1835 / 94 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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der Art, daß kein Mitglied der Opposition mehr ein Wort hin— zufüͤgen zu muͤssen glaubte, und andererseits kein ministerielles Mitglied ihm zu antworten versuchte. In dem 9ten Bu— reau siegte Herr Las-Cazes, fuͤr den Herr Thiers vo— tirte, nur mit einer Stimme uͤber Herrn Odilon-Barrot. Die Kommission besteht aus folgenden Mitgliedern: A stes Bureau, Herr Croissant; 2tes Bureau, err Etienne; 3ztes Bureau, Herr Lepelletier dAulnay; Ates Bureau, Herr Rouills de Fontaine; Ztes Bureau, General Jacqueminot; 6tes Bureau, Herr von Mornay; 7tes Bureau, Herr von Laribois— scöre; Stes Bureau, Herr Moreau; 9tes Bureau, Herr von Las— Cazes.“ Nach dem Journal de Paris hätten die Kan— didaten des Ministeriums im Ganzen 223, und die der Opposi— tion nur 138 Stimmen erhalten.

Der Praͤfekt des Rhone⸗Departements, Herr Gasparin, ist gestern wieder aus Lyon hier eingetroffen, und nahm heute an ken Berathungen der Pairs-Kammer Theil.

In vergangener Nacht trafen die Gefangenen von Lyon in acht Diligencen hier ein. Sie wurden fuͤr's erste in der Con— ciergerie üntergebracht. Mehrere Schwadronen Lanciers waren an der Chaussée vor Paris aufgestellt worden, um die Gefange— nen in die Stadt zu eskortiren. Alle Zugaͤnge zu der Concier— gerie waren die Nacht hindurch von Abtheilungen der Munici— pal-⸗Garde besetzt. Wie es heißt, waren die Truppen der Gar— nison in ihren Kasernen consignirt.

Nach dem Bon Sens haͤtte der Advokatenstand von Pa ris, in Betracht, daß es fuͤr einen Advokaten eben so unzart seyn wurde, seine Bethuͤlfe einem politischen Gefangenen gewalt— sam aufzuzwingen, als sie demselben ohne gesetzlichen Grund zu, verweigern, und in Beruͤcksichtigung des (schon erwahnten) Schreibens der Gefangenen von Ste. Pelagie beschlossen, den Reqitisitionen des Praͤsidenten des Pairshofes keine Folge zu geben. Nach der Sentinelle des Pyrenées vom 2WAsten d. ist das Fort Etcharri-Aransiaz (Navarra), das am 18ten und 19ten von zwoͤlf Bataillonen Karltsten eingeschlossen war und mit zwei kleinen Artilleriestuͤcken beschossen wurde, am letzteren Tage in die Gewalt der Belagerer gefallen. Die 300 Mann starke Gar— nison wurde zu kapituliren genothigt. Die Karlisten bemaͤchtig⸗ ten sich einiger Artilleriestuͤcke, die sie dort vorfanden. Noch am 19cen ging Zumalacarreguy mit den vier ersten Bataillonen von Javarka und dem ersten Guiden-Bataillon in das Amezeoasthal, wo er sich mit sechs Alavesischen und acht Biscayischen Bataillo— nen unter dem General Eraso vereinigte. Er ruͤckte dann nach Eulate, wo sich Don Carlos befand. Zumalacarreguy hat alle diese Teuppen in zwei Kolonnen getheilt. Die eine unter Eraso ist mit einer Schwadron Kavallerie an den Ufern des Flusses von les Arcos hinabgegangen; die zweite unter Zumalacarreguy ist auf diesem letzten Punkte geblieben. Sieben Bataillone un— ter dein General⸗Kommandanten von Guipuzcoa, dem Brigadier Don Miguel Gomez, sind vor Etcharri⸗Aranaz geblieben. Der Judicateur von Bordeaux sagt, man glaube noch nicht an das Gerücht von der Wegnahme von Etcharri-Aranaz.

Der Schwaͤbische Merkur meldet aus Straßburg von 25. März. „Die Wahlen fuͤr unsern Gemeinderath sind nun seit gestern beendigt. Die Opposition hat den Sieg davon getragen, Und da sie bereits unter den im Amte gebliebenen Mit— gliedern die Mehrheit hatte, so ist diese nun um desto entschie— dener. Mit Vergnuͤgen hat man bei dieser Gelegenheit bemerkt, daß, wenn nicht der Parteigeist, doch der Parteihaß bei uns verschwunden ist. Kein leidenschaftlicher Auftritt hatte Statt, man behandelte sich mit Achtung, und ließ auch das Verdienst seiner Gegner gelten. Gestern ereignete sich in einem unserer Gaͤsthöfe, der Stadt Paris, ein Vorfall, der einige Aufmerk—⸗ sankeit erregte. Ein eleganter Reisewagen fuhr zum Hofthore hinein; kaum hatte der herbei eilende Kellner den . / aäfgerissen, um die in dem Wagen sitzenden Reisenden in Em— vsang zu nehmen, so nahten sich auch zwei Polizeidiener, um die Retsenden zu bitten, noch einige Augenblicke sich auf ihren Plaͤtzen zu gedulden. Bald darauf kam der Polizei⸗-Commissair; er durch— ah die Pässe der Reisenden, dann hieß er sie aussteigen und durchsuchte den Wagen. Man fand in demselben eine Menge aufrührerischer Flugschriften. Die Reisenden sind Legitimisten, die sich nach Prag begeben wollen; sie wurden nach der Praͤ— fektur gefuhrt. Das Weitere des Vorfalls ist nicht bekannt ge— worden.

Großbritanien und Irland.

London, 27. Marz. Gestern Nachmittag wurde im aus— wärtigen Amte ein Kabinets-Rath gehalten, der mehrere Stun— ben dauerte.

Der Observer meint, Sir R. Peel muͤsse sich bei dem Mangel an kräftiger und talentvoller Unterstuͤtzung von Seiten der ubrigen im Unterhause sitzenden Mitglieder seines Ministe—⸗ riums oft in einer sehr schwierigen und unangenehmen Lage be— sinden; so habe er neulich an einer starken Erkältung gelitten and sich dennoch genoͤthigt gesehen, ganz allein die Vertheidigung seiner Maßregel uber die Umwandlung des Zehnten zu fuͤhren und außerdem noch die verschiedenen Fragen und Vorschlaͤge der Opposition zu beantworten und zu bekämpfen, und es sey pein— lich gewesen, die Anstrengung des hochgeehrten Baronets zu be— werken, die er angewendet, um seinen zufallig rauhen Ton zu mildern.

Der Courier thut, als sey es schon ganz ausgemacht, daß die Minister nach der Abstimmung 9. den Antrag des Lord John Russell in Betreff der Verwendung des Irlaͤndischen-Kir— chen-Eigenthums sich wurden zuruͤckziehen muͤssen, und sagt: Wir sind uͤberzeugt, daß es dann keine große Schwierigkeit machen wird, ein vollkommen liberales Ministerium zu bilden, das dem Lande hinreichendes Vertrauen einzuflöͤßen geeignet ware.

Unter den Mitgliedern des zur Untersuchung des Grangisten— Wesens in Irland vom Unterhause ernannten besonderen Aus—⸗ schusses bemerkt man Personen von den verschiedensten Parteien, wie die Repealer und Radikalen O Connell, Finn, Sheil, F. Maule, die Orangisten und Tories Oberst Perceval, Oberst Co— nolly, Lord Castlereagh und Recorder Shaw, die gemäßigten Whigs Sir J. Graham und Spring Rice und den Quäker Herrn Pease. Dem Courier zufolge, sollen aber Hberst Swaw nd Herr Shaw spaͤter darum nachgesucht haben, sie dieses Ge— schwets zu entbinden, und ihre Entschuldigung ware angenommen

auffgestellt.

vorbeic. - ö Bei der uber die Wahl des Admiral Beresford fuͤr Chat— ham eingeleiteten parlamentarischen Untersuchung, die ungeachtet ves Einspruchs der Minister von der Opposition durchgesetzt wurde, handelt es sich um die angeblich ungebuͤhrende Einmi— schung von Beamten in die Wahl Angelegenheiten. Sir R. Peel wollte die Untersuchung bloß auf die offizielle Einmischung dieser Beamten beschränkt wissen, Sir 63. Grey war aber der Meinung, daß durch eine solche Beschraͤnkung der ganze Zweck

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der Untersuchung vereitelt werden wuͤrde. Der Globe be— hauptet, das Resultat der Abstimmung uͤber diese Frage habe schon mehrere Mitglieder von der sogenannten „schwankenden Partei“ zur Opposition hinuͤbergefuͤhrt, namentlich haͤtten sich zwei derselben zu dem Diner unterzeichnet, welches die Opposition morgen dem Lord John Russell geben will. Eben dieses Blatt sagt, die Herren C. Roß und Sir G. Clerk, beides Mitglieder der Verwaltung, haͤtten den Premier-Minister bei jener Frage irregefuͤhrt und ihn versichert, die Minister koͤnnten darauf rech— nen, daß die Abstimmung zu ihren Gunsten ausfallen wuͤrde, und Sir R. Peel sey nun sehr ungehalten auf sie.

Dem Morning Herald zufolge, ist der Name des Falsch— muͤnzers, der sich (wie gestern gemeldet) dieser Tage, nachdem er vielfältige Betruͤgereien an der hiesigen Boͤrse veruͤbt, aus dem Staube gemacht hat, Christopher Charles Foster. Sein Onkel, ein angesehener Kapitalist der City, soll den groͤßten Ver— lust durch ihn erlitten haben.

Die ministeriellen Blätter machen bemerklich, daß die jetzi—

en Minister die ausgewanderten Polen, die ihre Huͤlfe in An—

spruch nähmen, mit zuvorkommender Humanitaͤt empfingen, waͤh—⸗ rend die vorigen wenig fuͤr sie gethan haben, ja, Lord Broug— ham sogar den Besuch des Fuͤrsten Czartoryski, als Privatper—⸗ son, abgelehnt habe.

Der Morning Herald belobt das Benehmen, welches der Englische Gesandte in Persien, Sir John Campbell, bei dem dortigen Regierungswechsel beobachtet, und besonders, daß der— selbe den jungen Schach durch den Vorschuß einer Summe von 15,000 Pfund sogleich in den Stand gesetzt habe, von Tauris aufzubrechen, ehe die anderen Thron⸗-Prätendenten sich noch zum Wiberstande vorbereiten konnten. Den neuen Schach schildert das genannte Blatt als einen gutgearteten Juͤngling, der aber etwas zu lässig sey, um selbst zu handeln, oder auch nur zu den— ken, und sich daher ganz besonders dazu eigne, von seinem jedes— maligen ersten Minister geleitet zu werden. „Dies wuͤrde kein Ungluͤck seyn“, fuͤgt der Morning Herald hinzu, „wenn ein weiser und redlicher Minister zu finden waͤre; zum Ungluͤck aber ist die ganze Nation so entartet, daß daran nicht zu denken ist.“

Die hiesigen Zeitungen sind uͤber die neuesten Nachrichten aus New-⸗Hork sehr verschiedener Ansicht. Der Standard und der Globe halten sie, ihrem allgemeinen Charakter nach, fuͤr sehr kriegerisch; der Albion dagegen besorgt nicht, daß der zwischen Frankreich und Amerika obwaltende Streit mit einem Kriege en— den werde. Dies ist auch, dem Sun zufolge, die allgemeine Ansicht an der hiesigen Boöͤrse. Der Courier sagt! „Es wird diesen Nachrichten in der City keine große Wichtigkeit beigelegt, weil die bestunterrichteten Personen nicht daran zu zweifeln schei— ten, daß die Franzoͤsische Kommission die Annahme des Entschaͤ— digungs-Traktats dringend anempfehlen werde.““

Eine Zeitung aus Mauritius vom 29. Dezember erwaͤhnt,

daß auch auf der Insel Bourbon Maßregeln zur Verbesserung des Zustandes der Sklaven in dieser Kolonie ergriffen seyen.

Das in Westindien gegebene Beispiel muß nothwendig fruͤher oder späͤter seinen Einfluß uͤberall außern, wo die Neger noch in Leibeigenschaft gehalten werden.

. d k die Aus dem Haag, W. Maͤrz. Se. K. H. der Prinz von Oranien wird dieser Tage aus dem Hauptquartiere hier wieder zuruͤck erwartet. Bei Sr. Hoheit dem Herzoge von Sachsen-⸗Weimar findet heute elne große musikalische Soirée statt, zu der sehr viele Ein— ladungen ergangen sind.

Freie Stadt Krakau.

Krakau, 28. März. Vorgestern wurde in der Stadt Pod— gorze ein großer Trauergottesdienst fuͤr Se. hoͤchstselige Masestaͤt

den Kaiser Franz J. in den dortigen neu erbauten Kirchen abge, wandiun . . halten. In der Mitte der Halle erhob sich ein prächtiger Kata⸗ Entschädigung der Besitzer von Feudalguͤtern darbieten dir falt, ganz aus Karabinern, Saͤbeln, Pistolen und Kanonen er⸗

richtet und mit Standarten umgeben.

Auf den Spitzen der Sabel ruhte der Sarg mit den Insignien und der Krone des verstorbenen Monarchen. Die Lichtensteinschen Husaren bildeten längs der Kirche ein Spalier, und vor ihnen war Infanterie Saämmtliche Kaiserlich Oesterccichische Militair- und Civil⸗Behoͤrden von Podgorze wohnten dieser Trauerfeierlichkeit bei; auch die Behoͤrden der freien Stadt Krakau, so wie eine große Menge Galizischer Gutsbesitzer aus der Umgegend und viele Einwohner Krakau's hatten sich dazu eingefunden, um dem Andenken des unvergeßlichen Monarchen ihre Huldigung darzubringen. Das Hochamt wurde von dem Krakauer Kano— nikus und Senator Walezynski verrichtet, und die Standrede hielt der Geistliche Herr Tauscher in Deutscher Sprache. Der in Podgorze kommandirende Kaiserlich Oesterreichische General begleitete den Regierungs-Chef von Krakau bis an die Bruͤcke zurück und bezeigte ihm in den zuvorkommendsten Ausdrucken seinen Dank für die von den Krakauern bei dieser Gelegenheit bewiesenen Gesinnungen gegen das Oesterreichische Kaiserhaus.

Gestern reiste der Kaiserlich Oesterreichische General Fuͤrst Liechtenstein als Courier nach St. Petersburg hier durch.

Heute wird im hiesigen National-Theater ein neues Melo— drama in 6 Akten, „Napoleon in Spanien“, aufgefuͤhrt.

Deutsch land.

Schwerin, 29. März. Hier ist folgende landesherrliche Bekanntmachung erschienen:

„Wenn es nicht Unsere Absicht ist, bei dem am 2Asten k. M. April bevorstehenden Jubiläͤo Unserer 5o jährigen Regierung große und kosispielige Festlichkeiten und Veranstaltungen treffen zu lassen, indem Wir durch die vielen Beweise langer Erfahrung uns von der bewährten Anhaͤnglichkeit und Liebe aller Unserer Diener und ge— sammter Unterthanen zu fest versichert halten, um eines erneuerten Ausdrucks zur Bestaͤtigung derselben zu beduͤrfen; so wollen Wir jedoch die Bezeugung theilnehmender Gesinnung und wohlmeinen⸗ der Gluͤckwünsche bei dieser frohen Veranlassung nicht zuruͤckweisen, wozu sich indeß keiner Unserer Diener oder Unterthanen verpflichtet oder verbindlich halten mag. Die Uns bereits angezeigte foͤrmliche Deputation Unserer getreuen Staͤnde wollen Wir deshälb, als von Seiten Unseres ganzen Landes, auch gnaͤdigst gern ,, . Ludwigslust annehmen, wuͤnschen aber, daß in solchen Betracht alle besondere Deputationen und i,, . von Staͤdten, Aemtern und Corporationen, nicht stattfinden mogen, indem solches fuͤr un—⸗ ser Alter nur beschwerlich seyn wuͤrde. Mit tiefem Gefuͤhl fuͤr die Gnade, welche der Ewige Allmaͤchtige Uns hiebei vorzugsweise an⸗— gedeihen lassen, und womit derselbe Unsere ganze bisherige Regie⸗ rung so sehr gesegnet hat, und in der sichern Üeberzeugung, daß alle Unsere geliebten Unterthanen in diesem Dankgefuͤhl gegen Gott sich mit Uns vereinigen, soll im ganzen Lande in allen Kirchen feier licher Gottesdienst mit Dankgebet entweder am Tage des 21. April oder am folgenden Sonntage, den 26. April. d. J, gehalten werden. Gegeben durch unsere Regserung. Schwerin, den 214. Maͤrz 1835.

Friedrich Franz.

A. G. v. Brandenstein.“

Neu-Strelitz, 1. April. Auch in unserm Gro

thum ist die Einfuhrüng und der Debit der in Parls e digten „Bibliothek der Deutschen Klassiker“ auf das Stren verboten worden. 1

4 Kassel, 27. Marz. (Frankf. Journ.) Das von d Finanz-Minister v. Motz proponirte neue Grundsteuer / Ges welches die Einfuͤhrung einer gleichmaͤßigen Besteuerung ö Grund⸗-Eigenthums in ganz Kurhessen, in Gemaͤßheit der im 148 der Kurhessischen Verfassungs-Urkunde ertheilten Vorscht⸗ zum Zweck hat, und womit sich die Staͤ nde ⸗Versammlung ha saͤchlich in der juͤngsten Zeit mehrere Wochen hindurch beschaͤftjn

ist vorgestern nach lebhaften Debatten und nicht ohne starken derspruch von Seiten einer besonders dabei betheiligten Minor

mit 30 Stimmen gegen 19 angenommen worden. Diese Minoritz welche sich der Annahme des fraglichen Gesetz-Entwurfs wid

setzte, aber in diesem Kampfe unterlag, bildete die Abgeordnen

aller derjenigen Klassen von Staats,Angehoͤrigen, welche sich her im Genuß von entweder gaͤnzlicher oder theilweiser Befrein von Beitraͤgen zur Grundsteuer befunden hatten, in welchem Ful sich die sammtlichen Kurhessischen Standesherren, der vorm reichs unmittelbare Adel in den Provinzen Hanau und gun die gesammten xitterschaftlichen Gutsbesitzer in Ober— ö. Niederhessen und in der Grafschaft Schaumburg befann

die vielen übrigen Exemten ungerechnet, welche in der St

Versammlung nicht besonders vertreten waren. Die Widersprjt welche gegen die Annahme des Gesetzentwurfs geltend gemg— wurden, betrafen indessen eigentlich nur den letzten Abschnitt n selben, welcher von der Regulikung der, den Exemten s das Wegfallen ihrer bisherigen Steuerfreiheiten zuzustehenn Entschaͤdigungen handelte. Dieser hatte in Folge der staͤndisst Berathungen eine voͤllige, von der Proposition der Staa rung bedeutend abweichende Umgestaltung erfahren, welche kem wegs den Interessen der bisher Bevorrechteten entsprachen. J glaubten, auf den Grund der Verfassungs-Urkunde, welche ihn bei gesetzlicher Einführung einer gleichmäßigen Besteuerung, angemessene Entschädigung fuͤr den Verlust rechtmäßiger Gin / freiheiten verhieß, alle ohne Ausnahme und ohne Ruͤcksicht ü die Verschiedenartigkeit der ihrem Besitz von Steuervorzuͤgsen n Grunde liegenden Rechtstitel, Anspruch auf vollstaͤndige n; digung fuͤr die ihnen zugemutheten Opfer machen zu konnen. dieser Beziehung war aber der Antrag des mit dar Beguhk tung dieses Gegenstandes beauftragten landstaͤndischen Austzsh ses, dessen Bericht⸗Erstatter Hr. Wippermann war, Und in die Staͤnde⸗Versammlung durch Stimmenmehrheit ihre Belsiy mung ertheilt hatte, nichts weniger als guͤnstig ausgefallen. 9 nach sollten naͤmlich als rechtmäßige Grundsteuer⸗Befreiun wofuͤr Entschaͤdigung gefordert werden konne, nur solche en sehen werden, welche vom Staate mittelst lästigen Titels ern ben worden sind und gedachte Entschaͤdigung sollte bloß in in Ersatze des Werthes bestehen, welchen die fuͤr den Erwerb! Steuerfreiheiten und Steuerbevorzugungen entrichtete Gegenß stung hatte, in welcher letzteren Beziehung von dem Aus schusse in nem naͤchtraͤglichen Berichte noch besondere Vorschlaͤge gemacht zn den waren. Da fuͤr die meisten Steuerbevorrechtungen des Ah kein anderer besonderer Rechtstitel nachzuweisen war, als die Genn leistung des persoͤnlichen Waffen- und Kriegsdienstes, der h der Einfuͤhrung des stehenden Militairs gufgehsrt hatte, so am Tage, daß nach obigen Grundsätzen die Leistung' irgend ein Entschaͤdigung bei der Mehrzahl der Freiguͤter wegflel. 6 mildert wurde gleichwohl das aufgestellte Prinzip bei der A fuͤhrung und konsequenten Befolgung einigermaßen durch Bestimmung, daß der Lehnsnexus als eine laͤstige Ben gung der Guͤterbesitzer betrachtet werden sollte und aroͤßte Theil der adeligen Besitzungen in Lehnguͤtern stand. Allein die Majoritaͤt der Landstaͤnde war zugt der Meinung, daß die Aufhebung des Lehnwesens und die lh wandlung der Lehen in Allodien ein zureichendes Mittel

Die verschiedenen Klassen des Adels in Kurhessen, welche ih Steuer⸗Privileglen aufgeben sollten, wollten dagegen nicht andert handelt werden, als der Adel in anderen Deutschen Ländern, namen in Braunschweig, Hannover und Sachsen, wo die Heranziehungh Besitzer von fruher steuerfreien Guͤtern zu einer gleichmaͤel⸗ Grundsteuer mittelst Zahlung des zu Kapital angeschlagenen, Zukunft zu entrichtenden Mehrbetrags der Steuer bewirkt in

den war, wodurch den Betheiligten die vollstaͤndigste Entsch

gung zu Theil geworden. Saͤmmtliche adelige Staͤnde- Mit der, selbst diejenigen unter denselben nicht ausgenommen, wal man sonst gewohnt war, in den Reihen der Opposition zug blicken, erhoben ihre Stimme gegen die Annahme des hen Grundsteuer⸗-Gesetzes in der von der Majoritaͤt der Staͤnde sammlung beliebten Fassung. Da sie die Verwerfung dessl nicht durchzusetzen vermochten, so blieb ihnen nichts uͤbrig, von den einzelnen Staͤnden, die sich in ihren Interessen gefih det halten, durch die Verfassung eingeraͤumten Befugnisse brauch zu machen, Separat-Stimmen dagegen in den Prattkh len der Staͤnde⸗Versammlung niederzulegen. Dieses ist geschcht erstlich von den Kurhessischen Standesherren den Fuͤrsten n Isenburg-Bierstein, den Grafen von Isenburg-Wäͤchtersbtz Meerholz und Buͤding und den Grafen von Solms-Roͤdehhet zweitens von dem vormals reichsunmittelbaren, in Kurhest beguͤterten Adel, drittens von der Althessischen Ritterschaft endlich viertens von der Altschaumburgischen Ritterschaft. Di

Standes⸗-Stimmen sind gleichzeitig mit dem Beschluß der Stn

Versammlung der Staats-Regierung mitgetheilt worden, und; haͤngt von letzterer jetzt ab, ob und inwiefern sie dieselben zu h ruͤcksichtigen fuͤr gut finden wird.

Dresden, 28. Maͤrz. Diesen Winter uͤber hatte Se. Komm Hoheit der Prinz Johann mit mehreren Kavallerie⸗-Offizierent großartigen Lokale der Koͤnigl. Reitbahn in der Neustadt, um Leitung des Majors von Engel, verschiedene Touren eingeit Caroussel und Quadrillen geritten u. s. w., um auf eine Jahreszeit angemessene, zugleich gesellige Weise die Reitkun üben. Gestern fand in den späͤten Morgenstunden der Schh dieser Uebungen statt, in Gegenwart Sr. Maj. des Koͤnigs ih des ganzen Hofes mit Ausnahme des von einer leichten Er tung noch nicht ganz genesenen Prinzen Mitregenten wel ihre Platze auf der um die Reitbahn herumlaufenden Gall genommen hatten. Es hatten sich dazu gegen Einladungen durch Billets eine Menge Einheimische und Fremde eingefunda unter welchen sich auch der Kaiserl. Oesterreichische General⸗Me Graf Vincenz Esterhazy befand. Die eine Quadrille wurde ar Sr. Königl. Hoheit dem Prinzen Johann, die andere vom Oi sten und General-Adjutanten Baron von Luͤtzerode gefuͤhrt. bedarf wohl keiner besondern Erwähnung, daß die so fa 9 bereitete, so streng , ritterliche Fertigkeit und seltene Kun verbunden mit dem Anblick so ausgewählter und wohlgeschuh ee die freudigste Theilnahme und Anerkennung gefund

9 e.

Weimar, 1. April. Der Kaiserl. Oesterreichische General . af Vincent Esterhazy und der Graf Eduard von Zichy sind er angekommen. . ; , a. * Zur Befoͤrderung der Sicherheits-Polizei will der Polizei⸗ ath Eberhardt in Gotha einen allgemeinen Polizei- Anzeiger r Thuͤringen, Franken und das Vogtland auf seine Kosten her⸗ 16geben. Die Polizei-⸗Behoͤrden im Altenburgischen sind von

ü. Landes-Regierung aufgefordert worden, dieses Unternehmen

unterstuͤtzen. Muͤnch en, 2W. Maͤrz. Der 7tzste Jahrestag der K. Aka—⸗ ie der Wissenschaften wurde heute wie in den fruͤheren Jah— unter Beiseyn mehrerer Herren Staats-Minister und sonsti⸗ oher Beamten, Militaiks und anderer wuͤrdiger Zuhoͤrer d Zuschauer gefeiert. Muͤnch en, 36. 3. Vorgestern traf der Major Frhr. Pfeil, Adjutant Sr. Koͤnigl. Hoheit des Kronprinzen, von Bien hier ein, und reiste am 29. wieder nach jener Hauptstadt s Am letztern Tage hatte der Kaiserl. Oesterreichische Feldmar⸗ gal Lieutenant Graf Ceccopieri Audienz bei Sr. Maj. dem Koͤ⸗ gg, um die offizielle Anzeige von dem Ableben des Kaisers fänz und dem Regierungsantritt des Kaisers Ferdinand zu uͤber⸗ ichen. . en, Erganzung der Abgaͤnge in der Armee werden in die— m Jahre 81 Mann aus der Altersklasse 1813 ausgehoben. die Konskribirung dieser Mannschaft ist in allen Kreisen in vol— m Gange, und die Zutheilung derselben an die betreffenden Re—

nenter wird in den ersten Tagen des kuͤnftigen Monats voll— mmen beendigt seyn.

Daß aber dessenungeachtet die Aussichten friedlich seyen, geht daraus hervor, daß die Gesammtzahl e zu stellenden Mannschaft gegen jene des Jahres 1834 um fehr als 6560 Koͤpfe zuruͤcksteht, und daß von saͤmmtlichen jetzt tzureihenden Konskribirten sogleich bei der Einreihung beinahe se(Haͤlfte der Mannschaft unmontirt in staͤndigen Urlaub ent— en wird.

ien soll nunmehr bestimmt seyn, daß statt des als Bischof ich Eichstaͤdt bestimmt gewesenen Grafen von Neisach, welcher ĩse Stelle abgelehnt hat, der gegenwartige Bischof von Mandl Speyer als Bischof nach Eichstädt versetzt werden soll.

Stuttgart, 30. Maͤrz. Ihre Kaiserliche . die Frau zroßfuͤrstin Helena P̃awlowna, geborne Prinzessin von Wuͤrt—

berg, hat fuͤr das Denkmal Schillers die Summe von 500 hn. Beco. Ass. eingesandt.

Dem Vernehmen nach hat der Kanzler von Autenrieth, egen seiner Gesundheitsumstaͤnde, nicht nur um Entlassung von hem Amte als Kanzler der Universitaͤt und von seiner Stelle ordentlicher Professor an der medizinischen Fakultaͤt zu Tuͤbin— n, gebeten, sondern auch bei Sr. Majestaͤt unmittelbar seine telle als konsultirender Arzt des Koͤnigs niedergelegt.

Die in oͤffentlichen Blättern vor kurzem enthaltene Nach— cht, daß es einem Fabrikanten in England gelungen sey, wol— ne Lumpen wieder in Wolle aufzuloͤsen und diese auf das Neue

Tuchfabrication zu benuͤtzen, giebt Veranlassung, die Prio— kt dieser Erfindung fuͤr einen Wuͤrttembergischen Fabrikanten

Anspruch zu nehmen. Es hat namlich der Fabrikant H. Schaäͤuffelen in Heilbronn bereits im August 1833 der Cen— astelle des landwirthschaftlichen Vereins eine Beschreibung sei— Apparats und seiner Verfahrungsweise zur Aufloͤsung der blenen Lumpen in Wolle, nebst Proben von Wollgarn, so wie zm einem gestrickten Kleidungsstuͤck und von einem Stuͤcke che, welche aus diesem Garn bereitet waren, eingesendet, wo⸗ hn im Korrespondenzblatte des landw. Vereines, Jahrg. 1833, hd. 2, S. 132, Nachricht gegeben worden ist, und wofuͤr dem insender, unter Hinzuziehung seiner mehrfachen Fortschritte in E Papierfabrication, im September 1833 der mechanische Preis theilt worden ist. Schaͤuffelen hat sich neuerdings gegen die entralstelle bereit erklaͤrt, Jedem, welcher diese Fabrication be— eiben will, und sich diesfalls an ihn wenden wuͤrde, schriftlich der muͤndlich gruͤndliche Anweisung unentgeltlich zu ertheilen.

Frankfurt a. M., 31. März. Die uns benachbarte Land—⸗ hrafschaft Hessen-Homburg ist nun ebenfalls dem großen Deut— hen Zollvereine belgetreten. Von Morgen, den 1. April an, reten die Zollgesetze in Kraft.

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pesth, 22. Maͤrz. Man meldet in Betreff der That des Hrafen Franz Beleznah (vergl. die gestrige Nummer der St. zt. Art. Wien) noch Folgendes: „Der Moͤrder fuhr nach voll— tachter That in einem auf ihn wartenden Fiaker in seine Woh— ung zuruͤck. Indessen zeigte der verwundete Bruder die Sache em Gerichte an, ein Verhafts-Befehl wurde erlassen, und die azu beauftragten Gerichts-Personen fanden den Moͤrder in sei— r Wohnung, mit teuflischer Gelassenheit eine Pfeife Taback äuchen. Er ward jedoch ohne Widerstand verhaftet. Da aber tgenwärtig der Komitats-Jurisdiction, wegen haufig vorgekom— ener NRaub⸗Anfaͤlle, das Standrecht verliehen ist, so sollte auch der Fraf demgemaͤß behandelt, und binnen 24 Stunden gehaͤngt werden. Das deshalb zufammengetretene Geschwornen⸗Gericht aber erklaͤrte ge⸗ irn, nach einer mehr als 12sñtuͤndigen Sitzung, in diesem Falle as Standrecht fuͤr inkompetent, und der Moͤrder ward dem ge— äͤhnlichen Gerichtsgange uͤberlassen. Inzwischen ward er, wie le dem Standrechke unterworfenen Inquisiten, waͤhrend zwei agen und zwei Nächten (bis zur Faͤllung des obigen Spruches) kein verschlossenes Behaͤltniß gebracht, sondern in den offenen säumen des Komitatshauses, gefesselt und streng bewacht, den lugen des Publikums preisgegeben, wobei der Zudrang der Men— hen, wie leicht zu erachten, ungeheuer war. Der Verbrecher ber ward nicht bedauert, da er als exzessiver Mensch bekannt bi, der schon manches Unheil anrichtete. Es ist ihm jetzt das— lle Gefaͤngniß angewiesen, in welchem sein Bruder vor mehre—

mn Jahren das Todesurtheil erhielt.“

r. Konstantinopel, 7. Marz. Die Tekwimi Wekaji Em 6. Si'lkaadeh (6. Maͤrz) meldet, daß der Sultan am l5ö.

ti Echewal (14. Februar), in Begleitung der vornehmsten Hofwuͤr—⸗

dem Militair-Hospitale und der Kaserne Selimie zu Sku— kri einen Besuch abgestattet habe. Se. Hoheit nahm alle ein—

inen Kranken des Hospitals in Augenschein, und wuͤrdigte dann

ch das Nepositorium, worin die fuͤr Kranke geeigneten Klei— ugsstuͤcke, so wie die Speisen und Trinkgeschirre aufbewahrt erden, eines pruͤfenden Blickes. Beim Abschied ließ Se. Ho—

bwsseit unter die Kranken und ihre Waͤrter Geschenke vertheilen.

. entlehnen dem selben Blatte die nachstehenden Mel— n:

zun. Zu den militairischen Uebungen gehoͤren jetzt auch Einzel—= npse, So z. B. wird gelehrt, wie ein Infanterist mit seiner inte einen Feind abwehren soll, der ihn zu Fuße und mit ge— genem Sabel angreift; wie er den Saͤbelhieb eines Reiters

3181 pariren soll u. s. w. Der Sultan ließ einen Theil der Mann— schaft in der Kaserne Selimie solche Uebungen 3. und als⸗ dann die in Skutari anwesenden Offiziere der aus Boli und Isnikmid ausgehobenen zwei Milizen-Bataillone an der Spitze eines Garde-Bataillons bei klingendem Spiele einige Evolutio— nen machen. Alles geschah zur großen Zufriedenheit Sr. Ho— 6 und der Sultan freute sich besonders uͤber die raschen Foͤrt— schritte, welche diese neu angestellten Offiziere binnen kurzer Zeit in der Kriegskunst gemacht haben.“

„Das meiste Holz, welches zum Bau der Großherrlichen Schiffe auf den Werften von Konstantmopel und Isnikmid (Ni⸗ kodemien) dient, liefern die reich bewaldeten Berge der Sand— schake Boli und Kodscha Ili. Weil aber auch Privatperfonen viele Baͤume dieser Walder theils zu eignem Gebrauche, theils um sie zu verkaufen, umhauen, und solchergestalt das zum Bau der Großherrlichen Schiffe und anderer oͤffentlicher Gebaͤude noth⸗ wendige Zimmerholz mit der Zeit ausgehen konnte, so hat der Geheime Kriegsrath Ahmed Fewsi Pascha, Statthalter der erwaͤhn⸗ ten beiden Sandschake, Sr. Hoheit auf seiner letzten Reise durch die genannten Landschaften, seiner tiefen Einsicht gemäß, einen Plan ausgedacht, wodurch einem kuͤnftigen Mangel an Bauholz vorge— beugt wird, ohne daß der Vortheil, den Privatpersonen aus die— sen Waͤldern ziehen, geschmälert würde. Eine Kommission soll naͤmlich die Berge der genannten Sandschake geometrisch vermes— sen und sowohl die Arten als die Anzahl der Baͤume genau be— stimmen. Die zu Großherrlichen Bauten erlesenen Baͤume wer— den mit besonderen Zeichen versehen, und Bauern aus den be— nachbarten Distrikten zu Waldhuͤtern bestellt. Die minder taug— lich befundenen und also unbezeichnet gelassenen Baͤume darf jede Privatperson umhauen und als Eigenthum behandeln. Der Sultan hat diesen und noch anderen von der Türkischen Zeitung mitge— theilten Vorschlaͤgen Fewsi Pascha's, betreffend die einstweilige Aufbewahrung des Bauholzes, bevor es weiter transportirt wird u. s. w. Gehoͤr gegeben und danach verfuͤgt.“

Die Tekwimi Wekaji vom 6. März meldet außerdem, daß der bei der Tuͤrkischen Gesandtschaft in Paris attachirte Dol— metscher Ruheddin Efendi wegen seiner Geschicklichkeit und gu— ten Auffuͤhrung mit der Wurde eines Chodscha's des Diwans beehrt worden sey. Das dahin lautende Bestallungsschreiben ist an denselben nach Paris abgegangen.

Auch in Bosnien soll jetzt, wie die Tuͤrkische Zeitung meldet, mit Errichtung der Landwehr ein guter Anfang gemacht worden seyn, dies verheißen die angekommenen Schreiben Daud Pascha's, Ali Pascha's, des Statthalters von Hersek (Herzego— wina) und Akif Efendi 's, ersten Großherrlichen Bittschriftenmei— sters, der sich mit besonderen Auftraͤgen in Bosnien befindet. Dasselbe Blatt enthaͤlt in einem langen Artikel Verfuͤgungen des Sultans, welche die bessere Verwaltung der zu den heiligen Or— ten Mekka und Medina gehoͤrigen Religions-Guͤter (Ewkaf) betreffen. In einem nicht viel kuͤrzeren Artikel wird uͤber Be— forderungen an den Hochschulen (Medresse) Bericht erstattet.

Vereinigte Staaten von Nord-Amerika. New-Hork, 3. März. Die Dokumente, welche der Praͤ— sident zugleich mit seiner neuesten Botschaft (s. das gestrige Blatt der St. Ztg.) dem Kongreß uͤbersandt hat, bestehen aus 13 ver— ie gen Nummern, wovon Folgendes der wesentlichste In— alt ist:

15 Ein Bericht des Staats⸗Seeretairs, Herrn Forsyth, der die versprochene Auskunft uͤber die Weglassung der letzten Note des Herrn Serrurier giebt und als Grund davon anfuͤhrt, daß die Ame— rikanische Regierung fuͤr nͤthig befunden habe, dieselbe vor ihrer Publizirung oder Beantwortung der Franzosischen Regierung vorle⸗ gen zu lassen, um zu erfahren, ob einige darin enthaltene, Anstoß erregende Ausdrucke als das Resultat eines uͤberlegten Planes von Seiten dieser Regierung oder nur als eine Indiseretion ihres Ge— sandten anzusehen seyen. 2) Die erste Depesche des Herrn Living⸗ ston nach Empfang der Botschaft des Praͤsidenten vom 1. Dezember. Sie ist aus Paris vom 11. Januar datirt und laͤßt sich über den nachtheiligen Eindruck aus, den die erste Kundwerdung der Bot⸗ schaft, und besonders die Androhung von Repressalien, nicht nur im Allgemeinen, sondern hauptsaͤchlich auch in der Kammer unter den bishe⸗ rigen Verfechtern der Entschaͤdigung hervorgebracht habe. Die Gefuͤhle verwundeten Stolzes, welche die Fraͤnzosen beseelen, seyen noch durch die Sprache einiger Amerikanischen Oppositions⸗Blaͤtter, wie des „Washington Intelligencer“ und des „New-⸗HYork Courier“, genaͤhrt worden, welche aus Haß gegen den Praͤsidenten dessen Maßregeln als dem Willen der Majoritaͤt des Volkes widerstreitend darstellten. Herr Livingston äußert ubrigens, daß die entschiedene Sprache des Praͤsidenten im uͤbrigen Europa eine guͤnstige Aufnahme gefunden zu haben scheine, und fuͤhrt als Beweis das von den Repraͤsentan⸗ ten der großen Europaͤischen Maͤchte nach der Bekanntwerdung der Botschaft gegen ihn beobachtete Benehmen an. Auch legt er gro, ßes Gewicht auf die kommerzielle ünd politische Bedeutung seines Vaterlandes, die sich alsbald durch das Fallen der Fonds kundgege⸗ ben habe, und glaubt, daß die Sprache der Botschaft mit der Zeit auch auf die Gesinnungen der Franzosen guͤnstig wirken und beson⸗ ders das Franzöͤsische Kabinet den Forderungen der Vereinigten Staaten geneigt machen werde, was um so eher geschehen durfte, wenn der Kongreß bloß Handels⸗Beschraͤnkungen anordnete oder seine Ent⸗ scheidung bis zum Ende der Session aussetzte, woraus man in Henn üh den Entschluß ziehen wuͤrde, daß der Kongreß zu Re— pressalien geneigt sey. 3) Eine zweite Depesche des Herrn Living⸗ ston vom 1A. Januar erstattet uͤber eine Konferenz Bericht, welche derselbe in Folge der Botschaft des Praͤsidenten mit dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Admiral Rigny, hatte. Herr Li⸗ vingston suchte in dleser Unterredung so viel als moglich den uͤblen Eindruck zu verscheuchen, den die Botschaft hervorgebracht hatte, indem er dieselbe im mildesten Lichte, als ein eigentlich nur an die Amerikanische Nation gerichtetes Dokument darstellte. Er fand uͤbrigens, daß besonders ein Umstand das Mißfallen des Königs der Franzosen erregt hatte, naͤmlich der, daß der Praͤsident sich darüber beklagte, daß die Franzoͤsischen Kammern nicht, wie Herr Ser⸗ rurler in Gemaͤßheit von Instructionen der Französischen Re⸗ gierung es versprochen hatte, im vorigen Jahre schon fruher zusammenberufen worden. Der Admiral Rigny zeigte dem Ame⸗ rikanischen Gesandten den Gesetz-Entwurf in Betreff der 25 Mil- lionen, welcher, wie derselbe behauptete, am Tage nach der Ankunft der Botschaft den Kammern vorgelegt worden wäre, wenn nicht der Inhalt der Botschaft diese Vorlegung unmoglich gemacht hatte. Die Konferenz endete, nach der Versicherung des Herrn Livingston, ganz friedlich, und Abends wurde bei dem Oesterreichischen Bot⸗ schafter festgesetzt, daß Herr Livingston den Bericht an seine Regie⸗ rung bis züm 16. Januar verschieben sollte, als er zu seinem gro⸗ ßen Erstaunen noch am Abend um 10 Uhr eine Note des Grafen von Rigny erhielt. 3) Die eben erwähnte Note des Franzoͤsischen Ministers der auswaͤrtigen Angelegenheiten, in welcher derselbe die Verzögerung der Voarlegung des Traktats durch administrative Gruͤnde zu entschuldigen sucht und die Boischaft des Praͤsidenten als eine Her⸗ ausforderung bezeichnet, indem er Letzterem das Recht zu den harten von ihm gebrauchten Aeußerungen abspricht. Auf diese Auseinandersetzung folgt die Erklaͤrung, daß der Koͤnig es seiner Wuͤrde schuldig zu seyn geglaubt, „seinen Gesandten nicht laͤnger einer gegen Frank⸗ reich so beleidigenden Sprache auszusetzen“, weshalb Hr. Serrurier zur Ruͤckkehr nach Frankreich beordert sen. Im Laufe dieser Note wird die Ansicht ausgesprochen, daß das Oberhaupt der Regierung

möglichkeiten einer constitutionnellen Verfassun ᷣ. . g haͤtte hegreifen sol⸗ , sehr 6 auch die Franzoͤsische Regicrung sich 3. 6e ie. d un e, e er nicht. naher bezeichnen wolle, verletzt fuͤhle, so * e sie dennoch, mit Rücksicht auf frühere Verpflichtungen der an den Vertrag nochmajs vorlegen. Außerbein werden auch urch diese Note noch Herrn Livingfion feine Päffe angeboten, wo bei sich Graf Rigny des Ausdrucks bedient, Hr. Livingston „moͤge die je⸗ nigen Maßregeln ergreifen, welche ibm aiß die natürlichen Folgen dieser Mittheilung erscheinen möchten.“ Herr L. sucht in seiner Depesche das ganze Verfahren der Fran zösischen Reglerung als ein Mittel zur Ehrenrettung darzustellen. 3) Eine Note bes Herrn Li— vingston an Herrn Forshth vom 15. Januar, welche die Gruͤnde er⸗ klaͤrt, weshalb er dem ersten Eindruck nicht gefolgt sey und seine

haͤsse nicht verlangt habe; er habe, sagt er, in jener Rote bi = 69 des Franzoͤsischen Kabinets gesehch, ihm die n n li. fuͤr die Abbrechung des diplomatischen Verkehrs zwischen den beiden

Landern aufzubuͤrden; uͤberdies habe der Freiherr von Rothschild i besucht und ihm versichert, daß der zweideutig Schluß el en schen Note nicht als eine Aufforderung zur Abreise anzusehen sey. Er beschloß daher, beim Grafen Rignh eine genauere Auskunft daruber e , n. und sich im Falle, daß dennoch ein ut cher Sinn hineinzulegen sey, sich nach Holland oder England zu— ruͤckzuziehen, was aber, wie er sagt, jedenfalls sehr kostspielig und ungngenehm fuͤr ihn gewesen seyn wuͤrde. Er erklaͤrt, daß er sich nicht wundern wurde, wenn die Franzoͤsische Regierung, im Falle der Verwerfung des Gesetz⸗ Entwurfs, der Regierung der Verelnig⸗ ten Staaten mit einer Wegnahme der Amertkanischen Kauffahrtei⸗ Schiffe und einem Angriffe auf das Geschwader im Mittelmeere zu⸗ vorkK me, weshalb er dem Commodore Patterson die gehbrige War= nung zugehen lassen werde 6) Eine Note des Hrn. Livingston an den Gra= fen v. Rigny vom 14. Jan. zur Anfrage, ob er Frankreich zu verlas⸗ sen habe, oder nicht. Herr Livingston spricht sein Bedauern daruͤber aus, daß eine Mittheilung eines Regierungs⸗Zweiges der Vereinig⸗ ten Staaten an einen anderen, die dem Fkanzbstschen Kabinet nicht einmal offiziell mitgetheilt worden fey, als Grund für eine Maßre⸗ gel angegeben werde, welche nothwendiger Weise das gute BRerneh⸗ men, zwischen zwei Nationen, die durch gleiche politische und Handels⸗-Interessen mit einander verbunden? seyen, sidren muͤsse Alsdann fragt Herr Ihn kon ohne Weiteres nach der Erklaͤrung der oben erwähnten Phraäͤse am Schiusse der Note des Herrn von Rigny und legt schließlich dem Franzoͤsischen Kabinet dis Verant⸗ wortlichkett fuͤr die gestoͤrten diplomatilschen Verbindungen auf. Eine Antwort auf die Anfrage des Herrn Livingston findet sich nicht un⸗ ter den vorgelegten Dokumenten und ist auch wahrscheinlich nicht in der Form einer Note ertheilt worden, da, wie Herr Living ston selbst in dem Bericht unter Nr. Z sagt, Herr von Rigny ihm durch Herrn von Rothschild hatte erklaren laffen, keine schriftliche Mit“ theilung über den Gegenstand machen zu wollen. Bekanntlich hat indeß Hr. . Paris nicht verlassen. ) Eine Depesche des Herrn Livingston an Hrn. Forsyth, vom 16. Januar, worin er dem Staats Secretair anzeigt, daß ein Gesetz⸗ Entwurf uͤber di: 28 Mill. den Franzö⸗ sischen Kammern vorgelegt sey, war sey darin nur von dem Ka— pital und nicht von den Zinsen die Rede, indeß werde auf den Traktat Bezug genommen, und es sey daher zu erwarten, daß dessen Bestimmungen in das zu erwartende Gesetz aufgenommen werden wurden, Am Schlusse dieser Depesche widerspricht Herr L. dem von Franzdͤsischen Blaͤttern verbreiteten Geruͤchte, daß er bei Hofe er⸗ schienen sey oder beim Koͤnige Audienz gehabt habe. 8) Eine Note des Herrn Forsyth an Herrn Livingston vom 13. Februar, worin Ersterer dem Letzteren meldet, daß, im Falle der Verwerfung des Gesetz-Entwurfes von Seiten der Franzosischen Kammern eine Fre⸗ gatte nach Havre abgesandt werden solle, um ihn abzuholen. 9) Eine zweite Note Desselben an Denselben, in welcher Herr Forsyth dem Gesandten die Zufriedenheit des Praͤsidenten mit seinem Ver⸗ fahren anzeigt, mit dem Beifuͤgen, daß der Praͤsident weder Be⸗ fremden noch Mißfallen empfunden haben würde, wenn Herr L. gleich nach Empfang der Note vom Grafen von Rigny mit dem ganzen Gesandtschafts⸗Personal Frankreich verlassen haͤtte, was ihm fur den Fall der Verwerfung des Gesetz Entwurfes vorgeschrieben ist; im Falle der Bewilligung der 28 Mill soll er Herrn Barton als Geschaͤftstraͤ⸗ ger zuruͤcklassen und sich selbst nach Holland oder England begeben. 10 bis 13) Ein Noten⸗Wechsel zwischen dem Franzoͤsischen Gesand⸗ ten, Herrn Serrurier, und dem Staats⸗Secretair, Herrn Forsyth, welcher in Folge der Abberufung des Ersteren stattfand. Herr For⸗ syth bletet ihm alle mogliche Erleichterungen an, welche er ihm ver⸗ schaffen koͤnne, um den Befehlen seines Hofes schleunig Folge zu leisten. Here Serrurier dagegen ersucht um eine Konferenz, und als Herr Forsyth um schruftliche Mittheilung bittet, beglaubigt derselbe schriftlich den Herrn Pageot, ersten Gesandtschafts-Seeretair, als Geschaͤftstraͤger des Koͤnigs der Franzosen.

In der Sitzung des Repräsentanten-Hauses vom 2. Februar bemerkte Herr Dickson bei Vorlegung mehrerer Bitt— schriften zur Abschaffung der Sklaverei und des Skla— venhandels im Distrikt Columbia unter Anderem:

„Die Bittsteller beschweren sich daruͤber, daß ein Theil der Be— wohner des Distrikts Columbia, ohne ein Verbrechen begangen zu haben, doch nicht als Zeuge angenommen wird. Ein sreler Mann kann ungestraft ein Verbrechen, selbst einen Mord, in der Gegen⸗ wart von Sflaven begehen, denn da ihr Zeugniß nicht gültig ist, so kann er nicht uͤberfüͤhrt, also auch nicht bestraft werden. Jeder Farbige (Neger oder Mulatte), mag er auch frei geboren und erzo— gen seyn, mag er das Wahl⸗Recht ausgeübt und bei Erwaͤhlung der hoͤchsten Beamten der Regierung seine Stimme abgegeben haben, mag er zu allen Rechten eines weißen Mannes berechtigt seyn, so—⸗ bald er den Boden dieses Distrikts betritt, wird er als Sklave be⸗ trachtet. Er muß dann binnen 30 Tagen dem Mayor von Washing-— ton den Beweis bringen, daß er ein freier Mann ist, und zwei freie Burgen stellen, die bei einer Strafe von 500 Dollars dafuͤr haften, daß er sich friedlich und ordentlich betragen und der Corporation nicht zur Last fallen werde. Diese Verpflichtung muß am Ende ei⸗ nes jeden Jahres fuͤr die zwei naͤchstfolgenden Jahre erneuert wer⸗ den. Geschieht dies nicht, so muß der ungluͤckliche Farbige entwe⸗ der sogleich die Stadt verlassen, oder er wird in das öffentliche Ar— beitshaus gebracht, his er das Verlangte geleistet hat. Jeder freie Farbige, der ohne seinen Freibrief ausgeht, ist in Gefahr, als ent⸗ laufener Sklave aufgehoben, ins Gefaͤngniß geworfen und, zur Be⸗ sireitung der Gerichtskosten, verkauft zu werden, wenn er nicht beweist, daß er ein freier Mann ist. Thut er dies und weigert er sich, die fuͤr das Einfangen entlaufener Sklaven fest⸗ gesetzte Summe zu zahlen, so wird er wieder ins Gefaͤngniß gefuͤhrt und als Sklave verkauft. Diese Gesetze sind ein Schandfleck in den Annalen unserer Republik, sie sind Fallen, in dem Sitze der Regie⸗ rung aufgestellt, um freie Maͤnner zu fangen und zu lebenslaͤngli⸗ cher Sklaverei zu verdammen. Sehr viele freie Manner sind Opfer dieses erbarmungslosen Gesetzes geworden, eines Gesetzes, das nir— gend seines gleichen hat! Eine andere Beschwerde der Petitionen detrifft die strrengen Strafen der Sklaven in diesem Disteikt. Wenn ein Sklave ohne Erlaubniß des Nachts sich herumtreibt oder bei Tage die Pferde reitet, so wird er gepeischt, mit glühenden Eisen gebrannt oder auf andere schauderhafte Weise gestraft, wenn er nur dabei am Leben bleibt und nicht zur Arbeit untuͤchtig wird. Fuͤr einen geringen Verrath wird den Sklaven die rechte Hand abgehauen, oder sie werden gehangen, geköpft, oder geviertheilt, und der Kopf und die einzelnen Stücke dann an den desuchtesten Orten derjenigen Grafschaft, wo der Mord begangen wurde, dͤffentlich ausgestellt. Wenn diefe Gesetze auch wohl niemals ihrer ganzen Ausdehnung nach angewendet worden sind, so erschei⸗ nen sie doch als der Ueberrest eines höͤchst barbarischen Zeitalters; sie sind in unserer aufgeklaͤrten und menschenfreundlichen Zest ein Schandfleck fuͤr unsere Verfassung und muͤssen modistcirt oder gan

aufgehnben werden. Ein anderer Gegenstand dieser Petitionen 1 ferner das Fortbestehen des Sklavenhandels in diesem Bistrikte, ob—

der Vereinigten Staaten mehr als jeder Andre die moralischen Un⸗

gleich fast alle eivilisirte Nationen ihn gesetzlich abgeschafft