1835 / 269 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Beresford hatten gestern im Kolonial⸗Amte Unterredungen mit Lord Glenelg.

Lord John Russell wird auf seiner Reise nach Wear Gif— ford, dem Landsitz des Lord George Fortescue, wo sich auch Lord Ebrington einfinden will, in der Stadt Traunton erwartet, und die dortigen Einwohner haben daher eine Versammlung gehalten, worin sie beschlossen, eine Adresse abzufassen, die dem Lord we⸗ gen seines Eifers fuͤr die Sache der Reform und wegen seines weisen Benehmens gegen das Oberhaus uͤberreicht werden soll.

Lord Brougham wird sich naͤchstens zu einem Besuch bei dem Vice⸗Koͤnige von Irland, Grafen von Mulgrave, der ihn eingeladen hat, nach Dublin begeben.

Der Irlaͤndische protestantische Bischof von Cloyne, Dr. Brinkley, der vor vierzehn Tagen aus London nach Irland zu— ruͤckgekehrt war, ist in diesen Tagen dort mit Tode abgegangen. Er war fruͤher viele Jahre Professor der Sternkunde am Tri— nity⸗College in Dublin, und es ist sein Kompendium, welches den astronomischen Vorlesungen auf der Dubliner, Universitaͤt zu Grunde gelegt wird. Dem neuen Gesetze zufolge, wird das Bis⸗ thum Cloyne nun mit den Bisthuͤmern von Roß und Cork ver— einigt werden.

Ein gewisser Ramsay, der zu Airdrie orangistische Unord— nungen angestiftet hatte, ist von dem Schottischen Ober⸗Krimi⸗ nal⸗Gerichtshofe zu vierzehnjaͤhriger Deportation verurtheilt wor⸗ den. Ramsay war es, der durch seine aufruͤhrerischen Reden die Orangisten aufgereizt hatte, die Wohnungen friedlicher Katholi⸗ ken zu verwuͤsten. Der Gerichtshof konnte sich jedoch nicht uͤber⸗ zeugen, ob jener Mann nach den Befehlen der großen Orangi— sten⸗Loge gehandelt hatte, oder nicht.

Der beruͤhmte Ingenieur Herr Brunel trifft Anstalten zum Beginn der Arbeiten an den großen wesentlichen Eisenbahnen, und . soll an beiden Enden derselben zu gleicher Zeit angefangen werden.

Die Brighton Gazette meldet die Ausruͤstung einer an— sehnlichen Flotte in den Englischen Haͤfen, ohne jedoch den Zweck dieser Ruͤstungen anzugeben. Zugleich will der Courier durch Briefe aus Konstantinopel vom 25. August erfahren haben, daß eine bedeutende Flotte, großentheils aus Englischen Kriegs—⸗ schiffen bestehend, sich vor den Dardanellen aufgestellt habe, während dagegen Verichte aus Smyrna behaupten, die jetzt in Malta vereinigte Englische Flotte werde nach den Spanischen Kuͤsten unter Segel gehen.

Ueber die Ereignisse im noͤrdlichen Spanien meldete am Sonnabend der Courier Folgendes; „Wir haben Briefe aus Santander vom 12ten d. M. gesehen, zu welcher Zeit dort nichts besonderes vorgefallen war. Seit dem Ruͤckzuge der Kar— ltsten von Bilbao ist General Evans aufs eifrigste deschaͤftigt ge⸗ wesen, seine neuen Rekruten zu diszipliniren und einzuüͤben, und er gedenkt, so bald noch keine Bewegung vorzunehmen. Die Kar— listen haben ein oder zivei Bataillone in der Naͤhe von Bilbao zuruͤckgelassen, um Wache zu halten; diese streifen umher und se— hen zu, wo sie einzelne Leute und Vieh aufgreifen koͤnnen. Sie sollen 17 Individuen, die sorglos umherschlenderten, gefan⸗ gen genommen und erschossen haben. Die ganzen Streit— kräfte der Karlisten werden auf 0, 000 Mann geschätzt; dies zeigt, wenn die Angabe richtig ist, daß ihre Stärke durch die Siege ihrer Gegner nicht geschwächt worden ist. Iriarte traf am 10ten in Santander ein, üm dort seine Gesundheit her— zästellen. Man sagt, dieser General sey der Constitution von S2 zugethan, und man glaubt, daß sich uberhaupt viele Per—

en dafür erklaͤren wurden, wenn die Furcht sie nicht noch zu— ite. „Gestern berichtete dies genannte Blatt ferner: „Die zoͤsischen Zeitungen publiziren Nachrichten uͤber ein Treffen, ches am 11Iten zwischen den Truppen der Koͤnigin und den Karlisten stattgefunden hat. Diese Nachrichten sind jedoch übertrieben, und wir konnen unseren Lesern die Beschreibung dieses Gefechts aus der Feder eines hohen Offiziers von der unmittelbaren Umgebung des General Evans mittheilen, ohne daß wir noͤthig hätten, diesem Bericht noch etmas hinzuzufuͤgen. Doch muͤssen wir be— merken, daß sechzehn Mann von der Englischen Legion, worunter sieben von dem Musik-Corps des General Evans, in die Haͤnde der Karlisten gefallen und, wie man glaubt, erschossen worden sind.“ Es folgt nun der Bericht dieses Offiziers, datirt aus Bilbao vom 12. September. Das am Ilten zwischen dem kuͤrz⸗ lich dort angekommenen Theile der Truppen der Koͤnigin, der von Espeleta, Espartero und Mirasol kommandirt wurde, und den unter Moreno und Castor vereinigten Karlisten stattgehabten Gefecht wird darin folgendermaßen beschrieben:

„Die Karlisten hatten sich in dem 2 Stunden von Bilbao ent⸗ fernten Dorfe Arrigoriaga in Haͤusern, Gebdlzen und Schluchten verschanzt. Die Generale der Koͤnigin, die um? Uhr mit 7 8000 Mann ausgeruͤckt waren, bekamen es mit 3 Bataillonen von Bis⸗ caya, 8 von Navarra, 3 von Alava und einem von Guipuzeoa zu thun, die durch ihren ersten Angriff einige Verwirrung unter den Truppen der Köoͤnigin anrichteten, von der sich jedoch diese bald wieder erholten, worauf sie die Karlisten aus mehreren Stellungen vertrieben. Das Gefecht waͤhrte mit großer Hitze auf und zwischen den Bergen und zu beiden Seiten des Flusses fort. Um 11 Uhr sandte Graf Mirasol, der Kommandant von Bilbao, ei⸗ nen Theil der Garnison und der General Evans 2 Batail⸗ lone zu Hülfe. Das Feuern währte bis 6 Uhr, wo Gene⸗ ral Epeleta sich in der besteun Ordnung, jedoch von den Kar— listen verfolgt, nach der Stadt zuruͤckzog; so auch General Espar⸗ tero, der eine Wunde im linken Arm erhielt und beinahe in Gefan⸗ genschaft gerathen waͤre. Einer seiner Adjutanten wurde ebenfalls verwundet. Der Verlust der Spanier war in dieser Affaire, wie ich fuͤrchte, sehr Ledentend; es wurden ihnen zwei Ober⸗Offiziere getod⸗ tet, und 269 Verwundete befinden sich im Hospital. Die Liste der Todten und Vernißten ist noch nicht fertig. Unser Verlust ist ver— hältnißmäuig gering, namlich 2 Todte und 3 Verwundete, da, mit Ausnahme des General Evans und seines Sta⸗ bes, nur der rechte Flügel des zten Regiments ins Feuer kam. Diese Affaire ist immer ein schlimmer Streich, und hat hier unter denen, die sich einbildeten, daß das bloße Erscheinen einiger Rothroöcke hinreichen würde, gan⸗ ze Dwvisionen Karlisten zu zersprengen, große Niedergeschla⸗ genheit und Muthlosigkeit verursacht. Sehr viel ist an diesem ÜUn⸗ beil der Mangel an Einigkeit unter den Commandeurs der Truppen der Königin schuld. Espeleta und Espartero han⸗ deln offenbar ganz unabhängig von einander. General Evans hielt seine Truppen gut zusammen und vermied es weislich, sie in einer Operation daran zu wagen; von der man ihn gar nicht unterrichtet batte, denn die Spanischen Generale agirten mit nur 7000 Mann, während in und um Bilbao 20,000 Mann zu ihrer Disposition standen. Das zte Britische Regiment, welches General Evans bloß zue Deckung des Rückzuges Ezpartero's beorderte, zeigte sich uͤbrigens so tapfer, wie es Britischen Soldaten eigen ist, und war nur mit Muͤhe wieder zurückzubringen. In Folge dieses Treffens sind die Karlisten nun wie⸗ derum Meißsler der ganzen Gegend jwischen Bilbao und Vittoria. Die Legion wird nun sehr bald Verstäͤrkungen von Santander und England erhalten, und dann werden, bine ich, Operationen auf größerem Fuß nach den wahren Prinzipien der Kriegskunst beginnen, d nun das jetzige System der Plaͤnkeleien fortzusetzen, hieße nur, dem Feinde die Karten in die Hand spielen, da der Guerilla Krieg sest

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Hannibal's Tagen bis auf Napoleon's Zeit hier die klassische Art seiner Keiegführung gewesen ist.“

Heute bringt der Courier noch nachtraͤglich ein Schreiben aus Bilbao vom 160. September, welches er gestern wegen Mangels an Raum weglassen mußte, und an dessen Schluß ge⸗ meldet wird, daß an jenem Tage 2 Bataillone Portugiesi⸗ scher Jager, zu dem Huͤlfs-Corps gehoͤrig, welches Portugal der Königin sende, in Santander angelangt siyen.

Im Laufe der vorigen Woche sind gegen 1300 Mann zur Spanischen Huͤlfs-Legion aus England und Irland nach Spa— nien abgegangen, und die Einschiffungen waͤhren noch fort. Un— ter den Regimentern befinden sich auch Bergschotten. Die ganze Legion soll aus 8 Linien⸗Regimentern, 2 Regimentern leichter Infanterie, 2 Kavallerie⸗Regimentern und einer Abtheilung Ar— tillerie bestehen. Capitain Jamieson vom Dampfboot „James Watt“ hat positive Instructionen erhalten, morgen die Themse zu verlassen und die Militair-Aerzte, die sich der Huͤlfs-Legion noch nicht angeschlossen haben, so wie einen Theil des Kommis⸗ sariats und Detaschemenis des zweiten Kavallerie⸗ Regiments und des fuͤnften Linien- Regiments nach Spanien zu bringen. Die uͤbrigen Kommissariats-Beamten werden in ungefahr vierzehn Tagen nachfolgen. . *

Die Regierung hat dem Major Reid vom Koͤnigl. Inge— nieur⸗Corps Erlaubniß ertheilt, in den Dienst der Koͤnigin von Spanien einzutreten. Er wird daher einstweilen ein Jahr lang auf halben Sold und somit in den Stand gesetzt, Spanische Dienste zu nehmen. Spaͤter soll er wieder mit vollem Solde in den Britischen Dienst zuruͤcktreten koͤnnen. Die Tim es nennt dies ein hoͤchst strafbares und parteiisches Verfahren.

Das Dampfschiff „Firefly ist mit der Post aus dem Mit—⸗ tellaͤndischen Meere hier angekommen; es hatte Gibraltar am 31. August verlassen. In Cadix sah es sehr unruhig aus, und 3 Englische Kriegsschiffe sollten auf alle Fälle dort bleiben.

Der Globe sagt: „Wir halten es fuͤr ausgemacht, daß keine bewaffnete Intervention der Franzoͤsischen Regierung in die Spa— nischen Angelegenheiten stattfinden wird; mit den bereits erfolg— ten Huͤlfeleistungen der Unterzeichner des Quadrupel-Traktats muß Spanien uͤber die Faction der Karlisten in den noͤrdlichen Provinzen triumphiren koͤnnen. Ist dieses Werk beendigt, so muß die Regulirung der inneren Verfassungs-Verhältnisse den Spaniern allein uͤberlassen werden, ohne die Kontrolle einer aus— waͤrtigen Macht und so viel als moͤglich frei von auswaͤrtigem Einfluß. Nach diesem Prinzip haben unsere Regierung und die Regierung Ludwig Philipp's bis jetzt gehandelt, und nach demm—

selben werden sie auch hoffentlich hinfort gemeinschaftlich han-

deln.“ Auch der Standard haͤlt es fuͤr ewiß, daß Frankreich, trotz der dringenden Vorstellungen der verwittweten Koͤnigin, nicht in Spanien interveniren werde.

Heute fruͤh sind Nachrichten aus Madrid vom 15ten d. hier eingegangen, welche die Ernennung des Generals Quadra zum Minister des Innern in dem neuen Spanischen Kabinet des General Alarg und des Herrn Mendizabal melden. Der Courier sagt: „Die Ernennung Quadra's hat die in London sich aufhaltenden liberalen Spanier sehr zufriedengestellt, da der— seibe wegen seiner vertrauten Freundschaft mit Herrn Arguelles und wegen seines steten ehrenvollen Benehmens wohl bekannt ist.“

Aus Kanada wird berichtet, daß am 23. August die Koͤ— nigliche Kommission, an deren Spitze Lord Gosford steht, in Quebek angekommen sey. Lord Gosford hatte bereits zwei Pro⸗ clamationen erlassen, durch deren eine er seine Ernennung zum General⸗Gouverneur von Kanada anzeigt, während die andere verkuͤndet, daß der Koͤnig eine aus den bekannten drei Kommis— sarien Lord Gosford, Sir Charles Grey und Sir George Gipps bestehende Kommission ernannt habe, „weil ihm von der Kolo— nial⸗Versammlung und vielen Bewohnern der Kolonie Beschwer⸗ den zugegangen seyen und er gesinnt sey, so viel an ihm liege, allen Beschwerden abzuhelfen.“

Aus Sydney sind Zeitungen bis zum 11. Mai hier ein— gegangen, die den Verlust des Verbrecher-Schiffs „Georg III.“, wobei mehrere der an Bord befindlichen Individuen ertranken, bestatigen.

In den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika herrschte, den neuesten Nachrichten aus New-York vom zten d. zufolge, noch immer viel Aufregung in Bezug auf die Sklaven— Emancspations-Frage. Ein Mann, Namens Tarrol, der zu den Abolitionisten gehoͤrte, war neuerdings in Charleston dem soge— nannten Lynch Gesetze anheimgefallen. Zahlreiche Versammlun— gen fanden in den Haupt -Orten der Union statt, in welchen in Bezug auf die Sklaven ⸗Emancipation Beschluͤsse gefaßt wurden.

Den letzten Nachrichten aus Lima zusolge, herrschte dort noch immer große Zerruͤttung, indem der Praͤsident Obregoso sich nur im Besitz der drei suͤdlichen Staaten befand, waͤhrend alle Truppen in den noͤrdlichen und mittleren Departements sich dem General Salabery unterworfen hatten. Guerillas durchstreiften das Land und kamen zuweilen bis an die Mauern von Lima heran, was so großen Allarm erregte, daß der Handel mit dem

Innern ganz stockte.

Niederlande.

Aus dem Haag, 22. Sept. Ueber Havre ist die Nach— richt hier eingegangen, daß Se. Königl. Hoheit der Prinz Wil— elm Friedrich Heinrich am Bord der Fregatte „Maas“ in ew⸗York angekömmen ist. Der Prinz war zuletzt in Curagao gewesen und auch die Brigg „Snelheid“ besand sich in der Be⸗ gleitung desselben. Der Admiral Sir Edw. Codrington ist gestern aus England in Amsterdam eingetroffen.

Schweden und Norwegen.

Christiania, 18. Sept. Vorgestern Abend um 11 Uhr kam der Konig, begleitet von der reitenden Buͤrgergarde Chri—⸗ stiania's und vielen Bauern, hier an. Die Koͤnigin war am 15ten Morgens uͤber Kongsvinger hier eingetroffen. Ihre Ma— jestät sind seit 190 Jahren nicht hier gewesen.

Deutschland.

Schwerin, 20 Sept. Das Geburtsfest Sr. Königl. Ho⸗ heit unsers allverehrten Erb-Großherzogs wurde am letztverflos⸗ senen Dienstage wieder auf die gewohnte Weise von der Casino⸗ Gesellschaft und der Buͤrger-Ressource durch zahlreich besuchte Bälle recht feierlich begangen und bei Aeußerungen der herzlich—⸗ sten Theilnahme fuͤr das Wohl unsers hohen Fuͤrstenhauses erst spät nach Mitternacht beendigt. Auch noch an andern oͤffentli⸗ chen Orten und in mehreren Privat-Haͤusern hatten sich frohe Gesellschaften zur wuͤrdigen Feier des schoͤnen Tages versammelt. Der Bau unserer neuen Kunst-Straße nach Ludwigslust schreitet mit Macht seiner Vollendung entgegen; vor einigen Ta⸗ gen ist die zweite Meile von hier fertig geworden, und auf der dritten und letzten besindet sich ebenfalls schon ein so großer Vor⸗ rath von Steinen zur Belegung derselben, daß, bei nur irgend

wo nach beendi e tem

guͤnstiger Witterung und hinlaͤnglicher Anzahl von Arbeitern ö. ö. . noch in diesem Jahre seine Endschaft erreicht h en duͤrfte.

Leipzig, 24. Sept. Bereits beginnt in unserer Stn ein regeres Leben, in Bezug auf die bevorstehende Messe. D. Zustroͤmen der Fremden ist bedeutend, und auch nicht unansehn liche Quantitäten von Waaren treffen hier ein. Laͤßt sich qu noch nichts Entscheidendes uͤber die Resultate vorhersagen, spricht sich doch bis jetzt noch die Erwartung aus, daß die Me eine lebhafte werden durfte. Auch die Schaulust der uns 3, suchenden wird diesmal in ungewoͤhnlichem Grade in Ansprn n n werden. Moͤchte nur bei dem großen Zuflusse in Nenschen, dessen Leipzig sich gegenwärtig erfreut, durch die pz, dauernde Trockenheit der Mangel an Wasser nicht noch nr uͤberhand nehmen. Unsere Stadtmuͤhlen vermoͤgen bereitz 1 nur 4 = 6 Stunden taͤglich, nach einem 13 16 stuͤndigen Schih zu arbeiten. Zwanzig Scheffel Getraide erfordern gegenwin 36 Stunden Zeit, um gehörig vermahlen zu werden. Wenn die Muͤhlen nicht fortwaͤhrend Aushuͤlfe leisteten, so wuͤrde die S9 sehr bedenklich ausfallen. Dem Vernehmen nach, ist dem Platzmann Konzession ertheilt worden, seine bereits bestehmm Oel⸗Dampfmuͤhle zum Gebrauch fuͤr das Mahlen des Getrasn herstellen zu duͤrfen. Die Baulust hat in unserer Stadt der letzten Zeit ausnehmend zugenommen. Kapitalisten hahh wie man hoͤrt, ganze Häuser-Fronten an sich gebracht, und! deutende, der Stadt zur Zierde gereichende Etablissements sihn zu erwarten. Wie sehr wird auch in Hinsicht der Bauten) Eisenbahn einwirken, da noch Vieles von der leichteren Halt

schaffung der Bagu⸗Materialien abhaͤngt. Die im Verhaͤltnf h

Haͤuser viel zu bedeutende Einwohnerzahl Leipzigs steigert gon waͤrtig den Werth der Grundstuͤcke ungemein.

Kassel, 23. Sept. Ihre Koͤntgliche Hoheit die Kursäfn und Ihre Hoheit die Prinzessin Karoline sind gestern Ain im besten Wohlseyn von Meiningen hier eingetroffen.

Seit dem 16ten d. M. hat das im Lager von Wilhch thal und in der Naͤhe versammelte Kur-Hessische Armee⸗C bestaͤndig große Manoͤver ausgefuͤhrt, und taͤglich wandern n Schaulustige aus Kassel und der ganzen Umgegend ins (i um die nnlitairschen Uebungen auf jenen schoͤnen Hochfig mit anzusehen. Dieses giebt dem Lager, dem auch mehrere g staurgisnes und Erfrischüngs-Buden gefolgt sind, ein sehr t Ansehen. Besonders zahlreich war der Zufluß vorigen Sonni

Hor e ien saͤmmtliche Truppen vor 6 Hohrit dem Kurprinzen und Mitregenten defilirten. Konmm— dant des Lagers ist der General- Major Buͤdicker; die Jath̃u konnnandirt der General- Major Bauer, dessen Hauptquntir i Calden ist; der General⸗Major von Loßberg konmmandirt Ri zu Simulirung des Feindes bestimmte Abtheilung. Seit dem lön d. M. versieht die Buͤrger⸗Carde regelmäßig den Garnisondiss, in Kassel. 4

Muͤnchen, 21. Sept. (Leipz. Ztg.) Dem sichern M nehmen nach wird Se. Koͤnigliche Hoheit der Kronprinz!

in zu ober-⸗Feste hier eintreffen, u zaͤter sein Bayern zum Oktober-Feste h intreffen, und spaͤter se cn genommen herren!

schloß, das durch die Hohenstaufen so beruüͤhmt gewordene J henschwangau, dessen Nestaurirung demnaͤchst vollendet wird, ziehen. . Es ist nun ganz bestimmt, daß Se. Koͤnigliche Hoheit Herzog Max von Leuchtenberg die Königin Donna Maria nit

heirathen wird. In Folge der außerordentlich dannung, we

che, wie man vernimmt, zwischen ö Herzogs, on

Kaiserin Amalie, und ihrer Stiefto 8 rig Ds e

Maria, eingetreten ist, hat Erstere den Entsch faßt, Pon gal demnaͤchst auf immer zu verlassen und vorerst in Paris! später in Muͤnchen ihren Wohnsitz zu nehmen.

Ein neuer Beweis, wie gern von unserm Monarchen i Volke jede mogliche Erleichterung gewahrt wird, findet sihh der Koͤnigl. Verfuͤgung, durch welche die Einberufung der ht laubten Soldaten zu den Herbst-Exercitien bis auf den & herbst aus dem Grunde hinausgeschoben wird, damit soviel moͤglich dem Landmann his zur gänzlichen Vollendung der Aern die helfenden Haͤnde erhalten werden moͤgen.

Der Zufluß von Fremden dauert hier auf eine erfrels Weise fort. Bereits ist in unseren Gasthaͤusern kein Quan mehr zu finden, was den vielen leer stehenden Prioatwohnun sehr zu Nutzen kommt. Nun das Parlament vertagt ist, men auch die Englaͤnder herbei. Viele der edlen Lords ha den lobenswerthen Entschluß gefaßt, hier recht viele Pfund 6 ling in Umlauf zu setzen. Nach dem hiesigen Tageblatte eine Englische Familie mit einem hiesigen Advokaten einen g trakt abgeschlossen, wonach dieser für die Besorgung alles dese was zu einem moͤglichst komfortablen Leben gehoöͤrt, und zwan fuͤr die Dauer der Oktober-Feste, die Summe von 32,000 und noch fernere 300 Fl. fuͤr die Miethe von zwei Fenstern halt, welche die beste Aussicht bei der Enthuͤllung des Map seph⸗Monumentes gewaͤhren. Diese Notiz ist vollkommen gruͤndet. Jener Advokat kennt seine Leute, und wenn er Wagen, Pferde ꝛc. anzuschaffen hat, so wird, da es hier wohlfeil zu leben ist, sein Gewinn doch sehr der geringen M werth seyn.

Vom 1. Oktober an erscheint an der Stelle der „Vöh schen Annalen“ die auf den Befehl des Koͤnigs von der hies Akademie der Wissenschaften herauszugebende Literatur-Zelh unter dem Titel: „Geiehrte Anzeigen.“ Alle Königl. j ter wurden angewiesen, jenes Blatt aus dem Regie-Fondt halten und fuͤr die Verbreitung desselben thaͤtig zu seyn.

Bei dem Herannahen der Cholera versaüumen die hichh Blaͤtter nicht, dem Publikum verschiedene Vorsichts- Mahr zu empfehlen. Der Bayerische Volksfreund meint im rh Ernste, das Bier sey das naturgemaͤßigste Praͤservativ gh jene Seuche. Die herrschenden Krankheiten siad gegenmn hier gastrische Fieber und starke Diarrhoe.

Man sieht hier neueren Nachrichten aus Griechenlanh der groͤßten Erwartung entgegen. Alle fruͤhere Nachti stimmten darin uͤberein, daß in jenem Lande eine allgeh Gaͤhrung herrsche, und daß es an dem Vorabend wichtigeß eignisse stehe.

Frankfurt a. M, 19. Sept. (Nuürnb. Korresp) so vielfach vorgenommenen Milderungen und Modification dem, die buͤrgerlichen Verhaͤltnisse der Juden ordnenden 6 von 1824, haben es deutlich gezeigt, wie sehr auch in diesn ziehung Frankfurt an wahrer Aufklaͤrung gewonnen hat, der letzten Zeit hat sich nun abermals eine Bestimmüng ! Gesetzes einer naͤheren Beleuchtung beduͤrfend gezeigt. Dl glaubliche Andrang der Israeliten zu dem Kaufmannsstand, insbesondere zum Waarenhandel, mußte natuͤrlich die Auf samkeit des Handelsstandes und der Behörden auf sich! und so soll schon seit einiger Zeit keine Aufnahme ö. Handelsleute stattgefunden haben, vielmehr erst eine Untersus

ö. . ,., zur der, das große Männer- und Frauenbas, die Fuͤrstenbaͤder und die Baͤder des Herrenhauses besichtigt. ; .

angeorbnet worden seyn in wie weit nicht die Zahl der durch enes Gesetz bestimmten Israelitischen Waaren⸗Handlungen bereits Eberschritten sey. Es möchte indessen eine sehr schwierige Auf— zabe seyn, eine solche Zahl auszumitteln, und sich sonach aber— mals ein Anlaß ergeben, das Gesetz zu modifiziren. Auf solche WVeise kommen mir denn ganz unvermerkt der Emancipation unserer sraelitischen Mitbuͤrger naher. Unsere Messe, unstreitig die schlechteste, welche seit langer eit abgehalten wurde, ist nun beendigt. Ueber den Zoll-⸗Anschüuß stlautet noch immer nichts Zuverlaͤssiges, und nur so viel kann mt BVestimmtheit angegeben werden, daß der Vertrag noch nicht hnitiv abgeschlossen, und daß weder in unserer Stadt noch in nern Dorfschaften die geringste Aenderung eingetreten ist. Eben so ungegruͤndet sind aber auch die Geruͤchte, die Verhand⸗ lingen seyen abgebrochen, und es haͤtten sich neue Schwierigkei⸗ ten ergeben. /

Frankfurt a. M., 24. September. Der Graf von Cho— kek, Ober-Burggraf des Königreichs Boͤhmen, hat aus Prag vom 1hten d. folgendes Schreiben an das Journal de Francfort eingesandt: „Herr Redacteur! Als eifriger Leser Ihres inter— essenten Blattes habe ich es bedauert, zu zwei wiederholten Ma— len bei den Berichten uͤber die zu Teplitz fuͤr den Empsang Sr. Massßt des Kaisers von Oesterreich getroffenen Vorbereitungen in demselben eine Unrichtigkeit zu bemerken, die nur einem Irr— thun Ihres Boͤhmischen Korrespondenten zugeschrieben weren kin. Ihr Blatt vom 13ten d. M. imneldet namlich unter der Nubrik „Teplitz, das Schloß dieser Stadt sey fuͤr die Zeit des Aufenthalts des Hofes daselbst von sei— nem Eigenthuͤmer vermiethet worden; ich kann Ihnen dagegen versichern, daß die Fuͤrstin Clary, meine Schwester, weit tntfernt, fuͤr ihr Schloß irgend einen Miethprels verlangt zu haben, sich vielmehr beeilt hat, es nebst allen seinen Dependen—⸗ zien zur Verfuͤgung Sr. Majestaͤt zu stellen, indem sie es sich and ihrer Familie zur Ehre anrechnst, daß Ihre Majestaͤten der Kaiser und die Kaiserin diese Wohnung für wuͤrdig gehalten haben, Höͤchstdieselben aufzunehmen. Genehmigen Sie, mein Her, die Versicherungen meiner ausgezeichnetsten Hochachtung: Gref von Chote k.“

O esterreich.

Teplitz, 21. Sept. Am Tage nach Ihrer Ankunft wohn⸗ ten Ihre Kaiserl. Majestäten dem Gottesdienste in der Stadt—

Kirche bei, Se. Majestaͤt der Haiser besuchten sodann den Fuͤrst— lichen Schloßgarten ih allen Haupt-Partieen und sprachen sich Ehr vortheilhaft uͤber

die herrlichen Anlagen, die bedeutende usdehnung und Unterhaltung dieses durch mehr als ein Jahr⸗ andert bewunderten Gartens aus. Aus dem Schloßgarten ver—

Igten sich Se. Majestaͤt der Kaiser zu Fuß in die Stadtbäder;

mpfangen von den Stadt-Vorstehern und Bade ⸗Aerzten wurden Fuͤllung und Abkuͤhlung der

s Nachdem Se. Ma⸗ sstaͤt auch die Wohnungen ,, , ö in Augen⸗ n en, verfuͤgten si oͤchstdieselben zu de rink⸗Quellen des bei diesem Hause ndr, . tigten alle Einrichtungen, welche zum Gebrauche der Mineral⸗ Wasser bestimmt sind, und das erst in diesem Jahre vollendete große Suulen⸗Gebaͤude, fuhren sodann nach den Bade⸗Instituten fur das Königl. Preußische Militair, und wuͤrdigten das Armen— Hospital für arme Kranke aller Nationen eines Besuchs, spra⸗ shen den vorgefundenen Kranken Trost und Hoffnung zu, und fe Umgebungen waren tief geruͤhrt uͤber die huld vollen Worte, helche an die Leidenden gerichtet wurden. Hierauf wurde das SGteinbad und das bei demselben befindliche, fuͤr das Kaiserliche Mlltair bestimmte große Bad in Augenschein genommen; von hier ver fuͤgten sich Se. Majestaͤt in das durch seine Große und vortreffliche Einrichtung imponirende Kaiserliche Militair-⸗Bade⸗ hau, Nach Besichtigung der einzelnen Abtheilungen verfuͤgten sih Se. Majestaͤt in die Schlangenbaͤder und fuhren sodann butch die Anlagen des so schoͤn gelegenen Ortes Schoͤnau nach bit Stadt zuruͤck. In der Mittagsstunde empfingen Se. Ma—

sellt den Besuch Sr. Majestat des Koͤnigs von Sachsen.

Vien, 19. Sept. (Schles. Ztg.) Die in den letzten Tagen hier angestellten Versuche mit den Consoleschen Gewehren, hwtken den einstimmigen Beifall der deshalb niedergesetzten Kom⸗ sisson erhalten, und ihre allmälige Einführung bei der ganzen Aisterreichischen Armee, darf nun nicht mehr bezweifelt werden. Döterst sollen fuͤr jedes General- Kommando 2050 Stück ange⸗ shafft werden, um an verschiedenen Orten zugleich noch einmal hte Anwendung im Großen zu pruͤfen. Einige Personal, Ver⸗ nderungen in der Armee, naͤmlich die Verleihung des 2ten Ar— üllerie, Regiments an den General-⸗Major von Mandl und des lten Artillerie Regiments an den General⸗Major von Simm, bann die Befoͤrderung des General-⸗Major von Milanes zum Feld⸗ marschall⸗ Lieutenant Und Festungs⸗Kommandanten in Peter war⸗ dein, nebst Persionirung Anderer, haben in den letzten Tagen statt⸗ gesunden. Der Feld⸗Marschall⸗LZieutenant und Regiments⸗Inha⸗ her von Ertmann vom mobilen Corps in Italien ist gestorben.

Italien.

. Genua, 14. Sept. Die hiesige Gesundheits-Kommission s nunmehr, nachdem sie vielerlei Absperrungen und Quarantai⸗ 14 vergebens versucht hatte, endlich auch dahinter gekommen, diese ganz unnuͤtz gewesen seyen, und sie erklaͤrt nunmehr am Schlusse einer Bekanntmachung vom 19ten d. M.: „Es ist ndlich Zeit, sich davon zu überzeügen, daß die wahre uünd ein— 6. Methobe, sich vor der Cholera zu bewahren, darin besteht, ? nicht zu fürchten und maͤßig zu leben.“ Der Koͤnig, der 4 hiesigt Stadt mit seinemn Besuche erfreute, hat dreitägige zchengebete angeordnet, die auch vom Ften bis zum 19ten d. 3. statigefunden haben. Da Jedem, der an diesen Gebeten . nahm, eine Indulgenz von 106 Tagen bewilligt wurde, war der Zudrang ungemein groß. Bis gestern waren hier wn ersonen an der Cholera erkrankt und davon 1931 gestor— en, Söäs geheilt und 1365 noch in ber Behandlung. In Niza die Krankheit bereits ganz aufgehört. In Livorno wa— bis heute 1641 erkrankt uͤnd dabbn 522 gestorben.

; Nom, l0. Sept. (Allg. Ztg.) Die Cholera beschaͤftigt

ö fertwährend Jedermann, und wenn die Regierung auch 9 gegen die Krankheit gethan, so muͤssen doch noch andere

ö sen ergriffen werden, wenn wir nicht bei einem Ausbruch r ln hei großen Unordnungen ausgesetzt seyn sollen. Einige ar er, ein Cordon gegen das Ausland, und Begräbniß—

reichen nicht hin, üm die duͤrftigen Volksklassen vor der

friweiflung zu schuͤtzen, in die sie durch Absperrun n . h n h ö i g und Man⸗ Israesss ki on Erwerb schnell gebracht feyn werden.

n den Wenn hier, wie en andern Siaͤdten Italiens geschehen, die Reichen fülehen,

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und die Armen der Krankheit preisgeben, so ist viel Schlimmes 6 befürchten. Indessen scheint die Negierung bisher 6. alle

orstellungen taub, in der vollen Ueberzeugung, die Krankheit werde nicht herkommen, und alle Anstalten feyen rein uͤberflussig Die Deutschen Diplomaten bereiten sich vor, unsern armen Landsleuten, die in nicht geringer Zahl Rom anfuͤllen, durch Rath und That zu Huͤlfe zu kommen. In Livorno und Genua waren viele Aerzie die Ersten, welche die Flucht ergriffen. In den Provinzial-Staͤdten, die eine Munizipal⸗Verfassung haben, welche Nęm ganz fehlt, werden schon geeignetere Maßregeln er— griffen. So sollen in Ancona die Gebäude der Quarantaine in ein Hospital verwandelt werden, und die grahnosen, die bis jetzt darin wohnten, wurden in der Stadt, nahe bei dem Kastell, in Privathaäͤuser verlegt. Durch diese Maßregel ist vermuthlich das Geruͤcht entstanden, man erwarte eine Vermehrung der Frau⸗ zoͤsischen Truppen in Ancona.

Spanien.

Madrid, 9. Sept. Die heutige Hof⸗Zeitung enthaͤlt einen sehr heftigen Artikel gegen die Insurgenten von Catalo— nien, die, wie dieselbe sagt, durch ihren Ungehorsam keines weges den Enthusiasmus der Bevölkerungen gegen die Karlisten erhöht, sondern vielmehr die Zahl der Letzteren sich vergrößern gesehen und ihren Zweck so wenig erreicht haͤtten, daß sie jetzt die Hulfe der Armee der Königin forderten, um ihnen in ihrem Ungluͤck beizustehen. Das offizielle Blatt vergleicht diese Aufruͤhre mit Pompejus, der sich geruͤhmt, er brauche nur mit dem Fuß auf den Boden zu stampfen, um Legionen daraus hervorzurufen, und der bei Cäsar's Annäherung sogleich die Flucht habe ergreifen muͤssen. Es fragt sie, was sie den Karlisten, die den Boden Cataloniens schon betreten haͤtten und die alten Gebraͤuche der Provinzen wieder ins Leben rufen wollten, erwiedern koͤnn⸗ ten, da sie selbst jetzt das Testament Ferdinand's Vil. nicht anerksnnten. Kurz, das Organ der Regierung uͤber⸗

haͤuft die Insurgenten mit den bittersten Vorwuͤrfen; es klagt

sie ehrgeiziger Herrschsucht an und nennt sie Leute ohne Grund— saͤtze und ohne Glauben, welche die Gesellschaft umruͤhren woll⸗ ten, wie es die Revolutlonairs von Profession in Frankreich ge⸗ than, um die Nation fuͤr ihre Utopischen Plane zu gewinnen, de— ren Zweck dahin gehe, dieselbe zur Sklavin zu machen und sich durch ihren Schweiß zu bereichern; Leute ohne Religion, ohne Moral, ohne Schaam, denen Verbrechen ein Spiel seyen, da sie ihnen nichts kosteten, und die sich instinktmäßig allen Revo— lutions-Versuchen beigesellten, weil jeder Angriff gegen die recht⸗ maͤßige Gewalt und gegen die Gesetze ihnen Gelegenheit gebe, ihren Blutdurst und ihre Raubgier aufs unverschämteste zu be⸗ friedigen; wenn die oͤffen liche Ordnung unterliege, dann hoͤre man die Uebelthaͤter jauchzen.

Ein Supplement des Diario de Sevilla vom 2ten enthaͤlt Details uͤber die Bewegung in dieser Stadt und Über die Ernennung einer Junta nach dem Beispiele der andern Pro⸗ vinzen. Um 7 Uhr Abends wurden die Namen der Mitglieder bieser Junta bekannt gemacht. Praͤsident derselben ist der Elvil— Gouverneur, Marquis de la Concorbia. Die Stadt⸗Miliz hat den Namen National-Miliz angenommen. Die am 28. Aug. von Cadix nach der Insel Leon abgegangene Kolonne ist daselbst gut aufgenommen worden. Die Garnison hat sogleich Kamerad schaft mit ihr gemacht. Dieselbe Kolonne hatte sich schon auf den Weg gemacht, um die Junta von Sevilla zu unterstuͤtzen, ging aber später nach Despenoperros, um sich dem Corps anzuschlie⸗ ßen, welches von Malaga zur Unterstuͤtzung der Bewegung in Andalusien abgesandt worden war.

In einem Schreiben aus Cadix vom 4. Sept. heißt es:; „Ganz Andalu sien ist jetzt auf eine solche Weise organisirt, daß jeder Wiberstand von Seiten der Regierung unnktz und selbst gefahrvoll fuͤr dieselbe seyn wurde.“

Nach Prwat-Briefen aus Madrid vom 10. Septem— ber, welche von Franzoͤsischen Blattern mitgetheilt werden, soll eine Division von 3006 Mann mit 4 Geschuͤtzen von Ma—⸗ drid nach Granada abgegangen seyn; sie bestand, heißt es, aus dem 2ten und dem 10ten Linien⸗Regiment, die man aus Navarra zuruͤckberufen hatte; als sie aber in Valdemora ankam, soll sie gerufen haben: „Es lebe die Constitution!“ so daß man fuͤrch⸗ tete, sie moͤchte, wenn man sie weiter marschiren ließe, mit den von Cadix und Malaga ausgeruͤckten Patrioten fraternisiren, die im Anmarsch auf Madrid waren. In denselben Briefen liest man noch Folgendes: „Der General Latre uͤbernimmt das Kommando in dem General-Kapitanat von Granada und Jaen. Vorgestern schickte Herr Mendizabal nach der Bank von St. Fernando und verlangte 0 Mill. Realen. Die Bank verweigerte die Auszahlung, selbst in der Form eines Darlehens. Herr Mendizabal war daruͤber sehr aufgebracht und drohte den Direktoren, er werde ein Bataillon Garde absenden, um das Geld zu holen. Diese Drohung blieb jedoch ohne Er— folg, und er mußte sich an das Ayuntamiento wenden, welches die Summe vorstreckte, da es doch eine bei weitem großere an Tontributionen schuldig war. Wenn dieser Zustand der Dinge fortdauert, wird es der Regierung an Mitieln zur Bestreitung der dringendsten Beduͤrfnisse gebrechen. Aus den insurgtrten Provinzen geht nicht ein Marävedi ein.“

= Ueber die Unruhen in Cordova und Sevilla theilt der Messager, mit der Bemerkung, daß die Revolution im suͤdli⸗ chen Spanien nunmehr vollendet sey, in einem Privatschreiben aus Andalusien nachstihende Details mit: „Seit dem Ein— treffen der Nachrichten aus Barcelona, Saragoffa und Valencta zeigte sich eine gewisse Aufregung unter den Bewohnern Cordo⸗ vas; aber die Nachrichten aus Cadix gaben den Ausschlag. Am 28. August, um 3 Uhr Nachmittags, versammelte sich die Stadt⸗ Miliz auf der Plaza mayor, und der General-Marsch wurde ge⸗ schlagen, um diejenigen Buͤrger noch herbeizurufen, Lie noch nicht erschienen waren. In Abwesenheit des Kommandanten ernannte man den Anführer der Miliz, Don Francisco de Unzaga, Freund und Gefaͤhrten des ungluͤcklichen Torrijos, zu diesem Posten. Die Capitaine und Offtziere gaben, an der Spitze ihrer Com— pagnieen, den Wunsch zu erkennen, sich der Bewegung der Na— tion zu Gunsten der Rechte des Volks anzuschließen. Der Koin— mandant von Resguardo, ein guter Patriot, kam mit seinen Truppen, so wie mehrere Burger und selbst die Geistlichen, um an dieser Manifestatlon des Volkes Theil zu nehmen. Der ver— diente General Ramirez, ein ausgezeichneter Veteran der Frei⸗ heit, begab sich seg let unter die Stadt⸗Miliz, welche schon den Platz militairisch esetzt und Barrikaden errichtet hatte. Die im Jahre 1823 an die Stelle des Constitutions- Steins errichtete Inschrist wurde unter allgemeinem Beifallrufen umgestuͤrzt. Der General-Capttain, Marquis de la Concordia, befand scch zu San Salvador, an der Spitze der patriotischen Provinzial⸗ Truppen von Cadix. Der General Ramirez ging in Begleitung des Ex⸗Deputirten Diaz Morales ihm entgegen, und als diese, so wie auch der Civil⸗Gouverneur, Marquis de la Paniega, an⸗ gekommen waren, versammelten sie sich in dem Konsistorlal⸗ Ge,

in dem Meerbusen von Adramiti,

baude und herie fen den geistlichen Gouverneur, den Intendanten, die beiden Alkalden, mehrere Patrioten , ef gn. Burger, um an dieser Versammlung Theil zu nehmen, Don Juan de Cardenas, Befehlshaber der Provinzial Miliz von Gugdix, be— gab sich, um Blutvergießen zu verhindern, in Begleitung des Sergeant ⸗Major dieses Eorps, Don Luis de Gualda, und des Grafen Torres Cabrera, in jene Versammlung, und erbot sich, den Vermittler bei der Miliz zu machen, deren Forderungen in Folgendem bestanden: 1) Durch eine AÄdresse an die Königin, worin dieselbe aufgefordert werden sollte, die Minister zu entlas⸗ sen und die Cortes einzuberufen, die Bewegung in Cadix zu un— terststzen; 2 durch das Volk und die Miliz eine Junta zu er— Fennen, um unter den jetzigen außerordentlichen Umständen die herd en zu unterstuͤtzen Und die Adresse zu entwerfen; 3) die Wm, soll, bis eine Antwort erfolgt ist, zur Unterstuͤtzung der Regierung unter den Waffen bleiben. Die Behoͤrden hielten es fuͤr rathsam, sich diesen Forderungen zu fuͤgen. Sogleich begab sich das Regiment von Tadix nach dem Platze, um mit der Miliz und dem Volke zu fraternisiren. Die Freude war all— gemein, und die Stadt wurde freiwillig erleuchtet. Man schritt darauf zur Ernennung der Junta, zu deren Prasi— denten der General Ramirez erwaͤhlt wurde. Am 2osten erließ die Junta eine Proclamation, worin sie die Adresse an die Köͤ— nigin bekannt machte. Diese Adresse verlangt die Absetzung der Minister und die sofortige Versammlung der Cortes. Die Pro— clamation endigt mit den Worten; „Ordnung, Einigkeit, Anhänglichkeit an den Thron Isabella z 1. und die offentlichen Freiheiten.“ Eine andere Proclamation der sogenannten dirigirenden Junta empfiehlt die Erhaltung der in diesem Augenblicke so nothwendigen Orbnung und sagt, daß die Ruhestoͤrer in 24 Stunden erschossen werden sollten. Am 31sten hat sie Folgendes bekannt gemacht: „„Der sehr wuͤrdige Pa— triot Don Jose Espinosa de los Monteres, Befehlshaber der Zoll wache, hat in der Versammlung der Junta den Vorschlog gethan, die anderen Hauptstaͤdte Andalusiens zur Ernennung von Repräsentanten aufzufordern, um eine oberste Junta der sudli—⸗ chen Provinzen, welche aus den Deputirten diser sammtlichen Provinzen bestehen soll, zu bilden. Diese Maßregel ist dringend, peremtorisch und muß sogleich ausgefuͤhrt werden. Die Man⸗ cha wird sich uns anschließen. Es wurde gut seyn, wenn die Junta sich nicht in einer Hauptstadt versammelte; Andujar ware viel⸗ leicht der passendste Ort.“ Hierauf erschien folgende Proclamation: „„Freiheit der Presse. Mit dem groͤßten Vergnügen ver— kundigen wir der ganzen Nation und dem civilisirten Europa, daß in unserer Stadt Cordova die Freiheit der Presse eingefuhrt ist. Wir besitzen dieses unverjaͤhrbare Recht nicht durch Zuge⸗ standnisse, sondern wir haben es uns selbst wieder erworben. Wir erklaͤren daher von heute an, daß wir, in dieser Be ziehung, den von den Cortes gegebenen Gesetzen unterworfen sind, die von Rechts wegen in Kraft waren und es auch in Zukunft seyn werden. Wir wuͤnschen, daß die Geschwornen bald ernannt wer— den mogen. Francisco Diaz de Morales.““

Barcelona, 11. Sept. Im hiesigen Vapor vom 7ten liest man: „Es vergeht kein Tag, wo nicht Truppen, theils Ur— banos, theils Miquelets, Barcelona verlassen. Der Enchusiasmus für die Freiheit nimmt täglich zu. Die Parteien treten marktrter hervor, Jeder wahlt sich seine Fahne. Aus dem Buͤrgerkriege wird sich die entscheidende Krisis entwickeln, welche uns entweder auf eine schimpfliche Weise der Priester-Herrschaft unterwirft oder fur immer die Freiheit und den Frieden besestigt. Heute ist noch eine starke Kolonne unter dem Befehle des Patristen Igaquim Ayerve, Kommandanten von Barcelona, abgegangen. Sie be— steht aus zwei Compagnieen des Regiments Saboya, einer Compagnie Karabiniere, dem sechsten Bataillon Urbanos und einer Abtheilung Kavallerie. Alle diese Tapferen sind entschlos⸗ sen, den auf dem Altar des Vaterlandes geleisteten Eid: „Frei⸗ heit oder Tod!“ mit ihrem Blute zu besiegeln. Die Kolonne setzte sich um 3 Uhr in Marsch, begleitet von einer großen Men⸗ schenmenge, welche patriotische Lieder sang.“ .

Die gestrige Nummer desselben Blattes enthält Nach— stehendes: „Man schreibt aus Sevilla, daß der Oberst Don Vincente Mateos, welcher von der Militair⸗Kommission, wegen Desertion nach dem Auslande, zum Tode verurtheilt wurde ruͤckwaͤrts erschossen worden ist. Bei der ersten Salve wurde er nur am Kopse verwundet, und die Truppen, welche ihn geizdtet glaubten, zogen sich zuruͤck; als man ihn jedoch in den Sarg legte, bemerkte man noch Lebenszeichen an ihm, worauf der kom⸗ mandirende Offizier ihm noch eine Salve geben ließ, die seinem Leben ein Ende machte.“ .

. Die Junta von Aragonien ist äͤußerst thaͤtig, um die Pro— vinz von den Parteien zu saubern und die Verbindungen mit den anderen Hauptstaͤdten wieder herzustellen. Sie hat sieben Bataillone Infanterie, jedes zu 800 bis 10900 Mann, und zwei Schwadronen Urbanos, Kavallerse im Felde. Hierunter sind jedoch die in Calatagud, Daroca, Teruel und Huesca gebildeten Bataillone nicht mitbegriffen. Außerdem giebt es noch 3009 Mann der sogenannten Miliz des Gesetzes.

Die Stadt Jaen hat sich fuͤr die Constitution erklart und in Cadix ist eine Regierungs⸗Junta ernannt worden.

Die Catalonischen Zeitungen sind mit Adressen an die Koͤnigin von allen Städten, die sich der Bewegung angeschlossen haben, angefuͤllt. Sie verlangen alle einstimmig: Die Abfeßung der Beamten, welche der neuen Ordnung der Dinge nicht guͤn⸗ stig sind; die Aufhebung aller religioͤfen Orden; die sofo't ge Zusammenberufung der Cortes; die Vorlegung eines neuen Wahl⸗ gesetzes und die Entfernung der Min iter. 2

T l reet.

Konstantinopel, 4. Sept 96 ? Sept. (Journal d'

Graf Stroganoff ist nach Griechensand abgereist.

ist der Lord Durham auf der

dessg.) Der Fregatte Varhamm . ö. . 4ar Mer ange kommen. Man sagt, daß die Fregatte, beim Linlausen in ein hiesigen Hafen, die Tuͤrkische Flagge aufzog und mit 21 Schussen salutirte; da jedoch nach drei Stunden die Land⸗Batterseen die Salut Echůsse noch nicht erwiedert hatten, strich sie die Tuͤrkische Flagge, spannte die Segel auf, feuerte zwei Kanonen ab und bereitete sich zum Absegeln. Als die Tuürkischen Batterieen dies sahen, erwiederten sie den Gruß und die Fregatte warf die An⸗ ker aus. Die Pest nimmt ab. Ein Sturm welcher sich am 3ten Abends erhob, hat, sowohl an Gebaͤu den als im Hafen, beträchtlichen Schaden gethan. Dem Englischen Konsfular-Agenten zu Aivali ist es ge ung en, an der Kuͤste von Klein- Aftn zwei Seeräuber⸗Fahrzeuge festzunehmen. e , , f hierher gesandt worden. Als der Capitain Belasser, von der esterreichischen Goelette „la Straniera“, in den ei sten Tagen des Juli an der Kuͤste von Morea bei Cervi, nicht weit von Cerigo, vor Anker lag, erfuhr er von dem Hafen Capitain, daß ein Piraten⸗Schiff, welches zwischen der Insel Cryta und dem