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fuͤr die Durchsetz ug jeder einzelnen Maßregel das Land in Be— wegung zu sehen wuͤnschen, um das Oberhaus fortzuschieben, wollen lieber die Nation auf einmal von Grund aus erschuͤttern, um die gegenwartige Pairie in den aufgeregten Wellen begraben zu koͤnnen, in der Hoffnung, hernach so schneil wie moͤglich alle ihnen konvenirende Veraäͤnderungen zu machen, und dann in dem neuen Utopien ein Schlaraffen⸗ Leben zu fuͤhren. der Himmel, daß die Tories durch einen vernuͤnftigen Gebrauch ihrer Macht den gefaͤhrlichen Versuch nicht zu Stande kommen lassen. Graf Mulgrave hat seinen Besuch zu Belfast abgestattet, wurde aber, wie man vernimmt, von fast allen ange— sehenen Protestanten gemieden. Dieses macht aber letzteren mehr Schande als dem Vice⸗Koͤnig, dem seine schlimmsten Feinde nichts ärgeres nachzusagen wissen, als daß er der Vertreter eines Whig⸗ Ministeriums ist, welches die Katholiken auf Kosten der Prote⸗ stanten beguͤnstige. Leider aber sind jene dort so lange mit Fuͤ— Fen getreten worden, daß man keinem derselben Gerechtigkeit wi⸗ derfahren lassen kann, ohne daß ein Protestant dabei einem Vor— theil entsagen muß. Es laßt sich nicht leugnen, daß die Katho—⸗ liken nichts weiter, als Gleichstellung mit anderen Sekten fu— chen, die Utra⸗Protestanten aber darauf bestehen, daß ihre Religion die herrschende bleibe. Die Emancipations⸗Akte erklaͤrte bloß, daß dieses nicht mehr seyn solle, und gab den Katholiken Macht, sich die faktische Gleichstellung zu erwerben; und eine Regierung, welche ernstlich in diesem Sinne das Land zu verwalten sucht, kann von den Ultra⸗Protestanten nichts anderes als Haß erwarten, welchen die Tories benutzen, obgleich die Emancipation von ihnen bewil⸗ ligt ward. Die Verwerfung des erwählten Mayors und She— riffs der Stadt Cork, wegen ihrer erklärten Ultra⸗Gesinnungen und weil sia anerkannte Beamte dortiger Orangisten-Logen sind, ist einer von den Schritten, welcher diesen Haß aufs aͤußerste treiben und zu gleicher Zeit die Staͤrke der Regierung auf die haͤrzeste Probe stellen niuß. Die Feier des dritten Saͤkulums der Bibel-Uebersetzung wird naͤchsten Sonntag in vielen Kir⸗ chen stattfinden, wird aber, da die Bischöfe keine Auf— forderung dazu erlassen haben, sich auf eben so viele Pre— digten gegen den Katholizismus und das denselben beguͤnst gende Ministerium beschraͤnken, wo nicht ein besserer Geist den Prediger bleß zum Dank fuͤr die Gnade auffordert, daß wir jetzt das Wort Gettes ungehindert in der Landessprache lesen dun fen. — Gestern ist unser neuer juͤdischer Sheriff beeidigt worden. Es mar eine sehr große Versammlung zugegen und er fuhr in einem Pracht— wagen im Zuge der übrigen Stadt-Beamten; heute wohnte er mit diesen oem gewoͤhnlichen Gottesdienste bei — und alles die— ses geschah, ohne daß auch nur ein Straßenjunge sich haͤtte ein⸗ fallen lassen, ein schimpfüiches Wort auszustoßen, obgleich Alles neugierig war „ihe Jem Sheriff: zu sehen. Das Parlament hatte bekanntlich in der letzten Session den Eid verandert, damit der Wahl der Buͤrger kein Hinderniß entgegen stehe, und er schwur nach juͤdischer Weise auf eine Hebraͤische Bibel mit be— decktem Haupte, ohne daß irgend einer von den versammelten Hunderten eine Spoͤttelei daruͤber vernehmen ließ. Es kann dies als Beweis gelten, welche Riesenschritte wir auf dem Wege wahr— hafter Humanität gemacht haben. — Der Alderman Topeland ist, obgleich nicht ohne Widerspruch von Seiten der Liberalen, zum Lord Mayor erwählt worden.
Belgien.
Bruͤssel, 30. Sept. Der Konig und die Koͤnigin sind vorgestern Nacht um 2 Uhr in Calais angekommen und wollten sich gestern fruͤh dort einschiffen, um die Reise nach Ramsgate fortzusetzen.
. Der Moniteur zeigt an, daß die Gerichtshoͤfe angewiesen worden seyen, das Gesetz gegen die Banquerotteurs strenger als bisher in Anwendung zu bringen. Dies giebt dem Lynx, ei— neni orangistischen Blatte, zu der Bemerkung Anlaß, daß die jetzt leider so haͤufig vorkemmenden Fallissements eine Folge der unserer Industrie und unserem Handel so nachtheilig geworde— nen Belgischen Revolution seyen und daß die Regierung zur Abwendung dieses Unheiles eben nichts Anderes zu thun wisse, als mit der Strenge des Gesetzes zu drohen. Am Ende, fuͤgt das genannte Blatt hinzu, wurde es wohl auch noch dahin kom— men, daß man den Handel, unter Androhung der Galeerenstrafe, zwingen wuͤrde, zu floriren, . .
Gestern fand auf der Eisenbahn das Zusammenstoßen zweier Dampfwagen statt, die von entgegengesetzten Richtungen her⸗ kamen. Einer dieser beiden Wagen hat bedeutenden Schaden gelitten, doch hat gluͤcklicherweise kein Mensch dabei das Leben verloren.
Polen.
Warschau, 2. Olt. Gestern wurde unter dem Praͤsidium des Fürsten Statthalters eine Sitzung des Staats-Raihs des Königreichs Polen gehalten.
Der General⸗Abjutant Rautenstrauch, die Generale Wlassoff, Graf Nesselrode, Wikinski, Friedrichs und Poradowski und der General- Post- Direktor Pohl sind von Kalisch hierher zuruͤck—
ekehrt. t
ö hin 2ästen v. M. wurden die bisher in der Zucht- und Besserungs-Anstalt im ehemaligen Franziskaner-Kloster hierselbst befindlich gewesenen Gefangenen in das im ehemaligen Zeughause in der Langen Straße eingerichtete Haupt-Zuchtgefängniß ab— gesuͤhrt.
Deu tschlan d.
Dresden, 1. Oktober. Gestern war in Teplitz um 9 Uhr Norgens Gratulation zum Geburtstage Ihrer Koönig— lichen Hoheit der Prinzessin Wilhelm von Preußen (Schwieger— tochter Sr. Majestaͤt, und Dejeuner bei Sr. Koͤntgl. Hoheit dem Großherzog von Sachsen-Weimar. Se. Majestät der Koͤ— nig von Preußen, die Prinzessinnen des Königl. Hauses, so wie Ihre Majestät die Kaiserin von Rußland fuhren nach der Ro— senburg in Graupen. Des Kaisers von Rußland Majestaͤt be⸗ gaben sich in die Gegend von Leitmeritz, und Nachmittags fand eine Jagd⸗Partie auf den Fuͤrstlich Claryschen Jagden statt.
Allgemein wird versichert, daß uͤbermorgen, am 3. Ok— tober, die Zusammenkunft der Allerhoͤchsten und Hoͤchsten Herrschaften in Teplitz sich aufioͤsen und eine bedeutende Zahl der Abreisenden, die den Kaiserlich Oesterreichischen Hof nicht mit nach Prag begleiten, hier durchkommen werde. Man erwartet hier unter Anderen auch den Großherzog von Weimar. Von hier sind viele Zuschauer nach Teplitz gereist. Man sagt, die Kaiserl. Oesterreichische Gesandischaft habe den Tag mehr als 50 Paͤsse fuͤr solche Schaulustige von hier und aus der naͤchsten Umgegend visirt. Alle, die von dort zuruͤckkeh— ren, können den Glanz des Kaiserl. Hof- und Haushalts nicht prächtig genug schildern. Die Hoͤchsten Herrschaften selbst zeig⸗ ten sich immer nur in Civil⸗Kleidung, und Niemand war in Staats ⸗ Uniform. Dresden, 3. Ott. Se, Königliche Hoheit der Herzog
Gebe
von Lucca traf gestern von Teplitz aus im Sommer⸗Hoflager zu Pillnitz ein, speiste an der Koͤniglichen Mittagstafes, uͤbernachtete daselbst und reiste heute fruͤh mit seiner Schwester, der Prin⸗ zessin Louise Koͤnigliche Hoheit, wieder nach Teplstz ab.
Sondershausen, 1. Oktober. T Goth. Anz.) Folgende zwei neue Verordnungen des Fuͤrsten von Schwarzburg-Son⸗ dershausen verdienen sowohl ihres erfreulichen Inhalts als ihrer wohlwollenden Form wegen Beachtung. ⸗ JI. »Von Gottes Gnaden Günther i. Ich hege die vollkom⸗ menste Ueberzeugung, daß die Stiftung und Aoöschließung der neuen Zoll- und Handels⸗Vertraͤge ein sehr verbien stliches Werk für Deutsch⸗ lund ist, Und daher auch fuͤr Meine Unterthanen sehr vortheilhafte Folgen herbelfuͤhren wird, dagegen kann Ich Mich nicht entschlie⸗ ßen, von der dem Lande hlerdürch zur Last fallenden bedeutenden indtrekten Steuer Meinen Kammer⸗-Kassen mehr zuzueignen, als Recht und Billigkeit mit sich bringen. Ich hahe daher die noöͤthi⸗ gen Befehle gegeben, daß die Summe genau und pfitchtmaͤßig er⸗ mittelt werde, welche Meiner Kammer⸗Kasse als Entschd digung hin⸗ sichtlich derjenigen Verluste gebührt, welche für sie durch die in Folge dieser neuen Vertrage auf mittelbare oder unmittelbare Weise verarsacht werden. Die Ergebnisse dieser Erörterung und die am Schlusse dez Jahres zu erwartende Uebersicht des S aats⸗Hausbal⸗ tes werden es erst moglich machen, unter Beruͤcksichtigung manches zum wahren Wohl des Landes abzweckenden unab veisbaren Auf⸗ wandes, als für die Schulen u. s. w., die Summe zu bestimmen, welche, nach Abzug der Entschädigungs-Summe für Meine Kam⸗ mer, von dem Ertrage der fraglichen indirekten Steuer- Einnahme in die Landschafts-Kaͤsse nach einer ungeflhren Berechnung fließen loͤnne, so wie diejenige Summe, welche dem Lande dagegen an an— deren zeimher entrichteten Abgaben erlassen werden kann. Ich wun⸗ sche aber sehr, daß Meine Unterthanen recht bald von dieser Meiner festgefaßten Absicht unterrichtet werden moͤgen, und daß Sie (die Fuͤrsiliche Regierung) selbige daher in Ihrem Bezirk durch eine kurze Bekannimachüng auf dem gewohnlichen Wege vorläufig in Meinem Namen bffentlich aussprecken, welches hoffentlich auch die Folge haben wird, daß die dem Vernehmen nach jetzt hiec und da saͤumig eingehenden oͤffentlichen Abgapen williger und pünktlichen, und ohne Anwendung noͤthiger Zwangsmittel eingehen werden. Ainstadt, den 18. September 1835 ö
Günther Friedrich Karl, F z. S.“
Il. „Von Gottes Gnaden 1. Ueberail — besonders in den groͤferen und Residenz Staͤdten — bestrebt man sich, heim Aufbau neuer und einer umfassenden Revaratur alter Gebäude 3Zweckmaäͤßig⸗ keit und Bequemlichkeit mit einem n ohlgefall igen Arußern zu ver⸗ binden Ich weiß, daß Meine lieben Sondershäuser vielen Sinn für alles Gute haben, und hoffe daher, daß sie Mein Bestreben,
eine freundliche und verschöaerte Außenseite ihrer Stast und eine
wohnlichere Einrichtung des Innern zu befoͤrdern, anerkennen und Mir bei dessen Ausführung willig enigegenkommen werden. Des⸗ halb fordere Ich sie durch Meine Fürstliche Regierung auf, ihre kuͤnftigen Baupiaͤne zur Eereichung Meines Zwecks einem Meiner Baumeister vorzulegen und sich seinen Rathschlaͤgen, wenn es irgend die Umstände erlauben, zu fuͤgen. Ich werde datuͤr sorgen, daß ein tüchtiger Mann jenes Geschaͤft und zwar unentgeltlich uͤbernimmt. Ich erwartt, daß Si (die r zur Kenntniß der dortigen Buͤrgerschaft bringen. Arnstast, am 15. Septenbe. 1835. Günther Friedrich Karl, F. z. S.“ Muͤnchen, 30. Sept. Das heute erschienene Regierung s—⸗ Blatt enthaä'st eine Allerhöoͤchste Verordnung, nach weicher der Rhein-Kreis zuf weitere drei Monate der Binnen⸗Kontrolle un—⸗
terworfen bleibt. ö.
Se. Majestät der Koͤnig haben den ordentlichen Professor der Philologie an der Koͤnigl. Universitͤt zu Wuͤrzburg, Dr. Peter Richarz, zum Bischofe von Speyer ernannt.
Muͤnchen, 2. Okt. Ihre Majestaͤten der Koöͤnig und die Koͤnigin trafen am 30. September Nachts in Begleitung Sr. Hoheit des Erb-⸗Großherzogs und Ihrer Koͤnigl. Hoheit der Erb-⸗-Großherzogin von Hessen aus Berchtesgaden hier ein. Eine magistratische Deputation war Allerhoͤchstdenselben bis Zorneding entgegengefahren. Die Koͤnigl. Kinder waren bereits Tags vor— her eingetroffen. r
Ihre Kaiserl. Hoheit die Großfuͤrstin Helena nahm in den letzten Tagen die Merkwuͤrdigkeiten der Hauptstadt in Augen—⸗ schein, und wird bis zum 6. Oktober hier verweilen.
Karlsruhe, 29. Stpt. Das heutige Staats- und Regierungsblatt enthält folgende Verordnung des Großher— zoglichen Finanz- Ministeritums vom 28sten d., die Erweiterung des freien Verkehrs mit den uͤbrigen Zoll-Vereins-Staaten be— treffend: ;
erh hoͤchser Genehmigung Sr. Khnigl. Hoheit des Großher— zogs und im Einverstaͤndniß mit den übrigen Staaten des Zoll— Vereins wird andurch verordnet: Art. 1. Nachstehende, von dem gänzlich sreien Verkebr zur Zeit noch ausgeschlossene Waaren sind vom 14 Oktober d. J. an von jeder Zoll-bgabe bei der Einfuhr aus den Vrreins-Staaten in das Großherzogthum und bei der Ein⸗ fuhr aus dem Geoßherzogthum in die Vereins-Staaten ebenfalls besreit: Tarifsatz 2. . Baumwollen⸗ Garn: 1) weißes ungezwirn⸗ tes und Watten; 2) doublictes, gejwirntes Garn (Zwirn, Strick⸗ garn), imgleichen alles gefüͤcbte Garn. Tacifsatz 23. Kurze Waa—⸗ ren, Quincaillerieen z. Tarlfsatz 25. . Weine, aͤltere als 183*r Gewächs. Tarciffatz 609 Seide und Seiden-Wagren: b. seidene Zeuge und Stlumpf⸗Waagren, Tuͤcher (Shawlz), Baͤnder, Blon⸗ den, Spitzen, Petinet, Ftor (Gaze), Posamentier-, Knopfmacher⸗, Sticker- und Putz -Wanren, Gespinnst- und Tressen⸗Waaren aus Merallfaͤden und Seide, außer Verbindung mit Eisen, Glas, Holz, Leder, Messing und Stahl, Gold- und Sülverstoffe; endlich obige Waaren aus Floretseide (haöurre de seie), oder Seide und Floret— seide e) Alle obige Wagren, in welchen außer Seide und Flosret⸗ seide auch andere Spinn-Matrrijalten, Wolle oder andere Thierhaare, Baumwolle, Leinen (einzeln oder verpunden) enthalten sind. Art. 2. Der Eingang dieser Wagren aus den Vereins-Stagten in das Groß⸗ herzogthum ünd aus dem Großherzogthum in die Vereins⸗Staaten ist nur dann gestattet, wenn durch obrtgkeinlich beglaubigte Ursprungs⸗ Zeugnisse von Fabrikanten oder Produzenten nachgewiesen wird, daß sie bezuglich in einem Vereins⸗Staate oder dem Großherzogthum er⸗ zeugt worden sind. Art. 3. Was wegen der Ursprungs⸗Zeugnisse für wollene und kaäumwollene Wagren, so wie der isanr Weine bereits verordnet worden ist, findet auch auf die Art. 1 erwaͤhnten Gegen⸗ stͤnde Anwendung . Vollzug gegenwärtiger Verordnung beauftragt.“ .
Die hier seit etwa 4 Monaten ins Leben getretene Babische allzemeine Versorgungs⸗ (oder Renten“) Anstalt scheint gedeihli⸗ chen Fortgang zu gewinnen. Es sind srit der genannten kurzen Zeit ihres Bestehens bereits 8i ganze und theilweise Einlagen, im Gesammt⸗-Betrage von beinahe 18,000 Fl. gemacht und eine weitere beträchtliche Anzahl aus allen Theilen des Großherzog— thums zum Beitritte angemeldet worden.
In unserem benachbarten Baden wird es nachgerade stiiler, wenn gleich der Strom der aus Italien vor der Cholera und aus ihrem Vaterlande vor der zu großen Ausgaben Last sich fluͤchtenden Englischen Touristen noch haufig dort zusammen— schwillt. Die neueste Nummer des Bade⸗Wochenblattes hat es nun bereits auf 14,400 Gaͤste oder Durchreisende gebracht. Uebrigens fangen in Baden schon jetzt die Folgen der ungemesse⸗ nen Bau⸗Wuth, mit der man dort statt freundlicher und beschei⸗ dener Wohnungen suͤr Bade, Gaͤste, kostspielige Palaͤste fuͤr⸗— der Himmel weiß wen — hinzusteilen beeilt war, an, sich fuͤhl—⸗ bar zu machen. Eines der prachtvollsten und schoͤnstgelegenen
Fuͤrstliche Regierung M inen Wunsch
Die Großberzogl. Zoll⸗Direection ist mit dem
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Haͤuser am Graben, den Badener Boulevards, das, wie
fentlichen Verkaufe im Executionswege ausgeboten. Frankfurt a. M, 3. Ott. . Anfang der Woe
eingelaufenen hoheren Course von Paris, Am
ten bei uns vortheil hafter gewirkt, als der Fall war, wars nicht
nahe Abrechnung ein starkes Hinderniß gewesen. Der M angel
baaren Mitteln hatte sich fhlbar gemacht und nöoͤthigte viele Sy kulanten, ihre auf Ultimo zu beziehenden Effekten zu ver gußen
und da für die Haupt- Sorten nur wenige Kaͤufer ani Marktebn ren, konnte man pr. Kassa nur zu weichenden Preisen realssn
Am 20. Sept wurden bedeutende Posten abgegeben und man glauzth waͤrg
die meisten Geschäͤfte, welche auf die Liquidanion geschlossen, im voraus geregelt. Allein die Erwartung der Spekulanten sa
sich diesmal geiguscht; seit langer Zeit ist kein n gen,, s errsch
ungunstig abgelaufen, als der fuͤr Ende September. Es cin wah haft panischer Schrecken an der Boͤrse vom z0sten. —
fangs wollte Niemand Effekten kaufen, und spaͤter konnte man ni
u inerklich gewichenen Preisen Nehmer sinden. Schon wung proe. Met. ju 101 , Actten zu 1583, Integrale zu 28, zn Spanische zu 29 losgeschlagen Die Ursache des Fallens war
im Geldmangel tu suchen; die bedeutenderen Spekulanten, r r den gedachten Preisen verkaufen ließen, wollten den theuren Men von „n pCt. nicht bezahlen und zogen die Realisirung der Pryn, gation vor. Dabei gingen jedoch die Ausgleichungen ohne Schn 1igkeit vor sich; alle Engagements wurden eingehalten, und nachm Kuündigungs⸗Stunde bsieben keine Stuͤcke uͤbrig. Das einzige b fekt, welches der ruͤckgaͤngigen Bewegung nicht folgte, vielmeht im Cours blie, war ber iptoe. Metglliques-Fonds, zin Bewesn g Dieses Papier sich meist in den Haͤnden der Kapitalisten besnn Nach ünverzinslichen Papieren war nur geringe Frage, die mug derselben waren unter der Notirung zu haben. Der Zinsfuß Prolongationen auf einen Monat oder zwel wurde auf 19 bis ian fuͤrs Jahr gebracht; man konnte sogar Diskonto⸗-Briefe zu YM pCt. haben. Depot⸗Geschaͤfte sind mit 7 pCt. Zins gemih worden. Nach der Liquidation erwartete man ein neues Steh der Ocesterreichischen und Holländischen Fonds, was auch einn Gestern wurden ansehnliche Posten Metalliques, Actien und h, rale zu hoͤheren Coursen angekauft. Spanische Perpetuelle 6. unwerth, wie sich bei dem verwirrten Zustande zu Madripn im ganzen Lande woll nicht anders erwarten laßt. Die dproth tirten zuletzt 282, die zproc. nur 16. Darmstaͤdtische n Loose waren zu Gti vr. Comptant gesucht; Preußische, Baych;
und Polnische Effekten waren offerirt. Die Wechsel auf frinn Plaͤtze sind durch den Geldmangel merklich gedrückt im Cours. sn Augsburg und London waren etwas gefragt Heute, am Sonnahim wurde kein Geschaͤft gemacht und kein Tours⸗Blatt ausgegehi weil die Israeliten hohen Feier- und Fasttag haben.
Oesterreich.
Teplitz, 30. Sept. (Leipz. Ztg.) Unser Kaiser gewinnt Aller Herzen durch seine Guͤte und freundliche Herahlassung. Er ist gesund und munter, ertraͤgt die Ansirengungen seht Ku, die fuͤr den erhabenen Gastgeber unerläßlich sind. An de großen Fuͤrstentafel im Schlosse wird gewöhnlich zu 80 Coupett gespeist, und außer den Monarchen und übrigen hohen Personen so wie dem Fuͤrsten Metternich, werden abwechselnd auch die hin anwesenden Botschafter und dirigirenden Minister eingeladen Alle ubrigen hohen Hof ⸗Aemter im Gefolge der Monarchen, cl anwesenden Staats⸗Minister und die ganze Generalitaͤt speisen g woͤhnlich zu 250 Couverts an den Marschalls⸗Tafeln. Wer Mn sentirt ist und eine Eintritts-Karte erhielt, kann selbst an za Theater und an der Reunion in den Badesaͤlen Theil nehmt Da bei der großen Zahl, der Eintrittsfaͤhigen der Aufenthalt; den Saͤlen oft beschwerlich wird, so vermeidet es unser Kaist um seiner Gesundheit willen, hier zu erscheinen; aber der Kasst Nicolaus und der Koͤnig von Preußen sind schon einige Mü auf kurze Zeit gegenwärtig gewesen. Das Personal von da Staͤndischen Prager Theater sorgt nach Kraͤften fuͤr eine von dige Unterhaltung. Unter den Virtuosen zeichnet sich der seltg Violinspieler von Valberg in einigen Privaikreisen aus, denn fentlich spielt er nicht.
—
Italien. (Allg. Zeit.) Durch die außerorden
Rom, 22. Sept. t 52 lichen Ausgaben, welche der Staat in diesem Jahre gehabt hz veranlaßt, glaubten auslaͤndische Kapitalisten, ihre Baarschastn hier auf gute Zinsen anlegen zu koͤnnen, und haben dem 2 riere Monstgnore Tosti sehr vortheilhafte Bedingungen angel
ten, wenn die Regierung Geld beduͤrfen sollte. Vor det Hu wurden diese Anträge abgewiesen, aber spaͤter hat man vielles⸗ dennoch außerordentliche Huͤlfsmittel noͤthig. Die Zinsen und g Theil des Kapitals der auslaͤndischen Schuld sind wiedemn durch das Haus Rothschild in Paris fuͤr das letzte halbe In ausbezahlt worden, welches unsere Papiere so gesucht macht, hier auf dem Platze keine zu haben sind. Der Tesoriere hat von einer schweren Krankheit erholt; sein Verlust wäre in diess Augenblick nicht leicht zu ersetzen gew esen. In dem Finanzmsst herrscht gegenwartig eine Ordnung, wie man sie fruͤher nicht kannt hat, und unter den Praͤlaten ist schwerlich einer, der sin Ausmerktsamkeit auf diesen Zweig der Verwaltung so gerichtet hisß daß er die jetzt betretene Bahn verfolgen konnte. Manche l ordnungen, die der Tesoriere bei der Administration getross nt sind freilich suͤr den Augenblick nicht zu beurtheilen, und die muß uͤber deren Werth entscheiden. Auf bloße Voraussetzungt zu bauen, ist in einem Staate, der vom Auslande und so iest Zufälligkeiten abhangt, zu gewagt. — Es kommen hier gi den Klöstergeistlichen auch Spanische Familien in großer Zahl ch die der in ihrem Vaterlande herrschenden Anarchie entgehen . len. Wenn unter den Geistlichen auch Einige sind, die Geld h ben, so scheint doch der großere Theil von allen Mitteln entthh
zu seyn, und diese sind fuͤr die geldliebenden Romer eben nitf
die willtommensten Gaͤste. — Die Furcht ver der Cholera nimn nach und nach ab, da sie sich nicht so schnell und bo artig ai breitet, wie man Ansangs glaubte. Hier treffen nun win, s'den Tag auf Umwezen Reisende aus dem Norden ein, den Winter hir zubringen wollen.
Spanien.
Madrid, 235. Sept. Die Nevista theilt folgendes Sg! ben aus Santa-Cruz de Mudeca vom 19ten d. mit:; 3 gestern um 11 Uhr Abends ergriffen das Bataillon von Cord und das der Koͤnigin, die zu der unter dem Befehl des Senj Latre nach Andalusien marschirenden Division gehoren, die fen und erklaͤrten dem General, daß sie entschlossen seyen, f. mit den in dem Vieillo befindlichen Truppen zu vertimh Der General wollte sich Anfangs ihrem Vorhaben wider] da er aber die Hartnaͤckigkeit der Bataillone sah, so gab et nn um halb 12 Uhr spielte das Musik-Corps des Balaillent. Königin patriotische Lieder, und man rief: Es lebe Isat lin lebe die Freiheit! Die Grenadiere zu Pferde und die 9 schlossen sich ihnen an, und sie rückten aus dem Orte aus, ind nh die Geschuͤtze und die sie bedienenden Artilleristen nebst dem 1 j ruͤckließen. Der General Latre ging um 4 Uhr Morgens oon
ab. Gestern fruͤh langte die Avant⸗Garde der An halusischen Am
erdam und Wien ha
huute fruͤh sind 2500 Mann Infanterie hier eingeruͤckt.
⸗ z, sie bestand äus einer Schwadron des Aten leichten i⸗ meisten der Art auf Speculation gebaut wurde, wird zum gj 66 ten eg
Lats und einer Schwadron Milizen; der Graf de las Navas ur an ihrer Spitze; er haranguirte die beiden zuruckgebliebenen hataillone und Artilleristen und erklärte ihnen, daß er, wenn se nicht langer hier verweilen wollten, ihnen eine Bedeckung ö Geld auf den Marsch geben werde. Nur zwei reitende Hrenabiere zogen sich zuruͤck. Abends lud der 3. de las Na⸗ 66 80 Militairs aus verschiedenen Corps zum Abendessen 6. ie faden Bataillone der Koͤnigin und von Cordeva sind nach dem gil de Penas abmarschirt. Man erwartet zu morgen die Di⸗ sson von Cadix und von Sevilla; sie fuͤhrt 17 Stück Geschuͤtz ö sich, und diese saͤmmtlichen Truppen werden sich nach Ocasia heben. (OcaRa ist eine Stadt in Neu ⸗Castilien, 15 Meilen sähstlich von Madrid, wo im Jahre 1809 die Franzoͤsische Ar⸗ e einen Sieg erfocht. )“ Der Minister des Innern hat unterm 18ten d. auf Befehl
a Königin folgende Verordnung bekannt gemacht: „Ihre Ma— ät die Koͤnigin⸗Regentin hat die ihr von verschiedenen Punk, un des Koͤnigreichs zugegangenen Adressen, welche die Regierung uffordern, einige fuͤr die Sicherheit des Thrones und das Wohl her Nation guͤnstige Maßregeln anzunehmen, in Erwaͤgung ge— nygen. Ihre Majestaͤt, von eifriger Sorge fuͤr die Wohlfahrt Det Nation erfuͤllt, hat befohlen, daß diese Adressen von ihren MnistLern gepruͤft werden sollen, damit denjenigen, deren Gegen⸗ sum sa den Praͤrogativen der Krone gehoͤrt, augenblicklich ihr aht geschehe, und damit die, welche die Zustimmung und ge— sebliche Mitwirkung der Cortes erheischen, der naͤchsten Legisla— un vorgelegt werden koͤnnen. Indem ich Ihnen eine so schmei— hafte Mittheilung mache, muß ich Ihnen anzeigen, daß Ihre hestaͤi mir befohlen haben, die ganze 0 Ihres Eifers
ß Schwung zu bringen, damit Sie alle Ihnen zu Gebote sehende Mittel anwenden, um alle Besorgnisse zu verscheuchen, die hon einigen Behorden, einigen Corporationen und gewissen Valksklassen über die Reinheit und Rechtlichkeit der Absichten hter Majestaͤt gehegt werden moͤchten, welche letzteren keinen mnderen Zweck haben können, als die Gemuͤther zu beruhigen, die Meinungen zu versoͤhnen und die Zweifel, die sich etwa uͤber Re Erhaltung der Freiheit erhoben haben duͤrften, oder den Ge— Nen zu beseitigen, daß davon die Nede sey, die legitimen ehr unserer Koͤnigin Isabella II. chimaͤrischen und abgeschmack— im Plänen aufzuopfern, die von der Boͤswilligkeit vieler Aus— linder und einiger Inlaͤnder ersonnen worden, und woruͤber diese leider bruͤten, um Zwietracht zu unterhalten und Mißtrauen un⸗ ler den braven Spaniern auszusinnen, die mit Freuden unter dem siegreichen ) Panier, welches uͤber dem legitimen Thron weht, sben und kaͤmpfen. Sie muͤssen den loyalen und vertrauensvollen Naͤnnern, so wie den furchtsamen Leuten, offen erklaren, daß Ihre aj. die Königin entschlossen ist, den jetzigen Kampf nur mit einem pllstͤndigen und entscheidenden Siege zu beendigen; daß dies die ein⸗ ze ehrenvolle Löͤsung ist, und daß jede die Freiheit gefaͤhrdende oder he unverjährbaren Rechte der unschuldigen Königin von Spa— zien kompromittirende Unterhandlung mit dem Gange und der Bürde der Nepraͤsentativ-Regietung unvereinbar seyn wuͤrden. Bie moͤgen hinzusetzen, daß die Koͤnigin⸗Regentin und ihre Mi⸗ sster niemals auf Vorschlaͤge hoͤren werden, mit denen es direkt der indirekt auf einen so feigen und so verwerflichen Vergleich zbgesehen waͤre; denn das Königliche Wort Ihrer Me fel ist sest langer Zeit verpfaͤndet, und sie verspricht heute von neuem w noch groͤßerer Feierlichkeit, daß sie keine andere Bedingung anhtten und zulassen wird, als die Vertilgung oder ganzlich Unterwerfung desjenigen, der unsere Ruhe stoͤrt und offen danach strebt, uns zu Sklaven zu machen. freimuͤthigkeit allen Ihren Untergebenen diesen energischen Ent— uß Ihrer Maj. mittheilen; auf diese Weise können Sie sie enttäͤu⸗ hen und sie von der Nothwendigkeit einer engen Vereinigunz übeteugen, um mit den einzig und allein nationalen Huͤlfsmit⸗ k ßbne Factionen zu vernichten, die unseren Boden befehden und bdsinnig dafür kampfen, einen Usurpator auf den Thron zu stzen, der ihnen selbst so große Leiden bereiten wuͤrde, und hem es nur dadurch moͤglich war, einige ephemere Vortheile da⸗ binlutragen, weil es von unserer Seite an gleichzeitigem Zu— sinmenwirken fehlte, um ihn mit Kraft und Energie aus unse⸗ rm Gebiet zu vertreiben. Ich zweifle nicht, daß diese so er⸗ wünschte und so nothwendige Einigkeit sich sogleich zeigen wird, slad die Rückkehr des Vertrauens der Regierung erlaubt, ihre Ähtoritat frei zu offenbaren. Man kann keinen vernuͤnftigen Gtund haben zu der Furcht, daß diese Autoritaͤt sich nicht mit len Interessen des Volkes indentifiziren möchte. Aile ihre Maß⸗ nneln, alle ihre Veschluͤsse werden vielmehr zum Zweck haben, he Rechte der Nation gegen alle willkürliche Versuche zu shltzen, durch die sie verletzt werden koͤnnten, diese Rechte, die Ihre Majestaͤt in klare und deutliche Gesetze zusammenzufassen sih beeifert, damit dieselben, in Verbindung mot den berkits be— . Gesetzen, einen der allgemeinen Verehrung und der Achtung von Seiten aller mit Vollziehung derselben beauftragten Behörden wuͤrdigen Eodex bilden. Die zur Erreichung so wich— kiger Vortheile anzuwendenden Mittel konnen mannigfaltig und baschieden seyn; ünerlaͤßlich aber ist es jetzt, lieber Wege einzu⸗ ligen, die schnell zum Ziele fuͤhren, als zu ganz vollkommen und kuͤnstlich berechneten Maßregeln seine Zuflucht zu nehmen. Mit einem Worte, es handelt sich darum, die Mitiel zu waͤh⸗ kn, welche, indem sie in der kritischen Lage, worin wir Uns bä— fuden, die mindeste Gefahr darbieten und nicht zu Veraͤnde⸗ rungen zu fuhren drohen, bie am Ende in eine allgemeine Um— käsjung ausarten konnten, die Ehre und den Glanz des Thro⸗ hes unversehrt erhalten, diese wesentlichen Grund⸗Bedingungen, wesche das Volk um seiner eigenen Wohlfahrt willen achten muß, und welche die Regierung Ihrer Majestaͤt gewissenhaft erfuͤllen wird, aber bloß, um das Gleichgewicht unter den Gewalten, wel⸗
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Hes die Grundlage des allgemeinen Glucks ist, zu bewahren.
on diesen Wahrheiten durchdrungen, muͤssen Sie denselben die fanze Ausdehnung geben, weiche Ihre Majestät wuͤnscht, vorher Höch erst mit den Personen zu Rathe gehen, die den meisten fuß auf die Verwaltung der Angelegenheiten in dlrer Pro n aus ben. Sie muͤssen ihre Rathschlaͤge anhören und i itte ergreifen, die Sie fuͤr die wirksamsten halten, um pb schnell als moglich die so wuͤnschenswerthe Eintracht unter Spaniern zu begruͤnden, jedoch ohne der Koͤniglichen Wuͤrde und ihren früheren Verpflichtungen etwas zu vergeben. Ich ft, daß Sie sich beeilen werden, mir alle Nachrichten mitzu⸗ llen, die zu Ihrer Kenntniß gelangen, und daß Sie alle die name ungen hinzufügen werden, welche Ihre Unparteilichkeit un Ihre Weisheit Ihnen eingeben, und don denen Sie glau— i. daß sie dazu beitragen koͤnnten, den Gang der Regierung 6 so schwierigen Verhaͤltnissen zu beschleunigen. Gott behuͤte
J. . (gez) Martin de los Heros.“ ö. Hof-Zeitung meldet: „Ihre Majestät wollten der ; ii des beruͤhmten und ungluͤcklichen General Torrijos, sa Luiz Saenz de Viniegra, einen Beweis Ihrer Theilnahme
Sie moͤgen mit Lohalitat und
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von diesem Tage an aus der Königlichen Privat⸗Schatulle die dem Range ihres Gatten entsprechende Pension unverkuͤrzt er⸗ halten soll, bis die Cortes den ten Ausgabe autorisiren Eben dieses Blatt enthaͤlt folgende Nachrichten: „Je nachdem die Kunde von der Bildung eines neuen Ministeriüms und von dem festen, gesetzlichen und patriotischen Gange, den es befolgen will, sich in den Provinzen verbreitet, empfaͤngt die Re⸗ gierung Ihrer Maj. aufrichtige Beweise der Beipflichtung. Die Ci⸗ vil⸗ Gouverneure von Saragossa, Valencia, Albacete, Soria, Avila, Leon, Santander und Alicante haben den Empfang des Koͤnigl. Be⸗ fehls vom 15. September angezeigt, der die hee, n, des Ministeriums kund machte. ie melden, diese Nachricht sey mit Freude aufgenommen worden, und sie erneuern die Versiche⸗ rung ihrer Ergebenheit. Es ist noch nicht Zeit genug verflossen, daß die Regierung in dieser Beziehung schon . aus den anderen Provinzen des Königreichs erhalten haben könnte. Eben so wenig kennt die Regierung bis jetzt die Wirkung, welche das von ihr publizirte Programm hervorgebracht hat.“ Ferner bringt das genannte Blatt den ersten Theil eines Dekrets, welches zum Zweck hat, durch die provisorische Einrich— tung der Provinzial⸗Deputationen' die durch die Koͤnigliche Ver⸗ ordnung vom 23. Juli d. J. begonnene Munizipal⸗Organisation
zu vervollstaͤndigen.
In einem ihrer heutigen Artikel bemuͤht sich die Hof⸗Zei⸗ tung, eine Stelle des von Herrn Mendizabal an die Königin gerichteten Schreibens vor Mißdeutungen zu bewahren, naͤmlich die, wo von dem Beispiel die Rede ist, welches man in Bezug auf den Staats Kredit und die Rechte der Unterthanen an Eng⸗ sand nehmen koͤnne, ohne daß Frankreichs dabei gedacht wird. Dieses Stillschweigen in Bezug auf Frankreich, sagt die Hof⸗ Zeitung, habe zu der falschen Meinung Anlaß gegeben, als mache die Spanische Regierung einen Unterschied zwischen den ihr ver⸗ buͤndeten Mächten und hege fuͤr die eine derselben eine großere Vorliebe, als fuͤr die andere. Diesen Argwohn sucht nun die genannte Zeitung zu beseitigen, indem sie darauf hinweist, daß die Franzosen selbst, wenn sie von Kredit und Freiheit sprächen, immer England ais Vorbild, als das alte klassische Land des ei⸗ nen sowohl als der anderen anfuͤhrten.
— Aus einer Madrider Privat-Korrespondenz vom 23. Sep— tember hebt das Journal des Débats folgende Nachrichten hervor, ohne sich . fuͤr die Richtigkeit derselben verbuͤrgen zu wollen: „Das Ministerium hat den Junten fuͤr die Aufrecht, erhaltung der Ruhe und Ordnung in den Provinzen gedankt, und es wird mit ihnen in Uebereinstimmung handeln, doch will es sie unter keiner Bedingung als Regierung s Junten aner— kennen, sondern ihnen nur den Titel Provinzial Junten ein— raͤumen. Herr Mendizabal hat gestern einen Courier nach Lissabon abgeschickt, um die Portugiesische Regierung noch— mals zu ersuchen, sobald als niöͤglich 6006 Mann Infanterie und 800 Mann Kavallerie in Spanien einruͤcken zu lassen. Bekanntlich hat die Portugiesische Regierung schon füuͤher dies
esuch foͤrmlich abgeschlagen.) Ein Courier, der an demselben Tage nach London abgegangen ist, scheint Depeschen dorthin brin— gen zu sollen, worin um Lieferung einer bedeutenden Anzahl von Flinten gebeten wird, um die Rekruten und felbst die Garnifonen, die bis jetzt aus Mangel an Waffen gar nichts haben thun koͤn— nen, damit auszuruͤsten. Dasselbe hat man von Lissa— bon erbeten. Es ware zu wunschen, daß diese Gewehre baldigst geliefert werden, denn es muß das Land schmerzen, wenn es sieht, daß von 70 — 890, 000 Rationen, die täglich unter die Armee vertheilt werden, nur 14,000 fuͤr wirklich aktive Truppen bestimmt sind. Der Plan, die Cortes aufzuloͤsen, ist ganz auf⸗ gegeben worden; denn um eine neue Kammer ein erufen zu köͤn⸗ nen, wurde man ein neues Wahlgesetz improvisiren müssen, und solche Maßregeln koͤnnte man unter so kritischen Verhaͤltnissen nicht ohne Gefahr fuͤr das Koͤnigliche Statut ergreifen.“
— Ueber die letzten Ereignisse in Valencia theilt eben dieses Blatt folgende Details mit: „Die empoͤrende Nie— dermetzelung von 62 Soldaten und 15 Urbanos von Ciudad— Neal, die nach dreitaͤgigem heldenmuͤthigen Widerstande das Fort Rubiclos durch Capitusation uͤbergaben, hat selbst die gleichguͤl— igsten Menschen so erbittert, daß man nach dem Eintreffen die⸗ ser Nachricht nichts als Rachegeschrei hoͤrte. Dieses schreckliche Ereigniß verursachte einen solchen Schrecken unter den Milizen und der Garnison des Fortes Mora, daß sie sich entschlossen, es zu verlassen und den Aufruͤhrern freien Eingang zu gewaͤhren. Unter den Einwohnern von Valencia verbreitete sich in Folge je— 39 n, eine um so größere Furcht, als man zu gleicher Zeit erfuhr, Rubiclos stationirte Kolonnen ihren Kameraden haͤtten zu Huͤlfe kommen koͤnnen. Am 17ten fruͤhmorgens sah der Graf von Al— modovar sich genoͤthigt, seine Entlassung einzureichen; sein Leben war bedroht, und er verdankte seine Rettung nur der Unerschrockenheit des Don J. Cueras und seiner Gefaͤhrten Fuster und Osca, die durch die von ihrem Capitain Don P. Julian befehligtt Com⸗ pagnie der Miliz -Jaͤger unterstuͤtzt wurden und ihn in Sicher⸗ heit brachten. Der Poͤbel rief Don P. Fuster zum General— Tapitain aus; dieser aber mußte schon um G6 Uhr dem Koͤnigs— Lieutenant Boggiero weichen, der an seine Stelle ernannt wurde. Es sind einige Compagnieen Miliz und Artillerie von hier ab⸗ gegangen, um gegen die Insurgenten zu marschiren. Am 18ten hat die Junta eine Proclamation an die Einwohner von Va— lencia erlassen, worin sie befiehlt: 1) daß die Stadt— Miliz den Titel „National- Garde“ annehmen soll; 2) daß jeder Einwohner der Hauptstadt und der Provinz, von 18 bis zu 50 Jahren, in die National-Garde eintreten soll, um fuͤr den Thron Isabella's und fuͤr die Freiheiten zu kam— pfen; 3) daß das ganze Silberzeug der aufgehobenen Kloͤster ver⸗ kauft; 4) daß keinem mit den Waffen in der Hand ergriffenen Feinde des Vaterlandes Pardon gegeben werden; 5) daß die Presse frei seyn, und 6) daß alle Karabiniere der Provinz und alle andere Armee⸗Corps gegen die Insurgenten verwendet wer— den sollen.“
Aegypten.
Im Journal de Smyrne liest man: „Aus Beirut wird unterm 19. August gemeldet, daß bie Bewohner Syriens von den Aegyptiern alle nur moͤgliche Arten von Plackerelen und Bedruͤckungen zu erdulden haben. Durch Aushebungen von Mannschaft, Abgaben, Frohndienste und Monopole werden sie fast erdruͤckt und zur Verzweiflung gebracht, und man begreift nicht, wie ein solcher Stand der Dinge von jenen Europaͤsschen Maͤchten geduldet werden koͤnne, denen daran liegt ihren Einftuß in der Levante zu erhalten. Die Menschlichkeit allein schon sollte ihnen gebieten, zahlreiche Bevölkerungen gegen die Habsucht und den Despetismüs Mehmed Alis ünd seines Sohnes zu be,
schuͤtzen, aber auch ihre eigene Wuͤrde legt ihnen die Pflicht auf, großere Energie zu entwickeln, denn ihre Konsuln sind von den
und Hochachtung geben und haben daher befohlen, daß dieselb
Staats Schatz zu einer so gerech⸗
daß mehrere in der Umgegend der Forts Mora und
Agenten der Aegyptischen Verwaltung beschimpft worden, ohne daß irgend eine Genugthuung erfolgt wäre, wenn man anders je gewagt hat, eine solche von Mehmed Ali zu fordern. Man duͤrfte sich gar nicht wundern, wenn bald eine Menge Europai⸗ scher Etablissements aus Mangel an hinreichendem Schutz ven Seiten ihrer Regierungen geschlossen wurden. Das Elend und die Bedruckung, welche auf den Bewohnern Syriens lasten, uͤbersteigen allen Glauben; ihr Mißvergnuͤgen ist aber auch aufs höoͤchste gestiegen, und es bedarf nur eines Funkens, um ein Feuer e fer, welches zu löͤschen Mehmed Ali nicht mehr im Stande eyn durfte.
Haupt⸗Momente
neuerer Finanz und , ,,, des Auslandes, so weit selbige den Handel betrifft.
XXV. Berlin, 36. September 1638.
Großbritannien. Die Session des unterhauses am 2ssten v. M. hat den Ministern zur ausdrücklichen Erklärung über manche Grundsätze ihrer Handels⸗Politik und manche deshalb in Handelsachen theils abzulehnende, theils zu treffende Verfügungen Gelegenheit ver⸗ schasst. Namentlich haben sie die (in Frankreich bestehende) Erlaubniß ur Vermahlung von Getraide unter Königs Schloß, gegen Sicherheit ür Ausfuhr des daraus gewonnenen Mehls, verweigert, und Retor⸗ sions⸗Maßregeln für solche Fälle angekündigt, wo in fremden Staaten, wie z. B. in Frankreich und Hannover hinsichtlich des Britischen Eisens geschieht, irgend ein Britisches Produkt oder Fabrikat höher als dasselbe Produkt oder Fabrikat, wenn aus anderen Ländern kommend, bei der Einfuhr besteuert werde.
Frankreich. Die General-Zoll-Verwaltung hat in einem Quart bande das alphabetische Verzeichniß aller im Zoll-Tarif benannten Waaren publizirt, mit Beifügung der Abgaben, denen sie nach den am J1. April d. J gültig bestandenen Gesetzen und Ordonnanzen unter— worfen sind. Es wird dabei bemerkt, ö. eine neue Auflage des im Jahre 1822 zuletzt abgedruckten und langst vergriffenen General-Zoll⸗
arifs bisher inimer unterblieben sey, weil man die von Jahr zu Jahr erwartete Ungestaltung des ganzen Zollwesens habe abwarten wollen. Diese Ursache bestehe nun auch jetzt noch begründeter als je. Indessen seyen die seit 1822 eingetretenen Veranderungen einzelner Tarifsatze so zahlreich, daß eine alphabetische Uebersicht der gegenwärtig bestehenden Zoll-Gesetzgebung, mit Weglassung aller dem Tarif selbst vorbehaltenen weirläuftigen Waaren⸗Beschreibungen, Erläuterungen, Tabellen ꝛc., dem Publikum und namentlich auch den Mitgliederm beider Kammern für künftige legislatorische Berathungen über den Gegenstand willkommen seyn dürfte. (Dies unstreitig auch für das Ausland interessante Werk ist zu haben in Paris bei Renard, Rue St. Anne Nr. 71. Preis 2 Fr. 50 Cent.) . .
Durch eine ganz kürzlich erfolgte Ministerial-Entscheidung ist der durch Ordonnanz vom 8. Juli v. J. dem Brasilienhol; außerordentlich aufgelegte Eingangs-Zoll wieder aufgehoben worden.
Rußland. Laut Bekanntmachung des Departements für den auswärtigen Handel sollen Galoschen von Gummi Elastikum, aut Bandstreifen gemacht, mit Mischung von Baumwollenzeug und an— deren Stossen, für die Einsuhr zum Verbots-Artikel des Tarifs ge—⸗ zählt werden: Fußbekleidung jeder Art, d. h. Stiefel und Schuhmacher- Arbeit. Galoschen von Gummi Elastikum ohne irgend einen anderweitigen Fabricgtions-Zusatz werden aber vermöge des . Gummi Elastikum jeder Art, verarbeitet, zugelassen.
Durch Allerhöchsten Ukas vom 9ten v. M. (Petersburger Handels⸗ Zeitung Nr. 67) sind die Modalitäten bestimmt worden, unter welchen mit Amortisation eines Theils der beiden in den Jahren 1831 und 1832 zu Amsterdam durch Hope und Comp. konträhirten Änleihen, jede zu 20,990,000 Rubel Silber, in einem dem gesammelten Tilgungs⸗ Fonds entsprechenden Maße verfahren werden sell. ö
Eine für Kenntniß eines wichtigen Theils der Russischen Finanz— und Handels-Legislation höchst interessante Uebersicht des Zustandes sünmilicher Reichs-Kredit-Anstalten im Jahre 1834 enthielt die in Ni. 69 der Petersburgischen Handels-Zeitüng abgedruckte Rede, mit welcher der Finanz-Minister, Graf von Cancrin, die zur Revision der Rechnungen jener Anstaiten, auf den Grund des Gesetzes vom . . 1817, am 20sten v. M. abgehaltene Conseils-Sitzung eröff⸗ net hat. . ;
Uebereinstimmend init dem (in unserem Artikel WXllII mitgetheil⸗ ten) in den Königlich Danischen Häfen gegen Einschleppung der orien— talischen Pest mittelst Levantischaͤr oder Aegyptischer Bar nwolle an— geordneten Vorsichts Maßregeln haben die Kaiserlichen Ministerien der Finanzen und des Innern gleichfalls verfügt, daß Schiffe, die mit Aegyptischet oder Levantischer Baumwolle in die Russischen Häfen des Weißen und Baltischen Meeres, obgleich von unverdächtigen Plätzen, kommen, mit den gehörigen Quarantgine-Certifikaten versehen feyn müssen, widrigenfalls sie weder jum Löschen, noch zur Gemeinschaft mit dem Lande zugelassen werden.
Ein Allerhöchster Uklas vom ten (17ten) v. M. verordnet, daß, vom Jahre 1836 an, von den in Rußland auf gewissen Punkten ein—⸗ zuführenden Oesterreichischen und Ungarischen Weinen ein verminder— ter Zoll erhoben werden soll, und zwar .
„I) in den Zoll⸗Aemtern an der Oesterreichischen Gränze 13 Rubel Silber vom Oxhoft, ohne den durch Utas vom 11. November 1831 verordneten Zuschlag von 12 pCt.
2) In den Bessarabischen, Euxinischen, Asowschen und Donau— Häfen 18 Rubel Silber vom Oxhoft, mit dem Zuschlag von 121 pCt.
3) Von denselben Getränken, wenn sie in Bouteillen eingeführt werden, an den unter 1 und 2 bezeichneten Orten 235 Kop. Silber von der Bouteille, ohne Zuschlag von 121 pt. Hingegen wird
) Von den durch alle übrige Zoll-Aemter eingeführten Oesterrei= , oder Ungarischen Weinen der jetzt bestehende Zoll auch fernet erhoben.
Schweden. Nach Königlicher Bekanntmachung vom 30. Juni d. J. soll mit Ende des nächsten Jahres 1836 die ausnahmsweise ver— ordnete Herabsetzung des Einfuhr Zolles von Havanna Terres-Zuckern wieder aufhören.
Dänemark. Aus Kiel wird gemeldet, daß man aus sicheren Quellen erfahren, wie der zu ständischer Berathung bevorstehende Snt— wurf eines neuen Zollgesetzes den Transit⸗Zoll auf der Route von Ham⸗ burg nach Kiel mit demjenigen auf der Route von Hamburg nach Lübeck gleichzustellen beabsichtige. Uebrigens heißt es, werde daz neue Gesetz denjenigen Theil des Handelsstandes, welcher sehr niedrige Ta— rifsitze wünsche, schwerlich befriedigen.
Das Königliche Zoll-⸗Amt und Kommerz⸗Kollegium zu Kopenhagen hat bekannt machen lassen, daß die veuchtthürme von Rakkehoved, Gjedserodde, Fakkebjerg und Skagen jetzt mit Oel, statt der früher gebrauchten Steinkohlen, erleuchtet werden; wodurch der Schein, ohne irgend eine sonst im Bau der Thürme oder in ihren Feuerkreisen i , n. Veränderung, auf weitere Entfernungen heller sichtbar eyn soll.
Niederlande. Durch Königlichen Beschluß sind, unter Vor— aussetzung und Bedingung vollkommener Gegenseitigkeit, die Argenti⸗ nischen Schiffe, bei ihrem Einlaufen in die Schelde, von dem erhöhten Lootsengelde befreit worden, welches sie sonst, t n über den von den ö n zu iahlenden Betrag, daselhst zu entrichten gehabt haben.
Belgien. ueber die während des letzten Monats in den Kam— mern stattgefundene Berathung neuer Zoll⸗Bestimmungen für den
Eingang fremder Baumwollen⸗Waaren und die endlich erfolgte Aus— setzung des destnitiven Beschlusses bis zur nächsten defsson hat die