Werk erschtenen war, die Quellen, aus denen es geschbpft wurde, und endlich die persoͤnlichen Verhaͤltnisse des Herausgebers, durften mit Recht voraussetzen lassen, daß dasselbe von der höchsten Bedeutung fuͤr die Geschichte jener Zeit sey. ;
Die Geschichte des Feldzuges von 1799 in Italien und in der 2, ist bereits von verschledenen Seiten, von Schriftstellern verschiedener Nationen dargestellt worden. Keine dieser Darstellun⸗
en aber enthaͤlt die Motive der Kabinette und des Feldoerrn, wie
ie in diesem Werke aktenmaͤßig und vollstaͤndig gesammelt sind. Man!
Findet hier die wichtigsien Aufschlüsse uͤber die Begebenheiten jener Zeit und erhält ein sehr gutes Bild von den militäirischen und ro⸗ litischen Verhaͤltnissen, so wie eine treffende Charakteristik der han— delnden Personen, besonders des Feldmarschall Suworoff, dessen schar⸗ fer, praktischer Blick und origineller Ch rakter sich in seinen Be— . die Armee, so wie in allen seinen Schreiben, sehr klar ausspricht.
Der erste Band des Russischen Werkes betrifft die Geschichte des Russisch-Oesterreichischen Feldzuges im Jahre 1799, welche aus den, den zweiten und dritten Band bildenden Aktenstuͤcken geschoͤpft, oft wortlich daraus abgeschrieben, im Ganzen aber nicht gruͤndlich genug, hin und wieder sogar sehr mangelhaft dargestellt ist. Bei der Uebersetzung ist daher der erste Theil unberuͤcksichtigt geblieben und die⸗ selbe nur auf den zwelten und dritten Band, als den wesentlichen Theil, den eigentlichen Kern des Werkes, welcher fuͤr die Geschichte von hohem Werth ist, beschraͤnkt worden.
Diese beiden letzten Baäͤnde enthalten nämlich in chronologi⸗ scher Reihefolge geordnet: Die gegenseitige Korrespondenz der ver⸗ buͤndeten Monarchen, deren Schreiben an Suworoff und an die ver— schledenen Gesandten ihrer, so wie fremder Hofe; Suworoff s Schrei⸗ ben an die Monarchen, seine Berichte uͤber die militairischen und politischen Ereignisse; die Relationen von den Schlachten, Belage⸗ rungen 2c; die Dispositionen zu den Maͤrschen, Gefechten u. s. w.; die Befeble an die Armee, ferner die bei der Uebergabe von Staͤd— ten und Festungen abgeschlossenen Capitulatio nen, Suworoff 8 Be— merkungen über militatrische und politische Verhältnisse, so wie end⸗ lich . Korrespondenz mit beruͤhmten Maͤnnern in jener Zeit u. m. A.
Das uns verliegende Deutsche Werk theilt hieraus die akten— mäßigen und offiziellen Schreiben mitt, welche, dem Original ge— treu, mit großer Gewissenhaftigkelt und Sachkenntniß in gedräng— ter bündizer Sprache uͤbersetzt sind. Außer den wichtigen Auf⸗ schluͤsen, welche das Werk in politischer und historischer. Beziehung ertheilt, enthält es zugleich viel Lehrreiches in militairischer, und zwar nicht allein in kriegsgeschichtlicher, sondern auch in taktischer Hinsicht, und entwickelt gleichzeitig in den chronologisch zusammen⸗ gestellten Ordres, Disrositlonen und Berichten über die Kriegs- Be— gebenheiten die sehr ausfuhrliche Geschichte der Campagne von 1799, so daß man hier fuͤr den Ausspruch des Marschalls Gouvion St. Cyr: „C'est dans la correspendance des géntraux, si un pau— voit Laro'r entière,; que je voüdrois étudier une cCumpague“ den besten Beweis erhaͤlt. J
Wir thzeilen unseren Lesern als Proben einige jener Aktenstuͤcke mit, und laͤßt sich hieraus leicht auf den hohen geschichtlichen Werih des ganzen Werkes schließen.
Bemerkungen Suworoff's, welche er am 17. Septem⸗ ber 1796, als er sich noch auf seinem Landgut Kant— , aufhielt, dem General Prevot de Lurnian
iktirte.
„Die Oe terre ich er muͤssen sich ohne Furcht in Ragusa und nicht nur in Triest behaupten, selbst wenn ein dreißigjaͤhriger Krieg dar aus erfslgte. Die Verhaͤltnisse aͤndern sich taglich mit dem Gluͤcke ihrer Waffen —= dieses aber aͤndert sich nicht bei mir, der ich mit der blanken Wafe fechte.“
„Die Engländer sind schwach zu Lande, ausgenommen in der Vertheidigung ihrer Küsten. Aber welches Uebergewicht zur See! Eine Landung in Frankreich ist nicht erforderlich, sie muͤssen den Angriff auf die Kolonieen fortsetzen. Sie theilen ihre Kraͤfte zu sehr zwischen dem Kanal und dem Mittellandischen Meere. Das sind Defensiv- Operationen, wahrend ihre Macht ihnen gebietet of⸗ fensiv zu handiln. Hierin hat Nelson gefehlt, er besetzt zu pbiele Punkte und haͤlt sich zu lange auf den öesetzten Punk— ten auß. Die Englaͤnder muͤssen en supérieur handeln.“
„Sach sen muß neutral bleiben, Bayern, so wie alle uͤbri⸗ gen Dentschen Laͤnder bis an Hannover jedoch nicht.“
„Die Türken werden, selbst auf die Gefahr, Griechenland zu verlieren, gezwungen, sich in den Krieg n, , verfuͤhrt durch das Schein⸗-Verspeechen, die Krimm und uͤbrigen Laͤnder wieder zu erbalten, welche man in der Folge jedoch unabhaͤngig zu machen he— müht seyn wird.“! .
„Rußland wird hierdurch etwas verlegen werden, so wie auch in Hinsicht Persiens, doch dies wird sehr voruͤbergehend seyn, indem man gegen letzteres die Kavardiner und Tscherkassen aufzuwiegeln sucht, wodurch ein Gegengewicht erzeugt wird. Gegen Schweden muß es 22 00h Mann geuͤbter Truphen mit guten Bajonnetten und Reserven haben. Zur See ist es weit staͤrker und wird der Schwe⸗ dischen Flotte empfindlich werden; die uͤberflüͤssigen Schiffe giebt es den Englaͤndern ab.“
„Danemark kann gegen Schweden mehr Vortheile erlangen, als gegen seine anderen Feinde. Wenn es sich nicht mit England vereinlat, thut es besser: neutral zu bleiben.“
„Selt dem letzten Kriege fehlt es den Tuͤrken an Menschen, wenn Frankreich sie nicht unterstüͤtzt. In diesem Falle bekaͤmpft sie Rußland mit 60,9900 Mann und 360,000 Mann Reserve. Sewastopol ist das Asyl fuͤr die Flotte.“
„Ocsterreich und Rußland werden gegen Frankreich mit 100,090 Mann agen, nach folgenden Grundsaͤtzen: [) Nicht anders als in der Offensive. 2) Schnelle Märsche — Nachdruck beim Angriff — blanke Waffe! 2) Keine Methodik — Augenmaß. 3) Volle Ge— walt dem Ober-General. 3) Den Feind im Felde aufsuchen und schlagen. E) Keine Zeit mit Belagerungen verlieren, ausgenommen wenn man auf einen Ort wie Mainz (als Depot⸗Punkt) trifft. — Bisweilen mit einem Observations-Corps eine Blokade unternehmen, bisweilen Festungen durch Uebersall oder mit Sturm nebmen. Dabe verliert man weniger. 7) Niemals die Krafte zur Deckung verschiedener Punkte zersplittern. Wenn der Feind diese Punkte überschreitet, desto besser er naͤhert sich, um auf pas Haupt geschlagen zu werden. 8) Demnach ist nur ein Obser— vations Corps bei Straßburg und ein fliegendes bei Luxemburg nö— tbiz. Wenn man versucht, vorzudringen, muß man nicht Halt machen, sondern gerade auf Paris, als den Hauptpunkt, losgehen, stch vor Landbau nicht aufgalten, es nur mit einer kleinen Anzahi Truppen beobachten, um sich den Räͤcken zu sichern, nicht des Ruͤck— zugs wegen, an den man nlemals denken muß, aber wegen der Zu— fuhren. Niemals muß man sich auf vergebliche Mandver einlaffen, auf Contre⸗Maͤrsche oder sogenannte Kriegslisten; dergleichen Dinge passen nur für elende Schulgelehrte. O) Italien, die Niederlande folgen leicht nach Parl. Der Koͤnig von Sardinien erklaͤrt sich gegen Frankreich. In Italien sind noch genug Brgusekbpfe, aber alle abrigen vertheidigen die allgemeine Wohlfahrt. Der Koͤnig von Neapet sebt wider auf. — Die Engländer saͤubern das Mittel⸗ meer Kein Aufschub. — Falsche Klugheit und Neid sind Medusen⸗ Haͤupter in dem Kabinet und Ministerium. Junge, Marlboroug h's entsteben nicht seltener, wie Suworoff s und Koburg s.
Im Februar 1795 erbielt Suworoff den Oberbefehl uͤber die vereinigte Deßsterreichisch⸗Russische Armee in Italien und begab sich zur Armee. (Gegen Ende März traf der General-Feldmarschall auf
Suworoff augestellt und besaß des Feldherrn volles Vertrauen. — Zur Zusam— menstellung des oben gengunten Werts benutzte der St. R. Fuchs nicht nur die Kaiferlichen Archipe, sondern auch die ihm persönlich genaü beignnten und in
uworof s Nachlasse noch vollstandig vorgefundenen Sriginai⸗ Schreiben und 7Fftenstücke aus jener Zeit.
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seiner Neise zur Armee in Wien ein, und erhielt daselbst von dem Kaiser Franz folgende schriftliche Instruction:
„Herr Feldmarschall Graf Suworoff Rimniksky! Die zahl⸗ reichen glaͤnzenden Siege, welche Ihre kriegerische Laufbahn so sehr berühmt machten, erzeugten in Mir den Wunsch, Ihre Tapferkeit, langjaͤhrige Erfahrung und erprobten hohen Talente dem gefaͤhr⸗ lichen Feinde, mit welchem wir kaͤmpfen muͤssen, entgegenzuͤstellen. Se Majestaͤt der Kaiser aller Reußen, Mein aufrichtiger Verbün⸗ deter, gab seine Zustimmung zu den ihm dieserhalb von Mir ge⸗ machten Vorschlaͤgen, und Ich beschloß, Ihnen den Oberbefehl uber alle Meine in Italien operirenden Streitkräfte zu uͤbertragen, indem Ich Ihnen hiermit die Vollmacht ertheile, uͤber alles hierzu Erforderli⸗ che zu verfuͤgen. — Im vollen Vertrauen auf Sie, beschraͤnke Ich Meine Instruction bei Ihrer Abreise nach Italien nur auf wenige Punkte, in Betreff der wesentlichsten Maßregeln, und uͤberlasse die Ergänzung derselben fuͤr unvorhergesehene Faͤlle gaͤnzlich Fhrer Einsicht und Weisheit. — Ich wuͤnsche, daß durch die ersten Sffen⸗ siv Bewegungen Meiner ÄArmee meine Staaten gedeckt, und alle Gefahren einer feindlichen Invasion in dieselben moͤglichst entfernt werden. Demnach wird es sehr vortheilhaft seyn, unsere Kraͤfte in der Lombardei und den Gegenden auf, dem linken Ufer des Po ju verwenden, denn dort und in Piemont ist das Nest und der wahre Mittelpunkt der feindlichen Kraͤfte, von wo aus sie das ganze uͤbrige Itallen bedrohen und beherrschen. — Unser Vordringen in diese Ge⸗ gend verhindert eine feindliche Invasion in Suͤd⸗Tyrol, sollten aber die Franzosen dort eindringen, so sind Sie gezwungen, sich wieder zu entfernen, und Meiner aus 18 — 20,000 Mann besiehenden Ar— mee in Tyrol wird es dann in der Folge moͤglich, zu Ihren ferne— ren Opzrationen in Italien mitzuwirken, so wie die Verbindung mit meiner Armee in Deutschland durch Tyrol, Valtelin und Graubünd⸗ ten zu sichern. — Wenn Gott Meine Waffen in der Lombardei und Piemont segnet, so werden die Franzosen von selbst Suͤd-Italien verlassen, oder wenigstens sich dort so schwaͤchen, daß zu ihrer Ver— treibung die Krafte des durch ibr tyrannisches Joch aufgebrachten Volkes ausreichen; in jedem Falle konnen wir leicht, bei entschiede— nem Uebergewicht uͤber den Feind in der Lombardei durch wenige zur Unterstützung der Einwohner detaschirte Krafte ganz Suͤd-⸗Itäͤ⸗ lien vom Feinde saͤubern. — Demnach ist es Meine Abdsicht, daß Sie, nachdem Sie die erforderliche Truppenzahl in der Polesina und am unteren Po zur Beobachtung der seindlichen Operationen in der Gegend, von Ferrara , haben, sich mit dem größten Theil, Ihrer besten Krafte gegen den Minoio“ wenden, diesen Fluß uͤberschreiten und den Schluͤssel desselben, Pes⸗ chiera, zu erobern suchen. Hierauf werden Sie, nach Be⸗ fund der Umstaͤnde, selbst entscheiden, was weiter zu unternehmen sey: ob Mantua zu belagern, oder ob dasselbe nur zu blokiren, und die Richtung gegen den Oglio und die Adda zu verfolgen sey. — Ich, wuͤnsche, daß Sie bei Uebersendung der Nachrichten von den Eeeignissen mir stets gleichzeitig Ihre Ideen üͤber die ferneren Ope— rationen, welche Sie zu unternehmen beabsichtigen, mittheilen. — Ich vertraue Ihnen die Aufrechthaltung der Bisziplin, des Gehor— sams und der Ehre in Meiner Armee an, welche die wahren Trager der Kraft derselben sind, und bin überzeugt, daß Meine Generale und Offißiere das ihrige zu Ihrer unterstuͤtzung hierzu beitragen werden. indem sie mit alien denselben zu Gebote stehenden Mitteln Ihre Befehle vollziehen. Damit Ihre Aufmerksamkeit durch die Sorge um andere Dinge, von dem wichtigsten Gegenstande, der ho— hen Leitung der mtlitalrischen Operationen, nicht abgezogen werde, habe Ich Meinen General der Kavallerie Melas aufgetragen, mit Meinem Hof-Kriegs-Rathe in Betreff der Befriedigung aller für die Armee erforderlichen Beduͤrfnisse direkt zu korrespondiren. Ich kann den Gott der Heerschaaren nur bitten, Sie in seinen Schutz zu nehmen und Ihre zahlreichen Lorbeern durch neue zu vermehren. Mit besonderem Verghuͤgen wiederhole Ich Ihnen, Herr Fesd-Mar⸗ schall Suworoff, die Versicherung Meiner aufrichtigen Hochachtung und Gewogenheit.
Wien, den 2. April. Franz.“
Suworoff ging hierauf zur Armer ab, und hatte bis zum 1. Juni bereits gänz Ober⸗-Italten vom Feinde gesäubert, Mantun, Tortong, Alexandria und die Citadelle von Turin wurden belagert. Einige Berichte Suworoff's über die in Italien stattgefundenen Schlachten und Operationen, so interessant dicfelben fuͤr die Geschichte sind, Kier mitzutheilen, gestattet uns der Raum nicht; dagegen mö—
en hier einige von Suworoff's originellen Schreiben, Gefechts⸗ ispo sitionen 2c folgen. z. B.
„Befehl an die Vereinigte Armee (bei Gelegenheit des Marsches gegen die Trebbig. Alexandria, 14. Fun 1799.“ . „Der Find wird mit dem kalten Eisen, Baionnetten, Saͤbeln, Piken in die Flucht geschlagen; die Artillerie schießt nach ihrem Belicben, und Braucht, sich daher auch nicht an die Lini: zu halten. Die Kavallerie und Kosaken suchen den Feind in Lie Flanken zu fallen. In der Attacke wird nicht angehalten. Ist der Feind geschlagen, zusammengehauen, so wird er sogleich ver⸗ folgt und ihm keine Zeit gegeben, sich zu sammeln oder zu ordnen. Will sich der Feind ergeben, so wird er geschont und ihm nur zuge⸗ rufen, die Waffen wegzuwerfen. Bel der Attacke wird geschtieen; Ider Feind soll sich ergeben!“ Nichts wird geschont und ohne Ruck sicht auf Anstrengung der Feind Tag und Nacht verfolgt, bis er vernichtet it. Die Kessel und leichten Wagen werden bei der An— naͤherung des Feindes nicht zu weit zuruͤckgeschickt, um gleich nach der Niederlage desselben Gruͤtze kochen zu konnen. Uebrigens muͤf— sen die Sieger hinreichend mit Brot im Tornister und Wasser in der Feldflasche versehen seyn. Die Kavallerie sorgt selbst für Fou— rage. Suworoff “
„Befehle an die Armee (fuͤr die Schlacht am Tidone und der Trebbia) den 16. Zuni 1799.“
„Die feindliche Armee wird gefangen genommen. Die Armeen gerathen hart an einander. Die feindlichè ist 27,600 Mann stark, von denen nur 7409 Franzosen sind, der uͤbrige Haufe beseht aus Konskrivirten. Die Kosaken werden slechen, aber grausam würde dies seyn, wenn sie hoͤren, daß die Franzosen „Pardon!“ schreien oder Chamade schlagen. Die Kesaken selbst schreien bei der Attake: „Balesarm! Pardon! Jettelesarin. ) und indem sie dieses Geschrei ausstoßen, haut die Kavallerie tuͤchtig ein und sprengt schnell auf die Battericen los, was ihr besonders einzuschäͤrfen ist. Die Kosa! ken muͤssen mit den Gefangenen Mitleid haben. — Beim Angriff: großes Geschrei — starkes Trommeln, die Musik spielt, wo es an—
eht, besonderg aber beim Verfolgen, wenn die Kavallerie haut und icht, damit sie die unscigen hören. — Den Generalen, welche die Kosaken durch die sie umgebenden Suiten erkennen werden, rufen sie „Pardon“ zu; wenn sie sich nicht ergeben, so machen sie sie nieder Su wo roff.“
Der Raum gestattet uns nicht, noch mehrere dieser interessan⸗ ten Aktenstuͤche hier mitzutheilen, doch glauben wir, durch das Vor— stehende hinlaͤnglich dargethan zu haben, wie nützlich und wichtig fuͤr die Welt- üind Kriegs⸗Geschichte des Jahres 1799 das vor und liegende Werk sey, und daß man es dem Herrn Uebersetzer Dank n ,,. dasselbe dem Deutschen Publikum zugaͤnglich gemacht u haben. 8.
Im Russischen Originale sind die Französischen Worte: Bas les armes! Hardsn! Jetfeß les arutesi o wie sie ausgesprochen werden, mit Nussischen Let= tern vorgeschrieben, daher sie in der Ueber setßzung auch, der Aussprache nach wie dergegehen worden
Me teorologische Beobachtung.
Morgens Nachmittags Abends Nach einmaliger 6 uhr. 2 uhr. 10 uhr. Beobachtung.
1835. 14. August.
Lustdrrc.. 337 a1 Par. 337 pn ar. Lustwärme .. 12579 R. 18,2 0 R. Thaupunkt .. 11990 R. 10990 R. Dunstsättig. 87 péCt. 53 pCt. Wetter heiter.
NNW.
338, 01 Par. 11,99 R. 9,0 9 R. 79 pCt.
heiter. NDO.
Fluß wärme 15, Bodenwarme 132 Aus dunstung O. O) Niederschlag 0.
Nachtkalte 8309
Wolkenzug .
Tagesmittel, am 13ten: 336,59“ Par. ..
14Aten: 337, Si“ 1439. 10099. 3
Berli k ö r se.
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Brief. n sis 16 ll!
Rriet. . Gel. 190153 1011 9933 9h! / komm. do. 605. 6h! / RK ur. u. Neum. do. 1013 1007s 18eulesisehe do. 101 Rickst. C. uud Z. — 10112 seh. d. K. u. N.
— —
St. Schuld- Sch.
Pr. Eugl. Ohl. 30.“ PrämSch. d. Seeh. Kurm. Obhlm. l. G. Nm. Iut. Seh. do. Berl. Stadt- Ohl. Königslri. do.
Klbinger do.
Danz. do. imn Th. Westpr. Pfandbr. Crossh. Pos. do.
Ostpr. Pfandbr. . 1051,
107 85 6 2161
18 3. 135
—
D * 1 * 4 1 1
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Gold al mareo 41In . Ducaten
1023 1025)
Ie c Se I- Cν. 6.
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Friedrichsd'or Diseouto
* 4
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Kurz 2 Mt. Kur. 2 Mt. 3 Alt. 2 At. 2 Mt.
2 Mt.
260 FI. 260 FI. 300 Mb. 30 Mk.
Amsterdam
do. Hamhurg
do. Loudon Paris Wien in 20 Xr. Augshurg Brealau Leipzig Fraukfurt a. M. Wæ. FPetershurg
160 FI. 160 Fl. 10) TI. 10) Tul. 15650 FI. 100 Rl.
2 Mt.
8 Tage 2 Mt.
3 Woch.
Aus würtige Börsen.
q kEräankfurt a. M., 12. August.
Oesterr. 8 00 Metall. 1021, 5. 1921 ½ g. A0 981g. . 22 Y„9. 874 Br. 109 2513. 25159. Bank- *ctien i597. i365. tial. Ghliz. 1402½. 1461. Loose zu 300 G. 11576. 115566. L zu 100 CG. 21352 G. 'reuss. Prüm. - Seh. zo 7g. 595663. do. Aul., 9814 EG. I'oln. Loose-69â,3. 691. 305 Spun. Rente zt 36. 0. 304 perp. 217. 215.
—
Köoͤnigliche Schau spiele.
; Sonntag, 16. August. Im Opernhause: Der reisende En dent, musikalisches QGuodlibet in 2 Abth. Hierauf: Der Pn abend, Ballet in 1 Aufzug, von Hoguet. In Charlottenburg: Donna Diana, Lustspiel in 3 Akten, Montag, 17. August. Im Schauspielhause; Die Sa des Lebens, Schauspiel in 5 Akten, nach einem Mährchen, E. Raupach. Dienstag, 18. August. Im Opernhause: Fenster, Lustspiel in 1 Akt. Hierauf: Johann spiel in 2 Abth. Musik von Boieldieu.
Das zugemaut
Köͤnigstädtisches Theater.
Sonntag, 16. August. Das goldene Kreuz, spis Akten, frei nach dem Franz., von G. Harrys. , Wiener in Berlin, Posse mit Gesang in 1 At, von K., tei. Die, Instrumental⸗Musit ist vom Herrn Musit, Di Kugler. Zwischen beiden Stuͤcken: Walzer von Lanner.
Montag., 17. August. Titus, Oper in 2 Akten. Musl . ,, 5 als Gastrolle.)
reise der tze; Ein Platz in den Lo * des 36 . ö ö ö ,
Dienstag, 18. August. Zum erstenmale: Die Selbsntt Lustspiel in J. Akt, frei nach dem Franz., von G. . auf: Der Kapellmeister von Venedig, musikalisches Qunsh! 2 Abth., von Breitenstein. Musik von verschiedenen Mön
Mittwoch, 19. August. Die Goldgrotte des Geistetha oder: Noch einmal jung romantisch, komisches Original. spiel mit Gesang in 2 Akten, von J. E. Gulden.“ Mul n Franz Edlen von Marinelli.
Markt-Preise vom Getraide.
Berlin, den 13. August 1835.
Zu Lande; Weizen 1 Rthlr. 18 Sgr., auch 1 Rthlr. eh Roggen 1 Rthlr. ? Sgr., auch 1 Rthir. Z Sgr.; großt h 26 Sgr. 14 Pf.; Hafer 216 Sgr. 3 Pf., auch z' Sgr. E 2 5 z Linsen 2 Rthlr. 28 Sgr. Eingegangen sind 213 g 2 effel.
Zu Wasser: Weizen (weißer) 1 Rthlr. 27 6 Pf, 1 Rthlr. 20 Sgr. und 1 Rthlr. 15 ö. i n ce n , . pt] . , n. 2 . Gerste 1 Rthlr., 9
gr. 6 Pf.; au r. 3 Pf. p 56 Wispel 16 Scheffel. J ; ö 2 n, Mittwoch, den 12. August 183.
Das Schock Stroh 6 Rthlr. 5 Sgr., auch ! Rthlr. Ak'
der Centner Hen 1 Rthlr. 10 Sgr., auch 20 Sgr.
Branntwein⸗Prei se vom 7. bis 13. August 1833. Das Faß von 200 Quart nach Tralles za pCt. odet M Richter gegen bgare Zahlung unß sofortige Ablieferung, Kin
Branntwein 18 Rthlr., auch 19 Rthlr.; Kartoffel-Wrannthch!
Rthlr., auch 18 Rthlr. 15 Sgr.
Kartoffel⸗Preise vom 12. August 1833.
Der Scheffel 20 Sgr., auch 12 Sgr. 6 Pf.
Redacteur Co tte]. — —r—
Gedruckt hei . W. Hayn.
Quelliwärme 800 l
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1442 R... 11562 R.. 8)
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1 ö. a Da ue Preß⸗-Gesetz mit folgenden Worten:
von Paris, Sn
nischen Klubbisten
Zeitungs⸗Nachrichten. Aus lan d.
Fir an k nei ch.
Paris, 10. August. Der Koͤnig arbeitete gestern mit dem onseils⸗ Praͤsidenten. ; . Die Kommissien der Deputirten-Kammer zur Pruͤfung des Hesetz⸗ Entwurfes uͤber die Presse hat Herrn Keratry zum Praͤ⸗ sdenten, Herrn von Salvandy zum Cecretair und Herrn Sau— et zum Berichterstatter ernannt. . Die Kommission ist gestern bon's Uhr Morgens bis 11 Uhr Abends versammelt gewesen.
Morgen wird sie wieder eine Sitzung halten. ö Das Journal des Débats schließt einen Artikel uͤber das „Es giebt in diesem Hesetze einige Artikel, die ihrer Natur nach unausfuͤhrbar sind. Bie will man es z. B. verbieten, daß der Name des Koͤnigs, elbst auf indirekte Weise, in die Eroͤrterungen uͤber die handlungsweise der Regierung gemischt werde? Wie will man den heraus geber eines Blattes zwingen, die Verfasser der Artikel namhaft machen? Weshalb soll er jedes Zeitungs-Exemplar im Con— wt unterzeichnen? Wie will man bei Preß-Vergehen die Be— digung von der Verspottung unterscheiden? In allen diesen eehungen sind in dem Gesetze namhafte Verbesserungen vor— nehmen; dies ist die Sache der von der Kammer ernannten zummission. Sie wird hoffentlich das Gesetz in einer Weise anendiren, daß Festigkeit in den Grundsätzen und . in den Details sich die Haͤnde reichen. Es sollte uns leid thun, wenn die Kraft und Wirksamkeit des Gesetzes durch uͤbermaͤßige Strenge geschwaͤcht wuͤrden; denn letztere fuͤhrt zuletzt immer
dahin, daß das Gesetz selbst außer Anwendung kommt.“ Das Journal de Paris enthaͤlt in Bezug auf die An— gelegenheit Fieschi's Folgendes: „Jedermann ist der seltsame ifer aufgefallen, womit alle republikanische Blaͤtter sich bemuͤht iben, Fieschi's Verbrechen auf den Karlismus zu wälzen. Jetzt, vo die Resultate der eingeleiteten Untersuchung diese Taktik nicht pillfaͤhrig genug beguͤnstigen, muͤssen andere Batterieen aufge⸗ pfanzt werden. Da es nun aber, selbst mit Bewilligung der onstitutionnellen Opposition, die hierin mit der anarchischen Presse wunderbar uͤbereinstimmt, ausgemacht zu sein scheint, daß von allen Parteien, die seit 5 Jahren die Empoͤrung predigen und dem Koͤnige persoͤnlichen Haß schwoͤren, der Republikanis— mä allein über jeden Verdacht erhaben seyn muͤsse, so schiebt am die Schuld auf den Buonapartismus; er ist es, so sagt man, auf den bei der Instruction der groͤßte Verdacht faͤllt. Wie ersinderisch dieser Ausweg auch seyn mag, so gestattet die Recht— schkeit uns doch nicht, die Hand dazu zu bieten; und da jene Herren uns nun einmal nicht verstehen wollen, indem sie ge— hben unsere angeblichen Einfluͤsterungen reklamiren, so erklaͤren dir ihnen jetzt auf das Bestimmteste und ohne daß wir besorg— en, von der Zukunft Luͤgen gestraft zu werden, daß in dem Augenblicke, wo wir dies schreiben, die meiste Schuld auf die anarchische Partei fällt, deren Repraͤsentanten die republika— sind. Mit anderen Worten: was wir anzeigen koͤnnen, ohne die Geheimnisse der Justiz zu verrathen und ohne uͤber irgend Jemandes Straffaͤlligkeit vorweg ein Urtheil abgeben zu wollen, ist, daß bisher alle der Mitschuld Verdaͤchtige sich notorisch zu republikanischen Ansichten bekennen. Dies ist — man kann diese Erklaͤrung w den Akten nehmen — die gegenwaͤrtige Lage der Instruction. db diese Lage sich aͤndern, ob neue Aufschluͤsse sie modisiciren werden, dies wissen wir nicht. Wir wuͤrden in diesem Falle aber es eben so unbedenklich sagen, als wir heute keinen Anstand nehmen, das Gegentheil zu behaupten, denn trotz aller Beschuldi— ungen der republikanischen Presse erklaͤren wir, daß, wenn die egierung falsche Nachrichten berichtigen zu muͤssen glaubt, solches lediglich in dem Interesse der Wahrheit, nicht aber in der Absicht geschieht, der Karlistischen Partei zu gefallen oder dem so zur gelegenen Zeit wieder in's Leben gerufenen Buona—
bartismus zu schmeicheln.“
In einem anderen Artikel sagt eben dieses Blatt: Ein Journal meldet heute Morgen, daß die Regierung gestern den Marschall Oudinot und seine ganze Familie habe verhaften lessen. Ist es wohl noͤthig hinzuzufuͤgen, daß an der Nachricht ron der Verhaftung des ehrenwerthen Matschalls und seiner Familie nicht ein wahres Wort ist, und daß man vergebens auch , Vorwand zu einem solchen Geruͤchte suchen wuͤrde?
Fieschi's Gesundheit befestigt sich mit jedem Tage. Nach der Zeit zu urtheilen, die ohne irgend eine Verschlimmerung seit seiner Verwundung versiossen ist, darf man auf eine rasche und vollstaͤndige Heilung rechnen. Die Wiederherstellung Fieschi's offenbart sich hauptsächlich durch seine Klagen Über die strenge Diät, die ihm zur Zeit noch auserlegt ist.
Der National theilt folgende Details uͤber Fieschi mit, und bemerkt dabei, daß er die Richtigkeit derselben verbuͤrge: Die Wohnung Fieschu's war in der Straße Chant⸗de⸗l Allouette; dort hat auch die Polizei die ersten Nachsuchungen angestellt. Neben seinem Hause war eine Bleich-Anstalt, welche er oͤster be— suchte, ohne daß ihn irgend ein Geschäͤft dorthin fuͤhrte. Die in dem Hause beschäͤftigten Arbeiter fürchteten ihn; es wurde Algemein davon gesprochen, auf welche brutale Weise er die Frau, welche mit ihm lebte, mißhandelte, und er trug immer ei— hen Dolch oder einen Stockdegen bei sich. Die Eigenthümer der
nstalt wandten sich mehreremale an die Behoͤrde, um die Ent⸗ fernung Fieschts zu erlangen, der Überdies in dem Verdacht and, mehrere Diebstähle in dem Hause begangen zu haben. Namentlich wurde vor etwa 8 Monaten eine Beschwerde bei dem Chef der Sicherheits-Polizei angebracht, welcher darauf ant— ernte, daß dieser Fieschi sehr bekannt sey, daß alte Verhafts⸗ be l. gegen ihn wegen Diebstahls und sogar wegen Mord aten vorhanden waͤren; daß er im Verdacht stehe, vor einigen aahren in Grenoble eine Frau umgebracht zu haben. Deffenün— geachtet wurde Fiesch gar nicht beunruhigt. Es wurde ihm im
Gegentheil
Allgemeine
prenßische Staats⸗-Zeitung.
Berlin, Montag den 17ten August
2
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die Bewachung eines großen Gebaͤudes, welches der Stadt gehoͤrt, anvertraut; er besuchte alle oͤffentliche Orte der Vorstadt Saint-Marceau, und verwandte sich bei den letzten Wahlen der National-Garde sehr eifrig und thaͤtig fuͤr gewisse Kandidaten, die nicht der Opposition angehoͤrten.“ — Der Fig aro enthaͤlt Folgendes: „Boireau hatte sich am 27sten Abends gegen den Sohn des Herrn Suireau folgendermaßen geaͤußert: „„Warne Deinen Vater, daß er sich morgen nicht zu der Revue begiebt, besonders wenn seine Legion in der Naͤhe des Boulevard du Temple aufgestellt wird; aber versprich' mir, ihm diesen Rath nicht diesen Abend, sondern erst morgen fruͤh mitzutheilen.““ Der Sohn setzte indeß den Vater sogleich von jener Aeußerung in Kenntniß, und dieser begab sich noch an demselben Abend zu mehreren Polizei-⸗Kommissarien, welche ihn alle nicht anhoͤren wollten, unter dem Vorwande, daß sie mit dergleichen De— nunciationen uͤberschwemmt wuͤrden. Darauf begab sich Herr Suireau bekanntlich nach der Oper, und drang darauf, Herrn Dyonnet zu sprechen. Dieser, um das ihm Mit— getheilte besser zu behalten, wuͤnschte, daß ihm Alles schrift— lich aufgesetzt wuͤrde. Herr Suireau begleitete Herrn Dyonnet bis zu seinem Buͤreau; dort brachte er seine Aussagen zu Pa— pier, und unterzeichnete sie. Die geschriebenen und unterzeichne⸗ ten Noten wurden Herrn Gisquet zugesandt.“
Die Nouvelle Minerve sagt: „Man hat sich viel dar⸗ uͤber gestritten, ob Fieschi von der Polizei gebraucht, und beson⸗ ders ob er nach It t geschickt worden sey, um die Herzogin von Berry zu beobachten. Wir haben allen Grund, zu glauben, daß Fieschi von Herrn Baude, als derselbe Polizei⸗Praͤfekt war, benutzt worden ist.“
Der Gesundheits⸗-Zustand des Generals Blin hat sich bereits so sehr gebessert, daß er gestern von dem Cafs tuͤre, wo er seiner gefaͤhrlichen Wunden halber bleiben mußte, nach seiner Wohnung gebracht werden konnte.
Die Akademie der schoͤnen Kuͤnste hat vorgestern an die Stelle des Herrn Gros den Herrn Abel v. Pujol zu ihrem Mitgliede erwaͤhlt. Mitbewerber desselben waren die Herren Picot und Schnetz.
Ueber die Einschiffung der Fremden-Legion nach der Spa— nischen Kuͤste theilt das Journal des Débats folgende De— tails aus einem Schreiben aus Algier vom 1. August mit: „Bald nach der Abreise der widerspänstigen Franzoͤsischen Offi⸗ ziere beschaͤftigte sich der Oberst Bernelle so eifrig mit der Or— ganisation seines Corps, daß sich am Dienstag Abend 4 vollstaͤn⸗ dig organisirte Bataillone am Bord der Kriegsschiffe befanden. Diese à Bataillone, aus Truppen von Algier, Bona und Bugia gebildet, waren 2700 Mann stark, und bestanden fast aus lauter Deutschen. Das Offizier⸗Lorps besteht aus 3 Bataillons⸗Chefs, den Herren Magnien, Cros⸗Davenant und Drouault, aus unge—⸗ faͤhr 35 Franzoͤsischen, und aus 30 fremden Offizieren. — Einen leichten Wind benutzend, ging die Flotte, aus den Schiffen „die Stadt Marseille“, „Duquesne“, „Nestor“ und der Brigg „la ,, bestehend, am 30sten v. M. mit ihren Truppen un⸗ ter egel; aber da der Wind nicht ausdauerte, so ent— schloß sich der Commandeur der Flotte, Herr Gauthier, der uͤberdies noch den von Oran kommenden „Triton“ an sich gezo— gen hatte, wieder auf die Rhede zurückzukehren, und dort ließ er S090 Mann von den eingeschifften Truppen sogleich an Bord des „Triton“ bringen. Auf den anderen 3 Schiffen hat bis zu der definitiven Abfahrt der Flotte, welche heute fruͤh erfolgt ist, keine Veraͤnderung stattgefunden. Jetzt haben wir hier 7 Compagnieen des Italiaͤnischen, und 2 Compagnieen des Polnischen Bataillons. Diese Compagnieen sind im Laufe dieser Woche auf drei Schif⸗ fen von Oran angekommen; man beschaͤftigt sich gegenwartig mit ihrer Organisation. — Heute Morgen ist das Hampfschiff „le Brasier“ von Oran hier angelangt; es brachte den Oukil (oder Gesandten) Abdel Kader's, Herrn Durand, zuruͤck. Er hatte die Reise gemacht, um die Befehle des Emir's einzuholen, und meldet, daß Alles so ruhig sey, wie vor dem Angriffe.“
In Marseille waren seit dem Erscheinen der Cholera bis zum 3. August bereits 1650 Personen an dieser Krankheit ge— storben. Am 4. August ereigneten sich abermals 59 Todesfaͤlle.
Auf telegraphischem Wege sind folgende Nachrichten hier eingegangen: „Am 5ten d. sind neue Unruhen, nicht weniger bedauernswuͤrdig als die ersteren, in Barcelona ausgebrochen. Der General Bassa, der Tages zuvor an der Spitze von 2000 Mann dort angekommen war, wurde in seinem eigenen Palaste ange⸗ griffen, von dem Balcon desselben hinabgestuͤrzt, durch die Stra— ßen geschleppt, und sein Leichnam sodann den Flammen uͤbergeben. Die Hotels des Civil-Gouvernements und der Polizei wurden gestuͤrmnt. Die Truppen wagten nicht einzuschreiten; die Stadt war der vollstaͤndigsten Anarchie Preis gegeben, der man nur durch die Bildung einer neuen Municipalität hat Einhalt thun koͤnnen.“ — Eine neuere telegraphische Depesche meldet, daß am 6ten Morgens General⸗Marsch geschlagen wurde, und daß es den Milizen endlich gelang, die Anarchisten zu baͤndigen. Die neuen Behoͤrden ee. energische Maßregeln ergriffen, von denen man die Wiederherstellung der Ordnung hofft. Es sind zahlreiche Pro⸗ clamationen erschienen, an deren Schluß es immer heißt: „Es
lebe Isabella II!“ Man fordert die Einwohner auf, sich zu er— heben, um gegen die Karlisten zu marschiren. Llauder ist am sten d. in Puicerda angekommen. Was die Armeen betrifft, so hat kein neues Gefecht zwischen ihnen stattgefunden; sie haben bis zum 4Aten einander gegenuͤber gestanden. An diesem Tage begab sich Don Carlos auf den Weg nach Vittoria. )
Aus Andalusien lauten die Nachrichten minder betruͤ— bend; dagegen wird diese Provinz nach allen Richtungen von
) Hiernach waͤre auch das gestern gegebene Privatschreiben aus Bayonne vom 3. August, wonach der General Eordovg neuerdings bei Puebla einen entscheidenden Sieg uͤber Don Carlos erfochten haben sollte, unter die Zahl der vielen Fabeln zu reihen, die der Speculationsgeist von der Spanischen Graͤnze aus taͤglich über ganz Europa verbreitet. Es ist für die Tagesgeschichte in hohem Grade beklagenswerth, daß die Pariser Zeitungen gewissermaßen darauf an=
Karlisten⸗ *
daß der Ka erhaltenen Wunden gestorben sey. . , lische Konsul in Bayonne, von einem Capitain der Koͤni— gin Christine begleitet, bei Don Carlos in der Stadt Los Arcos gewesen, wo er auch die Nacht zubrachte. Von dort begaben sich Beide, in Begleitung eines Karlistischen Rittmeisters, Namens Ortigona, nach ö Die Besatzung von Puente de la Reyna macht taͤglich Ausfaͤlle gegen die Karlisten, die diesen
Platz einschließen; sie wird indessen jedesmal zuruͤckgewiesen. Bei der Moͤnchs⸗Verfolgung in Reus in Catalonien sollen 47 Moͤnche ums Leben gekommen seyn.
An der heutigen Boͤrse war man uͤber die Wendung besorgt, welche die Spanischen Angelegenheiten nehmen moͤchten, und die von der Regierung uͤber die Unruhen in Barcelona mitgetheil= ten Nachrichten (S. oben) waren nicht geeignet, die Gemuͤther zu beruhigen. Doch war das Sinken der Spanischen Fonds nicht so bedeutend, wie man es haͤtte erwarten sollen. Es hieß, die von der Deputirten⸗Kammer zur Pruͤfung des Preß⸗Gesetzes ernannte Kommission habe mit dem Justiz⸗Minister eine Konfe
renz gehabt und es sey beschlossen worden, einige Verfuͤgungen des Gesetz⸗Entwurfes zu streichen.
Großbritanien und Irland.
Parlaments-Verhandlungen. Oberhaus. Siz— zung vom 6. August. Die Lords setzten das Zeugen-Verhoͤr über die Munizipial⸗Reform⸗Bill fort. Es dauerte heute von 11, bis A Uhr und dann von 6 bis zum spaͤten Abend. Um 160 Uhr war der Anwalt der Staͤdte, welcher den Zeugen zur Seite steht, Sir C. Wetherell, wie Lord Brough am sich ausdruͤckte, aufs Trockene gerathen; er hatte keine Zeugen mehr und mußte um Aufschub bitten, bis der Postwagen deren neue aus anderen Thei—⸗ len des Landes herbeibraͤchte. Bei dieser Gelegenheit entspann sich eine kurze Diskussion, aus welcher wenigstens so viel hervor— ging, daß die Lords der weitlaͤuftigen Abhoͤrungen nun muͤde sind, und daß man zum Schlusse zu kommen wuͤnscht. Indessen wurde beschlossen, doch noch am Sonnabend damit fortzufahren. Der Herzog von Wellington selbst aͤußerte sich abermals in einem mehr den Ministern als den Tories guͤnstigen Sinne; er bat die Lords, zu beruͤcksichtigen, daß die Jahreszeit schon weit vorgeruͤckt und der Schluß der Sitzung nahe sey; die Bill muͤsse nothwendiger Weise in Erwägung und zwar in sehr genaue Erwaͤgung gezo— gen werden, und deswegen sey es zweckmaͤßiger, die Zeit nicht mit uͤberfluͤssigen Zeugenvernehmungen zu verschwenden, sondern dieselbe lieber auf die Diskussion uͤber die einzelnen Artikel der Bill zu verwenden; durch die stattgehabten Vernehmungen vor den Schranken des Hauses habe man schon hinlaͤngliches Lich uber die Sache erhalten, und es waͤre nunmehr zu wuͤnschen daß die Anwaͤlte der Corporationen schon morgen ihre Deductio nen aus den Zeugen-Aussagen dem Hause vorlegten. Unterhaus. Sitzung vom 6. August. Lord John Russell beantragte in dieser Sitzung, daß fuͤr den noch uͤbri— gen Theil der Session die Tagesordnung vor der Anzeige neuen Motionen den Vorzug haben, d. h. daß vor allen Dingen die noch obschwebenden Fragen erledigt werden sollten. Bel dieser Gelegenheit fragte ihn Herr Hume, welche Aussichten man auf Beendigung der Session habe, fuͤr den Fall, daß, wie Einige erwarteten, die Munizipal⸗Reform⸗Bill von einem andern Zweige der Legislatur verworfen werden sollte. Er (Hume) werde es in einem solchen Fall fuͤr seine Psticht halten, auf einen nament lichen Aufruf im Hause (Zusammenberufung aller Mitgliedern desselben), zur Berathung uͤber die dann zu ergreifenden Maßre geln, anzutragen. Daß das Haus jetzt, in einer so vorgeruͤckten Perio⸗ de der Session, so wenig vollzählig besetzt sey, daruͤber sey nichts zu a gen; indessen sey das Hauz doch der große Rath der Nation, und dieser muͤsse aufgerufen werden, wenn die erwahnte Bill von dem an dern Hause verworfen werden sollte; er hoffe deswegen, man werde nicht unter dem Vorwande, daß die Session ihrem Ende nahe sey, sich auf Unterhandlungen einlassen, die nur schaͤdlich seyn koͤnnten. Lord J. Russell antwortete, er stimme mit den ehrenwerthen Mitgliede fuͤr Middlesex darin vollkommen uͤberein, daß, wenn die Bill in dem anderen Hause verworfen werden sollte, von dem diesseitigen außerordentliche Maßregeln ergriffen werden muͤßten. Das koͤnne aber unbeschadet seiner Motion ge schehen, da dieselbe in einem solchen Fall durch einen Beschluß des af. „wegen dringender Nothwendigkeit“ aus dem Wege ge raͤumt werden konnte. Hr. Roebuck meinte darauf, es moͤchte wohl gut seyn, die Sitzungen auf etwa 6 Wochen zu vertagen, so lange die Farce im anderen Hause (die . nehmung) noch fortdauere. Man rief „zur Ordnung!“ Der Sprecher sagte: er hoffe, das ehrenwerthe Mitglied werde selbst das Unpassende seiner Aeußerung einsehen; worauf Herr Roebuck antwortete, da der Sprecher es sage, so sehe er es a lerdings ein; er wuͤrde sie aber sonst nicht fuͤr unpassend halten, wenn er hoͤre, wie man sich in dem andern Hause uͤber da— Haus der Gemeinen aͤußere. Lord J. Russell bemerkte dage gen, es moͤchte angemessen seyn, von allem dem, was uͤber die erhandlungen des anderen Hauses durch die Zeitungen bekannr werde, hier keine Notiz zu nehmen und nur darauf zu achten, daß das Unterhaus wenigstens keinen Anlaß zum Tadel gebe, wenn auch das Oberhaus es thue. Herr O Connell eigte an, daß er in dem Ausschuß uber die die von
durch Telegraphen zuverlaͤssige Agenten zugehen
gewiesen sind, aus so unlgutern Quellen zu schoͤpfen, und daß die