1835 / 96 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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räumt hatte, hielt darauf eine lange, mit vielen Details

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angefuͤllte Rede zu Gunsten der Russellschen Motion, die er, wie er sagte, von dem Gebiet kleinlicher Persoͤnlichkeiten, auf das der vorige Redner dieselbe hinuͤbergespielt wieder auf ö. eigent⸗ liches Terrain zuruͤckfuͤhren wollte. Er beschwor das Haus, die Wichtigkeit der Maßregel wohl zu erwaͤgen und zu bedenken, wie noͤthig es sey, die Katholiken zu versoͤhnen, was aber durch ha be, Zugestäsdnisse nicht möglich waͤre, vielmehr müsse man reichlich und liberal geben, wenn man einmal die Hand oͤffne, und sich nur die Gerechtigkeit als Graͤnze setzen. Sodann ergriff Sir James Graham das Wort und sprach sich gegen den Antrag des Lord Russell aus, indem er bemerkte, daß das Kirchen⸗Eigenthum zu besonderen Zwecken bestimmt gewesen sey, Und dazu muͤsse es auch verwendet werden. Diese Zwecke seyen die Erhaltung und Verbreitung des Protestantismus choͤrt, hört: Und: nein, nein!), und es duͤrfe zu nichts Anderem dlenen (hört!); denn sonst werde der gaͤnzliche Umsturz der protestanti⸗ schen Kirche in Irland herbeigefuͤhrt werden, ünd dies Unheil sich auch bald uͤber England erstrecken. Das von den Vorfahren für die protestantische Religion bestimmte Eigenthum sey heilig und duͤrfe nur zu heiligen Zwecken verwendet werden; diejeni⸗ gen, welche dem Altar dienten, muͤßten auch von dem Altar leben. Dies sey ein Grundsatz, der ewig dauern werde, den Niemand umnstoßen koͤnne. Lord Howick erwiederte hierauf, er sey der Meinung, daß das Eigenthum der Irlaͤndischen Kirche den Zweck habe, das Irlaͤndische Volk unter den Einfluß der Reli— gien im Allgemeinen zu stellen, nicht aber, wie sein sehr ehrenwerther Freund gesagt habe, die protestantische Religion aufrecht zu er⸗ halten und zu verbreiten.

„Ist denn dies geschehen?“, fuhr er fort, „hat nicht mein sehr ehrenwerther Freund so eben eine furchtbare Schilderung von dem Verfall des Protestantismus in Irland gemacht? Es hat fuͤr mich nichts Auffallendes, daß das Irlaͤndische Volk es für eine Beleidi— gung haͤlt, daß ein bedeutender Theil ihres Landes Eigenthum einer ihm fremden Geistlichkelt ist. Dies System ist indeß den Inter⸗ essen der Religion unter den Protestanten selbst geradezu entgegen gewesen. Mehrere protestantische Geistlichen haben durch ihr Ke⸗ den den gegenseitigen Haß unter dem Volke noch mehr angefacht, statt als Lehrer des Friedens aufzutreten. Mein sehr ehrenwerther Freund sagte, das Parlament muͤsse so handeln, wie es der wahre Glaube ihm vorschreibe, dann werde es nichts thun, was den Prin⸗ zivien der wahren Toleranz entgegen sey. Ich bin erstaunt, dies zu hören. Soll dies Haus in einen Kampfplatz fuͤr theologische Strei⸗ tigkeiten verwandelt werden, und sollen wir uns her uͤber die währe Religion herumstreiten? Dies koͤnnte das ehrenwerthe und gelehrte Mitglied fuͤr Dublin leicht veranlassen, eine Bill zur Unterdrückung des Protestantismus und zur Erhebung der ka⸗ tholischen Religion en dessen Stelle einzubringen. Die Gruͤnder er Reformation emaneipirten den menschlichen Geist und setzten die Vernunft in ihre Rechte ein, und ich kann nicht begreifen, wie die— nigen, welche sich fur die Nachfolger jener Maͤnner ausgeben, verlangen koͤnnen, daß die, welche anderer Meinung sind, ihre Zu⸗ üimmung zu dem Fortbesteben eines Instituts geben sollen, weil dasselbe die wahre Religion bekenne. Sch gebe zu, daß die Abschaf⸗ fung des Zehnten der großen Masse des Irlaͤndischen Volks keinen Vortheil bringen wird, denn der ganze Gewinn fließt in die Taschen der Landbesitzer. Folgt aber daraus, daß es keine wahrhaste Be⸗ schwerde ist? Ich bin der Meinung, daß das Volk sich daruber deschwert, daß das Eigenthum, welches Allen zu Gute kommen sollte, so verwendet wird, daß Nlemand davon Nutzen zieht. Es waͤre bes⸗ ser fuͤr die protestantische Religion, dieses Eigenthum auf einmal ganz und gar zu vernichten, als daß es fortwaͤhrend die Veranlas— sung zum Streit wird. Jedermann muß einsehen, daß das Sberhaus im vorigen Jahre durch die Verwerfung der Zehnten-Bill über das Schicksal der Protestanten entschied. Will das Haus den jetzigen Zustand der Irlaͤndischen Kirche fortdauern lassen ? Ich habe mich dem jetzigen Ministerium bis jetzt nicht widersetzt, weil ich bei dem jetzigen Stande der Angelegenheiten nicht einsehe, wie den Schwie⸗ riererten die aus der plötzlichen Entlasung der Minister hervorge⸗ hen wurden, zu begegnen waͤre, aber in diefem Fall bleibt mir kerne Wahl, und ich gebe mein Votum ab, wie ich es vorhergesagt habe“

Da es bereits 1 Uhr geworden war, so wurde die Debatte hierauf vertagt.

London, 31. Maͤrz. Lord Elliot ist mit einer speziellen Mission von hier nach Madrid abgegangen; seine Abreise kam ganz unerwartet und soll durch die hier eingegangenen Nachrich— ten von dem grausamen Verfahren des General Mina veranlaßt worden seyn. Se. Herrlichkeit erhielt am Donnerstag Abend die erste Anzeige von der ihm uͤbertragenen Mission. Der Lord verließ London am Sonnabend fruͤh. Man glaubt, daß er nach Beendigung seines jetzigen Auftrages einen dauernden diploma— tischen Posten an einem der ersten Hoͤfe Europa's erhalten wird.

Die Minister versammelten sich gestern, am Sonntage, in der Amtswohnung des Grafen De Grey. Dies veranlaßte den Globe zu der Frage, ob sie nicht an Herrn Poulter's Sab— baths-Bill gedacht haͤtten.

Gestern, als am Geburtstage des Don Carlos, begaben sich die hier anwesenden seiner Sache ergebenen Spanier zu der Prinzessin von Beira, um ihr ihre Gläckwuͤnsche darzubringen.

Bei dem am Sonnabend dem Lord John Russell gegebenen Diner waren mehr als 260 Parlaments-Mitglieder zugegen. Herr Spring Rice und Lord Howick wurden verhindert zu er⸗ scheinen. Lord Morpeth fuͤhrte den Vorsitz. Nachdem Lord John Russell fuͤr die ihm erwiesene außerordentliche Ehre seinen Dank ausgesprochen und mit wenigen Worten auf die von ihm eingebrachte Bill . Aufhebung der Test- und Corporations— Akte und auf die Reform⸗-Bill hingewiesen hatte, sagte er:

„Unter den Gegenstaͤnden des größten Ehrgeizes für mich giebt es nach den genannten keinen, den ich mit größerer Vorliebe be⸗ trachte, keinen, worauf ich großere Hoffnungen gründe, als den, der eines Tages das Mittel jur Aufhebung einer anderen großen Be— schwerde seyn wird, ich meine die Beschwerde über die Müißbraͤuche in der Irlaͤndischen Kirche. Diese Mißbraͤuche vereinigen, wie es mir scheint, die politische Uusurpation unseres geschlossenen Burgflek⸗ ken⸗Systems mit der religidsen Intoleranz unserer Test- und Eor—= porations- Akte. Ich hoffe, melne Herren, am nächten Montag dem Unterhause einen Fall vorlegen zu können, welcher soz wohl der unbestreitbaren Macht der Beredtsamkeit, die, wie ich weiß, dagegen auftreten wird, als auch den Angriffen der, Sophistere oder der Gewalt der Deelamation widerstehen soll. Ja, meine Herren, wir werden zeigen, daß jetzt die Zeit gekommen ist, wo es nothwendig ist, jenem Theile des verei⸗ higten Koͤnigreichs Gerechtigkeit widerfahren zu laffen, und jene uͤberwaͤltigenden Uebel, welche sonst durch die Zukunft herbeigeführt werden mochten, abzuwenden. Wir werden zeigen, daß Engländer und Schotten eben so bereit sind zur Erreichung dieses Zweckéz mit⸗ zuwirken, wie die Irlaͤnder selbst, daß sie es fuͤr ihre Pflicht hai⸗ ten, so zu verfahren, und daß eine solche Handlung der Gerechtig⸗ keit nicht die Sache eines Theiles, sondern des ganzen Englischen

unterhauses ist.⸗

Herr Denison brachte die Gesundheit des Lord Melbourne und der vorigen Minister Sr. Majestat aus, worauf Herr C. Grant in seinem und seiner Kollegen Namen dankte und' in sei— ner Rede der Lords Melbourne, Landsdowne, Spencer, Holland und Duncannon lobend erwähnte. Herrn ' Connell's, in (wie der Courier bemerkt) sehr versöhnendem Tone abgefaßte Rede

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und seinen Toast auf das Wohl des Schottischen Reformer beant— wortete Herr Fox Maule mit einem Toast auf die Irlaͤndischen Reformer. Gegen das Ende des Diners brachte Lord Kerry noch folgenden Toast aus: „Dem National⸗-Unterricht nach um fassenden Prinzipien und ihrem alten und bestaͤndigen Freunde, dem Lord Brougham.“

In dem Boͤrsenbericht der heutigen Times wird berichtet, daß in Folge der Ungewißheit über den Ausgang der Motion des Lord Russell die Geschäͤfte in inlaͤndischen Fonds sehr un— bedeutend waren, indeß sey doch die Ansicht ziemlich allgemein verbreitet gewesen, die Minister wuͤrden, wie auch die Entschei— dung des Hauses ausfalle, ihre Posten nicht aufgeben. Dagegen erwahnte der gestrige Courier eines Geruͤchts, daß Lord Grey um Koͤnige entboten worden sey, fuͤgte aber hinzu, daß es, aller Bemuͤhungen ungeachtet, ihm (dem Tourier) nicht moͤglich gewe—⸗ sen sey, uͤber die Quelle des Geruͤchts Auskunft zu erhalten. An der fremden Fonds-Boͤrse erregte die Sendung des Lord Elliot nach Spanien einige Besorgniß. Man erfaͤhrt aber, daß dadurch nur die Abstellung der Grausamkeiten bezweckt werde, mit wel— chen jetzt der Krieg von den Christinos sowohl, als von den Kar— listen gefuͤhrt wird.

Der Gemeinde⸗Rath der City von London hat die Reform dieser Corporation damit begonnen, daß er beschlossen hat, die Aldermen kuͤnftig nicht mehr auf Lebenszeit, sondern nur auf sie— ben Jahre zu waͤhlen.

Aus Portugal sind Nachrichten mit dem Schooner „Pike“ eingegangen, der am 18ten Lissabon verlassen hatte, nachbem er drei Tage auf den Ausgang der in der zweiten Kammer obschwe— benden Debatten uͤber die Antworts-Adresse auf die Thron⸗Rede gewartet hatte. Ein Amendement der Opposition, welches den Wunsch ausdruͤcken sollte, die Koͤnigin moge ihre Minister ent— lassen, war nach langer Diskussion von 75 gegen 25 Stimmen verworfen worden; die Minister erhielten also eine Majoritaͤt von 390 fuͤr sich; bei einer anderen Frage, naͤmlich dem Antrage der Opposition auf Entlassung saͤmmtlicher vormaliger Migueli— sten aus dem Staatsdienste, sprachen sich nur 44 gegen 41 Stim⸗ men fuͤr die Minister aus; spaͤter aber ging derselbe Antrag in etwas anderer Form mit 43 gegen 34 Stimmen durch.

Die Times hat Nachrichten von ihrem Korrespondenten aus Madrid bis zum 21. Maͤrz, die fuͤr die Sache der Koͤni⸗ gin und fuͤr den Zuͤstand der oͤffentlichen Meinung in der Haupt— stadt sehr guͤnstig lauten. Unter den von dem Finanz-Minister gemachten Vorschlaͤgen befindet sich auch eine Besteurung des Vermögens der Geistlichen mit 12 Millionen Realen. Dies be— traͤgt, mit Ausschluß des Zehnten, wovon sie schon die Haͤlfte an die Regierung entrichten, ein Sechstel ihrer veranschlagten Ter— ritorial⸗Einkuͤnfte.

Die Morning Chronicle behauptet, daß das ganze Ge— ruͤcht von der Anerkennung der Unabhängigkeit der Fuͤrstenthuͤmer Moldau und Wallachei, von Seiten Großbritaniens, sich auf die Ankunft eines neuen Britischen Konsuls in Bucharest gruͤnde. Der Tim es zufolge, waͤre eine solche Ernennung zuerst von dem jetzigen Ministerium vorgenommen worden und sey demselben zu verdanken, wogegen der Globe bemerklich macht, daß schon seit mehreren Jahren ein Britischer Konsul in Bucharest gewesen sey, und daß Lord Palmerston, als der vorige Konsul daselbst, Blutte, gestorben war, bereits einen anderen an seine Stelle ernannt haͤtte, ehe die vorigen Minister entlassen wurden.

Der Times zufolge, besteht das Geschwader, welches der Admiral Rowley jetzt unter seinem Kommando hat, aus den Li— nienschiffen; „Caledonia“, „Canopus“, „Malabar““, „Thunderer“, „Edinburg“ und „Revenge“, den Fregatten: „Vernon“, „Port— land“ und „Endymion“, der schweren Korvette „Tribune“, der Dampf⸗Fregatte‚, Medea“, den Briggs „Columbien“ und „Chil— dern“. Letztere ist mit Depeschen nach den Jonischen Inseln ab— gegangen und wird sogleich zuruͤckkehren. Die Korvette „Scout“ wird mit Mannschast, die in der Eile auf Malta zurückgelassen wurde, und der Kutter „Hind“ mit Depeschen von dorther er— wartet.

Neuere Berichte aus den Vereinigten Staaten melden, daß der Franzoͤsische Gesandte, Herr Serrurier, aus Washington in Philadelphig angekommen sey, um sich dort nach Frankreich einzuschiffen. Auch wird noch gemeldet, daß eine Amerikanische Fregatte, welche ein Fahrzeug der Escadre der Vereinigten Staa— ten im Mittellaͤndischen Meere abzulosen bestimmt ist, den Be— fehl erhalten hat, vorerst in Havre den Beschluß der Franzoͤsi— schen Kammern in Betreff der Amerikanischen Schuld⸗-Forderung abzuwarten und fuͤr den Fall der verweigerten Anerkennung derselben, den Amerikanischen Gesandten in Paris an Bord zu nehmen.

Niederlande.

Aus dem Haag, 31. Maͤrz. Fuͤrst Palffi ist von Wien angekommen, wohin der Koͤnig gleich bei der Nachricht vom Ab— leben des Kaisers Franz seinen Adjutanten, den Grafen de Pe— stre, abgesandt hatte.

Der Amsterdamer Korrespondent des Morning He— rald berichtet uͤber einige Ruhestoͤrungen, welche kuͤrzlich in Am— sterdam bei Gelegenheit der Steuer-Erhebungen vorgefallen seyn sollen. „Die Steuer“, heißt es, „welche Veranlassung zu einem Konflikt mit den Steuer-Beaimten gab, ist eine Abgabe von kleinen Haͤusern, deren Miethswerth 1 Fl. fuͤr die Woche nicht uͤbersteigt, und welche bisher von dem Miether bezahlt worden war. Da die Beitreibung der Steuer dadurch sehr erschwert wurde, hielt es die Regierung fuͤr angemessen, fortan den Eigen— thuͤmer statt des Miethers fuͤr die Steuer verantwortlich zu ma⸗ chen. Nun ist aber diese Klasse von Eigenthuͤmern kleinerer Woh⸗ nungen in den großen Staͤdten Hollands, besonders aber in Rotterdam und Amsterdam, sehr zahlreich und hat großen Einfluß auf die Miether, welche den aͤrmsten Theil der Bevölkerung ausmachen. Nachdem bei dieser Gelegenheit . Vorstellungen fruchtlos ge⸗ blieben waren, vereinigten sich diese Hauseigenthümer in Amster⸗ dam, um einen offenen Widerstand gegen die Agenten des Fiskus u organisiren. Als nun unter Anderem die Steuer von einem

msterdamer Buͤrger Namens Rest, eingefordert und mit Exe— cution gedroht worden war, wurden schnell die Thuͤren verram— melt, und das Volk setzte sich offen dem Verlangen der Steuer— Beamten, und sogar des Buͤrgermeisters, entgegen. Die Be— hoͤrde hielt es nicht fuͤr angemessen, die Ausfuͤhrung ihres Auf— trages zu erzwingen, und der Buͤrgermeister versprach, die Sache dem Koͤnige vorzulegen.“

Freie Stadt Krakau.

Krakau, 31. Maͤrz. Die hiesige Zeitung meldet: „Am 26. 8. M. haͤndigte der Resident und General-Konsul des Kai— serlich Oesterreichischen Hofes bei der Krakauer Regierung letzte⸗ rer zwei von Sr. Majestaͤt dem Kaiser von Hesterreich Ferdi⸗ nand J. an den Senat gerichtete und von Sr. Durchlaucht dem

Fuͤrsten Liechtenstein bei seiner Durchreise nach St. Petersburg

von Wien mitgebrachte Kabinetsschreiben ein. Der erste den ben enthaͤlt die Anzeige von dem Ableben Sr. Masjestät dez 5 sers Franz J. glorreichen Andenkens und von der Thronhe zung des jetzt zegierenden Monarchen; der zweite bestaͤtigtn Gubernialrath Herrn von Lorentz in seinen Functionen al sidenten und General-Konsul bei der hiesigen Negierung, ha Schreiben aber athmen die wohlwollendsten Gesinnungen

unser Land in Sr. Majestat dem Kaiser Ferdinand J. einen eben hochherzigen Mitbeschuͤtzer finden wird, wie es ihn in dem zeitig verblichenen Und von allen Krakauern so geliebten Kal Franz J. besaß. Der regierende Senat hat in angemesen Adressen Sr. Kaiserlich Apostolischen Majestaͤt die tiefe Ben niß ausgedruͤckt, in welche unser Land durch den Tod Ihres, lauchten Vaters glorreichen Andenkens versetzt worden ist,

die huldreichst kund gegebene Geneigtheit so wie fuͤr die Besi gung des Herrn von Lorentz in seinem Amt als Resident i General⸗Konsul bei der hiesigen Regierung, der sich durch seines hohen Berufs wuͤrdiges Benehmen in diesem Lande il meine Achtung erworben hat, gedankt und Sr. Kaiserlichen jestaͤt versichert, daß es unser Bestreben seyn wird, uns der in bewiesenen Huld werth zu machen.“

Deut sch land.

Schwerin, 3. April. Se. Koͤnigl. Hoheit der Großhn 66 an den hiesigen Magistrat das nachstehende Restrihtn lassen:

„Der Magistrat zu Schwerin wird aus der deshalb erg ange bffentlichen Bekanntmachung ersehen haben, wie Wir in m anch Betracht Uns veranlaßt finden, Unser nahe bevorstehendes Ra rungs⸗Jubilaͤum nicht in foͤrmlicher Feier zu begehen, sondern nur darauf zu beschraͤnken, die Uns dargebrachten Glüͤckwiüͤͤnsch Unserm gewohnlichen Hoflager zu empfangen. Wir werden jz an dem so denkwuͤrdigen Gedaͤchtnißtage ganz besonders auch hh rer. Haupt- und Resibenzstadt Schwerin uns erinnern, deren g Buͤrger und Einwohner durch diesen langen Zeitraum Uns mi treuer Gesinnung und Liebe zugethan gewesen und davon vielflls Beweise abgelegt haben. Wir wollen daher den Magistrat gnljn beguftragen, der gesammten Buͤrgerschaft zu erkennen zu geben,! Wir es recht sehr bedauerten, daß nur die Umstaͤnde und nstrn geruͤcktes Alter es Uns nicht moglich gemacht, Unsere Jubelfesn! ihrer Mitte, wie Wir sonst gewuͤnscht, festlich zu begehen. Wit n sicherten aber die Stadt bet dieser fröhlichen Gelegenheit lunsn aufrichtigsten Dankes fuͤr alle treue Anhaͤnglichkest, fo wie derm veränderlichen landesherrlichen Gnade, womit Wir fuͤr das fen Wohl derselben cifrigste Fuͤrsorge jederzeit eintreten lassen wünn

Ludwigslust, den zo. Maͤrz 1835.

Friedrich Franz, Großherzog von Mecklenburg

Hamburg, 2. April. Hier ist folgende Bekanhtmahlh erschienen: „Nachdem abseiten der Bundes⸗Versammlun) der dritten diesjaͤhrigen Sitzung derselben am 15. Januah schlossen worden ist, daß das Wandern der den Deutschen h des-Staaten angehorigen Handwerks-Gesellen nach denjenjn Laͤndern und Orten, in welchen offenkundig Associationen n Versammlungen derselben, wodurch die oͤffentliche Ruhe im z oder Auslande bedroht oder gestoͤrt werden konnte, so lange sch Duldung notorisch besteht, verboten seyn sollen, und demnt in der zehnten diesjährigen Sitzung am i2. Maͤrz der gedat Derd specialiter auf die gesammte Schweiz angewandt mr den, als werden diese Beschluͤsse hiemit abseiten des Senats n blizirt, und wird die Nachachtung des Verbots hierselbst an fohlen.“

Bremen, 31. Maͤrz. Der hiesige Senator Dr. Dent

der seit Jahrhunderten in der hiesigen freien Stadt nicht vnn kommen ist.

Sondershausen, 31. Maͤrz. Zwischen Seh Durchlaucht dem Herrn Erbprinzen Guͤnther Friedrich Cath Schwarzburg-Sondershausen, und der Durchlauchtigsten pu zessin Mathilde zu Hohenlohe-Oehringen ist ein feierliches C Verloͤbniß eingegangen worden.) Die erhabene Fuͤrsten⸗-Fam und das ganze Land nehmen an diesem angenehmen Ereigns den innigsten Antheil und unterhalten den lebhaften Wunsch, R dasselbe von den erfreulichsten Folgen begleitet seyn moͤge.

Meiningen, 25. Maͤrz. (Schwäb. Merkur) ( Durchl. der Landgraf Ernst von Hessen Philippsthal hat mit ner Familie unsere kleine Residenz zu seinem kuͤnftigen Wah sitze gewaͤhlt, und zu diesem Ende ein Haus in hiesiger Sl angekauft. Da dieser Prinz als guter Familienvater auf Ohh nomie bedacht und sein Einkommen nicht betrachtlich ist, obgih die Apanage des Hauses Hessen Philippsthal durch die Kuh sischen Landstaͤnde in der neuern Zeit eine Vermehrung bim men hat, so zieht er den Aufenthalt in Meiningen dem ih Vergleich kostspieligeren in der Kurhessischen Residenzstadt Ki vor. Die Gemahlin des Landgrafen ist ebenfalls eine Hessst— Prinzessin, die hinterlassene Tochter eines aͤltern Bruders M Landgrafen. Zwei Soͤhne desselben aus erster Ehe befinden st in Kaiserlich Oesterreichischen Kriegsdiensten.

Muͤnchen, 30. Maͤrz. Nach dem Willen des Koͤnigs th der bisher der Akademie der Wissenschaften zur Verfuͤgung h stellte Fonds um eine sehr bedeutende Summe aus Staatössh teln vermehrt. Ferner hat Se. Majestaͤt den Antrag der In demie genehmigt, nach welchem von derselben eine wissenschf siche Zeitschrift herausgegeben werden soll; fuͤr diese akademst Literatur⸗-Zeitung ist der erforderliche Fonds angewiesen, und Mh erste Blatt derselben wird am 1. Oktober d. J. erscheinen. Cha so hat Se. Majestaͤt befohlen, daß alle Jahre von Seiten de Akademie Preis-Aufgaben ausgeschrieben werden sollen; die of losophisch-philologische Klasse der Akademie giebt nun folgend Preisfrage: „Geschichte der Griechischen lyrischen Poesie.“ his rath Thiersch gab aussuͤhrliche Erlaͤuterungen zu diesem Them dessen Bearbeitung bis zum 1. November 1835 einzureichen; und wofuͤr der Preis 160 Dukaten betraͤgt; die Eroͤffnung d Siegel der preiswuͤrdigen Abhandlung geschieht am Wsn Maͤrz 1837. .

QDeffentlichen Blättern zufolge, ist die erledigte Stil eines Bischofs von Eichstaͤdt dem bisherigen Bischof von Speyth J. M. Maul, verliehen, und der Professor der Universitaͤt Win burg, Dr. Richarz, zum Bischof von Speyer ernannt worden.

Karlsruhe, 31. Maͤrz. herzog haben heute bei Eroͤffnung der Staͤnde gende Rede gehalten. „Edle Herren und liebe Freunde! Wir beginnen unser We unter den Segnungen eines, wenn nicht Alles trügt, dauerhastü Friedens, der uns Ruhe gönnt zur Berathung und nachher Ausführung wohlthaätiger Einrichtungen. Ich wuͤrde einen heltth Blick auf den Zeitraum von unferer letz teñ Zusammenkunft an n

ersammlung sil

hung bereitß eine Meldung aus Oehringen befindet.

Majestaͤt gegen unsere Regierung und freie Stadt, und zeigen,

feierte gestern sein 50jaͤhriges Senator-Jubilaͤum, ein fihs

Se. Königl. ., der Gr

Vergl. Nr. 86 der Staats Zeltung, wo sich in dieser Belt

ruͤckwerfen konnen, wenn nicht in den letzten Tagen ein ag Ereigniß Mich tief erschůüͤttert haͤtte der Tod Sr. Ma⸗ iel. des Kaisers von Desterreich. Mögen die Erinnerungen an ' letzte ehrwürdige Oberhaupt eines in seinen Fermen unterge—= ö enen Reiches, unter welchem wir Alle noch gelebt haben, an . der ersten Gruͤnder des Deutschen Bundes, durch welchen ö, unte Deutschland wieder zu einem Ganzen vereinigt wor⸗

as gf seinen Muth und seine Ausdauer im Ungluͤck, an seine

en - ö f g 4 j im Glück, mogen alle diese Erinnerungen und noch . ng. 5 Herzen aller fuͤhlenden Menschen und in .. Geschichte fortleben, wie sie auch darin fortleben wer- n, Mich erfüllt in diefem Augenblick vor Allem das Andenken n bas unwandelbare Wohlwollen, welches der nun zu seinen Vor⸗ uhren Yinüͤbergegangene Kaiser Meinem verewigten Vater und sei— n Ätachfolgern wahrend des ganzen Laufs seiner Regierung, und den Edelmuth, den er dem ersteren und seinem Lande in einer serthaͤngnißvollen Zeit bewiesen hat. Sie werden, meine Herren, i Gefteble chren, die Ich dankbar in Meinem Kerzen bewahre. 49 BVermaͤhlung einer Prinzessin Meines Hauses mit dem Erbprin⸗ . von Hohenzollern Sigmaringen, und die Geburt von Toͤchtern in rinck und in der Familie Meines vielgeliebten Bruders kann . als freudige Ereignisse bezeichnen. Die in Wien stattgefundenen

ü rcthu nigen von Abgeordneten saͤmmtlicher Deutschen Regierungen

dem Bundes⸗Schiedsgericht ein Nesultat ehabt, welches k Rechtszustand eine neue Stuͤtze ao. selbst fur * möglichen Fall, daß zwischen Negierung und Staͤnden uber asligenn der Verfassung, oder uͤber die Graͤnzen der, bei Aus⸗ nung bestimmter Rechte des Regenten den Staͤnden eingeraͤumten Mimirkung eine Meinungs⸗Verschiedenheit besteht, die sich. durch in verfassungmäͤßiges Mittel beseitigen laͤßt, ist der wechselseitigen Detcnbarung ein sicherer Weg gedbsnet, der schon in kurzer Frist zur friedlichen Erledigung fuͤhrt. Ich gebe Mich der angenehmen Hofnung kin, daß wir unsere Angelegenhriten, wie bisher, auch künftig in Einigkeit und durch freundliches Ueber⸗ nkommen ordnen werden. Die zwischen dem Großherjogthum und ber Schweiz eingetretene Stbrüng der alten freunznäch barli—= chen Verhaͤltnisse hat Mein lebhaftes Bedauern erregt. Ueberzeugt, naß solche nur durch Fremdlinge, welche das ihnen gewaͤhrte Asyl durch feindselige Plaͤne gegen die gesetzliche Ordnung in Deutsch—⸗ md mißbraucht haben, hervorgerufen und bisher unterhalten wor—⸗ en ist, glaube Ich hoffen zu durfen, daß dieser, dem wohlverstan⸗ Fdenen Interesse der Schweiz nachtheilige Zustand nur von kurzer auer seyn werde. Dem biederen Charakter und dem a. Pillen der Schweizer wird es ohne Zweifel gelingen, die ursachen der eingetretenen Mißverhaͤltnisse zu beseitigen, und den alten Freund⸗ schafts⸗Bund von neuem zu befestigen Wenn die schon lange an— dauernden Unterhandlungen uͤber den Beitritt des Großherzogthums zum Deutschen Zoll-Verein bis jetzt weder zu einem Abschluß gereift sind, noch in and erer Weise ihr Ende erreicht haben, so ist ßer Grund hiervon nur in den eigenthuͤmlichen Verhaͤltnissen des Großherzogthums zu suchen, in der Schwierigkeit, sie auf eine uns befriedigende, mit den bestehenden allgemeinen Grundsaͤtzen des Vereins zulaͤssige Weise zu beruͤcksichtigen, und in dem beharrlichen Bestreben sowohl von unserer Seite, als von Seiten der Vereins⸗ Staaten, nichts unversucht zu lassen, was zur endlichen Verstaͤn digung in dieser wahrhaft nationalen Angelegenheit fuͤhren durfte. Dabei fann Ich jedoch dem Wunsche Meines Volkes, daß durch den bal⸗ digen Schluß der Unterhandlung die bisherige nachtheilige Ungewiß⸗ heit uͤber die gewerbliche und kommerzielle Lage des Großherzog⸗ sthums endlich beseitigt werden moge, Meine Anerkennung nicht ver— sagen; Ich habe demselben auch die verdiente Aufmerksamkeit gewid⸗ met und werde Ihnen noch wahrend des gegenwartigen Landtages von dem Erfolg Meiner Bemühung Kenntniß geben lassen. Die Gesetzgebungs-Kommission hat zwei umfassende Entwuͤrfe uber die Gerichtsverfassung und das Verfahren in Strafsachen vollendet; je tsef gehender die Veranderungen sind, die sie in Vorschlag bringen n müssen glaubte, desto mehr trat die Nothwendigkeit ein, beide ntwürfe, noch ebe sie Ihnen zur Berathung vorgelegt werden, mer sorgfaltigen Prüfung zu unterwerfen. Ich suche auf deren Beschleunigung zu wirken, so weit es die Wichtigkeit des Gegen⸗ standes immer erlaubt, denn es ist mein ernstlicher Wunsch, daß dem Lande die Wohlthat verbesserter Einrichtungen auch in dieser Hin⸗ sicht recht bald zu Theil werden moge. Die Lage der Finanzen ist befriedigend. Es gereicht Mir zum besonderen Vergnügen, daß die Dotation der Zehnt⸗Schulden⸗Tilgungs-⸗Kasse keine Steuererhöhung nöͤthig macht. Die innere Verwaltung schreitet in ihrer Entwicke⸗ lung fort. Die auf dem vorigen Landtage zu Stande gekommenen Gesetze sind alle vollzogen. Mehrere haben zu ihrer Anwendung mannigfaltige schwierige Vorarbeiten erfordert. Sie werden von letzteren keine vermissen. Außerdem habe Ich Meine beson⸗ dere Aufmerksamkeit dem offentlichen Unterrichte zugewendet. So viel Treffliches auch die früheren Verordnungen uͤber die nie⸗ deren und hoͤheren Lehr⸗-Anstalten enthielten, so hat man doch im⸗ mer den Zusammenhang zwischen den verschiedenen Gattungen von Schulen, und gleichförmige Vorschriften uber die Einrichtung und Schulplaͤne fuͤr Schulen gleicher Art entbehrt. Die neuerlichen Vttrrdnungen uͤber Volksschulen, über hohere Bürger- und Ge⸗ werbsschulen und die weitere naͤchstens erscheinende über gelehrte Schulen, alle von sachkundigen Maͤnnern bearbeitet, werden diese Lücken ausfuͤllen, alles, mit Einschluß des politechnischen Instituts, wird sich als ein übereinstimmendes Ganzes darstellen, und ihre Wuͤnsche befriedigen. An diese Verordnungen reiht sich ein wichtiges Gesetz, welches Ich Ihnen vorzulegen befohlen habe, und welches zum Zweck hat, den Stand der Schullehrer in der buͤrger⸗ lichen Gesellschaft festzustellen, ihnen ein genüͤgliches Einkommen, so weit es noch nicht geschehen, zu sichern, ünd die Mittel zur Deckung des dazu erforderlichen Aufwandes aufzubringen. Meine Absicht dabei ist zugleich, diesem, fuͤr die Bildung der Jugend so nothwendigen Stand, Meine Achtung oͤffentlich zu beweisen, in der hoffnung, daß er sich derselhen durch treue Pflicht- Erfuͤllung und durch wirksame Thätigkeit innerhalb der Graͤnzen seines Berufes immer wuͤrdig erhalte. Noch einige andere zum Theil wichtige BGesetze werden Ihnen zur Berathüng vorgelegt werden. Gehen Fie nun, edle Herren und lieben Freunde! mit frohem Muth an ihre Arbeiten. Zahlen Sie auf Mein Vertrauen und Meinen redlichen gif Ich jaͤhle wie immer auf Ihre Treue und Ihr Pfiicht— efuͤhl.

Oe sterre ich.

Wien, 31. Maͤrz. Se. Majestaͤt der Kaiser haben dem Kronprinzen von Bayern Königl. Hoheit das Großkreuz des Stephans Ordens verliehen und Hoͤchstdemselben die Ordens⸗-De⸗ corationen Selbst uͤbergeben.

In Salzburg, wo schon vor mehreren Jahren interessante Ausgrabungen von Antiken stattgefunden haben, sind, wie die dortige Zeitung berichtet, in dem Rosenegger'schen Garten neuer— dings mehrere Graͤber aufgefunden worden, welche uͤberaus lunstreiche und sinnvolle Arbeiten der alten Roͤmer enthielten, die bekanntlich nach dieser Gegend eine Kolonie verpflanzt hatten.

Schweiz.

Basel, 28. Marz. In der naͤchsten Sitzung unsers gro— den Rathes, welche am 6. April stattfindet, wird der von der sgierung vorgeschlagene Plan einer Reorganisation der Univer— sitaͤt behandelt werden. Demselben zufolge soll diese Anstalt ihre vier Fakultäten beibehalten, vor der Hand die medizinische und suridische aber nur die Vorbereitungs⸗Faͤcher lehren.

Binnen kurzem wird hier eine neue Zeitung erscheinen, ¶Mediator⸗ genannt, deren angeblicher Zweck Wiedervereinigung der getrennten Kantonstheile seyn wird. *

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Italien.

Parma, 25. Maͤrz. Am 8. d. M. um 9) Uhr (Italiaäͤni⸗ sche Tagesrechnung) ist zu Borgataro ein starkes wellenfoͤrmiges Erdbeben verspuͤrt worden, welches 8 Sekunden dauerte. Nach einer halben Stunde wurden abermals zwei Stoͤße, jedoch von leichterer Art, wahrgenommen.

Zu Modena ist am 15. d. M, der Herzogliche Feldmarschall⸗ Lieutenant, Oberkammerherr ꝛc., Graf Carlo Guicciardi, mit Tode abgegangen.

Spanien. Madrid, 17. Maͤrz. (Allg. Ztg.) Mina laßt mit Con— greveschen Raketen Doͤrfer und Waͤlder, welche den Insurgenten als Schlupfwinkel dienen, anzuͤnden; so soll er vor kurzem Asarta und S. Cruz de Campezu in Asche gelegt haben. Man sagt, dem General Cordova sey der Befehl nachgeschickt worden, mit seiner Division nach Catalonien zu marschiren, wo der Aufruhr immer weiter um sich greift. In Aragonien haͤlt sich Carnicer noch immer, und ein anderes Corps ist uͤber den Ebro gegan— gen; die Urbanos von Barbastro, Fraga und Monzon sind gegen sie aufgebrochen. Eine bemerkenswerthe Erscheinung ist es, daß, waͤhrend die Vertreter der Nation in die Regierung drin⸗ gen, den Buͤrgerkrieg mit allen Mitteln 3 beendigen, der Auf⸗ ruhr der Baskischen Provinzen in der Prokuradoren-Kammer selbst seine Rechtfertiger findet; dieselbe Biscayische Hartnaͤckigkeit, derselbe starre Provinzial⸗Geist und der unverjaͤhrbare Widerwillen gegen die Castilische Herrschaft sprach sich dort gestern unverho⸗ len aus. Es wurde naͤmlich bei Gelegenheit der Diskussion uͤber die Provinzial-Zoͤlle der Antrag gemacht, daß ein und derselbe Abgaben-Tarif in allen Gegenden stattfinden solle. Darauf erklärte Herr Ferrer (Prokurador fuͤr Guipuzcog), er sey zwar nicht gegen ein System der Vereinigung der Baskischen Pro⸗ vinzen mit der uͤbrigen Nation, aber selbst Philipp II. habe die Fueros und die Verfassung der Basken beobachtet; die jetzt be—⸗ stehenden Fueros stuͤtzten sich auf den Utrechter Frieden, und auf die zwischen der Krone von Castilien und den Baskischen Provinzen 1728 geschlossene Uebereinkunft. Er fuͤgte hinzu, diese Provinzen wuͤrden sich niemals widersetzen, daß ihre Freiheit, so weit wie moͤglich, auch auf Castilien ausgedehnt wuͤrde; nie— mals aber duͤrfe man ihnen ihr Municipal und Verwaltungs— System nehmen, welches das beste in ganz Europa sey. Herr Otagu (Prokurador fuͤr Alava) sagte, er muͤsse sich sehr wun— dern, daß, während man von Freiheit spraͤche, man jenen Pro— vinzen Ketten auflegen wolle. Herr Marichalar (Prokurador fuͤr Navarra) endlich erklaͤrte, daß, weit entfernt ein Vorwurf fuͤr Navarra und die Baskischen Provinzen zu seyn, wenn sie ihre Freiheit gegen den Despotismus bewahrt haͤt— ten, dieses ihnen zum Ruhme gereiche. Durch den bloßen Um— stand, daß Navarra seinen Prokuradoren gestatte, neben denen von Castilien Platz zu nehmen, zeige jene Provinz, daß sie be⸗ reit sey, etwas von ihren Rechten zu verlieren. Man will bemerken, daß seit einiger Zeit ein etwas gespanntes Verhaͤltniß zwischen Herrn Villiers und dem Grafen Toreno eingetreten ist; gewiß scheint es zu seyn, daß der Finanz NMinister die Salons des Britischen Gesandten nicht mehr so haͤufig besucht wie fruͤ⸗ er. Ob diese Spannung in persoöͤnlichen oder in politischen Kehle se ihren Grund habe, daruͤber scheint man noch nicht einig zu seyn. Uebrigens darf man nicht bezweifeln, daß Herr Villiers sich bei dem eingetretenen Wechsel des Englischen Mi— nisteriums mit eben so großer Geschicklichkeit als Wuͤrde auf seinem so wichtigen Posten zu behaupten gewußt hat. T ür d e r Smyrna, 28. Febr. Die Englische Flotte liegt fortwaͤh⸗ rend bei Vurla, und man kennt Admiral Rowley s Absichten hin—⸗ sichtlich der Dauer seines Aufenthalts nicht. Da indessen die Flotte sehr eilig, und selbst, ohne ihre Vorraͤthe vervollstaͤndigen zu koͤnnen, von Malta abgesegelt, auch andererseits ihre Gegen⸗ wart hier nicht von erwiesenem Nutzen ist, so haͤlt man ihre Ab— fahrt fuͤr nahe, doch erst nach Empfang von Depeschen aus Kon⸗ stantinopel. Die Korvette „Scout“ langte gestern, mit Depe⸗ schen aus London an Admiral Rowley und den Britischen Bot— schafter zu Konstantinopel, von Malta zu Vurla an.

Inland.

Berlin, 5. April. In der oͤffentlichen Vierteljahrs-Ver— sammlung der Gesellschaft fuͤr Deutsche Sprache und Alterthumskunde am 29. Maͤrz hielt Hr. Dir. Zeune einen Vortrag uͤber zwei neulich erst entdeckte und aus Suͤd⸗Deutsch⸗ land nach Berlin gekommene Handschriften von der Nibelun⸗ gen Noth und Klage, deren eine, im Besitze des Herrn von Meusebach, bloße Abschrift der aͤlteren, von der Königl. Biblio⸗ thek erworbenen Pergament-Handschrift ist. Hierauf las der zei— tige Ordner, Herr Pred. Pisch on, uͤber und aus dem merkwuͤr— digen Märkischen Dichter Bartholomäus Ringwaldt. Ein vom Herrn Grafen Castiglioni zu Mailand der Gesell— schaft verehrter Prachtdruck des neuesten Theils seiner Ausgabe der bisher noch ungedruckten Stuͤcke von Ulfilas Bibel-Ueber⸗ setzung wurde vorgelegt. In den Monats⸗-Versammlungen war von Herrn Dir. Bormann uͤber die Deutschen Dich tarten, und vom Prof. v. d. Hagen eine von einem auswaͤrtigen Mit— gliede eingesandte Abhandlung uͤber die Asen (Altnordischen Goͤt— ter) in Deutschland gelesen worden. Endlich berichtete der Prof. v. d. Hagen noch das Ergebniß der ihm uͤbertragenen Besorgung des Jahrbuchs der Gesellschaft, wonach nunmehr die— ses neue Jahrbuch in Vierteljahrs-Heften durch die hiesige Plahn sche Verlagshandlung alsbald erscheinen wird.

Die oͤffentliche Pruͤfung der Zöglinge des hiesigen Koͤlni⸗ schen Real⸗Gymnasiums findet am 7Tten d. M. statt. Der Herr Direktor Dr. August ladet zu dieser Schul⸗Feierlichkeit durch ein besonderes Programm ein, das zugleich eine Abhandlung des Oberlehrers der Anstalt, Herrn Krech „Erinnerungen an Winckel⸗ mann“ mit den besonderen Ueberschriften: Religion, Unabhaͤn⸗ gigkeit, Darstellung, Reiselust“ enthält. Die hier mitgetheilten Notizen, welche zur Berichtigung mancher schiefen Urtheile uͤber den beruͤhmten Mann dienen sollen, sind groͤßtentheils aus seinen eigenen Werken und Briefen entlehnt. Winckelmann wurde vor 100 Jahren in das hiesige Koͤlnische Gymnasium aufgenom— men, wodurch sein Name dieser Anstalt noch besonders wichtig ist. Außer dieser Abhandlung enthaäͤlt das Pro— gramm die Uebersicht des Lehrplans der Anstalt, welche in acht Klas⸗ sen sowohl fuͤr das buͤrgerliche Leben und den Beamtenstand als auch fuͤr die Universitaͤts-Studien vorbereitet, und im abgelaufe— nen Schuljahre 388 Schuͤler unterrichtet hat, wovon aus den ver— schiedenen Klassen 87 zu andern Berufs-A1Arten, 8 Zoͤglinge aus Prima aber zur Universitaͤt entlassen worden sind. Der Herr

getreten sind. Im Ganzen sind uͤber 800 Zoͤglinge in dieser Zeit

von der Anstalt gebildet worden und aus der ersten Klasse in den letzten vier Jahren 18 Schuͤler zur Universitaͤt und eben so

viel zu anderen Berufsfaͤchern übergegangen. In dem h n Jahre hat . staͤdtische Anstalt zwei Gymnasiarchen, den Hrn. Regierungs⸗Rat . Ie trans und den Herrn Regierungs-Rath Dr. Reich— helm durch den Tod verloren; die Stelle des Ersteren ist durch den jetzigen Herrn Ober⸗-Buͤrgermeister ersetzt worden. 8. rer-Personal hat keine Veraͤnderung stattgefunden. Unter den

h v. Baͤrensprung durch sein Ausscheiden aus

Im Leh⸗

besonderen Benachrichtigungen fuͤr die Aeltern wird auch einer 6 An die . Leitung des Direktors 5 Jahr hin⸗ durch besteht, und des neuerdings eingerichteten Unterrichts in ibesdl n gedacht.

ö i e und Muͤnchener Feuer -Versicherungs⸗ Gesellschaft hielt am 30sten v. M. zu Achen unter . Vorsitze des Regierungs-Raths von Göͤrschen ihre. te General⸗Versammlung. Aus dem Berichte, den der Bor sitzende bei dieser Gelegenheit abstattete, ergiebt sich zwar, daß in i zieller Hinsicht das Geschaͤft für die Actionaire im v. 3 9 i guͤnstig war, woran hauptsaͤchlich der am 17. Okt. 2. * J 9. * abte große Brand in Greußen im Schwarzburg⸗ Sonder J,. t (dessen in der Nr. 300 der St.⸗Ztg. vom v. 3. . . mar Erwähnung geschehen) Schuld gewesen ist; dagegen 3 man mit Vergnuͤgen, daß das Institut an Umfang, Solidität u

gutem Rufe von Jahr zu Jahr zunimmt.

Landtags-A1Abschied

fuͤr die zum vierten Landtage versammelt gewesenen Rheini— schen . Staͤnde.o 8 ie beiden land⸗ 16) Dem Antrage Unserer getreuen Stände, die bei . raͤthlichen Kreise Geldern und Duisburg in , lid n zirke Düsfeldorf aufjzulßsen, und die vier kleinern landräͤthli ö. Kreise Geldern, Rheinberg, Dinslaken und Elfen, . welchen jene Ersteren in Folge Unsers Allerhoͤchsten Befehls 1 27. Sept. 1823 gebildet worden sind, wiederherzustellen, . . 6 Bedenken Statt zu geben. Denn die Kreise Geldern und = =. burg haben in ihrer jetzigen Zusammensetzung und r e ,. seit jo Jahren bestanden, ohne daß begründete Klagen über Re .= theile fär die Verwaltung oder fur die Kreisbewohner daraus hi. vorgegangen waͤren. Auf den Kreistagen, wo dergleichen, ganze Krelse beireffende, Kommunal⸗Angelegenheiten, zufolge der Kreis⸗ Ordnung verhandelt werden muͤssen, sind uͤber die Frage wegen Wiederaufloͤsung der bestehenden Kreis verbaͤnde, so weit bekannt, weder Berathungen gepflogen, noch Beschluüͤsse gefaßt worden Die periodische Unterdrechüng der Verbindung zwischen den Kreis⸗Haupt⸗ ortern und andern einzelnen Theilen der Kreise durch das Austre⸗ ten des Rheinstromes ist nicht die Folge der Zusammensetzung der Kreise Geldern und Duisburg aus vier ehemgligen kleinen Krei⸗ sen, und, diesem Uebel wuͤrde durch die Wiederherstellung der letztern auch nicht vorgebeugt werden konnen. Die Ausdehnung des jetzi gen Kreisgebietes von Geldern bis nahe an 18 Meilen ist fe, beziehungsweise ungewoͤhnlich groß zu nennen, insofsern man nam⸗ lich auf die Vergleichung mit den, der Mehrzahl nach, außerordent⸗ lich kleinen Kreisen der Rheinprovinz eingehet. Es fehlt inzwischen in derselben Provinz nicht an Kreisen von gleicher Ausbehnnng, 985 schweige denn an solchen, welche den nur zwischen 11 und 12 ¶Mei⸗ len umfassenden Kreis Buisburg an Größe weit übertreffen. Eine ähnliche Bewandtniß hat es mit der Entfernung mancher Bestand⸗ theile beider Kreise von den Hauptoͤrtern, und jedenfalls werden die Schwierigkeiten, welche diese Entfernung und eine uber das dort gewöhnliche Maß hinausreichende Ausdehnung des Kreises Gel= dern, so wie einiger andern landraͤthlichen Kreise der Rheinpro⸗ vinz, zu Wege bringen möchten, durch die uͤberaus wirksame Er⸗ leichterung fuͤr die Kreisverwaltung aufgewogen, welche aus der zur Zeit bestehenden Kommunal⸗Verfassung hervorgeht und von den fuͤr die Zukunft beabsichtigten Einrichtungen zu demselben Behufe auf noch wirksamere Weise erwartet werden darf. Wir haben der ge⸗ enwaͤrtigen Zusammensetzung der Kreise Geldern und Duis—⸗ urg im Jahre 1823 nur nach reiflicher Erwägung der dafur auf⸗ gestellten, feitdem erfahrungsmaͤßig als zutreffend bewaͤhrten Gruͤnde Ünsere Allerhoͤchste Genehmigung ertheilt und sind um so mehr ge⸗ sonnen, es dabei auch in Zukunft bewenden zu lassen, als es gelun⸗ gen ist, dadurch eine Vereinfachung der Central⸗ Verwaltung und eine nicht unerhebliche Ersparung für die Staats⸗Kasse zu erz elen, 179 Die Einrichtung einer besondern Behoͤrde zur selbststaͤndi⸗ gen Verwaltung der höheren Polizei in den Rheinprovinzen, welche Ünsere getreuen Staͤnde vermicden wuͤnschen, wird, bei dem vollen Vertrauen, welches wir in die Treue und Anhaͤnglichkeit Unserer dortigen Unterthanen, wie in die Zuverlaͤssigkeit und Thaͤtigkeit Un serer Behoͤrden zu setzen die gegrändetste Ürsache haben, von Uns keinesweges beabstchtiget. Wenn aber, wie der Landtag selbst zuge—⸗ steht, es an Aufreizungen von Außen dort nicht gefehlt hat, so hat der kompetente Minister allerdings einzelnen Personen besondere Auf⸗ trage ertheilen muͤssen, um die etwanigen Versuche, welche von Ue⸗ belgesinnten des ,,, gemacht rden konnten, besser zu bewachen und zu vere h werd he n. dart ig auf Bestimmung eines Wahl⸗Census fuͤr die Wählbarkeit der Abgeordneten der Stadt- und Land Gemeinen zu den Kreis-Versammlungen anlangt, so haben Wir bestimmt, daß fowohl in den Stadt- als in den Land Gemeinen der eigenthüm⸗ liche Besitz eines Hauses, bei den letztern mit einem dazu gehdrigen Grund⸗Eigenthume, zur Wahlfaͤhigkeit der Kreistags⸗-Abgeordneten erforderlich seyn soll. Hierdurch wird der Absicht der Staͤnde ent⸗ sprochen seyn, Personen, welche den Kreisen durch kein Besitzthum angehören, daher aber auch den bleibenden Interessen derselben fremd sind, von den Kreis⸗Versammlungen auszuschließen. 2 19) Ueber die Publication der Verhandlungen der Provin zial⸗ Landtage haben Wir durch Unsere, unterm 2. Nov. v. J. erlassene und vermittelst der Gesetz Sammlung bekannt gemachte Ordre, Be⸗ stimmung , . welche auch fuͤr die dortige Provinz die⸗ ser Gegenstand erledigt ist. . . 585 2 fab gen Bedenken, dem Wunsche Ungerer getreuen Staͤnde gemaͤß, die im Landtags -Abschiede vom 13. Juli 1827 be⸗ reits ertheilte Zusage: daß der Provinzial-Landtag im Anfang des Monats Mai einberufen werden solle, in so fern nicht erhebliche Gruͤnde die Zusammenberufung zu elner andern Zeit nothwendig machen, hiermit zu wiederholen. Der hierin vorbehaltene Fall der Nothwendigkeit ist bei dem letzten Landtage eingetreten, weil die demfelben vorgelegten wichtigen Propositionen im Mai. des Jahres 1833 noch nicht vollstaͤndig bearbeitet waren, die Aussetzung des Landtags aber bis in den Mai v. J. von Uns nicht fuͤr angemessen erden konnte. , . ne, 9 zufolge Unserer Ordre vom 7. Aprll 1828 auf dem linken Rheinufer stattgefundenen Vereinigung von 13196 pCt. Grundsteuer⸗Beischlaͤge mit dem Prinzipal⸗Kontingente wurde, wie uUnfere getreuen Staͤnde sich aus der, dem zweiten Westphaͤlischen Landtags⸗Abschiede beigedruckten Denkschrift vom 309. Vov. 1830 Überzeugen werden, ein Grund zur Zahlung der fuͤr die Taubstum⸗ men-Anstalten in den Rhein-Provinzen reklamirten 20090 Fr. aus der Staatskasse selbst dann nicht folgen, wenn solche unter der vorigen Landes⸗-Herrschaft zu dem angegebenen Zweck bereits definitiv über- wiesen worden waͤren. Die gedachte Sum me ist aber niemals gezahlt und die Genehmigung der vorigen Landes⸗Regierung zu dieser Zahlung nicht nachgewiesen; es kann daher nicht angenommen werden, daß die 2000 Fr. aüf die sogenannten Centimes facnltatifs jemals fundirt gewesen und mit den letztern auf die Stagts⸗-Kassen uͤbergegangen sind. Die in

Direktor giebt ferner einen kurzen Ruͤckblick auf das verflossene

Decennium, in welchem erfreuliche Leistungen der Anstalt hervor—

dieser Beziehung erhobene Reclamation erscheint mithin nicht als