1835 / 148 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Haͤtte man hierin auch hundert Mal recht, es giebt doch ein Et— was, das sich nicht so leicht, wie die gerichtlichen Formen, aͤndern läßt: Dies sind die Sitten, Gewohnheiten und Begriffe einer Nation. Nun weiß man aber seit 45 Jahren in Frankreich nicht mehr, was es heißt, einen Buͤrger fuͤr ein Kriminal-Ver— brechen zu verurtheilen, ohne seine Vertheidigung gehoͤrt zu ha⸗ ben. Es sind in dieser Angelegenheit von Anfang an viele Feh— ler begangen worden; die ö enrn hat jetzt auch den ihrigen be⸗ gangen, indem sie das ihr gebotene Mittel, sich den Prozeß auf eine ehrenvolle Weise vom Halse zu schaffen, zuruͤckgewiesen hat.“

Nachstehendes ist der Inhalt der Protestation, die Herr Audry de Puyraveau der Kommission der Deputirten-Kammer uͤbergeben hat, die mit der Pruͤfung des Antrages der Pairs— Kammer, ihn und Herrn von Cormenin vorladen zu durfen, beauftragt worden war: „Meine Herren, wenn ich vor Ihnen erscheine, so geschieht es bloß, um einer Einladung meiner Kolle— gen zu genügen, denn ich kann der Kammer das Recht nicht zuerkennen, die Pairs-Kammer dahin zu ermaͤchtigen, daß sie mich vor ihre Schranken lade, und ich protestire gegen eine solche verfassungswidrige Praͤtension. Wollte die Deputirten⸗Kammer dieser Forderung der Pairs-Kammer Gehoͤr geben, so wuͤrde sie die Gleichheit der Gewalten vernichten und ihre eigene Wuͤrde aufs Spiel setzen; ich will mir aber, wie jedes ihrer Mitglie— der, den Character eines Mandatars der Nation unversehrt er— halten, indem ich, wie ich solches hiermit thue, gegen Alles protestire, was die Rechte und die Wuͤrde des einzigen Staats— koͤrpers, der solche der freien Wahl verdankt, verletzen koͤnnte. Den 18. Mai 1835. (Gez.) Audry de Puyraveau.“

Die ministerielle Partei in der Deputirten-Kammer soll sich dahin vereinigt haben, fuͤr die naͤchste Session den Herrn Sauzet zum Praͤsidenten zu waͤhlen.

Briefe von der Spanischen Gränze vom 15ten sprechen von einem Vortheile, den die Karlisten am 13ten zwischen Her— nani und San Sebastian uͤber den Brigadier Jaureguy davon getragen haͤtten. Letzterer soll einige 100 Mann an Todten und Verwundeten gehabt haben. Auch die liberalen Blaͤtter bestaͤti—⸗ gen diese Nachricht in ihren Korrespondenz-Mittheilungen, be— haupten jedoch, daß der Verlust Jaureguy's nur unbedeutend gewesen sey.

Großbritanien und Irland.

Parlaments-Verhandlungen. Unterhaus. Siz⸗ zung vom 20. Mai. (Nachtrag. Die Mitglieder, welche den Vorschlag des Herrn Poulter wegen besserer Beobachtung der Sonntagsfeier unterstuͤtzten, erblickten in demselben eine Maß⸗ regel zu Gunsten der aͤrmeren Klassen, denen man, wie sie mein⸗ ten, dadurch doch wenigstens einen Tag in der Woche Ruhe verschaffen wuͤrde. Dagegen erhoben sich Andere gegen die all— gemeine Schließung der Wirthshaͤuser und gegen das Verbot des Verkaufs am Sonntage, welche Ansicht auch von Sir Ro— bert Peel getheilt wurde, der sich daruͤber folgendermaßen ver— nehmen ließ: .

„Niemand in diesem Hause kann von der Wichtigkeit der Hei⸗ lighalitung des Sonntags inniger durchdrungen seyn, als ich; ich fühle, daß kein Mensch ein Recht hat, seinem Naͤchsten durch Ent⸗

weihung des Sabbaths ein Aergerniß zu geben; aber ich zweifle sehr

daran, ob wir den Zweck, die Heiligkeit dieses Tages aufrecht zu erhal⸗

ten, durch ein Gesetz am besten erreichen möchten (hoͤrt, hoͤrt), und

ich weiß nicht, ob es nicht angemessener ware, darauf zu bauen, daß der Einfluß der Sitten und der offentlichen Meinung seine Enthei⸗ ligung verhindern werden, als dieses Ziel durch neue gesetzliche Ver⸗ schaͤrfungen zu erstreben, die schwer zu vollziehen seyn und, wenn sie, gegen ihren , , Zweck, etwa gar verkehrt angewandt würden, sehr belaͤstigend fuͤr Einzelne werden und am Ende dem Gesetze selbst Verachtung zuztehen würden. (Hört!) Wenn ich die jetzige Beobachtung des Sabbaths mit dem vergleiche, wovon ich selbst, wie ich mich erinnere, noch Zeuge gewesen bin, und mit dem, was ich darüber aus fruͤherer Zeit gelesen, so kann ich nicht umhin, zu sagen, daß der Sabbath, ohne ir⸗ gend ein neues Gesetz uͤber den Gegenstand, jetzt besser beobachtet wird, als ehemals. (Hort!) Sie haben nur zwei Alternativen, die Sie annehmen koͤnnen, entweder das Gesetz in seinem gegenwaͤrtigen Zustande zu lassen und keine Veraͤnderung desselben zu versuchen, oder, wenn Sie es antasten wollen, es zu vereinfachen, zu befestigen und in allen Beziehungen übereinstimmend zu machen, damit das Publikum genau wisse, was das Gesetz uͤber die Beobachtung des Sabbaths besagen will. (Hoͤrt!) Das ehrenwerthe Mitglied fuͤr Shaftezbury (Herr Poulter) hat einen dritten Weg vorgeschlagen und dabei angenommen, daß die 20ste Akte Karl's II. jetzt in Kraft sey. Da ist der ehrenwerthe Herr aber im Irrthum; das Gesctz be⸗ sindet sich im Statuten⸗Buche, es ist wahr, aber es ist ein todter Buchstabe geblieben und hat keine Gesetzeskraft. Und doch hat das ehrenwerthe Mitglied dem Hause vorgeschlagen, eine Bill anzunehmen, in der die Guͤltigkeit jenes Gesetzes vorausgesetzt wird, denn seine Bill ist betitelt: eine Bill zur Verschäͤrfung und Verhesserung der 20sten Akte Karl's 11. in Bezug auf die großere Heilighaltung des Sonn⸗ tages. Abgesehen nun von dem Irrthum, der in der Annahme liegt, daß das Gesetz Karl's 11. noch gelte, widersprechen auch die Bestim⸗ mungen der Bill des ehrenwerthen Herrn dem Titel und Eingang derselben, denn der ehrenwerthe Herr hat es eigentlich nicht unter— nommen, die Akte Karl's II. in allen ihren Theilen wirkfamer zu machen, da er nur einen einzigen Verstoß unter den in der alten Akte angefuͤhrten hervorgehoben, aber von ihrem ganzen uͤbrigen Inhaklte nichts gesagt hat. (Hört!) Bei der Ausfuhrung dieser Bill wärde man sich auf die 25ste Akte Karl's II. beziehen muͤssen, denn der Sinn der Bill ist der, daß jedes in der Akte Karl's li. erwahnte Vergehen auch nach der neuen Bill als ein solches an⸗ gesehen werden soll. Nun besin det sich in der Akte Karl's eine Bestimmung

egen die Vermiethung von Boten am Sonntage und eine darauf gesetzte Cees Herr Ponlter; „Es ist seitdem eine Akte angenommen warden, wodurch diese Strafe aufgehoben wird.“ Sir R. Peel: „Das ist möglich, aber wie soll das Volk das wissen? Es waͤre doch wahrlich besser, das Gesetz 6e vereinfachen und zusammenzu⸗ fassen, als einzelne gesetz liche Bestimmungen in dieser Hinsicht zu erlassen. (Hört!) Die Akte Karl's erklaͤrt, daß am Sonntage kein Fuhrmann, Kärrner, Fleischer oder Hoͤker bei 290 Shill ing Strafe aus seinem Hofe oder Hause ausfahren duͤrfe. Will der ehrenwerthe Herr auch auf diese Bestimmung 5 genommen wissen ? Herr Poulter. „Nein.“ Sir R. Peel. „Aber die Geschaͤfte dieser Leute sind doch den Bestimmungen der Bill unterworfen. Wenn ubrigens der Zweck des (von Hrn. . vorgeschlagenen Amen⸗ dements, die Bill einer besonderen Kommsssion zu uͤberweisen, die Vereitelung der Maßregel seyn soll, wie einige Herren anzunehmen scheinen, so wurde ich es fur unendlich besser halten, daß das Haus dle Frage offen entschiede. Ich wurde lieber freimuͤthig auf einer kuͤnftigen Station gegen die Bill stimmen, als dem dre ler n n Herrn in der eng eines schikanirenden Verzuges ein Hinderniß in den Weg legen. Ich halte es daher fuͤr angemessener, die Bill des ehrenwerthen Herrn in den Ausschuß gelangen zu lassen, damit er dieselbe dort so vollkommen als möglich machen konne; dann werde ich mich für berechtigt halten, gegen die Maßregel zu stimmen, wenn sie nicht von der Art seyn sollte, daß ich sie billigen könnte. Wenn die Bill nicht in einer angemessenen Gestalt aus dem Ausschusse hervorgeht, dann werde ich den ehrenwerthen Herrn ersuchen, sie aufzugeben, das Gesetz so zu lassen, wie er es gefunden, und die , . Heilighaltung des Sabbaths von 'der sittlichen Verebelung des Volks und von der Macht der zffentii—

chen Melnnng mit Zuversicht zu erwarten. (Hört!) Die

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Alte Karls II. verbot das Miethen und Vermiethen von Boten an Sonntagen. Warum ist diese Akte aufgegeben und kein Versuch gemacht worden, sie wieder in Kraft zu setzen? Wenn das Fahren von Dampfbdten zwischen London und Richmond an Sonn⸗ tagen unrecht ware, so müßte man zugeben, daß es eben so unrecht wäre, am Sonntage überhaupt zu reisen, und ich glaube, man wird ugestehen, daß die Reichen dagegen am meisten verstoßen. Ein Ver— ö die Armen am Sonntage an Bewegung und Erholung zu hin— dern, wuͤrde Feindschaft zwischen den hoheren und niederen Klassen

erwecken und ein Prinzip der ungleichheit in unserer Gesetz gebung

hervorbringen. Jedem Gesetze, das von diesem Grundsatz ausginge, wurde ich mich auf das entschiedenste widersetzen. Wenn wir uüͤber⸗ haupt ein Gesetz uͤber den Gegenstand erlassen wollen, so muͤssen wir unparteiisch dabei zu Werke gehen.“ (Hort, hort!)

Die Bill des Herrn Poulter ging darauf (wie bereits ge— stern gemeldet) durch den Ausschuß, doch soll bei der dritten TKe— sung derselben noch einmal daruͤber debattirt werden.

London, 22. Mai. Der Herzog und die Herzogin von Cambridge beehrten vorgestern ein von dem Erzbischof von York gegebenes Diner mit ihrer Gegenwart.

Das Unterhaus kam gestern deshalb zu keinen Verhand— lungen, weil eine Ballottirung zu einem Wahl-Ausschusse, der nach der parlamentarischen Oroͤnung allen anderen Geschaͤften vorangeht, durch einen Form⸗Fehler nichtig geworden war, wes— halb der Sprecher das Haus bis heute vertagte.

Der Graf von Winchelsea hat ein zweites Schreiben an die Protestanten von Großbritanien erlassen, worin er der Majoritaͤt des Unterhauses vor wirft, daß sie sich ketzerischen Lehren hingebe und ihren Herrn und Meister verleugne.

Nach dem ministeriellen Plan in Betreff der Irlaͤndischen Zehnten⸗Frage, den Lord Ebrington gestern in einer Versamm— lung von Reformern vorlegte, soll die Anleihe von einer Mil— lion, welche fuͤr die protestantische Geistlichkeit bewilligt worden, annullirt, der jetzige Betrag des Zehnten um 30 pCt. herabge— setzt und in jedem Kirchspiele, wo es verlangt wuͤrde, eine neue Schaͤtzung vorgenommen werden; um einer Verstuͤmmelung des Planes im Oberhause vorzubeugen, will man die Maßregel in Gestalt einer Geldbewilligungs-Bill vorlegen, so daß die Lords nur uͤber Annahme oder Verwerfung der ganzen Bill zu ent— scheiden haben wuͤrden.

Im Gemeinde⸗-Rathe der City von London oder vielmehr in einer sehr zahlreichen Versammlung des aus dem ganzen Rathe bestehenden Ausschusses, nach Art des Unterhauses, wenn dasselbe sich zum Ausschusse des ganzen Hauses konstituirt, wurden kuͤrz⸗ lich mehrere Vorschlaͤge des Herrn Pritchard gegen die Ansichten des Lord, Mayors, der dem Gemeinde⸗-Rathe das Recht zu einem solchen allgemeinen Ausschusse bestreitet, angenommen, nachdem 6 ein entgegengesetztes Amendement zuruͤckgenom⸗ men hatte.

Die bei dem Diner in der City gehaltene Rede Sir Ro— bert Peel's ist jetzt besonders abgedruckt und wird einzeln zu 1 Penny, dutzendweise zu 9 Pence und hundertweise zu 3 Schil— ling verkauft, auch nach den Umstaͤnden umsonst ausgetheilt. Am meisten ist sie bis jetzt in Canterbury und Kent verbreitet worden.

Am lꝑ2ten d. ließ die Direction der Ostindischen Compagnie ihre weitlaͤuftigen Waarenhaͤuser in der Jewry-Straße und in Ratcliff, deren sie jetzt nicht mehr bedarf, durch Versteigerung denen, die jetzt mit Indien und China Handel treiben, zum Kauf bieten. Die Theespeicher wurden zu 33,950 Pfd. losgeschlagen; das Salpeter⸗Magazin aber, auf welches nicht mehr als 9006 Pfund geboten wurde, behielt die Compagnie noch an sich, da sie dasselbe, das fuͤr das vollkommenste Waarenhaus im Londoner Hafen gilt, zu diesem Preise nicht losschlagen wollte.

-. Niederlandre.

Aus dem Haag, 23. Mai. JJ. MM. sind gestern nach dem Loo abgegangen.

Mit dem Dampfschiffe aus Hamburg kam am Alsten der diesseitige Gesandte daselbst, Baron W. von Goltstein, in Amster— dam an.

Am 14ten d. hat die gewoͤhnliche jährliche Versammlung der Niederlaͤndischen Gesellschaft zur sittlichen Besserung der Ge— fangenen in Amsterdam stattgefunden. Nach der allgemeinen Uebersicht der Wirksamkeit der Gesellschaft im Jahr 1834 hat sich dieselbe auf 2296 Kriminell- und Korrectionell⸗Verurtheilte erstreckt. Von diesen haben 702 religioͤsen Unterricht, 391 Un— terricht im Schreiben und Rechnen erhalten; 123 ist Arbeit und Beschaͤftigung verschafft worden; 358 Entlassene wurden auf ver— schiedene Weise versorgt, von welchen 7 sich dieser Gunst un— wuͤrdig gemacht haben. Die Gesellschaft zahlte am 31. Dez. v. J. 2765 Mitglieder.

Schweden und Norwegen.

Stockholm, 22. Mai. Se. Majestaͤt der Koͤnig haben am 19ten d. M. in Hoͤchsteigener Person den Geheimen Aus— schuß aufgeloͤst.

Der Commandeur der neunten Infanterie⸗Brigade, General⸗ Major Haͤrd, hat den nachgesuchten Abschied aus Schwedischen Kriegsdiensten erhalten.

Die Koͤnigl. Akademie der Kriegs-Wissenschaften hat Se. Hoheit den Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar und die Akademie der Musik den Koͤnigl. Saͤchsischen Wirklichen Gehei— men Rath, Freiherrn v. Miltiz, so wie den Komponisten Ignaz Moscheles zu auswaͤrtigen Miigliedern erwaͤhlt.

Dänemark.

Kopenhagen, 22. Mai. Nach der amtlich bekannt ge— machten Reiseroute werden Se. Maj. der Koͤnig am 10. Juni mit dem Dampfschiffe Kiel von hier nach Luisenlund oder Eckern— foͤrde abgehen. Am 14ten dess. M. begeben sich Allerhoͤchdiesel— ben von Luisenlund oder Schleswig nach Rendsburg. Am 2zsten reisen Se. Maj. von Rendsburg nach Itzehoe, wo der Koͤnig den 24sten verbleibt. Am 25sten begiebt sich Hoͤchstderselbe von Itzehoe nach Kiel. Am 2bsten und 27sten verweilen Se. Maj. in Kiel. Am Lssten reisen Allerhoͤchstdieselben von Kiel uͤber Eckernfoͤrde nach Luisenlund oder Schleswig, wo Sie den 29. und 30. Juni bleiben. Am 1. Juli reiset der Monarch mit dem Dampfschiffe Kiel nach ,. zuruͤck.

Am 19ten d. haben sich JJ. KK. HH. der Prinz Chri⸗ 6 und die Prinzessin Caroline Amalie von hier nach Fuͤhnen

egeben.

Deutsch land.

Hannover, 25. Mai. Durch ein zu Klausthal publizirtes Gesetz vom 2sten v. M. ist nunmehr auch der Hannoversche Harz in das Steuer⸗-System des Koͤnigsreiches mit einigen Mo— dificationen und Erleichterungen aufgenommen worden. Die Letzteren beschraͤnken sich jedoch auf die direkten (Personen⸗ und Gewerbe) Steuern, wogegen die Ein., Durch- und Ausgangs⸗ Abgaben, so wie die Fabrikations- und Biersteuer ganz nach den⸗

selben Grundsaͤtzen (oom 1. Juni ab) erhoben werden solln

wie solche in dem Vertrage mit dem Herzogthume Brauns. a festgestellt worden sind. ; . unschn⸗

Hamburg, 25. Mai. Der hiesige Korrespondent richtigt heute die gestern von ihm gemachte Meldung, daß der Russische Gesandte, Herr von Struve, auf Befehl em Hofes nach England eingeschifft habe; dieser Befehl, wird n zugefuͤgt, habe sich nur auf die Bestallung des jetz gen Geschzj⸗ traͤgers bezogen. i

Karlsruhe, 22. Mat. In der Sitzung der zweiten mer vom 18ten d. begruͤndete der Abgeordnete von Rotte nen Antrag auf „eine, auf verfassungsmäßigem Wege zu ken kende Ergänzung und Sicherstellung der Verfassung“ 33 Rede war in sehr starken Ausdruͤcken abgefaßt. Trotz der 9 sprache des Ministers Winter ward der Druck beschloͤssen Schlusse der Sitzung vom 19ten aber ward der Kammer etj net, daß, vermoͤge eines an den Buchhaͤndler Groß ria sse nn fehls, nicht nur der Vorausdruck der Motion des Abgiorhy e von Rotteck zum Gebrauche bei der Berathung in den Ii lungen, sondern auch der Druck derselben in den Protokollen ö. Kammer verboten worden sey. h

In der hiesigen Zeitung liest man: „Unsere Zoll in Handels ⸗Verhaͤltnisse haben sich man kann wohl sagen if. Nacht, vom 17ten aüf den 18ten, auf eine uͤbetraschende Lin verandert und der Uebergang zu dem neuen Systeme, der . tritt zu dem Zoll-Verein, scheint auf eine ganz andere Weise / geschehen, als bisher gewoͤhnlich war. Nachdem die Unterhn lungen in der letzten Zeit einen Gang genommen hatten, hn nach öffentlichen Nachrichten, ein Abbrechen derselben eher !. eine Vereinigung erwarten ließ, kam ploͤtzlich der Vertrags] schluß zu Stande, und was am 12. Mai in Berlin unter eig worden war, trat unvermuthet schon am Morgen des ölen! den wichtigsten Graͤnzpunkten ins Leben. Eine unge wohn Eingangs-Verzollung hochtarifirter Waaren, die bei? dem 6 tritt anderer Staaten uͤberall stattgefunden, wurde bei k fruͤher in der Hoffnung des Anschlusses mehrmals versit in Folge oͤfters getaͤuschter Erwartungen und der voraun gangenen Vachrichten aber im entscheidenden Augenblicke f terlassen. Die Handelsleute sind daher nur mit gewohnlich Vorraͤthen versehen, und die in den Lagerhaͤusern befindlich koͤnnen nur gegen Bezahlung des hoͤhern Eingangs-Folls beyyn

werden. Es darf daher nicht auffallen, wenn dem Zoll⸗ lub

auf verschiedene Artikel, vorzuͤglich aber auf die Kolonial⸗Wagrn ein angemessener Preis⸗ufschlag unmittelbar folgt, denn, vhglej die Handelsleute von ihren Vorraͤthen den erhöhten Jil nicht bezahlt haben, so muͤssen sie ihn doch von allen Bezuͤgen, wont sie diese ergaͤnzen, entrichten. Daß hierbei in der ersten Je mancher Mißbrauch unterlaͤuft, ist wohl nicht zu verhindern, un die Konsumenten werden wohl thun, so weit moͤglich, mit ihtn Einkaͤufen zuruͤckzuhalten, bis zu dem Zeitpunkt des freien Vn. kehrs mit den Nachbarstaaten. Aus dem bisherigen ertraͤglichn Zustande der Ungewißheit sind wir aber nun in Linen neuen s⸗ worfen, der, wenn er nicht unertraͤglich werden soll, sich nothwen dig schnell endigen muß. Fuͤr 61 Artikel, die wichtigsten des groͤßern Verkehrs, sind wir nun nicht nur an der Graͤnze geg die Schweiz und an der Franzoͤsischen Graͤnze und bei dem Bezll aus allen andern, nicht zum großen Deutschen Zoll-⸗Verein gehör gen Staaten, sondern nach allen Seiten hin, auch gegen Wuͤrttem berg, Bayern und Hessen und die uͤbrigen Vereins,Stqgaten hl hern Zoͤllen unterworfen, die durch eine strenge, mit diesn Staaten verabredete, also gleichsam gemeinschaftliche Mauth gesichert werden; wir haben also den Nachtheü' va höhen Zoͤlle, aber nicht die Vortheile, welche aus dem freien Ve kehr mit ganz Deutschland hervorgehen werden. Die eg rung selbst hat bei der Vorlage an die Staͤnde diesen Il stand einen unerfreulichen genannt, dem Lande aber) Hoffnung eroͤffnet, daß er sich endigen werde, so wie n Staͤnde sich fuͤr den Beitritt des Großherzogthums autg sprochen haben werden. Der unverzuͤglichen Aufhebung o ser neuen Zollschranken und dem freien Verkehr mit dan groͤßten Theile von Deutschland, der nach der Negierun⸗ Vorlage nur mit einigen wenigen Artikeln noch Jahr n

Herstellung der neuen Zoll-9Organisation beschränkt seyn st sieht nun das ganze Land mit Sehnsucht entgegen. Wir ih kennen zwar nicht, daß die Frage, uͤber welche sich unsere Stin entscheiden sollen, eine inhaltsschwere ist, auch zweifeln wir nich daß sie, durchdrungen von der Wichtigkeit ihres Berufs, sie schnl erledigen wollen. Nur davon duͤrfte sich handeln, ob sie sie sch

erledigen koͤnnen? Troͤstend scheint uns in dieser Beziehung, de

es sich nach der Rede, womit der Großherzogl. Finanz Mnstn den Zoll-Vereinigungs-Vertrag vorgelegt hat, nur von einem Ja oder Nein handelt, und damit alle neuen Vorschlaͤge, nachde die Unterhandlungen bereits ein volles Jahr gedauert haben, ct geschnitten sind; troͤstend scheint uns ferner, daß es sich von ein Frage handelt, die seit einer Reihe von Jahren nicht nur kh uns, sondern in ganz Deutschland oͤffentlich besprochen won ist, uͤber die sich Neues im Allgemeinen kaum mehr sagen lißß daß vor dem Beginnen der Unterhandlungen die Notäbeln d Produzenten, Gewerbs⸗ und Handelsleute uͤber unsere besondem Interessen gehort worden sind, und unter diesen eine nicht n bedeutende Zahl von Abgeordneten der Staäͤnde-Versaumlun troͤstend scheint uns endlich, daß die Deutschen Staͤnde-Versim lungen allmaͤlig zu der Ueberzeugung gelangen, daß die Grin lichkeit nicht in endlosem Reden, Schreiben und Drucken besths und diese Ueberzeugung in einer höͤchst dringenden Angelegen gewiß wirken wird. Beruhigt auch uͤber die Moͤglichkeit iin baldigen Erledigung, geben wir uns der Hoffnung hin, daß un raschen Uebergang aus unserer bisherigen Lage in eine mom tan offenbar sehr nachtheilige, der weitere zum freien Verlis mit dem uͤbrigen Deutschland ohne Zoͤgerung folgen, und din der langen Ungewißheit, dem unerträglichsten Zuͤstand fuͤr del und Betriebsamkeit, endlich ein Ziel gesteckt werde.“ Frankfurt a. M., 19. Mai. Wie man vernimm haͤlt sich in diesem Augenblick ein Franzose, Namens la git hier auf, um Beitraͤge in Franzoͤsischem ünd auderm Aust; zu sammeln, um das großartige Projekt der Verbindung. Rheins und der Donau uͤber den Schwarzwald mittelst der? zig und der Ober-Donau durch einen Kanal zu bewenhstellijn

Oester reich. Wien, 20. Mai. (Schles. Ztg.) Der Königl. pn sche Geschaͤftstraͤger am hiesigen Hofe, Freiherr von rh sen, hat vor seiner Abreise auf den Gesandischaftspe en Stockholmer Hofe gestern eine zahlreiche Gesellschaft zu 6 Lustpartie nach dem romantisch schön gelegenen Ritterschloß gn fenstein an der Donau eingeladen. In dem Fürstlich (ahh zenbergschen Park bei Dornbach, wo man sich versammelt, ein Fruͤhstuͤck bereitet war, ging die Reise durch Wr ben, Berge nach dem einige Stunden von da entfernten, obbenas Schlosse, wo eine vollstaͤndige Musik die Gesellschaft empfing

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derte Graf T

ein koͤstliches Mittagessen wartete. Gegen Abend nahmen besonders hierzu in Bereitschaft gesetzte Schiffe die Gesell⸗ t an Bord und brachten sie auf der Donau unter Beglei—

hrer wei

1 der Musik nach dem eine Stunde von hier gelegenen

Ri dorf, wo das So uper arrangirt war, zuruck. Ein schoͤ— r Fruͤhlingstag trug dazu bei, die froͤhlichste Stimmung der sselschaft zu erhalten, ünd uͤberhaupt diesem laͤndlichen Feste jsen ungewöhnlichen Reiz zu verleihen. ; Briefe aus Belgrad melden, daß die Unruhen in dem Di⸗ ite von Nissa, unfern der Serbischen Graͤnze, durch Absetzung m r nr des dortigen Tuͤrkischen Gouverneurs beschwich—

* worden sind. * e, Alexandrien haben wir Nachrichten bis zum N. April. est hatte in dieser Stadt sehr bedeutend nachgelassen, und

jn n der täglichen Sterbefaͤlle sich bis auf 50, nach einigen

Vt hen sogar bis auf 29 vermindert. In Kahira und den suͤd— schehrn Gegenden Aegyptens Überhaupt war diese Seuche dage— em noch immer im Zunehmen, und die Sterblichkeit stieg dort it jedem Tage.

Gian nn. Turin, 13. Mai. Se. Koͤnigl. Hoheit der Erbgroßherzog un Sachsen⸗ Weimar ist gestern aus Florenz hier eingetroffen.

Neapel, 13. Mai. Der Vesuv hat dieser Tage ein ganz elles Schauspiel dargeboten. Eine große Quantitat der vulka⸗ nischen Masse, welche sich in Folge der Eruptionen vom Maͤrz d. J. in der Gegend des neuen Kraters aufgehauft hatte ver⸗ aft nuͤmich mit einem Male. Zugleich stieg aus dem Schlunde, der die ungeheuren Massen aufgenommen, ein dicker Nauch auf, der eine bedeutende Hohe erreichte und noch hoͤher gestiegen wäre, wenn nicht der Wind . die schwarze Saͤule unter— hrochen und zerstört hatte. In der ganzen Umgegend hatte sich wäͤhtend dieser Zeit ein starker Schwefelgeruch verbreitet.

Spanien.

Cortes⸗-Verhandlungen. Proceres⸗-Kamm er. Siz— ung vom 12. Mai. Die Proceres nahmen in dieser Sitzung sohende (bereits erwähnte) Adresse an die Koͤnigin in Bezug auf die VoDrfaͤlle vom gestrigen Tage an: .

„Die Proceres des Koͤnigreichs haben mit dem größten Be⸗ dalern und Unwillen gesehen, daß die Anarchie in der Hauptstadt kit Haupt erhebt und ihr Daseyn durch schaͤndliche und gottlose handlungen kund giebt. Bei diesem Stande der Dinge wuͤrden sie kite Pflicht gegen Ihre Majestäͤt, gegen ihr Vaterland und gegen sc selbst verletßen, wenn sie nicht diese ehrfurchtsvolle Petition zu zhen Fuͤßen niederlegten, indem sie Ihre Majestät bitten, die kraͤf= kiten Maßregeln zu ergreifen, um alle uͤbelgesinnte Personen, wer se ach seyn mögen, die den Thron zu untergraben, friedliche Buͤr⸗ ge anzugreifen, die Freiheit der Cortes zu beeinträchtigen und, so bet es in ihrer Macht steht, fuͤr den Triumph des Praͤtendenten s wirken suchen, unschaͤdlich zu machen. Bei einem so heiligen ind wichtigen Gegenstande bieten die Proceres, als Mitglieder des hsttzgcbenden Koͤrpers, Ihrer Majestaͤt hre Mitwirkutrg und zu— glich ihren ganzen persoͤnlichen Einfluß, ihr Leben und ihr Vermd⸗ n an. Möge Gott das theure Leben Ihrer Majestaͤt fuͤr das Kohl der Monarchie noch lange Jahre erhalten.“

Proceres-Kammer. Sitzung vom 13. Mai. Der Ninister des Innern ertheilte im Namen der Koͤnigin fol— gende Antwort auf die Adresse der Proceres: ö. .

„Ihre Majestaͤt waren tief geruͤhrt durch die Adresse, worin Sie weinen Beweis von Ihrer Loyalitaͤt gegeben haben. Diese anmüͤthigen loyalen Gesinnungen zeigen auf eine hoͤchst wuͤrdige Weise die Tugenden und den Patriotismus, von Maͤnnern, die durch ihre Verdiene und ihre Geburt berufen sind, einen großen Einfluß auf die Zukunft ihres Vaterlandes auszuüben. Durch Ihren treuen Beistand wied der Thron ihrer erlauchten Tochter befesüigt, die Ma⸗ chinationen der Uebelwollenden werden vereitelt und das Land wird durch eine legitime Regierung beherrscht werden, die eben so weit non den Bedruͤckungen einer despotischen Gewalt, als von der zer— sbrenden Leidenschaft der Anarchie entfernt ist. Fhre Majestaäͤt fagt Ihnen den innigsten Dank fuͤr bas von der Kammer gemachte An—⸗ erbieten, sowohl alle zusammen als jeder insbesondere mit Ihrem keben und Ihrem Vernidgen zur Vertheidigung des Thrones ihrer erhabenen Tochter mitwirken zu wollen.“

Prokuradoren-Kammer. Sitzung vom 12. Mai. In dieser Sitzung nahm zuerst der Prokurador Herr Mon— tes de Oea das Wort. „Wir sind gestern“, sagte er, „Zeu— Jen eines schaͤndlichen Attentates gewesen. Beim Austritte aus unserer Sitzung ist einer unserer Kollegen, der zugleich Mini— ster it, durch eine Bande von Moͤrdern uͤberfallen worden. Ohne die Dazwischenkunft des unsterblichen Herzogs von Gor wuͤrden sie ihn getödtet haben. Ich ersuche deshalb die Regierung, Aus— kunft zu ertheilen, warum sie diesem Attentate, wenn sie von demselben Kenntniß gehabt hat, nicht vorgebeugt, und welche Maßregeln sie ergriffen, um die Wiederkehr solcher Graͤuel zu verhuͤten? Von meiner Jugend an habe ich das Leben verachten gelernt und lasse mich deshalb durch keine Befuͤrchtungen abhal—⸗

ten, in dieser, einen meiner wuͤrdigsten Kollegen betreffenden An—

gelegenheit offen und frei das Wort zu fuͤhren.“ Ihm erwie— oreno:

„Ich habe das ungluͤck gehabt, der gestrigen Sitzung nicht bei⸗ wohnen zu können, aber zugleich daz Glück, nicht Zeuge“ jenes handlichen Auftrittes . zu feyn, in Betreff dessen Hr. Montes (cd Fragen an die Regierung gestellt hat. Ich beantworte die lien dahin, daß die Rezierung erfahren hatte, die Ruhe werde 6 einige Feevler gesloͤrt werden, welche jedwede Unordnung zu whutzen trachten, um unz dem Praͤtendenten in die Hände zu lie⸗

terh Hier wurde Toreno durch Murren auf den Gallerieen un— , Vielleicht taͤusche ich mich nicht, wenn ich vermuthe, . sich unter denen, welche uͤber meine Aeußerung geniurrt haben, zgfban den Individuen befinden, welche gestern an dem Mord— h Theil genommen haben. In Folge jener, der Regierung mädchen Kunde hatte sie einige Vorsichts Maßregeln getroffen. dere bbrden, mochten es angemessen gefunden haben, einige Agen— 6 ö ein Kavailerie-Oetaschement in der Naͤhe dieses Sitzungs— f dles aufzustellen. Als aber der Herr Praͤftdent der Kammer daͤr—= . , Premier⸗Minister einige Bemerkungen gemacht, hat dieser, n Bewußtztseyn seines guten Gewisfens' (bet dieser Aeußerung Ee Herr Martine de ia Rosa gerade in den Saal), Besehle zu fernung jenes Detaschements ertheilt. Ich bedaure diesen seinen Be⸗ i. den ich an seiner Stelle niemals erlassen haben wuͤrde. Dieses ern n, welches die Moꝗrder, wenn sie irgend Schaamgefuͤhl ge— su haͤtte entwaßnen sollen, reizte sie nür noch mehr‘ zur Aus⸗ enn ihres straͤflichen Beginnens,. So steht es denn fest, daß l i lttentt ohne die hochherzige Selbstverleugnung des Premier— th ers niemals wuͤrde haben ausgeführt werden können. Schaäz⸗ (. wir uns indesen gluͤcklich, daß die Dazwischenkunft einiger 56 tz Freunde die Vollendung eines Verbrechens unmbglich gemacht n ne hes zu den schwaͤrzesten gehbren wurde, welche die Geschichte l. wrisen hat. Uebrigens würd' es der Wachfamkeit der Mäghstrata⸗ sire nn gelingen, die Moͤrder und ihre Instigatoren, . mit zu eh eln dle Dolche jener erkauften, zu entdecken und zur Strafe . 6. Die Regierung wird alle Mirtel aufbieten, um der Wie⸗ eit an ., Seenen w Bis jetzt hat ihre Anhaängsich⸗ reheln 6* gesetzliche Ordnung ste abgehalten, von allen den Maß⸗ Hebrauch zu machen, weiche ihr zum Behuf der Unterhrüh—

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kung solcher unordnungen zu Gebote stehen. Fur die Zukunft wird sie staͤrker auftreten, jedoch ohne die Gesetze zu verletzen.“

Diese Worte nahm der Präsident der Kammer bel. Er bestand darauf, daß sich keine bewaffnete Macht ohne seinen ausdruͤcklichen Befehl dem Sitzungs-Palaste naͤhern duͤrfe. Seyen Unordnungen zu befuͤrchten, so muͤsse man ihn benach—⸗ richtigen; er werde dann schon zu sorgen wissen, wiederhole aber, daß er jedesmal die Sitzung aufheben werde, so bald sich eine bewaffnete Macht dem Saale naͤhern sollte. Herr Torend ent— gegnete ihm, er moͤge immerhin unter aͤhnlichen Umstaͤnden die Sitzung aufheben, die Regierung werde sich dadurch nicht ab— halten lassen, Truppen in die Naͤhe des Palastes zu schicken, sobald das Beduͤrfniß der Ordnung es erheische. Nachdem noch der Tammer-Praäfident erwiedert hatte, wenn jenes Trup— pen⸗Detaschement sich unter seine Befehle gestellt haͤtte, so wuͤrde Alles ruhig abgelaufen seyn, ging die Kammer zur Tagesord— nung uͤber.

Prokuradoren-Kammer. Sitzung vom 14. Mai. Die Prokuradoren ernannten in ihrer heutigen Sitzung eine Special-Kommission zur Pruͤfung des am 11. von Herrn Ca⸗ ballero gemachten Antrages, daß die Minister aufgefokdert wer— den sollten, der Kammer den zwischen dem General Valdez und Zumalacarreguy abgeschlossenen Vertrag mitzutheilen.

Madrid, 14. Mai. (Franz. Blaͤtter.) Die Aufre⸗ gung wegen des Angriffs auf Herrn Martinez de la Rosa ist ohne weitere Folgen vorüͤbergegangen, und eine geringe bewaff⸗ nete Macht war hinreichend, um die Ruhe der Hauptstadt zu sichern. Alle Besorgnisse uber das Schicksal des Ministeriums und selbst der Regierung waren uͤbertrieben, und die Ansicht, daß eine fremde Intervention nothwendig sey, erscheint als voreilig.

Die Abeja enthaͤlt folgende Betrachtungen uͤber die Vor, faͤlle am 1Iten: „In der Hauptstadt herrscht die voll kommenste Ruhe. Ein tiefer ÜUnwille gegen die Verworfenen, welche einen Angriff, auf das Leben des Conseils-Praͤsidenten machten, eine allgemeine Verdammung der Anarchie und eine Darlegung der Anhaͤnglichkeit an das Koͤnigliche Statut, das sind die moralischen Folgen eines Ereignisses, welche die Aufruͤhrer mit Verzweiflung erfuͤllen muͤssen. Die freimuͤthige und energische Adresse der Proceres an die Koͤnigin entspricht der Achtung, welche dieser wesentlich konservative Korper eingefloͤßt hat. Man erwartet eine aͤhnliche Maßregel von den Proküradoren. Dies muß die beste Wirkung in den Provinzen und im Auslande hervorbringen, indem dadurch jeder Grund zu ferneren Besorgnissen ver— schwindet.“

Aus folgendem, an den Herausgeber der Abeja gerichte— ten Brief des Herrn Alcala Galiano scheint hervorzugehen, daß man diesen Deputirten beschuldigt hat, an dem Angriff auf Mar— tinez de la Rosa Theil genommen zu haben. Der Brief lautet folgendermaßen:

„Ich ersuche Sle, mein Herr, nachstehende Zeilen in Ihr Blatt

aufzunehmen. Wenn sie auch fuͤr das Publikum nicht von großer Wichtigkeit sind, so sind sie es doch fuͤr mich, dessen Ehre auf eine abscheuliche Weise verleumdet ist. Ich war zufaͤllig in dem Augen⸗ blick zugegen, als Martinez de la Rosa, aus der Prokuradoren⸗Kam— mer kommend, von dem wuͤthenden Haufen angegriffen wurde. Ich war der erste, der sich zwischen ihn und die Mörder warf und den selben Vorstellungen machte. Kurz darauf vereinigten sich maͤchti⸗ gere Stimmen mit der meinigen, und der Praͤsident des Conseils sah, daß der Tumult allein durch den Beistand von drei Maͤnnern gestillt ward. Dies war mein Benehmen in Uebereinstimmung mit jenen liberalen, jenen wirklich liberalen Grundsaͤtzen, zu denen ich mich bekenne. Es ist durch gemeine Verleumder falsch dargestellt worden, aber ich erklaͤre, daß sie gelogen haben, und wenn es nö— thig seyn sollte, so kann ich Zeugen stellen, unter denen ich nur meinen wuͤrdigen Freund, den Grafen de las Navas, der an der edlen That Theil nahm, nennen will.“

Der Sohn des Herrn Galiano, des Fuͤhrers der Opposition, ist nebst mehreren anderen Personen gestern Abend verhaftet wor— den. Man glaubt, daß die Regierung einen solchen Schritt nicht gethan haben wuͤrde, wenn sie nicht hinreichende Gruͤnde dazu hatte.

Bei dem zweiten Bataillon der Stadt-Miliz zeigten sich gestern Morgen einige Symtome von Aufruhr. Die oberen Of— fiziere haben ihre Entlassung eingereicht. Dem Korregidor Pon— tejos ist es jedoch gelungen, das Bataillon zur Erkenntniß seines Irrthums zu bringen, und in dem Laufe des Tages hat es sei— nen Dienst im Schlosse mit Eifer versehen.

T ecrte j.

Konstantinopel, 6. Mai. Die Tuͤrkische Flotte ist, den neuesten Berichten zufolge, erst den 28sten v. M. von den Dar— danellen nach Tripolis weiter gesegelt.

Vor einigen Tagen hat der Sultan seine Residenz von Be— schiktasch nach dem Palast der suͤßen Wasser verlegt, um daselbst den Feierlichkeiten, welche mit der Uebergabe seines zweiten Soh— nes, des Prinzen Abdul-A ssis, an einen Chodscha (Hofmeister) verbunden seyn werden, beizuwohnen. Zu diesem Zwecke ward das Großherrliche Kiosk auf das Geschmackvollste ausgebessert.

Der bisherige Gesandte am Pariser Hofe, Ameddschi der Pforte, Reschid Bey, ist am Isten d. M. in dieser Hauptstadt eingetroffen.

Aus Albanien lauten die juͤngsten Nachrichten wieder sehr unguͤnstig. Der Rebellen-Anführer Tafil Busi hat sich aufs neue an die Spitze der Unzufriedenen gestellt und schon beträcht— liche Fortschritte gemacht. Statt der bisherigen Truppensendun— gen nach Asien wird man nun wohl auf die entgegengesetzte Seite ein Augenmerk zu richten haben, damit nicht der Same des Aufruhrs und der Unzufriedenheit sich weiter nach Macedo— nien und Bosnien verbreite.

Inland.

Berlin, 28. Mai. Die Deutsche Gesellschaft zur Erfor— schung vaterlaͤndischer Sprache und Alterthuͤnier in Leipzig hat den Gymnasial-Direktor und Professor Wyttenbach in Trier zu ihrem korrespondirenden Mitgliede erwaͤhlt.

Am 23sten d. M. fand zu Koͤßlln die oͤffentliche Jahres⸗ Pruͤfung der Zoͤglinge der dortigen Taubstummen-Schule in Ge— genwart einer zahlreichen Versammlung aus allen Standen statt, die nicht bloß Neugier, sondern innige Theilnahme an dem Un— gluͤcke jener fruͤher ganz verwahrlosten Kinder herbeigezogen hatte, um sich zu uͤberzeugen, wie weit der Unterricht seit den drei Jahren des Bestehens der Anstalt gediehen sey. Die Pruͤfung selbst, geleitet von dem ersten Lehrer, Herrn Gronewald, und noch drei Andern, zeugte von den Fortschritten der Schuͤler, so⸗ wohl in intellektueller als in technischer Beziehung. Die erste Klasse war schon aäͤußerst fertig im Schreiben, in der Zeichen— sprache und im Rechnen, auch in der Geographie und in der

Geschichte bereits wohl bewandert. Die technischen Arbeiten der Zoͤglinge: Modellirungen in Thon, Zeichnungen und Schrift— proben, so wie die von den Maͤdchen unter der Leitung ihrer Lehrerin angefertigten Handarbeiten ließen nichts zu wuͤnschen Übrig, und lieferten den Beweis, daß auch in der praktischen Richtung der Erziehung die Anstalt ihren Zweck heilbringend verfolge. Das Institut zaͤhlt jetzt schon uͤber 30 Schuͤler, theils aus Koͤln selbst, theils aus den Regierungs-Bezirken Köln und Duͤsseldorf, welche meist unentgeltlich unterrichtet werden, und in 4 Haupt⸗Klassen getheilt sind.

Berichtigung. Im gestrigen Blatte der Staats-⸗Zei— tung, S. 600, Sp. 1, J. tz, v. u. lies: „unter den Tortes“, statt: „unter ihnen“.

: Königliches n

In der Rolle des Carlos in Goehe's Drama „Clavigo“ be— gann Herr Seydelmann die Reihe selner Gastspiele, und legte da— durch den ersten sichern Grund zu der hohen Achtung, die ihn dänn ununterbrochen mit dem lebhaftesten Beifall begleitet hat; In ebe;— dieser Rolle hat er sich auch vor seiner letzten Erscheinung in der zu seinem Benefiz gegebenen Vorstellung noch einmal gezeigt und abermals in der Scene des aten Akts einen Beifallssturm ertungen, wie ihn nur das ungemeine Talent in seiner kraͤstigsten ? cußcrün. den Gemuͤthern abdrsngen kann. Referent muß indeß aus diefer Vor? stellung pflichtmaͤßig auch des Beaumarchais gedenken, den Herr Krug mit einer Kraft des Ausdrucks und einen Feuer gab, das Ulle Anwesenden ergriff; aber auch uͤber den Moment hinaus dat er in gesellschaftlicher Unterhaltung, von Kunstkennern, die ihn bis dahin gar nicht oder nur in wenig bedeutenden Rollen gesehen hat⸗ ten, ungetheilte Anerkennung erhalten. Herr Grua ist im Besth— der schaͤtzharsten Eigenschaften, unter denen nicht die gering sien sin, daß sein Aeußeres immer einen gefaͤlligen Jugendschein hat, daß Action und Sprache ungezwungen und natürlich sind, und daß er auch in der laͤngsten Rede niemals in Schdnrednerei, falschen Pa⸗ thos und noch weniger in den auf der Buͤhne so unangenehmen Predigerton verfaͤllt. Wir gehen nun zu der letzten Erscheinung des Herrn Seydelmann in der zu seinem Benefiz gegebenen Vor? stellung über, die auch Se. Majestaͤt der König, der Kronprin;, die Kronprinzessin und die übrigen Prinzen und Prinzefstnnen des Koͤnigl. Hauses, so wie der wenige Stunden zuvor aus bem Haag hier eingetroffene Prinz Friedrich der Niederlande nebst der Fran Lrinzessin Königliche Hoheiten mit Ihrer Gegenwart beehrien. Den humoristischen, bejahrten Doktor in dem bekannten le nen Lustspiel. „Ein Mann hilft dem andern“, gab der Künstler, wie es sich im Voraus erwarten ließ, mit der einfachsten, und doch so lebenvollen Wahrheit; aber man muß einraͤumen, daß er auch von dem sich streitenden und wieder sich versoͤhnenden Ehepaar (Herrn Kruͤger und Madame Cruͤsemann) gut secundirt wurde; des Gesammtspiel griff in einander, und der Beifall konnte daher diefer sonst breit gedehnten Kleinigkeit nicht fehlen. Als Abbé de (Epe zeichnete sich seine aͤußere Gestalt von der seiner Vorgaͤnger in i=— ser Rolle dadurch aus, daß er ihn bei weitem alter gab. Desto staͤrker wirkte dann Geist und Gemuͤth, als er, von dem zweck feiner langen Reise erwarmt, seine Gefuͤhle in der bekannten Erzählung im zweiten Akt gussprach; ein Meisterstück des Vortrags an Kun und. Wahrheit, innerer Energie und Begeisterung des Augenbllcks, die dem wahren Redner nicht fehlen darf, dem aber auch dann eine Wirkung nicht entgeht, wie sie Herr Seydelmann erreichte, ci nen Ausbruch des Beifalls, den wir als das hoͤchste Maß desselben wuͤrden bezeichnen muͤssen, wenn er nicht durch dte Acußerungen am Schluß der ganzen Vorstellung noch bet weitem uͤberboten wor? en waͤre. Aehnliches erinnert sich Ref. in der langen Zeit feiner Besuche der scenischen Splele nicht erlebt zu haben. Bas ganze gedrängt volle Opernhaus wiederhallte von einem unaufhoͤrlichen Beifallsrausch; zahllose Exemplare von Gedichten flogen auf dte Bühne herab, mit . nen auch ein Lorbeerkranz fuͤr den gefeierten Künstler, der kaum zu Worte zu kommen und, sichtbar aufs tiefsie bewegt, seinen Dank aus— zusprechen vermochte. Wenn unsere Buͤhne auch nicht zum fe sten Besitz dteses Kuͤnstlers, der es im vollkommensten Sinne des Worts iß, gelangen sollte, so darf sie sich doch der Hoffnung erfreuen, daß Hert Seydelmann, was er auch in seiner Dankrede aussprach, oftmals als Gast zu uns wiederkehren wurde. Aber schon diese erste und so thaͤtige Anwesenheit desselben hat gute und, wir wollen hoffen, dauernde Fruͤchte getragen. Der Sinn und die Neigung fuͤr das reeitirende Schauspiel sind neu erweckt und belebt worden; jedoch eines besondern Resultats der Seydelmann schen Erscheinung hofft Ref. nicht ohn guten Grund darin, daß die Erkenntnitäz des Unterschieds zwischen Natuͤrlichkeit und Wahrheit der mimischen Darstellung auf der einen, und der manierirten Kombdianterei auf der andern Seite staͤrker und eindringlicher empfunden worden ist; so wie aber auch umgekehrt der Unterschied jwischen der Kunst⸗Wahr= heit, die nur dadurch zu erreichen ist, daß die Kunst sich wöie— der in Natur verwandelt, und jzwischen dem nachläfsigen, rohen Naturalismus, der so oft gar den Wegweiser der deut lichen, einer großen Versammlung verstaͤndlichen Pronunciation der Rede aus dem Auge verliert. Bei Herrn Seydelmann faͤllt kein Wort ungehbrt auf die Erde, er laͤßt jedem Worte sein Recht widerfahren, erkennt dadurch seine nothwendige Abhaͤngigkeit von dein Dich ter an, den er dadurch wieder zu uͤberflügeln weiß, daß er, sich ganz der Macht des lebendigen Ausdrucks bewußt, sich dessen auch zu bedienen versteht, aber immer in den Graänzen der Dich“ tung, Sonderbar, um es gelindestens so zu nennen, daß man einem Kuͤnstler Genie abzusprechen wagt, weil er ein Maß in sich hat, es seinen Productionen anzulegen, und es treu und genau zu erkal⸗— ten strebt. Fast scheint es, als wenn bei manchen Leuten nur die hal— tungs- und gestaltungslose Excentricitaͤt für Genie gelte, gleichfaän als wenn der Dichter weniger ein Dichter ware, wenn ée sich in das strengste metrische Maß fuͤgt oder der gewähltert, keineswegs willkuͤrlichen, sondern durch den Stoff bedingten Form vol kommen treu bleibt und sich von allem Ungehörigen losmachtt. Sder ware etwa Göthe weniger Dichter in der „Iphigenig“, als im „Götz von Berlichingen“, Schiller weniger in dem „Wall ensstein“, als in den „Raͤubern“? Es mag immerhin für einer, Beweis dez Genies angenommen werden, wenn man Alles göebt, was mat kann und will, aber das Kriterium der Kunst ist, nar das Rechte und Gemäße zu geben. Und so mögen und werden die ge— bildeten Freunde des Theaters, und gerade sie hat Herr Seydel mann vorzugsweise lebhaft angeregt und befriedigt, das Anderten an ihn, wenn er auch niemals zu uns zuruͤckkehren sollte, dauernd bewahren

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Im gestrigen Thegter Artikel sind in der aten Zeile hinter „Gattung“ die Worte „der Productionen“ einzuschaͤlten.

Meteorologische Beobachtung.

1838. Morgens Nachmitt. Abends Nach einmaliger 27. Mai., 6 Uhr. 2 Uhr. 10 uhr Beobachtung. Luftdruck. 330, Par. B33, s6 Par. 385,2 8 Par. Quellwärme za o R. Luftwaͤrme 11,“ R. 13,“ R. 8,6 0 R. ; Thaupunkt 7,0 R. 5,9 R. 7, 0 R. Flußwärm 11,9 9 R. Dunstsaͤttęg * pCt. pCt. I pCt. Bodenwärme 10,3 8 R Wetter ... heiter. heiter. halbhelter. 5 Wind . . .. SSW. WSW. Sw. Ausdünst. 0, o 73 Ih. Ri nn Dan WSW. Niederschlag O, oa MIt. Tagesmittel: 333, 2“ Par.. 111,10 R... 7,00 R.. 73 pi.

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