1835 / 187 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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hat einen merkwürdigen Ausdruck von Sanftmuth und Naivetaͤt Ihr ganzer

Das Erscheinen des Fraäuleins erregte in der ganzen Verfammlung

ine cunvbeschreibliche Theilnahme, welche sich aber anf sehr diskrete, Weise fund gab. Fräulein von Morell wiederholte mit leiser Stimme,

wer mit einer gewissen Festigkeit im Ausdruck ihre Aussagen, wie e aus der Anklage Akte bervorgehen, worauf der Praͤsident mehrere Fragen uber die naͤheren Umssäͤnde des in der Nacht vom 24. Sept. veruͤbten Attentats an sie richtete ) Pré sident: „Sind sie auch überzeugt, daß es La Ronciére war, der sfe am 23. September üer? fiel?“ Antw:

Sie durch eine solche Erklaͤrung auf sich laden wuͤrden, wenn sie nicht wahr waͤre.“ Ant w: „Ich bin meiner Sache gewiß.“ Fr— Sie haben in sofern Unrecht gegen Ihre Mutter gehandelt, als Sie ihr nicht gleich Alles, was Ihnen begegnet, mitgetheilt haben.“ Antw. „Ich fuͤrchtete, ihr Kummer zu verurfack en.“ Praͤsi⸗ dent: „Betrachten Sie La Ronciere, Und sagen Sie, ob er es ist.“ Der Ängeklagte steht auf. Fräulein von Rorell (mit Fe⸗ ligkeit): „Ich erkenne ihn voßkommen; wohl ist er es.“ Ta Roncisre: „Ich protestire gegen diefe fugenhaste Erklaͤrung. Ich schwöͤre vor Gott und vor den Menschen, daß die Aussage des Frau⸗ teins von Morell falsch ist!“ Praäsident: nichts hinzuzufügen?“ La Ronci?re;: genügt.“ Präsident: ner Erklarung voraus?“ Antw. „Ich setze gar keinen Grund vorguz, aber die That spöicht. Ich hatte der Familit Morell nie etwas zu leide gethan; ich weiß nicht, warum sse mich hafte.“ Der Praͤ⸗ lident: zu dem Fraͤulein) „Waͤre es nicht moͤglich, daß ein An⸗ derer als La Roncisre zu Ihnen ins Zimmer gedrungen seyn konnte?“ Ant w. „Nein, ich habe die vollkommenste il berzeuging, daß er es war.“ Herr Chaix d' Est an ge:. „Verstellte er feine Stimme?“ Antw. „Nein, aber er sprach leise“ Herr Chair d' Estange: „Wie lange hat die Seene gedauert?“ Antw „Das kann ich nicht genau bestimmen, mir schien es sehr lange“ Praͤstdent: FHatten Sie, als Sie auf den Ball gingen, noch die Spuren von den Kontusionen auf der Hrust und den Krnien?““ Antw. „Ja, ,, durch meine Kleidung und durch meine Handschähe edeckt. r.

and guf den folgenden Tag um 11 Uhr Vormittags vertagk? Der heutige Monite ur enthält eine vom 27. Juni datirte Koͤn:gliche Verordnung, wodurch 80,9900 Mann von der Klasse ven 1834 zum Militairdienste ausgeschrieben werden. Dieses Kontingent wird in 2 Klassen getheilt; 40,000 Mann sollen so—

Die Sitzung wurde um halb 1 Urr Nachts aufget oben, 3 Stimmen verworfen. Zu der 19ten Klausel, welche festsetzt,

Zustand verraͤth große Schwaͤche und Erschbpfung. Wynn widersetzte

. „Ich bin dessen ganz gewiß.“ Pra sident: „Ich brauche Ihnen nicht e st vorzutalten, weiche Verentwortlichkeit

„„Haben Sie sonst Was ich eben gesagt habe, „Welchen Grund setzen Sie denn zu je⸗

fort in Aktivitat treten, die anderen Ih, 000 Mann aber so lange eine anderweitige Koͤnig—

in ihrer Heimath bleiben, bis sie durch

liche Verordnung einberufen werden. Das Journal des Debats meldete in seinem Blatte

vom 26. Juni, es scheine gewiß zu seyn, daß der Minister—

1069 Psund besitzen oder wenigstens

Rath in einer am 24sten gehaltenen Konferenz die sofortige Ab—

seschlessen habe, daß der General Desmichels zum Befehlshaber derselben ernannt worden sey, und daß die Franzoͤsische Regie⸗

Erwaͤhlung

sendiing der 5Stzo0 Mann starken Fremden-Legion nach Spanien

rang einen monatlichen Sold zahlen, auch die benͤthigte Mu⸗ nitiön so wie den Mundvorrath hergeben werde. Als darauf

die Blätter von allen Farben zu verstehen gaben, daß das Jour⸗

nal des Debats sich hier wahrscheinlich bloß des unschuldigen Kunstgriffes bediene, daß es als definitiv beschlossen angebe, was

es wuͤnsche, wiederholte jenes Blatt unterm 28. seine obige Behaup⸗

tung, indem es hinzufuͤgte, daß, wenn hieruͤber noch nichts Amtliches im Moniteur erschienen waͤre, dies bloß daran liege, daß die Finanziellen Verabredungen noch nicht unterzeichnet seyen, daß dies aber jedenfalls den 28sten oder 29sten geschehen werde. Da indessen das amtliche Blatt auch an diesen Tagen schwieg, so berichtete das Journal des Debats, um sich keine Bloͤße zu geben, am 3hsten nach dem „Messager“, daß der Herzog v. Frias bereits mit dem Herzog von Broglie eine Conventien uͤber die Absendung der Fremden⸗Legion unterzeichnet habe, und daß man sich uͤber die Nebenfragen zur Ausfuͤhrung dieser Convention noch an demselben Tage (also am 30sten) einigen werde.

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Mittlerweile enthalten auch heute noch weder der Moniteur noch

das Vielleicht, daß sich morgen die Prophezeiungen des Journal des Debats bestaͤtigen.

Die Gazette de France fuͤgt der gestrigen telegraphischen

Depesche, wohach Bilbao sich am 2Asten Mittags noch hielt, hinzu, daß diese Depesche nicht ganz publizirt worden sey; die⸗

selbe habe noch folgenden Nachsatz enthalten; „Portugalette ist

von den Karlisten mit dem Bajonnet genommen worden. Alles laßt glauben, daß Bilbao am Asten Äbends oder am Morgen des 28sten kapitulirt habe.“

Großbritanien und Irland. Parlaments-Verhandlungen. unter—

haus. Sitzung vom 30. Juni. Herr Aglionby uͤber⸗ reichte eine Bittschrift aus York, in welcher uͤber angebliche

Bestechungen und anderweitige Umtriebe bei der letzten Wahl

fuͤr diese Stadt geklagt wird, und zeigte an, daß er morgen auf Ueberweisung dieser Petition an einen besonderen Ausschuß an⸗ tragen werde. Hierauf wurden die Herren Bond, Cooke und Tlamp, die wegen Widersetzlichkeit gegen den Befehl des Hauses, sich vor der Kommission zur Untersuchung der Ipswicher Wahl einzufinden, in Newgate gefangen gesessen, vor die Schranken gefuͤhrt und mit einem Verweis freigelassen. Ein Antrag, daß dasselbe Verfahren mit Hinsicht auf Herrn O'Malley, einen an— dern Gefangenen, angenommen werden moͤchte, wurde einstweilen noch beseitigt, obgleich Herr B. Cooper bezeugte, daß jener Ge— angene sich sehr unwohl befinde, und daß ein langerer Aufent— halt in Newgate schlimme Folgen fuͤr seine Gesundheit haben konnte. Man hielt es fuͤr nöthig, erst aͤrztliche Erkundigun⸗ Un daruͤber einzuziehen, und es sollen daher morgen die Doktoren Farr und Sir Astley Cooper vor der Barre des Hauses vernommen werden. Auf den Antrag des Herrn Gisborne wurde demnaͤchst der Beschluß gefaßt, daß der Koͤnigl. General⸗Prekurator beauftragt werden sollte, alle Per so⸗ nen, die sich bei der Ipswicher Wahl Bestechungen erlaubt, ge⸗ richtlich zu verfolgen. Das Haus verwandelte sich sodann wieder in den Ausschuß uͤber die Munizipal⸗Reformbill, und es wurden mehrere Amendements dazu angenommen, einige auch verworfen. Bei. Wiederaufnahme der Berathungen uͤber die J4te Klausel, worin von der Nevision der Buͤrgerlisten die Rede ist, zeigte Lord John Russell an, daß es seine Absicht sey, fuͤr dieses Jahr die Revision der Waͤhlerlisten noch den bisher damit beauftragt gewesenen Advokaten zu uͤberlassen, fur kuͤnf⸗ tige Jahre aber die Revision dieser Listen dem Mayor und zwei Auditeuren zu uͤbertragen, die nach der 11ten Klausel,

Einige dieser Details, die sich hier nicht füglich mittheilen lassen, machen es erklgrlich, daß ein Gefühl von Schaam das iunge Madchen veraniassen konnte, ihrer Mutter Manches von der erduldeten Behandlung eine Zeitlang zu ver—

heimlichen ) Wir bemerken bei dieser Gelegenhelt, daß das von Don Carlos aus, Durango erlassen? Dekret ( die gestrige Nachschrift)

nicht vom 30, sondern vom 26. Juni datirt ist.

Die Gazette will wissen, Don Tarlos habe das Kommando der Armee in Person uͤbernommen. “)

Journal de Paris irgend Etwas uͤber diesen Gegenstand.

der Fall. (Hoͤrt, hort!)

Versuch mit unbesoldeten Revisoren zu machen;

wie sie jetzt umgeaändert ist, den Revisionshof bilden sollen. Hr. sich diesem Antrage; er hielt den Mayor und die beiden Auditeure fuͤr ein inkompetentes Tribunal und bean⸗ tragt: amendementsweise, daß die bisher mit der Revision der staͤdtischen Listen beauftragt gewesenen Advokaten auch kuͤnftig dies Geschaͤft beibehalten sollten, indem es ihm viel besfer schien, daß Personen, denen die Orts-Politik und Parteien ganz fremd waͤren, dasselbe zu verrichten haͤtten. Lord J. Rusfe lk meinte sedoch, es handle sich ja bei dieser Function um keine juristische Entscheidung, sondern bloß um die Ermittelung des Wohnorts lind der Steuer -Entrichtung; diese Punkte konnten aber von rechtschaffenen und einsichtigen Einwohnern der Stadt viel besser und mit weit geringeren Kosten und Umstaͤnden aus— gemittett werden, als von besonders dazu ernannten richterlichen Beamten. Sir R. Peel dagegen naͤhm den bisherigen Ge⸗ brauch, als durch die Erfahrung bewährt, in Schutz; „und wenn der edle Lord“, bemerkte er, „doch fuͤr dieses Jahr zu diesem Gebrauch seine Zuflucht nehmen will, warum ihn dann nicht zum Gesetz machen? Finden sich spaͤterhin Gruͤnde zur Abaͤnde⸗ rung, so ist es immer noch Zeit dazu; ich glaube uͤberhaupt, der edle Lord wird manche Veranlassung finden, im Laufe der naͤchsten Session Aenderungen in der Bill vorzuschlagen.“ (Hoͤrt, hoͤrt!) Der General⸗Prokurator hielt es fuͤr die Pflicht des Parlaments, die staͤdtischen Steuern, aus denen jene Advokaten doch besoldet wer⸗ den muͤßten, so niedrig als moglich zu erhalten und also Den faͤnde es sich, daß derselbe nicht gelaͤnge, so könne man spaͤter immer noch, als ein bis aller wieder den Advokaten seine Zuflucht nehmen. Sir R. Peel machte noch auf den Uebelstand aufmerksam, daß burch die Annahme des Russellschen Vorschlages der herrschenden Partei in einer Stadt ganz die Macht in die Haͤnde gegeben wurde, diejenigen Individuen zu ernennen, von denen sie am lieb⸗ sten die Waͤhlerlisten revidirt sehen möchte. Nichtsdestoweniger entschied das Haus zu Gunsten der Minister, und das Amende— ment des Herrn Wynn wurde mit einer Majoritaͤt von 86 gegen

daß in jeder Stadt ein Stadtrath und ein Mayor gewahlt wer— den sollen, ohne daß es fuͤr den Mayor oder fuͤr die Stadtraͤthe einer besonderen Qualisication beduͤrfe, schlug Sir R. Peel folgendes Amendement als Zusatz vor: „Mit der Bedingung, daß diesenigen Mitglieder des Stadtraths, welche in Staͤdten, die in Bezirke getheilt sind, gewaͤhlt werden, zur Zeit ihrer Er⸗ waählung ein Real- oder Hersonal-Eigenthum zum Werth von auf 40 Pfund Einnahme saͤhrlich besteuert sind, und mit den Bedingungen, daß alle diejenigen Mitglieder des Stadtraths, welche in Staͤdten, die nicht in Bezirke getheilt sind, gewahlt werden, zur Zeit ihrer ein Real- oder Personal-Eigenthum von 509 Pfund besitzen oder wenigstens 20 Pfund jährlicher Einkuͤnfte haben.“ Sir Robert sagte, er wisse sehr wohl, daß uͤber diesen Punkt sehr verschiedene Ansichten herrschten; einige glaubten, es sey gar keine Qualification noͤthig, sondern es muͤsse den Waͤh⸗ lern freistehen, zu wahlen, wen sie wollten, ohne Ruͤcksicht auf sein Vermögen, waͤhrend Andere der Meinung waͤren, daß eine gewisse Garantie durchaus unerlaͤßlich sey; zu den Letzteren ge— hoͤre er selbst, doch wolle er sich auf keine weitlaͤuftige Pruͤfung dieser beiden Ansichten einlassen, denn gewohnlich endigten solche Diskussionen damit, daß Jeder bei seiner Meinung beharrte; er wolle daher nur bemerklich machen, daß bisher in den Staͤdten, welche Corporationen haͤtten, stets irgend eine Vermoͤgens-Quali⸗ fication zur Bekleidung eines Amtes erforderlich gewesen sey, an dem einen Orte eine bedeutendere, an dem andern eine geringere; selbst bei der Wahl von Kommissarien zur Sorge fuͤr die Stadt wache, fuͤr das Straßenpflaster und fuͤr die Beleuchtung habe man eine solche Qualification gefordert. Der Nedner fuͤhrte nun eine Menge von Staͤdten an und nannte den Velauf der in den— selben geforderten Qualisicationen. Diese waren gerade in Stroud sehr hoch, und Sir Robert zog daraus den Schluß, daß dieser Gebrauch doch wohl dle Herrschaft der Stimme des Volks nicht unterdruͤcken muͤsse, da ja der edle Lord (Russell) an diesem Orte gewählt worden sey. Als Hauptgruͤnde fur die Nothwendigkeit einer Qualification hob der Redner hervor, daß der Mayor und der Stadtrath ein bedeu— tendes Patronat zu ihrer Verfuͤgung haͤtten, daß sie in mehreren Faͤllen Kommissarten der oͤffentlichen Wohlthaͤtigkeiten seyen, und daß sie bei Pflichtversaͤumnissen betraͤchtlichen Geldbußen, bis zu 500 Pfund, unterworfen waͤren; kurz, wenn auch der Besitz von Vermoͤgen nicht immer mit Achtbarkeit verbunden sey, so gewaͤhre er doch wenigstens einige Buͤrgschaft fuͤr das Benehmen der zu einem Amte ernannten Person, denn wer nichts zu verlieren habe, dem koͤnne es gleichguͤltig seyn, ob ihm eine Geldbuße auferlegt werde. Herr Blackburn widersetzte sich dem Amen⸗ dement, weil es, wie er meinte, das Recht der Waͤhler sehr ein— schraͤnken wuͤrde; auch koͤnne das Amendement in der That nicht viel nuͤtzen, denn die Waͤhler wuͤrden schon von selbst solche Per— sonen zu Muniz pal. Veamnten wählen, zu denen sie Vertrauen haben koͤnnten, weil ihre eigenen Interessen dabei betheiligt seyen; übrigens sey auch Einsicht eine eben so noͤthige Buͤrgschaft, als Vermoͤgen; der sehr ehrenwerthe Baronet habe von dem gewohn⸗ lichen Gebrauch bei Corporationen gesprochen; dieser beweise aber gerade das Umgekehrte, denn in keinem Corporations-Freibriefe finde sich eine Bestimmung uͤber eine erforderliche Vermoͤgens⸗ Qualification; zwar hieße es in den Freibriefen, es soll— ten „tuͤchtige und diskrete“ Personen h werden, es sey aber den Waͤhlern zur Entscheidung überlassen, was fuͤr Personen sie mit diesen Eigenschaften begabt glaub⸗ ten. Auch hielt er die von Sir R. Peel vorgeschla⸗ genen Qualificationen fuͤr zu hoch. Schließlich machte er darauf aufmerksam, daß fuͤr die Parlaments- Mitglieder, die jetzt von Schottland ins Unterhaus gewaͤhlt wuͤrden, keine Qualification erforderlich sey, und daß dieselben doch an Einsicht, Scharfsinn und Eifer in der getreuen Erfuͤllung ihrer Verpflichtungen gegen ihre Konstituenten den uͤbrigen Mitgliedern nicht im geringsten nachstaͤnden, und eben dasselbe, fuͤgte er hinzu, sey bei der Wahl der richterlichen Beamten in den Schottischen Staͤdten Sir J. Hobhouse sagte un⸗ ter Anderem: „Wenn man glaubt, daß sich bei dem Englischen Volk eine vorherrschende Neigung finde, Perso— nen zu Lokal⸗Beamten zu waͤhlen, von denen eine schlechte Ver— waltung zu erwarten steht, so waͤre die ganze Munizipal⸗Neform verwerflich, und wir haͤtten kein Recht, eine so große und so verderbliche Veraͤnderung in die Corporationen des Landes ein⸗ zufuͤhren. (Hoͤrt, hoͤrt) Wenn es aber eine Thatsache ist, daß sich in der Zeit, in welcher wir leben, so viel Einsicht und Vorliebe fuͤr eine gute Verwaltung unter dem Eng— lischen Volke vorfindet, daß wir ihm die Verwaltung seiner eigenen Angelegenheiten anvertrauen koͤnnen, wenn wir jetzt nach diesem Grundsatz verfahren, so haben wir Recht mit unserem Vorschlage, und der sehr. ehrenwerthe Baronet hat Unrecht, diesen Vorschlag beschraͤnken zu wollen. (Beifall

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von der ministeriellen Seite des Hauses) Wird Jemand, h vieljährige parlamentarische Erfahrung hat, der an den Ausschi Theil genommen, die uͤber die Befähigung der Mitglieder dies⸗ Hauses, die doch zu den ersten Maͤnnern des Landes gehoͤren, entscheiden haben, wird Jemand mit dieser Erfahrung behaupt wollen, daß eine pecuniaire Qualification gegen das Eindringn ungeeigneter Personen ins Parlament ein zuverläͤssiger Sch sey? Man weiß, daß dem nicht so ist. (Hört, hoͤrth 1 wenn dies wahr ist, wie will dann der sehr ehrenwern Baronet behaupten, daß die Auferlegung einer pecuniaͤren Qu lification gegen das Eindringen ungeeigneter Personen in unsa Munizipal⸗Corporationen schuͤtzen werde? (Hoͤrt, hört). . dem jetzigen Zustande der Corporationen, wo die Munizipalz amten quf Lebenszeit gewählt werden, mochte eine solche Qun fication nothwendig seyn, da sie nicht von ihren Aemtern entsn werden konnten. Bei dem neuen Zustand der Dinge aber, diese Bill herbeifuͤhren wird, werden sie von Zeit zu Zeit neu wahlt, und wenn die Wähler also sinden, daß sie sich dem Charakter der von ihnen gewahlten Personen irrt haben, so koͤnnen sie ihren Irrthum bei der mn sten Wahl durch Entfernung derselben verbessern.“ ( hoͤrt! Als es zur Abstimmüing kam, ergaben sich 267 S men gegen und 205 für das Amendement, und es wurde mit einer Majoritat von 63 Stimmen zu Gunsten! Minister verworfen. Bei der Vsten Klausel, welche bestim daß im Jahre 1836 und in jedem darauf folgenden Jahre Drittheil des Stadtraths ausscheiden und durch neus Wah ergänzt werden soll, trug Lord Stanley amendementsweise auf an, daß diese neue Erganzung nur alle 2 Jahre stattfim sollte; aber auch dies Amendement wurde mit 225 gegen also mit einer Majoritaͤt von M4 Stimmen, ver worfen.

London, 1. Juli. liche Installation des Marquis von Camden Tals Kanzler Universitaͤt Cambridge stattfinden. Die vorlaͤufigen Ceremon dieser Festlichkeit beginnen schon am Freitage; der Marquis am Sonnabend in Cambridge ein, und die beiden Haupt der Feier sind 8 und Dienstag. Wie verlautet, wen der Herzog von Cumberland, der Herzog, die Herzogin und! Prinz Georg von Cambridge, die Herzogin von Kent und Prinzessin Victoria, der Herzog von Wellington und Lord El der Installation beiwohnen.

Im Sun liest man: Portugal hat die Koͤnigin seit der Aufloͤsung des letzten binets ihre Mußestunden mit der Unterzeichnung von Entlasp gen der untergeordneten Beamten desselben ausgefüllt. ging so weit, daß der Herzog von Paimella sich am Ende gil thigt sah, Ihrer Majestaͤt das Unpolitische und Ungerechte diz Verfahrens vorzustellen. Da viele jener Aemter in der Meim erkauft worden, daß sie lebenslaͤnglich seyen, so beging die K gin durch die Absetzung der Kaͤufer einen ald indem sen Individuen die Summen, die sie der Regierung fuͤr gezahlt hatten, geradezu verloren gehen. M schall Saldanha stimmte dem Herzoge von Palmella h und die Koͤnigin sah sich genoͤthigt, . Absicht, noch mehr der Liste der bereits Verabschiedeten hinzuzufügen, auf die M stellungen jener Minister aufzugeben. Ihre geheimen Nathgeh hatten ihr zweihundert solcher Beamten bezeichnet, die sie so schu als moͤglich entfernt haben wollten. Dlese Art von Ersparn hatte große Unzufriedenheit erregt. Es waren bereits Gerig von einem anderen Ministerwechsel im Umlauf. Das jetzige g binet kann nicht in Carvalho's Fußtapfen treten, anderen Wege ist keine Sicherheit fuͤr das Land.“

Die heutige Times sagt: „Ein Korrespondent berg uns, daß er gestern einen Theil der auf der Isle of Dogs Theilnahme an der Spanischen Expedition versammelten S ten gesehen hat. Ihr Aeußeres war im hoͤchsten Grade jaͤmm lich. Wie kann man auch glauben, daß sich andere Individuh als solche, die dem Hungertode nahe sind, fuͤr einen Dienst a werben lassen sollten, der nichts als Noth und Plage ver sprigh Selbst die besten Soldaten der Englischen Armee wurden lan Uebung beduͤrfen, um zur Kriegfuͤhrung in Gebirgen geschick werden. Welches Schicksal harrt also solcher Leute, die Unit plinirt, unerfahren, durch Entbehrungen schon geschwaͤcht sind lj weiter nichts aufzuweisen haben, als was alle Englaͤnder bessej ein muthiges Herz? Aber auch die muthigsten Herzen beih einiger Aussicht auf Erfolg und koͤnnen physische Unmoͤglicht ten nicht besiegen.“

Nachrichten aus Jamaika bis zum 15ten v. M. lau sehr befriedigend. Das Repraͤsentanten- Haus war vom Sligo bis zum 16ten d. prorogirt worden. Es wurden se während Maßregeln getroffen, Die Einwanderung Europaͤsst Arbeiter zu befoͤrdern. .

Wir haben Zeitungen vom Vorgebirge der guten He nung bis zum 15. April erhalten. Sie melden zwar von nem sehr gluͤcklichen Angriff auf die Kaffern, indeß scheint doch, daß, wenn die Insurgenten auf einem Punkte geschla werden, sie sofort auf einem anderen in groͤßerer Macht wiel erscheinen, wie gewohnlich rauben und plündern und ken Pardon geben. Der Kampf schien daher nichts weniger als nem Ende nahe zu seyn; er wird als der fuͤrchterlichste Mi beschrieben, der je von der Kolonie mit diesen Barbaren geflj worden. . Man hat Berichte aus Ostindien bis zum 5. Feb Der Gesandte der Sheiks in Kalkutta ließ sich im Chriskentht unterrichten und gedachte, sich nach seiner Bekehrung mit el Englischen Wittwe zu vermaͤhlen. .

Zu Buenos Apres war das Resultat der von dem neral Nosas in Betreff seiner Erhebung zurn Gouverneur General Capitain der Republik gewuͤnschten Appellation an? Volk folgendes: Die Bevoͤlkerung bestaͤtigte seine Wahl einmuͤthig, namlich mit 9316 gegen 4 Stimmen. Sobald d Resultat bekannt war, wurde in der Repraͤsentanten / Kamm uͤber die Ernennung berathschlagt, und es waren saͤmmtliche St men dafuͤr. Der 6. April war zur Vereidigung und yk, rung des neuen Gouverneurs bestimmt worden; General R! ö. aber um Aufschub dieser Ceremonien bis zum l zten desse

onats.

London, 30. Juni. Die Regierung hat Woll halten und durch Lord Mörpeth am Freitag Abend ihren Mn schlag fuͤr die Reform der Irländischen Kirche vors Ünterhy bringen lassen. Dieser gruͤndet sich natuͤrlich auf den Grunist daß, nachdem fuͤr die geistigen Beduͤrfnisse der dortigen Pr stanten gesorgt ist, der Ueberschuß des Einkommens auf den ll gemeinen Volksunterricht verwendet werden soll. Fuͤr s erste ab sucht die Bill dieses Einkommen uͤberhaupt dadurch zu sichemn daß die Entrichtung des Werthes des Zehnten, nach einer bereit

„Nach den letzten Berichten

gemachten Abschaͤtzung von den Gutsherrn geschehen sp ll, jedoh

unter Abzug von 32 Procent, damit derselbe desto eher genelß

Faͤllen nichts Leichtes seyn wird, bezahlt zu machen. worauf Laien, als Nutznießer

mehr als 300 Pfund betragt,

Bill auf diese

Am naͤchsten Montage wird die fen

und auf einn

mit jener gleich gestellt werde.

werde, das Risiko auf sich zu nehmen, indem es in vielen sich von den Pächtern wieder Procent sollen das Hoͤchste seyn, des Zehnten, Anspruch machen können. Geistliche aber sollen außerdem noch 5 Procent aus dem vor drei Jahren von den eingezogenen Bisthuͤmern und aus anderen Quellen gebildeten Fonds erhalten, welcher aber, wie

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es scheint, mehrere Jahre lang nichts zu entbehren haben wird.

Pfarre finden, deren Einkommen so soll dasselbe bei der ersten Erle⸗ bizung auf diese Summe herabgesetzt werden. In allen Kirch— späelen aber, wo sich noch dem Census des Jahres dz l weniger als zo Protestanten befunden haben, soll die Pfarre ganz und gar eingehen, sedoch fuͤr die Erhaltung eines Bethauses gesorgt, und ein Geist⸗ licher mit einem Einkommen von 75 Pfuͤnd angestellt werden. Da indessen die protestantische die Staats- Religion ist, so sollen selbst dte Kirchspiele, wo gar kein Protestant lebt, nicht aller evan⸗ gelischen Seelsorge beraubt seyn, und zu diesem Ende der Geist— liche des naͤchsten Kirchspiels beauftragt werden, im Fall irgend ein zufaͤllig dahin gerathender Protestant seines Beistandes be⸗ duͤrfe, solchen 9 gewähren, und zwar mit einer jaͤhrlichen Zulage zu seinem ehalt von 5 Pfund! Indem nun die Weise gegen 960 Pfruͤnden mehr oder

beschneidet, sorgt sie doch nicht dafuͤr, dieje⸗ Pfarren (von denen sogar manche zahlreich von deren Einkommen sehr niedrig

nach diesem eine

Sollte sich

weniger nigen . Protestanten bewohnt sind),

ist, zu erhohen, ja sie bildet selbst eine Menge Pfarren mit ei=

nem so geringen Gehalt, daß man kaum glauben sollte, ein Mann

von wissenschaftlicher Bildung werde sie dafuͤr annehmen wollen.

Aber da bisher die Pfarrer, welche selbst Tausende von einer

Steile beziehen, wenn auch die Arbeit noch so groß war, ihren

Gehuͤlfen selten mehr gegeben haben, und es dessenungeachtet doch nie an tuͤchtigen Maͤnnern gefehlt hat, welche den schweren Dienst gegen den geringen Sold uͤbernoinmen haben, so meinen die Minister, daß die Kirche einerseits sich nicht beklagen konne, wenn sie das geringe Einkommen ließen, wie man es so lange in derselben gut geheißen, und daß es andererseits nicht schwer hal— ten wuͤrde, Leute zu finden, um mit einem kleinen Gehalt die leichte Pflicht zu uͤbernehmen, der Seelsorger von 3 bis 50 Per⸗ sonen zu seyn. Ihre Hauptabsicht geht dahin, die Katholiken mit der

Pflicht der Erhaltung der protestantischen Staats,Kirche auszu⸗

sihnen, und dies hoffen sie dadurch zu bewirken, daß sie den groͤßften Theil des Einkommens dieser Kirche in denjenigen Lan— destheilen, wo die Katholiken durchaus vorherrschend sind, wo⸗ nicht zum Besten ihrer Kirche, doch auf die unentgeltliche Erzie⸗ hung ihrer Jugend zu verwenden vorschlagen. Ja, sie sind der Meinung, daß, ehe man den katholischen Suden zur Verbesserung

der Pfarren in dem mehr protestantischen Norden beitragen ließe,

waͤre es besser, die Dinge in ihrem bisherigen Zustand zu lassen. Indessen ist doch der ganze Betrag des Abzuges, selbst wenn alles so vortheilhaft ablaufen sollte, als sie es berechnet, nicht mehr als 50,000 Pfund jaͤhrlich; und die Tories rufen mit scheinbarem Recht: „Ist es um dieser elenden Summe willen, daß Ihr einen solchen Angriff auf alles Besitzthum un⸗ ternehmet, alle Protestanten mit Besorgnissen erfuͤllek und den Staat in seinen Grundvesten erschuͤttert?“ Den Katholi— ken obgleich sie unstreitig auf einen großeren Ueberschuß ge⸗ rechnet O ist wohl weniger um den unmittelbaren Vortheil, als um die Durchsetzung des Grundsatzes zu thun, daß auch sie mit zum Staate gehoren, und eben so wohl beruͤcksichtigt werden muͤs⸗ n, als die Protestanten. Auch glaube ich nicht, daß sie mit dem Vorschlage zufrieden seyn werden, da ihre endliche Absicht ohne Zweifel dahin geht, daß die ptotestantische Kirche mit der ihrigen, oder die ihrige Indessen, sey dem wie ihm wolle, Sir Robert Peel, Lord Stanley und alle ubrigen Tories und kirchlichen Whigs, die noch uͤber den Gegenstand gesprochen, so wie alle Journale im Interesse dieser Parteien, haben sich ein- muͤthig gegen den Plan erklart, auch nur einen Heller, der ur—

spruͤnglich der protestantischen Kirche gehoͤrt, auf den allgemeinen

Unterricht verwenden zu lassen. An eine Vereinigung der Par— teien ist also, wie guͤnstig auch das Ansehen dazu seit kurzem ge—

wesen, fuͤr's erste nicht mehr zu denken. O'Connell hat sich noch

nicht daruͤber vernehmen lassen, sollten aber er und feine Par⸗ tei es nicht fuͤr politisch halten, sich fuͤr jetzt mit der Maßregel zufrieden zu erklaren, so duͤrfte sie bereils im Unter— hause verworfen werden, was denn nothwendig zur unmittelba— ren Aufloͤsung des Ministeriums fuͤhren muͤßte. Das Oberhaus verwirft sie indessen ganz gewiß, selbst mit der Gefahr, daß bei laͤngerer Verzoͤgerung der Zehnten unwiederbringlich verloren gehe. In diesem Falle aber glaubt man nicht, daß die Minister resigniren werden. Alles dieses hat indessen nicht verhindert, daß die Corporations— Reform Bill gestern Abend noch Fortschritte gemacht hat, obgleich

einige Debatten uͤber die wegen der Wahl zu Ipswich sich noch

im Gefaͤngniß befindenden Personen, so wie uber die Wider— rufung der Anstellung des Lord Heytesbury als General-Gouver— heur von Indien, einen großen Theil des Abends wegnahmen. Aber die Fortschritte sind so langsam, daß man sich wahrschein⸗ lic, wie bei der Reform⸗-Bill, wird entschließen muͤssen, sich' alle Tage um 12 Uhr zu versammeln. Die Minister sind zwar nicht in Eile damit, aber die Tories muͤssen es um so mehr! seyn, da sie wuͤnschen muͤssen, die Kirchen-Reform-Bill je eher je lieber verworfen zu sehen, und jene das zweite Verlesen derselben nicht vorschlagen wollen, bis jene Bill durchs Unterhaus gegan⸗ gen ist. Wie ernstlich inzwischen es den Liberalen darum zu thun ist, die Tories vom Ministerium entfernt zu halten, zeigte sich in der Erklaͤrung, welche gestern Abend Herr Wilks im Ünter— hause im Namen der Nonkorformisten gab, daß sie es zufrieden seyen, alle die auf sie Bezug habenden Maßregeln wegen Ehen, Begraͤbnisse, Aufnahine zu den Universttaäͤren , Kirchensteuer bis nächste Session verschoben zu sehen. Die Debatte über Lord Heytes bury brachte nichts Neues zu Tage: die Minister erklaͤrten, sie hatten zu ihm, als einem politischen Gegner und von ihren politischen Gegnern gewählt, kein Vertrauen haben koͤnnen, und da er bei ihrem AmtsAntritt noch nicht abgereist gewesen, so haͤtten sie seine Be⸗ stallung widerrufen was Sir Rob. Peel nur in so weit ta— delte, daß es in Bezug auf ein Amt in Indien geschehen, wel— ches bisher im Allgemeinen stets außerhalb der Parteikampfe er⸗ halten worden sey Die Minister indessen weigerten sich, die Korrespondenz, welche daruͤber zwischen ihnen und dem Ostindi— schen Direttorium stattgefunden, vorzulegen, und eine bedeutende Mehrheit des Hauses unterstuͤtzte sie bei ihrer Weigerung; wie se venn uͤberhaupt, außer in Bezug auf die Kircht imfnter— hause unerschütterlich sind.

Nieder hand e.

Aus dem Haag, 2. Juli. In Rotterdam ist gestern mit dem Englischen Regierüngs? Dampfboot „Pluto“ Ihre H. H. die Prinzessin von Beira' mit den drei Kindern des Don Carlos angekommen. Im „Hotel der Riederlande“, wo die hohen Rei— senden abstiegen, würden dieselben im Namen Sr. Majestaͤt des

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Königs ven dem Contre⸗Admiral Ruysch begrüßt. Kurz vor ih= rer Abreise aus London hatte die Prinzessin von Beira noch ein Schreiben ihres Schwagers Don Tarlos erhalten, worin der⸗ selbe ihr versicherte, daß die Wunde Zumalacarreguy's, bei deren erstem Verbande er zugegen gewesen, nur unbedeutend sey.

Die Haͤrings-Flotte, welche in diesem Jahre von der Pro— vinz Holland ausgeruͤstet worden, besteht aus 113 Schiffen, von denen 76 allein in Vlaardingen zu Hause sind.

Belgien.

Bruͤssel, 2. Juli. Sir Rob. Adair, designirter Großbri⸗ tanischer Gesandter in Bersin, wird morgen von hier nach Lon⸗ don abreisen.

Man glaubt, daß uͤbermorgen bei der Wiederero nung der Kammern keine Thron⸗Rede gehalten werden wird. Es eißt, daß eine neue 4 proc. Anleihe von 40 Millionen Franken 1. Deckung des Desizits und zur Fortsetzung der Eisenbahn zunachst in An⸗ trag kommen werde.

Von der Werbung fuͤr Spanien ist hier keine Rede mehr. Ge⸗ neral Daine beklagt sich laut daruͤber, daß seine Projecte uner⸗ fuͤllt bleiben; Major Kessels soll jedoch den Plan, in Spanien

sein Gluͤck zu machen, noch nicht aufgegeben haben.

Deutsch lan d.

Dresden, 3. Juli. , Ztg.) In der Nacht vom 1. zum 2. Juli reisten Se. Majestaͤt der Koͤnig von Preußen hier durch nach Teplitz; der K. Preuß. Gesandte von Jordan war Aller⸗ hoͤchstdemselben his Großenhayn entgegengeeilt. Von Teplitz war unterdessen Karl X. mit selnem Gefolge nach Prag zuruͤckgereist, pen einem starken Anfall der Gicht eben genesen. Ihre Maje⸗ staͤt die verwitwete Koͤnigin von Bayern, die seit einigen Wo⸗ chen in Teplitz sich aufgehalten hatte, verschob ihre Ruͤckreise nach Tegernsee, um Se. Majestaͤt den Koͤnig von Preußen in Teplitz nech zu begruͤßen. Sie hatte einige Tage fruͤher an der Säch⸗ sischen Graͤnze in Hoͤllendorf noch eine Fusammenkunft mit St. Majestaͤt dem Koͤnige von Sachsen gehabt und das dort zube⸗ reitete Mittagsmahl im Carlowitzischen ause eingenommen.

Ihre Koͤnigl. Hoheiten der Prinz Johann nebst Gemahlin

und Familie sind gestern Abend von Teplitz im Koͤnigl. Sommer⸗ Hoflager zu Pillnitz wieder eingetroffen. Der Koͤnigl. Leibarzt, Hof- und Medizinal⸗Rath Dr. Carus, ist nach Marienbad gereiset, um dort den Prinzen ⸗Mitregenten und der Prinzessin Marie aufzuwarten, und sie dann nach Fran⸗ zensbad zu begleiten. Der Kaiserl. Russische Gesandte am Saͤchsischen Hofe, Herr von Schroͤder, ist nach Karlsbad abge⸗ reist, wohin auch der Kaiserl. Russische Reichs⸗Vice⸗Kanzler und Staats-Secretair der auswärtigen Angelegenheiten, Graf Nesselrode, und der neue Russische Botschafter in Paris, Graf Pahlen, welche beide einige Tage hier verweilten, schon fruͤher, um die Cur dort zu brauchen, abgereist sind.

Se. Koͤnigl. Majestaͤt und des Prinzen Mitregenten Koͤnigl. Hoheit haben bei dem neu errichteten evangelischen Landes⸗Kon⸗ sistorium zu Dresden zum Konsistorial-Praͤsidenten: den Geheimen Rath und bisherigen Direktor des nun aufgelösten Ober⸗Konsi⸗ stortums, Dr. Karl Gottlieb v. Weber, und fuͤr jetzt zum Vice⸗ Praͤsidenten: den Geheimen Kirchenrath und Ober Hof⸗Prediger Dr. Christoph Friedrich v. Ammon, „unter Beibehaltung seines bisherigen Verhaͤltnisses als Mitglied des Kultus⸗Ministeriums⸗“,

ernannt.

Weimar, 4. Juli. Die hiesige Zeitung schreibt aus Neustadt an der Orla: „Seitdem wir in den großen Zoll⸗ Verband eingetreten sind, athmen wir sichtbar wieder auf. Un— sere Tuch⸗ und Leder- Fabrikanten, fuͤr welche sich der Gesichts⸗ kreis und die Handelswege erweitert haben, schwingen sich mit ruͤhriger Thaͤtigkeit auf; den letzten Weimarischen Wollmarkt be⸗ suchten allein 17 Neustaͤdter Tuch-Fabrikanten , welche mehr als 200 Etr. Wolle fuͤr ihren Bedarf ankauften. Noch mehr ver⸗ sprechen wir uns von der Zukunft, wenn es uns erst noch mehr gelungen ist, entferntere Verbindungen anzuknuͤpfen.“

Muͤnchen, 2. Juli. Se. Majestaͤt der Konig haben den bisherigen Ministerial-⸗Rath Knorr im Finanz Ministerium zum General⸗Zoll⸗Administrator provisorisch ernannt.

Stuttgart, 3. Juli. Das Staͤdtchen Marbach, Schillers Geburtsort, macht Jetzt ebenfalls seine Anspruͤche geltend, ein Denkmal des großen Dichters in seinen Mauern besitzen zu wol⸗ len, und da der hier bestehende Verein fuͤr Schillers Denkmal von diesen Anspruͤchen nichts wissen will, so hat sich in Marbach ebenfalls ein Ausschuß gebildet, der zu Beitraͤgen fuͤr ein be— scheidenes Monument auffordert. Allerdings scheint es auch un— recht, Marbachs Anspruͤche so ganz von der Hand zu weisen. Ist nicht, neben dem glaͤnzenden Denkmale in der Westminster⸗ Abtei, dem großen Britischen Dichter auch ein seinem Geburtsorte errichtet? Erst unlaͤngst haben wir in Eng⸗ lischen Zeitungen gelesen, daß man zu Stratfort am Avon damit umgeht, das dasige Denkmal Shakespeares zu erneuern. Moͤge daher immer Marbach neben Stuttgart um Beitraͤge werben, welches, wenn es darauf ankaͤme, dem Dichter da ein Denkmal z setzen, wo er seine „interessanteste Periode“ erlebt, seine An⸗ pruͤche fuͤglich an Welẽ mar abtreten muͤßte, wo Schillers Asche neben der von Karl August und Goethe ruht.

Karlsruhe, 1. Jult. Die zweite Kammer der Staͤnde setzte heute fruͤh bei guter Tageszeit die Berathung uͤber die Zoll⸗Vereins⸗Sache fort, die jedoch abermals nicht beendigt wurde. Nach 9stuͤndiger Diskussion hatten folgende Mitglieder gesprochen: Posselt, Ziegler, Bader, Doͤrr, Seltzam, Weller, Gerbei, Rettig von Emmendingen, v. Tscheppe, Lauer, Muͤller, Plaz, Kroͤll, v, Rotteck, Fecht, Welker, Schaaf, Korner, Wezel J., und Grimm. Außer diesen Rednern, von denen 6 gegen und die uͤbrigen fuͤr den Zoll⸗Verein sich erklaͤrten, sprachen noch die Regierungs⸗Com⸗ missaire v. Boͤkh, Winter, v. Tuͤrkheim, Goßweiler, Nebenius. Nun haben sich bereits noch 18 Mitglieder zum Wort gemeldet und man glaubt daher, daß erst nach einer , zehnstuͤn⸗ digen Verhandlung, die morgen stattfinden soll, die Hauptfrage zur Abstimmung kommen koͤnne.

Karlsruhe, 2. Juli. Die (bereits gemeldete) Abstimmung der zweiten Kammer in Bezug auf die Zoll⸗Vereins⸗Frage ist heute Nachmittags um A Uhr erfolgt. Dafür haben 40 und dagegen 22 Mitglieder gestimmt, woraus sich die angegebene Mehrheit von 18 Stimmen ergiebt. ;

Folgende Mittheilung aus Karlsruhe enthaͤlt die speziel⸗ leren Angaben uͤber die Art der Abstimmüng: „So eben hat in der zweiten Kammer unserer Landstaäͤnde die Abstimmung uͤber den Beitritt Badens . Deutschen Zoll⸗Verein stattgefunden. Nachdem 38 Reden fuͤr und wider den Beitritt gehalten wor⸗ den, und die Debatten waͤhrend drei Tagen in parlamentarischer Haltung geblieben waren, lieferte die Abstimmung folgendes Re⸗ sultat: Dafuͤr stimmten: Armbruster, Beckt, Bohm, Buhl,

Claͤs, v. Duͤrrheimb, Duttlinger, Fecht, Grimm, Knapp, Koͤr—=

ner, Kroll, Lang, Lauer, Leiblein Lenz, Magg, Merb, Moͤrtes Mohr, Obtircher, Platz, Posselt,/ Riez: auer hienn, v. Emmen

Monument in

dingen, Rettig v. Constanz, Rutschmann, Schaaff, Seltzam, Se⸗ ramin, Stöͤsser, Treffurt, Völker, v. Vogel, Weller, ö I., Wetzel II., Winter von Karlsruhe, Winter von Heidelberg, Zieg⸗ ler. D agegen stimmten; Aschbach, Bader, Blankenhorn, Doͤrr, Gerbel, Goll, Ganther, Herr, Hoffmann, v. Jö. Martin, Muller, Rindenschwender, v. Rolteck, Sander, Scho felt, Schinzinger, v. Tscheppe, Welker, Weysser, Sonntag, Troͤtschler. Es war also die Kammer vollstaͤndig versammelt, und haben, mit Ausschluß des Präsidenten Mittermeier), der * e, er,, kommen konnte, 40 dafür und 22 dagegen gestimmt.

Portugal.

In einem von der Times mitgetheilten Privat⸗ Schreiben aus Lissaben vom 14. Juni heißt es; „In der Eile, mein letztes Schreiben noch e, , vergaß ich zu melden, daß das vorige Ministerium die Koͤnigin bewogen hat, die Ernennungen des Grafen Villa Real und des Herrn Miranda fuͤr die beiden valanten Stellen im Staatsrathe zu unterzeichnen. Dieser hat daher jetzt die festgesetzte Zahl von zwoͤlf Mitgliedern. Die Par⸗ tei von Silva Carvalho und Freir? bildet nunmehr die Halfte dieser Zahl und hat die Aussscht auf noch zwei Stimmen, die gewiß haͤufig mit ihr stimmen werden. Bas gegenwaͤrtige Mi⸗ nisterium muß es daher, so viel es in seiner Macht steht, zu vermeiden suchen, wichtige Gegenstaͤnde vor den Staats rath zu bringen. Unterrichtete Personen versichern, daß der Herzog, von Palmella und der Marschall Saldanha es schon sehr bereuen, mit Leuten, wie zwei oder drei e,. Kollegen, die Verwaltung uͤbernommen zu haben.

s heißt, daß Ihre Majestaͤt Ihren ganzen Hofstaat (Conseilho de Familia) veraͤndern wolle, und deshalb die Marquis von Rezende und Aracati und den Herrn Almeida entlassen Und an ihre Stelle die drei Pairs Barradas, Trigoso und Sarmento ernannt habe. Der Letztere ist ein achtbarer, wuͤrdiger Mann. Ueberhaupt gewinnt man hier schon aligemein die Ueber eugung, daß das Ministerium in feiner gegenwaͤrtigen Gestalt ö nicht lange wird halten koͤnnen, daß jedoch Palmella und Saldanha bei einem neu zu bildenden ihre jetzige Stellung beibehalten wer— den. Der neue Finanz⸗Minister, Campos, hat befohlen, daß von dem Tage an, wo er ins Ministerium trat, in allen Bu— reaus neue Rechnungen angefertigt werden sollen, um sie von den unter Carvalho gefuͤhrten unterscheiden zu koͤnnen. Auch hat er einen Befehl an das Zoll ⸗Amt wonach alle diejenigen, welche fremde Waaren ein Verzeichniß derselben mit Angabe ihres Werthes einzureichen

aben. Eine gu diesem Zwecke ernannte Kommission werd dann untersuchen, ob die Waaren mehr oder weniger werth sind, als in dem Verzeichnisse angegeben ist. Im ersteren Falle wird die Regierung sie fuͤr den im Verzeichnisse angefuͤhrten Werth kau— fen. Britische Waaren, die seit den letzten Tagen sehr gesucht werden, sind hiervon ausgenommen, da in Bezug auf sie in ei— nem besonderen Handels-Vertrage Alles festgesetzt ist. Der Russische Konsul in St. Ubes, Theilnehmer eines hiesigen bedeu— tenden Handlungshauses, ist, wegen seiner politischen Meinung, seines Amtes entsetzt. Auch das Amerikanische Konsulat, welches er verwaltete, ist von dem Praͤsidenten der Vereinigten Staaten einem Anderen uͤbertragen worden.“

Griechenland.

Athen, 6. Juni. (Muͤnch. pol. Ztg.) Heute end igen sich die Feierlichkeiten der Thronbesteigung ö Maj., und ich versuche es, Ihnen eine kurze und getreue Schilderung dieser Festtage zu geben. Vor Allem verdient die Thätigkeit und Ent—

schiedenheit volle Anerkennung, mit der die Lokal-⸗Behoͤrde in den

allerletzten Tagen des verflossenenen Monats die drei großen Straßen der Athina, des Hermes und Aeolus oͤffnete, und da⸗ durch schnell in dem seither winkelreichen und straßenarmen Athen eine freiere Bewegung herstellte. Sowohl in der zum Palais Sr. Maj. fuͤhrenden Straße als in den andern neugeschaffenen Hauptstraßen wurden Triumphboͤgen aufgerichtet, und einer der— selben in der Nahe der Hauptkirche mir passenden Inschriften ausgestattet. Schon am Tage vor der Thronbesteigung war unter der Bepölkerung, die durch einen großen Andrang Einhei— mischer aus allen Gegenden des Reiches vermehrt war, eine freu— dige Bewegung sichtbar, und Taufende von Menschen zogen durch die gruͤngeschmuͤckten Straßen und nach dem Lager, vor dem die Garnison recht freundliche und geschmackvolle Verzierungen ange— bracht hatte. Ich uͤbergehe das aus dem Programme ersichtliche Teremoniel und bemerke nur hinsichtlich der am Tage der Haupt— feier aufgestellten Truppen, daß besonders die von Argos hierher kommandirte Uhlanen⸗Abtheilung durch eine treffliche, unsern Oh⸗ ren ganz fremd gewordene Blechmusik sich aus eichnete. Das Volk hatte sich in sichtlicher Freude um das? alais und die nahegelegenen Straßen zu vielen tausend Koͤpfen ver sam⸗ melt, und harrte in froher Ungeduld des Augenblickes, wo Seine Masjestaͤt der König aus seinem Palais in die Kirche St. Irene Sich begeben wurden. Ein unbeschreiblicher Jubel empfing Ihn und begleitete Ihn auf dem Wege zur Kirche und von da zurck bis zu Seinem Palais; es war der unver— kennbare Ausdruck innigster Liebe und Hingebung, der sich in dem tausendstimmigen „Tr? (Vivat) und auf den freudestrah⸗ lenden Gesichtern der zahllosen Menge kund gab. Der Koͤnig war sichtlich ergriffen von diesen einstimmigen Beweisen der Verehrung und des Vertrauens. Die Proclamation des Koͤnigs, die in allen Theilen der Stadt von 'einem Herold verkuͤndet wurde, fand eine allgemein guͤnstige Aufnahme und darin befon— ders die Stellen, welche von dem Schutze der Religion und der desfallsigen Vorsorge des Koͤnigs in Bezug auf seine Nachkom⸗ men, von der Sorge fuͤr Schulen und Handel und von der Amnestie sprachen. Alles draͤngte sich mit Ungeduld »die Worte des Koͤnigs zu erhalten“, und ich habe die Procla⸗ mation bereits in mehreren Haͤusern gleich einer Reliquie im Zimmer angeheftet gesehen. Des Abends war die ganze Stadt beleuchtet, wobei sich besonders das Haus des Oesterreichischen und Preußischen Gesandten so wie das des Herrn Kantakuzenos auszeichneten. Der Konig ging des Abends, nur von zweien sei⸗ ner Diener begleitet, durch die Stadt; Jubel und ni? verstum⸗ mende freudige Zurufe begleiteten den König auf jeẽ dem Seiner Schritte. Auch Feuerwerke fehlten nicht zur Verherrlichung des Festes. An diesem Tage so wie an den folgenden war Tafel bet Sr. Majestaͤt, wozu die Mitglieder der Regentschaft, die Glieder des diplomatischen Corps, die hoͤheren Staats-Beamten des Civil⸗ und Militairstandes ꝛc. geladen waren. Der hierfuͤr an das Pa— lais Sr. Majestaͤt von dem Architekten Roͤser angebaute Saal wurde allgemein der richtigen Verhaͤltnisse und der geschmackvollen Decoration wegen bewundert. Die Subaltern-Beanmten d. Ne⸗ gentschaft, so wie mehrere andere Staatsdiener hatten sich am ersten Tage des Festes zu einem Mahle vereinigt, wobei es nicht

an herzlichen Toasts fär Se. Majestaͤt, dessen Köni J. Vater, „den ren, und Gepriesensten der Philhellenen geh *

erlassen, einfuͤhren,

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