1835 / 187 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Absatze sind die Standbilder . der Griechischen Koryphaͤen aus dem Befreiungskriege angebracht: Botzaris, Karaiskakis, MIpsilantis, Kanaris, Miaulis ü. s. w. Auf dem zweiten Absatze stehen die Reiter⸗Statuen der vier Euergeten, jener Monarchen, welche gemeinschaftlich das neue Reich in die Reihe der Europaͤi—⸗ schen Staaten einfuͤhrten. Weiter zuruͤck stehen zwei niedere un⸗ gleich gestaltete Gebäude, welche die Staͤlle und Remisen des Schlosses enthalten. Zwischen dem letzten und Gruppen von Palmen und Cypressen fuͤhrt eine halbzirkelfoͤrmige 45 Fuß breite Nampe zu der obersten Terrasse, worauf die Königsburg steht. Diese ist 430 Fuß lang, 250 Fuß breit und enthalt drei Hoͤfe. Nach der Morgenseite stehen vor der Fagade zwei abgesonderte Gebäude in Form kleiner dorischer Tempel von der Art der Prostylen, wovon das eine die Hauskapelle, das andere die Schloß⸗ wache enthält. Vor diesen und vor dem Haupt-Eingang ist ein kolossales Bild der siegenden Hellas auf einem 30 Fuß ho— hen Piedestal aufgerichtet, welches wie ehemals die Athene Pro⸗ machos auf der 5 schon vom Piraͤeus aus sichtbar seyn wird. Auf dieser Morgenseite schließt die Hauptterrasse mit ei—⸗ nem Halbzirkel, welcher mit einer Reihe von Bader s nan, mit einem Springbrunnen und einem Garten⸗Parterre geziert ist. Auf der suͤdlichen Seite derselben ist erst wieder eine Rampe, welche die Zufahrt zum Pallaste von der Gartenseite und mithin vom Piräeus her unmittelbar gestattet. Unter einem achtsaͤuligen do— nischen Portikus ist der Haupteingang, welcher in ein vierseitiges Vestibul fuͤhrt, neben dem die große Treppe liegt. Im Innern sind die fuͤrstlichen Wohnungen in gehoͤriger Groͤße und Ordnung nach Osten und Suͤden angebracht, wahrend die Dienstraͤume und Zimmer die beiden andern Seiten einnehmen. An der Suͤdseite sind diese Zimmer mit großen Saͤulenhallen in Verbindung, welche theils durch Schatten, theils durch den Genuß der freien Luft und des erquickenden Meerwindes so sehr z. Annehmlichkeit suͤd⸗ licher Wohnungen beitragen. Nach der Westseite ist ein großer Zierhof durch zwei weitvorspringende Fluͤgel gebildet, welche im Erdgeschoß durch einen bedeckten Saͤulengang verbunden werden. In der Mitte dieses Hofes ist wieder eine kleine Anlage von Blumenbeeten, Fontainen und Palmenbaͤumen, welche in dieser Lage besonders gut gedeihen. In zwei von Osten nach Westen und von Suͤden nach Norden die Mitte des ganzen Planes durch⸗ schneidenden Querfluͤgeln ist das Festgemach, aus zwei großen und mehreren kleineren Saͤlen bestehend in der Art angebracht, daß jene beiden großen Sale im Erdgeschoß durch zwel Stock— werke reichen und im ersten Geschoß Säulenbalkone haben. Der erste großere Saal, etwa 110 Fuß lang und 50 Fuß breit, ist im Erdgeschoß durch zwei jonische Saͤulenpaare an jeder Seite geziert, welche den fortlaufenden Balkon tragen. Im ersten 6 stehen uͤber ihn Karyatiden, welche das sehr kuͤnstliche sichtbare Zimmerwerk der Decke und des Daches tragen. Dieses Zimmer werk ist von Cedernholz, gedacht mit reichen Verzierungen von feinem Schnitzwerk, Vergoldung und Malerei. Seine Gestal— tung hat besonders zum Zweck, weder unnuͤtze Constructions⸗ Stuͤcke anzuwenden, noch unnuͤtze Belastung derselben durch Zierden zu veranlassen. Der zweite Saal, von diesem ersten in beiden Stockwerken nur durch doppelte Saäulen⸗Reihen getrennt, hat ringsum eine Saͤulen⸗Stellung, welche Balkon und Decke tragen und eine freie Durchsicht in den Zierhof mit seinen Pal— men-Reihen und durch den Säulengang, welcher die beiden Hauptfluͤgel verbindet, in die Landschaft und auf den Hafen ge— währen. So ist ein jedes Gebäude fuͤr sich symmetrisch, aber nach jeder seiner vier Seiten verschieden. Die Zusammengrup⸗ pirung dieses Ganzen, der Ministerial⸗Gebaͤude, Terassen, Ram⸗ ven, Staͤlle und Remisen, so wie des Haupt-Schloß⸗Gebaͤudes, it durchaus malerisch und mit stetem Hinblick auf die Landschaft, in welcher sie stehen, behandelt. Das Aeußere dieser Gebaͤude ist theils von weißem Marmor, theils von den schoͤnen goldgelben Steinen aus dem Vorgebirge Muny—⸗ chia und der Ink! Aegistria gedacht, deren wechselnde Farben⸗ toͤne dazu dienen, die einzelnen Theile des Ganzen zu trennen, hervorzüheben oder unterzuordnen. Um aber eine durch Farbe und Betonung unterstuͤtzte Harmonie des Ganzen unter sich und mit der Farbenpracht der umgebenden Landschaft so wie des at⸗ tischen Himmels n erreichen, ist die Lithochromie der Alten auch bei dieser Architektur durch paßliche Farbung oder farbige Ver—⸗ zierung einzelner Theile der Architektur angewendet, und verfehlt nicht ihre große Wirkung. Moͤgen die Geschicke von Griechen⸗ land gestatten, daß dieses schoͤne Ganze bald zur , . komme und die neue Kunst sich in einem so bedeutsamen Werke neben den Resten der alten ansiedle!“

Inland.

Berlin, 5. Juni. Am gestrigen Sonntag erfolgte auf dem Wedding bei Berlin die feierliche Einweihung der daselb durch die Gnade Sr. Maj. des Koͤnigs neu erbauten Nazareth— Kirche in derselben Weise, wie am 24sten und 28sten v. M. die Einweihung der beiden neuen Kirchen in Moabit und vor dem Rosenthaler Thore. Der Bischof Dr. Neander hielt die Ein—⸗ e , und fuͤhrte den neuen Prediger, Herrn Blume, in sein Amt ein.

In der vorgestrigen Sitzung der hiesigen geographischen Gesellschaft trug Herr Professor Horkel eine Abhandlung vor über die Einführung und die Geschichte des Weinbaues in Au— stralien. Herr r. Maͤdler sprach, mit Zugrundelegung ei⸗ ner unter die Mitglieder vertheilten lithographirten Zeichnung uͤber die Mondlandschaft Tycho, und uͤber Herschels frühere Be—⸗ obachtung sogenannter Mondvulkane. Herr Geheime Rath Engelhardt las staatswirthschaftliche Bemerkungen uͤber die Insel Java und die im Jahre 183 daselbst vorhanden gewe⸗ sene Boden⸗Kultur. Herr Professor Ritter trug darauf ei⸗ nen Brief des Herrn Hr. Julius, auf dem Orinoko an ihn ge— schrieben, vor, enthaltend Nachrichten uͤber den dortigen Pelz⸗ handel, geographische Entdeckungsreisen in , . Gegenden ꝛc. Dann gab Der selbe, nach einer Amerikanischen Mittheilung, eine vorläustge Nachricht von neu bestimmten, zum Theil unbe— kannten Punkten in der Suͤdsee durch Nord-Amerikanische Schif⸗ fer. Zuletzt legte er die neue Regenkarte vom Professor Schouw vor, und gab eine Uebersicht ihrer Resultate. Herr Professor Zeune sprach über den im Thiergarten bei Berlin kuͤrzlich ge⸗ fundenen Bernstein. Herr Tuch legte eine neu erscheinende Karte von Irland vor, und gab dabei eine Uebersicht der neue⸗ ren, Karten von großem Maßstabe, welche theils in neueren Zei⸗ ten erschienen, theils noch in Arbeit sind. Herr Major don Nesfeld schenkte die neu erschienene Nr. 187 der Reimannschen Karte von Deutschland, Prag enthaltend.

Auswärtige Börsen. Amsterdam, 1. Juli.

Niederl wirkl. Sehuld od; 33 40. 03. Ausg. Schuld 135. kanz hill. zr. A8 Amort. 9a. 33 3 s80z. Rang. 89 Oenterr

762

28. Preuss. Präm. Scheine 1106. do. Az Aul, —. Span. 83 103.

3 8 26. Ant werpen, 30. Juni. Span. S3 10. Zinsl. 165. Cortes 29 Coup. 17. Span. Anl. 27 Guebhard 43. Belg. 1090. Harmst. 2853. Wien, 15 ui. 6 53 Met. 101414 A8 9733. Neue Anl. 3835. Bank- Actien 1333.

Neue

Berliner Börse.

Den 6. Juli 1835. Amtl. Fonds- und Geld- GQours- Zettel.

I, rie, een,

St. child Sch. 4 100 Pr. Engl. Obl. 30. 98d] Prüm Sch. d. Soeh. 60 i Kurm. Obl. m. l. C. Neum. Int. Sch. do. Berl. Stadi · Ohl. Könignah. do.

Elbing. do.

Hann. do. in Th. West or. Pfundbr. Grosaha. Pos. do.

Meteorologische Beobachtung.

Mor ens n,, Abends Nach einmaliger 5 uhr. 2 uhr. 10 Uhr. Beobachtung.

337, 0 2 Par. B36, Par. 335, 8; Par. Quellwärme 7,22 R. 12,7 R. J 21,5 R. 15,5 90 R. Flußwärme 16,09 R. 11.0 9 . ö. 8 . Bodenwarme 12,6 9 R. S7 pCt. A8 pCt. 87 pCt. ö 62

Veiter. heiter. heiter. Gewitter. Uusdünst. . 13 Ab.

Wind .... SO. SW. SB. Miederschlag O, 8 2 Rtz.

Wollenzug SW. Nachtkalte 13,8 R. Tagesmittel: 336,63“ Par. 19,89 R.. 13,10 R.. 72 pCt.

Preti/sa. GQorur.) z, HMriessceelg Gatpr. FPfandbr. s 4 101 Pomm. do. ö Kur- u. Neum. do. A Schlesische do. 4

HR kst. C. u. Z. Sch. d. K. u. N.

1069 102 102 106 ö

1001

Gold al marco Neue Duk. .. Friodrichsd'or .. Pis c onto

218

13; 4

1013 102.

* 1 1 *

1833. 5. Jul.

ö ; Luftwaͤrme Thauyvun lt Dunstsaͤttg

Königliche Schauspiele.

Dienstag, 7. Jull. Im Schauspielhause: Die Ahnfrau, Trauerspiel in 5 Abth., von F. Grillparzer.

Mittwoch, 8. Juit. Im Opernhause; Don Juan, Oper in 2 Abth. Musik von Mozart. (Mad. Fischer, vom Großh. Badenschen Hof⸗Theater zu Karlsruhe: Donna Anna; Hr. Eicke, vom Stadt Theater zu Breslau: Don Juan, als Gastrollen.)

Donnerstag, 9. Juli. Im Schauspielhause: Nicht vom Posten, Posse in 1 Att von L. Angely. Hierauf: Die Einfalt vom Lande, Lustspiel in 4 Abth., vom Dr. C. Toͤpfer.

Freitag, 16. Juli. Im Opernhause: Die Vestalin, lyrisches Drama in 3 Abth., mit Ballets. Musik von Spontini. (Mad. Fischer: Julia und Hr. Eicke: Cinna, als Gastrollen.)

Königstädtisches Theater.

Dienstag, 7. Juli. Die Familien Capuleti und Montecchi, Hyper in 4 Akten. Musik von Bellini, (Dlle. Vial: Romeo, als Gastrolle. Olle. Gerhardt, vom Stadt-Theater zu Leipzig, neu engagirtes Mitglied dieser Buͤhne, Giulietta, als zweites Debuͤt. Hr. Bayer, Koͤnigl. Bayerischer Hofsanger zu Muͤn⸗ chen: Tebaldo, als vorletzte Gastrolle. Zum Schluß des dritten Akts wird Hr. Bayer eine Arie aus der Oper: „der Pirat“ von Bellini ng

Preise der Platze: Ein Platz in den Logen und im Balkon des ersten Ranges 1 Rthlr. ꝛc. .

Mittwoch, 8. Juli. Julerl, die Putzmacherin, parodirende Posse mit Gesang in 2 Akten, von Meisl. Musik von A. Muͤl— ler. (Dlle. Muzarelli: Julerl, als dritte Gastrolle) Vorher: Der letzte Sproͤßling, Lustspiel in 1 Akt, von L. Angely.

Donnerstag, 9. Juli. Zum ,, Die eifersuͤchtige Frau, Lufee in 2 Akten, von Kotzebue. Hierauf! Sieben Maͤdchen in Uniform, Vaudeville Posse in 1 Akt, nach Théaulon, frei bearbeitet von L. Angely.

Neueste Nachrichten.

Paris, 30. Juni. Der Koͤnig kam gestern Mittag nach den Tutlerieen, hielt um 1 Uhr einen Minister⸗Rath und kehrte um halb 6 Uhr nach Neuilly zuruͤck.

Die Pairs-Kammer nahm in ihrer gestrigen Sitzung zu— nächst 3 Gesetz⸗Entwuͤrfe von oͤrtlichem Interesse mit 87 gegen 2 Stimmen an. An der Tagesordnung waren darauf die Be— rathungen uͤber den Gesetz Entwurf wegen der Anlegung einer . von Paris nach St. Germain. Nach einer voͤllig unerheblichen Debatte ging auch dieser Gesetz⸗ Entwurf mit 90 gegen 2 Stimmen durch. Am Schlusse der Sitzung beschaͤftigte die Kammer sich noch mit der beabsichtigten Einrichtung einer Damypfschifffahrt⸗Verbindung zwischen Frankreich und der Levante. Der betreffende Gesetz⸗ Entwurf wurde einmuͤthig angenommen.

Der Pairs hof hielt heute wieder eine Gerichts-Sitzung unter dem Vorsitze des von seiner Krankheit ziemlich wiederher— gestellten Barons Pasquier. Eine zahlreiche Menge von Zuhoͤ⸗ rern hatte sich zu dieser Sitzung eingefunden; auf der Deputir⸗ ten⸗Tribune bemerkte man jedoch bloß Herrn Garnier⸗Pagẽs, der hisher noch bei keiner Audienz gefehlt hat. Um 23 Uhr wurden die Angeklagten, 52 an der Zahl, eingefuhrt; un— ter ihnen befand sich auch der bereits erwahnte Reverchon aus Lyon. Der Namens- Aufruf ergab 3 abwesende Pairs, naͤmlich den Herzog von Crillon und die Herren von Zangiacomi und Rousseau. Das Verhoͤr bot, bis auf das des Angeklagten Reverchon, kein erhebliches Interesse. Dieser verlangte, daß zu⸗ näͤchst das Verhoͤr vorgelesen werde, das er nach seiner Gefan—

ennehmung zu bestehen gehabt habe, und nachdem der Gerichts . mitgetheilt, las er selbst eine geschriebene Rede ab, worin er sich als einen Republikaner bezeichnete und jede Theilnahme an den Debatten verweigerte, so lange ihm nicht die von ihm gewaͤhlten Vertheidiger, Herren Béranger und Garnier⸗Pages, zur Seite standen. Sollten ihm diese wider Er⸗ warten nicht beigegeben werden, so werde er sein Recht durch alle ihm zu Gebote stehende Mittel zu vertheidigen wissen, damit man erfahre, daß nicht mehr das Gesetz, sondern nur noch die Gewalt im Lande herrsche. Als der Praͤsident sich weigerte, von dem in dieser Beziehung einmal gefaßten Beschlusse zurückzu⸗ kommen, ergriff Neverchon noch einmal das Wort und sagte: „Seit wann hat Jemand das Recht, seinen Gegner zu richten? Ihr bildet nur eine faktische, keine rechtliche Gewalt. Wollte ich mich vor Euch vertheidigen, so wuͤrde ich dadurch zu verstehen geben, daß ich Euer Richteramt anerkenne. Als Republikaner kann ich dies aber nicht. Uebrigens begreife ich sehr wohl, weshalb Ihr

den!““ Wir sind unserer 120, uͤber deren Köpfen das Schwergl des Henkers schwebt, und Ihr wollt unsere Vertheidigung hem

men? Schlagt zu, wenn Ihr die Kraft und den Muth. dan

habt; aber ich sehe vor mir nichts als Leichname.“ Diese leh tere Aeußerung war dem General⸗Prokurator denn doch etwa zu stark; er trug daher darauf an, daß der 222. Art. des Stra Gesetzbuches, der jeden Beleidiger des Gerichtshofes zu 2 6 Yähriger Haft verurtheilt, auf Reverchon angewandt werde Der Gerichtshof zog sich demgemaͤß um 3) Uhr zuruͤck, um uͤh diesen Antrag zu berathschlagen; um 4 Uhr war das Urthes noch nicht erfolgt. .

Das Journal des Débats meldet heute, wahrschen lich nach dem gestrigen Messager: „Dem Vernehmen nat hat der Herzog von Frias schon eine Convention mit dan Herzog von Broglie unterzeichnet, in welcher die Absendung d Fremden⸗Legion und eine Aushebung von Freiwilligen Frankreich dem Prinzipe nach festgesetzt sind. Die S nische Gesandtschaft beschaͤftigt sich in diesem Augenblicke j der Regulirung aller Nebenfragen, naͤmlich der Bewaffnur der Equipirung, des Soldes und des Transportes der an werbenden Corps. Sobald diese Punkte in Ordnung bracht sind, und sie werden es spaͤtestens am Dienstag se wird die Rekrutirung ganz allein Sache des Spanischen Br schafters, der sich, wie es heißt, vermittelst eines Agenten n den Franzoͤsischen Behoͤrden uͤber die 2 diesem Zweck zu treffn den Maßregeln verstaͤndigen wird. ie Leitung der Rekrut rung ist einem Obersten anvertraut, der in den Kriegen Porn gals und Polens seine Proben abgelegt hat, der die Spanist Sprache spricht und den Gucrillas-Krieg kennt. M wird mehrere kleine Corps Franzoͤsischer und Englisch

rillas agiren sollen. meldet und ihre Dienste angeboten haben, belaͤuft sich schon q mehr als 300, und 2000 Soldaten sind bereit, ein Engag ment einzugehen, wozu aber erst nach der Unterzeichnung Convention geschritten werden soll. Erst dann wird auch en Bestimmung uͤber die Uniform getroffen werden. Die Detasc ments Franzoͤsischer Freiwilliger werden sich unter dem Komman ihrer Offiziere nach Bayonne begeben.“

Der Moniteur sagt: „Eine gestern eingetroffene pesche berichtet, daß sich Bilbao noch am 2sten um M tag hielt.“ .

An der Boͤrse herrscht noch immer die Besorgniß, daß m bald die Nachricht von dem Falle Bilbao s vernehmen wenn Die heute von der Spanischen Graͤnze eingetroffenen Blöz enthalten nur sehr wenige neue Mittheilungen uͤber die Belt rung Bilbao's. Valdez, der immer noch nicht vor Bilbao! gekommen ist, scheint genoͤthigt worden zu seyn, auf sein Nettungsplan zu verzichten. .

Sobald Don Carlos von den Absichten Englands, Frankreich und Belgiens wegen der Organisation fremder Truppen-Coh fuͤr die Koͤnigin von Spanien unterrichtet worden, hat derskh (wie das Journal des Débats und andere hiesige Bläth melden) nachstehendes Dekret erlassen: „Koͤnigliches Dekr Karl's V. Davon benachrichtigt, daß die revolutionnai usurpatorische Regierung, da es ihr nicht durch ihre L schungen gelingen mag, ihre Reihen mit neuen Spanisch Opfern zu vergroͤßern, ihren Agenten in England, Frankte und Bruͤssel aufgetragen hat, zu einer Anwerbung von Ausll dern zu schreiten, habe ich beschlossen und beschlleße wie fol 1) Jeder Auslaͤnder, ohne Unterschied des Standes on Grades, der die Waffen gegen meine legitimen Rechte ergreß oder in irgend einer Beziehung, in welcher es auch seyn mag dem rebellischen Heere dienen wird, welches die Usurpation! terstuͤtzt, soll als außer dem Gesetze stehend betrachtet wert ohne die Wohlthaten der uͤber die Auswechselung der Gefa nen abgeschlossenen und in Gemaͤßheit meiner Ermächtigu

von meinem Ober⸗General am letzten 28. April zu Asarta

terzeichneten Convention zu genießen. 2) Die in dem stehenden Artikel bezeichneten Auslaͤnder, die in die Gen meiner Truppen fallen werden, sollen vom Leben zum gebracht, und soll ihnen nur die noͤthige Zeit zum Emphm des geistlichen Beistandes gelassen werden. 3) Sobald der)

beendigt ist, soll keiner der Auslaͤnder, welche gegen mein! rechte Sache die Waffen werden ergriffen haben, weder in nen Staaten bleiben, noch jemals wieder in dieselben komm weder in denselben irgend eine Handels-Anstalt errichten,] Guͤter oder Eigenthum besitzen koͤnnen; im Uebertretungis soll er als die Gesetze des Koͤnigreichs verletzend behandelt wen Ihr habt es vernommen und werdet meinem Beschlusse alle

liche Oeffentlichkeit innerhalb wie außerhalb meiner Staaten gi Im Koͤniglichen Palaste zu Durango, am 30. Juni 1835.

terz Ich, der König. An Herrn C. Cruz-Mayor.“ (Bekanntlich theilte die Quotidienne bereits fruͤher ein aͤhnlt vom ten datirtes Dekret mit, das hiernach unecht gewesen seyn scheint. )

Die Guienne von Bordeaux behauptet, daß unter Freiwilligen, die sich in Frankreich, England und Belgien ant ben lassen, um in dem Heere des Generals Valdez zu din ein Drittheil, besonders unter den Offizieren, aus Karliste stehe, die dieses Mittel gewaͤhlt haͤtten, um ohne Kosten und Gefahr nach Spanien zu kommen. .

Am 27sten sind die Last-Korvetten „Agathe“ und „Forh und die Gabarren „Durance“, „Finisterre“ und „Menag von Toulon nach Algier abgegangen. k

Briefe aus Montpellier theilen mit, daß Mina forth rend sehr leidend ist; doch soll nach der Aussage des Dr.! mand Besserung zu hoffen seyn. Mina ist seit seiner Vit kehr nach Frankreich in eine duͤstere Melancholie versunken, deren Quelle das Ungluͤck seines Vaterlandes betrachtet win

Heute schloß proc. Rente 107. 95. zproc. 78. 10. Neap. 96. —. Span. 5proc. 40. 3proc. 273. Cortes

Ausg. Schuld 163. 24 proc. Holl. 57.

Frankfurt a. M., 3. Juli. Oesterr. proc. M 1025. 10213. 4proc. 983. 98. 21proc. 57. 573. pro G. Bank⸗Actien 1629. i618. Part. Obi. i403. 1461. zu 50h G. II73. 117. Loose zu 100 G. 2133. G. zu Praͤm. Sch. do 4proc Anl. 98. 97. Poln. Loose G. proc. Span. Rente 3093. 307. 3proc. do. perp. 2

5

Redacteur Co tteæl.

Gedruckt bei A. W. Hayt

man Euch einen Spiegel vorhalte, daß man Euch sage: „„Nun,

das Recht der freien Veriheidigung scheut. Ihr fuͤrchtet, daß Ihr liehen Vettern, was ist aus Euren Eidschwüren gewor-

freiwilliger Truppen bilden, die gegen die Karlistischen Gi Die Zahl der Offiziere, die sich an

Allgemeine

Pteußischt Staats ⸗Zeitung.

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, 2

*

Amtliche Nachrichten. Kronik des Tages.

Des Koͤnigs Majestaͤt haben die auf dem diesjährigen Ge⸗ eral⸗ Landtage des Ostpreußischen Kredit-Instituts fuͤr den Zeit⸗ aum vom J. Juni 1835 bis 1. Juni 1838 erfolgten Wahlen ü bestaͤtigen geruht, wonach der bisherige General-Landschafts— Direktor von Brandt auf Rossen ünd der bisherige General— landschaftsrath von Oldenburg auf Beißleiden, auch die bis— erigen Departements⸗-Direktoren, der Gutsbesitzer von Brandt uf Pellen fuͤr Koͤnigsberg, der Landrath von Schau auf Korbs— orf fuͤr Mohrungen und der Major von Salzwedel auf Drosdowen fuͤr Angerburg, in ihren Aemtern verbleiben, und er Gutsbesitzer von Auerswald auf Weßlienen zum zweiten Heneral⸗Landschaftsrath ernannt ist.

M

Abgereist: Der General-Major und Direktor der Allge— einen Kriegs-Schule, von Brause, nach Schlesien.

Der General- Major und Inspercteur der 1sten Artillerie— önspection, von Diest, nach Magdeburg.

Zeitungs-Nachrichten. A u s lan d.

Frankreich.

Paris, 1. Juli. Der Koͤnig kam heute, begleitet von der Prinzessin Adelaide, zur Stadt, arbeitete mit dem Handels-Mi— ister, hatte darauf eine fast zweistuͤndige Unterredung mit dem Fuͤrsten von Talleyrand und kehrte gegen 6 Uhr nach Neuilly ‚n. Das Gerücht von einer Ministerial-Veraͤnderung er— alt sich.

Man glaubt, daß der Fuͤrst von Talleyrand etwa 14 Tage n der Hauptstadt verweilen werde, und daß ihn bloß die Spa— ischen Angelegenheiten hierher geführt haben. Der Herzog von . hatte gestern Abend eine zweistuͤndige Konferenz mit Herrn Thiers.

Es ist bereits gestern erwahnt worden, daß die Heftigkeit, nit welcher der Angeklagte Reverchon in der gestrigen Siz; jung des Pairshoßfes seine Richter angriff, den General⸗Pro— kurgtor zuletzt veranlaßte, darauf anzutragen, daß der 222ste Ar⸗ tikel des Straf-Gesetzbuches auf denselben angewandt werde. Nachdem die Pairs 3 Stunden lang in ihrem Berathungs⸗-Zim— mer zugebracht, um sich uͤber dieses Ansuchen mit einander zu zesprechen, wurde die Sitzung um 6 Uhr wieder eroͤffnet. Der praͤsident kuͤndigte jetzt an, daß der Gerichtshof von dem Gene— l-⸗Prokurator noch ein nachträgliches Requisitorium erhalten habe. Reverchon hatte namlich in seiner Rede unter Anderm auch fol— jende Worte seines 12jaͤhrigen Sohnes mitgetheilt: „Philipp, seser Tyrann, und seine Knechte wollen meinen Vater tödten. Da bie Tortur ihm kein Gestaͤndniß abzuzwingen vermag, so vollen sie ihn ermorden; aber nur Muth und Beharrlichkeit! der Sohn wird seines Vaters wuͤrdig seyn, und die zukunft gehört uns an.“ Der Angeklagte hatte diese Worte zu den seinigen gemacht, weshalb der General— brokurator nachtraͤglich noch darauf antrug, daß Reverchon we— gen Herausforderung zum Umsturze der Regierung und wegen Beleidigung der Person des Koͤnigs nach dem Buchstaben des Hesetzes condemnirt werde. Als der Praͤsident den Angeklagten ragte, ob er etwas zu seiner Rechtfertigung zu sagen habe, ant—

vwortete er: „O ja, aber nur wenn ich mich vor meinen natuͤr⸗

ichen Nichtern befinde.“ Eben so verweigerte er jede Vertheidi— hung. Der General⸗Prokurator bemerkte darauf noch, der An— heklagte werde hoffentlich nicht leugnen, daß er die obigen Worte virklich gesprochen habe. Reverchon antwortete, er habe weder was einzugestehen, noch etwas zu leugnen; es sey Sache der Enwesenden, die Ohren aufzuthun, um ordentlich zu höͤren. Die Siz⸗ ung wurde darauf aufgehoben. In der heutigen Sitzung ward pnächst der Urtheilsspruch zur Erledigung der beiden Requisitorien zes General⸗Prokurators in Abwesenheit der Angeklagten vorgelesen. Derselbe lautet im Wesentlichen dahin, daß Marc Etienne Re— erchon, in Betracht, daß er sich in der Audienz vom 30. Juni der Beleidigung der Person des Koͤnigs und der Beschimpfung des Gerichtshofes schuldig gemacht, zu 5 jaͤhriger Haft und einer Geldbuße von 5000 Fres. verurtheilt, auch auf die Dauer von z Jahren des Rechtes, Waffen zu tragen, fuͤr verlustig erklärt wird. Nachdem dem Reverchon dieses Urtheil mitgetheilt wor— den, wurde er mit den ubrigen Angeklagten in die Session ge— uhrt, und es begann die eigentliche Audienz. Da Reverchon ich hartnäckig weigerte, auf die an ihn gerichteten Fragen zu antworten, so wurde sofort zum Zeugenverhoör geschritten, in des— sen Verlaufe der Angeklagte doch einige Mal das Wort ergriff, um angebliche Irrthuüͤmer zu berichtigen. Die Verhandlungen gen . Uebrigen bis zum Abgange der Post kein erhebliches eresse. e RNoch nie erinnert man sich eines solchen Andranges des bublikums zu den Saͤlen des Assisenhofes, als gestern bei der Eröffnung der Debatten über den La Roncizre'schen Prozeß Find. Schon vor 8 Uhr Morgens waren alle Gaͤnge des stiz-Palastes uberfuͤllt. Um 9 Uhr wurden die Thüren' geöͤff— „Wund in einem Augenblicke waren alle Plätze besetzt. Die eg Seite des Halbkreises, welche gewohnlich für die Zeugen ee mt ist, war dicht mit Damen besetzt; links befanden sich ; sehigen Advokaten im Kostuͤm, welche besondere Einlaß-Karten 8 alten hatten; der ganze uͤbrige Theil des Saales, mit Aus— nehme eines kleinen Raumes an der Thuͤre, der dem Publikum Arbehalten worden, war mit Personen angefuͤll, die Villets er, alten hatten. Der General- Lieutenant Clèment de La Ron⸗

ciere, Vater des Angeklagten, der Graf Clément de Ris und

der General Nourry, seine Gnkel, befinden sich unterhalb der ank der Angeklagten neben den Vertheidigern derselben.

Bruͤder der Frau von Morell, die Marquise von

Theodor von Lameth,

vor den Richtern.

Berlin, Mittwoch den Sten Juli

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1835. Tr , /

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*

Der Baron von Morell, der Marquis Julius von Mornay, Mitglied der Deputirten-KKammer, und der Graf Karl von Mornay, Minister⸗Resident am Großherzogl. Badischen Hofe, t Mornay, Toch⸗ Herr August von Saint-Aignan, Hr. der Vicomte von Montesquiou, Schwager der Herren von Mornay, der Herzeg und die Herzogin von Vi— cenza⸗ der Graf von Mornahy d Ambleville, saͤmmtllch Verwandte des Fraͤuleins von Morell, haben ihre Plaͤtze in dem Halbkreise Die Herren Berryer und Odilon-Barrot, Advokaten der Klaͤger, sitzen neben Herrn von Morell. Herr Chaix d Estange, Herr August Mariè und Herr Theodor Per— ein, Vertheidiger der Angeklagten, sitzen neben dem General de La Roneisre. Um 10 Uhr nehmen die Richter ihre Plaͤtze zin. Der Präsident: „Man lasse die Angeklagten ein?“ * Alle Blicke richten sich mit lebhafter Neugierde nach der Thuͤr. Die Angeklagten werden von Munizipal⸗Gardisten hereingefuͤhrt. Emil de La Ronciere ist von mittlerer Groͤße. Sein Gesicht ist regelmaͤßig, er traͤgt einen kleinen s. chwarzen Schnurrbart und ist s org⸗ faͤltig gekleidet. Seine Haltung scheint ruhig und zuversichtlich; aber die durch sein Erscheinen erregte geraͤuschvolle Neugier scheint ihm zu mißfallen. Bei dem Namens-Aufruf der Zeugen ergiebt sich die Abwesenheit der Frau von Morell, des Fraͤuleins und des jungen Robert Morell. Der Praͤsident zeigt an, daß er die beiden oktoren Bailly und Ollivier d Angers beauftragt habe, den Gesundheits-Zustand des Fraͤuleins võn Morell genau zu untersuchen, um zu erfahren, ob sie den Debatten ganz oder nur zu bestimmten Zeiten beiwohnen konne, und fordert die Aerzte auf, ihr Zeugniß abzulegen. Herr Doktor Bailly: „Während der letzten drei Tage habe ich das Fraͤulein von Morlll zu ver⸗ schiedenen Malen und zu verschiedenen Zeiten in ihrer Wohnung

ter des Marschalls Soult,

besucht. Ich habe sie von einer konvulstvisch nervoöͤsen Affection

befallen gefunden, deren eigenthuͤmlicher Charakter darin besteht, daß sie sich mehreremale des Tages und iemlich zu denselben Stunden wiederholt. Von vier Anfallen t der eine sehr anhal— tend und heftig; er beginnt gewohnlich um 4 Uhr Morgens, dauert vierzehn Stunden, und endet also um 6 Uhr Abends. si dieser Zeit erhält das Fraͤulein ihre voll— kommene Besinnung wieder; sie beantwortet die Fragen, die man ihr vorlegt, mit der größten Richtigkeit und Genauig—⸗ keit. Zwei Stunden darauf, um K Uhr, stellt sich ein neuer An— fall ein, der um J auf 11 üÜhr aufhört; ein dritter ereignet sich um 11 Uhr, und dauert bis gegen Mitternacht. Von Mitter, nacht bis à Uhr genießt die Patientin einer ganz merkwuͤrdigen Ruhe, die indeß gegen 2 oder halb) ihr durch einen Anfall von der Dauer einer Viertelstunde unterbrochen wird.“ Der Dok tor Ollivier giebt eine ganz uͤbereinstimmende Erklarung ab, und der Praͤsident bestimmt demgemäß, daß das Verhoͤr des Fraͤuleins von Morell um Mitternacht angestellt werden soll. Auf die Fragen des Praͤsidenten erklaͤrte Emil de La Roncihre, daß er 31 Jahr alt und aus Breda in Holland gebürtig sey. Der

Praͤsident fuͤhrte nunmehr das Verhör genau nach bem in der

Anklage Akte (s. das gestrige Bl. der St. Z.) befolgten Gange. La Roncière's Antworten waren in der Regel sehr kurz, und er schien im Einverstaͤndnisse und auf den Rath feines Advokaten das Sy⸗ stem angenommen zu haben, sich durchaus auf keine selbststaͤndige Er klaͤrungen, die seine schwierige Lage leicht noch verschlimmern koͤnnten, einzulassen; vielmehr beschraͤnkte er sich hauptsaͤchlich auf die Beantwortung der ihm vorgelegten Fragen. Er leugnete auf das bestimmteste jede Theilnahme sowohl an den anonymen Briefen, als an dem gegen Fräulein von Morell veruͤbten Attentat. Aus dem ersten Theile des Verhoͤrs ging uͤbrigens hervor, daß La Noncière stets einen sittenloösen Lebenswandel gefuͤhrt und viel Schulden gemacht hat. Wir heben nun besonders diejenigen Fragen und Antworten hervor, welche irgend ein neues Licht auf diese hoͤchst verwickelte Sache werfen koͤnnen.)

Frage: Haben Sie nach einem Diner in dem Hause des Generals dem Fraͤulein v Morell gefagt; „„Sie haben eine iiebenz— wuͤrdige Mutter, nur Schade, daß Sie ihr so wenig gleichen ?““ SNA nt wort. „unmoglich kann ich so etwas gesagt hüben; man haͤtte mich wohl augenblicklich aus der Gesellschaft gewiesen.“ Fr.: „Welche Absicht koͤnnte das Fraͤulein dabel haben, Ihnen eine solche Aeußerung anzudichten ?““ Antw.! „Das weiß ich nicht.“ Fre: „Alle anonymen Briefe, die in dem Morellschen Hause verbreitet worden, sind mit den Anfangsbuchstaben Ihres Namens unterzeichnet“ An tw. „Wurde ich so dumm gewesen seyn, daz zu thun, wenn ich sie wirklich geschrieben hätte?“ Praͤsident: Piellcicht uͤberlegten Sie tim voraus, daß dieser Eiswand, den Sie jetzt machen, Ihnen am besten zu Ihrer Rechtfertigung dienen Konnte. Die Handschrift des Fraͤuleins scheint auf eine sehr ge⸗ schickte Weise nachgeghmt worden zu seyn.“ Antw. „Auf elne so geschickte Weise, daß die Kunstverstaͤndigen erklaren, das Fräu— lein babe sie selbst geschrieben.“ Fr. „Was haben Sie am Kbend des 22. September gemacht?“ Antw.: „Ich besuchte das Thea⸗ ter, wo ich bis zu Ende der Vorstelling' blieb, und dann bin ich sogleich nach Hause gegangen.“ Fr „Sie ha— ben dem Herrn von Estouilly' eine Herausforderung geschickt, worin Sie denselben auf das Gröblichste beleidigen ?““ *‘ An t iw. Der Brief war nicht von mir, geschrieben, Herr bon Esfoullly woölrfte das nicht glauben, und bestand auf dem Duell.“ Frage. „Hat der Zweilainpf, den aͤblichen Regeln gemaͤß, stattgefunden? Hat der Lieutenant Ambert, als er fah, daß Sie den Degen Ihres Gegners mit der linken Hand ergriffen, nicht ausgerufen: „„So schläaͤgt man sich nicht?““ Antw.: „Ich verwundete Herrn von Esouilly am Arm und an der Hüfte; bei dem letzten Stoße zerbrach mein Degen, Da Herr von Estouilh trotzdem wie ein Wthender auf mich eindrang, b ers ef ich seinen Degen, und rief seinem Sekun⸗ danten zu. „„Sie sehen, daß ich entwaffnet bin““ Der Ange⸗ klagte, der bis dahin mit Ruhe und Festigkeit geantwortet hafte, schien plotzlich verwirrt und bewegt, so daß der Präͤstdent ihm sagte, daß, wenn er ermuͤdet sey oder sonst von Erinnerungen gepeinigt

. man eine Pause machen wolle, Herr Chair de Estange: „Ein Offizier kann seine Fassung nicht behalten, wenn man ihm horwirft s lich chrlos bei einem Duell benommen zu haben.“ Der Praͤsident stellte die Sitzung eine kurze Zeit lang ein Der Angeklagte war bis zu Thränen erschuͤttert, er verharg das Gesicht in seinen Haͤnden. Nach Wiederaufnahme der Debatte sagte er. „Ich bitte der Störung halber um Entschuldigung; ein Spyi— dat kann nicht kaltblütig bleiben, wenn man ihm Ehrlösigkeiten bei einem Duell vorwirft. Die Herren Bergil und Ambert, „und auch Herr von Estyuilly haben mir übrigens erklärt, daß ich mich den Regeln gemäß geschlagen habe. Sie werden dies spaͤter vor Ge⸗ richt wiederholen.“ Der Praͤsident ging nun zu dem wichtigsten Punkte der Anklage uͤber, naͤmlich zu dem schriftlichen Gestaͤndnisse La Roncieres Er las ihm seinen ersten Brief an Estouilly vor, und fragte, was er darauf zu erwiedern habe. La Ronstctd re, anschei⸗ nend tief bewegt, und mit Thraͤnen in den Augen „Ja, ich habe diesen Brief geschrieben, es ist eine Schwaͤche, die ich mir vorzuwer= werfen habe. Man berichtete mir faͤlschlich, daß die Kunstverstaͤn digen meine Handschrift erkannt hätten. Ich dachte an meinen alten Vater, und an den Kummer, den ich ihm bereiten wurde, wenn die Sache vor Gericht kaͤme; ich glaubte, al len weiteren Reden ein Ziel zu fetzen, wenn“ ich mich für den Verfasser der anonymen Briefe bekennte, und dies veranlaßte mich zu jenem unseligen Schreiben.“ Der Praͤ sident: „Sie haͤt ten ja aber, wenn Ihnen an der Ehre Ihres Vaters gelegen war nichts Besseres thun koͤnnen, als sich zu ihm zu begeben, und mit ihm äber die Verleumdungen zu reden, die man gegen Sie erfand.“ Die Antwort La Ronciere's wird durch Thraͤnen erstickt In Be— zug auf das zweite, noch ausführlichere schriftliche Bekenntniß er klaͤrte der Angeklagte, daß er es aus denselben Grunden geschrieben habe, wie das erste. Fr. „Dieses neue Schreiben erschwerte aber noch Ihre Lage? Ä nt w.: „Wenn ich den Inhalt der an die , gerichteten anonymen Schreiben gekannt haͤtte, so wurde i mich niemals fuͤr den Verfaßer derselben bekannt ha ben, Ich that dies nur, weil ich die Briefe für unbedeutend hielt Weitere Erflarungen wollte La. Ronciere für jeht nicht geben, sondern behielt dieselben seinem Vertheidiger vor. Das Verhör des Bedienten Samuel Gijlieron, der beschul digt wird, im Einverstaͤndnisse mit La Froneier= gehandelt zu haken, wer von wenigem Interesse! er leugnete *benfall— jede Theilnahnie und Mitwissenschaft. Julie Genier behauptete ihrerseits gleichfallz, in keiner Art von Verbindung mit La Roncter⸗ gestanden ju haben. Sie hat ihn nur gin einzig Mal von Wet? tem grsehen, Fräulein Morell habe ihn ihr gezeigt, und dabei gedͤußert, halte ihn für den Verfasser der anonymen Briefe Fr. „Ist Fräntein von Morell nach der Nacht vom 2. September krank gewesen“ Antw.. „Ich erinnert mich fast gar nichts mehr. Am 2en, 26sten und Tsten fand ich sie wi gewohnlich: sie lachte und scherzte Am 28sten Morgens war in der Nachbar schaft ein laͤndliches Fest, zu dem sie mit ihrer Mutter fuhr. Abends war ein Ball bei Herrn von Morrl; ich zog das Fräulein dazu an und, frisirte ie.“ Fri: „Haben Sie den Balle zugesehen?““ . „Ja.“ Fr.: „Hat das Fraͤulein getanzt?“ Ant we „., ;

Die Sitzung wurde um 3 Uhr aufgehoben, und Abends um 3. Uhr wieder erdᷣffnet. Der Präsrdent Fragte jetzt den , von Neuem, oh er einige Aufschlusse zu geben habe. Ant w. „Mein Ir „Halten Sie es fuͤr möglich, daß man auf die in der Anklage— gl kte angegebene Weise in das Zimmer des Fraͤuleins v. Morell kom men donne“ = Antw. „Ja.“ Fr. Sie haben im gaufe der Instructio / den Gedanken hingeworfen, daß zwischen dem Fraͤulein von Morell und ihrer Mutter oder ihrer Familie ein Plah entworfen worhen sey, um Sie zu einer Heirath mit dem Fräulein zu, wingen?“ Antw.: „Ich habe etwas der Art an den Capitalin Jaquemin ge⸗ schrieben; es ist moglich, daß ich auch mit dem Instructio 18 Richter daruber e, habe. Uebrigens beziehe ich mich auf dir spaͤte⸗ ren Erklaͤrungen meines Advokaten.“ Hräsident: „Ihr Advokat soll also etwas erkldren, was Sie selbst nicht erklaren wollen“ Herr Chair ⸗d Estange. „Ich protestire gegen eine solche Aus legung. Der, Advokat ist da, üm sich durch die' Debatten seshst * Licht zu verschaffen, und seine Üüeberzcu ung dann der Jury vaorzu— legen; aber er ist nicht beauftragt, ein System zu erfiuben; er kann nur die Elemente der Debatten sammeln und zusam men stellen / Praäͤsident: „Es giebt eintge hatsachen, La Ronctre, über wel. che Sie sich doch jetzt gleich erklaren sollten; z. B. wein schreiben Sie, die anonymen Briefe zit? Aut w.; „Dem Fräulein bn Mo⸗ rell.“ Fr.: „Was berechtigt Sie dazu?“ Antw. „Manches, waz ich fruher von den Bepienten des Hauses gehort habe, und die Er klaͤrung der Kunstverstaͤndigen. Von dem Berböe des Barons Von Morell wurde sehr wenig verstanden, da er überans leise sprach. Er wiederholte im Wescntlichen seine frühere schriftliche Au fag Dasselbe war der Fall mit Frau von Morell und init Miß Allen Erstere wurde noch gefragt, ob es ihr nicht aufgefallen, daß die Gouvernante nicht fruher von dem Geraͤusch in der Rebenstubẽ er? wacht sey?! Antw. „Miß Allen hat einen so festen Schlaf, deß man sie des Morgens nur mit Muͤbe weckt“ Fr „Waren S im ersten Augenblick der Meinung“, daß Ihre Tochter das Oper eines moörderischen Ueberfalles oder einer anderen Art von erb ler chen gewesen seye“ Antw. „Ich habe geglaubt, daß es ein mörderischer Ueberfgll gewesen. Peine Tochters hat niir ven Ver wundungen und Bissen erjaͤhlt; erst n Tage später hat sie mir eine andere Verwundung anvertraut. Sie bat mich um Verzeihung, daß sie es mir so lange versch wiegen. Sie welß nicht, orüntn sie mit rinem Messer gestochen habe.“ Fr.: „Haben Sie ein!“ nn! rufen laͤssen, um die Wunde zu untersiüchen ?“ Ant w. „Nel, meln Tochter empfand zu großen Widerwillen gegen eine solch— Untersuchung.“ Fre „Haben Sie selbst die Wund— gesehen ?“ = Antw.: „Nein.“ Fre „Oder Miß Allen?“ Anw. „Nein, Miß Allen hat gar nichts davon erfahren.“ Fr: „Litt Ihre Tochter heftige Schmerzen?“ Antw.. „Furchtbare Schmerzen Fr „Vier Tage darauf hat sie ja aber Morgens einem laͤndli⸗ chen Fest- und Abends einem Ball beigewohnt“ Antw. „Das ang r gt in dieser Hinsicht nur sieinen Math und meine Krün.

gt. (

g Sitzung wurde jetzt von Neuem von 113 uhr bis um Mitternacht susvendirt. Mittlerweile war das Fraäͤufein von Morell in ein an den Sitzungs-Saal stoßendes Kabinet aroracht ,. Ahr Vater, entfernte sich, um ihrem Verhbre „icht bel zum ohn Ver Urdfident „Man wir das Fraͤulein von arc inf nn 4 Wir hitten alle Anwesenden, nicht das gering ste Geraͤusch zu . Wir hoffen, daß die Neugierde der Achtung weichen werde (ie,. derg sag? der jungen Qanie ichn dig ., (ah gemeinck eig hn n Zustimmung, worauf eine feierliche Stille eintritt 3 . i Morell wird eingeführt; sie stützt sich auf zwei Harl lr 6. Seite geht ein Arzt. Sie ist ziemlich groß und schlank, fehr 6

gekleidet, aber in jbrem ganzen Wefen demerki m!“ * . leganz. Ste ist sehr blaß und vat vermwesnte . 5