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MÜ- Uk iibrigens Wegs "“'akleiy aus Arbeitern bestanden Md der Strike wird iir “Scene _aeseßt. : - „
., _ Ick lose dahingestellt, ob dieser Strike irgend welche Nahrung oder Förderung von englischer “Seite empfangen hat oder gar seine Ent-
ßebuna englischem Einfluß verdankt. Ich bin darüber nicht unter- richtet und ich möchte namentlich nicht gegen englische Rhedereikreise einen Vorwurf schleudern, der, wenn er begründet wäre, allerdings ihr Vorgehen in einem eigentbümlichen Lichte erscheinen ließe. Ich sage, ich bin darüber nicht unterrichtet und weise solche Vermuthung zunächst zurück, bis mir besseres Material zu ihrer Begründung an die Hand gegeben wird. Das aber ist unleugbar, daß der englische Führer einer Arbeiterunion, Tom Man, berübergekommen ist nach Hamburg und sich der Strikebewegung lebhaft angenommen hat. Hier ist sein Bildniß. (Heiterkeit.) Tom Man ist in Hamburg angehalten worden und ist ;nacb England zurückgeschafft, und seit der Zeit hat man nichts davon vernommen, daß eine Agitation englischer Arbeiter bei der “Strikebewegung betbeiligt ist. Daß aber diese Strikebewegung einen internationalen Charakter hat annehmen sollen, dafür sprechen eine ganze Reibe von Annahmen. Einmal spricht dafür, daß unmittelbar nach dem Ausbruch des Hamburger Strikes auch die ausländischen Hafenpläße, namentlick; Rotterdam und Antwerpen , in Kenntniß
_geseßt worden sind und auch die dort beschäftigten, beim Seeverkehr
betbeiligien Arbeiter zur Beibeiligung aufgefordert worden sind. Die
"sind abrr so klug gewesen, diese Aufforderung abzulehnen, und als
diese Ablebnung in Hamburg bekannt war, da war man in den Kreisen der sirikenden Arbeiter geneigt, „nachzugehen und sich mit dem zu begnügen, was die Rheder bewilligt batten. Allein diese Neigung kam "wiederum nicht zum Durchbruch, weil den Arbeitern gesagt wurde: wenn ihr jetzt nicht fest bleibt, so ist es auf alle Zeit mit euren Versuchen, bessere Lohnbedingungen zu erhalten, Vorüber.
Der Herr “ Vorredner hat gemeint: an diesem Strike wie an ailen übrigen sei die sozialdemokratiscbe Partei durch- aus nicht betbeiligt. (Heiterkeit.) Die sozialdemokratiscbe Partei sei völlig unschuldig an dieser Bewegung. Dem gegenüber möchte ich mir die Frage erlauben, was wohl die Herren Reichstags- Abgeordneten von Elm, Legien und Molkenbuhr, anstatt an den Beratbungen dieses hoben Hauses tbeilzunebmen, anstatt dazu beizu- tragen, seine Räume zu füllen, augenblicklich in Hamburg zu thun haben. Aber auch abgesehen davon: der eine der Herren ist bei einer vom sozialdemokratifcben Standpunkt aus gewiß als nütz- lich zu betrachtenden Thätigkeit abgefaßt worden: er hat sich näm- lich, obgleich er dort nichts zu thun batte, keine Erlaubnißkarte hatte, und eigentlich nicht eintreten durfte, in einen Schuppen der Ham- burg-Amerikanischen PacketfahrtgefeÜsÖast begeben, und da, wie es in dem mir vorliegenden Berichte heißt, für den ich ja natürlich nicht die Verantwortung übernehmen kann, die dortigen Arbeiter baranguiert. Ich ziehe aus der Abwesenheit der Herren von den Sißungen dieses hoben Hauses und aus ihrer Anwesenheit in Hamburg den Schluß, daß sie doch nicht ohne Interesse der Strikebewegung folgen.
Nun, meine Herren, frage ich weiter: was denken sich die Arbeiter, oder vielmehr, was denken sich diejenigen, die ordentliche, brave Arbeiter in diesen Strike hineingefübrt haben? Handeltees sich wirklich um eine Notblage, handelte es sich um den Widerstand der Rheder gegen jede grwünschte Verbesserung, dann könnte man es noch be- greifen, wenn jkßt mit Energie wsiter gearbeitét wird in der Arbeitßeinstellungs-Vewrgung. Aber ich frage Sie und frage namentlich die Arbeiter draußen in Hamburg, was aus ihnen werden soll, wenn dieser Kampf wocken:, vielleicht noch monatelang weiter fortgeführt wird. Meine Herren, die Hamburger Rbederei hält es länger aus, wie die Arbeiter, und die Hamburger Rbederei hält es auch deswegen länger aus, weil fie schon zum tbeil Ersaß der Arbeitskräfte empfangen hat und fortgeseßt empfängt, sie sogar aus England empfangen bai. (Zurufe von den Sozialdemokraten.) _ So Weit ist Ihre Internationale noch nicht wirksam, daß der englische Arbeiter durchweg zu Hause gehalten wird. Er ist nach Hamburg gekommen, um Ersatz für die strikenden Arbeiter zu schaffen und um den guten Verdienst, der den Hamburger Arbeitern zu gering ist, für sich ein- zubeimsen. Der Winter ist vor der Thür; Tausende und Abertausrnde von Frauen und Kindern hungern; die Mittel, iiber die die Strikcn- den verfügen, sind nur gering nnd nahezu erschöpft _ da frage ich, kann man gegenüber einer Bereitwiaigkeit, das jeßige ArbeitSein- kommen in mäßigem Grenzen zu erhöhen, es nsch ferner VerantWorten, die Arbeiter zu fernerem Ausbarren in der Strikebewegung anzuregen? Diese Frage, meine ich, müßte jeder Vaterlandsfreund mit Nein beantworten.
Meine Herren, wie ist die Sache in Bremen verlaufen? In Bremen war der Strike, was die Löhne anlangt, gerechtfertigter als in Hamburg, denn die Löhne in Bremen sind niedriger als in Ham- burg. Was aber die Fürsorge für die Bremer Arbeiter anbetrifft, insbesondere von seiten der Gesellschaft, bei der die Arbeiter die Arbeit eingestellt haben, so war der Strike noch ungerechtfertigter als in Hamburg. Mir liegt ein Bericht vor, wonach das bssie Verhältniß zwischen der Bremer LagerbuuS-Geseüsckyaff und ihren Arbeitern bisher bestanden hat. Plövlich wird Unfriede gesät; die Arbeiter ireten mit Präiensionen auf und lassen sich auch nicht dadurch beruhigen, daß eine Reibe von Wohlfahrtßeinrichtungen seitens der Lagerhaus-Geseu- schaft ibren Arbeitern zugewendet wird. Der Strike wird in Scene gesetzt, er hat einigeWochen gedauert, und gestern ist es gelungen, auf Grund der Propositionen, die am ersten Tage die Lagerhaus-Geseli- schaft gemacht hat, zu einem Abkommen zu gelangen. Wer wilT den Ausfall, der den Arbeitern der Lagerhaus-Geseaschaft erwarbsen ist, verantworten? Werden Sie den Arbeitern dafür Ersaß gewähren? Nie und nimmermebr!
So kann ich nur sagen: beide Strikebeweguygen _ die eine ist, Gott sei Dank! beseitigt _ sind unbegründrt. Die Hamburger wird hoffentlich auch ein schnelles Ende finden. Ich gönne gewiß jedem Menschen eine Verbesserung seiner Lage, und ich habe es dankbar an-
zuerkennen, daß die Hamburger Arbeiter sich bis jetzt mit wenigen Aus- nabmen korrekt benommen haben (Zurufe), abgesehen natürlich davon, daß sie“ obne binlänglichen Grund in die Strikebewegung eingetreten warey- Ick muß weiter anerkennen, daß sie sich während des Strikes keines Exceffes schuldig gemacht haben. Ich habe auch die korrekte Haltung von seiten des hohen Senats und der Behörden der Stadt Hamburg und von seiten der Rhedereikreise ebenfalls anzuerkennen. Aber mer es gut meint mit Ruhe und Ordnung im Lande und es gut Wk“ Mit den Arbeitern selbst, der kann mit mir nur den Wunsch tbeilen: möge auch dieser Strike ein schnelles und baldiges Ende
* finden! (Lebhafter Beifall.)
Staatssekretär“ *.des Reichs-Mariueamts, Admiral Holl- mann: . Meine Herren! Besorgen Sie nicbt, daß ich Ihre wertbvolle Zeit ungebübrlicb in Anspruch nehmen werde. Es handelt sich,. nur um
einige Worte. Unter den vielen Angriffen des Herrn Vorredners _
sind-doch "einige, die ich nicht unwidersprycben [affen kann, um nicht im Unrecht zu bleiben. meiner vornehmsten Aufgaben bingesteüt, daß ich „für die Sicherbeit der Schiffe sorge. Er hat aber gesagt, daß ich im gänzlichen Mißverkennen diese: Aufgabe gestattet bätie, daß ein unbrauchbares, unseefäbiges Schiff sich auf dem Meere *herumbewegt ; lediglich dieser Umstand hätte den Schiffbruch veranlaßt. Also einen der schwersten Vorwürfe, die mich treffen können, hat der Herr Vorredner mit leichtem Herzen ausgesprochen. Er sagt: diese hundert Seelen, die zu Grunde gegangen sind, siven auf Deinem Gewissen. Ia, meine Herren, wer solche Urtbeile mit so leichtem Herzen ausspricht, der soll fich wobl verwahren, daß es ihm nicht einmal ähnlich gebt _ aber, wenn es mit rechten Dingen zugeht . ,. (Zurufe.) _ Der Sinn hat in dem Angriffe gelegen, Man hat gesagt: die Marineverwaltung. Das ist aber drr Staatssekretär des Reicbs-Marineamts, und ich erkenne es ohne weiteres an: ich bin voll verantwortlich für aÜes, was in der Marine geschiebt,„ dem Reichstage gegenüber, hier als Vertreter der Reichßregierung und des Reichskanzlers, und ich bin durchaus gewillt, diese Verantwortung vol] und ganz zu tragen, in diesem wie in jedem anderen Falle. Wir sind nun nicht so leichtsinnig, wie der Herr Vorredner annimmt, mit unseren Schiffen, die im Ausland sind; sondern wir lassen uns in jedem Jahr von jedem Schiff, das sich im Auslande bewegt, Bericht erstatten, wir es ausschaut mit seiner See- tüchtigkeit. Das sind wir uns und dem Lande schuldig. Der levte Bericht des Schiffskommandos, also des verantWortlichen Theils der Schiffsbesaßung, der mir im März d. J. zugegangen und im Februar abgefaßt isi, enthält das Eraebniß einer langen Untersuchung _ ich
will Ihnen das Protokoll nicht vorlesen, das sind viele Seiten _.,
Es ist Folgendes:
Melde u. s. w. über die jährliche Untersuchung des Schiffs- körpers und der Maschinen bezw. der speziellen Untersuchung des Schiffskeffels geborsamsi, daß der Zustand des Schiffskörpers, der Maschine und der Kessel S. M. S. .JltiS“ nach meiner Ansicht
_ also der des Kommandanten _ noch vorläufig eine weitere zweijährige Indienststellung des Schiffes zuläßt,
Das ist ein Bericht des Kommandanten! Nehmen Sie ihn selbst in die Hand, wäre er an Sie gerichtet, Sie würden sich voll- kommen beruhigen über den Zustand des Schiffes. Mich hat das jedenfalls vonommen beruhigt; man kann nichts weiter sagen. Das Schiff war noch für zwei Jahre in jenen Gewässern tauglich.
Dkk Herr Vorredner und dirjenigen, die hinter ihm stehen, haben, um ihren Angriff zu ermöglichen, vorausseven müssen, daß das Schiff vrrmöge feiner Unfähigkeit auf das Riff geworfen ist. Ich habe schon neulich gesagt, wie sich das zutrug. Damm ist gar keine Rede, daß das Schiff in Seenotb auf das Riff gekommen ist. Das Schiff ist außerhalb seinrs Kurses gewcsen, aus Umständen, die ich nicht sagen kann; darüber kann niemand Bericht erstatten, tveil die verant- wortüchen Leute in den Tod grgangkn sind. Aber soweit wir haben nachrechnkn und die Sache untersuchen können, ist eine sebr heftige Strömung an der Küste, die sich vielleicht infolge des Sturmes noch Vermehrt hat, die Ursache gcwrscn. Aber das wissen wir genau: weder der Kommandant noc!) irgend jemand der Besaßung hat auch nur annähernd in der Voraussicht gestanden, daß das Schiff scheitern würde; im Gegentbeil, Alles deutet darauf hin, daß der Kommandant sich bewußt war: Du bist Von der Halbinsel Schantung frei, kannst jetzt Deine Maschine langsamer geben lassen _ was in der That der Fall gewesen ist, um die Maschine nicht anzustrengen _ und wir können uns der Ruhe bingeben; der Schiffbruch kam unerwartet.
Nun möchte ich mich mal mit dem Herrn Schwarz aus Gotha beschäftigen. Ich gönne ihm das vielfach wiedergefundene Leben von Herzen; ich muß abwarten, Wenn ich noch die Ehre haben werde, hier meinen Etat zu vertreten, ob er sich im nächsten Jahre mir hier gegenüberstellt und mich noch einmal für diese Dinge verant- wortlich macht _ denn Herr Schippel sagte ja: wir haben die Hoffnung, ihn wieder hier zu sehen.
Nun habe ich gesagt _ und dabei bleibe ich _ dieser Herr Schwarz, den ich nicht kenne, der mir ganz fremd ist _ jetzt ist er mir ja bekannt -- dieser Herr ist nicht ein Seemann nach meinem Geschmack oder nach dem Geschmack unserer Marine. Es fehlen ibm diejrnigen Eigenschaften, die wir an einem Seemann besonders bocb scheißen: Das ist Wahre Gottesfurcbt und kameradschaftliches Gefühl für seine Berufsgcnossen, das Verständniß für die Eigenart der Seeleute. Ich muß auch Herrn Schwarz, obgleich ich ihn und seine Berufseigenschaften nicht kenne _ die seemännische Erkennt- niß absprechen. Herr Schwarz sagte: warum beschäftigt sich der Kommandant mit einem Hoch auf den Kaiser? warum hält er nicht seine Leute zur Rettung an? (Zuruf.) _ Wie? Ick hab's nicht verstanden. _ Ja, glauben Sie denn daß der Kommandant ein besonderes Vergnügen daran gefunden hat, mit seiner Besaßung so in den Tod zu gehen? Davon ist doch keine Rede. Ich sagte Ihnen aber schon: Der Kommandant sagt sich aus der ganzen Beurtheilung der Sachlage heraus: Hier ist Rettung unmöglich. Das sagte sich jeder, und das sagen wir uns, wenn wir die Verhält- nisse kennen: es ist ganz unmöglich, daß sich jemand aus eigener Kraft retten konnte; es war weder ein Boot ins Wasser zu führen, noch konnten Rettungögürtel nüßen, noch irgend etwas. (Zurufe von den Sozialdemokraten.) _ Ja, Land war ja nicht zu sehen. (Erneute Zu- rufe von den Sozialdemokraten.) Das war nicht möglich; Sie haben es ja im Bericht gelesen: der nackte Felsen! Wenn das Waser ab- lief, die spitzen Zacken! Und jeder war verloren, der über Bord ging. Es ist niemandem eingefallen _ Sie können es von der Be- saßung selbst hören, wenn sie zurückkommt _, überhaupt an eine Rettung zu denken. Die Leute haben sich, wie das Vordertbeil des Schiffes umfiel, und zwar von der Brandung weg, das Leben erhalten können; aber es hätte auch umgekehrt sein können, daß das Schiff nach der anderen Seite fiel, dann waren sie verloren _ das Hintertbeil des Schiffes verschwand in der See. Das konnte niemand voraussehen. Aber die Versicherung gebe ich Ihnen: nach allem, was wir bisher gehört haben, konnte kein Mensch daran denken, daß er durch eigenes Zutbun an sein Rettungswerk geben
Der Herr Vorredner hat es als eine '“
könnte. Nach zwei Tagen, sind sie gerettet worden dadurch, daß
' ein Boot bingesangie; die Chinesen baden iagé- oder stundenlang ver.
sucht, an das Schiff berausugelanaem“ Nach 'der Richtung hin trifft den Kommandanten gar kein Vorwurf. Der Kom- mandant ist tobt, und man soll über Todte nicht mehr u:. tbeilen, sich mit ibm nach der Richtung nicht mehr beschäftigen. Daß hat sogar der Herr Vorredner gesagt. Man _ bat |ck trotzdem mit ihm beschäftigt und noch mehr gethan: man bat ihn angeklagt einer Unterlassung und hat ihm den schwersten Vorwurf entgegengescbleudert ohne jeglichen Grund _ dabei bleibe ich. Nun bin ich Ihnen sehr dankbar, daß ich noch etwas erwähnen kann. Herr Dr. Lieber brachte gestern schon die Rede darauf. Wenn meine Worte aus dem Zu. sammenhange genommen werden, dann gebe ich-zu, daß man ihnen einen Sinn unterschieden kann, daß man eine Deutung finden kann, die darauf binausläufr, wie es von einzelnen Seiten verstanden ift.- Jcb möchte Ihnen eine Erläuterung dazu geben. Ich habe es nicht für nötbig gehalten, thus es aber jest, _ nicbt daß ich es inzwischen berauögefunden hätte oder damals anderen Sinnes gewesen wäre; nein, ich hätte es Ihnen schon damals sagen können. Meine Herren, all- jährlich werden die Rekruten der Marinetbeile und der Schiffe in einer sehr erhebenden kindlichen Feier v'orbereitet für den militärischen Eid, und unser Kriegsherr läßt es sich in keinem Jahre nehmen, dieser Feier persönlich beizuwohnen und die Ab- legung des (Eides Entgegenzunebmen. Nun denken Sie sick): diese jungen, eben einberufenen Rekruten leisten ibrem Kaiser den Eid vor Gott, nachdem sie kirchlich in dieser Weise vorbereitet worden sind. Ja, ich kann Ihnen die Versicherung geben _ ich bin auch jedesmal dabei, Weil ich hinzugezogen werde _: ich kann mir nichts Erheben- deres denken. (Sehr richtig!) Wenn ich da hinauögebe, so sage ich jedesmal, nicbt Anderen, sondern mit in meine Seele binein: mit welchem Stolz müssen diese jungen Leute diesen Platz verlassen! Vor Gott haben sie ihrem Kaiser den Eid geschworen, der zugegen gewesen ist, der bingereist ist, um der Feier beizuwohnen. .Die kirchliche Feier, die voraußgebi, die sollten die Herren sicb mitansehen und mitanbören! Ich bin überzrugt davon, daß Sie genau dasselbe sagen würden wie ich. Kein Skemann wird, wenn der Ernst des Lebens an ihn berantritt und der Eid der Treue nunmehr Verwirklicht werden soll, in diesem Augenblick der Feier nicht gedenken, die ihn zu diesem Eide vorbereitet bat, und darum sage ich: in dem Moment, wo unsere Leute, die alle in dieser Weise vorbereitet sind, ihr Hoch auf ibren Kaiser ausbrachten und an ihren Cid dachirn, da haben sie dor Augen die ganze Situation, wie fie sicb gestaltet bei ihrem Eintritt, da sehen sie die Kirche, da haben sie den Eindruck der kirchlichen Feier, und aus ihrem Gemüth heraus Werden sie zu Gott hingezogen. Das war, was ich sagen wollte; nicbjs Anderes konnte ich im Sinne haben. Wenn man es anders Verstanden hat, dann habe ich mich sehr falsch aus- gedrückt und sehr unvorficbiig. Was Anderes konnte mir nie in den Sinn kommen. (Bravo! und Sehr richtig !)
Nun noch Eins. Ich bin doch erstaunt, wenn ich höre, daß jene Seite des Hauses sich zum Richter aufwirft in solchen Angelegen- heiten. Srien Sie nicht böse, aber die Versicherung kann ich Ihnen geben: aus Ihren Aeußerungen, wie ich sie überall höre, _ mich geben sie ja im allgemeinen nichts an, meinen Beruf berührt das nicht _ aber aus allen Ihren Reden, die ich Vernehme aus den Zeitungen und die hirr laut werden, schließe ich, daß Sie Weder gewiÜt sind, Gott zu gkbrn, Was ©01th ist, noch dem Kaiser, was des Kaisers isi. (Lebhaftes BraVo! von aüen Seiten. Vereinzelte Heiterkeit bei den
Sozialdemokraten.)
Abg. Freiherr Von Stumm (Rp.): In Bezug auf die Aus- führungen des Abg. Liebknecht beschränke ich mich auf die Hoffnung, daß die siaaTSreckptlicbe SteUung der Krone und ihres Verhältnisses zum Parlament niemals derartig beschaffen sein wird, daß sie den Beifall des Abg. Liebknecht findet. Hinsichtlich des „IME" konstatiert ich, daß, nachdem die Mehrheit dietes Hauses ich in sympathischer xmd zustimmender Weise nicht bloß zu dem erhalten der Mann- 1chaft, sondern auch des Kommandanten geäußert hat, es den Sozialdemokraten nicht gelin en wird, Herrn Schrvarz weiß zu was sn. Herr von Kardor hat lediglich von den Wohnungs- verbaltniffen auf dem Lande gesprochen und aucb die Sozialdemokraten werden nicht bestreiten können, daß die ländlichen Arbriter besser wohnen als die städtischen. Ich biliige ebenso wenig wie mein Freund Kardorff 'die Wrge, welche auf Grund der Kaiserlichen Erla (: von 1890 eingeschlagen sind. Ich bleibe nach wie Vor auf dem Boden diescr Erlasse sieLen, aber nicht in dem Sinne, wie sie der sonst bochverebrte frü ere andels-Minister zum tbeil ausgelegt hat. So bin ich beispielßwei 8 nicht einverstanden mit der Thätigkeit der Kommission fur Arbeitersiatistik und mit dem 8Uhr-quens luß u. s. w. Ich bestreite, daß diese Verordnung der nothwen ige Ausfluß des bocherzigen und von mir gewiß so hoch wie von irgknd Jemand esiellten Geistes ist, aus dem die Aller- böchsten (Erlasse kHervorgegangen sind. Was den Hamburger Strike anbeirifft, so konstatiere ich, daß Tom Man nicht bloß jeßt naeh dem Strike in Hamburg erxcbieyen ist, sondern daß von langer Land her, seit weit über ein Ja r, englische Emiffäre nicht bloß in
eutschland, sondern auch in Holland und Belgien sich berumgetrieben baden, um die Leute aufzuwiegeln. Die holländische und die belgische Regierung haben diese Leute ausgewiesen. Daß das englische Kapital dabei im Spiel ist, laude ich nicht, jedenfalls weiß ich es nicht. Daß aber die engli?chen Arbeiterbereine die Hamburger und sonstigen kontinentalen Hafenarbeiter aufzuwie eln versucht haben, ist unzweifelhaft. Die Hamburger Arbeiter nd in erheblicher Weise von sozialdemokratijcben A itatoren unterstüßt worden, und wenn Herr Liebknecht bestritten at, daß die Sozialdemokraten in diesen Strike überhaupt eingetreten seien, so hat er sich direkt widersprochen. Er sagte: wir biUigensSeden Strike; er hat von den Hamburger Arbeitern als seinen Geno en gesprochen. Die Sozial- demokraten sind ür diesen Strike wie für jeden anderen Strike verantwortlich. err Liebknecht sagte, daß der Lobn von 24 .“ unzureichend sei" das ist sonderbar, wenn man bedenkt daß das durchschnittlicbe Einkommen eines jeden Familienbauptes in Deutsch- land _ leichgültig, ob arm oder reich _ noch 'nicht 4,20 „M beträgt. Die eng?ischen Gewetkvereine haben sich zu Zeiten entwickelt, wo die Arbeitgeber noch garnicht daran dachten, sich zu assoziieren, und erst der Terroriömus der Gewerkvereine bat die Arbeitgeber ezwun en, zufammenzusteben im Interesse der Selbstvertbeidigung, niere ant ist aber das Zugeständniß, daß es sich in Hamburg garnicht um eine wirtbs filiche, sondern um eine Machtfrage handelt. Das habe ich ja hier eit 20 Jahren immer behauptet, gegen den Willen der Sozial- demokraten, daß es sich hier nicht um ethische Fragen, sondem um eine reine Machtfrage handelt. Herr Liebfne t hat gegen unser Schulwesen die ! wersten Vorwürfe erhoben und a es in den Himmel erhoben, was in ngland und Frankreich geschieht. Wer einiger- ma en die Statistik des Schulwesens verfolgt hat, der weiß, daß an beute noch die Zahl der Analphabeten im Auslande sebr gro ist. Die deutsche Schule steht tburmbbcb erhaben über der anderer Länder. Wenn aber der Abg. Liebknecht die Verbältniffe Frankreichs und Englands so bewundert, so bewundere ich sein gutes Herz; wenn jemand eine Regierung, die zwei seiner besten Freunde auk- gewiesen hat, lobt, dann hat er ein gutes Herz.
.(Scbluß in der Zweiten Beilage.)
Zineite Beilage
zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger. '
„IFS ZZZ.
(Schlaf; aus der Ersten Beilage.)
Abg. Graf von Schwerin-Löwiy (d.kons.): Herr Richter bat den preußischen Landwirthscbaftskammern jede Befu niß, Erhebungen anzustellen und hierbei die Mitwirkung der roviantämier in Anspruch zu nehmen, in Abrede gestellt. Das widerspricht dem Geseß, denn die Kammern sollen nicht bloß Bericht erstatten, sondern können sich auch direkt an die Bk ördcn wenden. Es ist nun festgestellt, daß die Notizen der Stettiner Getreidepreise nicht richtiq waren, und darauf find die Proviantämter von der Landwirtbfcbaftskammer aufmerksam gemacht wordrn. Herr Richter meinte, daß die Proviantämter Manns génug gewesen sind, das Ansinnen der Landwirthschaftskammer abzulehnen, und hofft, daß der Landwirtbfchafts-Minister dasselbe thun werde. Das ist un- richtig. Die Untersuchungen der Landwirtbschaftskammer Haben er- geben, daß eine PreiSermittelungsstelle eingrrichtet werden müsse, und die Staatßregierung ist auf diesen Gedanken sofort eingegangen. Herr Richter tritt doch sonst für das öffentliche Verfahren ein, auch bei der Armer; warum soll über die Einkäufe der Proviantämter ein (Geheimnis; gebreitet werden? Wrnn die biÜigstcn Preise die besten sind, dann könnte die Armee nur_ russischen Roggen einkaufen. Aber wenn man niedrige Getreidepreise für ein Unglück hält, dann muß die Militärderwaltung fich als einen Theil des Ganzen be- trachtkn und darf nicht das Unglück disse): nikdrigen Preise noch vergrößern. Ich hoffe, daß die Kriegßderwaitung ihr bisheriges Verfahren beibxhalten wird. _
Abg.Richter (fr. VolkSp.): Ich behalte tmr dor, auf Verschiedrne Aeußerungen anderer Redner bei der zweitrn Berathung zurückzu- kommen, Der Vorredner sieht auf dem agrarischen Standpunkte daß es nicht im Interesse der Steuerzahler liegt,mögiichst billig zu kaufen. Damit läßt sich nicht diskutierey. Bezüglich der PreiSnotierungen kann der Erlaß der preußischen Minister nur gebilligt werden, sobald unparteiiscbe Behörden die Preise ermitteln. Hier handelt 88 sich aber um einseitige Ermittelungen drr Landwirtbscbaftskammer in Pommern, die kein Recht hat zu solchen Preisnotierungkn, da darüber Bestimmungen noch garnicht erlassen sind. Solche Be- stimmungen würden fick) nur aus die Börse bkziebcn, aber nicht auf anderweitige Preise. Die Landwirtbsckpaftskammer WoUte die Prris- ermittelung aucb nicbt für sicb selber haben, sondern für die vom- merscbe landwirtbscbaftlicbe HauptgenoffensÖast, um,_wie die Pro- viantämter bemerken, eine Preistreiberei in Scene zu seßen.
Abg. Auer (Soz.): Als Herr von Kardorff der ngierung be- ;cbeinigte, daß sie zum alten sozialpolitiscben Kurse zurückgkkcbrt ei, glaubte ich nicht, daß Herr Von Bortticher 'das so schnell bestätigen würde. Uebrrrqschend kdmmt uns das nicht; aber wie fich das verträgt mti dcm Kaisrrlichxn Erlaß vom 4. Februar 1890, das zu entscheiden muß ich dem Herrn überlassen. Kerr von Bortticber bat den Hamburger Ausstand als nach jeder
ichtun bin unbrrecbtigt bkzeicbnet. Derartige Ausführungen sind wir sont in der „Norddeutschen Allgemrincn Zeitung" und in der übrigen Unternrbmcrpreffr zu finden gewohnt. Kein Strike isi bisher von den Unternrbmern als berechtigt anerkannt worden. Nur ein Strike, der der Konfektionsrrrbeiter, wurde Von der Re- gierung als berechtigt anerkannt, und das mußte wohl wieder gut gemacht werden, nachdem Herr don Beriepsch geggngen ist. Hundert- tausende von Arbeitern soUen sich nach den Hamburger Löhnen sehnen! Wer sich selbst in einer Lebenslage bt*findct, die mit der der Arbeiter nicht zu dkrgleicben ist, der solite fich hüten, die Bestrebungen der Arbeiter nach Vrrbrsssrung ihrer Lebknslage als unbkrecbti t zu erklären, zumal wenn er kein objkktives Bild Von der Lage der erbeiter hat. Die Hafenarbeiter werdrn _oft Ta e langnicbt beschäftigt, we'nn infolge des Ostwmdrs dte Schxffc ni t die Elbe herauskommen können, oder wenn im Winter diese Arbkitcn über- haupt stocken. Von einem regelmäßigen Vrrdirnst don 4,20 »“ kann keine Rede sein. Die Arbeiter kommen über einkn Jabrrdlobn von 800 bis 900 „M überhaupt nicht bfinanß. Isi ein sylcber Lohn für die Hamburgsr Verhältniss wirklich kz) boch? Jn „Ozmburg sklbsi, die Unternehmerkreise ausgenommen, halt man eine_ Lohnaufbrfferung für zwrckmäßig, zumal die Arbeitrr dnrch d;?n Zollanjchluß in die Vor- städte etricbcn smd, wo sic tbeurc Mietbe zahlen müssen, während die Arßeiter deshalb außerhalb der Wohnung Mittag esscn müffrn. Von dem gewerblichen Aufschwung wollen die Hafenarbeiter auch etwas baden; fie befolgen den Raid, dc'n der aiser beim Brrg- arbriterstrike gegeben hat, daß diejenigen, welche an dem reichen Gewinn der Bergwerke tbeil nebmen, Etwas mrbr Geld für die Arbeiter geben möchten. Wer über diese Verhältnisse ]pricbt, der hat die Pfiicbt .und Schuldigkeit, sich ein richtiges Bild zu vxxjchaffen. Daß die yozial- demokratischen Asrtatoren den Strike angefangen babkn, ist unrichtig. Alle Kreise sind von dem Aufbruch des Strikes überrascht. Es besteht unter den Hafenarbeitern schon lange eine Bewegugx; nicbt info! e von Heyereien, sondern infolge des bcfferen Gsschathanges. As die Unternehmer ein Angebot machten, rietben die Leitrr, die Sozial- demokraten waren, zum Friedrn. Sie wurdexx aber nieder estimmt. Das kam daher, weil die Hafenarbeiter das Rezept des reiberrn von Stumm befolgt haben, weil sie noch nicht organisiert marrn, also den augenblicklichen Impulsen folgten. Wenn selbst die Vourgsoisie so tböricht ist, den Schwindel von den englischen Millionen zu glauben, warum sonen die Arbeiterbaufen nicht ebenfalls daran Tauben und dadurch in ihrem Widrrstande bestärkt werden? Das md die Folgen des Feudalsozialißmus. Der Staatssekretär sprach von der engliscbcn Brandstiftung in etwas eigentbümlicher Weise, anders als ein Mann sprechen sollte, wenn man eine große Polizei, die Hundert- tausende kostet und doch auch etwas leisten mu?, was ja der neueste Prozeß zeirt, ur Verfügung bqt. Tom Man itselbst am ärger- lichsten über dm ußkiand Tewexen. Die Wünsche der Englischen Arbeitkr eben auch auf eine Lobnauf esserung, und sie hatten nicht aus Strikelust, ßondern um etwas durchzuse en, gleichzeitig siriken wollen, wenn es nicht anders ginge. Wenn das oalitionsrecbt vorhanden ist, muß man den „Arbeitern aucb gestatten, dasselbe anzuwenden. Die drei Abgeordneten, welche der Staatssekretär nannte", wohnen in Hamburg und Altona, und an errn von Elm hat sich der Polizeisenator Hachmann wegen eines S iedßspruches gewendet. Herr Molkenbubr ist der Vertreter des Hamburßer Wahlkreises, Welcher den Hafen, einjchltcßt. Wenn der Strike langer andauert, wird es den Arbkttern schlecht geben. Aber weiß der Staatssekretär nicht, daß 2Zeitens des Senators
(hmmm, seitens des Vorfisenden der ürgerfcbaft und des ewerbe erichts der Versuch zur Vereinbarung gemacht ist, daß die Ar eiter auf dieses Vorgehen bereitwilimst eingegangen sind? Wenn dadurch nichts erreicht ist, so treffen alle Vor- würfe, diejenigen, welche den Schiedöspruch abgelehnt haben. Das sind die Hambur er Arbeit eber, die den Frieden nicht wollen, weil sie offen, die rbeiterschat mürbe machen zu können, weil sie auf ihre undeögeno en, den Hunger, die Roth und das Elend der Arbeiter rechnen. ese Bundeszgenoffen werden schlimme Wirkungen aus- üben"; aber die nieders chfischen Arbeiter werden sich nicht unter- kriegen laffen, namentlich, wenn sie von der Arbeiters aft ganz Deutschlands unterstüvt werden. Aber der Strike trifft de Unter- n'ebmer an der empfindli sten Stelle nämlich am Geldbeutel. Die Strikebrecber haben der chweren Arbeit fast sämmtli den Rücken Lichtt. Im Hamburger .Fremdenblatt' wird „fest e eat, daß die chanerleute jede Woche m drei Tage in Ar eit find. Die Stamer, die. Zwischenmeister er alten 75 4 für die Tonne, sie geben
Berlin, Freitag, den 4. Dezember
aber den Schauerleuten nur 50 „5. Die Stauer haben ein Jahres- einkommen von 5- bis 6000 „16
Staatssekretär des Innern, Staats-Minister ])1'. v on Boetticher:
Der Herr Vorredner hat meine Information bemängelt, auf Grund deren ich vorhin in meinen Ausführungen die näheren Ang aben gemacht habe über die Höhe des Verdienstes der Schauerleute. Allein er hat nichts beigebracht, das einrn Beweis dafür lieferte, daß di€se meine Information eine unrichtige gewesen ist (Heiterkeit links,); sondern er hat nur die Behauptung aufgestellt, daß die Lobnsäße, die ich angegeben habe, nicht die richtigen sind, sondern die seinigen. Meine Informationen beruhen nun aber auf amtlichen Berichten und ich muß vorläufig annehmen, daß der Inhalt dirser Berichte richtig ist. Aus eigenen Erfahrungen kann ich selbstverständlich über die Lohnverhältnisse der Hamburger Schaucrleuie keine Angaben machen. Daß übrigens diese Information, die ich empfangen habe, auch über- einstimmt mit der Wahrheit, möchte ich annehmen aus einem Artikel den heute Morgen die .National-Zeitung' bringt. Da ist eine Quelle genannt für die Zusammenstrllung der Lobnvrrhästniffe, die auf sozialdemokratischcr Seite nicht füglicb sollte angefochten werden können; es ist nämlich die Zuschrift eines Schauermannes an das sozialdemokraiische Organ in Hamburg. In diesem Artikel wird aus- geführt, daß dieser Schauermann erklärt hat, daß er mit Einschluß der Sonn- und Feiertage an 90 Tagrn keine Arbeit und keinen Ver- dienst habe; er erreiche aber gleichwohl einrn Jahresverdienst von 1155 „“ (Zwischenrufe) _ Sie müssen deutlicher sprechen, sonst kann ich Sie nicht verstehen. (Erneute Zwischenrufe.) _ Richtig! er berechnet aber am Schluß die Gesammtlobnhöbe des Jahres auf 1155 .ru Das genügt mir, und danach nehme ich an, daß meine Be- hauptung, die ich vorhin aufgesteÜt Habe, durchaus zutrifft, wonach diese Leute zu den besser situiertcxn Arbeitern gehören und daß es eine große Zahl don deutschen Arbriiern giebt, die fie um solche Lobnböbe beneiden. Uebrigens muß ich mich auch auf das berufen, was Hsrr VM Stumm außgefübrt hat, der mit den Arbeiterverbältniffen besser Wkisials ich, zumal was die Lohnböbe anlangt, Er bat ganz dasselbe gesagt.
Also, meine Herren, Information gegen Information. Ich meine, daß die Information, die mir dort den Hamburger Behörden gegeben ist, ein?, durchaus zutreffende und objektive gewesen ist, und erwarte den Beweis des Gegentbeils.
Der Herr Vorredner hat mir Vorgrworfen, ich hätte ein ein- Mßéfärbtes Bild der Lage gegeben. Das ist mir nicht eingefallen. Mbabe lediglich an der Hand drr mir,]oorliegenven Berichte eine Darstellung „des Zustandes, wie rr sich in Hamburg entwickelt hat- gTHTbZZ: und habe diesen Zustand al einen für die Arbeiter äußerst beklagenswertben bingesteUi und da, glaube ich, befinde ich mich in Uebereinstimmung mit dkr weit überwiegenden Mehrheit dieses Hauses, wenn ich dieses Urtbeil gefällt babe.
Der Herr Vorredner hat daran erinnert, daß die Rheder außer- ordentliche Verluste infolge des Strikes zu erleiden haben, und daß diese Verluste sie bedenklich machen sollten, den Kampf writer fort- zusexzen. Ia, meineHerren, das ist richtig, es ist unzrveifelbaft richtig: die Werthe, die durch die ArbeiTSeinstellung für den Hamburgcr Handel und die Hamburger Schiffahrt Verloren gehen, sind ganz enorme, und 52:6 dieism Grund? schon sollte 85 die Aufgabe eines jrden Vaterlands- freundss sein, zur Beseitigung des gegenwärtigen Zustandes beizutragen.
'- Nun macht man den Hamburger Rbedern zum Vorwurf, daß ste Zicbt auf deri Vorschlag, der ihnen yon seiten des Herrn Polizei- Senators, *dYHer'rn Präsidrntrn der Handelskammer und kinos dritten Herr!?"chaÖt worden ist, nämlich den Stréit einem schicdsrichter- li en “Vérfäbren zu untrrwcrfsn, eingegangen sind. Ja, meine Herrrn, wenn mandie Umstände aber ansieht, unter denen dieser Vorschlag gemacht ist, und die Gründe betrachtet, die für seine Ab- lebnung maßgebend gewesen sind, dann wird man doch den Hamburger Rbedern nicht so Unrecht geben können. Denn Einmal solite nach diesem Votsckplage nur ein Arbeitgeber in das Schiengericht aufge- nommen werden, während vier Vertreter der strikenden Arbeiter als Ricbter fungieren sollten. Nun Werden die Herren wir zwar einwenden: ja, neben diesem einen Arbeitgeber siven aber die drei Herren, die den Vorschlag gcmacht haben: der Polizei-Senaior, der Präfident der Handelskammer und der dritte Herr, und das sollte doch der Bourgeoisie genug sein, darin sollte man doch eine außreicbende Vertretung ihrer Jntereffen finden. Nein, meine Hkrren, hier, wo es fich um eine speziell kaufmännische und wirtbscbaftlickoe Frage handelt, da muß man verlangen können, daß das Schiedsgericht ebenso wie in alien anderen Fällen zusammengescßt ist aus einer gleichen Vertrejung der beiden streitenden Theile, und cine solche fehlte hier.
Der zweite Grund, warum die Herren nicht darauf eingegangen sind, wird wahrscheinlich der scin, daß man dreiReichsiags-Abgeordnete zu Mitgliedern dieses Schiedögerichts gemacht hat, und fie sind vielleicht vaterländiscb genug gewesen, um die Herren nicht ferner der Mitarbeit in diesem hohen Hause entziehen zu wollen. (Heiteckeik)
Endlich will ich noch auf eine Bemerkung des Herrn Vorredners zurückkommen, in welcher er mir auch eine mangelhafte Information vorgeworfen und mir gesagt hat, es wäre doch auffaüend, daß der Chef einer großen Verwaltung, der die politische Polizei an der Hand hätte, über diese Dinge so mangelhaft orientiert wäre. Das bezog sich nämlich auf die englischen Einflüsse, die sich angeblich in der Hamburger Bewegung geltend gemacbi baben' sollen. Ja, meine Herren, ich habe vorhin durchaus der Wahr- heit gemäß berichtet, das; ich auf diesen Punkt _ nicht näher eingebe, weil mir dazu die thatsächlicben Unterlagen fehlen.
Ich habe aber auch gar keine Veranlassung, vermöge meines Amtes danaeh zunächst zu fragen, ob engliscber Einfluß tbätig gewesen ist, sondern ich babe nur zu fragen: wie ist der aktuelle Zustand, und wie beseitigen wir diesen Zustand möglichst bald? Daß wir sonst nicht untbätis gewesen sind, englische Einflüsse, die sich etwa geltend machen woaten, abzuweisen, das beweist ja die Anweisung des Tom Man.
„„Wenn der Herr Vorredner nun aber gemeint bai, daß dieser Toui'x'Man sehr unzufrieden gewesen sei mit dem Außbrucb des Strikes, so ist das sehr begreiflich, und es ergiebt sich die Erklärung für diesen Mißmutb des Tom Man auch aus dem, was ich schon Vorbin bemerkt habe. Es sollte nämlich eine große internationale Strikebewegung in ckck europäischen Häfen, insbesondere den festländiscben, insceniert werden; auch die englischen Häfen sollten mit dieser Strikebewegung beglückt Werden. Ueberal], in Norwegen, Schweden, Belgien, HoÜand und selbst in England haben die Herren kein Glück ge- habt mit diesem Unternehmen. Bloß der etwas weniger vor- sichtige und weniger sein wahres Interesse wahrende deutsche Kai- arbeiier und Schauermann ist auf die Sache hereingefallen. Daß natürlich die Wirkung bei einem solchen partiellen Strike nicht die
Von Tom Man und seinen Genossen erhoffte sein kann, das war klar, "
und deshalb mußte Tom Man sich sagen: die Leute haben nicht so lange gewartet, bis der günstigste Moment für den Beginn der Arbeitßeinsteüung eingetreten ist, und das bedaure ick). Ich hoffe, daß, wenn in künftigen Fäilen wieder einmal eine solche internationale Be- Wegung auch in deutschen Häfen sich zeigen sollte, daß dann auch, durch die jeßigen Vorgänge gewißigi, der deutsche Hafenarbeiter andere Leute die Kastanien aus dem Feuer wird holen laffem (Bravo!)
Hanseatischer Gesandter und Bebollmächtigter zum Bundeskatb Dr.Klügmann: Der schwere Strike der afenarbeiter in unserer ersten Handelsstadt schafft die! Unglück in Ham urg, nicht bloß unter den Arbeifern, sondern auch in aUen Kreisen, Vor allem auch in denen, deren ganzes Leben darauf gestellt ist, ihr Wort zu halten, und die jeßt daran vkrbindert Werden. Es war das höchste Interesse auch der Hamburger Regierung, möglichst bald diesen Strike zu beendigen; nichisdeswwrniger bat sie sich durchaus im Sime der Reichßgesrße jeder Einmischung, sowohl nach der einen als andrren Seite bin, m Thaien wie in Worten enthalten, und es wärs sebr erwünscht gewesen, wenn dasselbe Verfahren auch im Reichstage eingehalten worden wäre. Von wem ist hier die Sache auSgegange-n, wer hat hier heute Sympathie nur für die yon ihm vertiefene Sache allein zu beanspruckxen Hesucht? Sie (zu den Sozialdemokraten) haben gesagt: Die ozialdemokratie wäre durch den Sirkke überrascht worden, sie sei gegen den Strike gewesen. Damit geben Sie zu, daß der Strike unberechtigt war. Zweifrlios. Ton: Man soll argen den Strike? gewesen sein. Er ist aber gerade von England herüberJekommen, um den Strike zu machen und Unfrirden zwischen den Ar eitgrbern und Arbeitern zu säen. Er hat eine- Proklamation an die Arbeiter Hamburgs erlassen, in der er sagt, er sei von der internationalen Föderaiion bergesandt worden, um mit den Arbeitern Hamburgs gemeinsame Sachezu machen; und er fordert sie auf, nicht eher zu ruhen, als bis ihre sämmt- lichen Forderungcn erfüüt seien. Es ist also Tom Man nicbt eingefalien, von dem Strike abzuratben, ,sondern er hat dazu gératben, und die Hamburger Arbeiter sind in die' falsche Vorstellung binein- gekommen, als komme ihnen von außen die Hilfe, als würden sämmt- liche Hafenarbriter gemeinsame Sache mit ihnen machen, als wenn ste don England nicht nur Sympathie, wovon sie nicht leben können, ondern Geld und Unterstü ung zu gewinnen hätten. Dadurch wurden die Bemühungen, den trtke m691ichsi bald zu beendigen, ge- hemmt, und deshalb war die_ AuEwei ung des Tom Man vollständi «rechtfertigt. Was den Strike selbst betrifft, so handelt es six
, nicht aUein um die Lohnfrage; es sind auch andere Streitigkeiten
hineingezogen worden. Man hat es falsch so dargestrllt, als ob die Schauerlsute nur cinen durchs nijtlichen Lobn von 800 „Fi jähr- lich hätten. Ich werde; J nen das Gegentbeil beweisen aus einer Quelle, die Ste arnicht bestreiten können. Ihre QueUen (zu den Sozialdemo aten) rühren wobl von Zeitungs- fchreibe'rn ber; veröffentlicht aber ist das. Lobnanrecbnunqsbuckp der Schauer. Sie wrrdrn selbst zugeben, daß die für die Speicherei- und Speditioné-Berung-xnoffenyäpaft eingereichten Lobnliften zuverlässi e Daten geben. Es sind da 15 Nummern aufgeführt: Der er e bat Erhalten 1186 „F6, der zweite 1119, der dritte 1432,70, der vierte 1533, der fünfte 1229, der sechste 1224, der siebente 1762, drr achte 1598, der neunte 1345, der zehnte 1774, der elfte 1530, der zwölfte 1452, der dreizehnte, der nur 175 Tage gearbeitet bat, 830, der vierzehnte, der 287 Tage gearbeitet, 1830, der fünfzehnte, der nur 134 Tage gearbeitet hat, 813,40 .“ Wie wollen Sie nun selbst bei den Hambur er Lebens- verbältniffen behaupten, daß diese Leute ungerlö ne gehabt haben? Die Leute sind gufgereizt worden zu , iesem Strikc. Die Sozialdemokraten reden taglich auf die Leute em, daß ihre Lebens- haltung unerträglich sri, und dannxwundern sie sich, wenn die Arbeiter nachher siriken. Dann haben T_xieÉzu den Sozialdemokraten) es nicht gethan, sondern es sind Ihnen dre nderen zuvor ekommen, die Sie nicht haben zurückhalten können. Wir wollen ier nicht den Schiedsrichter spielrn darüber, ob die Arbeitgeber Recht haben oder nicht. Herr Liebknecht hat sie hier außgescbimpft. Enthalten wir uns, irgend eine Partei zu nehmen, und boffrn wir, daß es zum Frieden kommt; vor allen Dingen enthalten Ste sicb. das Feuer noch zu schüren dadurch, daß Sie sich au'f die eine Seite stellen gegen die andere Seite. Dadurch werden Sie zum Frieden beitragen und Ihre Frrundschaft für Hamburg beweisen.
Abg. Liebknecht (Soz.): ,Ich strlle Zunächst fefi, daß ein von mir gebrauchter Nußdruck bezüglich der Offizierßebre nicht aus einem von mir angezogenen Artikel der „Kreuzzeijung“ entnommen war, sondern meine ei ene Aeußerun? gewesen ist. Die Arbeiter haben das Schieds sticht ni t zurückgewie en, sondern die Arbeit eber. Die Zu- sammenßevung des Schiedögericbts batte Licht und chatten leich- mäßig vertberlt. Der err Gesandte hätte seine Mahnungen a o an Herrn von Boetticher r chten sollen. Herr von Stumm bat die merk- würdige Fähigkeit, wird stets mißzuverfteben. Nicht ich habe von einer Machtfra e grfprocben, sondern das haben die Arbeitgeber etban. Wir wo en keine Strikes anzetteln; aber wenn die Fort esu des Strikes von den Arbeitgebern so frivolerzwungen wird, so ist e:? jedenfalls das Recht auf seiten der Arbeiter. In bexonders gün Jahren verdienen die Schauerleute 1150 „Fi; könnten d e Werren „Arbeit- geber davon leben? Der Strike bat die organisiertrn rbeiter über- rascht. Der Vorredner irrt, wenn er sagt, daß ich die Sache ?iee zuerst zur Sprache gebracht habe. Das ist seitens des Fenn Paa (he geschehen, der im Interesse des Kapitals gegen die Ar eiter mit _un- erechren Vorwürfen kam, sodaß wir da egen auftreten mußten. Was ch bezüglich der Seeuntücbtigkeit des „K tis“ gesaKt habe, hat wochen- lang in den bürgerlichen Zeitungen [; anden, o ne daß Wi mz erhoben worden wäre, Wenn Herr von Kardorff bloß von den ob- nungen auf dem Lande Yesprochen hat, so widerspricht das den Mit- tbeilungen welche Gei liche darüber gemacht haben. Das Urtbeil über die Wohnungsverbältniffe auf dem Lande wurde zusammengefaßt in die Worte: „ländlich, scbändlichl' Eine Untersuchung hat “UTZ?" bZrÉräubendeSErgebnife nk: Tia e ;;efZirderÄ. fü des
. ra von wern exe ne e us en 21 ?!)?übter über die “ efugniffe der W unr g. bg. Molkenbubr (Soz.): Ich war nicht wenig ßbems' *- |U hören, in welcher brillanten Lage sich die Schauerte»: W, *“
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