mit Schwierigkeiten und Gefahren verknuͤpft, seitdem der Preis stets schwankender geworden. Am ten d. war die vierte und am 14ten die fuͤnfte oͤffentliche Auction, jedesmal von 10,000 Cantar. Auf jener war der Mittelpreis 29, auf dieser 297 Piaster, was im Verhaͤltniß zu den Preisen in Europa keinen Vortheil abwerfen kann. Bis Ende Aprils waren aus dem Innern 74, 26 Ballen von der Aerndte von 1834 — 35 angekommen und wurden von hier abgesandt 13,102 nach Triest, 15, 902 nach Mar⸗ seille, 12, 344 nach England, Joh nach Livorno. In den Maga— zinen der Regierung lagen damals 23,600 Ballen und der Rest an Berd der Schiffe hier im Hafen. Von Getraide, Leinsaa— men, Saflor, Flachs u. s. w. ist bis jetzt nichts ausgefuͤhrt, daher auch nur noch sehr wenige Schiffe hier Ladung bekommen koͤn— nen. — Heute starben hier 8 Personen, worunter 8 an der Pest.
Inland.
Berlin 5. Juli. Nachrichten aus Schmiedeberg zu— folge, sind Ihre Koͤnigl. Hoheit die Frau Prinzessin Louise, Wittwe des Fuͤrsten Anton Radziwill, am 25sten v. M. nebst Familie von Dresden auf dem Schlosse Ruhberg eingetroffen.
— Der General der Kavallerie und kommandirende General des Sten Armee⸗Corps, Herr von Borstell, ist am 28sten v. M. von seiner Inspections⸗Reise, die ihn à Wochen lang von Koblenz entfernt gehalten, dorthin ,,
— Auf der Königl. Rheinischen Friedrich⸗Wilhelms⸗Univer⸗ sität zu Bonn befinden sich gegenwärtig 751 Studirende, und zwar: S3 evangelische Theologen (65 Inlaͤnder und 18 Auslän⸗ der); 163 katholische Theologen (153 Inlaͤnder und 10 Auslaͤn⸗ der); 244 Juristen (212 Inlaͤnder und 32 Auslaͤnder); 143 w (124 Inlaͤnder und 19 Auslaͤnder); 100 Philosophen und Kameralisten (85 Inlaͤnder und 15 Auslaͤnder); endlich 18 Nicht ⸗Immatrikulirte.
— Der in Breslau verstorbene Dom ⸗Voigtei⸗Amts⸗Regi⸗ strator Huͤbner hat eine Summe von 4000 Rthlr. zu milden Zwecken vermacht, und zwar: den katholischen Armen des Doms und Hinterdoms in Breslau 1090 Rthlr., dem katholischen Gym⸗ nasium daselbst fuͤr arme Schuͤler 1000 Rthlr., dem Buͤrger— Hospital zu St. Anna und dem Hospital fuͤr arme Dienstboten, jedem 506 Rthlr., endlich dem Blinden und dem Taubstummen⸗ Institut jedem 560 Rthlr. — Dem Hospitale der Elisabethine—⸗ rinnen zu Breslau ist von dem zu Strehlen verstorbenen Fraäͤu⸗ lein von Radzikowska eine Summe von 500 Rthlr. zur Stiftung eines Krankenbetts, und dem dortigen Selenkeschen Institute fuͤr verarmte Kaufleute von dem in Breslau verstorbenen Schul— anlegen Groͤning ebenfalls eine Summe von 590 Rthlr. zuge— allen. — In dem zweiten Quartale d. J. sind in den Hafen zu Swinemünde 234 Schiffe, von zusammen 17, 056 Lasten groß, eingelaufen. Darunter befanden sich 37 Dänen, 4 Mecklenbur— ger, 2 Hanseaten, 1 Russe, 5 Schweden, 4 Norweger, 8 Eng—⸗ laͤnder, 4 Hannoveraner, 4 Oldenburger, 26 Niederlaͤnder, 2 Oester⸗ reicher, 1 Franzose, 1 Amerikaner und 137 Preußen. Beladen waren 185 Schiffe (14,388 Lasten groß), geballastet 41 (2225 Lasten groß) und 9 (443 Lasten groß) waren Nothhafner. — Ausgelau— fen sind in demselben Zeitraume 331 Schiffe von zusammen 23, ti Lasten Größe. Davon waren 278 (18, 86s Lasten groß) be⸗ laden, 43 (5852 Lasten groß) geballastet und 8 (408 Lasten groß) Nothhafner. — Von den eingelaufenen 137 Preuß. Schiffen waren 113 beladen, 16 geballastet und 8 Nothhafner, und unter den ausgelaufenen Schiffen befanden sich 4 Preußische, wovon . beladen, 19 geballastet waren und 7 zu den Nothhafnern gehörten.
Auf Requisition der Kaiserlich Russischen Gesandtschaft am hiesigen Hofe wird die nachstehende Bekanntmachung hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht:
* Bekanntmachung.
Die Podolische Gouvernements Liquidatlons-Kommission, neuerdings benachrichtigt von der Confiscation des beweglichen und unbeweglichen Vermögens des Johann Cybulsky, Romuald und Eustach Januszkiewicöb, des Vicars der Czarnokozinschen Kirche, Geistlichen Borkowski, des Kollegien-Registrators Hiero— nim Raczynski und des Fähndrichs Tarczyuski, macht auf Grund⸗ age der am 28. Juni 1832 Allerhoͤchst bestäͤtigten Vorschrift Fol— gendes hiermit oͤffentlich bekannt:
1) Daß alle Kreditoren der ehemaligen Besitzer dieses konfis⸗ zirten Vermoͤgens, ohne den Ablauf der Termine zur Be— friedigung ihrer resp. Forderungen abzuwarten, sofort ihre Anspruͤche mit Beibringung aller zu denselben gehorenden Akten, Dokumente, Pfand-Verschreibungen und uͤbrigen Beweise dieser Podolischen Liquidations⸗-Kommission einzu— reichen haben, und zwar diejenigen, welche in Ruß— land und dem Koͤnigreich Polen wohnen, innerhalb 5 Monaten, diejenigen aber, welche sich im Auslande be— finden, spätestens binnen 12 Monaten, gerechnet von dem Tage des Erscheinens der ersten gedruckten Publication in einer der öffentlichen Zeitungen kene Russischen Haupt⸗ staͤdte, in einer der Warschauer Zeitungen oder dem Lithauischen Courier; wobei noch bemerkt wird, daß nur diesenigen unbestrittenen und nicht durch Pfandrecht ge— sicherten Schuld- Dokumente in die allgemeine Schulden⸗ masse, als zur Befriedigung geeignet, aufgenommen wer— den koͤnnen, welche bis zum Anfange des Aufruhrs in Rußland ausgefertigt worden sind; — diejenigen aber,
e, = 758 welche im Koͤnigreich Polen oder im Auslande contrahirt wurden, werden gaͤnzlich abgewiesen werden.
2) Haben sowohl Privat⸗Personen, als Kirchen, Kloͤster, Lehr⸗ und Wohlthäͤtigkeits⸗Anstalten, so wie die Kollegien allge⸗ meiner Fuͤrsorge, ihre Anforderungen an gedachtes konfis⸗ zirtes Vermoͤgen dieser Kommission ebenfalls binnen 6 Mo⸗
naten anzuzeigen.
3) Die Schuldner der oben erwaͤhnten Personen, deren Zah—⸗
lungs⸗Verbindlichkeit bereits eingetreten ist, haben sofort die schuldige Zahlung zu leisten, die uͤbrigen aber binnen dem festgesetzten Termin von 6 Monaten ihre Schuld⸗Verpflich⸗ tung dieser Kommission anzuzeigen. Alle diejenigen, welche von gedachten Personen bewegliches Vermoͤgen, Kapitalien, oder was immer fuͤr Dokumente, oder sonst denselben zugehörige Kredit-Billets und Obliga—⸗ tionen in Haͤnden haben, sollen solche saͤmmtlich in dem Zeitraume von 6 Monaten ebenfalls dieser Kommission ein⸗ reichen und derselben zugleich von allen auf diesen Guͤtern k Gunsten der fruͤheren Eigenthuͤmer haftenden Gerecht— amen Anzeige machen.
3) Die Gouvernements⸗Confiscations⸗Kommissionen, die Ka⸗ meralhöͤfe und uͤbrigen Behoͤrden und Obrigkeiten werden ersucht, in gleichem Zeitraume von 6 Monaten diese Kom⸗ mission zu benachrichtigen von allen ihnen bekannt gewor—⸗ denen Schulden der fruheren Eigenthuͤmer dieser konfiszir⸗ ten Guͤter, von den von ihnen erwirkten Zahlungen und noch zu erhebenden Geldern, so wie von deren Forderun⸗ . an verschiedene Privat⸗Personen und Behoͤrden, deren
beweglichem und unbeweglichem Vermoͤgen, ihnen zugehoͤ— rigen Kredit⸗Billets und Obligationen und von ihren etwa— nigen Nutzungs⸗Rechten auf Kron- oder Privat⸗Guͤter. Die Gerichts⸗Behoͤrden werden angegangen, ungesaͤumt diese Kommission von allen bei ihnen wegen Schuldforderungen an oftgenannte Personen anhaͤngigen Prozessen in Kennt niß zu setzen, so wie von den angemeldeten Forderungen derselben an Privat⸗Personen oder Behoͤrden, mit Bemer⸗ kung des wahrscheinlichen Belaufs und der Dokumente, auf welchen sie beruhen.
7) Diejenigen, welche den obengenannten Verpflichtungen nicht nachkommen, setzen sich allen den Folgen und der Verant⸗
wortung aus, welche durch die allgemeinen Gesetze des
Reichs fuͤr die zum Publications-Termin unterlassene An⸗ meldung der Schuld-Forderungen an Zahlungsunfaͤhige nicht zum Handelsstande gehoͤrige Personen, so wie gleich— maͤßig fuͤr Verheimlichung denselben zustehender Geldzah— . Vermoͤgen, Kapitalien und Dokumenten, festgesetzt ind. .
In Auftrag der Podolischen Liquidations-Kommission den 12. November 1834 und den 20. und 21. Februar 1835.
(unterz.) Secretair Johann Kakurin.
Meteorologische Beobachtung.
Morgens Rachmitt. Abends J Nach einmaliger 6 Uhr. 2 Ubr. 10 ur. I Beobachtung.
837, 25 Par. ss, S O Par. 337, 0 Par. Quellwärme 7, 2 R. 12,95 * ö. 22,99 R. 16,32 R. Flußwärme 18,6 9 R. 12,9 R. lz, . R. 1. * R. Zodenwärme 12,00 sa gt. Sz p81. S6 16. run o, e. 2.
Wetter.. heiter. heiter. bewol kt. . .
Winb .... O. O. W. Niederschlag C.
Wolken zug — O. — Nachtkälte 11, 62 R. Tag esmlttel: 336, 3“ Par. . 17,7 R. . . 12,29 R.. 72 pCt.
1833. *. Juli.
Luftdruck.
Luftwarme Thaupunkt Dunstsattg
Aus wärtig e körs cen.
Amater dam, 30 (Inni.
Niederl. wirkl. Schuld 535. 53 do. 100]. Kanz - Bill. 9. MF Amort. 985. 3358 80.
oz. Hreuss. Präm.- Scheine 111. do. A3 Anl. —.
392 28. Span. 53 A0 TZinsl. —. Cortes 21] Hamburg, 3. Jusi. EoI. Russ. 1053. Hope in Cert. 83. Preuss. Prüm. Feheine 1213. Holn. 1373. Neuss Poln. Anl. 174. Dän. — bort. 53 sz3.
3 86.
Cons. 383 913.
Ausg. Schuld 1. Russ. 983 Oestecr. Span. 5 A0.
Antwerpen, 29. Juni.
London, 30. Juni. Hel. 39. Span. Cortes M84. Obl. v. 183 2. Linal. 123. Ausg. 183. 233 Holl. 355. 53 do. 1007. Hort. 33 S833 33 59. Eugl.« uss. —. Bras. S3. Columb. v. 1823 36. Mex. 364. Peru 39. Chisi A6. Wien, 30. Juni.
A3 9715. Neue Anl. —. Bank- Actien 133.
vz Met. 10133
Königliche Schau spiele.
Montag, 5. Juli. Im Schauspielhause: Preciosa, Schau— spiel mit Gesang und Tanz in 4 Abth., von P. A. Wolff. Musik von C. M. v. Weber. (Hr. v. Heidewaldt, vom Großh. Hof⸗Theater zu Strelitz: Don Alonzo, als letzte Gastrolle.)
Dienstag, 7. Jult. Im Schauspielhause: Der Stiefva— ter, Lustspiel in 3 Abth, nach Hollberg, von E. Raupach. Hier— auf: Der reisende Student, musikalisches Quodlibet in 2 Abth.
Koöͤnigstädtisches Theater.
Montag, 6. Juli. List und Phlegma, Vaudeville in 1 Akt, von L. Angely. (Dlle. Muzareili, vom K. K. priv. Theater an der Wien zu Wien: Adolphine, als zweite Gastrolle.) Hierauf:
Vorsitze eines der Vice-Praͤsidenten der Kammer.
66 hat er es doch gut gemacht, Lustspiel in 3 Akten, von lbini. Dienstag, 7. Juli. Die Familien Capuleti und Monteccht Oper in A Akten. Musik von Bellini. (Dlle. Vial: Romeo, q Gastrolle. — Dlle. Gerhardt, vom Stadt⸗Theater zu Leipzig neu engagirtes Mitglied dieser Buͤhne, Giulietta, als zweite Debuͤt. — Hr. Bayer, Koͤnigl. Bayerischer Hofsaͤnger zu Muͤn— chen: Tebaldo, als vorletzte Gastrolle. Zum Schluß des dritten Akts wird Hr. Bayer eine Arie aus der Oper: „der Pirak' von Bellini singen.) .
Preise der Plätze: Ein Platz in den Logen und im Balln des ersten Ranges 1 Rthlr. ꝛc.
— K—
Neues
em / /// ///
te Nachrichten.
Paris, 29. Juni. Der Fuͤrst von Talleyrand speiste vn gestern in Neuill) beim Koͤnige. (Die Ankunft des Fuͤrstz war noch von keinem Blatte gemeldet worden; erst heute ber̃ tet der Messager, der Fuͤrst befinde sich bereits seit 2 Tagen! Paris.) Abends wurde der Preußische Gesandte von Sr. M jestàaͤt empfangen. Gestern Mittag begab der Koͤnig sich, in M gleitung der Grafen von Montalivet und von Argout, neh Versailles.
Die Pairs hielten heute eine legislative Sitzung unter den Der Barn Pasquier ist so weit wieder hergestellt, daß er in der morgenda Sitzung des Pairshofes den Vorsitz wird fuͤhren konnen.
Der Bruder des Herzogs von Broglie ist vor einigen R gen aus London hier angekommen.
Am 23sten und 24sten d. haben in Toulouse einige Unruh
bei Gelegenheit einer Serenade stattgehabt, die dem Deputirh Dugabé am 23sten gebracht wurde, welcher einige Tage zun dort angekommen war. Es bildeten sich mehrere Gruppen, we che die Marseillaise anstimmten. Es entstand Streit, und bewaffnete Macht mußte einschreiten, um die Haufen zu zerstreuen Dies wurde auch am 2äasten, als sich die Gruppen wieder sa melten, noͤthig.
In Agde, wo die Cholera wieder ausgebrochen ist, waren q 18ten vier Todesfaͤlle, am 19ten fuͤnf, am 2bsten acht und 21 sten drei, im Ganzen seit dem 1. Juni 197 Todesfaͤlle vorg kommen. Das Geruͤcht, daß die Cholera in Toulon ausgebn chen sey, hat sich leider bestaͤtigt. Doch ist die Seuche bis zu 23sten nicht uͤber das Arsenal hinausgedrungen. Die Slg selbst ist noch frei. Bis zum 23sten waren neun Faͤlle von kommen, unter diesen 6 Todesfaͤlle.
Der Moniteur berichtet nach einer gestern Abend hier ch gegangenen telegraphischen Depesche, daß Bilbao sich am Asca Abends noch gehalten habe. — Ueber die angeblichen Beschlis des Minister-Raths wegen der Absendung der Fremden-Legin nach Spanien enthaͤlt dieses Blatt auch heute noch nicht eben so wenig das Journal de Paris. Mittlerweile will! Messager wissen, daß die Convention in Bezug auf die Fra den-Legion gestern von dem Minister der auswaͤrtigen Angelegh heiten und dem Spanischen Botschafter unterzeichnet worden so
Der Herzog von Frias hatte heute Morgen eine lange Kn ferenz mit dem General Desmichels. Der Herzog giebt sich, n verlautet, auch alle mogliche Muͤhe, eine abermalige Anleihe von? Millionen Fr. unter der Garantie Englands, Frankreichs un Portugals zu Stande zu bringen. 3.
Alle Offiziere und sonstige Freiwillige, die in Spanisc Dienste treten wollen, muͤssen sich hier beim General-Lienrenn Pajol, kommandirenden General der ersten Militair-Dipssu melden.
Die Boͤrse war heute sehr bewegt; man schloß aus der] fassung der obigen telegraphischen Depesche, daß man der Ch tulation von Bilbao von einem Tage zum anderen entgegenseht muͤsse; uͤberdies weiß man schon seit mehreren Tagen nicht, we aus Valdez geworden, und dieser Umstand erhohte die Besoh nisse. Ueber die Folgen des Todes Zumalacarreguy's verlaun noch nichts Naͤheres; daß die Karlisten den Muth nicht veth ren haben, beweist die Fortdauer der Belagerung von Bihhn Die Lage dieses Platzes an einem ziemlich breiten Flusse un einige feste Vertheidigungswerke in Leinen Flanken machen d Einnahme desselben nicht leicht. Die kleine Stadt Portugaleth die Bilbao als Hafen dient, ist etwa 3 Lieues davon entfe Bereits am 20sten waren dort fremde Huͤlfstruppen angeln men; sie konnten aber nicht zur Stadt gelangen, weil die Re gerer durch die Versenkung mehrerer Fahrzeuge die Schiffft auf dem Flusse gehemmt hatten.
— Heute schloß proc. Rente 1098. —. 3proc. 78. I0. Syn Neap. 95. 960. Span. 5proc. 40. Cortes 355. Coup. l Ausg. Schuld 161. 2 proc. Holl. 57. 16.
Frankfurt a. M., 2. Juli. Oesterr. 5proc. Me 1025. 106118. proc. 98. 8 1. 23 proc. 77. 573. 1proc. G. Bant⸗Actien 1616. 1614. Part. Obl. 1403. 1465. M zu so0 G. 1171. II7. Loose zu 106 G. 212.
Praͤm. Sch. ——. do. 4proc. Anl. 98. 973. Obl. von 1832 94. 933. Poln. Loose 66. G. Rente 393. 397. 3proc. do. perp. 244. 24.
Redacteur Co tt el. — 0 .
Gedruckt hei A. W. Hayn.
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Bekanntmachungen.
Bekanntmachung. Der dem Kaufmann Johann Samuel Zernecke zu— ehdrige, auf der Speicher Insel an der Mottlau
doe 34 des Hypotheken⸗Wuchs gelegene, auf 4y6 Thlr. 24 sgr. 3 pf Preuß. Courant gerichtlich veran⸗ schlagte Speicher, unter dem Zeichen der weiße Baer, welcher massiv erbaut, und funf Etagen hoch ist, soll in nothwendiger Subhastation gegen baare Zahlung verkauft werden.
Hierzu ist ein Termin auf
den dreizehnten Oetober dieses Jahres, vor dem Auctionator Herrn Engelhardt in oder vor dem Artushofe angesetzt.
Die Taxe, der neueste Hypotheken⸗Schein und die besonderen Kauf- Bedingungen können in unserer Registratur, so wie bei dem Auctionator eingesehen werden.
Danzig, den 25. Maͤrz 1835 Königl. Prenß. Land⸗ und Gtadtgericht.
laden,
Edietal - Ladung. Nachdem der Huͤfner Johann Friedrich Kuͤhn, in dem zu hiesigem Gerichts- Bezirke gehörigen Dorfe Nicska, bereits im nen Kriegsdrangsale eingetretener trüber .
sich entfernt; ohne seitbem von seinem Leben un Aufenthalte Nachricht gegeben zu haben, so werden Gerichtswegen auf den Antrag dessen nachgelasse⸗ ner praͤsumtiven Erben nicht nur Johann Friedrich Kuhn, sondern auch, im Fall derselbe nicht mehr am Leben sein sollte, alle diejenigen, welche an dessen Vermbgen Erbe⸗ oder andere Anspruͤche zu haben ver⸗ meinen, und zwar jener, unter der Verwarnung, daß er außerdem werde fur todt geachtet und sein Ver⸗ mogen den sich gebührend rechtfertigenden Erben oder Glaͤubigern überlassen werden, diese aber, unter der Bedeutung, daß sie außerdem werden fuͤr davon ausgeschlossen, so wie der Wiedereinsetzung in vori⸗ gen Stand fuͤr verlustig erklart werden, andurch ge⸗
pen 22. Geptember 1835,
Jahre 1811 in Folge der erlitte⸗
den 20. O
zu beschließen, und sodann den 1.
zu gewaͤrtigen.
Dezember 1835 der Erdͤffnung eines Erkenntnisses in der Sache sich
Schloß Zabeltitz, den 18. April 1835. Die Gerichte daselbst. A. W. Schenk, Dir.
Allgemeiner Anzeiger für die Preußischen Staaten.
vor uns in hiesiger Gerichtstelle gesetzmaͤßig zu er— scheinen, zuvorderst in Ansehung ihrer Person gehö—= rig sich auszuweisen, hiernaͤchst ihre Anspruͤche und Forderungen gehörig an⸗ und vorzubringen, hieruͤber nach Besinden mit dem hestallten Contradictor so— wohl, als unter sich . u verfahren,
o ber an welchem Tage die Akten inrotulirt werden sollen,
Cooper Vater VViteb, 1 Vol. Seo. Borderers, 1 Svo. Morier Ilajji Baba; 1 Val. Sro. Capt. Veayagée, 1 Vol. Svo. Bulwer's Student. 1 Vol. 1 Tur. Silvio Pelli Opere,. 2 grols. Vol. 3 Thlr. 109 68c. Gnerarri la Hattagsia di Beneyen 2 Vol. 126. 2 hl. 185 sar. Lon CQuijole w Mancha, en 1 Lol. Svo. 2 Thlr. 185 eęr. Don ejem plares de Miguel de Cervantes. 1 Vol, 1ñChIr. 20 sgr. Colletta Stora del Reame dis, pole dal 1734 sino al 1825, 2 Vol. Svo. 3] 10 str. Victor Hugo Angelo, 1 Vol. 12mo. I5'! Kérätry Saphira ou Paris et Rome sous lem 3 Vol. 126. 3 Thlr. Le prèche et la messe, ? 12mo. 2 Thlr. Barante eclunges historiques, 1 1 Thlr. Granseneuve par Mr. de Latouche, 2 12m0. 2 Thlr. Corbiëre Scenes de mer, 21
1835,
Litärarische Anzeigen.
A. Asher's Buchh., Linden No. 20: Baudry's Collection ol Norels à 1 Thlr. 20 sgr.
2
12mo. 2 Thlr.
Prenßischt Staats-Zeitung.
Allgemeine
2 1
Amtliche Nachrichten. Kronik des Tages.
Se. Majestaͤt der Koͤnig haben dem Ober-Prediger Ho— mann zu Schoͤnebeck, im Regierungs-Bezirk Magdeburg, den Rothen Adler⸗Orden dritter Klasse zu verleihen geruht.
Donnerstag, den Oten d. M., Nachmittags um 4 Uhr, wird die Koͤnigliche Akademie der Wissenschaften, zur Feier des Leib— nitzischen Jahrestages, eine oͤffentliche Sitzung halten.
Zeitungs-Nachrichten. Aus lan d. Frankreich.
Paris, 29. Juni. Der Groß-Referendar der Pairs,
Kammer, Herzog Decazes, hatte vorgestern Abend in Neuilly eine ,. beim Koͤnige.
Heute beginnen vor dem hiesigen Assisenhofe die Verhand- lungen eines Prozesses, der in der Reihe der causes eslòbres einen der ersten Plätze einnehmen wird und die Theilnahme der Pa— riser so lebhaft in Anspruch nimmt, daß schon vor einigen Wo⸗ chen kein Eintritts-Billet mehr zu dem Sitzungs- Saale zu haben war. Es vereinigt sich aber auch in der That Alles, um dieser Rechtssache sowohl in juristischer als in psychologischer Hinsicht das hoͤchste Interesse zu verleihen. Die Stellung, die der Ange—⸗ klagte, Emil de la Ronciere, Sohn eines General Lieutenants und Neffe eines Pairs von Frankreich, in der Gesellschaft ein⸗ nimmt; die Art des Verbrechens, die Nichtswuͤrdigkeit, mit der es angelegt, die rasende Kuͤhnheit, mit der es ausgefuͤhrt wurde, sind gleich geeignet, Schauder und Entsetzen zu erregen, waͤhrend auf der andern Seite das Schicksal des jungen Mädchens, die das Opfer der Unthat geworden, die tiefste Nuͤhrung einfloͤßen muß. Die hiesigen Blaͤtter theilen die Anklage⸗Akte vollstaͤndig mit. Folgendes ist das Wesentlichste aus derselben:
Emil de la Roncisre, Lieutenant im 1sten Lancier⸗Regimente, wurde von seinem Corps detaschirt, um den Lehr⸗Kursus an der Kavallerie⸗Schule zu Saumur, die unter dem Befehle des Generals Barons von Morell steht, mitzumachen. Er war 29 Jahre alt, als er Ende Maͤrz zu Saumur ankam, wo er sich bald durch sittenlosen Lebengwandel bemeetlich machte, weshalb ihn uch der General Morell, dessen Familie sich damals noch nicht in Saumur vefand, nicht zu sich einlud. La Roncisre speiste gewohnlich bei dem Gast⸗ wirth Marlier im Hotel de 1 Europe, und bald kamen anonyme Briefe mit den beleidigendsten Ausdruͤcken fuͤr die Frau des Wirths im Umlauf. Die Sache wurde so weit getrieben, daß die Familie Marlier sich gendthigt sah, Saumur zu verlassen. Anfangs August 1831 traf Frau von Morell, in Begleitung ihrer Tochter, Marie Morell, 15 Jahr alt, ihres Sohnes, Robert Morell, 12 Jahre alt, der Gouvernante der Tochter, Miß Allen, eines Bedienten, Sa⸗— muel Guilliüron, und eines Kammermaͤdchens, Julie Genier, bei ihrem Gemahl in Saumur ein. General Morell dff— nete nun sein Haus den Offizieren der Kavallerie -Schule. Unter ihnen war Octave Estouilly dem General persoͤnlich empfoh⸗ len, und durch seinen rechtlichen Charakter der freundlichen Auf⸗ nahme, die er fand, wohl werth. La Ronciere, der sich in seinem Benehmen gebessert zu haben schien, wurde auch in die Geselischaft gezogen, und kam bei einem Diner neben Fräulein Marie zu sitzen, gegen die er sich unter Anderem die unhoͤfliche e mn erlaubte: „Sie haben eine liebenswürdige Mutter; Schade, daß Sie ihr so wenig gleichen.“ Wenige Tage nach dem Eintreffen der Frau von Morell fand man an mehreren Orten im Hause anonyme Liebes⸗ briefe an sie, wogegen bald darauf Miß Allen und Fräulein Morell Briefe voll großer Beleidigungen erhielten. Ein Billet an die Mutter, unterzeichnet: E. de la R., endigte, wie folgt: „Ich werde heute den ganzen Tag um Ihr Haus herumstreifen; sehe ich Sie ausgehen, so soll mir das ein Zeichen seyn, daß Sie die Huldigung meiner ehrfurchtsvollen Liebe annehmen.“ Zur Stunde, wo Frau von Morell auszugehen pflegte, oͤffnete der General die Fenster nach der Loire⸗ Brücke und sah La Roncière dastehen, der sich sogleich entfernte. (Diese Angabe und andere derartige sollen als Beweise dienen, daß die anonymen Briefe wirklich von La. Roncière herrührten. Es wird sich im Verlaufe der Debatten zeigen, wie viel auf diesen Punkt ankommt, und wie sehr sich bier die Schwierigkeiten haͤufen, da die Kunstverstaͤndigen in den anonymen Briefen die Handschrift La Ronciere's nicht er— kennen wollen. Auch General Morell erhielt anonyme Zuschriften; man sagte ihm geradezu, der Zweck sey, Verwirrung und Ünfriede in die Familie zu bringen. In einein Briefe an das Fräulein heißt es; „Mein Haß wird Folgen haben, die Mariens Lebensgluͤck ver⸗ giften sollen. Der Tod waͤre für sie eine Wohlthat, denn sie wird ibr Daseyn in Kummer und Plage hinschleppen.“ Gleichzeirig er— hielt Herr von Estouilly, der in eben nicht freundschaftlichen Ver⸗ haͤltnissen mit La Roncisre stand, anonyme Briefe aͤhnlichen Inhalts. Am 28. August 1834 zeigte Estouilly einen dieser Briefe dem Lieutenant Ambert. Der Unbekannte segt⸗ darin: „Ich werde die Ruhe der Familie Morell und die Deinige zu sibren wissen. Heute sch reibe ich an Marie und suche sie recht zu dem äthigen. Ich habe den Brief mit Beinem Namen Estouilly) unterzeichnet, er wird sicher in Mariens Hände kommen, denn ich habe einen der Bedienten mit 3 Fr. bestochen.“ Estouilly, indignirt über die Bosheit, eilte zu Madame Morell; der Brief war wirklich gekommen! — Am 8. September erhielt Estouilly aber— mals ein Schreiben, das bei den Akten ist. Man bemerkt darin fol— gende Stelle: „Ich habe Grund, zu vermuthen, daß Sie dem Ge⸗ ral Alles gesagt haben. Damit haben Sie mir esnen wahren
lenst erzeigt. Marie wird um so mehr gequaͤlt. Ich habe mir en pagr Worte von ihrer Hand verschafft, und bemühe mich nun, se nachzumadzen; wie es snir gelungen, mögen Sie aus der An⸗ lage seben. Ich spitze meine Feder zu, um Fhnen im Namen der armen Trolllosen Artigkeiten zu sagen.“ In der That fand sich in diesem Briefe ein Billet, unterschrieben: „Marie von Mo⸗ rel, dem Anscheine nach von ihr an Esoulliy gerichtet. Sie a. ihm darin sein kaltes Benehmen in den wunderlichsten Aus⸗ a vor. So sagt sie. „Du bist hart wie ein Felsen, und I bin doch so sanft und zaͤrilich; ich liebe Dich, denn Bu bist heben ß warvig.. — Estouslly wollte La Ronciore fordern; aber er General, für die Ehre seiner Tochter beforgt, brachte ihn davon Am 11. September erhielt Tsönsnn ghermals zin anonymes
schriften durch Sachverstaͤndige zu
Berlin, Dienstag den 7tin Huli
2
18355.
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Schreiben, dessen Inhalt auf verderbliche Plaͤne deutete: „Meine Rache zu befriedigen, muß ich Blut sehen; nicht lange, und die junge Bluͤthe wird dahin welken; aus dem Fräulein foll eine ent— wuͤrdigte Kreatur werden; willst Du sie so, man wird sie Dir an den Hals werfen; ich liebe sie zum rasend werden, d. h. ihr Geld. Gern haͤtte ich ihr den Kopf verrückt, aber sie trug das Naschen fo hoch, daß ich mich nicht getraute, ihr eine Erklarung zu machen.“ „Am 21. September gäb der General eine musikalifsche Soirée. La Ronciere kam auch hin. Herr von Morell ließ ihn in den Speise⸗ saal rufen, und sagte im Beiseyn des Capitain JFaquemin zu ihm: „Aus besonderen Gruͤnden ersuche ich Sie, nicht mehr in mein Haus zu kommen; entfernen Sie sich.“ — La Ronciere ging fort, ohne ein Wort zu sagen. Am andern Morgen besuchte er den Ea⸗ pitain Jaquemin, und bat ihn, ihm zu erklaͤren, was der Auftritt am vergangenen Abend zu bedeuten gehabt habe. Jaquemin gab ihm zwei Ursachen an; die ungrtigen Worte an Mlle. Morell bei dem obigen Diner und die anonymen Briefe. La Ronciore fragte hierauf den Lieutenant Ambert, was er thun solle. Ambert rieth ihm, auf Verleumdung zu klagen, und eine Untersuchung der Hand— d . fordern. Der Rath gefiel dem La Ronctere nicht, und doch hatte die Scene am 21. Sept, im Spei⸗ sesaale Morell's seinen Zorn aufs aͤußerste gesteigert. Er zog vor, seine Drohungen durch ein unerhörtes Attentat gegen Fräulein Mo⸗ rell zu verwirklichen. - Am 3 n 23. Sept. waren Herr und Frau von Morell im Theater. ie Tochter, die zu Hause ge⸗ blieben war, hatte Besuch von einigen Freundinnen. Als diese fort⸗ gegangen waren, begaben sich Fraͤulein Morell und Miß Allen, ohne die Ruͤckkehr der Acltern abzuwarten, zur Ruhe. Die Gouvernante hatte vor dem Schlafengehen die Thüre nach dem Gang, wie sie immer zu thun gewohnt war, vorsichtig zugeschlossen. Um 2 uhr in der Nacht wird Marie plotzlich aufgeweckt durch das Geklirr ei⸗ ner eingeschlagenen Scheibe. Das Fenster geht auf und ein Mann steigt ein. Er stuͤrzt sich auf die Thuͤre nach dem Schlaf-Kabinet der Miß Allen. Als Marie dies sieht, erhebt sie sich rasch und stellt sich hinter einen Stuhl unten am Bette. Hier nun konnte sie, beim hellen Mondschein, den Eingedrungenen ins Auge fassen. Er war von mittlerer Statur, im Tuchuͤbcrrock, mit einer rothen silberbor⸗ dirten Mütze. Um das Gesicht hatte er eine schwarze . Binde, unterm Kinn her uͤber die Ohren gezogen. Sein Blick war zum Erschrecken. Marie erkannte den La Ronciere, als derselbe mit den Worten uͤber sie herfiel: „Ich komme, mich zu raͤchen.“ Er konnte nlcht gleich ihrer maͤchtig werden, denn sie hielt sich fest an den Stuhl, hinter welchen sie sich gefluͤchtet hatte. Nachdem er ihr aber diese Schutz— wehr entrissen, faßte er sie bei den Schultern und warf sie zu Bo—⸗ den, ihr das Nachtkamisol entwindend, das sich nicht wiedergefun⸗ den hat. Dann band er ihr ein Tuch um den Hals, und zog es so fest zu, daß sie kaum noch Athem holen konnte; hierauf nahm er inen Strick, wand ihn um den Leih des Mädchens, und schnuͤrte ihn mit aller Kraft zusammen. Jetzt fing er an, sie groͤblich zu miß⸗ handeln, 96 ste auf Brust kd Arm, biß ihr in das Handge⸗ lenk, und trat sie mit Fuͤßen. Sie horte ihn sagen: Er wolle stch raͤchen fr die Beleidigung, die ihm vor zwei Tagen widerfahren sey. Bei diesen Worten wurde er immer wuͤthender, und verdop⸗ pelte seine Mißhandlungen. Marie hat ausgefagt, wie er in die⸗ sem fuͤrchterlichen Augenblick mit graͤßlichem Hohne sie angefletscht und dabei ausgerufen habe: „Seit ich Dich kenne, fuͤhlte ich den Wunsch in mir, Dich zu verderben.“ Wie weit der Frevler in der Mißhandlung gegangen, laͤßt der Anklage—
kt nur vermuthen. Genug, daß er zuletzt noch ein Meffer nahm, und der ungluͤckllchen einen Stich beibrachte. Marie war in Bewußtlosigkeit und Ohnmacht versunken; der Schmerz weckte sie auf und ein durchdringender Schrei entfuhr ihrer Brust. Miß Allen, die bis dahin ruhig fortgeschlafen hatte, wurde dadurch aufge⸗ schreckt, eilte herbei, und suchte die verriegelte Thür einzusprengen. La Roneidre, als er den Laͤrm hoͤrte, stand jetzt auf und sagte. „Nun hat sie genug!“ legte einen Brief auf den Tisch und entfernte sich, wie er gekommen war, durch's Fenster. Als die Gouvernante durch die gesprengte Thur ins Zimmer trat, fand sie Marien ohnmaͤchtig und fast nackt auf dem Boden liegen. Der Hals war mit einem weißen Tuche, der Korper mit einem Strick umwunden und enge geschnürt; an mehreren Orten sah man Blutflecke. Es dauerte lange, che die Ungluͤckliche auf die Fragen der Gouvernante zu antworten ver— mechte; so wie sie aber zů sich gekommen war, erzaͤhlte sie der Miß Allen den ganzen Vorgang mit allen Einzelnheiten, wie sie oben an— geführt worden sind. Sie bat dringend, ihre Aeltern nicht gleich wecken zu lassen. Erst gegen 6 Uhr Morgens brachte ihnen die Gouvernante die Kunde von der nächtlichen Graͤuel⸗Scene. Zufaͤllig sah Marie, waͤhrend Miß Allen hei ihren Aeltern war, zu dem offenen Fenster nach der Bruͤcke hinaus; da fallt ihr Auge auf La Ronciere im Ueberrock, mit der Mätze, wie er ihr noch vor Au—⸗ gen stand. Er aber sah hinauf nach dem Fenster und laͤchelte! — Baron Morell und seine Gemahlin, als sie ins Zimmer traten, fanden bestäͤtigt, was ihnen Miß Allen berichtet hatte. Sie sahen die eingestoßene Scheibe, die Blutflecken, das Tuch und den Strick, wodurch der Angstruf ibrer unglücklichen Tochter erstickt worden war. Auch ihnen nannte Marle den La Ronctere als den Thaͤter; sie hat auch spaͤter in die⸗ ser Angabe nie geschwankt; sie ist fest überzeugt, daß La Ronclere es war, der sie mit teuflischer Bosheit dem Verderben geweiht hat. Man muß mit den widerstrebenden Gefuͤhlen vertraut seyn, welche bei so . Ungluͤck eines Kindes das Mutterherz bewegen, um erklaͤrllch zu finden, daß Frau von Morell Alles aufbot, das Vor⸗ gefallene geheim zu halten. Auch geschah keine Anzeige bei den Berichten, die erst spaͤter einzuschreiten Veranlassung bekamen. — La Ronciere hatte, wie bemerkt worden, einen Brief zuruͤckgelassen. Derselbe war versiegelt und an Frau von Morell uͤberschrieben; das Datum war: Mittwoch Nacht 1 uhr; der Inhalt wie folgt: „Sie allein sollen den wahren Grund des Verbrechens erfahren, das ich zu begehen im Begriff bin. Es ist ein großes Ver— brechen, das Reinste auf Erden zu befsecken. Ich habe Sie geliebt, ja angebetet. Sie haben mir dafüͤr nür Verachtung er it, Jetzt will ich Ihnen ein Recht geben, mich zu hassen. Ich bat Sie einmal, auszugehen: an dem Täge blieben Sie auf Ihrem Zimmer. Der Elende (Estouilln) war so unverschaͤmt, Herrn von Morell Alles zu sagen. Ich habe ihm geschrieben, wo ich ihn faͤnde, wurde ich ihm das Siegel der Schmach aufs Gesicht drücken. Ich erwarte ihn auf dem Kampfplatz. Ganz Paris soll erfahren, was Ihrer Tochter 1 Saumur geschehen ist. Ich reise ab: es soll mir nicht vergönnt seyn, mich an Ihrem Schmerz weiden zu kön—
nen!“ — Wirklich erhielt Estouilly am Mittwoch, 24. September,
um 9 uhr Vormittags durch die Stadtpost eine Herausforderung. Sie war von derselben Hand, wie die fruheren anonymen Briefe, ezeichnet: „Emil de la Ron. “, und lautete so: „Sie sind ein
ender, ein Feiger. Jeder Andere würde, nach den Briefen, die ich Ihnen schoͤn geschrieben habe, Genugthuung gefordert haben. Statt dessen haben Sie mich bei dem General angegeben. Sie sind eine Memme,. Ich werde Ihnen erster Tage das Slegel der Schmach auf das Gesicht druͤcken. Es mird sich zeigen, was Sie dann thun
werden.“ — Nach einem solchen Schreiben konnte sich Estouilly nicht laͤnger durch den Rath, den ihm der General gegeben hatte, gebunden achten. Er ging zum Lieutenant Ambert und erbat sich ihn zum Sekundanten. Zwei Stunden spaͤter schlug er sich mit La Ronciere, der Herrn Bergil zum Sęekundanten hatte. Das Loos der Waffen war dem Beleidigien unguͤnstig; Estouilly wurde durch zwel Degenstiche im Arm und an der Hüfte verwundet. Vor und nach dem Duell war La Roncisre dabei geblieben, die anonymen Briefe seyen nicht von ihm. Estouilly, als er sich verwundet sah, versuchte noch einmal, den La Roncière bei der Ehre zu greifen, „ Gestehe“ — sagte er zu ihm — „und Alles soll vergessen seyn. Allein La Ronctoͤre weigerte sich hartnäckig. Estouill drohte, er werde ihn vor Gericht belangen, worauf La Ronecisère aͤußerte: er wuͤnsche selbst, die Sache möge untersucht werden; man solle ihm nar die Briefe zustellen, er wolle sie dem Königl. Prokurator uͤber⸗ geben. Ambert gab dies nicht zu; er besorgte, La Roncisre mochte die Beweise seiner Schuld vernichten. In dessen kam es , . den vier Offizieren zu weitern Expliegtionen und La Ronctere be⸗ stimmte sich zuletzt, eine Art von Gestaͤndniß abzulegen. Es befin⸗ det sich bei den Akten cin Brief an Estouilly, ganz von La Ron⸗ cière's Hand und von ihm anerkannt; überdem war auch das Concept dazu unter seinen Papieren. In diesem Briefe heißt es:⸗ Mach den materiellen Beweisen, die gegen mich vorliegen — Beweise, die mich, wenn die Sache vor Gericht kaͤme, erdrücken wuͤrden — bin ich der Ehre meiner Familie schuldig, einen Schritt zu thun. Ich nehme alle Ausdrucke in meinen Briefen an Sie zu⸗ ruͤck, gestehe, daß ich diese Briefe geschrieben habe, und bitte Sie deshalb um i gang, Seyen Sie großmuͤthig und verschwiegen.“ — Und als Estouilly darauf forderte, er solle eben so gestehen, die anonymen Briefe, welche in das Morellsche Haus gekommen, ge⸗— schrieben zu haben, zugleich aber auf der Stelle Urlaub nehnien und Saumur verlassen, — fuͤgte sich La Ronciere auch diesem Ver⸗ langen. Sein zweites Billet an Estouilly lautet, wie folgt: „Ich dachte, Sie wuͤrden mit meiner Erklaͤrung von heute früh sich be⸗ gnuͤgen; allein Sie draͤngen mich noch mehr in meiner ungluͤckli⸗ chen Lage. Ich erklaͤre also, der Schreiber der anonymen Briefe zu seyn, die dem General Morell, seiner Gemahlin und seiner Toch⸗ ter zugekommen sind. Ich erklaͤre, an Fraͤulein Marie ein Billet, gezeichnet Estoutlly, und an Sie ein Billet, gezeichnet Marie von Morell, geschrieben zu haben. Ich habe mir ürlaub erbeten und reise heute Nacht ab.“ — Am 26. Sept. verließ La Roncière Sau— mur und begab sich nach La Fleche. — Man sollte nun denken, nach dem Duell und nach jenen Gestaͤndnissen mußten die anony⸗ men Briefe aufgehdͤͤrt haben. Aber nichts weniger als das. General Morell erhielt durch die Stadtpost ein Schreiben vom 24. September Uhr Morgens, worin mit frechem Wohl⸗ efallen auf das Attentat der Nacht hingedeutet wurde. „Mich dur⸗ gen nach Ihrem Blute, nach Ihrer Ehre, ich habe Alles erlangt. Ich hoffe, ja ich bin überzeugt, Marie bewahrt ein Pfand ihres Üngluͤcks. Ihre Schande soll hald das Gespräch von ganz Paris werden.“ In einem zweiten Billet an Marie frohlockt der Schrei⸗ ber über das Gelingen des verruchten Planes: „Sie sind nun das elendeste der Geschbpfe; der Mensch, der sich beigehen ließ, Ihr Ritter seyn zu wollen, ist halb zu Schanden gehauen; ich habe ihn gezeichngt! Mich durchzuckt ein Gefuͤhl der Freude, das an Wahn sinn graͤnzt; ich schwelge in dem Gedanken, daß Sie nun von mir abhaͤngig sind; ein graͤßliches Band wird uns an einander knüpfen; nach wenigen Monaten werden Sie mich auf den Knieen anflehen, um Ihnen und noch einen Wesen einen Namen zu geben.“ — In⸗ zwischen hatte sich Marie seit der Schreckensnacht vom 23. Septem- ber immer sehr unwohl befunden. Am 21. Oktober, als es eben mit ihrer Gesundheit etwas besser zu gehen schien, fand sie um 10 Uhr Abends auf ihrem Tische im Schlafzimmer ein Billet, gezeichnet E. R, worin es hieß „Was Dir am Liebsten auf Erden — Deine Mutter, Dein Vater, Estouilly — sie werden in einigen Monaten nicht mehr am Leben seyn. Du hast msch verschmaht, ineine Rache wird Dich treffen.“ Man fand Marlen ohnniaͤchtig am Boden liegen, das Billet zerknittert in der krampfhaft geschlossenen Hand. Als sie wieder zu sich kam, rief sie schluchzend? „Er mordet meinen Vater, meine Mutter!“ — Ihr Zustand verschlimmerte sich so sehr, daß man ihr die letzte n . Waͤhrend dieser Krankheiz erhielt Frau von Morell durch die Stadtpost einen Brief, worin La Ron⸗ ciere sich ganz enthüllte: „Ich habe nichts gethan, als Ihre Toch— ter meuchlerisch mißhandelt; ich wollte sie nur in Verdacht bringen und Ste dadurch in die Nothwendigkeit versetzen, mir ihre Hand anzubieten. Gewiß haben Sie ihr auch Vorschlaͤge in diesem Sinne gemacht, Sle wird nicht darauf eingegangen seyn, aus Liebe zu dem äbscheulichen Menschen, der alle meine Plane vereitelt. Jetzt athme ich nur noch Rache; ich muß Blut fließen sehen Warlich, Ihr Pro— tektor Gisquet wird mich nicht hindern.“ — Nun endlich sah die Familie Morell ein, daß laͤngeres Schweigen nur größeres unglück herbeiführen duͤrfte. Der General reiste nach Paris, und am 27. Oktober 1833 wurden die Gerichte angegangen, eine untersuchung einzuleiten. La Ronciere wurde am 28. Oktober auf der Straße verhaftet. Aus der Instruction des Prozesses ergiebt sich, daß er, durch die Masse der gegen ihn obwaltenden Beweismittel uͤberwäl“ tigt, nichts Besseres ausgedacht hat, als die Rollen zu wechfeln. Aus einem Angeklagten sucht er sich zum Anklaͤger zu machen. Fraͤulein Morell, ihre Mutter, die Gouvernante und Eslbull! sol⸗ len sich verstanden baben, ihn zu verderben. Er leugnet jeden gin theil an den anonymen Brlefen, stellt sich, als zweifle er an der Wahrheit deg Attentats, giebt zu versteben, Mariens Krankheit sey nur erkuͤnstelt, und will sogar glauben machen, mit der ganzen Er⸗— findung sey es nur darauf abgesehen gewesen, die Folgen eines ver⸗ traulichen Umganges mit Estoullly auf ihn, den ünschuldigen, zu werfen. , , , ,, ,, der Handschrlft in den anonymen Briefen fuhren. Wider al ez Erwarten scheint nun aber die Aussage der Kunstver? ständigen das Vertheidigungs-System La Roncierers zu unterstůtzen, denn zwät derselben erklaͤren: 1) daß alle in Rede stehenden Briefe von einer und derselben Hand geschrieben waren, und daß es nicht La Roncisre's Hand sey; 2) daß sie glaubten; der „Marie von Morell“ unterzeichnete Brief se von einer Frauenhand geschrieben. Zwei andere Kunstverstaͤndige sind aber noch viel wei ter gegangen; sie erklaren: 1) daß die 26 in Rede stehenden Briefe weder ganz noch theilweise von der Hand La Ronciere's wären: *) daß das kleine Billet an Herrn von Estouilly, gezeichnet, Marie von Morell“, und ein anderer Brief an demselben, gezeichnet „Victorine Moyert“ augenscheinlich von der Hand des Fräulcins Morell seyr 3) daß die 18 anderen Briefe, troß vem, daß die Zuge verstellt seyen, doch so zahlreiche Zeichen der Aehnlichkeit mit der Handschrift des Fraͤuleins Morell an sich trägen, daß s te ihr eben⸗ falls zugeschrieben werden müßt zn. In der Anklage Akte heißt es in Bezug auf diese Erklaͤrungen, wie folgt. „Der stärkste aller Beweise, die moralische Unmdglichkeit, erhebt sich gegen die Ansicht der Kunstverstündigen. Der Stil der Briefe, die in' benselben ent haltenen frechen Details, gestatten durchaus nicht, sie einem jungen