1835 / 88 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Sun, 29 Mar 1835 18:00:01 GMT) scan diff

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und tadelte dies Verfahren der Minister in den schaͤrfsten Aus⸗ drücken; auch war er der Meinung, daß erst die Frage uͤber die Verwendung des Kirchen⸗Eigenthums in Irland entschieden wer⸗ den muͤsse, ehe etwas in Betreff des Zehnten geschähe. Diese Ansicht wurde von der Opposition mit großem Beifall aufgenom⸗ men und von mehreren anderen Mitgliedern derselben im Lauf der Debatte noch weiter ausgefuͤhrt. So oft das Wort „Ver—⸗ wendung“ (appropriation) ausgesprochen wurde, erscholl lauter Applaus von den Oppositions Bänken. Sir R. Peel, der nach Lord Howick das Wort nahm, stellte vor, daß die Geistlichkeit in Irland keine andere Mittel habe, um sich ihrer Schuld zu entledigen, als eine gewaltsame Eintreibung des Zehnten von den Pächtern, was ohne militairische Huͤlfe unmoͤglich sey, und doch, meinte er, waren gerade diejenigen, welche am hartnaͤckigsten auf die Ruͤckzahlung der den Irländischen Geistlichen vorgeschossenen Summen draͤngen, die wuͤthendsten Gegner jedes Vorschlages, der zum Zweck hatte, den Geistlichen bei der Eintreibung der Fonös, aus dem sie allein die Vorschuͤsse zuruͤckzahlen koͤnnten, mit Militair⸗ oder Civil⸗Macht zu Huͤlfe zu kommen; eine solche Inkonsequenz, sagte der Minister, sey doch wahrlich die schreiendste Ungerechtigkeit. Sir Robert wies auch nach, daß die Frage in Betreff der Verwendung der etwanigenUeberschuͤsse des Irländischen Kirchen⸗ Vermoͤgens mit der Zehnten ⸗BVill, die das Ministerium einzubringen gedenke, in gar keiner Beruͤhrung stehe, und behauptete ferner, daß die beiden vorgeschlagenen Resolutionen, wie ja Lord Rus⸗— sell selbst zugegeben, eine bloße Sache der Form seyen und das Haus in keiner Weise banden. Uebrigens erklaͤrte er sich bereit, die zweite Resolution fuͤr jetzt zuruͤckwunehmen, wenn sie Jeman den unerwartet kaͤme; er that dies auch, indem er sagte, er zeige nun an, daß er an einem anderen Abende darauf antragen werde. Lord Howick, Herr C. Wood und Herr Littleton wollten unter dieser Bedingung die Resolution passiren lassen. cr. O'Connell erhob sich nun und hielt eine sehr heftige Rede in seiner bekannten Weise, worin er viel von der abscheulichen Behand⸗ lung des Irlaͤndischen Volks, von dem Gemetzel zu Ratheormac und von der einer katholischen Bevölkerung auferlegten Noͤthigung sprach, eine protestantische Kirche zu erhalten, und damit schloß, daß man, ehe irgend etwas Anderes vorgenommen werde, erst uͤber die Verwendung der uͤberfluͤssigen Einkuͤnfte der Irlaͤndi⸗ schen Kirche entscheiden muͤsse. Herr Hume stimmte ganz hier— mit uͤberein, tadelte den Lord John Russell und diejenigen Op— positions⸗Mitglleder, welche sich für die Annahme der von Sir H. Hardinge vorgelegten Resolutionen ausgesprochen, und trug darauf an, daß der Ausschuß aufgehoben und uͤber die Vor— schlaͤge zur Tagesordnung uͤbergegangen werde. Sir R. Peel blieb aber dabel, daß er es uͤber den ersten Theil der Resolutionen zur Abstimmung kommen lassen wolle, und fragte Herrn Hume, der in seiner Rede geaͤußert hatte, daß er nicht begreife, wie Maͤnner von Ehre in dem einen Jahre dies und im anderen gerade das Entgegengesetzte vertheidigen koͤnnten, ob er etwa damit gemeint habe, daß sein (Sir R. Peel's) Benehmen in Bezug auf diese Frage nicht das eines Ehrenmannes sey. Herr

ume erwiederte: „Waͤre ich in der Lage des sehr ehrenwer— then Baronets (o, o), so wurde ich anders gehandelt haben; nach meinen Begriffen von Ehre wuͤrde ich eine Maßregel nicht vertheidigen und unterstuͤtzen, der ich mich fruͤher aufs heftigste widersetzt haͤtte.“ Sir R. Peel: „Will das ehrenwerthe Mitglied damit sagen, daß ich nicht so gehandelt hatte, wie es dem Charakter eines Ehrenmannes gezieme? Der ehrenwerthe Herr muß den Sinn meiner Frage verstehen, er weiß, wie ich fruͤher bei einer aͤhnlichen Gelegenheit gehandelt habe, und er muß daher wissen, wie ich in diesem Falle die Frage meine. Waren seine Worte gegen mich gerichtet?“ Herr Hume: „Ich kann nicht umhin, zu bekennen, daß ich als Staatsmann nicht so . haben wuͤrde, wie der sehr ehrenwerthe Baronet.“ Sir R. Peel wollte darauf noch einmal eine Frage an Herrn

. richten, es ertoͤnte aber von allen Seiten der Ruf: „Zur rdnung!“ Der Praͤsident des Ausschusses mußte sich ins Meit— tel legen, und der Kanzler der Schatzkammer setzte sich nieder. (Vergl. uͤbrigens den Art. London.) Herr C. Fergusson und Herr Ward, die sich hiernaͤchst vernehmen ließen, sprachen die

Besorgniß aus, daß selbst, wenn das Haus auch nur die irste Resolution annähme, es so aussehen moͤchte, als ob es sich dadurch verpflichte, die Grundsaͤtze derselben zu billigen, und nicht, als ob es bloß deshalb in die Annahme des Vorschlages willigte, damit eine darauf basirte Bill eingebracht werden konnte, die ihm dann immer noch nach Belieben zu veraͤndern, zu ver— werfen oder zu genehmigen freistände. Sir R. Peel versicherte, daß diese Besorgnisse ungegruͤndet seyen, und daß das Haus eben so freie Hand haben wuͤrde, mit der Bill vorzunehmen, was ihm beliebe, wenn es die Resolution annähme, wie wenn es dieselbe verwuͤrfe, da dieselbe ja nur eingebracht sey, weil das Reglement des Hauses ein solches vorlaͤufiges Verfahren vorschreibe. Herr Spring Rice aber stimmte den vorigen Rednern und namentlich den Aeuße⸗ rungen des Grafen Howick uͤber die Nothwendigkeit einer vorheri—⸗ gen Entscheidung in Betreff der Verwendung des Irlaͤndischen Kirchen-Eigenthums bei und hatte auch das gegen die Resolu— tion einzuwenden, daß sie zu ausfuͤhrlich und detaillirt sey; er wollte daher, daß der einfache Antrag auf die Erlaubniß zu einer Bill in Bezug auf die Irländische Zehnten-⸗Bill von Sir H. Hardinge an deren Stelle gesetzt werde. Lord Stanley erklärte dagegen, daß er fuͤr die Annahme der Resolution stimme, weil er nicht glaube, daß die Minister einen Mißbrauch von diesem Zugestaͤndniß machen wuͤrden, und daß das Haus sich durch einen solchen Entschluß nicht binde. Der Antrag des Herrn Spring Rice fand jedoch bei der Opposition großen Bei⸗ fall; Herr P. Thom son unterstuͤtzte ihn namentlich aufs eifrigste, indem er behauptete, daß, als die vorigen Minister eine aͤhnliche Resolution vorgeschlagen haͤtten, nicht die Frage uͤber die Ver⸗ wendung des Irländischen Kirchen-Guts erhoben gewesen sey. Sir R. Peel suchte aus den Journalen das Gegentheil darzu— thun, naͤmlich daß damals auch eine ausdruͤckliche Motion in Be— zug auf die Verwendung dieses Vermoͤgens in denselben ver— jeichnet gewesen, und er fand es daher sehr auffallend, daß sich erade die Mitglieder der vorigen Verwaltung jetzt unter ähn⸗ khr Umstaͤnden einer solchen Resolution so sehr widersetzten. Er gab sodann noch eine kurze Geschichte der Zehnten-Bill und

erwähnte besonders der Veranderungen, die Herr Littleton in

der ersten von Lord Stanley entworfenen Bill vorgenom⸗ men, und der Hunderte von Klausein, die Herr O Con⸗ nell hineingebracht, und wodurch dieselbe ganz und gar verwandelt und verstuͤmmelt worden sey, so daß der Ver— fertiger selbst nicht im Stande gewesen seyn muͤßte, sie wie der zu erkennen, obgleich derselbe nebst seinen Kollegen sich gezwungen gesehen, sie anzunehmen. Nachdem sodann Herr

ume sein Amendement zuruͤckgenommen hatte, um dem von

errn Spring Riꝑee vorgeschlagenen den Vorrang zu gestat— ten, welches besagte, daß die einfache Resolution angenommen werden solle, „es sey zweckmäßig, die Irlaͤndischen Zehnten ⸗Ge⸗

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setze zu verbessern und zu veraͤndern“, wurde uͤber dieses Amen dement zur Abstimmung geschritten, und es ergaben sich fuͤr die urspruͤngliche Resolution 213 fuͤr das Amendement 193

mithin eine Majoritat von 15 Stimmen zu Gunsten der Minister. Sir H. Hardinge wird daher naͤchstens eine auf seine Vorschlaͤge gegruͤndete Bill in Betreff der Zehnten-Abloͤsung in Irland einbringen.

London, 21. Maͤrz. Die Hof⸗-Zeitung meldet nun of⸗— fiziell die Ernennung des Lord Henry Cowley zum außerordent— lichen Gesandten und hevollmaͤchtigten Minister Sr. Majestaͤt beim Koͤnige der Franzosen. Eben dies Blatt zeigt an, daß Se. Majestat den General⸗Major Thomas Pearson zum Rit— ter des Bath-Ordens und zum Commandeur des Guelphen— Ordens ernannt haben.

Der Preußische Gesandte, Freiherr von Buͤlow, und der Marquis von Camden besuchten gestern den Herzog von Wel— lington im auswaͤrtigen Amte.

Der Brasilianische Gesandte am hiesigen Hofe, Herr Araujo Ribeiro, ist von Portugal hierher zuruͤckgekehrt.

Lord Durham's Gesundheit hat sich, seitdem er nach Dur— ham Castle zuruͤckgekehrt ist, sehr gebessert; da er aber der Ruhe bedarf, so wird er wahrscheinlich vor dem Monat Mai nicht wieder nach London zurückkehren.

Der Standard enthaͤlt nachstehendes, von dem Marquis von Londonderry an den Herzog von Wellington gerichtete Schreiben, um seine Ernennung zum Gesandten am Russischen Hofe abzulehnen. Das genannte Blatt bemerkt, das Datum des Briefes zeige, daß die Minister von dem Entschlusse des Marquis erst am Montag Nachmittag nach 3 Uhr unterrichtet worden wären. Das Schreiben lautet solgendermaßen:

„Holdernessehouse, 15. Marz, 3 Uhr Nachmittags.

Mylord! Als Sir Robert Peel mir anzeigte, daß er die Ab⸗ sicht habe, mich Sr. Majestaͤt zu dem Gesandtschafts-Posten in St. k. vorzuschlagen, und als Ew. Gnaden diesem Ihre vollige

ustimmung gaben, da fuͤhlte ich den hoͤchsten Stolz, daß ich noch einmal meine geringen Kraͤfte fuͤr den Dienst des Königs verwen⸗ den sollte. Als Ew. Gnaden mir ferner zu melden die Guͤte hat⸗ ten, daß Se. Majestaͤt der Kaiser von Rußland seine Zufriedenheit mit der gnaͤdigen Ernennung meines Souverains zu erkennen gege⸗ ben habe, da glaubte ich, wegen meiner langen persoͤnlichen Be— kanntschaft mit mehreren Minsstern des Kaisers, und wegen der in⸗ nigen Freundschaft, welche ich mit denselben im Felde geschlossen, als ich in den Heeren Europa's gegen den gemeinsamen Feind kaͤmpfte, die Interessen beider Laͤnder auf eine wirksame Weise be⸗ fordern und das gute Einverstaͤndniß, welches so gluͤcklich zwischen beiden Kronen besteht, befestigen zu koͤnnen. Nach der Diskussion, welche am Freitag Abend in Unterhause stattfand, glaube ich indeß, daß ich, als Unterthan und als Staatsdiener, gegen meine Pflicht handeln wurde, wenn ich Ew. Gnaden nicht er— suchte, meine Resignation Sr. Majestaͤt vorzulegen. Durch die Ausdrucke und Meinungen mehrerer Mitglieder des Unterhau— ses der günstigen Stellung beraubt, worin jeder Repraͤsen⸗ tant des Souverains bisher sein. Amt übernommen, und durch ungerechte und falsche Vorwürfe uͤber mein bffentliches Benehmen daheim kurz vor meiner Abreise in meiner Wirksamkeit im Auslande gehemmt, fuͤhle ich, daß meine Kraͤfte fuͤr die Stellung, zu der ich berufen bin, geschwaͤcht sind, und da ich im Dienst des Koͤnigs nicht laͤnger mit Erfolg thaͤtig seyn kann, so wuͤrde nichts in der Welt mich bewegen, ein Amt zu uͤbernehmen, das ich nicht wirksam ver⸗ walten konnte. Ich bin den Ministern des Königs sehr dankbar fuͤr ihre kuͤhne und ehrenwerthe Erklaͤrung vor dem Parlament und dem Lande, daß sie diese Ernennung auf alle Faͤlle unterstuͤtzen wurden. Ich fuͤhle auch, daß ich unfaͤhig bin, einer Partei zu weichen oder Drohungen nachzugeben, aber ich fühle, maͤchtiger als Alles, das Interesse des Staats-Dienstes und die Nothwendigkeit, bei einer sol⸗ chen Krisis die Regierung des Königs nicht in Verlegenheit zu sez— zen. Aus diesen Gruͤnden allein habe ich, ohne Jemandes Rath, durch Niemandes Meinung bewogen, und ohne daß irgend Jemand darum weiß, diesen Entschluß gefaßt. Ich habe die Ehre u. s. w.

Vane Londonderry.“

Zwischen Sir Robert Peel und Joseph Hume sind gestern, noch wahrend der Debatte im Unterhause, folgende Schreiben gewechselt worden: ;

„Sir! Im Laufe der heutigen Debatte horte ich, daß Sie sich einiger Ausdruͤcke bedienten, um darzuthun, daß ich in Be— treff der in der Eroͤrterung begriffenen Maßregel ein Verfahren befolge, das mit dem Benehmen eines Mannes von Ehre unver— träglich sey. Da ich es fuͤr wahrscheinlich hielt, daß jene Aus— druͤcke Ihnen unwillkuͤrlich und in der Hitze der Debatte ent— schluͤpft seyen, so gab ich Ihnen durch eine an Sie gerichtete Aufforderung Gelegenheit, sie zu widerrufen. Ich konnte den Gegenstand damals nicht weiter verfolgen, aber ich hege das Vertrauen, daß Sie fuͤhlen werden, wie die Ausdrucke, uͤber die ich mich beklage, den Gebraͤuchen des Parlaments zuwider und durch die Freiheit der Debatte nicht gestattet sind, und daß Sie daher nicht anstehen werden, sie, als auf mich bezuͤglich, zu wi— derrufen. Ich habe die Ehre u. s. w.

An Herrn Joseph Hume. Robert Peel.“

Hierauf erfolgte nachstehendes Antwort-Schreiben des Hrn. Joseph Hume:

„Sir! Ich druͤckte mich in der Debatte, so viel ich mich erinnere, streng tadelnd aus uͤber das Benehmen der Regierung,

an deren Spitze Sie stehen, insofern Sie und Ihre Partei in

der letzten Session sich der Bill zur Abschaffung der Zehnten widersetzten und sie als unvereinbar mit der Wohlfahrt des Lan—⸗ des verwarfen. Ich fuͤgte hinzu, daß ich es nicht fuͤr ehren— werth hielte, erst so zu verfahren und dann eine ganz ahnliche Mahßhregel vorzuschlagen. Als Sie mich in Betreff der von mir gebrauchten Worte fragten, ob ich damit einen Vorwurf gegen Ihre Ehre habe aussprechen wollen, da antwor— tete ich sogleich, daß ich nicht wissen koͤnne, welche Be— griffe Sie von Ehre haͤtten, daß ich indeß, als Staats— mann, es nicht wurde fuͤr Recht gehalten haben, wenn ich so gehandelt hatte. Es ist daher klar, daß, als ich meine Bemerkungen machte hinsichtlich dessen, was ich gethan haben wurde, ich in dem von Ihnen befolgten Verfahren Ihre Ehre nicht angriff, da die Ansichten von Ihrer Pflicht als Staatsmann gewiß eben so rein sind, als die meinigen, oder die irgend eines anderen Mitgliedes, obgleich Ihr politisches Benehmen gerade das Gegentheil von dem meinigen ist. Ich sehe daher keinen triftigen Grund, meine Worte als einen Angriff auf Ihre Ehre zu betrachten. Ich beabsichtigte keine persöoͤnliche Beschuldigung der Art, und ich bedauere es, wenn mir in der Hitze der De— batte Worte entschluͤpft sind, denen man einen Sinn unterlegen koͤnnte, den ich nicht beabsichtigte. Ich bin u. s. w. Joseph Hume. An den sehr ehrenwerthen Sir Robert Peel.“

Mit Hinsicht auf die Debatte, welche uͤber die von Sir R. Peel eingebrachte Maßregel zu Gunsten der Dissenters stattge— funden hat, bemerkt die Morning Chronicle: „Sir R. Peel kann sich doch gewiß nicht daruͤber beschweren, daß auf Seiten der Opposition eine vorgefaßte Meinung gegen ihn herrsche.

Das Haus gewaͤhrte ihm eine offene Erprobung. Es echoß war seine Stimme gegen die Ernennung des Marquis von dondonderry, als eine nicht zu rechtfertigende Maßregel, aber es nahm die Maßregel in Betreff der den Dissenters bei ihren 8 rathen zu gewaͤhrenden Abhuͤlfe guͤnstig auf. Das ist ganz so wie es seyn muß.“ ö

Der General Sir Henry Johnson, Oberst des 5ten Infan— terie⸗Regiments, ist am Mittwoch in Baih mit Tode abgegangen

Unter den politischen Karrikaturen, welche in der letzten Zeit hier erschienen sind, wird von der Times besonders ein Blatt als sehr witzig bezeichnet, auf welchem Lord John Russell alt Fragezeichen, Herr O'Connell als Ausrufungszeichen und *

Marquis von Chandos, auf einem Bierfaß reitend und sich !

durch das Festhalten an dem Schweif eines unbaͤndigen Pferr— vor dem Herunterfallen bewahrend, dargestellt sind.

Die Times widerspricht der Behauptung Franzoͤsischer 3. tungen, daß die Herren Gower in London irgendwie an des Anleihe fuͤr Dom Miguel Antheil haͤtten.

In der Times llest man: „Die Zeitungen aus Ostindien geben gelegentlich zufriedenstellende Beweise von den Fortschrit, ten der buͤrgerlichen Freiheit seit Einfuͤhrung des neuen Systemz In den letzten Berichten aus Ceylon finden wir z. B., daß der Herausgeber des Colombo Observer wegen einiger freien Bemerkungen über den Ober-Aufseher der Polizei vor Gerchkt gestellt, aber voͤllig freigesprochen wurde. Er hatte naͤmlich in dem Artikel gesagt, daß, wie geschickt und eifrig der Ober-Auf⸗ seher auch als Staatsdiener sey, doch eine natuͤrliche Schwaͤche

des Geistes und ein Mangel an Urbanitaͤt gegen diejenigen, nes Artikels uͤber Dänemarks Provinzial-Staͤnde, belangt wor—

welche er fuͤr Geringere halte, ihn zur Verwaltung des Richter, Amtes unfaͤhig mache. Vor einigen Monaten wuͤrde ein solcher Artikel wahrscheinlich das Verbot des Blattes und den Ruin des Herausgebers zur Folge gehabt haben.“

Der Franzoͤsische Bischof und apostolische Vicar von C

chinchina, Camboja und Tsiompa, der, nach einer dreizehnjaͤhri⸗ gen Residenz in Cochinchina, bei der letzten Verfolgung der Christen gezwungen worden war, aus dem Lande zu fliehen, giebt in Ostindischen Blaͤttern folgende Aufschluͤsse uͤber dieses Ereigniß: „Es sind jetzt funfzehn Jahre verflossen, seitdem der gegenwartige Koͤnig, Minhmang, den Thron von Cochinchina bestiegen hat. Er hatte schon vor diesem Ereignisse oft erklart, daß er die christliche Religion in seinen Laͤndern ausrotten wollte, und pflegte die Weisheit der Kaiser von Japan zu preisen, wel⸗ chen es gelungen sey, sich der Europaͤischen Lehren zu entledigen. Die Christen kannten seine Absichten, und waren daher sehr uͤber ihr Schicksal besorgt, als er auf den Thron kam; allein er suchte zuerst als ein kluger Mann sich in seiner Macht zu befestigen, ehe er etwas gegen sie unternahm, da er nicht der rechtmäßige Erbe, sondern der Sohn einer Konkubine ist, und mehrere Mandarine von hohem Range unzufrieden mit seiner Regierung waren. Dennoch ver— gaß er seine Plaͤne nicht, und schlug fast jedes Jahr seinem Rathe ein Dekrer von Christenverfolgung vor, allein er fand da bei ein großes Hinderniß in dem Einflusse von Ta⸗Kwan, dem Vice-Koͤnig von Saigun, einem Manne von grohßer Rechtlichkeit, der mit Dankbarkeit an dem Andenken des Bischofs von Adran hing, der mit Huͤlfe der Christen den Vater des Koͤnigs wie— der auf den Thron gesetzt, und das Reich eine Reihe von Jah— ren hindurch mit großem Erfolge verwaltet hatte. Ta Kwan widersetzte sich immer den Vorschlaͤgen des Koͤnigs, und stellte ihm vor, daß die Christen kein Uebel gethan haͤtten, daß ste treue und nuͤtzliche Unterthanen waͤren, daß ihnen Gia Long, der Vater des Koͤnigs, seinen Thron verdanke u. s. w. Diese Vorstellungen, und der Umstand, daß die groͤßte Zahl der Chri—

sten in dem Gebiet von Unter-Cochinchina war, d. h. unter der die

rekten Administration des Vice⸗Koͤnigs, den der Koͤnig nicht zu entsetzen wagte, hinderten waͤhrend seines Lebens eine allgemeine Verfolgung, obgleich sie einige lokale Verfolgungen nicht abwen⸗ den konnten, wie z. B. die von 1831 und 1832. Einige Chri⸗ sten, welche zu dem Dorfe Diconphon in der Naͤhe der Haupt— stadt Hue gehoͤrten, hatten einen Prozeß mit einigen heidni⸗ schen Bewohnern eines benachbarten Dorfes uͤber eine Gemein— destrecke zwischen beiden Orten. Die Christen gewannen den Prozeß, und ihre Gegner brachten die Sache vor den Koͤnig, und erklaͤrten, daß jene Christen seyen. Der Koͤnig ließ IP Personen beider Geschlechts in Fesseln legen, und hielt sie zwei Jahre gefangen, ohne jedoch einen einzigen zum Abfall bringen zu konnen. Am Ende wurden, den 12. Juli 1832, 127 von ihnen verbannt, der Schultheiß det Dorfes hingerichtet, und der Franzoͤsische Missionair Jaccard, der in dem Dorfe gepredigt hatte, auch zum Tode verurtheilt, allein seine Strafe in eine Verurtheilung zum Militair-Dienst verwandelt. Ich hatte Hue seit drei Jahren verlassen und lebte in Saigun, hatte aber doch in dieser Angelegenheit Verfolgun= gen zu bestehen, weil auch ich in dem Dorfe gepredigt hatte. Mehrere Mandarine erhielten den Befehl, mich zu verhaften, allein ich verließ meinen Aufenthalts-Ort nicht, bis zur Zeit der großen Verfolgung, welche nach dem Tode des Vice⸗-Koͤnigs am Ende dieses Jahrs erfolgte. Diese brach in Folge eines De— krets vom 6. Zan. 1833 aus, und ging somit der großen In— surrection voraus, welche sechs Monate nachher ausbrach, nb dadurch widerlegte sich die Anklage, welche man gegen die Chti⸗ sten erhoben hat, daß sie sich durch die Theilnahme diesem Aufstande ihre Verfolgung selbst zugezogen hyͤ⸗ ten. Der Aufstand ging von einem Theil der heidnischen Be— voͤlkerung aus, und wenn einige Christen daran Theil genom, men, so haben sie Unrecht gehabt, allein ihr Fehler kann nicht ihrer Religion zugeschrieben werden. Wenn Sie meine Mei⸗ nung Kber die wahre Ursache der Verfolgung wissen wollen, so liegt diese in der Furcht des Königs, daß die christliche Religion den Europaͤern den Weg in das Reich oͤffnen werde. Er kann nicht begreifen, daß so viele Missionaire ihre Heimat und alle Annehmlichkeiten ihres Vaterlandes verlassen, um sich in einem barbarischen Lande allem Ungemach und dem Tode auszusetzen, bloß um die Religion zu predigen. Er glaubt, dies sey nur ei Vorwand, um den Englaͤndern den Eintritt in Cochinchina vor zubereiten, da et sie vor allen christlichen Nationen fuͤrchtet.

ist daher sehr moglich, daß Cochinchina ein anderes Japan werde, und ich kann nichts thun, als mich dem heiligen Willen Gottes zu unterwerfen.“

Niederland e.

Aus dem Haag, 22. Maͤrz. Der General-Lieutenant Trip, Ober ⸗Befehls haber der Kavallerie, ein uͤberaus geschaͤtzter Offizier, ist hier gestern, nach vielen koͤrperlichen Leiden, m Tode abgegangen.

Belgien. Bruͤssel, 22. März. Der Franzoͤsische Gesandte in Bris sel, Graf von Latour-Maubourg, ist wieder hier angekommen. In der Repraͤsentanten⸗Kammer ist die Frage in Ant egun gekommen, ob Herr Davignon, ein Mitglied derselben, sich jeh

ner neuen Wahl unterziehen muͤsse, da er (wie gestern er⸗

z Mau kennen, als das wirksamste erscheinen mußte: es ist nam

it en Obersten⸗R

pähnt) zum Mit-Ditektör der Bank ernannt worden und dem— nach einen von der Regierung besoldeten Posten angenommen at. Die Entscheidung uͤber diese Frage soll am naͤchsten Mon⸗ nige staitfinden.

Der hiesige Gerichtshof hat die Belgische Regierung, als Nachfolgerin der Niederlaͤndischen, fuͤr schuldig erklaͤrt, den Kauf⸗ leuten e ena und Helmans in Bruͤssel den Verlust wieder wu ersetzen, welchen dieselben durch die auf Befehl des Hollaͤn— hischen Generals Wautier am 27. August 1830 geschehene Ver— schiung ihres Pulver Magazins erlitten haben.

Schweden und Norwegen.

Fhristiania, 16. Maͤrz. Im Morgenblad wird Be— schn«n n uͤber das neue Schwedische Reichs-Wappen gefuͤhrt, has man auf Siegeln und Muͤnzen wahrnimmt, dessen obere hälfte die Sch wedischen drei Kronen, dis untere einerseits das Forwegische, andererseits das Gothische Wappen einnehmen, so es das Ansehen gewinnt, als ob Norwegen als Schwedische provinz betrachtet werde. Es wird der Vorschlag gemacht, ei— sen Verein aus Norwegischen und Schwedischen Maͤnnern zu dem Zweck zu bilden: mit allen rechtlichen, ihnen zu Gebot ste— henden Mitteln dahin zu wirken, daß die Union, mit Aufrecht— haltung der besonderen Selbststaͤndigkeit jedes der beiden Reiche und groͤßtmöglicher wechselseitiger Garantie der Nationalität und Freiheit ihrer Voͤlker, befestigt und wo moͤglich eine zweckmaͤßi⸗ gire Unions- Akte vorbereitet werde.

Der Herausgeber des „Morgenblads“, welcher, wegen ei—

den war, ist unterm 26. v. M. durch Urtheil des Untergerichtes vlg frei gesprochen worden.

Dänemark.

Kopenhagen, 21. März. (Alton. Merk.) Sicherm dernehmen nach, ist der Geheime Konferenzrath, Graf v. Bern⸗ sorff, auf sein desfallsiges Ansuchen, von seinem Gesandtschafts— posten am Kaiserl. Oesterreichischen Hofe in Gnaden entlassen, und der Kammerherr, Baron von Löwenstern, zu seinem Nach— solgzr Allergnädigst ernannt worden. Auch erfaͤhrt man, daß ier abgegangene Gesandte, als Zeichen der Allerhoͤchsten Aner— linnung seiner Verdienste, mit der Decoration des Elephanten— Ordens begnadigt worden ist.

Se. Koͤnigl. Hoheit Prinz Christian hat der provisorischen verwaltung der Gesellschaft zum rechten Gebrauch der Preß— steiheit 50 Rbthlr. zur Beförderung ihres Zweckes zustellen

lissen.

Der Censor, Polizei-⸗Gerichts-Assessor Reiersen, hat ver⸗ langt, daß unter jedem Artikel in der Kjöbenhavnspost des— in Verfasser durch Unterschrift genannt werden solle. Da dies zu weitlaͤuftig wuͤrde, hat der Herausgeber erklart, daß jeder irtikel, dessen Verfasser nicht durch seinen Namen oder durch Namenszeichen oder durch Bezeichnung als Einsender u. s. w. as eine von der Redaction verschiedene Person angegeben werde, uz von der Redaction selbst herruͤhrend anzusehen sey.

Die Ankuͤndigung von Vortraͤgen uͤber politische Beredt— imkeit, vom Instructeur Nielsen, hat viel Interesse erregt, und es haben sich schon Viele als Zuhoͤrer gemeldet. Auch Da— men werden zugelassen.

. Polen.

War schau, 24. Marz. Die hiesigen Zeitungen

tlben: „Der General der . 3. Saler n int Graf Orloff, beauftragt, dem Kaiser Ferdinand J. zur Besteigung des Oesterreichischen Thrones die Gluͤckwuͤnsche gr. Majestaͤt des Kaisers von Rußland zu uͤberbringen, traf in ber Nacht vom 20sten zum 2lsten d. hier ein. Nachdem der— slbe am Morgen des 2lsten Sr. Durchlaucht dem Fuͤrsten Statthalter und seiner Gemahlin, so wie dem Kriegs-Gouwver— eur einen Besuch abgestattet hatte, setzte er um 1 Uhr Nach— ittags seine Reise nach Wien fort.“

Der Kommandant von Warschau, General⸗Major Pencher—⸗ Ehöki, ist zum Commandeur der Üsten leichten Garde⸗-Kavallerie⸗ Dipison und der General-Major Tutczek, bisheriger Militair⸗ Chef der Wojewodschaft Krakau, an seine Stelle zum Kom⸗

undanten von Warschau ernannt worden; anstatt des Letzteren der General⸗Major Baron Bollen II. zum Militair⸗-Ehef der sösewodschaft Krakau bestellt, der bis jetzt diesen Posten in der Woörwodschaft Plozk bekleidete, und der Oberst Smoliak vom Bien gen darmerie⸗Corps erhaͤlt das Militair- Kommando in Plozk.

Deutsch la ns. Hannover, 25. Maͤrz. Die hiesige Zeitung enthalt ilzende Bemerkung: „In den Verhandlungen der zweiten Kam— mer der Hannoyerschen Staͤnde⸗Versammlung liest man, daß n vor einiger Zeit in viele oͤffentliche Blaͤtter uͤbergegangener Jeltungs, Artikel eines bekannten Bruͤsseler Korrespondenten meh⸗ tre Suͤddeutschen Blaͤtter auch bei uns den beabsichtigten Ein— ruck gemacht hat. Es wird dort naͤmlich behauptet, in Belgien be seit 1829 keine einzige Hinrichtung“ stattgefunden; im Kö— ngreiche Hannover hingegen sind einige Verbrecher hingerichtet dorden. Daher soll es besser seyn, die Todesstrafen abzuschaf⸗ in, Zugegeben, daß sich das so verhalte, was wir nicht wiffen, ist einem Jeden bekannt, daß in diese blutlosen Jahre der Belgischen „Justiz“ zugleich die blutigen Tage der Belgischen Politik“, die graͤuliche Revolution, die mit kaltem Bluté voll⸗ Fiene barbarische Ermordung des Hollaͤndischen Majors in der *. Loͤwen, und vor nicht langer Zeit die ruchlosen Pluͤnde⸗ ngen in Bruͤssel fallen, und daß diese Verbrechen saͤmmtlich ut taff geblieben sind. Verdient die Belgische Justiz da⸗ Lob? oder gar Nachahmung? Ich zweifle.“

Portugal. F Lissabon, 6. Maͤrz. Das Ministerium, ermuͤdet uch die nicht abbrechenden Angriffe der in der Opposition be— siölichen Fraction der siegenden Partei, hat endlich zu dem lttei gegriffen, das allen denjenigen, welche die Portugtesen

' ar Theilung des eigentlichen Gegenstandes des Streites, . oͤheren Stellen, geschritten. Der Marschall Saldanha hat In, Botschafter Posten beim Fran)ösischen Hofe angenommen. [ bekannte Rodrigo Pinto Pizarro, der als die Feder, so . der Marschall Saldanha als das Schwerdt der Opposition —ͤ ke chen werden konnte, hat eine diplomatische Sendung nach

erika nicht von der Hand gewiesen, nachdem er schon früher 7. ang wieder von der Regierung zuruͤckempfangen . e. Mehreren anderen Hauptpersonen der Opposition sollen, . versichert, bedeutende Aemter in petto zugedacht seyn. n. vorzuͤglich diesen geheimen Bearbeitungen der Personen ist es luschreiben, daß die Wellen des Oppositionsgeistes in der De—

zem so bedeutend gelegt haben 9 die Krise, die . Zeit hindurch drohend erschlen r entfernt worden ist. Selbst uber sehr verfaͤngliche Ma—

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terien, die neuerdings in der Deputirten-Kammer zur Bera— thung gekommen, wie namentlich der Ausschluß der fruͤheren Beamten Dom Miguel's von Regierungs- Stellen, die Suspen⸗ dirung und Beaufsichtigung der diesem Prinzen noch fuͤr treu geltenden Pfarrer und endlich der Antrag auf Abschaffung des geistlichen Coͤllbats, hat eigentlich eine Art von Einigung der beiden Fractionen der herrschenden Partei stattgefunden. Es ist bekannt, daß in dieser Partei und bei dem ihr anhängenden Theile der Geistlichkeit ein dem Systeme der Roͤmischen Kurie sehr wenig guͤnstiger Geist herrscht, und daß die Lehre von der Aufhebung des Coͤlibats dort viele Anhänger zaͤhlt; dessen⸗ ungeachtet behielten politische Ruͤcksichten auf die in die— ser Hinsicht bei der Masse der Nation noch herrschenden Vorurthetle die Oberhand, und die Deputirten⸗Kammer, wel— ches auch vielleicht die Privat- Ansicht der Mehrzahl ihrer Mit— glieder seyn mag, wies, wenigstens fuͤr jetzt, ganz bestimmt jede Veraͤnderung in der Coͤltbats-Verpflichtung der maͤnnlichen Geist—⸗ lichkeit zuruͤck. Die Nonnen, die den besonderen Schutz aller Regierungen und Parteien in Portugal stets in einem hohen Grade genossen haben, wurden aber jener Verpflichtung entbun— den. Welchen Eindruck diese ganze Verhandlung zu Rom ma— chen duͤrste, steht zu erwarten. Auch zu einer Annäherung an die Partei Dom Miguel's hat die Regierung im Stillen ei⸗ nige Schritte gethan, und die Heirathen von jungen Leuten, die zu den bedeutenderen Familien der beiden Parteien gehörten, zu befoͤrdern gesucht. Vorzuͤglich bemerkenswerth ist in dieser Hin— sicht die Aufhebung des auf die Guͤter des Grafen von Soure gelegten Sequesters. Dieser Graf von Soure ist seit lange ein genauer persoͤnlicher Freund Dom Miguel's, und der einzige vom hoͤheren Portugiesischen Adel, welcher der Person Dom Miguel's ins Exil folgte. Er besitzt ein bedeutendes Vermoͤgen in Grundstuͤcken, und war mehr der Ver—⸗ gnuͤgungs⸗Genosse Dom Miguel's, als daß er sich in Regie— rungs⸗Angelegenheiten gemischt haͤtte. Eben darum hatte er auch weniger politische Feindschaft auf sich gezogen, und die jez⸗ zige Regierung hatte in Bezug auf ihn freiere Hand, als ihr dies hinsichtlich einer eigentlich politischen Person dieser Katego— rie ihre eigene Partei gestattet haͤtte, die, vorzuͤglich was die Beibehaltung von Aemtern betrifft, noch fortwährend von einem ruͤcksichtslosen Reactions⸗-Geiste gegen die Besiegten beherrscht ist. Vielleicht die wundeste Stelle des jetzt herrschenden Systems bleibt der Finanz-Krebs, der an Portugal nagt. Die Reglerung hat die allerdings strafbare Indiscretion eines hoͤheren Finanz Beamten, Namens Ribeiro, der den letzten Finanz⸗Bericht Silva Carvalho's in einer eigenen Druckschrist beleuchtete, verdientermaßen mit der Absetzung geahndet; ihre Organe haben indeß nicht zu— friedenstellend die Berechnung des gedachten Ribeiro zu widerle⸗ gen vermocht, wonach die Gesammt-Schulden Portugals sich auf 250 Millionen Crusaden belaufen (nicht neue Trusaden, und daher nur ungefaͤhr 170 Mill. Rthlr. Preußisch), eine Summe, die bei einer Bevölkerung von 3 Millionen Seelen ohne nam— hafte Industrie und bedeutenden Handel allerdings manche Be⸗ merkungen hervorzurufen geeignet ist.

Inland. Berlin, 28. Maͤrz. Dem heutigen Milit air⸗Woch en⸗

blatte zufolge, ist der General; Lieutenant von Zepelin, unter

Belassung der Geschaäͤfte als erster Kommandant von Stettin, von dem Kommando der Iten Division entbunden, und der bis⸗ herige General⸗Major und Commandeur der 3ten Landwehr⸗ Brigade, von Kamecke, der General ⸗Major und Commandeur der 9ten Division, von Rudolphi, und der General-⸗Major und Commandeur der 3ten Infanterie-⸗Brigade, von der Osten, ge⸗ nannt Sacken, alle drei als General-Lieuzenants, so wie der aggregirte Oberst von der Garde-du-Corps, von Podewils, als

General⸗Major, saͤmmtlich mit Pension, in den Ruhestand ver⸗

setzt worden.

Berichtigung. Im Artikel Dessau in der Nr. Sa der St. Z. ist auf der zweiten Zeile statt „Bernnhardt“ zu le—⸗ sen: „Beren horst“.

Meteorologtsche Beobachtung. 1835. Morgens Nachmitt. Abends Nach einmaliger 27. März.. 6 Uhr. 2 Uhr. 10 Uhr. Beobachtung.

Luftdruck. zz6, war. 33h, o Par. 337, 3 2 Par. Quellwärme 7, 00 R. Luftwͤarme 4 26 9 R. 4 6,00 R. 4 1,3 9 R. Flußwärme 3,7 2 R. Thaurpunkt 0, 0 R. 3, R. 3,2 0 R. Bodenwärme 3,8 9 R. Dunstsaͤttg. 76 pCt. 15 pCt. 68 pCt. Vusdünst. 0, os s Rt. halbheiter. halbheiter. halbheiter. Niederschlag 0, o o 1 Rh. NW. WNW. NW. Machmittags 33 Uhr et⸗ Wolkenzug WNW. was Hagel.

Tagesmittel 336,72“... . 838,39 R. .. 2,90 R. . . 63 pCt.

Berliner Börse.

Den 28. März 1835.

Amtl. Fonds- und Geld-Cours-Zettel. ; ——— ZXY. ri Geld.]

(rer /s. Cour.) D,

i Ostpr. Pfandbr. 102 bomm. do. 10663 Kur- u. Neum. do. 1061 Schlesische do. Rkst. C. u. L. Sch. d. K. u. N. oz Gold al marco 218 Neue Duk. 184 Friedrichsd'or .. 13 Pisconto

St. Schuld- Sch. Pr. Engl. Obl. 30. Prm. Sch. d. Sech. Kurm. Obl. m. I. C. Neum. Int. Sch. do. Berl. Stadt- Obl. Königsb. do.

Elbing. do.

Danz. do. in Th. Westpr. Pfundhr. Grgossh. Pos. do.

Wechsel- Cours.

106

6.

131,

2 e

——Qimse⸗“Usa—ę -. Pre sS. Coe Hrisgf. Geld.

Amsterdam 1121 1123 dito 0 EI. ; la27 1A11 Hamburg ; 152 dito . 1517 London 6 257 Paris 803 . in 20 Xr. ugsbur Brẽʒlan ö

Petersburg ..... Warschau . ö.

Königliche Schauspiele. Sonntag, 29. Maͤrz. Im Opernhause: Fernand Cortez, Oper in 3 Abth. Musik von Spontini. Ballets von Hoguet. Im Schauspielhause: Zum Erstenmale: Der Verlobungs⸗ ring, Lustsp. in 3 Aufzuͤgen, vom Verfasser von: „Luͤge und Wahrheit.“ (Dlle. Bertha Stich: Lieschen, als Gastrolle.)

lerauf: Onkel B . . z. Angely rand, Lustsp. in 3 Abth., nach dem Franz.,

Königstädtisches Theater.

Sonntag. 29. Maͤrz. Der Glöckner von Notre⸗Dame, , . 4 5 5 nach dem Roman des Vic⸗ or Hugo, frei bearbeitet von Charlotte Birch⸗? Ma dame Virch / Pfeiffer: Gervaise, als if e Pleffen .

Markt⸗Preise vom Getrasde. . n, . . 1835. t: Weizen r. 16 Sgr. 3 Pf.; Roggen 1 lr. 18 Sgr., auch 1 Rthlr. 10 Sgr.; kleine eh. 1 gen . auch 1 Rthlr. 1 Sgr; Hafer 1 Rthlr., auch 22 Sgr. Pf. Ein⸗ gegangen sind 231 Wispel. ; Zu Wasser: Weizen (weißer) 1 Rthlr. 25 Sgr., auch 1 Rthlr. 20 Sgr. und 1 Rthlr. 13 Sgr. 9 Pf; Roggen 1 Rthlr 12 Sgr. 6 Pf, auch 1 Rthlr. 10 Sgr.; große Gerste J Rthlr. 5 Sar, duch 1 Rthlr. 2 Sgr. 6 Pf.; kleine Gerste 1 Rthlr. 7 Sgr. 6 Pf; Hafer 285 S r,, auch 22 Sgr. 6 Pf. Eingegangen sind 1391 Wispel 21

Sche el. ö Mittwoch, ben 25. Marz 1835.

Das Schock Stroh 7? Rthlr. 15 Sgr., auch 6 Rihlr; der

Centner Heu 1 Rthlr. 2 Sgr. 6 Pf, auch 13 Sgr. Branntwein ⸗Preise vom 20. bis 26. Marz 1835.

Das Faß von 200 Quart nach Tralles 8a pCt. oder A0 pCt. Richter gegen baare Zahlung und sofortlge Ablleferung: Korn⸗ Branntwein 24 Rthlr. 135 Sgr, auch 23 Rthlr. 15 Sgr.; Kar⸗ . 235 Rthlr.?7 Sgr. 6 Pf, auch 22 Rthlr. 7 Sgr.

, . vom 19. bis 25. Maͤrz 18335. Der Scheffel 1 Rthlr., auch 20 83

e · / Neueste Nachrichten.

Paris, 22. Maͤrz. Der Koͤnig arbeitete gestern mit den Ministern der Marine und der auswaͤrtigen Angelegenheiten und mit dem Grafen von Montalivet.

Gestern Abend fand eine Zusammenkunft mehrerer Mitglie— der des diplomatischen Corps in dem Hotel der Oesterreichischen Gesandtschaft statt. Graf Appony steht, wie es heißt, im Be⸗ griff, eine Urlaubsreise nach Wien anzutreten.

Der General Sebastiani soll gleich nach seiner Ankunft in London dem Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten, Herzoge von Broglie, geschrieben haben, daß man die Consolidatlon des Peelschen Kabinets fuͤr gewiß betrachten koͤnne.

Briefe aus Rochecotte berichten, Fuͤrst Talleyrand sey, seit⸗ dem er sich dort befinde, sehr schwach; man glaube sogar, daß er auf seine Reise nach Wien, die anfaͤnglich auf den nächsten September festgesetzt worden, nun gaͤnzlich verzichtet habe.

err Thiers leidet an einem Hals- Uebel, das seine Stimme bedroht. Die Aerzte sind nicht ohne Besorgnisse daruͤber; doch ist der Minister bis jetzt dadurch noch nicht in seinen parlamen— tarischen und administrativen Geschaͤften verhindert worden.

Der Professor Schelling in München ist zum auswärtigen Mitgliede der Akademie der moralischen und politischen Wisfen⸗ schaften an die Stelle des unlaͤngst mit Tode abgegangenen Pro— fessor Malthus ernannt worden. Von der Kommission war auch der Professor Savigny in Berlin vorgeschlagen. Die uͤbrigen auswärtigen Mitglieder der Akademie sind die Herren v. Sis, nen r e l r e ge und Brougham.

Der Pairshof ist, wie es heißt, auf den 11. Mat zusam⸗ menberufen. Die Angeschuldigten von Lyon sollen am 25sten d. von jener Stadt abgehen und gegen Ende dieses Monats hier ankommen. Die Garnison von Paris wird, dem Bons Sens zufolge, um ein Infanterie-⸗Regiment vermehrt werden.

Gestern verfuͤgte sich Herr Felix Faure, Pair von Frank— reich, von Herrn Pasquier abgeschickt, in das Gefaͤngniß Ste. Pelagie, um den Angeschuldigten Vertheidiger von Amtswegen anzugeben. Die Angeschuldigten aber erklärten, sie hätten von ihren Feinden nichts anzunehmen und wuͤrden ihre Advokaten und Anwaͤlte nur erst dann bezeichnen, wenn sie mit ihren Mitan— geschuldigten Berathung gepflogen haͤtten. Herr Felix Faure jedoch de⸗ signirte nichtsdestoweniger als Vertheidiger ex officio Mitglieder des Pariser Advokatenstandes und bemerkte zugleich, der Praͤsident des Pairshofes wuͤrde Niemanden zur Vertheidigung ermaͤchtigen, der nicht aus der Reihe der Advokaten des Königreiches genom, men waͤre. Die Angeschuldigten zeigen nun in den offentlichen Blaͤttern an, daß sie auf ihrem Entschlusse, sich in der Wahl ih— rer Vertheidiger nicht beschraͤnken zu lassen, fest beharren wür⸗ den. Der Courrier frangais macht dabei die Bemerkung: „Bei dem Prozesse der Minister, die im Schlosse 3 einge⸗ schlossen sind, hat der Pairshof den Angeklagten die Sorge, ihre Vertheidiger zu waͤhlen, uͤberlassen. Hat er denn zwei Gewichte und zwei Maße?“

Marschall Gérard, Herr Dupin der Aeltere, die Herren Karl und Philipp Dupin und mehrere Mitglieder der Depu— tirten⸗ Kammer speisten , Herrn von St. Albin, dem Haupt⸗Actionair des „Constitutionnel“, zu Mittag.

Das Journal des Débats enthält heute einen Artikel, der ungefaͤhr folgende Grundsaͤtze aufstellt; „In der repräͤsen“ tativen Regierung giebt es keine unentbehrliche Maͤnner; eben so wenig auch absolut nothwendige Systeine; allein ein großes Prinzip h. es, das namlich, daß die Masoritaͤt das Gesetz macht. us diesem Prinzipe entspringen mehrere sehr wichtige Folgen. Die erste ist die, daß die Majoritaͤt ein polttisches Sy⸗ stem haben muß, denn sie leitet, sie besteht nur um diesen Preis; die zweite die, daß das aus der Majoritaͤt hervorgegangene Mi—

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nisterium unvermeidlich an ihr System gebunden ist; die dritte

die, daß die Krone nur Ein Mittel besitzt, ihrem persoͤnlichen Systeme den Triumph zu verschaffen, naͤmlich die Aufloͤsung der Kammer und die Berufung an die Waͤhler. Dies ist der Ursprung des Systems vom 13. Maͤrz und dies die Ursache der Unterstuͤtzung, die es im Lande findet.“

Der Moniteur berichtet Folgendes uͤber die Ereignisse in Spanien: „Mina ist in Elisondo angekommen, wo er sich ei⸗ nige Tage von den Anstrengungen des letzten Treffens, in dem er selbst an der Spitze seiner Kavallerie angegriffen hat, aus— zuruhen gedenkt; 26 Bataillone sind um Elisondo konzentrirt. Die Karlsten stehen im Ulzama- Thale.“

Frankfurt a. M., 25. März. Oesterr. 5proc. Metall. 101. 1013. 4proc. 95 f. 95 ee. 2Iproc. 567 B.

G. Bank⸗Actien 1601. 1609. Part. Obl. 1403 14

100 Gulden 2133. Preuß. Praͤm. Sch. 65.

Anl. 93. G. Holl. 5proFe. Obl. von 1832 160

Loose 71. J0z. proc. Span. Rente 473. 47.

28. 27J.

Redacteur Cottel. Gedruckt hei A. W. Hayn.