1835 / 245 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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bracht wurden und die weitere Abstimmung von den Centris al— lein ausging. Hier eine Uebersicht der jammervollen Resultate dieser Sitzung: 1) Man hat beschlossen, die Presffe der Gerichts- barkeit des Pairshofes zu unterwerfen, indem man eine An ahl bisheriger Preß⸗Vergehen (délits) in Attentate wider die Sicher⸗ heit des Staates umgewandelt und den Ministern die Befugniß er⸗ theilt hat, die selben nach Belieben der verdächtigen Jury zu enizichen. Diese Bestimmung verletzt ganz offenkändig den Rrlikel 69 der Charte, welcher verheißt, daß die Vergehen der Presse von der Jury abgeurtheilt werden sollen. Diese Verletzung der Charte ist um so unverkennbarer, als Herr Dupin, der näch der Juli— Revolution Berichterstatter uͤber die Modificationen der Charte war, die Karnmer erinnert hat, daß damals die Meinung gewe⸗ sen sey, aile Preß⸗Vergehen, ohne irgend eine Ausnahme, von der Jury, und nur von ihr, aburtheilen zu lassen. 2) Man hat auf einem Umwege die Confiscation wieberhergestellt, welche durch die Charte abgeschafft worden war. Etwas Anderes als eine Confiscation ist es nicht, daß unter Umstaͤnden eine Geld— buße von 50,000 Fr. gegen die Journale Platz greifen soll, in⸗ dem das Gesammt ⸗Kapital mehrerer derselben sich nicht hoͤher als auf jene Summe belaͤuft. 3) Man hat den Artikel 7 der Charte gebrochen. Er gewahrt allen Franzosen das Recht, ].. Meinungen und Ansichten drucken und publiziren zu lassen. amit im Wi— derspruche, hat man jetzt verboten, sich fuͤr einen Republikaner oder fuͤr einen Legitimisten zu erklaͤren. Bald wird es auf diese Weise dahin kommen, daß man uns verbietet, uns fuͤr Katholi— den, Protestanten oder Anabaptisten zu erklären, und endlich wer, den wir gar nicht mehr sagen durfen, ob wir Klassiker oder Ro— mantiker sind. Es ist dies kein Scherz; denn wenn einmal die . . . . des Gesetzes (der Charte) getreten ist, es keine Grenz? mehr. e ges

Vernunft, der Frein eit h In den Augen der gesunden Eyn, seine Anstchten auszusprechtn, wenn man sich nur der Provocation zu Gewaltthuͤtigkeiten enthält, um durch diesel— ben seiner. Ansichten zur Geltung zu verhelfen. Es besteht ein, großer Unterschied zwischen dem erlaubten Aussprechen auch solcher Grundsatze, welche nicht mit dem Bestehenden har— oniren, und zwischen dem verbotenen Propagiren derselben. Diesen Unterschied haben die Centra mit Fuͤßen getreten. ) Man hat und das ist noch zu keiner fruͤheren Zeit geschehen verboten, auch nur theoretische Ansichten Übe? die bestehenden Begriffe uͤber Eigenthum, Eid und andere ahnliche Dinge zu publiziren. Will man diesen Beschluß konsequent durchführen, so werden eine große Menge Bucher auf die Liste verbotener Buͤcher zu setzen seyn. Die Unmöglichkeit, kuͤnftighin Bücher Aber diese Materien zu schreiben, wenn man nicht den endrmsten Stra⸗ fen verfallen will, steht der Censur vollkommen gleich. Freilich sucht die Regierung das Wort „Censur“ noch zu umgehen, allein der Be— griff ist da und das Volk wird wissen, woran es sich zu halten hat. ) Man hat den Artikel 55 der Charte gebrochen, weicher fest⸗ setzt, daß alle gerichtliche Debatten öffentlich seyn sollen, wenn nicht das Gericht selbst, unter besonderen Umständen, ein Ande— res beschließen sollte. Im Widerspruche damit ist nun allen In⸗ särien⸗-Prozessen die Oeffentlichkeit der Presse entzogen worden, indem uͤber dieselben nur dann Bericht erstattet werden darf, wenn das Gericht den Beweis der Wahrheit der angeblichen In— jurien fur zulässig erkennt. 6) Endlich hat man die gehaͤssigste und bizarrste Maßregel sanctionirt, die sich erdenken läßt, indem man untersagt hat, oͤffentliche Subscriptionen zur Herbeischaffung der von der Presse verwirkten Strafen zu veranstalten. Die— ses Verbot wird indessen die Großmüth der Nation wir— ungslos zu machen wissen. Man wird nunmehr Beisteuern verdoppeln, weil man sie verheimlichen muß. Das ist das jammervolle Gemaͤlde der Beeintraͤchtigungen, welche die gestrige Sitzung der Freiheit und zugleich dem Geiste und dem Buchstaben der Charte zugefuͤgt hat. Wahrlich! ein saube— rer Ruhm fuͤr die der freisinnigen Juli⸗Revolution entsprossenen Staats-⸗Gewalten, daß sie sich zu Copisten der Restauration her— gegeben haben. Die heutige Sitzung wird das Uebrige thun.“ Der Courrier frangais laͤßt sich uͤber denselben Gegenstand in folgender Weise vernehmen: „Alle Maͤnner von Ehre und Gewissen haben sich dem Gesetze opponirt. Allein das Ministe— rium, das nicht im Stande gewesen ist, diese seine Lieblings— Geburt gegen die Verachtung zu schuͤtzen, welche die Angriffe aller Ehrenmänner demselben zugezogen haben, hat das numerische Uebergewicht fuͤr sich gehabt. Wie unvoll— kommen sind doch alle menschlichen Einrichtungen, da es sich nicht vermeiden laͤßt, daß die vereinigten Stimmen der Herren Viennet, Bugeaud und Jollivet dreimal so viel gelten, als die Stimme Roher-Collard's. Eine Masse von Preßvergehen, die uͤberdies, vermoͤge der Elasticitaͤt des Gesetzes, der groͤßten Aus— dehnung, je nach dem Belieben der oͤffentlicher Anklaͤger, unter— worfen werden konnen, sieht sich ploͤtzlich der schirmenden Ga— rantie der National⸗Gerichtsbarkeit entzogen und mit weit haͤrte⸗ ren Strafen bedrohet, als es die Strafen sind, welche in den meisten Fallen auf wirkliche, thaͤtliche Empoͤrung angewendet werden. Von nun an liegt es im Interesse der Factionen, zu offener Empoͤrung zu schreiten. Dann haben sie doch einige Aus— sicht auf Erfolg, wahrend sie, wenn sie sich mit Eroͤrterungen in den Journalen begnuͤgen, einer unmittelbaren Strafe unzweifelhaft entgegengehen. So weit ist es gekommen, daß die HH. Dumon, Desmortiers, Moreau und andere gleichgesinnte Ministerielle offen haben aussprechen durfen, ihnen scheine das Gesetz den Keim zur Uebertragung aller Preßvergehen an die Gerichtsbarkeit der Pairie in sich zu tragen, und das freue sie, welchen Sinn jedoch der Herzog von Broglie in dem Gesetze nicht finden wollte. Vergeblich haben sich die Herren Janvier, Rancs und Sade be— muͤht, den theoretischen Erörterungen uͤber politische Gegenstaͤnde einen Freipaß zu verschaffen; selbst die allerbescheidensten Amen— dements sind verworfen worden. Desto besser! denn, je wilder und barbarischer der Charakter dieses Gesetzes bleiben wird, desto mehr Hoffnung gewahrt es, daß es seinen Erfindern, und denje⸗ nigen, welche es in Anwendung zu bringen wagen moͤchten, Verderben bringen werde. Und nicht genug, daß verboten worden, üuͤber politische Materien zu raisonniren, nein! auch die socialen Eroͤrte⸗ rungen sind in den Bann gethan worden. „„Man soll keine Abhand⸗ lungen über den Begriff „Eigenthum“ schreiben““, rief Hr. Du— bois aus, „„sofern sie den bestehenden Eigenthums-Begriffen zu— wider sind!“ Vergißt man denn, daß auch die Sklaverei auf den Begriffen von Eigenthum beruhi? Haben demnach die Philoso— phen, welche die Sklaverei angegriffen, ein Verbrechen begangen, wofuͤr sie, lebten sie jetzt, in Ketten und Banden geworfen wer— den und ihr Besitzthum von einem gierigen Fiskus konsiscirt ehen wuͤrden? Vergißt man denn, daß der Herzog von roglie selbst an der Spitze einer Gesellschaft steht, welche die Abschaffung der Sklaverei in unseren Kolonieen zum daß alse „auch er den Strafen des neuen He— setzes verfallen wird?“ Alles umsonst; neben dem possti— schen Katechismus hat man uns nunmehr auch einen socialen Katechismus aufgedraͤngt, wider dessen Lehren man Nichts sagen

Regierten,

und der Charte kann es kein Verbrechen

seine

nizipalität vom Tten mit.

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darf, ohne als ein Heiligthumsschaͤnder bestraft zu werden. So

ͤ moͤge man denn mindestens nicht noch ferner die Unverschaͤmtheit

haben, uns von Freiheit, Charte, Institutionen und Juli-Revo— lution etwas vorzufaseln. Alle diese Dinge haben aufgehoͤrt zu existiren, sie sind der feigen Furcht zum Opfer gebracht worden.

ie Charte, dieser Vertrag zwischen Regierung und hat alle ihre Bedeutung verloren, seitdem es einem Minister (Herrn Persil) gestattet worden ist, im Amte zu bleiben, nachdem er erklart hatte „wir werden die Charte uͤbertreten, wenn die Nothwendigkeit dazu vorliegt“, seitdem er sich nunmehr hervorgestellt hat, daß man dieselbe zu umgehen sich erlaubt. Von nun an kann nur materlelle Gewalt zwischen den Parteien Über Recht und Unrecht entscheiden!“ Der National sagt: „Die neue Preß⸗Gesetzgebung giebt ein unverkennbares Verdammungs⸗-Urtheil uͤber die Juli-Revolution ab. Fortan ist es unmoͤglich, daß eine Regierung und eine Kam—⸗ mer, welche diese Gesetze erlassen, den Aufenthalt der Minister Karls X. in den Gefaͤngnissen von Ham noch verlaͤngern kön— nen. Die Presse ist viel schlimmer daran, als sie es waͤhrend des Ministeriums Polignae gewesen. Die Juli⸗Verordnungen wollten die Presse auch eben nicht schlimmer stellen, als es das neue Gesetz thut, und da man nun zugiebt, daß die Juli-Ver— ordnungen Recht hatten, als sie keine Eroͤrterungen uͤber das Regieruüngs⸗-Prinzip dulden wollten, und daß durch solche Er— oͤrterungen der Staat in steter Gefahr gehalten werde, so wuͤrde es ja eine Schande seyn, wenn man die Urheber derselben noch ferner eingekerkert halten wollte. Eilig hole man sie im Triumphe zuruͤck und sey uͤberzeugt, daß sie in den HH. Persil und Konsorten bereitwillig ihre Meister anerkennen werden. Leider ist es nicht möͤglich, die abgesetzte Dynastie zuruͤckzurufen, weil ihr Platz einmal vergeben ist; die Minister jener Dynastie wuͤrden sich dagegen begnuͤgen, wenn man ihnen einige ange— messene Plaͤtze anweisen wollte. Man gebe sie deshalb der Na⸗ tion wieder, die sich so sehr bei ihnen zu entschuldigen hat, daß sie damals ihre heilsamen Absichten mißdeutete und erst durch die Juli⸗Regierung zum eigentlichen Verständnisse derselben ge— langt ist.“ (Aus dem Artikel des Journal des Débats, worin dagegen der Kammer und dem Berichterstatter Herrn Sauzet wegen ihres Benehmens das groͤßte Lob gespendet wird, behalten wir uns eine Mittheilung vor.)

Von vielen Seiten laufen Bittschriften der Drucker an die Kammer gegen den neuen Preß-Gesetz-Entwurf ein.

Herr Jaffrenou, verantwortlicher Herausgeber des Réfor— mateur, ist gestern von dem hiesigen Assisenhofe wegen eines in dem Blatte vom 21. Mai enthaltenen Angriffs auf die ver— fassungsmaͤßige Autorität der Pairs-Kammer zu 4 monatlicher Gefaͤngniß, und 6000 Fr. Geldstrafe verurtheilt worden.

Die Gazette des Trib unaux erklart die Nachricht, daß Herr Chaix-d'Estange sich geweigert habe, die Veriheidigung Fieschi's zu uͤbernehmen, jedenfalls fuͤr voreilig, da der genannte Advokat bis jetzt noch nicht die Erlaubniß erhalten habe, sich mit dem Moͤrder zu besprechen, und also noch nicht wissen koͤnne, ob es sich mit seiner Advokaten-Pflicht vertrage, die Vertheidi⸗ gung abzulehnen.

Das Journal des Débats berichtet aus Madrid vom 19ten: „Die Spanische Regierung hat Nachrichten aus Va— lencia und Barcelong erhalten, wonach in diesen beiden Staͤdten eine Reaction stattgefunden hat. Nachdem die Urbanos sich uͤber⸗ zeugt, daß die Haupt-Anstifter der Unruhen Manner gewesen, die bei ihrem Vorhaben mehr durch einen schmutzigen Eigennutz als durch einen politischen Enthusiasmus geleitet worden, haben sie dem Laufe der Gerechtigkeit vorgreifen wollen. Hundert Per— sonen sollen die Opfer dieser Reaction geworden seyn, und 50 der Ruhestsrer sind verhaftet worden.“ Diese Mittheilung des Journal des Debats ist indessen nach einer Verglei— chung der Daten falsch; denn sie ist Madrider fen vom 19ten entlehnt und kann also nur etwa aus Barcelona bis zum 15ten gehen. Dasselbe Blatt theilte aber ge— stern schon direkte Nachrichten aus Barcelona bis zum 18ten mit, die ganz anders lauteten, wie denn auch der „Vapor“ von die— sem Tage unumwunden die Ansicht ausspricht, daß die Spani— sche Verfassung veraͤndert werden muͤsse. In diesen direkten Nachrichten von dort, heißt es nun (wie bereits gestern gemeldet worden), daß die Junta von Barcelona am 15ten den Beschluß gefaßt habe, fuͤr den 20. Aug. eine Provinzial-⸗Junta zusammen— uberufen, zu welcher jeder Bezirk Cataloniens eben so viele Deputirte fi erh soll, als er zu den Cortes sendet. Zugleich ist beschlossen worden, der Regierung in Madrid nachdruͤckliche Vorstellungen zu ma— chen, damit sie unverzüglich außerordentliche Cortes zusammenbe— rufe und selbige mit der Entwerfung eines Grund-⸗Gesetzes beauf— trage, das den Wuͤnschen der Nation und den Prinzipien der Freiheit entspreche. Diese Besarluͤsse hat der General Pastor durch eine Proclamation kund gemacht, in welcher er zur Einig— keit ermahnt. Eine andere Proclamation desselben theilt den Einwohnern die Antwort der Königin auf die Adresse der Mu— Diese Antwort, datirt aus San Il— defonso vom 11. und von Toreno unterzeichnet, ist völlig auswei— chender Natur und die Regierung macht sich darin zu nichts verbindlich. Es heißt in derselben bloß, die Koͤnigin werde, da die Einig— keit und Wohlfahrt der ganzen Nation ihr alleiniges Ziel sey, zu gelegener Zeit ihre Beschluͤsse uͤber dasjenige publiziren, was das besondere Wohl der Stadt Barcelona und der reichen und gewerbthaͤtigen Provinz Catalonien frommen moͤchte. Uebrigens hatte man in Barcelona bereits begonnen, den Beamtenstand zu läutern, und die Stadt Mataro hatte 2 Deputirte geschickt, die sich der Junta von Barcelona anschließen sollen. Die 3005 Ge— wehre, die das Dampfboot „Balear“ am Iten fuͤr die Regierung gebracht hatte, maren unter die Barceloneser Freiwilligen ver,

theilt worden. Das Journal des Dabats fuͤgte gestern diesen

Nachrichten folgende Betrachtungen hinzu: „Schon seit einiger Zeit bemerkte man in Spanien Symptome einer heimlichen Hin— neigung zum Foöoͤderalismus, die bald von Seiten der Regierung die ernstlichste Aufmerksamkeit erheischt haben wurden. Doch glaubte man nicht, daß diese Tendenz sich schon so rasch offenba— ren wuͤrde, als solches in Barcelona der Fall gewe— sen ist, wo man sich nach dem Vorgefallenen in die— ser Hinsicht leider nicht mehr täuschen kann. Die wich— tigste aller hier verfuͤgten⸗ Maßregeln ist ohne Zweifel die

Einberufung einer Provinzial-Junta, die bei der fortschreitenden

Bewegung in Catalonien die ganze Provinz vertreten soll. Schon der Krieg in Navarra knuͤpft sich an eine Frage uͤber oͤrtliche Privilegien; was soll vollends daraus werden, wenn die Begriffe, die dem Volke in Navarra und Biscaha die Waffen in die Hand gegeben haben, sich unter einem anderen Paniere auch noch den benachbarten Provinzen und vielleicht noch weiter verpflanzten? Wir kennen Foͤderativ-Republiken; aber es giebt keine Monarchieen, die bei einer Provinzial-Unabhaͤngigkelt, wie die— jenige, die Catalonien in Anspruch nehmen will, bestehen kon nen. Die Verwirklichung einer solchen Unabhaͤngigkeit wuͤrde Spanien ins Verderben stuͤrzen, gleichwie die Aufhebung dersel—

Brie⸗

. die 966 der Spanischen Monarchie unter Philipp II. vor, ereitet hat. .

Der Me ssager enthaͤlt Folgendes: „Man spricht von einem eigenhändigen Schreiben, das die verwittwete Königin von Spanien unterm 18ten aus San Ildefonso an Ludwig Philip erlassen habe, und worin sie, auf den Grund der betruͤbenden Ereignisse in Aragonien und Catalonien, eine sofortige Besetzung von Barcelona, Saragossa und Vittoria durch Franzöͤsische Trup pen verlange; diese Besetzung wuͤrde nur so lange dauern, biz die Befestigung der jetzigen Regierung und die Pacification der noͤrdlichen Provinzen dem Spanischen Kabinette gestatteten, uͤbe seine eigenen Kraͤfte zu gebieten.“ ;

Großbritanien und Irland.

Parlaments-Verhandlungen. Oberhaus. Sig zung vom 27. Aug ust. (Nachtrag. In der Debatte, di sich uͤber den Antrag des Lord Melbourne entspann, daß da Haus alle Amendements zu der Munizipal⸗Reform-Bill wiedn zuruͤcknehmen moͤchte, ein Antrag, der (wie gestern gemeldet) ver geblich war, nahm auch Lord Brougham das Wort, wurn aber in seinem Vortrage so haͤufig unterbrochen, daß er die G duld verlor und erklärte, er sey Jahre lang im Unterhause u terbrochen worden, ohne sich daran zu kehren. Auch sey er vo jeher gewohnt gewesen, den Poͤbel Emo) anzureden, und scheu sich nicht vor dem Pöbel, er moge ihn nun innerhalb oder außer halb des Parlaments antreffen. Doch muͤsse er sagen, die unor dentlichste Versammlung, mit der er je zu thun gehabt, sey nich außerhalb des Parlaments zu finden. Er habe in den letzten 4 Jahren seines Lebens (seitdem er zum Pair erhoben worden) zu mehr ungezoge nen, intoleranten, unaufmerksamen, eingebildeten, verkehrten unh leicht bethoͤrten Leuten geredet, als er sein ganzes Leben hindurch q, ßerhalb des Parlaments Gelegenheit gefünden. Auch machte n sich uͤber eine Bemerkung des Lord Ashburten (früher Herm Baring) lustig, welcher die Pairs als die erblichen Tribunnn der aͤrmeren Klassen bezeichnet hatte; er habe vielmehr, sagh er, dasselbe als eine Alles verschlingende Oligarchte bezeichnen ge hoͤrt. Der Graf von Winchilsea war uͤber diese Aeußerunge

sehr entruͤstet und warf dem Lord Brougham vor, das Haus g

flissentlich herabwuͤrdigen zu wollen. Auch sagte er ihm ins G sicht, er werde es nicht wagen, sich solche Aeußerungen außerhah des Hauses zu erlauben. Es kam zu einem scharfen Wortweg sel, bis endlich Viscount Melbourne als Vermittler einschri und sich auf die Autoritaͤt des Lord Chestersield bezog, der gh sagt habe, daß man jede populaire Versammlung als mob hg zeichnen koͤnne.

London, 28. August. Der Oberst Don Juan Galindo Bevollmaͤchtigter der Regierung von Central, Amerika zur Ab schließung eines Handels-Traktats zwischen Großbritanien un jener Republik, ist hier angekommen.

Im heutigen Blatt des Globe liest man: „Die Munis pal⸗Reformbill gelangt heute Abend ins Unterhaus zuruͤck; w wir hoͤren, wird aber vor Montag keine Debatte uͤber die Ame dements stattfinden. Wir haben allen Grund, 7 glauben, da an dem Tage eine zahlreiche Menge liberaler Mitglieder anw send seyn wird, und daß die Reformer im Stande seyn werde mit der Bill nach ihren Absichten zu verfahren. Der rech Weg liegt nahe, und er wird, wie wir glauben, eingeschlag werden. Das ÜUnterhaus wird wahrscheinlich einen ver soͤhnenze Ton annehmen, aber von dem festen Entschluß ausgehen, it ken nem der wichtigen Punkte der Bill nachzugeben. Es wird, glu ben wir, diejenigen Amendements annehmen, die den Zweck de Selbst-Regierung nicht vereiteln. So kann es ganz gut d Tribunen der Armen“ (den Lords) gestatten, ihre Absicht Bezug auf die Freemen durchzusetzen, und ihnen selbst das tadelhaf Qualifications⸗Prinzip zugestehen. Wenn es den Lords so wi entgegenkoͤmmt und dann aber die Einschiebsel, wonach die im Amte befindlichen Aldermen, Stadt-Secretaire und Recorde beibehalten werden sollen, alle hinterlistige Zufluchtsmittel m Hinsicht auf die Eintheilung der Staͤdte in Bezirke, die Köhn sel, welche den Friedensrichtern die Licenz-⸗Bewilligung laͤßt, i die, welche den gehaͤssigen sektirerischen Unterschied zwischen senter und Anglikanischem Protestanten in dem Stadtrath q stellt, wenn es, sagen wir, diese saͤmmtlichen Klauseln ausstreicht, wird es das Land ganz auf seiner Seite haben. Und wenn danm Lords sich weigern, in diesen Punkten nachzugeben, und nach! haltener Konferenz bei dem Wunsche beharren, die Bill zu n stuͤmmeln, so moͤgen sie dieselbe verwerfen und dem Willen Nation entgegenarbeiten.“

Die Morning Post droht der Majoritaͤt des Unterhausg daß, wenn sie es durch Verwerfung der amendirten Corporatioh bill und anderer Bills zu einer Kollision mit dem Oberhah bringen sollte, sie von den Konservativen durch Gewalt in NM nung gehalten werden wuͤrde. „Denn wir haben,“ sagt dies Blatt, auf unserer Seite: die Pairs von England, die Genf men von England, die Jeomen von England und ihre bewafft ten und tapferen Bruͤder, den ganzen Bauernstand in England, ? Armee, die Flotte, die Kirche, alle gelehrte Stande, die Universitäͤtz die Richter, die Magistrats⸗Personen, die Kaufleute, die zuns gen Korper jeder Art, und eine große Partei in jeder Sta sey sie eine ackerbautreibende, Handels- oder Fabrik-⸗Stadt. D Grafschaften im Umkreise einer Tagereise von London wuͤrn Sr. Maj. innerhalb einer Woche 50,000 Mann Kavallerie (u denen der groͤßte Theil bereits bewaffnet und einexerzirt ist, in die von geschickten und erfahrnen Offizieren angefuͤhrt werd stellen koͤnnen. Moͤge daher die Kollision kommen, wann d radikalen Whigs es beliebt; die Konservativen sind vorbereitet, warm zu empfangen.“ Der Courier entgegnet hierauf: „I drohen uns die Tories mit der bewaffneten YJeomanry von El land, mit den bewaffneten Orangisten von Irland, mit der Arn und mit der Flotte! Die „Morning Post“ spracht von eln Buͤrgerkriege wie von einem Zeitvertreib der Pairs, und heißt der Nation alle Schrecknisse desselben im Ueberß wenn sie noch langer die Ausrottung der korrumpirten porationen verlange. Die loyale Anhänglichkeit des Volkes! den Thron ist nicht zu bezweifeln; daß aber die Jeomen M England die Waffen ergreisen wuͤrden, um das Zehnten⸗-Sisth aufrecht zu erhalten, daß die Dissenters für die Kirche fech daß die Einwohner der Städte wirklich glauben wärden, h Corporationen gar durch das Schwerdt veriheidigen zu muͤsstn daß endlich der Bauernstand den Pairs beistehen wurde: R ist mehr, als wir behaupten mochten. Es wuͤrde die Loyal auf eine harte Probe stellen heißen, wenn von ihr verlam wuͤrde, fuͤr solche Interessen zu fechten.“ .

Die Morning Chronicle sagt: „Wenn die verstuͤmmt Corporations Reform⸗Bill nach dem Unterhause zuruͤckgesandt so wird letzteres, wie wir vermuthen, alle von den Lords gema Veraͤnderungen verwerfen und eine Konferenz mit Ihren Hen lichkeiten verlangen, in welcher eigens zu die sem Behuse ernanh Mitglieder von jedem Hause Gelegenheit finden durften, ö

Staats⸗-Papiere haben

Grunde aufzuklären, von welchen die beiden Zweige der Legisla⸗ tur hinsichtich dieser Bill geleitet worden. 3e , renz wird es bei dem Unterhause stehen, angemessene Resolutio⸗ gen zu beschließen. Sollten die Motive der Lords zu den von ihnen, beliebten Veraͤnderungen als ungenügend befunden werden, so duͤrfte dies in einer Resolution ausgesprochen, derselben aber eine zweite angeschlossen werden, welche die Meinung des Hauses über die Ausuͤbung der den Lords durch die Constitution anver— trauten Macht aussprechen würde. Es durfte der eruͤcksichti⸗ gung der Mitglieder des Unterhauses zu empfehlen seyn, Co sie zn Verwen dungs, Klausel in der Bill in Beireff der konfolidirten sonds genehmigen wollen, vevor die Ration wegen der drei Bills uber die Englische Corporations⸗Reform die Irlaͤn— dische Kirchen und die Irlaͤndische Corporations: Reform zu⸗ friedengestellt ist. Es dürfte ferner, bei der Gefahr einer ploͤtz⸗ lichen Auflö sung des Ministeriums, empfohlen werden, das Par⸗ lament fuͤrs erste nicht zu prorogiren.“ ;

. Der Speetator enthielt vor einigen Tagen folgenden Ar⸗ tikel; „Es sollte uns nicht wundern „wenn in Folge der Vor— gange im Unterhause vom Freitag 21.) Abend mehrere Schrei— ben mit der Unterschrift „Herbert Taylor“ (Sir H. T. ist Pri⸗ wat-Secretair des Königs in Umlauf gebracht wuͤrden, und wenn diese eindringlichen Zuschriften eine außerordentliche Ver⸗ duͤnnung der Qpposttion im Hberhause zur Folge haͤtten.“

Denetal Evans schreibt von Santander, wo er am 17ten gelandet war, daß die Organisation seiner Division rasch vor⸗ waͤrts schreitet. Der „Royal Tar“ und noch 5 Schiffe werden den Rest der Expedition nach Spanien fuͤhren. Der „Russell“ won 74 und die „Maguienne“ von 24 Kanonen sind unter Se⸗ Hel gegangen, um die Britische Flotte an den Kusten Spaniens und Portugals zu verstaͤrken. Für die Spanische Legion wird noch fortwaͤhrend in mehreren Theilen des Königreichs gewor⸗ ben. Die Scharfschuͤtzen unter Baron von Rottenburg gehen dieser Tage von Portsmouth ab, und in Cork wird noch ein Kavallerie Regiment organssirt. .

Den Neger ⸗Aufstand in Havanna betreffend, liest man im zrtigen Diario Mercantel vom 18. Jult! das Todes⸗Urtheil aber sechs der Raͤdelsfuͤhrer, welches am 16ten oͤffentlich vollzo⸗ ,,

ach Verichten aus Bombay vom 20. Maͤrz war fuͤr die Britische Besatzung von Sokotra besorgt, ö. die .

bornen derselben sehr feindlich gesinnt waren. Es sollten Ver— starkungen von Bomßbah dahin abgehen.

Den neuesten Nachrichten aus Ne w York vom ZSten d. zufolge, herrschte fortwaͤhrend in einem großen Theile der Union eine große Gaͤhrung wegen des Treibens der Sklaven⸗Emancipa⸗ tons⸗Vereine. Im Staate Mississippi haben Hinrichtungen und Geißelungen stattgefunden. Eine Menge Weißer, die in' die so⸗ zenannte Emaneipations-Verschwoͤrung verwickelt seyn sollen, sind zor Gericht gestellt. In Washington selbst will man ein solches

omplott entdeckt haben. n Charleston hat man das Posthaus gestürmt., saͤmmtliche der Emancipation günstige Zeitungen her— usgeholt und ein Freudenfeuer damit angezuͤndet.

Nieder lande.

n . . Peeise der Spanischen en Tag dieser Woche wi i bedeutenden Fall erlitten durch die ain ee, nnn, velutiongiren Auftritte in Madrid, welche in hohem Grade den anzlichen Umsturz der gegenwaͤrtigen Regierung befürchten sießen. chon heute vor 8 Tagen“ waren sowe hl Cortes ⸗Obligatsonen als Proc. Perpetüelle beinahe um 1 pCt. billiger als Tages vorher zu haten, jene Nachrichten brachten erstere aber mehr afs 3 pG**iun uf 26 bCt, und dig letzteren pCt., also auf zi pCt., herrn“ ,, , pCt. und waren zu 13 pt. zu enz ausgesetzte Schu ieh 2 t. niedn . ö pCt. niedriger und zu iz pCt. lein, ob Lie Vorfaͤlle in der Hauptstazt wohl die angecth Wichtigkeit haͤtten; viele Spekulanten bereuten , zu ag? . gen zu seyn und fingen wirder an einzukaufen, fo daß Hproc. Per— petuelle wieder 331, pCt. erreichten, Cortes⸗Obligationen 281, deten Coupons 171, und ausgesetzte Schuld 133 pC. Seitdem hat sich denn auch die letztere Ansicht beslaͤtigt; dessenungeachtet aber fand in Folge der Schwankungen an den Boͤrsen zu Paris und Antwerpen am Mittwoch wiederum ein Weichen att, von dein sich die Preise indeß spaͤter, selbst noch etwas über den obenerwaͤhnten Stand, wieder erholten. Der Umsatz war zu Anfang der Woche ziemlich bedeutend, indem auch von London mehrere Partieen zur Realisirung herkamen; wahrend der letzten Tage sind dagegen keine erhebliche Geschaͤfte gemacht. Diese Vorgange haben auch auf die Hollandischzn und mehrere auswärtige Fonds einen nachtheiligen Einfluß geuͤot und Schwankungen in deren CEourse heroorgebracht. Integrale. fielen bis 53319, e holten sich wieder bis 5AM, doch lonnten sie sich spaͤter kaum auf n pCt. behaupten; 3proc, wirk— liche Schuld wechselte 2 pCt. und stand gestern 1013, pCt., Kanz⸗ lllets galten 2313, Fi., Syndikat-Obligationen sind besonders ausgeboten gewesen und auf 927 pCt. heruntergegangen, gestern standen sie aber wieder „3 pCt. besser. Russische proc? Inseriptio⸗ nen haben sich bei einigen Fluciuationen am Ende auf 68 pCt. ge— stellt, also 342 pCt. niedriger, als vorige Woche; Wiener Metalli⸗ ufs erholten sich nach einem Weichen von! pCt. wieder auf Yorn pEt, in nenen Loosen ist Einiges zu 689 Fl., dann zau 691 Fl. und zuletzt zu 69 Fl. gemacht. Brasilianische Obligationen blie⸗ ben gut preishaltend, Columbische dagegen haben etwas nach gelassen und sind zu 231, spaͤrer aber wieder nnr zu 24 pCt. zu haben ge⸗= wesen. Im Geid⸗Course ist keine erhebliche Beraͤnder eng. Im Hetraide Handel hat sich eben nichts Merkwürdiges erelgnet; die . . ih mit Muͤhe bei dem vorfallenden andel; ni esser geht es mit Roggen, wofuͤr sie e weniger Verkaͤufer nenden. JJ

Schweden und Norwegen.

v Stockholm, 25. August. Das beruͤhmte Mitglied des ürgerstandes, Brukspatron Thore Petré in Gesle, ist von den

ergwerkseignern u. s. w. des dortigen Distriktes einstimmig zum Revisor bei der bevorstehenden Revision der Staatsverwal— tungs Aemter erwaͤhlt worden.

Am 1I7ten d. ist die Redaction des „Nya Argus“ von der wit er sie erhobenen Anklage wegen Schmaͤhung der Ritterschaft nd des Adels durch Ausöruͤcke uber die Herabwuͤrdigung und achtung, in welche der Adelstand versunken sey, von der

rh (wie schon fruͤher einmal im ahnlichen Falle) freigespro⸗ R worden,. Hierdurch nur trotziger gemacht, wiederholt sie nun 4Ilhte schon seit zwoͤlf Jahren befestigte überzeugung, daß keine

9 ofnung fuͤr unser Land zu finden sey, ehe sich nicht dre drei

htade ligen Staͤnde vereinigen wuͤrden 9wie es allerdings auf eh letzten Reichstage in einzelnen Fallen schon stattgefunden äth, dem uͤberwiegenden Dominiren der aristokratischen Kaste ein Ende zu machen.“ . Art, wie das Norwegische Wappen auf den neuen Fern dischen rn zen angebracht worden, einige Aufregung in deseh en verursacht hat, so haben Se. Maj. unterm 19ten d. mm en, daß die Norwegische Staatsraths Abtheilung hieselbsi

dem Schwedischen

Doch schon am folgenden Dienstage stellten sich Zwei.

taatzrathe uͤber ein gemeinschaftliches!

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a Wappen fuͤr die vereinigten Königreiche sich bera— en soll.

In Jönkoͤping sind am 21 sten d. zwischen 30 und 40 Ge— baͤude, worunter 2 Wohnhaͤuser mit ihren Hofgebaͤuden, und . . Magazine und Laben mit allen darin befindlichen Waaren abgebrannt.

Dänem art.

Kopenhagen, 29. August. In der Kföbenh avns Post vom 19ten d. liest man: „Die vom . . einigen Ta⸗ gen gehegte Besorgniß, daß die Königliche Militait, Hochschule eine ihrer festesten und wuͤrdigsten Stützen verlieren werde, hat sich als ungegruͤndet bewiesen. Der Masor Fibiger wird nam— lich, wie man jetzt erfaͤhrt, nicht einen Posten verlassen muͤssen, auf welchem er vorzüglich im gegenwärtigen Augenblicke ganz unentbehrlich ist, indem es wohl sehr schwierig, wenn nicht ganz unmoͤglich seyn wurde, ihn durch einen Mann nicht bloß von gleicher Charakter,Festigkeit und uneigennuͤßziger Begeisterung für Wahrheit und Recht, sondern auch von ähnlichem Talent? und gleicher Kenntnißsuͤlle zu ersetzen. Dieser Mann, der bei uns als Herausgeber der militairischen Zeitschrift (Repertorium) und als Mitglied der Redaction der Monatsschr.ft für Literatur““ an der Spitze der militair-wissenschaftlichen Bildung steht, wird also noch ferner, wie bisher, der festest⸗ Schlagbaum gegen die Anmaßungen des Charlatanizmus und der heste Leiter der fort- schreitenden Ausbildung und der Reform der Armee seyn.“

Deutschland.

Dres den, 30. August. Se. Königl. Hoheit der Erb⸗Groß— herzog von Hessen Darnistadt traf am 26sten d. M. Abends hier ein und stieg im . zur Stadt Wien ab. Hoͤchstderselbe speiste am 28sten im Hoflager zu Pillnitz an der Königl. Tafel und reiste gestern Mittag wieder von hier ab.

Goth a, 30. August. Gestern Mittag kamen Se. Koͤnig⸗ liche Hoheit der Großherzog von Sachsen Weimar ⸗Eisenach auf der Ruͤckreise von Baden nach Ihrer Residenz durch hie⸗ sige Stadt.

Kassel, 27. August. Hiesige Blatter melden: „Die Angelegenheiten der ehemaligen Rotenburger Quart, welche eine zeit⸗ lang hier das Tagesgespraͤch ausmachten, werden nun bald wieder mehr Ausmerksamkeit erregen, theiles nun entschie den ist, tudem die verwittwete Landgraͤ⸗ fin die Erklaͤrung abgegeben, daß sie hinsichtlich ihrer Lei— besumstände sich getäͤuscht habe. Die in Rotenburg ge⸗ troffenen Vorkehrungen bleiben aber dennoch und das zwar so lange bestehen, bis der juristische Termin, welcher mit dem 12. September eintr tt, ebenfalls abgelaufen ist.“

Munchen, 29. August. Ihre Koͤnigl. Majestaͤten waren am 24. August Abends in Berchtesgaden ünter dem Jubel des Volks im besten Wohlseyn eingetroffen. Am 25sten, dem Ge— burts, und Namensfeste des Koͤnigs, war feierlicher Gottesdienst, große Audienz, Aufzug der Bergleute und großes Festschießen. Ihre Königl. Majestaͤten führen um 1 Uhr nach dem 3 Stunden von da entlegenen Hintersee ab, an welchem Allerhoͤchstdieselben auf einem gegen 3000 Fuß uͤber der Meeresflaͤche erhabenen Punkte im Freien das Mittagmahl einnahmen. Abends brachten die Berg⸗ Knappen mit den Gruben Lichtern und Musik dem Koͤnige ihr „Gluck auf!“

Se. Durchlaucht der Feldmarschall Fuͤrst von Wrede ist gestern in Ellingen eingetroffen und wird gegen Ende Septem⸗ bers nach Muͤnchen kommen.

Der Koͤnigl. Wuͤrttembergische Minister und Staats-Secre— tair, Herr von Vellnagel, ist in Muͤnchen eingetroffen und im Gasthofe zum Schwarzen Adler abgestiegen.

Karlsruhe, 27. August. Nachdem man in der gestrigen Sitzung der zweiten Kammer noch etwa eine halbe Stunde mit der Berathung des Budget-Berichts uͤber den Entwurf des Auflagen Gesetzes und uͤber das Staats Budget fuͤr die Finanz⸗

Periode vom j. Juni 1835 bis 1. Juni 1837 fortgefahren war,

schritt man zur Berathung des Kommissions, Berichts des Ab— geordneten von Rotteck, den Gesetz Entwurf uͤber die Festsetzung eines Wahl-⸗Census in den Gemeinden betreffend. Die Abgeord⸗ neten Weller, Aschbach, Fecht, Herr u. A. erklaͤrten sich lebhaft gegen jebe Art der Einfuͤhrung eines Wahl Census. Schaaff beantragte die Herstellung des Regierungs-Entwurfs; von Suti— linger, Koͤrner und Winter v. H. wurden Mittelwege vorge— schlagen und im Ganzen acht verschiedene Antraͤge gestellt. Diese fielen aber in der Abstimmung saͤmmtlich durch, und es ward sodann der von dem Abg. v. Rotteck vertheidigte Kommissions-Antrag mit 40 Stimmen angenommen, wonach das Gesetz folgende Fassung er⸗ hielt: „S. J. Wahlberechtigt bei der Wahl der Buͤrgermeister und Gemeinderaͤthe sind: 1) in den Gemeinden von 3h00 oder we— niger Einwohnern saͤmmtliche Gemeinde-Buͤrger, 2) in allen an— deren Gemeinden sind von der Wahlberechtigung ausgeschlossen, die in dem Orts-Steuer-Kataster gar nicht oder nur mit dem persoͤnlichen Verdienst Kapital von 560 Fl. Eingetragenen. 5. 2. Die Wahl der Buͤrgermeister und Gemeinderaͤthe, so wie die des großen und des kleinen Ausschusses kann guͤltig vorgenommen werden, wenn auch nur die Haͤlfte der Wahlberechtigten erschie⸗ nen ist, vorausgeset, daß die ordnungsmaäͤßige Einladung ergan⸗ gen ist. 5. 3. Die Wahl der Gemeinderaͤthe geschieht, wie die des Buͤrgermeisters, burch geheime Stimmigebung.“ v. Rotteck vertheidigte sich in seiner Rede uͤber die Aenderung seiner Ansich⸗ ten in Betteff der Einfuhrung eines Wahl-Census, die er im Jahre 1831 für wuͤnschenzwerth gehalten, der er sich aber jetzt, da er zu einer andern Ueberzeugung gelangt sey, widersetzt habe. Nachdem diese Berathung Miltags um 1 Uhr vollendet war, beschloß die Kammer, noch in einer um sechs Uhr zu beginnenden Abend— Sitzung mit der Berathung des Ausgaben-Budgets fortzufah⸗ ren. In dieser Abend-Sitzung genehmigte die Kammer den Ge— setz⸗ Entwurf, die Rectification des Dreisam und Elzflusses bis in den Rhein betreffend. Hiernach wird zu diesem, für die Be— wohner eines schoͤnen Theiles des Breisgaues so nuͤtzlichen Un⸗ ternehmen ein Staats-Zuschuß von 3h0, 050 Fl. verabkeicht. Die Berathung uͤber das Staats- Budget ward sodann bis nach 10 Uhr fsortgesetzt.

In ihrer heutigen Vormittags-Sitzung bewilligte die zweite Kammer, nach einer weiteren vierstundsgen Berathung, das Staats-Budget fuͤr die Finanz-Periode vom 1. Juni 1835 bis L. Juni 1837 mit Stimmen, Einheit. Nach 10 Uhr ging die heutige Abend-Sitzung der 2ꝛten Kammer zu Ende. Nach einer lebhaf⸗ ten Berachung gab die Kammer auch dem Entwurfe des Aufla— gen⸗-Gesetzes ihre einhellige Zustimmung; v. Rotteck stimmte nicht und Welter erklärte sich „mit schwerem Herzen“ einverstanden. Unter den Bittschriften, uͤber welche berichtet ward, befanden sich auch die wegen Eniancipation der Jusen. Minister Winter ver— las schließlich ein Reskript Sr. Köoͤnigl. Hoheit des Großherzogs (der sich noch im Bade zu Rippoltsaü 3 wodurch er, der Minister, den hoͤchsten Auftrag erhielt, im Namen des Groß— herzogs inorgen die Adressen der Kammern in Empfang zu neh—

da der Heimfall die ses Lan d⸗

den ergangenes Reskript Sr. Majestaͤt,

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men und hierauf den Landtag zu schließen. Morgen früh ist auch noch Sitzung, um alle Bittschriften zu erledigen, weshalb die Abschieds- Feierlichkeiten erst etwas vort 12 Uhr vor sich ge⸗ hen werden.

Offenbach a. M., 25. August. (Schwäb. Merk.) Der Erb⸗Großherzog, der, auf der Reise nach Schlesien begrif⸗ fen, Offenbach beruͤhrte, duͤrfte, dem Vernehmen nach, erst bis um November in Darmstadt zurtick seyn. Se. Hoheit begiebt . namlich von Teplitz nach Muͤnchen, um daselbst seine Ge⸗ mahlin abzuholen, die in der Zwischenzeit einen Besuch bei ihren Koöͤniglichen Aeltern abstattet. Die Groß⸗Geschaͤfte unserer Herbst⸗Messe haben mit dieser Woche ihren Anfang genommen; indessen, befindet sich auch bereits eine gute Zahl Veikäufer, be⸗ sonders aus Sachsen, Rheinpreußen und dem w Neu⸗ chatel am Platze, so sind bis heute doch nur noch ehr wenig Einkaͤufer eingetroffen. Im Ganzen hegt man. 6 maͤßige Er⸗ wartungen von dieser Messe, indem der Zoll⸗-Anschluß Badens zu neu ist, als daß derselbe auf die Erweiterung der Geschaͤfts schon jetzt einen merklichen Einfluß dußern koͤnnte.

Frankfurt a. M., 29. August. (Schwabischer Merk.) In offentlichen Blaͤttern liest man von dem, nur wenige Stun den von uns entfernten Hanau aus seit einiger Zeit Klagen uͤber zunehmenbe Geschaͤftslosigkeit. Diese Klagen können allerdings gegruͤndet seyn, indem durch das strenge Absperrungssystem be⸗ fonders - diese, sonst so thaͤtige Stadt in Fabrik, und Gewer be⸗ wesen in den letzten Jahren bedeutende Verluste erlitt Diese unguͤnstigen Verhaältniffe werden aber eine ganz andere Wendung nehmen, wenn einmal der Anschluß unserer Siadt an den neuen Zollverband erfolgt seyn wird. Die dortigen Fabriken, die Webe— stuͤhle i, werden wieder mehr in Thaͤtigkeit, und dadurch der Arme, der Arbeitslose wieder zu besserem Verdienst kommen. Auch Offenbach wird sich fuͤr die Zukunft groͤßtentheils dem Fa⸗ bricationswesen zuwenden muͤssen, in welchem Zweige der Indu⸗ strie jetzt schon viel Vortreffliches daselbst erzeugt wird. So z. B. in der Chaisen⸗ Fabrication, in Etuis⸗ und Hortefeuille Arbei⸗ ten ꝛc. ꝛc. Offenbach ist aber auch ganz dazu geeignet, eine Fa⸗ brikstadt, und vielleicht mit der Zeit eine sehr bedeutende, zu wer⸗ den, und die Absatzwege seiner Erzeugnisse sind ihm, bei freiem Verkehr, am sichersten in Frankfurt offen. ,

Oesterreich.

Wien, 26. August. (Schles. Zeit. Der Reise⸗Antrlit Ihrer Majestaͤten des Kaisers und der Kaiserin ist nun ungbaͤn⸗ derlich auf den 1. September festgesetzt. Die Begleitung Aller— hoͤchstderselben werden folgende erf zen bilden: Der K. K. Ober⸗Stallmeister und Reise Oberleiter Graf von Wrbna, der Vorsteher der inneren Kammer Sr. Maj, Graf v. Segur, die Ober,-Hofmeisterin der Katserin, Landgraͤfin von Fuͤrstenberg, der Ober Hofmeister der Kaiserin, Graf von Dietrichsstein, der K. K. Geh. Kabinets-Direktor von Martin nebst dem Geh. Kabi⸗ nets,- Offizianten Zimmermann, der K. K. General⸗Major und Greer al lie ent Sr. Majestaͤt, Graf v. Clam, der K. K. Leib⸗ Arzt, Hofrath Edler v. Raimann, der Kammer⸗Maler Sr. Maj, Guͤrk, der Privat-Secretair des Kaisers, Buchholz, der Fluͤgel⸗ Adjutant Major Baron von Moll, der Fonds ⸗/ Kassen⸗Di⸗ rektor und Reise⸗ Rechnungsfuͤhrer Ritter von Scharff, der. Geheime Kabinets-Offizia! Pfohl, und der Leib⸗ Chirurgus Semlitsch, welchen sofort Leib-Kammerdiener Kammerdiener, Kammerfrauen, Kammer ⸗Dienerinnen, Hof⸗ Controlleur, Hofkuͤchen⸗Inspektor, Hofwirthschafts⸗ Individuen und Hausknechte folgen. Im ganzen sind zur Reise 23 Wagen, naͤmlich 3 sechs⸗, 13 vier⸗ und 7 zweispaͤnnige und 84 Pferde erforderlich. Die Reise geht am ersten Tage von hier uͤber Horn bis Schrems, am 2. Stpt. von Schrems bis Bud⸗ weis (Aufenthalt den zten, ten und Sten), am 6ten von Bud weis bis Klattau; von da am 7ten bis Pilsen (Aufenthalt 1 Tag), am gten von da bis Marienbad (Aufenthalt den 165ten und 11Iten) den 12ten bis Franzensbrunn (Aufenthalt den 13ten), am 14ten bis Karlsbad (Aufenthalt den 15ten und 16ten), am 17ten von Karls⸗ bad bis Saatz, am 18ten bis Brix und am Ü9ten bis Teplitz, woselbst die Zusammenkunft mit den befreundeten Monarchen stattfinden wird. Gegen Ende des Monats September werden sich die Monarchen in Gesellschaft nach Prag begeben, wo zu ihrem Empfange bereits alle Vorkehrungen getroffen werden. Verschiedene Festlichkeiten und namentlich ein glänzender Hofball werden daselbst stattfinden. Schon heute sind mehrere Bagage⸗Wagen mit Tafel und Kuͤchen⸗ Service von . Boͤhmen abgegangen. Die Transporte von Mobilien aller Art nach Boͤhmen aüs der Kaiserl. Burg gehen so sehr ins große, daß der Transport-Preis aller Waagren nach dieser Provinz merklich gestiegen ist. Un— sere Boͤrse ist fortwährend slau. Trotz des gänzlichen Mangels einer Contremine sind die Course in Folge der hien ren aus Spanien und England im Weichen. Der Tuͤrkische Botschaf— ter, Achmed Pascha zieht noch immer die Aufmerksamkeit der Wiener in besonderem Grade auf sich. So oft er sein Hotel verlaͤßt, sieht er sich von einer Menge Menschen und besonders Armen umgeben, was in ihm schon einigemale die Lust erweckte, Geld auszuwerfen. Auf die Vorstellung seiner Begleiter, daß dies den Zudrang nur vermehren und Unordnung veranlassen koͤnnte, dadurch auch hauptsächlich nur Unwuͤrdige oder nur die Starkern gewinnen wuͤrden, stand er aber hiervon ab und schickte dagegen dem Armen-Vorsteher des Bezirks, in welchem er wohnt, den Betrag von 86 Dukaten, mit der Bitte, ihn an die Beduͤrftigsten zu vertheilen. Verschiedene milde Anstalten haben den Wohlthaͤtigkeitssinn des Paschas eben— falls zu ruͤhmen. Bei seinem neulichen Besuche des Kaiserl. Arsenals musterte er die Buͤrger-Militairs mit einer bemerkens— werthen Genauigkeit; wie ihm Einer oder der Andere in die Augen fiel, nahm er dessen Gewehr, öffnete seine Patrontasche; bei der Artillerie richtete er selbst die Kanonen, maaß ihren Durchmesser, indem er den Arm in die Muͤndung hineinsteckte und bezeugte uͤber Alles große und bewundernde Anerkennung. In dem K.K. Zeughaus soll er an der Echtheit der dort in großer Zahl aufbewahrten Tuͤrkischen Fahnen Zweifel aus— gedruͤckt haben. Mit der letzten Post hat Achmed Pa— scha aus Konstantinopel die Nachricht erhalten, daß eine seiner Frauen von einem Knaben entbunden worden ist. In den neuesten Beschluͤssen der höoͤchsten Regierung giebt sich stets der edelste Rechts- und Billigkeitssinn kund. Vorzugsweise deutlich hat dies wieder ein neuerliches, an alle Militair / Behor⸗ R t wodurch einem hohen General und Regiments-Inhaber, der einen verdienten Offizier beim Avancement aus fremden Ruͤcksichten uͤbergangen hatte, das höchste Mißfallen bezeugt und im Wiederholungsfalle mit dem Verluste seiner Inhaber Rechte gedroht wird, zur allgemeinen Freude ver kuͤndet. Daß dieses Restript gegen einen so hochge⸗ stellten Mann nebenbei großes Aufsehen machte, läßt sich Senken. Durch einen Beschluß des Kaiserl. Königl. Hof-Kriegs-Raths ist allen Offizieren der hiesigen Garnisen, om Fähnrich bis zum Capitain Lieutenant einschließlich, wegen der jetzt fuͤhlbaren Theue⸗