1835 / 268 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

efuͤhrt werden, wie hier Alles zu geschehen pflegt, naͤmlich auf zi ben e n und e ü ren e , von der Welt, wo—⸗ fern nicht etwa gar religioser Fanatismus und Aberglaube sich der Maßregel ganz widersetzen; denn es bedarf nur einer Bitt⸗ schrift der Scheiks an den Pascha, um jede. Art von Reinigung zu hintertreiben. Wenn man auch nur einen Augenblick haͤtte zweifeln koͤnnen, daß die Errichtung einer Sanitaͤts-Verwaltung etwas Anderes sey, als eine jaͤmmerliche Beutelschneiderei, so wuͤrden alle Zweifel vor der abgeschmackten und lächerlichen Maß⸗ regel verschwinden, welche Alles, was aus den uͤbrigen Haͤfen der Türkei kommt, einer Quarantaine von 21 Tagen unterwirft, wahrend Aegypten selbst eine Beute der Seuche ist. Man muß indeß wohl ein Mittel ausfindig machen, um die Beamten die— ser Anstalt zu bezahlen, die einen starken Ruͤckstand zu fordern haben, den die Gesundheits⸗Kommission mit lautem Geschrei fuͤr diese armen Teufel fordert, und den die Regierung nicht ver— abfolgt, weil der Schatz, trotz der bedeutenden diesjährigen Ein⸗ nahmen, durch die uͤbermaͤßigen Ausgaben erschopft ist, welche der Pascha fuͤr das Arsenal und die Marine macht. Dies sind die beiden Abgruͤnde, welche alle durch den Schweiß und das Blut der bedruͤcktesten Bevoͤlkerung des Erdballs eroͤffneten Huͤlfsquellen des Landes verschlingen. Mehmed Ali scheint un— geruͤhrt von all dem Elend, welches auf Aegypten lastet; nichts vermag seinen Stolz und seinen unersaͤttlichen Ehrgeiz zu zuͤ— geln. Sollte man es wohl glauben, daß er die Barbarei so weit treiben koͤnnte, eine Aushebung von 50,000 Mann anzuordnen? Und doch ist es geschehen. Er verlangt noch 50,000 Soldaten, und wozu? Man weiß es nicht; aber er befiehlt und wurde sie bekommen, wenn das Land sie aufzubringen vermochte. Ungluͤcklicher Weise giebt es aber keine verfugbare Mannschast mehr in Aegypten, und um auch nur zwei Drittheile jener Zahl zu stellen, muͤßte man alle Doͤrfer entvoͤlkern. Neuern Nachrichten zufolge scheint es, daß die Aegyptische Armee im Hedschas, wohin die Regirung in aller Eile eine aus den zuletzt aus Syrien gekommenen Truppen bestehende Verstaͤrkung zu senden genoͤthigt war, abermals eine Schlappe erlitten hat. Die Aegyptier sind nur von Mokka und einigen elenden Doͤrfern wirklich Meister; alle ihre Versuche wei⸗ ter vorzudringen, wurden theils durch die schwierige Natur des Landes, theils durch kraͤftigen Widerstand vereitelt, den ihnen die Araber von Jemen bei jedem Schritt entgegensetzen. Dieser hoͤchst unkluge Krieg hat bereits unermeßliche Opfer an Geld und Menschen gekostet, und die Regierung faͤngt an, durch die ernsten Folgen beun⸗ ruhigt zu werden, die er bei laͤngerer Dauer herbeifuͤhren könnte. Der Pascha hat Kahira bereits verlassen, und wird jeden Augenblick hier erwartet. Er hat Soliman Pascha vorausgesandt, der sich ur Abreise nach Syrien anschickt, mit dem Auftrage, wie es eißt, nach Bairut zu gehen, um von den durch die Aegyptier seiner Zeit den verschiedenen Konsulaten zugefuͤgten Beleidigun— en Kenntniß zu nehmen, fuͤr welche die Europäͤischen Kabinette is jetzt vergebens Genugthuung verlangt haben. Der Verkauf der Baumwolle von der diesjährigen Aerndte ist fast vollendet, denn es sind kaum noch 509) bis 10,900 Centner zu vergeben. Die ganze Aerndte belief sich höoͤchstens auf 170,006 Centner, statt auf 350, 000 oder 400, 0900, wie die Agenten der Regierung angekuͤn⸗ digt hatten, die sich sogar auf Befehl Boghos-BVeys erboten, ihre Angaben durch Wetten zu bekräftigen. Dieses nichts we⸗— niger als loyale Verfahren hat eine große Menge von Geld hierher gezogen, das, da es nicht verwendet werden konnte, zum großen Nachtheil der Spekulanten nach Europa zuruͤckgeschickt wer⸗ den mußte. Heute soll die Versteigerung des Reises von der diesjaͤhrigen Aerndte beginnen. Die inlaͤndischen Kaufleute sind durch das hartnaͤckige Beharren der Regierung bei ihrem Mo— nopolsysteme ruinirt. Sie haben unlaͤngst den Pascha gebeten, ihnen doch wenigstens, wie vormals, den Reis frei zu geben, den einzigen Artikel, der ihren Handel noch aufrecht hielt. Boghos— Bey aber hat ihre Bitte zuruͤckgewiesen. Alle Produkte, ohne Ausnahme, werden fortwährend oͤffentlich zu Alexandrien verstei⸗ gert, wo die Regierung, der vielen Europaäͤischen Etablissements wegen, mehr Vortheil sindet als in Kahirga. Diese Maßregel ist der Hauptstadt sehr nachtheilig, was aber den Pascha, der nur auf seinen Nutzen sieht, wenig kuͤmmert. Die Gleichguͤltigkeit, mit welcher er die furchtbare Lage, in welcher Aegypten jetzt sich befindet, mitansieht, ist der sprechendste Beweis seines Egoismus. ö Die neuesten Nachrichten aus Syrien sind vom Anfang dieses Monats; Ibrahim Paschg befand sich zu Adana, und die Conscription wurde auf seinen Besehl in ganz Syrien mit der groͤßten Strenge vollzogen. Die Tuͤrken verbargen sich, oder wanderten aus, um den Werbern zu entgehen. Der Handel lei⸗ det bei diesem Zustande der Dinge außerordentlich. Die Haͤlfte der Bazarg von Damaskus und Aleppo war geschlossen, und selbst die Ruͤckkehr der Karawane von Mekka konnte an beiden Orten den Verkehr nicht beleben. Die Ansariehs der Gebirge von Attakie, die im vergangenen Jahr eine insurrectionelle Be⸗ wegung versuchten, sind gaͤnzlich ruinirt. Mehr als 3000 wur⸗ den mit Gewalt ausgehoben und nach Gaza, dem, den Aegyptischen Graͤnzen am nächsten gelegenen Punkte, geschickt. Ibrahim Pascha ließ auch in Samarieh, Naplus u. s. w. alle junge Mannschaft ausheben. Die Aerndte mußte aus Mangel an Haͤnden stehen bleiben, und so hat sich denn das Elend allenthalben ausgebrei⸗ tet. Die Douanen⸗Verpachtung von Bairut allein hat 1560 Beutel eingetragen, man kann sich also denken, welche Plackereien die Paͤchter sich gegen den Handel erlauben, um wieder zu ihrem Gelde zu kommen. Demnach befindet sich der Handel in dem elendesten Zustande; das Monopol und die Verpachtungen laͤh⸗ men ihn in allen seinen Zweigen, sogar bis auf die Transport⸗ mittel herab, deren es fuͤr den Privatmann gar keine mehr giebt, weil bie Regierung die Maulthier⸗ und Kameel⸗-Treiber fortwäh— rend mit Feohn⸗Dlensten belastet., Ibrahim Pascha scheint indeß wegen der Folgen seiner Bedruͤckungen nicht so ganz außer Sor— en zu seyn, denn ei hat den geschaͤrften Befehl erneuert, Waf— en und Munition bei ihrer Ausschiffung in allen Syrtschen Haͤ— fen zuruͤckfuweisen. Dieser Beschluß ist allen fremden Konsuls Pugestellt worden, um denselben ihren respektiven Regierungen

mitzutheilen. Vereinigte Staaten von Nord-Amerika.

. NewYork, 31. Aug. Der Praͤsident ist an Bord des Dampfschiffes „Lolumbia“ aus den Baͤdern von Nip⸗-Rap nach Washington zuruͤckgekehrt.

In New-⸗Mork, Charleston und mehreren anderen Orten ha— ben die Postmeister den Befehl erhalten, alle auf die Abschaffung der Sklaverei sich beziehende Schriften zuruͤckzuhalten. Die in Baltimore und an andern Orten stattgefundenen Un⸗

ruhen geben der in Philadelphia erscheinenden National⸗Ga⸗ zeüte zu folgenden Bemerkungen Aniaß: „Leben wir unter einer esetzlichen Regierung oder nicht? Sind wir freie Buͤrger der Le nl gdten Staaten, die fuͤr ihr Benehmen nur denjenigen Be⸗

hörden verantwortlich sind, welche sie selbst zur Handhabung der

1091

Gerechtigkeit ernannt haben, oder stehen wir unter dein furchtba— ren Despotismus der Anarchie und ist unser Eigenthum und unser

Leben der Willkuͤr des Poͤbels preisgegeben? Das sind Fragen, die

sich schon seit langerer Zeit jedem denkenden Manne aufgedrängt haben muͤssen und die durch die Ereignisse, wodurch Baltimore der Herrschaft einer Bande von Taugenichtsen hingegeben ist, eine furchtbare Wichtigkeit erlangt haben. Die Verwirrung, welche jetzt in Baltimore herrscht, ist nur eine naturliche Folge derjeni⸗ gen Excesse, die in den vorzuͤglichsten Staͤdten des Nordens be— gangen wurden, ohne daß man auch nur einen Versuch gemacht hatte, die Urheber derselben zu bestrafen. Es ist sehr natuͤrlich, daß der Poͤbel, wenn er sieht, daß Vorfaͤlle, wie die Verbren— nung des Klosters in Charleston, die Unruhen in Boston, New— York, Philadelphia, ungeahndet blieben, nun auch meint, sich Alles erlauben zu durfen. Haͤtte man in den genannten Staͤdten die Stoͤrung der Ruhe und Ordnung durch kraftige Maßre— geln streng geahndet, so haͤtte das ungluͤckliche Baltimore nicht die traurige Erfahrung einer Poͤbel-Herrschaft gemacht. So viel ist gewiß, das Uebel nimmt zu, und es ist die hoͤchste Zeit, es zu vertilgen, ehe es toͤdtlich wird. Als die Nachricht eintraf, die Cholera sey in Quebek ausge— brochen, welche Anstalten wurden da nicht getroffen, um ihre Verbreitung zu hemmen! Und jetzt, wo ein weit furchtbareres Uebel unter uns seinen Sitz hat, das in einem Augenblick ent— setzlichere Verwuͤstungen anrichten kann, als die fuͤrchterlichste Krankheit wahrend ihrer ganzen Dauer, jetzt scheint Niemand daran zu denken, daß auch nur der geringste Grund zu Vor— sichtsmaßregeln vorhanden sey. Wir suͤchen uns nur gegen das Unsichtbare, das unvermeidliche zu schuͤtzen, dagegen nehmen wir auf das gar keine Ruͤcksicht, was wir mit Händen greifen koͤn— nen, dessen Beseitigung von uns abhaͤngt und dessen Folgen in jedem Augenblick zu entsetzlich seyn koͤnnen, um sie nur auszu— sprechen. Noch ist es Zeit, aber es ist hohe Zeit, mit derjenigen Klugheit und Kraft zu verfahren, die unter den jetzigen Um— staͤnden unerlaͤßlich ist.“

In lgnd.

Berlin, 25. Sept. Se. Majestaͤt der Koͤnig, so wie Ihre Durchlaucht die Frau Fuͤrstin von Liegnitz, sind auf der Ruͤckkehr von Kalisch am 22sten d. M. Abends gegen 7 Uhr im erwuͤnschtesten Wohlseyn in Breslau eingetroffen.

Die Berichte uͤber die diesjährige Aerndte im Negie⸗ rungs-Bezirk Stralsund lauten dahin, daß das Getraide in allen Korn-Arten, besonders aber das Sommer-Korn, durch das schnelle Reifen bei der so lange angehaltenen Hitze und Duͤrre in der Qualitat zwar sehr gelitten hat, daß dessenungeachtet aber ein mehr als mittelmaͤßiger Einschnitt stattgefunden haben wuͤrde, wenn nicht die heftigen, mitunter orkanartigen Stuͤrme, welche insbesondere vom 7ten bis 10ten v. M. wuͤtheten, einen sehr großen Theil nach einer ungefähren Berechnung saͤmmt— licher Feldfruͤchte, mit Ausnahme des Roggens, der schon meh⸗ rentheils gemaͤht und eingescheuert war auf dem Halme gaͤnz— lich vernichtet haͤtten. Die Erbsen allein sind vom Sturm und Wetter verschont geblieben und lohnen uͤberall vorzuͤglich. Auch haben sich die Spaͤtkartoffeln durch den am 23sten und 2usten v. M. in Menge gefallenen Regen erholt. Der Klee⸗ und Gras—⸗ wuchs hat dagegen ganz besonders durch die Duͤrre gelitten und an mehreren Orten soll schon Weidemangel fuͤr das Vieh bemerk— bar werden.

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Königliches Schauspiel.

Aus dem weiten Umfange des Shakspeareschen historischen Dra⸗ mas „Richard der Dritte“ hat Herr Delavigne das einzelne Faktum der Ermordung der Sohne Eduards des Fuͤnften heraus⸗ genommen und es zu einem Trauerspiel verarbeitet, das man nach der neuern beliebten Franzdsischen Redensart ein juste milien zwi— schen der alten, sogenannten klassischen, Franzoͤsischen Tragbdie und der neuern, sogenannten romaͤntischen, nennen kann. Ehen darum hat es aber auch in Frankreich, wo die Politik und die taͤg⸗ lich wechselnde politische Meinung den Ton angiebt, in welchem die Poesie sich vernehmen lassen söoll, nur die Parteiwuth aufregen und, beim Lichte betrachtet, keine Partei befriedigen kbunen. In den Augen der republikanischen Partei ist jedes juste - milien ein Berbrechen; und da, wenn auch nicht gerade in der praktischen Ausfuhrung der Prinziplen, doch in den Prinzipien selbst die poe⸗ tischen, Werke Vietor Hugo's, Alexander Dumas u. s. w. metzr mit den republikanischen Meinungen uͤbereinstimmen, so ist natuͤrlich erweise auch die gesammte neuere Franzsdsische romantische Schule gegen Delapigne in Harnisch. Was nützt ihm sein fruͤher anerkanntes, mit Enthusigsmus aufgenommenes Talent? Ja, was nützt ihm die Opposition, die er fruher gegen das alte Herkommen so kraͤftig dar⸗ gethan hat; sein Verbrechen ist, daß er in seiner Opposition doch nicht verkannt hat, daß in der alten Ordnung viel Gutes sey, und daß man, um mit unserm Schiller zu reden, nicht den Glauben ver⸗ letzen müsse, indem man den Wahn zerstbrt. Aber eben da liegt es; bei Delavigne's Werken blickt noch eine Achtung fuͤr Autorität hervor, und eben die Autorität ist es, von der Niemand mehr, et⸗ was wissen will. Refer. las vor einiger Zeit irgendwo, was wurde wohl Lessing zu unserer gegenwartigen Kritik sagen; wir wollen es ausdehnen auf die Literatur überhaupt, denn Kritik ist doch auch nur Schrlftstellerei, und ganz kurz erwidern; eces iterum Mestiss, erueisfigité« ittrum ete. Indeß, wie auch Delavigne sich durch seine neueren poetischen Werke bei den politischen Parteien seines Vater⸗ landes unbeliebt gemacht haben möge, wir unsererseits haben nur den Dichter, den dramatischen Dichter vor Augen, wie er in jedem Volke, jeder Sprache und jeder Zeit sich offenbart, und wollen dabei gern gelten lassen, was die Zeit ihm zu Gunsten darbietet; denn immer bieibt auch der gewaltigste Dichter, selbst Shakespeare, der Sohn feiner Zeit. Was hindecie ihn, Shakespeare's, des Dolmetschers der Na— tur, dramatische Werke als Stoff, nicht als Mnuster der Form fuͤr unsere Zeit zu betrachten? und wenn wir selbst seine historischen Schauspiele aus der Englischen Geschichte unserer Schaubühne und unserem Thegter Publikum, dem man doch nicht anmuthen kann, daß es den Streit der rothen und welßen Rose im Gebaͤchtniß habe, anvertrauen wollen, so haben wir uns Gluͤck zu wuͤnschen Urfache genug, wenn man uns den Inhalt seiner Werke nur in einem ver⸗ jungen Maßstabe vor Augen bringt. Aber hat Delavigne es zu⸗ traͤglich für sein Qrama gefunden, uns die schrecllichsten Scenen aus Richard's des Dritten Leben preiszugeben, so ist er doch darum nicht von dem alten Gesetz, das Aristoteles nicht erfand, sondern nur in dem naturgemäßen Grund und Gange der Empfindungen entdeckte, entbunden; er mußte uns das greuliche Anschauen einer greulichen That nicht leibhaftig, ja gleichsam Schritt vor Schritt a in Jedoch wie er es einmal gethan, hat er es mit einer

rohen, fast zu großen Genaulgkeit im Motiviren und einer gedan⸗ ke e he Kraft der Sprache ausgeführt. Ueber die vortreffliche mimische Darstellung sagen wir nichts weiter, als daß Mad. Cre⸗ linger in der Rolle der Koͤnigin Mutter auf einer tragischen Höhe steht, bie uns zwar nichts Unerwartetes, aber doch immer, noch Neues in dieser Sphaͤre gezeigt hat, und daß Herr Nott als Rich ard in den hier enger gezogenen Graͤnzen des heuchlerischen, bösartigen Charakters ung bei weltem mehr befriedigt hat, als in der umfassen⸗ den Charakteristit Richards in dem Shakespegreschen Drama. In der Darstellung der heiden jungen Söhne Eduard's haben Dlles. Bertha und Klara Stich ihre schoͤnen Naturgahen abermals aufs

einleuchtendbste bargethan. Auch ließ das Pubtikun, obwohl et der zweiten wie bel der ersten Auffuͤhrung mit dem Schluß des Sig keinesweges zufrieden war, noch seyn konnte, doch der lebendigen Dun, stellung volle Gerechtigkeit widerfahren und rief nach der zwest. Vorstellung alle Mitsplelende heraus. .

Meteorologische Beobachtung. Morgens Nachmittags Abends Nach einmaliger

1835.

2

Allgemeine

6 Uhr. 2 uhr. 10 uhr. Veobachtung.

2 1 Quellwärme S 20 8 M* 268 z. 9

24. September.

335,97“ Par. 333,81“ Par. 21,1 0 R. 13,40 R. 9,8 9 R. 10,50 R. M* pCt. 79 pCt. heiter. heiter. SO. SO. OSD. 14,90 R. ..

336, 65“ Par. 10,8 0 R. 8,5 0 R. S7 pCt. heiter. SO. Wolkenzug .. Tagesmittel: 336,“ Par. ..

Luftdruck. ... Luftwärme . Thaupunkt .. Dunstsättigung Wetter

Fluß wärme 1480 R

K /

Vodenwärme 12.30 )

Niederschlag 0. Nachtkälte 10,40 J 9,609 R... 70 p6

Amtliche Nachrichten. Kronik des Tages.

Se. Koͤnigl Hoheit der Prinz Friedrich ist nach Dessau von hier abgereist.

kk erliner Börse. Den 25. September 1835.

; 2 our. Brief. geld. N Briet. Call.

10112 191 Qatpr. Pfundhr. ö 1,2 .

gd / 99/; bpomm. do. 4 ut. —⸗— ii

i

Gt. - Sehuld- Sch. Fr. Engl. 0Obl. 30. PrämSch. d. Seeh. Kurm. Obl. m. l. C. Nm. Iut. Sch. do. Berl. Stadt- Obl. Königsh. do.

Elbinger do.

Danz. do. in Th. Westpr. Pfandhr. Grossh. Po. do.

. Zeitungs-Rachrichten. Aus lan d.

Rußland.

St. Petersburg, 19. Sept. Se. Majestaͤt der Kaiser hcben auf den Antrag des Civil-⸗Gouverneurs von Kostroma ge— sattet, daß eine Subseription eröffnet werde, um dem Landmanne

0 59 6 Kur- u. NCum. do. 101 341 101 ½ Sehlesisehz do. 101 . KRiückst. L. und Z. 101, 1011, tek. d. K. us. N.

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F 2 di,

3, m1 102 42 ö on, .

Bold al marco Neuss Ducaten Friedrichsd' or Disconto

2

dem Caren Michael Fedorowitsch aus dem Hause Romanoff das kehen rettete, ein Ehren⸗Denkmal zu errichten. Behufs Anferti⸗ Aung des letztern soll eine Preisbewerbung unter den Russischen Fönstlern eroͤffnet werden. Der Akademiker Herr Hr. Brangt hat in die St. Peters— hurgische Zeitung nachstehende Notiz einrücken lassen: „Die in— sressanteste neue Bereicherung des Museums der Kaiserlichen lledemie der Wissenschaften ist ohne Zweifel eine von Sr. Ma— tat dem Kaiser anaͤdigst geschenkte und auf Befehl Sr. Ex— lenz des Herrn Ministers des oͤffentlichen Unterrichts im neu sanisirten zoologischen Museum aufgestellte Giraffe. Sie . shoͤrt zwar zu den juͤngeren Exemplaren und mißt in ihrer Frankfurt a. M., 22. September. sößten Hoͤhe vom Boden bis zum Scheitel nur 8 Fuß, Oesterr. ð o o Metall. 10213, 6. 16211,½ù6. AM O85 *. 98. 21h g h aber durch die Schoͤnheit der Conservation und durch die od 10 25. hr, Hank etien 1335. iz1. bartiai-Obiiß. list m Herrn Mariotti in Pisa bewerkstelligte Präparation den Br. Loose zu 300 FI. 1185,83. 1153555. Loose zu 100 FR 213. neu gearbeiteten Stuͤcken, welche das genannte Museum der

Auswürtige Börsen.

Amsterdam, 20. September. Niederl. wirkl. Sehuld Sl. Kanz- Bill. 2833. Io) Spn zl! /„. 39,9 1916. Cortes 2886. Antwerpen, 19. Septemher. So Span. 307. Liuss. 1216. Cortes 28. Anl. 37* .

Coup. —. Nen

EPręuss. Präm. - Sch. 58 M. S8. 7 987. B. Holn. Loo iakei Preuss. Präm. - Sch. 5g l/. S9. do ho Aul. 982. B. Holn. Loo funstfertigkeit des Herrn Konservator Schrader und der unter.

683M. 68129. 50,09 Span. Rente 287. 2885/9. 31,½ 171½. 17.

seiner Aufsicht arbeitenden di an die Seite.“ . Die Handels⸗3; eitung giebt folgende Nachrichten uͤber den aug wärtigen Handel des Rigaschen Hafens bis zum 1. August des laufenden Jahres:; Die Ausfuhr Russische? Produkte zur See betrug 19,670, 463 Rbl. (1,957,598 Rbl. mehr, als im ver⸗ sosssenen Jahre). Die Einkuͤnfte des Zolls Heliefen sich auf ,., . . rn, als voriges Jahr). Die . u fp ele. erminderung der Zoll-Einkuͤnfte bei so betraͤchtlicher Ausfuhr . . . . ö Kabale n , . , großer Theil der Ausfuhr-Artikel . ; 2 ͤ olz bestand, welches einen se ri . Liebe, Trauer spiel in 5 Abth., von Schiller. benchlt. ü . h, ,. . Sonntag, 27. Sept. Im Opernhause: Auf vieles Ve Die Neordische Biene enthaͤlt nachstehende Mittheilungen ren: Die Jungfrau von Orleans, romantische Tragoͤdie in in die Nussische Dampf,⸗Schifffahrt: „Unseren Lesern ist be⸗ Abth., von Schiller. mt, daß die St. Petersburgisch-Lübecksche Dampf⸗Schifffahrts⸗ Montag, 28 Sept. Im Schauspielhause: Sargines Heselschaft zu Anfang dieses Jahres den Beschluß gefaßt, zur roisch⸗komische Oper in 2 Abth., mit Tanz. Musik von Paz . 9 Beschleunigung des Verkehrs zwischen Ruß— ö. nd und Deutschland ein drittes Dampfboot zu b ; s Koͤnigstädtisches Theater. 9 ö k

ö hitte Dampfboot, welches den Namen „der Thronfolger“ er—

Sonnabend, 2tz. Sept. Fra Diavolo, oder: Das With hit, wurde in London im April angefangen 29. . in der haus zu Terragina, komische Oper in 3 Akten, von Seribe. Mil Mäe Augusts, unter der Leitung des Eapitains Boß, hier an. von Auber. (Dlle. Vial: Zerline, als Gastrolle. Hr. Ning Diser Pyroskaph hat auf seiner Reise von London einen hefti⸗ vom Stadttheater zu Breslau, neu engagirtes Mitglied d im Sturm ausgehalten, und, trotz starker Gegenwinde, in Buͤhne: Lorenzo, als Antrittsrolle. Blle. Hähnel: Die ki in Stunde 5 X56 Englische Seemeilen (1 15½ Deut— Im dritten Finale wird Dlle. Vial eine Arie aus der On fe Meilen) gemacht. Aus Kopenhagen, wo derfelbe, um „ll Hurioso all lz9la di S. Donäüugo“ von Donizetti singen iz mit Kohlen zu versehen, eingelaufen war, langte er in Preise der Plaͤtze; Ein Platz in den Logen und im Bal Stunden hier an. Seine Große betragt 410 Tonnen und

des ersten Ranges 1 Nthlr. ꝛc. sine Maschine ist von ä Pferden Kraft. Er hat Raum fuͤr Sonntag, 27. Sept. Der Diamant des Geisterkön ih Passagiere. Die beiden anbern Dampfboͤte zwischen St. Pe⸗ Zauberspiel in 2 Akten, von F. Naimund. Musit vom Kap kutturg und Lubeck haben, bei einer Große von 759, ebenfalls meister J. Drechsler. Neu einstudirt. Herr A. Wohlbrif Naschinen von 140 Pferden Kraft. Die Maschine des neuen Florian Waschblau, als Gastrolle. Olle. Muzzarelli: Marian it, nach dem Zeugnisse der Sachverstaͤndigen, vortrefflich; die Montag, 28. Sept. (In Italiaͤnischer Sprache): Semih mnere Einrichtung des Fahrzeuges zweckmäßig und schoͤn. Es mis, Oper in 2 Akten. Musik von Rossini. (Dlle. Vial: & legt gegenwaͤrtig am Englischen Quai. Bei diesem Anlaß wol— miramis, als Gastrolle. ) n wir unsern Lesern folgende Notizen uͤber Russische Dampf⸗ Preise der Plaͤtze; Ein Platz in den Logen und im Ball schiff mittheilen, welche wir einem der vorzuͤglichsten Erbauer

des ersten Ranges 1 Rthlr. ꝛc. derselben verdanken: Seit Einfuͤhrung der Dampfschiffe in Ruß— und sind schon Hen, Jahre verflossen. Waͤhrend diefes Zeitraums haben sich mit Dampfschiffen in allen Landern Europa's, besonders ö. in Amerika, große Ungluͤcks faͤlle ereignet, in Rußland dagegen Berlin, den 26. September 1835. Enoch nichts Aehnliches geschehen, und doch sind gegenwärtig

Zu Lande: Weizen 1 Rthlr. 22 Sgr. 6 Pf., auch 1 Rh uns 52 Dampfschiffe im Gang. Außerdem verdient wohl

12 Sgr. 6 Pf.; Roggen 1 Nthlr. 6 Sar, auch 1 Rtylr.; gi wihnt zu werden, daß auf der Newa fruͤher ein Dampfboot Gerstẽ 28 Sgr. 9 Pf., auch 26 Sgr. 3 Pf.; Hafer 24 Sgr. 8) siht, als auf der Themse, und daß die bedeutendste Verbesse— auch 20 Sgr; Erbsen (schlechte Sorte) 1 Rthlr. 3 Sg gj Aim nung in dem Bau, die Anwendung von zwei Dampfmaschinen 2 Rthlr. 3 Sar, auch 2 Rthlr. Eingegangen sind 305 Wigpel! uf ein em Schiffe, zuerst in Rußland eingefüͤhrt worden, und Scheffel. ir im Jahre 18165. auch Schottzand ist darin zuruͤckgeblieben,

sser: Weizen (weißer) 1 Rthlr. 26 Sgr. 3 Pf, h , , . ö. 6 ii Dag = p. gegen 6 len die Dampfschiffe in diesem Lande erfunden und zuerst

1 . , mngesührt wurden.“ 6 6. i g is gr slsd 16 k ; 1 2ten ben, hrach zu Jakobstadt in Finnland ein Feuer Mittwoch, den 23. September iszz. / ua, welches den besten Theil dieser freundlichen Stadt in Asche Das ir m n,, tbir 10 Sgr. . Auch in der Stadt Psftow hat am 18ten v. M. eine Centner Heu ethlr. Sgr., au 3 Sgr. runst nicht etr ĩ chade ö H ö 1 st nich J Schaden verursacht vom 18. bis 24. September 1835. 141 o len. Das Faß von 206 Quart nach Trallgs sa nt, oder 1 , Warschau, 22 . J, fel. Branntwein 16 Rthir. X Sgr. 6 Pf, auch 18 Rthir i gtrcssstkommen und Letzterer ist sogleich nach Terespol

Kartoffel ⸗Preise vom I7. bis f , , . 1838. . m 14ten und 15ten d. M. wurde in der hiesigen Rabbi— Der Scheffel 15 Sgr, auch 15 Sgr. her 8 Lehrer-Schule eine oͤffentliche Prufung abgehalten, wei⸗ ö. er Direktor der Abtheilung für den Kultus und offentlichen d

Gehuͤlfen und Eleven verdankt, wuͤr⸗

Paris, 19. September. do Rente pr. compt. I07. 70. tin cour. 107. 75. 309 p compt. 89. 309. fin cour. 80. 335. SG Neap. pr. eompt. 96. is lin our. 98. 20. S0 Shan. Rente 3273. 360, do. 201,9. Aun Schuld 13! 43. Cortes 321,1. Neue Anl. A0.

Markt⸗Preise vom Getraide.

, * ) Redaeteur Corte 2 En Ressender, der vor kurzem nach London ging, meldet, . han m Herguffahren der Themse gegen. s Dampfschiffe ge⸗ a sr Eings der schneüsten Dampfböte mit zwel Mascht⸗

Gedruckt bei A. W. Hayh— heidi iebdl auch das Hreüsische Dampfschif„Dronning Maria,,

n Cin n dn l fn sischen Stettin und Kopenhagen fehr oft in

han Sussanin, welcher, mit Aufopferung seines eigenen Lebens,

stellt

sonst so ernsten, dunkeln Gesichter.

ö. 1 w , Aus dunsuunʒ M4 . 2

unterricht, Staats, Referendar Kozlowski, der Praͤsident der

Stadt Warschau, die Mitglieder des Unterrichts ⸗Raths, die Ge— neral⸗Visitatoren, die Mitglieder des Israeliten⸗Comité's und viele andere angesehene Beamte beiwohnten. Die Schuͤler wur⸗ den, in der Neligion, der Lehre des Talmud, der Hebraͤischen, Polnischen, Russischen und Deutschen Sprache, der Mathema⸗ tik, Geschichte, Geographie, Zoologie, Botanik, Mineralogie, Physik, Chemie und astronomischen Geographie examinirt und sodann Preise an die Fleißigsten vertheilt.

Aus Kalisch schreibt man: „Am letzten Donnerstag wurde von den Mitgliedern des Berliner Theaiers vor den dort ver⸗ sammelten hohen Herrschaften das Lustspiel „Capricciosa“ aufge⸗ fuͤhrt; dann tanzten die Warschauer Taͤnzer einen Krakowiak

und Hr. und Mad. Taglioni nebst Dlle. Bamse einen Schwei

zer⸗ Tanz.“

Kalisch, 21. Sept. schieden, daß Se. Majestaͤt der Konig von Preußen noch zwei Tage langer hier bleiben wird, als es anfangs bestimimt war.

Gestern, als am Sonntag Mittag, sollten die Preußischen Garde⸗

Truppen nach einem feierlichen Gottesdienste wieder uͤber die Graͤnze zuruͤckgehen und Se. Majestaͤt wollten ihnen Nachmit⸗ tags folgen. Dies ist aber dahin geändert worden, daß Se. Ma— jestaͤt erst morgen in aller Fruͤhe von hier nach Breslau abreisen, um sich von dort nach Teplitz zu begeben, wohin der Kaiser Al— lerhoͤchstihnen in wenigen Tagen folgen wird.) Se. Majestaͤt erfreuen sich, trotz der großen Anstrengungen dieser Tage, fort— dauernd der besten Gesundheit. Am Mittwoch 96 gaben die Mannschaften des Muselmaͤnnischen Regiments, achmittags um A Uhr, dem Obersten des Preußischen zarde⸗Dragoner⸗Regi⸗ ments von Barner, dem der Kaiser während der Dauer der Ma— noͤber das Kommando uͤber die drei Asiatischen Kavallerie⸗Regi⸗ menter anvertraut hatte, einen Thee nach ihrer Art in dem eine halbe Stunde von der Stadt entfernten Dorfe Piwonize, ih⸗ rem Kantonnirungs⸗Quartiere. Zu dieser in ihrer Art gewiß ein⸗ zigen Festlichkeit hatte sich eine große Zahl Preußischer und Rus⸗ sischer Offiziere eingefunden. Auch der Kaiser war auf eine kurze Zeit gegenwartig, die Preußischen Prinzen blieben aber laͤnger. Statt des Thees, worauf die Einladung eigentlich lautete, wurde aber bloß Champagner gereicht, da die Muselmaͤnner nur diesen trinken, indem er suͤß ist und Aehnlichkeit mit dem Scherbet hat.

tan kann sich nichts malerischeres denken , als das La— ger dieser Sohne oder Steppen. Unter leicht an Baͤu— men aufgehäͤngten Leinwand ⸗Decken liegen sie zusammen mit ihren Pferden auf Filzdecken, die ihnen bei kaltem Wetter zugleich als Maͤntel dienen. Die ausgelassenste Lust belebte diese Bei dem Schalle ihrer ab— scheulichen Musik, die aus zwei Zinken besteht, welche mit einem Oboe⸗Mundstuͤck geblasen werden und den Takt durch zwei ras⸗ selnde Trommeln erhalten, tanzten die Uralschen Linien-Kosaken ihre National-Taͤnze, bei denen fortwährend aus Pistolen und Gewehren geschossen wurde. Bei der Gesundheit, welche die Preußischen Prinzen auf das Wohl des Muselmaͤnnischen Re⸗ giments ausbrachten, brachen die Asiaten in den ungemessensten Jubel aus; das Geheul wurde foͤrmlich betaͤubend und die Prin⸗ zen vermochten sich kaum vor den ausgelassenen Freudens⸗Aeuße⸗ rungen der Muselmanner zu retten. Bei aller Wildheit ihrer äußeren Erscheinung sind sie indessen doch artig und gefaͤllig, dienstfertig und freundlich. Gern unterhielten sie sich mit ihren Gaͤsten, aber nur wenige sprechen gebrochen Russisch, einige je⸗ doch etwas Franzoͤsisch, so daß man sich zur Noth mit ihnen verstaͤndigen kann. Als der Ehampagner immer reichlicher floß, wurde das Treiben auch immer toller und wilder. Kampfspiele mit dem Dscherrid begannen, und jetzt erst entwickelte sich die anze Furchtbarkeit der Kriegfüͤhrung dieser Volksstaͤmme. m Sonnabend (19ten) Nachmittag fand gleich nach dem Di— ner im Kaiserlichen Schlosse ein nicht minder interessantes Fest statt. Das Chevalier⸗Garde⸗ Regiment feierte naͤmlich das Fest seines Regiments-Heiligen, welches mit dem Jahrestage seiner Stiftung zusammenfaͤllt. Ihre Majestaͤt die Kaiserin hatten als Chef des Regiments eine Bewirthung der Mannschaften anbe⸗ fohlen und diese hatten die Schwadron des Preußischen Regi⸗ ments Garde-du⸗CTorps, als eines verwandten Truppen⸗Corps, dazu eingeladen. Die Feier fand im Schloßgarten, dicht hinter der Wohnung des Feldmarschalls Paskewitsch, statt. Nachdem die Alerhoͤchsten Herrschaften eingetroffen waren, begann die Griechische Messe, unter dem dichten Laubdache der Haupt⸗Allee, bei dem Gesange der Kaiserlichen Kirchenfaͤnger. Nach der Messe besprengte der Pope die Mannschaft der Chevalier⸗Garde mit dem geweihten Wasser und verließ dann den Garten, waͤh— rend der portative Altar ebenfalls fortgeschafft wurde. Die Leute nahmen jetzt an langen gedeckten Tafeln Platz, so daß immer ein

Russe neben einem Preußen zu sitzen kam. Die Kaiserin machte

selbst die Wirthin und sorgte eiftig dafuͤr, daß jeder Einzelne versorgt war. Wahrend des Essens spielten die Militair⸗Musit⸗Corps, abwechselnd mit Russischen und Preußi⸗ schen Saͤnger⸗Torps.

Frankreich.

Paris, 20. Sept. Aus dem Schlosse Eu sind hier fol— gende Nachrichten eingegangen: Am 17ten musterte ö. gosh⸗ im Schloßhofe die National Garde der Stadt Eu, und ein Ba⸗ taillon des 50sten Linien ⸗Regiments nebst einem Detaschement leichter Kavallerie, die fuͤr die Zeit, daß JJ. MM. sich in Eu aufhalten, von Rouen aus dorthin beordert worden sind. Bevor die Truppen vorbei defilirten, vertheilte der Koͤnig eigenhaͤndig mehrere Ehren⸗Legions⸗Kreuze. Nach beendigter Revue arbeite⸗ ten Se. Maj. mit den Ministern der Finanzen und des Handels und machten demnaͤchst einen Spaziergang durch die Stadt. Um

2 Daß Se. Majestaͤt der König an demsel l⸗ erb och h fd Kalisch verlassen 16 ar r nne 6.

In Breslau eingerrofen, ssi bireits gestern unt ;

Seit gestern hat es sich ent⸗

Preußischt Staats Zeitung.

Berlin, Sonntag den Asn September

7 Uhr wurde an einer Tafel von 60 Couverts gespeist, zu wel⸗ cher die Stabs-Offiziere und die Hauptleute der National- Garde und der Linien⸗Truppen geladen waͤren. Die Ruͤckkehr des Kö—⸗ nigs nach Paris ist der herrlichen Witterung halber um einige Tage verschoben worden. Wahrscheinlich werden Se. Maj. das Schloß Eu erst morgen (21.) verlassen. ;

Im Constitutionnel liest man: „Der Geist, in welchem die letzten diplomatischen und Pairs⸗Ernennungen vorgenommen worden sind, hat dem Geruͤchte von einer bevorstehenden Ver aͤnderung in den verschiedenen Hierarchieen der oͤffentlichen Ver⸗ waltung einige Konsistenz gegeben. Es ist stark die Rede von der anderweitigen Besetzung verschiedener Prafektur- und Unter⸗ Praͤfektur⸗Stellen, und zwar zum Nachtheil derjenigen Beam⸗ ten, die durch die Juli⸗Revolution ihre Stellen erhalten hatten. Das Ministerium räumt ein, daß es diesen Beamten nichts An⸗ deres vorzuwerfen habe, als daß sie die Karlistische Partei, die großen Grundbesitzer, auf die sich die Doctringirs fortan zu stuͤtzen gedenken, nicht genug schonten. Das hieße, die Departe⸗ ments demselben Systeme unterwerfen, welches jetzt in dem Con⸗ seil vorzuherrschen scheint. Wir wollen hoffen, daß die Minister, ehe sie sich zu einer so bedeutungsvollen Maßregel entschließen, uͤber die Wirkung derselben auf die oͤffentliche Meinung nach⸗ denken werden.“

Der Temps sagt: „Die Liste der diplomatischen Ernen— nungen ist noch nicht geschlossen. Herr von Rayneval, der in Madrid nicht mehr bleiben will und nicht mehr bleiben kann, faͤhrt fort, seine Abberufung immer ungestuͤmer zu ver⸗ langen. Man sendet ihm Geld auf Geld, um ihn zu⸗ frieden zu stellen, aber vergebens! Herr von Ste. Aulare will wohl dem Herrn von Rayneval seinen Posten in Wien abtreten, aber er verlangt als Entschädigung den Bot⸗ schafter⸗Posten in London, um den sich drei oder vier Kandida⸗ ten bewerben. Herr von Rigny, der sich nur einer temporairen Angelegenheit halber in Neapel aufhaͤlt, will nicht fuͤr immer unter jenem schönen Himmelsstriche weilen; er sehnt sich vielmehr nach den Nebeln der Themse und nach den 309,090 Fr., die der dortige Botschafter zu verzehren hat. Man versichert, daß der Moniteur in der kuͤnftigen Woche eine Reihe Königlicher Verordnungen enthalten werde, um uͤber den Marschallsstab des verstorbenen Mortier und uͤber die Groß⸗-Kanzlei der Ehrenlegion zu verfugen, zu gleicher Zeit aber allen Ungewißheiten uͤber die Gesandtschaften ein Ende zu machen.“

Herr von Chifflet, den Karl X. mit der Pairs-Wuͤrde be— kleidete, ist in einem Alter von 70 Jahren hierselbst mit Tode abgegangen.

Der von dem Pairshofe kondemnirte Deputirte Herr Audry

de Puyraveau hat sich als Gefangener gestellt; er befindet sich gegenwartig in Sainte⸗Pélagie. Man ist in diesem Augenblicke damit beschaͤftigt, im Ge⸗ fängnisse des Luxembourg ein besonderes Zimmer fuͤr den Urhe— ber des Attentats vom 28. Juli einzurichten. Das Gemach soll zwei Fenster erhalten, die nach dem Garten hinausgehen, und mit doppelten Eisenstangen versehen sind. Die Pallisaden, zwi⸗ schen denen die April-Gefangenen zur Audienz gefuͤhrt wurden, sollen auch dazu dienen, Fieschi aus seinem Gefaͤngnisse vor den Pairshof zu bringen. Man versichert, daß das Gefaͤngniß im Luxembourg seine jetzige Bestimmung behalten, und nicht wieder zu einer Kaserne umgestaltet werden wuͤrde. .

Die Pariser Polizei hat kuͤrzlich den Präfekten der Depar⸗ tements Nachricht gegeben, daß sie wisse, daß mehrere der aus Ste. Pẽlagie entsprungenen Gefangenen die Hauptstadt verlassen haͤtten und mit Paͤssen, in denen sie als Handels⸗Reisende be⸗ zeichnet wuͤrden, den Versuch machen wollten, uͤber die Graͤnze zu kommen. Die Praͤfekten werden daher aufgefordert, ihre Wachsamkeit zu verdoppeln, um der Entsprungenen wieder hab⸗ haft zu werden. .

Der rn des „wahren Katechismus der Glaͤubigen/, Herr P. ubois, wurde gestern von dem hiesigen Assisenhofe wegen Beschimpfung der Religion zu Gmonatlicher Haft und zu einer Geldbuße von 6000 Fr. verurtheilt; die noch vorhandenen Exemplare jener Schrift sollen verbrannt werden. Es ist dies der erste Fall seit der Juli-Revolution, daß der erste Artikel des Gesetzes vom 25. Maͤtz 1822 in Anwendung kommt, wonach Jeder, der die Landes oder eine andere in Frankreich gesetzlich anerkannte Religion beschimpft oder laͤcherlich macht, Zmonatliche . rie Gefaͤngniß- und 300 6000 Fr. Geldstrafe erlei⸗ en soll.

Herr Schmit, Divisions-Chef beim Ministerium des Kultus, at den Auftrag erhalten, die Kathedralen zu Nevers, Moulins,

lermont, Bourges und Orleans zu besichtigen, um die etwa noͤthigen Vorschlaͤge zur Erhaltung dieser Denkmäler des Mittel= alters zu machen. Mit einem ahnlichen Auftrage war er im vorigen Jahre in Rouen, Amiens und Beauvais gewesen.

Der Moniteur enthaͤlt einen ausfuͤhrlichen Bericht des Schiffs, Lieutenants Fréhouard, der gegen Ende April d. J. mit der Korvette „la Recherche“ nach den Kuͤsten von Island und Groͤnland abgesandt worden war, um wo möglich Spuren der Brigg „la Lilloise“, von der man seit zwei Jahren keine Nach⸗ richt hat, zu entdecken. Es ergiebt sich aus diesem Berichte, der aus Cherbourg vom 14. Sept. datirt ist, daß die Nachforschun⸗ gen der „Recherche“ durchaus fruchtlos gewesen sind. Die ein= gezogenen Erkundigungen lassen kaum noch einen Zweifel uͤbrig, daß die „Lilleise“ an der oͤstlichen Kuͤste von Grönland verun— aluͤckt ist. Waͤhrend Herr Fräͤhouard an den Kuͤsten Islands Nachforschungen anstellte, durchreiste der Franzoͤsische Naturfor⸗ scher, Herr Gaimard, das Innere dieser Insel. Er hat in vier⸗ zig Kisten interessante naturhistorische Gegenstaͤnde von dort hierher gesandt. .

In einem Schreiben aus Algier vom Aten d. heißt es: „Wenn die Stadt auch nun beinahe ganz von der Cholera be— sreit ist, so ist dies doch keinesweges der ga in der Umgegend, wo im Gegentheil die Seuche noch furchtbar haust. o hat z. B. der Stamm von Beni⸗Menad die Hälfte seiner Bevoͤlke= rung verloren; in Yesser und bei den Amraoua's hat es an