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Als Grund fuͤt die Abberufung des Pascha's wird angegeben, daß seine Deyeschen nicht verstaͤndlich genug seyen, ein Fehler, der mehr seinem Secretair, als ihm zur Last fällt. Ein jeder, der beide Manner kennt, bedauert dies unglückliche Ereigniß. Der neue Gesandte trifft die Anstalten zu seiner Reife so schnell, als es sich mit der Wuͤrde eines schwerfaͤlligen Tuͤrken der alten Schule vertraͤgt, und je laͤnger er hier bleibt, um so besser ist es fur die Interessen dieses Landes. — Nachdem der Herzog von Ragusa in Aegypten und Syrien sich von Allem, was die Militait⸗ und Civsl⸗Regierung Mehmed Ali's betrifft, unterrich⸗ tet hat, giebt er in einem Briefe an den Oesterreichischen In⸗ ternuntius ein farchtbares Gemälde von dem Zustande beider Laͤnder. Er spricht sich sehr stark gegen den Üsurpator aus, eigt, in welcher Taͤuschung sich das beirogene Europa in Hin— cht der Aegyptischen Civilisation befinde, und erklärt endlich, daß er unter einem solchen Manne und einem solchen Systeme keine Dienste nehmen konne. Dies klingt ominss und ist unter den gegenwartigen Umstaͤnden von Wichtigkeit. Marmont ist so arm, wie eine Kirchenmaus und war froh, in Aegypten ein Unterkommen zu finden. Aber er ist kein Thor, seine Talente sind vielmehr vom ersten Range, und er sieht ein, daß die Macht Mehmed Alis ohne eine feste Basis ist, und daß der Beherr—⸗ scher Aegyptens und die Zukunft nichts mit einander zu schaf⸗ fen haben. — Aus Vurla ist die Nachricht eingegangen, daß zwei Englische Linienschiffe, der „Malabar“ und „Re— venge“ sich mit der Flotte vereinigt haben. Die Tuͤrken sind uͤber die Gegenwart dieser Flotte sehr erfreut und betrach⸗ ten sic als ihr Rettungsmittel. Auch der „Volage“ befand sich zu Vurla. Der Englische Kutter „Spitfire“ mußte in Smyrna Quarantaine halten, weil sich Pest-⸗Fälle am Bord gezeigt hat— ten. Bei der Ruͤckkehr des „Castor“ nach Smyrna starb der Kajuͤtten⸗Junge an der Pest. Hier ist die Pest jetzt sehr unbedeu⸗ tend und in der vorigen Woche wurden nur 17 Kranke in das Griechische Hospital gebracht. — Aus Syrien sind keine neuere Nachrichten eingegangen. — Der Sultan hat dem Nureddin Efendi, Bruder des verstorbenen Osman Pascha, die Hand ge⸗ reicht und ihm ausdruͤcklich erklart, er solle alle jungen Leute, welche Europa besuchen und die Sprachen desselben erlernen wollten, unterstuͤtz'n. Zwei junge Maͤnner, ein Oberst und ein Bataillons⸗Chef, haben dies benutzt und begleiten Herrn Urquhart nach England. Am vorigen renn kam ein Georgischer Fuͤrst aus Persien in der Wohnung des Lord Ponsonby an. Er war von einem Manne begleitet, den Herr Urquhart an der Ostkuͤste des schwarzen Mee⸗ res zuruͤckgelafsen hatte. Die Aegyptische Flotte, aus 8 Linien⸗ Schiffen, 7 Fregatten, 3 Korvetten und 6 Briggs bestehend, ist nach Alexandrien zuruͤckgekehrt, um daselbst zu uͤberwintern. In Kahira werden, unter dem Vorwande einer Erpevition nach Ober⸗Aegypten, Truppen zusammengezogen, aber es ist viel wahrscheinlicher, daß sie nach Syrien bestimmt sind. Das neue, in England fuͤr den Pascha erbaute Dampfboot, der „Nil“, ist in Alexandrien angekommen. — Die Baumwollen⸗ und Ge⸗ treide⸗Aerndte verspricht sehr reichlich aus zufallen. — Ibrahim Pascha conzentrirt seine Truppen um Aleppo, zur Unterdruͤckung eines Aufstandes der Ansaris, eines wilden Bergvolkes.“
Aegypten.
Der Oesterreichische Beobachter meldet: „Nachrich⸗ ten aus Alexandrien vom 17. Dezember zufolge, war gegen Ende Novembers die Pest in dieser Stadt ausgebrochen, und hatte sich schnell in alle Theile der Stadt verbreitet. Die ersten Pestfaͤlle ereigneten sich am Bord der Linienschiffe Nr. 1, 4 und 6 und der Fregatte „Behera.“ Auch das Arsenal, worin sich achttausend Arbeiter befinden, ist bedeutend kompromittirt. In der Stadt herrschte die groͤßte Bestuͤrzung, und die Reglie— rung sowohl alt die meisten wohlhabenden Tuͤrken gebrauchten strenge Vorsichts⸗ Maßregeln. Da diese Seuche seit ungefaͤhr zwoͤlf Jahrtn Aegypten verschont hatte, fuͤrchtete man allgemein, daß sie bei ihrem gegenwartigen Wiedererscheinen schreckliche Verheerungen an— richten werde, um so mehr, als das Elend der ärmeren Volksklassen der Verbreitung dieser Geißel forderlich seyn duͤrste. — Die Aegyp⸗ tische Flotte sollte nach Suda (auf Candien) absegeln, um dort zu uͤberwintern. — Ein Dampfboot Mehmed Ali's war nach Syrien abgegangen, um Ibrahim Pascha abzuholen und nach Alexandrien zu fuͤhren; sein Vater erwartet ihn in Kahira. Man glaubt, daß sich Ibrahim nicht lange in Aegypten aufhalten, son⸗ dern bald wieder nach Damaskus zuruͤckkehren werde.
Der Kaiserl. Oesterr. General, Konsul in Aegypten, Herr
Laurin, welcher am 25. November Smyrna verlassen hatte, um
sich an Bord der Brigg „Il Veneto“ nach' Alexandrien zu be— geben, befand fich widriger Winde halber noch am 4. Dezember vor Tschesme.
Berliner Börse. Den 8d. Januar 1835.
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voz 1 08tpr. Pfundhr. 1015 1600 9855 bomm. do. loßsjß — 61 Kur- u. Neum. do. 166 106 99 Schlesische do. 166 997 Kkst. C. d. l. u. X. 733 or X. Sch. d. K.-u. N. 73 — NIoll. vollw. Duk. — — Neue do. 3 Westhr. Efandhr. 10903 Friedriehsd'or .. n, 18 , 4
Grosshzꝛ. Pos. do. 1027 Disconto ac a u c O O2 , O D rrœak?Tæs t 0 x ,.
Prenss. Cour. Wechsel- — DR Cours Hrie f Geld.
St. Schuld - ðch. Fr. Engl. Obl. 30. Prüm. Sch. d. Seh. Kurm. Obl. m. l. C. Neoum. Int. Sch. do. Berl. Stadt - Obl. Kõönigab. do.
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Breslau ö n . w 190 ThI. Fraukfurt a. M. Wz,
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Auswärtige Börsen. Amster dam, 3. Januar.
Niederl. wirkl, Schuld za. S do. 100. Aust. Schuld 10. Russ. 983. Oesterr.
Kanz-Bill. 211. AES Amort. 925. 33 71. 2. Preuns. run Scheine 16. 5 1 Anl. —. 35 265.
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Antwerpen, 2. Jannar. Span. 58 A3. 33 263. Guebhard M33. Zinsl. 13. Hamburg, 6. Januar. Poln. 1385. Hope in Cert. S743. Preuss. Präm.- Scheine 121. Engl. Russ. 1023. Fortug. S3. Schatz-Oblig. —. ö. . London, 2. . . ons. 33 pr. compt. 925. Cortes 545. Holl. 213 533. 58 991. Port. S6 z. Engl. Russ. 107. Columb. 32. Mic; 22. Bel. 96. Griecli. —. Bras. 79. Oesterr. — Wien, 3. Januar. 53 Met. 9933 8 915. Bank-Aetien 1285. Neus Anleihs v. 1831 d62).
Meteorologische Beobachtung.
18335. Morgens Nachmitt. Abends 7. Januar. 6 Uhr. 2 Uhr. 10 Uhr. Beobachtung.
Zuftdruck z A1, wee sio, , . 36 Par Qutllwärme 7, 00 R. f — 4, 9 —— 05,6 5 2 236 * 2. 3
. 6 55. 0 . . 44 29 ö 397 Fluß wärme 0, 72 R.
Dunstsaͤttg. 98 pCt. 92 oCt. 21 pCt.
Nebel. neblig. Nebel.
WSW. SW. WSW. . SW. .
Bodenwärme 1,8 Y R. Ausdunst. 0, o 10 Nh. Riederschlag O0.
Wolkenzug
Königliche Schau spiele.
Freitag, 9. Jan. Im Opernhause: Auf Begehren: Der Freischuͤtz, Oper in 3 Abth. Musik von C. M. von Weber.
Im Schauspielhause: 1) Camilla, ou: Le frere et la soeur, vaudeville en 1 ace, par Scribe. 2) La visite domiciliaire, drame nouveau en 1 acte, par Mr. Mr. Daubigny et Pou-— jol. 3) Les freres feroces, piece comique en 1 acte, par Mr. Carmouche.
Sonnabend, 19. Jan. Im Schauspielhause: König Kon— radin, historische Tragödie in 5 Abth. und einem Vorspiele, von E. Raupach.
Sonntag, 11. Jan. Im Opernhause: Die Alpenhuͤtte, Singspiel in 1 Akt, von A. v. Kotzebue. Mustk von J. P. Schmidt. Hierauf: Der Aufruhr im Serail, Ballet in 3 Abth., von Ph. Taglioni.
Im Schauspielhause: Die beiden Klingsberge, Lustspiel in 4 Abth., von Kotzebue. Hierauf: Jugend muß austoben, Lust— spiel in 1 Akt, nach dem Franz., von L. Angely.
Königstädtisches Theater.
Freitag. 9. Jan. Der Barbier von Sevilla, komische Oper in 2 Akten. Musik von Rossini.
Wegen Heiserkeit des Herrn Holzmiller kann die Oper Norma nicht gegeben werden. Die bereits gelssten Billets blei⸗ ben zur heutigen Vorstellung guͤltig, oder kann der Betrag da⸗ fuͤr bis 6 Uhr Abends in Empfang genommen werden.
Sonnabend, 10. Jan. Hinko, der Stadtschultheißen⸗Sohn von Nuͤrnberg, Schauspiel in 5 Akten, mit einem Vorspiel: Der juͤngere Sohn, von Ch. Birch-⸗Pfeiffer. (Madame Birch⸗ Pfeiffer: Margarethe Voltner, als Gastrolle.)
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Neueste Nachrichten.
Paris, 2. Jan. Vorgestern Abend brachte der Staats— Rath dem Koͤnige seine Gluͤckwuͤnsche zum neuen Jahr dar. Gestern empfingen Se. Maßjestat der Reihe nach die Gluͤckwuͤn— sche der Adjutanten und Ordonnanz⸗-Offiztere, der Minister und Marschalle, der Pairs- und Deputirten Kammer, des Cassations⸗ und des Rechnungshofes, vieler anderen Behörden und des di— plomatischen Corps. Im Namen des letzteren redete der Rus⸗ sische Botschafter, Graf Pozzo di Borgo, den Koͤnig an; er be— merkte unter Anderem, daß die Wuͤnsche, welche er im vorigen Jahre ausgesprochen, gluͤcklicherweise in Erfuͤllung gegangen seyen und daß die Vergangenheit eine neue und maͤchtige Buͤrg— schaft zu Gunsten dessenigen darböten, was alle Gutgesinnten von der Zukunft zu hoffen und zu erwarten ein Recht hatten.
In der heutigen Sitzung der Deputirten-Kammer, zu welcher sich ein eben so zahlreiches Auditorium, wie an den vorhergehenden Tagen — es fehlte auch nicht an schoͤn geschmuͤck— ten Damen — eingefunden hatte, wurden die Berathungen uͤber den projektirten Bau eines Gerichts, Saales fur den Pairshof fortgesetzt, nachdem die Bureaus der Kammer durch das Loos neu , ,, worden. Herr Golbéry ließ sich wider den betreffenden Gesetz Entwurf vernehmen, indem er den vor den Pairshof gebrachten Prozeß als gesetzwidrig bezeichnete.
Herr Herv-s eiklaͤrte, daß er anfangs nicht die Absicht gehabt
habe, im Laufe dieser Debatte das Wort zu ergreifen; indessen sey er durch die dem Gesetz ⸗Entwurfe gemachten Vorwuͤrfe so im Innersten bewegt worden, daß er als Mitglied der Kommis⸗ sion nicht umhin koͤnne, dieselben zuruͤckzuweisen. Der Redner gab sich darauf alle Muͤhe, die von seinen Vorgängern aufgesteil— ten Argumente zu widerlegen, was ihm indeß schlecht gelang. Herr Dugabsé war der Meinung, daß die Amnestie, ganz ab— gesehen von dem vorliegenden Gesetz'Entwurfe, als ein großer politischer Akt bewilligt werden muͤsse, daß der Augenblick zu einer solchen Maßregel gekommen sey und daß die National— Garde wie die Armee ste laut begehre. Der entgegengesetzten Ansicht war Herrn Robineau, einer der Deputirten der west— lichen Departements, der sich bei dieser Gelegenheit zugleich in einige Details uͤber die Unruhen in der Vendée einließ. Die Herzogin von Berry, bemerkte er, habe schlechte Rathgeber ge— habt; sie sey der Meinung gewesen, daß bei ihrem Erscheinen der ganze Süden und Westen fuͤr ihren Sohn aufstehen wurden, während sie nur etwa 15600 Mann um sich habe sammeln koͤn— nen. Herr Salverte, der zu Anfang dieser Sitzung auf⸗ genommen und vereidigt worden war, ließ sich jetzt zum erstenmale wieder vernehmen. „Der uns vorgelegte Gesetz⸗ Entwurf“, sagte er, „hat keinen andern Zweck, als den gewoͤhnli— chen Lauf der Gerechtigkeit zu unterbrechen. Hierzu ist aber
Niemand berechtigt. Ohne Zweifel muß die Gerechtigkeit lang⸗
samen Schrittes vorschreiten, niemals aber darf ihr Lauf ganz gehemmt werden. Dies wuͤrde aber der Fall seyn, wenn man setzt erst einen Saal bauen wollte, um die Angeschuldigten zu richten.“ Der Redner bekaͤmpfte den Gesetz⸗Entwurf aber auch noch aus anderen Grunden. Er suchte zu beweisen, daß die National⸗Versammlung und die Kaiserliche Regierung, als sie Amnestieen bewilligt, sich in ungleich schlimmerer Lage als die ge⸗ genwaͤrtige befunden haͤtten. Er gehoͤre keiner systematischen Dpposition an und einer der anwesenden Minister werde ihm das Zeugniß geben, daß er niemals einer solchen angehoͤrt habe. (Herr Humann bejahte dies) Indessen sey er der Ansicht, daß die Regierung sich lieber auf die dͤffentliche Meinung als auf die materielle Gewalt stuͤtzen sollte. Er sey innig uͤberzeugt, daß
die Hauptstadt im Allgemeinen einer Aihnestie güuͤnstig sey.
Nach einmaliger
Menge Dichtungen ausgearbeitet.
„Ich wuͤnschte daher wohl“, sagte, der Redner, „de man sich zu einer solchen Maßregel entschloͤsse, und d. man sie zugleich auf die in Hamm befindlichen Minister aut dehnte. Dieser Wunsch steht uͤbrigens mit demjenigen, den i im Jahre 1839 zu erkennen gab, in keinerlei Weise in Wien, spruch. Vier Jahre sind seitdemsverflossen; und eine vier aͤhtiy . scheint mir fur die schuldigen Minister eine hinlãnglih
trafe, ganz abgesehen von den moralischen Leiden, die sie immn bei ihnen und den Ihrigen zuruͤcklassen wird. Und warum sollt man nicht die Thuͤren des Gefängnisses vier Maͤnnern eroͤssnen die vielleicht nicht einmal in Frankreich bleiben werden? Y Regierung scheint sich zu fuͤrchten, die Verantwortlichkeit hie, fuͤr zu ubernehmen, und doch hat sie die Herzogin von Perm amnestirt, die mindestens wohl eben so schuldig als jene a ster war?“ Herr Salverte stimmte schließlich fuͤr die Vernn fung des Gesetz- Entwurfes. Man verlangte jetzt un allen Seiten den Schluß der Debatte; indessen geh es doch noch Herrn Mauguin, sich Gehoͤr zu verschafnn Derselbe stellte unter Anderem die ganz einfache Frage, wechah man sich so sehr straube, eine allgemeine Amnestie zu bewillign da man doch bereits mehrere der Gefangenen des Mont e Michel amnestirt habe, „Also der Zufall“, sagte er, „hat diesn Gefangenen ihre Freiheit verschafft? und alle andern sollen beklagen, daß sie bei dem Brande auf jenem Felsen nicht eh falls mit zugegen waren. Und doch will man es nicht wahr h ben, daß es politische Proscribirte giebt, Ich beharre bei din Behauptung. Unsere Absicht ist, alle Franzosen in ein geme sames Gefuͤhl der Liebe zum Vaterlande zu vereinigen. zweifeln, daß die Regierung bei ihrem Systeme diese Absicht reichen werde.“ (Vei dem Schlusse dieses Berichts war Sn Mauguin noch auf der Rednerbuͤhne.)
Bei der Englischen Gesandtschaft trifft man alle Anstaln zum Empfange des Lord Cowley, der sich unverzuͤglich auf sh nen Posten begeben soll. Es heißt, er habe als Botschafter zu Wh einen sehr versoͤhnenden und gemäßigten Geist gezeigt, und diesem Grunde . man ihn zwei anderen bedeutenden M nern der Tory ⸗ Partei vorgezogen. Man betrachtet daher) Sendung des Lord Cowley als ein Zugestaͤndniß fuͤr die Fin zoͤsische Regierung.
Das Kabinet der Tuilerieen soll im Begriff stehen, auf j Falle hin, da es dem neuen Englischen Ministerium, ungeach aller Versicherungen desselben, nicht trauen will, einige Vorsichb Maßregeln zu treffen, und dies insbesondere an der Belgisc Graͤnze. Mehrere Regimenter, die schon an der Belagerung n Antwerpen Theil genommen, haben, wie man versichert, den 8 fehl erhalten, sich der Belgischen Graͤnze zu nähern. Es s ubrigens nicht die Absicht des Ministeriums seyn, sofort ch neue Nord⸗Armee zu bilden. Man wuͤrde sich, heißt es, dan begnuͤgen, ungefaͤhr 40,00 Mann drei oder vier Tagemaͤrse weit von Belgien so aufzustellen, daß sie in wenigen Tagen v sammelt werden konnten.
Der beruͤhmte Englische Dichter Campbell wird in einig Tagen auf seiner Ruͤckreise nach London hier erwartet. Erh sich mehrere Monate in Algier aufgehalten, wohin er sich m Hrn. Laurence und dem General Drouet d Erlon begeben han Bem Vernehmen nach hat er waͤhrend seines Aufenthaltes in Asch ein interessantes Werk uͤber die Sitten der Araber und ein Hr. Campbell ist mit ht Aufnahme, die ihm in Algier geworden, sehr zufrieden.
Die Chouans sind, obwohl diesmal nur in geringer Anfah hier und da wieder rege. So wird der Gazette des Tribi naux aus Fougäres (Ille et Vilaine) vom 25. Denmbe mitgetheilt: „Herr Tregomain, vormaliger Deputirter unter d alteren Linie der Bourbonen, ist in seiner Wohnung bei Autn im Bezirk von Fougéres, in Folge einer bei ihm vorgenomm nen Haussuchung, verhaftet worden. Er wurde sofert mit h Post nach Pontivy gebracht, wo, wie es scheint, ein Pran uͤber ein großes Komplott instruirt wird, das die Wiederen bung der aͤlteren Linie auf Frankreichs Thron vermittelst h Chouannerie zum Zweck hatte. Verschiedene Papiere sollen die Haͤnde der Behörden gefallen seyn.“
Es scheint, daß bei Lyon eine vollig organisirte Dich bande besteht, welche die ganze Umgegend unsicher macht.
Man hat berechnet, daß wahrend des verflossenen Jaht uͤber 150 neue Zeitschriften, sowehl woͤchentliche als monatlit in Paris erschicnen sind. Die Zahl der neuen Romane ben 0b, die der uͤbrigen Werke von verschiedener Art 1609. 9 Pariser Buchhandel hat 1500 wichtige Werke auf dem Wege Subscription pablizirt. Von allen diesen Speculationen s nur 35 bis 40 verungluͤckt; alle ubrigen haiten ein guͤnstit Resultat.
Aus Saint-Jean de-Luz schreibt man vom 27. Dest ber: „Das Spanische Dampfschiff „Reyna Gobernadora! so eben in unserer Bay vor Anker gegangen. Es uͤberhrn 500 Flinten, die fuͤr die Truppen der Koͤnigin bestimmt su Man bringt in diesem Augenblick jene Waffen in 5. Trintn ren, um sie in unserm Hafen auszuschiffen, von wo sie um Eskorte nach Spanien gebracht werden sollen.“
Die Election theilt Briefe aus Bayonne vom 2. M mit, die wenig Interesse darbieten. Den Insurgenten war! endlich gelungen, einen Mörser zu gießen, der Bomben irn 150 Pfänd, die man aus den Gießereien von Orbaceite lj trägt, und sie schickten sich an, Elisondo zu belagern. Ole Infurgenten⸗ Bataillone unter Eraso, welche diesen Plat blol⸗ ren, sind beschaftigt, Holz und brennbare Stoffe zusammemt bringen. Von Mina vernimmt man nichts. Die In surgtni
aben bei Elisondo drel Franzosen erschießen lassen, Die in ih
eihen dienten, und die sie in Verdacht hatten, desertiten wollen. Beide kriegführende Theile haben wegen des Trtff vom 15. Dez. ein Je Deum singen lassen.
— Heute schloß 5proc. Rente pr. compt. 106. 75. sin co 107. —. 3proc. pr. compt. T6. 75. sin cour. 77. 5. ht Neap. pr. Compt. 83. J0. fin cour. — — proc. Syn Rente 42. Zproc. do. 27. Cortes 40. Ausg. Span. Schl 13. 21proc. Hollaͤndische 54. 30.
Frankfurt a. M., 5. Jan. Oesterr. Fproc. Men 100 . 10019. 4proc. 92. G2. 2Iproc 54 G. 1proc, 23 4. VBank⸗Actien 1544. 1543 Part, Oblig. —— TLoose 160 Gulden 214. G. Preuß. Präm.⸗Sch. 61. 603. do. ph Anl. 943. G. . 5proc. Obl. von 1832 977 973. Ph
Loose . 69. . proc. Span. Rente 427 42. 3proc. do. ph
Redacteur Cottel.
— , —
Gedruckt hei A. T3. Habt.
Allgemeine
Prenßische Staats-Zeitung.
— ö M 10.
Amtliche Nachrichten.
Kronik des Tages.
Der Kammergerichts⸗-Assessor Goldbeck ist zum Justiz— Kommissarius bei den Gerichten des Ruppinschen Kreises, mit Anweisung selnes Wohnortes in Wusterhausen a. d. D. bestellt
worden.
Im Bezirke der Koͤnigl. Regierung u Stralsund ist der Kandidat der Theolsgie, Adolph PWewetzer, zum Fastor adjunetus des Predigers Schulz zu stte ernannt werden.
Angekommen: Se. Excellenz der General der Kavallerie und kommandirende General des VI ten Armee-Corps, Graf von Zieten, von Breslau.
Der General-⸗Major und Commandeur der 12ten Landwehr— Brigade, von Braunschweig, von Neiße.
Abgereist: Der Ober-IJägermeister und Chif des Hof—
agd⸗Amtes, General⸗Major Fuͤrst Heinrich zu Carolath— Beuthen, nach Schlesien.
—
Zeitungs-⸗RNachrichten. A u g land.
Frankre ich.
In der Sitzung der Deputirten⸗Kammer vom 2. Jan, ging ich Abgang der Post) noch ungemein stuͤrmisch her Den naächsten Anlaß zu diesen lebhaften Erörterungen gab Herr Mauguin dg— urch, daß er den Minister des öffentlichen Unterrichts an seine fruͤ— heren politischen Grundsaͤtze erinnerte, und ihn des Wankelmuths beschul⸗ digte, „Kann Herr Guizot wohl“ sagte er, „die Juli⸗Revolution ver fheidigen? Für ihn war diese Revolution eine Katastrophe, ein an⸗ fsociales Ereigniß, ein Ungluͤck. Bei solchen Ansichten aber kann man unmoglich die Stellung, in der man sich befindet, mit Erfolg hertheidigen. Und in der That verbergen die Minister ihre wahren Ansichten auch nicht: sie haben es kein Hehl, daß sie in der Schule Der Restauratlon gebildet worden sind. (Murren. Unterbrechen Gle mich nicht, m. H. Lesen Sie bloß den Moniteur; Sie werden darin finden, daß ein Minister selbst gesagt, man habe keine andere Absicht, als dle Gesellsch aft zu rekonstituiren, 1 eine aristokratische Form gern, und sich auf die Geistlichkeit zu stuͤtzen; es sey, mit cinem Worte, auf eine Rückkehr zur Restauration, bloß unter einem anderen Regie⸗ rungöhaupte, abgesehen. Frankreich verwirft aber eine solche Ten⸗ den, Die Sprache des Ministeriums in dieser Beziehung ist so deutlich gewesen, daß, wenn die Kammer sich hat taͤuschen lassen, ie es nicht anders gewollt hat; denn die Minister haben wahrlich hre Gedanken nicht verheimlicht. Noch in einer unserer letzten Sitzungen beklagten sie sich uͤber jenen Mangel an moralischem und polltischem Glauben, der sich uberall im Lande fuͤhlbar mache. Wie kann dies aber anders seyn? Wie kann es in Frankreich noch einen Glauben geben? Die Juli⸗Revolution war von dem Volke mit ei⸗ ner gewissin Begeisteruͤng begruͤßt worden; jetzt nennt man sie ein ungiuͤck.! Frankreich möchte seinen Konig gern lieben; man sagt ihm aber, daß eine Regierung unpopulair seyn muͤsse. ,,,, Ich wiederhole bloß, m. H., was im Moniteur
eht. Frankreich achtete die Gesetze, ünd man mißbraucht sie in solchen Maße, daß sie den Burger nicht mehr schuͤtzen. Doch ich halte inne. Wollte ich fortfahren, so wuͤrden Sie sehen, daß alle diese Grundsaͤtze zu einer Zeit vertheidigt, zu einer anderen wieder verleugnet worden sind. Wie kann man sich hiernach noch wundern, wenn etz dem Lande an einem politischen Glauben fehlt? Taͤglich Igt man uns, daß uns noch So Jahre der Unruhen bevorstäͤnden. 9 dies wohl eine Sprache, wie man sie dem Lande gegenuͤber hal⸗ ien soll' Wir muͤssen diesem Zustande ein Ende machen. Der Kam⸗ mer gebuͤhrt diese Aufgabe, und namentlich den jungen Deputirten, denen unsere fruheren politischen Diskussionen fremd geblie⸗ ben, und die frei von allen Verbindlichkeiten sind; sie vor⸗ jüglich muͤfsfsen sich aussprechen, und die Majoritaͤt dahin bersetzen, wo sie die gerechte Sache erblicken. Was uns betrifft, so werden wir ihnen gerne beistehen, ohne von ihnen einen Lohn fuͤr den Sieg zu verlangen.“ — Gleich nach Herrn Mauguin bestieg Herr Gulszot zu seiner Rechtfertigung die Rednerbuͤhne. „Ich
wärde vielleicht“, aͤußerte er, „das Wort nicht ergriffen haben, wenn det vorige Redner nicht gegen die Politik des Minifteriums einen Vorwurf vorgebracht hätte, den wir hier nicht zum erstenmale höoͤ⸗ ren. Man beschulbigt uns, daß wir uns zu dem Systeme der Ne— staunrgtlon hinneigten. Wahr ist es, daß Mehrere von uns, und ich insbesondere, unter der vorigen Dyzastle öffentliche Aemter beklei⸗ det haben. Indessen will ich nicht hoffen, daß man uns bloß dieserhalb tabeit; der Vorwurf, den man uns macht, gilt ohne Zweifel allein der damals von uns befolgten Politik; und so hat vorgestern, erst, ein sehr eloquenter Redner, der leider in diesem dügenblicke nicht hier ist (Herr Berryer), bebaup⸗ tet, daß wahrend der 15 Jahre der Restauration er und seine Freun⸗
de es stets gewesen, die sich der Volksfreiheiten angenommen und
das Land gegen die Gewaltthaͤtigkeiten und den RNegetions- und Verfolgungs-Geist der Reglerung vertheidigt hatten. Ist diese Be⸗ hauptung aber wohl gegründet? Haben nicht vielmehr meine Freun⸗ de und ich zu jener Zeit stets aufrichtig und beharrlich dahin ge⸗ trachtet, die verfassungsmaͤßige Monarchie in Frankreich fest zu be⸗ gruͤnden und die Verheißungen der Charte zu verwirklichen? Erin⸗ nern Sie sich des Wahl⸗-Gesetzes, des Rekrutirungs⸗-Gesetzes, des Peeß⸗Gesetz's, das die Peeß - Vergehen den Geschwornen unter⸗ warf; schreiben sich diefe Gesetzs und noch mehrere andere, die ich anführen koͤnnte, nicht, aus jener Zeit her, wo meine Freunde und ich im Rathe des Koͤnigs saßen? Wa⸗ ten wir es nicht, die wir uns unabläͤssig dem Reaetions⸗ und Verfolgungagelste wid ersetzten, von welchem die Kammer von 1813 beseelt war?? In der That, meine Herren, ich schaͤme mich fast, da nan mich zwingt, an solche notorische Thatsachen zu erinnern. Da⸗ mals erscholl unser Lob aus dem Munde derselben Partei, die uns heute tadelt. Und was that denn diese Partei, als sie ihrerseits ans Ruder gelangte? Ich mag keine traurigen Erinnerungen wek⸗ ken, mag nicht die Leidenschaften aufregen; aber versagen kann ich s mir nicht, einige Maßregeln aus dleser viel geruͤhmten Periode hervorzuheben. Ich nenne bloß des Sakrilegiums⸗-Gesetz, das Gesetz über das Erstgeßurts Recht, das über die Emigranten - Entschä= blungen und' das Preß-Gesetz. Von anderen polltischen Maß⸗ rigeln könnte ich vorzugsweise noch die Erpedition nach Spa⸗
Berlin, Sonnabend den 10ten
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nien nennen; indessen mag ich mich bei diesen Erinnerungen nicht aufhalten, und beschraͤnks mich daher auf die Erklärung, daß es selbst zu jener zeit, wo wir der Regierung vollig fremd waren, unter den Vertheidigern derselben viele Manner gab, die der Re⸗ praͤsentativ⸗Mongrchie aufrichtig anhingen, und fi Meinung wa⸗ ren, daß man sie selbst um diesen Preis unterstuͤtzen muͤsse. Ich sage dies absichtlich, damit selbst diejenigen Manner, die damals Un⸗ sere Gegner waren, erfahren, daß jener Geist des Hasses und der Ferndschaft, wovon man ihnen jetzt spricht, von unserer Seite nie destand. ünd um auf eine fruͤhere Zeit zuruͤckzugehen, muß ich hier ausdruͤcklich bemerken, daß, wenn ich vor einigen Tagen von den Irrthüͤmern des Jahres 1791 gesprochen, es durch⸗ aus nicht meine Absicht war, die Personen zu beschuldigen, die damals auf der politischen Schaubühne standen. Die Absichten dieser Personen waren ohne Zweifel gut, aber sie beruhten auf irri— gen Begriffen, auf anarchischen Grundsaͤtzen. Dies ist auch noch
jetzt meine Ansicht, und ich behaupte dreist, daß, wenn wir unter
der vorigen Dynastie der Freiheit einige Dienste geleistet haben, solche eben nur aus unserem unablaͤssigen Bemuͤhen hervorgegangen sind, jene angrchischen Grundsaͤtze zu bekaͤmpfen. Ich mag diese Diskus⸗ sion nicht weiter in die Laͤnge ziehen; meine einzige Absicht war, unsere Handlungsweise unter der Restaurgtion, sey es als Rathgeber der Keone, oder als Mitglieder der Opposition, naͤher zu bezeichnen.“ — Hr. Charamaule ergriff nach Hen. Guizot das Wort, um na⸗
mentlich aus dessen frůͤhren Schriften zu beweisen, daß er seinen politischen.
Glauben geandert habe. Die Grundlage der jetzigen Regierung, meinte er, sey das Prinzip der Volks- Souverainetaͤt, und es frage sich jetzt, wie Herr Guizot fruher hieruͤber gedacht habe. Der Red⸗ ner verlas hierauf einige Stellen aus einer von Herrn Guizot vor 14 Jahren herausgegebenen Schrift. Mehrere ministerielle Depu⸗ tirte suchten diese Vorlesung zu hintertreiben, indem sie meinten, dies waͤren bloße Persoͤnlichkeiten. Dies half ihnen aber zu nichts. Herr von Briequüeville bemerkte, daß, wer den Angriff gestatte, sich auch die Vertheidigung gefallen lassen müsse. An ciner jen r Stellen nennt Herr Guizot das Prinzip der Volks-Souverainetgͤt an sich abgeschmackt und barbarisch, und diese Stelle war es, die Herr Charamaule vorzuͤglich hervorhob. Herr Guizot meinte, daß der Redner sein Buch nicht verstehe, Er wolle nicht boffen, fuͤgte er hinzu, daß man die Kammer zu einem philosophischen Kampfplatze machen wolle; er beharre unbedingt bei den Meinungen, die er in jenem Buche ausgesprochen habe, und behaupte, daß sie durchaus nicht im Widerspruche mit den Prinzivien staͤnden, die der jetzigen Regierung zum Grunde laͤgen. Als Herr Charamaule darauf seine Citationen fortsetzen wollte, suchten die Centra solches abermals zu verbindern, während die Oppositlons⸗Partei den Redner ermuthigte⸗ nicht nachzugeben. Es kam hieruͤber zu einem solchen Laͤrm, daß Herr Charamaule sich zuletzt nicht mehr verstaͤndlich machen konnte, und daher mit folgenden Worten die Rednerbuhne verließ: „Ich erkläre, daß es mir bei diesen fortwährenden Unterbrechungen un⸗ moͤglich ist, meinen Gedanken Worte zu leihen. Entweder wollen Sie eine Debatte, oder Sie wollen sie nicht. Im ersteren Fall ist es aber eine Haupt⸗ De ne ing, daß Sie sich still ver⸗ halten, und dem Redner Ihre Aufmerksamkeit schenken.“ Herr Guizot ersuchte den Praͤsidenten, die Kammer darauf auf⸗ merksam zu machen, daß er selbst (der Minister) die weitere Vor⸗ lesung verlangt habe. „Ganz recht“, erwiederte Herr Dupin, „aber ingn will den Redner nicht hoͤren.“ Nachdem Letzterer auf seinen Platz zuruͤckgekehrt, rief er noch einmal uͤberlaut: „Ich er⸗ klaͤre, daß man mich verhindert hat, mein Mandat zu erfüllen!“ Herr Laffitte sagte, daß er an seines Kollegen Stelle die Tribune nicht verlassen haben wurde, und verlangte im Uebrigen, daß der ganze Vorfall im Protokoll verzeichnet wuͤrde. „Ich protestlre auch meinerseitz“, fuͤgte er hinzu, „wegen dieser Tyrannei der Mgioritaͤt. Es giebt keine Unabhaͤngigkeit der Tribune mehr!“ Hieruͤber kam es zu einem abermaligen Tumulte, mehrere Redner verlangten auf einmal das Wort; der Praͤsident erklaͤrte aber, daß er dasselbe nur Herrn Charamaule zuerkennen koͤnne. „Ich ersuche die Kammer in ihrem elgenen Interesse“, fuhr er fort, „sich still zu ver— halten. Wenn ein Redner Stellen aus Druckschriften citirt, so kann man seine Citationen, insofern sie irrig sind, spaͤterhin berichtigen Wenn man ihn aber bei jedem Worte unterbricht, so ist es klar, daß man das Recht der freien Erörterung verletzt. Ich fordere die Kam⸗ mer wiederholt zur Ruhe wahrend der ganzen Zelt auf, daß die Vor⸗ lesung des Herrn Charamaule dauern wird.“ Letzterer citirte darguf noch mehrere einzelne Stellen aus der oberwaͤhnten Schrift. — Als Hr. Chargmaule jetzt auf seinen Platz zuruͤckkehren wollte, ersuchte der Minister ihn, sein Buch zuruͤckzulassen; er bestieg darauf selbst die Rednerbuͤhne und theilte der Versammlung noch andere Stellen aus seiner Schrift mit, um seinen Zuhbrern die Ueberzeugung zu verschaffen, daß er damals nicht anders wie jetzt gedacht habe, und daß man ihn mit unrecht des Wankelmuths beschuldige. Aufs neue wurde sodann der Schluß der Debatte ver⸗ langt, jedoch, umsonst. Herr Comte, der sich und seine Partei durch einige Acußerungen des Ministers verletzt fuͤhlte, er⸗ griff das Wort und sagte: „Wenn der Minister uns beschuldigt, daß wir die Repraͤsentatlv⸗ Regierung nicht verstaͤnden, und daß wir anarchische Begriffe haͤtten, so beschuldige ich ihn meinerseits der Bestechung und der Gewaltthaͤtigkeit“ Auf die Bemerkung des Grafen Jaubert, daß der 14 Artikel der Charte es verbiete, fruͤ⸗ here politische Handlungen ans Tageslicht zu ziehen, erwiederte Herr von Briegueville? „Ja, die Charte von 1811, aber nicht die von 1830“, — eine Aeußerung, die eine anhaltende Bewegung ver⸗ ursachte. Auch Herr von Salvandy verlangte, daß man alle Per⸗ sonlichkeiten bei Seite lasse, und als dessenungeachtet Herr Comte die Frage stellte, wer das Censur-Gesetz und das Gesetz uͤber die Prevotal-Gerichtshoͤfe entworfen habe, meinte Herr Jau⸗— bert, man konnte eben so gut fragen, von wem das Wahl⸗Gesetz von 1817 vorbereitet worden sey; zugleich ersuchte er den Praͤsidenten, wegen jener Persönlichkeiten den Redner zur Qrd⸗ nung aufzurufen. Statt dessen aber wurde er selbst von Herrn Du⸗ pin zur Ordnung ermahnt. „Wenn die Geduld der Kammer ge⸗ mißbraucht wird“, sagte Letzterer, „so ist es nicht meine Schuld.“ — „Doch!“ rief Herr Jaubert. Wegen dieses Ausrufs erhielt er einen zweiten Verweis von dem Praͤsidenten, der nunmehr erklaͤrte, daß, da es allen Anschein gewinne, als ob man die politische Hand lungsweise einzelner Personen zum Gegenstande der Debatte ma⸗ chen wolle, er keinem einzigen Redner weiter das Wort bewilligen werde, indem dies Persoͤnlichkeiten wären, die eben so ee gegen die Schicklichkeit als gegen das Neglement verstießen. ls jetzt uͤber den Schluß der Debatte abgestinimt werden sollte, widersetzte sich demselben Herr Bérenger. „Unter den Fragen, die hier verhan⸗ delt worden sind“, sagte er, „giebt es eine, die noch nicht hinlaͤng⸗ lich eroͤrtert worden ist, naͤmlich diejenige, wem das Recht zusteht, eine Amnestie zu bewilligen. Ich verlange daher, daß die Berathung morgen fortgesetzt werde.“ — Nachdem die Mehrzahl der Versamm⸗— lung sich mst diesem Antrage einverstanden erklärt hatte, wurde die Sitzung aufgehyohen.
Januar
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Bei Beginn der Sitzung vom Iten wurden, da sich die zur Berathung erforderliche Jahl von Mitgliedern noch nicht einge— funden hatte, einige ziemlich uninteressante Bittschriften⸗ Berichte abgestattet. Als die Kammer vollzählig war, setzte sie die obige Debatte fort. Herr Berenger trat zur Widerlegung der Ansicht auf, daß jede der drei Staats Gewalten die Initia— tive hinsichtlich einer Amnestie ergreifen koͤnne. Er behauptete, das Recht der Begnadigung und also auch die Initiative in die⸗ ser Beziehung stehe ausschließlich dem Koͤnige zu. Dann aber war er der Meinung, daß der Koͤnig dieses Recht jederzeit, auch vor erfolgtem Urtheilspruche ausuͤben duͤrfe. Man hat gesagt, z fuhr der Redner fort, „daß der Konig dieses Recht mißbrauchen könne. Nein, m. H., dafuͤr haben wir verantwortliche Minister. Der König hat das Recht, Frieden zu schließen, und Krieg zu erklaren. Folgt daraus, daß der König unsere Nationalitaͤt ge— fährden konne“ Den Gesetz- Entwurf selbst erklärte Hr. Berenger fuͤr gan; unpassend. Bei dem Prozesse der Minister Karls X, sagte er, habe man auch außerordentliche Ausgaben machen muͤssen; aber man habe es nicht gewagt, der Deputirten - Kammer eine solche Forderung vorzulegen, aus Furcht, auf dieser Redner⸗ buͤhne Erörterungen zu veranlassen, die den Angeklagten hatten nachtheilig werden konnen. Man habe damals die Ausgaben in dem Rechnungs-Gesetze mit aufgeführt, und die Kammer habe die Schicklichkeit eines solchen Verfahrens empfunden. Warum koͤnne man bei dieser Gelegenheit nicht eben so zu Werke gehen? Er werde gegen den Gesetz Entwurf stimmen, weil derselbe einer⸗ seits das Begnadigungs⸗Recht des Koͤnigs beeinträchtige, und andererseits uͤber die Straffaͤlligkeit der Angeklagten vorweg ent⸗ scheide. Herr Odilon⸗Barrot sagte von ,. Ich ebe die Identität zwischen dem Begnadigungs⸗Rechte und dem
mnestie⸗ Rechte keinesweges zu. Nichtsdestoweniger stimme ich, wie der vorige Redner, gegen den Gesetz- Entwurf, und glaube, wie er, daß die Amnestie⸗ Frage in die Ihnen vorgelegte sinan— zielle Frage nicht mit begriffen ist.“ Nachdem sich noch die Herren Po ulle, Sauveur Lachapelle und Glais⸗Bizoin in kurzen Worten gegen den Gesetz⸗Entwurf ausgesprochen hat⸗ ten, wurde die allgemeine Berathung geschlossen. Der Berscht— erstatter, Herr Dumont, faßte hierauf die Debatte zusammen. *. Rennt der Post befand er sich noch auf der RNedner— buͤhne. .
Paris, 3. Jan. Vorgestern, als am Neujahrstage, em⸗ pfing der König die uͤblichen Gluͤckwuͤnsche des diplomatischen Corps, der Kammern und der oberen Behörden. Der Graf Pozzo di Borgo hielt im Namen des diplomatischen Corps fol⸗ gende Anrede: „Sire, als heute vor einem Jahre das diplomati⸗ sche Corps Ew. Maj. seine Huldigungen und Gluͤckwuͤnsche dar⸗ brachte, sprach es zugleich den Wunsch aus, daß das gute Ver⸗ nehmen zwischen allen Souverainen, welches den Voͤlkern die Wohlthaten des Friedens sichert, fortdauern mochte. Dieser Wunsch, Sire, ist gluͤcklicherweise in Erfuͤllung gegangen; und die Vergangenheit ist eine neue und starke Buͤrgschaft zu Gun⸗ sten dessen, was alle Wohlgesinnte von der Zukunft zu hoffen und zu erwarten berechtigt sind. In dieser Ueberzeugung er— neuern heute die Repraͤsentanten aller Regierungen Ew. Maj. dieselben Huldigungen und dieselben Gluͤckwuͤnsche, und halten sich uͤberzeugt, Sire, daß Sie geruhen werden, dieselben mit eben den Gesinnungen aufzunehmen, die sie uns eingefloͤßt ha— ben. Wir fuͤgen denselben diejenigen hinzu, die uns fuͤr Ihr Gluͤck, fuͤr das Ihrer erhabenen Familie und Frankreichs besee—⸗ len.“ — Der Konig antwortete: „Ein jedes Jahr, das im Schoße des Friedens, dessen sich die Welt erfreut, verfließt, laßt uns auch die Wohlthaten desselben je mehr und mehr wuͤrdigen, und indem den gluͤcklichen Folgen des guten Vernehmens, welches zwischen den Souverainen hesteht, immer neue Vortheile ö werden, bringt jeder Jahreswechsel allen Staaten neue rgschaften fur die Dauer und Stabilität desselben. Je laͤnger der allgemeine Frieden währt, desto mehr sehen wir die Moglichkeit einer Ge⸗ fahr sich entfernen, die ihn gefährden konnte; und die moralische Kraft der Gutgesinnten, die mit dem Vertrauen, welches die Zu— kunft einfloßt, zunimmt, vermehrt unsere Mittel, die Ruhe der Voͤlker zu sichern. Ich empfange mit n Vergnuͤgen die Gluͤckwünsche, die Sie Mir uͤber dieses gluͤckliche Resultat un— serer Anstrengungen darbringen, und Ich danke Ihnen fuͤr Al— les, was Sie, im Namen des diplomatischen Corps, Frankreich, Meiner Familie und Mir wuͤnschen.“
Die Antwort des Koͤnigs auf die Anrede des Praͤsidenten der Pairs⸗Kammer lautete folgendermaßen:
„Auch Sie, meine Herren, haben auf eine edle und wuͤrdige Weise den hohen Auftrag erfuͤllt, den Ihnen Frankreich anver— traut hat; Sie haben bestaͤndig den festen Willen zu erkennen gegeben, unsere Gesetze aufrecht zu erhalten, ihnen Achtung zu verschaffen, und ihnen die Starke und Kraft zu verleihen, deren sie beduͤrfen, um in unserm Vaterlande die oͤffentliche Ordnung und die Freiheit zu begruͤnden, und unsere Institutionen gegen jene ungerechten und gehaͤssigen Angriffe zu vertheidigen, deren jetzt ohne Zweifel besser anerkannte Fruchtlosigkeit uns zu hoffen erlaubt, daß sie sich nicht wiederholen werden. Ich empfinde auf das tiefste Alles, was die Ihnen auferlegten Functionen Pein⸗
liches haben; aber Sie werden, wie Sie selbst es sagen, den
Leidenschaften und dem Hasse unzugänglich seyn, Sie werden unerschuͤtterlich bleiben, wie die Gerechtigkeit, zu deren Organ Sie berufen sind; und, ungeachtet des Wunsches, den Ich mit Ihnen theile, daß jene schmerzlichen Erinnerungen ausgelöͤscht werden und die Strafen des Gesetzes nicht mehr auf den Üngluͤcklichen lasten mochten, werden Sie dennoch Ihre
flichten in ihrem ganzen Umfange zu erfuͤllen wissen. Sie aben zu einer andern Zeit dem Sturme der Leidenschaften zu widerstehen, und dadurch Frankreich vor Uebeln zu bewahren Ce— wußt, die es ohne Ihr Beharren auf dem Wege der Pflicht und der Mäßigung betruͤbt haben wuͤrden. Sie werden auch ferner diesen Weg verfolgen, und sich dadurch neue Anspruͤche auf Meine Dankbarkeit und auf die des Vaterlandes erwerben. Ich schaͤtze Mich gluͤcklich, Ihnen dies bezeugen zu konnen, und
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