1835 / 151 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Kammer unterzeichnet, wonach Herr Audry-⸗de-Punraveau vor die Pairs⸗Kammer gefuͤhrt werden soll.

Das Linienschiff „Suffren“ und die Fregatte „Bellona“ sind am 22sten d. M. von Toulon nach der Levante abgesegelt, um auf der dortigen Station das Linienschiff „die Stadt Mar— seille“ und die Fregatte „Artemisia“ abzuloͤsen, die nach Tou— lon zuruͤckkehren.

Großbritanien und Irland.

Parlaments-Verhandlungen. Oberhaus. Siz— zung vom 25. Mai. In dieser Sitzung nahm der Herzog von Cambridge seinen Sitz ein. Fast das einzige Thema der Debatten war wieder, wie waͤhrend der letzten Zeit uberhaupt, der Einzug des Lord Mulgrave in Dublin und die Prozesstonen, welche dabei stattgefunden hatten. Der Graf Roden fragte naͤmlich, ob der Premier ⸗Minister etwas dagegen einzuwenden haͤtte, dem Hause eine Abschrift der Depesche des Lord-Lieutenants von Irland vorzulegen, in welcher derselbe uͤber die Prozession, die ihn in Dublin empfing, Bericht erstatte, worauf Lord Melbourne erwiederte, er sehe keinen hinreichenden Grund, in dieses Gesuch zu willfahren. Graf Roden wiederholte nun noch einmal seine Versicherüng, daß diese Prozession aufruͤhrerisch gewesen sey. Der Graf von Leitrim, der bei dem Einzuge des Lord Mul— grave zugegen gewesen war, behauptete das Gegentheil und ver— sicherte, es sey Alles ruhig und friedlich dabei hergegangen, und er habe nur eine einzige Flagge mit der Inschrift: „Aufhebung der Union“ gesehen; daß die Einwohner Dublins, fuͤgte er hin— zu, die groͤßtentheils Katholiken und als solche von der Mu— nizipal- Corporation ausgeschlossen seyen, bei der Ankunft des neuen Vice Koͤnigs ihre Freude kund gegeben haͤt— ten, sey gar nicht zu verwundern, da man von dem jetz i⸗ gen Ministerium eine Reform des Corporationswesens er— warte. Da auch noch der Marquis von Londonderry und Graf von Wicklow von neuem ihre Gegenbehauptungen be— gannen und namentlich fragten, warum die Minister die De— pesche des Lord-Lieutenants nicht vorlegen wollten, wenn sie die Prozession fuͤr so harmlos und gesetzlich hielten, erhob sich Lord Melbourne und aͤußerte großes Bedauern uͤber die unaufhoͤr— liche Aufregung dieses Gegenstandes, die nur Erbitterung in Irland hervorrufen muͤsse. (Hoͤrt, hoͤrt ) „Wenn Jemand“, fuͤgte er hinzu, Keinen besonderen und unumwündenen Antrag auf Vorlegung von Papieren oder auf spezielle Untersuchung in dieser Sache stellen will, so werde ich dann, aber auch nur dann, nahere Mittheilungen daruͤber machen. Ich muß uͤbrigens gegen den von dem edlen Grafen (Roden) aufgestellten Grundsatz, daß, weil von jenem Vorfall keine Notiz genommen worden, das bestehende Gesetz als ein tod— ter Buchstabe zu betrachten sey und gegen etwanige kuͤnftige Uebertreter desselben in anderen Theilen des Landes nicht geltend gemacht werden duͤrfte, aufs entschiedenste protestiren. (Hoͤrt, hoͤrt! So lange ich und meine Kollegen etwas mit der Negie⸗ rung des Landes zu thun haben, werden die Gesetze mit dersel— und in demselben Geist, wie bisher, gehandhabt werden.

Unterhaus. Sitzung vom 25. Mai. Sir W. Folkes und Herr Hume uͤberreichten mehrere Petitionen aus mehreren Staͤdten in Norfolk, worin uͤber die gefaͤngliche Verhaftung ei⸗ nes Buchdruckers Herrn Childs aus Bungay (deren schon Lord Brougham in einer seiner letzten Reden erwähnte), der die Kir— chen-Steuer nicht bezahlt hatte, Klage gefuͤhrt und um Milde— rung der Gesetze, wonach diese „harte“ Maßregel habe ergriffen werden koͤnnen, gebeten wurde. Dies gab zu einer lebhaften De— batte Anlaß, in deren Verlauf mehrere allgemeine Verwaltungs— Gegenstaͤnde, die zu Erklaͤrungen der jetzigen Minister Anlaß ga— ben, zur Sprache kamen. Herr Henniker entschuldigte die Kirchen-Vorsteher von Bungay, von denen die befagte Verhaf— tung vorgenommen worden, ohne daß er jedoch die Achtbarkeit des Herrn Childs bestreiten wollte. „Im Jahre 1833“, sagte er, „wurden die Kirchen-Steuern in Bungay ohne Opposition entrichtet; nur zwei oder drei Personen, worunter auch ein Verwandter des Herrn Childs, widersetzten sich. Ihre Habe wurde deshalb in Beschlag genommen, und dies verursachte zwar große Aufregung, die Steuern wurden aber gezahlt. Im Jahre 1834 wurde wieder eine Kirchen-Steuer ausgeschrieben; sie fand zur Zeit ihrer Ausschreibung keinen Widerspruch, als sie jedoch erhoben werden sollte, wollte Herr Childs sie nicht zah— len. (Hoͤrt, hoͤrt! Der Grund nun, weshalb die Kirchen— Vorsteher zu dem Verfahren schritten, uͤber welches jetzt Klage gefuͤhrt wird, war erstens, daß sich unter den beiden gerade fun— girenden Magistrats-Personen ein Geistlicher befand Choͤrt!); dann, daß man eine Wiederkehr der Aufregung von 1833 ver— hindern wollte, und endlich, daß man glaubte, die Sache wuͤrde am besten von dem Konsistorial-Gericht entschieden werden konnen. Die Kirchen-Vorsteher erboten sich wiederholent⸗ lich, von jedem Verfahren gegen Herrn Childs abzuste— hen, wenn er, und zwar ohne weitere Executions-Koͤsten, die Steuer noch entrichten wolle. Er weigerte sich aber, und die Kirchen-Vorsteher wurden aufgefordert, gegen ihn zu verfah— ren.“ Herr Hume schilderte nun den Lebenslauf und Charak— ter des Herrn Childs im glaͤnzendsten Lichte und behauptete, der— selbe habe nur aus en iff n nsen nn, da er ein Dissenter sey, eine zur Erhaltung einer andern Religion erhobene Steuer nicht zahlen zu koͤnnen geglaubt, wie es die Quaͤker schon seit vielen Jahren thaͤten, und doch wende man gegen diese keine Gewalt— maßregeln an. Der Redner sprach daher die Hoffnung aus, daß die jetzigen Minister eine Veraͤnderung in dem System vorneh—⸗ men wuͤrden, nach welchem jeder achtbare Familienvater um ei— ner Kleinigkeit willen auf solche Weise beunruhigt werden konnte, denn Herr Childs sey 40 Meilen weit von seiner Familie entfernt worden. Lord John Russell nahm nun das Wort und aͤußerte sich mit Bezug auf den vorliegenden Fall ganz im Sinne des Herrn Hume, indem er sagte, das Ver— fahren gegen Herrn Childs sey nicht zu rechtfertigen, weil einer— seits erst dadurch unnuͤtze Aufregung und Erbitterung veranlaßt worden, und andererseits nach einer Parlaments⸗-Akte in solchen Faͤllen, wenn die schuldige Summe nicht 10 Pfd. betrage, der Prozeß nicht vor einem geistlichen Gerichtshofe anhaͤngig zu ma⸗ chen, sondern von einem Friedensrichter zu entscheiden sey; uͤbri⸗ gens aber entschuldigte der Minister die Kirchen Be dhe und glaubte, daß sie nur aus Irrthum gefehlt hatten. Dann, an Herrn Hume sich wendend, fuhr er mit Bezug auf die Eiwar— tungen, die dieser, wie er gesagt, sich von dem jetzigen Ministe⸗ rium mache, folgendermaßen fort:

„Das ehrenwerthe Mitglied hat die Hoffnung geaͤußert, daß die jetzigen Minister Sr. Maje ledigen würden. (Hört!) Nach dem, was im vorigen Jahre mein edler Freund, der Graf Spencer, als er Mitglied diefes Hauses war, dußerte, und nach dem was als der feste Entschluß des Greyschen Ministerlums bekannt ist, nehme ich keinen Anstand, zu sagen, daß ich die Erledigung dieser Frage und die Abschaffung' der Kirchen Steuer fuͤr höͤchst wuͤnschenswerth halte. (Großer Beifall.) Es

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herrschte indeß eine Meinungs-Verschiedenhelt zwischen den Mitglie⸗ dern des damaligen Ministeriums und denjenigen ehrenwerthen Mit⸗ gliedern, welche mit uns in Betreff der Frage uͤber die Abschaffun der Kirchensteuer uͤbereinstimmen. Diese Meinungs-Verschtedenhent entstand, wie ich glaube, zum Theil aus einer Behauptung des Lord Althorp, als er seine Maßregel uber diesen Gegenstand dem Parlament vorlegte, daß naͤmlich der Staat verpflichtet sey, die Gebäude der Kirche in gutem Zustande zu erhalten Ich war der Meinung, daß man diesen Grundsatz beibehalten muͤsse, (hört, hoͤrt! und bin es noch. Das Ministerium Sr. Maj, stimimt auch der von Lord Althorp ausgesprochenen Ansicht bei, daß es die Pflicht einer gesetzgebenden Versammlung sey, die herrschende Kirche zu beschuͤtzen und fe die Erhaltung der Gebäude derselben zu sorgen. Es würde daher bei irgend einer Maßregel, woran ich Theil nehmen kann, meine Pflicht seyn, dahin zu sehen, daß die erforderlichen Vorkeh— rungen getroffen wurden, damit die Kirchen-Gebaͤude nicht in Rut⸗ nen zerfallen. (Großer Beifall, besonders von der Opposition.) Bei diesem Zustande der vorliegenden Frage ist es wichtig, dieselbe in ge— naue Erwaͤgung zu ziehen, und eben so wichtig ist s, im Besitz al— ler Thatsachen zu seyn, welche nicht nur die Kirchen-Kommißfsion, die durch das Greysche Ministerium ernannt, sondern auch die, welche durch das Ministerium des sehr ehrenwerthen Baronets gegenuͤber ernannt wurde, und hoffentlich jetzt erneuert werden wird, dem Parlament und dem Publikum wahrscheinlich wird vorlegen können. Ich Habe indeß bei dieser Gelegenheit noch Einiges zu sagen uͤber die Maßregeln, welche wahrend dieser Session einzubringen seyn durften. Die jetzigen Minister haben beschlossen, dem Parlamente in dieser Session eine Frage von sehr großer Wichtigkeit und sehr großem Umfange und, ich muß hinzufuͤgen, von sehr großem De⸗ tail in Betreff der Munizipal-Corporationen vorzulegen. (Belfall.) Sie haben gleichfalls beschlossen, in kurzem nicht nur eine Frage hinsichtlich der Zehnten in Irland, sondern auch in Betreff der Ausführung eines Beschlusses dieses Hauses, den ich vor der Ver⸗ tagung zu beantragen die Ehre hatte, einzubringen. (Beifall.) Aus der Erfahrung der drei Jahre, waͤhrend welcher ich Mitglied des Ministeriums war, habe ich gelernt, daß wir dadurch haͤufig in Schwierigkeiten gerathen sind, daß wir eine zu große Mannichfaltig⸗ keit der Geschäͤfte auf einmal vornahmen. (Beifall von der Oppoö— sition und von den ministeriellen Baͤnken.) So bereit ich daher auch bin, jede Frage, welche von dem vorigen Ministerlum einge— bracht wurde, oder die irgend ein ehrenwerthes Mitglied diesem Hause noch vorlegen moͤchte, zu beruͤcksichtigen, so kann ich mich dennoch, was das Ministerium betrifft, nicht verpflichten, daß dasselbe sich noch auf mehr als jene beiden Fragen die Munizipal⸗Reform in Eng— land und Wales und die Reform der Irlaͤnd schen Kirche mit Einschluß der Zehnten⸗ Frage einlassen kann. (Hoͤrth Aus diesem Grunde will ich in dieser Sesston keine Maßregel hinsichtlich der Kirchen⸗Steuer mehr einbringen. (Beifall und Ge— laͤchter von der Opposition) Es ist dies eine Frage, uͤber die meine Ansichten bekannt sind, und ich wurde sie gern inbringen, sowohl um das Interesse der Dissenters, als das der herrschenden Kirche zu besoͤrdern, aber fuͤr jetzt kann ich es nicht, und ich wüͤnsche, daß dus ehrenwerthe Mitglied fuͤr Middleser bie Gruͤnde, weshalb ich das Ministerium Sr. Majestaͤt nicht verpflichten kann, noch in dieser Session jene Frage vor das Haus zu bringen, richtig verstehen moge.“ Diese Erklaͤrungen veranlaßten Sir Robert Peel zu ei— nigen Bemerkungen uͤber das, was er zu thun beabsichtigt habe, wenn er am Ruder geblieben waͤre. Er gab zuvoͤrderst seine Freude daruͤber zu erkennen, daß Lord Russell mit Hinsicht auf die Kirchen-Steuern bei seiner fruͤheren Ansicht geblieben, daß die Fuͤrsorge des Staats fuͤr die Unterhaltung und Ausbesferung der kirchlichen Gebaͤude eine wesentliche Bedingung fuͤr die Exi— stenz einer herrschenden Kirche uͤberhaupt sey, und sagte dann: „In Betreff des Gesetzes über die Muntzipal-Corporationen will ich ein Wort sagen. (Hört!) Fuͤr die Erhaltung der offentlichen Ordnung und der Macht der Gesetze ist nichts wichtiger, als dieje⸗ nigen Mißbraͤuche und Statuten, welche durch das Wort und die Vorschlaͤge der Regierung schon verdammt sind, zu verbessern. Die rage uber die Kirchen-Steuer gehort dahin, sie ist von dem Mini⸗

aͤt die Frage uͤber die Kirchensteuer er⸗

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erm verdammt, und daher halte ich geglaubt, daß, mit Ausnahme der Frage hinsichtlich der Irlaͤndischen Kirche, dieser Gegenstand dringender sey, als irgend ein anderer. Die Schwierigkeiten, welche mit der Irlaͤndischen Kirchen-Frage verknuͤpft sind, erfordern nach der Art, wee sie erhoben worden sind, eine schnelle und wirksame Abhuͤlfe. Und dies ist nach dem, was uͤber die Kirchen— Steuer gesagt und versprochen ist, vornehmlich auch mit dieser der Fall. Ich glaubte, die Regierung habe laͤngst diese Fragen vorbereitet. (Hoͤrt!! Ich glaubte, daß nur der Umstand, daß ich im Amte war, sie abgehalten habe, jene . einzubringen, daß ich sie daran verhinderte, daß sie durch bie strenge Kaͤlte, welche seit dem 9. November v. J. irgendwo herrschte, im Keim erstickt seyen. (Beifall und Gelaͤchter. ) Dies wurde in der That in dem Amen⸗ dement zu der Adresse beim Beginn dieser Session erklart. Hlerauf hieß es in dem Amendement, daß die Ereignisse „„verschiedene Maß— regeln unterbrochen und gefährdet haͤtten““ (lauter Beifall, auch von den Minister⸗Baͤnken), daß „„eine unndthige Auflösung /“ des Parlaments stattgefunden habe, so daß ich natuͤrlich glaubte, die⸗ jenigen, welche dies Amendement vorgeschlagen und jetzt das Mini— sterium bilden, haͤtten ihre Maßregeln vorbereltet, (Lauter Bei— fall von der Opposition,. Und wenn man mich gefragt haͤtte, welche Maßregeln die Minister besonders vorbereltet hatten, so wuͤrde ich geantwortet haben, die Zehnten-Bill, die Irlaͤndische Kirchen-Bill und die Kirchensteuer⸗Bill, weil sie wissen müßten, daß dies Maßregeln sind, worauf man die Dissenters so sehr begierig gemacht hatte, so daß diese berechtigt waren, zu erwarten, daß das Ministerium bei seiner Ruͤckkehr zum Amte unverzuͤglich diese fuͤr sie so wichtigen Maßregeln einbringen werde. (Lauter Beifall.) Nach dem, was uͤber die Abloͤsung der Zehnten in England gesagt worden ist, kann ich nicht begreifen, wie ein Ministerslum, das fo daruͤber gesprochen hat, sich entschließen konnte, keine Maßregel uͤber diesen Gegenstand vorzulegen, selbst nachdem das angegebene Hinderniß entfernt ist. Wir hören, daß das Ministerium jetzt nur zwei Maßregein vorbereitet hat. (Beifall und Gelaͤchter) Die wichtigste Maßregel, die in Betreff der Kirchen- Steuer, wobei die Dissenters so sehr betheiligt sind, soll, wie wir hoͤren, aufgeschohen werden. Was wuͤrde man dazu gesagt haben, wenn ich die Einschaltung ei⸗ nes solchen Gedankens in die Thron⸗Rede aneimpfohlen hatte? Was anders, als daß ich mir die Frage in Betreff der den Dissenters zu schaffenden Abhülfe ganz vom Halse schaffen wolle? (Lauter Bei— fall.) Die Irlaͤndische J freilich mußte schon beruͤck⸗ sichtigt werden, denn die jetzige Verwaltung war gewissermaßen . bei dieser Sache geworden, Aber die Frage uͤber die Kirchen⸗ Steuern, bei der die Kirche so sehr betheiligt ist, verdiente wahrlich eine eben so große Aufmerksamkeit, und es waͤre besser, die Verwal⸗ tung nahme sie auf, als daß man sie noch ein Jahr lang das Thema von Diskussionen in Volks-Versammlungen ünd einen Anlaß zur Widersetzlichkeit von Seiten der Kirchspiels-Maͤrtyrer seyn ließe.“ (Großer Beifall.)

Herr Spring Rice, der sich hierauf erhob, meinte, der sehr ehrenwerthe Baronet habe zwar sehr schoͤne, aber nicht ganz auf— richtige und ehrliche Worte gesagt; er habe gethan, als ob das jetzige Ministerium noch ganz in derselben Lage sey, wie vor dem Ministerwechsel im November vorigen Jahres und vor der dar— auf erfolgten Aufloͤsung des Parlaments; diese beiden Ereignisse aber haͤtten eben den Verzug und die Unterbrechung, uͤber welche das Amendement zur Adresse geklagt, und die der sehr ehren⸗ werthe Herr nun sehr mit Unrecht der jetzigen Verwal— tung zuschreibe, in den Fortgang der Reformen gebracht; Niemand wisse besser, als ir Robert Peel, wie noͤ— 23 einem Ministerium die Zwischenzeit zwischen einer

ession und dem Anfang einer anderen sey, um Maßregeln, mit denen es vor dem Parlament erscheinen konne, vorzubereiten;

diesen Vortheil habe aber das jetzige Ministerium ganz entbehrt Nachdem diese beilaͤufige Debatte noch einige Zeit fortgedaueri hatte, bis der General-Prokurator wieder den eigentli vorliegenden Gegenstand in Anregung brachte, wurden zuletzt die oben erwaͤhnten Bittschriften auf die Tafel des Hauses niedere legt. Hierauf ward fuͤr den Burgflecken Tiverton jur Wiederbesetzung der Stelle des Herrn James Kennehy der die Chiltern Hundreds angenommen hat, ein neue Wahl ⸗Ausschreiben erlassen. Eine von Herrn Trevor an die Minister gerichtete Frage, ob es wahr sey, daß alle Ve⸗ stallungen der Irlaͤndischen Beamten direkt oder indirekt der Sanction O'Connell's unterworfen worden seyen, wurde keiner Antwort gewuͤrdigt. Dagegen antwortete Lord J. Russell uuf eine Frage des Herrn Sinclair in Betreff der Irlaͤndiscen Kirchen-⸗Sache, daß Lord Morpeth baldigst dem Hause von se⸗ ner Absicht, eine darauf bezuͤgliche und auf die von dem Hause zy nehmigte Resolution uͤber die Verwendung des üͤberfluͤssigen Kit, Eigenthums gegruͤndete Maßregel einzubringen, Anzeige machenhar de. Den uͤbrigen Theil der Sitzung fuͤllte hauptsaͤchlich eine lhit uͤber einen Antrag des Marquis von Chandos, der nach getisy ter Weise, das Interesse des Landbaues vertheidigend, eint y tion auf eine Adresse an den Koͤnig machte, durch welche der he drückte Zustand der ackerbautreibenden Klasse der Erwaͤgung nn selben empfohlen werden sollte. Der an h. fand unterstühm und ,, ziemlich in demselben Maße, wie die stlss⸗ ren ahnlichen Antraͤge des Marquis. Die Minister hg, ren ihm entgegen, und es gelang ihnen, vermittelst j nes von Lord Russell beantragten Amendements, dersl⸗ ben zu beseitigen. Dieses Amendement ging dahin, in sich das Haus verpflichten solle, den im vorigen Jahre gemit⸗

ten Vorschlaͤgen eines zu diesem Behuf niedergesetzten Aussc ses zufolge, die Ermaͤßigung der Grafschafts-⸗Steuern in Sn

thung zu ziehen und dadurch die auf dem Landmann haften Lasten zu erleichtern. Sir R. Peel sprach sich auch gegen h

Antrag des Marquis von Chandos aus, und das m inisz⸗ rielle Amendement wurde mit 211 gegen 150 Stimmen, s mit einer Majoritaͤt von 61 Stimmen, angenommen.

London, 26. Mai. Ihre Majestaͤten kamen heute neh der Stadt. Die Koͤnigin will Abends einer Vorstellung u „Puritaner“ in der Italiaͤnischen Oper beiwohnen.

Die Kabinets-Minister versammelten sich heute Mittag j einer Berathung in der Amts-Wohnung des Kanzlers der Schah kammer.

Es heißt j die gegenwaͤrtige Session werde wahrscheinlh nicht uͤber den Monat Juli hinaus verlaͤngert werden.

Der Oberst For ist zum Secretair des Feldzug-Amtz er, nannt worden; er gab vor einigen Wochen den Posten eintt General- Inspektors in demselben Departement auf, den Sir Nufane Donkin jetzt bekleidet; der Courier will aus lehzteren Umstande folgern, daß die Behauptung, der Oberst habe af seinen Parlamentssitz fuͤr Stroud zu Gunsten des Lord Rusil nur deshalb verzichtet, weil er auf eine Anstellung Aussicht ge habt, ganz ungereimt sey.

Lord Anglesea ist von seiner Kontinental-Reise hierher ju ruͤckgekehrt.

Herr Fraser ist mit Depeschen aus Persien hier angelang, von deren Inhalt jedoch noch nichts verlautet.

Herr Santa Marig hat sein Beglaubigungs Schreiben als Gesandter der Republik Mexiko am hiesigen Hofe erhalten

und ist zugleich zur Abschließung eines Handels, und Freund;

schafts⸗Traktats mit Spanien bevollmaͤchtigt worden.

Der Courier versichert, Lord Palmerston werde sich fu Tiverton als Parlaments-Kandidat melden.

In Lichfield ist bei dem Beginn der Wahl fuͤr Suͤd-Sttß fordshire die Abstimmung durch Aufhebung der Haͤnde zu Gum sten des ministeriellen Kandidaten Oberst Anson ausgefallen, dez hat sein Gegner, Sir Francis Goodricke, auf eine foͤrmliche Mh stimmung angetragen.

In Birmingham ist eine oͤffentliche Versammlung im Well, um uͤber eine Adresse an Se. Majestaͤt und die beiden Papp mentshaͤuser zu berathschlagen, den juͤngsten Minister⸗Wechs die Kirchen, und Corporations-Reformen und die Beschwerhn der Dissenters betreffend.

Das Birmingham Journal berichtet, daß der Vorstnn der bekannten Birminghamer politischen Union, welche sich in du Mitte des vorigen Jahres aufloͤste, zum 26. d. M. zusammenln rufen sey, und daß man die Absicht hege, die Union wieder in Leben treten zu lassen, um den immer eifrigeren Versuchen de Tories, das Volk fuͤr sich zu gewinnen, entgegen zu wirken. Die Urkunde, durch welche die Reorganisation der Union beglau— bigt werden soll, zaͤhlt, wie jenes Blatt behauptet, schon an 3000 Unterschriften.

Das erste Erscheinen des neuen Lord-Lieutenants von g land im Dubliner Theater ist ohne Partei⸗Exzesse voruͤbergegsn gen. Lord Mulgrave wurde mit Enthusiasmus empfangen; l. einzige Ruhestoͤrung waren einige gegen die „Anti-Katholli ausgebrachte Pereats. Bei einem Besuch aber, den der Gtf dem College abstattete, wurde er mit Pfeifen und Zischen ch

genommen. Die Times giebt ein sehr schwarzes Gemaͤlde von Irlaft

jetzigem Zustande und meint, es koͤnne daselbst, wenn nicht ein unerwartete Aenderung eintraͤte, ein Buͤrgerkrieg nicht ausbleiben Die Dichterin Miß Hemans ist in diesen Tagen mit Tu abgegangen. Das Liverpool Journal meldet, es sey wegen eim Preßvergehens zu 40 Shilling Schaden-Ersatz an den Klhh verurtheilt worden, wobei aber außerdem die Eigenthuͤmer d Blattes noch gegen 1000 Pfund an Kosten zu bezahlen haͤtten

Aus Lissab on wird unterm 1Jten d. M. gemeldet, än die Aussichten auf eine baldige Wiedervermaͤhlung der Koͤnihh mit dem Bruder ihres ersten Gemahls wenig sicher seyen, d eine einflußreiche Partei im Franzoͤsischen Interesse gern n Prinzen von Nemours substituiren mochte. Die Deputitt Kammer hat indeß bereits fruͤher fest beschlossen, daß kein gr zoͤsischer Prinz als Gemahl der Königin von der Nation alt kannt werden solle. !

Nach den letzten Berichten aus Madrid, welche die hi sigen Zeitungen enthalten, soll Herr Martinez de la Rosa, . dem er der bewaffneten Rotte, die seinen Wagen anfel, inllr men war, in seinem eigenen Hotel, als er sich in ein 3m, desselben begeben wollte, in einer noch groͤßeren Gefahr gesch haben. Ein Mann von der Stadt, Miliz, so heißt es, dene Dienerschaft des Ministers in der Meinung, daß er Ein

ch ; kel veil derselbe in * ie, . . von denen sey, die ihren Herrn geschuͤtzt und nach Hause ge derselbe in Folge einer vor mehreren Jahren gegen ihn an— tet, in das Hotel hereingelassen hatte, uͤberfiel ihn hier äh e gen Untersuchung nur ah inssantia . . sey.

Isen hat Dr. Häcker dieser Tage wirklich zu lesen ange—

fuͤhrte mit dem Degen einen Hieb gegen ihn, der nur , abgewendet wurde, daß die Schwaͤgerin des Herrn at Donna Paulina, dazwischen sprang und den Menschen zu

ichrichten befand, wird als graͤnzenlos geschildert.

wat in folgender Ordnung:

s. Ju der Verwirrung gelang es diesem, die Straße zu er— en And zu entkommen. Die Nachrichten aus Kanada gehen bis zum 24. April. Rolonial⸗Versammlung von Ober ⸗Kanada hatte vor ihrer kagung den Beschluß gefaßt, daß es gesetzwidrig sey, wenn Britische Parlament oder die Britische Regierüng ohne die sinmung der Versammlung die Provinz besteuere oder uͤber n Einkuͤnfte verfuͤge. Die liberale Presse der Kolonie klagt pier den Gouverneur Lord Aylmer. Das Parlament von fw„Kanada war von Lord Aylmer zum 21. Mai wieder ein— ffn, das von Ober⸗Kanada aber am 16. April prorogirt worden. Rew-Yorker Zeitungen vom 1. Mai melden, daß in stimore ein ruchloser Versuch gemacht worden sey, das dor⸗ „Börsen- Gebäude in Brand zu stecken, daß ihn jedoch die hörden noch gluͤcklich entdeckt und verhindert haͤtten.

Nexiko haben sich die Unruhen wieder erneuert. Die zum Zacatecas, Moreia, San Luis und Durango erklaͤrten ) feen den Praͤsidenten der Republik, General Säntang, Es . wie im vorigen Jahre, die maͤchtigsten der noͤrdlichen hn uinsen gegen die Central-Regierung wieder unter den Waf— und es heißt, daß ein Theil des Heeres unter General Al— i sich ihnen angeschlossen habe, Auf, der Seite Santana s föben sich der größere Theil des Heeres, die Reste der Spa— ien Partei, die Aristokratie und der Klerus.

Aus Vuenos-Ayres erhaͤlt man die Nachricht, daß der malige Praͤsident der Republik, General Quiroga, am 16. hruar in der Naͤhe von Cordopa mit seinem ganzen Gefolge

einer Geschaͤftsreise in das Innere erschlagen worden ist. er Tod des Generals, der sehr beliebt war, erregte Besorg— sse fir die Ruhe des Staates, Die Reise des Generals Qui— ga hatte den Zweck, die Streitigkeiten zwischen den Provinzen cunan und Salta beizulegen. Die Verwirrung, in welcher die Regierung von Buenos-Ayres beim Abgange der letzten General ssas . die ihm übertragene Präsidentschaft zum vierten le abgelehnt. Dies bewog auch den interimistischen Gouver— ir von Buenos-Ayres, Herrn Maza, zur Resignation. Nun fannte man den General Rosas auf 5 Jahre zum Diktator, st der einzigen Bedingung, daß er die katholische Religion auf— ht erhalten solle. Seine Antwort darauf wurde noch erwartet.

Niederlande.

Ius dem Haag, 26. Mai. Der Kaiserl. Oesterreichische

hesimdte in Karlsruhe, Graf von Buol-Schauenstein, und der

wiel. Russische Gesandte in Stuttgart, Baron von Meyen— sös snd uͤber Rotterdam nach London gereist.

Belgien.

Bruͤssel, 25. Mai. Der Koͤnig hat dem Professor Warn— nis einen kostbaren Ring in Brillanten von großem Werth mit seinem Namenszuge geschmuͤckt, als Zeichen seiner hohen ͤsteenheit mit dem Eifer, womit dieser Professor seine Func— gien erfuͤllt, und als einen Beweis seines Beifalls fuͤr das hi— bische Werk uͤber Flandern, das Herr Warnkoͤnig ihm gewid— ät hat, uͤbersandt. Zugleich hat der Minister des Innern die—

Gelehrten eine Verfuͤgung des Koͤnigs, wodurch ihm eine umme von 1009 Fr., als Unterstuͤtzung fuͤr die Herausgabe r Franzoͤsischen Uebersetzung seines Werkes uͤber Flandern im Nittelelter, bewilligt wird, mitgetheilt. Der erste Band dieses Verkes wird im naͤchsten September erscheinen.

Deutsch land.

Doberan, 24. Mai. Se. Koͤnigl. Hoheit der Großherzog afen am 19ten d. M. zwischen 4 und 5 Uhr im hoͤchsten Wohl hn hier ein. Eine betrachtliche Anzahl hiesiger Einwohner und enachbarter Landleute, unter Anfuͤhrung von zwei der angesehe— ern Dobberaner, wartete eine halbe Meile von hier auf den schverehrten Landesvater und eskortirte ihn zu Pferde bis zum sesigen Palast, vor welchem die Einwohner zahlreich versaminelt haren und Se. Königl. Hoheit mit einem freudigen Lebehoch be— kußten. Mit Allerhöͤchster Genehmigung ward der feierliche sackehug, mit welchem die Dobberaner den Großherzog zu empfan— n und ihm ihre ehrfurchtsvollen Wuͤnsche vorzutragen ge— ichten, bis zum naͤchstfolgenden Abend ausgesetzt, wo er henn auch, bei sehr guͤnstiger Witterung, stattfand, und Der Zugfuͤhrer; 50 Chine— sche farbig? Laternen auf hohen Staͤben ,, ein Lhor, Hautboisten; der Marschall mit . Wappentraͤgern, die dobhetaner Wappen tragend, an jeder Seite zwei große Fackeln; ier Deputirte, gewaͤhlt aus den aͤltesten Einwohnern des Orts ind begleitet von den hiesigen Großherzogl. Beamten. Ein sehr shlreicer und wohlgeordneter Fackelzug, aus 5mal 50 Fackeln hstehend, paarweise und mit 4 großen Fackeln schließend, in der Ulitte desselben 10 Chargirte; das Dobberaner Mufik-Corps und zum ISchluß 50 Tulpen-Laternen mit den Mecklenburgischen Farben, immtlich auf hohen Staͤbẽn getragen. Gegen 16 Uhr gab ein anonenschuß das Signal zum Aufbruch, welcher vom Stahl— nde aus erfolgte, waͤhrend Raketen in die Luft stiegen und mit anonen,Feuer wechselten. Der Zug war so bedeutend, daß er den mnzen Naum vom Erb-Großherzogl. Palais bis zum Stahl-Bade mnnahm, Nicht allein die ganze . Einwohnerschaft, son⸗ an auch zahlreiche Zuschauer aus der ganzen Umgegend und selbst us Rostock, die sich während des Tages eingefunden hatten, be— leiteten den Zug, welcher vor dem Großherzogl. Pallast einen en Halbkreis bildete, hinter welchem sich das versammelte vt schaarte. Die vier Depurirten, begleitet von den Großher— ol Beamten, begaben siich nun zu Sr. Koͤnigl. Hoheit und wurden, nachdem sie sich ihres Auftrags entledigt hatten, von merhabenen Landesvater ganz besonders gnädig und mit der b bien den Guͤte empfangen. Als die Deputirten wieder * In. Pallast getreten waren, wurde ein dreimaliges don⸗ 1 es debehoch von der versammelten Volksmasse ausgebracht, . diesem ein, fuͤr diesen feierlichen Abend gedichtetes, Festlied . hen Hierauf hatten SF. Koͤnigliche Hoheit der Großherzog ö nade, ganz unerwartet selbst vor dem Pallaste zu erschei= . die bereits an die Deputirten gerichteten huldvollen ö eder gegenwartigen Menge zu wiederholen, welche gnaͤdige ͤ nn, mit dem hoͤchsten Juͤbel anerkannt wurde. Muͤnchen, 25. Mai.“ Se. Majestät der Koͤnig haben Sich 9 onntag Vormittag von hier nach dem Lustschloß Berg, am arnbergerfee, begeben. ö [er Senat der hiesigen Universitaͤt soll gegen die Aufnah— f es um ordentlichen Professor der Rechte ernannten Mi—⸗ . t taths und Redacteurs der hiesigen Zeitung, Pr. Hacker,

as Gremium der Professoren Vorstellung gemacht haben,

angen.

Mineralien⸗ Sammlung zur Ansicht frei gegeben. Acht Tage vor—

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auf die Vorstellungen des Senats, nicht in der so weit von dem Mittelpunkte der Stadt entfernten Ludwigsstraße, sondern vor dem Karlsthor an der Stelle, wo jetzt das alsdann abzubre— chende Kadetten⸗Corps⸗-Gebaͤude steht, aufgefuͤhrt werden. Fuͤr die Kadetten wird dann ein großartiges Haus in der Ludwigs— Straße gebaut werden. Dieser neue Platz fuͤr die Hochschule ist gut gewaͤhlt und wegen der Naͤhe des botanischen Gartens und des allgemeinen Kraͤnkenhauses üm so passender.

Ein Koͤnigl. Reskript verfuͤgt, daß von nun an in den ka— tholischen Schulen Bayerns der Religions-Unterricht nur nach dem, von dem Ordinariate des Muͤnchen-Freisinger Erzbisthums approbirten Katechismus, so wie nach den, von? dem ruͤhmlichst bekannten Jugend⸗Schriftsteller, Dm. Christoph Schmidt, verfaß⸗ ten ng aus dem alten und neuen Testamente ertheilt werde.

Karlsruhe, 16. Mai. Ueber das Musikfest in Heidelberg wird Folgendes berichtet: „Das Fest, das zur Feier des Na—⸗ menstages Ihrer Koͤniglichen Hoheit der Frau Großherzogin Sophie am 15. Mai jeden Jahres abgehalten werden soll, wurde schon am Vorabend durch 55 Kanonenschuͤsse, Glockengelaͤute und Freudenfeuer auf dem Heiligenberg und Geisberg angekuͤndigt, waͤhrend alle Mitwirkenden der ersten Hauptprobe im Museum— Saale beiwohnten. Schon hatten Frankfurt, Mainz, Darmstadt, Karlsruhe und Mannheim theilweise die Ihrigen geschickt, die Zahl stieg schon jetzt auf mehrere Hundert, und sollte bald noch bedeutend wachsen. Am Festtage selbst geschahen fruͤh Morgens 50 Kanonenschuͤsse, worauf das huͤbsch uniformirte Büurger⸗Mili⸗ tgir zur Reveille init Janitscharen-Musik durch die Stadt zog. Sodann versammelten sich die verschiedenen Buͤrger-⸗Militair⸗Corps und fuͤhrten oberhalb der Bruͤcke ein Manoͤver zu Wasser und zu Lande aus. Zu gleicher Zeit fand in dem Schloßhofe die Haupt— probe statt, wobei denn die Zahl der Mitwirkenden sich auf 480 Personen feststellte. Den ganzen Morgen uͤber war freier Zutritt in die Aula, die Bibliothek, das phystkalische, anatomische und zoologische Museum, den botanischen Garten u. s. w. Auch hatte Herr Geheime-Rath von Leonhard seine ausgezeichnete Privat⸗

her hatte man nichts als kuͤhles Wetter und Regen, echtes April— wetter; ja, in der letzten Hauptprobe mußten sich noch die Theil— nehmer vor einem kleinen Regenschauer fluͤchten; doch mit Einem— male klaͤrte es sich auf; der Nachmittag, an dem das Fest statt— fand, war ganz herrlich. So zog denn eine Menschenmenge, die man auf 4000 Personen schaͤtzt, nach dem alterthuͤmlichen Schiosse, und der ganze Hofraum war mit Menschen bedeckt. Großartig nahm sich die Masse aus, wie sie in ununterbrochener Stille und Aufmerksamkeit den Himmelstoͤnen Haͤndel's und Mozart's lauschte.“ e st ew .

Wien, 22. Mai. (Schles. Zeitung.) Ihre Majestaͤt die Kaiserin hat dem Muttergottesbilde in der Kirche zu Maria— hilf, ein sehr werthvolles Kleid eigenhaͤndig gestickt zum Geschenke gemacht.

Se. Koͤnigl. Hoheit der Kronprinz von Bayern hat uns vorgestern verlassen, und ist uber Preßburg, Pest, nach einem Theile Ungarns, von wo er sich nach der Schweiz begeben will, abgereiset. Der ihm beigegeben gewesene Hofstaat ist mit Koͤnigl. Freigebigkeit belohnt worden.

Se. Durchlaucht der regierende Fuͤrst von Hohenzollern— Hechingen ist zur Begruͤßung unseres Kaisers vor einigen Tagen hier angelangt.

Es sind nun auch Deputationen der Maͤhrisch-Schlesischen und Steierschen Staͤnde hier eingetroffen, um Sr. Majestaͤt die

welcher Morgen in der Alameda, einem dem Herzoge von Ossuna gehorenden Lustschlosse, seine Vermaͤhlung feiern wird. Die ver— wittwete Königin wird sich dort durch die Marquisin de Santa Cruz als Madrina der schoͤnen Braut vertreten lassen.

Turkei.

Den letzten Nachrichten aus Elbassan im Tuͤrkischen Albanien zufolge, ist dort nach der Abreise einiger revolutionnairen Beys mehr Ruhe eingetreten. Der beruͤchtigte Tafil Bussi ist eben— falls fluͤchtig geworden, ohne seinen Soͤldlingen die ihnen schul— digen Ruͤckstande zu bezahlen. Die Montenegriner ihrerseits le— ben jedoch noch fortwaͤhrend im Hader mit den Tuͤrken, denen sie ein Dorf nach dem andern abnehmen und die sie am Ende wohl auch noch aus den befestigten Orten Spus, Podgorizza und Pabliak vertreiben werden.

Griechenland.

Athen, 5. Mat. (Allg. Ztg.) Der gestrige Tag war Zeuge des erhabensten Festes, welches, die erste Landung des Königs in Nauplia ausgenommen, in Griechenland stattgefünden hat. Es war am 14. Mai 1827, daß Georg Karaiskos oder Ka— raiskakis, durch seinen ungestuͤmen Muth verleitet, sich in ein unbedeutendes Vorposten⸗Gefecht zu mischen, auf der Ebene zwi⸗ schen dem Piraͤus und dem Oelwalde die toͤdtliche Wunde er— hielt, an der er nach wenigen Stunden verschied, mit seinem letzten Athemzuge die um ihn stehenden Waffengenossen zur Ein— tracht ermahnend, da er in edleni Selbstbewußtsenn fuͤhlte, daß mit ihm die Seele von dem Heere wich, welches Arhen zu ent— setzen bestimmt war. Nur zwei Tage spaͤter erfolgte die blutige Niederlage der Griechen unter Church, mit welcher das ganze bedeutende Unternehmen scheiterte. Karaiskakis war ohne Wi⸗ derrede an Feldherrn-Talent der ausgezeichnetste Fuͤhrer der Grie—⸗ chen; alle Capitaine, unter sich neidisch, erkennen ihn als ihren Meister an. An persoͤnlichem Muthe durfte er sich einem Mar— kos Botzaris und den Mauromichalis zur Seite stellen. Daher war es eine richtige Wahl der Regierung, in seinen Manen das Gedaͤchtniß Aller, die in dem Befreiungskampfe gefallen, zu eh— ren. Auf dem Platze, wo er verwundet wurde, rechts von der Straße, die vom Piraͤus nach Athen fuhrt, erhebt sich jetzt ein geschmackvolles Monument aus gelbem Aeginetischem Stein: ein viereckiger Cippus, der auf einer breiten Basis steht, nach einer Zeichnung des Architekten Haase von dem Architekten Luͤ— ders ausgefuͤhrt. Schon am 2. Mai waren die Gebeine des Tapferen, die bis dahin im Schoße der heiligen Salamis geruht hatten, von einer zu diesem Zwecke abgeordneten Kommission von Ober-QOffizieren und Geistlichen und im Beiseyn seiner hinterlas— senen Tochter und Verwandten ihrer Gruft entnommen und auf einem Kriegsschiffe nach dem Piraͤus uͤbergefuͤhrt worden. Eben so hatte die Regserung die Gebeine der auf den naͤchsten Schlacht— feldern ven Kantatero, Chaidari, Cap Kolias u. s. w. gefallenen Griechen und Philhellenen sammeln, und in einer Anzahl von Saͤrgen in der Kirche der heil. Irene vorläufig beisetzen lassen. Am Morgen des gestrigen Tages um 8 Uhr setzten sich beide Trauerzuͤge von der Stadt und vom Piräus aus gleichzeitig in Bewegung, und in dem Augenblicke, wo sie bei dem PHeonun— mente zusammentrafen, erschien auch Se. Maj. der Konig, um— geben von der Regentschaft, den Ministern, Generalen und Staatsraͤthen und einem glaͤnzenden Generalstabe zu Pferde. Se. Majestaͤt wurde hier von dem diplomatischen Corps, der Synode und den Angesteliten saͤmmtlicher Ministerien, so wie von einem zahlreichen Offizier-Corps empfangen, wahrend eine

unuͤbersehliche Volksmenge die Ebene rings umher bedeckte. Ganz

Gefuͤhle der Trauer wegen des Ablebens des hoͤchstseligen Kai— sers Franz, und die Gluͤckwuͤnsche zur Thronbesteigung auszu— sprechen; die in gleicher Absicht zu erwartende Siebenbuͤrgische Deputation wird erst aus der Mitte des neu einzuberufenden Landtages gewaͤhlt werden, und also erst späͤter hier eintreffen.

Zu Triest wurde am 19ten d. um 1 Uhr 19 Minuten ein ., Erdbeben verspuͤrt, welches jedoch keinen Schaden an— richtete.

Berichten aus Scutari zufolge, ist es in Albanien neuer— dings unruhig. Man moͤchte dieses Land, mehrjaͤhrigen Beobach— tungen gemaͤß, den politischen Barometer fuͤr den Stand der Dinge in Aegypten nennen. Man weiß naͤmlich, daß, so oft Mehmed Ali mit einem Wagstüͤcke umging oder einen Angriff befuͤrchtete, in Albanien ein Aufstand ausbrach. So zeigte in neuester Zeit der Stand der Dinge in Albanien die Verhaͤltnisse Syriens an. Ganz entsprechend der mehr oder minder gefaͤhrli— chen Stimmung in diesem Lande und der hieraus entspringenden großeren oder kleineren Gefahr von Seite der Pforte, wußte Mehmed Ali stets durch Geld und Versprechungen die Sachen in Albanien zu gestalten, um dort die Pforte zu beschaͤftigen und ihre Absichten gegen Syrien zu durchkreuzen. Ohne Zweifel ist es jetzt die Pest, welche Mehmed Ali veranlaßt, durch seine Kreatur, Tafil Busi, Albanien abermals zu insuͤrgiren; denn diese Seuche koͤnnte ja Aegypten so schwaͤchen, daß die Pforte dadurch zu einer Wiedereroberung ihres Eigenthums Anlaß erhaͤlt.

Spanien.

Madrid, 9. Mai. Schon oͤfter werden Ihnen meine Mittheilungen gezeigt haben, daß es nicht die Nord ⸗/ Provinzen allein sind, welche sich gegen die bestehende Regierung erheben, sondern daß auch in anderen Theilen der Halbinsel die öffent— liche Ruhe mehr oder minder bedroht wird. So hat man neuerdings in Sevilla und Ecija Karlistische Verschwoͤrungen entdeckt, deren erstere bedeutende Verzweigungen in Carmona, Cor— dova und Lucena hatte. In Catalonien sollen die Karlisten 13,00 Mann unter den Waffen haben, und gestern erhielten wir aus Biscaya die Nachricht von dem Unfall Iriarte's. Die Regie— rung hat noch nichts daruͤber bekannt gemacht, es heißt aber, er selbst sey getoͤdtet und 499 seiner Lefuÿte gefangen genommen worden. Zu gleicher Zeit ist der Pfarrer Merino wieder mit einem Corps von 50h Mann aus seinen Schlupfwinkeln her— vorgekommen und hat am 28. April ein Treffen mit den un— ter dem Obersten Azpiroz stehenden Königlichen Truppen ge— habt. Am auffallendsten ist die Nachricht von einer in Valbe— moro (halbweges von hier nach Aranjuez) entdeckten Verschwoͤ— rung; ein Garde⸗-Kuͤrassier toͤdtete dort den Anfuͤhrer; allein diese Sache liegt noch etwas im Dunkeln. Wir wissen nun, daß Valdez nach Pampelona gegangen ist. Mit Aufträgen von ihm ist vorgestern Herr Limia y Varela, Beamter im Kriegs-Mini— sterium, hier eingetroffen. Personen, die unterrichtet seyn wol⸗ len, behaupten, General Cordova habe in Betreff der dem Mi— nisterium gemachten Vorstellungen uͤber die Nothwendigkeit einer fremden Intervention die ihm vom Kriegs⸗-Minister ertheilten Vollmachten uͤberschritten. General Cordova hat sich nach Aran— juez zu der verwittweten Koͤnigin begeben. Man erwartete gestern Abend seine Zurückkunft, die aber noch nicht erfolgt zu seyn scheint. Eben dahin begab sich gestern, wie man sagt im

Das neue Universitaͤts-Gebaͤude wird nun, wie es heißt,

Interesse der Interventions-Frage, der Finanz⸗Minister Toreno,

Athen und Tausende aus den Provinzen waren zusammenge— stroͤmt, um Zeuge der dem Lieblingshelden der Nation, so wie Allen, die fuͤr das Vaterland geblutet, dargebrachten Huldigung zu seyn. Nachdem der Koͤnig mit seinem Gefolge die fuͤr ihn errichtete Tribune bestiegen, trat der Minister Nhizos Nerulos an den Sarg, der Karaiskakis Staub enthielt, und hielt eine der Bedeutung des Tages angemessene Rede; nach ihm sprach noch der Oberst-Lieutenant Spiros Milios, ein Waffengenosse des Helden, wenige kräftige Worte, in welchen er daran erinnerte, daß Karalskakis bei seinem Scheiden seine am und schutz los hinterlassenen Waisen dem Vaterlande empfohlen hatte. Hierauf wurde ein Trauer⸗-Gottesdienst gehalten, wobei der Bischof von Attika die Messe las; aber wer schildert die freudige Ruͤhrung, den graͤnzenlosen Enthusiasmus der Menge, als jetzt, in dem Augenblicke, wo die Gebeine in die Gruft gesenkt werden sollten,

der Koͤnig selbst an den Sarg trat, und mit ehrenden Worten

sein eigenes Großkreuz des Erloͤser-9Lrdens von der Brust nahm und es auf den Sarg legte? Immer neu erhob sich ein tausendstimmiges Lebehoch, so wie sich die Kunde dieser Koͤnigl. Anerkennung des Helden weiter durch die Menge verbreitete. Unter dem Donner des Geschuͤtzes und unter Trauer-Salven der zu beiden Seiten des Monuments aufgestellten Linie wurden endlich die Gebeine Karaiskakis in der fuͤr sie be— stimmten Nische, die der uͤbrigen Gefallenen aber in einer zwei⸗ ten gemauerten Gruft neben dem Denkmal beigesetzt, uͤber der sich ein Erdhuͤgel wie uͤber den Graͤbern der Helden der Vor— zeit erheben wird. Diese durchaus wuͤrdig und erhebend be— gangene Feierlichkeit hat einen tiefen Eindruck in den Gemuͤthern des Volkes hinterlassen, und die Bande, welche dasselbe an sei— nen jungen Herrscher knuͤpfen, noch fester geschlungen. Mit in—

fuͤr die Wiedergeburt des Vaterlandes sich geopfert, ehrenvoll an— erkannt gesehen, und Tausende und abermals Tausende sind jetzt wieder freudig bereit, wenn es seyn muß, fuͤr Koͤnig und Vater— land zu bluten, da sie wissen, daß sie „einen edlen Ruhm hinter sich lassen werden.“ Auch das einzige Vermaͤchtniß, das der sterbende Karaiskais seinen beiden Töchtern geben konnte, die Hinweisung auf die Dankbarkeit des Vaterlandes, hat des Köͤ— nigs Großmuth nicht unverwirklicht gelassen. Wie man vernimmt, hat Se. Majestaͤt jeder derselben fuͤnfhundert Strammen der be— sten Laͤndereien in der Eparchie Korinthia, und 6b90 Drachmen zur Aussteuer geschenkt,

O stin dien. Der Mofusil Akbar (eine in Agra erscheinende Zeitung) in der Naͤhe von Peschawer eine Schlacht lieferte.

Kampf auf Leben und Tod sey, . lich, mit einem Verluste von 3900 Mann.

Runschid Singh selbst setzte

seinen Franzoͤsischen Offizieren

nerster Zufriedenheit hat man endlich die Verdienste derer, die

vom 29. Dezember enthaͤlt die Nachricht, daß der Regent von Kabul, Dost Muhgmed Chan, der Armee von Runschid Singh Die Afgha⸗ nen waren in gelbe Farben gekleidet, zum Zeichen, daß es ein Sie schlugen die Sikhs gaͤnz⸗ Der General der Sikhs, Nu Nihal, der Enkel und Thronfolger von Runschld Singh, soll selbst gefallen seyn, was von größerer Wichtigkeit als die Schlacht selbst ware, wenn es sich bestaͤtigen sollte. sich auf die Erhaltung dieser Nachricht in Marsch gegen den Indus, an der Spitze der von organisirten Brigaden, deren Disziplin jedoch nicht besonders gut zu seyn scheint, denn

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