1838 / 152 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

kSnnten. Unser Gesandter in Mexiko, Baron Deffaudis, scheint uns unter diesen Umständen eine lobens werthe Energie entwickelt zu haben, und die wehlbekannte Thätigkeit und Festigkeit des Befehlshabers des Blekade Geschwaders verspre— chen ihm eine kräftige Mitwirkung. Allerdings blokirt man nicht so leicht eine Küͤste von 700 Stunden mit einem verhaͤlt— nißmäßig kleinen Geschwader; allerdings werden die Franzo— sen, die in Mexiko wohnen, hoͤchst unangenehmen Repressalien ausgesetzt seyn; aber man muß auch beruͤcksichtigen, daß die Biokade, so unvollstandig sie seyn möoͤge, leicht eine der in Mexiko so gewohnlichen Revolutionen veranlassen, und an die Stelle der jetzi⸗ gen Regierung eine neue Regierung setzen kann, die wenigstens durch die Eifahrung belehrt seyn wird, daß man durch ein gering— schaͤtziges Benehmen gegen Frankreich sich selbst am meisten schadet. Die Mexikanische Regierung stellt sich, als ob sie in den beginnenden Feindseligkeiten die Entwickelung eines umfas— senden Eroberungeplanes erblicke, welcher darauf abziele, uns einen Theil der Mexikanischen Provinzen zu unterwerfen und dadurch auf die uͤbrigen einen mehr oder weniger versteckten Einfluß auszuuͤben. Man begreift, daß die Mexikanische Re— gierung durch dergleichen Behauptungen Schrecken zu verbrei— ien sucht; aber unbegreiflich ist es, daß die Presse der Verei— nigten Staaten sich zum Echo solcher unsinnigen Erfindungen macht. Man muß in der That großes Vertrauen in die Leicht— gläubigkeit der Amerikaner setzen, um ihnen von Eroberungs— plänen Frankreichs auf Mexiko zu erzählen. Frankreich hat geschen, was aus den Spanischen Kolonieen in Amerika geworden ist, welche Verlegenheiten Kanada der Englischen Regierung berei— tet und wie schwierig ihm selbst die Niederlassungen in Afrika werden, obgleich sie ganz in der Nähe liegen. Vorauszusetzen, daß ein Land, welches alle diese Erfahrungen vor Augen hat, versucht seyn sollte, eine neue Herrschast jenseit des Atlanti— schen Meeres zu gruͤnden, das heißt denn doch die Abge— schmacktheit etwas zu weit treiben.“

Großbritanien und Irland.

London, 25. Mai. Obgleich das Ministerium beschlossen hat, daß fuͤr die Kroͤnung Ihre Majestaͤt nicht unndthige und verschwenderische Ausgaben gemacht werden sollen, scheint es doch nichts unterlassen zu wollen, was, in Vereinigung mit einer angemessenen Sparsamkeit, gethan werden kann, um dieser Ceremonle einen feierlichen Glanz zu verleihen. Besonders soll die Kirchen⸗Musik, welche einen Theil des Gottesdienstes in der Westminster⸗Abtei bildet, diesmal auf eine außerordentlich groß⸗ artige Weise ausgefuͤhrt werden. Bei der Kroͤnung des ver— storbenen Koͤnigs faßte das dazu errichtete Orchester nur 187 Personen; bei der bevorstehenden Kroͤnung soll es zu 400 Per— sonen eingerichtet werden. Um mehr Platz zu gewinnen, will man deshalb die gewohnliche Orgel der Abtei fortnehmen und eine andere, weiter zuruck, an deren Statt aufstellen. Die aus— gezeichnetsten Englischen Sanger und Saͤngerinnen werden zu dieser Festlichkeit engagirt werden, und man wird Compositio— 6 von Händel, Attwood, Sir G. Smart und Boyce aus—

ren.

d Es ist dieser Tage noch ein drittes fuͤr die Fahrt zwischen England und den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika be⸗ stimmtes Dampfboot vom Stapel gelassen worden, welches den Namen „British Queen“ erhalten hat. Dies Fahrzeug wird, wenn es vollstaͤndig ausgeruͤstet ist, 16 Fuß tief im Wasser ge— . seine Schnelligkeit ist auf 101 / Knoten in der Stunde

erechnet, und es ist darauf fuͤr 289 Passagiere Raum vorhan— den. Seine Laͤnge beträgt 275, seine Breite 64 und seine Tiefe 27 Fuß; es haͤlt 1862 Tonnen, wovon töoöh fuͤr die Kohlen be— stimmt sind und 500 auf das Gewicht der Maschinen, der Kessel und des Wassers kommen: Fracht wird es 500 Tonnen aufnehmen. Die Maschinen desselben haben 509 Pferde Kraft. Die „British Queen“ duͤrfte wohl jetzt das groͤßte Schiff der Welt seyn, da es noch um 35 Fuß langer ist, als irgend ein Schiff der Britischen Marine.

Die Morning Post meint, wenn es den Franzosen ge— laͤnge, die Befriedigung der Forderungen, die sie an die Mexi— kanische Reglerung machten, durchzusetzen, so wuͤrden wahr— scheinlich auch die Englischen Inhaber Sud⸗Amerikanischer Obli—⸗ gationen die Verwendung der Britischen Regierung zu ihren Bunsten in Anspruch nehmen; indeß die Sache der Letzteren sey doch eine ganz andere und verdiene keine Beruͤcksichtigung, denn wer habe sie geheißen, ihr Geld aus bloßer Speculattons— sucht ohne Genehmigung, ja vielleicht sogar gegen den Rath der Minister in fremde Fonds zu stecken.

Provinzial-Blaͤtter fuͤhren Beschwerde daruͤber, daß die Belgische Regierung auf Englisches Toͤpfer⸗-Geschirr einen Zoll gelegt habe, der einem Verbot gleichkomme, und fordern daher das Englische Ministerium auf, dagegen zu protestiren.

Herr Roebuck hat ein Schreiben an Herrn O Connell ge— richtet, worin er denselben auffordert, seinen Einfluß auf das Ministerium zu benutzen, um den Hinrichtungen in Kanada ein Ziel zu setzen, bei welcher Gelegenheit er zugleich dem Agitator die bittersten Vorwuͤrfe daruͤber macht, daß er sich in den Ka— nadischen Angelegenheiten so treulos benommen habe. „Die Welt“, sagt er unter Anderem, „ist uͤberzeugt, daß Sie große Macht uͤber das jetzige Ministerium ausuͤben, und bei dem ge—⸗ genwärtigen Stande der Parteien kann Niemand zweifeln, daß Sie und Ihre Freunde ich sollte wohl richtiger sagen, Ihre Anhänger nach Belieben uͤber das Schicksal jeder Maß— regel zu entscheiden vermoͤgen, von der die Dauer des jetzigen Ministeriums abhaͤngen koͤnnte. Mit dieser Macht bewaffnet, koͤnnen Sie, und es ist klar, daß Sie es auch thun, das Ministerium dazu bringen, daß es alle Ihre wirklichen Wuͤnsche erfuͤllt. Ich sage wirkliche Wuͤnsche, um sie von denen zu unterscheiden, welche sie bloß geäußert haben, um sich Popularität zu erwerben, liberale Gesinnun⸗ gen, die auf den Lippen ersterben und nie eine 6 Folge haben. Unter den vielen Gemeinplaͤtzen Ihrer Rhetorik hat ein barmherziges und vernuͤnftiges Straf-System lange Zeit einen bedeutenden Platz eingenommen. Ich , selbst Sie oft mit großer Waͤrme und scheinbarem Eifer fuͤr gaͤngliche Ab— schaffung der Todesstrafe, besonders fuͤr politische Vergehen, sprechen hoͤren. Jetzt wuͤnschte ich nun die Aufrichtigkeit ihrer Worte zu erproben. Bisher setzte ich unumschraͤnktes Ver— trauen auf Ihre Worte; ich glaubte Ihnen, als Sie sich feierlich verpflichteten, meine unglücklichen Klienten, die so schwer gedrückten n , . Nieder ⸗Kanada's, zu vertheidigen. Aber Sie haben Ihr Versprechen nicht erfuͤllt. Verhindern Sie we— nigstens jetzt noch ferneres Biutvergießen. Sie und Ihre Freunde konnen, wenn Sie wollen, durch Ihren Einfluß auf das Ministerium jenen Schauder⸗Scenen sogleich ein Ende ma⸗ . Sagen Sie den Ministern, daß Sie dieses grausame

erfahren nicht länger dulden, daß Sie ihnen nicht laͤnger dazu behuͤlflich seyn wollen, am Ruder zu bleiben. Sagen Sie ihnen dies, und man wird auf Ste hören und Ihnen gehorchen.

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Wollen Sie dies aber nicht thun, so ersuche ich Sie, das Eng⸗ lische Volk nie mehr mit Ihren beredten Elegieen uber die Be— druͤckungen Irlands und mit Ihrem unwilligen Tadel der Feinde Irlands zu beschweren.“

Der Morning Chronicle wird von ihrem Korrespon— denten in Lissabon unterm 14. Mai Folgendes geschrieben: Es ist hier in der letzten Zeit nichts von Bedeutung vorge— fallen; alle Parteien scheinen sich nur auf den Kampf bei den beginnenden Wahlen vorzubereiten. Unter den Chartisten und geinäßigten Constitutionnellen haben sich einige Symptome der Zwietracht gezeigt, die, wenn sie nicht beseitigt werden, zu traurigen Resultaten fuͤhren koͤnnen. Es handelt sich dabei, wie ich glaube, nur um Personen und nicht um Prinzipien. Die gemäßigte Partei der September⸗Revolutionairs hatte, na— mentlich seit den Vorfaͤllen am 13. März, sich noch heftiger, als die Chartisten selbst, gegen die Pläne der Ultra's erklärt, und ihre Vereinigung mit den Chartisten schien natuͤrlich und unvermeidlich, um so mehr, da die neue Constitution fruͤhere Hindernisse entfernt hat; persoͤnliche Eifersucht faͤhrte jedoch in der letzten Zeit zu wechselseitigen Beschuldigungen, und die Furcht vor einem uͤberwiegenden Chartistischen Einflusse giebt sich schon wieder in den Organen der gemäßigten Partei zu erkennen. Etwa 200 Migzuelisten, die sich Guarda genähert hatten, sind von einem Detaschement des Zten Jäaͤger-Regiments und der dortigen Miliz geschlagen und zerstreut worden. Elf Migueli— sten wurden getoͤdtet ünd dreizehn gefangen genommen. Es sind Truppen nach den Hauptpunkten an der Graͤnze abgesandt worden, und wenn die Miguelisten nicht durch Spanische Fluͤchtlinge verstaͤrkt werden, so ist es nicht wahrscheinlich, daß sie dort werden etwas unternehmen koͤnnen. Die Miguelisten sollen von einem Spanier kommandirt werden, der sich fuͤr Dom Miguel ausgiebt und mit Geld wohl versehen ist. In einem Schreiben aus Montemor in Algarbien vom ten wird gemeldet, daß der Miguelistische Anfuͤhrer Baioa sich in Er— dade im Moz-Thale, eiwa 11, Legoas von Montemor, befin— det. Die von dem vorigen Kongreß angeordneten Reductio— nen und neuen Auflagen werden wohl die Einnahmen den Ausgaben fast gleichstellen. Die Veranschlagungen fuͤr das naͤchste Finanzjahr, vom Juni 1838 bis Juni 1839, geben die Einnahme auf 19,010,504 Piaster, die Ausgaben auf 10,439,960 Piaster an. Man hofft, daß die neuen Auflagen 1000 Contos de Reis ein— bringen werden, und daß sie, wenn erst die regelmaͤßige Erhe— bung derselben stattfindet, die Einnahme den Ausgaben voͤllig gleich stellen werden. Das gegenwartige Defizit ist uͤbrigens eine große Verbesserung des letzten Budgets, welches, als es im vorigen Jahre ven Herrn Passos vorgelegt wurde, ein Defizit von nahe 2000 Contos ergab, indem die Einnahme damals zu

9000 Contos und die Ausgaben zu 11,000 Contos veranschlagt worden waren. In diesen Veranschlagungen sind die Zinszah— lungen fuͤr die innere und auswaͤrtige Schuld mit einbegriffen. Wird nur die Ruhe erhalten und läßt man den Huͤlfsmitteln des Landes Zeit, sich zu entwickeln, so ist kein Grund abzusehen, warum Portugal nicht allen seinen Verpflichtungen sollte nach kommen koͤnnen.“

Belgien.

Bruͤssel, 27. Mai. Eine vom hiesigen Gemeinde⸗Rathe ausgegangene Darlegung seines Verfahrens ist unter dem Titel: „Die Mitglieder des Gemeinde⸗Raths an ihre Mitbuͤrger“ er⸗ schienen. Es heißt darin unter Anderem: „Unsere Abdankung hat keinen anderen Grund, als die Erkläarüng der Regierung, der Stadt Bruͤssel allein die Schadloshaltung, welche die Opfer der politischen Bewegungen fordern, aufbuͤrden zu wollen. War es nicht hinreichend, daß Bruͤssel von einer fremden Armee be— stuͤrmt, mit gänzlicher Zerstoͤrung bedroht wurde, und wahrend der vier Tage, die das Land unsterblich nennt, alle Graͤurl des Krieges dulden mußte? Sollten die Bewohner Bruͤssels, nach— dem sie das Land gerettet, seine Unabhängigkeit erkaͤmpft, allein die Schuld tragen, welche das Land in jenen Trauertagen auf— genommen? Solltet Ihr Schulden bezahlen, die Ihr nicht ge—

macht, wahrend Ihr noch jetzt die Zinsen der großen Summen,

die zur e, , , mehrerer Wege aufgenommen wur— den, abzutragen habt, obgleich der Staat dieselben seit

mehr als vierzig Jahren ohne die geringste Entschaäͤdigung benutzt?“ Im weiteren Verlaufe errinnert der Gemeinde—

rath daran, daß er den Koͤnig ersuchte, seine Minister mit der ĩ fuͤr sich hatte; er ward also zum Praͤsidenten der Versammn

Einrichtung eines Gesetz-Entwurfes zu beauftragen, durch wel—

chen der Staat die Schadloshaltungen uͤbernaͤhme; eilf Mo nate spaäͤter wurde dieser Schritt erneuert und damals erklart, 14 juris Schyite mit 45 und Prokurator Sörensen mit 7 en

daß, wenn Bruͤssel diese Last allein tragen solle, der Gemeinde— rath abdanken muͤsse. Diese Vorstellungen wurden dem Koͤnig nebst einer muͤndlichen Angabe der Beweggruͤnde von den Mit— gliedern des Gemeinderathes uͤbergeben. „Der Koͤnig gab den Nepraͤsentanten der Stadt“, heißt es dann weiter, „die un— zweideutigsten Versicherungen seiner Theilnahme, und alle, die zugegen gewesen waren, gingen mit der Ueberzeugung weg, daß, wenn die Rathgeber des Königs eben so wie er dachten, die Wuͤnsche der Hauptstadt, welche der Gemeinderath ausgespro— chen hatte, bald erfuͤllt werden wuͤrden. Neun Monate spaͤter berief der Minister des Innern den Burgemeister zu sich, und schluß ihm die Abtretung der wissenschaftlichen Sammlungen und der dazu bestimmten Gebaͤude vor. Welchen unangeneh— men Eindruck auch dieser Vorschlag auf den Gemeinderath machte, so nahm ihn derselbe doch, dem Prinzip nach, an, weil er darin ein Mittel zur Verständigung und zur schleunigen Be— zahlung der Schulden, ohne neue Anleihen, zs erblicken glaubte. Er machte jedoch die Bedingung, daß diese Anstalten in Bruͤs⸗— sel bleiben sollten. Eine Kommsssion wurde mit den Unterhand— lungen beauftragt. Dieselbe setzte dem Ministerium auseinan— der, wie sehr die Ehre, die Wuͤrde und das Ansehen Belgiens, wie sehr selbst die innere Ruhe unter der Ungerechtigkeit leiden wuͤrden, wenn man der Hauptstadt allein die Abtragung der Entschadigungen uͤberlassen wolle. Der Minister verlangte Aus—⸗ kunft uͤber den finanziellen Zustand und Werth der abzutreten, den Gegenstaͤnde; man ertheilte sie ihm. Spaͤter forderte er ein Inventarium der Sammlungen, worauf er dem Kollegium seine Bemerkungen mittheilte und einige Erklärungen verlangte. Das Kollegium antwortete mit großer Aus fuͤhrlichkeit. Das gaͤnzliche Schweigen des Ministers machte es wahrscheinlich, daß er zu— friedengestellt sey. Man hatte ihm schon die Kataloge des natuür—⸗ historischen Kabinets und der Bibliothek uͤbergeben, als er ant— wortete, daß er zwar noch nicht alle noͤthigen Erkundigungen eingezogen habe, daß er sich aber eine ungefaͤhre . von den Beduͤrfnissen machen koͤnne. Unterdeß bricht er die ÜUnter⸗ handlung ab, und giebt fuͤr den Augenblick in Betracht der Dringlichkeit der Beduͤrfnisse, die Abtretung dieser Anstalten auf. Er wollte die unumgaäͤnglich nothwendigen Summen pruͤ⸗ fen, und bot die Garantie fuͤr ein Darlehen von sechs Millionen an, ohne jedoch etwas fuͤr die Pluͤnderungen zu bewilligen. Die Kammer uͤberwies alle Entschaͤdigungs⸗Gesuche dem Mini⸗

sterium, ohne daß der Minister Bericht daruber Die ser schickte eine Depesche folgenden Inhalts an 2 und hierin ist allein der Grund unserer Abdankung zu suchen 2 habe noch nicht“, lautet dieselbe, „von den für die Ern gungen erforderlichen funf Millionen gesprochen. Ich tun zu Überlegen, ob diese Schwierigkeit nicht durch Rug abel tenten an die Betheiligten gehoben werden könnte. In * Falle ist es sehr wesentlich, daß Sie sich mit den Opfern de e rungen vor der Einreichung und Veroffentlichung des 1 n Entwurfes vergleichen.“ Endlich wird noch hinzügefugt: nl Regierung garantirt die Bezahlung dieser Renten unter 6 Bedingung.“ Der Gemeindergth sucht sedann zu erm! daß die Vertheilung der Beitraͤge zu den Entschäͤdigu— dern hoͤchst schwierig gewesen seyn, und die größte Erhin. erregt haben wurde. Durch die vorgängige Vergleig n. n den Opfern der Pluͤnderungen, wuͤrde die Stadt ihre Var s, dazu anerkannt, und jede Reclamation an den Kon die Kammern aufgegeben haben. In Betreff der auff den sechs Millionen ist Alles beim Alten geblieben, 1. der Gemeinderath nicht verkennt, daß die Garantie des En in manchen Fallen sehr nuͤtzlich seyn konne.“ n

Luͤttich, 27. Mai. Man liest im Journal de „Aus den Berichten, welche wir kurzlich über die Wahsln! Limburgschen und im Bisthum Luͤttich mitgetheilt, hat mm sehen, daß der Bischef von Luͤttich an mehrere Pfarrer n zug auf die Wahl Angelegenheiten geschrieben hat, Man,, uns

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jetzt die bestimmte Versicherung, daß an alle Pfan. Limburg und in Luͤttich Umlaufsschreiben ergangen sin welchen es ihnen zur Pflicht gemacht wird, die Waͤhler 141 suchen und sie gegen die liberalen Kandidaten zu inn Eine solche Einmischung in die politischen Angelegenheiten? dem Ansehen der Geistlichkeit nur schaden; dieselbe mu vielmehr von solchen Kämpfen fern halten, weil sie sich de) die Mißbilligung eines großen Theils der Einwohner zu Daher fanden wir es auch sehr begreiflich, daß diesen Geistlichen, die von der Wuͤrde ihrer Stellung eine

Ansicht hatten, die Theilnahme an dergleichen Umtrieben i

lich ablehnten.“ .

Schweden und Norwegen.

Stockholm, 22. Mat. In einem großen am lltan gehaltenen Ordens-Kapitel sind unter sehr vielen Anderen n nannt worden: Zum Seraphinen-Ritter General Lieutenant herr Bror Cederstroͤn; zum Großkreuz des Schwert- Oro General-⸗Major Clairfeldt. Unter denen, welche den Rin schlag erhielten, war der erst kurzlich zum Seraphinen-In ernannte jetzige Koͤnigl. Staats-Minister des Auswärtigen sn herr Stjerneld. .

In Norwegen ist der verdiente Staatsrath Rosenkran Tode abgegangen.

Nachdem wir bereits 21“ Waͤrme im Schatten gehabt, wieder ein sehr kalter NO. Wind mit Schneefall eingetnn Die Landseen sind noch dick mit Eis belegt. (.

Alle Schwedischen Kauffahrteischiffe in unserem Hafen) ben nunmehr die Unions-Flagge abgelegt und die alte Sch dische Flagge aufgezogen.

Dänemark.

Kopenhagen, 26. Mai. Am Montage den 21. 1838 ward, in Uebereinstimmung mit dem Allerhoöchsten Pm vom 10. Januar d. J., v Dersamwiung der Provtnziglsth fuͤr Nord-Juͤtland, nach vorhergegangenem offentlichen Gon dienst, wobei die Rede vom Bischof Oellgaard gehalten win eroͤffnet. Außer dem Koͤniglichen Kommissarius, Konferenz Derstes, waren von den 535 Mitgliedern der Versammlun)! gegenwärtig. Der Königliche Kommissarius eroͤffnete die sammlung mit einer Rede, worauf das aͤlteste Mitglied det ben, Landwesens-Commissair Wulff, das Wort nahm. Koͤnigliche Kommissarius legte darauf der Versammlung i Königliche Bekanntmachung uͤber die Resultate der im Imh 1836 abgegebenen staͤndischen Bedenken und uͤbrigen Anmm vor. Sodann ward zur Wahl eines Praͤsidenten geschrit und beim Aufzaͤhlen der Stimmen, deren in Allem 51 wan fand es sich, doß Professor Schouw (Praͤsident der en Staͤnde-Versammlung), mit Ausnahme einer einzigen,

erklaͤrt. Zum Vice-Praͤsidenten ward Herr Stifts-Amtms Rosendoͤrn mit 38 Stimmen erwaͤhlt, zu Secretairen Esam men. Um unter Aufsicht und Mitwirkung des Praͤsidenten! Versammlung die Herausgabe der Zeitungen zu besorgen, wo die Verhandlungen einzuruͤcken ö. wurde mit 23 Slim! Justizraih Fleischer und mit 22 Justizrath Obergerichts⸗Ast Brunn erwählt. Der Stifts-Probst Hald schlüg darauf Versammlung eine Dank-Adresse, mit Bezug auf die ern Königl. Bekanntmachung vor. Auf den Vorschlag des denten setzte indessen die Versammlung die Eroöͤrterung inn Proposition bis zur naͤchsten Zusammenkunft aus, besondels Nuͤcksicht darauf, daß die Koͤnigl. Botschaft erst in der g waͤrtigen den Mitgliedern der Versammlung mitgetheilt Der Rest der drei herausgekommenen Nummern der el fuͤr die Verhandlungen enthält die Koͤnigl. Bekanntmachun

Deutschland.

Hannover, 30. Mat. Die erste Kammer hat sih . Sitzungen vom Sten bis 19ten d. M. mit einem 8 ntwurf uͤber das gerichtliche Verfahren in Kriminglsachen, schaͤftigt. Nachstehendes ist der Inhalt des diesen Entwun gleitenden Koͤniglichen Schreibens vom 29. April: 9 „Ernst Augußt zr. Je ernstlicher es Un ser Wunsch ist, zm) wichtige Kriminal⸗Rechtépflege in Unserem ganzen Königreiche j festen, dem Bedürfnisse der gegenwärtigen Feit entsprechenden leichartigen Grundlagen beruhe, um desto mehr gedenken Wir ig fee daß die zu diesem Zwecke unternommenen umfassen den beiten baldmöglichsi zu einem gedeihlichen Resultate gelangen. haben deshalb darauf Bedacht genommen, das Hindernig, 1 dem für jetzt noch entgegensteht, die vielleicht ven Unserer Jeu allgemeinen Stände⸗Versammlung noch

nicht sobald zu zi co Berathung des ihr vorliegenden Entwurfs iner volsständin! minal⸗Prozeß, Ordnung., zu befeitigen, und zu dem Endes eiu eren Gesetz-⸗Entwurf ausarbeiten lassen, der die Vorschri ten ; ei der Publication des Straf-Gesetzbuchs nicht zu cn ir ate! wird, und zugleich die wesentlichsten der in der Pre irß⸗ Sr dun ng absichtigten Reformen des Kriminal-Verfahrens enthält, in tz wie Wir sicher vertrauen, in der nächsten Zeit auszurei g n, wird. Diesen Entwurf lassen Wir hierneben mit seinen fe. der getreuen allgemeinen Stände-Versammlung zur reglemen 9 gen Berathung zugehen. Dieselbe wird gleich Uns von r , lichkeit einer raschen Erledigung dieses für das Wohl ö. 9 treuen Ünterthanen so wichtigen Gegenstandes überzeugt leg j sehen deshalb riner baldthumichsten ' Erklärung über dense

and verbleiben Denselben mit Unserer Königlichen Guade nnd

een Söten, wi: auch mit guädigstem Willen siets berigethan.“

allem Italien.

Rom, 18. Mai. (Allg. 3.) Der Neapolitanische Mi— Staäats-Secretair Marchese Delcarretto, ist vorgestern troffen, und hat gestern bereits den Staats Secretair Lambrüschini besucht, und darauf auch eine Zusam—

nister, hier einge Kardinal

*

ie Unterhandlunge ; . deu r der Räuber, die den Anfall auf zwei Wagen in der Nähe von Terracing kurz vor Ostern machten, eingefan⸗ 1 6 *

en und den Nea i gebe Vasilien ist der Ritter Es de Macedo, zuletzt in Lissabon, hier—

reitigen Angele . 2 . 84 nu bereits der dritte Diplomat, der in einem Zeitraume

Ten wenig Jahren wegen der bestehenden Differenzen hier er— scheint. Wir wollen hoffen, daß er glücklicher ist als seine bei— den Vorgänger. Von den fremden Diplomaten werden uns mehrere diesen Sommer auf unbestimmte Zeit verlassen. Der Russische Gesandte, Staatsrath Potemkin, wird sich nach Flo— renz begeben, bei welchem Hofe er zugleich accreditirt ist. Der Oesterreichische Internuncius in Konstantinopel, Freiherr von Stuͤrmer, ist, aus Malta kommend, hier eingetroffen, und wird dieser Tage seine Reise fortsetzen. Eine Erfindung, welche ein gewisser hr. N. Leweski, aus Athen gebuͤrtig, ge— macht haben will, besteht in nichts Geringerem, als bei Fort⸗ bewegung von Schiffen und Wagen die Kraft des Dampfes durch komprimirte Luft zu ersetzen. Wir sehen gegenwartig ein Schiff auf der Tiber mit Schaufelrädern nach seiner Erfindung eingerichtet, welches in diesen Tagen seine erste Probefahrt machen soll.

Spanien.

Madrid, 19. Mai. (Morning Chronicle.) Man scheint endlich den Krieg in Aragonien ünd Valencia mit Nach— druck fahren zu wollen, und Espartero hat der oͤffentlichen Mei— nung und den Aufforderungen des Kriegs-Ministers nachgeben und eine Verstärkung von 3000 Mann von seiner Division ab— senden muͤssen. Der General Pardiñgs, welcher vorgestern Abend in der Hauptstadt angekommen ist, wird sich mit 2000 Mann eben dahin begeben, und Aspiroz ist bereits mit seinen Truppen bei der Armee des Centrums angekommen. Das Mi— nistertum war eine Zeit lang mit Oraa unzufrieden, allein man halt sich überzeugt, daß dies weniger die Schuld des Generals als der Regierung war, und daß Draa, da er jetzt hinreichende Streitkräfte hat, um Cabrera die Spitze bieten zu konnen, auch setzt, wie immer, seine Pflicht thun werde.

Ein Theil der Andalusischen Armee soll dazu verwendet werden, die Ueberreste der Karlistischen Corps in der Mancha zu verfolgen.

Daß die Regierung die Basken ihren Streit mit Don Carlos allein ausfechten läßt und sich auf keine Weise hinein— mischt, wird hier sehr gebilligt, da man hier glaubt, es konne keine Zeit einer solchen Einmischung unguͤnstiger seyn, als der gegenwaͤrtige Augenblick.

Sir George Villiers gab am 15. ein glänzendes Abschieds— Diner. Der Tag seiner Abreise nach England ist jedoch noch nicht festgesetzt.

Der Correo theilt in einer Korrespondenz eine Uebersicht mit von dem Verluste, den die Karlisten seit dem Beginn die— ses Jahres erlitten haben. Es ergiebt sich daraus, daß sie an Offizieren und Soldaten 14,387 Mann verloren haben, und von diesen sind allein 2298 durch den General Flinter in Ye— benes und Val de Peñas dienstunfaͤhig gemacht worden.

JZereinigte Staaten von Nord-Amerika. In der vorigen Woche sind nicht weniger als funfzehn von

den Indianern in Florida veruͤbte Mordthaten bekannt gewor— den. Auch mehrere ungluͤckliche Gefechte haben in den suͤdlichen und westlichen Staaten stattgefunden. thaten sind mit der rohesten Grausamkeit verübt worden; so er— schlugen und skalpirten die Indianer einen ehrwuͤrdigen alten

Einige von den Mord—

Mann von 11 Jahren, dann erschossen sie einen Courier bei Fort King, skalpirten ihn, rissen ihm die Augen aus, schnitten ihm Nase und Ohren ab und verstümmelten uͤberhaupt den wdten Korper auf die schauderhafteste Weise.

Der Korrespondent der Morning Chroniele in Philadelphia (s. den Art. Paris) stimmt den in Mexiko verbreiteten Geruͤchten, daß die Franzosen die Absicht hatten, sich in Mexiko festzusetzen, voͤllig bei und schreibt in dieser Be— ziehung unterm J. Mai: „Die Elemente der Zwietracht im Golf ven Mexiko sind zur Reife gediehen. Die prophetischen Bemerkungen Canning's und Huskisson's, sowohl im Unter— hause, als in Privatzirkeln, wurden in dem echten Geiste phi— losophischer Wahrheit und Menschenkenntniß ausgesprochen. Hier ist fuͤr die ganze Welt eine lockende Aussicht zür Koloni— sirung, denn die Mexikaner sind voͤllig unfähig, sich selbst zu regieren, und Macht und Herrschaft sind im Begriff, sie zu verlasen. Ein Vorwand ein Streit verlangte und ver— weigerte Genugthuung ein Krieg und es ist aus mit der Republik Mexiko— Ich habe bereits der Zwistigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko, des anmaßenden Ehr⸗ geizes von Texas, so wie der bestaͤndigen Anarchie und Ver— wirrung, in der sich die Gold- und Silber-Nation befindet, und vor Allem des Umstandes gedacht, daß in diesem Augen— blick eine feindliche Franzoͤsische Flotte vor dem Hafen von Veracruz liegt. Eine dieser drohenden Wolken oher alle verkuͤndigen eine Um“ walzung und eine StSrung in der Atmosphaͤre von Bustamente's Re⸗ gierung; aber die letzte dieser Wolken, nämlich die Franzoͤsische Flotte, und die entschiedene Stellung, welche ihr Commandeur angenom' men, wird wahrscheinlich mit der Wegnahme des Forts und Hafens von Veracruz endigen. Geschieht dies, so ist es wahrscheinlich, daß Mexiko mit seinen S bis?) Millionen Einwohnern eine Franzdͤsische Kolonie werden wird, und zwar die fruchtbarste, reichste und produktivste Kolonie der Welt. Ich will hier keines— . . schreiben, allein ich nehme keinen Anstand, z ine Ueberzeugung auszusprechen, daß der gegenwaͤrtige Zu— and der Angelegenheiten die Vermuthung rechtfertigt, daß ein . von Mexiko in kurzem in den Händen der Franzosen en wird. Diese Ueberzeugung theilt mehr als Ein bedeuten—

der Amerikanischer Staͤatéma ? i 8 nn. Man erwäge nur die hacsachen Der Franzoͤsische Gesandte hat dem Praͤsi⸗

ten Bustamente sein Ultimatum uͤbersandt, worin er

demselben die

unn Wahl laßt zwischen Krieg und der Zah—

n Entschaͤdigung von Soo, 000 Dollars bis zuin Ver 3 und der Franzoͤsische Admiral hat erklart, dal er br. uz belagern und wegnehmen werde, wenn die in dem

atum aufgestellten Bedingungen nicht erfuͤllt wuͤrden. Das

menkunft mit Kardinal Bernetti gehabt, sJ daß man glaubt,

n werden ohne Zeit verlust beginnen. De. Laß ein Volk, bei dem die Eroberuͤngslust stets dinen ausgezeichneten

politanischen Gerichten übergeben. Von

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Wichtigste bei diesen Unterhandlungen ist die Mäßigung der Mexikanischen Regierung, denn wir wissen aus guter Quelle, daß die Mexikaner furchibar erbittert sind und gedroht haben, alle Franzosen aus dem Lande zu jagen und ihr Eigenthum zu konsisziren. Währt diese Stimmung fort, so ist der Krieg und der Fall von Veracruz unvermeidlich, und ein Hafen, der gewissermaßen die ganze kontinentale Kuͤste des Mexikanischen Golfs beherrscht, wird in die Haͤnde der Franzosen uͤbergehen. Und wo, frage ich, wird ihr Ehrgeiz enden? Ist es wahrscheinlich,

Zug seines National⸗Charakters bildete, dessen Kolonisirüngs-Sucht es veranlaßte, selbst die Sand wuͤsten Afrika's zu bevölkern, bloß um eine maritime Macht im Mittelmeere zu erlangen, dessen Ma—

40 * . . xine seit kurzem ungeheuer vermehrt worden ist und dessen r als Geschaftefũhrer beim heiligen Stuhl geschickt, um die ] eh d ͤ 2. . J P

genheiten mit der Kirche in Ordnung zu bringen.

Soͤhne die Regierung, bei dem heftigen und unzufriedenen Geiste derselben, mit Freuden auf eine entlegene Kuͤste verpflan— zen wurde, ist es, sage ich, wenn man alle diese Umstaͤnde erwägt, wahrscheinlich, daß die Franzosen sich mit dem Hafen von Veracruz begnuͤgen werden? Alle Geschichte und Erfah— rung scheint das Gegentheil zu lehren. Wahrlich, es wäre wohl die Sache anderer Nationen, sich etwas mit diesem Ge— genstande zu beschäftigen und sich uber die Beschwerden Frank— reichs gegen Mexiko zu unterrichten. Diese Beschwerden muͤs— sen in der That bedeutend seyn, wenn es nöͤthig ist, die furcht— bare Alternative von Krieg und Eroberung ober Unterwerfung ihretwegen aufzustellen. Und doch ist es auffallend, daß diesel⸗ ben, zwei oder drei unbedeutende Gegenstaͤnde ausgenommen, in den Vereinigten Staaten unbekannt sind.“

Inland.

Berlin, 1. Juni. Se. Majestäͤt der Kaiser von Rußland geruhten heute eine Deputatton des Magistrats und der Stadt— verordneten anzunehmen, welche das Gluͤck haben sollte, Aller hoͤchstdieselben als Bürger der Stadt im Namen derselben zu bewillkommnen. ) Der Ober-Bürgermeister Krausnick sprach in ehrfurchtsvollen Worten die Gesinnungen aus, von welchen die Buͤrgerschaft gegen den erhabenen Monarchen durchdrungen ist. Se. Majestät erwiederten diese Anrede auf die huldvollste Weise und geruhten zugleich, Sich beifaͤllig uber die Gruͤndung des Nikolaus⸗Buͤrger-⸗Hospitals zu äußern, welche Ihren Gesinnun— gen vollkommen entsprochen habe. Allerhoͤchstdieselben ließen

*

Sich hierauf die Mitglieder der Deputation einzeln vorstellen und geruhten, diese davon in Kenntniß zu setzen, daß Ihre Ma⸗ sestaͤt die Kaiserin gleichfalls die Gnade haben wolle, sie anzu⸗.

neh men. Diese Vorstellung fand unmittelbar darauf statt, und Ihre Majestät die Kaiserin nahmen auf das Gnaͤdigste und Huld vollste

die ausgesprochenen Gesinnungen treu bewahrter Anhaͤnglichkeit entgegen, welche Allerhoͤchstsie als vorzugsweise hervorgehend vielfache Weise Anstalten getroffen, den Fremden den Aufent⸗ halt so angenehm wie moͤglich zu machen. Außer der Gewerbe—

aus der Liebe der Buͤrgerschaft zum Könige, und als ein theu— es Erbe der verklärten Königlichen Matter betrachteten. Ihre

Majestaäͤt geruhten, Ihre Allergnädigste Anerkennung jener Ge⸗

sinnungen der Buͤrgerschaft gegen die Deputation im Allgemei— nen, wie gegen jeden Einzelnen der Deputirten huldvoll auszu— druͤcken, und die sprechendsten Beweise dafuͤr in dem jedesmali— gen herzlichen Empfang in hiesiger Residenz zu finden.

Gestern Abend war ein glaͤnzender Ball und Souper in dem Palaste Sr. Koͤnigl. Hoheit des Prinzen Wilhelm (Soh— nes Sr. Majestät des Koͤnigs), welchem sämmtliche Prinzen und Prinzessinnen des Koͤnigl. Hauses, so wie die hier anwe— senden fremden hohen Herrschaften beiwohnten.

Der Herr Ober-Präsident von Bassewitz bringt in dem Amtsblatt nachstehende Allerhöͤchste Kabinets-Ordre zur öͤffent— lichen Kenntniß:

„Ich bestimme, daß der zeitige Gouverneur von Berlin

als die erste Militair⸗Behoͤrde dieser Meiner Residenz angese⸗

hen werden soll, ohne daß ihm der kommandirende General des Garde⸗Corps untergeordnet wird. Der Gouverneur erstattet in geeigneten Faͤllen seine Berichte unmittelbar an Mich und hat in dieser Hinsicht sowohl, als in nschunz seines Verhaͤltnisses zum Kriegs-Ministerium, so wie als Gerichtsherr des Gouver— nements-Gerichts, die Befugniß eines kommandirenden Gene— rals. Ihm liegt die Fuͤrsorge für die militairischen Maßregeln zur Aufrechthaltung der offentlichen Ruhe und Ordnung ob, und es stehen in dieser Beziehung saͤmmtliche Truppen der Garni— son zu seiner Disposition. Der Kommandant vertritt den Gou— verneur in allen Fällen und handelt in seinem Auftrage. Das Kriegs- Ministerium hat hiernach das weiter Erforderliche zu verfuͤgen. .

Berlin, 13. Mai 1838. . ; 2 An das Kriegs-Ministerium.“ Friedrich Wilhelm.

Breslau, 29. Mai. Bel dem gestern hier abgehaltenen Pferderennen hatten der General und Kommandant von Strantz J., der Graf von Roͤder auf Glumbowitz und der Amtsrath Heller das Richteramt übernommen. Der Rennen waren 7. Bei dem ersten, von Ihrer Durchlaucht der Frau Fuͤrstin von Lieg⸗ nitz gestifteten, auf der freien Bahn, um die Einsaͤtze zu 5 Friedrichsd'or ohne Reugeld und den Besitz eines silbernen Pokals, dessen Eigenthum jedoch nur durch dreimaligen Sieg erworben wird, siegte von 35 Rennern der Hengst „Stiff“ des Prinzen Benj. Rohan. Im zweiten (Unions, Rennen, 20 Friedrichsd'or Einsatz, Halfte Reugeld) gewann von drei Theil— nehmern der Hengst „Poor-Boy“ des Grafen von Renard den Preis. Beim dritten, auf der Bahn mit Hindernissen (Offi— zier-Pferde, 2 Friedrichsd'or Einsatz, ganz Reugeld), um ein fuͤr die Einsaͤtze anzuschaffendes Ehrengeschenk und einen Eng— lischen Sattel, siegte von zwei Theilnehmern der Fuchswallach des Fuͤrsten Franz Lichtenstein. In dem vierten, von Sr. Königl. Hoheit dem Prinzen Karl von Preußen gestifteten Ren— nen auf freier Bahn (Pferde, auf dem Kontinent gebo— ren, Einsatz 5, Reugeld 10 Friedrichsd'or), um die Einsaͤtze und den Jahresbesitz der sübernen Denktafeln, siegte von zwei Be⸗ werbern der Hengst „Mylord“ des Herrn Lichtwald aus Neu— Brandenburg. Zu dem fuͤnften auf freier Bahn (Herren rei— ten, Einsatz 3 Friedrichsd' or, ganz Reugeld) um einen von der Graͤ⸗ fin von Renard ausgesetzten goldnen Pokal und die Haͤlfte der Ein⸗ sätze, von denen der zweite Sieger die andere Haͤlfte erhaͤlt, waren acht Pferde angemeldet, von denen jedoch nach dem ersten Lauf, welcher fuͤr ein todtes Rennen erklaͤrt werden mußte, 5 zuruͤckgezogen wurden. Den Sieg gewann die Stute „Brillante“ des Lieutenant Gra— fen v. d. Goltz. In dem sechsten Rennen auf freier Bahn mit in Schlesien gezogenen Pferden, um die Einsaͤtze zu 6 Frd'or. mit halbem Reugeld und einen Vereinspreis von 260 Rthlrn., gewann von vier Rennern der vorgedachte „Poor Boy.“ In dem letzten, einem Bauern-Rennen um Bereinspreise von 160, 40 und 20 Rthlr., trug von acht Bewerbern der braune Wallach

) Die Angabe in Rr. 110 der St. Ztg., daß bald nach der Ankunft Ihrer Majestäten auch schon eine schriffh⸗ Deputation bei Allerhöchst⸗ denselben die Aufwartung gemacht, hat auf einem Irrthume beruhi.

des Erbschulzen Kliem aus dem Glogauer Kreise den ersten Preis davon. Die Theilnahme, welche die diesmaligen Rennen von Oesterreich aus gefunden hatten, läßt hoffen, daß die Schle⸗ sischen Rennen zu einem Vereinigungs⸗Punkt mehrerer Länder in dieser Beziehung werden und das Schauspiel der interessan⸗ testen Konkurrenzen darbieten werden. Zur besseren Post Verbindung * Goͤrlitz (Sachsen) und Glogau (Posen) ist vom 1sten d. M. ab eine woͤchentlich zweimalige Fahrpost zwischen Goͤrlitz und Klopschen uͤber Sprottau in Gang gesetzt, die sich hier an die tägliche Schnellpost nach und von Glogau anschließt. Damit steht in Verbindung eine tägliche Kariolpost, statt der bisherigen Fahr- und Botenposten zwischen Sagan und Neusalz uͤber Freistadt, die Vermehrung der wöchentlichen Fahrten der Kariolposten zwischen Freistadt und Sprottau und zwischen Priebus und Halbau, von zwei auf drei und eine woöͤͤ— chentlich zweimalige Kariolpost zwischen Sorau und Halbau. Von demselben Zeitpunkte an ist statt der woͤchentlich zweimali— gen Fahr, eine tägliche Kariolpost zwischen Landshut und Jauer eingerichtet.

Erfurt, 27. Mai. In dem hiesigen Regierungs⸗Be— zirk sind 1836 und 1837 von 29 evangelischen Landgemeinden 16,770 Rthlr. und von 6 Stadtgemeinden 26,358 Rthlr., worun⸗ ter 16,090 Rthlr, fuüͤr den Neubau eines großen Schulhauses in Erfurt, zum Schulhausbau verwendet worden.

Halle, 25. Mai. (H. C) Auf Anordnung des Herrn Justiz⸗-Ministers Muͤhler Excellenz, hat das hiesige Königl. In qutsitoriat, im Auftrage des Königl. Ober-Landesgerichts zu Naumburg, am vergangenen Donnerstage dem Herrn Super— intendenten Guerike, in Anerkennung der mehrjährigen uneigen⸗ nuͤtzigen Verdienste desselben um die Seelsorge bei den hiesigen Kriminal-⸗Gefangenen, eine prachtvolle Folio⸗Bibel mit Kupfern, mit Angabe der Veranlassung dieses Ehrengeschenks bezeichnet, uͤberreichen lassen.

Aachen, 26. Mai. (A. 3.) Mit der ersten Bluͤthe des Fruͤhlings bewährt sich auch wieder die alte Anziehungskraft unserer freundlichen Vaterstadt, denn schon seit mehreren Wochen sind die ersten fremden Gäͤste eingezogen, die an unse— ren gut bewahrten Quellen Genesung und neues Leben zu schoͤpfen kommen. Wenn an andern Orten Besorgnisse laut ge— worden sind, daß die Festlichkeiten in London, Berlin und Mai— land dem Besuch mancher Badeorte Abbruch thun moͤchten, so

at die Erfahrung doch bereits gelehrt, daß dergleichen auf Aachen wenig Einfluß hat, und wir durfen daher mit Recht hof⸗— fen, daß auch diesmal die Saison wieder ihren alten Glanz be— haupten werde. Auch sind wirklich bereits schon fuͤr mehrere ausgezeichnete Personen, die den Sommer uͤber in unseren Mauern zubringen werden, Quartiere bestellt, so namentlich fuͤr Se. Durchlaucht den Herzog von Aremberg, der in diesen Tagen mit seiner Familie hier erwartet wird. Bereits sind auf

Ausstellung, die fuͤr Viele von Interesse seyn wird, duͤrste be— sonders das diesjährige Wettrennen zu den glänzendsten gehö— ren, die wir bisher bei uns gesehen. Dasselbe ist auf den 27sten und 29. August festgesetzt, wofür verschiedene Preise von 3090 Friedrichsd'or bestimmt sind, waͤhrend zugleich ein Herrenreiten

statt finden wird, wozu das Comité eine große Vase von ver—

goldetem Silber als Preis ausgeworfen hat. Nach den bereits

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gemachten Zusicherungen haben wir gegründete Hoffnung, die ersten Pferde des Festlandes hier versammelt und um den Sieg wetteifern zu sehen.

Separation des großen Behler Retzbruches.

Die Staats Zeitung hat bereits mehrmals und zuletzt fuͤr das vergangene Jahr uͤber die Resultate der Wirksamkeit der in verschiedenen Provinzen der Monarchie niedergesetzten Gene⸗ ral⸗Kommissionen zur Auseinandersetzung der gutsherrlichen und bäuerlichen Verhaͤlrnisse und fuͤr die Gemeinheits-Aufhebungen, so weit sie sich im Allgemeinen numerisch darstellen lasfen, Mit⸗ theilungen gemacht. Um jedoch an einem einzelnen groͤßeren Veispiele lebendiger zu zeigen, welche Hindernisse dabei zu über— winden sind, und was damit erreicht wird, folgt hier eine aus— führlichere Nachricht uͤber die erst kuͤrzlich ans Ziel gebrachte Separation des großen Behler Netzbruches: Die Netze scheint noch im 13ten und 1Läten Jahrhundert bis zum Gopto-See hin— auf einen so hohen Wasserstand gehabt zu haben, daß sie ent— weder immer, oder doch im Fruͤhsahr das ganze Bett, welches jetzt noch innerhalb der zu beiden Seiten befindlichen Höoͤhen liegt und das Netzbruch genannt wird, mit schiffbarem Wasser gefuͤllt hat. Wenigstens finden sich im Netzbruche hin und wie— der Ueberbleibsel groͤßerer Fahrzeuge, welche aus jener Zeit her— zuruͤhren scheinen. Auch fuͤhrten fruͤher die bei Landsberg zu— sammentretenden Fluͤsse, von der Vereinigung an bis zum Ein— gang in die Oder, den Namen der Netze, als des Hauptflusses. Nach und nach mußte indessen die Netze der Warthe nicht al— lein den Vorrang, sondern, im vereinigten Laufe, auch den Na— men abtreten, weil sie einen großen Theil ihres Wasser-Reich— thums verlor und immer mehr und mehr in ihr jetziges, enges, bloß bei hohem Wasserstande uͤberschrittenes Bett zuruͤcktrat. Nunmehr wurde mit der Zeit der alte Flußgrund fester und er— zeugte ein wildes Gestruͤppe, in welchem die Naubthiere nisteten.

So stand die Sache, als der Woywode von Lerzyc, Adam Sedziwoy v. Czarnkowski und nach ihm sein Sohn, der Kastel— lan von Posen, Franz Casimir v. Czarnkowski, im Anfange des I7ten Jahrhunderts den großen Czarnikauer Guͤter⸗Komplexus besaßen, welcher die jetzigen ausgedehnten Herrschaften: Czarni— kau, Behle, Schoͤnlanke nebst Hammer (gegenwartig die Staͤdte: Czarnikau, Schoͤnlanke und Radolin mit ös Doͤrfern und laͤnd— lichen Etablissements) umfaßte. Dem Beispiele des Vaters, der Brandenburgische und andere Deutsche Landleute wegen ihres Fleißes und ihrer Betriebsamkeit auf seine Guͤter zu ziehen an— gefangen hatte, folgte der Sohn und dessen Wittwe, und so nahm die Deutsche Colonisation, welche schon 233 Herzog Wla⸗ dislaus (Sputator oder Odowicz) in jener Gegend durch Leu— buser Cistercienser beabsichtigt hatte, ohne daß sie jedoch damals durchgefuͤhrt werden konnte, immer mehr uͤberhand, und die freie Benutzung der Waͤlder und Weiden, welche nach der ungebundenen Polnischen Sitte jedem Einsas— sen der Czarnikauer Herrschaft im ganzen Bereich derselben zugestanden hatte, erhielt eine feste Gestaltung in dem verwickelt— sten Gewebe der Grundgerechtigkeiten, welches jenes ganze Ge— biet umstrickte und sogar einige der benachbarten Guͤter, z. B. einige Ortschaften der großen Herrschaft Filehne, nicht unberuͤhrt ließ. Nachmals geriethen die Guͤter in eine lange Cride, wäh— rend deren Dauer ihre einzelnen Bestandtheile von vielen Pfand⸗ besitzern benutzt wurden, unter welchen die Ansiedelungen im Ganzen und Einzelnen fortgingen. Im Jahre 1717 kaufte

endlich Graf Stanislaus Poniatowski die ganze Czarnikauer

Herrschaft, so weit sie auf dem rechten Ufer der Netze lag, und theilte sie 1718 in die jetzigen Herrschaften