1835 / 260 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

lande elngegangene Äluftrage etwa fester geworden waren. Inte⸗ grale stesten sich von dai auf Main pCt, proc. wirkliche Schuld von 1017 auf 101119 pCt., Syn dll at · Dbligati nen von 9a auf v3 / pCt. und Kanz Hillers von 241,9 auf 257 Fl. Aetien der Handels Gesellschaft haben dagegen bet mäßiger gr e 109 pCt be⸗ hauptet. In 6proc. Russischen Inseriptionen sind esnige Geschaͤfte von Erhebsichkeit 1 , wodurch deren Cours von 681, auf sz stieg; danach fiel derselbe aber wieder auf 6814. In Preu⸗ ßischen Loösen ii wenig vor bei dem Prelfe von 165 2 inn Fl. Wiener Metalligues blieben fast unverandert auf 99 ½ pCt.; Sith Amerfkanische Obligationen fanden etwas lebhafteren Umsatz; von denselben erreichten Brasilianische 8s? pCt. und behaupteten sich später auf 86!“ pCt. Columbianische holten 283½ pCt., doch wurden sie dieser Tage, gern . Obligationen, iwieder bau ausgeboten und bilehen merkisch sauer. Jär Geld erhaͤlt sich Frage zu und 3 pCt. Zinsen. Vom Getraide⸗Handel ist keine interessante Veraͤnderung zu melden.

, Belgien.

BSrüssel, 13. September. Zu der Diskussion uͤber unser Baumwollen⸗ Gewerbe, die jetzt taglich mit großem Interesse in der Repraͤsentanten⸗Kammer fortgesetzt wird, gehoͤrt als wichtiger Beleg die Note des Franzoͤsischen Gesandten an unsern Minister des Auswaͤrtigen, welche dieser zugleich mit der Schweizerischen der Kammer vorgelegt hat und die also lautet:

„Herr Minister! Die Franzßsische Regierung hat nicht ohne Leidwesen vernehmen konnen, daß die ahne n gute e des, der Repraͤsentanten Kammer im Namen der Gewerbs⸗Kommission uͤber die Petition einiger Fabrikanten der Stadt Gent erstatteten Be⸗ richtes darauf hinausgingen, in dem gegenwaͤrtigen Belgischen Ta⸗ rif Aenderungen anzubringen, wodurch die ausländischen Baum⸗ wollen ⸗Gewere theils ein ünbedingtes Verbot, theils eine Zoll⸗Er⸗ höhung treffen würde. Bei einem solchen 6 . ist ein wichtiger

weig der Franzoͤsischen Gewebe zu sehr bethesligt, als daß die

eachtung meiner Regierung nicht geweckt worden ware. Es schien ihr, daß in dem Augenblicke, wo Unterhandlungen, begonnen zum Zweck wechselseitigen Vortheiles, auf beiden Seiten nit dem aufrichtigen Verlangen betrieben werden, sich zu verstaͤndigen und den beiden Landern gegenseitig vortheilhakte Handelsbe⸗ ziehungen zu sichern, es seltsam herauskommen müßte, wenn einer von belden Theilen darauf daͤchte, noch eine Schranke mehr aufzu⸗ bauen, da doch die bisher , ,, versuchten Bestrebungen nur zum Zwecke gehabt, die noch bestehenden niedriger zu stellen, und sie traͤgt mir auf, nichts zu verabsaͤumen, um die bedeutenden ungelegenheiten zu verhuͤten, welche die Annahme der, in dem Be⸗ richte der Gewerbe Kommission angedeuteten Maßregeln nach sich ziehen konnte. Ich darf Ihnen nicht verhehlen, ir nf daß die e. der Annahme dieser Maßregeln seyn wuͤrde, daß der Er⸗ folg der zwischen Frankreich und Belgien jetzt obschwebenden unter⸗ handlungen sich gefaͤhrdet saͤhe, und in die Handels-Beziehungen beider eine Störung gelegt wuͤrde, welche die beklagen: werthesten

Folgen erzeugen könnte. Jon ist es in der That nicht unbekannt, mit wie vielen Dornen diese unterhandlungen umgeben sind, wel⸗ che so viele zarte Punkte in Anregung bringen und so viele Inter⸗ essen berühren und welche Schwierigkeiten die Ausführung der Auf⸗— gabe hat, welche sich die Regierung des Koͤnigs stellte. Bei der jetzigen Stimmung der Gemuͤther und dem Widerstande, auf welchen in Frank⸗ reich die Entwürfe zur Revision unserer Zoll- Gesetze treffen, ist es nicht zweifelhaft, daß, wenn Belgien, zu derselben Zeit, wo es von uns die er nn unsereg Tarlfes verlangt, den seinigen erhöht, es der Opposition ein zu mächtiges Argument in die Haͤnde liefern wurde, als daß es nicht mit Erfolg zum Behuf der Sache, die sie vertbeidigt, benutzt würde. Es ist die Sache der Regierung des Kö⸗ nigs Leopold, zu pruͤfen, ob es ihr genehm seyn konne, dem Vor⸗ tbeil Eines Gewervszweiges den aller anderen zu opfern und derge⸗

stalt sofort die gegründeten Hoffnungen auf Erfolg hinzugeben, welche die Belgischen Herren Kommissarien von ihrer letzten Reise nach Paris heimgebracht hatten. Was uns betrifft, so muß sich un⸗ sere Kolle für den Augenblick darauf beschranken, den üblen Ein⸗

ruck nachzuweisen, den unfehlbar in Frankreich auf dle Meinung des Publikums und der Kammern die Ausfuhrung von Maßregeln machen würde, die so wenig von unserer Seite veranlaßt worden; und zu wünschen, daß die Belgische Regierung sich nicht bewegen lassen moge, Anträge zu sanetioniren, welche den Handel in beiden

Landern 3 die Zukunft so sehr gefahrden konnten. Genehmigen Sie u. s. w. Bruͤssel, 23. Dez. 18581.

n i Der bevollmaͤchtigte Minister Frankreichs,

(gez.) Graf v. Lato ur⸗Mau bourg.“

Die Antraͤge der Regierung bei den Repraͤsentanten gehen dessenungeachtet auf Schutz Zoͤlle und Verbote zu Gunsten der in—

laͤndischen Fabriken, insonderheit der Genter (von wo schon 2 bis 3000 Arbeiter ausgewandert sind) hinaus, und in diesem Geiste duͤrften dann auch wohl die Beschluͤsse der Kammer aus— fallen. Von der obigen Note sagt die Emancipation: „Sie ist schon fast ein Jahr alt, muß also wohl von unserem Mini—⸗ sterium nach dem, was sie werth seyn kaun, beurtheilt worden seyn, da dieses dem Verlangen unserer Fabriken seine Unter⸗

stuͤtzung nicht verweigert. Die Franzöͤsische Regierung, die ei—⸗ nem unbegränzten Verbots⸗System huldigt, und nur in diesem System fuͤr ihre Industrie Heil sucht, kann es nicht uͤbel deu— ten, daß wir uns demselben ein wenig nähern, d. h., daß wir

uns unter das System eines gemäßigten Schutzes stellen, wenn wir nicht den Untergang unserer Gewerbtreibenden wollen. Die

Franzöͤsische Regierung, die doch einiges Interesse daran hat, po⸗ litische Verbindüngen mit Belgien zu unterhalten, wird uns doch nicht durch noch großere, gegen uns gerichtete Strenge ganz und gar in die Arme Preußens werfen und uns zwingen wollen, dem

, . Zoll⸗Verein beizutreten.“

Es ist dieser letztere Gedanke, welchen ein Theil der Oppo— sitlon aufgegriffen ]. und mit Heftigkeit bekämpft. Hr. Rogier, der jetzt zu den Gegnern gehoͤrt, fragte in einer der letzten Sitzungen, ob die Regierung nicht noch von einer andern be—

nachbarten Macht eine Note erhalten und ob sie etwas dagegen haben wuͤrde, sie auf die Tafel zu legen? Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten antwortete, er habe aller— dings von Preußens Seite eine Note erhalten, die aber an ihn persoͤnlich, nicht an die Regierung gerichtet gewesen. Er habe den diplomatischen Agenten gefragt, ob er darin einwillige, daß er sie öffentlich vorlege; dieser habe geantwortet, sie sey dazu nicht bestimmt, doch habe er nichts dawider, daß den Kammern

Kenntniß davon gegeben wuͤrde; er koͤnne anzeigen, daß Preußen

eine, der Note Frankreichs analoge eingesandt habe, sedoch wuͤnsche er nicht, daß sie auf die Tafel gelegt würde. Wenn

demnach geehrte Mitglieder Kenntniß davon nehmen wollten, so werde, wie er denke, nichts dawider seyn, wenn er ein Resums davon machen lasse, um es ihnen vorlegen zu können.

Polen.

Kalisch, 13. Sept. ) Vorge stern Nachmitta kamen Se. Majestät der Koͤnig von Preußen hier an. Ga einige Stunden fruher waren die Königlichen Prinzen eingetrof, fen und in den fuͤr ste bestimmten Wohnungen abgestiegen. Vor

= Dleses Schreiben entbält jwar einige Wiederholungen des bereits gestern aus anderer Quelle geschbpften Berichts aus Kalisch vom 12ten; da es indessen als Fortf in der Nr. 258 der

Staats- Zeitung gegehenen Schreibens dient,

nigen Regiments . das den Namen des angekommenen hohen Gastes fuuͤhrte. Die Straßen wogten von Menschen, und das Gewuͤhl nahm noch mehr zu, als der Ruf erscholl, daß der König da sey. Ihre Majestäͤten der Kaiser und die Kaiferin, Allerhöchstwelche dem erlauchten Gaste entgegengereist waren, fuh⸗ ren zusammen mit ihm in die Stadt. Unmittelbar nach der An⸗ kunft im Schlosse (Ces war etwa 6 Uhr) wurden von den Hautboisten sämmtlicher Regimenter mit großer Praͤzision meh⸗ rere Musikstuͤcke aufgefuͤhrt, denen der große Zapfenstreich sich anschloß. Mittlerweile war die Dunkelheit eingebrochen, der jedoch bald der strahlende Glanz einer Illumination der ganzen Stadt folgte. Alle Fenster waren, zum Theil mit allego— rischen Transparents, erleuchtet, und die groͤßeren Haͤuser mit ganzen Fronten geziert, indeß die freudig bewegte Menge jubelnd durch die Straßen zog und sich erst spaͤt in der Nacht zerstreute. Gestern fruͤh erfolgte der Einmarsch der Preußischen Trup— pen in das Russische Lager. Sie hatten dem Ende die Preußische Graͤnze Morgens um? Uhr bei Skalmierz yce uͤber⸗ schritten und waren die Thaussée entlang bis dicht vor die Zelt— reihen des Russischen Lagers marschirt, wo Se. Maj. der Konig von Preußen sich an ihre Spitze stellte. Andererseits standen 50, 00 Mann Russen die unabsehbare Reihe der Zelte entlang aufmarschirt und harrten, ihren Kaiser an der Spitze, der An⸗ kunft der Preußischen Krieger, die jetzt von Sr. Maj. dem Koͤ— nige unter klingendem Spiele und dem Hurrahruf der Russen,

Mitte der ganzen Lagerung erbauten praͤchtigen Pavillon gefuͤhrt wur⸗ den. Kanonendonner verkuͤndigte weit in das Land hinein die Ankunft der Preußen in dem gastlichen Lager. Vor jenem Pavillon fand dann der Vorbeimarsch statt, bei welcher Gelegenheit auch Ihre Ma— jestaͤt die Kaiserin das Allerhoͤchstihnen zugehorige Chevalier⸗Garde⸗ Regiment persoͤnlich vorbeifuͤhrten. Hiernaͤchst ruͤckten die Preu⸗ ßen in das fuͤr sie bestimmte Lager ein, das bis jetzt leer gestan⸗ den hatte. Es liegt dicht neben dem schon erwahnten Pavillon und gränzt an das Lager der Russischen Garden. Mittags war großes Diner im Schlosse und Abends Theater-Vorstellung auf dem neuerbauten geschmackvoll eingerichteten Theater. Die Preu⸗ ßischen Hof⸗Schauspieler aus Berlin, welche Se. Majestaͤt der Kaiser nach Kalisch eingeladen hatten, gaben ein Lustspiel, worauf die vier Spanischen National⸗Taͤnzer aus Madrid (dieselben, die auch vor einiger Zeit hier in Berlin auftraten) einige Taͤnze aus—⸗ fuͤhrten. Den Beschluß machte ein Divertissement, ausgefuͤhrt von den Taͤnzern des Polnischen National-Theaters zu Warschau. Heute Vormittag um 11 Uhr fand ein feierlicher Gottes⸗ dienst sammtlicher Truppen in den Lagern statt. Die Russischen Garden versammelten sich vor der halbgeoͤffneten praͤchtigen Kaiserl. Feldkirche, und die Preußischen Garden vor dem auf dem Felde errichteten Altare. Der Gottesdienst begann auf allen Punkten des Lagers zugleich. Die Allerhoͤchsten und Hoͤchsten Herrschaf— ten mit ihrer unzähligen Suite wohnten erst dem Griechischen Gottesdienste, bei welchem die Kaiserlichen Kirchen⸗Saͤnger mit⸗ wirkten, und dann dem evangelischen bei, wo der evangelische Prediger, unter Mitwirkung der Militair⸗Saͤnger und des Mu—⸗ sik⸗Lorps des ersten Garde⸗Regiments zu Fuß, die Liturgie hielt. Hier bemerkte man, neben den Preußischen Garden, auch das Regiment der Finnlandischen Scharfschuͤtzen, die ebenfalls evangelischer Religion sind. Nach beendigtem Gottesdienste hatte jedes Regiment vor den Zeltreihen Wacht-Parade, wor—⸗ auf die Dujour⸗Offiziere aller lagernden Infanterie⸗Regimen⸗ ter bei Sr. Maj. dem Koͤnige von Preußen vorbeidefilirten. Eben so ritten Mannschaften aller lagernden Kavallerie⸗ Regimenter im Cere⸗ monial⸗Marsch, erst zusammen, dann einzeln, und zwar in verschiede⸗ nen Gangarten vorbei. Die Tscherkessen, Kurden und Uralschen Linien⸗ Kosaken fesselten besonders die Aufmerksamkeit aller Anwesenden. Eine kleine Abtheilung derselben zeigte zunaͤchst die hohe Ausbildung dieser Leute im Reiten. Es wurde ein Bogen Papier auf die Erde gelegt, an welchem sie einzeln in vollem Carrièere vorbei— sprengten, im Reiten nach dem Bogen schossen und jedesmal, so⸗ wohl mit der Pistole, als mit dem Gewehr trafen. Dies war abei nur das Vorspiei eines der interessantesten Mandͤvers, die man nur sehen kann, naͤmlich die Waffen-Uebungen des Musel⸗ maͤnnischen und des ganzen Uralschen Linien⸗Kosaken⸗Regiments. Beide Regimenter in ihren fremdartigen Asiatischen Kostuͤmen waren auf der Hoͤhe vor dem mehrerwaͤhnten Pavillon auf— marschirt, von welchem sich ein sanfter Abhang nach dem Felde herunterzieht. Das Schauspiel begann mit den Plaͤn⸗ keleien einzelner Paare des Muselmaͤnnischen Regiments. Mit unglaublicher Geschicklichkeit tummelten diese Leute im stärksten Laufe ihre Pferde, schossen im Fliehen nach ihren Verfolgern, warfen sich dann aus dem Sattel ganz auf die eine Seite des Pferdes, um sich zu decken, und ergriffen, wenn der Gegner sein Gewehr abgefeuert hatte, gleich wieder mit wil⸗ dem Geschrei die Offensive. Zu den einzeinen Paaren gesellten sich nach und nach mehrere, so daß zuletzt das ganze Regiment im wildesten Getuͤmmel durch einander focht und ein grausen⸗ erregendes Bild von der Kampfart jener Asiatischen Voͤlker⸗ schaften bot. Hatte das Muselmaͤnnische Regiment schon Außer⸗ ordentliches geleistet, so wurde es wo moͤglich noch von dem Uralschen Linien⸗Kosaken⸗ Regiment uͤbertroffen. Einzelne Leute holten nicht allein im stärksten Laufe des Pferdes aus einem brennenden Strohhau⸗ fen eine hineingeworfene Muͤtze hervor, sie voltigirten auch, in gerader Linie jagend, 30 bis 40 mal hintereinander zur Erde und wieder aufs Pferd. Zuletzt machte das ganze Regiment, auf den Pferden stehend eine Attake, unter furchtbarem geheulartigem Schlacht-Geschrei. Vergebens wuͤrde man versuchen, das wunderbar Fremdartige dieses Anblicks zu beschreiben. Was man bis jetzt nur in einem Eireus von Kunstreitern zu sehen gewohnt war, wurde hier auf freiem Felde von einem ganzen Regimente ausgefuͤhrt. Den Beschluß dieses interessanten Schauspiels machte eine Probe des Dscherrid⸗Werfens von einer Abtheilung des Muselmaͤnnischen Regiments. Die einzelnen Kaͤmpfer warfen naͤmlich kleine Wurf⸗ spieße, die sie an einer Schnur hielten, mit außerordentlicher Sicherheit gegen einander, zogen sie aber natuͤrlich zuruͤck, noch ehe sie den Körper des Gerners beruͤhrt hatten. Nach Beendi— gung dieser militairischen Uebungen begaben sich die Aller hoͤchsten und Hoͤchsten Herrschaften nach der Stadt zuruͤck, wo ein gro— ßes Diner stattfand, zu welchem die Obersten aller lagernden Regimenter geladen waren. Abends war abermals Theater⸗Vor⸗ stellung, waͤhrend welcher auf den Plaͤtzen der Stadt verschiedene Musik⸗Corps den ganzen Abend hindurch musizirten. Mor- gen ist große Parade beim Dorfe Kokanin.

Kalisch, 15. Sept. Gestern war große Parade aller hier versammelten Preußischen und Russischen Truppen; die Auf⸗ stellung war rechts von dem Wege von Kalisch nach Stawiozyn auf einer Wiese, einige Werst von der Stadt. Die Truppen waren in vier Treffen aufgestellt; die Infanterie bildete die bei⸗

ile ie, Tf, n, d hahen wir es nicht verfürzen mögen. t ch

den ersten Treffen, und auf dem rechten Fluͤgel des ersten befand

einer seden derselben war als Ehrenwache eine Compagnie des je /

die Reihen der Russischen Infanterie entlang bis zu einem in der

1

sich die Preußische Infanterle, das vallerie und das Ate die Artillerie. empfingen unsern Konig mit gezogenem des ersten Treffens uns uͤberreichten ihm den Rapport (die n pen bestanden aus 601“ Bataillons, 68 Eskadrons und Stuͤck Geschutz, gegen 53, 090 Mann stark). Beide Monarch auch Ihre Masestät die Kaiserin zu Pferde, gefolgt allen ubrigen Hohen Herrschaften und Menge von Zuschauern, ritten unter fortwaͤhrendem Hurrg Ruf die Linien hinunter und kehrten alsdann nach dem recht Fluͤgel der Infanterie zuruͤck, wo der Vorbeimarsch stattfanz. wurde zweimal vorbeimarschirt, die Infanterie das zweitem

Regiments -Kolonnen mit vier Batailsoöns neben einander; die

vallerie im Trabe. Mittags war Tafel bei Sr. Majestaät Koͤnige. So freundlich unsers Truppen bei ihrem Einrücken pfangen wurden, eben so gluͤcklich hat sich das vollkomma Einverstaͤndniß fortwährend geaͤußert; die Russischen Offiziere Soldaten wetteifern in der Bereitwilligkeit, um unsern Trum den Aufenthalt so angenehm als moglich zu machen. Die R pflegung ist, vortrefflich. Se. Masestät der Kaiser haben Fleisch Portion bei den Soldaten verdoppelt, so daß gegen wan der Mann ein Pfund Fleisch taglich bekommt.

Die Leipziger Zeitung enthaͤlt noch folgende ni ö

traͤglich- Mittheilung aus Kalisch vom 10. Sept. „Zwist den Offizieren unserer und den noch jenseits der Graͤnze lagen den Truppen findet der lebhafteste freundschaftliche . nn. Die gottesdienstliche Feier im Preußischen Lager, am versp len Sonntage, werden alle aus den Reihen unsers Heeres din an wesende Krieger als eine erhebende Erinnerung im Gedihnif bewahren. Die dort von dem Feldpropst Dr. Bollert in ayist lischem Geiste gesprochene Rede hatte für die zahlreichen in ih ren Reihen befindlichen Protestanten den Werth einer lang entbehmn seltenen Gabe. Ihre Wirkung auf die Zuhoͤrer beider Nationen unverkennbar und sprach sich ergreifend in der Ruͤhrung aus, womit Graf Ruͤdiger und der General von Roder nach Beendigu der heiligen Handlung dem Redner nahten, ihm zum Du die Hand reichend. Tief durchdrungen von der Macht der Gh bensworte war vorzugsweise der General Baron von Map dorf, der tapfere Fuͤhrer der Kuͤrassiere bei Grochow. Die Ihn nen in seinem Heldenauge gaben dem General von Roͤder M laß, sich mit den schoͤnen, beide Maͤnner ehrenden Worten z ihn zu wenden: „Herr General, wenn man, wie Sie bei Gy chow, die Kavallerie ins Feuer fuͤhren kann und noch bej eine solchen religiösen Anregung Thraͤnen hat, so ist man ein wahrer Soldat,“ Der gestrigen Uebung aller vereinten Waffen d Preußischen Detaschements wohnten, außer mehreren Offizier der Adjutantur, auch der Ober-Stallmeister, Fuͤrst Dolgoruh der Minister des Kultus, Graf Gollowin, und der Quartz meister, General Neidhard, bei. Sie bringen die guͤnstigste M nung von den Leistungen dieser jungen Truppen zuruͤck ũw sprachen sich bewundernd uͤber die freie, unbefangene Haltu

und den jugendlich kräftigen Sinn aus, der das Gepraͤge

Preußischen Soldaten ausmacht.“

Deu tschlan d.

Kassel, 12. Sept. (Frankf. O. P. A. 3. ). So ehn 6 Uhr Abends, ist der zuletzt mit der Cura ventris bei der vel wittweten Landgräͤfin von Rotenburg beauftragt gewesen Od jaͤgermeister von Baumbach, so wie das uͤbrige Personal, h eingetroffen, und somit ist der Heimfall nun vollig entschieden

Die von den Deputirten der Kurhessischen Ritterschaft n worfenen und dem naͤchsten Landtage zur Berathung vorzuleg den neuen Corporations-Statuten haben die hoͤchste Geneht gung erhalten.

Gotha, 15. Sept. Vorgestern Mittag ist unsere regiermm Frau Herzogin von hier nach Koburg zuruͤckgereist, nach Höchstderen Bruͤder, die Herzoge Alexander und Ern von Wi temberg, die hiesige Stadt bereits am Freitage verlassen hatt i t Mittag kehrte auch der regierende Herzog nach Koln zuruck. (!

Ka rlsru he, 14. September. Das Großherzogliche Stun und Regierungsblatt enthaäͤlt folgende, den freien Verkehr schen dem Großherzogthume und dem Herzogthume Nassau

treffende Verordnung des Großherzoglichen Finanz⸗Ministerim

vom 19ten d. M.: „In Folge einer vorläufigen Uebereinkunft der Staaten? Deutschen Zoll Vereins mit dem Herzogthume Rassau und in F der von Sr. Königl. Hoheit aus Großherzoglichem Staats- g sterium erhaltenen Ermaͤchtigung vom 190ten d. M. wird verohnt Art. 1. Der freie Verkehr aus dem Großherzogihume in dag hn zogthum Nassau und aus diesem in das Großherzogthum, tritt heute an ganz in derselben Weise in Wirklamkeir, wie er nach! Verordnungen vom 1 Jult und 165. Aug. d. J. zmischen Großherzogthume und dem uͤbrigen Zoll⸗Vereins⸗Gebsete dermq schon besteßt. Art. 2. Bei der Einfuhr von Bier aus dem Hit thume Nassau ist eine Ausgleichungs-Abgabe von 1 Gulden 16 fuͤr die Badische Ohm zu erheben. Art. 3. Ursvrungszeugnlst⸗ weit solche erforderlich sind, werden in Nassau durch die Herhöh chen femter beglaubigt. Art. 4. Die Großherzogliche Zoll⸗Hireth hat fuͤr den schleunigen Vollzug dieser Verordnung zu sorgen /

Mainz, 5. Sept. Die Anzahl der durchreisenden Fu den, so wie jener, welche sich langer oder kuͤrzer hier aufhält war niemals so groß als gegenwärtig. Fast jeden Abend, Ankunft der Eilwagen und Dampfschiffe, sind die am Rhein legenen Gasthoͤfe ge ech t, sehr viele Passagiere, manchma bis 89, wegen Mangel an Raum abzuweisen. Tan bemt besonders viele Englaͤnder, welche die Cholera aus Itallen! dem suͤdlichen Frankreich vertrieben hat. Der Badische Zoll schluß beginnt bereits vortheilhaft auf den hiesigen Plat wirken, indem manche fruͤher bestandene Handelsverbindum welche die Mauth getrennt hatte, sich wieder anknuͤpfen auch neue versucht werden. Außer dem jetzt wieder neu belth Graͤnzverkehr duͤrfte unser Speditions, und Großhandel Kolonialwgaren am meisten durch den Anschluß gewinnen. Beitritt Nassau's erfolgt stufenweise, so daß unter den bern gegen Caution der freien Circulation uͤberlassenen Handelsartit außer dem Weine fast kein bedeutender mehr fehlt. Uebrsgg sieht man taͤglich einer definitiven Zutrittserklaͤrung entgegen,

; Ben ne 15. Sept. Das hiesige Am tsb la tt enh eine Verordnung, die Nachversteuerüng von Kaffee und (if betreffend, „um, wie es in der Verordnung heißt, „die I nahme des Amts Homburg an den dem mit dem i0ten d. schen dem Zollvereinsgebiete und dem Herzogthum Nassau tretenden freien Verkehr entgegenstehen den Hindernissen zu ben

*

gte Treffen biidete die Se. Majestaͤt der Ka

Zucker in das hiesige Amt herbeigefuͤhrt worden sind, und Degen am rechten Flů

einer unzaͤhlbay

Fien, 12. Sept. Ueber die Reise Ihrer Majestaͤten lau⸗

weiche durch dle un erhaltu maß gen Einfuhren von Kaffe

durch in den Stand gesetzt zu werden, den Bewohnern eiligen Landes die Wohlthat des oben erwahnten freien

stehrs baldigst gewähren zu koͤnnen.“ ; Frank furt a. M., 15. September. Vorgestern ist der

m von Heeckeren, Koͤniglich Niederlaͤndischer außerordentli—⸗ „Gesandter und bevollmaͤchtigter Minister am Kaiserlich Rus⸗ nn bofe, von St. Petersburg hier eingetroffen.

Oesterre ich.

sortwährend die guͤnstigsten Berichte ein. Ihre Kaiserlichen

säiten der Erzherzog Palatinus und Gemahlin werden um die

kite dieses Monats hier eintreffen und sich dann ebenfalls nach n begeben. Die Frau Erzherzogin soll Willens seyn,

uf einen Besuch bei ihren hohen Verwandten in Wuͤrttem—⸗

g ahzustatten.

Am 6ten d. M. wurde hier die Hof-Trauer fuͤr den ver⸗

rbenen Kaiser Franz abgelegt.

Unter den neuesten Armee-Befoͤrderungen befindet sich auch

unseres Gesandten am Griechischen Hofe, Oberst-Lieutenants

prokesch, zum Obersten.

Die Durchfall⸗Krankheiten scheinen hier wieder abzunehmen,

D die Brechruhrfaͤlle sind seit einigen Tagen auch viel seltener.

prag, 15. Sept. Am 9ten d. gegen 7 Uhr Abends lang— Ihre Kaiserlichen Majestaͤten zu Marienbad an. Am Absteige⸗ sartier im Koͤnigswarter Hause wurden Hoͤchstdieselben von jr, Durchlaucht dem Fuͤrsten Metternich, Sr. Excellenz dem staatsz,! und Konferenz-Minister Grafen von Kolowrat, Sr. celle dem Ober-Burggrafen Grafen von Chotek und Sr. Cellen; dem Feld-Marschall-Lieutenant Grafen Mens dorff em⸗ ngen. Am anderen Morgen um 9 Uhr begaben sich Ihre dasesttten unter großem Volks⸗-Jubel in die neu erweiterte Kirche n Marienbad. Sodann folgten Privat-Audienzen und Vor— slungen der Behoͤrden bei Ihren Majestäaͤten. Hierauf besich⸗ hten die hohen Herrschaften die Bade- und Trink-Anstalten, hen sich Alles zeigen und erklaͤren, und erkundigten sich nach in Absatz, der in diesem Jahre bereits nahe an 350,000 Fla— zen betragen hat. Mittags wurden saͤmmtliche in Marienbad spesende hohe Staats- Beamte und mehrere inlaͤndische und nde hohe Staats-Personen zur Kaiserlichen Tafel gezogen. schmittags machten Ihre Majestaͤten eine Spazierfahrt und sweilten auf der bei dem Fuͤrstlich Metternichschen Thiergarten shdlichen Anhöhe, um die Aussicht auf das ganze herrliche hal von Marienbad zu genießen. Abends war der Kurort aufs jnzendste erleuchtet, und in der Naͤhe des Kreuzberges wurde praͤchtiges Feuerwerk abgebrannt. !

Schweiz.

Luzern, 7. September. Heute fand die erste Sitzung der kirchlich⸗-katholischen Angelegenheiten hier versammelten Konfe, z statt. Es erschienen zu derselben: Namens der Staͤnde Lu— rn: Hr. Schultheiß Schnyder, Praͤsident, und Amrhyn. Bern: lt-⸗Regierungsrath Schnell; Aargau: Hr. Obst. Fetzer und Prä—

dent Dorer; St. Gallen: Landammann Baumgartner; Thur⸗ ju: Anderwerth und Jutz; Solothurn: Baron von Roll und Rösident Duͤrrholz; Basel-Landschaft: Hr. Gutzwiller; Grau⸗ inden und Zug, ebenfalls eingeladen, fehlen. Die Konferenz urde von Hrn. Schulth. Schnyder eroͤffnet mit einer Mahnung

die Nothwendigkeit, die Badener Konferenz-AUrtikel durch⸗ führen, was, wie St. Gallen mit Nachdruck bei— igt, gemeinschaftlich geschehen muͤsse. Aargau verlangt 6baldiße Schritte gegen den Bischof von Basel, mit r Drohung, widrigenfalls zuruͤckzutreten. Thurgau dage— g will, ehe es zur Durchfuͤhrung schreitet, erst den heitritt aller Staͤnde zu den Konferenz⸗-Artikeln erwarten, wozu bern und Solothurn die Bereitwilligkeit ihrer Regierungen aus— htechen. Es wurde eine Kommission niedergesetzt, um die Trak⸗ unden zu entwerfen und Anträge uͤber die Ausfuhrung der Kon⸗ renz Artikel zu stellen. Sie besteht aus den Hrn. Schultheiß Ichnyder, Landammann Baumgartner und Dorer.

Genf, 5. Sept. Wiewohl die Cholera sich immer mehr zn uns entfernt und in suͤdoͤstlicher Richtung hinzieht, denn in Balenee, dem uns naͤchsten Punkt, hat sie bereits aufgehoͤrt, Enden es doch die Sanitaͤtsbehoͤrden in Savoyen noͤthig, fuͤr Reisende und Waaren aus Frankreich eine Ttaͤgige Quarantaine mnzuordnen. In Turin ist sie sehr unbedeutend. .

In der Nacht vom 31. Aug. auf den 1. Sept. ist auch auf her Genfer Sternwarte der Halley'sche Komet nach den Angaben er Astronomen aufgefunden worden, weschen dies fruͤher gelang. Jein Licht war noch so schwach, daß man ihn mit einem bloßen Lometensucher nur schwer finden konnte. Erst nach Entfernung les Lichtes aus dem Ort der Beobachtung war er gut zu beob— hten mit einem Tubus von 4“ n . und bloß mit vier⸗

maliger Vergroͤßerung. Eine andere Schwierigkeit bei der Hufsuchung bestand in der Menge von Nebelflecken jener Him— elg Gegend, die heller sind, als er. Man fand, daß der Komet lemlich genau der Ephemeride Pontecoulants folgt, daß jedoch line Declination fast um drei Viertel Grade kleiner ist, ais die bon diesem Astronomen angekuͤndigte; daher findet man ihn nicht n dem Glas des Sektors, wenn man es nach jener Ephemeride schttt. Der Komet scheint abgerundet, aber etwas laͤnglich, an linen Rändern undeutlich, und nur heller an einem Punkt sei— es Kerns, der jedoch nicht ganz im Mittelpunkt steht. Die sanze Nebeigestalt ergab nach dem Mikrometer des Sektors ohne Erleuchtung ungefähr vier Minuten Durchmesser.

Ital!8iuen.

Ferrara, 26. August. (Schwäb. Merkur.) Die hiesi— Un Einwohner kamen wegen der Annaͤherung der Cholera in am darum ein, daß es den hier wohnenden Juden, welche hdie in Rom) auf einen Bezirk der Stadt, den Ghetto, be— Hänkt sind, den sie nur wahrend einer bestimmten Tageszeit Flassen duͤrfen, gestattet werden solle, ihren Wohnsitz in einer unden Gegend aufzuschlagen. Die Geistlichkeit jedoch wider⸗ 6 sich dieser Maßregel und erwirkte von Rom aus den Be— ehl, daß die Juden in ihrem Ghetto bleiben sollten.

Livorno, 2. September. (Allgem. Zeit.) Was sich bei n allmäligen Vorruͤcken der gefuͤrchteten Cholera vom suͤdlichen antreich nach dem angränzenden Piemont wohl erwarten ließ, n leider eingetroffen; die Krankheit grassirt in unserer Dtadt, deren Einwohnerzahl, die Vorstaͤdte inbegriffen, gegen

1065 J0 Personen als Opfer fallen. Natürliche Folge hiervon ist das Auswandern derer, denen Verhaͤltnisse und Vermögens⸗Umstaͤnde es moͤglich machen; gaͤnzliche Stockung des Handels und darum äaußerst bedraͤngte Lage der großen Masse der von ihrem täglichen Verdienste lebenden Leute. Ihrer Noth wird zwar durch frei⸗ willige Gaben der Vermoͤglichen einigermaßen beigesprungen; sie bleibt aber begreiflicher Weise immer noch sehr druckend. Wie an anderen Orten, namentlich in Petersburg, Paris, Marseille c., so herrschte auch hier anfangs, und als noch wenige, nur verdaͤchtige Fälle angezeigt wurden, aber der angeordneten Vorsichts⸗Maßregeln wegen der Verdienst sogleich mancherlei Hem⸗ mung erfuhr, unter dem gemeinen Volke theils Unglaube an das Daseyn der Krankheit, theils ein heftig gesteigerter Unwille gegen den ersten Sanitaͤts-Arzt, als den hauptsaͤchlichen Urheber jener Vorsichts⸗ Maßregeln, der sich auf gefährliche Art zu aͤußern drohte. Jetzt aber, da der Kranken⸗Wagen so viele durch die Stadt fah⸗ ren, und der Bekannten, auch aus den wohlhabenden Klassen, schon so manche weggerafft worden sind, scheint dumpfe Ergebung und Furcht sich der meisten Gemuͤther bemaͤchtigt zu haben, und der unvernuͤnftige Argwohn gegen die Aerzte verschwunden zu seyn. Daß von den angraͤnzenden Staaten Graͤnzsperrungen und Qua⸗ rantainen veranstaltet worden sind, ist sehr begreiflich; wohl aber scheint dem gesunden Verstande ganz entgegen ein Edikt der Re⸗ gierung von Lucea, das nicht bloß seit dem 28. August allen von Toskana Kommenden den Eintritt in ihre Staaten gaͤnzlich un⸗ tersagt, sondern selbst den aus genanntem Lande Gekommenen, die schon sechs Tage vor Erscheinung obigen Edikts den Lucche— sischen Boden betreten hatten, denselben unverzuͤglich und bei schwerer Ahndung wieder zu verlassen gebietet. Die Hoffnung, daß die starken Regenguͤsse der Ausdehnung der Cholera Schran— ken setzen wuͤrden, hat sich nicht bewahrt; im Gegentheile scheint sich dadurch der Krankheitsstoff mehr entwickelt haben. Jetzt hofft man nun wieder auf den Einfluß der eingetretenen schoͤnen Witterung. Der Mangel an gehörigen Vorkehrungen ward, als die Seuche mit Heftigkeit ausbrach, schmerzlich ge⸗ fuͤhlt; dabei ward noch der Schrecken durch die Anfangs von der Sanitaͤts-⸗Behoͤrde ins Werk gesetzten Absonderungs-⸗Maß⸗ regeln sehr vermehrt. Ungeachtet aller anderwaͤrts gemachten Er— fahrungen bestand diese Behörde darauf, die Krankheit als con— tagioͤz zu behandeln, und die bei der Pest gebräuchlichen Vor— sichtsmittel anzuwenden. Durch freiwillige Beitraͤge hiesiger Ein⸗ wohner ist bereits eine Summe von 40,600 Florentiner Lire zu⸗ sammen gebracht, woraus die duͤrftigsten von der Krankheit be— troffenen Familien eine Geld⸗-Unterstuͤtzung erhalten und den Ar— beitern, die in der jetzigen Lage ohne Verdienst sind, Brod und Reis ausgetheilt wird. Auch hier haben beim Ausbruch der Krankheit eine Anzahl Aerzte feiger Weise die Stadt verlassen.

Spanien.

Madrid, 4. September. Folgendes ist das (gestern er⸗ wähnte) Rundschreiben des Ministeriums des Innern an saͤmmt—⸗ liche Civtl⸗Gouverneure:

„Seit laͤngerer Zeit weiß die Regierung, daß eine gewisse Klasse von Menschen, denen nichts heilig ist, fuͤr welche die Lehren der Erfahrung fruchtlos sind, die über Alles, was in der Welt als das Achtungswertheste betrachtet wird, spotten, den verabscheuungswer⸗ then Plan gefaßt hat, eine Umwaͤlzung in Spanien zu bewirken und die Grundgesetze dieser alten Monarchie zu vernichten. Der bloße Gedanke eines solchen Unternehmens scheint lächerlich in den Augen derjenigen, welche die n Spruͤchwort gewordene Rechtlich⸗ keit der Spanier und ihre religidse Ehrfurcht fuͤr die Gesetze und die National⸗ Gebraͤuche kennen. Als auf Befehl Ihrer Majestaäͤt der Koͤnigin⸗Regentin ein großer Theil unserer tapferen Armee zur Bekaͤmpfung der Feinde . National -⸗Freiheit verwandt wurde, als ein Gesetz der Cortes die wichtige Einrichtung der Stadt-Miliz zur Erhaltung der Ordnung und Ruhe in den Staͤdten her⸗ vorgerufen hätte, da glaubten, die Aufruͤhrer, der Augenbilck sey guͤnstig zur Ausfuhrung ihrer blutigen und chimaͤrischen Plaͤne. Unter dem Vorwande, die Organisation der Aufruͤhrer, welche in einigen Provinzen sich in Corps zu vereinigen versuchten, zu verhindern, bildeten sich Junten, an deren Spitze gesetz liche Be— böoͤrden gestellt wurden und die angeblich nur den genannten Zweck haben sollten. Diese ungesetzlichen Versammlungen warfen jedoch bald die Maske ab und wagten Eingriffe in die Praͤrogative der Krone und in die Rechte, welche die Ration nur durch ihre Repraͤ⸗ sentanten ausüben kann. Um ein solches Attentat zu rechtfertigen, verleumdeten sie die reinsten Absichten der Regierung Ihrer Ma⸗ jestaͤtd und erdichteten oder vergroͤßerten die Gefahren, welche nur durch die von solchen Menschen hervorgerufene Uneinigkeit herbet⸗ geführt werden können. Vergebens suchten sie ihre revolutionairen Plaͤne auch auf andere Theile des Königreichs auszudehnen. Von dem Augenblick an, wo die Bewohner die Praͤrogative des Thrones angreifen und die liberalen Institutionen, welche die Stuͤtze dessel⸗ ben sind, bedroht sahen, verweigerten Einige den eingedrungenen und ungesetzlichen Behoͤrden den Gehorsam, Andere wandten sich an die Kegierung Ihrer Mgjestaͤt und baten um Instruetionen, da sie nicht wußten, od die Praͤsidenten jener Junten zu den von ihnen gegebenen Befehlen von der Regierung ermaͤchtigt seyen. An eini⸗ gen Orten hat man wirklich das Aergerniß so weit getrie⸗ ben, die Constitution von 18612 zu proklamiren, an anderen Orten verlangte man eine konstituirende Versammlung, und man wollte andere Cortes konstituiren, welche die Nation in einen Abgrund von Uebeln gestuͤrzt hatten, indem sie dieselbe der furchtbarsten Anarchie Preis gaben. Solche Vermessenheit, solche Verbrechen und Ausschweifungen haben mit Recht die Spanische Nation beunruhigt, deren guter Sinn und deren Klugheit ihr nicht erlauben, an so z einem solchen Zustande der Dinge konnte die fuͤr die bffentliche Ordnung und Ruhe, so wie für die Erhaltung unserer Fundamen⸗ tal⸗Gesetze verantwortliche Regierung J. Maj. nicht anstehen, der Nation die Urheber dieser abscheulichen Uebelthaten laut zu denun⸗ ztren un sie wird die Anhaͤnger und Agenten eines so unerhdͤrten und abscheulichen Unternehmens bis zur Ausrottung verfolgen. Um unserem Vaterlande die endlosen Uebel zu ersparen, welche unfehl⸗ bar aus einer laͤngeren Toleranz hervorgehen würden, macht die Re⸗ gierung Ihrer Majestaͤt Sie persoͤnlich da ur verantwortlich, daß kein Befehl, keine Bestimmung, kein Dekret, außer denjenigen, welche unmittelbar von den gesetz lichen Behörden ausgehen, die Sie anerkennen muͤssen, in den von Fhnen verwalteten Provinzen verkuͤndigt werden. Hiervon sind naturlich diejenigen Beamten der Regierung ausgeschlos⸗ sen, welche an den Huͤlfs⸗ oder dirigirenden Junten Theil genonimen oder deren . auggefuͤhrt haben. Diese Junten sind auf ausdruͤckli⸗ chen Befehl n rer Majestäͤt fuͤr ungesetzlich und aufgeldst erklaͤrt. Sie werben biese Mijtheilung sogleich nach dem Empfgnge dersel⸗ ben in ihrem Bezirke bekannt machen und fur die Ausfuhrung der⸗ selben Sorge tragen. Ihre Majestaͤt ertheilt Ihnen auß erordent⸗ liche und unumschraͤnkte Vollmacht, um die Praͤrogative der Krone aufrecht zu erhalten, über die Erhaltung der durch das Königliche Siatut verkündeten Natlonal⸗Rechte zu wachen und den Unruhen, welche das Land mit unberechenbaren üebeln bedrohen, ein Ziel zu setzen. Mbge Gott Ew. Excellenz ein langes Leben verieihen! Ma⸗ drid, 31. Aug. 1835. Auf Königlichen Besehl: Angel Vallejo.“ Ein aus Sevilla angekommener Courier bringt die Nach⸗ richt, daß am 30. August üm 1 Uhr Morgens eine Abtheilung der staͤdtischen Infanterie⸗Miliz sich in ihrer Kaserne versammelte, wo sie, ungeachtet der durch den Gouverneur des Platzes bekannt

erklärte ihnen, daß,

e, mr Thorheiten Theil zu nehmen. Bei

neral⸗ Lapitain mehrere Aff en als Deputirte, die ihm erklaͤrten, daß der Zweck ihrer Verfammlung fey, die Grundgesetze abzuaͤn⸗

dern und andere Konzesstonen zu erlangen. Der General⸗Capi—

tain stellte ihnen die Ungesetzlichkeit ihres Benehmens vor, und

wenn sie sich vor Nacht nicht trennten,

sie als Rebellen betrachtet werden sollten. Don Manuel

Cortina, provisorischer Kommandant des zweiten Bataillons der

Stadt⸗Miliz, erlangte es von den Soldaten seines Eorps, daß sie

sich trennten, Einige Soldaten dieses und des ersten Bataillons

wurden als Patrouillen auf verschiedene Punkte gesandt und die

Ordnung wurde wiederhergestellt. Der Eivil-Gouverneur traf

seinerseits die kraftvollsten Vorsichts⸗ Maßregeln, um die Ruhe

aufrecht zu erhalten und die staͤdtische Kavallerie Miliz unter⸗

stuͤtzte ihn hierbei. Der General⸗-Capitain hatte uͤbrigens die

Garnison versammelt, um sie im Nothfalle gegen die Nnstifter

der Bewegung zu gebrauchen, was gluͤcklicher Weise nicht noͤthig

war. Die Ünigegend von Sevilla hat keinen Theil an dieser

Bewegung genommen.

Die Allgemeine Zeitung meldet in einem Schreiben

von der Italiänischen Gränze vom 4 September Folgen—

des uͤber die Absichten der Revolutionairs in Spanien: „Wenn

man hier gut unterrichtet ist, so hat die Bewegungs⸗Partei in

Spanien ihr Augenmerk auf Don Francisco de Paula gerichtet,

um ihm eine Rolle in dem dortigen großen revolutionairen Drama zu uͤbertragen. Der Infant ist ganz zum Spielball einer Faction geeignet und besitzt alle Eigenschaften, um einer Partei zu ge— fallen, die aus dem Regierungs-Geschaͤft des Monarchen eine Sinekure zu machen und sich uͤber den Thron und das Gesetz zu stellen wuͤnscht Man glaubt, daß der Infant bereits zum Chef der Regentschaft, die sich die verschiedenen Provinzial⸗Jun« ten geben wollen, proklamirt worden waͤre, haͤtte er nicht große Besorgnisse gezeigt und den Augenblick dazu bis zur foͤrmlichen Konstituirung aller Provinzial-Regierungen hinauszuschieben ge— beten. Zu einem Wagniß scheint Don Francisco keine große Lust gehabt zu haben, und seine Gemahlin muß damit einverstan⸗ den gewesen seyn, da sie sonst viel Einfluß auf ihn uͤbt und, wie versichert wird, eigentlich die Zwischenhaͤndlerin zwischen dem Infanten und den Partei⸗Chefs macht. Wenn die Reaction um sich greift und es der Koͤnigin Christine gelingt, die Factionisten zum Schweigen zu bringen, so moͤchte es um Don Francisco und seinen Anhang uͤbel aussehen, sobald man die Gewißheit er— halten, daß er mit intriguirt und zu den Stoͤrungen in Catalo— nien und Valencia heimlich beigetragen hat. Es kann wohl nicht schwer fallen, daruͤber genau unterrichtet zu werden, nachdem mehrere der Haupt-Anstifter jener Unruhen in den Handen der Madrider Regierung sind und diese einen Prinzen nicht schonen duͤrften, der, wie sie zu glauben scheinen, durch seine Zaghaftig⸗ keit sie kompromittirt hat. Wirklich sind viele Anhänger des Foͤderativ-Systems der Meinung, daß es nur an einein Anhalts— punkt fehle, den man in dem Insanten Franzisco zu finden glaubte, um ihren Wuͤnschen den Sieg zu verschaffen. Mehrere Briefe aus Spanien aͤußern sich in diesem Sinne und fuͤgen hinzu, es sey ein Gluͤck fuͤr die Koͤnigin, daß es Don Francisco an Muth ge— fehlt habe, um offen Partei gegen sie zu ergreifen. Dem sey wie ihm wolle, so mochte doch fuͤr das Koͤnigliche Statut und seine Koͤnigliche Beschuͤtzerin selbst durch eine augenblickliche Un— terdruͤckung der Foͤderalisten wenig gewonnen seyn, weil ohne eine allgemeine Schilderhebung Don Carlos nicht aus dem Felde geschlagen werden kann. Vielleicht wäre es fuüͤr die Ruhe der Halbinsel das Ersprießlichste, wenn es zu einem Kompromiß zwi— schen der Madrider Regentschaft und Don Carlos kaͤme, so daß von beiden Seiten Konzessionen gemacht wuͤrden, um die An— spruͤche des Don Carlos mit denen der Koͤnigin verschmelzen zu koͤnnen. Nach dem aber zu urtheilen, was in den letzten Tagen

sich in Spanien ereignete, wird sich Don Carlos schwerlich zu

einem Vergleiche verstehen; denn er weiß so gut, als jeder An— dere, daß es unter den jetzigen Umstaͤnden mißlich fuͤr die Ma— drider Regenten aussieht und es nur von einem leicht eintreten— den Zufall abhaͤngt, um ihrem Reiche ein Ende gemacht, seine Sache aber besser als je gestellt zu sehen.“

Inland.

Berlin, 18. Sept. Aus Ostrowo geht uns heute fol— gende Mittheilung vom 13ten d. M. zu: „Nach Beendigung der Mandver in Schlesien hatte die Provinz Posen das Gluͤck, die Allerhoͤchsten und Hoͤchsten Herrschaften auf Ihrer Reise. nach Kalisch zu begruͤßen. Se. Majestät der Kaiser von Rut land langten auf der Straße von Militsch uͤber Krotoszun am 8 Sept. Abends nach 11 Uhr in Ostrowo an und setzten nach kur— zem Aufenthalt die Reise nach Kalisch fort. Auf derselben Straße trafen Ihre Majestaͤt die Kaiserin am g9ten gegen Abend hier ein, und reisten in Begleitung des Ober-Präsidenten der Pro— vinz, welcher Ihre Kaiserliche Majestaͤt bereits in Krotoszyn er wartet hatte, ohne Aufenthalt nach Kalisch weiter. Die Prin zen des Königl. Hauses hatten die Nacht vom 19ten zum 11ten d. M. in dem der Fuͤrstlich Radziwilischen Familie gehoͤrigen Schlosse Antonin, wo Sie von dem daselbst anwesenden Fuͤrsten Wilhelm Radziwill Durchlaucht bewirthet worden, verweilt und setzten am Iten d. M. die Reise uͤber Ostrowo nach Kalisch fort. Se. Majestaͤt der Koͤnig trafen am 11Iten Nachmittags um 3 Uhr uͤber Antonin in Ostrowo ein. Der Ober-Praͤsident der Provinz hatte Se. Majestaͤt in Antonin erwartet und begleitete Allerhoͤchstdieselben bis zur Graͤnze bei Skalmierzyce. Ueberall gab sich die Freude der Einwohner kund, den allverehrten Mo narchen nach einem Zwischenraum von so vielen Jahren wieder in ihrer Mitte zu sehen. Auf dem Markte, dem Orte, wo die Pferde gewechselt wurden, hatten sich die Geistlichkeit und die Orts- Beamten und mit ihnen eine ,, Menge aus allen Staͤnden versammelt und begruͤßten Allerhoͤchstdieselben bei Ih= rer Abfahrt mit lautem anhaltenden Jubelrufe. Kurze Zeit dar— auf traf Ihre Durchlaucht die Frau Fuͤrstin von Liegnitz in Ostrowo ein. Am Abende waren mehrere Häuser der Stadt erleuchtet.“

Bei der gegenwaͤrtig stattfindenden Aufhebung der Kloöͤ— ster im Großherzogthume Posen kommen auch die diesen In— stituten gehoͤrigen Bibliotheken zur Disposition, welche indeß nicht so beschaffen sind, daß sie Aussicht auf eine reiche Aus— beute gewährten. Die werthvolleren Buͤcher sind namlich zum Theil während der Herzoglich Warschauischen Regierungs- Pe— riode zur National⸗Bibliothet in Warschau, zum Theil spaͤterhin zu der in Posen befindlichen, von dem Grasen Eduard Ra— czynski der Stadt geschenkten Bibliothek abgefuͤhrt worden, und der Rest besteht hauptsaͤchlich aus theologifchen Schriften des 16ten und 17ten Jahrhunderts und aus Kirchenvaͤtern, um geringeren Theil aus philosophischen, philologischen und here, Schriften. Ueber das Ganze ist, mit Genehmigung des Königlichen Ministeriums der geistlichen Angelegenheiten,

gemachten Befehle des Genergl⸗Capitains, mehrere Stunden un⸗

ö 00G seyn mag, und schon in dem Grade, daß täglich 60 bis

fer den Waffen blieb. Die Miliz⸗Soldaien sendesen an den Ge—

in der Art verfuͤgt worden, daß das, was zum unmittelbaren

Gebrauche fuͤr die Bildungs⸗Anstalten der Provinz, namentlich