1916 / 272 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger, Fri, 17 Nov 1916 18:00:01 GMT) scan diff

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* gelangten ferner der Entwurf einer Ergänzung der zum Gesetz iiber? die Feststeljung von Kriegsschäden erlassenen bestimmungen, der Entwurf einer Bekanntmachung über die Bearbeitung der VolkSzäHlung vom 1. Dezember 1916, der Enr- murf einer Bekanntmachung über Erhaltung von Anwart- fchaften aus der Krankenversrcherung, der Entwurf einer Ver- ordnung, betreffend die Prägung von Zehn- und Fünfpfennig- stücken aus Eisen, und der Entwurf einer Bestimmung, be- treffend den Betrieb der Anlagen der Großeisenindustrie. Dem- nächst wurde über die (Hrmährung von Beihilfen an Gemeinden für Krieqdwobifahrtßpstrge und Über Verschiedene Eingaben Beschlws; gefaßt.

Am 15 d. M. ist auf seinem Posten in'7Wien der Kaiser- licHL Botschafter, Wirkliche Geheime Rat Heinrich von T1chirschky und Vögendorff im 59. Lebensjahre an Lungenembolie verschieden.

Geboren in Hosterwis bei Dresden 'am 15. August 1858, wurde er im März 1883 als Anwärter für die diplomatische Laufbahn zugelassen und zunächst im AuZwärtigen Amte beschäftigt. Im Februar 1884 der Kaiserlichen Botschaft in Konstantinopel ais Attaché, Überwiesen, wurde er im Juli desselben Jahres zur Führung der gesandtschaftliehen Geschäfte kommissarisch nach Athen entsandt und begleitete bald darauf die damals nach Persien abgeordnete außer- ordentliche Gesandtschaft als zweiter Sekretär. Nachdem er im März 1885 zum Legationgsekretär bei der neu errichteten Kaiserlichrn Gesandtschaft in Teheran ernannt worden war, wurdr er sieben Monate später 'von diesem Posten enthoben und in das Auswärtige Amt einberufen, wo er in der Politisckwn Abteilung Dienst tat, bis ihm im September 1886 die Steüe des zweiten Sekretärs bri der Kaiserlichen Botschaf1 in Wien übertragen wurde, die er zwei Jahre bekleidete. Als Legationssekretär im November 1888 an die Kaiserliche Gesandtschaft in Athen, im Oktober 1890 an die Kaiserliche Gesandtschaft in Bern berufen, erhielt er im November 1898 den Charakter als LegationSrat und über- nahm noch in demselbenZabre denPosten des ersten Sekretärs bei der Kaiserlichen Botschaft in Konstantinopel, den er im Dezember 1894 mit demjenigen in St. PeterQburg vertauschte. Auf chterem wnrde jdm im Dezember 1899 der Titel und Rana eines außerordentlicben Gesandten und bevoümächtigtrn Minisferß verliehen, worauf er als Gesandter im JUli 1900 nach Luxemburg, im November1901' nach Hamburg ging. Im Januar 1906, unter Verleihung des Charakters als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Ex- zelTenz, zum Staatssekretär des Außwärtigen Amts ernannt, wurde ihm im Okiober 1907 der Posten des Kaiserlichen Botschafters in Wien übertragen, auf dem er bis zu seinem Tode gewirkt hat. An preußischen OrdensauSzeichnungen besaß er den Königlichen Kronenorden 1. Klasse seit 1906 und das Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub seit März 1914.

Der DahinqesÖiedene hat sich in allen ihm anvertrauten Stellungen durch Hingabe an den Dienst, strenge Pflichtireue Und tüchtige Leistnngen herorgetan. Das Auswärtige Amt wird dem bis zum leßten Atemzuge hervorragend bewährten Beamten stets ein ehrendrs Andenken bewahren,

Kimmuiig erteilt. Zur An'nabme

Am 15. d. M ist in Berlin der Kaiserliche Grfandie 3.9). Dr. Jokiannes Freiherr von Mutzenbecber wenige Tage vor VoÜrndung semes- 62. Lebensjahres nach längerer Krank- hcir (WsWlbLn.

Er warde im F bruar 1880 zum diplomatischen Dienst zu: gcigiixn und zunächst im Außwärtigen Amte beschäftigt. Im Miirz 188! zu seiner weiteren Aquildung der Kaiser: Miau Botschaft in St. Peterßburg als Attaché zugeteilt, wnide er im Juli 1882 zum Leaationssekretär ernannt. Als fdickwr war er nacheinander dri den Kaiserlichen Gesandt- sämfwn in Rio de Janeiro, Lissabon und Belgrad tätig. Im Lkiober 1887 erfolgte feind Verseßung als zweiter Se- kzetéir an dir Kaiserliche Boisckwft in Konstantinopel. Diesen 51311911 vrrrauschte er im Januar 1889 mit demjenigen des chationcösrkretärs bei der Kaiserlichen Gesandtschaft in Bern. Nachdem er Anfang Januar 1890 zu aushiifsweiscr Be: schiifriziimg in das A11§wéirtige Amt einberufen worden war, erhielt er im Pkärz drsselven Iahrrs den Charakter ach- Legationsrat und 1111 Dyzember die SteUe des ersten Se- krptärI bei der Kaiserlichen Botschaft in Rom. Im Juni 1893 in den Einstweiligen Ruhestand verseßt, fand er von Anfang Januar 1901 bis Ende Oktober 1902 im AUSwiirtigen Amte kommissarische Verwendung, worauf ibm dsr Titel und Rang eincS Ministerresidenten verliehsn wurde. Im Frbruar 1910 rückte er zum Titel und Ranae eines außer- ordrntkichen G-'sandten und deooWnächtigtcn Ministers auf.

Ter Verblichene hat sick) in aÜen ibm übertragenen (Steijungen durck) gewissenhafte Pflichterfüüung und gute Leistungen hervorgetan. Ein treues Andenken bleibt ihm im Außwärtigen Amt gesichert.

Der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten hat den Re- gierungsbaufübrern des Hochdaufaches Paul Fehmer und HrÜmut von Ste'gmann und Stein, dem Regierungßdau- führer des Wasser- und Straßenbaufaches Walter Ruoff, dem Reuisrungsbausührer des Eisendalzn- und Straßenbaufache§ Rudolf Schwanneche und dem Regierungsbaufiihrer des Maschinen- baufaches Max Maercker, die im Jahre 1915 die Diplom- vrüfung mit besonderö günstigem Erfolge bestanden haben, VkäFien von je 900 x/jß zur Ausführung don Studienreisen bewi igt.

Ter Paragraph 5 der Verordnung über Höchstpreise fiir Zwiebeln vom 4. November 1916 (ReichMeseßblatt Seite 1257) gibt den Landeszentralbehörden die Möglichkeit, mit Zustim- mung des Präsidenten des Kriegsernährungsamts, Aus- nahmen für ausländische Zwiebeln zuzulaffen.

Den LandeSregierungen ist, wie ,W. T. B.“ mitteilt, durch das KriegSernährungsamt ein Erfuchen dahingehend zu- gegangen, die AUSUahmebestimmung so zu ,faffet'i, daß die- jenigen ausländischen Zwiebeln, die durch die Rrichsstelle für Gemüse und Obst oder ihre Beauftragjen m _den Ver- kehr gebracht werden, vom Höchstpreise frei sem sollen. Insoweit die LandeSpolizeibehörden vielem Ersuchen foi en, wird die Reichsstelle für die von hr oder mit BLUT Genehmigung bereits eingeführten Zwiebeln, auf An ag

Kommunalverbände ermächtigen, diese Zwiebeln, unter näher

Artsfübrrmas- ,

mit ihr zu vereinbarenden Bedinaungen, weiter abzuseßen. .Bei Festseßung dieixr Bedingungen wird"“ “sech insbesondere darkxn Handeln. “daß ein dem auSländischew Markt angemessener Preis eingehalten und seiténs der Kommunalverbände die Garantie üvernvmm'en wird. daß eine-Verwecbsel-ung und Vermischung mit inländischer Ware ausgeschloffen bleibt.

Die Reichsstelle für Gemüse und Obst bringt nochmals allgemein in Erinnerung, daß seit der Verordnung vom 26. Oktober 1916 der Erzeuger-Höchstoreis für Möhren aller Art, also auch fiir rorfleischige Mohrrüben 4,-' «16 beträgt. Ein Hinweis hierauf ist deshalb notwendia, weil sowohl im Grof;- wie auch im Kleinhandel für rote Mohrrübrn jth noch vielfach ein verhältniswäßig hoher Preis gezahlt mird.

Der heutigen Nummer des „Reichs- und Staatsanzeigers“ liegen die Au§gaben 1266 und 1267 der Deutschen Verlust- listen bei. Sie enthalten diex688.preußische, die 317. bayerische und die 357. sächsische Verluftliste.

Oesterreich-Ungarn.

Nach der „Korrespondenz Wilhelm“ Hält der rcstlichc Katarrh so wie bei friiheren gleichen katarrhalischrn Affektionen deS Kaisrcm mit Hartnäckigkrii an, wodurch Übrigrns die gowobnte Tätigkeit keineeI-wegs irgendwie beein- trächtiqt wird. Dcr Kaiser empfing gestern den ersten Oberst- bofmeister Fürsten Montenuovo, die Gsneraladjutanten Generai- obersten Paar und Bolfras und den ungarischen LanchZ- verteidigungcöminißer Generaloberst Hazai.

*- Die Leiche des deutschen Volschafters von Tschirschky und Bögendorff wird morgen in der-evangelischen Kirche eingesegnet, worauf die Ueberfiihrung nach Dresden erfolgt. Am Montag findet die Beiseßung in der Familiengruft in Hosterwirz bei Dresden statt.

(Gestern vormittag erschien, wie „W. T V.“ meldet, der Generaladjutant, Generaloberst Graf Paar im Auftrage des Kaisers Franz Joseph in der deutsch911V01schaft11nd sprach der Witwe des Botschafters persönlich das Beileid des Kaisers aus. Der Deutsche Kaiser 1andte cm die Witwe folgendes Beileidstelegramm :

Die traurige Nackpricbt von dem so plößlicben Hinscbeiden Ihres (Hatten bat mich tief ericbütteit. Ihnen und den Jbrigen spreche ich_zu diesem schweren Verluste meine herzlichstr. Teilnahme aus. Ich selbst vrrltere in dem Heimgegang-nen einen treu ergebenen Freund und Diener meines Hauses, drr fich den ibm gestellten Aufgaben stets mit der größten Hingebung gewidmet hat und dem ich ein dankbares Andrnken brrvabren wrrde. Möge Ihnen der Allwächtige in dieser schweren Zeit mit seinem Troste beistehen.

Will) elm [. 12.

Beileidstelegramme sandten ferner der König von Bayern, der König vonSachsen, der Erzherzog Franz Salvator, der Reichskanzler Dr. von Bethmann Holl-

weg 11, a. Polen.

In dem gestern erschienenen „VerordnungIblati für das Generalgouvernement Warßchau“ (Nr. 53) wird eine Verordnung veröffentlicht, durch die eine'Organisation der jüdischen Religionsgesellschaft im Geriernlgouvernement Warschau qescha““en wird. Die wesentlichen Punkte sind laut Meldung

. des T. V.“ folgende:

“Qi..- jäsi-ckpen [“Jan-inden werden zu Kreisgemeinden unter einem VerwaltungSrat Vereinigt, der auf Grund des Propor- ttonalwahireäpts Von drr: kaeindrvvrwändm gewählt wird. In den Verwaltungsrat drled'ert außerdem die staatliche Aufsichtsbehörde drei Yé;t„ltedkr. An der SVM: der Religionsgeseükcbaft steht der Obe rste Rat. Er besteht aus vurzrbn weltlichrn und Ü-ben rabbinischen Mit- gliedern. Vier Weltliche und sivei rabbinijckoe Mitglieder werden durcb die Staatsdrrwaltung ernannt, die iibrigen Werdau auf Grund des Proportionalwablreckpts yon den VCTWÜlLUUJSsäWn der Krei-gemeinden ewäblt. Gem-"indrn, Kreißgemeinden und Oberster Rat haben

ordoraiionsrrcbte.

Der Fortschritt, den diese Verordnung bringt, leuchtet ein. E23 ist vom Standpunkt des modernen Staates unerträglich, das; Eine IieligirinSgeseÜsrl)aft, der ein erheblicher Bevölkerungs- bostandteil im Lande angehört, voÜständig organisationsws dem Staate gegenüber sjebt. Ießt wird an die SteÜe der Organisationslosigkeit eine übersichtliche Und klare Organisation treten, die mich geordnete Beziehungen der Smalßverwaltung znr Religionßgesellschafi ermög- licht. Die Organisation ist auf rein religiöse Grundlage gesteUt. Das Judenjnm ist als Religionsgesell- schaft im öffentlichen Recht anerkannt, wie in aÜen Kulturstaaten. In Form von Kultusgemeinden können sich GrUppen mit besonderen religiösen Ariichauungrn zusammen- finden. Die Verordnung einhält eingehende Bestimmungen über die Rabbiner. Aufgabe des Obersten Notes wird es sein, für _die zUrzeit noch vollständig Ungenügende Vorbildung der Rabbiner Sorge zu tragen. Von den Rabbinern, die künftighin zur Anstellung gelangen soÜen, wird die Kenntnis der polnischen Sprache in Wort und Schrift verlangt.

Großbritannien und Irland.

In bezug auf die deutsche Darsteüung iiber den so ge- riannten zweiten „Baralona“ Fall hat die Admiralität eme weitere_ Erklärung erlaffen, in der dem „Reuterschen Bureau“ zurolge voller UnwiUen gesagt wird, es sei ein für aUemal voÜkommen unwahr, daß ein Befehl der Admiralität bestehe, wonach es nicht nötig sei, die überlebende Mannschaft deutscher Unterseeboote zu retten. Zur Widerlegung der deutschen Veröffentlichungen in dieser Angelegenheit gibt die Admiralität eine lange amtliche Erklärung des Kom- mandantcn des Schiffes, das „11 41“ versenkt hat, bekannt. Dieser sagt:

Es sei unwabr, daß er das Boot überrannt habe, in dem sich die Ueberlebenden befunden hätten. Sie seien über Bord gesprungen, als das Schiff sich dem unbeschädigten Boote genähert hätte. Als sie aufgenommen worden wären, seien fie so behandelt worden, wie es die Verbältniffe des Schiffes zuließen. Aus den Schiffsbeftänden seien fie mit trockner Kleidung versehen worden. Ein Arzt sei nicht an Bord gewesen, troßdem seien die .Wunden der verwundeten Gefangenen gewaschen und verbunden worden. Sie seien al]: mit Matrayen,

opikiffen und genügend Bettdecken versehen worden. Aerztlirbe Hilfe ei den verwundeten Gefangenen zuteil geworden, als das Schiff am ol enden Tage im Hafen angekommen wäre. Der deutsche Offizier a e zugeaeben, er habe keine Erinnerung daran, auf Welche Weise er aus dem Unterseeboot berauögekommen wäre und was er dann getan hätte. Der unverwundete Unteroffizier schien mit seiner Behandlung völlig zufrieden zu sein. Er lächelte immer, wenn man ihn anredete, und sagte in gebrochenem Englisch; Nicht mehr kämpfen;

„»- .

Diese Darstellung von englischer Seite-lrä 1, wie „WrTB.“ dazu bemerkt, deu “"S-Hempel der Unwahrkrt an der Stirn; denn, wenn" sie Wahr. wäre, dann hätten die Engländer den Oberleutnant Crompton nach der Schweiz entlassen.

“- Im Oberhaus sagte der Marquis Crewe in seiner Antwort auf die Bemängelung der Wtrtsamkett der Maß- nahmen der Admiralität gegen feindliche Unterseeboot: laut Bericht des „W. T. B.“:

Die Admiralität habe in der Zerstörung von Uuterseebooten ent- schieden Erfolg gehabt, und troß der größten Schwierigkeiten infolge der vermehrten (H7öße, der schwereren Bewaffnung und der starkeren Wände der neuen Unterseebooie wäre es ein Irrtum anzunehmen, daß nicht auch diesen gegenüber Erfolge erzielt worden wären.

*- Der Minister Bonar Law erklärte im Unterhause auf eine Frage des Abgeordneten Mason, ob, eine Debqrte über die Beendigung des Krieges und die Vorschlgge des deutschen Reichskanzlers stattfinden könne, obrger Quelle zufolge: _

Ihm sei nicht bekannt, daß der deutsche Reicbkkanzler Friedens- bedingungen vorgeschlagen babe, die nicbt auf der Anerkxnnung ein-s deutschen Sieges beruhten, und er sei überieugt, daß die uberwiegerde Mehrheit des Hauses mit ihm übereinstimme, daß eine solche Er- ?rterung im gegenwärtigen Augenblick keinem nützlichen Zwecke dienen önnte.

- Die Verlustlisten vom 1:1, 14. und 15. enthalten die Namen von 115 Offizieren (54 gefaüezr, dre Mannschaf1§- verluste sind nicht anßegeben), von 68 Offizieren (30 gefaüen) und 3000 Mann un von 85 Offizieren (27 gefaklen) und 4714 Mann.

Frankreiäx.

Die Abgesandten der verbündeten Regierunge_n haben der „Agence Harms“ zufolge gestern nachmittag in Paris am Quai d'Orsay ihre [este Versammlung abgehaltrn. A." ihr nahmen die. Vertreter der Verbündeten Generalstabe teil, deren Unterredungen im französischen Großen Hauptquartier am Vormittag zu Ende gegangen waren.

"** In der vorgestrigen Sitzung der Deputtertenkammer wurde die Vorlage, betreffend Koblenverteilung und Regeli-mg der Kohlenpreise, behandelt.

Aus den AuZ!übrungrn dss Ministers der öffentlickoen Arbeiten Sembat gebt laut Meldung des ,W. T. B.“ hervor, dans; England Monatlich nur zwei MlÜionen Tonnen einführen k.;nn, wahrend vier MiÜioven verlangt werden. Für die französisckxen Eiienbdhnrn beitebk zurzeit ein Reiswebrstand von annähernd 800 000 Tonnen, was ungefähr den Monatßbedarf deckt. Der Abgeordnete Augagrreur stellte fest, daß 24 Maliicnen Tonnen von England eidgefubrte Kohlen nicht genügrn könnten und daß die Koblenkwse viel mehr durch den Koblenmangel als durch die Transportkrise verursacht winden sei. Der Minister Sembat erwiderte, die französische Ne- gkerung beschäftige steh fortwährend mit der Frage, allein "in England sei die Koblenforderung infolge der Einberufungewzuruckgegangen. Anaagneur bemerkte darauf, daß infolge der ungenugenden „Koblen- einfabr eine Rationierung der Kohlenabgabe an die Industrie nötig werde.

Im Anschluß an die Aussprache wurden die ersten sechs Artikel der Vorlage angenommen.

Rußland.

Im Hinblick auf die neuen Verhältnisse 111 Polen hat der Mininerpräsident Stürmer dem „Rußkoje Slowo“ zu- folge am 7. November mit dem englischen Boischafter Buchanan und dem französischen Botschafter Paiézologue eine längere Konferenz abgehalten.

Die „St. Petersburger Telegraphen-Agentur“ verbreitet folgende amtliche Kundgebung:

Dxe deutsche und öst-rcetckpUch-ungarikcbe Regierung bab-“n die zriiweilige Beseßunq eines Teiles des rusfischen (Gehirns dmcb jbre Herre dazu bewußt, die Trennung der polnischen (Hrgenden vom russischen Reiche und ihre UmWandlung in emen unabhängigen Staat feierlich zu Vrrkünken. Unsrre Feinde verfolgen offrnsichllscl) den Zweck, in Rossiscb Polen Rekruten auIzubedcn, um ihre Heere zu erganj-n. Die Kaisrrjkcbe Nrgizrung erblich in diesem Akt Deujscblaids und Oesterreich-Ungarns eine neue 1chwere Verletzung der grundlegenden Grundsäße dcs Völkerrkchts, die vrtbieten, da[; dtr Beoökarunq der militärisch besesten Gebieje g zwungen werde, die W;.ff-n gkgen das k1gene Vaterland ju brauckokn. Sie betrachtet dieien Akt als nul] und nichtig. Rußland bat sicb schon zweimal ieit dem Ausbruch des Krieges über das Wesentliche der volmschen Frag? aupgewiochen. Seine Nbficbten umfaffen die Schaffung eines (HUc-tnwolens, das (1012 Polaidcbkn Gebiete in sicb begreift Und das bei Krieas1ckluß das Recht haben wird, frei sein nationales, kulturelles urid doikswirtjcbaft- ]ichrs Lebrn auf die (Grundiagen drr SkldsWemmljuna ur-trr tcm Szepter dxr russischen Herrscher zu 11211811 und das den Grundiaß dec Staatseinb-it bewahrt. Dixse C:.Ucblisßung misercs erbabenrn Herrn bleibt unerschütterlich.

Die diplomatischen Vertreter Rußlands sind obiger Quelle zufolge Urigewiesen worden, den Negleruwgen. beichdenen fie beglaubigt sind, nachstehenden Protest zu nber- L'Li en:

' Ich bin von meiner Regierung beauftragt, folgendes zur Kcnntnis Eurer ErreÜrnz zu bringen: In Mißacbmrig des Völkrrrrcbies haben die deutschen und östrrreichiich-unqartschen Miltiärbebörden in Warschau und Lubrin soeben eine Kur-dgebung erlaffm. wonach die russißcben Provtnzen Von Polen künftig einen gcsondertkn Staat bilken ern. Die Kaiserlich rmfiscbe Regierung erhebt Einspruch gegen diesen Akt, der eine neue Verlesuna internationaler Verträge darstellt, die feierlich von Deutschland und Oesterreich-ngam beschworen smd, urid erklart ihn für nun und n1chtig. Ick sjelle fest, daß die Prrvmzen des Königreichs Polen nicht aufgehört haben, exnen integrierenden Bestand- teil des russrscben Reiches zu bilden, und daß ihre Bewohner durch den Eid der Treue, den fie Seiner Majestät dem Kaljer, meinem erhabenen Herrn, geschworen haben, gebunden sind.

» Der NeichSrat hat seine Sißungen wieder auf- genommen, die der Präsident Golubew mit einer Rede er- öffnete, in der er sagte, daß akle Gedanken der Natwq und alle ihre Anstrengungen fich auf die nationale Verteidtgung richten müßten. Hierauf kam die Polenfrage zur Erörterung.

Das Reichöratsmixalied Sebebefo v-rlas eine (Erklärung, in der er sagte, die blutigen «Hände des uralten Feindes Polens reichten ibm etzt eine falsche Unabhängigkeit dar, aber das polnische Volk werde

ck durch ein so unwürdiges Spiel nicht betrügen lassen, und die polnische Frage werde durch Rußland und feine Verbündeten gelöst werden. Das Reichskatsmltalied Schtscbeglowitow erklärte im Namen der Rechten des ReitbSrats, es gebe keine Worte, der Entrüstung Anodruck zu Verleihen, die man bei dem Anblick der schmerzlichen Prüfung empfinde, die der grausame und alles Heilige verachtende Feind “Polen auferlege. In diesen Taaen der Prüfung müffe der ritterliche Aufruf, den der Genera- liisimus auf Anordnung des Kaisers am 14. August 1914 an die

olen gerichtet babe, hell in den Herzen der Polen widerstrablen, die

ck im feindlichen Lager befinden., Damals ertönte der erste wirkliche

ufruf, der die Polen aufforderte, fich unter dem Z-pter des rui 1chen Zaren zu einen. Die Ereignis: des ersten Kriegsjabtes bätten d e Re- organisation Rus sG-Polens unmöglith gemackxt. Tro dem habe beim Kanonendonner olen auf Anordnung des Kaiser! die lbstverwaltung

1 der Gemeinden erhalten. Die Polen müßten jeden Verdacht aus ihren

Herzen bannen, daß ihre Wiedererstebanx abfitbtlitb verzögert worden sei._ Die. von den deutschen und öfrerr chischen m*erieralgouyer euren verkündete Unabhängigkeit sei für die Polen ein Weg zum Gta , ein W-g, den st? noch in einem Blutstrom durchmessen müßtni. Ihr 11 „liege in den Händen Rußlands, des ongestammien srteidtgers der Slaven. Die Löjung der polnischen Frage könne nur aus der großmütigen Güte des msfi1chen aten berooraeben. Andere Redner drückten sicb ähnlich aus. Am Seblu e der SitzunÜ gab der Minister des Inneren Protovopoff im amen der egixrung etne Erkläruna zu den über die Polenfrage gehaltenen Reden ab. Protopopoff sagte, die Regierung bleibe ]eßt wie früher underändert auf der Grundlage des Aufrufes des Generalisfimus und der 1915 vom ehemaligen Ministerpräfidenten (Goremvkin aebaltenen Rede. Die Regieumg stüye fich ebenso sicher auf diesen Aufruf, als das Blut d:: stolzen Völker einzig auf dem Felde_ und eimig für die heilige Sache der Verteidigung der In- tegritat des Zarenreicbxs gegen den Anschlag eines grausamen JLinddes,s idei: keine Freiheit und Eerecbtigkrit kenne, Vergoffen 91 an e .

, * Einer Meldung des „Reuterschen Bureaus“ zufolge sind am 14. d. M., als die Duma sich wieder versammelte, 70 Mitalieder des fortschrittlichen Blocks, der auch Nationalisten, Oktobristen und Kadetten einschließt, aus dem Blocke auSgetreten, weil er nicht scharf genug gegen die dikiarorischen Vollmachten Einspruch erhoben habe, die der Mmrster des Innern sich in der Lebensmittelfrage an- gemaßt hätte. Niederlande.

Die Zweite Kammer hat aestern, wie „W. T. B.“ Meldet, in der Debatte über die Verfaffungsrevision den Artikel angenommen, demzufolge Frauen in die Generalstaaten gewählt werden können. Das aktive Fraurnwahlrecht war vorgestern verworfen worden.

»- Die hoUändischen Dampfer „Rembrandt“ und „Soerakartq“ , die in Amsterdam beziehungHweiseRotterdam angekommen smd, haben ihre Post in England zurück- Lasfen müssen.

SchWedeu.

Der schwedische Gesandte in Berlin bat nach einer Meldung der „Berlingske Tidende“ von seiner Regierung den Auftrag crbalten, gegen die Aufbringung des schwedischen DampferZ „Rhea“, der in der Küstenfahrt zwischen Göte- dora und Stockholm Verkehrte, Einspruch zu erheben. Ueber die Ausbringung ist eine Untersuchung eingeleitet worden. Die Reederei des Dampfers erklärte. sie sei verhindert mitzutsilen, ob der Dampfer auf schwedischem Hoheitßgebiet aufgebracht wnrde oder nicht.

Norwegen.

Die Verhandlungen, die länger als einen Monat in England zwischen englrschen maßgebenden Persönlich- keiten und Vertretern der norwegischen Importeure imd des norwegischen Staates geführt wurden, smd 1th ab ges xhlossen. Das „Morgenbladct“ teilt mit, das; laut Auslnsxungen des Proviantierungsdirektors Pedersen Einfuhr- 1ibereinkommen abgeschlossen worden seien für Getreide, Kolonial- waren, Fettwaren und Futterstoffe; außerdem sei die Frage bezüglich der staatlichen Einfuhr geregelt. Die Uebereinkommen geltrn fiir ein Jahr vom 1. Oktober ab und seien schon in Kraft getreten; die Einfuhr finde 1th regelmäßig statt.

Türkei.

, Die Beiruter Blätter veröffentlichen eine amtliche Mit- tetlrmq des Oberkommandos der 4. Armee, wonach das Kriegs- gericht m Aleppo Hussein KemalPascha, der sick) zum Kbedwen und dann zum Sultan von Aegypten erklärt hat, in Aridetracht dessen, daß er einen Bestandteil des türkischen Kaiserretchs unter fremde Herrschaft stellte, in «011151113013111 zum Tode verurteilt hat, und daß dieses Urteil bersits dnrch Katserliches Frade bestätigt worden ist.

»“ Berichtigend wird vom „W. T. B.“ gemeldet, daf; der

neugewähltr Vizepräfident der türkischen Kammer Feizi Pascha, nicht Geizi, heißt.

Amerika.

EineDepesthe der „AffociatedPreß“ aus ElPaso in Texas meidet, daß dort aus Chihuahua die Nachricht eingegangen sei, der deutsche Konsul in Varral, EdaarKoch, seientweder getötet worden, oder er werde von den Räubern BMW in der Nähe von Santa Rosalia gefangen gehalten, um ein Lösegeld zu erpressen.

KriegSnaihrichten.

Berlin, 16. November, Abends. (W. T. B.) ' Auf nördlichem Ancre-Ufer ist Kampf bei Beaucourt im Gange. _ An siebenbürgischer Südfront erfolgreichecö Vor- dringen. Vom Balkan bisher nichts Neues.

Großes Hauptquartier, 17, November. (W. €T.23.)

Westlicher Kriegsschauplaß. HeereSgruppe Kronprinz Rupprecht.

Auf beiden Somme-Ufern kam es zu zeitweilig sehr starkem Artilleriekampf.

Gegen Abend erfolgte ein englischer Angriff bei Beaucourt, desen Vorbereitungsfeuer auch auf das südliche Ancre-Usfer übergriff. Er scheiterte ebenso wie ein Nacht- angriff wetlich von Le Sars.

Am Wege Flerö-THillou wurden durch das (Harde- (Hrenadier-Negiment Nr. 5 bei Säuberung eines Engländer- ULsteS 5 Maschinengewek1re erbeutet.

_Französische Vorstöße beiderseits von Sailly- Saillisel brachten dem Angreifer keinerlei Vorteil.

_ Am Tage und während der Nacht war die beiderseitige Fltegertätigkeit rege.

Oestlicher Kriegsschauplaß. Front des Generalseldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

9 , Die Gefechtstätigkeit zwischen Meer und Karpaihen blieb ecmg.

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Front des Generalobersten Erzherzog-Carl.« . * -

Jm Gyergyo-Gebirge. auf den en östlich des Putna-Tales, leistet der Russe unseren anriffen zähen Widerstand.

An der Grenze östlich von Kezdivafarbel wurde von dem oft bewährten bayerischen Reserve*-In anterie- regimentNr.19 der Gipfel des Nuncul Mr. im Sturm genommen und gegen starke Mngiriffe behauptet.

Westlich der Predeal-Straße brachen deutche und österreichisch-ungarische Truppen in die rumänische Ste ung ein.-

Die unter dem Befehl des Generalleutnants Krafft vom Delnensingen südlich des Roten Turm- Pas ses vordringenden Truppen konnten als Er- gebnis ihrer gestrigen Kämpfe wieder 10 Offi iere und über 1500 Mann als Gefangene zurückfTIhren. An anderen SteUen der siebenbürgischen Front wurden außerdem über 650 Rumänen gefangen und 12 Maschinengewehre erbeutet. Nach Meldung der Truppen beteiligt sich die rumänische Bevölkerung

am Kampf. Valk an-Krie gsschauplaß.

HeereSJruppe des Generalseldmarschalls von Mackensen.

Bei Silistria lebhafteres Artilleriefeuer als in drn

Vorlagen. Mazedonische Front.

Zwischen Malik- und PresPa-See, am Westrand der Ebene von Monastir und an den Höhen nordöstlich vom Cege! (im Cerna-Bogen) sind neue starke Angriffe der. Entente-Truppen zurückgewiesen worden.

Der Erste Generalquartiermeifter. Ludendorff.

Berlin, 16.Nooember. (W. T. B.“) Am 15. November Morgens warfen feindliche Flugzeuge Bomben auf die Häfen von Brügge und Ostende. An den Fahrzeugen und Anlagen der Marine wurde kein Schaden angerichtet.

Oestérreichisch-ungarischer Bericht. Wien, 16. November. (W. T. V.) Amtlich wird gemeldet:

Oestlicher Kriegsschauplay. Heeresfront Erzherzog Carl.

_ Die Kämpfe beiderseits des Schyl und des Olt- (Alt-) Flusses schreiten günstig vorwärts. Es wurden über 1200 Gefangene eingebracht.

Nördlich von Campolung und bei Sooömezö wehrten wir starke rumänische Angriffe ab. Nördlich von Sulta unternahmen österreichisch-ungarische Abteilungen eine Erkundung auf den Monte Alanis. Südöstlich von Tölayes blieben russische Angriffe erfolglos. Auf den Höhen von Mestekanesti Vorpostengefechte.

Heeresfroni des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

Bei den österreichlsch-ungarischen Truppen keine Kampf- handlungen von Belang.

Italienischer Kriegsschauplav.

Dic gestern gxmeldete Unternehmung östlich von Görz fortseyend, eroberten unsere Truppen wieder einen feindlichen Graben, nahmen 60 Italiener gefangen und erbeuteten 2 Maschinengewehre.

Eines unserer Flugzeuggeschwader belegte die militärischen Anlagen bei der Station Per La Carnia au§giebig mit

Bomben. Südöstlich er Krieg Sschauplaß. Keine besonderen Ereignisse. Der Sterertreter des Chefs des Generalstabes. :) o n H o e fe r , Feldmarschalleutnant.

Bulgarischer Bericht.

Sofia, 16. November. (W. T. B.) Amtlicher Bericht. Mazedonische Front. In der Ebene von Monastir (Vitalia) rückte der Feind gestern nach vergeblichen Angriffen mit schwachen Infanterieabteilungen vor, die ailein durch Feuer zurückgeschlagen wurden. Im Cernabogen dauerte der Heftige Kampf den ganzen Tag über im. Durch Gegenangriff warfen wir den (Gegner, der sich vorübergehend der Höhe 1212 nördlich des Dorfes Tscheghel zu bemächtigen vermacht hatte, zuriick. An der Moglenafront wicsrn wir schwache feind- liche Angriffe ab. Auf beiden Seiten des Wardar schwache Artillerietätigkeit. Zwei Versuche des “Feindes, unsere vor- geschobene Steüung südwestlich von Do iran anzugreifen, scheiterten. Am Fuße der Belasica Planina und an der Strumafront das gewöhnliche Geschützfeuer.

An der Küste des Aegäischen Meeres Ruhe.

Von der rumänischen Front ist nichts von Bedeutung zu melden.

“Türkischer Bericht,

Konstantinopel, 15. November. (W. T. B.) Amt- licher Heeerbericht vom 15. November.

Unsere Flieger haben mit Erfolg Bomben auf Ge- bäude der Eisenbahn von Kairo geworfen. Nichts von Be- deutung von den iibrigen Franken.

Der Krieg zur See.

Kopenhagen, 16. November. (W.T. B.) Der Kapitän des dänischen Dampfers „Ragnar“ hat seiner Reederei aus Vigo drahtlich gemeldet, daß der Dampfer am 11. No- vember 100 Seemeilen nördlich Finisterre von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden sei. Die Besaßung sei gerettet und in Vigo gelandet. Dcr Dampfer war mit einer Kohlen- ladung von Cardiff nach MarseiÜe unterwegs.

Kristiania, 16. November. (Meldung des Norwegischen Telegrammbureaus.) Der norwegis e Vizekonsul in Havre meldet dem Minister des Aeußern, da der Dampfer „Ull- vang“ aus Haugesund am 14. November versenkt worden

ist. Die Besaßung ist in Rettungsbooten in Havre angekommen. 11

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Amsterdam, 16.November. (W.T.V.) DerDam fer ;.Midsland“, von Rotierdam nacb-Lonvou wurde von enem

Unterseeboot nach Zeebrügge aufgebra t.

London, 16. November. (W. T. B.) Lloyds melden: Der spanische Dampfer „Oiz Mendi“ isi .dersenkt worden; die Bemannung ist gelandet worden. Ferner sind der grie- chische Dampfer „Barbara“ (2381Tonnen) und der nor- wegische Dampfer „Lekken“ versenkt worden.

Bern, 16. November. (W.T.B.) Das,.Echo de Paris“ meldet aus Coruüa: Der Dampfer „Leo 18111.“ traf auf dem Meer den verlassenen brennenden norwegischen Dampfer „_Gauma“ an, der alsbald sank. Das Schichsal der Besaßung ijt unbekannt.

Bern“, 16. November. W.T.B.) Der „Petit Puristen“ meldet, daß die Goelette t. Nicolas“ versenkt worden ist; die Besaßung ist in Fécamp gelandet.

Yarlamentsbericht.')

Preußischer Landtag. Haus der Abgeordneten. ZZ. Sißung vom 16. November 1916, Nachmittags 2 Uhr.

Am Regierungstische: die Staatsminister Freiherr von '

Schorlemer und von Loebell.

Präfident Dr. Graf von Schwerin eröffnet die Sißimg um 21/4 Uhr mit folgender Ansprache:

Meme Herren, wteder treten wir nach einer mehrmonatigen Urterbrechung unserer Beratungen zu einer neuen Tagung zusammen, und noch immer, nach mehr axs zwei Jahren, wbt um uns bet der furchtbare Weltkrieg, in dcn wir tro aner Friedensliebe getrieben wurden. Abermals bat sicb in diesen * onaten unserer Vertagung zu unseren alten Feinden ein neuer der zehnte, gesellt, ist ein mehr als dreißigjähriger Vcrdündeter der unerschöpflichen Bestechungs- und Erpreffuvgskunst der Enieniemäcbte erlegen. Aber wobl schnelier noch als Italien wird Rumänien das Strafgericht er- eilen und wird dieses Volk den fchamlos perfiden Trcubrucb zu be- rruen haben, mit dem es seine ganze naiionaie Unadbäuaigkeit aufs Spiel seßte, um sich norb an der Bcraubung der vermeintlick) unterliegenden Zentraxmächte mltbeteiligen zu können. Mit der Aus- wenduu ?eradezu ungeheuerlickper, immer neuer Kriegömütel haben unsere : nde unsere Fronten im Wrsten, Osten und Süden zu durchbrechen Versucht. Aber alle diese Anläufe find restlos an der beispiellos beloenmütigen Tavferkeit unserer bert- licben Truppen gescheitert (allseitiger Beifall), wofür ihnen die unvergänglicbe Dankbarkeit des Vaterlandes aebubrt. ,Bombenfest', wie Hindenburg sagt, stehen auch heute noch Unsere Fronten im Westen wie im Osten, und bombenfest werden fie bleiben, mögen die Feinde lbr nuyloses Bluwergießen sortießen, solange sie wollen. (Beifall.) Immer größ-re Opfer fordert auch der Wirt- schajtskampf von unserem Bow, Opfer nicht nur an Einschrankunaen und Entbehrungen, sondern aus!; der äußersten Anspannung aller Krafte zur Ueberwindung der unserem vollen Siege noch eut- gegenstebenden Schwierigkeiten. Aber auch diese Opfer werden mit einem, wenn auch stilleren, so korb rJicbt minder großen und schönen Heldentum als die Blutopter unserer Helden an der Front von unserem ganzen Volke getragen und weiter getragen

werden. (AÜseitigrr Beifall.) Wenn im Vergangenen Iabre unier .

Durchkommen durch eine besonders ungünstige Ernte bedroht erschien, so ist in diesem Jahre die Vorratsversorgung unserer Feinde durcb elrien gewaltigen Rückgang der ganzen Weltproduktion jedenfalls starker bedroht a's die uuserige. Fehlt doch, selbst nach englischen Berechnungen, "hon heute an dem zur Versorgung der Entenremäebxe erforderlichen Getreide auf dem Weltmarkt mehr als ein Drittel, und auch die verbleibendkn zwei Drittel ihres Bedarfs bereinxubringen, wird der Entente hoffentlich Von unseren C-Bootkn recht sauer ge- macht werden. (Al]selüger lebhafter Beifall.) So haben wir denn in keiner Hinsicht auch nur den geringsten Anlaß, uns in der xssjen Zu- verficbt unseres endlichen vouen Stegrs auch nur im mindesten er- schüitern zu lassen. (Beifall.) Und 10, hoffe ick), werden auch unsere Verhandlungen, die Verhandlungen des preußisckoen Abgeordneten- hauses, wieder ganz von dieser festen Zuvetficbr und von dem un- erichütterl1chen Willen zum Siege getragen 1ein, der ja ottlob noch heute wie am ersten Kriegstage unser antes Volk bis an den ießten Mann erfüllt. (Al]seitiger lebhafter Ärtfaü.) - Damit treten wir ein in unsere neue Tagung.

In der Zeit seit der Vertagung sind verstorben die Abgg. Pießker (Fortschr. VolkSp.) am 11. Juli, Graf von Wilamowiß-Möüendorff (fans,) am 19, Juli in Teheran, Dumrath (ni.), als Oberleutnant am 28. Juli gefallen, Dr. Schroch (freikonf.) am 4. September, Graf Harrach (kauf.) am 5. September. Der Präsident widmet insbesondere dem Grafen von Wilamomi :Möllendorff und dem auf dem ,elde der Ehre gefallenen A „g. Dumrath ehrende Worte des ach- rufs; das Haus hat s1ch zu Ehren des Andenkens der .Vsr- storbenen von den Pläßen erhoben.

Der Abg. Dr. von Campe (nl,) irt infolge seiner. Er- nennung zum Landgericht5präfidenten in Stade aus ,dem Hause UUSMTMLDM, inzwischen aber in seinem Wahlkreise wreder- gewählt worden.

Auf der TageSordnung steht lediglich die erste Beratung des Geseßentwurfs, betreffend Abänderung des Artikels 85 der Verfassungßurkunde, und des Ge- seßentwurfs, betreffend die Gewährung einer Ent- schädigung an die Mitglieder des Hauses der Ab- geordneten.

Die ersten Lesungen beider Geseßentwürfe werden auf Vorschlag des Präsidenten verbunden.

Abg. Freiherr von Zedliß und Neukirch (freikons.): Ein Teil meiner Freunde wird die Vorlage ablehnen; alle aber sind der Meinung, da es zwsckmäßig ist, sie debattelos sofort an eine Kom- mission zu überweisen. Ich beantrage demgemäß die Ueberweisung beider Vorlagen an eine Kommisfion von 28 Mijgliedern.

Abg. Dr. Porsch (Zentr.) schließt sicb diesem Antrag: an.

Abg. Dr. von Hevdebrand und der Lase(kons.):W1rs1nd in der Sache selbst geteilter Meinung, wollen aber den Wünschen, die Vorlagen sofort der Kommisstonsbetatung zu überweisen, nicbt widersprechen.

Damit schließt die erste Beratung der beiden Geseß- entwiirfe.

Die Vorlagen werden einer Kommission von 28 Mitglie- dern überwiesen.

Schluß der Sißung nach 21,72 Ui)r. Nächste Sivung Freitag, 8 Uhr. (Kleinere Vorlagen, Beratung des noch zu erwartenden Antrages aUer Parteien, betreffend Gewährung von Teuerungßzulagen für Beamte usw.)

*) Ohne Gewähr.

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