1835 / 274 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Depeschen des Franzoͤsischen Botschafters in d. überbrachte. ö. neue Ministerium war noch immer unvoll⸗ staͤndig, aber in Abwesenheit des Generals Alava' war Herr Men⸗ dijabal zum interimistischen Praͤsidenten des Minister⸗Raths er⸗ nannt worden. Ich habe Grund, zu glauben, daß die Depeschen des Grafen Rapneval große Gereiztheit und Verstimmtheit ath⸗ men, weil er die Aussicht vor sich hat, den bedeutenden Einfluß zu verlieren, welchen er bisher auf den Hof Ihrer katholischen Majestaͤt ausuͤbte. Es ist zu fuͤrchten, daß ote fehlgeschlagene Erwartung des Repräsentanten der einen voön den Parteien der Qugdrupel Allianz von einem anderen zu sehr wie ein personli⸗ Her Triumph behandelt worden, und, augenommen, es waͤre das Nesultat bedachter Ueberlegung, daß der Beweggrund dazu ge— wesen ist, einen mächtigen und vielleicht gefährlichen Nebenbuͤh⸗ ler in Mißmuth zu verdraͤngen. Solltè bies der Fall gewesen seyn, so mochte er sich wahrscheinlich geirrt haben. Welche Wuͤn— che auch Herr von Rayneval suͤr sich persoͤnlich in Bezug auf sein laͤngeres Verweilen am Spanischen Hofe hegen mag, so hat derselbe sie doch fuͤr den Augenblick nicht nur aufgeopfert, son⸗ dern seine Verzichtleistung auf die Anspruͤche an eine hohere Stel— lung im diplomatischen Dienst cder wenigstens an eine solche, die ihm und seiner Familie angenehmer gewesen waͤre, hat sich auch höchsten Orts des wäarmsten Beifalls erfreut. Se. Excellenz chreibt unter dem Einfluß einer heftigen Erbitterung. Er fuͤhlt sehr wohl, daß das System der richtigen Mitte, welches er so lange zu unterstützen gesucht, naͤchstens einer liberaleren Politi? wird weichen müssen, daß das neue Ministerium alle Aus sicht at, sich zu befestigen, und daß die Propinzial-⸗Junten bereit sind, ich der ÄÜutorttät desselben aufs schneilste und unbedingteste zu Unterwerfen. Großes Lob wird in den Depeschen des Boischaf⸗ ters dem Benehmen der Fremden⸗Legion und ihrer Festigkeit und Maͤßigung in dem von ihr der Autorität der Junta von Barce⸗ lena entgegengesetzten Widerstande gespendet. Die eine Haͤlfte der Legion steht in Lerioa, die andere in Seu d'Urgel. In eini—⸗ gen kleinen Scharmuͤtzeln mit den Karlisten soll sie im Ganzen an 20 Mann verloren haben, und auf diesen Betrag moͤchte sich auch wohl der pielbeschriebene Verlust der Englaͤnder bei Bilbao zuletzt reduziren.“

Madrid vom l1tzten

Nieder lande.

= = msterd am, 25. Sept. Die Spanischen Staats⸗-Pa— Vierg, welche schon lange Zeit der Haupt-Gegenstand des hiesigen Effekten handels sind, waren es auch wieder wahrend der heute en digenden Woche und erlitten neuerdings einige erhebliche Schwan— 2, . in den Preisen. Die Ankunft des neuen Finanz-inisers in Madrid und die Hoffnungen, welche sich auf seine Talente grän— den, brachten alle Spanische Schuld-⸗Dokümente in den ersten Wo⸗ chentagen zum Steigen; man erzielt aber darauf auf außerordent⸗ lichem Wege Nachricht, daß die Course in Paris wiczec merklich ir. wären, weshalb viele Inhaber die gekauften Partieen wie— er losschlugen, was denn seinerseits ein erhebliches Weichen der Preise zur Folge hatte; ein nochmaliges Weichen sand gestern statt, indem man neuerdings niedrigere Nötirungen mit Vertaufs⸗Auf⸗ tragen aus Antwerpen erhielt. 3proc. Perpetuelle standen vorigen Sonnabend 3074, gingen Montag auf 323 und erccich fen am folgenden Tale ä! pEt.R, dann Fielen die Preise auf 3253 und endlich gestern auf 317 pCt. Cortes Obligationen machten einen ganz aͤhnl'chen Gang vön 273 pCt. bis zur Höhe von z2 pCt. mit einem Räckfall auf 30 pCt.; Coupons von 17 auf 20 und 191 pCt., aufgeschobene Schuld von 125, 9 auf 14 und 13 pCt. In den Dbliggtionen von Ardolm und Comp. wurden evenfalls erhebliche Geschaͤfte gemacht von 3624 bis 2 pCt.; gestern waren dieselben 1e nach der Größe der Stecke zu A0½ ü Als pCt. zu haben. Die Preise der Hollaͤndischen Stagts-Paplere haben sich gleichfalls et⸗ was höher gestellt; der meiste Umsatz fand in 2 und zproc. wirk⸗ lichen Schuld und Syndikat-Obligationen statt; eine fehr eifrige Nachfrage hatten die AÄctien der Handels⸗Gesellschaft, wodurch de— ren Cours sich alle Tage etwas hoher stellte und so von 10974 bis 11224 pCt. hinaufging; man glaubt, daß günstige Handeis-Kon⸗ junktären Hoffnung auf erhebliche Dividenden geben. Fur 6proe. Russische Inscriptiönen waren fortwährend Kaͤuser, so daß sie bis S913 pCt, gestiegen sind; dagegen sind die Certifikate, welche die hiesigen Banquiers Hope und Comp auf proc. Inseription in Sil—⸗ Per⸗Rubel te Seri ausgegeben haben, wegen der angeordneten Verloosung um 1 pCt. gefallen, weil die Abldsung für die Inhaber einen erheblichen Schaden gegen den Böͤrsen-Pccis mit sich bringt. Mit Wiener Metalllgues war es still und e 3 3 pCt. flaner, ais vorige Woche; in Preuftischen Praͤmien-Scheinen ist Einiges zu 10414 Fl. und in neuen Polnischen Loosen zu 149 gemacht wor⸗ den. Von Suͤd⸗Amerikanischen Fonds waren Brasillanische und Columbische preishaltend, erstere standen gestern sss, und letz tere 325 pCt. Geld ist begehrt zu 27 und 3 pCt. Zinsen. Am Getraide⸗Markt blieb es in anhaliend flauer Stimmung.

Dänemark.

Kopenhagen, 26. Sept. Dem (gestern erwaͤhnten) Bud— get zufolge, betragen die Staats-Einnahmen: Aus dem eigentli—⸗ 57 Königreiche D.anemark 6 Mill. (Grundzins 2 Mill., Zoll 3

ill.); in den Herzogthuͤmern Schleswig und Holstein 4 Mill. (Grundzins 1 Mill., Zoll 1 Mill., Königliche Guter und For— sten 1 Müll); Lauenburg , Mill.; Zinsen der Aktiva ½ Mill.; Abtrag der selben 1 Mill.; Sundzoll Mill. Im Ganzen be— trägt die Einnahme 13,9 15,000 Reichsbankthaler. Die Ausgaben

betragen: Fuͤr den Königlichen Haushalt 1“. Mill., fuͤr die Civil- Verwaltung 1 Milllon, suͤr das auswärtige Departement Million, fuͤr den See-Etat 1 Million, fuͤr den Land-Etat Kriegs Departement) 2 Millionen, juͤr Verzinsung der Stagts-Schuld 3 Millionen, fuͤr Amortistrung derselben 1 Mill., Zuschlüsse zum Pensionswesen „2 Million u. f. w.; im Ganzen 14,266, 06 Reichsbankthaler, welches also einen jahrlichen Unterschied von 300, 906 Rbthlr. ergiebt. Hierbei ist, sagen oͤffentliche Blätter, zu bemerken: 1) Daß hier bloß die Einnahmen und Ausgaben des eigentlichen Finanz- Departements angefuͤhrt sind, waͤhrend außer derselben noch vlele einzelne Fonds bestehen, die durch Besteuerung der Staatsbuͤrger herbeigeschafft werden. Ferner sind die Intraden des Postwesens, die sehr bedeutend sind, nicht in der Einnahme berechnet, wogegen diese zum Pensionswesen verwandt, und also zu der angefuͤhrten Mill. Zuschuß noch hinzukommen. 2) Daß eine große Anzahl von Staats-Beamten nicht aus der Staals-Kasse, sondern durch unmitrelbare Sportu— lirung der Steuerpflichtigen besoldet wird. 3) Daß zur einhei— mischen Staatsschuld noch große Summen hinzuzurechnen, die im Grunde nur in der Staatskasse deponirt sind, als die Gelder Unmuͤndiger, der Sparkassen und vieler oͤffentlicher Stiftungen und Corporationen. 4) Daß hier nicht die Kommundl-Abgaben mit gerechnet sind, weiche doch in dem lutzten Decennium fast verdoppelt worden, indem einerseits die Ausgaben, namentlich fuͤr das Armenwesen, bedeutend gestiegen, theils aber auch bei dem bestehenden Finanz-Systeme viele Lasten, die ihrer Natur nach der Staatskasse anheimfallen, auch fruͤher von derselben entrichtet wurden, von den Kommunen getragen werden.

Deutschland. d, Dresden, zb. Sept. Auf der Reise von Kalisch

welches von den uͤbrigen Theilen der Stadt durch die rings um

alten Theilen der Stadt,

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Hoheiten der Prinz Friedrich der Niederlande nebst Gemahlin hier ein und reisten am 27sten d. fruͤh wieder ab, so wie am selbigen Tage Nachmittags Se. Kaiserliche Hoheit der Großfuͤrst Michael, Höͤchstwelcher am 26sten Vormittaͤgs hier eingetroffen war, ebenfalls die Reise nach Teplitz fortsetzten.

Ihre Koͤniglichen Hoheiten der Prinz Mitregent nebst Ge— mahlin sind gestern von Teplitz in Pillnitz wieder eingetroffen.

Dresden, 29. Sept. (Leipziger Ztg.) Heute verlaͤßt uns der junge Herzog von Leuchtenberg wieder, der einige Tage auf seiner Ruͤcktehr von Schweden hier verweilte, oͤfters beim Hoflager in Pillnitz dort eingeladen erschien und in Beg leitung eines hiesigen Kunstkenners, der seine Bekanntschaft schon in

Muͤnchen gemacht hatte, und seines Adjutanten die vorzuͤglichsten hiesigen Museen mit Aufmerksamkeit betrachtet hat.

Seit gestern findet hier im n , Säͤchs. Hauptzeughause eine merkwürdige Versteigerung von Gegenstaͤnden statt, welche sowohl hier als bei dem Zeughause der Festung Koͤnigstein und dem Kommissariat⸗Fuhrwesen in Abgang gebracht worden waren. Freunde alter Waffen zur Verzierung von Vorhallen, Kuͤnstler, die es mit Kriegs cenen zu thun haben, Decoraͤteurs finden hier manches ihnen Willkommene, unter andern 599 altdeuische Mus⸗ quetons, 16 Schlachtschwerdter, 160 Sturmsensen (denn es gab schon vor 200 Jahren Krakusen), an 800 Säbel und Saͤbelklin— gen, 2 vollstän dige Harnische u. s. w. An Flintensteinen ist ein Vorrath von 329, 8069 vorhanren, die durch die jetzt eingefuͤhrte Percussionsmanier unnsthig wurden. Da die Auction bis zum 9. Oktober dauert, so fehlt es nicht an aus waͤrtigen Bestellungen.

Unser Astronom, der Ober-Inspector Lohrmann, hat durch eine gedruckte Karte, unter dem 2. Septbr. vom mathematischen Salon aus unterschrieben, eine Einladung zur Beobachtung des Halleyschen Kometen vom 25. Septbr. an bekannt gemacht. Er wird, heißt es in dieser Einladung, in den Tagen von Eintritt des Vollmondes sich am guͤnstigsten zeigen. Das Mondlicht ver— hindert allerdings den Schweif und den Kometennebel in seiner vollen Ausdehnung zu sehen. Zur Beobachtung sind am hiesigen mathematischen Salon, wo ein schoͤnes Frauenhofersches Fernrohr alle Bequemlichkeit darbietet, die noͤthigen Vorrichtungen getrof⸗ fen und es fehlt nicht an schaulustigen Mannern und Frauen.

In der letzten Nacht konnte der wunderbar ab- und zunehmende Gast am Himmel sogar mit bloßen Augen gesehen werden.

Kassel, 27. Sept. Heute Morgen waren die vereinigten

Truppen des Kurhessischen Armee Corps, mit Einschluß der Ka— vallerie und Artillerie, nach Beendigang der diesjährigen Herbst⸗ Mansver und nach Aufhebung des Feidlagers bei Wilhelmsthal, zu einer großen Revue auf dem Forste versammelt. In einer sast unuͤbersehbaren Linie aufgestellt, warteten sie der Ankunft Sr. Hoheit des Kurprinzen-Mitregenten, Hoͤchstwelcher zwischen 19 und 11 Uhr mitten unter den heftigsten Gässen eines Gewit— ter-Regens in einem offenen Wagen von Wilhelmshoͤhe anlangte, sogleich zu Pferde stieg, und von desto lebhafterem Jubelruse empfangen, die Reihen hinabritt. Die Truppen defilirten hier⸗ auf zuerst im ordinairen Schritte, hierauf das Fußvolk im Ge— schwindschritt, die Reiterei im Trabe, vor dem Prinzen voruͤber, wobei Se. Hoheit uͤber die, trotz des unguͤnstigen Wetters und des durchnaͤßten Terrains, behauptete Haltung derselben die hoͤchste Zufriedenheit zu empfinden schienen. Diesen Abend sind die Offiziere saͤmmtlicher Corps zu einem von Sr. Excellenz dem Kriegs⸗Minister von Heßberg veranstalteten glaͤnzenden Ball ge⸗ laden; morgen fruͤh werden die auswaͤrts garntsonirenden Regi⸗ . zur Ruͤckkehr in ihre verschiedenen Standquartiere auf—

rechen.

Se. Hoheit der Kurprinz-Regent, der die eben hier stattfin⸗ dende Kunst-Ausstellung mit seinem Besuche beehrte, hat auf , . sehr bedeutende Ankäufe von werthvollen Gemaͤlden gemacht. —ᷣ

Die Sammlung von Gesetzen ꝛc. fuͤr Kurhessen enthaͤlt fol⸗ gendes Ausschreiben der Ministerien der Finanzen und des In— nein vom 24. September 1835, die Zoll- und Handels Verhaält⸗ nisse mit dem Großherzogthume Baden betreffend: „Nach wei— tecer Vereinbarung zwischen den Staaten des großen Deutschen Zoll-Vereins und dem Großherzogthume Baden tritt vom I sten kuͤnstigen Monats an eine Ausdehnung der durch das Ausschrei— ben vom 28sten vorigen Monats bekannt gemachten Verabredung dahin ein, daß auch nachfolgende vom steuerlich freien Verkehr bisher unvedingt ausgeschlossene Waaren-Artikel, als: Baumwol—⸗ len-⸗ Garn, Weine von 1833 und den Vorjahren, kurze Waaren, ganz seidene und halb seidene Waaren, gegen obrigkeintich beglau— bigte Ursprungs-Zeugnisse von Fabrikanten oder Produzenten der beiderseitigen Gebiete, unter den in dem erwahnten Aus schreiben enthaltenen naheren Bestimmungen, steuerfrei eingehen konnen. Die Behoͤrden und sonst Alle, die es angeht, haben sich hier⸗ nach zu achten. Kassel, am 24. September 1835.“

Darmstadt, 28. Sept. Se. Hoheit der Erbgroßherzog hat Kalisch am 26sten d. verlassen und wird, bevor er 2359) zuruͤckkehrt, nach Berchtesgaden, wo sich dermalen der oͤnigl. Bayerische Hof befindet, und dann Muͤnchen besuchen, um in dle— ser Residenz der Feier der silbernen Hochzeit der Königlichen Schwiegeraͤltern beizuwohnen. Bei Hoͤchstihrer Abreife von Kalisch wurden St. Hoheit von Sr. Majestät dem Kaiser von Nußland mit den Insignien des St. Andreas-Ordens bekleidet. Frantfurt 4. M., 23. Sept. (Sch waͤb. Mer k.) Die seit den letzten Jahren beabsichtigte Erweiterung unserer Stadt auf der Westseite durch Anlegung eines neuen Stadtquartiers,

dieselben laufenden Spaziergänge außerhalb der Thore getrennt, eine Art Vorstadt bilden wird, geht nunmehr seiner Verwirklichung entgegen. Zwar erblickt man in jener Gegend erst einige noch im Bau begriffene Haͤuser, unter denen das von dem Großher⸗ zoglich Badischen Bundestags-⸗Gesandten Freiherrn von Blitters— dorf, womit die Gründung dieses neuen Stadtquartiers begon— nen hat, bemerklich ist; aber bald wird eine ganze Reihe von Gebaͤuden sich zwischen dem Gallus- und Bockenheimer Thor um die Stadt ziehen, und auf der Straße nach Mainz fortlau⸗ fen. Der Baulustigen sind so vier, daß der Grund und Boden in jener Gegend (staͤdtisches Eigenthum) zu außergewoͤhnlichen Preisen sich steigert. Auch die der Siadt angehoͤrigen, rechts auf der nach Mainz fuͤhrenden Heerstraße sich ausdeh⸗ nenden Zimmerplaäͤtze sind nun zum Verkauf an den Meistbieten⸗ den bestimmt worden, und schon vor dem Termine S4, O00 Fl. dasuͤr geboten worden. Daneben ist die Baulust in allen oberen Theilen im Innern der Stadt uͤber alle Maßen groß, fo daß man fast keine Straße dort sieht, wo man nicht theils mit Auf⸗ fuͤhrung neuer Haͤuser, theils mit Niederreißung oder Ausbesse⸗ rung alter beschaftigt ist. Kaum sind Handwerker, Arbeiter und Bau, Materialten genug fuͤr den Bedarf zu bekommen. Gbgleich die Bauten selbst ünter solchen Umstaͤnden theurer zu stehen kom⸗ men, als fruher, wetteifert man dennoch in Bau Unternehmun⸗ gen. Dagegen bemerkt man, daß der Werth der Haͤuser in den

lings⸗Messe zu r wurden schon 1600 Fl. fuͤr eine Jahres-Miethe verlangt. Muͤnchen, 27. Sept. Das heute erschienene Programn bei dem diesjährigen Oktober-⸗Feste stattfindenden Festlicht enthält folgenden Eingang: „Am 17. Oktober 1819 fand der Theresien⸗Wiese bei Gelegenheit der Vermaͤhlung Sr. jestät des Koͤnigs ein Pferderennen statt, welches die Verg sun

ber Feste bildet, welche im gegenwartigen Jahre ihre fuͤnf zwanzigjaͤhrige Dauer feiern. Diese Feier findet in den

4. Ottober ist Gottesdienst in der Metropolitan-Kirche; di sammte Landwehr ruckt nach der Theresien⸗Wiese; die Kap) derselben hat die Ehre, Se. Maj. den Koͤnig zu eskon, Nach der Ankunft Sr. Maj. beginnt der Festzug der Land Sodann folgt die feierliche Vertheilung der landwirthschafl Preise. Es werden eigens fuͤr dieses Jubelfest geschlagene gon silberne und bronzene Medaillen vertheilt; jeder Preis trag halt zu seinem Preise die große silberne Medaille. Nun

Festes veranstalteten Festlichkeiten andeutende Zug: Preis S] des Schießens und Wettrennens, die Preise des Wage Radlaufens und Wettringens, die bespannten Wagen, die Mn gesellen, die Ringer, das Renngericht, die Rennpferde; Tron eroͤffnen und schließen den Zug, der an dem K. Pavillon m zieht, worauf das Pferderennen und die Vertheilung der preise folgt. Am Montag den 5. Oktober Vormittags sinn Zug der Feuergewehr- und Armbrustschuͤtzen vom Nathhan nach der Theresien⸗Wiese statt. Abtheilungen des Lan dive ger⸗Bataillons begleiten den Zug, bei welchem auch die Pre Ehrenfahnen mitgetragen werden. Trompeter, Pritschenm Zieler und Fahnenträger sind nach dem bei dem großen schießen im Jahr 1577 vorgekommenen Kostuͤme gekleidet. Festschießen beginnt an diesem Tage, und dauert die ganze fort. Am naͤmlichen Tage wird auch der Viehmarkt al Theresien⸗Wiese gehalten. Am Dienstag den 6. Oktober Vormittags 10 Uhr, im Lokale des landwirthschaftlichen Vn ein auf das 25jäͤhrige Bestehen dieses Vereins und des Oh Festes bezüͤglicher Vortrag durch den Vorstand des General Staatsrath von Hazzi, gehalten. Nachmittags findet 4 Theresien⸗Wiese das Wagenrennen statt, wobei die 1090 6h lange Bahn viermal (8. h. zweimal hin und zweimal zun! Galopp gefahren wird. Der erste Preis ist ein silber ner Sn der zweite ein komplettes Englisches Reitzeug, der dri Hirschfaͤnger mit Kuppel, der vierte stlberne Sporen und Reitgerte. Mittwoch, um 3 Uhr Nachmittag, bewegt sih Zug des Wett-Ringkampfes und des Radlaufs nach der h sien⸗Wiese; voran geht Blechmusik, dann folgen Knaben mi Preisefahnen, 25 Baͤckergesellen in alterthuͤmlicher Tracht mi ner Fahne; das von dem Wagner Gutmann von Lechhal

seister zu Augsburg, am 20. Juli 1769 in einem Tage gefen und nach Muͤnchen getriebene Rad; 16 Wagnergesellen in licher Tracht. Auf der Theresien⸗Wiese bilden die Baͤcker g Halbkreis; auf einen Trompetenstoß fordert der erste durch

und so fort, bis Alle gekämpft haben. im Wegdräangen vom Platze, auf eine Entfernung von 2 6 Schritten, wobei die Haͤnde nicht von der Schulter korncen fen; der zweite in geschickter und gewandter Vertheidigung det! pers, daun Hinwegtragen von der Stelle oder Niederwu Dann folgt das Radlaufen der Wagnergesellen. Die Bahl traͤgt den vierten Theil einer Deutschen Meile, und muß ih durchlaufen werden. Diesem schließt sich das Wettlaufen Baͤcker⸗Gesellen auf einem dreimal zu durchlaufenden Raum 125 Schritten an. Bei dem Radlaufen werden 19 Preise un bis zu einem Bayerischen Thaler vertherlt; der Sieger in laufen erhaͤlt 3 Bayerische Thaler, jeder andere eine fllberne muͤnze. Am Donnerstag den 8. Oktober wird, wenn ch Witterung gestattet, auf der Theresien⸗-Wiese ein Feuerwerk. brannt; am naͤmlichen Abend ist Maskenball im Theagtn, Freitag den 9. Oktober Nachmittags findet die Luflfahr Professors Reichardt statt. Sonntag, 11. Oktober, am Schlußtage, werden Nachmittags auf der Theresien⸗Wist Preise der Festschießen vertheilt; hierauf folgt das zweite Ph rennen und die Vertheilung der Renn-Pretse. Vom 3. bös Oktober finden, mit Ausnahme des Tages, an welchem Ball gehalten wird, taͤglich Vorstellungen im Theater stalt. rend der acht Festtage bleiben die landwirthschaftlichen Masch⸗ Modelle und Produkte auf der Theresienwiese ausgestellt. 4. Oktober wird die Industrie⸗Ausstellung im Odeon, so wie fuͤr die Produkte der Industrie- Schulen und der Zeichnh Schulen eroͤffnet; am 4. und 5. Oktober ist fuͤr Frenlze den tritt zu dem von der KunstAusstellung bereits Aufgestellten stattet, auch sind diese Zeit hindurch die natur⸗historischin Sqh lungen des Staates 24. dem Besuche offen. Stuttgart, 27. Sept. Gestern ist hier Ihre Kön Hoheit die Prinzessin Auguste von Sachsen eingetroffen.

Oesterreich.

Teplitz, 26. Sept. Am 24sten d. M. besuchten Ihrt jestaͤten der Kaiser und die Kaiserin von Oesterreich den Bann des Monumentes, welches an der Straße nach Kulm den g lenen Russischen Kriegern errichtet wird. Gestern empf Se. Majestaͤt die Besuüche Ihrer Koͤniglichen Hoheiten dern zen Karl und Albrecht v Preußen, des Prinzen Wllhesm ders Sr. Majestaͤt des Koͤnigs von Preußen) und seinem Sh der Prinzen Adalbert und Waldemar, so wie des Herzogs Cumberland. Abends beehrten der Kaifer und die Kaiserln Fuͤrstliche Schloß Theater, wo die Staͤndische Opern Gesellt aus Prag den „Barbier von Sevilla“ aufführte.

Se. Majestat der Kaiser von Rußland, Hoͤch stwelchet bereits erwahnt) heute Vormittags hier eintrafeh, hatten die Nacht in Auscha zugebracht und kamen in Begleätung bes Oh Burggrafen von Chotek, der dem Kaiser von Sr. Majestůs an die Landesgraͤnze entgegengesandt worden war. Se. d der Kaiser Ferdinand waren dem hohen Gaste entgegengestj und bewillkommneten Hoͤchstdenselben inmitten einer zahlreich sammelten Volksmenge. Beide hohe Monarchen begaben ; e im Wagen Sr. Majestaͤt des Kaisers Ferdinand nach? Fuͤrstlichen Schlosse, wo Se. Majestaͤt der Kaiser Nlkolalls . der Kaiserin von Oesterreich empfangen wurden und hierehf

den fuͤr Se. Majestaͤt berelt gehaltenen Appartements die Belt

der Kaiserlichen Erzherzoge entgegennahmen Und erwiedertei.

nach Teplitz trafen am zösten d. M. Abends Ihre Königlichen

Bei der Gewißhert des nahe bevorstehenden Anschlusses Frank⸗

zumal in den engen Straßen, faͤllt.

Schon am 13ten d. traf der fruͤhere Spanische Gesanh Hofe zu St. Petersburg, Ritter Paez de la Cadena, am!

furts an den großen Zoll,Verein sind vob (fremden Kauf bereits viele Buden und Gewoͤlbe fur die na bstkommende s hn Preisen in Miethe genommen worden. der 257 Bayerische Oher⸗

zu sich jahrlich im Oktober folzenden Festen war, und so Anfang der national gewordenen Central-Landwirthschafts,9

gen vom 4. bis 11. Oktober d. J. auf nachstehende Weise sin Folgendes ist ein Auszug aus diesem Programm: Sonn

folgt der die von der Gemeinde Muͤnchen wahrend des Otg

enn

Loos bestimmte Kaäͤmpfer einen andern auf, und kaͤmpft mit H bawan. 3) Ueberdies bis einer besiegt ist. Der Sieger fordert nun einen Dritten Der erste Kampf beß

Russische Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Gra Nesseltode, am 15ten der Russische Staats Rath 6

i Stallmeister von Keßling; am

en der Ru sische Gꝛsandte am Kaiserl. Oesterreichischen X ill von Tatitscheff und der Hesterreichische Staats, Rath, Graf l Mat ch; am 17ten die Russischen Gefandten an den Höfen M Jrankreich und Sachsen, Graf von Pahlen und Freiherr Schröder ein, und am 18ten der Gesandte, Freiherr von nder⸗Kriegelstein. Fuͤrst von Metternich und der Minister

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sillon sind seitdem ebenfalls eingetroffen.

Spanien. Madrid, 18. Sept. Der jetzige Minister⸗Praͤsident, Ge⸗ fl Alava, diente zuerst in der Marine, ward in dem Kriege F der Halbinsel Adjutant des Herzogs von Wellington und de später von Ferdinand VII. zum Botschafter in den Nie— handen ernannt. Im Jahre 1826 erklärte er sich offen fuͤr die stitutionnelle Sache, die damals siegte. Als Deputirter in den hren 1822 und 1823 zu den General⸗Cortes abge sandt, stimmte mit seinen Kollegen in Sevilla fuͤr die temporaire Entthro— ug König Ferdinand's, weshalb er im Jahre 1824, unter Eon— aten all seines Eigenthums, zum Tode verurtheilt wurde. chen der König, die Cortes und die Regierung gensthigt rden waren, Sevilla zu verlassen, wurde General Alava mit

Unterhandlungen beauftragt, die der bekannten, vom General

lilleminot in Gegenwart des Herzogs von Angouleme diktir—

Note als Grundlagen dienten und den Text zu dem am 23. Sept. Az von Ferdinand Vll. erlassenen Manifest lieferten. Zu Madrid,

wie zu Sevilla und Cadix, stimmte General Alava in den hrtes stets mit den Ansichten der Deputirten Arguelles, Ga— no, des Admiral Gaetano Valdes, der nachher als Gouver— ur von Cadix starb, und ihrer politischen Freunde uͤberein. eneral Alava suchte anfangs eine Zuflucht in England und be—

b sich dann nach Frankreich, wo er vom Jahre 1825 an sich

lelt, bis die verwittwete Koͤnigin von Spanien ihn in die nestie cinschloß, die sie dem General Mina und Herrn Ga— mo bewilligte. Zum Mitgliede der Proceres-Kammer ernannt, hurstuͤtzte General Alava sehr eifrig die Ausstoßung des Herrn zurze. Er wurde nachmals als Botschafter nach London ge— ic und schlug das ihm von dem Grafen von Toreno angebo— ne Portefeuille der Marine aus.

In der hiesigen Hof-Zeitung liest man Folgendes: „Die haßregeln, welche die Regierung in Betreff der geistlichen Koͤr— rschaften anzunehmen beabsichtigt, beruͤhren alle Interessen, die ü einer schwierigen Frage betheiligt sind. Wir wollen die reli— ßbsen Interessen naher betrachten: 1) In Spanien ist der Kir— endienst so schlecht vertheilt, daß viele Geistliche in zwei und pst in drei verschiedenen Orten Messe lesen muͤssen, während in den Staͤdten, deren Bevoͤlkerung nicht 13,000 Seelen bersteigt, eine Kathedrale, 17 Parochieen, 13 Mönchs- und 8 onnen⸗Kloͤster, 8s Hospitäler u. s. w. giebt. Die Saͤkularisi— ng der Geistlichkeit ist das einzige Mittel gegen diese Miß— käuche, weil dadurch eine den Beduͤrfnissen der Bevoͤlkerung ägemesset. e Vertheilung der Geistlichen bewirkt wird. 2) Die rfahrung hat gezeigt, daß die Besitzungen, namentlich die Land—

Besitzungen, in Verfall gerathen, sobald fie von der Regierung

herwaltet werden. Ueberlaͤßt man sie dagegen den Privatleuten, bo werden Verbesserungen eingefuhrt, und der Staat hat Nutzen empfangen die Ordensgeistlichen den ihnen hebuͤhrenden Theil, ohne vom Staate abzuhaͤngen. Sie haben nicht ju fuͤrchten, daß durch eine Verlegenheit des Schatzes eine Un— irbrechung in der Auszahlung ihres Gehaltes eintrete. 4) Die sagehörigen der Ordensgeistlichen werden bei dem Tode der letz ken durch die Summe entschaädigt, welche sie, bei der Aufnahme n den Orden, vorgeschossen haben. Die Ordensgeistlichen wer— den naturlich bei ihrem Tode ihr Vermoͤgen an ihre ärmsten Berbandten vertheilen. Nimmt man an, daß es gegenwartig M0 Ordensgeistliche in Spanien giebt, so werden in funfzehn his zwanzig Jahren 60,000 Familien, die jetzt nur von ihrer Arbeit leben, Eigenthum besitzen. 5) Auch fuͤr die Sache der Könizin Isabella wird diese Combination von Nutzen seyn. Die saͤkularisirten und in der Gesellschaft auf eine anständige Weise versorgten Geistlichen werden die Hand segnen, welche ihnen diese Wohlthaten verliehen hat.“

Die Revista vom 1I7ten enthält einen sehr ausfuͤhrlichen lttikl von Alcala Galiano unter der Ueberschrift: „Was muß Bechehen? Was haben wir zu hoffen?“ Der Verfasser sagt hin, daß er mit Vergnuͤgen wahrgenommen habe, daß die in mahreren Staͤdten proklamirte Constitution von 1812 dem Lande nicht aufgedrungen werden solle. Er verlangt, daß sie nur noch n der Geschichte figurire, daß es unmoͤglich sey, aller Welt zu gingen und daß man daher den Weg der Konzessionen einschla gen muͤsse. Zuletzt giebt er noch seinen Unwillen zu erkennen lber die Wendung, welche die Ereignisse genommen haben.

Türkei.

Konstantinopel, 3. Sept. (Bresl. Ztg.) Es heißt hZier, daß die Unterhandlungen mit dem Fuͤrsten Milosch in Be— ltef Sersiens bereits beendigt seyen, und daß ein Hatti— Sche⸗ if des Sultans bereit liege, um ihm denselben einzuhaͤndigen. Vorgestern fand das große Diner zu Ehren dieses Fuͤrsten beim Desterreichischen Internuntius von Stuͤrmer statt. Die beson— ders ausgezeichnete Aufnahme des Fuͤrsten Milosch, welcher doch, ss zu sagen, dem Sultan Serbien entriß oder eine gänzliche Emancipation dieses Landes vorbereitete, bildet einen auffallenden Fontrast mit dem Benehmen, welches die Pforte mit dem von der Pforte ganz abhaͤngigen Abgesandten Griechenlands, Herrn bon Zographos, beobachtet. Unfehlbar scheint der Sultan damit seinen Schmerz uͤber die Losreißung Griechenlands zeigen zu holen, und um so mehr, da seit einem Jahre eine Masse Grie— hen, seine ehemaligen Unterthanen, Schutz bei ihm suüchen. icht nur Kaufleute aus allen Gegenden des neuen Koͤnig— reichs, sondern sogar Bischoͤfe, von denen einer eine Audienz üund eine Pension vom Sultan erhielt, und welche fruͤ— r das Feuer der Insurrecetisn schuͤrten, haben den Schutz der sorte angefleht, und den Boden ihres Vaterlandes verlassen. s mag dies wohl von dem Charakter der Griechen selbst her— ihren. Sie machen die nachtheiligsten Schilderungen uͤber das änigreich, welches nach ihnen mit dem Katholizismus bedroht, n, Turkisches Joch mit einem Bayperischen gewechselt hätte!! it solchen Tiraden suchen sie ihre Auswanderung zu bemaͤn⸗ kin, allein das Wahre von der Sache ist, daß die Griechen in

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delsstandes in der Tuͤrkei festzuhalten, und um die reichen In⸗ sulaner immer mehr an sich zu ziehen. Unbegreiflich bleibt aber das Benehmen des Griechischen Ministeriums, und es zeigt sich auch hier, daß Griechenland fuͤr dasselbe noch immer lerra än? soßnita ist. Wie leicht ware es, diesen Plan zu durchkreuzen! Wie dem auch sey, der Sultan weigert sich bis heute standhaft, den Griechischen Gesandten Zographos zu empfangen, und auf die Notification der Thronbesteigung Konig Otto' ist bis heute noch keine foͤrmliche Antwort erfolgt. Eben so geht es mit den , die Unterthans-⸗Verhaͤltnisse Griechenlands etreffend.

Griechenland.

Athen, 5. Septbr. (Muͤnch. polit. Ztg.) Nun end— lich gewinnt die Hauptstadt wieder ein belebtes und freundliches Ansehen; die große Hitze hat einer sehr gemaͤßigten Temperatur Platz gemacht, und wir hatten gestern nach mehrmonatlicher Pause den ersten Regen. Die Erkrankungen haben sich seit einigen Ta— gen merklich gemindert, und die Fluͤchtlinge kehren allmaͤlig wieder zuruͤck. Die Journale beschaͤftigen sich viel mit der Un⸗ tersuchung uͤber den Charakter der nun besiegten Epidemie; dar— uͤber aber sind alle einig, daß die große Unreinlichkeit und die uͤblen Ausduͤnstungen die naͤchste Veranlassung derselben gewesen sind. Nach einer vom „Sotir“ mitgetheilten Uebersicht waren der Sterbfaͤlle uͤbrigens nicht so viele, als im Publikum verbrei— tet war; nach ihr sind vom 28. Juni bis 27. August das Militair nicht eingerichtet 233 Personen gestorben. Sehr gelobt wird die zur Zeit der Epidemie von den Behoͤrden vorgenom— mene Abtheilung der Stadt in Bezirke, deren jedem ein eigens hierzu bestellter Arzt vorstand. Die Sterbefälle beim Militair sind mir nicht bekannt; doch belief sich der Krankenstand dessel⸗ ben im Verlaufe der herrschenden Krankheit in der Regel auf beinahe 509. Selbst viele Aerzte, und darunter die Aerzte Sr. Maj. des Koͤnigs, waren erkrankt. Außer ihnen hat sich beson— ders der hiesige Garnisons-Arzt Dr. Dotzauer und der hiesige Kreis-Arzt, ein Grieche, durch ihre menschenfreundliche Bemü— hung um die Erkrankten viel Verdienst erworben. Zu den Opfern der Epidemie gehoöͤrt auch Mad. Schinas, die Tochter des Pro— fessors Savigny in Berlin, die im Herbste des verflossenen Jah— res nach Griechenland gekommen war.

Es hatte sich das Geruͤcht verbreitet, Se. Majestaͤt wuͤrden sich auf einige Zeit nach Argos begeben; ich hoͤre aus guter Quelle, daß diese Sage ungegruͤndet ist. Der Köoͤnig erfreut sich fortwaͤhrend des besten Wohlseyns, obwohl er mit großer Anstrengung und ohne Unterbrechung alle Zeit den Staats-Ge— schaͤften widmet.

Der Bau des Militair-Hospitals wird ehestens beginnen; der Plan hat bereits die Genehmigung Sr. Maj. des Koͤnigs erhalten, und die zu dem, spaͤter wieder aufgegebenen Baue ei— nes Montur-Depots in Nauplia schon laͤngst disponible Summe wird nun zu diesem unstreitig viel noͤthigeren Baue verwendet. Auch der Bau eines Gefaͤngnisses soll demnaͤchst begonnen werden.

Außer den bereits schon bestehenden zehn Hellenischen Schu— len wurden neuerdings sieben andere errichtet, und fuͤr jede der⸗ selben ein von der Regierung besoldeter Lehrer ernannt. Fuͤr die noͤthigen Lokalitaͤten haben die Gemeinden zu sorgen. Ein neues Gymnasium wurde zu Missolongi errichtet. Man spricht von der Etablirung eines allgemeinen Schulbuͤcher-Verlages, der mit der Staats-Buchdruckerei und der Königl. Lithographie verei⸗ nigt werden soll. Auch das Geruͤcht von Errichtung der Pha— lanx hat sich wieder im Publikum verbreitet; mir scheint jedoch, daß unsere finanziellen Verhaäͤltnisse die Creirung dieser kostspieli⸗ gen Garde nicht gestatten, die nach einem maͤßigen Voranschlage jaͤhrlich mehr als 509,000 Drachmen kosten wuͤrde.

Von der dritten Serie des Anlehens ist, dem Geruͤchte zu— folge, kuͤrzlich ! Million Fr. zur Disposition der Regierung ge⸗ stellt worden. Ich hoͤre, daß auch der Realisirung des uüͤbrigen Theiles der Serie keine wesentlichen Schwierigkeiten mehr im Wege stehen. In keinem Punkte wird uͤbrigens das Griechische Publikum von den Journalen mehr mystifizirt, als in diesem; die Unkenntniß der desfallsigen Verhaͤltnisse verfuͤhrt sie zu den absurdesten Behauptungen, deren Wiederholung und Wuͤrdigung ich fuͤr uͤberfluͤssig halte, da sie sich selbst einander widersprechen und aufheben.

Die Tim es enthaͤlt folgendes Privat⸗Schreiben aus Athen vom 27. August: „Wir haben auch unser Theil Krankheit hier gehabt, jetzt jedoch nimmt sie schon allmaͤlig wieder ab, und meh— rere von denen, die anfangs geflohen waren, kehren wieder zu⸗— ruͤck, weil sie es uͤberall, wohin sie gekommen, noch schlimmer fanden. In Smyrna kamen taglich 20 bis 30 Todesfaͤlle vor, wahrend die Zahl derselben hier nie uͤber 3 stieg, und auch diese meist unter den ärmeren Klassen, die von Natur schmutzig sind und in großem Elend leben. Der Demos hat eine neue Polizei ernannt, die sehr kraͤftig handelt, so daß wir in kurzer Zeit große Verbesserungen erwarten koͤnnen. General Gordon befindet sich noch in Rumelien; es sind keine Straßenraͤuber aufzufinden, da sie so leicht uͤber die Graͤnzen heruͤber und hinuͤber streifen. Jetzt eben treiben sie sich in Albanien herum. Sie halten die Truppen in bestäͤndiger Bewegung, ohne Raͤubereien zu begehen, indem sie bloß etwas Brod von den Landleuten fordern, was diese ihnen gern geben. Unser neuer Britischer Gesandter, Sir Edmund Lyons, ist sehr beliebt, und sein Einfluß bei Hofe haͤlt dem Einfluß einer anderen auswaͤrtigen Macht vollkommen das Gleichgewicht. Der „Courrier de Smyrne“ machte vor ei— niger Zeit der hiesigen Regierung das Anerbieten, zu ihren Gun— sten schreiben zu wollen; da man dies ablehnte, so ist er sehr wuͤthend daruͤber geworden, er hat aber allen Einfluß verloren, da er mit so handgreiflichen Luͤgen uͤber die Regierung herzu— fallen anfing, daß Niemand ihm Glauben schenken konnte. Lord Durham kam vor zwei Tagen auf dem „Barham“ in Sa⸗ lamis an; seine Ankunft und sein Besuch bei Hofe haben das

ein, er sey gekommen, um ihnen ein gut Stack von Albanien, vielleicht Thessalien, zu geben. Er besuchte gestern die Akropolis und segelt, wie ich hoͤre, morgen Abend nach Konstantinopel wei— ter. Koletti ist endlich vor zwei Tagen von hier abgereist und wahrscheinlich jetzt schon in Ankona angelangt.“

an

Berlin, 2. Okt. Ueber den Aufenthalt Sr. Majestaͤt des Koͤnigs in Goͤrlitz, auf der Reise von Breslau nach Teplitz, eht uns noch folgende gefällige Mittheilung von dort zu: „Die Ankunft Sr. Majestät nebst Ihrer Durchlaucht der Frau Fuͤr⸗ stin von Liegnitz war auf den 25. September angesagt, und Alles zu Allerhoͤchstihrem Empfange vorbereitet worden. Die Ankunft Sr. Majestät erfolgte Nachmittags gegen 6 Uhr. Allerhoͤchst— dieselben stiegen im Gasthofe zum braunen Hirsche ab, muster— ten zunaͤchst die in Parade aufgestellte Garnison und ertheilten

sodann den Stabs⸗Offizieren, den Landstaͤnden, so wie dem Kreis⸗

hiesige Volk auf den Beinen erhalten; die Griechen bildeten sich

Landrathe, dem Buͤrgermeister, dem Stabtverordneten⸗Vorsteher

und dem Superintendenten Audienz, wobei Allerhoͤchstdieselben

sich huldreichst ber Angelegenheiten der Provinz und der Stadt

unterhielten. Eine Einladüng der Landstaͤnde zu einem von ih⸗

nen veranstalteten Balle wurde abgelehnt. Um Uhr kam

Ihre Durchlaucht die Frau Fuͤrstin von Liegnitz an, stieg im

Hause der Ober,Lausitzer Gesellschaft der Wissenschaften, der Woh⸗

nung Sr. Majestaͤt des Koͤnigs gegenuͤber, ab, empfing eben—⸗

falls die Landstände und eine Deputation des Magistrats, und

begab sich bald darauf zu Sr. Majestaͤt dem Könige. Groß

war der Jubel der Einwohnerschaft der Stadt und des Um⸗ kreises bei der hochbegluͤckenden Gegenwart unseres Aller⸗ gnaͤdigsten Landesherrn, der als solcher zum ersten Male in unseren Mauern begruͤßt wurde. Festlich geziert prangte da— her auch die ganze Stadt, und aus allen Kreisen der Oberlausitz hatte sich eine unzaͤhlige Menschenmenge eingefunden. Blumen und vielfache Decorationen zierten die Haͤuser der Straßen; am Eingange der Stadt, bei der Bruͤcke, erhob sich ein hoher reich geschmuͤckter Triumphbogen, die Bruͤcke uͤber die Neiße selbst

war zu einer lebendig gruͤnenden Allee umgeschaffen und von der Mitte des alterthuͤmlichen Stadtthores wehete der Preußische Adler, weiter unten aber zwei Fahnen mit den Wappen der Oberlausitz und der Stadt Goͤrlitz Am Eingange des Gasthau⸗ ses zum braunen Hirsch war eine Kolonnade im Halbkreise auf— gestellt, zwischen deren Saͤulen Orangenbaͤume und auf deren Kapitälen Vasen mit Blumen-Bouquets standen. Mit einbre⸗ chender Dunkelheit wurde die Stadt erleuchtet; der Kranz des hohen Rathsthurmes, die oͤffentlichen Gebaͤude und die Privat⸗ haͤuser, der Ehrenbogen an der Bruͤcke, das Neißthor und die Kolonnade vor dem Gasthofe schmuͤckten sich mit bunten Lampen; vor Allem aber zogen auf dem Obermarkt zwei 56 Fuß hohe Obelisken mit flammenden Opferschalen, zwischen welchen der Namenszug des allverehrten Monarchen schwebte, Aller Augen auf sich. n vielen Privathäusern las man Inschriften und er— blickte bunte Tableaux, desgleichen Gewinde von Blumen und Blaͤttern. Den im Ressourgen-Gebaͤude veranstalteten Ball der Landstände, zu dem die Behoͤrden der Stadt und viele andere Personen geladen waren, beehrten Ihre Durchlaucht die Frau Fuͤrstin von Liegnitz mit Ihrer hohen Gegenwart

Tags darauf (den 26sten) früh 7 Uhr fuhren Se. Majestaͤt der

Koͤnig im offenen Wagen durch die Stadt, besuchten die Peters—

Kirche, besahen die unterirdische Georgen-Kapelle und das vor

der Stadt gelegene heilige Grab und fuhren um den gruͤnen

Graben durch das Reichenbacher Thor und uͤber den Obermarkt

wieder zuruͤck zu dem Gasthofe, wo der Reisewagen schon bereit stand, in welchem Allerhoͤchstdieselben, unter dem Jubelrufe der versammelten Einwohnerschaft, Ihre Reise nach Teplitz fortsetz⸗ ten. Ihre Durchl, die Frau Fuͤrstin von Liegnitz hatte ebenfalls die Peters-Kirche besehen und reiste kurz vor dem Abgange Sr. Majestat ab.“

Der Herr Ober⸗Praͤsident der Provinz Brandenburg bringt durch die neuesten Amtsblaͤtter der Provinz zur oͤssent⸗ lichen Kenntniß, daß der naͤchste Kommunal-Landtag der Kur⸗ mark zu Berlin, und der naͤchste Kommunal-Landtag der Neu⸗ mark zu Kuͤstrin am 15. November d. J. eroͤffnet werden wird. Die verwaltenden Behörden der ständischen Institute, imgleichen die Kreise und Kommunen haben diejenigen Gegenstaͤnde, welche sie auf dem Kommunal-Landtage zur Sprache zu bringen beab⸗ sichtigen, bei den resp. Vorsitzenden, Domherrn von Erxleben auf Selbelang und Landrath von Waldow, anzumelden, die Koͤnig⸗ lichen Behoͤrden aber sich wegen dieser Gegenstaͤnde an den Herrn Ober⸗Praͤsidenten selbst zu wenden.

Die evangelische Kirche des Koͤniglichen ö hierselbst hat bei Gelegenheit des in diesem Jahre stattge abten Restaurations, Baues derselben von einem ihrer Gemeindeglieder,

m Gebrauche bei der Feier des heiligen Abendmahls, eine . und einen Kelch nebst Brod⸗Kapsel und Patene, saͤmmtliche Gegenstaͤnde in Silber gearbeitet und inwendig ver— goldet, als Geschenk erhalten. Zugleich empfing die Kirche von derselben Hand ein auf der hiesigen Königl. Eisengießerei gefer— tigtes Taufbecken⸗Postament mit einem dazu gehörigen Taufbecken aus Guß-Eisen. Sie besitzt außerdem eine silberne Taufschuͤssel, welche durch die festliche Veranlassung, bei der dieselbe geschenkt wurde, ein besonders theures Vermaͤchtniß fuͤr die Kirche ist. Die Schuͤssel fuhrt in Englischen Schriftzügen auf dem Rande der Vorderseite die Umschrift: „Zum Lobe Gottes vor den Erst⸗ gebohrnen Printzen von Preußen. Berlin den 3. Augustus 1779.“ Auf der Kehrseite liest man den Namen der hohen Geberin.

Nachrichten aus Danzig zufolge, werden die Kaiserl. Russischen Garden am 7. und 8. Oktober dort erwartet. Am Sten giebt die Stadt, diesen Truppen zu Ehren, einen Ball im Saale des gruͤnen Thores, und Tags darauf findet die Ein⸗

schiffung statt.

Kunst⸗-Nachrichten.

Die blaue Grotte auf der Insel Capri, seit mehreren Jah⸗ ren ein häufiges Ziel schifffahrender Natur- und Kunstfreunde, scheint nun auch fuͤr die Alterthumsforscher merkwuͤrdig zu wer— den. Ein in den Fels gehauener Gang, welcher von der Hoͤhe der Insel dahin fuͤhrte, soll neuerdings wieder aufgefunden seyn und wird, dem Vernehmen nach, wieder zugaͤnglich gemacht werden.

Unter den antiken Marmorwerken, welche im Laufe der letz⸗ ten Zeit in Neapel zum Verschein gekommen sind, zeichnen sich zwei vorzuͤglich schoͤn gearbeitete Sarkophage aus, die sich in der Villa des Cav⸗Ligori befinden.

——

Meteorologische Beobachtung.

Nachmittags Abends Nach einmaliger 2 Uhr. 10 Uhr. Beobachtung.

Morgens 6 Uhr.

.

332 61“ Par. 8, 5 O R. 7, O R.

92 pCt. heiter. OSD.

1833.

1. Oki ober.

Luftdruck. ...

Luftwärme ..

Thaupunft ..

Dunstsättigung Wetter

zz 191 Par. 33 4 28“ Par. Quellwarme S, 10 R. 17,10 R. 11,380 R. P Flußwärme 1300 R. 90 R. S1 0 NR. I Bodenwärme 12,10 R. 3 vCt. 79 pCt. aunsdunstung O n, Ait.

heiter. Regen. .

Wind OsSd. SSO. NNiederschlaz O, os“ Rh.

Wollenzug .. OSO. Nachtkälte 9,8 O R. Tagesmittel: 332,55“ Par. . 12,39 R... 8,380 R... 73 pCt.

Königliche Schau spiele. Sonnabend, 3. Okt. Im Schauspielhause: Das war ich: Lustspiel in 1 Akt, von Huth. (Dlle. H. Erck: die Base.)

,, Der erste Schritt, Lustspiel in 8 Abth., von Frau v, eißenthurn.