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Nichtamtliches.
Sizung des Preußischen Staatsrats. Der Preußische Staatsrat hielt am Dienstag, den 17. Ja- e Sigung im neuen Jahre ab. Die Rund- des Justizministers über Vereinfachun dex Aufsichtsbeshwerden vom 31. Okto in Strafsachen
nuar, seine erste verfügungen Behandlung wer und über Einschränkung der Berichterstaitung vom 18. Oktober 1932 wurden entsprechend dem Borsch ag des Verfassungsausschusses durch Kenntnisnahme für Die weiteren auf der Tagesordnung Punkte wurden abgeseßt, da die Aus\schüsse mii der Vor- beratung nicht fertig geworden sind. Die nächste Sitzung des Staatsrats 13 Uhr, statt. Auf der Tagesordnung Un ersten Tagungsabschnit Beratung Über die neue un Staatsvats, Ausführungsvorschrist e Straffreiheit und Wahl der Ständigen Aus\chü Voraussichtlih dürfte das Präsidium des dex bisherigen Zusammensezung wiedergewählt werden.
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indet am Mittwoch, ; wle alljährlih orstandes, ferner dex Geschäft8ordnung des ten zum Reichsgesey über
1 E tôrats in
Wahl des
Preußischer Landtag.
29. SigungvomDienstag, 17. Januar 1933, 15,15 Uh x.
(Bericht d Nachrichtenbüros d. Vereins deutscher Keitungsverleger.)
Nach der Weihnachtspause hält der Preußishe Landtag am Dienstag seine erste Vollsizung im neuen Fahr ab.
Bei Situngsbeginn bringt Abg. Dr. Korinteuberg (Zentr.) einen Antrag seiner Fraktion ein, der die Einsegung eines 15 Mitgliedern ver- d Feststellung: 1. welche Zechen seit 1925 stillgelegt worden sind, aus welhen Gründen diese Stillegungen erfolgt sind und wieviel Arbeiter und Angestellte durch diese Stillegungen zur Entlassung gekommen sind; 2. wie sih die stillgelegten Betriebe auf jtaatlihe und private Unter- nehmungen verteilen und wie hoch die Zahl der entlassenen Be- | den jeweils stillgelegten Nebvenbetrieben gewesen ist; 3. welche Zechen dur e! tragung, Betriebskonzentration oder sonstige Maßnahmen ftill- ; 4, welhe Gemeinden von der Stillegung hauptsächlih betroffen worden sind, in welhem Maße dies ge- schehen ist, insbesondere wie hoh der Prozentsay dex Bevölkerung 1st, welche infolge der Zechenstillegungen in den einzelnen Ge- meinden aus öffentlihen Mitteln unterstüßi werden muß. — Weiter legt der Redner einen Antrag seiner Freunde vor, der das Staatsministerium ersucht, sih mit größtem Nachdruck dafür Einschränkung oder stilklegung der Zeche Neumühl im Duisburg-Hamborner Re- vier unterbleibt, — Der Redner beantragt, daß über die Ein- des Untersuhungsausschusses sofort entschieden werde, während sein zweiter Antrag ohne Aussprache an den Handels- ausschuß gehen soll, der ihn heute noh erledigen könne.
Abg. Pieck (Komm.) hat gegen die Zentrumsanträge nichts elnzuwenden, meint nur, das Zentrum trage einen erheblichen Teil der Schuld an jener Politik, die zu den Zechenstillegungen geführt habe. des Antrags über die Einsezung eines Unt Dieser Antrag müs beraten werden.
Nach nochmaligen Ausfü (Zentr.) stellt Präsident Kerr den Untersuhungsausschuß bis der Mitglieder des Hauses ges deutshnationale Widerfpruch g Untersuchungsaus\huß heute
Der zweite Handelsausshu
Auf, Antrag der [laden (Komm.) und Anträge ohne Aussprache in d Stellung nehmen gegen weite __ Auf Antrag des Ab ein nationalsozialistische ich gegen den Plan wendet, aus te Kulturbaubehörden zu entfern
Zentrumsanträge über den Bau einer Wasserstraße für das Aachener Wirtschaftsgebiet, über die jure weiteren Stillegung von Schachtanlagen des Konzerns Rhein- preußen, über die Aufnahme von Wasserbauprojekten in Ober- IR Ostpreußen in das Arbeitsbeschaffungsprogcramm sowie über die Aufnahme der Schiffbarmahung von Mosel und Saar in das Arbeitsbeschaffungsprogramm werden ohne Aussprache den zuständigen Ausschüssen
Es folgt die Beratung eines kommunistishen Antrags auf ung eines Untersuchungsausschusses isung der Zustände in den von den Fürsorgebehörden und Landesjugendämtern zur Unterbringung von Minder- jährigen benuzten Anstalten.
___ Abg. Schwenk (Komm.) begründet den Antrag, der sih u. a. bezieht auf die Vorgänge in der Fürsorgeerziehungsanstalt Scheuen und im Erziehungsheim Schloß Dehrn vei Limburg a. d. Brandmarkung deer Mißhandlungen Jugendlicher in den Anstalten habe die unerhörten Zustände nicht e Auch Anstalten, die unter dec Obhut der Kirchen ständen, bildeten keine -Ausnahme. lih einmal der gesamte Fürsorgeerziehungsskandal in- i Das preußische „Fü dringend der Durchleuchtung în einem
_JIn der Besprechung des Antrags erklärt Abg. Frau Wachen- Die Schuldigen im Falle Dehen sind bereits zur ir sind daher der Meinung,
Untersuhungsausschusses vou
langt zur Prüfung un
legschaftsmitglieder : Quotenüber-
gelegt worden sind;
Rer LS aun UNE VÄ AIE IF a Uo a Beten KRE A E GH AU pe AET _
einzusetzen,
ie Einsezung eines ausschusse-. le erst im Geschäftsordnungsausshuß durh-
citta: anc
rungen des Abg. Dr. Korintenberg fest, daß der Zentrumsantrag über her noh niht von einem Fünftel tellt sei und daß infolgedessen der enUge, um zu verhindern, daß der noh etngeseßt werden könne.
Zentrumsantrag geht ohne Aussprache an den
Abgg. Schmidt-Bohum (Komm.), Haus- (Komm.) werden kommunistische ie Ausschüsse verwiesen, die u. a. re Zechenstillegungspläne.
g. Hinkler (Nat. Soz.) geht debattelos an den Hauptausshuß, der x Grenzstadt (Frankfurt/Oder
beseitigen können. I erörtert werden. uhthaus“ bedürfe ntersuhungsausschuß.
heim (Soz.): Verantwortung gezogen worden. daß der Fall Dehrn einen Anlaß zur Einseßung eines Unter- uchungsausschusses niht mehr gibt. Ur vorteilha\t für das Fürsorgewesen, wenn man Zöglinge und Erzieher vor einen Landtagsauss{Guß lädt, Kommunisten.) Die sozialdemokratishe Fraktion wird aber der
des Ausshusses niht n idersprechen. 1, daß das Ergebnis der
Wir halten es auh nicht
À
(Uncuhe bei den
Wir werden O ebnis Arbeit des Ausschusses ver- jt, joweit ein vernünftiges Ergebnis. bei dec Zusammen- hung dieses Hauses möglich erscheint. ationalsozialisten: „Jüdische Frechheit! __ Abg. Fischer (Komm.) beschä ständen in den „Fürsorgehöllen“. ch am 31. März 1931 im Reich 78632 Minderjäh orge befunden, davon 50 522 allein in Preußen, Wie die linge behandelt würden, ergebe sich aus der wachsenden Selbst- mordhäufigkeit in den Anstalten.
(Lärm und Rufe bei den Unerhört !“)
ftigt sich ausführlih mit den Zu-
Nach amtlicher Statistik hätten
rige in Für-
Allerdings habe ja Papen als
Neichs- und Staatsauzeiger Nr. 15 vom 18. Januar 1933. S. 2.
‘
Reichskanzler ausdrücklich exklärt, das Bestimmungsrecht der Er- iehungsberehtigten ende, wo die Jnteressen deé Staates ein- pen Die Kommunisten riefen die Jungarbeiter innerhalb und außerhalb der Anstalten auf, sich dem außerpa-lamentarischen Kampf der Kommunisten gegen das auh von den Nationalsogzia- listen unterstüßte kapitalistishe Ausbeutersystem . anzuschließen. (Beifall bei den Kommunisten.)
Die Abstimmung über die Mitgliederzahl des Unter- fuhungsausschusses exsolgt am Mittwoch.
Dann wird über den Jnitiativgeseßentwurf der Sozial- demokratien und über die Regierungsvorlagè verhandelt, wo- nah die Frist für die Erhaltung des Baum- bestandes und die Freigabe von Uferwegen im Futeresse dex Volksgesundheit verlängert werden soll. Die. Regierungs- vorlage will die Schußfrist für die Erhaltung des Baum- bestandes und der Uferwege um fünf Fahre verlängern, während die Sozialdemokraten eine Verlängerung um zehn Jahre beantragen.
Abg. Parchmann (Nat. Soz.) betont die Bedeutung dex Er-
ltung der Baumbestände und Grünlandiläcen im xFnteresse der Volk3gesundheit und der städtischen Bevò terung, Die National-
zialisten stimmten daher einer Verlängerung der Schußfrist um ünf Jahre zu, verlangten aber, daß über diese wihtige Materie im [Guk noch beraten werde, wohin die Entwürfe zu überweisen seien.
Abg. Leinert (Soz.) vertritt die Forderung seinex Fraktion auf eine zehnjährige Verlängerung der Schuysrist Und verlangt, daß die Entwürfe niht im Forstauéshuß, sondern im Gemeinde- ausshuß vorberaten werden, weil es sh bei dem Ganzen um wesentliche kommunale Futeressen handelt.
Abg. Schwenk (Komm) meint, die beiden seien jüngeren Datums, während die Kommunisten {hon vor langer Zeit ihre Forderungen auf diesem Gebiet echoben hätten. besondexe beantragten die Kommunisten, daß den fortgeseßten Parzelliecungen und Abholzungen in dec bewaldeten Umgebung Berlins, wie der Köpeniter Dammforst usw., ein Ende gemacht würde. Siedlungsgelegenheiten gebe es ohnedies genug. Die Materie müsse aber beschleunigt verhandelt werden, sonst stehe der Landtag vor vollendeten Tatsachen.
Die Geseßentwürfe und Anträge werden dem Forst- ausshuß überwiesen:
Bei Verhandlung eines vom Hauptaus\{uß zur Annahme empfohlenen nationalsozialistishen Antrags, der die Regierung ersucht, das Stadttheater Tilsit aus grenzpolitischen Gründen so zu unterstüyen, daß eine Schließung des Theaters vermieden werde, erklärt
Abg. Kerff (Komm.), seine Freunde würden für den Antrag in dieser 4 sung niht stimmen können. Selbstverständlih träten sie dafür ein, e das Tilsiter Theater erhalten bleibe, soweit es die örtlihen Möglichkeiten erlaubten. Die Hervor- kfehrung des grenzpolitishen Charakters des Tilsiter Theaters machten die Kommunisten aber niht mit. Wenn man Mittel für die östlihen Grenzgebiete habe, solle man sie den Arbeitern zu- gute kommen lassen, :
Damit schließt die Aussprache. Die Abstimmung findet am Mitiwoch statt.
Dann werden Anträge des Landwirtschaftsausschusses be- raten, die, zurückgehend auf kommunistische Uranträge, Maß- nahmen verlangen zugunsten der kleineren Bauern und Pächter im Großen MoosbLu ch (Ostpreußen). …...Abg. Rau (Komm.) erkennt an, daß der Afb zugestimmt habe. Der Ausshuß habe aber den kommünistischen Antrag A der eine der hohen Pachtabgaben der Moosbruchpächter verlangte. clot die Nationalsozialisten, die den Pächtern im Wahlkampf versprochen hätten, für die Pachtermäßigung zu kämpfen, lehnten jeßt dahinzielende An- träge der Kommunisten ab. (Abg. Hinklex [Nat. Soz.] ruft dem Redner zu: „Das ist Schwindel!“ und wird dafür vom Präsidenten Kerrl zur Ordnung gerufen.)
Auch über diese Anträge wird exst morgen abgestimmt.
Bei Beratung eines auf einen nationalsozialistishen An- trag zurücgehenden Antrages des Landwirtschaftsausschusses, der sich für die Fnteressen der Shwalm-Bauern (im Bezirk Düsseldorf) einset, führt
Abg. Fränken-Rheydt E aus, die Nationalsozialisten
ätten einen alten kommunistishen Antrag zugunsten der Schwalm-Bauern abgeschrieben und hätten dann dafüx geforgt, daß der fonimunistishe Antrag selbst im Ausshuß abgelehnt werde zugunsten des nationalsozialistishen. Der Redner bringt den An- trag seiner Fraktion wieder ein, der weitergehe als der nationalsozialistishe. Jm weiteren Verlauf seiner Ausführungen
meint der Redner, als nationalsozialistishe Zurufe ihn unter--
brechen, die Nationalsozialisten wagten es niht, in die kommus- nistischen Versammlungen der Shwalm-Bauern zu gehen. Als ex inzuseßt, „Ein feigeres Gesindel, als Jhr seid, gibt es ja nicht mehr!“ kommen Entrüstungsrufe von den Nationalsozialisten. Zahlreiche nationalsozialistishe Abgeordnete gehen laut en,
egen das Rednerpult vor. Von der anderen Seite kommen eine 2 nas omumnnistiskez Faltionsmitalicder. b Ein FC ADI sozialist verseßt dem Abg. Fränken- t mehrere Faustschläge A die Brust. Dann gelingt es Mit liedern dec N. S. D. A, R und dex Kommunisten, die streitenden Präsident Kerri, der während der Prügelszene sorigesebt die Glocke shwingt, den Abg. Fränken-Rheydt wegen seiner Vemerkung gegen die Nationalsozialisten aus dem Saal weist und weitere Geschästs- ordnungsbemerkungen daran knüpfen will, stimmen die Natio- nälsozialisten das Horst-Wessel-Lied an. Präsident Kerxl verläßt darauf seinen Sihß, womit die Verhandlung unter- brochen ist.
Während dex Unterbrehung beenden die National- sozialisten ihren Gesang. Die lebte Strophe singen sie mit zum Faschistengruß erhobenen Händen. ie schließen mit einem- Heil-Ruf auf Adolf Hitler.
Als nach etwa einer Viertelstunde Präsident Kerrl die Sivun wieder eröffnet, ist die Ruhe im Sizungssaal wieder
öllig Der Prâsident schließt den A Fränken-
Rheydt (Komm.) von der weiteren Teilnahme an dex Sißung aus wegen seiner gegen die Nationalsozialisten gerihteten Be- \himpfung; zugleich {ließt der Präsident den Abg. Blei Met Soz.) aus, der die Faustschläge gegen Fränken geführt atte.
Die Abstimmung über den Antrag zugunsten der Schwalm-Bauern erfolgt am Mittwoch.
Gleichfakls morgen wird über einen fommunistischen An- trag entschieden, der sih mit der Errichtung einer Pasteuxi- iecungsanlage in dec Molkerei in Randow in Pommern
schäftigt und dessen Ablehnung der Aus\huß beantragt.
, Abg. Kerfs (Komm.) meinte, daß die Ablehnung dieses kom- munlilishen Antrags einem Betruge an der Bauecnschast gleich- omme.
Gegen 17/4 VHx vertagt sih das Haus auf Mittwoch 12 Uhr: Aussprache über Schulfragen und Abstimmungen.
rteien zu trennen. Als |
Parlamentarische Nachrichten.
Aenderungen im Mitgliederbestand des Reichstags.
Beim Reichstagsbüro ist jezt die Mitteilung von der Mandats- niederlegung des Abg. Stegmann (Nat. Soz.) eingegangen. Abg, Stegmann hatie im Zusammenhang mit Vorkommnissen in dex mittelsränkishen SA. in einer Besprehung mit Adolf Hitler unter Beibehaltung seiner Mitaliedichait bei der NSDAP. von selbst das Reichstagsmandat zur Verfügung gestellt. Sein Nachfolger ist noh niht benannt worden; listenmäßig käme Steuersekretär A pplex - Gunzenhausen in Frage. :
Für den versiorbenen volksparteilihen Reichstag8abgeordneten Dr. Schneider, der Spivenkandidat im Wahlkreis iar, zieht Rehtsanwalt Höhne-Dresdén in den Reichstag ein.
Für den gleichfalls durch Tod aus8geschiedenen Abg. Loibl (Bayer. Vp.) wird voraussichtlih Stadtrat Adlhoch nahrücken, der schon früher dem Reichstag angehört hat.
Haushaltsausschuß des Reichstags. Siyung vom 17. Januar.
Jm Ausshuß wurde am Dienstag, den 17. Januar, die finanz- und wirtschaftspolitishe Aussprache fortgesetzt.
Abg. Dr. Hilserding (Soz.) befaßte sih im einzelnen mit den Ausführungen des Reichswirtshafts- und des Reichsfinanz- ministers. Er vermißte Zusagen bezüglih der baldigen Borlage des Etats. Angesichts der labilen Wirtschaftsverhältnisse werde es in dex nächsten Zeit auf eine internationale Wirt- shaftspolitik ankommen. Hier vermisse er Ausführungen des Ministers über die Agrarkrise. Er untersuchte die Agrar- krise und die Methoden zu ihrer Behebung. Das bisherige System der Zollerhöhungen, Subventionen und des Protektionismus sei auf die Dauer nicht aufrechtzuerhalten und führe auh nicht den erpossien Erfolg herbei. Troy der geringen Ein- fuhr an Lebensmitteln sinken die Preise der inländishen Produkte immer weiter wegen der geringeu der Konsumenten und andererseits wegen der planmäßig herbeigeführten Ueberproduktion an Getreide und Futtermitteln. Es sei ein Wahnsinn, die städtischen und die bäuerlihen Bevölkerungskreise gegeneinander aufzuhegen, da nur eine steigende Kaufkraft zu einer Rentabilität der Ver- edelungswictschaft führen könne. Wenn die Mittel, die zu Zweden der Getreidestüßung nuglos ausgegeben werden, verwendet werden würden, um den Erwerbslosen das Fleish zu verbilligen, würde eine wesentlihe Hebung der Rentabilität -der Veredelungswirt- shaft herbeigeführt werden. E A
Die Maßnahmen, die die Regierung Brüning zur Preisüber- wachung auf unser Verlangen seinerzeit eingeführt Hatte, hatten auf dem Lebensmittelmarkt gewisse Erfolge erzielt. Damals habe die Brotpreisentwicklung in einem gewissen Verhältnis zur Ent- wicklung der Getreidepreise gestanden. Sinnlos sei es auh, daß das Reichsernährungsministerium die beiden vom Reich bzw. von der Preußenkasse eingerihteten Marktforshungsstellen auflöse und plane, die Marktforshungsstelle als Annex an den Landwirtschaftsrat anzugliedern, wodurh die Forshungsstelle, die unabhängig jein müsse, den überlassen werde. Auf der anderen Seite sei in bezug auf die Lage der Landwirtschaft eine Besserung insofern eingetreten, als die Hi nsenla st stark vermindert worden sei. Diese sei von 1005 Millionen im Fahre 1931/32 auf gegenwärtig 630 Millionen en und werde in diesem Jahre noh weiter auf 580 Millionen ge rückt werden. Die Verschuldung erfordere also im Durschnitt 5 vH gegenüber 4,3 vH in der Vorkriegszeit. Diese Zinslast beträgt 8 vH des Ver- faufserlöses der Landwirtschaft von 7 Milliarden, während im Vorjahr noch 14 vH des Verkaufserlöses für die Zinsen beansprucht wurden. Auch dieses Verhältnis sei niht mehr viel ungünstiger als in der Vorkriegszeit. Redner ging dann noh auf die Welt- wlLUshufiotvnfereung, Vle er Jux notwendig hielt, sowie anf die Stillhaltefragen ein. Die Frage der Rückzahlung der ausländischen privaten Kredite sei eine Angelegenheit dex gésamten deutschen Wirtschaft, aussließlih der deutschen Arbeiterschaft. Ein so eigen- mächtiges Eingreifen, wie das der Herren Hugenberg und Quaag, die nihts anderes als eine weitgehende Kapitalabwertung aus péigenem Recht“ anstrebten, shädige den deutshen Kredit im Aus- and, den die deutsche Wirtschaft bei der Wiederherstellung dringend brauche. Dieses Moment müsse man sich vor Augen hallen, wenn man auch als Sozialdemokrat prinzipiell keine Veranlassung habe,
egen eine Streichung der" privaten Auslandsschulden kapitalistische Rechtsgesichtspunkte geltend zu machen. Die der Zinsen sei niht so brennend, denn, wenn man die Banken- provisionen abziehe, dann komme man zu einem von etwas Uber 44 %. Natürlih müsse Vorsorge getroffen werden, daß nicht plôßlih neue Kapitalabzüge ins Ausland stattfänden.
Die Regierung jollie sih namentlich, wenn sie sih autoritär nenne, von Quertreibereien der Großagrarier beim Herrn Reichs- präsidenten niht beeinflussen lassen. Was jeut wieder vom Land- bund erfolgt sei, sei nihts weiter als eine klassenmäßige Sabotage der Großgrundbesißer gegen die Siedlung. Jeder Minister, der eine vernünftige Siedlungspolitik habe treiben wollen, wie 3. B. Sehlange-Schöningen, sei von den Großagrariern gestürzt worden. Eine Ausdehnung des Vollstreckungsshußes auf das
anze Reichsgebiet shädige nur die Landwirtschaft selbst, da die tarken Besserungserscheinungen, die sih auf dem Gebiete des land- wirtschaftlichen Kredits bemerkbar machten, dadurch zerschlagen werden würden. Fn dem Moment, wo England alle Anstrengungen madhe, zu einem Sterlingblock einen großen Handelsblock zu schaffen, sollte sich Deutschland von einer Handelspolitik abkehren, durch die es in den Ländern, wo wir noh ein Aktioum an Außenhandel aufweisen könnten, ins Hintertreffen gerate und durch die die Hasen nuc in Englands Küche getrieben werden.
Abg. Dr. Neubauer (Ee Ne Hilferding hat Sorgen und Vor- behalte gegen die Regierung vorgebracht, aber keine grundsäßliche Ablehnung. Er hat gesprochen wie die „D. A. ZZ.“ oder wie die „Köl- nische Zeitung“ schreibt oder wie etwa die Deutshe Volkspartei im Kreise der Minister spriht. Hilferding hat gesagt, er . habe kein Fnteresse daran, die psychologischen Wirkungen des Regierunas- optimismus abzushwächen. Die Kommunisten nehmen eine völlig andere Stellung ein. Man muß dem Volke die Wahrheit sagen, solhe Jllusionen, wie sie amtlihe und nihtamtlihe Stellen künst- lih erzeugen, rächen si; denn sie müssen zerplagen. Der Redner polemisier! scharf gegen die tendenziós gefärbten Konjunktur-
erihte Wagemanns und des Jnstituts für Konjunkturforshung,
die je nah den jeweiligen Bedürfnissen der amtierenden Regie- rungen eingestellt seien. Abg, Neubauer unterscheidet zwischen struktureller und konjunktureller Krise des Kapitalismus. Man kann den Charakter der gegenwärtigen Krise und ihren Verlauf niht erkennen, wenn man nict sieht, wie der Konjunkturablauf in der gegenwärtigen Krise dadurch beeinflußt wird, däß die konjunkturelle Krise. auf dem Boden einer strukturellen Krise sih entwickelt. Aus der strukturellen Krise, die die eigentliche System- krise des Kavitalismus ist, findet die Bourgeoisie keinen Ausweg. Hilferdings Theorie vom „organisierten Kavitalismus“, als einen Ausweg aus der Krise des kapitalistishen Shstems, ist vollständig zusammengebrohen. Die „Planwirtschaft“, Exverimente des „Tat“-Kreises, sind ebensowenig ein Ausweg. Der japanische Jmperialismus hat einen dritten Ausweg aus der Krise versucht, den Krieg in Ostasien; aber schon jezt kann gesagt werden, daß auch der imperialistishe Krieg kein Ausweg ist.
Abg. Neubauer betrachtet die konjunkturelle Lage in den ver- schiedenen kapitalistishen Ländern und besonders in Deutschland. Er hält den Minister die Vorratsstatistiken vor und fragt, ob angesihts diesex ungeheuren Vorräte der Minister eine Ueber- windung der Krise zu hoffen wage. Die Preisentwicklung für 1932 zeigt, daß eine große Reihe Warenpreise seit Mitte des Jahres weiter abgesunken sind. Der internationale Währungs- und
andelskrieg wickt niht in der Richtung einer Krisenüberwindung, ondern einer Krifenvershärfung. Abg. Neubauer weist auf die
Neichs- und Staatsauzeiger Nr. 15 vom 18, Januar 1933.
Jatastcophale Lage der Millionen Bauernwirtschasten hin und fragt en Minister, ob er angesichts dieser Lage auf eine wirtschaftliche eferung a hoffen wage. Er kritisiert aufs Schärsste die Agrar-
Und Handelspolitik der Regierung. Das Schrumpfen des Außen-
hanpels sei ein sehr ernster Gefahrenpunkt, Der Redner nennt eine nzahl weiterer E die prekäre Lage gewisser Trusts
und Konzerne, die „faulen Sanierungen“, die Pole ver Reichs- bank und hebt die engen Zusammenhänge zwishen Wirtschaft und olitisher A hervor. Gegenwär ig ei der Zustand der deut- en- Wirtschaft so, daß neue Einbrüche der Krise erfolgten und neue uspigungen der Lage bewirken könnten. Das deutsche
Volk über diese Lage zu täuschen, sei ein Verbrehen. Dex Redner
verliesi zum Schlu ein gedrucktes Rundschreiben der sozial-
demokratischen e MIN toa rv die die Methode des
Conéismus für die Beruhigung und Täushung der Massen
empfehlen.
Abg. Dr. Wifsell (Soz.) die Lage der Sozialver- [i cherung und betont 1nsbejondere, daß die Leistungsverminde-
ung bei den Krankenkassen um 42 vH gegenüber 1929 sih auf den des Volkes noh katastrophal auswirken werde,
Dringend warnen müsse man davor, daß der Zustand der Jn-
validen- und Knappschaftsversiherung benußt werde, um von
diesem ungünstigen Stand ausgehend eine grundsäglihe Ein- chränkung der beiden Versicherungen - vorzunehmen. Bei der
Þ rheitslosenversiherung könne man von Versicherung überhaupt
niht mehr reden, da das ganze System der Versicherung zer-
sagen worden sei. Immer mehr gehe man dazu über, die Ver- iherungsmittel für alle möglihen Zwee en, Die
Zusammenfassung zu einer einheitlihen Arbeitslosenfürsorge
verde von der Sozialdemokratie seit Jahren gefordert. Ueber das
Ergebnis des Arbeitsbeshaffungsprogramms habe
offenbar auh die Regierung’ thre Hoffnungen weit zurügesteckt.
Während die Papen-Regierung mit 1 Milliarde fasi 2 Millionen
Arbeitsloje in Arbekt bringen wollte, rehne der Retchswirtschafts-
minister bei einer um 500 Millionen höheren Summe jeßt nur
noch mit einer Mehrbeschäftigung von 1—1%4 Millionen Arbeir3- losen. Selbst wenn dieses Biel erreiht würde, blieben aber
4!4 Millionen Glaube die Regierung wirklih, daß
der Wirtichaftsaufshwung so sein werde, daß auch diese ver-
s{hwinden? Schon die Verbesserung der tehnishen Produktions- mittel in den lebten 15 Fahren werde dieses Ziel unerreihbac machen. Daraus ergebe sich die Notwendigkeit einer Aendecung in unserer gesamten Wirtschaft, insbésondere einer Verkürzung der Arbeitszeit. Der Redner fordert eine scharfe Kontrolle, dam1t
Hilfsmaßnahmen der Regierung, wie die Abwrackprämien, niht
zu einem Geschäft für die Beteiligten gemacht würden. Die Wege,
die Dr. Albrecht als Allheilmittel empfohlen habe, seien für ein
Land wie Deutshland niht gangbar. Eine einseitige Bevor-
zugung der Landwirtschaft zu lngunsten der Jndustrie müsse sih
auf die Dauer auh für die Landwirtschaft katastrophal auswirken.
Jn Sachsen gingen beispielsweise 70 vH der Jundustriewaren in
das Ausland. Der Redner fragt, wie man es rechtfertigen wolle,
dort den Arbeitern ihren Verdienst zu. nehmen,
Abg. Dr. Quaat (D. Na.) wendet sich zunächst gegen den Versuch, die Befugnisse des Reichspräsidenten einzuengen, der selbstverständlih das Recht habe, politishe Anregungen zu geben, Er nehme an, daß die Reichsregierung die staatsrechtliche Stellung des Reichspräsidenten verteidigen werde. Ein Grundelement zur Beurteilung der Lage sei die Verengung des Absatßraumes für die deutsche Fndustrie in der Welt. Diese Einengung zwinge uns, Bedacht zu nehmen auf eine stärkere Ausnügung des hetmischen Bodens. Die bisherige Politik habe zu dem Zwangsexport ge- führt, den der Abg. Wissell kritisiert habe. Konsequenterweise müsse auch die Sozialdemokratie dem Schuß der zu- stimmen. Wissell habe auh mit Recht die Kreditpsycho]e der vergangenen Jahre kritisiert. Das sei die Aera Stresemann- Hilserding gewesen. Das Resultat sei nah gewaltigen Abtragun- gen eine Nettokreditsumme vou über 20 Milliarden, die wir dem Ausland schulden. Das Bestreben der Deutschnationalen Partei gehe dahin, diese Lebensfrage zu regeln. Ein neuer Kapitalentzug müßte aufs höchste verderblih wirken. Die Kritik des Herrn Hilserding an der Besprehung mit den Amerikanern gehe voll- tkfommen Hol Erx wiederhole, daß die Grundauffassung, von dex die Deutschnationalen ausgehen, auf der anderen Seite voll- kommen gewürdigt worden jei. Hilferding aber wolle, wie er klar gesagt habe, den Weg sreihalien zu neuem Schuldenmachen, d. h. zu einem neuem Kreditsystem, wie es Wissel mit Recht kritisiert habe. Eine Heilung müsse von der Landwirtschaft ausgehen. Das Ziel sei niht überhöhte Preise, sondern gerechtePreisverhält- nisse Fischen städtishen und ländlihen Produkten. Die Ver- mehrung der Produktionsmenge schaffe billigere Preise, wie die bisherige Wirtschaftspolitik bewiesen habe. Auch die heutige Zins- last sei für die Landwirtschast und die Produktion E unerträg- lih. Sie gehe auch heute noch in .vielen wihtigen Punkten bis über 10 %. Die Zentralisierung des Bankwesens, wie sie immer weitec fortschreite, bedeute den Tod des Mittelstandes. Der Redner schilderte eingeheud die Kreditnöte der mittleren und kleineren Jndustrie und forderte die Reichsregierung auf, endlich Klarheit zu schaffen über die Pläne mit den neuen Kreditinstituten. Die bisherigen Bankgründungen und Umgründungen hätten der schaffenden Wirtschaft keinerlei Hilfe gebracht.
Abg. Schlack (Zeutr.) hielt die des Reichsfinanz- ministers an und (Ye e fte cihtig, daß das Defizit im Etat an- gesichts der schweren Krise niht allzu groß sei, meinte aber, daß man bei Vergleichen mit anderen Staaten die großen Reserven berüdsfihtigen müsse, die dort noh Vorhanden seien, beim deut- sven Volk dagegen nicht. Dieses an, sih relativ günstige Ab- hueiden in der Reichshaushaltsocdnung sei ohne Zweifel ein Verdienst des Kabinetts Brüning, das die Einnahmen erhöht und die Ausgaben verringert habe. Das Kabinett Papen und das jeßige Kabinett lebten von dem, was das Kabinett Brüning ge habe. Die Reichsregierung sollte sich das vor Augen alten und weiter bedenken, Ur die Ertragssteuern eine ab- sinkende Tendenz aufweisen. teuererhöhungen seien nicht möglih. Jm Gegenteil müßten Steuersenkungen durbaesührt werden, denn seien das beste Mittel zux Arbeits- beshaffung. Die des Reiches führe immer mehr zu Staatsmonopolen und zu einem Zustand, bei dem kein Mensch mehr eine wirtschaftlihe Juitiative ergreifen werde, wenn er besürhten müsse, daß shon am nächsten Tage seine Kalkulation durch neue geseßli e Eingriffe über dea Hausen geworfen werde. Die notwendige Wirtschaftspflege des Reiches dürfe niht zum Staatsmonopol oder zur Zwangswirtschaft ausarten. Welche Lächerlichkeit sih sonst ergebe, sehe man bei der Marga- rine. Früher sei der bestraft worden, der Butter der Margarine
beimishte. Heute dagegen werde der bestraft, der sie niht bei- : mische. Früher fei der besirast worden, der niht die Zusammen- |:
seybng eines Lebensmittels deklarierte, heute der, der die Bei-
mischung der Butter zur Margauène ankündige. Die Preise für
die landwirts aftlithen Produkte würden durh die vielen und hohen bei jedem e el fälligen Steuecn und Gebühren Ubersteigert. Durch Zollmaßnahmen usw. sei der Landreirsi ait nicht zu helfen, sondern nur durch Angleihung der Kauskrast an das Angebot. Die Produktion sei niht größer als der Be- darf, sondern nur größer als die Kaufkraft. Arb eiternot= Bauernnot, dieses wahre Wort habe Schlange-Schöningen geprägt. Die Wirts aft sei an einem Punkt angelangt, wo Re- gierungsmaßnahmen nicht mehr helfen. yt sollte einmal der deutschen Wirtschaft eine Zeit Ruhe gewährt werden. Deutsch- land habe nur die! Wahl zwischen. Menschenausfuhr und Waren- ausfuhr. Deshalb sollte die Warenausfuhr gesteigert werden. Die Hineinziehung des Reichspräsidenten in den Junteressenten- kampf sei unerträglih geworden und nur geeignet, seinem An- schen zu shaden. Der Reichstag sollte bei der Gesev ebung viel mehr als bisher eingeschaltet werden. Aber es liège e nicht an ihm selbst, ob er endlih seinen eigentlihen Beruf und seine
Mission exkfenne. Die einheimische Produktion könne und müsse dur gesinnungsmäßige Einstellung des deutschen Volkes, nuc R EN Erzeugnisse zu kaufen, mehr als durch staatliche Eingriffe behoben werden. Dieser gesinnungsmäßigen Einstellung jollte sih der Reichswirtschastsminister annehmen. E
Abg. Morath (D. Vp.) erörterte ebenfalls die Möglichkeiten zur Behebung der Schwierigkeiten der Landwirtschast, wobei er mit den andecen Rednern übereinstimm.e, daß mit Zwangs- maßnahmen nichts zu erreichen sei, sondern nur durch Hebung der. Kaufkraft. Der Gedanke der Autarkie sei in der Ausschuß- debatte von einem Redner verteidigt wooden, Aver ihr großes Vorbild Mussolini habe eine andere Auffassung. Dafür aber falle jedem Fiakienreisenden die große private Pro- paganda zur Bevorzugung der einheimischen Erzeugnisse auf. Der Redner kcitisieri scharf den Butterbeimishungs8zwang und warnt im Fnteresse der Vieherzeuger vor einer Verteuerung der Oelfuttermititel. Die Aufnahme ausländisher Kredite sei kein Fehler gewesen, aber es hätten bedauerliche Fehlleitungen statt- gefunden, und das Mißverhältnis zwischen kucz- und langfristigen Krediten sei shädlich. Die Dreiteilung der Arbeitslosenversiche- rung sollte sobald als möglich aufgehoben werden. i
Ministerialdirektor Krohn vom Reichsarbeitsmin1sterium be- antwortete einige Anfragen. Die Unfallversicherung be- reite auh: im Fahre 1934 noh Sorgen. Denn den gesenkten Leistungew ständen die noch größere Senkung dex Lo nsumme gegenüber, aus der der Unternehmer die Beiträge zur Unfallver- cherung zu zahlen habe. Die Solidarhaftung der Berufs- genossen (asien und ihre Selbsthilfemaßnahmen würden aber nah Auffassung des Reichsaobeitsministeriums die gewerbliche Un llversicherung auch über die Schwierigkeiten des Jahres 1934 hinwegbringen, Fn Notzeiten gewinne das Problem der Unfall- verhütung eine ganz bejondere Bedeutung. Jede Einschränkung der Unfallverhütung müsse vermieden, im Gegenteil ihr Ausbau versucht werden. Üeber die Tilgung dec immer noch erheblichen Rückstände der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften bei der Post müsse noch verhandelt werden. Das Hauptproblem der Gegen- wart in der Sozialversicherung sei die Samierung der Fn- validenversihecung, es sei bisher gelungen, den zur Bezahlung dex Renten erfordexrlihen Vermögenszushuß ohne un- angemessene Kursverluste flüssig zu machen. Fndefsen sei das auf die Dauer bei der Empfindlich eit des Papiermarktes äußerst schwierig. Die Jnvalidenversicherung werde vocläufig noh einen monatlichen Vermögenszushuß von 10 Millionen brauchen. Wir müssen das Problem der auh auf weite Sicht zu lösen versuchen, da die Beibehaltung des reinen Umlage- verfahrens \{chließlich e einex Katastrophe dec «Fnvalidenversiche- rung führen müsse. Die Verhandlungen über die Sanierung der JFnvalidenversicherung sollen innerhalb der Reichsregierung schleunigt zum Abschluß gebracht werden. Die Sanierung der JFn- validenversiherung sei zwar schwer, das Prob'em sei aber durh- aus lösbar. Jm Zuieunne ang damit solle geprüft werden, welche Milderungen des belie seien. Auch die Knapp- schaftspensionsversicherung solle iîn Zusammenhang mit der Sanie- rung, dex Juvalidenversicherung behandelt werden.
Jn Beantwortung einer Frage des Abg. Dr. Wissell (Soz.) erklärte Ministerialrat Dr, Lehfeldi vom Reichsarbeits- ministerium, daß bei der Arbeitslosenversiherung von den Beitragseinnahmen des Jahres 1932 in Höhe von 1020 Millionen 721 Millionen für die Arbeitslosenversicherung verwendet würden, wobei eine zwanzigwöhhige Ünterstüßungs- dauer zugrunde gelegt werde. Lege man nur die ersten sehs Unterstüßungswochen zugrunde, für die die Unterstüzung ohne Prüfung der Hilfsbedürftigkeit gewährt werde, so vermindere sih die Ausgabe für die Versicherung einschl, der von der Hilfs- bedürstigkeit unabhängigen Kosten für Kuxzarbeiterunterstüzung, Grundförderung usw. auf etwa 515 Millionen. ts
Fn Beantwortung einer Frage des Abg. Dr. Schreiber (Zentx.) vom Freitag erklärte Ministerialdirektor Dr, Mars, der Leiter der Presseabteilung . der Reichsregierung, daß es Auf- gabe der Presseabteilung gewesen sei, das Wirtshaftsprogramm der Reichsregierung durch Aufklärung so an die Oeffentlichkeit zu bringen, daß seine Voraussezungen, seine Mittel und Ziele einer sachlichen, von politishen Leidenschasten mög- lichst reien Diskussion werden konnten. Demselben Ziele dieue die Aufklärungsarbeit dex Reichszentrale für Heimatdienst, die
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„die Reichsre
3.
für die Ausübung ihrer Tätigkeit an scine Weisungen gebunden ei, thm allerdings organisatorish niht unterstehe. Aufgabe dex Reichszentrale sei es niht, Propaganda für diese oder eine andere Regierung zu machen, sondern sie solle ein Element der Stetig- keit, Beruhigung und Einigung sein, indem sie sahlihe Auf- klärung über alles das verbceite, was den Beschlüssen der Reichs- regierung zugrunde liege.
__ Gegen Schluß der Sigung wurde von der Zentrumsfraktion ein Antrag eingebracht, wonach die Reihhsregiecung vom Aus[ch1ß ersucht wird, ihm eine Uebersicht vorzulegen, aus der ersicht-
ird,
__ 1. wie groß die Summen sind, die die privaten Gläubiger (Handwerker, Händler, Lieferanten usw.) bei der Entschul- dungsaktion im Osten verloren haben:
a) bei Betrieben bis 100 ha, bþb) bei Betrieben von 100 bis 500 ha und bei größeren Betrieben,
2. die Verkuste von Genossenschaften, öffentlih-rehtlichen aller Art, Sparkassen in dex gleihen Größen- ordnung.
Ferner wurde in diesem Antrag der Wunsch ausgesprochen,
) gerung möge in Ergänzung der Aufstellung des Reichs- komnriissars für die Osthilfe mitteilen, wie sih die umgeschuldeten Flächen nah Ländern und Provinzen verteilen und in wie viel Fallen einzelne Grundbesizer mit mehreren Gütern in die Osthilfe aenommen worden sind.
__ Abg. Ersing (Zentr.) führte zur Begründung an, ihm gingen stündlih neue Mitteilungen über schwere Schädigungen von Hand- werkern, Kaufleuten und anderen Gläubigern zu. Eine rasche Aussprache mit dem Siedlungskommissar sei dringend notwendig.
Ueber diesen Antrag entspann sih eine längere Aussprache mit dem Ergebnis, daß in der Abstimmung zunächst der Antrag einstimmig — ohne Stimmenthaltuug — angenommen und außer- dem beschlossen wurde, de Aussprache über die Mißstände auf dem Gebiete der Osthilfe ck, 1 morgen stattfinden zu lassen.
__ Darauf wurden die Morgen sain für heute abgebrochen; nächste Sizung Mittwoch, den 18. Fanuar 1933.
Der Wohnungsausshuß des Reichstags
trat unter dem Vorsiß des Abg. Shumann (Komm.) am Dienstag, den 17. Fanuar, zu einem Tagungsabschnitt zusammen, um neben Petitionen einen Antrag der Ung oon Volkspartei zu beraten, der die Reichsregierung ersucht, den Erlaß vom 17. September 1932 dahin zu ergänzen, daß als zuschußfähig nur JFnstandseßungen, Wohnungsteilungen und Umbauten solcher Gewerbetreibender an- erkannt und behandelt werden dürfen, die 1. seit mindestens dem 1. Fanuar 1932 einen Betrieb für den Gewerbezweig polizeilich Angemeldet haben, in dessen Bereich die bezushußte Arbeit fällt; 2. die Mitgliedschaft bei einer Berufsgenossenschaft besißen; 3. niht in einem Arbeitnehmerverhältnis stehen oder eine Pension oder ein Wartegeld oder sonst eine ruhegehaltsähnliche Versorgung beziehen.
Min.-Dir. Weigert vom Reichsarbeitsministeriuum äußerte Bedenken gegen den Antrag, namentlih dagegen, daß hier eine Art numerus clausus für die Handwerker. eingeführt werde. Der Gedanke sei aus der Notlage der alten Betrieb zwar verständlih aber es gebe auh Handwerker, die früher gearbeitet hätten, dann ihren Betrieb stillegen mußten und jet wieder Beschäftigung ge- funden hätten. Auch diese würden durch den Stichtag des 1. Fanuar 1932 ausgeshaltet werden. “Jm übrigen habe sih die Regierung selbst ernitlih bemüht, die Schwarzarbeit auf diesem Gebiet aus- zuschließen.
Nach längerer Aussprache wurde der Antrag der Bayerischen
Volkspartei in einer veränderten Fassung angenommen. Dauach sollen als zushußfähig nur Fnstandsezungen, Wohnungsteilungen Und Umbauten bei denjenigen Hausbesißern anerkannt und bes handelt werden dürfen, die die bezushußte Arbeit solchen Gewerbe- treibenden übertragen, welche die Mitgliedschaft bei einer Berufs- genossenschaft besißen, nicht gleichzeitig in einem Arbeitnehmer- Der ältnis stehen und shließlich ihren Arbeitern den Tariflohn ahlen. : Bei dex Beratung von Eingaben wurde von seiten der Regie- rung die Erklärung wiederholt, daß zwar das Wohnungsmangel- geseß aufgehoben werde, daß aber das Reichsmietengesez und das Mieterschubgeseß über den 1. April dieses Fahres hinaus in Kraft bleiben sollen.
Statistik und Volkswirtschaft.
Schlachtviehpreise an: deuishen Märkten in der Woche vom 9. bis 14. Fanuar 1933. Durchschnittsvreise für 50 ke Lebendgewicht in NM.
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Notierungen am 10., 13, 11. 9, |99. 99. | 12. | 11. 9, 19) 9., 12.) 10. 9, NA
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Ochsen: a1 32,3 26,0| — | 31,5| 28,0 26,5| 29,5| 31,0 | — 4 ] 32,0 m i a R N Ro
— | 1/5 0) 25 _—_ 2
2 o 18,5| — | 2100| —' 270) N 20 — il ) O ES a0 e n
Cc 7, 9,5 wm — _— 22,5 — e —— _— A , 1 , “À, Butlen: a 27,3 25,0| 27,5| 29,0| 26,0| 26,0| 26,5! 27,0| 26,8 | 27,0| 23,0/ 23,0/ 23,0/ 23,3 27,0 b 2418 20/5 24/0| 26,0| 22/5| 22,0| 22,5| 22,0 24,5 | 23,5| 21,0| 20,5| 20,0| 21,5 23,5
0 228 12,0 21,0| 21,5| — | 17,0| 19,0 — 21/8 |‘ 19/5 18/5| 18/5! 17,5| 205 — Kühe: a 23,3 23,5| 28,0| 27,0| 23,0| 23,5| 24,5| 26,65| 26,3 | 25,0| 23,0| 20,5) 22,5) 22,0 27,0 ) i | ; b 19,8 17,5/ 24,0| 23,0 200 20'5s| 20/5| 2200| 23/0 | 21/5| 21/5| 16,0| 18,0 16,0 23,5 0 16,0 11,5| 20,5 17/0| 17,0 ‘13,5| 16,5| 17,0| 19,6 | 17,0| 14,0| 12,5| 13,5| 12,0 19,5 d 12,0 76| 1615| 11,0| 13/5) 8,5| 12,0| 13,5 14,5 | 12,5| 11,0 10,0| 9/0 90 14,5 Färsen: Þ 26,8 19,0| 27,0| 27,0| 26,0| 27,0| 23,0| 24,5| 27,0 | 25,0| 25,5) 20,5| 22,0 24,5 26,0 Kälber: b 39,3 |. 32,5| 40,5| 35,5| 33,8| 37,5| 35,5| 38,0/ 34,5 | 32,0| 35,0| 38,511) 43,0/ 32,5 36,5 o 30,8 26/5 33/0| 29/5| 29,0| 30/0| 27/,0| 32,5 31,3 | 23,5| 31,0| 33,51)37,5| 27,5 | 32,0 d 20;5 20/5s| 26/0| 24/0| 23,6| 23,5| 19,9| 25,5| 27,0 | 17,0| 27,5| 28,01) 32,0 23,5 24,5 ZSchafe: a1 CL pe 26,5 28,5 o — ' a 31,5 2330| — | 340 — | — 8A — a b [1)29,3]2)20,8| 24/5) — | 2756| 20,66) 25,5 ®) 23,0| — 25,10 | 25,0 850 —|—— — ; : “ae Ur ann |
Schweine: o 36,8 38,0| 39,0| 37,6| 38,17) 35,1| 34,5| 37,5| 35,5 | 35,5| 39,5) 365) 38,0 939,5 SÉ d 35,3 36,0 37,5| 365,3 8701) 33,5| 31,5) 36,0 34,0 LL 38,022) 36,0 | 9/95 36,3 39,5
1) Þb 1 = mittlere Mastlämmer und ältere Masthammel. — 2) Þ 2 = gut genährte Schafe. — 9) Für Kälber b, e und Schwveine 9 und 12, — 4) Für Kälber, Schafe und Schweine 9. und 12. — ?) Für Kälber 10., für Schweine 10. und 13. — 8) Mittlere Mastlämmer und -hammel sowie beste junge Schafe (Weidemast), — ?) Mittelware. — *) Gute leihte Ware. — 9) Stallmastschafe. — ") Für Ochsen, Färsen und Schafe 9, — 11) Vollfleischige Schweine von 100 bis 150 kg. — 2) Vollfleischige Schweine bis 100 kg. — ) Angaben nach Schlachtge- wicht. — 24) Vollfleischige Schweine bis 120 kg, — ®) Für Ochsen und Kühe 10. Ag
Bezeichnung der Schlachtwertklassen: Ochsen :8= vollfleischige ausgemästetehöchsten Schlachtwerts (a 1 junge, a 2 ältere) 4h ioniige
vollfleischige (b 1 junge, b 2 ältere); e = fleischige. Bullen: a = jüngere, vollfleischige höchsten Schlachtwerts; b = sonstige vollf
ischige oder
ausgemästete; o = fleischige. Kühe : a = jüngere, vollfleishige höchsten Schlachtwerts; b = sonstige vollfleischige oder ausgemästete; c = flei- \chige; d = gering kühe en: b u sonstige vollfleishige. Kälber: b = beste Mast- und Saugkälber; o = mittlere Mast- und Saug- fälber; d = geringe Kälber, Schafe: a = beste Mastlämmer und jüngere Masthammel (a 1 = Weidemast, a 2 =. Stallmast; b = mittlere Mastlämmer, ältere Masthammel und gut genährte Schafe, Schweine: c.= vollfleishige Schweine von 100 bis 120 kg; dä = vollfleischige
Schweine von 80 bis 100 kg. Berlin, den 16. Januar 1933.
Statistisches Reichsamt. J. V.: Dr. Player.
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