibcamtén und auf diE nisdrigér bLsOlOSsLn Klaffcn du's mittlsren Diensiés beschränkt, &;szan infoige des bei den Reichstagsbsratbungkn für 1890/91, ge- 111acht_anbs1richs a[1€ übrigsn mittlsrsn, sowie die sämmtlichen böberen Die'xmtsix-xlnmxkn anßx-r Betracht gslaffsn. Das hierdurch, namentlich innkrlmib dcs mitjlkrkn Dienstss, gkscbaffsne MißNrbältniß bat seitdkm 101111Hskßt Anträge auf Gkbaliölrböbungkn, insbesondere für Veamts D-“_1'.;chre-Sberwaltung, PosibkrWaltung und Marinewerwaltuv-„g, bkkbOkngUsM. (Eins Stöß? gewannen dieselben noch durch die Un- leichbci'xcn, Mlcbc als unvérmsidiiche Folge der Einführung des DienstalisrIsi'af-Lnsvßkms an einzslnsn Stslien eintratkn. Auch dem Rcicksiage babcn dies? Verbältniffe wiedkrbolt Anlaß zu Besprechungen und Wünscbku qcbotén, wslche bei Bératbung dss Etats für 1896/97 zu der Nx'sxiniion fitbrtsn:

„Wi Herrn Réichkanzler zu Ersuchcn, in Anbktrackyt der auf Ciniübrnnq kes Diknstaltcrssiufknsystems bei einzslnsn Be- amtcnklaffen (*ingstrktknxn Ungleickxbéitkn mit Gehaltserhöhungen für diss? Beamtsnklaffen vorzugkben, insowsit sie von den all- gemkincn Gkbaltékrhöbungkn des Jahres 1890 ausgeschloffkn warsn“.

Ti.“ amibchn Erörterungen übst die Anträge ergabsn, daf; auf dcn bisbsr nicht zum Gegenstand besonderer Abänderungswünsche xxckmackxten Gebieten, z. B. innerhalb der mittleren Bkamten, nament- lich bei dsn in Vbrsieberstkllungsn bcfind1ichen, dann aber auch in große?" Klassen dxs böbsren Dienstes kbsn solch? I)iifzberbältniffe bsstsben, wis fie in den gsdachten Anträgsn lediglich für cinzklne Kategorikn bLkVOkgl-kbobkn Waren. Die Abhilfe? kann sich indcß nicht auf dyn Bkäkltt»“'11stütld bpscbränkc'n, vielmehr wkxden in gleicher Weise dir: Verbäxjnisse dcr Ofßzicrc zu berücksichti en sein, bei denen (uamcr-xtxich für eirzelns Stellungen) anerkannte kißständc obwaltcn.

Demrtig: Erwägungkn legtkn den Gedamken an die skjt längerer Zsii bsrsckyobéne, aber fortgese t in Aussicht gesicUte allgemeine Weiter- führung dsr Besoldungsaufbe érung mit größerer Dringlichkeit nahe.

Die Bkffcrung in dem Einnabmekverbältniffen des Reichs wie Prcußkns läßt es gerechtfertigt erscheinen, diese Absicht in gewissen Grkmcn durch den nächstjäbrigen Etat zu verwirklichen.

Jm Zusammenbangs mit den für die preußische Staatsverwaltung in dérsclben Richtung fich b7wegenden Bestrebun en und in wechsel- skitigcr Anpassung; der für das Reich wie für reußen in Betracht kommenden Bsrbäiiniffe ist ein Bild darüber ngbnnen, in Welcbem Rahmen fich untc'r den geaenwärtigcn Finanzberbältnissc'n die Auf- besserung würde durchführen laffen.

Als Grundzug ist dabei innegkbaitzn, daß es fick) um sine Fori- fübrung d-r 1890/91 erreichten Einkommenévexbefferung handelt Welch? damals bsi dcr Eingangs erwähnten, namentlich im Hinblick auf preußische: Verhältnisse innerhalb des mittleren Beamtendienstes, born Rcich§tage gezogenen Grenze stehen blieb. Die damalige Auf- besssrung hat ebenso wie die früheren in Preußen beziehungSweise für de'" Bundexdienst in den Jahren 1858 und 1867 unternommenen Ge- bältercrböbunge'n by" 3111th auf, aixo bsi dcn niedrigst Bcsoldetkn, bcgonnkn un?) für vier." zu Einem Abschluß gkfübrt wekrden sollen. Eine abermalige Mkrückücbtxgxmch insbesondere dsr Unierbcamten, bei jcßigcr Gelegknheit e*jntrct-xn zu l_affsn,-1vürke sebr wcitgebknde Auf- Mnduxi en bedingt ix_abcn. Selbst dis Heraußgreifung einzelnerK'laffcn hätte ! wsr zu übc'rjeblndc Folakrungen im Reiche, und namentlickp in Preußen, mit sick) gebracht und den ganzen gsgrnwärtigen Plan der Weiterführung acfäbrdet. Ebenso hat dcr etwaigen Kon- .e'que'nzen rvsge-n die a_n fich (rwünscbte Mitberücksichtigung einzelner militärischer Untktklaswn fich als unmöglich erwiesen. Auch die Kategorien dcs 111111191611 Beamtendieustes und des Kanzleidienstes, die im Jabra 1890/91 oder durch den ersten Nachtrags-Etat für 1891-92 und später bereits bedacht sind, haben grundsäßlich bei der gegen- wärtigen Ausbesserung nicht von ne'ucm betbeiligt werden können. Nur sind zur Vollen Gleichhaltung mit den preußischm Eisenbahn- beamten bei den Reichs-Eisenbabnen die Werkfiätten-Vorsteber, Stations- Vorsteher zwsiter Kla ?, Stationskaffen-Rendanten und Güter- Expedienten zweiter Kla e, Werkmeister, Babnmeister erster Klasse, Betriebs-Sekretäre, Telkgrapben-Koniroleure, Stations-Aufseber und Stations-Asfistenten, Materialien-Verwalter zweiter Klasse und Loko- motivfübrer wieder mit berücksichtigt, da die Aufbeßxrung 1890/91 bei diesen Eifenbabnbeamten im Vergleich zu anderen efforts ausnahms- weise gering war, Ebenso haben bei der Militärverwaltun ins- besondere die Zablmeisier noch eine kleine Erböbun erfahren, und nd die Ministerialkanzlisicn in Sachsen und Württem er? entsprechend ber- ausgkboben; bei der Post- und Telegrapbenverwa tung aber find die Mechaniker und Maschinisten in ihrem Einkommen Verbessert behufs Gleichstellung mit den leichartigen Eisenbahnbeamten, sowie beim Rei Eta e und beim eichgericbt die Bibliothekbeamten, trop in- zwis en cbon erfahrener böberer Dotierung, abermals, und zwar in-_ folge preußischen Vorgangs, bedatht.