1838 / 60 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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halb werde er sich gendthigt sehen, binnen kurzem eine Bill zur besseren Regulirung dieses Verhaͤltnisses einzubringen. Na⸗ nentlich beschwerte er sich daruͤber, daß die Kolonial ⸗Versamm— lung, gegen die ausdruͤckliche Bestimmung der Emaneipations⸗ Atte, die Auspeitschung von Sklavinnen nach wie vor gestatte. Nach einigen Worten des Herzogs von Wellington und des Marquis von Slige replizirte Lord Brougham und er— klaͤrte, bei seiner sechsten Respolution beharren, die uͤbrigen aber aufgeben zu wollen. Es wurde darauf abgestimmt und auch jene Resolution (wie gestern schon erwähnt) mit 30 gegen 7 Stimmen verworfen.

unterhaus. Sitzung vom 20. Februar. Sir Wil— liam Molesworth machte den Versuch, dem Hause den In— halt seiner auf die Entfernung des Lord Glenelg vom Kolonial— Amte bezuͤglichen Motion, die erst am 6. Maͤrz an der Tages⸗ ordnung ist, vorzulegen, wurde aber von dem Sprecher zur Ruhe verwiesen, als er an den Punkt kam, der den Mangel an Vertrauen zu den Fahigkeiten des Ministers auszudrucken bestimmt ist. Durch eine zwei Stunden lange Rede eroͤffnete darauf Herr Field en eine Dis kussion uͤber die Frage, ob ihm Erlaubniß gegeben werden solle, eine Bill wegen Aufhebung des neuen Englischen Armen-Gesetzes einzubringen. Die Mo⸗ tion wurde duͤrch Herrn Wakley unterstuͤtzt und durch Lord owick bestritten, welcher Letztere nachzuweisen bemuͤht war, daß die Lage der Armen durch das neue Gesetz wesentlich ver⸗ besfert worden sey. Nach ihm sprach Herr D. W. Harvey, der beim Abgange der Post seine Rede noch nicht beendigt hatte. Man hielt sich jedoch fuͤr uͤberzeugt, daß die Debatte nicht lange mehr fortgesetzt und der Antrag des Herrn Fielden durch eine sehr große Majoritaͤt werde verworfen werden.

London, 20. Febr. Der Spectator bemerkt: „Bei Hofe geht es jetzt einen Tag wie den anderen zu. Lord Mel— böurne fahrt fort, der Koͤnigin fast jeden Morgen seine Auf—⸗ wartung zu machen, und kaum vergeht ein Abend, wo der edle Viscount sich nicht unter den Gaͤsten der Koͤniglichen Tafel be⸗ findet. Die Gesellschaft besteht ausschließlich aus Whigs; alles Toryistische ist aus der Umgebung der Koͤnigin entfernt.“ Ein anderes hiesiges Blatt theilt folgendes Naͤhere uͤber die Le— bensweise der Koͤnigin Victoria mit: „Die Koͤnigin war von Kindheit an gewohnt, fruͤh aufzustehen. Die Morgenspazier⸗ gange, welche Ihre Königliche Hoheit die Herzogin von Kent sie machen ließ, hatten zum Zweck, sowohl die mo⸗ ralische als physische Entwickelung der jungen Prinzessin zu befoͤrdern, und auch nach ihrer Thronbesteigung ist diese koͤr⸗ perliche Uebung beibehalten worden. Gegen 10 Uhr wird das Fruͤhstuͤck aufgetragen; vorher aber hat die Koͤnigin schon zwei k mit Unterzeichnung von Depeschen zugebracht. Die Vorgaͤnger Ihrer Majestaͤt ließen sich bei dieser ermuͤdenden Arbeit von Tinem Privat-Secretair helfen; dieser Posten ist zwar aufgehoben, aber die Functionen desselben werden jetzt von einer aͤußerst einsichtigen und talentvollen Dame versehen, die sich eines bedeutenden Einflusses auf das Gemuͤth der Koͤnigin erfreut; diese Dame ist die Baronin von Lehzen, , . der Königin und vieljährige Freundin der Herzogin von Kent, die sich seit ihrer Vermaͤhlung nicht einen Augenblick von ihr ge— trennt hat. Die ernste und wahrhaft Königliche Erziehung der jun— gen Victoria wurde von dieser ausgezeichneten Frau geleitet, deren Kenntnisse, Charakter und Sitten ihren Einfluß rechtfertigen. Die Baronin von Lehzen ist also der Privat⸗Secretair der Koͤ⸗ nigin. Die Unterzeichnung der Deveschen vor dem Fruͤhstuͤck ist der Augenblick, wo sich das treffliche Urtheil der Baronin besonders geltend macht, die stets bemuͤht ist, den Handlungen ihres Zöglings den oͤffentlichen Beifall zu erwerben. In ge— wissen nicht fuͤr die Oeffentlichkeit bestimmten, aber doch von der Krone unbedingt abhängigen Angelegenheiten sind die Rath⸗ schläge der Baronin fuͤr die Königin ein schaͤtzens werther und mächtiger Schutz, um sie vor anderen Einfluͤssen zu bewahren. Lerd Melbourne wird den Sinn dieser Worte wohl verstehen. Sobald' der Königin gemeldet ist, daß das Fruͤhstuͤck ser— virt sey, schickt sie gewohnlich einen ihrer Leute ab, um ihre Mutter davon zu benachrichtigen, die, den Gesetzen der strengsten Etikette getreu, seit der Thronbesteigung ihrer Tochter niemals, ohne von ihr eingeladen zu seyn, vor derfselben erscheint. Muiter und Tochter, die bis dahin un— trennbar waren, sehen sich jetzt nur bei Tafel oder in Gesell— schaft. Bei diesen gewissermaßen offiziellen Begegnungen ist nie von Politik die Rede. Die e ein, welche viel liest, spricht fast immer von den letzten Werken, die ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und Ihre Majestaäͤt, die an diesen literarischen Unterhaltungen viel Gefallen findet, läßt sich dann mehr als einmal ins Ohr sagen, daß ihr Minister auf sie warte. Wenn der Mittag herangekommen ist, begiebt die Köoͤnigin sich in ein Zimmer, wo die Nitglieder des Kabinets in groͤßter Ehrerbie⸗ tung ihrer harren. Hier herrscht und zeigt sich vielleicht mehr als irgendwo die weibliche Lebensweisheit. Ungeachtet des tiefen Respekts der Minister fur die Gesetze der Etikette, beginnt nach dem Austausch einiger Hoͤflichkeiten sogleich die Erörterung der an der Tagesordnung befindlichen Fragen. Ein Aktenstuͤck wird der Koͤnigin uͤbergeben; diese ist aber schon genau mit der Sache vertraut, ehe die Minister noch ein Wort vorgebracht haben. . die Königin das Papier gelesen, wobei die Mi— nister aufmerksam den Eindruck beobachten, den es auf die Physiognomie Ihrer Majestaͤt macht, so reicht ein einziger Blick von ihr hin, um die Rathgeber des Staats mit der Entscheidung der Königin bekannt zu machen. Ist Ihre Majestaͤt unzufrieden, so wirkt ihr ruhiger, aber mißhilligender Blick auf den Premier⸗Mi⸗ ntster empfindlicher, als alle Angriffe und aller Larm der Opposition. Die Vorstellung der Gesandten und anderer hoher Personen ninmt, nebst den Sorgen fuͤr die Staats⸗-Angelegenheiten, die Zeit der Königin in Anspruch. Bei einem solchen amtlichen Empfange wird die Etikette gewissenhaft beobachtet, worauf Ihre Najestät sehr viel haͤlt, und wenn der Himmel ihr ein langes Leben schenkt, so wird es nichts Ritterlicheres und Eleganteres zeben, als die Versammlungen bei Hofe. Das Ceremonial fin⸗ der indeß nur vor dem Throne statt, später herrscht die groͤßte Leutfeligkeit und Anmuth. Die Koͤnigin, welche die meisten Srrachen des Kontinents spricht, unterhaͤlt sich mit den frem—

den Botschaftern und Ministern in der Landessprache der— selben. Da sie meistens mit der Englischen Sprache we⸗ nig vertraut sind, so werden sie durch die zarte Auf⸗ merksamkeit der Königin aus mancher Verlegenheit gezogen. Ihre Masestät ist nicht weniger eifersuͤchtig auf ihre Privile⸗ gien, als der unumschränkteste Monarch des Orients, was in⸗ deß ihrer Liebenswuͤr digkeit keinen Eintrag thut. Kaum sind diese wichtigen Geschaͤfte beendigt, so erscheint die Stunde des Diners. Es bleibt jedoch noch so viel Zeit uͤbrig, um eine Promenade zu Fuß oder ju Wagen zu machen. Als der Hof sich in Brighton befand, bedurfte die Königin nur weniger Mi—

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nuten, um sich, nachdem sie das Berathungs⸗3Zimmer verlassen * zu einem Spazierritte vorzubereiten, und eben so kurze eit erkorderte nach der Ruͤckkehr ihre Toilette. Wir wollen uns nicht auf die Ordnung einlassen, in der die Gaͤste an der Königlichen Tafel sitzen. Der erste ö hat seinen Platz stets an dem oberen Ende der Tafel, dem ersten Stallmeister egenuͤber. Der Sessel Ihrer Maj. steht auf der rechten Seite der afel in der Mitte, die uͤbrigen Plaͤtze sind fur die Gaͤste nach ihrem Range bestimmt. Zur Linken neben der Koͤnigin sitzt der vornehmste Gast vom hohen Adel, dann folgt die Herzogin von Kent. Zur Rechten der Königin wird dieselbe Etikette beobachtet; die Ba⸗ ronin von Lehzen sitzt stets neben der Koͤnigin. Nach beendig— tem Diner begiebt man sich in den Salon, der näͤchst dem Hei⸗ ligthum, wo Ihre Majestät in Froͤmmigkeit ihr Knie beugt, und dem Zimmer, wo sich um Mitternacht ihre Koͤniglichen Augen schließen, der einzige Ruheort fuͤr Ihre Majestaͤt ist.“ Die Morning Post versichert, ungeachtet der entgegengesetzten Angaben der „Times“, daß Lord Elphinstone dennoch ein Lieb— ling der Königin sey und von Madras zuruͤcktehre, um, wenn nicht bei der Kroͤnung, so wenigstens bald nach derselben eine Rolle zu spielen.

Der Prinz von Capua ist mit seiner Gemahlin, der ehe— maligen Miß Penelope Smith, von Calais in London ange— kommen. ;

Die Morning Chroniele will wissen, daß der bekannte Ultra⸗Tory, Herr Shaw, Rekorder von Dublin, in einer nicht offentlichen Versammlung den Haͤuptern der Dubliner Corpora⸗ tion die Weisung gegeben habe, ihr Haus zu bestellen, da so⸗ wohl der Herzog von Wellington als Sir Robert Peel zu dem Entschlusse gekommen seyen, ihre Popularität in England nicht langer durch ihre hartnäckige Opposition gegen die Reform der Irländischen Munizipalitaͤten auf's Spiel setzen, sondern die Maßregel noch im Laufe dieser Session genehmigen zu wollen.

Ein Gerücht, daß Lord Elanricarde an die Stelle des Gra⸗ fen Durham zum Britischen Botschafter in St. Petersburg ernannt fey, wird vom Globe fuͤr ungegruͤndet erklaͤrt; es sey, fuͤgt dies Blatt hinzu, dieser Posten noch nicht wieder besetzt.

Der Capitain Napier, Portugiesischer Admiral, erklaͤrt sich in seiner Adresse an die k von Portsmouth fuͤr geheime 1 dreijahrige Parlamente und Abschaffung der Kir⸗ hensteuer.

Die Anti⸗Spottiswoodesche Subscription soll, nach der An⸗ gabe des Courier, zwar ziemlich guten Fortgang haben, doch nicht so guten, als dieses Blatt es wuͤnscht.

Am Donnerstage wurde zu Manchester in einer oͤffentlichen Versammlung einstimmig beschlossen, das Parlament in einer Petition zu ersuchen, das Entrepot-System eben sowohl auf die Stadt' im Innern, wie auf die Seehaͤfen auszudehnen,

Das Militair hat neulich bei dem Landvolke in der Ge⸗ gend von Castlebar in Irland einige funfzig Gewehre wegge— nommen und die Inhaber verhaftet.

Auf der Eisenbahn zwischen Birmingham und Liverpool ereignete sich Dienstag Nacht das Ungluͤck, daß ein auf der Bahn umherschweifendes loses Pferd zwischen den Zug der Dampfwagen gerieth, die gerade voll von Reisenden und Pfer⸗ den waren. Der erste Wagen stuͤrzte uͤber das Pferd und die nachfolgenden Wagen uͤber den ersten. Der Leiter der Maschine verlor dabei das Leben, aber da die drei ersten Wagen nur Pferde fuuͤhrten, so wurde von den Reisenden keiner weiter be⸗ schaͤdigt; die Pferde wurden dagegen wie die Wagen schrecklich durch einander geworfen und erhielten schwere Beschädigungen.

Vor 50 bis 60 Jahren gab es noch nicht 100 Dampfma⸗ schinen, jetzt schaͤtzt man ihre Zahl auf 200,900, die im Durch⸗ schnitt so viel Kraft haben als 4 Millionen Pferde oder 25 Mil⸗ lionen Menschen.

In Liverpool herrschte am vergangenen Sonnabend etwas mehr Lebendigkeit im Handel, und es wurden A000 Ballen Baumwolle verkauft. Die Preise waren etwas sester, als sie die Woche hindurch gewesen, doch war große Neigung zum Verkauf. In der ganzen Woche wurden etwa 18,500 Ballen verkauft. Der Vorraih an Baumwolle ist in diesem Jahre um 92, 000 Ballen geringer als im vorigen Jahre um diese Zeit.

Die Berichte aus den Fabrik⸗-Distrikten von Lancashire und Yorkshire stellen den Handel als sehr gedruͤckt dar, weil alle Ranaͤle zugefroren sind. Es ist indeß Thauwetter eingetreten, und die Binnen⸗Schifffahrt durfte binnen wenigen Tagen wie— der geoͤffnet seyn. In Irland ist die Kaͤlte strenger gewesen, als in England, auch soll daselbst mehr Schnee gefallen seyn, als es seit dem Jahre 1807 der Fall gewesen.

Nach Berichten aus Canton vom 29. August wurden vom 1. Gktober 1836 bis zum 29. August, 37, Sa, 466 Pfund Thee, und zwar 29,022,666 Pfund schwarzer und 8, S8, 908 Pfund gruͤner aus China nach England gesandt. Die Ausfuhr an Seide betrug 13,62 Stuͤcke, etwa I8, 000 Centner, Im Jahre 1837 wurden in den Haͤfen von England 25,203, 332 Pfd., in den Haͤfen von Schottland 1,877,390 Pfd. und in den Häfen von Irland 8, S856, 818 Pfd., zusammen 35, 966,530 Pfd. Sterling, an Eingangs⸗Zoll fuͤr Thee bezahlt.

Erst nachdem die Ünternehmung des Dr. Duncombe, der schon in den ersten Tagen des vorigen Monats mit 3000 Mann und mehreren Geschuͤtzen die zu Ober⸗-Kanada gehoͤrige In⸗ sel Bois⸗Blanc am westlichen Ende des Erte⸗Sees besetzt hatte, durch die in der Naͤhe von Amherstburg am Kanadischen Ufer versammelten 2006 Mann Milizen (wie gestern gemeldet) vereitelt worden war, wurde auch in dem Staate Michigan von dem Gouverneuer Mason ein Corps von 2000 Milizen zum Schutze der Graͤnze aufgeboten, und erst nachdem die aus dem Arse⸗ nale geraubten Waffen den Insurgenten fuͤr den Augenblick wenig⸗ stens von keinem Nutzen mehr seyn konnten, wurden sie ihnen abgefor⸗ dert. Man vermuthet, daß die Insurgenten von Navy⸗Island, welche bekanntlich am 15. Januar ihren Zufluchtsort verlassen 8. sich mit den von Bois-Blanc vertriebenen Rebellen zu

rownstown im Staate Michigan vereinigen werden. Ein aufens hat sich indeß schon zer—

großer Theil des dortigen Offiziere ihren Abschied genommen

streut, nachdem mehrere . Die Haupt⸗Anfuͤhrer dieses am Detroit versammelten

ebellenhaufens waren, außer dem Dr. Duncombe, Dr. Dun⸗ sop und Oberst Sutherland, welcher Letztere namentlich im Staate Ohio fuͤr die Kanadische Insurrection rekrutirt hatte. Er wurde in Detroit festgenommen und vor Gericht gestellt, aber auf seine eigene Vertheidigung, die großen Enthustasmus erregte, wieder freigelassen. ieser Oberst soll noch vor sechs Monaten Drucker-Gehuͤife in Ohio gewesen seyn. Unter den von den Loyalisten gesen fen , n Rebellen befand sich einer der Raäͤdelsführer, Dr. Theller. Auch drei Kanonen und sammtliche Gewehre wurden den Insurgenten abgenommen. Die Bewohner von Amherstburg, einem Kanadischen Dorfe unweit des Forts Malden, hatten sich mit Heuggbeln bewaff⸗ net und einen Insurgentehn⸗ Haufen unter Oberst Radeliffe, der so liege die Schuld an der olonial Versammlung, und des⸗

von Sandwich gegen das Dorf anruͤckte, ebenfalls zuruͤckgeschla— gen und zerstreüt. Von dem General van Rensselaer, der die Insurgenten auf Navy⸗Island befehligt hatte, melden die neue sten Berichte nichts. In seiner Depesche an diesen General äber den Vorfall bei Bois-Blane sagt Oberst Sutherland, die Britischen Batterieen haͤtten noch auf den Schooner der Pa— trioten geschossen, nachdem er schon seine Flagge gestrichen, und vom Ufer habe man deutlich den Ruf gehort; „Gebt den verdammten Rebellen kein Quartier!“ Ein Geruͤcht, dessen der Buffalo-Star vom 18. Januar erwahnt, daß hr. Dun— combe das Fort Malden und andere Orte genommen habe und mit 2000 wohlbewaffneten Freiwilligen reißende Fortschritte auf der Kanadischen Westgraͤnze mache, scheint aus verdaͤchtiger Quelle zu kommen und keinen Glauben zu verdienen, da die bis zum 13ten reichenden Berichte aus Detroit, der Hauptstadt des Staates Michigan, welches jenem Kriegsschauplatze am nächsten liegt, nichts davon sagen, sondern vielmehr melden, daß sich der zersprengte Ueberrest der von hr. Duncombe kom⸗ mandirten Rebellen in dem benachbarten Orte Brownstown be— finde. Der Britische Oberst M Nab, der bisher die Ober⸗-Ka— nadischen Milizen befehligte, hat seine Stelle als Sprecher des dortigen Versammlungshauses wieder eingenommen und ist durch den Oberst Maitland ersetzt worden. Zum Befehlshaber der bewaffneten Flottille auf den Kanadischen Seen ist der Capi— tain Sandom ernannt.

Ser Spectator, der in der Kanadischen Sache die An— sichten Lord Brougham's und Herrn Roebuck's versicht, zieht in einem seiner gegen das Ministerium und die ganze hinsicht, lich Kanada's befolgte Politik gerichteten heftigen Artikel fol⸗ genden Vergleich: „Die Britischen Truppen in Kanada haben ihren Weg mit Verheerung und Blut bezeichnet. Sie erschos⸗ sen fliehende Bauern, steckten Privatwohnungen und Kirchen in Brand, unbekuͤmmert darum, ob Menschen in den Flammen umkamen oder nicht. Die Britischen Soldaten sind civilisirte Wesen, ihre Offiziere gebildete Maͤnner, fuͤr deren Mensch⸗/ lichkeit, Tapferkeit und strenge Beobachtung ehrenhafter Kriegs Gesetze die Whig-Minister als Buͤrgen auftreten. Die Neu⸗ Seelaͤnder sind Wilde und Kannibalen. Nun vergleiche man das Benehmen der Letzteren wahrend der Aufregung eintgs Buͤrgerkrieges mit dem der Britischen Soldateska. Bourke zu Sidney berichtet in einer Depesche an Lord Glenelg uͤber einige Neuseelaͤndische Staͤmme, die mit einander im Kriege waren: „„Es ist eine bemerkenswerthe Thatsache und verdient wohl die Rachahmung eivilisirter Voͤlker, daß die bei— den streitenden Theile auf ihrem Marsche nach und von dem Schlachtfelde mehrmals mitten durch die eingehegten Bezirke der Englischen Missionaire zu Pahig zogen, ohne irgend etwas, was den Weißen gehoͤrte, zu beschaͤdigen; ja, einmal verlegten die beiden Parteien nach gegenseitiger Uebereinkunft ihren Kampfplatz in groͤßere Entfernung von den Englischen Nieder⸗ lassungen, damit nicht etwa ein weißer Mann durch Zufall zn Schaden komme. Auch fuͤrchten die Europaͤer nicht das Mi deste weder fuͤr ihre Personen, noch fuͤr ihr Eigenchum.““

Belgien.

Bruͤssel, 20. Febr. (Rhein- und Mo sel⸗Ztg.) Der Aufenthalt van de Weyer's hier, wie die Ankunft des Grafen Le Hon aus Paris, haben wiederum die Vermuthung rege ge, macht, daß es sich nunmehr ernstlich um einen Ministerwechsel

handeie; man erzählt sich, als wisse man es aus guter Quelle, daß eine vom Baron von Stasslart in der Freimaurerloge ge⸗ haltene Rede den Minister des Innern so in Harnisch gebracht

5 soll, daß er dem Koͤnig die Alternative zwischen seiner imission und der Absetzung des Gouverneurs von Brabant gelassen habe. Herr von Stassart hat allerdings in der letzten großen Versammlung eine lichtvolle Rede mit vielem Nach— druck vorgetragen, und sich so energisch wie moglich ge⸗ . Obscurantismus ausgesprochen; daß aber Herr von

heux darauf dem Koͤnige eine so sonderbare Bedingung gestellt, ist mir nicht gelungen, zu erfahren. Auch hat die Ge genwart der oben genannten Diplomaten, die nur auf kurze Zeit und, wie es heißt, in Privat-Angelegenheiten in Belgien sind, nichts mit einem sogenannten projektirten Ministerwechsel gemein. Es mag die Stellung, die Herr v. Stassart als Groß

meister der Freimaurer in Belgien bei dem so sonderbaren Ver. folgungseifer der Gegner behaupten muͤßte, allerdings einige

Spannung zu Wege gebracht haben zwischen dem Minister und ihm; doch halte ich es fuͤr unwahrscheinlich, daß diese Spannung auch nur im Entferntesten sich auf das Kabinet erstrecken wird, da Herr v. Theux zu berechnen weiß, daß eine Veraͤnderung im Ministerium feiner Partei keinen Gewinn bieten kann; sie muß zu erhalten suchen, was sie bis jetzt erreicht hat; mehr duͤrfte es ihr nicht gelingen, zu erreichen.

Freie Stadt Krakau.

Krakau, 23. Febr. Der hiesige Senat hat unterm lätend folgende Bekanntmachung erlassen: „Der Resident Sr. Maje / staͤt des Königs von Preußen, Herr von Hartmann, hat durch eine Note vom 11. Februar d. J. den Senat benachrichtigt, daß Se. Majestaͤt, in Folge diesseltigen Regierungs- Ansuchens um Freigebung der Communięggtion, mit Bezug auf die am 5. November 1836 von dem Senat publizirte, die auf hiest

gem Gebiet verweilenden Auslaͤnder betreffende Anordnung

gnaͤdigst zu erlauben geruht haben, daß die Bewohner der an

graͤnzenden Bezirke von Pleß und Beuthen in dem Sinne de

Aten Artikels der besagten Anordnung als Graͤnznachbarn des Ge biets der freien Stadt Krakau betrachtet und als solche bei ihrer An kunft auf hiesigem Gehiet, wenn sie nicht laͤnger als acht Tage hier ver⸗ weilen wollen, der Verpflichtung, Paͤsse oder Erlaubnißschein⸗ vorzuzeigen, uͤberhoben werden sollen. Indem der Senat diese von dem Wohlwollen Sr. Majestaͤt des Koͤnigs von Preußen fuͤr unser Land, das sich Seiner erhabenen Mit⸗Protection er⸗ freut, zeugende Verfugung Einer Koͤniglich Preußischen hohen Regierung zur Kenntniß der Behoͤrden und Einwohner ötß Krakauer Gebiets bringt, beauftragt er zugleich die Polizei-Bt hoͤrden, die Bewohner der besagten beiden Bezirke des Koͤnig; reichs Preußen von jetzt an als Graͤnznachbarn anzusehen und demnach die im Iten Artikel des Gesetzes uͤber die Ausländer enthaltenen Vorschriften auf sie anzuwenden.“

Deutschland.

Hannover, 23. Febe. (Hamb. Korr.) Wie wir schon fruͤhe' angezeigt, ist man im Kabinet des Königs mit der Kreirung des in der Königl. Verordnung vom 12. Nove mber v. J. verheißenen Staats⸗Raths beschaͤftigt. Kanzlei Direktor von Leist wird als derjenige genannt, welchem das Praͤsidium des Staats⸗Raths zugedacht sey.

Es verlauten bereits einige Grundzuͤge der neuen Verfa sungs Urkunde im hlesigen Publikum. So viel man von Woh unterrichteten erfahrt, enthalt dieselbe vieles von dem, was die

ir RG.

RKomission Herrn Bekk zum Berichterstatter.

Berfassung von 1833 bereits bestimmte; dagegen soll den Staͤn⸗ den zwar die Annahme und Verwerfung der auf die Steuern Bezug habenden Gesetz⸗ Entwürfe zustehen, aber uͤber die, jeden anderen Gegenstand berührenden Entwuͤrfe ihnen nur eine be— rathende Stimme, und würde die Negierung an ihre Ansichten gar nicht gebunden seyn, sondern jedes sonstige Gesetz aus hoöͤch⸗ her Machi⸗ Vollkommenheit erlassen. Auch vernimmt man, daß der Koͤnig die Domainen wiederum an sich ziehen, sie admi— nistriren lasen, und aus dem Ertrage derselben der Staats— Kasse 2 Mill. 300, 0900 Rihlr. zahlen werde. Von dieser fuͤr das Erste so bestimmten Summe waͤren dann die Apanagen— Gelder, so wie jährlich 80,0999 Rthlr. Behufs des Schloß— haues abzuziehen. Sollte durch irgend ein Ereigniß der Ertrag der Domainen geringer werden, als der gegenwartige, so köͤnn— ten obige 2 Mill. 300,099 Rthlr. vermindert werden. Die Cor⸗ poratienen wuͤrden die Verwaltung ihrer Vermoͤgen behalten; di Ober-Behoͤrden nur die Ob er-Aufsicht daruͤber haben. Auch würde an den Deutschen Bund eine Einladung zur Garantie dieser Verfassung ergehen. Unter den zu Gunsten des neuen Entwurfs angefuhrten Motiven bezeichnet man insbesondere das, daß derselbe eine historische Basis habe und nichts von den neu— modischen, constitutio nnellen Theorieen mit sich fuͤhre, folglich zuz dazu geeignet sey, das Sluck des Hannoverschen Volkes begruͤnden; sollte indessen diese Verfassung keinen Eingang inden, so wuͤrde das Land alsdann ganz nach der Verfassung zon 1819 regiert werden muͤssen, jedoch unter dem Versprechen, dem Velke dennoch alle die Vortheile zukommen zu lassen, welche sich in dem Entwurfe der neuen Constitution befänden. Da die zweite Kammer noch mit der Verisication der Voll— machten beschaͤftigt ist, o wird wohl noch nicht so bald zur Er— nennung einer Adreß-Kommission geschritten werden koͤnnen. Der Dr. jr. Lang ist zum Vice-Praͤsidenten dieser Kammer er— nannt worden. Dessen Vater, der Syndikus Lang und Land— rath Gruner nebst den zwei anderen Deputirten fuͤr das Land Oenabruͤck sind, heute wieder abgereist. Man glaubt, daß ihnen noch einige Mitglieder der zweiten Kammer folgen werden. Man erzaͤhlt sich heute von einer zu veranlassenden Depu⸗ tation der Stadt Göttingen, um die n n, der drei crilirten Professoren zu erbitten. ; Emden, 22. Febr. (Bremer Ztg.) Nachdem schon in den Urversammlungen der Bürger eine bedeutende Mehrzahl einen Vorbehalt bezüglich auf das Staats-Grundgesetz von 633 zu Protokoll gegeben hatte, trat heute das Wahl-Kolle— zum zusammen, um nber die Ernennung eines Deputirten zur SEtaͤnde⸗Versammlung zu berathen. Die Vorfrage jedoch: ob die Stadt Emden zu dieser, mit Beseitigung des Staats⸗Grund⸗ gesetzes von 1833, auf das Patent von 1819 basirten Versamm⸗ ung, einen Deputirten ernennen wolle, wurde mit großer Mehrheit verneint. Muͤnchen, 23. Febr. Gestern Abend verschied, tief und nig betrauerßt, im 22sten Lebensjahre, Sophie Freifrau von Bwyersdorf, Gemahlin Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Karl . . or, e, . ö. von Allen, die sie kannten, ochzeachtet; Herzens gute und lildthaͤtigkeit sichern ihr ei . D, men, . Karlsruhe, 21. Febr. CD. Cour.) Die zur Berathun bes vorgelegten Gesetz⸗ Entwurfs niedergesetzte , , hi ju ihrem Berichterstatter über die Fragen: 1) ob eine Eisen⸗ hahn von Mannheim bis an die Schweizergraͤnze angelegt wer— hen soll; 2) ob dies auf Staats-Kosten geschehen soll, und ) welche Hauptrichtung die Bahn zu nehmen habe, Herrn Hofmann erwählt. Ueber die rechtliche Frage dagegen der An— endung, resp. Abänderung des Gesetzes uͤber Abtretung des igenthums bezuͤglich der Eisenbahn-Anlegung, erwaͤhlte die (, Man kann nun— ehr mit ziemlicher Gewißheit voraussagen, daß der An an auf Bejahung der beiden obigen Fragen erfolgen, und mit glei— cher Gewißheit voraussagen, daß die Kammer die Anlegung

keiner Eisenbahn von Mannheim nach der Schweizergraͤnze auf

Kosten des Staats beschließen und ferner darauf antra Hosten des Stagts b. en werde daß der Bau sogleich und zwar an verschiedenen 6 nicht

nur in dem unteren Landestheile zwischen Mannheim und Karls zuhe, sondern auch in dem oberen Theile von Offenburg bis

reiburg beginnen solle.

Oesterre ich. I Wöien, 22. Febr. Se. Majestaͤt der Kaiser ist von iner kleinen Unpäßlichkeit gänzlich wieder hergestellt, speiste aher am 19ten de bereits wieder mit der Kaiserl. Familie und am 20sten d. M., obschon es ziemlich kalt war, zum ersten— ale wieder ausgefahren. Abends fand bei Hofe das Kinder en statt, , . , , . Herrschaften alle gegen⸗ baͤrtig waren. Am 18ten d. De. war beim st ic

m, Tn eim Fuͤrsten Metternich

Es wird täglich der Bekanntmach iner groß

. . e eka hung einer großen Befoͤr⸗—

rung in den hoͤheren Militair-Chargen entgegengesehen, und

6 Nachfolger des in Krakau verstorbenen General⸗Majors und

Brigadier zu Podgorze von Kaufmann wird der General Ra—

w ,

Dem Vernehmen nach, hat der regierende Standesherr arst Adolgh von Schwarzenberg, die . zur ö , , 7 Königin von England angenom— und wird sich zur Krönungszeit in dieser Ei

ondon begeben. g 2 .

Dienste

. ) Der bekannte im Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin

5 ) Su Q 24 . . Mutter von Sizilien befindliche Kammerherr Baron von Schmuck—

it am 26sten d. M. von Rom hier angekommen.

r Es heißt, die Sthnographische Sammlung des Baron von ägel sey vom Kaiser für 56090 Rihlr. C. M. und eine jaͤhr— che Leibrente angekauft worden.

. der Gegend von Schönbrunn fand am 18ten d. M., 9 j sich Spuren von Woͤlfen gezeigt, eine Treibjagd statt. . , man täglich neue Nachrichten von Ungluͤcks— . e erall im Lande findet man Erfrorne und haͤufig von J en gag eftessen Leichname. Die Ofener und Pesther Zei— 9 i. unter mehreren anderen Vorfaͤllen, daß in Doͤbroͤ— 2 umegher Kemitat) der Kaplan, welcher zu einem Kran— : n das nächste Dorf geholt ward, sammt dem Kutscher un—

ö nn er . worden ist.

Ulus Ungarn und ieben buͤrgen gehen fortwaͤhrend neu . uͤber die Wirkungen , . v. * . lus Hermannstadt wird berichtet, daß kurz vorher ein . hindurch anhaltender wuͤthender Sturmwind 7 Hegend der Wallachei eine solche Menge gelblichen 3 mit sich fuͤhrte, daß damit alles beinahe einen Zoll hoch ) Ee n. besonders fand dies Phänomen in der Gegend ; othenthurm in hohem Grade statt. Zu Schaͤßburg mehl dem in der Mitte der Stadt liegenden Berge das ö. rn am staͤrksten versnuürt; die auf diesem Berge erbaute Nicolauskirche, welche seit 350 Jahren allen widerwaͤrtigen

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Ereignissen und Stuͤrmen der Zeit trotzte, wurde, nachdem si in den letztverflossenen drei Jahren mit (inem von S000 Fl. renovirt und verschoͤnert ward und deren neuer Altar im nächsten Fruͤhjahre eingesegnet werden sollte, durch das Erdbeben dergestalt ruinirt, daß das auf ausgehauenen Steinsaͤulen ruhende Gewoͤlbe derselben während 3 Sekunden gaͤnzlich usammenstuͤrzte, wodurch auch die Orgel und andere werthvolle heilige Gegenstände zertruͤmmert wurden. In Zete— lak im Udvarhelyer Stuhl sind die Mauern der Pfarre und Kirche dergestalt gr, daß die Kirchenwoͤlbung abgeräumt werden müßte. In Csikszek gestaltete sich das Erdbeben noch . der Kirchenthurm zu Csikszereda stuͤrzte zur Haͤfte zu—

6 n n.

Rom, 15. Febr. (Allg. Ztg.) An Angelo Mai's Stel

ist der bisherige Erzbischof von Spoleto, . * fl dolino, als Segretario della Sacra Congregazione di ropa gan la ernannt. Dieser Prälat ist der gelehrten Welt bekannt auch hat er sich in der diplomatischen dar hren einen Namen erwor, ben, da er mit wichtigen Missionen mehrere Hauptstaͤdte Eu— ropa 6g besuchte Dem Monsignore Luigi Vannicelli, fruͤher Peo⸗ Legat in Ravenna, ist der Posten als Pro-Governatore vom Rom anvertraut. Der bisherige Kommissarius von Lo— reto, Monsignore G. Sabriji ist an die Stelle des nunmehri— gen Kardinals Ugolini als Presidente delle Armi (Kriegs-Mini— sier) getreten. Bisher hatte man mit Bestimmtheit behaup— tet, daß dieser Posten nicht wieder mit einem Praͤlaten besetzt werden sollte, und allgemein hatte man den Principe Bar erinĩ, Befehlshaber der Nobelgarde des Papstes, dafuͤr bezeichnet. Monsignore Enrico Orfei, Delegat von Benevento, ist nach Lo— reto als Commissario della Santa Casa versetzt, und der Posten in Benevento an Monsignore Picci uͤbertragen. Monsignore Medici ward Llitore del Camerlengato, welcher Posten bisher von Monsignore Santucci versehen ist, der dafuͤr mit dem Amt eines Chicrieo di Camera bekleidet wurde. Man sagt, daß die Paͤpstliche Armee naͤchstens eine neue Eintheilung in Brigaden unter vier Generalen erhalten werde. Die so kostspieligen Schwei⸗ zer-Truppen sollen zuni Theil entlassen werden.

Neapel, 8. Febr. (Leip. A. 3.) In politischer Hinsi ist hier Alles still und auch aus Sicilien hoͤrt 3 . Vichtig eit die Entfernung der Schweizer-Truppen aus der Insel soll von den dortigen Einwohnern bedauert werden, da dieselben sich durch strenge Mannszucht und Menschenfreunðlich⸗ keit auszeichneten, wodurch sie sich die Liebe und Achtung der Bevoͤlkerung Siciliens, trotz dem schwierigen Auftrage, den sie auszufuͤhren hatten, erworben haben. Die Anhänglichkeit an dieses Truppen, Corps scheint sich selbst auf die Thiere ausge⸗— dehnt zu haben, indem die Soldaten in den ausgestorbenen oder verlassenen Ortschaften sich der herrenlosen Hunde angenommen und diese sie bei der Einschiffung in zahlreichen Haufen

ans Ufer begleitet haben, wo eine große Anzahl, da man sie nicht mitnehmen wollte, sich ins Meer stuͤrzte und den Schiffen nachschwamm, von denen man end—

lich 25 aufnahm, die an der Spitze der Truppen hier eingezo⸗ gen sind. Die Schweizer beklagen sich kiohe ne err 3 6 welche die Deuane bei ihrer Landung hier gezeigt hat, indem dieselbe alle Koffer, Mantelsaͤcke, ja alle Kleidungsstuͤcke der Offiziere und Soldaten untersuchte, und selbst die Lebensbedurf— nisse, welche sich viele zur Vorserge, wenn die Reise zur See ungewoͤhnlich lange dauern sollte, mitgenommen hatten, in Be— schlag nahm. Taback, Salz und andere dergleichen Gegenstaͤnde fielen auf diese Weise in die Haͤnde der Douaniers. Da diese Strenge sonst ungewoͤhnlich ist und ein kleines, den Zoll-Auf— sehern gemachtes Geschenk an bagrem Gelde jeder Untersuchung vorbeugt, so fiel dieselbe bei den Truppen um so mehr auf, als diese von einer gluͤcklich gefuͤhrten, aber mit vielen Entbehrun— gen und Beschwerlichkeiten verbundenen Expedition zuruͤckkehr⸗ ten. Der Koͤnig, welcher erst späͤter dieses ruͤcksichtslose Verfah⸗ ren der Verwaltung erfuhr, soll sich mißbilligend daruͤber ge— aͤußert haben, ohne daß jedoch von irgend einer Entschädigung der Betheiligten die Rede gewesen waͤre. Das Gefaͤngniß— wesen hat seit einiger Zeit die Aufmerksamkeit und Sorgfalt der Regierung in hohem Grade in Anspruch genommen, und es ist im Werke, dem bis jetzt bestehenden Gn ni eine voͤllige Umgestaltung zu geben, indem man vor Allem die Besse— rung der in den Strafanstalten befindlichen Verbrecher in's Auge faßt; zwar ist durch geraͤumige, gesund gelegene Gefäng— nisse fuͤr das physische Wohl der Gefangenen schon seit längerer Zeit gesorgt worden, aber man hatte verabsaͤumt, einen morali— schen Einfluß auf dieselben zu gewinnen, vielmehr konnten die Defangnisse fuͤr wenig mehr gelten, als fuͤr Behaͤltnisse moralischer Ansteckung. Der Anfang zu dieser Reform der Strafanstalten ist mit der Errichtung eines Arbeits- und Besserungshauses fuͤr verwahrloste, junge Taugenichtse und Herumstreicher gemacht worden, welche sich kleine Diebstaͤhle und andere Uebertretun gen des Gesetzes, worauf Gefaͤngniß-Strafe steht, zu Schulden kommen lassen. Ein eigenes Gebaͤude in der Stadt ist zu die— sem Zwecke bestimmt worden, und die Versetzung solcher jungen Missethaͤter, welche bis jetzt unter den anderen Verbrechern in dem gewoͤhnlichen Strafgefaͤngnisse sitzen mußten, hat schon statt— gefunden. Man beabsichtigt, diese Besserungs⸗Anstalt nach dem Systeme der Armen⸗-Schule Fellenberg s in ann einzurichten. Ein großer heller Saal ist zur Schulstube mit allem Noͤthigen ver⸗ sehen, und der Unterricht in Religion und den Elementen gemein⸗ nuͤtziger Kenntnisse hat schon begonnen. In anderen Saͤlen sollen ge⸗ schickte Meister, die wwegen geringer Vergehungen verhaftet sind, un⸗ ter bestaͤndiger strenger Aufsicht die jungen Leute in verschiede—⸗ nen Handwerken, Stroh, und Drahtflechten, Weben z0. unter— richten. Die Regierung hat einen jungen Schweizer, Karl Lud— wig, welcher schon in der Cholerazeit Beweise seiner Aufopfe— rung und. Menschlichkeit gegeben, an die Spitze dieser wohlthaͤ⸗ tigen Anstalt gestellt, und diese Eigenschaften, verbunden mit der edlen Begeisterung, welche denselben fuͤr die große Aufgabe erfuͤllt, lassen die schoͤnsten Resultate seiner Bemuͤhungen hoffen.

Spanien.

Im Journal de Franefort liest man: „Unser Madri— der Korrespondent hatte sich nicht getaäͤuscht, als er prophezeite, daß der Sieg des Brigadier Sanz nichts Anderes seyn 6 als eine von Basilio Garcia gewonnene Schlacht. Ein Schrei— ben aus Madrid vom 14ten d. meldet uns jetzt, daß der Gene— ral Narvaez selbst aus Ubeda geschrieben habe, daß die Unvor⸗ sichtigleit des Generals Sanz der Armee der Königin uber 1300 Mann koste; daß Basilio Garcia, weit entfernt, geschla⸗ en worden zu seyn, in das Koͤnigreich Murcia eingedrungen er, und Schrecken und Verwirrung daselbst verbreite; daß end⸗ lich die Entmuthigung der Truppen nicht erlaube, die Verfol—

gung fortzusetzen, und daß mehrere Tage vergehen wuͤrden, be—

vor man wieder ernstliche Operationen gegen den Fei nehmen könne.“ geg Feind unter⸗

Türkei.

Der Korrespondent der Times in Konstanti schreibt diesem Blatte unterm 21. Januar: 41 m, . großes . daß der Englische Botschafter bei der hohen Pforte dem Sultan angezeigt hat, Ihre Majestaͤt die Koͤnigin habe es sehr mißfaͤllig vernommen, daß der Sultan sich wei⸗ gere, die Englischen Offiziere in Dienst zu nehmen, da diesel— ben doch auf ausdruͤckliches Verlangen des Tuͤrkischen Gesand— ten in London nach Konstantinopel gekommen seyen.“ Der Morning Chronictle wird unter demselben Datum eben daher geschrieben: „Eine Russische Kriegsbrigg hat in der Straße der Dardanellen auf drei Britische Schooner geschossen obgleich dieselben die Britische Flagge fuͤhrten. Die Capitainẽ der Schooner haben daruͤber an den Britischen Konsul berichtet.“

.

Berlin, 28. Febr. Se. Majestaͤt der Koͤnig haben d Archivar des , . zu Stettin, von leben dn. die Allerhoͤchstdenenselben dedicirte Schrift: „Geschichte der Ein— fahrung ir, 17 1 Herzogthum Pommern“,

leine goldene Medaille fuͤr Kunst und i . gnaͤdigst zu verleihen geruht. s ag ,

Die verstorbene Graͤfin Providentia von Mielzynska zu Posen hat in ihrem Testamente der dortigen Krenn f! stalt der grauen Schwestern ein Legat von 1000 Rthlr. ver— schrieben, welches nach dem Willen der Erblasserin hypotheka— risch untergebracht worden ist, und wovon die Zinsen à 35 pCt. der Vorsteherin der gedachten Anstalt vom 1. Januar d. J. ab dae n,, ausgezahlt 6

. Der ordentliche Professor der klassischen Literatur und Direktor des philologischen Seminariums an der Universitäͤt zu . 3 6 ist am . d. M. nach langem Kran⸗

im kaum vollendeten Gäàsten Lebensjahr der Lr ssec en verstorben. t .

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Ueber Runkelruͤben⸗Zucker-Fabrication.

In meinen beiden Abhandlungen über den Zustand der Runkel— rüben⸗Zucker⸗Fabrication in Frankreich habe ich 3 Rückhalt darge⸗ legt, was ich in jenem Lande geschen und aus guten Quellen geschöpft batte; Mancher mag aber, durch die sehr wenig erfreulichen Resultate der Fabrication nach angepriesenen sicheren (4 Methoden enimuthigt, in seinem Entschluß wankend gemacht worden seyn und erst abwar— ten wollen, welches Resultat denn sich herausstellen werde.

. Um so erfreulicher ist es daher, zu wissen, daß, wenn nach der besten Französischen Methode genau gearbeitet wird, auch bei uns jene günstigen Resultate zu erreichen sind, welche ich in meinen Bei— trägen zur Runkelrüben-Zucker-Fabrication in Frankreich und dem Anhange dazu, Berlin 1857 angegeben babe.

Auf meiner letzten Reise in die Provin Sachsen besuchte lch auch die Fabrik der Herren Bam bach u. Comp. zu Wartenburg bei Wittenberg, und fand dieselbe sehr zweckmäßig, einfach, und ganz nach Franjösischem Muster eingerichtei; die Herren Besitzer, welchen ich zur Einrichtung ihrer Fabrik einen jungen Techniker, Herrn Flei⸗ scher, empfahl, bezeugten mir ihre vollkommenste Zufriedenheit mit den Leistungen desselben und wiederholten mündlich, was sie mir be⸗ reits schon schriftlich mitgetheilt haiten. Hier eine Abschrift dieser Mittheilung:

„Durch die vielfach zur allgemeinen Kenntniß gekommene Lob— preisung des sogenannten Geheimntsses der Herren Zier, Hanew ald, Arnoldi veranlaßt, erwarben auch die unterschriebenen Fabriken⸗ besitzer dasse be und richteten ibre Runkelrüben⸗Zucker⸗Fabrik danach ein. Leider entsprach aber der Erfolg den mit Recht gehegten Ex⸗ wartungen keinesweges, und wir waren nach großen Verlusten nahr daran, die kaum begennene Fabrication wieder aufhören zu lassen.

In unserer kritischen Lage wurden wir auf die in dieser Zeit erschie⸗ nene werthvolle Schrift des Herrn Professors Dr. Schubarth zu Berlin (Beiträge zur näheren Kenntniß der Runkelrüben⸗Zucker⸗Fabri⸗ cation in Frankreich, Berlin 1836) aufmerksam. Wir fanden die in der Einleitung ausgesprechene Bemerkung, daß man von den man— nigfachen angepriesenen Geheimnissen sich nicht verleiten lassen müsse, von dem bekannten geprüften Wege abzugeben, leider durch unsere gemachten Erfahrungen bestätigt. Wir hofften, durch Befolgung der auf vieljährige Erfahrung sich stützenden Französischen Methode un sere Kapitalien sicher rentirend anzulegen, während durch glänzende Versprechungen ohne Gehalt nicht nur große Summen, sondern auch der gemeinnützige Zweck einer weiteren Ausdehnung dieses neuen k ge,, . war. .

r wendeten uns deshalb an den Herrn Professor S unmittelbar mit der Bitte um nähere n, 6 6 21. Ueberweisung eines mit dem Betriebe der Französischen Methode praktisch vertrauten Mannes, welcher im Stande wäre, nach jenem Borbilde unsere . zweckmäßig einzurichten und in Betrieb zu setzen. Derselbe hatte die Güte, uns Herrn M. Fleisch er namhaft ö. machen, welchen er bei seinem letzten Aufenthalt in Frankreich atte kennen gelernt. Auf, unsere Einladung war Herr Fleischer ö . und setzte selchet ins Werk. r

ie Erfolge sind so günstig gewesen, daß wi se ; ue . ; 9 ge wes ß wir in unserer Austalt

undert Centner Rüben über alle Erwartun Acht Centner verkäuflichen Rohzucker z ur .

ir verdanken diese güns igen Erfolge der offenen ? des Französischen Verfahrens durch . Profe ssor e fn insbefondere aber der Einsicht und Geschicklichkeit des Herrn Flei⸗ scher, und halten uns daher verpflichtet, zur Beförderung der vater⸗ ländischen Zucker-⸗Production und des Geineinwohls dieses öffentlich anzuerkennen, damit ähnliche Unternehmungen nicht durch unzweck— a n ,,. är nn Resultate liefern, sondern von Aufang

gs sich erfreuen mögen, wel Fabrik g = Hir rn . gen, welchen unsere Fabrik gegen—

Wittenberg, im Monat Februar 1838.

: Bambach und Comp.“

Ueber die Gewinnung von Spt.? ir f 466 . ö . g pCt. Rohzucker erlaube ich mir fol

1009 Centner Rüben gaben 3z785 Quart Saft. Rimmt man d Vezisische Gewicht des Saftes zu 606 B. —= 15,94 an, so wiegen 377 DBüart 9578 Pfund (das Suart 2 Pfund 17 (119) Loihx 9578 Pfund sind 87 Lentner, also Saftgewinn 87 pCt. Obiger Saft geläutert, über freiem Feuer abgedampft, durch Kohle einmal filtrirt hierzu wird nur die von der früheren Fabrication aufgehäufte, gebrauchte Kohle, nach vorgängiger Wiederbelebung, benutzt), in Kipppfan⸗ nen gekocht, lieferte jn Formen erstes und 3! Formen zweites Pro⸗ dukt. Das Gewicht des Zuckers in den e f nach dem Abfluß des Syrups, war durchschnittlich 53, getrocknet Pfund. 191 For⸗ men zu 48 Pfund geben S516 Pfund, also 8s pt., Rohzucker aus den Rüben. Die Melasse vem zweiten Zucker liefert nun auch noch etwas Zucker, der hierbei nicht in Betracht gekommen ist. Die , 6 r, ,, vortrefflich; ein großes

njendes, hartes Korn, die Farbe hell, d ißi , leer, 3 . er Geruch sehr mäßig, nach ndem ese Thatsachen zur öffentlichen Kenntniß bri danke ich den Herren Bambach u. Comp., daß sie 3

der Publizität zu übergeben keinen Ansiand genommen haben, denn