1835 / 15 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Erfolg, ihren Einfluß gegen ihn geltend gemacht habe. Als eine Probe von der Denkungsart dieser Herren moͤge folgender Aus— zug aus der Rede des Herrn Harvey dienen:

„Man foͤnnte uns fragen: geht Ihr ins Parlament, um den Whigs durch Dick und Dunn zu folgen, und wollt Ihr den Tories in jedem Punkte opponiren? Hierauf wurde ich antworten. Nein! Ich wurde Alles, was die Tories Gutes vorbringen, unterstüͤtzen, ader ich kenne die Tories schon lange, und noch habe ich nichts Gutes bei ihnen entdecken nnen. Äber, wird man einwenden, es könnten unter den Tories Wunder geschehen, so gut wie bei andern Leuten. Gut, wenn die Tories Reformer werden, wenn ich Einen finde, der eine Vermögens-Steuer in Vorschlag brachte, wenn ich Einen finde, der da sagte: „„Ich moöͤchte, bevor ich sterbe, einige von meinen schlecht erworbenen Reichthüͤmern los werden, ich be⸗ sihe einige Ländereien, die dem Volke gehörten, ich kann nicht ru⸗ hig sterben, ich moͤchte Buße thun vor dem souverainen Volke, und da ein Mensch nichts mit in die elt bringt und nichts mit binaus nimmt, so will ich mein ganzes Vermögen der Nation und wo mbglich meinen Kindern einen guten Namen hinterlassen““ wenn ich solch Einen unter den Tories finde, der soll mei⸗ ner innigsten Ünterstützung gewiß seyn. Wenn ich sehe, daß sie Reformen der Kirche in Vorschlag bringen, Vorschlaͤge, um das Volk ven jenen Statthaltern des Himmels, den HBischoͤfen, zu be⸗ freien, die mehr Sammt und Seide am Leibe tragen, als noͤthig wäre, um eine ganze Maͤdchenschule zu kleiden, und die mit Die—⸗ nern, in Gold und Purpur gekleidet, einherreiten und „ehrwurdiger Vater in Gott“ titulirr werden dann wuͤrde ich den Tories deistehen. Wenn sie auftreten und die Armee reformiren und die Staats -Aus⸗ ab n von 7 Millionen auf 2 Millionen reduziren, kurz, wenn die Tories gerade das Gegentheil von allem dem thun, was sie bis jetzt gethan haben, dann warum sollte ich dann sie nicht unter— stutzen? Da ich aber uͤberzeugt bin, daß sie nicht so handeln wer⸗ den, so konnen auch Sie uͤberzeugt seyn, daß ich mich unerbittlich dem Ministerium oppohiren werde, Ein anderer Punkt, den ich vorgebracht zu sehen wuͤnsche, ist die Reform des Oberhau⸗ ses. Nichts ist widersinniger, als der gegenwartige Zustand der Dinge. Das Volk hat zwei legislative Versammlüngen, um seine Inkeressen zu vertreten; die eine waͤhlt es selbst, die andere ist erblich. Die Repraͤsentanten des Volks konnen Maßregeln zum He— sten desselben einbringen, aber was hilft das, wenn die erblichen Ge— setzgeber das Recht haben, sie zu verwerfen? Ich glaube, das ganze Verfassungswerk mußte mit einander in Elnklang gebracht werden, vom Könige bis zum geringsten Unterthan bergab. Man erzaͤhlt uns mit wichtiger Miene, die Ciwil-Liste sey sehr bedeutend reduzirt wor— den Aber die Reduction der Civil⸗Liste ist doch nur sehr unbedeu⸗ tend im Vergleich mit den Einnahmen, die aus anderen Quellen der Krone zufließen. Ich will Ihnen etwas sagen, was vielleicht Wenige von Ihnen wissen. Als der gegenwaͤrtige Koͤnig zur Regie⸗— rung kam, behauptete er, dem Volke alle erbliche Einkuͤnfte der Krone zurückgegeben zu haben und was verlangte er zum Ersatz dafuüͤr? Er verlangte zuerst, daß hinlaͤngliche Summen zum Unter⸗ halt der Krone ausgeseJt wurden, dann, daß der Königin gleich— falls etwaz gegeben wurde. Und was that man? Man gab der Königin einen Palast und 100,900 Pfd. Sterl. jaͤhrlich! Das ist ungefahr zehnmal so viel, als die ganze aufgegebene Revenue. Die iv Ctigen Westindischen Zoͤlle wurden aufgegeben. In Kriegszeiten brachten diese Zoͤlle einige Tausend Pfd. jahrlich; aber aufgegeben wurden sie nicht eher, als bis ihr Werth auf 1200 Pfd. jahrlich her⸗ untergesunken war. Hat aher der König all sein erbliches Eigenthum aufgegeben? Hat er die Herzogthuͤmer Cornwall und Lancaster auf⸗

gegeben? Nein, das hat er nicht gethan, und es ist ihm nie einge⸗

fallen, das zu thun. Ünd wie ist es mit dem Gute bei Kenningtön, welches Sir William Clayton zu Lehn hatte? Das Lehn ist kuͤrzlich heimgefallen. Und was glauben Sie, daß der Konig fuͤr die Erneue— rung desselben verlangt? Die kleine Summe von A00, 000 Pfund. Wenn diese eingeht, wird sie ohne Zweifel unter die Familie vertheilt werden. Das also ist der patriotische Monarch, von dem es hieß, er sey so eifrig bemüht, die Lasten sei⸗ nes, unterdrückten Volkes zu erleichtern! (Gelaͤchter, Laͤrm, Beifall und Zischen begleiteten die einzelnen Saͤtze dieser Anpektiven Was auch das Resultat der interessanten Parlaments⸗ Debatten des naͤchsten Fruͤhlings seyn mag, die Reformer von Eng— land werden fuͤr die Wirkungen desselben nicht verantwortlich seyn. Man sagt den Unterthanen, sie sollen ruhig bleiben. Nein, die Un⸗ terthanen muͤssen Agitatoren werden, sonst werden sie uͤberwaͤltigt. Wenn sie ruhig bleiben, so werden die Tories sagen, das Volk wolle nichts weiter. Man wird sagen, das Volk habe bloß die Reform— Akte gewollt habe, mit andern Worten, bloß verlangt, die Spei⸗ sen auf den Tisch gesetzt zu sehen, und nicht verlangt, sie zu essen. Ich hoffe, die Waͤhler von Southwark werden den Debatten des Hauses folgen und das Benehmen ihrer Repraͤsentanten bewachen. Ich hoffe, sie werden die Zeitungen lesen, und wenn sie das thun, so werden sie sehen, daß, waͤbrend sie selbst ruhig im Bette liegen, sie im Unterhause eine Macht haben, welche Tyrannen zit⸗ tern machen wird!“

Als Sir W. Horne gestern Nachmittags von der Wahl in Marylebone zurückkehrte, wo er als Gegner der Herren E. L. Bulwer und Sir S. Whalley auftritt, wurde er vom Poͤbel aufs groͤblichste insultirt. Man suchte ihm ein Bein unterzu— schlagen, und den Herren, die ihn schuͤtzen wollten, wurden die Roöͤcke vom Leibe gerissen. „Das schuftige Gesindel“, sagt die Times, „von den Demagogen aufgereizt, die den Waͤhlern ihre Rechte entreißen wollen, hetzte den ehrenwerthen Baronet nach Hause und wiederholte alle die Auftritte, welche die Reform-⸗Vill unmöglich machen sollte.“

Der Globe bemerkt: „Whig und Tory waren anfangs Schimpfworte, die man nur auf den niedrigsten Poͤbel an— wandte; sie kamen aber später zu Ehren, wie einst der Name Gueux (Bettler), den die Anhaͤnger des Herzogs von Alba den Flamaͤndischen Insurgenten an den Hals warfen. So hat auch jetzt das Schreckenswort Radikaler schon aufgehört, ein Popanz zu seyn; seitdem hat man das Wort Destruktive erfunden, aber wir erleben es noch, Adressen an Waͤhler zu sehen, die ganz wohlmeinend von Personen mit dem Namen „vernuͤnftige De— struktive“ unterzeichnet seyn werden.“

Folgendes ist die Art und Weise, wie bei den Parlaments Wahlen verfahren wird: Am ersten Tage der Wahl, wo die Kandidaten ernannt werden, eroͤffnet der bei der Wahl den Vor— sitz fuͤhrende Beamte die Versammlung der Waͤhler mit Verle— sung des Wahl -A Ausschreibens und der Akte gegen verbotene Wahl Umtriebe und Bestechungen. Dann folgen die Reden der angesehensten Freunde des Kandidaten, deren Einer die Ernen— nung des Letzteren beantragt, während die Anderen den Antrag unterstuͤtzen. So wurde in der City von London der Alder— man Wood von Herrn Waymouth vorgeschlagen und von Sir

James Williams r Herr Grote von Herrn Isaac Solly

vorgeschlagen und von Herrn Raikes Currie unterstuͤtzt, Herr Hrn. G. Palmer vorgeschlagen und von Hrn. J. Dixon unterstuͤtzt, Herr Crawford vom Alderman Harmer vorge— schlagen und von Herrn J. Travers unterstuͤtzt, Herr Ward vom Alderman Lucas vorgeschlagen und von Sir J. Claridge unterstuͤzgt, Herr Wilson vom Alderman Brown vorgeschlagen und von Herrn J. Masterman unterstuͤßt, Herr Pattison von Herrn L. Loyd vorgeschlagen und von Herrn Samuel Gurney uünterstützt, Nachdem dies geschehen ist und auch die Kandida— ten Reden an die Wähler gehalten haben, wird abgestimmt, und zwar juerst nur durch Aufhebung der Haͤnde. Dies genuͤgt, wenn kein Gegner auftritt oder der aufgetretene sich zuruͤckzieht, wie es diesmal in Westminster der Fall war. Bleibt aber das

Lyall von

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Resultat dieser Abstimmung zweifelhaft, oder verlangen es die Freunde eines durchgefallenen Kandidaten, wie es diesmal in der City, in Marylebone und Greenwich geschah, so beginnt am folgenden Tage die zweite Abstimmung, wo dann jeder Waͤhler sein Vo— tum zu Protokoll geben muß. Hier erst koͤnnen die Stimmen gezahlt werden.“

Der Oberst Sir John Campbell erklärt in der Times, daß er nicht daran gedacht habe, wieder nach Portugal zu ge— hen, wodurch er sein Ehrenwort brechen wuͤrde; auch seyen alle Geruͤchte von einer Einmischung seinerseits in die politischen An—

gelegenheiten der Halbinsel seit seiner Ruͤckkehr aus der Gefan⸗

genschaft ungegruͤndet.

Im gestrigen Boͤrsen-Bericht der Times liest man: „Die einzige Bewegüng an unserem Geldmarkt war heute eine sehr geringe Neigung zum Steigen, weil man nach der Dividenden- Zahlung einige Nachfrage nach Fonds erwartet. Schatzkammer— Scheine hielten sich daher auch ein wenig fester. Auch die frem— den Fonds wurden hoher notirt, obgleich sehr wenig Geschaͤfte darin gemacht wurden. Holländische wurden am meisten gesucht, weil man eine baldige Ausgleichung zwischen Holland und Bel— gien erwartet, wodurch ein Theil der Schuld und Zinszahlung Belgien zufallen und die Hollandische Schuld, die ohnedies ih⸗ ren Kredit so fest behauptet, eine hoͤhere Notirung als die Bel— gische erhalten wuͤrde.“

Aus Buenos Ayres sind Berichte vom 9. Oktober hier eingegangen, die jedoch nichts von Belang enthalten; der neue Britische Geschäftstraͤger, Lord Hamiston, war daselbst an— gekommen.

Niederlandne.

Aus dem Haag, 9g. Jan. Mit Sr. Koͤnigl. Hoheit dem Prinzen von Oranien ist auch dessen zweiter Sehn wieder nach dem Hauptquartiere zuruͤckgekehrt. n demselben Tage, an welchem Se. Königl. Hoheit die Hauptstadt verließ, ging auch (wie bereits erwähnt) der Baron van Zuylen van Nyevelt nach London ab.

Die Niederlaͤndische Dampfschifffahrts⸗Gesellschaft hat Ver⸗ suche anstellen lassen, um das nicht weit von der Kuͤste gesun— kene Dampfboot „Pylades“ wieder in die Hohe zu bringen. Der Schornstein desselben ist allerdings noch uber dem Wasser— spiegel sichtbar, doch wird dessenungeachtet von Vielen der Ver— such, namentlich in der gegenwärtigen Jahreszeit, fuͤr fruchtlos, wenn nicht gar fuͤr gefaͤhrlich angesehen. Mehrere Fischer⸗Slosps sind im Vereine mit zwei Dampfböten abgesandt worden, um diesen Versuch zu unternehmen.

Belgien.

Bruͤssel, 9. Jan. Der Herzog von Leuchtenberg ist in Begleitung des Grafen Méjean, des Marquis von Ficalho, des Visconde de Sa da Bandeira, des Barons von Belling und des Generals d'Hane de Steenhuyse, der sich zum Empfange des Prinzen nach Loͤwen begeben hatte, gestern früh um 10 Uhr hier angekommen und in dem Hotel der Portugiesischen Gesandt— schaft abgestiegen, wo eine Ehrenwache aufgestellt war. Der Prinz empfing nach einander die Offiziere der Garnison, die hoͤchsten Eivil- und Militair-Behoͤrden, die Hofstaats-Beamten, den Englischen Gesandten, den Marquis von Bassano u. s. w. Um 1 Uhr fuhr der Prinz nebst seinem Gefolge in den Koͤnigl. Wagen nach dem Schlosse, wo er von Ihren Majestaäͤten empfangen wurde und eine halbe Stunde verweilte. Um 2 Uhr wurden die Minister von dem Prinzen empfangen und noch viele andere Personen im Laufe des Nachmittags ihm vorge— stellt. Am Abend war Diner beim Koͤnige, wobei der Herzog von Leuchtenberg und die Personen seines Gesolges, ferner der Eng— lische Gesandte, der Portugiesische Geschaͤftsträger, Herr Ameida— Garrett, der Graf von Varennes, Franzoͤsischer Gesandter in Hamburg, der Marquis von Bassano, Franzoͤsischer Geschäͤfts⸗ traͤger in Belgien, der Praͤsident des Senats, die Minister, mehrere Senatoren u. s. w zugegen waren. Der Prinz wird heute Abend nach Ostende abreisen, um sich nach London einzu— schiffen.

fee Graf von Latour⸗Maubourg, bevollmaͤchtigter Minister Frankreichs, ist vorgestern von hier nach Paris abgereist. In seiner Abwesenheit wird der Marquis von Bassano die Functio⸗ nen eines Geschäftstraäͤgers versehen.

Zu Anfang des kommenden Monats wird hier ein Paͤpst— licher Gesandter erwartet, doch glaubt man, daß seine Mission eine rein geistliche und keine politische seyn werde, indem der Koͤnig der Belgier bekanntlich noch nicht vom Papst anerkannt worden ist.

Dänemark.

Kopenhagen, 7. Jan. Nach der von der Polizei⸗Kam⸗ mer bekannt gemachten General-Tabelle uͤber die Interessenten der hiesigen Zuͤnfte, Meister, Gesellen und Lehrburschen, war im vorigen Jahre die Zahl der Meister 3985, der Gesellen 4997 und der Lehrburschen 2632. Zahlt man die festen Arbeiter in den Zuͤnften, und die Knechte, die in den 45 Brauereien ge— braucht werden, (237) hinzu, so ist die Gesammtzahl 13,939.

Vom 21. Dezember 1833 bis zum 21. Dezember 1834 sind hier verehelicht 956 Paar; geboren 3608 (18731 Knaben und i737 Maͤdchen); gestorben 3273 (19090 Maͤnner, g13 Weiber, 694 Knaben, 576 Maͤdchen.) Es sind also 335 mehr geboren als gestorben.

Die Staͤnde⸗Versammlung in Roeskilde wird aus 70 theils erwählten, theils vom Koͤnige berufenen Mitgliedern bestehen. Darunter sind 3 dem Gelehrtenstande Angehoͤrige, 2 Geistliche, 10 Civil⸗Beamte, 27 Gutsbesitzer und sogenannte Proprietatre, ä Prokurateren, 7 Kaufleute, 8 sonstige gewerbtreibende Buͤr—⸗ ger, und 9 kleinere Landbesitzer.

Wie die Kjöbenhavns-Post berichtet, fand die Eingabe der Anklage gegen den Professor David am 30. Dezember statt. Aus der Fassung der Vorladung, worin die 3 erwahnten Arti—⸗ kel des „Faͤdreneland“ nur als besonders strafbar bezeichnet zu werden scheinen, will man schließen, daß die Anklage nicht bloß gegen diese Artikel, sondern gegen das ganze Blatt gerichtet sey. Eine Bestaͤtigung dieser Ansicht glaubt die b enhavns⸗Post, auch in dem Umstande zu finden, daß der Professor von seinem Amte als Lehrer an der Universitaͤt und der Hochschule suspen⸗ dirt worden sey. )

Deutschland.

Muͤnchen, 8. Jan. Se. Majestaͤt der Koͤnig haben am Neujahrstage zehn neue Pensionen zu 300 Fl. zur Erziehung von Söhnen und Töchtern der Ritter des Civil-Verdienst⸗ Or⸗ dens der Bayerschen Krone mit der Stiftung dieses Ordens verbunden.

Stuttgart, 10. Jan. (Schw. Merk.) Der Deutsche Kurier vom 9ten d. M. spricht von einem in gewissen Zirkeln umlaufenden Geruͤcht, das die Aufloͤsung unserer Staͤnde⸗Ver⸗

sammlung in Aussicht stelle. Wir glauben dieses Gerücht, def sen Entstehung, bei gaͤnzlichem Mangel irgend eines Kup eren Anlasses und widersprechenden positiven Thatsachen, unwillku= lich die Vermuthung unreiner Triebfedern erregt, aufs Bestimm, teste fuͤr grundlos erklaren zu muͤssen.

Luxemburg, 7. Jan. Das hiesige Journal enthäͤ folgenden Artikel: „Se. Majestaͤt der König Großherzog hat aufs neue seine Milde dadurch berhaͤtigt, daß er den Advohn, ten Fendius in alle seine Bürgerrechte wieder eingesetzt unz ihm gestattet hat, nach Ablegung eines neuen Eides, wie srisher seine Geschaͤfte bei den Gerichtshöͤfen zu betreiben. Unsere Landsleute wissen, daß Herr Fendius sich der Revolutions-Pa, tei angeschlossen und in dem Kongreß der Belgischen Reprisen tanten gesessen hat; da er indeß, als aufgeklärter Mann, hah die Mittel, welcher die Unruhstifter sich bedienten, um zen Geist des Volkes zu verfuͤhren, die offentlichen Institutionen verdrehen und sich in der Anarchie zu bereichern, nach ihrn wahren Werthe schätzen lernte, so kehrte er, mit Erlaubniß h

Souverains, in seine Geburtsstadt zuruͤck und erwarnn dort die Folgen des Koͤniglichen Wohlwollens in Benn seiner kuͤnftigen Stellung. Dieses Wohlwollen, welch

das Hinderniß hinwegraͤumt, das einen Rechtsgelehrin dem ein politischer Irrihum die seinen Talenten und persoͤnlichn Eigenschaften gezollte Achtung nicht rauben konnte, von den Wh ren unserer Stadt entfernt hielt, ist fuͤr alle Luxemburger i kostbares Pfand der Gesinnungen des Monarchen, seiner Nat sicht und seines Wunsches fuͤr eine Versoͤhnung der Gemuͤth,.

Portugal.

Lissabon, 26. Dezember. Die Sitzungen der g ßerordentlichen Cortes sind geschlossen worden, und in der NM welche die junge Königin bei dieser Veranlassung ablas, wun denselben ganz unumwunden der Vorwurf ausgesprochen, g sie die wichtigsten Berathungs⸗Gegenstaͤnde vernachlaͤssigt haͤtn und die Hoffnung ausgedruckt, daß sie kuͤnftig mehr Eifer s das oͤffentliche Beste zeigen, und die Nation guͤnstigere Resuhn von der Weisheit und Ausdauer ihrer Repraͤsentanten aͤrnd wuͤrde. Eine solche Erklarung der ausuͤbenden Gewalt ist ; verlaͤssig ein sehr ernster Schritt, und die Folge wird lehren, die Kammern von der ihnen so unumwunden ertheilten Leet profitiren werden, oder ob nicht etwa daraus nur eine vermehn Gereiztheit von Seiten derselben entstehen durfte. Der unbefangu Beobachter muß allerdings einraͤumen, daß der von der Regierung gen die Cortes ausgesprochene Vorwurf keinesweges unbegruͤnh ist, und daß im allgemeinen eine alles Maß uͤberschreitende Redselig verbunden mit einem leidenschaftlichen Reactions-Geiste, geng die besiegte Partei einerseits und einem Systeme von Persh lichkeiten gegen die die Regierung bildende Maͤnner anderersehh ihre Verhandlungen charakterisirte. Und diese Erscheinung ihn rascht eben nicht, wenn man die den Portugiesen eigenthuͤmli Neigung zu persoͤnlichen Intriguen in Betracht zieht, und dam ben erwägt, daß, wahrend der Emigration, unter der jetzt he schenden Partei, wie das im Ungluͤcke gewohnlich der Fall s schroffe Parteiungen und bittere Feindschaften entstanden, in manche Hoffnungen und Anspruͤche nach dem Siege unhefi digt bleiben mußten. Ob uͤbrigens von Seiten der Regierun nicht auch manches geschehen ist, was zur Vermehrung der Ge reiztheit der Opposition beitragen konnte, muß dahingestellt hi ben. Indem dieselbe den bekannten Obersten Pizarro soft nach Dom Pedro's Tode nicht allein in Freiheit, sondemn auch in seinen Militair-Grad wieder einsetzte, schwe R selbst anzuerkennen, daß die Verhaftung und Verfohgum dieses Individuums nicht eine durchaus legale Handun gewesen sey. Die Regierungs-Zeitung selbst beklagt sich il die Unpopularitaͤt des Herzogs von Palmella und sucht zu h weisen, wie ungerecht die Gesinnung des Publikums gegen i sen ausgezeichneten Staatsmann sey. Der unbefangene Be achter wird gewiß die Ueberzeugung von dieser Ungerechtigkt theilen; thaͤte aber, da selbige nun einmal vorhanden ist, der wiß um seine Sache sehr verdiente Herzog nicht besser darm etwas sparsamer mit den auf seine saͤmmtliche nahe wie n fernte maͤnnliche und weibliche Verwandte gehäuften Gunshh zeigungen zu Werke zu gehen? In der Mitte eines hesti Parteikampfes und in Gegenwart nicht allzu freundlich gesinm Kammern muͤssen die Regierenden vielleicht den Schein zu st nen und gewisse Neigungen zu zuͤgeln wissen, denen in g ruhigen Zeiten eher ein Spielraum gestatt't werden kann Ich habe schon in einem fruͤheren Schreiben die Bemerht gemacht, daß manche Personen hier einen Anstoß an großen Dotationen nehmen, welche fuͤr die Haͤupter siegreichen Partei in einem Augenblicke in Antrag gebracht i den, wo die Regierung das Vorhandenseyn eines furchtbin Deficits eingestand; wo Mangel an Bezahlung selbst der fit den Truppen so oft Meutereien unter az ien her vorrief im Innern des Landes zum Theil noch ein so graͤnzenloses Es in Folge des Buͤrgerkrieges bestand, und wo die Regierung m dankbar patriotische Gaben zur Deckung der Staats-Beduͤrsnn entgegennimmt. Die Civil Liste, wenn man zur Dotation Königin die Apanagen des Herzogs von Leuchtenberg, der ha zogin von Braganza und der Infantinnen hinzurechnet, bett volle 500 Contos jährlich oder ungefahr ein Eilftel der wirklh reinen Staats / Einnahme, angenommen, daß, was zuverlaͤssh n Fall ist, die jetzige Staats-Einnahme nicht diejenige des Jih⸗ res is27 uͤbersteigt. Allerdings kostete in den frihereh Jahrhunderten und im Anfange des jetzigen die Hshi tung in Portugal bedeutend mehr, und in dieser Bal hung liegt gewissermaßen etwas Wahres in den emphäj schen Lobspruͤchen, die mitunter der Sparsamkeit des jetzig Hofes gespendet werden. Dessenungeachtet aber ware es p leicht politisch gewesen, unter den jetzigen Umstaͤnden dem B spiele Ludwig XVIlilI. von Frankreich unmittelbar nach dem Inh 1815 zu folgen, und fuͤr ein Paar Jahre einen Theil der tu malmaͤßigen Civil⸗Liste dem Staatsbeduͤrfnisse zum Opfer bringen. Es wuͤrden dadurch die aͤrgerlichen Diskussionen der Deputirten⸗Kammer bei Gelegenheit der Festsetzung der vil-Liste, so wie die Einfluͤsterung der Uebelgesinnten vermied worden seyn, daß jene Ermahnungen zur Sparsamkeit wesent mit zu der gereizten Sprache in der Köoͤnigl. Schlußrede bei tragen haͤtten. Die Herzogln von Braganza hat in Bel auf ihre eigene Person jenes Verhaͤltniß sehr richtig beurthen indem sie sogleich den zwanzigsten Theil ihrer Apanage auf mer dem Invalidenhause zu Runa uͤberwies, welches Inte den, die unter ihrem verstorbenen Gemahle gefochten, aufsunqh men bestimmt ist.

Aegypten. . In Triest eingegangene Briefe aus Alexandrien bestit

gen die Nachricht vom Ausbruche der Pest in Alexandrien n dessen Uumgebungen. Jede Art von Handels-Verkehr gerhhh plötzlich in Stockung, ein Theil der Einwohner hatte sich